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Full text of "Etymologisches Wörterbuch der romanischen Sprachen / 1"

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ETYMOLOGISCHES  WÖRTERBUCH 


DER 


ROMANISCHEN  SPRACHEN. 


ETYMOLOGISCHES 


WÖRTERBUCH 


DER 


ROMANISCHEN  SPRACHEN 


VON 


FRIEDRICH  DZEZ. 


VIERTE  AUSGABE. 


MIT  EINEM  ANHANG 

VON 

AUGUST  SCHELER. 


BONN, 

BEI  ADOLPH  MARCUS. 
1878. 


Das  Recht  der  Uebersetzung  ist  vorbehalten. 


LORENZ   DIEFENBACH 


SEINEM  VEREHRTEN  FREUNDE 


GEWIDMET. 


VORREDEN  DES  VERFASSERS. 

I.  Die  aufgäbe  der  etymologie  ist,  ein  gegebenes  wort  auf  seinen 
Ursprung  zurückzuführen.  Die  eur  lösung  dieser  aufgäbe  angewandte  Methode 
ist  aber  nicht  überall  dieselbe:  leicht  läßt  sich  eine  kritische  und  eine  un- 
kritische wahrnehmen.  Die  unkritische  nimmt  ihre  deutungen  auf  gut 
glück  aus  einer  äußerlichen  ähnlichkeit  der  form}  oder  erzwingt  sie  bei 
geringerer  ähnlichkeit7  ja  selbst  bei  gänzlicher  Verschiedenheit  derselben, 
durch  eine  reihe  willkürlich  geschaffener  mittelglieder.  Ein  in  seinem 
grundsatze  so  fehlerhaftes  verfahren,  dessen  ungeachtet  doch  da,  wo  wüz 
und  divinationsgabe  nicht  fehlten,  mancher  treffliche  wurf  gelang,  hat  bei 
vielen  die  ganze  etymologische  kunst  in  miscredit  gebracht,  während  sie 
sich  andern  durch  die  leichtigkeit  ihrer  ausübung,  wozu  sich  jeder  ohne 
beruf  und  Vorbereitung  aufgelegt  fühlte,  empfahl.  Jene  irren  in  ihrer  ab- 
neigung,  diese  in  ihrer  Zuneigung.  Im  gegensatze  zur  unkritischen  methode 
unterwirft  sich  die  kritische  schlechthin  den  von  der  lautlehre  aufgefundenen 
principien  und  regeln,  ohne  einen  fußbreit  davon  abzugehen,  sofern  nicht 
klare  thatsächlicHe  ausnahmen  dazu  nöthigen;  sie  bestrebt  sich  dem  genius 
der  spräche  auf  der  spur  zu  folgen,  ihm  seine  geheimnisse  abzugewinnen;  sie 
wägt  jeden  buchstäben  und  sucht  den  ihm  in  jeder  Stellung  zukommenden 
werlh  zu  ermitteln.  Und  doch,  wie  wenig  vermag  sie  oft,  wie  zweifelhaft 
sind  ihre  erfolge!  Das  höchste,  was  der  etymologe  erreicht,  ist  das  bewußt- 
sein  wissenschaftlich  gehandelt  zu  haben;  für  absolute  gewißheit  hat  er 
keine  gewähr,  eine  unbedeutende  notiz  kann  ihm  das  mühsam  erworbene 
zu  seiner  beschämung  unversehens  unter  den  fußen  wegziehen.  Dergleichen 
wird  bei  jeder  forschung  vorkommen,  bei  der  etymologischen  gehört  es  zu 
den  täglichen  erfahrungen,  die  auch  dem  scharfsinnigsten  nicht  erlassen 
werden.  Darum  bescheidenhext,  selbst  wo  alles  unsre  deiäungen  zu  unter- 
stützen scheint!  Mit  welcher  strenge  ich  in  dem  vorliegenden  buche  meine 
früheren  etymologien  gerichtet  und  gesichtet  habe,  wird  man  ohne  mühe 
erkennen;  was  ich  aber  gegen  mich  selbst  angewandt,  konnte  ich  auch 
gegen  andre  nicht  unangewandt  lassen.  Etwas  habe  ich  durch  vidjährige 
erfährung  auf  diesem  gebiete  gelernt,  was  sich  zwar  von  selbst  versteht, 
aber  nicht  von  allen  verstanden  sein  will:  daß  zu  wissenschaftlich  sicherem 
urtheUe  sich  nur  der  durcharbeitet,  der  den  gesammten  wortvorrath  der 


VIII  VORREDE. 

spräche  bis  in  ihre  Mundarten  hinein  zu  bewältigen  nickt  ermüdet  Wer 
nicht  so  weit  vorzudringen  tust  hat,  der  beklage  sich  nicht,  wenn  er  jeden 
augenblick  den  boden  verliert.  Es  ist  kein  wunder,  wenn  manche  auf 
andern  Sprachgebieten  ausgezeichnete  forscher  auf  dem  romanischen  so 
oft  fehlgreifen,  da  sie  nur  das  einzelne  in  einer  bestimmten  gestalt  auf- 
fassen, ohne  seine  geschickte  und  seine  beziehungen  nach  allen  Seiten  hin 
erkannt  zu  haben.  Die  romanische  Wortforschung  hat  eben  so  dunkle 
partien  zu  beleuchten  wie  vielleicht  irgend  eine  andre;  selbst  die  erkenntnis 
des  lateinischen  Stoffes  ist  in  zahlreichen  fällen  nicht  bequemer  als  die  des 
fremden.  Man  schlage  einmal  die  spanischen  mit  ch  oder  mit  z  anlautenden 
Wörter  nach  und  man  wird  von  der  richtigkeit  dieser  behauptung  eine 
ähnung  bekommen.  Erschöpft  man  auch  alle  von  den  einschlägigen  sprachen 
gebotenen  mittel,  z.  b.  für  das  spanische  den  lateinischen,  griechischen, 
baskischen,  celtischen,  germanischen,  semitischen  wortvorrath,  es  bleibt  ein 
großer  rest,  für  den  es  keinen  rath  gibt  Freilich  fließen  manche  sprachen, 
woraus  der  Romane  schöpfte,  für  uns  nur  noch  in  spärlichen  quellen. 
Eifriger  und  umsichtiger  forschung  aber  wird  sicher  gelingen  noch  manches 
räthsel  zu  lösen,  das  bis  jetzt  unlösbar  schien. 

Ein  f ortschritt  ist,  hoffe  ich,  in  dem  gegenwärtigen  versuche  geschehen; 
der  lautlehre,  die  sich  an  den  schätzen,  welche  die  etymologie  zu  tage 
fordert,  erfrischt  und  belebt,  wird  dies  dereinst  zu  gute  kommen.  Aber 
auf  die  bezwingung  des  ganzen  konnte  ich  nicht  eingehen,  und  wer  möchte 
muth  und  kraft  und  Selbstverleugnung  genug  dazu  heben?  Gleichwohl 
wünschte  ich  ein  ganzes  zu  geben,  sei  es  auch  nur  ein  bedingtes,  und  so 
richtete  sich  mein  augenmerk  1)  auf  üblichere  Wörter,  solche  die  in  rede 
und  schrift  häufiger  wiederkehren,  mit  ausschluß  aller  derer,  die  man  sich 
ohne  mühe  aus  dem  latein  erklärt,  die  also  der  Untersuchung  nicht  anheim- 
fallen können;  2)  auf  weniger  übliche,  aber  etymologisch  bedeutsamere, 
wohin  ich  vornweg  Partikeln,  einfache  verba,  zumal  aber  einfache  adjeetiva, 
demnächst  viele  von  Ungutsten  mehrfach  besprochene,  zu  einem  gewissen 
rufe  gelangte  Wörter  rechnete.  Aber  auch  solchen,  die  weder  zur  einen 
noch  zur  andern  classe  gehören,  sollte  der  eintritt  unverwehrt  sein,  nur 
fiel  hier  jede  Verbindlichkeit  der  aufnähme  weg:  fülle  ist  besser  als  mangel 
und  am  ende  kann  jedes  wort  zur  kenntnis  der  bestandtheile  einer  spräche 
beitragen.  Es  gibt  aber  auch  Wörter,  deren  bereits  vorhandene  deutung 
nicht  zu  weiterer  prüfung  veranlaßt;  andre  nicht  genügend  oder  gar  nicht 
gedeutete,  die  zwar  dUe  rücksicht  verdienen,  aber  diesmal  nicht  zur  Unter- 
suchung reizten :  gehen  sie  auch  leer  aus,  sie  dienen  doch  anzudeuten,  was 
einer  spräche  seltenes  oder  merkenswerthes  angehört.  Jene  sind  hier  mit 
dem  eingeklammerten  namen  ihres  erklärers  bezeichnet,  diese  ohne  irgend 
eine  beurtheilung  hingesetzt  worden  und  somit  anderweitiger  Untersuchung 
empfohlen.    Sparsamkeit  in  der  abfassung  der  artikel  war  mir  gesetz: 


VORREDE.  IX 

darum  wählte  ich  aus  den  volksmundarien  meist  nur  unmittelbar  zum  ziele 
führendes;  darum  vermied  ich,  den  Ursprung  des  aufgestellten  etymons,  so 
wie,  vorwärts  gewandt,  die  Verbreitung  des  romanischen  abbüdes  über 
fremdes  gebiet  su  verfolgen;  darum  berichtete  ich  nicht  über  alle  vorge- 
brachten meinungen;  daß  ich  seichten  erklärungsversuchen  die  thüre  schloß, 
versteht  sich*). 

Die  emtheüung  des  Stoffes  wird  man.  billigen.  Es  kam  darauf  an, 
schon,  in  der  äußeren  einrichtung  zu  einer  tyaren  Übersicht  desselben  zu 
gelangen.  Zu  diesem  zwecke  mußten  zwei  theile  gebildet  werden.  Der 
erste  umfaßt  ziemlich  vollständig  den  gesammt-  oder  gemeinromanischen 
d.  h.  den  auf  allen  drei  gebieten,  dem  italienischen,  dem  spanisch-portu- 
giesischen und  dem  provenzalisch-französischen,  ja  selbst  den  auf  nur 
zweien  derselben  einheimischen  sprachstoff,  in  der  reget  wenigstens  sofern 
dieser  den  neueren  Schriftsprachen  angehört.  Der  italienischen  räumte  ich 
in  den  einzelnen  artikeln  den  vortritt  ein,  wozu  sie  tiire  heimath  und  ihr 
genauerer  anschluß  an  die  lateinische  berechtigte;  selbst  wo  sie  sich  weiter 
von  der  urform  entfernt  als  die  schwestersprachen,  konnte  nicht  füglich 
vom  prineip  abgewichen  werden.  Oder  war  es  nicht  rathsamer  das  mittel- 
lateinische alle  andern  umfassende  wort  voranzustellen?  Allein  das  mittel- 
latein  ist  selbst  vielformig  und  konnte  nicht  anders  sein:  sollten  aber  die 
von  manchen  und  notarm  geschaffenen  sprachformen  der  volksüblichen  rede 
den  weg  zeigen?  Mit  diesem  mittellatein  läßt  sich  viel  unfug  treiben. 
In  den  früheren  Jahrhunderten,  als  die  Volkssprachen  der  lateinischen  näher 
standen,  ist  es  allerdings  eine  für  die  Wortforschung  höchst  wichtige  quelle, 
weil  es  reine  formen  gewährt.  Seitdem  aber  jene  sprachen  selbst  in  schrift 
auftraten,  kann  die  Wissenschaft  es  fast  entbehren,  ja  sie  muß  es  nicht 
selten  von  sich  stoßen.  Wie  ungeschickt  man  seit  dem  zwölften  Jahrhundert 
latinisierte,  davon  reden  beispide  wie  sessicare  =  altfr.  Bescher;  gordns 
=  altfr.  gort,  lat.  gurges ;  hommagium  =  altfr.  hommage  d.  i.  hominaticum. 
Welch  ein  falsches  bild  gibt  bos8a  =  /r.  bosse;  grasales^r.  grazal,  wo- 
für bocia,  gradale  zu  erwarten  war!  Der  zweite  theü  enthält  den  jedem 
der  drei  gebiete  ausschließlich  eignen  sprachstoff  **).  In  dem  dritten  dieser 
gebiete  habe  ich,  nicht  ohne  einiges  bedenken,  die  französische  form  als  die 
bekannteste  der  provenzalischen  voranzustellen  mir  erlaubt,  um  das  nach- 
schlagen zu  erleichtern.  Der  walachischen  in  der  fremde  erzogenen,  mit 
den  übrigen  nicht  aufgewachsenen  tochter  der  römischen  mutter  habe  ich 


*)  Ich  bemerke  hier  noch:  um  nicht  mit  formen  zu  ermüden,  habe  ich  im 
L  theile  die  port.  form,  wenn  sie  der  span.  gang  nahe  lag,  häufig  unterdrückt;  seltner 
die  prov.,  da  diese  zugleich  das  höhere  alter  eines  Wortes  bezeugt. 

**)  Von  den  zahlreichen  arabischen  Wörtern  im  span.  und  port.  konnte  nur  eine 
auswahl  aufgenommen  werden.  Sie  sind  mit  latein.  buchstaben  geschrieben  und  zur 
beglaubigung  aus  Crohns9  oder  Freytag1 8  Wörterbüchern  nachgewiesen. 


X  VORREDE. 

* 

keine  eigne  stelle  eingeräumt,  sie  nur  zur  vergleichung  zugelassen,  nicht 
anders  die  churwälsche.  Die  volksmundarten  bieten  der  forschung  ein 
unschätzbares,  nie  zu  erschöpfendes  material,  welches  häufig  Über  buch- 
stabenverhältnisse  und  begriffsentwicklung  Überraschenden  aufschluß  gibt: 
ich  habe  sie  daher  Überall  zu  raihe  gezogen,  so  weit  die  mir  gestatteten 
hülfsmittd  ausreichten,  ihnen  auch  zuweilen  beispiels  halber  kleine  artikel 
vergönnt  Schade,  daß  wir  nicht  über  recht  viele  derselben  so  einsichtige 
und  gewissenhafte  Untersuchungen  besitzen  wie  über  die  wallonische.  Durch 
die  bemerkte  Zerlegung  des  Stoffes  wird  auf  den  ersten  blick  klar,  was 
alle  gemeinschaftlich  besitzen,  größtentheils  das  alte  römische  erbtheil,  und 
was  jede  noch  besonders  sich  angeeignet  hat;  nur  darf  ich  nicht  unbe- 
merkt lassen,  daß  ich  die  französische  als  die  uns  am  nächsten  liegende 
vor  den  andern,  wenigstens  der  spanischen,  begünstigt  habe.  Von  diesem 
partiellen  eigenthume  der  sprachen  sind  freilich  viele  der  aufgenommenen 
artikel  als  gesammtromanisclie  abzurechnen,  welche  nicht  wohl  in  die  erste 
abtheilung  paßten,  weil  ihre  etymologie  in  den  übrigen  sprachen  auf  der 
hand  lag.  So  schien  z.  b.  das  lat.  apium  (sp.  apio,  it.  appioj  in  seiner 
franz.  form  ache  fremdartig  genug,  um  in  der  partiell  franz.  abtheilung 
eine  stelle  zu  finden.  Kleine  inconsequenzen  in  der  vertheilung  der  Wörter 
mögen  vorkommen,  sie  werden  dem  ganzen  wenig  schaden:  das  register 
bürgt  zuletzt  für  alles.  Eine  größere  inconsequenz  wird  man  vielleicht 
darin  finden,  daß  zietnlich  regellos  hier  ein  verbum,  dort  ein  notnen  an 
der  spitze  eines  artikels  steht.  Es  ist  in  der  that  oft  schwer  zu  sagen, 
welche  der  beiden  Wortarten  als  die  primitive  anzunehmen  sei.  Gewöhnlich 
wird  dies  durch  die  etymologie  entschieden,  in  andern  fällen  wird  es 
nicht  zu  kühn  sein,  sich  in  einer  sachc  von  so  geringer  bedeutung  durch 
das  gcfüfä  leiten  zu  lassen. 

Über  die  unlateinischen  demente  in  den  neuen  sprachen  habe  ich 
mich  vor  jähren  ausführlich  geäußert  und  finde  an  meiner  damaligen  auf- 
fassung  der  sache  nichts  wesentliches  zu  ändern.  Richten  wir  aber  noch- 
mals den  blick  auf  die  Ursprachen,  um  etwaigen  charakterzügen  oder  resten 
derselben  in  den  einzelnen  gebieten  auf  die  spur  zu  kommen. 

Für  die  kenntnis  der  italischen  Ursprachen  sind  in  neuerer  zeit 
wieder  bedeutende  denkmäler  aris  licht  gezogen  und  der  bau  jener  sprachen 
so  wie  ihr  Stammverhältnis  zum  latein  sorgfältig  erörtert  worden.  Die 
wichtigste  der  unteritalischen  durch  höhlere  ausbildung,  längere  dauer  und 
durch  grösseren  umfang  ihrer  Überreste  ist  ohne  zweifei  die  pskische.  Ver- 
gleicht man  sie  nun  mit  der  italienischen,  so  verräth  diese  nicht  das  ge- 
ringste von  den  lautgesetzen  der  ersteren.  Die  oskische  abneigung  vor  der 
assimilation  der  consonanten  ist  grade  das  gegentheil  des  lateinischen  im 
italienischen  noch  weiter  ausgebildeten  Verfahrens.    Man  )iat  den  oskischen 


VORREDE.  XI 

gebrauch,  gewissen  vocalen  ein  i  vorzusetzen  wohl  mit  einem  ähnlichen 
neapolitanischen  verglichen,  gewiß  aber  nicht  in  der  Voraussetzung  eines 
historischen  Zusammenhanges,  um  so  weniger  als  der  neap.  gebrauch  unter 
einen  andern  gesichtspunct,  den  der  diphthongierung  zu  stellen  ist,  die 
sich  übrigens  ganz  auf  den  vocal  e  beschränkt.  Als  ein  bedeutsamerer 
beriihrungspunct  dürfte  die  osJcische  neigung,  tenuis  in  media  zu  verwandeln, 
bemerkt  werden,  aber  auch  hieraus  würde  sich  keine  folgerung  für  das 
italienische  ziehen  lassen.  Jene  neigung  ist  gemeinromanisch,  hat  in  den 
verschwisterten  mundarten  noch  weit  stärker  eingegriffen  und  läßt  eine 
tiefere  nicht  bloß  durch  berührung  mit  einer  nachbarsprache  geweckte  an- 
läge vermuthen.  Doch  sind  solche  gemeinsame  züge,  welche  verschiedene 
sprachen  auf  einem  und  demselben  boden  zu  erkennen  geben,  der  erwähnung 
nicht  unwerth,  und  so  möge  denn  auch  noch  an  den  umbrischen  und  vols- 
kischen  Wegfall  des  flexivischen  t  in  der  conjugation  (habia  =  habeat)  er- 
innert  werden.  Von  der  etruskischen  spräche  aber  darf  man  völlig  absehen: 
was  man  fast  nur  aus  eigennamen  Über  ihre  stammesart  und  über  ihren 
bau  weiß  oder  vermuthet,  findet  auf  dem  ganzen  römischen  gebiete  keinen 
anklang.  Diese  abwesenheit  oder  dieses  nur  in  leichten  und  zweifelhaften 
spuren  hervortretende  dasein  grammatischer  züge  der  altitalischen  idiome 
in  der  römischen  Volkssprache,  soweit  die  vorhandenen  mundarten  auf 
deren  gestalt  zu  schließen  berechtigen,  hindert  indessen  nicht,  das  ganz, 
naturgemässe  eindringen  zahlreicher  provincialismen  aus  den  untergegangenen 
idiomen  in  dieselbe  anzunehmen,  ja  diese  annähme  ist  eine  durch  die  läge 
der  sache  gebotene,  da  sie  allein  den  zufluß  heterogener  im  italienischen 
enthaltener,  in  keiner  der  angränzenden  sprachen  vorfindlicher  demente  zu 
erklären  vermag.  Nachweislich  sind  diese  demente  freilich  nicht  mehr,  da 
die  Wörterbücher  der  untergegangenen  sprachen  fehlen.  Ungeachtet  des 
einflusses  dieser  altitalischen  demente  ist  die  italienische  spräche  unzweifel- 
haft unter  den  romanischen  die  am  wenigsten  gemischte.  Dies  gilt  aber 
nur  von  den  mittleren  dialecten,  welche  das  lateinische  erbtheil  am  reinsten 
in  sich  begreifen.  Die  südlichen  lassen  manches  griechische  und  einiges 
arabische  erkennen,  das  den  andern  abgeht.  Durchmustert  man  aber,  über 
die  gränzen  des  alten  Italiens  hinausgehend,  die  nördlichen,  die  cisalpi- 
nischen  mundarten,  so  glaubt  man  sich  in  eine  andre  weit  versetzt:  in 
dieser  weiten  landschaß,  zumal  in  der  großen  ebene  zwischen  den  Alpen 
und  dem  Po,  hol  die  gewaltige  römersprache  die  volksmundarten  nicht  be- 
wältigen, sich  des  einflusses  andringender  barbarensprachen  nicht  erwehren 
können.  Der  zufluß  deutscher,  zum  theil  recht  merkwürdiger  Wörter  kann 
hier  nicht  überraschen;  wer  aber  celtische  reste  von  einiger  erheblichkeit 
erwartet,  wird  sich  bald  getäuscht  sehen:  das  gesammte  italienische  gebiet 
möchte  deren  nur  wenige  aufweisen,  die  Schriftsprache  enthält  vielleicht 
nicht  ein  einziges  wort  dieses  Stammes,  welches  sich  nicht  auch  im  proven- 


XII  VORREDE. 

edlischen  oder  französischen  vorfände.  Eine  sorgfältige  etymologische 
Untersuchung  besonders  der  zunächst  an  den  Alpen  oder  in  denselben 
liegenden  dialecte  würde  der  Sprachgeschichte  reichlichen  gewinn  zuführen: 
Monti's  comaskisches  Wörterbuch  liefert  für  einen  (heil  derselben  schon  ein 
treffliches  material,  das  in  Verbindung  mit  dem  ertrage  churwälscher  und 
andrer  Wörtersammlungen  die  linguistische  Bedeutsamkeit  jener  dialecte 
hinlänglich  übersehen  läßt 

Wenn  in  Italien  die  alten  landessprachen  so  weit  ausgerottet  wurden, 
daß  keine  von  ihnen  in  ihrem  selbständigen  dasein  auch  nur  das  Au- 
gustische Zeitalter  erreichte,  so  lebt  in  Spanien  die  iberische  Ursprache 
dagegen  bis  auf  den  heutigen  tag  im  baskischen  fort.  Aber  auch  diese 
Sprache  kann  Zeugnis  ablegen,  wie  weit  die  zerstörende  gewalt  der  römischen 
sich  erstreckte,  da  wo  es  galt  eine  nationalität  zu  vertilgen.  Denn  daß 
es  jener  gelang,  in  einer  entlegenen  gebirgsgegend  ihr  dasein  fortzusetzen, 
sagt  wenig  gegen  die  allgemeine  niederlage.  Man  weiß,  daß  schon  Sträbo 
(3,  2  extr.)  den  Turdetatiern,  einem  gebildeten  südspanischen  volke,  das 
eine  einheimische  litteratttr  aufweisen  konnte,  den  gänzlichen  Umtausch  ihrer 
spräche  gegen  die  lateinische  nachrühmt;  dass  der  spätere  Columdla  viele 
provincialismen  des  bereits  über  das  platte  land  der  halbinsel  verbreiteten 
lateins  anführt;  daß  aber  auch  andrerseits  Cicero  (de  divin.  2,  64)  des 
daseins  einer  hispanischen  spräche  gedenkt;  und  daß  nach  Tacitus  (annal. 
4,  45)  ein  landmann  aus  dem  diesseitigen  Spanien  vor  gerieht  die  spräche 
seiner  väter  redete.  Aber  seit  der  erwerbung  der  römischen  civität  wurden 
die  spanischen  Völkerschaften  wie  die  italischen  sehr  bald  in  Römer  ver- 
wandelt. Sehen  wir  jedoch  näher  zu,  ob  sich  in  der  spanischen  mundart 
nicht  noch  irgend  ein  baskischer  zug  entdecken  läßt.  Als  einen  solchen 
führt  Larramendi  in  seiner  grammatik  (p.  10.  11)  die  mit  der  endung  ez 
gebildeten  patronymica  an,  Rodrigo  Rodriguez,  Fernando  Fernandez  nach 
dem  bask.  berun  blei,  berunöz  von  blei.  Aber  verdacht  gegen  diesen  Ur- 
sprung erregt  die  von  seinem  Verfechter  selbst  eingestandene  thatsache, 
daß  sich  die  Basken  dieser  form  für  patronymica  nicht  einmal  bedienen, 
daß  sie  z.  b.  Manuel  de  Garagorri  sagen  statt  Garagorriez.  Vielmehr 
scheint  ez,  ursprünglicher  ix,  nichts  anders  als  die  gofhische  genitivendung 
ig,  wobei  filius  zu  supplieren:  Roderiquiz  in  Urkunden,  später  Rodriguez 
ist  =  goth.  Hröthareikis,  Fredinandiz  Fernandez  =  goth.  Frithanantis. 
Diese  endung  wird  denn  auch  auf  unpassende  fälle  angewandt:  statt 
Flori,  Fortuna,  Pelagii,  Petri,  Sanctii  sprach  man  Floris  Florez,  For- 
tunez,  Pelaez,  Perez,  Sanchez,  genau  wie  man  in  den  tagnamen  die  genitive 
Miercoles  =  Mercurii,  Lunes  =  Lunae  (dies)  der  grammatik  abtrotzte. 
Was  Larramendi  sonst  noch  hervorhebt,  das  ableitungssufßx  eria  (sp. 
porqu-eria  von  puerco  =  bask.  ero-querfa  von  erö,  p.  262),  oder  in  der 
conjugation  die  Umschreibung  mit  habere  (p.  48),  zerrinnt  von  selbst  in 


VORREDE.  XIII 

nichts.  Sollte  aber  das  span.  lautsystem,  vornehmlich  da  wo  es  sich  vom 
lateinischen  oder  dem  der  schwestersprachen  lossagt,  nichts  vom  iberischen 
Charakter  verrathen?  Zu  vergleichungen  sind  hier  besonders  die  lippen- 
buchstaben  geeignet.  Anlautendes  lat.  p  wird  im  baskischen  nicht  selten 
zu  b  (botherea  =  sp.  poder,  lat.  posse)  und  dies  ist  ganz  unspanisch.  Der 
Baske  hat  eine  nicht  zu  verkennende  scheu  vor  dem  f ;  nicht  so  der  Spa- 
nier, wenigstens  ist  die  ihm  eigene  Verwandlung  des  anlautenden  f  in  h 
etwas  später  entwickeltes,  seiner  ältesten  spräche  noch  fremdes.  V  fehlt 
dem  Basken  gänzlich:  seine  stelle  versieht  b,  ja  selbst  m,  letzterer  Über- 
gang dem  Spanier  ganz  unbekannt.  Das  unlateinische  im  spanischen  ein- 
heimische ch  ist  allerdings  auch  ein  sehr  üblicher  baskischer  laut,  der  aber 
etymologisch  mit  dem  spanischen  buchstaben  wenig  berührung  hat,  indem 
er  häufig  spanischem  g,  c,  z,  j,  x  entspricht;  auch  haben  die  schwester- 
sprachen  ihn  eben  so  wohl  entwickelt.  Doch  wäre  es  nicht  unwichtig  zu 
wissen,  ob  dieses  polatale  ch  nebst  ts,  z,  tz,  wie  Humboldt  voraussetzt, 
wirklich  alte  iberische  laute  gewesen:  darüber  konnte  erst  die  entzifferung 
des  einheimischen  alphabetes  aufschlug  bringen.  Ein  andrer  unlateinischer 
laut,  das  aspirierte  g  oder  j,  fehlt  im  baskischen,  dafür  sieht  y  (sprich 
wie  itai.  j),  d.  h.  die  spräche  beharrte  bei  dem  erweichten  oder  halbvoca- 
tischen  g,  woraus,  wie  aus  dem  latein.  j,  die  span.  ausspräche  nachher 
eine  aspirata  machte  (Born.  gr.  i*,  268 — 9),  z.  b.  bask.  yendea  =  sp. 
gente.  Ohne  mühe  lassen  sich  noch  andre  nicht  minder  scharfe  Wider- 
sprüche in  beiden  sprachen  auffinden,  z.  b.  das  im  baskischen  vor  anlau- 
tendem t  vorschlagende  a  oder  e  (arraza  =  sp.  raza,  erribera  =  ribera). 
Dagegen  treffen  sie  zusammen  in  dem  ganz  unlateinischen  gebrauche,  das 
anlautende  s  impurum  auf  ein  vor  gefügtes  e  zu  stützen;  auch  darf  noch 
ein  punct,  worin  sie  sich  beide  zu  begegnen  scheinen,  erwähnt  werden. 
Der  Baske,  dem  zusammentreffen  von  consonanten  überhaupt  nicht  hold, 
schiebt  gerne  zwischen  muta  und  r  oder  auch  zwischen  muta  und  1  einen 
vocal  ein:  apirilla  (aprilis),  guiristinoa  (sp.  cristiano),  liburua  (libro), 
khumtzea  (crutz),  poroganza  (probanza),  pulumpatu  (pr.  plombar).  Das- 
selbe thut  auch  der  Spanier  und  Portugiese,  z.  b.  sp.  engarrafar  (für 
engarfar),  taragona  (draco),  pg.  caranquejo  (pr.  cranc),  bara$a  (bra^a), 
coro^a  (croca),  sp.  coronica  (chronica),  pg.  gurumete  (neben  grumete) 
gurupa  (neben  grupaj,  sp.  filibote  (neben  flibotej  u.  dgl.;  doch  ist  dabei 
nicht  unbemerkt  zu  lassen,  daß  auch  andern  roman.  mundarten  dies  aus- 
einanderhalten der  consonanten  nicht  fremd  ist,  wenn  sie  auch  einen 
mäßigeren  gebrauch  davon  machen,  überblickt  man  solche  thatsachen,  so 
wird  man  sich  überzeugen  müssen,  daß  sich  unter  dem  eisernen  joche  der 
latein.  spräche  von  den  naturanlagen  oder  den  grammatischen  eigenheiten 
der  iberischen  in  der  spanischen  wenig  hat  behaupten  können.  Nicht  ein- 
mal läßt  sich  eine  irgend  erhebliche  anzahl  baskischer  Wörter  in  den  an- 


XIV  VORREDE. 

grunzenden  rotnan.  sprachen  nachweisen:  sie  werden  sich,  manche  zweifel- 
hafte mitgerechnet,  noch  nicht  auf  hundert  belaufen.  Freilich  ist  dies  nur 
der  ertrag  einer  bloß  auf  die  Oberfläche  gerichteten  prüfung;  ihn  zu  ver- 
mehren, wird  dem  tiefer  eindringenden  äuge  des  kenners  sicher  gelingen. 
Ohne  zweifei  aber  hat  das  von  fremden  sprachen  eingeengte  baskische  gebiet 
einen  großen  theil  seines  alten  Wortschatzes  eingebüßt.  Eben  darum  ist 
die  Untersuchung  des  Span,  sprachstoffes  so  schwierig.  Wörter  baskischen 
Ursprungs  hat  unter  andern  Larramendi  in  großer  zahl  zusammengetragen 
und  gedeutet.  Seine  deutungen  aus  aneinandergefügten  oft  unscheinbaren 
dementen  rechtfertigt  allerdings  die  natur  der  baskischen  spräche;  wenn 
aber  aus  dieser  Zergliederung  ein  dem  warte  nicht  wesentlich  zukommendes 
merkmal  hervorgeht,  so  können  sie  höchstens  nur  auf  den  ersten  blick 
täuschen.  Span,  lona  heißt  Segeltuch,  vom  bask.  lo-ona  d.  i.  guter  schlaf, 
weil  es  sich  zu  zelten  eignet,  und  in  zelten  schläft  sichs  gut.  Solcher 
etymologien  finden  sich  hunderte  bei  ihm.  Ich  habe  indessen  aus  seinem 
Verzeichnis,  mit  wenigen  ausnahmen,  alles  was  mir  auch  nur  leidlich 
haltbar  schien,  in  gegenwärtiges  buch  eingetragen.  Wichtig  ist  hier  die 
frage:  soll  man  alle  spanische  Wörter,  die  man  außerdem  nur  in  jener 
Ursprache  bemerld,  daraus  herleiten?  Soll  man  letztere  in  so  weit  gleich- 
stellen mit  der  arabischen  oder  deutschen?  Mir  scheint  bei  der  starken 
mischung  des  baskischen  mit  romanischem  die  baskische  herkunft  eines 
Wortes  nur  da  annehmbar,  wo  .sich  seine  ursprünglichkeit  auf  diesem  boden 
nachweisen  läßt,  eine  f orderung,  welche  auf  die  nicht  romanisch  versetzten 
sprachen  keine  anwendung  findet.  Aber  wo  dieser  forderung  genüge  ge- 
schieht, mag  der  baskische  Ursprung  bei  partiell  spanischen  Wörtern  dem 
gothischen  vorangehn,  nicht  eben  dem  arabischen.  Wie  kommt  es  aber, 
daß  so  viele  baskische  im  spanischen  vorhandene  Wörter,  fast  zwei  drittel 
von  allen,  dem  Portugiesen  fehlen,  ohne  daß  er  eines  ähnlichen  Schatzes 
ihm  ausschließend  eigner  Wörter  aus  jener  spräche  sich  rühmen  kann? 
Waren  die  Iberier,  wie  auch  Humboldt  in  seinen  Untersuchungen  über  die 
urbewohner  des  landes  feststellt,  in  Lusitanien  weniger  verbreitet,  so  daß 
ihre  spräche  daselbst  einen  geringeren  eindruck  zurückließ,  oder  drangen 
jene  Wörter  erst  später  aus  dem  baskischen  in  das  nahe  spanische  gebiet 
ein,  ohne  das  entlegenere  portugiesische  gebiet  zu  erreichen? 

Die  wichtigste  der  Ursprachen  Frankreichs  ist  die  celtische.  Ich 
habe,  als  ich  die  bestandtheile  der  romanischen  sprachen  untersuchte,  dem 
cellischen  demente  wenigstens  nach  allgemeiner  Schätzung  sein  recht  wider- 
fahren zu  lassen  mich  bemüht  und  die  zweifei  an  seinem  Vorhandensein 
bestritten;  ein  genaueres  eingehn  in  die  sache  durfte  ich  mir  bei  mangelnden 
Vorstudien  nicht  erlauben.  Seit  jener  zeit  aber  sind  wir  durch  eindringliche 
forschung  über  den  grammatischen  bau  und  zumal  über  den  Zusammenhang 
der  celtischen  sprachen  mit  den  indo-germanischen  besser  aufgeklärt  worden 


VORREDE.  XV 

und  diese  beobachtungen  dürfen  auch  an  der  romanischen  etymologie  nicht 
ohne  erfolg  vorübergehn.  Das  Stammverhältnis  der  neueren  celtischen  Völker, 
der  Iren,  Gaden,  Kymren  und  Bretonen  zu  den  alten  wird  von  den  ge- 
schichtschreibern  zwar  sehr  verschieden  und  oft  in  ganz  entgegengesetztem 
sinne  beurtheilt;  wie  aber  diese  fragen  einst  gelöst  werden  mögen,  für  die 
beurtheilung  des  celtischen  dementes  in  den  aus  dem  latein  entstandenen 
sprachen  scheint  diese  lösung  nicht  von  großem  belang.  So  viel  darf  als 
thatsache,  gewiß  keine  unerhebliche,  ausgesprochen  werden,  daß  die  franz. 
und  prov.  spräche,  auf  die  es  hier  am  meisten  ankommt,  der  kymrischen 
naher  stehen  als  der  irisch- gaelischen  sowohl  in  betreff  der  menge  als  auch 
der  gestalt  der  dem  celtischen  und  romanischen  gebiete  gemeinsamen  Wörter. 
Auch  die  westromanische  scheu  vor  anlautendem  s  impurum  findet  sich 
nur  in  dem  kymr.  zweige  wieder.  Manches  gewährt  die  bretonische  mund- 
art,  was  die  übrigen  verweigern,  und  wohl  darf  man  acht  celiisches,  vielleicht 
selbst  altgdllisches,  darunter  vermuthen,  allein  die  erstaunliche  mischung 
derselben  mit  französisch  macht  diese  quelle,  wo  sie  für  sich  allein  fließt, 
für  die  kritische  etymologie  fast  unbrauchbar,  fast  nur  zur  verglekhung 
noch  tauglich.  Dagegen  vergönnt  diese  mundart  der  roman.  Sprachforschung 
einen  andern  vortheil,  der  den  etymologischen  wohl  noch  überwiegen  dürfte: 
sie  ist  nicht  allein  eine  fundgrübe  altfranzösischer  Wörter  und  bedeutungen, 
sie  liefert  auch  zur  geschickte  der  französischen  ausspräche  schätzbare 
aufUärungen. 

Die  art  des  Übertrittes  aus  der  celtischen  in  die  romanische  sprach- 
form hat  nichts  besonderes,  so  weit  sich  bei  der  geringfügigkeit  des  Stoffes 
bestimmte  gesetze  aufstellen  lassen.  Das  was  dem  etymologen  manches 
bedenken  macht,  ist  die  collision  des  celtischen  Stoffes  mit  dem  germanischen, 
und  hierüber  jemals  ganz  ins  reine  zu  kommen  d.  h.  zu  bestimmen,  welcher 
von  beiden  Sprachfamilien  der  Romane  ein  in  beiden  vorhandenes  wort 
zunächst  schulde,  ist  kaum  zu  hoffen.  Doch  gilt  dies  nur  in  einzelnen 
fällen,  denn  nicht  selten  läßt  sich  aus  inneren  oder  äußeren  gründen  die 
frage  zum  vortheil  der  einen  oder  der  andern  dieser  sprachfamüien  ent- 
scheiden. So  wird  man  bei  gleichen  formdien  ansprüchen  ausdrücke  für 
naturgegenstände  als  alteinheimische  lieber  zum  celtischen  als  zum  germa- 
nischen demente  rechnen.  Die  Verbreitung  eines  Wortes  durch  mehrere 
sprachen  des  einen  gebietes  gegenüber  dem  vorkommen  desselben  in  einer 
dnzdnen  spräche  des  andern  wird  für  seine  ursprünglichkeit  in  dem 
ersteren  Zeugnis  ablegen,  wo  nicht  besondere  anzeichen  für  das  umgekehrte 
Verhältnis  sprechen.  Entscheidender  aber  sind  gewisse  formelle  kennzeichen, 
wie  denn  die  form  dem  etymologen  überall  den  sichersten,  von  subjectiver 
auffassung  unabhängigsten  anhält  bietet.  Solche  kennzeichen  liegen  unter 
andern  in  einzdnen  spuren  der  deutschen  lautver Schiebung,  wenn  z.  b.  das 
itcd.  tetta  auch  citta,  cizza  lautet,  cdtisch  aber  nur  teth.   Sodann  in  dem 


XVI  VORREDE. 

deutschen  ableitenden  i  oder  j  mancher  Wörter,  wie  itcd.  boriare,  althochd. 
burgan,  altgael.  aber  schlechtweg  bor.  Wo  es  aber  an  allen  inneren  und 
äußeren  henneeichen  gebricht,  da  ist  in  betracht  des  unverhältnismäßigen 
übergewichtes  der  deutschen  besfanätheüe  die  Wahrscheinlichkeit  für  diese 
spräche,  für  die  celtische  nur  die  möglichkeit.  Dieses  übergewicht  des 
deutschen  dementes  über  das  alteinheimische  ist  eine  unläugbare  thatsache 
und  jedes  sträuben  gegen  seine  anerkennung  eine  thorheit.  Wahrlieh,  die 
Römer  müssen  reine  arbeit  gemacht  haben,  als  germanische  Völker  sich  in 
Gallien  festsetzten!  Es  wird  kaum  übertrieben  sein,  wenn  man  behauptet, 
daß  der  einzige  buchstabe  H  im  französischen  nicht  viel  weniger  deutsche 
als  alle  buchstaben  zusammengenommen  celtische  Wörter  in  sich  begreifen. 
Erinnert  man  sich  freilich  des  umstandes,  daß  die  Franken  mitten  unter 
den  Romanen  ein  halbes  Jahrtausend  hindurch  die  spräche  ihrer  väter 
fortredeten,  daß  in  demselben  maße  wie  die  deutschen  Wörter  im  franzö- 
sischen zunahmen,  die  ceitischen  abnehmen  mußten,  denn  jede  spräche  sucht 
sich  ihres  Überflusses  zu  entledigen,  so  erklärt  sich  diese  er  scheinung  auf 
die  natürlichste  weise. 

Sollte  es  aber  auch  dieser  Ursprache  nicht  gelungen  sein  wenigstens 
ein  fünkchen  ihres  geistes  im  französischen  fortglimmen  zu  sehen?  Es 
mangelt  in  der  that  nicht  an  zusammentreffenden  zügen.  So  das  genus, 
welches  in  beiden  sprachen  nur  zweierlei  ist,  männlich  und  weiblich,  früher 
dreierlei  war.  Aber  der  Untergang  des  neutralen  geschlechtes  im  fran- 
zösischen ist  sicher  älter  als  im  ceitischen  und  zum  theil  von  andern  um- 
ständen begleitet,  indem  dort  zahlreiche  neutra  in  ihrer  pluralform  zum 
feminin,  hier  alle  zum  masculin  übertraten.  Giengen  doch  auch  die  ver- 
schwisterten  mundarten  denselben  weg  ohne  rücksieht  auf  die  sitte  altein- 
heimischer oder  später  eingebrachter  sprachen:  überall  ward  das  masculin 
und  feminin  festgehalten,  das  neutrum  aufgegeben.  Nicht  anders  wird  es 
sich  mit  einem  andern  gemeinschaftlichen  zuge,  der  präposüionalen  decli- 
nation,  verhalten.  Selbst  die  altfranz.  oder  prov.  Unterscheidung  des  casus 
rectus  und  oHiquus  (nom.  sg.  amic-g,  acc.  amic,  pl.  amic,  acc.  amic-sj, 
worin  man  einen  wiederschein  der  gadischen  einrichtung  (nom.  sg.  bard, 
gen.  baird,  nom.  pl.  baird,  gen.  bard)  zu  erblicken  glaubt,  schmiegt  sich 
innig  an  das  lat.  Verhältnis,  so  daß  sie  sich  gar  wohl  ohne  äußere  ein- 
wirkung  entwickelt  haben  kann,  wie  denn  auch  die  gaelische  einrichtung 
in  einem  erheblichen  puncte  von  der  romanischen  abweicht,  da  sie  den  dativ 
sing,  dem  nominativ  gleichbildet.  Offenbar  celtisch  aber  ist  im  französischen 
das  zählen  mit  zwanzigen,  welches  neben  der  lateinischen  methode  in  an- 
Wendung  blieb:  altfranz.  treiö  yinz  (60),  treis  vinz  e  dis  (70)  u.  s.  f. 
Auch  scheinen  in  der  syntax  einige  celtische  spuren  durchzublicken:  an 
eine  fremde  Wortfügung,  wobei  es  auf  eine  völlige  verläugnung  des  ein- 
gesogenen Sprachgefühles  ankommt,  gewöhnt  man  sich  minder  leicht  als  an 


VORREDE.  XVII 

fremde  Wörter  und  flexionen.  Dahin  dürfte  man  etwa  rechnen,  daß  es 
im  hymrischen  dem  genitiv  vergönnt  ist,  ohne  präposition  hinter  dem 
regierenden  nomen  platz  zu  nehmen  wie  im  franz.  hötel  dien;  daß,  gleich- 
falls im  hymrischen,  das  possessive  Verhältnis  eines  Substantivs  durch  die 
präp.  i  =  roman.  a  =  engl,  to  bezeichnet  wird  wie  im  cdtfranz.  la  gent 
an  roi,  engl,  servant  to  bis  master;  daß  im  gaelischen  die  Bedeutung  ge- 
wisser adjectiva  durch  ihre  Stellung  vor  oder  hinter  dem  Substantiv  bedingt 
ist  wie  im  franz.  hoimSte  homme  und  homme  honnete;  daß  daselbst 
gleichnamige  personen  durch  cardinalzahlen  unterschieden  werden  wie  im 
franz.  Henri  qnatre ;  und  wieviel  der  Meinen  züge  sonst  noch  sein  mögen, 
auf  die  man  sich  hier  berufen  könnte. 

Aber  edles  was  fremde  sprachen  beigetragen  haben,  wiegt  noch  nicht 
den  zehnten  theil  des  lateinischen  bestandtheiles  auf.  Ihm  fallen  fast 
sämnUliche  grammatische  Wörter  (partikeln,  pronomina),  ohne  die  es  kaum 
möglich  ist  auch  nur  einen  salz  zu  sprechen,  ihm  die  wichtigsten  begriffe 
zu,  die  das  leibliche  und  geistige  leben  berühren.  Darum  ist  dem  Romanen 
latein  gleichbedeutend  mit  spräche,  mundart,  und  lateinisch  gleichbedeutend 
mit  deutlich,  leicht,  bequem.  Bei  weitem  die  meisten  stamme  der  alten  spräche 
behaupteten  sich  in  der  neuen,  und  um  den  vertust  zu  ersetzen,  spalteten 
sich  viele  Wörter  in  mehrere  formen  mit  eignen  bedeutungen,  welche  die 
stelle  selbständiger  Wörter  einnahmen.  Daß  diesem  bestandtheüe  sein  recht 
gewahrt  werde,  gehört  zu  den  grundsätzen  der  romanischen  Wortforschung: 
unfehlbar  wird  demselben  bei  aufmerksamer  Beobachtung  noch  manches 
miskannte  wort  wieder  zugeführt,  manches  neue  gewonnen  werden.  Dazu 
muß  man  alle  quellen  der  lateinischen  spräche  benutzen,  denn  die  roma- 
nische birgt  mehr  dÜerthümtiches  oder  verschollenes  in  sich,  als  man  ihr 
obenhin  angesehen  zutrauen  möchte  (man  lese  Potts  inhaltreiche  abhandlung 
Plattlateinisch  und  romanisch),  und  in  so  fern  kann  sie  auch  der  latei- 
nischen Sprachkunde,  was  von  den  pflegern  derselben  noch  nicht  in  rechtem 
maße  erkannt  worden,  hülfreiche  hand  leisten. 

Einige  gegenstände  von  praktischem  belang  lassen  sich  besser  hier  als 
in  dem  wörterbuche  selbst  anbringen. 

Die  etymologie  hat  ihre  wissenschaftliche  grundlage  in  der  lautlehre: 
bei  jedem  schritte,  den  der  etymologe  thut,  muß  er  sie  im  sinne  haben. 
Es  kommt  indessen  vor,  daß  die  spräche  in  der  büdung  oder  ausprägung 
der  Wörter  von  ihren  eigenen  gesetzen  abweicht  und  sich  ganz  von  dem 
gefühle  des  Wohllautes  oder  der  Zweckmäßigkeit  leiten  läßt,  indem  sie  z.  b. 
die  Wiederholung  eines  buchstabens  entweder  meidet  oder  herbeiführt,  oder 
indem  sie  verwandte  begriffe  formell  zu  nähern,  unverwandte  oder  weniger 
verwandte  zu  trennen  sucht.  Diese  kleinen  gefühlsäußerungen  der  spräche 
kann  die  lauÜehre  allenfalls  unberührt  lassen,  sie  fällen  aber  recht  eigent- 
lich der  etymologie  anheim  und  dürfen  hier  nicht  unerwähnt  bleiben.    Es 

B 


XVffi  VORREDE. 

sind  hauptsächlich  folgende.  1)  Assimilation  getrennter  conso- 
nant en.  Sie  setzt  die  Organenverwandten  (zuweilen  selbst  unverwandten) 
anlaute  zweier  auf  einander  folgenden  silben  gleich,  z.  b.  it.  Giciglia  für 
Siciglia,  fr.  chercher  für  cercher,  picard.  chorchier  für  sorchier  (fr. 
sorcierj,  champ.  chouche  für  souche,  sp.  salchicha  für  salsicha,  aUcat. 
xixanta  für  sixanta,  it.  zezzo  für  sezzo,  pipistrello  für  vipistrello,  fan- 
faluca  für  panfaluca,  sp.  nono  für  nono,  limous.  mamela  für  lamela, 
neupr.  founfoni  für  symfoni.  —  2)  Dissimilation  (Potfs  Forschungen 
II,  66  ff.).  Vermöge  derselben  wird  ein  consonant,  der  sich  in  einer  der 
folgenden  silben  wiederholt,  in  einen  andern  desselben  Organs  umgesetzt:  it. 
veleno  für  veneno,  fr.  nomble  für  lomble,  pr.  namela  für  lamela,  it.  pelle- 
grino  für  peregrino,  fr.  flairer  für  frairer,  sp.  sastre  für  sartre,  altfr. 
varvassor  für  vasvassor,  veron.  lolpo  für  polpo,  fr.  vague  für  gague  und 
zahlreiche  andre.  Die  Verwandlung  trifft  zuweilen  auch  den  zweiten 
consonant en:  it.  filomen»/ur  filomela,  fr.  crible  für  cribre,  gencive  für 
gengive.  Nicht  selten  muß  einer  der  anstößigen  consonanten  weichen, 
gewöhnlich  der  erste:  sp.  postrar  für  prostar,  pr.  penre  für  prenre,  ital. 
cavicchia  für  chiavicchia  (ch  =  cl),  fr.  foible  für  floible,  it.  ghiado  für 
ghiadio  (i  =  l),  sp.  cribar  für  cribrar.  —  3)  Vereinfachung  schein- 
barer reduplication.  Auf  die  unter  1.  bemerkte  weise  entsteht  für  das 
gehör  eine  art  reduplication.  Dagegen  wird,  wenn  die  erste  und  zweite 
silbe  eines  Wortes  mit  demselben  consonanten  anheben,  worauf  derselbe 
vocal  folgt,  die  erste  sübe  als  ob  sie  eine  unnütze  reduplication  wäre,  zu- 
weilen abgestoßen:  it.  cenno  wohl  von  cincinnus,  zirlare  von  zinzilulare, 
neap.  tellecare  von  titillicare,  fr.  gourde  von  Cucurbita,  pr.  paver  von 
papaver,  ähnlich  sp.  Santa  Cilia  (ortsname)  von  Sancta  Caecilia.  Die 
der  spraclie  der  kinder  abgelernte  getnination  (fr.  bobo,  dodo)  hat  nur  in 
volksmuhdarten  würzet  gefaßt.  —  4)  Auch  die  vocale  unterliegen  eupho- 
nischen eintoirkungen.  Beachtenswerth  für  die  etymologie  ist  die  begün- 
stigung  des  a  in  erster  unbetonter  silbe  in  der  art,  daß  e  und  i 
häufig  in  diesen  vocal  verwandelt  werden.  Es  geschieht  dies  am  liebsten, 
wenn  die  betonte  zweite  silbe  ein  a  enthält,  aber  auch  ohne  dies  oft  genug. 
Einige  beispide  sind:  it.  baleno,  bardosso,  ciascuno,  danaro,  ganascia, 
guareuto  (alt),  lattovaro,  laveggio,  magrana,  marangone,  inaraviglia, 
margotto,  marmaglia,  racchetta,  salvaggio,  sampogna,  tanaglia,  taradore, 
tramaglio.  Am  häufigsten  kommt  dies  vor  im  franz.,  welches  sonst  a  in  e 
zu  schwächen  geneigt  ist:  balance,  barlong,  barette,  calandre,  carcan, 
carmin,  chacun,  craanter  (alt),  cravanter  (alt),  dauphin,  falaise,  farouche, 
garant,  garou,  ganache,  jaloux,  marchand,  marcotte,  panacke,  paresse, 
rangon,  raquette,  sarcelle,  sauvage,  tarin,  tariere,  tramail  u.  dergl.  — 
6)  Ein  andrer  dieser  züge  ist  die  anbüdung}  vermöge  welcher  ein  wort} 
sei  es  nun  ein  vorhandenes  oder  ein   erst  zu  schaffendes,   einem  andern, 


VORREDE.  XIX 

begriffsverwandten  in  seiner  gestalt  angenähert,  gewöhnlich  in  seiner  endung 
gleichgesetzt  wird.  So  ist  alt  fr.  octembre  gebildet  nach  septembre,  no- 
vembre,  decembre,  fr.  mensonge  nach  chalonge,  chapuiser  nach  menuiser, 
ältfr.  boisdie  nach  voisdie,  it.  böffice  nach  söffice,  sdrucire  nach  cu- 
cire,  neap.  Carella  (Carybdis)  nach  Scella  (Scylla).  Ital.  greve  ist  eine 
anbildung  an  seinen  gegensatz  leve,  pria  mit  seinem  a  an  poscia.  — 
6)  Durch  mischung  der  stamme  einigen  sich  zuweilen  zwei  begriffsver- 
wandte in  einem  und  demselben  warte,  es  wird  gewissermaßen  ein  reis  auf 
einen  fremden  stamm  geimpft.  An  fr.  rame  z.  b.  haben  remutf  und  ramus 
theil ;  an  selon  secundum  Und  longum,  an  haut  altus  und  unser  hoch,  an 
refuser  sowohl  recusare  wie  refutare,  an  it.  carcame  sowohl  arcsftne  wie 
carcasso.  — -  7)  Wie  in  dem  letzten  feile  zwei  Wörter  in  eins  zusammen- 
fließen, so  kann  auch  um  der  begriffsunterscheidung  wüten,  ohne  rücksicht 
auf  die  lautregel,  ein  wort  in  zwei  auseinandergehe  z.  b.  it.  manco 
mangelhaft,  monco  verstümmelt,  beide  von  maneus;  rifutare  widerlegen, 
rifiutare  verschmähen,  von  refutare ;  sp.  calar  niederlassen,  eallar  schweigen, 
von  yaXtfv;  fr.  däsigner  anzeigen,  dessiner  zeichnen,  von  designare. 
Weit  häufiger  geschieht  dies  vermittelst  erlaubter  formveränderungen  wie 
im  it.  rio  schlimm,  neben  reo  schuldig,  pesare  wägen,  neben  pensare 
denken.  Eine  andre  art  dieser  scheideformen  ist,  wenn  ein  wort,  um 
nicht  mit  einem  andern,  gleichlautenden  zusammenzufallen,  eine  mehr  oder 
weniger  starke  formveränderung  annimmt:  so  it.  pioppo  von  pöpulus 
pappd,  wegen  popolo  volk;  melo  von  malus  apfelbaum,  wegen  malus  böse; 
pigliare  nehmen,  von  pilare,  wegen  pillare  stampfen,  von  plla;  sp.  cerrar 
schließen,  von  sera,  wegen  serrar  sägen,  von  serra;  pr.  monestar  mahnen, 
von  monitare,  wegen  raontar  steigen,  von  mons;  fr.  ätang  teich,  von 
stagnum,  wegen  6tain  zinn,  vom  altlat.  stagnum.  —  8)  Nicht  selten  wird 
ein  in  seinen  Bestandteilen  unverständliches  wort  durch  theilweise  ver- 
tauschung oder  Übersetzung  mit  einem  ähnlichen  romanischen  gedeutet,  ein 
sinnreiches  mittel  fremdlinge  ganz  heimisch  zu  machen.  Beispiele  dieser 
umdeutung  sind:  it.  battifredo,  badalisco,  guiderdone,  Gibilterra  (Gi- 
braltar), malvagio,  sp.  malenconico,  it.  manovaldo,  altfr.  mainbournir, 
candelarbre,  nfr.  choucroute,  orange,  worin  man  leicht  die  mit  battere, 
badare,  dono,  terra,  male,  mano,  arbre,  chou,  or  vollzogene  umdeutung 
erkennt.  Im  fr.  main  de  gloire  (für  mandegliere  aus  mandragora)  be- 
schränkt sich  die  umdeutung  nicht  auf  einen  theil  des  wortes.  Span.  Sierra 
morena  (schwarzes  gebirge)  soll  aus  mons  Marianus  abgeändert  sein.  Be- 
kannt sind  Longobardus  und  baccalaureus. 

Dem  naturausdruck  als  bildungsmittel  der  neuen  spräche  ist  kein  zu 
weites  fdä  einzuräumen:  manches  wort,  das  man  auf  diesem  wege  ent- 
standen wähnt,  kann  sich  noch  als  Sprößling  eines  alten  Stammes  aus- 
weisen.  Doch  hat  dieses  mächtige  bildungsmittel  hier,  wie  überall,  reichlich 


XX  VORREDE. 

gewuchert  und  seine  fruchte  können  ihre  Herkunft  so  wenig  verläugnen, 
daß  mir  ihre  vollständige  aufnähme  überflüssig  schien.  Viele  dieser  natur- 
producte  lassen  sich  mit  ähnlichen  in  fremden  sprachen  zusammenstellen, 
aber  nicht  mit  Sicherheit  daraus  herleiten. 

Es  wären  noch  manche  für  die  etymologie  nicht  gleichgültige  beob- 
achtungen  zur  spräche  zu  bringen.  Da  sie  aber  alle  in  das  gebiet  der 
grammatik  gehören,  so  lasse  ich  sie  hier  unberührt;  nur  einigen  dringenden 
fragen  aus  der  Wortbildung  kann  ich  die  erwägung  auch  an  dieser  stelle 
nicht  versagen.  Die  latein.  spräche  sieht  unbedenklich  adjectiva  aus  verbal- 
stammen  durch  bloße  anfügung  nominaler  suffixe:  fidus,  parcus,  vivus, 
congruas  entstehen  aus  fidere,  parcere,  vivere,  congruere.  Rom.  gramm. 
[1.  ausg.]  II,  235  hatte  ich  diesen  Vorgang  in  den  neuen  sprachen  als 
einen  höchst  seltenen  zugelassen:  er  ist  aber  gar  nicht  einzuräumen:  die 
spräche  erfreut  sich  eines  solchen  Überflusses  ausdrucksvoller  adjectiv- 
suffixe,  daß  sie  neuen  bildungen  jener  art  ganz  entsagen  durfte.  Allerdings 
gibt  es  mehrere  romanische  adjectiva,  die  sich  zu  verbis  zu  verhalten 
scheinen  wie  die  eben  genannten  lateinischen.  Es  sind  etwa  folgende: 
sp.  furo,  verbum  lat.  furere;  it.  folle,  fr.  fou,  vb.  lat.  follere;  pr.  clin, 
vb.  clinare;  fr.  mundartl.  gonfle,  vb.  gonfler;  fr.  morne,  vb.  goth.  maür- 
nan.  Furo  und  folle  lassen  sich  von  den  Substantiven  für  und  follis  her- 
leiten; clin  und  gonfle  sind  abgekürzte  participien  =  it.  chino,  gonfio; 
für  morne  endlich  wird  man  ein  deutsches  adjectiv  muthmaßen  dürfen. 
—  Etwas  bedenklicher  ist  eine  andre,  ganz  verwandte  frage.  Werden 
substantiva  persönlicher  bedeutung  auf  eine  eben  so  einfache  art,  ohne 
syllabisches  sufßx,  aus  verbis  gezogen  wie  substantiva  sächlicher  bedeutung? 
Die  latein.  spräche  ist  mit  solchen  bildungen  sehr  sparsam:  scriba,  coquus, 
dux,  rex  sind  beispiele,  andre  bemerkt  man  in  cofnpositis.  Es  ist  der 
mühe  werth,  die  romanischen  falle,  die  eine  solche  entstehung  zu  fordern 
scheinen,  mit  einiger  Vollständigkeit  zusammenzustellen.  Masculina  sind 
it.  furbo,  vb.  forbire ;  it.  mundartl.  lecco,  vb.  leccare ;  it.  allievo,  fr.  61eve, 
vb.  allevare,  elevare;  sp.  trasgo,  vb.  trasegar;  fr.  juge,  vb.  jnger.  Furbo 
und  lecco  können  in  gleichlautenden  ahd.  Substantiven  ihren  grund  haben; 
allievo  und  61dve  verhalten  sich  nach  ihrer  bedeutung  mehr  wie  sächliche 
als  persönliche  Wörter  und  dürfen  darum  beseitigt  werden;  trasgo  ist 
zweifelhaft,  da  trasiego  zu  erwarten  stand;  unläugbar  aber  ist  juge,  das 
jedoch  nicht  ohne  grund  aus  juger  gezogen  ward,  s.  IL  c.  Was  die  aus 
verbis  gezogenen  masculina  auf  a  betrifft,  so  hatten  sie  früher  wohl  eine 
rem  sächliche  bedeutung  und  wurden  nachher  auf  personen  übertragen, 
wie  das  nicht  verbale  boja  die  bedeutungen  fessel  und  henker  ausdrückt: 
so  denn  auch  sp.  boga  rüderer,  von  boga,  in  derselben  bedeutung  auch 
feminin  (eigentl.  rüder,  wiepg.  voga),  so  it.  spfzzeca  knicker  (hneipzange?) 
von  pizzicare;   bei  andern  wie  sp.  farfulla  Stammler,    von  farfullar,  pg. 


VORREDE.  •  XXI 

beberrica  trinket,  von  beberricar,  ist  dies  weniger  ersichtlich.  Die  aus 
verbis  gezogenen  feminina  sind  ursprünglich  abstracta  gewesen  und  in 
concrete  persönliche  bedeutung  übergetreten:  so  it.  ascolta  schildwache 
(aufhorchung),  scorta  begleiter  (begleitung),  pr.  bada  Wächter  (obacht), 
uca  ausrufer  (ausruft  crida  schreiet  (schrei),  it.  gonfia  glasmacher  (auf- 
blasung); bei  it.  trecca  höfierweib,  vb.  treceare  betrügen,  mag  diese  be- 
griffsenttcicklung  zweifelhafter  sein.  Aus  dem  allem  ergibt  sich  aber  doch 
die  ungewißhext  dieser  ableitungen,  mit  deren  annähme  also  der  etymologe 
vorsichtig  verfahren  muß. 
Bonn  im  juli  1853. 


II.  In  der  vorliegenden  zweiten  ausgäbe  habe  ich  einen  großen 
theil  der  in  der  ersten  enthaltenen  artikel  einer  neuen  prüfung  unterzogen, 
welche  nicht  selten  auf  andre  ergebnisse  geführt  hat.  Zu  dieser  prüfung 
gaben  die  seit  der  herausgäbe  des  buches  in  etymologischen  Schriften  jeder 
ort  erschienenen  sehr  zahlreichen  bemerkungen,  so  weit  sie  zu  meiner 
kenntnis  gelangt  sind,  den  hauptsächlichsten  anlaß.  Die  meisten  derselben 
wurden  schon  vor  einigen  jähren  in  einer  kleinen  schrift  'Kritischer  an- 
hang  zum  etymologischen  wörterbuche  genauer  von  mir  besprochen;  einen 
theil  ihres  ifüialts  habe  ich  den  betreffenden  artikeln  dieser  neuen  ausgäbe 
entweder  in  klammern  beigefügt  oder  in  den  text  einfließen  lassen.  In- 
dessen trat  die  nothwendigkeit  dieser  ausgäbe  so  rasch  und  unerwartet 
ein,  daß  ich  nicht  im  stände  war,  auf  alle  ausgesprochenen  deutungen 
und  einwürfe,  selbst  nickt  auf  alle  diejenigen,  welche  zu  meiner  kenntnis- 
nähme  bestimmt  schienen,  einzugehen.  Sofern  ich  sie  unberührt  lasse, 
konnte  ich  ihnen  auf  meinem  standpuncte  allerdings  nicht  beipflichten,  bin 
aber  weit  entfernt,  ihr  verdienst  in  abrede  zu  stellen,  überdies  habe  ich 
das  buch  mit  einigen  hundert  artikeln  vermehrt,  viele  andre,  wo  es 
wünschenswerth  schien,  etwas  genauer  ausgeführt. 

Bonn  im  September  1861. 


III.  Da  man  in  etymologischen  dingen  nicht  überall  zu  unwiderruf- 
lichen resultaten  gelangt,  so  tritt  auch  diese  dritte  ausgäbe  nicht  unver- 
ändert in  die  öffentlichkeit.  Auch  ist  ihr  ein  Zuwachs  von  neuen  artikeln 
zu  theil  geworden.  Das  register  hat  mit  rücksicht  auf  einen  vielfach  aus- 
gesprochenen wünsch  eine  mehr  praktische  einrichtung  erhalten. 

Bonn  im  october  1869. 


VORREDE  ZUR  VIERTEN  AUSGABE. 


Alle  diejenigen,  welche  nicht  nur  Diezens  lehre  hochhalten  und  pflegen, 
sondern  auch  seine  eigenart,  was  methode  und  darstellung  betrifft,  zu 
würdigen  wissen,  werden  dem  Verleger  des  Etymologischen  Wörterbuchs 
dank  wissen,  daß  er  diese  vierte  aufläge  in  unveränderter  gestalt  erscheinen 
läßt.  Sie  werden  mit  ihm  es ,  für  gerathen,  ja  von  den  pflichten  der  pietät 
für  geboten  halten,  die  werke  des  uns  entrückten  meisters  so  lange  einer 
um-  oder  Überarbeitung  zu  entziehen,  als  im  kreise  der  schüler  und  nach- 
eiferer  der  hauch  seines  genius  noch  lebendig  empfunden  wird.  Man 
hüte  sich  ebensosehr  davor,  dem  worte  eines  edlen  todten,  der  großes  ge- 
schaffen, eine  unantastbare  atäorität  beizulegen,  als  seine  persönliche  arbeit 
unter  noch  so  preiswürdigem  flickwerk  zu  verwischen. 

Wenn  es  jedoch  den  Verleger  drängte,  unser  buch,  so  wie  es  zuletzt 
aus  der  feder  des  Verfassers  geflossen,  auf  den  markt  zu  geben,  lag  es 
ihm  nicht  minder  daran,  dem  unaufhaltsamen  f ortschritte  der  Wissenschaft 
rechnung  zu  tragen  und  die  abnehmet  der  vierten  aufläge  für  die  diesmal 
ausbleibenden  Zusätze  und  Verbesserungen  des  autors  einigermaßen  dadurch 
zu  entschädigen,  daß  die  wichtigeren  ergebnisse  der  etymologischen  forschung, 
so  weit  sie  seit  dem  erscheinen  der  dritten  ausgäbe  zu  tage  getreten  und 
den  speziellen  inhalt  des  Dicz' sehen  Werkes  berühren,  in  einem  Anhang 
zusammengestellt  würden. 

Daß  ich  auf  sein  ersuchen  diese  aufgäbe  bereitwillig  übernahm,  möge 
damit  entschuldigt  werden,  daß  es  sich  ja  weniger  ury  eigenes  schaffen 
und  urtheilen  als  um  das  sammeln,  sichten  und  darlegen  fremder  arbeit 
handelte  und  daß  mir  dadurch  eine  erwünschte  gelegenhext  geboten  wurde, 
dem  dahingeschiedenen  altmeister,  in  seinem  geiste  wirkend,  den  tribut 
meiner  Verehrung  zu  entrichten. 

Ich  habe  zur  erfüllung  des  mir  gewordenen  auftrags  alles,  was  mir 
in  meiner  isolirten  Stellung  zu  Brüssel  an  Zeitschriften,  commentaren, 
Wörterbüchern  und  einschlägigen  sonderarbeiten  zu  geböte  stand,  sorgfältig 
durchmustert  und  dasjenige  ausgezogen,  was  irgendwie  für  oder  gegen  die 


VORREDE.  XXIII 

Dias* sehen  aufstellungen  verwerthet  werden  konnte.  Selbstverständlich  habe 
ich  nur  solches  aufgenommen,  wozu  sich  ein  berufener,  mehr  oder  weniger 
auf  der  hohe  der  wissenschaß  stehender  gewährsmann  aufweisen  ließ. 
Einige  wenige  streng  berücksichtigte  notigen  ausgenommen,  fand  sich  im 
nachlaß  des  seligen  Verfassers  kein  tnaierial  zur  Vorbereitung  einer  -neuen 
aufläge  vor;  nicht  einmal  ein  zu  diesem  behufe  annotirtes  handexemplar 
konnte  ausfindig  gemacht  werden. 

Sei  der  druck-revision  des  Diez'schen  Werkes  hatte  ich  manche  ver- 
anlassung, druckfehler,  die  sich  in  die  früheren  ausgaben  eingeschlichen 
hatten,  zu  beseitigen.  Bei  genauer  nachträglicher  prüfung  haben  sich  im 
ersten  theile  noch  einige  f eider  als  übersehen  eruriesen;  dieselben  sind  unten 
angegeben.  Das  register  habe  ich  erheblich,  etwa  um  ein  viertel  der  Wörter 
vermehrt,  so  daß  dasselbe  bei  dem  gebrauche  des  Werkes  als  ausreichend 
befunden  werden  wird. 

Brüssel,  im  august  1878. 

A.  Scheler. 


ABKÜRZUNGEN. 


abl.  ableüung. 

ags.  angelsächsisch. 

ahd.  althochdeutsch. 

aJban.  albanesisch. 

altn.  altnordisch. 

alts.  altsächsisch. 

andal.  andalusisch    {nach   dem   wb.   der 

span.  Äkad.). 
arag.  aragoncsisch. 
bearn.  bearnesisch  (nach  Honnorat). 
bergatn.  bresc.    bergamaskisch    und  bres- 

dänisch  (nach  G.  Rosa), 
berr.  mundart  von  Berry  (nach  Jaubert). 
bret.  bretonisch, 
bürg,  burgundisch  d.  i.  bourgognisch  (nach 

De  la  Monnoye,  Mignard,  dem  Vocab. 

langrois,   dsgl.  nach   Monnier    Vocab. 

du   Jura  in   den  Mim.  des   antiq.  de 

France  VI.), 
cot.  catalanisch. 
champ.  champagnisch  (nach  Saubinet  Vo- 

cabulaire  rhnois  und  Tarbe). 
chw.   churw.  churtcälsch    (nach   Conradi 

und  Carisch). 
cimbr.  eimbrisch,   spräche  der  sieben  und 

dreizehn  gemeinden  (nach  Schmeüer). 
com.  comask.  comaskisch  (nach  P.  Monti). 
cremon.  cremonesisch  (nach  Peri). 
dauph.  dauphinesisch  (nach  ChampoUion). 
flor.    florentinisch     (nach    verschiedenen 

werken), 
fr.  französisch, 
frs.  friesisch* 

gaüic.  gaüicisch,  in  Spanien, 
gase,  gasconisch  (nach  Honnorat  u.  a.). 
gen.  genuesisch  (nach  Olivieri,  ausg.  von 

1851). 
genf.  genferisch    (nach  dem  Dict.   gene- 
vois), 
hd.  hochdeutsch, 
henneg.  hennegauisch   oder  rouchi  (nach 

Hecart). 


it.  italienisch. 

Um.  limous.  limousinisch  (eigentl.  nieder- 
limousinisch,  nach  B&ronie). 
lomb.  lombardisch, 
lothr.  lothringisch  (nach  Oberlin.  dem  Dict. 

patois  par  L.  M.  P.,  Nancy  1842,  und 

Jaclot,  Par.  1854). 
mail.  maüändisch  (nach  Cherubim.  2.  ausg. 

1839—43.  IV.). 
mhd.  mittelhochdeutsch, 
mlat.  mittellateinisch, 
mnd.  mittelniederdeutsch, 
mndl.  mittelniederländisch, 
moden.  modetiesisch  (nach  Muratori  u.  a.). 
ndd.  niederdeutsch, 
ndl.  niederländisch, 
nds.  niedersächsisch, 
neap.  neapolitanisch  (nach  Galiani). 
nfr.  neufranzösisch, 
nhd.  neuhochdeutsch, 
norm,  normannisch  (nach  E.  und  A.  Du 

Mtrü). 
npg.  neuportugiesisch, 
npr.  neuprovenzalisch. 
nsp.  neuspanisch, 
obd.  oberd.  oberdeutsch, 
occ.  occit.  oecitanisehy  mundart  von  Iam- 

guedoc  (nach  Sauvages,  dem  glossar  zu 

Goudelin  u.  a.). 
parm.  parmesanisch  (nach  Peschieri  und 

Malaspina), 
pg.  portugiesisch. 

pic.  picardisch  (nach  H&cart  und  Corblet). 
piem.  piemontesisch  (nach  ZaUi  u.  Ponza). 
pr.  provenzalisch. 

romagn.  romagnolisch  (nach  Morri). 
sard.  sardisch   (nach  Porru,   Spanu  und 

den  gedienten  Purqueddu's). 
8 chw 2.  schweizerisch. 
sie.  sicil.  sicüianisch  (nach  M.  Pasqualino 

und  Biundi). 
sp.  spanisch. 


ABKÜRZUNGEN. 


XXV 


trient.  trientinisch  und  roveretanisch  (nach 

AzzoUni). 
val.  valencianisch. 

ren.  venez.  venezianisch  (nach  Patriarchi). 
veron.  veronesisch  (nach  Angeli). 
vrlt.  veraltet, 
wal.  walachisch. 

teald.  waldemisch  (bei  Raynouard,  Hahn 

u.  a). 
waUon.    wallonisch    (nach    Eemacle  und 

Grandgagnage), 
zsgs.  zusammengesetzt, 
zsgz.  zusammengezogen, 
zss.  Zusammensetzung,  Zusammensetzungen. 

Agol.  Agolant,  im  Ferabras. 
Alex.  Alexandre,  ed.  Michelant. 
Alexs.  Alexis,  ed.  Gessner. 
Alx.  Alexandro,  p.  p.  Sanchez. 
Anal,  gramm.  s.  App.  ad  Prob. 
Antioch.  Chanson   d'Antiochc,  p.  p.   P. 

Paris. 
Apol.  Apokmio,  p.  p.  Ochoa. 
App.  ad  Prob.  Appendix  ad  Probum  in 

Analect.  gramm.  ed.  Eichenfeld  et  End- 
licher, p.  444  ff. 
Archiv,  stör.  ital.  Archivio  storico  italiano. 
Aubery,  p.  p.  TarbL 
Aubri,  im  Ferabras. 
B.  Bartsch,  Denkmäler  der  provenzalischen 

litter atur. 
Bari.  Barlaam  und  Josaphat  herausg.  v. 

Meyer  und  Zotenberg. 
Bc.  Berceo,  p.  p.  Sanchez  (Mtl.  Milagros 

de  N.  Ä;   MM.  San  Millan;    SDom. 

San  Domingo  cet.). 
Ben.  Chronique  de  Benott,  p.  p.  Michel. 
Bert.  Berte,  p.  p.  P.  Paris. 
Bonves.  Bonvesin,  ed.  Bekker. 
Brand.  Brandaine,  p.  p.  Jubinal. 
Briq.  Briquigny    et   la  Porte  du  Theü, 

Diplamata  Um.  I.  (ältere  ausgäbe). 
Brt.  Brut,  p.  p.  Leroux  de  Lincy. 
Brun.  Brunetti,  Codice  diplomatico,  tom.  I. 
Bth.  Poeme  sur  Boece,  p.  p.  Raynonard. 
Cal.  e  D.  CaUla  e  Dymna,  p.  p.  Gayangos. 
Canc.  de  B.  Cancionero  de  Baena. 
Corp.  Carpentier,  Glossarium  novum  cet. 
Cos.  litt.  Casae  litterar  um,  ed.  Lachmann. 
Ccy.  Histoire  du  chatelain  de  Coucy,  p.p. 

Crapelet. 


C.  d.  Poit.  Boman  du  comte  de  Poitiers, 
p.  p.  Michel. 

Charl.  Charlemagne,  p.  p.  Michel. 
ChCyg.  Le  Chevalier  au  cygne,  p.p.  Beif- 

fenberg. 
ChLy.  Le  chevalier  au  lyon,  ed.  Holland. 
Chr.  d? Esel.  Chronique  deBernat  d'Esclot, 

p.  p.  Buchon. 
Chx.  Choix  cet.  p.  p.  Baynouard. 
Clas8.  auet.   Classici   auetores,  ed.   Ang. 

Majus. 
CNA.  Cento  novelle  antichc,  Torino  1802. 
Cont.  Ultram.  La  conquista  de  Ultramar., 

p.  p.  Pascual  de  Gayangos. 
DC.  Ducange,  Glossarium  mediae  latini* 

tatis. 

D.  Din.  Cancioneiro   del  rei  D.  Diniz, 
p.  p.  Lopes  de  Moura. 

Dief.  gloss.  lat.  germ.   Diefenbach,   Glos- 
sarium lattno-germanicum. 
DMce.  Doon  de  Maience,  p.  p.  Pey. 
Dolop.  Dohpathos,  p.  p.  Brunei  et  Mon- 

taiglon. 
Eracl.  EracU,  ed.  Massmann. 
Er.  En.  Erec  et  Enide,  ed.  Bekker. 
Esp.  sagr.  Espaiia  sagrada,  p.  p.  Florez 

y  Bisco. 
FBej.  Foros  de  Beja. 
FC.  Fabliaux  et  contes,  p.  p.  Barbazan, 

id.  de  Mion. 
Fer.  Ferabras,  ed.  Bekker. 
FGrav.  Foros  de  Graväo. 
Fier.  Fierabras,  p.  p.  Kröber  et  Servois. 
FJ.  Fuero  Juzgo,  Madr.  1815. 
Flam.  Flamenca,  p.  p.  Meyer. 
Fl.  Bl.  Flore  et  Blanceflor,  ed.  Bekker. 
Form.  Formulae. 
FSant.  Foros  de  Santarem. 
Fumag.  Fumagalli,  Codice  diplomatico. 
GAlb.  Guerre  des  Albigeois,  p.  p.  Fauriel. 
Gar.  Garin,  p.  p.  P.  Paris. 
Gaufr.  Gaufrey,  p.  p.  Guessart  et  ChabaiUe. 
Gayd.  Gaydon,  p.  p.  Guessard  et  Luce. 
GBourg.  Gui  de  Bourgogne,  p.  p.  Gues- 

sard. 
G.  d'Angl.  Guillaume  d'Angleterre,  p.  p. 

Michel. 
Gest.  reg.  Fr.  Gesta   regum  Francorum, 

Bouquet  t.  I. 
G.  Gaim.  Geoffr.  Gaimar,  s.  Chron.    an- 
glonorm.  p.  p.  Michel. 


XXVI 


ABKÜRZUNGEN. 


Gl.  Glos8ae  (Gl.  erford.  erfurter  glossare, 

ed.  Öhler). 
Gloss.  vet.  Glossarium  vetus,  Classici  auc- 

tores  VI. 
GNev.  GSrard  de  Nevers,  p.  p.  Michel. 
GO.  Glossaire  occitanien,  p.  p.  JRochegude. 
GProv.   Grammaires  provencales,    p.  p. 

Guessard  (Gramm,  rom.  2.  H.). 
Grog,   dialogues  de  St.   Grigoire,   p.  p. 

Du  MSrü. 
Greg.  Tur.  Gregorii  Turonensis  Historia 

ecclesiastica. 
GRiq.  Giraud  Riquier,  ed.  Pfaff. 
GRoss.  Girart  de  Rossüho,  ed.  Hofmann. 
GVian.  GSrard  de  Viane,  im  Ferabras. 
GVic.  Gil  Vicente,  Hamburgo  1834,  III. 

dsgl.  in  Bolus  Teatro  espanol. 
HBord.  Huon  de  Bordeaux,  p.  p.  Gues- 
sard et  Ghrandmäison. 
II Lang.  Histoire  generale  de  Languedoc, 

preuves. 
HPMon.  Historiae  patriae    monumenta, 

chartarum  tom.  I. 
JFebr.  Jaume  Febrer,  Valencia  1796. 
Jfr.  Jaufre,  in  Lex.  rom.  I. 
Inf.  VInferno  di  Dante. 
L.  Lex. 
L.  de  Guitt.  (LG.)  Lois  de  Guillaume  le 

ConquSrant,  ed.  Schmid. 
Leys  dfam.  Leys  d'amors,    p.  p.  Gatien- 

Arnauld. 
LJ.  Livre  de  Job,  in  den  Livres  des  Bois. 
LR.  Lexique  roman.  p.  p.  Raynouard. 
LRs.  Livres  desrois,  p.p.Le  Boux  de  Lincy. 
M.  Gedichte  der  Troubadours,  ed.  Mahn, 

1856—57. 
Mabiü.  annal.  Mabülon,  Annales  ord.  S. 

Benedicts,  Lucae  1730. 
Mabiü.  dipl.  Mabülon,   Bes  diplomatica, 

Par.  1709. 
Marc,  hisp:  Marca  hispanica,  ed.  Marca. 
Mar.  Egipc.  Maria  Egipciaca,  p.  p.  Ochoa. 
Marin.  Marini,  Papiri  diplomatici. 
MFr.  Marie  de  France,  p.  p.  Roquefort. 
MGar.  Mort  de  Garin,  p.  p.  Du  Meril. 
Murat.  ant.  ital.  Muratori,   Antiquitäten 

italicae,  Mediol.  1738. 
NFC.  Nouveaux  fabliaux  et  contes,  p.  p. 

Mion. 
NF.  Jub.  Nouveau  recueil   de  fabliaux, 

p.  p.  Jubinal. 


Nicot.  Dict.  francois-latin   recueilli  des 

observations  de  M.  Nicot  cet.  Par.  1573. 
Og.  Ogier  de  Danemarche,  p.  p.  Techener. 
Par.  II  Paradiso  di  Dante. 
Parton.  Partonopeus,  p.  p.  Crapelet. 
Pass.  d.  J.  C.  Passion  de  Jesus-Christ, 

p.  p.  ChampoUion. 
PC.  Poema  del  Cid,  p.  p.  Sanchez. 
PDuch.  Parise  la  duchesse,  p.  p.  Guessard 

et  Larchey. 
PO.  Parnasse  occitanien,  p.  p.  Roche gude. 
PPS.  Poeti  del  primo  secolo. 
Purg.  II  Purgatorio  di  Dajite. 
QFAym.  Les  quatre  fite  Aymon,   im  Fe- 
rabras. 
BCam.  Raoul  de  Cambrai,  p.  p.  Le  Glay. 
Ren.  Renard,  p.  p.  Meon. 
RFlor.  Roi  Flore,  p.  p.  Michel. 
RMunt.  Ramon  Muntaner,  ed.  Lanz. 
Rol.  Roland,  p.  p.  Michel. 
Rom.fr.Romancero  francais,  p.  p.  P.  Paris. 
Rom.    gramm.     Romanische     grammatik 

4.  ausg. 
Roq.  Roquef.  Roquefort,    Glossaire  de  la 

langue  romane. 
Rou,  p.  p.  Pluquet. 
Ruteb.  Rutebeuf,  p.  p.  Jubinal. 
Rz.  Ruiz,  p.  p.  Sanchez. 
Sax.  Chanson   des  Saxons,   p.  p.  Michel. 
SBern.  Sermons  de  St.  Bernard,   in  den 

Livres  des  Bois. 
SLeg.  Vie  de  St.  Leger,  p.  p.  ChampoUion. 
SRos.  Santa  Rosa,  Elucidario. 
SSag.  Sept  sag  es,  ed.  Keller. 
TCant.  Thomas  de  Ganterbury,  ed.  Bekker. 
TFr.  Thidtre  frangais,  p.  p.  Monmerque 

et  Michel. 
Tirab.  Tiraboschi,  Storia    della  badia  di 

Nonantola,  vol.  II. 
Trist.  Tristan,  p.  p.  Michel. 
Trov.     Trovas   e  cantares,    Madr.   1849 

(Cancioneiro  ineditö).      , 
Trucch.  Trucchi,  Poesie  inedite. 
Ughell.  Ughelli,  Italia  Sacra. 
Voc.  Vocabularius,   z.  b.  duacensis,  opti- 

mus,  S.  Galli. 
Wack.  Altfranz,  lieder  und  leiche,  her  ausg. 

von  Wackernagel. 
Yep.    Yepes,   Cronica   de   la  orden  de  S. 

Benito. 


ERSTER  THEIL. 


GEMEINROMANISCHE  WÖRTER. 


A. 

A  und  ad  it.,  sp.  pg.  &,  pr.  a  u.  az,  fr.  k,  wod.  a,  präposition,  vom 
lat.  ad,  vornehmlich  auch  als  casuspartikel  angewandt.  Ob  das  rom.  a 
in  gewissen  fällen  nicht  vielmehr  aus  apud  abgekürzt  sei,  darüber  s.  Born. 
gramm.  III,  160,  161.  Eine  zss.  ist  it.  da,  churw.  dad,  von  de  ad,  be- 
reits in  Urkunden  des  7.  und  8.  jh.  vorhanden  t  (Born,  gramm.  II,  25), 
entsprechend  dem  ahd.  fona,  nhd.  von,  atis  af  ana,  nach  Grimm  IV,  782. 
üeber  das  diesem  ital.  da  begegnende  oskisciie  dat  sehe  man  Bugge, 
Ztschr.  für  vergl.  sprachf.  III,  419.  Für  da  sprach  man  dltsardisch 
daba,  nach  Delius  nicht  von  de  ad,  sondern  von  de  ab,  s.  dessen  schrift 
Ober  den  sard.  diaiect  p.  4. 

Ab  ig  so  it.,  pr.  abis  und  abisme,  fr.  abtme,  sp.  pg.  abismo,  sard. 
abismu  abgrund,  hoUe;  vb.  it.  abissare  und  sobbissare,  pr.  abissar, 
sp.  abismar,  fr.  abimer,  in  den  abgrund  versenken  u.  dgl.;  von  abyssus 
(aßvcoog).  Wir  haben,  tote  es  scheint,  in  abisme,  abismo  einen  substan- 
tivischen Superlativ  wie  etwa  in  dem  üblichen  mlat.  dominissimus  vor  uns, 
man  wollte  damit  den  tiefsten  abgrund,  den  der  hölle,  stärker  bezeichnen; 
übrigens  ist  aßvooog  von  hause  aus  ein  adjectiv,  mithin  zur  gradation 
berechtigt.  Abyssissimus  konnte  in  abyssimus  zusammengehn  wie  metip- 
siraimus  in  metesme.  Man  hat  auch  an  abyssismus  gedacht,  aber  das 
suffix  ismus  gibt  in  den  Jüngern  sprachen  nur  abstracta,  höchstens  collec- 
tiva.  Andre  vermuthen  eine  accusativform  darin,  aber  wäre  alsdann  das 
franz.  wort  nicht  abisson  gewesen,  wie  suum  son,  Carolum  Gharlon  er- 
gab? Zu  merken  die  ital.  nebenform  nabisso  aus  der  üblichen  Verbindung 
in  abisso  wie  ninferno  aus  in  inferno  entstanden  (ininferna  in  einer  alten 
messe,  Mone  p.  20),  daher  das  dtsche  nobis,  s.  Qtrimm,  Myth.  766,  Hoff- 
mann, Hör.  bdg.   V,  38. 

Abrigo  sp.  pg.,  pr.  abric,  fr.  abri  schütz;  vb.  sp.  pg.  abrigar, 
pr.  abrigar,  abriar,  fr.  abriter  (für  abrier  mit  eingeschobenem  t  wie  oft) 
schützen,  decken.  Umsonst  hat  man  sich  bemüht,  dem  lat.  apricus  den 
sinn  des  rom.  Wortes  zu  entlocken:  was  die  sonne  bescheint,  ist  und  bleibt 
unbedeckt.  Läßt  sich  letzteres  aus  keiner  andern  spräche  nachweisen,  so 
darf  als  etymon  ein  ahd.  bi-rfhan  decken  (ant-rihan  enthüllen  findet  sich) 
vermuthet  werden.  Für  abriter  sagt  man  in  Berry  abrier,  im  Jura 
ayriller,  was  wohl  nur  diminutivisch  ist.  Die  bearn.  mundart  spricht  mit 
temiis  aprig&.  —  [Gegen  Mahn  und  Littre,  welche  diese  herleitung  ange- 
fochten haben  und  für  apricus  eingetreten  sind,  bemerkt  der  Krit.  anftang 


4  L   ABRIGO-ACABAR. 

folgendes.  'Man  deute  an  dem  worte,  wie  man  will,  in  den  neuen  sprachen 
bleibt  schütz,  obdach  der  grundgedanke,  nicht  bloß  der  schütz  vor  regen 
und  Mite,  sondern  auch  der  vor  der  sonne,  denn  man  sagt  z.  b.  ce  Heu 
est  ä  Tabri  du  soleil  (Dict.  de  Trev.).  Se  mettre  ä  Tabri  de  la  pluie 
ist  darum  dasselbe  wie  se  mettre  ä  couvert  de  la  pluie5,  und  schon  ein 
iroubadour  sprach:  m'abric  sai  on  sol  non  fer  ich  bin  hier  unter  dach, 
wo  keine  sonne  hin  scheint.  LR.  c  Wem  fallt  dabei  nickt  das  horazische 
quidquid  in  occulto  est,  in  apricum  proferet  aetas  ein,  wo  apricum  ge- 
rade das  gegentheil  aussagt  von  occultum,  also  ungefähr  auch  das  gegen- 
theil  der  roman.  bedeutung?  Solche  Übergänge  mögen  allerdings  in  den 
sprachen  vorkommen,  sie  müssen  sich  aber  schritt  vor  schritt  verfolgen 
lassen,  was  wenigstens  mir  bei  der  fraglichen  etymologie  nicht  gelingen 
wül\  Der  schatten  schützt,  nicht  die  sonne,  das  sagen  die  sprachen  selbst: 
lat.  umbra,  it.  ombra,  sp.  sombra  ist  schatten  und  schütz.  *  Verdächtig 
wird  die  lat.  herkunß  des  Wortes  schon  dadurch,  daß  es  (mit  ausnähme 
der  sardischen  mundart,  die  bekanntlich  viele  Wörter  aus  Spanien  bezogen) 
dem  ital.  gebiete  abgeht,  denn  aprico  ist  ein  dem  latein  abgeborgter  poe- 
tischer ausdruck  mit  lat.  bedeutung,  und  apricare  fehlt  ganz.  Die  eigent- 
liche heimath  von  abrigo  scheint  Spanien;  hier  wenigstens  hat  es  nicht 
wenige  ableitungen  und  Zusammensetzungen  entwickelt,  wie  abrigada,  abri- 
gano,  abrigamiento,  abrigador  (pg.),  desabrigo,  desabrigar  cet.  Larra- 
mendi  verweist  auf  das  bekannte  in  städtenamen  vorkommende  briga,  allein 
daraus  wird  das  wort  nicht  Mar,  Auch  aus  sp.  abra  (bucht)  läßt  es  sich 
nicht  gewinnen,  da  mit  ig  nicht  abgeleitet  wird.  Ich  stellte  darum  das 
ahd.  rfhan  (decken)  auf,  zsgs.  birihan,  ags.  bevrthan  (bedecken);  man  setzte 
a  vor,  was  zumal  in  Spanien  sehr  häufig  geschieht.  Nicht  unmerkwürdig 
ist  die  altfr.  bed.  bedecken  in  einer  stelle  bei  Guill.  Guiart  Roq.  app.:  la 
tres  precieuse  corone  que  Jhesu  Crist  ot  en  sa  teste,  si  com  li  Juis 
Ten  abrierent  (damit  bedeckten,  nicht:  schützten/.  Und  in  einer  noch 
älteren  stelle:  si  ot  d'une  chape  forr6e  abri6  et  vestu  son  cors  R.  de  la 
rose,  s.  P.  Paris,  Dict  histor.  p.  30.  'Aber  auch  zu  erwägen  ist  das  in 
allen  deutschen  sprachen  vorhandene  bergan,  präs.  birgu  (bergen,  in  Sicher- 
heit bringen),  mit  versetztem  r,  wie  oft.  Dem  subst.  berc,  geberc  (ver- 
steck, Zufluchtsort)  würde  abric  von  Seiten  der  bedeutung  ein  gut  theil 
näher  liegen  als  dem  lat.  apricum*.]  Das  cot.  abrig  wird  gradezu  mit 
sp.  albergue  übersetzt.  Sichtlich  von  bergan  ist  das  altfr.  em-berguer 
lcouvrir,  mettre  ä  Vabn  Roq.  —  Wenn  R.  Stephanus  in  seinem  wörter- 
buche  sagt:  ung  abri  ou  le  soleil  frape  tousjours  apricus  locus,  so  muß 
er  um  der  etymologie  willen  dem  franz.  worte  eine  demselben  nicht  zu- 
kommende bedeutung  aufgedrängt  haben.  Denn  wenn  Livet,  Gramm, 
frang.  476,  ihn  damit  entschuldigt,  daß  das  wort  später  diese  bedeutung 
geändert  haben  könnte,  so  stehen  die  prov.  Zeugnisse  damit  im  Widerspruch, 
Man  vgl.  übrigens  Mahn  p.  113  ff. 

Acabar  sp.  pg.  pr.,   achever  fr.  ausführen,  vollenden;   von  caput, 
roman.  nicht  nur  den  anfang,  auch  das  ende  eines  dinges  bezeichnend. 


I.   ACCATTARE-ACERO.  5 

Accattare  it.,  ultsp.  acabdar,  altpg.  achatar  SRos.  ein  gut  erwerben, 
attfr.  acater  verschaffen  Alexs.  8,  neufr.  acheter  kaufen,  so  auch  altit. 
neap.  accattare;  jsbst.  it.  accatto,  pr.  acapta,  acapte,  fr.  achat.  Es  ist 
von  ad-captare  (mlat.  accapitare)  an  sicJi  nehmen,  kaufen,  eine  erst  im 
franz.  entwickelte  Bedeutung,  welcher  Festus  stelle  emere,  quod  nunc  est 
mercari,  antiqui  accipiebant  pro  sumere  zur  Unterstützung  gereichen  kann. 
Eine  zss.  ist  it.  raccattare,  pg.  regatar,  fr.  racheter  loskaufen;  wofür 
sp.  rescatar,  pg.  resgatar  uus  re-ex-captare,  sbst.  rescate,  resgate. 

Acceggia  it.,  sp.  arcea,  fr.  mundartl.  acäe  Schnepfe,  tnlat.  accia, 
acceia;  soll  in  acies  oder  äxrj  spitze  (vogel  mit  spitzem  Schnabel)  seinen 
Ursprung  haben,  s.  Menage  und  Carpentier.  Ein  altes  Zeugnis  für  dieses 
wart  enthalten  die  erfurter  glossare  p.  259b  accega  'holtana,'  Variante 
acega  'holthana  d.  i.  ags.  holt-hana  (holz-hahn= Schnepfe),  vgl.  Haupts 
Ztsehr.  V,  197b. 

Accia,  azza  it.,  sp.  hacha,  pg.  facha,  acha,  pr.  apcha  für  acha, 
fr.  hache  (h  asp.),  daher  mhd.  hätsche  und  hasche,  axt,  beil;  vb.  it. 
acciare,  fr.  hacher  klein  hacken.  Gegen  lat.  ascia  als  etymon  sprechen 
die  formen;  wohl  aber  stimmt  die  franz.  zum  nhd.  ndl.  hacke  Werkzeug 
zum  hauen,  ein  in  der  alten  spräche  nicht  vorfindliches,  aber  durch  das 
masc.  hacco  (haken)  und  das  ags.  vb.  haccan  =  engl,  hack  gestütztes 
wort.  Die  deutsche  keMtenuis  erhielt  sich  im  picard.  vb.  h&juer  holz 
hacken  =  fr.  hacher.  Aus  dem  franz.  werte  aber  flössen  die  übrigen, 
unter  welchen  das  pg.  facha  mit  seiner  lippenaspirata  die  reine  aspirata 
nachzubilden  sucht,  s.  unten  arpa.  —  Davon  zu  trennen  ist  it.  ascia, 
pr.  aissa,  vom  lat.  ascia;  span.  aza  oder  axa  fehlt,  aber  eine  abl.  altsp. 
axada,  nsp.  azada,  pg.  enxada,  dsgl.  sp.  azuela  haue,  hacke,  ist  vor- 
handen. 

Acciajo  it.,  sp.  acero,  altpg.  aceiro,  neupg.  a$o,  pr.  fr.  acier,  wal. 
otzel  (ungr.  atz£l),  mlat.  aciare,  aciarium  stahl  (s.  z.  b.  Class.  auct.  VI, 
502h);  von  acies  sc.  ferri  härteres  eisen.  Eine  andre,  gleichbed.  abl.  ist 
it.  acciale,  ven.  azzale  u.  s.  w.,  ahd.  ecchil,  mhd.  eckel. 

Accidia  it.,  altsp.  acidia,  pr.  accidia,  altfr.  accide  fahrlässigkeit, 
Verdrossenheit;  vom  mlat.  accidia,  acedia,  gr.  äyirjdla,  dass. 

Acciuga  it.,  sp.  anchoa,  pg.  anchova,  enchova,  fr.  anchois  Sar- 
delle. Aus  aphya  (acpvrj)  oder  besser  am  apya  (zu  schließen  nach  apua) 
konnte  mit  dem  sufßx  ug  unzweifelhaft  das  it.  acciuga  (zunächst  aus 
apj-uga)  entstehen,  woraus  denn  die  andern  Wörter  verderbt  sein  müssen. 
Mundartliehe  formen  sind  piem.  sie.  anciova,  veron.  ancioa,  gen.  anciua, 
ven.  anchioa.  —  [Mahn  erkennt  darin  ein  iberisches  wort  =  bask.  antzua 
trocken,  denn  die  Sardelle  ist  ein  getrockneter  (eingesalzener)  fisch,  s.  seine 
Etym.  Untersuchungen  p.  5.] 

.  Accordo  it.,  sp.  acuerdp,  pg.  acordo,  pr.  aecort,  fr.  aecord  über- 
Hnstimmung,  vertrag;  vb.  aecordare  u.  ff.;  gebildet  nach  concordare,  dis- 
cordare,  also  von  cor,  nicht  etwa  von  chorda. 

Acero  it.,   pg.  acer,   altsp.  asre,  neusp.  umgestellt  arce,  cat.  ars 


6  I.  ADDOBBARE-AERE. 

dhorn;  von  acer  aceris.  Der  Franzose  nennt  denselben  bäum  6rable  (m.): 
aus  lat.  acer  wäre  are  oder  aire,  ftre  geworden;  um  dem  worte  mehr  um- 
fang ,zu  geben,  sagte  man  acer  arbor,  zsgz.  esrarbre  6rarbre,  dissimiliert 
6rable,  neuprov.  in  Grenoble  aber  noch  izerablo.  Menage  nimmt  dafür 
eine  hier  ganz  unpassende  büdung  acerabulum  an.  [Die  hier  ausge- 
sprochene deutung  wird  unterstützt  durch  die  florentinische  glosse  Ecc. 
986b  acer  arbor  cgundereba  vel  mazziltira  d.  i.  mafiholder.  Man  hatte 
sich  in  den  schulen  an  die  Verbindung  beider  tbörter  gewöhnt,  die  alsdann 
in  das  leben  übergieng.] 

Addobbare  it.,  altsp.  adobar  PC.  u.  s.  w.,  cdtpg.  adabar  SRos., 
pr.  adobar,  aUfr.  adouber  ausrüsten,  nsp.  npg.  zubereiten,  würzen.  Das 
wort  kommt  von  ags.  dubban,  dltn.  dubba  einen  streich  geben  (watton.  in 
Namur  dauber  schlagen)  und  ward  vorerst  vom  ritterschlag  gebraucht, 
ags.  dubban  tö  riddere  zum  ritter  schlagen  (a.  1085,  s.  Bosworth),  fr. 
addubber  ä  Chevalier  Havelok  p.  28;  demnächst  hieß  es  die  mit  der  feier- , 
lichkeit  verbundene  ausrüstung,  vgl.  Raoul  l'adoube  qui  estoit  ses  amis: 
Premiers  li  chausse  ses  esperons  massis  e  puis  li  a  le  branc  au  costel 
mis,  en  col  le  fiert  si  con  il  ot  apris  DG.  v.  adobare;  daher  adouber 
richement  herrlich  ausrüsten,  se  douber  sich  waffnen  ChCyg.  1628  (diese 
einfache  form  selten).  Man  sehe  Wächters  glossar.  germ.  p.  22,  Grimms 
Rechtsalt  p.  333,  überdies  Scheler  s.  v.  adouber,  E.  Müller  s.  v.  dub. 
Sousa's  und  anderer  herleitung  des  Wortes  aus  dem  arah.  ist  sieher  verfehlt. 

Aere,  aire,  it.,  sie.  ariu,  sp.  aire,  pg.  ar,  pr.  aire,  air,  fr.  air, 
wal.  aer  (alle  masc.)  lüft,  wind;  von  aer.  Das  üblichere  ital.  wort  aber  ist 
nicht  aere,  sondern  das  fem.  aria,  welches  entweder  im  mlat.  plur.  aera 
(s.  Schneider,  Lat.  gramm.  II,  92),  oder  im  adj.  aerea  seinen  grund 
haben  muß;  doch  ist  erster  es  selbst  in  den  mundarten  heimisch  und  wird 
auch  im  altsp.  und  prov.  in  seiner  buchstäblichen  form  aör  hier  und  da 
angewandt.  Dasselbe  roman.  wort  hat  noch  andre  nah  zusammenliegende 
urdat.  bedeutungen,  die  mit  luft  gar  nichts  gemein  zu  haben  scheinen,  näm- 
lich üal.  (aria)  äusseres  ansehn,  sp.  pg.  dass.,  auch  art  und  weise  im  be- 
nehmen, dsgl.  anstand,  anmuth,  Zierlichkeit,  franz.  gleichfalls  art  und 
weise  des  benehmens,  haltung,  miene.  Auch  weise  in  der  musilc,  modus, 
melodie  bedeutet  es.  Adj.  it.  arioso  luftig,  wunderlich,  hübsch,  ansehnlich, 
sp.  airoso  luftig,  zierlich,  auch  siegreich,  fr.  aireux  fehlt.  Wie  kam  man 
von  luft  auf  haltung,  anmuth,  melodie  u.  dgl.P  Vielleicht  schlug  aer  in 
den  tochtersprachen  einen  ähnlichen  weg  ein  wie  in  der  grundsprache 
spiritus  die  bewegte  luft,  ton,  stimme,  geist,  hoher  geist,  stolz;  an  geist 
zunächst  konnte  sich  wesen,  art  des  benehmens  knüpfen;  airoso,  sofern  es 
eitel  heißt,  trifft  sogar  mit  aerius  zusammen.  —  Ferner,  in  den  alten 
mundarten  Frankreichs  heifit  aire  auch  famäie,  geschlecht,  z.  b.  Amors 
nasquet  en  un  gentil  aire  LB.;  tot  mon  linh  e  mon  aire  vei  revenir  cet. 
ds.;  et  as  plus  bomes  morz  non  sai  retraire,  e  lor  ers  apovris  e  tot 
lor  aire  GBoss.  Mich.  358;  il  fu  estrais  de  gentil  aire  (stammte  aus 
edlem  geschlecht)  PMousk.  s.  Gachet.    Auf  dieses   wort  hat  aer   keine 


L  AFFANNO.  7 

Sollte  es  aus  ager  agrum  stammen,  g  in  i  aufgelöst  wie  in 
flairar  aus  {ragrare?  Ager  hei  fit  acker,  haus  mit  acker,  in  weiterem  sinne 
flur,  fddmark,  und  letzteren  sinn  vertritt  das  ndat.  arum  oder  arus,  z.  b. 
in  der  stelle  in  pago  Arvenica,  in  aro,  quae  vocatur  cet.,  anderswo  in 
pago  6.,  in  agro  S.  (DC.  v.  arum  u.  arva).  Arum,  ager  war  also  ein 
(heil  des  pagus.  Aus  der  engeren  bed.  haus  und  hof  konnte  die  bed.familie, 
geschiecht  erfolgen  wie  anderwärts,  vgl.  gr.  olxog,  lat.  domus,  sp.  solar. 
Gleichberechtigt  mit  ager  ist  wohl  auch  atrium  als  der  platz  im  hause, 
wo  das  hochzeitbett  stand.  In  den  bekannten  Verbindungen  de  bon  aire, 
de  mal  aire,  de  gentil  aire,  de  put  aire  bedeutet  aire  die  ort,  das  heifit 
das  geschlecht,  wie  lat.  genus,  sp.  linage.  Die  itcd.  spräche  entnahm  der 
prov.  ihr  di  bon  aire,  das  sie  nachher  in  di  baon'  aria  abänderte.  —  End- 
lich ist  hier  noch  des  specieU  frans,  aire  (f.)  hörst  des  raubvogels  eu  ge- 
denken. Afe'ria  latinisiert  es  eine  Urkunde  v.  j.  1215  DC,  aber  die  be- 
zekJmung  wäre  viel  eu  allgemein;  eben  so  wenig  verträgt  es  sich  mit  aire 
tenne,  dem  es  die  akademie  euweist.  Dieses  aire  ist  wiederum  nichts 
anders  als-  das  zum  feminin  gewordene  pr.  aire  geschiecht  (vgl.  z.  jb.  pr. 
aise  m.,  fr.  aise  f.),  und  noch  jetzt  sagt  man  im  iaucon  de  bonne  aire 
ein  faUce  aus  gutem  neste  =  von  guter  herkunft.  —  Zu  erwähnen  ist  noch 
Menage  s  nicht  ungeschickte  deutung  von  aire  aus  dem  derivatum  vei-aire 
gesichtsbildung,  miene,  woraus  es  abgekürzt  wäre,  und  auffallend,  dafi 
auch  das  sp.  aire  mit  einem  derivatum  don-aire  in  der  bedeutung  (an- 
stand) zusammentrifft.  Diese  etymologie  würde  alle  Schwierigkeiten  des 
Wortes  in  seinem  abgeleiteten  sinne  lösen,  allein  die  abkürzung  scheint  zu 
stark. 

Äff  anno  it.,  sp.pg.pr.  afan,  altsp.  afaüo  kummer,  angst,  ermüdung, 
fr.  ahan  saure  arbeit ;  vb.  it.  affannare  (trans.)  bekümmern,  sp.  afanar, 
fr.  ahaner  (intr.)  saure  arbeit  verrichten,  pr.  afanar  (trans.  intr.)  ermüden, 
sich  abmühen.  Altfr.  oder  mtat.  wird  das  wort  gerne  von  der  fddarieit 
gebraucht,  terram  ahanare,  daher  ahans  angebaute  fdder,  ahanables, 
noch  henneg.  ahan  bestdlung  des  feldes;  allein  die  erreichbar  älteste  be- 
deutung ist  körperliche  pein:  so  in  der  Passion  Christi  1.  4. 123  (afans), 
73  (ahanz),  im  Leodegar  1  (aanz),  so  auch  im  Alexiusliede,  aber  im  Boe^ 
Ünusliede  72.  108  kann  es  kummer  bedeuten.  Carpentier  bemerkt  auch 
ein  einfaches  altfr.  haner  arbeiten,  woraus  die  häufig  vorkommende  zss. 
enhaner,  z.  b.  an  cortil  einen  garten  bearbeiten.  Da  Frankreich  das  ein- 
fache wort  aufzeigen,  kann,  so  ist  dieses  land  wohl  auch  die  eigentliche 
heimath  des  weder  im  latein.  noch  im  deutschen  vorhandenen  Stammes:  das 
fr.  h  konnte  in  den  schwestersprachen  als  i  auftreten.  An  herkunft  aus 
it.  afa  (beängstigung)  ist  wenigstens  nicht  zu  denken,  da  kein  roman. 
suffix  ann  bekannt  ist,  vielmehr  scheint  afa  aus  affanno  abgezogen.  Du- 
eange  u.  a.  lassen  es  aus  einer  interjection  entstehen,  worin  sich  eine  den 
athem  beengende  körperliche  anstrengung  ausspricht  (han),  einer  interjec- 
tion, die  auch,  wie  man  weiter  bemerkt,  in  dem  henneg.  e-han-cer  'ausser 
athem  sein  enthalten  ist,  vgl.  ven.  afanä  keichend,  Dante  con  lena  affannata 


8  I.   AFFAKE-AGIO. 

mit  erschöpftem  athem.  Ahan  wäre  einer  der  vielen  naturausdrücke,  welche 
die  spräche  sich  selbst  verdankt  und  die  Untersuchung  konnte  geschlossen 
sein,  wenn  nicht  die  celtischen  sprachen  ähnliche  Wörter  darböten.  Zwar 
gael.  fann  müde,  fainne  müdigkeit,  welchen  das  gleichbed.  kymr.  adj.  gwan 
entsprechen  muß,  scheint  wenig  rücksicht  zu  verdienen,  da  gael.  f  =  kymr. 
gw  romanisch  durch  v  wiedergegeben  wird,  nicht  durch  f ;  aber  in  dem 
kymr.  afan  streit,  .unruhe,  auf  rühr,  welches  Owen  aus  einem  dem  bar  den 
Taliesin  zugeschriebenen  gedickte  anführt,  liegt  die  ganze  büdung  vor  und 
es  ist  nur  zu  erwägen,  ob  dies  auf  eine  der  cdt.  mundarten  eingeschränkte, 
auf  keine  einheimische  würzet  gegründete  wort  nicht  selbst  ein  fremdling 
ist  oder  überhaupt  mit  dem  roman.  zusammenhängt.  Weiteres  über  altfr. 
ahain  bei  Gachet  s.  v. 

Affare  it.  (m.),  pr.  afar,  afaire  (m.),  fr.  af faire  (f,  altfr.  m.), 
daher  cdtsp.  afer  Alz.  angelegenheit ;  entstanden  aus  dem  präpositionalen 
infinitiv  in  phrasen  wie  avere  a  fare  con  uno;  in  der  romagnol.  mundart 
dafe  d.  i.  da  fare.  Ein  zweites  Beispiel  dieser  Zusammensetzung  ist  it. 
awenire,  fr.  avenir  sbst.  Zukunft  =  il  tempo  a  venire. 

Affrontare  it.,  sp.  afrontar,  afrentar,  pr.  afrontar,  fr.  affronter 
angreifen,  beschimpfen;  von  frons  stirne,  eigentl.  einem  ins  gesicht  hinein 
sprechen  oder  handeln.  Daher  sbst.  tf.affronto,  fr.  affront,  sp.  afrenta 
beschimpf ung.  Franz.  effrontä,  pr.  esf rontat,  it.  sfrontato  unverschämt, 
von  effrons  bei  Vopiscus. 

Agazzare  it.,  agacer  fr.  (auch  pg.  agastar?)  reizen;  vom  ahd. 
hazjan,  nhd.  hetzen,  mit  vorgesetzter  roman.  partikel  a,  wodurch  h  inlau- 
tend ward  und  sich  um  so  leichter  in  g  verdichten  konnte.  Seltsam  ist  fr. 
agacer  les  dents  die  zahne  durch  eine  säure  stumpf  machen,  eine  bedeu- 
tung,  in  welcher  es  manche  für  eine  dbleitung  aus  lat.  acere  (sauer  sein) 
halten.  Folgendes  stehe  hier  als  anspruchlose  vermuthung.  Unser  nhd. 
ätzen  heißt  'durch  säuren  auf  einen  gegenständ  einwirken  :  war  ein  älteres 
gatzen  (=  ahd.  ga-azjan)  schon  dieser  bedeutung  fähig,  so  ist  demfranz* 
worte  geholfen. 

Aghirone  it.,  pr.  aigron,  cat.  agrö,  sp.  airon^  altfr.  hairon,  nfr. 
höron  (h  asp.),  in  Berry  egron  ein  vogel,  reiher;  dimin.  fr.  aigrette 
(mit  abgestoßenem  hauchlaut)  kleiner  weißer  reiher;  nicht  vom  gr.  iQiodwg, 
es  ist  vom  ahd.  heigir,  heigro,  wozu  alle  laute  passen. 

Agina,  gina  it.  geschtoindigkeit,  stärke;  adverbial  aina  PPS.  II, 
250,  a  grande  aina  Dante  De  vülg.  eloq.  1,  11,  altsp.  agina  FJ.}  auch 
ahina,  altpg.  aginha  eilig,  geschwind.  Ein  ndat.  glossar  hat  agina  ct.  q. 
festinancia  et  inde  agino  festinare.  Mit  lat.  agina  bei  Festus  (scheere 
an  der  wage,  worin  die  zunge  spielt)  kann  es  nickt  identisch  sein:  es 
gieng  aus  agere  wie  ruina  aus  ruere  hervor,  wie  es  denn  auch  der  bedeu- 
tung von  agitatio  sehr  nahe  tritt.  Der  nordwesten  kennt  dies  wort  nicht, 
doch  möge  das  neupr.  agis  s.  v.  a.  fr.  actions  erwähnt  werden. 

Agio  it.  {selten  asio),  pr.  ais,  aise  (m.)9  fr.  aise  (f.),  pg.  azo  ge- 
mäcldichkeit;  adj.  pr.  ais,  fr.  aise   (schon  in  der  alten  spräche,  s.  TFr. 


I.   AGRESTO-AGUGLIA.  9 

p.  612)  fröhlich,  engl,  easy;  adverbial  it.  ad  agio,  pr.  ad  als,  altfr.  ä  aise, 
nfr.  äl'aise  bequem,  dahersbst.it.  ad  agio,  altfr.  aaise  (ahaise  LRs.66), 
altpg.  aaso  SRos.  bequemlichkeit;  vb.  it.  agiare,  ad  agiare,  pr.  aisar, 
altfr.  aisier,  aaisier  versorgen,  pflegen,  part.  it.  agiato,  fr.  ais6,  behaglich, 
wohlhabend.  Die  prov.  spräche  hat  der  ableitungen  noch  mehr  hervorge- 
bracht: aisir  ins  haus  aufnehmen,  aisi  wohnung,  aisina  leichtigkeit,  gc- 
legenheit,  aizinar  einrichten  u.  a.,  vermutlich  ist  das  wort  von  hier  aus- 
gegangen. Seine  herhmft  ist  unsicher.  Menage  deutet  es  aus  otium, 
Ferrari  ganz  ungeschickt  aus  adaptare,  Frisch  nicht  besser  aus  dem 
dtschen  behagen.  Es  verlangt  ein  etymon  ais  oder  asi.  Nach  Perion  De 
ling.  galL  p.  45a  ist  es  vom  gr.  atowg  glück  verkündend,  dsgl.  erforder- 
lich, gehörig,  woraus  sich  auch  das  adjeetiv  gut  erklären  würde ;  xdaioiov 
wäre  das  gehörige,  passende,  bequeme.  Andre,  wie  Junius,  Schilter,  Casti- 
glione,  erkennen  darin  eine  nur  der  goth.  spräche  bekannte  in  dem  adj. 
azets  leicht,  bequem,  sbst.  azeti  annehnüichkeit,  enthaltene  würzet,  eine 
vermuthung,  welcher  auch  J.  Grimm,  Wien,  jahrbb.  XLVI,  188,  nicht 
abhold  ist,  vgl.  auch  seine  Gesch.  der  d.  spr.  352,  wo  das  goth.  wort  zu 
ags.  eadhe,  ahd.  ödi  gestellt  wird.  Prov.  viure  ad  ais  ist  gleichbed.  mit 
goth.  vizön  in  azetjam  in  annehmlichkeiten,  in  luxus  leben.  Freilich  müßte 
man  alsdann  ein  gothisches  subst.  azi  annehmen  dürfen,  was  nicht  ohne 
bedenken  ist,  wiewohl  die  seltensten  deutschen  Wörter  ihren  weg  ins  roma- 
nische fanden.  Oder  ist  für  ais  baskischer  Ursprung  anzunehmen?  in 
dieser  spräche  heißt  aisia  ruhe  (labort.),  aisina  mufie.  Aber  aisina  ist 
seiner  ganzen  bildung  nach  so  acht  provenzalisch,  es  geht  überdies  nach 
einer  häufig  hervortretenden  prov.  sprachsitte  mit  einem  synonymen  mos- 
ctdin  so  sicher  hand  in  hand  (aisi  aisina  wie  plevi  plevina,  trahi  trahina), 
daß  dem  bask.  derivatum  besser  prov.  Ursprung  zukommt,  wodurch  denn 
auch  der  bask.  Ursprung  des  primitivs  verdächtig  wird:  aisia  kann  dem 
pr.  aise,  wofür  sich  eine  ältere  form  aisi  vermuthen  läßt,  sein  dasein 
danken,  wie  das  adj.  aisa  zum  pr.  ais  stimmt.  Eine  zss.  ist  fr.  malaise 
mgemaeh.  Das  mit  doppeltem  g  geschriebene  it.  aggio  (aufgeld)  ist  eine 
bloße  scheideform  von  agio:  in  der  piem.  mundart  z.  b.  vereinigt  letzteres 
beide  bedeutungen. 

Agresto  it.,  sp.  agraz,  pg.  agra^o,  pr.  agras,  altfr.  aigret  lien., 
dauph  aigrat,  wal.  agris  unreife  traube,  saß  davon,  eigentl.  Säuerling; 
von  acer,  altsp.  agre,  fr.  aigre,  mit  dem  suffix  as  u.  s.  f.,  im  ital.  mit 
est  vertauscht.  Agraz  entspricht  in  seiner  bildung  genau  dem  lat.  von 
Hieronymus  gebrauchten  piracium  birntrank. 

Aguglia  it.,  sp.  aguja,  pg.  pr.  agulha,  fr.  aiguille  nadel.  Nicht 
von  aculeus:  die  ital.  nebenform  agocchia  verlangt  lat.  aeueula,  in  wel- 
ches acicula,  während  c.  noch  guttural  lautete,  abgeändert  ward,  vgl.  ge- 
nuculnm  für  geniculum  Rom.  gramm.  II,  326;  aeueula  aber  findet  sich 
in  der  thai  in  mehreren  handschriften  des  Codex  Theodos.,  sonst  auch 
nüat.  acncla.  Abgel.  ist  sp.  aguijar,  pg.  aguilUar  stacheln,  das  sicli 
dem  fr.  aiguille  nähert. 


10  I.   AJUTO— ALBERCOCCO. 

Ajuto  it.  hülfe,  von  adjutus  bei  Macrobius;  sonst  fem.  sp.  ayuda, 
pg.  pr.  ajuda,  altfr.  aüe,  pie.  aYude,  in  den  Eiden  adiudha,  aiudha;  vb. 
it.  ajutare,  sp.  ayudar,  pg.  pr.  ajudar,  wal.  azudä,  von  adjutare.  Da- 
neben entsprang  noch  eine  verkürzte  form  it.  alta,  pr.  ahia,  altfr.  aYde 
{getvöhnl.  al'e),  nfr.  zsgz.  aide;  vb.  it.  aftare,  pr.  aidar,  fr.  aider.  Beide 
letztere  lassen  sich  aus  syncopiertem  aj'tare  deuten,  nicht  so  attare,  präs. 
aito  rrtit  betontem  i. 

AI  altsp.  altpg.,  pr.  al  (als),  altfr.  al,  el,  neutrales  pronomen,  zu- 
weilen mit  einem  Substantiv  verbunden  (al  ren,  ren  al).  Es  bedeutet  aliud; 
aber  dessen  i  konnte  nicht  spurlos  untergehn,  vielmehr  verlangte  das  laut- 
gesetz  sp.  allo  oder  ajo,  pr.  alh:  will  man  nun  nicht  annehmen,  die  spräche 
habe  dem  i  oder  seiner  Wirkung  entsagt,  um  der  Verwechslung  mit  allium 
(sp.  ajo,  pr.  alh)  auszuweichen,  so  sieht  man  sich  auf  das  alt  und  volks- 
mäßig lat.  alid,  neutr.  von  alis,  verwiesen,  das  zuerst  bei  Lucüius,  dann 
bei  Catull,  endlich  bei  Lucrez,  später  aber  nicht  mehr  vorkommt  (worüber 
Ritschi  De  declinatione  quadam  latina  reconditiore,  1861). 

AI  ab  ar da,  labarda  it.,  sp.  pg.  alabarda,  fr.  hallebarde  (h  asp.) 
eine  waffe,  die  den  spieß  mit  dem  beil  vereinigt,  hellebarte;  vom  mhd. 
helmbarte,  helnbarte,  über  dessen  Zusammensetzung  sehe  man  Frisch  I, 
442* ,  Schmeller  II,  182,  Grimm  III,  442,  Weigand  I,  496:  es  ist  eine 
barte  d.  h.  ein  breites  beü  zum  durchhauen  des  helmes.  Die  getreueste 
form  ist  churw.  halumbard. 

Alano  it.  sp.,  pg.  aläo,  altfr.  alan  dogge,  bullenbeißer;  gewiss  von 
einem  völkernamen.  Menage  zeigt,  daß  man  Alanus  für  Albanus  gesagt 
habe,  und  so  ist  ihm  alano  ein  hund  aus  dem  heutigen  Albanien  =  Epirus 
s.  v.  a.  lat.  molossus,  gleichfalls  aus  Epirus. 

Alba  it.  sp.  pr.,  pg.  chw.  alva,  fr.  aube  morgenröthe;  von  albus 
hell,  heiter,  wie  in  Stella  alba,  wal.  zioej  albe  heller  tag:  vgl.  lux  albescit, 
coelura  albet,  bei  Dante  il  sol  imbianca  i  fioretti  die  sonne  färbt  die 
blümchen  weiß.  Aber  Ariost  gestellt  dem  morgenroth  mehr  färben  zu: 
poi  che  Faltro  mattin  la  bella  Aurora  Taer  seren  fe'  bianco  e  rosöo 
e  giallo  23,  52.  Wal.  aurore3,  das  volksübliche  wort  aber  ist  zörile 
(Clemens  worterb.  334),  das  aus  zi  tag  und  oare  zeit  zusammengesetzt 
scheint. 

Alb  an  pr.,  dsgl.  albanel,  it.  albanello,  fr.  aubrier  ein  stoßvogeh 
Das  entsprechende  pg.  alväo  (Constancio,  fehlt  bei  Moraes)  soll  einen 
andern  vogel  bezeichnen.  Die  etymologie  betreffend,  so  erklärt  das  Dict. 
de  Trevoux  aubrier  aus  aubfere  weiß  und  gefleckt,  von  albus. 

Alberare  it.,  sp.  arbolar,  enarbolar,  fr.  arborer  aufrichten  (wie 
einen  mastbaum),  von  arbor,  it.  albero,  altit.  albore  u.  s.  f.  Das  verbum 
drückt  hier  eine  thätigkeit  aus  in  der  weise  seines  primitivs:  so  lat.  vitu- 
lari  springen  wie  ein  kalb,  it.  piombare  fallen  wie  blei,  brillare  glänzen 
wie  beryll,  braccare  umherspüren  wie  ein  brocke. 

Albercocco,  auch  albicoeco  und  bacoco  it.,  sp.  albaricoque,  pg. 
albricoque,  fr.  abricot,  neugr.  ßeQVAoxov  eine  frucht,  aprikose;  von  prae- 


I.  ALBERGO-ALCUNO.  11 

coquus  frühzeitig,  weil  sie  früh  reif  wird,  früher  zumal  als  ihr  nächster 
verwandter  der  pfirsich.  Im  mittelgr.  nqar/.6niuov,  nQanöxxiov  hat  das 
lat.  wart  sein  sorgfältigstes  abbüd  gefunden;  auf  die  rom.  formen  aber 
hat  das  arab.  al-berqüq,  worin  das  dem  Araber  fehlende  p  zu  b  werden 
mußte,  denn  es  ist  ein  fremdes  wort  (Freyt.  I,  112b),  sichtbarlich  einge- 
wirkt. Im  neapolitanischen  haftet  noch  das  aus  dem  griechischen  gebil- 
dete crisuommolo  (xqvo6-iit}Iov).  —  [S.  dazu  Mahn  p.  49,  Engelmann  13, 
Dozy,  Oosterlingen  p.  i.] 

Alb  ergo  it.  altsp.,  nsp.  pg.  albergue,  pr.  albere,  dltfr.  herbere 
(helberc  Jlexs.65),  dsgl.  fem.  pr.  alberga,  altfr.  herberge  das.  116  und 
überall  oft,  nfr.  auberge  wirthshaus;  vb.  it.  albergare,  sp.  albergar, 
pr.  albergar  und  arbergar,  fr.  höberger  (ohne  asp.)  altfr.  herbergier; 
vom  ahd.  heriberga  (f.),  altn.  herbergi  (n.),  vb.  ahd.  heribergön.  Das 
altfr.  bewahrte  noch  die  alte  bed.  Icriegslager:  ses  herberges  et  ses  foil- 
lies  zdte  und  hätten  des  heeres  Brt.  II,  160,  les  herberges  de  Tost  das. 
p.  163.  Das  schwanken  im  genus  mag  in  der  gleichen  erscheinung  der 
deutschen  Wörter  seinen  grund  haben. 

Aleali  it.  sp.  u.  s.  f.,  vom  arab.  al-qali  aschensedz  Freyt.  III,  494". 

Alchfmia  it.,  sp.  pg.  alqufmia,  pr.  alkimia,  fr.  alchimie,  mittelgr. 
dgxtyua  die  hunst  gold  zu  machen,  dsgl.  it.  sp.  pg.  ehimica,  /r.^chimie 
scheidekunst;  vom  arab.  al-k!mi&  Freytag  IV,  75h,  das  aber  aus  keiner 
einheimischen  tcurzel  herrührt;  gr.  x^ula  erst  bei  Suidas.  Das  genaueste 
darüber  hat  Mahn  p.  81—85  geliefert,  welcher  unter  den  verschiedenen 
herleitungen  der  aus  gr.  fvn6$  (flüssigkeit,  soft)  den  Vorzug  zuerkennt. 

Alcohol  reinster  Weingeist;  vom  arab.  al-kofhl  einpülver  die  äugen- 
brauen  zu  schwärzen,  $.  Golius  2007,  Freytag  IV,  15* :  wegen  der  fein- 
heit  dieses  pulvers  ward  der  name  auf  den  Weingeist  übergetragen,  eine 
der  arab.  spräche  unbekannte  bedeutung.  So  Pihan  gloss.  des  mots  frang. 
tires  de  Varäbe.  —  [Genaueres  bei  Mahn  p.  107.] 

Alcöva  it.,  sp.  pg.  alcoba,  fr.  alcöve  (f.)  nebenzimmer.  Grimm 
III,  429  und  andre  Sprachforscher  halten  es  für  deutsch,  indem  sie  ein 
ahd.  alah-kovo  annehmen  (alah  heißt  tempel,  kove  wäre  das  nhd.  kofen). 
Da  es  indessen  erst  aus  der  span.  in  die  übrigen  mundarten  eingeführt 
und  darum  auch  nicht  ins  mitteUatein  aufgenommen  ist,  so  werden  es  die 
Spanier  wohl  aus  dem  arabischen  geschöpft  haben:  hier  bedeutet  al-qobbah 
gewölbe  oder  zeit  Freyt.  III,  388*  und  kommt  auch  (in  der  form  Alcoba) 
als  name  eines  portugies.  dorfes  vor,  s.  Sousa.  Im  prov.  findet  sich  über- 
dies aleuba  GO,  Flam.,  im  altfr anz.  aueube,  welche  derselben  herkunft 
sein  müssen  und  die  arab.  bed.  zeit  bewahrt  haben,  wie  sich  z.  b.  aus  der 
stelle  tendre  les  aueubes  de  lin  die  leinenen  zelte  aufschlagen  Er.  En. 
4102  klar  ergibt. 

Aleuno  it.,  sp.  alguno,  pg.  algum,  pr.  aleu,  fr.  aueun,  unbestimmtes 
pronomen,  zsgs.  aus  aliqui  unus.  Es  gibt  ein  altfr anz.  ursprünglich  bur- 
gundisches  pron.  alquen,  auquen,  alcon  masc.  (fem.  aueune),  bei  welchem 
zu  untersuchen  bleibt,  ob  es  aus  aliqui  homo  (alc'uen  alc'on)  zusammen- 


12  I.  ALENARE-ALLODIO. 

gesetzt  ist,  wiewohl  es  übrigens  auch  adjectivischen  gebrauch  erlaubt:  ju 
querroie  aucuen  solaz  SB.  572 ;  mit  sp.  alguien  kann  es  wenigstens  nicht 
identisch  sein.  Die  norm,  mundart  kennt  auch  das  parallele  cascons  für 
quisque  s.  Wright,  Anecd.  p.  88,  chescon  Ben.  app.  IIL,  471;  überdies 
ascons  (aliquis  horao?)  LG.  50,  ascun  Wright,  Polit.  songs  p.  137. 

Alenare  it.,  pr.  cot.  alenar  athmen,  fr.  halener  (h  asp.)  tcittern; 
sbst.  it.  alena,  lena,  pr.  aleua,  fr.  haieine  (ohne  asp.)  atJiem.  Das  ver- 
bum  ist  umgestellt  aus  lat.  anhelare  keichen,  bei  späteren  auch  athmen: 
it.  anelare,  sp.  anhelar  (letzteres  bei  Pougens,  Arch.  fr.  I,  50);  das  sbst. 
entsprang  aus  dem  verbum,  wenigstens  steht  seinem-  ableitung  aus  halare  die 
Seltenheit  und  Unsicherheit  des  suffixes  ena  entgegen.  Über  sp.  aliento  s.  IL  b. 

Alf  ido,  auch  alf  iere  it.,  sp.  alfil,  arfil,  pg.  alfil,  alfir,  ältfr.  aufin 
lauf  er  im  schach ;  vom  pers.  fil  elephant,  mit  arab.  artikel  al-fil,  s.  Du- 
cange  y.  alphinus,  vgl.  dagegen  Pott  in  Lassens  Ztschr.  IV,  12. 

Algebra  it.,  sp.  älgebra,  fr.  algöbre  buchstabenrechnung;  vom  arab. 
al-gabr  Wiedereinrichtung  zerbrocJiencr  dinge,  eine  dem  Span,  worte  noch 
anhängende  bedeutung,  daher  Vereinigung  zu  einem  ganzen,  darstellung 
verschiedener  Operationen  mit  wenigen  zeichen.  S.  Golius  462,  Freytag  7, 
239b.  .  Es  ist  gegen  die  regd,  daß  in  diesem  worte  der  accent  auf  dem 
arab.  artikel  ruht. 

Algo  sp.  pg.,  pr.  alque,  alques,  altfr.  auques  (noch  jetzt  lothr. 
öque,  champ.  yauque  u.  dgl.)  neutrales  pronotnen;  von  aliquod,  aliquid. 
Dsgl.  sp.  alguien,  pg.  alguem,  vom  acc.  aliquem. 

All  arme  it.  (m.),  sp.  pr.  alarma,  fr.  alarme,  wal.  lärme,  lärm, 
lärmschlagen;  vb.  allarmar e  ff. ;  von  dem  ausruf  all1  arme!  zu  den  waffen! 
Daher  occ.  alarmo  interjeetion  der  Verwunderung,  it.  arm'  arme!  Buom- 
mattei  trattat.  18,  3. 

Allegro  it.,  sp.  pr.  alegre,  fr.  alfegre  munter,  nebst  vielen  ableitun- 
gen;  von  alacer  alacrem,  mit  fortgerücktem  accent  alacrem.  Das  wort 
scheint  in  betracht  seines  aus  a  entstandenen  Umlaufes  e  ursprünglich 
französisch,  wenigstens  war  ältfr.  halaigre  ein  sehr  üblicher  ausdruck  und 
hat  sich  auch  als  geschlechtsname  Aligre  fortgesetzt.  Die  ursprünglichste 
form  zeigt  das  bask.  alaguera. 

Allevare  it.,  pr.  alevar  fr.  elever  aufziehen,  erziehen,  von  alle- 
vare,  elevare ;  eigentl.,  nach  einer  alten  sitte,  ein  kind  vom  boden  aufheben 
um  es  zu  erziehen,  lat.  tollere  puerura  in  gleichem  sinne.  Es  hängt  also 
nicht  zusammen  mit  dem  religiösen  gebrauche  des  hebens  aus  der  taufe, 
mlat.  levare  de  sacro  fönte,  der  sich  nur  auf  den  pathen  bezog.  Daher 
sbst.  altsp.  alevo  täufling,  it.  alievo,  fr.  öleve  zögling. 

Allojlio  it.,  sp.  alodio,  pr.  alodi  und  aloc,  alo,  fr.  alleu  freies 
erblehcn.  Sämmtliche  formen  passen  in  das  mlat.  alodium,  selbst  das  pr. 
aloc,  dessen  auslaut  aus  derselben  Verhärtung  des  di  =  dj  entstand,  wie 
der  von  fastic,  lat.  fastidium ;  zu  aloc  aber  verhält  sich  fr.  alleu  wie  zu 
foc  feu,  zu  loc  lieu.  Alter  als  alodium  ist  alodis  in  der  L.  Säl.  und  mü 
diphthong  statt  des  langen  vocals  alaudes  in  westgoth.  Urkunden.  Grimm, 


L  ALLODOLA— ALMIRANTE.  13 

Rechtsalt.  p.  493.  950,  verfnuthet  in  diesem  wort  ein  deutsches  composi- 
tum al-öd  cganz  eigen \  Müllenhoff  zur  L.  Sal.  p.  278  wendet  einen  for- 
mdien mangel  ein,  da  ahdeutschem  6t  salisches  aut  (alaudis  für  alodis) 
entsprechen  müßte  und  nimmt  lieber  fremden  Ursprung  an.  Von  roman. 
seite  läßt  sich  nur  erinnern,  daß  die  form  alodis  besser  befriedigt,  daß 
alaudis  regelreckt  pr.  alau  (alauc),  altfr.  aloi  erzeugt  hätte  (vgl.  pr. 
And-oart  =  westgoth.  oder  bürg,  aud  —),  daß  also  die  roman.  formen 
genau  zu  der  salischen  stimmen. '  Wenn  das  spätere  mlatein  alödium 
scandierte  (alodium  fundum  dicas,  fundum  raaris  imum  s.  Ducange),  so 
ist  dies  für  die  etymologie  ohne  bedeutung. 

Allodola,  lodola,  it.,  bei  Dante  Par.  20,  71  alodetta,  sie.  lodana, 
altsp.  aloa  J.  Manuel  ed.  öayangos  p.  250h,  aloeta  (aluda  Canc.  de  B.), 
nsp.  alondra,  pr.  alauza,  alauzeta,  altfr.  aloe  (davon  altn.  16a  nach  Grimm, 
Reinh.  Fuchs  p.  370),  nfr.  alouette,  mlat.  laudila  Gl.  lind.,  laudula 
Nyerup.  268,  Hoffm.  Sumerl.  10*,  27b  ein  vogel,  lerche.  Von  alauda, 
gallisch  nach  Plinius  und  Sueton,  daher  Gregor  v.  Tours  4,  31  sagt: 
avis  corydalus,  quam  alaudam  vocamus  (wir  Gallier).  J.  Grimm  über 
MarceUus  Empir.  findet  das  gallische  wort  im  Tcymr.  uchedydd  schweben- 
der vogel,  lerche,  andre  verweiseti  auf  das  bret.  alc'houöder,  Tcymr.  alaw- 
adar  vogel  der  harmonie,  s.  Le  Gonidec  Dict.  fr.  bret.  p.  p.  Villemarque 
p.  rtt.  Man  sehe  die  neueren  Untersuchungen  von  Mahn  p.  22,  Diefenbach, 
Orig.  europ.  p.  219.  Den  äußersten  westen  und  osten  des  gebietes  hat 
dieser  fremdling  nicht  erreicht:   der  Portugiese   sagt  dafür  cotovia,   der 

Wdlache  ciocerlän. 

> 

Almanacco  it.,  sp.  almanaque,  fr.  almanac  kalender.  Man  hält 
es,  von  der  silbe  al  verführt,  für  arabisch  und  erklärt  es  aus  dem  vb. 
mana'ha  zählen,  welches  aber  nicht  arabisch,  sondern  hebräisch  ist  An- 
dre, auch  Jos.  v.  Hammer,  denken  an  al-mana'h  (oder,  wie  Mahn  in  seiner 
gelehrten  Untersuchung  berichtigt,  al-minhat)  gesehen!:  vom  verb.  manarha 
schenken  Freyt.  IV,  213a,  der  kalender  wäre  ein  geschenk.  Aber  auch  dies 
ist  sehr  zu  bezweifeln,  da  die  kalender  der  Araber  sich  durchaus  nicht 
zu  geschenken  eignen,  ihr  name  auch  ein  ganz  andrer  ist,  taqutm.  So 
bleibt  die  herkunft  des  Wortes  noch  unentschieden;  s.  Dozy.,  Oosterl.  p.  11. 

Almirante  it.  sp.pg.,  pr.  amiran,  altfr.  aiuirant,  dsgl.  pr.  amirat, 
entsprechend  altfr.  amirö  und  oft  amiraut  (nom.  —  aus,  —  aux),  ferner  it. 
almiraglio,  ammiraglio,  pr.  amiralh,  alt-  und  neufr.  amiral  und  admiral 
(so  noch  bei  Nicot  und  weit  späteren),  mlat.  amiratus,  admiratus,  adini- 
raldus,  admiralins,  admirabilis  (altfr.  amirafle)  fürst  der  Sarazenen,  be- 
fehlshdber  einer  flotte;  vom  arab.  aintr  fürst,  befehlshaber  Freyt.  I,  59*. 
Erst  durch  die  Sicilianer  und  Genuesen  soll  das  wort  seine  specielle  jetzt 
noch  gültige  bedeutung  empfangen  haben,  s.  Ducange  v.  amir.  Die  mit 
al  anhebenden  formen  danken  diese  silbe  der  einmischung  des  arabischen 
artikels.  Nach  Mahn  p.  7  und  Engelmann  p.  54  ist  das  fr.  amir-al  die 
dem  original  am  nächsten  kommende  dar  Stellung,  insofern  sie  nämlich  den 
arabischen  £tfcJanifr-al-bahr  d.  i.  befelilshaber  des  meeres,  allerdings  nach 


14  L  ALMÜSSA-AMALGAMARE. 

dbfall  des  letzten  Wortes,  buchstäblich  wiedergibt.  Vergleicht  man  indessen 
almir-ante,  worin  eine  anbädung  an  command-ante  oder  imper-ante  nicht 
zu  verkennen  ist,  so  fühlt  man  sich  gedrungen,  auch  in  amir-al  eine  solche 
und  zwar  etwa  an  Wörter  wie  general  (fddherr),  oficial  (officier)  u.  a.  an- 
zuerkennen, während  die  sufßxe  anderer  formen  gar  keine  oder  wunder- 
liehe  bedeutungen  ausdrücken.  Im  prov.  und  (üt franz.  heifit  unser  wort 
ohnehin  niemals  seebefehlshaber,  sondern  beherrscher  der  ungläubigen ;  ein 
troubadour  nennt  selbst  den  belierrscher  der  Deutschen  mit  diesem  namen: 
dels  Alamans,  s'ieu  fos  lur  amiratz  LR.  LL,  72.  Bekannt  ist  aus  den  spa- 
nischen romanzen  der  titel  almirante  de  la  mar,  dessen  letzte  worte  den  sinn 
Ergänzen  müssen.  [Dieser  ansieht  ist  auch  Dozy,  Osterl.  p.  5,  beigetreten.] 

Almussa  pr.,  fr.  aumusse,  altfr.  aumuce  {daher  mnett.  almutse, 
amutse),  sp.  almucio  (Seckendorf),  pg.  mursa;  dimin.  pr.  almucela, 
attpg.  almucella,  almocella,  sp.  almocela,  in  Urkunden  almucella,  almo- 
$ala,  dsgl.  altfr.  aumucette,  sp.  muceta,#.  mozzetta.  Diese  Wörter  bedeu- 
ten eine  bis  auf  die  schultern  herabfallende  kopfbedeckung  zumal  der  geist- 
lichen, oder  auch,  in  den  diminutiven  formen,  ein  kurzes  mäntelchen.  Der 
arab.  spräche  gehören  sie  nicht,  wenn  sie  auch,  wie  viele  andre,  zum  theä 
den  arab.  artikel  an  sich  gezogen  haben:  sie  sind  offenbar  identisch  mit 
unserm  mutze,  ndl.  mutse,  das  man  aus  dem  vb.  mutzen  (abstutzen)  er- 
klärt.    Vgl.  unten  mozzo. 

Alna,  auna,  alla  it.,  altsp.  dltpg.  pr.  alna,  nsp.  ana,  fr.  aune  eUe. 
Zunächst  gewiss  vom  goth.  aleina,  ahd.  elina,  wozu  auch  das  genus  stimmt, 
aleina  aber  nach  Grimm  III,  559  aus  dem  lat.  ulna  geformt.  Ziemlich 
vollständig  spricht  sich  das  deutsche  wort  aus  im  ndat.  alena  Eist,  du 
Dauphine  II,  283. 

Altresi  it.,  sp.  otrosf,  pg.  outrosim,  pr.  altresi,  atresi,  altfr.  au- 
tresi,  adverUum  der  vergleichung;  von  alterum  sie. 

Altrettale  it.,  sp.  otro  tal,  pg.  outro  tal,  pr.  altretal,  atretal,  altfr. 
autretel,  pronomen;  von  alter  talis.  Prov.  atrestal  von  alterum-sic  talis. 

Altrettanto  it.,  sp.  otro  tanto,  pg.  outro  tanto,  pr.  altretan,  atre- 
tan,  altfr.  autretant,  pronomen;  von  alter  tantus.  Prov.  atrestan  von 
alterum-sic  tantus. 

Alzare  it.,  sp.  alzar,  pr.  alsar,  ausar,  fr.  hausser  (h  asp.,  vgl. 
baut  IL  c),  wal.  inaltzä  erhöhen;  von  altus,  gleichsam  altiare.  Erwäh- 
nung verdient  das  franz.  compos.  exbausser  (pr.  eissausar,  sp.  ensal- 
zar),  weil  es  in  exaucer  eine  besondere  form  mit  der  bed.  'eine  bitte  er- 
hören angenommen,  denn  dieu  a  exauce  mes  prieres  heißt  ursprünglich 
'gott  hat  mein  gebet  erhöht,  begünstigt*. 

Amäca  it.,  sp.  hamaca,  umgestellt  amahaca,  pg.  maca,  fr.  hamac 
(b  asp.)  hängebett;  vom  ndl.  hangmat,  hangmak.  Das  wort  findet  sich 
auch  im  karaibischen  und  soü  nach  einigen  durch  die  westindischen  See- 
räuber verbreitet  worden  sein,  s.  Pott,  Doppelung  cet.  p.  83. 

Amalgamare  it.  u.  s.  w.  verquicken  d.  h.  ein  metall  mit  Queck- 
silber verbinden;  vom  gr.  fidkayfia  erweichung. 


I.  AMARICARE-AMBASCIATA.  15 

Amaricaretf.,  auch  amareggiare,  sp. pg.  pr.  amargar  bitter  machen, 
erbittern  von  amarus,  das  verbum  bereits  im  frühsten  nilatem,  s.  Ducange 
undClass.  auct.  VI,  606b ;  adj.sp.pg.  amargo,  cal.  amarg,  dsgl.  amar- 
g0  80,  spätlateinisch  amaricosua  Quicherat  Add.,  sbst.  amargo r,  letz- 
tere durch  eintcirkung  des  verbums  so  gebildet.  Zsgs.  it.  rammaricarsi 
sich  beklagen,  ramm&rico  klage,  verdruß,  vgl.  adj.  amaro  kränkend, 
beschwerlich^  sie.  amaru  betrübt,  wal.  amar  interjeetion  des  Schmerzes, 
ebenso  attpg.  amaro  de  mi!  GVic.  II,  465. 

AmsitTSLYsp.pg.,  amarrer  fr.  ein  schiff  festbinden;  sbst.  amarra, 
amarre  das  dazu  dienende  tau;  dsgl.  fr.  dämarrer  ein  schiff  losbinden. 
Nach  Pougens,  Trisor  I,  56,  vom  arab.  marra  ein  seil  drehen,  marr  seil 
Frei/tag  TV,  163k.  Es  fehlt  allerdings  nicht  an  arab.  schifferausdrücken 
im  roman.;  nähere  ansprüche  aber  hat  sicher  das  ndl.  marren,  merren, 
mhd.  merren  anbinden,  befestigen,  ags.  merran  zurückhalten  =  ahd.  marr- 
jan,  vgl  unten  marrire. 

Ambasciata  und  imbasciata  it.,  sp.  embaxada,  pr.  ambaissada 
und  masc.  ambaissat,  fr.  ambassade,  it.  auch  ambasceria,  botschaft, 
gesandtschaß;  it.  ambasciadore  ff.  botschafter.  Ambasciata  stammt 
vom  mlat.  ambactia  dienstverricktung ,  auftragt  si  in  dominica  ambactia 
(cd.  ambaxia)  fuerit  oecupatus  L.  Sah,  auch  in  der  L.  Burg.,  bei  Colum- 
banus  (um  560)  u.  a.;  dies  muß  eine  abteitung  sein  aus  dem  von  Caesar 
De  bell.  galt.  6,  15  für  dienstmann  gebrauchten  ambactus:  (equites)  cir- 
cum  se  ambactos  clientesque  habent,  und  zwar  eine  noch  in  römischer 
seit,  wenigstens  vor  festsetzung  des  romanischen  sprachcharakters,  ent- 
standene ableüung,  da  der  Romane  das  Substantivsuffix  Ta  zu  neubüdun- 
gen  nickt  zuläßt.  Ambactus  also  gab  das  abstractum  ambactia,  welches 
man,  seit  t  vor  tonlosem  i  zum  Sibilanten  geworden,  d.  h.  im  ersten  mittd- 
atter,  in  Frankreich  ambaesia  aussprechen,  ambaxia  schreiben  mußte: 
hieraus  erst  das  it.  ambasciata,  welches  nicht  zu  ambactia  passt,  denn 
scia  aus  ctia  wäre  beispiellos;  denselben  durchgang  durch  das  fr.  ambaxia 
muß  auch  das  sp.  embaxada  genommen  haben.  Auch  das  vb.  ambasciare 
eine  botschaft  verrichten  war  dem  früheren  mtatein  bekannt,  woraus  sich 
die  an  der  spitze  dieses  artikels  stehende  participialableitung  zunächst  er- 
klärt; das  prov.  mascuUn  findet  sich  schon  im  Capittdare  de  vülis  (am- 
baseiatum)  vorgebildet.  Ambactus,  bemerkt  Festus,  apud  Ennium  Lingua 
gallica'  serrus  appellatur.  Hiernach  ist  es  ein  gallisch-lat.  wort,  und  da- 
bei kann  die  romanische  etymologie  stehen  bleiben.  Bekanntlich  erkennen 
Zeuß  und  Glück  darin  das  kymr.  amaeth  ackersmann,  werkmann,  für 
ambaeth,  J.  Grimm  das  goth.  andbahts  diener9  ahd.  ambaht;  man  sehe 
darüber  Diefenbachs  neue  Untersuchung  des  Wortes,  Orig.  europ.  p.  226.  — 
Zu  ambasciata  gesellt  man  auch  das  it.  am ba scia  angst,  beklemmung, 
bei  Dante  zweimal  infernale  ambascia  höllenpein,  vb.  ambasciare  keichen, 
athendos  sein,  angst  empfinden,  zsgs.  trambasciare  und  strambasciare. 
Daß  die  Vollziehung  eines  auftrages  beschwerlich  sein  kann,  versteht  sich, 
aber  beklemmung  ist  keine  nothwendige  begleiterin  derselben;   selbst  tra- 


16  I.  AMBIARE— ANCA. 

vaglio  ist  nie  zu  dieser  höhe  der  bedeutung  hinaufgestiegen,  Erich  (Ericus) 
in  seiner  wenig  bekannt  gewordenen  ldv&Qio7voyXioTToyovia  Venet.  1697 
§.  417  zieht  dies  wort  darum  aus  dem  gr.  dqxxola  Sprachlosigkeit,  stumm 
machende  angst;  ist  nun  die  Variante  duqxxoia  nicht  eine  bloß  poetische 
dem  metrum  zu  gefallen  geschaffene,  so  verdient  diese  deutung  alle  rück- 
sieht:  die  lat.  betonung  war  amphäsia,  it.  amfascia  (vgl.ayoQaaia,  it.  gras- 
cia),  durch  einen  tausch  des  labials,  vielleicht  um  die  erinnerung  an  fas- 
cia  wegzuräumen,  ambascia.  Daß  es  den  schwestersprachen  versagt  ist, 
gibt  der  herleitung  aus  dem  griech.  einige  berechtigung.  Hierzu  abait  II.  c. 

Ambiare  it.,  sp.  pg.  pr.  amblar,  fr.  ambler  den  pass  gehen  (von 
pferden),  mlat.  ambulare,  in  dieser  ausschließlichen  bedeutung  unclassisch 
und  erst  etwa  seit  dem  9.  jh.  im  gebrauch.  Dem  wal.  umblä  fehlt  diese 
bedeutung,  t  dagegen  ist  es  in  der  ursprünglichen  ganz  volksüblich  geblieben. 

Ambra  it.  (f.),  sp.pg.  ämbar  und  alambar,  alambre  (m.),  fr.  ambre 
(m.)  bernstein,  mhd.  amber,  ämer,  nhd.  ambra,  ein  harziger  stoff  aus  dem 
Orient;  zunächst  von  dem  arab.  canbar  (zugleich  name  eines  Seefisches), 
das  aber  in  dieser  spräche  selbst  keine  würzet  hat,  s.  Freytag  III,  227b. 

Ämido  it.,  pg.  ämido,  amidäo,  sp.  almidon,  fr.  amidon  stärke  zum 
steifen  der  wasche;  von  amylum  (afivlov)  kraftmehl.  Es  ist  das  einzige 
beispiel  eines  gemeinrom.  Überganges  von  1  in  d,  mlat.  am  i dum  Dief. 
Gloss.  lat.  germ. 

Ammainare  it.,  sp.  pg.  amainar,  fr.  amener  (Jes  voiles)  die  segel 
einziehen. 

Amonestar  sp.  pr.,  pg.  amoestar,  altfr.  amonester,  nfr.  admon&er 
warnen,  ermahnen,  prov.  auch  monestar;  altfr.  sbst.  monneste  TFr.  p. 
446;  weder  im  italienischen  bekannt  noch  im  mütellatein.  Doch  wohl  von 
monitare  bei  Venantius  Fort.,  aber  mit  eingeschobenem  8,  um  nicht  mon- 
tar  zu  sprecJien,  wie  vantaf  aus  vanitare  ward;  also  eine  scheideform, 
aber  eine  der  seltsamsten.  Darum  gebührt  der  folgenden  deutung  eines 
französischen  etymologen  genaue  erwägung.  Der  Romane  muß  admönere 
gesprochen  haben,  wie  er  summönere  (semondre)  sprach:  jenes  verbum 
gewährte  ihm  ein  partieip  admonestus,  daher  admonestare,  admon^ter. 
S.  Littre,  Hist.  d.  I.  I.  fr.  I,  34.  Genau  erwogen,  gewahrt  es  ihm  ein 
pari,  admost  nach  dem  muster  von  somost,  vielleicht  selbst  admonst,  da 
die  substantiva  somosta*  und  somonsa  vorkommen,  daher  denn  das  verbum 
admonstar,  zur  tilgung  der  härte  admonestar.  Diese  hülfeleistung  des  e 
vor  s  scheint  aber  nicht  minder  bedenklich  als  die  des  s  vor  t. 

Ananas  it.  sp.  fr.  eine  südamericanische  staude  sowie  deren  frucht, 
pg.  ananaz  in  letzterer,  ananazeiro  in  ersterer  bedeutung)  der  name  mit 
der  sache  nach  Europa  gekommen. 

Anappo,  nappo  it.,  pr.  enap,  altfr.  hanap,  henap  (h  asp.);  vom 
ahd.  hnapf,  früher  hnap,  im  munde  der  Romanen  hanap  (so  bereits  in 
den  Casseler  glossen),  nhd.  napf.  Eine  ableitung  ist  altfr.  hanepier  hirn- 
schale,  eigentl.  gefäß,  in  beziehung  auf  ihre  form,  wie  testa. 

Anca  it.  sp.pg.pr.,  hanebe  fr.  (h  asp.),  daher  engl,  hauneb,  hüfte, 


L  ANCHE.  17 

plur.  sp.  pr.  ancas  kreuz  der  lastthiere;  zsgs.  it.  sciancato,  fr.  6hanch6 
lendenlahm.  Zwei  etymologien  liegen  vor:  vom  gr.  ayxt]  bug,  biegung, 
und  vom  dtschen  anke,  ahd.  ancha  genick,  eigentl.  wohl  einbiegung.  Den 
griech.  stamm  hat  die  roman.  spräche  auch  sonst  benutzt  (vgl.  anco  II.  b) 
und  Festus  erwähnt  selbst  ein  lat.  ancus  (gui  aduncum  brachium  habet 
ut  exporrigi  non  possif.  Aber  das  deutsche  Wort  lag7  zumal  in  seiner 
speciellen  anwendung  (gelenk),  dem  Romanen  näher  als  das  griechische  und 
das  su  den  alterthümern  der  spräche  gehörige  lateinische.  Entschieden  aus  dem 
ahd.  ancha  in  der  bed.  tibia,  crus  ist  fr.  anche  röhre,  wovon  banche  durch 
die  aspiration  (vgl.  dazu  fries.  hancke,  hencke  KU.)  geschieden  ward. 
Anche,  anco  it.,  chw.  aunc,  aunca,  partikel  s.  v.  a.  lat.  etiam  (auch, 
noch),  pr.  anc,  altfr.  ainc  s.  v.  a.  unquam,  wai.  ince  s.v.  a.  adhuc.  Im 
Leodegar  trifft  man  hanc  in  itdl.  bedeutung:  hanc  la  lingua  auch  die 
zunge  27,  et  hanc  en  aut  merci  si  grand  er  hatte  auch  so  große  gnade 
mit  ihm  31.  Dazu  die  Verbindungen  pr.  anc  mais,  anc  sempre,  ancse. 
Die  entstehung  dieser  partikel  läßt  sich  auf  verschiedene  weise  denken. 
Prov.  anc  z.  b.  könnte  aus  fr.  onc  (unquam)  entstanden  sein  etwa  wie 
ara  aus  ora ;  es  wird  ebenso  nur  verneinend  gebraucht  und  nur  auf  die 
Vergangenheit  bezogen:  anc  non  fo  hom  =  onc  ne  fut  hom,  und  so  ist 
auch  anc  mais  =  fr.  onc  mais,  it.  unque  mai.  Aber  es  ist  nicht  rath- 
sam,  das  prov.  wort  von  seinem  ital.  gefährten  zu  trennen,  mit  dem  es  in 
einem  alten  denkmal  gleichbedeutend  erscheint.  Zu  erwägen  ist  femer 
adhuc,  dessen  sinn  (bis  jetzt,  noch  dazu,  sogar)  das  rom.  wort  vollkom- 
men ausdrückt:  auf  diese  weise  würde  sich  auch  das  sp.  aun  (wofür  der 
Portugiese  ainda  setzt)  damit  vereinigen  lassen.  Dessen  herkunft  aus  ad- 
huc ist  unzweifelhaft:  mit  eingeschobenem  n  entstand  ädunc  äunc,  mit 
apocopiertem  c  dun,  welches  von  den  Alten  noch  zweisilbig  gesprochen  und 
darum  auch  ahun  geschrieben  ward,  s.  Tierceo  p.  154,  320.  203,  172. 
368,  628;  denselben  Vorgang  zeigt  aitsp.  nin  =  lat.  nee,  pg.  assim  = 
sie,  allin  GVic.  93*  =  illic.  Darf  man  ein  solches  rhinistisches  adunc 
annehmen,  das  auch  durch  das  altfr.  ainsinc  aus  aeque  sie  unter- 
stützt wird,  so  konnte  dies  im  itdl.,  worin  d  zwischen  vocalen  nicht  leicht 
ausfällt,  kaum  anders  lauten  als  ad'nc  ai\p  anche.  Damit  trifft  das  pr. 
anc  zusammen,  wiewohl  a  hier  vielleicht  aus  au  vereinfacht  ist,  vgl.  anta 
aus  aunta.  Es  ist  noch  eine  dritte  etymologie  gedenkbar,  aus  hanc  sc. 
horam  {vgl.  wegen  des  zu  supplierenden  Substantivs  it.  issa  sc.  hora),  von 
seiien  des  buchstabens  geunss  die  einfachste,  von  Seiten  des  begriffes  aber 
in  so  weit  minder  genügend,  als  außer  horam  auch  noch  ad  suppliert 
werden  muß.  —  Für  altfr.  ainc  wird  zuweilen  mit  beigefügtem  s  ains 
gesetzt,  z.  b.  Alexs.  66,  3,  was  von  ains  =  sp.  antes  zu  scheiden  ist.  — 
Hier  kommen  noch  zwei  composita  in  erwägung:  pr.  anc-ui,  altfr.  enc-ui, 
altit.  u.  mdartl.  anc-oi  heute;  pr.  anca-nuech,  altfr.  enque-nuit,  diese 
nacht.  Das  darin  enthaltene  anc  konnte  unser  rom.  wort  sein,  im  zweiten 
compositum  euphonisch  erweitert  in  anca  (vgl.  chw.  aunca);  der  eigent- 
liche sinn  wäre  alsdann  *noch  heute,  noch  diese  nacht3. 

2 


18  I.  ANCINO— ANDARE. 

Ancino  it.,  sp.  anznelo,  pg.  anzol,  fr.  hameQon  haken,  angel; 
sämmtlich  aus  hamus  abgeleitet 

Andana  com.piem.  1)  gang  d.  i.  Haltung  im  gehen,  auch  lebensweise, 
2)  räum,  den  der  mäher  mit  einem  schritt  durchmißt,  fr.  andain  (m.)  in 
der  zweiten  bedeutung,  norm,  andain  (m.)  schritt,  in  Berry  läge  des  ab- 
gemähten grases,  sp.  andana,  pg.  andaina  überh.  läge,  reihe.  Nahe  liegt 
andare  gehn,  wiewohl  das  franz.  wort  nicht  mit  aller  zusammentrifft;  die 
grundbedeutung  wäre  schritt,  woran  sich  der  räum  eines  Schrittes  in  dem 
bemerkten  sinne,  endlich  läge,  reihe  knüpfte:  auch  unser  Schwaden  be- 
zeichnet sowohl  den  von  der  scnse  bestrichenen  räum  als  auch  die  reihe 
oder  läge  der  abgemähten  Halmen.  Dazu  kommt  noch  ein  wort  mit  un- 
gewöhnlichem nicht  sicher  zu  beurtheilenden  suffix,  altsp.  andamio  Hal- 
tung im  gehn,  mlat.  andamius  (aera  1036)  gang,  Zugang,  cdtpg.  andamo 
mit  ders.  bed.,  vgl.  henneg.  andame  =  fr.  andain;  auch  sp.  andamio, 
pg.  andaimo,  andaime,  bask.  aldamn  gang  auf  dem  wall  oder  der  mauer, 
dsgl.  baugerüste,  in  welcher  bedeutung  man  es  für  arabisch  hält,  kann 
hieher  gehören. 

Andare  it.,  sp.  pg.  andar,  cot.  pr.  anar,  wäld.  annar,  lomb.  anä 
gehen.  Der  Franzose  hat  ein  anderes  wort,  aller;  dem  Churwälschen 
und  Walachen  fehlt  das  eine  wie  das  andre:  jener  setzt  sich  ein  verbum 
zusammen  aus  ire,  vadere  und  meare  (doch  hat  man  neuerlich  in  einem 
theile  dieses  gebietes  auch  amnar  entdeckt,  Zeitschr.  für  vergl.  sprachf. 
VIII,  231),  dieser  braucht  mearge,  dessen  starke  flexion  (mearsei,  mers) 
latein.  Herkunft  verräth,  also  etwa  auf  emergere  (hervorkommen)  zurück- 
zufuhren  ist,  wenn  nicht  das  alban.  mergönem  'ich  entferne  michy  auf 
seine  bedeutung  eingewirkt  hat  Im  span.  und  port.  ist  das  verbum  voll- 
ständig, im  ital.  war  es  ehemals  gleichfalls  vollständig  und  ist  es  noch  in 
mundarten  z.  b.  der  sardischen,'  ergänzt  oder  mischt  sich  aber  jetzt  in  der 
art  mit  vadere,  daß  jenes  die  flexionsbetonten,  dieses  die  stammbetonten 
formen  hergibt:  vo,  vai,  va,  andiamo,  andate,  vanno;  andava;  andai 
u.  s.  f.  Der  grund  dieser  mischung  liegt  ziemlich  nahe.  Schon  im  latein 
steht  rädere  defectiv  da,  es  entbehrt  des  peffects  nebst  den  daher  abge- 
leiteten Zeitformen;  nur  der  späte ^Tertullian  sagt  einmal  vasit.  Für  dies 
fehlende  tempus  konnte  die  neue  spräche  das  umfanglose  ivi,  das  noch 
dazu  in  ii  zusammenschwinden  mußte,  nicht  brauchen;  sie  schuf  sich  ein 
bequemeres  verbum,  andare,  das  nicht  nur  in  das  perfect  und  imperf.  conj. 
(andai,  andassi),  sondern,  da  es  im  infinitiv  flexionsbetont  ist,  allmählich 
in  alle  flexionsbetonte  stellen  des  Schemas  eintrat,  während  das  stammbe- 
tonte vadere  in  den  stammbetonten  stehen  blieb.  Es  findet  also  hier  ein 
Wechsel  statt,  dem  sich  der  zwischen  esco  von  exeo,  und  nscire,  das  sich 
an  ostium  anlehnt,  vergleicJten  läßt:  esco,  esci,  esce,  usciamo,  uscite, 
escono.  —  Was  nun  den  Ursprung  von  andare  betrifft,  so  könnte  man 
die  sache  kurz  abthun:  es  wäre  umgestellt  aus  lat.  adnare  Her  schwimmen, 
welches  Papias  gradezu  mit  venire  übersetzt,  die  prov.  form  würde  sich 
gut  aus  annare  erklären;  ward  ja  doch  auch  arrivare  durch  eine  ähnliche 


I.   ANDARE.  19 

ansehauung  aus  adripare  anlanden.  Doch  ist  es  rathsam  sich  weiter  um- 
zusehen. Vor  allem  ist  ein  lat.  verbutn  von  ähnlichem  klänge,  ambulare, 
zu  erwägen,  das  um  so  mehr  berechtigt  scheint,  als  das  frühste  mlatein 
sich  dessen  ganz  im  sinne  von  andare  bediente  (letzteres  erst  in  Urkunden 
v.  j.  972  u.  986,  s.  Muratori  s.  v.  andare),  wie  z.  b.  ein  longob.  gesetz 
in  der  phrase  ad  maritum  ambulare  =  it.  andare  a  marito;  es  macht 
sich  sogar  der  eben  berührte  Wechsel  zwischen  diesem  verbum  und  vadere 
bemerklich,  der  freilich  nicht  regelmäßig  sein  kann,  da  die  Volkssprache 
selbst  noch  das  vollständige  andare  besaß.  So  liest  man  z.  b.  ambulando 
ubi  voluerit  .  .  .  vadat  ubi  voluerit  Brun.  532  (v.  j.  749);  qui  ad  ma- 
ritum ambulaverint  ...  et  postea  vadant  Lup.  646  (v.  j.  806).  Allein 
dieser  nüat.  brauch  zeigt  nur,  daß  man  ein  bekanntes  lat.  wort  einem 
ähnlich  lautenden  roman.  unterschob,  wie  man  z.  b.  corte,  fr.  cour,  häufig 
mit  curia  wiedergab;  er  beweist  nichts  für  den  Ursprung  von  andare.  In 
der  (hat  ist  seine  entstehung  aus  ambulare  wenigstens  auf  ital.'  gebiet 
gegen  alle  analogie;  auf  spanischem  kann  sie  sich  auf  einen  einzelnen 
ähnlichen  fall,  sendos  aus  singulos,  sing  los  berufen,  aber  das  formell 
nähere  amylum  gab  doch  amido,  nicht  ando.  Vollständiger  genügt  ein 
aus  ambire  abgeleitetes  verbum,  ambitare,  entsprechend  dem  lat.  itare  aus 
ire,  zsgs.  ambtare  amtare,  mt  aber  ward  zu  nd  wie  in  conde,  duendo, 
lindar,  senda  aus  com'tem,  dom'tum,  lim'tare,  sem'ta.  Der  Frovenzale 
sagt  anar  mit  syncopiertem  d;  da  aber  seiner  mundart  diese  syncope  sonst 
nicht  zusagt,  so  ist  einfluß  des  cat.  anar,  das  sich  verhält  wie  manar  oder 
fonar  aus  mandar,  fondar,  anzunehmen.  Indessen  steht  dieser  etymologie 
die  ital.  form  andare  im  wege,  indem  diese  mundart  mt  niemals  durch 
nd  wiedergibt,  einfuhrung  aber  eines  Wortes  dieser  ort  aus  Spanien  ganz 
unwahrscheinlich  ist.  Muratori  räth,  vielleicht  nach  Ferraris  schwankender 
andeutung,  auf  lat.  aditare  und  ohne  zweifei  hat  er  das  richtige  getroffen. 
Ennius  braucht  es  einmal  (ad  eum  aditavere) ;  seine  bedeutung  ist  coft 
hinzugehen,  also  chin  und  hergehen,  und  grade  diese  bedeutung  spricht 
sieh  noch  in  verschiedenen  roman.  ableitungen  aus  wie  im  sp.  andante  hin 
und  hergehend,  daher  caballero  andante  ein  irrender  ritter,  andorro  hin 
und  herschweifend,  sard.  andareddu  mit  derselben  bedeutung.  Die  form 
macht  nicht  die  geringste  Schwierigkeit:  n  ward  vor  d  eingeschoben  um 
dem  warte  auf  roman.  weise  mehr  umfang  zu  geben  wie  in  rendere  aus 
reddere,  ein  verfahren,  das  sich  mit  dem  Substantiv  desselben  Ursprunges 
it.  sp.  ändito  aus  aditus  belegen  läßt,  mlat.  v.  j.  800  cum  viis  et  aquis 
et  anditis  suis,  s.  Muratori  und  Ducange,  und  was  den  Schluß  des  Wortes 
betrifft,  so  ist  altsp.  altit.  renda  aus  reddita  zu  vergleichen,  der  tägliche 
gebrauch  verkürzte  anditare  endlich  in  andare.  Günstiger  für  Muratori's 
etymologie  wäre  freilich  antare  gewesen,  indessen  erweicht  sich  nt  wenig- 
stens im  span.  oft  in  nd,  im  ital.  kommt  dies  seltner  vor,  aber  es  kommt 
vor  (endivia,  polenda,  lomb.  anda  =  fr.  tante  u.  a.)  —  Andare  hat 
etwas  merkwürdiges  in  seiner  flexion,  indem  das  perf.  altit.  andiedi,  an- 
detti,   altsp.  andide,   andude  lautete.     Diese  formen  bewogen  J.  Grimm 


20  L  ANDARE. 

das  räthsdhafte  verbum  aus  dem  deutschen  herzuleiten:  andettero  (3.plur.) 
entspräche  einem  altern  goth.  ididedun,  prät.  von  gaggan  gehn,  dessen 
stamm  in  der  longob.  mundart  and  lauten  mochte.  Diese  herleitung  leidet 
an  zu  großer  künstlichkeit  und  entbehrt  alles  historischen  anhaltes.  Andare 
und  stere  geben  der  roman.  spräche  zwei  ganz  parallele  hülfsverba  ab:  ist 
es  ein  wunder,  daß  diese  spräche  auch  ihre  flexionen  in  einMang  zu  brin- 
gen suchte?  Solche  anbüdungen  sind  ja  nichts  seltenes.  Sp.  anduve  ist 
daher  =  estuve,  andido  =  estido,  andudo  =  estudo,  beide  letztere  ver- 
altete perfecta;  ältit.  andetti  =  stetti,  andiedi  =  stiedi.  Auch  andre 
verba  erster  conj.  wagte  der  Spanier  so  zu  flectieren:  entrido  von  entrar, 
catido  von  catar,  demandudo  von  demandar.  —  Sonst  wird  andare  auch 
vom  deutschen  wenden,  wandern,  wie  aller  von  wallen  hergeleitet;  wer 
dies  thut  möge  aber  vorher  den  abfall  des  deutschen  anlautes  w  als  etwas 
auch  nur  einigermaßen  übliches  nachweisen.  Span.  Andalnz,  Andalucia, 
wenn -es,  was  nicht  ganz  sicher  ist  (s.  Bios,  Lit.  esp.  II,  10),  von  Wan- 
dolus  kommt,  wäre  freilich  ein  beispiel,  allein  dieses  wort  gieng  durch  den 
mund  der  Araber,  welchen  die  roman.  ausspräche  des  w  wie  gu  in  Guan- 
dalnz,  Guandalucfa  nicht  zusagte  und  so  findet  sich  auch  impla  für 
guimpla  in  einem  mozarabischen  missal.  Wenden,  goth.  vandjan,  ward 
richtig  guandir,  wallön  hätte  fr.  ganler  werden  müssen.  Mit  besserm 
rechte  könnte  man  ein  celtisches  verbum,  kymr.  athu,  ir.  eath  (gehen)  in 
anschlug  bringen,  genügte  die  herleitung  aus  der  nächst  berechtigten  spräche 

nicht  vollständig. Die  franz.  mundart  hat  weder  ander  noch  aner, 

doch  kommen  in  alten  werken  unzweifelhafte  spuren  des  letztern  vor:  in 
der  Chron.  de  Benoit  I,  p.  92  si  qu'en  exil  nos  en  anium  (wofür  frei- 
lich auch  aujum  gelesen  werden  könnte),  im  Tristan  (Chx.  VI,  300)  que 
vosanez  por  moi  fors  terre.  Dafür  bietet  sie  aller,  altfr.  aler  (aber 
allar  bereits  Pass.  de  J.  C.  114),  das  sich*ebenso  mit  vadere  mischt  wie 
das  it.  andare,  nur  daß  es  das  ganze  präs.  conj.  von  dem  eigenthümlich 
roman.  verbum,  das  futur  von  ire  entlehnt;  eine  volksmundart  soll  (für 
irai)  vrai  von  vadere  brauclien,  s.  Fuchs,  Zeitwörter  p.  311  (wenn  dies 
nicht  aus  viendrai  zusammengezogen  ist).  Was  aller  betrifft,  so  kann 
jenes  veraltete  nur  vom  norden  des  franz.  Sprachgebietes  eine  Zeitlang  fest- 
gehaltene aner  kein  bloßer  provenzalismus,  es  muß  ein  achtes  franz.  wort 
sein;  aner  und  aler,  dieses  aus  jenem  entstellt,  können  neben  einander  ge- 
golten haben  wie  venin  und  velin  (venenum),  orphenin  und  orphelin,  so 
daß  alle  drei  formen,  andar,  anar,  aler,  auf  ein  und  dasselbe  wort  der 
lingua  rustica  zurückleiten,  daß  also  auch  hier  ein  zusammentreffen  der 
mundarten  statt  findet,  wie  oft  in  noch  abweichenderen  gebilden.  Vielleicht 
lassen  sich  noch  reste  ursprünglicherer  formen  von  aditare  hervorziehen. 
Comask.  aitöe  s.  v.  a.  andato,  ist  es  nicht  unmittelbar  aus  aditato  mit 
syncopiertem  d  entstanden,  oder  wie  erklärt  es  sich  sonst?  Venez.  aida 
s.  v.  a.  vanne  (imperat.),  ist  es  nicht  genau  das  gleichfalls  syncopierte 
adita?  Ja  das  walach.  dem  gr.  devQO,  devti,  dem  goth  hin,  hirjitb 
entsprechende  defectiv  aide,  aidatzi  (bei  Clemens),  passt  es  nicht  ebenso 


I.   ANGOSCIA-ANZI.  21 

zu  adita,  aditate,  oder  wäre  es  fremdes  Ursprunges,  da  auch  der  Serbe 
ajde,  äjdate  spricht?  Aus  dem  primitiv  adire  aber  entstand  vielleicht 
das  bürg,  sii  (aYr)  s.  v.  a.  aller,  in  der  mundart  des  Jura.  —  Von  aller 
leitet  sich  das  sbst.  alläe  gang,  baumgang,  das  Ducange  aus  la  16e  (laie 
IL  c)  entstanden  wähnt,  vgl.  it.  andata.  ~  [Die  Wichtigkeit  des  verbums 
andare  hat  später  noch  andre  deutungsversuche  hervorgerufen,  die  aber 
an  dieser  stelle  nicht  auseinandergesetzt  werden  können.  Nur  soviel  werde 
bemerkt,  daß  man  der  oben  zuerst  aufgestellten  deutung  aus  adnare  den 
preis  zuerkannt  hat,  ohne  sie  jedoch  mit  neuen  argumenten  zu  unter- 
stützen.] 

Angoscia  it.,  allsp.  angbxa,  pr.  engoissa,  fr.  angoisse  angst;  vb. 
angosciare,  angoisser  ängstigen;  von  angustia  enge,  noth.  Der  neusp. 
ausdruck  ist  congoxa,  auch  pg.  cot.  congoxa,  worin  das  vermeintliche 
präfix  an  mit  con  vertauscht  ward,  während  der  Provenzaie  es  sich  durch 
en  verdeutlichte. 

Anima  it.,  pr.  anma  JBth.,  altfr.  anme,  nfr.  äme,  dsgl.  mit  1  it.  sp. 
pg.  alma  (in  ersterer  spracJie  nur  poet.),  chw.  olma,  mit  r  pr.  arma,  altfr. 
arme,  airme  seelc,  weil,  inime  seele,  auch  herz  im  physischen  sinne;  von 
anima  athem,  leben.  Das  masc.  animns  fehlt  franz.  und  prov.  und  wird 
in  einer  seiner  bedeutungen  mit  courage,  coratge  ersetzt. 

Ansia  it.  sp.  pg.,  pr.  aissa,  altfr.  ainse,  aisse  (s.  glossar  zu  JBenott) 
angst,  ängstliches  verlangen,  mlat.  anxia  Dief.  Gloss.  lat.  germ. ;  vom  adj. 
anxins.  Abgd.  it.  sp.  ansioso,  pr.  aissos,  altfr.  ainsos  ängstlich,  sehn- 
süchtig. Die  prov.  mundart  besitzt  noch  ein  masc.  ais,  welches  Widerwille 
zu  bedeuten  scheint:  tant  es  cortesa  senes  ais  M.  39,  5;  no  tem  lo  seig- 
nor  del  Bais,  anz  en  mou  contr1  el  tal  ais  LR.  III,  610  (mit  aide  über- 
setzt):  ob  es  =  sp.  asco  ist,  wie  Raynouard  meint  LR.  II,  41,  steht  da- 
hin: man  müßte  eine  Umstellung  acs  annehmen. 

Antano  sp.,  altpg.  antanho,  alt-  und  npr.  antan,  altfr.  antan,  en- 
tan  adverbium  für  nähere  Vergangenheit,  im  gegensatz  zu  hogano  (s.  ngu- 
anno) :  pr.  antan  aic  d'amor  ses  falha,  mas  non  ai  ognan  sonst  hatt9  ich 
liebe  genug,  jetzt  haV  ich  keine  mehr  Chx.  III,  268.  Von  ante  annum. 
Abgd.  altfr.  antenois,  lat.  annotinus. 

Anzi  it.,  sp.  pg.  äntes,  pr.  cot.  ans,  altfr.  ans,  ains  präposition 
und  adverb  1)  vor.  ante,  2)  vielmehr,  potius;  von  dem  in  den  meisten 
sprachen  noch  fortdauernden  ante  mit  angefügtem  adverbialen  s,  so  daß 
die  ital.  form  eigentlich  für  ansi  stefd,  vgl.  diesen  wandet  des  s  bei  vor- 
hergehendem n  in  senza,  manzo  u.  a.  Der  herleitung  aus  antea  wider- 
spricht die  span.  form  und  selbst  im  ital.  war  alsdann  anza  (vgl.  poscia) 
zu  erwarten,  dagegen  ist  i  eine  bevorzugte  endung  der  partikeln.  Nur  ist 
bei  anzi  zu  erinnern,  daß  ein  paragogisches  s  dem  ital.  Sprachbau  wider- 
spricht: man  müßte  also  hier  die  silbe  zi  als  paragogisch  annehmen,  wie 
bei  senza  die  sübe  za.  Menage  stimmt  für  das  unvorhandene,  aber  leicht 
einzuräumende  antius,  als  comparativ  von  ante,  welches  sowohl  anzi  wie 
ains  befriedigt,  antes  aber  aus  dem  spiele  wirft.     Und  doch  muß  es  ein 


22  I.   APE— ARANCIO. 

leitender  grundsatz  der  Wortforschung  sein,  sofern  der  buchstabe  nickt 
entschieden  widerspricht,  am  gemeinsamen  Ursprung  gleichbedeutender  und 
formell  nahliegender  Wörter  verschiedener  schwestersprachen  festzuhalten. 
Eine  dbleitung  unmittelbar  von  ante  ist  it.  anziano,  sp.  anciano,  pr.' 
ancian,  fr.  ancien  alt.  Zss.  mit  präpositionen:  it.  avanti,  pr.  abans, 
avant,  fr.  avant,  von  ab  ante,  letzteres  schon  auf  einer  röm.  inschrift;  vb. 
it.  avanzare,  sp.  pr.  avanzar,  fr.  avancer  fordern;  sbst  it.  vantaggio 
für  avantaggio,  pr.  avantatge,  fr.  avantage,  sp.  ventaja,  pg.  ventagem 
vortheil.  Dsgl.  it.  d avanti,  altsp.  devant,  pr.  davans,  fr.  devant,  von 
de  ab  ante;  vb.  pr.  davancir,  fr.  devancer.  Ital.  innanzi,  innante, 
altsp.  enante,  pr.  enan,  enans;  vb.  j?r.#enantar,  enantir.  Ital.  di- 
nanzi,  sp.  denante,  delante,  pg.  diante,  pr.  denan;  it.  dianzi  u.  a.  m. 

Ape  it.,  altfr.  pic.  es  für  eps  biene,  von  apis;  it.  pecchia,  sp. 
abeja,  pg.  pr.  abelha,  fr.  abeille,  von  apicula,  dimin.  norm,  avette.  Da- 
her ferner  it.  apiario,  pr.  apiari,  fr.  achier  (vrlt.)  bienenhaus,  lat.  volks- 
mäßig apiarium  nach  Gellius,  s.  Born,  gramm.  I,  8.  Auf  waiachisch  heißt 
das  thierchen  albine.  von  alvus  bienenkorb. 

Appena  it.,  sp.  pg.  ap&ias,  fr.  ä  peine,  adverb  für  lat.  vix,  von 
poena,  wörtlich  'mit  pein,  mit  noth\  also  ungefähr  wie  lat.  aegre  oder 
ahd.  kfimo  mit  beschwerlichkeit.  Vix,  das  sich  im  sp.  av6s  erhalten,  s.  IL  b. 

Appo  it.,  präposition;  von  apud.  Desselben  Ursprunges  ist  pr.  ab, 
amb,  am,  npr.  emb,  bearn.  dap,  cat.  ab,  wald.  au  (neben  cum  Ghx.  II, 
cxlii),  altit.  am,  altfr.  ab  (nur  in  den  Eiden),  sonst  auch  a  und  mit 
rücksicht  auf  das  ursprüngl.  d  od,  verkürzt  o,  im  Leodegar  auch  ob. 
Schon  im  ältesten  mlatein  ward  apud,  später  ab,  für  cum  gebraucht 
(beisp.  Born,  gramm.  III,  174),  aber  die  erste  bedeutung  behauptet  noch 
ihr  recht,  z.  b.  encusar  ab  alcun  bei  einem  verklagen  SLeg.  13,  aprendre 
ab  alcun  bei  einem  lernen  PO.  142;  fud  enseveliz  od  ses  ancestres  LRs. 
304.    Zsgs.  ist  fr.  avec,  s.  dies  wort  II.  c. 

Ar  ab  es  co  it.,  üblicher  rabesco,  sp.  arabescos,  fr.  arabesques  Ver- 
zierungen mit  laubwerk  in  der  bildhauer-  und  malerkunst,  meistens  phan- 
tastischer ort;  nach  den  Arabern  genannt,  deren  religionsgesetze  menschen 
oder  thiere  abzubilden  verbieten. 

Araldo  it.,  sp.  haraldo,  heraldo,  alt  haraute,  pg.  arauto,  fr.  häraut 
für  höralt  (h  asp),  sp.  pg.  auch  faraute  herold;  vom  mlat.  haraldus,  he- 
raldus,  dem  ein  ahd.  hariowalt  lieerbeamter  entsprechen  konnte;  als  eigen- 
name  ist  bekannt  Chariovaldus,  alts.  Hariolt,  altn.  Haraldr. 

Arancio  it.,  mail.  naranz,  fem.  ven.  naranza,  sp.  naranja,  pg. 
laranja  (bask.  larania),  cot.  taronja,  wai.-  neranze,  mgr.  vtQavtfyov,  ngr. 
vBQctvrti,  franz.  aber  orange,  eine  südliche  frucht,  pomeranze;  zsgs.  it. 
melarancia.  Die  alten  nannten  die  äpfel  der  Hesperiden,  sagt  Scdma- 
sius  zu  Solin  p.  955,  aurea  mala,  das  mittelalter  vertauschte  das  ent- 
sprechende aurata  mit  dem  pari.  präs.  aurantia  um  einen  goldapfel  zu 
benennen:  hieraus  entsprang  fr.  orange,  und  aus  in -aurantia  =  inaurata 
das  it.  arancio.    Allein   aus  aurantia,   wenn   man  diese  verirrung  der 


I.  ARATRO-ARDIGLIONE.  %  23 

spräche  zugibt,  konnte  nur  orance  werden,  nimmer  orange.  Das  wort 
kam  vielmehr  aus  dem  persischen  durch  das  arabische  nach  Europa,  wo 
es  sich  leicht  einführte,  weil  ein  bestimmter  lat.  ausdruck  fehlte,  pers. 
näreng,  aardb.  n&rang,  Gol.  2346.  Daß  die  frans,  form  aus  einer  um- 
deutung  durch  aurum  entstand,  ist  unschwer  zu  erJcennen,  rnlat.  (ende  des 
13.  jh.)  schrieb  man  noch  arangia.  —  Von  arancio  ist  das  üal.  adj. 
rancio,  sofern  es  eine  färbe  bedeutet. 

Arätro,  aratolo  it.,  sp.  pg.  arado,  cot.  arada  (f.).  val.  aladre,  pr. 
andre,  altfr.  aröre,  südwal.  aratru,  aratu  pflüg.  Nicht  alle  sprachen  sind 
dem  lat.  worte  treu  geblieben.  Im  neueren  franz.  sagt  man  dafür  charrue, 
von  carruca  kutsche,  tragsessel,  die  lat.  bed.  noch  im  prov.  und  im  mlatein, 
s.  b.  carruca,  in  qua  sedere  consuevi  Breq.  n.  250  (v.  j.  700),  die  franz. 
bereits  in  den  legg.  barb.,  z.  b.  si  quis  caballum,  qui  carrucam  trahit, 
furatus  fuerit  L.  Sal.  Nicot  hat  noch  araire,  nennt  es  aber  ein  mot  lion- 
nois.  Das  franz.  wort  gelangte  nach  Portugal,  wo  es  die  form  charrua 
annahm  und  eine  besondere  art  des  pfluges,  und,  da  pflüg  und  schiff  etwas 
verwandtes  haben,  auch  ein  lastschiff  bedeutet.  Auch  pflüg  ist  dem  roman. 
gebiete  nicht  fremd.  Die  L.  Long,  hat:  si  quis  ploum  (cd.  plouum)  aut 
aratrum  alienum  .  .  scapellaverit  DG.:  diesem  plo-um  entspricht  das 
lomb.  piö  d.  i.  plö  (Biondelli  75),  der  Variante  plou-um  oder  plov-um 
das  wälschtyrol.  plo!  (Azzolini).  Die  nordwal.  mundart  hat  plug  aus 
dem  slavischen.  Hin  andrer  ausdruck  ist  piem.  sloira,  lomb.  sciloira: 
ihnen  würde  ein  altfr.  silleoire,  silloire  entsprechen,  von  silier  das  meer 
durchfurchen  =  nord.  slla.    Piem.  ar  n  aber  ist  wohl  entstellt  aus  aratrum. 

Arcione  U.,  sp.  arzon,  pg.  ar$äo,  pr.  arso,  fr.  argon  Sattelbogen, 
sattel.  Von  arctio  (zusammenziehung)  ist  logisch  allzu  künstlich.  Es 
entstand  vermittelst  der  ableitung  ion  aus  arcus  wie  fr.  cler^on  aus  cler'cus, 
oison  aus  auca,  £cusson  aus  acutum,  lat.  gleichsam  arcio  arcionis,  und 
bedeutet  also  etwas  gebogenes,  mhd.  bogen. 

Arcobugio,  archibuso  it.,  arcabuz  sp.,  arquebuse  fr.  kugelbüchse; 
von  arcus  bogen  und  it.  bugio,  buso  durchbohrt,  also  eine  fait  einer  röhre 
versehene  feuerwaffe,  die  den  namen  bogen  behielt,  weil  sie  in  der  neuern 
kriegskunst  an  dessen  stelle  getreten  war.  So  Ferrari  u.  a.  Aber  ein 
durchbohrter  bogen  ist  eine  eben  so  unstatthafte  auffassung  wie  die  an- 
wendung  eines  in  der  alten  kriegskunst  nicht  vorkommenden  namens  auf 
die  neuere  eine  grundlose  Voraussetzung  ist.  Besser  erklärt  man  es  darum 
mit  hinsieht  auf  das  ältere  fr.  harquebuse,  wallon.  harkibuse  (h  asp.), 
aus  dem  ndl.  haakbus  Hakenbüchse,  s.  Grandgagnage  I,  266.  278. 

Ardiglione  it.,  fr.  ardillon,  pr.  ardalho  dorn  in  der  schnalle;  von 
ungewisser  Herkunft.  Ein  altes  glossar  hat  ardelio  'acutus*  Class.  auet. 
VI,  609",  es  wird  aber  wohl  glutus  zu  lesen  sein.  Gegen  Gasaubonus, 
der  es  aus  dem  gr.  aQdig  pfeilspitze  ableitet,  wendet  Menage  mit  recht 
die  unublichkeit  dieses  Wortes  ein.  Ihm  selbst  scheint  es  ein  diminutiv  von 
dard  und  unläugbar  konnte  sich  dardillon,  das  im  neuprov.  noch  vor- 
kommen soll,  durch  dissimilation  in  ardillon,  oder,  da  ein  consonantanlaut 


24  ARDIRE-ARINGA. 

nicht  leicht  wegfällt,  in  lardiüon,  l'ardillon  verwandeln.    Das  Span,  wort 
für  diese  sache  ist  rejo  spitze. 

Ardire  it.  sich  erkühnen,  pr.  ardir,  cnardir,  fr.  enhardir  kühn 
machen.  Lot.  ardere  ist  aus  dem  spiel  zu  lassen:  man  brennt  vor  leiden- 
schaft,  nicht  vor  kühnheit,  audacia  ardere  wäre  wenigstens  ungewöhnlich; 
doch  ist  dies  der  hauptgrund  nicht  gegen  diese  herleitung.  Menage  dachte 
anfangs  an  audere,  it.  aldire  (aldace  kommt  vor),  endlich  ardire;  dies 
ließe  sich  für  Italien  hinnehmen,  nicht  für  die  andern  provinzen.  Das 
fr.  hardir  (mit  asp.  h)  weist  auf  deutschen  Ursprung,  der  sich  im  ahd. 
hartjan  stärken,  kräftigen  findet.  Auf  hart  verwies  später  auch  Menage, 
so  Caseneuve,  Wächter  u.  a.  Das  adj.  ardito,  ardit,  hardi  (kühn)  läßt 
sich  fast  nur  als  particip  dieses  Zeitwortes  begreifen,  da  adjectiva  auf  -it 
wie  lat.  auritus,  pellitus  im  romanischen  selten  sind;  an  das  particip  von 
ardere,  welches  ars  lautet,  ist  nicht  zu  denken.  Im  span.  aber  hat  man 
ardido  allmählich  auf  arder  bezogen  und  ihm  die  bed.  ' erhitzt  beigelegt; 
altsp.  f ardido  <kühn  führt  aber  mit  seinem  anlaut  noch  unmittelbar 
auf  fr.  hardi;  vgl.  Rom.  gramm.  I,  320.  Ein  artiges  zusammentreffen 
ist  es,  daß  die  picard.  mundart  hardiment  ganz  wie  das  ahd.  harto  als 
adverb  des  grades  verwendet:  hardiment  dur  =  harto  herti.  Daher  auch 
sbst.  pr.  ardit,  altsp.  ardil  kühnheit;  aber  sp.  ardid  listig,  sp.  pg.  ardid 
list  scheinen  aus  artitus  herzurühren,  s.  unten  artigiano;  freilich  ist  als- 
dann assimilation  des  t  (ardid  aus  artid)  anzunehmen. 

Ärgano  it.,  sp.  drgano,  Organa  und  argtte  (m.),  cat.  arga  hebezeug, 
krahn,  winde,  pg.  argao  weinheber,  fr.  argue  (f.)  maschine  in  form  einer 
schiffswinde  zum  durchtreiben  der  gold-  und  silberstangen  (Trev.);  abgel. 
it.  arganello  dimin.,  sp.  arganel  kleiner  metallener  ring,  fr.  arganeau 
eiserner  ring  auf  den  schiffen,  durch  welchen  die  seüe  laufen.  Ferrari 
gibt  ergäta  {eQyattjg)  eine  Vorrichtung  lasten  zu  heben,  Menage  Organum 
(oQyavov)  Werkzeug  als  etymon.  Jenes  trifft  die  bedeutung  von  argano 
besser:  es  konnte  sich  unter  dem  volke,  welchem  die  endung  ata  fremd 
war,  leicht  in  letzteres  verwandeln;  mlat.  findet  sich  auch  argata  tannulus 
crassior   Dief.  Gloss.  lat.  germ.  in  Übereinstimmung  mit  arganel,  arganeau. 

Arg  ine  it.  (m.)  dämm.  Dies  aus  agger  entstandene  wort  (vgl. 
cecino  aus  cicer  und  die  venez.  form  ärzare,  worin  sich  das  auslautende 
r  erhielt)  ist  merkwürdig  genug.  Man  weiß,  daß  die  alten  Römer  ar  für 
ad  gebrauchten,  daher  arcessere  für  adcessere;  da  nun  ägger  eigentlich 
für  adger  von  adgerere  gilt,  so  vergegenwärtigt  uns  das  roman.  argine 
augenscheinlich  ein  lat.  volksübliches  arger.  Nur  so  erklärt  sich  die  form, 
nicht  etwa  durch  rohe  emschiebung  eines  r,  die  an  dieser  stelle  ganz  gegen 
den  geist  der  spräche  wäre.  Das  sp.  drcen  rand,  brustwehr  muß  das- 
selbe wort  sein,  vergl.  arcilla  aus  argilla.  Ein  anderes  beispiel  dieser 
art  ist  das  venez.  arfiare  von  adflare.  S.  auch  Ferrari  und  zumal  Pott, 
Plattlat.  326,  der  armessarius  L.  Sah  und  wäl.  armesariu  für  admissa- 
rius  anfuhrt,  femer  Mussafia,  Über  die  ital.  Grescentia. 

Aringa  it.,  sp.  masc.  arenque,  pr.  arenc,  fr.  hareng  (h  asp.),  wal. 


L  ARINGO-ARMELLINO.  25 

bering  ein  fisch;  vom  ahd.  harinc,  ags.  nhd.  hering,  gewöhnlich  aus  lat. 
halec  (salzfisch)  erklärt 

Aringo  it.  rednerplatz,  tummdplatz,  rennbahn,  fem.  aringa,  sp. 
pg.  pr.  arenga,  fr.  harangue  (h  asp.)  öffentliche  rede;  vb.  aringare, 
arengar,  haranguer  eine  öffentliche  rede  halten,  feierlich  anreden;  it. 
aringhiera,  ringhiera  rednerplaJtz,  rednerstuhl.  Der  frans,  anlaut  gibt 
den  Ursprung  des  Wortes  deutlich  zu  erkennen:  es  ist  vom  ahd.  bring, 
mhd.  ring,  kreiß,  Versammlung,  schau-  oder  kampfplatz,  gerichtsstätte  u.  dgl., 
daher  die  roman.  bed.  das  vor  einer  Versammlung  vorgetragene:  arenga 
est  apta  et  Concors  verborum  sententia  etc.  Breviloquus,  s.  Ducange, 
vgl.  lat.  concio  1)  Versammlung,  2)  rede  vor  derselben. 

Arista  it.  rücken  des  Schweines,  eigentl.  börste,  sp.  aresta  Sacklein- 
wand, fr.  arete  gräte,  it.  resta  granne  des  kornes;  von  arista  granne,  gräte. 

Arlecchino  it.,  sp.  arlequin,  fr.  arleqnin  (früher  auch  harlequin 
gesehr.)  eine  komische  maske  der  ital.  bühne,  überhaupt  possenreißer,  hans- 
wurst,  sp.  arneqnin  gliedermann.  Es  ist  ein  späteres  wort  von  unbekann- 
ter vielleicht  gane  zufälliger  entstehung.  Etymologien  sehe  man  bei  Flöget, 
Gesch.  des  grotesken  p.  36;  für  ihre  Wiederholung  ist  hier  kein  räum. 
Eine  neuere,  von  GSnin,  aus  Ariecamps,  name  eines  kirchhofes  zu  Arles, 
für  Elycamps  d.  i.  Champs-£lys6es,  in  nächster  bedeutung  gespensterchor, 
Hellequin,  dann  das  haupt  dieses  chores  auf  maskeraden  ins  lächerliche 
entstellt,  ist  zwar  sinnreich  ausgeführt  (Variat.  du  lang.  fr.p.  461—469), 
bedarf  al>er  vor  allem  etymologischer  rechtfertigung.  Am  leichtesten  ist 
noch  Zusammenhang  zwischen  harlequin  und  hellequin  zuzugeben.  Das 
älteste  franz.  zeugnis  scheint  das  folgende,  worin  das  mit  schellen  rasselnde 
gefolge  harlekins  erwähnt  wird:  ä  sa  siele  et  ä  ses  lorains  ot  eine  cent 
eloketes  au  mains  (au  moins),  ki  demenoient  tel  tintin  con  li  maisnie 
hicrlekin  Ren.  IV,  146.  Das  wort  ist  also  ein  so  altes  französisches,  daß 
seine  herkunft  aus  Italien  noch  sehr  zweifelhaft  erscheinen  muß;  es  hat 
sogar  niederländ.  klang.  —  Weiteres  darüber  findet  sich  bei  Gachet  252. 
Arlotto  it.,  sp.  arlote,  pr.  arlot,  aitfr.  pic.  arlot,  harlot  (herlot  Trist. 
I,  173)  fresset,  müßiggänger,  altengl.  harlot,  herlote  lotterbube,  neuengl. 
harlot  wetze,  s.  E.  Müller.  Menage' s  deutung  aus  helluo  hat  das  gegen 
sich,  daß  die  allerdings  häufige  einschiebung  des  r  nur  hinter,  nicht  vor 
consonanten  statt  zu  finden  pflegt.  Ist  das  wort  aus  latein.  stoff,  so 
entwickelt  es  sich  leichter  aus  ardalio  müßiggänger,  das  in  den  Isid.  glos- 
sen  unter  der  form  ardelio  mit  'gluto3  übersetzt  wird,  so  daß  es  grade  die 
roman.  bedeutungen  umfaßt:  die  zusammenziehung  von  ardaliotto  in  ard- 
lotto  arlotto  scheint  keine  Schwierigkeit  zu  haben.  Noch  leichter  würde  es 
aus  gr.  agdalog  entspringen,  von  dem  man  ardalio  herzuleiten  pflegt; 
aber  dies  liegt  schon  weiter  ab.  Der  Portugiese  hat  ein  vb.  alrotar  ver- 
spotten, verhöhnen,  altpg.  bettelnd  umherziehen  SRos.,  das  aus  arlotar 
umgestellt  sein  kann  wie  bulra  aus  burla. 

Armellino  und  ermellino  it.,  sp.  armino,  pr.  ennini,  ermin,  alt  fr. 
enne,  ermine  JRCam.  219,  neufr.  hermine  (h  stumm)  eine  wieselart,  hermelin, 


26  I.  ARNESE-ARPA. 

berühmt  wegen  seines  feiles,  nüat.  hermellinus,  herminiae  oder  arminiae 
pelles.  Eine  geschickte  etymologie  gab  Ducange  in  seinem  glossar  zu 
Villehardouin  v.  hermine;  sie  ist  die  folgende.  Die  Römer  nannten  das 
hermelin  mus  ponticus,  weil  sein  feit  zunächst  aus  dem  lande  Pontus  kam. 
Seit  aber  die  Neueren  es  aus  Armenien  empfiengen,  womit  sie  eine  genauere 
handelsverbindung  hatten,  tauschten  sie  den  namen  und  nannten  das  (hier 
armenius  mit  weglassung  von  mus,  wie  auch  der  spätere  Grieche  schlecht- 
weg 7iovTtxoQ  sagte.  Hiezu  ist  zu  bemerken,  daß  die  angegebene  bedeu- 
tung  von  mus  ponticus  nicht  ganz  sicher,  aber  nicht  unwahrscheinlich  ist. 
Daß  Armenien  altfr.  Ermenie  heißt,  käme  Ducange' s  ansieht  zu  statten. 
Ital.  armellino  müßte  diminutiv  und  aus  armenino  abgeändert  sein.  Nach 
andern  (z.  b.  Wackernagel)  ist  das  wort  nicht  auf  diesem  umwege  zu  uns 
gelangt:  es  ist  deutsch,  wie  auch  das  thier  in  Deutschland  gefunden  wird: 
ahd.  harmo,  dimin.  harmelfn,  mhd.  hermelin,  hieraus  das  rom.  armellino, 
und  dieses  harmo  antwortet  buchstäblich  dem  lithauischen  szarmu  {zweifel- 
hafte form,  sicherer  szarmonys)  wiesei.     Vgl.  Weigand  I,  500. 

Arnese  it.,  sp.  pg.  pr.  arnes,  fr.  harnois,  harnais  (h  ctsp.)  rüstung, 
geschirr;  dsgl.  altfr.  harnas  für  harnasc,  vb.  nfr.  harnacher,  pr.  arna- 
scar,  arnassar  anschirren;  davon  mhd.  harnasch,  nord.  hardneskja.  Von 
herleitung  aus  altn.  iärn,  järn  (eisen)  ist  abzusehen,  da  sich  der  roman. 
anlaut  anders  gestaltet  hohen  würde,  man  erwäge  fr.  joli  von  jol.  Den 
stamm  des  Wortes  bildet  vielmehr  kymr.  haiarn,  altbret.  hoiarn,  ir.  iaran 
eisen,  die  mit  dem  ätschen  tsarn  identisch  sind,  Zeuß  I,  45.  63.  114. 
120.  145;  die  Suffixe  sind  romanisch.  Aber  es  liegt  nicht  in  der  natur 
der  sprachen,  aus  fremden  stammen,  die  sie  nicht  in  sich  aufgenommen, 
ableitungen  zu  ziehen,  wiewohl  einzelne  ausnahmen  vorkommen  mögen;  der 
Romane  muß  also  das  abgeleitete  wort  bereits  vorgefunden  und  sich  assi- 
miliert haben,  auch  muß  dies  erst  spät  geschehen  sein,  da  es  im  altern 
mlatein  keine  spur  hinterlassen  hat.  Möglich  wäre  es  nun,  daß  sich  aus 
dem  kymr.  haiarnaez  eisengeräthe  (s.  Villemarque  v.  houarnach)  zuerst 
das  engl,  harness,  hieraus  das  roman.  wort  gebildet  hätte.  Das  genaueste 
über  den  deutschen  und  celtischen  wortstamm  nebst  ableitungen  bei  Diefen- 
bach,  Orig.  europ.  p.  367  ff. 

Arnia  it.,  ama  sp.cat.  bienenkorb,  fehlt  pg.  Unbekannter  herhunft: 
etitsteMung  aus  alveare  wäre  zu  stark.  Einigermaßen  erinnert  es  an  gael. 
ärcan  korkholz:  beide  bedd.  korkholz  und  bienenkorb  umfaßt  auch  sp. 
corcha  und  pg.  corti^o.  —  [Mahn  p.  104  muthmaßt  iberischen  oder  in 
beziehung  auf  das  ital.  wort  selbst  türkischen  Ursprung.  Eine  befriedi- 
gende aufklärung  bleibt  noch  zu  versuchen.] 

Arpa  it.  sp.  pg.  pr.,  harpe  fr.  1)  harfe,  2)  sp.  pr.  neap.  auch 
kralle,  haken;  vb.  pr.  arpar,  altfr.  harper,  it.  arpeggiare  harfe  spielen; 
SP»  P9-  Pr-  arpar,  nfr.  harper  packen,  anhaken,  zerreißen;  it.  arpi- 
care,  iuerpicare  klettern;  fr.  harpin  haken,  daher  se  harpigner 
und  se  harpailler  sich  raufen;  it.  arpignone  großer  haken,  arpione 
thürangel;  sp.  arpon,  pg.  arpäo,  fr.  harpon  lwrpune;  dsgl.fr.  harpeau 


I 


I.   ARRESTO-ARTICIOCCO.  27 

enterhaken.  Alle  diese  bildungen  {franz.  mit  asp.  h)  haben  ihren  Ursprung 
im  deutschen  harte,  ahd.  harpha,  altn.  harpa,  ags.  hearpe:  Venantius 
Forty  bei  dem  sich  harpa  sturst  findet,  nennt  sie  ein  barbarisches  d.  h. 
germanisches  instrument:  Romannsque  lyra,  plaudat  tibi  Barbarus  harpa 
7,  8.  Zu  ihrer  hakenähnlichen  gestalt  passt  die  zweite  der  angegebenen 
bedeutungen.  Das  gr.  ag/rrj  (sichel)  würde  nicht  leicht  ein  franz.  aspirier- 
tes harpe  hervorgerufen  haben;  eben  so  wenig  ist  das  aspirierte  harpon 
aus  tat.  harpago  herzuholen,  wie  denn  auch  Icein  altfr.  harpaon,  harpeon 
statt  findet.  —  Die  bed.  haken  des  sp.  arpa  vertritt  pg.  farpa,  sicher 
dasselbe  wort,  worin,  wie  in  anderrf  fällen,  h  mit  i  vertauscht  ward,  daher 
denn  auch  farpäo  neben  arpäo,  farpar  neben  arpar:  sofern  es,  nebst  sp. 
farpa,  spieß  oder  spitze  einer  fahne  bedeutet,  erinnert  es  an  aräb.  'harbah 
kurzer  spieß  Freyt.  I,  36 lb.  JfaZ.~frappa  ausgeschnittene  zacke  im  tuch, 
frappare  auszacken,  zerfetzen,  sind  sie  aus  dem  letzterwähnten  farpa? 
Auch  pg.  farapo  (für  frapo?),  sp.  harapo  läppen,  fetzen,  müssen  hier 
noch  erwogen  werden.    Man  sehe  hierzu  Dief.  Orig.  europ.  p.  305. 

Arresto  it.  altsp.,  aresto  pg.  aus  dem  fr.  arret  urtheü  eines  höhern 
gerichtshofes,  wovon  keine  appellation  statt  findet;  eigentl.  Schluß  der 
gerichtsverhandlung,  von  arrestare,  arreter  hemmen,  einhalten,  lat.  ad- 
restare,  vgl.  unser  beschlufs  d.  i.  beendigung.  Das  zusammentreffen 
dieses  tcortes  mit  dem  gr.  dgiovov  ist  zufällig,  wiewohl  Budaeus  es  daraus 
herleitet,  s.  ff.  Stephani  Thes.  graec.  ling.  s.  v. 

Arrivare  it.,  sp.  pg.  arribar,  pr.  aribar,  fr.  arriver  anlanden,  an- 
kommen; von  ripa,  nüat.  adripare  ans  ufer  treiben,  it.  arripare,  daher 
auch  noch  altfr.  arriver  la  nef  (transitiv)  das  schiff  anfahren  lassen. 
Durch  dieses  neue  verbum  ward  advenire  aus  seiner  bedeutung  verdrängt, 
s.  unten  awentura. 

Arsenale  und  arzana  it.,  sp.  fr.  arsenal  zeughaus,  mittelgr.  aQO€- 
raA^*;  dazu  it.  därsena,  sie.  tirzanä  abgescKtoßner  theil  eines  hafens, 
sp.  atarazana,  atarazanal,  pg.  taracena,  tercena  schuppen,  fr.  darse,  dar- 
sine  =  it.  darsena;  vom  arab.  där^anah  (dessen  anlaut  d  frühe  abfiel) 
haus  der  betriebsamkeit,  haus,  wo  etwas  gemacht  wird,  worunter  man  im 
dllgemeinen  schiffe  verstand  (s.  die  Wörter  Freytag  II,  69n,  526a),  pers. 
tarsanah.  Vgl.  über  dieses  wort  auch  Muratori,  Antiqq.  ital.  II,  525,  S. 
Rosa  II,  341h,  suppl  14",  Cabrera  I,  63,  Pihan  p.  42,  Engelmann  64, 
Dozy  Oost.  16. 

Articiocco  it.,  fr.  artichaut  eine  frucht,  artischoke,  vom  arab.  ardt 
sohaukt  d.  i.  erd-dorn  Freyt.  I,  27 a;  dsgl.  it  carciofo,  sp.  alcarchofa, 
alcachofa,  pg.  alcachofra,  nach  Sousa  vom  arab.  al-charschufa.  —  [Dozy, 
Oosterl.  18,  hat  diese  Wörter  einer  neuen  prüfung  unterworfen.  Das  arab. 
ardt  schaukf  besteht  aus  zwei  adjeetiven  und  bedeutet  erdartig-dornig, 
passt  also  schlecht  zu  einem  substantivbegriffe.  Die  verschiedenen  roman. 
ausdrücke  müssen  abänderungen  desselben  wortes  sein.  Auf  arabisch  heißt 
die  bemerkte  frucht  harschet,  woraus  nachher  charschof  geworden,  daher 
das  sp.  al-carchofa,  it.  carciofo.    Neben  letzterem  brauchte  man  das,  wie 


28  I.  ARTIGIANO-ASPO. 

es  scheint,  daraus  entstandene,  bei  dem  Niederländer  Dodonaeus  (f  1575) 
vorkommende  als  italienisch  citierte  arciocco,  welches  sich  leicht  in  arti- 
ciocco  verwandelte.  Dieses  gieng  durch  den  verkehr  zu  den  Orientdien 
über  und  erfuhr  im  arab.  ar  di-scbauk!  eine  umdeutung,  da  die  frttcht 
dornig  ist  und  am  boden  wächst.] 

Artigiano  it.,  fr.  artisan,  sp.  artesano,  pg.  artezäo  künstler,  hand- 
werkcr;  muthmaßlich  s.  v.  a.  artitianus  vom  adj.  artitus  cbonis  instructus 
artibus*  Fest.,  <artibus  edoctus  Gl.  Placid.,  ^rawax^og,  daldalog'  Gl.  lat. 
gr.  In  diesem  falle  aber  muß  das  span.  wort  aus  artizano  abgeändert 
sein.  Nicht  anders  entstand  partigiano  Parteigänger  aus  partitus,  s. 
Rom.  gramm.  II,  335. 

Artiglio  it.  kralle,  sp.  artijo,  pg.  artelho  glied,  gelenk,  pr.  altfr. 
arteil  (so  noch  in  franz.  mundarten  z.  b.  zu  Langres),  nfr.  orteil  zehe; 
von  articulu8  gliedchen.  Vgl.  ardigas  'zaehun  Gl.  cassdl.;  articula  'zaehd 
Gl.  Rhäban. 

Artilha,  pr.  festungswerk,  schanze  (?);  vb.  altfr.  artillier  befesti- 
gen; pr.  artilharia,  altfr.  artillerie,  altpg.  artelharia  SRos.  sppl.  wurf- 
geschütz  oder  damit  beladener  wagen  (artillerie  est  le  charroi  qui  .  .  est 
chargte  de  quarriaus  en  guerre,  d'arbalestes,  de  dars,  de  lances  et  de 
targes  G.  Guiart,  s.  DC),  nfr.  artillerie,  it.  artiglieria  etc.  grobes  ge- 
schütz.  Von  ars  artis  kunst,  kunstgriff,  wie  fr.  engin  von  ingenium,  vgl. 
vb.  artiller  in  der  bed.  aussinnen,  auf  listen  denken  Antiöch.  I,  p.  88. 
Altfr.  artilleux  listig.  Nach  Borgnet,  Chev.  au  cygnelll,  p .  *«,  kommt 
das  wort  artillerie  nicht  lange  vor  dem  gebrauche  der  feuerwaffen  vor, 
d.  h.  nicht  vor  dem  14.  jh.,  und  zwar  zuerst  bei  Joinville. 

Ascella  it.,  pr.  aissela,  cot.  axella  achsel;  von  axilla,  woraus  nach 
Cicero  ala  flügcl,  achsel  entstand,  ersteres  schon  bei  Isidorus  in  ascilla  ver- 
dreht.   Mundartl.,  z.  b.  genuesisch,  bedeutet  ascella  achselhohle. 

Ascla  pr.  cot.  Splitter,  vb.  asclar  spalten*;  von  astula  (in  manchen 
handschriften  für  assula,  vgl.  Dief.  Gloss.  56r)  spänchen,  brettchen,  wel- 
ches ast'la,  euphonisch  ascla  ergab.  Von  demselben  worte  ist  auch  sp. 
astilla,  altfr.  astele  Splitter,  neu  fr.  attelle  (/wrätelle)  beinschiene,  schon 
pr.  astela  in  dieser  bedeutung.  Für  aschia  spricht  die  neap.  mundart 
asca,  die  port.  acha.  Die  occit.  mundart  hat  die  pleonastische  Zusammen- 
setzung fendasclat  =  fr.  fendu. 

Ascoltare,  scoltare  it.,  altsp.  ascuchar,  neusp.  escuchar,  pg.  escu- 
tar,  pr.  escoutar,  fr.  6couter,  altfr.  auch  ascouter  hören,  horchen;  von 
auscultare,  worüber  Caper  (Putsch  p.  2247)  bemerkt,  man  dürfe  nicht 
ascultare  sprechen,  so  daß  ihm  die  roman.  form  schon  bekannt  sein  mußte. 
Daher  it.  ascolta,  scolta,  sp.  escucha  wache,  schildwache 

Aspo  und  naspo  it.,  sp.  aspa,  altfr.  hasple,  pic.  haple  garnwinde; 
vom  ahd.  haspa,  haspel.  Für  aspo  war,  wie  im  span.,  aspa  zu  erwart en9 
allein  das  getius  richtete  sich  nach  dem  aus  dem  vb.  in-aspare  neu  ge- 
bildeten naspo,  welches  romagnolisch  sowohl  naspa  wie  nasp  lautet,  sard. 
naspa. 


I.   ASSAI— ASTORE.  29 

Assai  it.,  altsp.  asaz,  pg.  assaz,  pr.  assatz,  fr.  assez,  adverbium, 
von  ad  satis,  einem  ähnlichen  pleonasmus  wie  im  mlat.  adplene. 

Aggaggino  it.,  sp.  asesino,  pr.  assasgi,  angeggi,  fr.  assassin  Meuchel- 
mörder, ffach  Süvestre  de  Sacy's  Untersuchung  (Mem.  de  V Institut  1818. 
IV,  21  ff.)  entstand  das  wort  aus  dem  arab.  'haschigchin,  womit  man  die 
glieder  einer  secte  im  Orient  benannte,  die  durch  einen  aus  der  hanfpflanze 
bereiteten  trank  chaschisch  (Gol.  613)  berauscht  jeden  von  ihrem  ober- 
haupte,  dem  herrn  des  berges  (schajch  algabal),  geforderten  mord  zu  ver- 
üben gelobten:  que  van  neyg,  si  era  part  Franga,  tan  li  son  obedien, 
aucire  gos  guerrierg  mortals  die,  wenn  es  selbst  über  Frankreich  hinaus 
wäre,  so  gehorsam  sind  sie  ihm,  seine  todfeinde  zu  tödten  gehn  Chx.  V,  10. 
Das  wort  kann  nicht  vor  dem  12.  jh.  in  Europa  bekannt  geworden  sein: 
drum  ist  eine  Urkunde  v.  j.  814,  worin  assassinium  vorkommt  Mural.  Ant. 
Hol.  III,  31,  HPMon.  n.  17  falsch  oder  verfälscht. 

Assettare  it.  einrichten,  ordnen,  zieren,  zu  tisch  setzen,  pr.  assetar 
in  letzter  bedeutung;  zsgs.  it.  rassettare;  sbst.  it.  assetto  putz,  pr. 
assieta  einrichtung,  fr.  assiette  läge,  zustand,  eintheüung,  platz  der  tisch- 
genossen (s.  Caseneuve),  daher  auch  teller.  ltal.  assettare  heifit  über- 
dies verschneiden  (castrieren)  und  muß  in  diesem  sinne  von  secare  sectus 
herstammen,  aber  selbst  die  bed.  ordnen  knüpft  sich  an  die  von  secare 
abtheilen,  ebenso  ahd.  skeran  abschneiden,  skara  abschnitt,  gkerjan  abthei- 
len, ordnen.  Das  goth.  gatjan  (setzen)  kann  gegen  das  lat.  wort  nicht  in 
betracht  kommen.    Ital.  assetto  brettchen  ist  von  assis. 

Aggo  it.,  sp.  pr.  fr.  ag,  pg.  az  die  zahl  *elns  auf  würfeln  oder 
karten;  vom  lat.  ag,  das  eine  einheit  ausdrückt.  Muratori  ließ  sich  durch 
die  redensart  lasciare  uno  in  aggo  d.  i.  einen  im  suche  lassen,  zur  deu- 
tung  des  Wortes  aus  dem  mlat.  absus  cager  incultus*  verleiten,  da  diese 
redensart  vielmehr,  wie  vielleicht  auch  die  entsprechende  deutsche  (stich  = 
punct,  as),  aus  dem  spiele  entlehnt  sein  kann. 

Agtore  it.,  altsp.  aztor  PC,  nsp.  pg.  SLZor,pr.  augtor,  alt  fr.  ogtor, 
nfr.  autour  habicht.  Die  übliche  herleitung  ist  von  astur  asturischer  vogel, 
bei  Firmicus  Matemus  (4.  jh.),  allein  die  lautgesetze  widersprechen :  agtur 
konnte  nur  agtre  geben.  Der  grammatiker  Gaper  (bei  Putsch  p.  2247, 
vgl.  das.  Beda  p.  2778)  kennt  acceptor  als  einen  volksüblichen  ausdruck 
für  accipiter  (so  auch  in  hss.  der  L.  Sal.  tit.  7)  und  hierzu  stimmt  der 
buchstabe,  z.  b.  sp.  azor  =  acceptorem  wie  rezar  =  recitare.  Wohl  mag 
die  lingua  rustica  an  acceptor  von  accipere  gedacht  haben,  als  sie  das 
mit  diesem  verbum  ganz  unverwandte  accipiter  umformte,  s.  Pott,  Etym. 
forsch.  U,  54,  Benfey,  Ztschr.  f.  vergl.  sprachf.  IX,  78.  Freilich  ist  pr. 
augtor  unorganisch  für  astor,  es  verhält  sich  aber  wie  anstronomia  zu 
agtronomia;  besser  neupr.  astou.  Von  azor,  nicht  etwa  von  accipitrare 
zerfleischen,  von  Gellius  cüiert,  leitet  sich  das  span.  vb.  azorar  schrecken, 
verwirren,  ursprüngl.  von  vögeln,  die  der  habicht  verfolgt,  iperdiz  azorada; 
nach  Larramendi  vom  bask.  zoratu  den  verstand  verlieren,  allein  das 
ganz  entsprechende  sp.  vb.  amilanar  schrecken,   entmuthigen,   von  milano 


30  I.  ASTRO— ATTURARE. 

hühnergeier,  so  wie  das  gleichbed.  cot.  esparverar  von  esparver  sperber, 
erheben  jene  herleitung  über  jeden  zweifei. 

Astro  it.  sp.  pg.,  astre  pr.  fr.  gestirn,  auch  geschieh,  glück;  von 
astrum.  Daher  sp.  pg.  astroso  unglücklich,  bei  Isidor  astrosus  'quasi 
malo  sidere  natus',  bei  Papias  astrosus  'quasi  modo  astro  natus;  altsp. 
astrugo  Bc.j  pr.  astruc  glücklich  (welches  Littre,  Hist.  litt.  d.  I.  Fr. 
XXII,  36,  ohne  dem  ende  des  Wortes  rechnung  zu  tragen,  mit  Menage  aus 
altfr.  mal-estruit  erklärt),  zsgs.  pr.  benastre,  benastruc,  altsp.  mal- 
astrugo  Alx.,  pr.  malastre,  malastruc,  altfr.  inalostru  für  malastru, 
daher  nfr.  malotra,  suffix  -uc  an  die  stelle  von  -os  getreten,  bei  Rabelais 
malautru  s.  Gachet;  dsgl.  it.  disastro,  sp.  desastro,  pr.  fr.  däsastre  Un- 
stern, vgl.  alteat.  per  astre  o  per  desastre  Chr.  d'Escl.  711*. 

Astuccio  it.,  sp.  estuche  (estui  bei  Berceo),  pg.  estojo,  pr.  estug, 
estui,  fr.  6tui  futteral,  behältnis;  vb.  pg.  estojar,  pr.  estuiar,  estoiar, 
altfr.  estuier  verwahren.  Estug,  £tui  fügen  sich  in  das  mhd.  stäche  stauche, 
futteral  für  den  arm,  schon  nach  Adelung;  astuccio  aber  (veron.  besser 
stuccio)  würde  sich  genügend  nur  aus  einer  ahd.  form  stüchjo,  wie 
guancia  aus  wankja,  herleiten  lassen.  —  [Estui,  £tui  deutet  Langensiepen 
(Herrigs  Archiv  XXV)  aus  Studium,  von  seiten  der  form  vollkommen  ge- 
nügend und  selbst  von  Seiten  des  begriff  es  zu  rechtfertigen:  es  hieße  sorg- 
falt,  sorgfältige  aufbewahrung,  it.  studiato  heißt  sogar  'sorgfältig  bewahrt*. 
Diese  etymologie  wird  noch  unterstützt  durch  die  altfr.  form  estudier  sich 
vorsehn,  sich  verwahren  Gayd.  p.  251,  welches  nach  Borel  (s.  Bog.)  für 
estuier  gesetzt,  ward.  Aber  mangelhaft  ist,  daß  das  etymon  nicht  die 
völlig  gleichbed.  ital.  und  span.  werter  umfaßt,  sie  müßten  getrennt  werden.] 

Ataballo,  taballotY.,  sp.  atabal,  pg.  atabale  maurische  pauke,  sonst 
auch  it.  timballo,  sp.  timbal  genannt;  vom  arab.  al-'tabl  attabl  Freytag 
III,  40*. 

Ataud  sp.pg.,  pr.  taut,  taüc,  so  altfr.  taut,  taüc,  neap.  tavuto  lade, 
sarg;  vom  arab.  al-tabüt  attabüt  mit  ders.  bedeutung  (Sousa;  fehlt  bei 
Engelmann,  der  es  also  nicht  als  arabisch  anerkennt). 

Attillare  it.,  sp.  atildar,  pg.  atilar,  pr.  atjlhar  niedlich  putzen. 
Ital.  titolo  heißt  der  punet  auf  dem  i,  sp.  tilde,  pg.  til  ein  nöthiger  strich 
über  gewissen  buchst aben:  daher  konnte  man  mit  attitulare  (eigenÜ.  wohl 
'kein  jota  vergessen)  die  Sorgfalt  im  putze  ausdrücken.  Das  mlat.  verbum 
findet  sich  überhaupt  für  bezeichnen  (schmücken?) :  crucis  signaculo  fron- 
tem  eius  attitulans  DG. 

Atturare  it.  verstopfen,  sp.  pg.  aturar  aushalten  in  der  arbeit 
{wohl  für  aturarse),  cat.  pr.  aturar  anhalten,  aufhalten,  refl.  pr.  s1  aturar 
sich  stützen,  sich  anstrengen,  sbst.  atur  anstr engung;  mit  vertauschter 
Präposition  von  obturare  stopfen,  daher  hemmen,  aufJuüten  und,  wie  im 
deutschen,  sich  aufhalten  bei  einer  sacJie,  nicht  davon  abgehen,  ausdauern. 
Das  span.  wort  hört  man  noch  jetzt  in  lat.  bedeutung.  Für  atturare 
findet  auch  turare  (daher  tura  dämm),  sp.  tu  rar  statt,  worin  nur  eine 
abkürzung,  nicht  etwa  das  verlorene  lat.  simplex  turare,   zu  erkennen  ist. 


I.   AUGE-AVAMA.  31 

Auge  it.,  sp.  äuge,  pg.  äuge  höchster  puyct;  vom  arab.  aug,  einem 
astronomischen  ausdruck  aus  dem  pers.  auk,  s.  Freytag  I}  ß9a,  Vullers  I, 
140-,  143". 

Augur io  it.,  sp.  agüero,  pg.  agouro,  pr.  auguri,  augur,  agur,  Vor- 
bedeutung, syncopiert  pr.  aür  (ahur),  altfr.  etir,  neufr.  heur  glück;  vb.  it. 
augur are,  sp.  augurar,  pr.  agurar,  fr.  augurer  weissagen,  pr.  ahurat, 
altfr.  heür6  beglückt,  wal.  urä  glück  wünschen;  von  augurium,  augurare. 
Zsgs.  pr.  bonaürs.  Honnorat,  altfr.  bonettr,  neufr.  bonheur;  mal -aür, 
maletir,  malheur  und  so  altfr.  bonetir^,  bonetiretö;  it.  sciagurato,  zsgs. 
sciaurato  (dreisäb.),  ältsp.  xaurado,  nsp.  xauro  elend,  verlassen,  von 
exauguratus;  sbst.  it.  sciagura,  sciaüra.  Auch  it.  uria,  pluralbildung 
von  augurium,  ist  hieher  zu  nehmen.  —  Bonheur  und  malheur  erklärt  man 
aus  bona  hora,  mala  hora,  welche  gleichfalls  und  zwar  in  ähnlicher  be- 
deutung  vorhanden  sind,  aber  von  den  ersteren  getrennt  werden  müssen. 
Ln  altfr.  etir  ward  eü  durch  synärese  endlich  zu  eu  wie  in  peur  aus 
peür,  und  in  dieser  gestalt  tritt  es  sehr  früh  neben  eü  auf.  Für  eur 
schrieb  man  oft  heur,  vermuthlich  weil  man  an  hora  dachte.  Wäre  letz- 
teres aber  das  etymon,  so  müßte  sich  sein  genus  geändert  haben,  was  hier, 
wo  das  fem.  heure  in  jedermanns  munde  war,  schwerlich  angenommen 
werden  dürfte;  ferner  müßte  sich,  die  alten  formen  erwogen,  langes  lat.  o 
(höra)  gegen  das  lautgesetz  als  pr.  oder  fr.  u  dargestellt,  und  endlich  der 
einfache  vocal  eu  in  den  mehrfachen  e-u  gespalten  haben,  was  unmöglich 
ist.  So  entspricht  auch  heureux  dem  cdtfr.  eüreux  =  pr.  atiros,  it. 
auguroso,  nUat.  auguriosus;  horosus  kennt  weder  der  Lateiner  noch  der 
Romane. 

Aura,  ora  it.,  sp.  pg.  pr.  chw.  aura,  altfr.  ore  (la  ore  LJ.  486», 
bone  ore  Rou  II,  146,  bon'  ore  eurent  e  suef  vent  MFr.  I,  364)  luft, 
sanfter  wind;  von  aura.  Abll.  sind:  pr.  au  rat,  altfr.  orö;  pr.  auratge, 
altfr.  orage  windeshauch  (lo  dous  auratge  zephyr,  lo  fer  auratge  Sturm- 
wind), nfr.  orage,  woher  sp.  orage,  stürm;  vb.  sp.  orear,  cot.  oretjar 
erfrischen,  auslüften,  daher  sbst.  or6o,  oretj,  dsgl.  it.  oreggio,  pr.  aurei 
frisches  lüftchen.  Verschieden  von  oreggio  scheint  it.  orezzo  {auch 
orezza),  das  auf  eine  abl.  auritium  weist,  verkürzt  rezzo  küJde,  schattige 
stelle;  in  einer  andern  form  arezzo  verflachte  sich  der  lat.  diphthong  zu 
a  wie  in  ascoltare,  wenn  hier  nicht  vielmehr  aer  eingegriffen  hat. 

Avania  tt  pg.,  avanie  fr.  Schabernack,  plackerei,  dsgl.  kopfgeld 
der  Christen  unter  türkischer  herrschaft;  soll  ein  türkisches  oder  vielmehr 
semitisches  wort  sein,  neugr.  aßavia,  s.  Ducange,  Glossar,  med.  graecit. 

Avaria  it.  pg.,  sp.  averia,  haberia,  fr.  avarie,  ndl.  avarij,  haverij, 
dtsch.  hafarei,  havarie  Seeschaden,  schaden  an  schiff  oder  ladung  auf  der 
see;  adj.  sp.  averiado,  fr.  avariä  durch  das  seewasser  beschädigt  (von 
waaren).  Daneben  gelten  noch  andre  bedeutungen:  abgäbe  der  schiffe  zur 
Unterhaltung  des  hafens  (franz.  dtsch.)  oder  abgäbe  von  waaren,  die  über 
see  gehn  (span.).  Die  gewöhnliche  herleitung  ist  von  hafen;  sie  nimmt 
also  an,   daß  die  zuletzt  genannten  bedeutungen  vorausgiengen,   wiewohl 


32  I.   AVOCOLO-AZZARDO. 

das  italienische  und  niederländische  dieselben  nicht  zu  kennen  scheinen» 
Dozy,  Oosterl.  22,  hat  dem  wort  im  arabischen,  und  zwar  im  classisch 
arabischen,  eine  neue  quelle  eröffnet.  Hier  bedeutet  cawär  sbst.  gebrechen^ 
auf  waaren  bezogen  beschädigung :  das  wort  kam  mit  dem  handd  nach 
den  italienischen  seeslädten,  romanisiert  avaria.  In  der  niederl.  Variante 
haverij  stammt  h  aus  dem  arabischen  laute  ain,  welches  auch  anderwärts 
vorkommt. 

Avocolo,  vocolo  it.,  fr.  aveugle  blind;  vb.  it.  avocolare,  fr. 
aveugler,  pr.  avogolar  blenden.  Das  gemeinromanische  adjectiv  ist  caecus, 
auch  im  cdtfr.  ciu  vorhanden  TCant.  app.,  nur  dem  Dacoromanen  ab- 
gehend, der  es  mit  orbus  ersetzt,  s.  unten,  ltal*  avocolo  ist  außer  ge- 
brauch gekommen,  avocolare  dauert,  selbst  in  mundarten,  noch  fort.  Was 
das  adjectiv  betrifft,  so  muß  man  die  erklärung  mit  ab-oculus,  gebildet 
wie  ab-normis,  a-mens,  so  daß  es  'ohne  äugen  bedeutet,  gelten  lassen,  wie 
denn  auch  die  mittelgr.  spräche  dno  ofifuazcov  oder  d/io^fnarog  für  e£o/u- 
(xavog  sagte;  es  mag  aber  eine  erkünstelte  bildung  sein,  da  sie  sich  schlecht 
assimiliert  hat.  Die  Gasseier  glossen  eiifhalten  albios  oculos  * staraplinter  \ 
nach  Eckhart  s.  v.  a.  albioculus,  qui  nil  nisi  album  in  oculis  habet;  aber 
in  albioculus  ist  wohl  eher  eine  umdeutung  denn  eine  alte  form  von 
aveugle  zu  suchen.    S.  Altrom.  glossare  p.  120. 

Avoltore,  avoltojo  it.,  pr.  voltor,  fr.  vautour  geier;  von  volturius 
raubvogd;  sp.  buitre,  pg.  abutre,  von  vultur.  Abgel.  sp.  buitron  reö- 
hühnernetz,  fischreuse;  auch  fr.  öpervier  hat  die  bedd.  sperber  und  fischnetz. 

A vor io  it.,  pr.  avori,  evori,  fr.  ivoire  (m.)  elfenbein;  vom  ad- 
jectiv eboreus. 

Avventura  it.,  sp.pg.  pr.  aventura,  fr.  aventure  (daher  unser  aben- 
teuer,  mhd.  äventiure  f.)  ereignis,  seltsames  ereignis,  zufall,  glück,  gefahr 
(aventure  de  mort  todesgefahr  Ren.  I,  46),  besonders  auch  ritterlicher 
Zweikampf;  von  advenire  ankommen,  woraus  die  ausschließlich  rom.  bed. 
begegnen;  ebenso  einigt  fr.  arriver  beide  begriffe.  Aventura  vertrat  auch 
die  stelle  der  göttin  Fortuna:  de  las  grausas  dels  homes  fo  Aventura 
faita  deuessa  LR.  III,  505. 

Azzardo  it.,  fr.  hasard  (h  asp.  mhd.  hasehart),  pr.  azar,  cot.  atsar 
Wagnis,  glücksfall,  sp.  pg.  azar  unglückswurf,  unglückskarte,  Unglück,  im 
spätem  nüat  ludus  azardi  glücksspiel;  vb.  azzardare,  hasarder  aufs 
spiel  setzen,  wagen,  miat.  ludere  ad  azarum.  Altfr.  hazart  bedeutet  auch  würfel- 
spieler, hazarder  dem  Würfelspiel  ergeben  sein,  s.  Garpentier.  Anderswo 
dient  es  zur  Verstärkung  der  negcUion,  d.  h.  es  drückt  eine  unbedeutende 
sache  aus:  ne  valent  pas  un  hasart  NF.  Jub.  II,  90.  Üblich  ist  der 
ausdruck  geter  hasart  FC.  III,  288,  Ren.  II  159.  Vergleicht  man  die 
franz.  form  mit  den  übrigen,  so  scheint  d  zugesetzt  wie  in  blafar-d,  ho- 
mar-d  u.  a.,  it.  azzardo  aber  daher  entlehnt:  das  acht  ital.  wort  ist 
augenscheinlich  das  veraltete  zaro  PPS.  II,  255,  jetzt  fem.  zara  spiel  mit 
drei  würfeln  (il  giuoco  della  zara  Purg.  6,  1),  eigentl.  wurf  von  drei  assen. 
An  versuchen,   dem  schwierigen  worte  auf  die  spur  zu  kommen,  fehlt  es 


I.  AZZÜRRO— BACCALARE.  33 

nicht;  Raynouard  hatte  sogar  zu  den  nordischen  Äsen  seine  Zuflucht  ge- 
nommen. Gegen  die  beliebte  herleitung  aus  dem  lat.  as  in  der  bed.punct 
im  Würfelspiel,  geringster  wurf,  daher  wagnis,  gefahr  (Le  Duchat)  streitet 
leider  das  rom.  z,  das  sich  als  ts  im  cot.  atsar  zumal  deutlich  ausspricht. 
Besser  nähme  man  azar  für  eine  abl.  aus  dem  altsp.  auce  (abce)  Schick- 
sal (s.  IL  b),  woher  auch  aci-ago  unglücklicher  zu  fall;  war  aber  alsdann 
nicht  azi-ardo  zu  erwarten?  Doch  ließe  sich  zur  Unterstützung  dieser 
etymologie  noch  das  gleichfalls  auf  einen  stamm  az  weisende  cdtfr.  haz- 
eter  (würfeln)  geltend  machen.  Weder  dem  buchstaben  noch  dem  begriff 
genügt  arab.  'darr  schade  Freyt.  HI,  10b.  Besser  in  beiden  beziehungen 
passt  hebr.  zarah  bedenkliche  sache:  ihm  ober  würde  eher  ein  roman. 
feminin  entsprechen,  das  sich  nur  in  dem  erwähnten  neuitäl.  zara  findet. 
Man  erwäge  daher  noch  arab.  jasara  würfeln,  jasar  Würfelgesellschaft, 
würfdpartie,  dem  man  den  Vorzug  vor  allen  zuerkennen  dürfte  (denn  arab. 
8  [sin]  kann  roman.  z  werden),  wäre  der  wegfdtt  des  anlautes  so  leicht 
hinzunehmen;  in  Jasmin  findet  er  nicht  statt.  —  [Die  bed.  würfet  befrie- 
digt vollkommen:  da  aber  in  jasara  ein  ansloß  zu  liegen  scheint,  so  bietet 
Mahn  p.  6  das  vtdgär-arab.  zehär  Würfel,  zsgz.  zär,  wie  es  auch  türkisch 
heißt,  mit  artikel  azzar.  Eine  andre  vermuthung  bei  Jos.  v.  Hammer: 
sp.  azar  komme  von  arab.  assr  Schwierigkeit,  was  von  Seiten  des  begriffes 
wenig  zusagt  —  Von  einer  würfelparthie  erzählt  das  artige  fabliau  de 
S.  Pierre  et  du  jougleor  FC.  III,  282,  woraus  über  die  art  und  weise 
dieses  spids  einiges  zu  lernen  ist.] 

Azzurro,  azzuolo  it.,  sp.  pg.  azul,  pr.  fr.  azur  dunkelblaue  färbe; 
vom  pers.  lazvard,  daher  lapis  lazuli,  der  saphir  der  aiten,  arab.  läzvardt 
lazurähnlich  Freyt.  IV,  76b.  Das  anlautende  1,  welches  man,  wie  Bösler 
bemerkt,  für  den  artikel  halten  mochte,  fiel  im  romanischen  ab. 

B. 

Babbäo,  babbaccio,  babbano,  babbuasso  it.  schwachkopf, 
gimpd;  pr.  babau,  pic.  baba  geck;  it.  bäbbole,  fr.  babioles  kinderpossen. 
Denselben  stamm  fühlt  man  im  synonymen  lat.  babulus  Apulej.,  wozu  man 
noch  nehme  baburrus  ^stultus  Gl.  Md.,  baburra  'stv&titia  Gl.  Placid.y  vgl. 
ir.  Jcymr.  baban  Und,  puppe,  engl,  babe,  babby. 

Babbuino  it.,  sp.  babuino,  fr.  babouin  eine  art  äffen,  pavian; 
augenscheinlich  gleiches  Stammes  mit  dem  fr.  b  ab  ine  offen-  oder  kuhlefze, 
muthmafilich  verwandt  mit  dem  mundartl.  deutschen  bäppe  maul;  vgl. 
unten  beffa. 

Baccalare  it.,  pr.  bacalar,  fr.  bachelier,  aus  letzterem  it.  baccel- 
liere,  sp.  bachiller,  pg.  bacharel.  Die  eigentliche  heimath  dieses  Wortes 
ist  Frankreich  und  der  span.  nordosten,  wo  baccalarius  zunächst  der  be- 
sitzer  eines  großem  bauerngutes,  einer  baccalaria  war  (seit  dem  9.  jh. 
vorkommend).    Sodami  gieng  der  ausdruck  auf  den  ritter  über,   der  zu 

3 


34  I.   BACCHETTA— BADARE. 

unvermögend  oder  noch  zu  jung  war,  um  ein  eignes  ba/mer  zu  führen, 
und  wohl  einem  fremden  folgte;  endlich,  und  dies  ist  die  heutige  bedeu- 
tung9  auf  den  der  sich  im  besitz  einer  dem  doctorgrade  untergeordneten 
akademischen  würde  befindet,  in  welchem  sinne  es  in  baccalaureus  umge- 
deutet ward:  so  bei  Camoens  do  baccharo  e  do  sempre  verde  louro  Lusiad. 
3,  97.  Was  die  etymologie  betrifft,  so  ist  hier  nur  zu  verneinen:  bas- 
cavalier  niederer  rüter  kann  es  nicht  sein,  das  verbietet  die  geschickte  des 
wortes  und  die  grammatik,  die  für  das  verschwinden  des  s  keinen  grund 
kennt;  auch  baculus  fügt  sich  nicht  in  die  form,  vollkommen  zwar  das 
mit  baculus  gleichbed.  gad.  bachall,  ir.  bacal,  allein  über  den  logischen 
Zusammenhang  werden  sich  nur  unsichere  vermuthungen  vorbringen  lassen. 
—  [Eine  neue  Untersuchung  theilt  LUtre  mit,  s.  den  Kritischen  anhang 
p.  14.  Bachelier  scheine  aus  vassal  entstanden,  mit  dem  es  die  doppelte 
bed.  lehne-  und  kriegsmann  gemein  habe;  das  fem.  bachelette,  wofür  sich 
auch  baisselette  finde,  sei  offenbar  derselben  herkunft;  b  aus  v  mache 
keine  Schwierigkeit,  auch  ss  könne  in  ch  übergehn,  daher  das  mlat.  ca  in 
bacalaria.  Allein  ch  aus  ss  ist  vorsichtiger  weise  nur  da  anzuneh- 
men, wo  letzteres  ein  9  repräsentiert:  lest,  faciam,  fr.  fasse,  pic.  fache. 
Ferner,  sicher  ist,  daß  wenn  man  ein  franz.  wort  latinisierte,  che  in  ca 
verwandelt  ward;  ob  aber  diese  Verwandlung  bei  einem  so  früh  vorkom- 
menden worte  wie  bacalaria  anzunehmen  sei  und  ob  die  prov.  spräche  ihr 
bacalaria  aus  lat.  Urkunden  geschöpft  habe,  ist  eine  andre  frage.  Später 
hat  Gachet  dieses  wort  behandelt  Auch  er  bringt  es  mit  vassal  in  Ver- 
bindung, tritt  aber  in  betreff  seiner  herkunft  Chevället  bei,  der  diese  im 
celt.  bachan  (klein)  u.  s.  w.  findet.] 

Bacchetta  it.,  baqueta  sp.,  baguette  fr.  dünner  stecken,  gerte; 
von  baculus  mit  verändertem  suffix,  s.  solche  fälle  Rom.  gramm.  II,  280. 

Bacino  it.,  altsp.  pr.  bacin,  fr.  bassin  becken.  Die  älteste  spur 
desselben  scheint  bei  Gregor  v.  Tours  vorzuliegen:  cum  duabus  pateris 
ligneis,  quas  vulgo  bacchinon  vocant,  s.  Ducange,  worin  bacchinon 
(bacchinos?)  mit  cch  an  Bacchus  angeknüpft  sein  könnte,  s.  Wadcer- 
nagel,  Umdeutschung  p.  15.  In  den  Isidor.  glossen  findet  sich  auch  das 
einfache  baeca  €vas  aquarium.  Man  leite  es  nicht  aus  unserm  becken, 
dem  nur  ein  it.  bacchino,  fr.  baquin  gerecht  wäre,  da  deutsches  k  nicht 
in  c  ausartet,  vgl.  unten  franco.  Aus  demselben  gründe  muß  auch  das 
ndl.  bak  napf,  mulde  zurücktreten.  Das  wort  kann  in  früher  zeit  aus 
einem  alteinheimischen  stamme,  z.  b.  dem  celt.  bac  höhlung  abgeleitet  sein, 
so  daß  es  anfangs  bakinus  (woraus  ahd.  bechin),  nachher  bacinus  ge- 
sprochen ward.  Muthmafilich  desselben  Stammes  ist  it.  bacioecolo 
beckenartiges  tonwerkzeug,  dessen  primitiv  in  bacioca  'patera*  Gloss.  er- 
ford.  p.  278a  vorzuliegen  scheint.     Vgl.  bacia  II.  b. 

Bacio  it.,  richtiger,  aber  minder  üblich  bagio,  sp.  beso,  pg.  beijo, 
pr.  bais  kufi;  vb.  baciare  ff.  küssen,  auch  als  Substantiv  gebraucht;  von 
basium,  basiare,  meist  bei  dichtem. 

Badare  it.,  pr.  cot.  badar,    altfr.  baer,   beer,  nfr.  bayer,    noch 


L   BADILE— BAGASCIA.  35 

mundartl.  (in  Berry)  bader.  Es  bedeutet  1)  den  rnund  aufsperren,  gaffen: 
so  im  prov.  cat.  franz.,  so  im  altitäl.  boca  badhadha  Bonves.,  bocca 
badada  Mur.  Ant.  ital.  IV,  434,  prov.  auch  verhöhnen  (?),  occ.  badado 
hohngdachter ;  2)  verweilen,  harren,  vergeblich  harren  (dastehn  mit  offnem 
maul),  Hol.  prov.  altfr. ;  3)  nach  etwas  verlangen,  trachten,  ital.  altfr.  (das 
maul  darnach  aufsperren,  lechzen).  Sbst.  pr.  bada  schildwache,  adv. 
de  bada,  en  bada,  altfr.  en  bades  umsonst,  it.  stare  a  bada  mit  offnem 
maule  dastehn,  harren.  Für  dieses  wort  gibt  es  alte  Zeugnisse,  mit  rück- 
sickt  auf  welche  die  bed.  \das  maul  aufsperren  an  die  spitze  gestellt  wer- 
den mußte,  nämlich  in  den  Isid.  glossen  badare  'hippitare,  oscitare,  in 
den  Erfurter  glossen  p.  276"  battat  'ginatti  d.  i.  gähnt,  besser  batat 
'ginath*  in  einer  andern  hs.  Mone's  Anzeig.  VII,  137.  Es  ist  von  nicht 
ganz  gesichertem  Ursprünge.  Die  celtischen  sprachen  scheinen  keine  pas- 
sende würzet  zu  enthalten:  bret.  bada  staunen  wird  wohl  eben  so  gut 
romanisch  sein  wie  badalein  (l  mouille)  gähnen,  das  nicht  aus  ersterem 
herstammen  kann,  sondern  das  pr.  badalhar  sein  muß ;  doch  läßt  sich 
etwa  altirisch  bäith  thor,  pinsd  (maulaffe)  Zeuß  I,  37  anmerken.  Buch- 
stäblich genügend  ist  ahd.  beitön,  früher  baidön,  säumen,  harren,  doch 
hängt  einiger  zweifei  daran,  weil  es  der  offenbar  ältesten  bedeutung  von 
badare  nicht  genügt.  Letzteres  konnte  selbst  aus  einem  naturausdrucke 
ba,  der  das  aufthun  des  wundes  bezeichnete,  entstanden  sein,  so  daß  man 
etwa  ba-are  ba-d-are  zu  gründe  legen  müßte.  —  Abgeleitet  ist  it.  badig- 
liare,  sbadigliare,  sbavigliare,  pr.  badalhar,  altfr.  baailler,  nfr.  bäiller 
gähnen;  fr.  badaud,  jw.  badau  maulaffe,  geck;  ebenso  pr.  badoc,  baduel, 
badin;  auch  fr.  badin  scherzhaft,  badiner  scherzen,  indenwbb.desl6.jh. 
mit  ineptus,  ineptire  übersetzt;  it.  baderla  einfältiges  weib,  vb.  com.  ba- 
derlä  die  zeit  verlieren,  chw.  baderlar  schwatzen,  plaudern. 

Badile  it.,  badil,  badila  sp.  feuerschaufd;  von  batillum. 

Baga  sp.  packseü,  pr.  bagua,  altfr.  bague  bündd,  vgl.  lomb.  baga 
icemschlauch;  daher  abgel.  it.  bagaglia,  pr.  fr.  bagage  gepäck.  Das 
unlat.  wort,  über  welches  Diefenbach,  Goth.  wb.  1,  343.  nachzulesen  ist, 
findet  sich  wieder  im  gad.  bag,  kymr.  baich,  bret.  beac'h  last,  bündd,  vb. 
gad.  bae  hindern,  nord.  baga  dass. 

Bagascia  it.,  sp.  bagasa  (umgestdlt  gavasa),  pg.  bagaxa,  pr.  ba- 
gnassa,  altfr.  bagasse,  bajasse  u.  s.  f.  feile  dirne.  Eine  bedeutung  wie 
diese  ist  so  verschiedenen  auffassungen  unterworfen,  daß  die  ausdrücke 
oft  schwer  zu  ergründen  sind.  Stellt  die  endung  assa  das  roman.  suffix 
=  lat.  -acea  vor,  ital.  in  ascia  verwandelt,  so  müßte  das  wort  aus  baga 
(pack)  abgeleitet  sein,  was  keinen  befriedigenden  sinn  gäbe.  Vielleicht  ist 
es  cdtiseh:  kymr.  baches  bedeutet  weibchen,  von  bach  klein;  oder  ardb., 
b&gez  schändlich  Freyt.  I,  139",  worauf  schon  Muratori  vermuthete,  oder 
bagf  metze  Freyt.  I,  140*.  Vom  altfr.  wort,  das  gleich  dem  arab.  bagl 
auch  dienerin  heißt  (NFC.  I,  104),  bildete  sich  das  dimin.  baisele 
dienstmädchen,  auch  bachele,  wofür  man  ein  primitiv  bagache  ver- 
mufnen  mu/*. 


36  I.   BAGATELLA-BAILO. 

Bägatella  it.  Kleinigkeit,  taschenspielerei,  daher  sp.  bagatela,  fr. 
bagatelle  in  ersterer  bed.,  der  alten  prov.  spräche  noch  nicht  bekannt. 
Muratori  zieht  es  aus  dem  modenes.  vb.  bagattare  pfuschen,  hudeln, 
das  er  aus  dem  arab.  bagata  (mischen)  entstehen  läßt.  Eigentlich  aber 
setzen  beide  Wörter,  nebst  bagattino  kleine  Kupfermünze,  ein  subst. 
bagatta  oder  baghetta  voraus,  das  etwa  aus  dem  alten  rom.  baga  (s.  oben) 
abgeleitet  eine  geringe  habseligkeit  ausdrücken  mochte;  im  parmesan.  ist 
bagata  in  dieser  bedeutung  vorhanden. 

Bagno  it.,  sp.  baüo,  pr.  banh,  fr.  bain  bad;  vb.  bagnare  ff.,  fr. 
baigner;  von  balneum  mit  ausgestoßenem  1,  da  balgno  nicht  zu  sprechen 
war  (daraus  auch  das  bask.  mainhua).  Das  weil,  bae  (fem.  plur.)  ent- 
stand aus  dem  lat.  bajae,  von  dem  die  übrigen  sprachen  keinen  gebrauch 
gemacht  haben. 

Bagordo  und  bigordo  it.,  altsp.  bohordo,  bofordo,  altpg.  bofordo, 
bafordo  (in  Urkunden  bufurdium),  pr.  beort,  biort,  zsgz.  bort,  altfr.  bo- 
hort,  bouhourt,  behort  ein  ritterliches  spiel,  dsgl.  die  waffe  dazu;  vb.  it. 
bagordare  ff.  lanzen  brechen.  In  Frankreich  rannte  man  einzeln  zu 
pferd  mit  der  lanze  nach  der  quintaine  (s.  Ducange  v.  quintana,  Aubri 
im  Ferabr.  p.  158—162,  Alex.  14,  30J,  in  Spanien  schleuderte  man  den 
bafordo  nach  dem  tablado  (Jlx.  666,  vgl.  bornaren  [bordaren?]  etiraren 
a  taulat  Chr.  d'EscL  587b),  in  Deutschland  war  der  bühurt  ein  kampf- 
spiel,  wo  schaar  gegen  schaar  stand.  Daß  bohorder,  denn  von  der  franz. 
form  ist  auszugehn,  ein  ursprünglich  deutsches  wort  sei,  lehrt  fast  mit 
gewißheit  die  aspirata,  die  sich  im  spanischen  als  f  (man  erwäge 
faraute  von  höraut),  im  ited.  als  g  (gufo  für  huette)  darstellt.  Offenbar 
ist  es  ein  compositum,  das  zweite  wort  führt  natürlich  auf  hurten  stoßen, 
allein  dies  letztere  gestaltete  sich  im  roman.  so  verschieden  (altfr.  hurter, 
nicht  horder),  daß  man  davon  abgehen  und  sich  an  das  deutsche  hürde, 
ahd.  hurt,  altfr.  horde,  vb.  horder,  halten  muß,  auch  stimmt  hordeYs  Um- 
zäunung formell  genau  zu  bohordeYs  ritterspiel.  Hourdum  bedeutet  tnlat. 
s.  v.  a.  das  erwähnte  sp.  tablado  gerüste  s.  Garpentier,  noch  jetzt  im 
Hennegau  hourd.  Ganz  zweifelhaft  bleibt  das  erste  wort  der  Zusammen- 
setzung. Ist  die  waffe  die  grundbedeutung,  so  könnte  es  aus  botar  her- 
rühren: bot-hort  bohort  (t  schwand  vor  der  aspirata)  würde  etwas  nach 
dem  gerüste  stoßendes  bedeuten.  —  Einen  weiteren  beürag  zur  deutung 
dieses  Wortes  liefert  Gachet  p.  60b. 

Bailo,  balio  it.,  sp.  bayle,  pg.  bailio,  pr.  baile,  altfr.  bail  pfleget, 
er 'zieher ',  Verwalter,  amimann,  fem.  it.  baila,  balia,  pr.  chw.  baila  amme; 
it.  balia,  sp.  pr.  bailia,  altfr.  baillie  Verwaltung,  vogtei;  it.  balivo,  pr. 
bailieu,  fr.  bailli  landvogt;  vb.  it.  balire,  pr.  bailir,  altfr.  baillir  ver- 
walten, dsgl.  pr.  bailar,  altfr.  bailler  darreichen,  wal.  beiä  pflegen,  er- 
ziehen, daher  b?iat  Knabe  (pflegling).  Lat.  bajulus  heißt  träger,  tnlat. 
(z.  b.  bei  Lupus  Ferr.)  erzieher,  hofmeisier,  eigentl.  wer  kinder  trägt  oder 
leitet,  ganz  deutlich  im  fem.  baila  ausgesprochen,  daher  pfleget,  land- 
pfleg er.  Aus  bajulus  baj'lus  ward  das  roman.  bailo;  lat.  bajulare  tragen 


I.   BAIRE— BALCO.  37 

erhielt  sich  buchstäblich  im  altfr.  und  tndaril.  bailler,  vgl.  sard.  baliai 
ertragen. 

Baire  it.  erstaunen;  altfr.  adj.  baYf,  henneg.  bahi  erstaunungsvoll; 
zsgs.  it.  sbaire,  pr.  esbahir,  fr.  äbahir,  s.  v.  a.  baire,  wohl  auch  sp. 
embair  einem  ein  blendwerk  vormachen,  eigenfl.  in  erstaunen  setzen,  be- 
täuben? Man  hält  es  für  einen  naturausdruck,  indem  man  das  darin  vor- 
kommende bah  als  eine  bezeichnung  des  erstaunens  nimmt  und  wirklich 
kommt  eine  solche  interj.  im  neuprov.  vor,  s.  Honnorat:  es  wäre  also  mit 
badare  von  verwandter  entstehung.  In  dem  von  einem  etymologen  heran- 
gezogenen ahd.  abahön  verabscheuen   widerstrebt  vornweg  die  bedeutung. 

Baja  it.,  sp.  pr.  sard.  bahia,  fr.  baie  bucht,  hafen.  Isidorus  führt 
dieses  dtroman.  wort  als  ein  lateinisches  an:  hunc  portum  veteres  a  ba- 
jtüandis  mercibus  vocabant  baias.  Frisch  findet  seinen  Ursprung  im  fr. 
bayer  den  mund  offen  haben,  klaffen,  wie  denn  auch  baie  überhaupt  für 
ettcas  offen  stehendes  gebraucht  wird,  und  diese  erklärung  scheint  sich 
durch  die  catal.  form  badia  von  badar  (öffnen)  zu  bestätigen,  deren  d  im 
span.  schon  vor  Isidors  zeit  ausgefallen  wäre.  Andre  erblicken  in  bahia 
ein  bask.  wort,  daher  der  name  Bayona  zsgs.  aus  baia  hafen  und  adj. 
ona  gut;  andre  ein  cdtisches,  gael.  bädh  oder  bägh,  wozu  die  verschiedenen 
roman.  formen  recht  wohl  zu  stimmen  scheinen. 

Baja  it.,  sp.  pg.  vaya,  fr.  baie  posse,  fopper  ei;  davon  it.  bajuca 
posse,  JÜeinigkeit.  Stammt  es  aus  Italien,  so  dürfte  man  an  gr.  ßaiog 
(klein,  gering)  denken;  aus  Frankreich,  so  könnte  es  identisch  sein  mit 
baie  beere  d.  h.  unbedeutende  sache.  Der  specielle  sinn  des  Wortes  aber 
verträgt  sich  besser  wohl  mit  pr.  bada,  dem  das  altfr.  baie  entspricht, 
vergebliches  harren,  adv.  en  bada  umsonst;  zur  posse,  fr.  donner  la  baie, 
sp.  dar  vaya  einem  etwas  nichtiges  vormachen,  einen  anführen,  vgl.  oben 
badare  mit  seinen  ableitungen. 

Bajo  it.,  sp.  bayo,  pr.  bai,  fr.  bai  braun  (von  pf erden);  von  dem 
seltnen  tat.  badia s,  das  Varro  gleichfalls  von  der  färbe  der  pferde 
braucht.  Eine  abl.  ist  fr.  baillet  bleichroth  (wieder  nur  von  pferden), 
latinisiert  badiolettus;  pr.  baiart  s.  v.  a.  bai;  eine  andere  it.  bajocco 
eine  kupfermünze,  von  der  färbe  benannt  wie  das  fr.  blanc,  das  dtsche 
wei&pfennig. 

Balascio  it.,  sp.  balax,  balaxe,  pg.  balais,  balache,  pr.  balais, 
balach,  fr.  balais  ein  eddstein,  genannt  nach  seinem  fundorte,  dem  chanat 
Badakschan  (Balaschan,  Balaxiam)  in  der  nähe  von  ßamarkand.  Man 
sehe  Ducange  v.  balascus,  Ritter7  Erdkunde  von  Asien  V,  789. 

Balaüstro  it.,  balaüstre  sp.,  balustre  fr.  Meine  säule  eines  gelän- 
ders;  daher  it.  bai aust rata  u.  s.  w.;  von  balauetium  (ßahxvariov) 
Uüthe  des  wilden  granatbaumes,  it.  balaüstra,  wegen  einer  ähnlichkeit  der 
form  (Crusca,  Caseneuve). 

Bai co  und  palco  it.  gerüst,  Stockwerk,  von  letzterer  form  das  sp. 
pg.  palco;  abgel.  it.  balcone,  sp.  balcon,  pg.  balcäo,  fr.  balcon  erker. 
Sämmtlich  aus  dem  ahd.  balcho,   palcho  balken,  ndd.  balke  kornboden, 


38  I.   BALDACCHINO -BALISA. 

vgl.  altn.  bälkr  v  er  zäunung.  Die  pic.  mundart  besitzt  das  deutsche  wort 
in  seiner  eigentlichsten  Bedeutung,  bauque  poutre.  Andre  finden  den  Ur- 
sprung von  balcone  im  pers.  balkan  zinne  der  mauer  (Vutters  I,  260*). 

Baldacchino  it.,  sp.  baldaquin,  fr.  baldaquin  thronhimmel;  vom 
ital.  Baldacco  Bagdad,  woher  ursprünglich  der  dazu  gebrauchte  aus  gold- 
fäden  und  seide  gewebte  stoff  kam;  diese  Bedeutung  zeigt  noch  das  aitfr. 
baudequin,  z.  b.  lors  veissiez  genz  acesmer  de  samiz,  de  dras  d'outremer, 
de  baudequins  d'or  ä  oiseaus  Bomvart  p.  582,  und  altsp.  balanquin: 
balanquines  e  purpuras,  xamit  et  escarlata Bc.  p.  276,  21.  Vgl.Frisch 
I,  61c. 

Baldo  it.,  pr.  baut,  altfr.  aiUcßt.  baud  keck,  üppig,  fröhlich;  pr. 
baudos  dass.;  sbst.  it.  baldore,  pr.  altfr.  baudor  übermuth,  fröhlichkeit, 
it.  baldöria  freudenfeuer;  vb.  altit.  sbaldire  PPS.  I,  66,  pr.  altfr. 
esbaudir  heck,  üppig,  fröhlich  werden;  vom  goth.  balths  (bei  Jemandes 
und  im  adv.  balthaba),  ahd.  bald  u.  s.  w.  kühn,  freimüthig,  vb.  goth. 
balthjan  ff.  sich  erkühnen.  Die  südwestlichen  sprachen  besitzen  einen 
gleichlautenden  stamm  in  folgenden  und  einigen  andern  Wörtern:  baldo 
leer,  entblößt,  de  balde  und  en  (em)  balde  vergebens,  unnütz,  baldio 
unbenutzt,  brach,  balda  unnütze  Sache,  mangel,  schwäche,  baldar  hin- 
dern, lähmen  (unnütz  machen),  bald  od,  baldao  beschimpfung  (eigentl. 
wohl  unnützlichkeit,  vgl.  altsp.  en  baldon  =  en  balde,  daher  werthlosig- 
keit,  schimpf),  baldonar,  baldoar  beschimpfen.  Sind  diese  werter  gleich- 
falls germanischer  herhmft,  so  gieng  der  begriff  der  keckheit  in  den  der 
eitdkeit  über,  wie  z.  b.  das  ahd.  gemeit  übermüthig  und  vergeblich  zugleich 
bedeutet.  Dieser  Vorgang  ist  aber  nicht  wahrscheinlich,  theils  weil  der 
grundbegriff  'kühn  im  span.  nirgends  vertreten  ist,  theils  weü  die  span. 
derivata  von  den  Übrigen  ganz  verschieden  sind.  Man  hält  sich  also 
besser  an  die  herleitung  aus  dem  arab.  ba  tala  unnütz  sein  Gol.  287,  das 
sich  in  batla  balda  verwandeln  konnte  wie  spatnla  in  espalda,  rotulus 
in  rolde. 

Balicaretf.  (nur  balica  lonib.),  altfr.  baloier  sich  hin  und  herbe- 
wegen, schwanken,  flottem,  cat.  balejar,  sp.  pg.  a-balear  gäreide  schwing 
gen;  etwa  von  ballare  tanzen?  oder  entstellt  aus  banicare?  s.  banda. 
Prov.  balaiar  flattern,  peitschen  läßt  sich  formell  nicht  damit  vereinigen. 

Balla  it.,  sp.  pr.  bala,  fr.  balle  kugel,  runder  pack;  augm.  it. 
ballone,  sp.  balon,  fr.  ballon.  Da  die  ital.  spräche  für  balla,  ballone 
auch  palla,  pallone  erlaubt,  so  ist  die  nächste  herkunft  des  roman.  Wortes 
aus  dem  gleichbed.  ahd.  balla,  palla,  mhd.  bal,  altn.  böllr  (von  Benecke 
aus  einer  deutschen  würzet  erklärt)  fast  unzweifelhaft,  welche  formen  sich 
dem  Italiener  unmittelbarer  darbieten  mußten  als  gr.  ßctlletv,  ndkkeiv, 
sbst.  nakla. 

Balisa  sp.pg.,  balissa  cat,  balise  fr.  pfähl,  reisbündd,  tonne  u.  dgl. 
zur  bezeichnmg  gefährlicher  stellen  am  eingange  der  häfen  (Dict.  de  VAc. 
fran$.),  ndd.  bake.  Ein  it.  baligia  fehlt,  daher  die  franz. -ital.  Wörter- 
bücher balise  umschreibend  übersetzen,  der  prov.  ausdruck  ist  gaviteou. 


I.   BALLARE-BAMBO.  39 

Es  ist  nicht  zu  ermitteln,  ob  das  wort  nur  den  zweck  der  bemerkten  gegen- 
stände, also  z.  b.  merkeeichen,  warnung,  oder  ob  es  einen  dieser  gegen- 
stände selbst  ausdrücken  soll.  Indem  man  von  der  letzteren  ansieht  aus* 
gieng,  haben  einige  es  aus  palus  pali  abgeleitet,  palitia,  wiewohl  sich  das 
anlautende  p  gerade  im  sporn,  und  franz.  fast  niemals  zu  b  herabläßt: 
dem  qp.  paliza  (prägel  d.  h.  schlage)  ist  diese  abkunß  nicht  zu  bestreiten. 
Chevallet  entgeht  dieser  Schwierigkeit,  indem  er  es  aus  dem  ndl.  balie 
(zuber)  leitet;  aber  ein  zuber  ist  nicht  mit  tonne  zu  verwechseln,  abgerech- 
net daß  der  Niederländer  sein  balie  nicht  in  dem  sinne  von  balisa  an- 
wendet.   Der  herkunft  des  seemännischen  Wortes  ist  also  noch  nachzuspüren. 

Ballare  it.,  sp.  pg.  bailar,  pr.  balar,  altfr.  baier  tanzen;  sbst.  it. 
ballo,  sp.  pg.  baile,  pr.  fr.  bal  tanz.  Schon  im  ältesten  tnlatein  trifft 
man  choreis  et  ballationibus  Gl.  Isid.,  wofür  ein  kritiker  helluationibus 
vorschlägt  (Jahrb.  f.  phü.  XIII.  suppl.  p.  238),  wiewohl  es  diesen  glossen 
an  unlat.  Wörtern  nicht  fehlt.  Ballare  scheint  abgeleitet  aus  dem  roman. 
balla  kugd,  ball,  daher  ital.  auch  pallare  wie  palla;  das  sp.  bailar  ruht 
auf  einem  ursprünglichen  balear  (vgl  guerrear,  manear)  mit  Versetzung 
des  e  baelar  bailar,  altsp.  noch  bailar,  pg.  balhar.  'Das  ballwerfen  war 
im  Mittelalter  wie  bei  den  Griechen  ein  mit  gesang  und  tanz  verbundenes 
spiel,  daher  in  den  romanischen  sprachen  ballare  tanzen.  So  Wacker- 
nagel, Altfr.  lieder  p.  236.  Wie  das  ballwerfen  auf  das  tanzen  über- 
getragen ward,  so  im  altsp.  bailar  auf  das  singen;  im  walach.  erfolgte 
das  tanzen,  zucare,  aus  dem  spielen.   Eine  abl.  ist  it.  ball  ata  ff.  tanzlied. 

Balzare  it.  hüpfen,  springen,  in  die  höhe  prallen,  pr.  balsar? 
Fer.  275;  sbst.  it.  balzo,  cot.  bals,  altfr.  bausiüCaw.  320  prall,  Sprung, 
ital.  auch  Hippe,  wofür  überdies  fem.  balza;  verstärkt  it.  sbalzare 
schleudern,  sich  schwingen,  sbst.  sbalzo.  Die  heimath  des  Wortes  ist  sieht- 
barlich  Italien,  wo  es  sich  am  meisten  ausgebreitet  (vgl.  noch  balzellare, 
balzelloni):  um  so  wahrscheinlicher  Ast  herkunft  aus  gr.  ßaMdfyiv  hüpfen, 
springen,  tanzen. 

Bambagio,  bambagia  it.  baumwolle,  maü.  bombäs;  von  bombyx 
(ßopßvt;)  seide,  baumwolle,  mittetgr.  ßajußaxiov,  mlat.  bambacium.  Daher 
it.  bambagino,  sp.  bombasf,  fr.  bombasin,  basin  baumwollner  stoff, 
lat.  adj.  bombyemus. 

Bambo  it.  kindisch,  einfältig,  sp.  bamba  einfältiger  mensch  (nach 
Covarruvias) ;  abgel.  it.  bambino,  b&mbolo  und  b&mbola,  bamboccio 
(hieraus  fr.  bamboche),  sp.  bambArria  (m.)  Und,  puppe,  kindischer 
mensch  u.  dgl.,  Ostreich,  bams  fand,  bützel.  Der  stamm  dieser  bildungen 
ist  der  des  lat.  bambalio  bei  Cicero,  des  gr.  ßafißalog,  vb.  ßafußall&iv, 
ßaftßaiveiv  stammeln.  Auchimsp.  bamba  schaukel,  bambolear  schau- 
keln, wiegen,  bambdn,  norm,  bamboler  dass.,  wäUon.  bambi  wackeln, 
bürg,  yambe  bewegung  der  glocke  ist  er  anzunehmen,  wie  auch  it.  bambo- 
leggiare  schäkern,  kindereien  treiben  (von  bambolo  kind)  buchstäblich  mit 
sp.  bambolear  zusammentrifft.  Vgl.  auch  das  verwandte  babbeo.  Ital. 
bimbo  kind  scheint  nichts  anders  als  eine  ablautende  form  von  bambo. 


40  I.   BANCO-BANDO. 

Banco  it.  sp.  pg.,  fr.  banc  tafel  oder  tisch  z.  b.  der  Wechsler, 
ruderbank,  Sandbank,  zimmerbock  u.  dgl.,  das  span.  wart  auch  m  der  bed. 
scamnum,  pr.  banc  nur  in  letzterer  und  so  fem.  it.  sp.  pg.  pr.  banca, 
fr.  banque  (auch  banche  felsengrund  in  der  see  Dict.  de  Trev.) ;  vom 
ahd.  bartch  (f.),  mhd.  banc  (m.  f)  scamnum.  Zwar  auch  hymr.  banc 
{gacl.  binnse),  aber  die  ital.  nebenform  panca  spricht  deutsche  herkunfl 
an.  Abgel.  it.  banchiere  ff.  Wechsler,  mensarius;  banchetto  ff.  bärik- 
chen,  dsgl.  gaster  ei:  da  sich  aber  beide  bedeutungen  ziemlich  ferne  liegen, 
so  scheint  man  die  zweite  aus  dem  vb.  banchettare  gastereien  heilten, 
welches  ursprüngl.  'tische  und  bänke  rüsten  bedeuten  konnte,  gezogen  zu 
haben,  entsprechend  dem  mhd.  benken:  hie  wart  gebenket  schöne,  tuoch 
unde  br6t  fif  geleit  Wb.  I,  84. 

Banda  it.  sp.  pr.,  bände  fr.  binde,  streif,  bände  d.  i.  trupp;  vom 
goth.  bandi  (f.),  ahd.  band  (n.)  Dsgl.  it.  bandiera,  sp.  bandera,  pr. 
bandiera,  baneira,  fr.  banniere  fahne  (daher  unser  panier),  vgl.  goth. 
bandva  zeichen,  und  Paul.  Diac.  1,  20:  vexillum,  quod  bandum  appel- 
lant;  s.  darüber  Muratori,  Ant.  ital.  II,  442;  ferner  it.  bandolo,  ban- 
doliera,  fr.  bandouli&re  u.  dgl.  Das  einfache  bannum  findet  sich  nur  im 
attfr.  ban,  sofern  es  die  bed.  fahne  zeigt,  beispide  bei  Ducange;  dieprov. 
denkmaler  gewähren  nur  das  edmpos.  auri-ban,  weiches  Raynöuard  un- 
richtig mit  arriere-ban  übersetzt,  vgl.  die  stelle  on  a  mot  auriban  e  trop 
mot  ric  penon  GAlb.  2637;  es  ist  goldbanner  wie  auriflamma.  Vb. 
sp.  bandear,  pr.  bandeiar,  baneiar  hin  und  her  schwenken  (wie  eine 
fahne),  intrans.  sich  bewegen,  flattern,  attfr.  banoier  G.  Guiart  II,  341, 
esbanoier  dass.,  gleicher  bed.  mhd.  baneken  s.  Grimm  II,  1000,  worin 
noch  die  älteste  roman.  form  banicare  zu  erkennen  ist,  die  sich  auch 
deutlich  im  comask.  bangä  schwanken  ausspricht. 

Bando  it.  sp.  pg.,  pr.  ban,  fr.  ban  öffentliche  Verkündigung;  vb.  it. 
bandi re,  sp.  pr.  bandir,  pg.  bandir,  banir,  fr.  bannir  öffentlich  verkün- 
digen, daher  partie.  it.  bandito  öffentlich  ausgerufener,  verwiesener,  Straßen- 
raubet.  Das  wort  kommt  frühe  im  ndatein  vor,  wo  bannum  edictum,  inter- 
dictum,  bannire  edicere,  citare,  relegare  heißt.  Es  ist  deutscher  herkunfl 
(Grimm,  Rechtsalt.  732);  zu  beachten  ist  aber,  daß  das  rom.  bandire, 
bannire  nicht  wohl  aus  dem  starken  vb.  bannan  entstehen  konnte,  welches 
bannare,  banner  gegeben  hätte,  es  stimmt  mit  seiner  coryugationsform 
besser  zum  goth.  bandvjan  bezeichnen,  andeuten,  dessen  nebenform  banyjan 
zugleich  das  roman.  bannir  zu  erklären  scheint;  andre  deutsche  dialecte 
können  das  im  gothischen  so  einflußreiche  ableitende  v  entbehrt  haben. 
Vgl.  den  vorigen  artikel,  der  mit  dem  gegenwärtigen  innerlich  zusammen- 
hängt. Auch  die  gael.  spräche  besitzt  bann  in  der  bedeutung  des  engl. 
band  und  ban;  das  sogleich  zu  nennende  altfr.  arban  kann  aber  seine 
herkunfl  aus  dem  deutschen  gar  nicht  verläugnen.  S.  über  bando  auch 
Diefenbach,  Goth.  wb.  I,  299,  wo  germanischer  Ursprung  oder  wenigstens 
sehr  frühe  aneignung  vermuthet  wird.  —  Eine  abl.  ist  pr.  attfr.  bandon, 
fast  stets  mit  vorgesetzter  partikel  ä,  1)  =  ban:  vendre  gage  a  bandon; 


L   BARA-BARATTO.  41 

2)  wütkür,  eigenÜ.  preisgebung:  prenez  tot  k  vostre  bandon.  Aus  diesem 
adv.  ä.  bandon  gestaltete  sieh  wieder  ein  sbst.  pr.  fr.  abandon,  it.  ab- 
bandono,  abgekürzt  bandono  hingebung,  vb.  abandonar  ff.  hingeben, 
überlassen.  Eine  zss.  ist  fr.  arri&reban  auf  gebot  zum  Kriegsdienst,  ent- 
stellt oder  umgedeutet  aus  ahd.  hariban  heerbann,  mlat.  haribannnm,  arri- 
bannnm;  näher  der  urform  liegt  das  altfr.  arban  frohndienst,  s.  Du- 
cange  s.  v.  heribammm.  Eine  andre  zss.  ist  altfr.  forbanir  durch  öffent- 
lichen ausruf  des  landes  verweisen  (for  =  lat.  foras),  ital.  nur  forban- 
nnto,  altfr.  sbst.  forban  Verweisung,  dsgl.  (concret)  verwiesener,  Seeräuber, 
nfr.  noch  in  letzterer  bedeutung,  mlat.  forbannitus  in  der  L.  Rip.,  ferban- 
nitns  in  der  L.  Sah,  beide  nach  MüUenhoff  (zur  L.  Sah  p.  282)  von  ver- 
schiedener Zusammensetzung.  Ein  weiteres  compositum  ist  it.  contrab- 
bando,  fr.  contrebande  Übertretung  einer  Verordnung,  Schleichhandel. 

Bara  it.,  fr.  bar  Dict.  de  Trev.,  üblicher  bifere,  pr.  bera  todtenbahre, 
tragsessd,  chw.  bara  leiche;  vom  ahd.  bära,  ags.  baer,  bere,  ndl.  berrie; 
tf»  letzteres  fügt  sich  auch  neupr.  berio  (für  beria)  tragkorb. 

Baracane  it.,  sp.  barragan,  pg.  barregana,  pr.  barracan,  fr.  bar- 
racan,  bouracan,  ein  stoff  von  Ziegenhaar,  daher  nhd.  bercan  und  bar- 
chent;  vom  arab.  barrakän,  barkan  eine  (schwarze)  Meldung  Gol.  263, 
Freyt.  I,  113h,  nach  Sousa  persischen  Ursprungs,  s.  baraka  Jcleid  oder 
stoff  aus  kamedhaar  Vüllers  I,  224*. 

Baracca  it.,  barraca  sp.,  baraque  fr.  hätte,  zeit;  abgeleitet  aus 
barra  Stange  wie  it.  trab-acca  aus  trabs.  Span,  etymologen  holen  es  aus 
dem  arabischen. 

Baratto  it.,  altsp.  barato,  pr.  barat,  fr.  barat,  fem.  ältsp.  cot.  pr. 
barata,  altfr.  barate  betrügerischer  handd  oder  tausch;  vb.  it.  barat- 
tare,  altsp.  pg.  cot.  pr.  baratar,  altfr.  bareter  bösen  handd  treiben, 
prellen,  rupfen,  überhaupt  tauschen  und  täuschen,  altpg.  baratar  zerstören, 
SRos.;  zsgs.  it.  sbarattare,  sp.  pr.  desbaratar,  cdtfr.  desbareter  zu 
gründe  richten  (einen  um  alles  bringen);  selbst  nfr.  baratter  buttern 
(durcheinander  rühren,  verwirren?)  dürfte  hieher  zu  rechnen  sein.  Aus 
it.  barare  (betrügen)  konnte  baratto  auf  regelmäßige  weise  nicht  entstehen. 
Die  dUnord.  spräche  besitzt  barätta  kämpf  und  Dante  Inf.  21,  31  braucht, 
wie  Muratori  in  dieser  beziehung  anmerkt,  baratta  in  gleichem  sinne,  allein 
es  bedeutet  ihm  gewiß  nichts  anders  als  das  altfr.  barate  Verwicklung  oder 
getriiM  in  der  schlacht  s.  Ch.  des  Sax.  II,  30,  altsp.  barata  PC;  auch 
wurden  die  begriffe  kämpf  und  betrug  (Verwicklung)  schwerlich  hand  in 
hand  gehn.  Die  ahd.  spräche  bietet  bala-räti  nequitiae  Graff  II,  467, 
dies  würde  jedoch  fr.  banrai  oder  baudrai  hinterlassen  haben.  Ein  wort, 
das  dem  begriffe  genügt,  ist  gr.  nqcaxuv  handeln,  geschäfte  machen, 
kniffe  brauchen  (wofür  jetzt  irqay^axsvuv  gesagt  wird);  von  den  griechi- 
schen kaufleuten  konnte  es  das  abendland  entlehnen.  Wegen  b  aus  gr.  n 
vgl.  boite  von  nvl-ig  u.  a.  und  wegen  der  einschiebung  eines  vocales  in 
den  Gomplicierten  anlaut  it.  calabrone  von  clabro  für  crabro  (andre  bei- 
spiele  Born,  gramm.  I,  302).    Der  Serbe  hat  augenscheinlich  dasselbe  wort, 


42  I.   BARBACANE-BARDASCIA. 

bar&tati  geschäße  treiben.  —  Das  neusp.  barato  heifit  wohlfeil,  ohne  mühe* 
subst.  wohlfeüheit,  baratar  unter  dem  werthe  verkaufen,  und  wird  von 
J.  v.  Hammer  aus  dem  arab.  barät  (bara  h)  immunxtas  Freyt.  I,  102*  er- 
klärt. Dagegen  ist  einzuwenden,  daß  die  arab.  substantiva  auf  at  im 
span.  die  spätere  oder  vulgäre  form  ah  reflectieren  (bara  müßte  es  heißen) 
und  daß  diese  bedeutung  sich  doch  den  obigen  anknüpfen  läßt. 

Barbacane  it.  (m.),  sp.  pr.  barbacana,  pg.  barbacäo,  fr.  barba- 
cane  brustwehr  mit  Schießscharten  vor  der  hauptmauer  einer  festung, 
churw.  vrlt.  barbachaun  Stützmauer;  nach  Vossius  De  vit.  serm.,  arabischer 
herkunft,  was  aber  Muratori,  Ant.  itcU.  II,  456,  bestreitet,  Pougens, 
Tresor  I,  137  wieder  behauptet.  Persischen  Ursprung  erkennt  ihm  Wedg- 
wood  su,  nämlich  von  bäla-khaneh  oberes  zimmer  (woher  aucAbataone 
stammen  soll),  ursprüngl.  ein  vorragendes  fenster  tum  schütze  des  ein- 
gangs, 

Barbecho  sp.,  barbeito  pg.  brachfdd;  von  vervactum  dass.  Im 
nordwesten  ward  anlautendes  v  wie  in  andern  fällen,  zu  g  und  so  ent- 
sprangen die  formen  pr.  garag,  fr.  guäret,  denen  im  Süden  vol.  guaret, 
cot.  guret  entsprechen.  Im  ital.  ist  das  wort  nur  mundartlich,  wie  sard. 
(logud.)  barvattu;  dafür  hat  die  Schriftsprache  maggese. 

Barca  it.  sp.  pg.  pr.,  barc^  wal.,  barque/r.  kleines  lastschiff,  schon 
im  frühesten  mlatein:  barca,  quae  cuncta  navis  commercia  ad  Utas  portat 
Isid.  19,  1,  19.  Das  übliche  prov.  bar  ja,  altfr.  bärge,  nfr.  berge  (bar- 
que  ist  fremd)  verlangt  jedesfalls  bärica  als  älteste*  fortn  (vgl.  carrica 
charge,  serica  serge)  und  diese  könnte  erwachsen  sein  aus  gr.  ßaQig  kakn 
(baris  bei  Properz)  wie  auca  avica  aus  avis ;  der  griech.  schifferausdrücke 
gibt  es  im  romanischen  mehrere.  Dagegen  verweist  Wackemagd  (Haupts 
Ztschr.  IX,  573)  auf  altn.  barkr,  das  sich  mit  börkr  zusammenstdlen 
lasse,  ein  aus  rinde  (borke)  gebautes  schiff. 

Bar  da  it.  sp.,  barde  altfr.  pferdeharnisch  van  eisenblech,  aUfr. 
champ.  barde  auch  zimmeraxt  GVian.  1998,  wal.  bard?  dass.,  dauph. 
partou  hackmesser,  dsgl.  pg.  barda,  fr.  barde  speckschnitte,  die  man  um 
ein  stück  braten  legt,  port.  auch  sattel;  ab  gel.  fr.  bar  de  an  schindet,  it. 
bardella,  fr.  bardelle,  pr.  bardel  platter  sattel,  reitküssen;  it.  bardotto, 
fr.  bardot  lastthier,  das  der  treiber  reitet  (sattelthier).  Diese  büdungen 
erinnern  theüs  an  ahd.  barta,  ndl.  barde  hacke,  theils  an  nord.  bardi 
schild;  aber  pg.  barda  in  der  bed.  hecke,  zäun,  span.  dornichte  mauerbe- 
Ueidung,  sind  sie  mit  Larramendi  auf  bask.  abarra  da  d.  h.  'es  ist  ge- 
zweige  zurückzuführen?  Das  sp.  albarda  saumsattd  (auch  speckschnitte 
=  pg.  barda)  leitet  man  dagegen  aus  dem  arab.  al-bardafah  unterläge 
des  satteis  Gol.  253,  Freyt.  I,  106b,   s.  Monti,  Agg.  cd  vocab.  II,  2,310. 

Bardascia  it.,  bardaxa  sp.,  bardache  fr.  (m.)  pathicus;  vom  arab. 
bardag  sklave?  Gölius  p.  253.  Das  lomb.  und  piem.  bardassa  bedeutet 
überhaupt  nur  knabe,  bei  bardassa  ist  =  bei  fanciullo,  und  auch  das 
sard.  bardascia  hat  diese  bedeutung  neben  der  andern.  Über  altfr.  bar- 
dache stange  s.  Qrandgagnage  v.  bardahe. 


I.   BARGA— BARONE.  43 

Barga  sp.  cdtpg.,  fr.  berge  hohes  abhängiges  ufer;  vielleicht  ein 
uraltes  wart,  wenigstens  kein  germanisches,  vgl.  kymr.  bargodi  überMngen, 
hervorspringen,  bargod  rand,  dachtraufe. 

Bargagno  it.,  pr.  barganh,  fem.  pg.  pr.  barganha  Unterhandlung, 
aitfr.  bargaine  ceremonie  Roq.;  vb.  it.  bargagnare,  pg.  pr.  barganhar 
feilschen,  handeln,  /Vvbarguigner  (für  bargaigner,  vgl.  grignon  IL  c.) 
knickern,  zaudern.  Das  mlat.  barcaniare  Gap.  Cor.  Gcdv.  bezeugt,  daß  g 
aus  c  entstand  und  so  ruht  das  wort  vielleicht  auf  barca  fahr  zeug,  das, 
nach  Isidors  definition,  die  waaren  hin-  und  herbringt,  so  daß  bargagno 
das  hm-  und  herhandeln  bedeutete.  Das  suffiz  aneum  bildet  zwar  sonst 
keine  abstracta  aus  concreten  begriffen,  allein  seine  bedeutung  läßt  sich  bei 
der  spärlichkeit  seines  Vorkommens  überhaupt  nicht  auf  das  genaueste  be- 
stimmen. Genin,  Beer.  phü.  I,  279,  erkennt  in  diesem  wort  ein  compo- 
situm, bestehend  in  der  vornan,  partikel  bar  (für  bis)  und  gagner;  aber 
sowohl  das  mlat.  barcaniare  wie  die  unwandelbare  gestalt  der  silbe  bar, 
die  weder  in  bis  noch  in  bes  noch  in  ber  umschlägt,  hauptsächlich  aber 
die  form  gagn,  wofür  guadagn  u.  s.  w.  zu  erwarten  war,  kurz,  alles  ist 
gegen  ihn. 

Bargello  it.,  sp.  pg.  barrachel,  altfr.  barigel  häscherhauptmann; 
vom  mlat.  barigildns  (barigildi  et  advocati  in  einem  capitular  v.  j.  864), 
sieher  ein  deutsches  wort,  aber  von  unklarem  Ursprung.    8.  Grimm,  Rechts- 

Baritono  it.  sp.,  pg.  baritom,  fr.  vrlt.  baryton  stimme  zwischen 
tenor  und  bass;  vom  gr.  ßaQurovog  grobstimmig,  nicht  vom  lat.  barritus, 
woraus  nur  baritöne  werden  konnte.  . 

Baro  und  barro  it.  falscher  Spieler,  schurke;  augm.  barone;  vb. 
b  arare,  barrare  Schelmerei  treiben.  Die  herkunft  dieses  Stammes,  der 
so  einfach  nur  im  ittü.  vorkommt,  ist  noch  unauf gehellt;  buchstäblich  passt 
zwar  zu  baro,  barone  das  mlat.  barns,  baro,  die  begriffe  aber  einigen 
sieh  nicht.  Desselben  Stammes  sind  etwa  folgende  Wörter:  pr.  baran  be- 
trug; it.  baroeco  wucher;  altsp.  baruca  list;  it.  barnllo  Obsthändler 
(vgl.  treccare  betrügen,  trecca  hökerweib);  sp.  baraja,  pg.  pr.  baralha, 
altfr.  berele  Ruteb.  I,  78.  U,  117 Verwirrung,  hader;  vb.  baraja r,  ba- 
ralhar,  bamlhar  durcheinanderwerfen,  in  Unordnung  bringen. 

Barone  it.,  sp.  varon,  pg.  varäo,  pr.  bar  (acc.  barö),  altfr.  ber 
(ace.  baron),  nfr.  baron  ursprüngl.  mann  wie  lat.  vir,  auch  ehemann:  pr. 
lo  bar  non  es  creat  per  la  femna,  mas  la  femna  per  lo  baro  non  est 
creatus  vir  prqpter  midierem,  sed  mulier  propter  virum.  Daher  bedeutet 
es  auch  mannhaft,  kräftig;  altfr.  Karlemaine  nostre  emperere  ber  Rol. 
ed.  Mich.  p.  x  vi;  ne  sui  pas  si  preux  ne  si  ber  NF.  Jub.  L  p.  214; 
pr.  barnatge,  altfr.  baronie,  barnie  tapferkeitl  embarnir  kräftig 
werden  LR.  Daneben  zeigt  sich  bereits  im  prov.  und  altfr.  die  bed. 
großer  des  reiche,  lehensträger,  so  z.  b.  im  Leodegar  str.  9  baron  franc 
fränkische  große.  Die  ältesten  deutschen  rechtsbücher  nehmen  es  gleich- 
falls für  mann  im  gegensalz  zum  weihe:   tarn  baronem  quam  feminam 


44  L   BARONE. 

L.  Rip.,  barum  vel  feminam  L.  Älam.,  in  der  L.  Sal.  ist  baro  der  frei- 
geborene,  in  den  capütdarien  Karls  des  kahlen  sind  barones  die  proceres 
oder  vassallen,  daher  auch  baro  dem  Joh.  de  Garlandia  'gravis  et  authen- 
tieus  vir  bedeutet,  gravis  vielleicht  mit  anspielung  auf  das  lautverwandte 
gr.  ßaQug.  Neben  dem  mlcU.  und  romanischen  begegnet  noch  ein  das- 
sisches  baro ;  bei  Cicero,  der  es  öfter  braucht,  heißt  es  thor,  pinsel ;  dies 
aber  könnte  andrer  herkunft  sein.  In  den  schollen  zum  Persius  wird  ihm 
die  bed.  servus  müitum  beigelegt  und  gallische  herkunft  angewiesen,  und 
ziemlich  übereinstimmend  übersetzt  es  Isidorus  mit  mercenarius  und  leitet 
es  aus  gr.  ßaQvg  stark,  grob,  *fortis  in  laboribus\  Auch  in  einer  elantan- 
nischen 'Urkunde  v.  j.  744  sind  parones  servi.  Die  notiz  des  scholiasten 
muß  irgend  einen  grund  haben.  Sucht  man  im  celtischen,  so  findet  sich 
ein  altgael.  bar  held,  also  zusammentreffend  mit  dem  altfr.  ber,  sofern 
dies  einen  tapfern  mann  bezeichnet.  Eine  zweite  gael.  bed.  trefflicher 
mann  rührt  an  die  des  Joh.  de  Garlandia.  Als  eigennatnen  bemerkt  man 
das  wort  im  frühen  mlatein  nicht  unhäufig,  z.  b.  bei  Fumagcdli  p.  91  (v. 
j.  792);  davon  zu  unterscheiden  ist  Bero  ursus.  Dies  sind  in  aller  kürze 
die  das  wort  betreffenden  thatsachen;  seine  herkunft  ist  noch  nicht  mit 
Sicherheit  ermittelt.  Vor  allem  muß  seine  abstammung  aus  dem  celt.  bar 
als  eine  den  prov.  und  franz.  Sprachgesetzen  widersprechende  hypothese 
abgelehnt  werden.  Es  fiectiert  mit  beweglichem  accent  (bar  barön)  und 
alle  Wörter  dieser  classe  rühren  entweder  aus  dem  latein.  (drac  dragön, 
läire  lairön)  oder  aus  dem  deutschen  (Uc  Ugön)  her;  der  celt.  Sprachbau 
bot  keinen  anlaß  zu  solchen  flexionen.  Es  bleibt  also  hier  nur  zweierlei 
übrig.  Entweder  ist  unser  baro  lateinisch,  wozu  die  bemerkung  des  scho- 
liasten aber  nicht  wohl  passt,  oder  es  ist  germanisch  und  dem  widerspricht 
die  bemerkung  des  scholiasten  nicht,  da  die  Römer  germanische  leicht  mit 
gallischen  Wörtern  verwechselten.  Zu  der  bed.  servus  müitum  (last-  oder 
packträger  der  Soldaten)  stimmt  nämlich  ahd.  bero  (acc.  berun,  beron)  träger, 
vom  vb.  beran,  goth.  baf  ran,  welches  Ulfilas  für  qtoqtiv  und  ßaatateiv  gebraucht. 
Das  Substantiv  hat  sich  im  althochd.  nicht  erhalten,  ist  aber  nach  dem 
altfries.  bera  vorauszusetzen.  Hieraus  das  altfr.  ber,  acc.  baron  mit  üb- 
licher Verwandlung  des  tonlosen  e  in  a.  Dabei  muß  freilich  eingeräumt 
werden,  daß  der  Provenzale,  dem  der  Wechsel  zwischen  e  und  a  (vgl.  auch 
altfr.  lerre  larron)  nicht  genehm  ist,  den  vocal  des  accus,  auch  auf  den 
nomin.  übertragen  habe.  Aus  der  bed.  träger,  lastträger  müßte  sich  die 
bed.  starker  bursche,  kerl  (fortis  in  laboribus)  und  endlich  hieraus  die 
bedd.  mann,  lehensmann  entwickelt  haben.  Es  bleibt  aber  auch  dies  eine 
hypothese,  die,  wenn  sich  der  latein.  Ursprung  des  wortes  gegen  die  sage 
von  seiner  fremden  herkunft  begründen  läßt,  von  selbst  verschwindet.  Man 
vgl.  noch  mhd.  bar  Wb.  I,  88.  142.  In  ital.  mundarten  tritt  unser  wort 
in  einem  bescheideneren  sinne  auf:  com.  bergam.  bar,  piem.  berro,  romagn. 
berr  heißt  widder,  lothr.  berra  (d.  i.  b^rard)  dass.,  man  sehe  einen  ent- 
sprechenden fall  unter  marrone  II.  b.  —  [Herkunft  aus  beran  vermuthete 
auch  Müllenhoff  zw  L.  Sal.  p.  279.  Weitere  Untersuchungen  über  das 
wichtige  wort  s.  bei  Diefenbach,  Orig.  europ.  p.  250.] 


I.   BAKRA-BASTARDO.  45 

Barra  it.  sp.  pr.,  barre  fr.  stange,  riegd;  daher  sp.  birrio,  pr. 
cal.#barri  schutzwehr,  wall,  Vorstadt,  miat.  barrium  (aera  987);  fr.  bar- 
reau;  it.  barriera,  sp.  barrera,  fr.  barri&re  u.  a.;  vb.sp.  barrar,  bar- 
rear,  fr.  barrer.  Aus  dem  celtischen :  hymr.  bar  (m.)  ast  u.  s.  w.  s.  Diefen- 
bachy  Celt.  I,  184,  vgl.  mhd.  bar,  barre  in  den  rotnan.  bedeutungen.  Das- 
selbe wort  ist  auch  enthalten  im  ahd.  sparro,  vb.  sperran,  woraus  sich  die 
üal.  formen  sbarro,  sbarra,  sbarrare  gestaltet  haben  können,  nicht 
eben  müssen,  da  diese  Sprache  den  anlaut  häufig  mit  s  verstärkt.  Noch 
sind  einige  Meitungen  zu  erwähnen:  sp.  bar  ras  stange,  zsgs.  sp.  emba- 
razo,  fr.  embarras  Sperrung,  hindernts,  vb.  embarazar,  embarrasser, 
dsgl.  fr.  däbarrasser;  wohl  auch  sp.  barrica,  fr.  barrique  tonne,  daher 
barricata  verrammelung  (aus  fässern  und  ähnlichen  Sachen  bestehend); 
it.  barile,  sp.  pg.  barril,  fr.  baril,  kymr.  baril,  gael.  baraill,  wozu  noch 
sp.  barral  große  flasche  kommt.  Auch  franz.  Ortsnamen  wie  Bar-sur-Aube, 
Bar-le-Duc  werden  zu  diesem  stamme  gerechnet.    S.  auch  baracca. 

Basso  it.,  sp.  baxo,  pg.  baixo,  pr.  bas,  fr.  bas  niedrig;  vb.  bas- 
gare ff.  Das  Isid.  glossar  hat  bassus  'crassus,  pinguii,  das  Gloss.  vetus 
p.  511  bassas  'pingues  oves\  bassum  cnon  altum',  Papias  bassus  'curtus, 
humilis  (nicht  profundus).  Die  grundbed.  ist  also  wohl  die  erstere:  in 
der  that  heißt  it.  bassotto  dick,  dttfr.  bas  breit,  gedrungen,  z.  b.  une 
maison  longhe  et  assez  basse  SSag.  p.  169;  ele  a  basses  banches  et 
bassee  jambes  NF.  Jub.  II,  260,  wo  an  die  bed.  tief  nicht  zu  denken  ist. 
Man  erinnert,  was  seine  herkunft  betrifft,  an  gr.  ßaoocov  und  celt.  bas, 
welchem  letzteren  die  rotnan.  bed.  seicht  zusteht)  aber  ist  dies  nicht  ent- 
lehnt und  würde  sich  bas  so  leicht  in  span.  baxo  verwandeln,  das  ein 
doppeltes*  verlangt?  Das  wort  muß  vielmehr  ein  acht  latein.  sein:  schon 
das  alte  Rom  kannte  es  als  zunamen,  dergleichen  auf  körperliche  eigen- 
schoflen  zielend  sich  viele  vorfinden,  und  hier  passt  die  bed.  der  glossen 
trefflich.  Auch  Papias  sagt  basus  'curtus  a  base,  et  (nomen)  proprium 
est  Als  eigentlicher  name  begegnet  es  z.  b.  in  einer  Urkunde  des  6.  jh. 
Marin,  p.  197*,  die  zss.  Campobassum  in  einer  andern  v.  j.  635  Briq. 
p.  136h.  Diefenbach,  Goth.  wb.  I,  282,  ist  geneigt,  bassus  'diele  ganz 
von  bassus  *  niedrig*  zu  trennen,  vielleicht  ohne  noth:  bassus  konnte  das 
in  die  breite,  nicht  in  die  höhe  gehende,  das  gedrungene  bezeichnen,  worin 
sich  die  begriffe  dick  und  kurz  berühren.  —  Aus  dem  adjeetiv  entstand 
das  sbst.  it.  basso  untertheü,  fr.  bas  strumpf  (eigentl.  abgekürzt  aus  bas- 
de-chausse,  vgl.  haut-de-chausses),  sp.  baxos,  pg.  baixos  (pl.)  unter- 
üeider,  auch  fußbekleidung,  ein  wort,  womit  das  lat.  baxea  (ort  schuhe, 
bei  Plautus),  welches  fr.  baisse  erzeugt  haben  würde,  gewiss  nicht  zu- 
satnmenhängt. 

Bastardo  it.  sp.  pg.,  bastart^r.,  bätard/r.,  miat.  bastardus  wenig- 
stens  seit  dem  11.  jh.  uneheliches  Und.  Entstehung  aus  dem  folgenden 
basto  ist  wohl  kaum  zu  bezweifeln,  da  auch  dttfr.  fils  de  bast,  entstellt 
fils  de  bas,  gesagt  ward:  fille  de  bast  schon  im  Aubery  p.  11,  fröre  de 
bas  bei  Carpentier,  fille  le  roy  Henris  de  bas  (im  reime)  DC.  Aufweiche 


46  I.   BASTO-BATTERE. 

anschauung  sich  aber  dieser  ausdruck  €kind  des  saumsattels*  besieht,  ist 
nicht  so  leicht  ins  klare  zu  bringen.  —  [Mahn  p.  17  gibt  eine  anspre- 
chende erldärung  dieses  ausdrucks.  Das  deutsche  bankert  kommt  bekannt- 
lich von  bank  und  heißt  eigentlich  der  auf  der  bank,  im  gegensatze  mm 
bett,  erzeugte  (vgl.  Grimms  R.  A.  475).  Der  roman.  ausdruck  kind  des 
saumsattels  gieng  dagegen  im  Süden,  in  der  Provence  oder  Spanien,  am 
den  sitten  der  maulthiertreiber  hervor,  die  sich  in  den  wkrthshäusern  ihre 
betten  van  saumsätteln  machten  und  dort  mit  den  mägden  verkehr  hatten. 
Ein  beispiel  dieses  Verkehrs  findet  sich  im  D.  Quixote  1,  16.  —  Auch 
Gachet  hat  sich  an  diesem  worte  versucht.  Nach  ihm  ist  bastard  nur  ein 
bildlicher  ausdruck  und  bezeichnet  eigentlich  den  nebenschoßling  oder 
schmarotzerzweig  eines  baumes,  der  am  fuße  desselben  hervorwächst,  vgl. 
dazu  avoutre  IL  c.  Man  hätte  also  an  bas  'tief  unten  zu  denken,-  aber 
dem  widerspricht  die  form  mit  st  bast  entschieden.] 

Basto  it.  sp.,  bast  pr,,  b&t  fr.  saumsaüd;  vb.  pr.  bastar,  fr. 
bäter  satteln.  Man  erinnert  an  das  deutsche  bast,  weil  die  sättd  etwa 
damit  befestigt  worden  seien.  Vergleicht  man  aber  bastone  stock,  so 
wird  man  für  basto  eher  auf  die  bed.  stütze,  unterläge,  worauf  die  last 
ruht,  verwiesen,  und  vielleicht  haben  wir  in  ihm  ein  wort  der  römischen 
Volkssprache  vor  uns,  zusammenhängend,  wie  man  auch  sonst  schon  be- 
hauptet hat,  mit  gr.  ßaovaueiv  stützen,  ßaaza^  lastträger;  an  diesen  stamm 
mahnt  auch  das  spätere  lat.  basterna  sanfte,  worüber  J.  Grimm,  Gesch. 
d.  d.  sp.  p.  461,  allerdings  andrer  meinung  ist.  Dem  gr.  ßaoraj;  aber 
entspricht  buchstäblich  das  gleichbed.  pr.  bastais,  cot.  bastax,  sp.  bastage, 
it.  bastagio.  Desselben  Ursprunges  ist,  außer  dem  eben  erwähnten  it. 
bastone  (fr.  bäton,  woi.  beston  u.  s.  f.),  auch  it.  bastire,  altsp.  pr. 
bastir,  fr.  bätir  bauen  (eigentl.  stützen?),  woher  altsp.  pr.  bastida,  it. 
bastia,  bastione,  fr.  bastille  u.  a.;  dsgl.  sp.  pg.  basto  angefaßt, 
dicht  (daher  die  eigenthümlich  span.  bed.  dick,  grob,  auch  im  morat. 
sinne);  vb.  it.  bastare,  sp.  pg.  pr.  bastar  hinreichen  (eigentl.  ausfüllen, 
wie  sp.  harto  gefallt,  hinreichend),  ven.  bastare  hemmen  (stopfen),  altsp. 
auch  bastir  versorgen  PC.  =  bastir  bauen.  —  Eine  andre  bedeutung 
zeigen  die  Wörter  it.  sp.  pg.  cat.  basta  heftnaht,  Steppnaht,  fr.  bätir,  sp. 
bastear,  it.  imbastare,  sp.  cat.  embastar  mit  weiten  sticken  'nähen.  Sie 
erinnern  an  ahd.  bestan  flicken,  mhd.  besten  schnüren,  dies  vom  sbst. 
bast;  aber  bastire  reicht  dafür  aus,  wenn  man  die  im  prov.  üblichen  bedd. 
einrichten,  zusammenfügen,  berücksichtigt. 

Battere  it.,  sp.  batir,  pg.  bater,  pr.  batre,  fr.  battre,  wal.  bäte, 
auch  serb.  bätati  schlagen;  von  batuere,  auf  roman.  weise  in  batere  ver- 
kürzt. Wie  selten  man  dies  wort  bei  den  Alten  liest,  um  so  üblicher  ist 
es  schon  im  frühesten  mlatein.  Es  mußte  sich  jedoch  eine  neue  flexion 
gefallen  lassen:  perf.  battidi  L.  Sah,  L.  Long,  (wie  prendidi,  ostendidi), 
pari,  battutus  Decret.  Child.  (um  595).  Unter  den  zahlreichen  ableitun- 
gen  ist  zu  erwähnen  it.  battaglia,  sp.  batalla,  fr.  bataiüe,  wal.  b$täe 
Schlacht,  schon  bei  Adamantius  Martyr.  batualia,   quae  vulgo   battalia 


I.   BATTIFREDO-BECCO.  47 

dicuntur;  ferner  it.  battaglio,  batacchio,  sp.  badajo  für  batajo  klopfet; 
it.  battigia  fallende  sucht;  sp.  batan  Walkmühle;  pr.  bataria  Schlägerei, 
fr.  batterie  aufgestelltes  geschätz. 

Battifredo  it.,  beffroi  fr.,  alt  berfroi,  beffroit,  wachtthurm;  vom 
mhd.  bercvrit,  bervrit  zum  schütz  oder  angriff  dienender  thurm,  mlat. 
berfredus,  belfredus.  Die  ital.  form  lehnt  sich  durch  umdeutung  an  battere. 

Batto  it.  ruderschiff;  daher  battello,  sp.  batel,  pr.  batelh,  fr. 
bateall  naehen;  stimmt  zu  ags.  bat,  altn.  bätr  kleines  schiff,  vgl.  kymr. 
bäd  boot. 

Baüle  it.,  sp.  baül,  pg.  bahül,  bahü,  pr.  baue,  fr.  bahut  koffer, 
feUeisen.  Unter  diesen  abweichenden  formen  die  ursprünglichste  zu  er- 
mitteln, ist  nicht  wohl  möglich.  Besitzt  sie  z.  b.  der  Spanier,  so  könnte 
das  wort  aus  bajnlus  träger  wie  gerla  tragkorb  aus  gerula  sich  gestaltet 
haben,  indem  der  accent  fortrückte,  wie  dies  in  casulla  aus  casula  aner- 
kannt werden  muß.  —  [Die  bekannte  deutung  französischer  philologen 
aus  dem  deutschen  behüten  war  unzulässig,  weil  nur  ein  Substantiv  genüge 
ihat.  Ein  solches  weist  nun  Mahn  p.  89  aus  den  unterdess  erschienenen 
Wörterbüchern  nach:  mhd.  behuot  bewahrung,  schütz  Müller  1,  732,  behut 
magazin  Grimm.  Daß  hochd.  uo  =  gofh.  6  romanisch  als  u,  nicht  als 
o  auftritt,  ist  selten  und  läßt  spätere  einfuhrung  vermuthen.] 

Bara  it^  sp.pg.  baba,  fr.  bave  genfer;  vb.pg.pr.  barar,  fr.  baver, 
sp.  babear  geifern.  Es  scheint  ursprünglich  ein  naturausdruck,  das  mit 
lallen  (gr.  ßaßaCetv,  vgl.  alban.  beb?,  kleines  Jcind)  begleitete  geifern  der 
Säuglinge  zu  bezeichnen,  darum  heißt  dttfr.  bave  eben  sowohl  unverstän- 
diges kindisches  geplauder,  baveux,  bavard,  pr.  bavec  plauderhaft, 
und  das  steil,  vava  einigt  die  begriffe  geifer  und  Jcind.  Hieher  sp.  ba- 
bieea  albern  (urspr.  geifernd,  daher  pf er  dename?),  babosa  Schnecke  u.  a., 
vb.  eat.  embabieear,  pg.  embabacar,  sp.  embaucar  hintergehen,  zum 
besten  haben. 

Bazza  it.,  sp.  baza,  cat.  basa,  gutes  glück,  stich  im  kartenspiel; 
affenbar  das  seltne  mhd.  bazze  gewinn,  gleicher  herkunft  mit  baz  (besser) 
s.  Mhd.  wb.,  ein  vermuthlich  durch  deutsche  söldner  verbreitetes  wort. 
Abgd.  it.  b&zzica  ein  kartenspiel,  bazzicare  mit  jemand  verkehren. 

Beccabungia  iL,  sp.  pg.  becabunga,  fr.  b£cabunga,  auch  russ. 
ibunka,  eine  ort  der  veronica;  vom  ndd.  beckebunge  (beck  back,  bunge 
hnotlen),  nhd.  bachbunge,  einer  der  sehr  wenigen  gemeinrom.  pflanzen- 
namen,  die  aus  dem  deutschen  genommen  wurden.  Das  franz.  wort  ist 
schlecht  assimiliert  und  wohl  kein  volksübliches:  man  sagt  dafür  berle  de 
rm&re,  auf  prov.  creissoun  kresse. 

Becco  it.,  pr.  fr.  bec,  pg.  bico  Schnabel,  spitze,  sp.  bico  schnabel- 
förmige spitze  von  gold  an  der  mutze.  Celtisches  wort:  cui  Tolosae  nato 
cogaomen  in  pueritia  Becco  fuerat,  id  valet  gallinacei  rostrum  Sueton. 
m  Viteü.  c.  18;  gael.  beic,  bret.  Wk,  auch  ndl.  bek.  Daher  pr.  beca 
haken,  vermuthlich  auch  fr.  beche  für  beche  grabscheit,  wiewohl  dltfr. 
besehe  gesehrieben  wird;  vb.it.  beccare,jpr.  bechar,  fr. becquer  hacken, 


48  I.    BEFFA-BERBICE. 

bScher  graben,  nhd.  bicken,  picken;  daher  ferner  it.  beccaccia,  fr. 
b^casse,  cat.  becada  Schnepfe  (langer  Schnabel);  fr.  böquille  krüeken- 
stock.  Zsgs.  fr.  aböquer  junge  vögel  füttern;  pg.  debicar  eine  speise 
leicht  berühren.  Im  ital.  bezzicare  mit  dem  Schnabel  hacken  (picken) 
mögen  sich  die  stamme  becco  und  pizza  (s.  unten)  gemischt  haben. 

Beffa  it.,  sp.  befa,  cdtfr.  beffe,  mit  a  altsp.  (Alex.)  und  pr.  bafa 
Verspottung;  vb.  it.  beffare,  sp.  befar,  alt  bafar  verspotten,  fr.  bafouer 
(mit  erweiterter  form,  etwa  lothringisch)  verächtlich  behandeln;  dazu  sp. 
bef  o  Unterlippe  des  pferdes,  als  adj.  dicklippig,  in  welcher  bedeutung 
auch  belfo  gesagt  wird,  cat.  bifi,  occ.  befe;  dsgl.  pic.  bafe  lecker- 
maul,  mautschelle.  VermutJüich  aus  dem  deutschen,  vgl.  bair.  ndl.  beffen 
bellen,  keifen.  Zu  thüring.  bäppe  maul  Frisch  J,  45''  stimmt  mail.  babbi, 
com.  bebb,  occ.  bebo  lippe\  gen.  !ä  beffe  heifit  die  lippen  gegen  einen 
spitzen.    Eine  abl.  ist  fr.  befiler  spotten,  engl,  baffle. 

Beiare  it.,  beler  fr.  blöken;  von  belare,  einer  seltnen  von  Varro 
gebrauchten  form  für  balare,  vgl.  in  dem  Vocabutarius  S.  GaU.  belat 
*pläzif  (blökt).  Daher  romagn.  be  geblöke,  cat.  be  schaff  norm,  bai  harn- 
mel,  vgl.  aber  auch  ähnliche  ausdrücke  s.  v.  bidet  II.  c. 

Ben  da  it.pr.,  lomb.  binda,  sp.  venda,  fr.  bände  vitta,  taenia,  fascia, 
vb.  bendare  ff.  fasciare  (ältfr.  bender  vincire  z.  b.  DMce.  p.  16h  13); 
vom  ahd.  binda,  vb.  ahd.  goth.  bindan.  ühserm  bündel,  engl,  bandle  ent- 
spricht ältfr.  boundel  Boq.  II,  518. 

Benna  it.  korbschiitten,  comask.  karren,  auch  der  dazu  gehörige  korb, 
churw.  fuhrwerk  auf  schleifsohlen,  fr.  banne  korb  für  lastthiere,  großes 
tuch  zum  schute  der  waaren,  altfr,  benne;  abgel.  com.  benöla,  chw.  ban- 
aigl,  fr.  banneau,  benneau,  bannet on  u.  dgl.  Von  dem  auch  durch 
die  german.  sprachen  verbreiteten  worte  sagt  Festus:  benna  lingua  gallica 
genus  vehiculi  appellatur,  und  in  dieser  bedeutung  und  in  der  eines  ge- 
fäfies  braucht  es  auch  das  nüatein,  z.  b.  Haec  omnia  vehiculo,  qnod 
vulgo  benna  dicitur,  imposuit  Flodoard.  Coxit  panes  et  carnes  et  ac- 
cepit  ceryisiam  in  vasculis,  prout  potuit,  quae  omnia  in  vase,  qnod 
vulgo  benna  dicitur,  collocavit  Vit.  S.  Remig  (DG).  Damit  ist  au  ver- 
binden sp.  cat.  neupr.  banasta,  altfr.  banaste  großer  korb:  stammt  es, 
was  kaum  zu  bezweifeln  ist,  von  benna,  so  muß,  da  ein  selbständiges 
suffix  ast  unerweislich  ist,  dies  aus  dem  suffix  aster  abgekürzt  sein,  wie 
denn  das  wort  cdtfr.  auch  banastre  Ren.  I,  149,  piem.  ebenso  lautet;  aus 
goth.  bansts  a7to$rjY.r]  konnte  banasta  nicht  entstehen,  weil  eingeschobene 
voccie  nicht  betont  zu  werden  pflegen,  und  ein  dem  goth.  worte  entspre- 
chendes ahd.  banasta  annehmen,  ist  bei  dem  grade  vor  s  oder  st  selten 
vorkommenden  eintritt  des  derivativen  a  jedenfalls  bedenklicher  als  der 
durchgang  von  banasta  durch  ein  rom.  ban&stra.  Buchstäblich  dem  goth. 
banst  entspricht  nur  das  mundartl.  fr.  banse  (f.)  großer  korb,  wiege,  mlat. 
bansta,  vgl.  GruSrard,  Polypt.  d!Irmin.  p.  315,  auch  im  deutschen  einhei- 
misch, s.  Grimms  wb.  v.  banse. 

Berbice  it.,  pr.  berbitz,  fr.  brebis,  pic.  berbis  (f.)  schaf,  wal,  ber- 


I.  BERGAMOTTA-BERTOVELLO.  49 

beace  widder;  von  berbex,  einer  bei  Petronius  vorkommenden  gemeinen 
form  für  vervex  hammel,  s.  Schneiders  Lot.  gramm.  II,  227,  mlat.  berbix 
in  den  ältesten  Schriftwerken.  Daher  pr.  b  er  gier,  fr.  berger  schäfer, 
in  frühem  mlatein  berbicarius;  altfr.  bercil  schafstall,  gleichsam  vervecile; 
nfr.  bercail  dass.,  mit  vervecale  zu  erklären. 

Bergamotta  sc.  pera  it.,  sp.  bergamota,  fr.  bergamote  eine  art 
birnen;  aus  dem  türkischen  beg  armödi  d.  i.  herrenbirne,  so  genannt  wegen 
ihres  Wohlgeschmacks. 

B6rnia  und  sbernia  it.,  sp.  bernia,  fr.  bernie,  berne  (bei  Nicot) 
ein  grober  stoff  zu  mänteln  so  wie  der  daraus  verfertigte  mantel;  von 
Hibernia,  woher  der  stoff  kam  (Nicot,  Covarruvias,  Menage).  Entsprechend 
sp.  holanda  holländische  lemwand,  vom  ländemamen  Holanda  u.  a.  fälle. 

Berretta  it.,  sp.  birreta,  pr.  «berreta,  barreta,  fr.  barrette  mutze, 
masc.  dUsp.  barrete,  pr.  birret  dass.;  vom  spätem  lat.  birrus  (byrrhus) 
iZeid  von  flockigem  stoff,  s.  bujo.  Eine  Urkunde  v.  j.  532  Breq.  p.  47 
hat  birreto  auriculari. 

Berta  it.  fopperei}  lomb.  piem.  elster,  plaudertasche;  vb.  berteg- 
giare  foppen;  pr.  bertaut  armer  wicht?  PO.  134,  henneg.  bertaud 
castriert,  vb.  bertaud  er  castrieren,  fr.  bretauder,  com.  bertolda  die  ohren 
stutzen,  die  haare  abscheren,  altfr.  foppen,  quälen  NFC.  II,  184;  it.  b er- 
töne pferd  mit  gestutzten  ohren;  bertuccio  äffe.  Woher  dieser  stamm 
bert  oder  bret,  der  Verstümmelung,  Verhöhnung  bedeuten  muß?  Darf  man 
erinnern  an  aMn.  britia  in  stücke  schneiden,  oder  an  bretöu  im  Bude- 
brandslied,  das  Lachmann  verstümmeln,  Grimm  IV,  710  zermalmen  über- 
setzt? Ital.  berta  heißt  aber  auch  ein  Werkzeug,  womit  man  pfähle  in  die 
erde  stampft,  ramme,  Jungfer,  fr.  demoiselle,  russ.  bdba  weih,  ramme. 
und  wenn  man  erwägt,  daß  die  grauenhafte  eiserne  Bertha  der  deutschen 
sage  auch  den  namen  Stempfe  führt,  mit  deren  stampfen  oder  treten  die 
kinder  bedroht  wurden  {Grimms  Myth.  p.  256),  so  ist  die  herkunft  des 
ital.  Wortes  deutlich  genug.  Ob  etwa  auch  die  übrigen  roman.  Wörter  da- 
mit zusammenhängen  oder  eigne  quellen  haben,  wird  sich  minder  leicht 
ins  reine  bringen  lassen. 

Bertesca  und  baltresca  it.  streitgerüste  an  mauern  oder  thürmen 
zum  aufziehen  und  niederlassen,  pr.  bertresca,  altfr.  bretesche  kleines 
hölzernes  mit  zinnen  versehenes  castell}  deren  mehrere  zw  befestigung 
eines  ortes  angelegt  wurden,  z.  b.  et  a  una  bertresca  sobre  cascun  pilar 
e  podon  en  cascuna  xx  cavayer  estar  Fer.  2337,  vgl.  Ducange  v.  bre- 
taehiae.  Seine  herkunft  betreffend,  so  hat  das  von  Chevallet  aufgestellte 
deutsche  brett-dach  in  dieser  spräche  selbst  kein  dasein  und  befriedigt 
nicht  einmal  die  form.  Eine  besser  begründete  deutung  aus  dem  ein- 
fachen breit  mit  romanischer  endung  gibt  Mahn  p.  121.  Auch  m  pre- 
della  II  a  und  in  brelan  II.  c  hat,  der  Romane  das  deutsche  wort  benutzt. 

Bertovello  it.  fischreuse.  Wer  fühlt  nicht  darin  das  bekannte 
vertebolum  der  L.  Scd.,  womit  ein  geräthe  zum  fischfang  benannt  wird? 
si  qtris  statuale,  tremacle  aut  vertebolum  (al.  vertivolo)  furaverit.    Aus 

4 


50  I.   BETULA-BIADO. 

vertebra  floß  vertebulum,  hieraus  entstand  mü  vertauschtem  suffix  (wie 
aus  martulus  martello)  das  ital.  wort,  ven.  bertevolo,  piem.  crem.  mail. 
bertavel,  com.  bertavelle  und  bertarel;  in  ollen  diesen  mundarten  heißt  es 
auch  ein  ähnliches  geräthe  zum  Vogelfang.  Vertebulum  aber  zog  seine 
bedeutung  unmittelbar  aus  dem  vb.  vertere,  nicht  aus  vertebra:  die  reuse 
heißt  so,  weil  ihr  hals  nach  innen  gekehrt,  umgewandt  ist.  Für  diese 
auffassung  gewährt  die  ital.  spräche  einen  unzweifelhaften  beleg,  indem 
der  hals  oder  die  mündung  der  reuse  ritroso  =  retrorsus  (etwas  rückwärts 
gekehrtes)  genannt  wird.  Bertovello  bedeutet  auch  ofenbrücke,  ein  Werk- 
zeug zum  umwenden  der  kohlen.  Es  ist  also  an  verriculum  (zugnetz) 
nicht  zu  denken,  woraus  das  salische  wort  grammatisch  nicht  entstehen 
konnte.  Aber  auch  im  franz.  läßt  es  sich  wahrnehmen:  verveux,  richti- 
ger verveu,  wie  man  sonst  schrieb,  heißt  eine  reuse  von  garn,  für  vertveu 
=  vertovello,  bertovello;  näher  jedoch  kommt  letzterem  das  limous. 
vertuel.  Man  sehe  Pott,  Platflat.  402,  wo  bereits  verveu  mit  vertebolum 
verglichen  ist.  • 

Bätula,  betulla  it.  pg.,  dsgl.  it.  bedello  (crem,  b^ddol),  cot.  bedoll, 
sp.  abedul,  pic.  champ.  boule  {für  beoule?),  daher  fr.  bouleau  (dimin. 
für  beouleau)  birke;  von  betula,  betulla,  celtischen  Ursprungs,  in  primi- 
tiver gestalt  neupr.  cat.  bes  =  com.  betho,  bezo,  kymr.  bedu,  bret.  b6z6, 
gael.  beth,  s.  Diefenbach,  Orig.  eurqp.  p.  257. 

B^vero  it.,  sp.  bibaro,  alt  befre,  fr.  bievre,  wal.  breb,  neupr.  vibre 
ein  in  den  nördlichen  gegenden  lebendes  säugethier,  biber,  altn.  bifr,  ags. 
befor,  beofer,  aM.  bibar,  lith.  bebru,  russ.  bober,  gael.  beabhar,  com. 
befer.  Es  ist  identisch  mit  lat.  fiber,  dessen  aspirata  im  germanischen, 
lithauischen,  slavischen  und  celtischen  nach  gemeiner  regel  zur  media  wer- 
den mußte,  vgl.  Zeuß,  I,  44.  Bebrinus  adj.  findet  sich  in  den  scholien  zum 
Juvenal  12,  34. 

Biado  it.,  pr.  cat.  blat,  cdtfr.  bied,  bleif,  nfr.  bW,  fem.  it.  biada, 
mail.  ven.  piem.  biava  (vgl.  Rovigo  aus  Bhodigium),  altfr.  bl6e  getreide, 
sowohl  der  heim  wie  das  körn;  fehlt  span.  Daher  pr.  bladaria,  cdtfr. 
biairie  weidezins]  zsgs.  it.  imbiadare,  fr.  embiaver  (für  embla-er)  mit 
getreide  besäen.  Die  gewöhnliche  herleitung  ist  aus  dem  ags.  blsed  (f.) 
frucht,  glück,  segen;  wie  aber  überhaupt  nur  sehr  wenige  alte  roman. 
worter  aus  der  landwirthschaft  den  german.  sprachen  entlehnt  sind,  so  ist 
eine  solche  entlehnung  aus  dem  entlegeneren  angelsächsischen  kaum  anzu- 
nehmen, ja  blaed  mag  aus  dem  roman.  entlehnt  sein  wie  ahd.  fruht  aus 
lat.  fructus.  J.  Grimm  gesch.  d.  d.  spr.  p.  69  denkt  lieber  an  kymr. 
blawd  mehl,  dem  aber,  so  wie  es  vorliegt,  das  roman.  wort  nicht  gemäß 
ist.  Der  ausdruck  ist  wichtig  genug  um  hier  eine  noch  unversuchte  deu- 
tung  zu  rechtfertigen.  Lat.  ablata  (neutr.  plur.)  gab  mit  dem  roman.  ar- 
tikd  r ablata,  V  abiada,  la  biada,  als  masc.  behandelt  il  biado:  es  bedeutet 
das  davon  getragene,  was  auch  unser  getreide  aussagt,  den  ertrag,  das 
geemtete:  ähnlich  scheint  unser  herbst  so  wie  das  gr.  xaQnog  das  geraffte, 
gesammelte  zu  bezeichnen  (s.  Schwencks  d.  wb.),  noch  abstracter  ist  das 


I.   BIANCO— BIAVO.  51 

sicil.  lavuri  arbeit,  fddfrüchte.  Mlat.  ablatum,  abladus,  abladium  für 
messis  kommt  wirklich  vor.  Die  erMärung  von  la  biada  aus  dem  articu- 
lierten  V  abiada  ist  nicht  einmal  streng  nöthig,  aus  ablata  konnte  durch 
aphärese  biada  entstehen.  Unter  den  italischen  mundarten  braucht  die 
cremonesische  biada  auch  für  oblata,  fr.  oublie.  —  [In  besiehung  auf 
Mohns  vertheidigung  der  celtischen  herkunft  p.  19  bemerkt  der  Krit.  an- 
hang:  'Eine  formelle  Schwierigkeit  liegt  nicht  vor,  denn  den  anlautenden  ton- 
losen vocal  gibt  die  Sprache  auch  sonst  auf  und  hier  mochte  es  um  so 
eher  gescheht*,  als  man  ihn  in  der  weiblichen  form  zum  artikel  rechnen 
konnte:  l'ablata  lautete  wie  la  blata.  Auch  die  doppelform  nach  beiden 
geschlechtem  ist  dieser  herleitung  günstig:  biado  ist  =  ablatnm,  biada 
=  plur.  ablata.  Die  herleitung  aus  kymr.  blawd  (mehl),  wofür  aber  das 
gacL  Math  (blüthe,  frucht)  passender  wäre,  da  jenes  ein  rom.  blaud,  blöd 
gegeben  hätte,  ist  sicher  aller  beachtung  werth:  ich  konnte  mich  aber  nicht 
darauf  einlassen,  weil  ich  mein  princip,  die  lateinische  herkunft  eines 
wortes  so  lange  festzuhalten,  als  buchstabe  und  begriff  es  erlauben,  nicht 
ohne  noth  verlasse**] 

Bianco  it.,  sp.  blanco,  pg.  branco,  pr.  blanc,  fr.  blanc  weiß;  vom 
ahd.  planch,  mhd.  u.  s.  w.  blanc  glänzend  weiß,  uberh.  weiß,  verwandt 
mit  blinken  (fehlt  goth.  alts.).  Im  roman.  ward  es  der  eigentliche,  volks- 
übliche ausdruck  für  tat.  albus,  welches  im  nordwesten  trotz  zahlreicher 
derivata  gänzlich  erlosch,  im  Südwesten  (sp.  albo,  pg.  alvo)  die  bed.  schnee- 
weiß, im  Hat.  die  bed.  trüblich  entwickelte.  Nur  im  churw.  und  walach., 
worin  blank  keine  aufnähme  fand,  blieb  ihm  sein  volles  recht. 

Biascin  sard.,  pr.  val.  altcat.  biais,  neucat.  biax,  fr.  biais  (sämmtl. 
tnasc.)  quere,  schiefe,  daher  wohl  pg.  viez  schrägheit,  mit  vorgefügtem  s 
it.  sbiescio  schräg  (vgl.  piem.  sbias,  npr.  esbiai);  vb.  sard.  sbiasciai, 
pr.  biaisar,  fr.  biaiser.  In  den  Isidor.  glossen  liest  man  bifax  cduos 
Kobens  öbtutus,  also  mit  doppeltem  blick,  schielend,  wie  sp.  bis-ojo  doppel- 
augig,  schielend  heißt,  bair.  zweiäugeln  schielen  Schmeller  IV,  299.  Aus 
bifax  (bis-fax  für  bis-oculus)  konnte  pr.  bifais  biais  werden  (vgl.  wegen 
des  syncopierten  f  refusar  reusar,  profundus  preon)  und  zwar  erst  als 
adjectiv  mit  der  bed.  schielend  oder  quer  (denn  auch  als  adjectiv  begegnet 
es:  via  biayssa  Ghx.  V,  64, ,  paranlas  biaisas  GProv.  85,  estivals  biais 
Harn.  2208),  nachher  als  Substantiv  gebraucht.  Mlat.  bifacies,  bifaciare 
Corp.  stimmen  ganz  zu  biais,  biaisar. 

Biasimo  it.,  dUsp.  blasmo,  pr.  blasme,  fr.  bläme  tadel;  vb.  bia- 
simare  ff.  tadeln;  von  ßlaoq>rj^ov  adj.,  ßhxag>rj/i€lv.  Ein  zweites  aus 
ßXaaq>T]juia  entstandenes  wort  mit  unorganischer  Vertretung  des  f  durch  t 
ist  it.  biastemma,  bestemmia,  chw.  blastemma,  pr.  blastenh,  altfr. 
blastenge,  wäl.  biestern  lästerung;  vb.  biastemmare  u.  s.  f.  lästern, 
fluchen;  mit  abgeworfenem  anlaut  (wie  in  lacio  für  flacio)  sp.  pg.  lästima 
Schimpfwort,  wehklage,  vb.  last  im  ar  mishanddn,  beleidigen,  zum  müleid 
bewegen. 

Biavo   it.  mdarti.  z.  b.  venez.,    auch   bei  BojarUo  2,  37,  altsp. 


52  I.   BICCHIERE-BIGIO. 

blavo,  pr.  blau  (fem.  blava),  fr.  bleu  (wie  peu  aus  pau),  cfaAer  it.  blü 
caertdeus;  dirn.  it.  biadetto;  zsgs.  sbiavato,  sbiadato;  vom  ahd.  blao, 
blaw.  Das  ti7or^  hat  sich  im  prov.  am  meisten  verbreitet:  blavenc,  bla- 
veza,  blaveiar,  blavairo,  emblauzir. 

Biccbiere  it.,  chw.  bich^r  trinkgefäß,  übrigens  mit  anlautender 
tenuisit.  p 6c eher o  pocal,  wal.  pehar  (wegen  des  letzteren  vgl.  Miklosich, 
Slav.  demente  im  Rumun.  p.  35),  pr.  altfr.  piehier,  pechier,  sp.  pg. 
pichel,  bask.  pitcherra  gefäß  zu  verschiedenen  zwecken:  die  IAvr.  d.  rois 
p.  256  übersetzen  z.  b.  auch  hamula  (kleiner  eimer)  mit  picher.  Im 
späteren  mlatein  bicarium,  picarium,  altn.  bikar,  ahd.  pehhar,  nhd.  becher. 
Festus  verzeichnet  ein  ähnliches  wart  bacar  *vas  vinarium',  wovon  aber 
bicchiere  mit  seinem  radicalen  i  weit  genug  absteht;  zu  ihm  bekennt  sich 
das  sieü.  b&cara  kleiner  krug.  Ital.  beeco  Schnabel  bedeutet  auch  die  enge 
mündung  eines  gefäßes,  diese  bedeutung  wäre  jedoch  auf  einen  becher  übd 
angewandt  Mit  recht  mag  man  es  darum  aus  dem  griechischen  herüber- 
leiten, worin  ßinot;  ein  irdenes  gefäß  ist:  hochdeutscher  einfluß  konnte 
b  in  p  schärfen,  it.  p6cchero  hat  sogar  deutschen  accent. 

Bicocca,  auch  bicciocca,  bicicocca,  it.  warte  oder  Meines  schloß 
auf  einem  berggipfel,  ven.  bicoca  baufälliges  haus,  sard.  bicocca  häuschen, 
treppe  mit  zwei  absätzen,  terrasse,  lomb.  gamwinde,  sp.  bicoca  steinernes 
Schilderhaus,  enges  stubchen,  schlecht  befestigter  ort,  fr.  bicoque  mit  letzterer 
bed.,  b i  co  q  (m.)  geißfuß,  ein  Werkzeug  mit  gespaltenem  ende  zum  herauf- 
ziehen einer  last;  vb.  lomb.  bicoca  hin  und  her  schwanken.  Dahin  wohl 
auch  einige  ausdrücke  für  kopfbedeckungen:  sp.  bicoquete  eine  bauern- 
mütze,  bi co  quin  mutze  mit  zwei  zipfeln,  piem.  bicochin  eine  priester- 
mütze.  Unsichere  herleitung:  soll  man  ein  derivatum  oder  ein  composi- 
tum darin  annehmen?  Menage  räth  auf  vicus.  Das  vortreten  der  zwei- 
zahl (zwei  absätze  der  treppe,  gespaltenes  d.  h.  doppeltes  enäe,  zwei  zipfel) 
läßt  auf  zss.  mit  bis  schließen,  minder  klar  ist  der  sinn  von  cocca  in  den 
verschiedenen  und  sehr  abweichenden  bedetUungen  des  Wortes. 

Bidello  it.,  sp.  pr.  bedel,  fr.  bedeau  gerichtsbote;  fußt  genau  auf 
dem  ahd.  petil  emissarius  Diut.  II,  47,  minder  genau  auf  dem  ags. 
bydel  praeco  =  ahd.  putil,  nhd.  büttel. 

Bigio  it.,  pr.  fr.  bis  hdlgrau,  aschgrau,  schwärzlich.  Damit  ist  zu 
verbinden  piem.  pr.  bisa,  fr.  bise  (auch  sp.  brisa?)  nordwind,  bret.  biz 
nordostwind,  altfr.  auch  nördliche  gegend,  norden,  z.  b'.  contre  bise  Brand, 
p.  131,  devers  bise  Antioch  II,  11:  denn  den  norden  nannte  man  dunkel 
oder  schwarz,,  so  lat.  aquilo  von  aquilus.  Den  namen  des  windes  bisa  kennt 
schon  unsre  älteste  hochd.  spräche,  Schweiz,  bise,  beise.  Ist  nun  die' 
wurzel  deutsch  und  der  name  der  färbe  aus  dem  der  weltgegend  abge- 
leitet? Isaac  Vossius  (Menage,  Orig.  d.  ling.  ital.  p.  609)  gibt  eine 
etymologie,  die  alle  rücksicht  verdient.  Er  verweist  auf  das  formell  genau 
zustimmende  lat.  bysseus,  welches  baumwollenzeug  heißen  müßte,  in  seiner 
bedeutung  aber,  wie  andre  ausdrücke  für  färben,  ausgeartet  wäre.  Aber 
ßiooog  bedeutet  auch  die  braune  seide  der  pinna  marina,  die  viel  verwebt 


I.    BIGLIA-BINOCOLO.  53 

ward,  und  in  dieser  hinsieht  würde  bysseus  ganz  wohl  passen.  Was 
dieser  herleitung  aber  noch  besseren  halt  gibt,  ist  das  mit  bigio  gleichbed. 
pg.  buzio,  welches  gleichfalls  aus  bysseus  entstehen  konnte,  da  ja  das 
griech.  v  mit  i  sowohl  wie  mit  u  ausgedrückt  ward;  dies  letztere  wort 
kennt  auch  Älfric  in  der  form  busius  falb,  s.  Ducange.  Die  Vereinfachung 
des  es  im  fem.  bisa,  bise  macht  keine  Schwierigkeit:  sie  ist  dieselbe  wie 
im  partic.  misa,  mise  =  lat.  missa.  Abgel.  it.  bigione  feigendrossel, 
fr.  biset  holetaube,  beide  nach  der  färbe  benannt.  —  [Mahn  p.  87  be- 
zweifelt die  obige  deutung  aus  einem  unvorhandenen  bysseus  und  gründet 
das  wort  auf  bask.  baltza  oder  beltza  schwäre,  wofür  er  die  formen  baza, 
beza  als  berechtigte  aufstellt.  'Aber  auch  diese  syncopierten  formen  können 
das  rotnan.  wort  nicht  befriedigen,  welchem,  vornehmlich  dem  it.  bigio, 
nur  ein  radicdles  i  gerecht  ist,  denn  dieser  vocal  repräsentiert  in  tonsilben 
(ein  paar  fälle  vor  mehrfacher  consonanz  abgerechnet)  überall  den  gleichen 
vocal  der  grundsprachen.  Gegen  die  herkunft  eines  ital.  prov.  franz.  dem 
»Spanier  unbekannten,  wenigstens  in  derselben  form  unbekannten  Wortes 
aus  dem  baskischen  kann  ich  überhaupt  meine  zweifei  nicht  überwinden. 
Menage  dachte  an  piceus,  dllein  die  bedeutung  pechschwarz  schreckte  ihn 
ab.  Das  wäre  nun  kein  großes  bedenken,  denn  das  pech  ist  nicht  so 
schwarz,  wie  man  es  macht;  allein  die  erweichung  eines  anlautenden  p  in 
b  ist  ein  seltener  und  immer  nur  auf  einzelne  Wörter  einzelner  gebiete  be- 
schränkter Vorgang,  so  daß  ich  nicht  darauf  einzugehen  wagte.  Neben 
dem  oben  aufgestellten  bysseus  dürfte  auch  bombyeius  erwogen  werden, 
dessen  erste  silbe  wegfiel,  wofür  es  nicht  an  Zeugnissen  fehlt  (mlat.  bacius 
Dief.  Gloss.  lat.  germ.  78r,  it.  baco,  sard.  basinu,  fr.  basin,  für  bomba- 
cius  cet.),  dessen  zweite  silbe  formen  mit  u  und  a  zeigt  (bambucinum  u. 
bumbaciura  DC,  it.  bambagio),  daher  das  pg.  buzio  und  wohl  auch  das 
sp.  bazo,  weiches  eher  hieher  gehört  als  zu  dem  bereits  in  bayo  vorhan- 
denen badius,  pan  bazo  wäre  also  genau  das  fr.  pain  bis.  Seidne  und 
baumwollene  Stoffe  kamen  in  Scharlach  oder  purpur  gefärbt  nach  Europa, 
vgl.  mlat.  bombicina  Scharlach  Dief.,  it.  bambagello  purpurschminke,  ahd. 
sidin  €coccineus*  Grajf.  Die  grundbedeutung  unseres  wortes  war  dunkel- 
farbig, altfr.  azur  bis  ist  dunkelblau,  vert  bis  dunkelgrün;  die  bed. 
schwärzlich  erfolgte  hieraus.  Bombyeius  empfiehlt  sich  besser  als  bysseus, 
theüs  weil  es  ein  vorhandenes  wort  ist,  theils  weil  sämmtliche  formen,  mit 
i,  u  und  a,  darin  ihre  rechtfertigung  finden.  Man  scheint  die  erste  silbe 
abgeändert  oder  weggelassen  zu  haben,  um  die  erinnerung  an  bombus  zu 
beseitigen.   Aus  dem  Krit.  anhang.] 

Biglia  it.,  sp.  billa,  fr.  bille  kugel  von  bein;  vermuthlich  vom  mhd. 
bickel  knöchlein,  würfet,  ndl.  bikkel  beinchen,  womit  die  kinder  spielen. 
Daher  abgel.  fr.  billard  kugelspiel,  billot  Motz.  Pr.  bilha  'ligneus 
ludus  GProv.  63*. 

Bilancia  it.,  maü.  ven.  sp.  balanza,  pr.  balansa,  fr.  balance  wage; 
van  bilani  bilancis. 

Binocolo  it.,  binoele  fr.  fernglas  für  zwei  äugen;  zsgs.  aus  bini  oculi. 


54  L   BIONDO— BIRRA. 

Biondo  it.,  pr.  blon  (fem.  blonda),  fr.  blond,  daher  sp.  blondo? 
(fehlt  pg.  und  cot.),  nhd.  blond  gleichfalls  aus  dem  franz.  (dafür  mhd. 
val  falb).  Man  hat  auf  apluda  hülsen  des  getreides,  kleie,  auch  auf 
bladum,  fr.  bl6,  verwiesen,  weil  die  färbe  des  reifen  getreides  der  blonden 
ähnlich  sei.  Das  einzige  buchstäblich  zutreffende  etymon,  das  die  sprachen 
gewahren,  findet  sich  im  ags.  blonden-feax  mischhaarig  d.  h.  grauhaarig 
(s.  Dief.  Goth.  wb.  I,  304),  aber  der  Übergang  vom  grauen  durch  das 
weiße  oder  hellfarbige  zum  blonden  ist  bei  aller  Veränderlichkeit  der  färben- 
begriffe  (s.  z.  b.  pardo  II.  b)  nicht  unbedenklich.  Vielleicht  hilft  ein 
anderes  deutsches  wort.  Ist  blond,  das  nur  vom  haar  gebraucht  wird, 
etwa  eine  rhinistische  form  aus  dem  ältn.  bland,  dän.  blöd,  schwed.  blöt 
sanft,  weich,  nämlich  von  färbe  oder  beschaff enheit?  Dem  entspricht  auch 
ein  bret.  blöd,  über  dessen  verhalten  in  den  schwestersprachen  s.  Dief. 
I.  c.  p.  308.  Zu  beachten  ist,  daß  der  Älbanese  beide  begriffe,  blond  und 
sanft,  mit  demselben  worte  (russ)  ausdrückt.  Zu  blond  kommt  noch  die 
prov.  und  aitfr.  nebenform  bloi,  welche  unmittelbar  auf  blöd  {vgl.  dUfr. 
goi  aus  god)  leitet.  Bloi  ist  lichtfarb  oder  gelb,  besonders  von  blumen 
und  vom  haupthaar  gebraucht,  in  späterm  mlatein  bloius,  blodius.  Das 
haupthaar  der  schonen  Isolt  wird  daher  ohne  unterschied  blond  und  bloi 
genannt :  pr.  Yseut  la  blonda  PO.  p.  9,  Ysseulz  ab  lo  pel  bloy  Chx. 
III,  204.  Eine  äbl.  ist  it.  biondella  tausendgülderikraut,  weil  es  zum 
blondfärben  gebraucht  wird. 

Biotto  it.  armselig,  elend,  lomb.  biott,  blot,  chw.  blutt  nackt,  ven. 
bioto  einfach,  lauter,  pr.  altfr.  blos  entblößt,  beraubt  (in  letzterer  spräche 
selten,  s.  Altrom.  sprachd.  p.  51),  neupr.  blous  pur  (z.  b.  aigua  blousa), 
moden.  bioss  nackt,  auch  bask.  buluza.  Deutsches  wort,  bair.  blutt, 
Schweiz,  blutt  und  blutz,  vb.  blatten,  mlat.  in  der  L.  Long,  blutare  aus- 
leeren, dsgl.  mit  z  mhd.  blöz,  woher  das  pr.  blos,  dem  bereits  ein  ahd. 
bl6z  die  form  gewiesen  haben  muß.  Im  maüänd.  ist  nudus  durch  biott 
fast  ganz  verdrängt  worden. 

Biroccio,  baroccio  it.  zweirädriges  fuhrwerk,  daher  sp.  barrocho; 
sicher  von  birotus,  aber,  wie  es  scheint,  dem  suffix  occio,  z.  b.  in  car- 
roccio,  angebüdet.  Das  franz.  wort  ist  brouette  zweirädriger  hand- 
wagen,  für  bi-rouette,  wallon.  berwette,  bei  Ph.  Mousket  bouroaite.  Von 
biroccio  ist  unser  birutsche;  von  der  form  birozzo  (venez.)  scheint  protze, 
protzwagen,  die  syncope  des  i  auch  im  sie.  brocciu,  chw.  bröz. 

Birra  it.,  fr.  biere,  wal.  beare  ein  getränk.  Das  ital.  wort.  (ven. 
bira)  ist  aus  dem  nhd.  bier,  das  franz.  aus  dem  mhd.  bier ;  der  genus- 
wechsel  hat  wenig  zu  bedeuten.  Altere  deutsche  formen  sind  ahd.  beor, 
bior,  ags.  beor,  aitn.  bior.  Auch  die  celtischen  sprachen  besitzen  es: 
gaü.  beöir  (f.),  bret.  biorc'h  (m.).  Aber  weder  im  deutschen  noch  im 
celtischen  scheint  es  seine  würzet  zu  haben.  Nach  Wackemagtls  ver- 
muthung  (Haupts  Ztschr.  VI,  261)  ist  das  deutsche  bier  vielmehr  aus  dem 
syncopierten  lat.  infinitiv  bibere,  der  schon  im  ältesten  latein  in  der  form 
biber  als  Substantiv  üblich  war  und  trank  bedeutete  (mlat.  biberes  'potiones 


I.   BIS-BITTA.  55 

vd  parvi  calices*  Gl.  paris.  2685  Fb.),  it.  b6vere  bäere  bere,  sard.  biere, 
und  dieser  ansieht  neigt  sich  auch  Grimm  im  wb.  zu.  Schon  Vossius 
hatte  sie:  a  biber  extrito  b  est  belgicmn  bier,  s.  Etym.  lat.  s.  v.  bibo. 
Auch  im  wal.  heißt  bier  beutnre  d.  i.  trank  (IAvadit  Dictzionar);  engl. 
bevor  vesperbrot.  —  Eine  neuere  deutung  leitet  das  ahd.  bior  auf  ein  goth. 
*bius,  dies  auf  skr.  ptv,  ptb  =  pä  trinken  zurück,  worin  auch  slav.  pivo 
seine  quelle  hat,  s.  Ztschr.  für  vergl.  sprachf.  V,  369,  VII,  224.  Dem 
Spanier  fehlt  das  wort,  dessen  stelle  vertritt  cerveza,  so  auch  pg.  cer- 
veja,  pr.  cerveza  Eluc.,  altfr.  cervoise,  it.  cervigia,  cervogia,  cervosa 
(beide  letztere  aus  dem  franz.)  =  lat.  cerevisia,  cervisia,  sicher  der  ältere 
romanische  über  alle  provinzen  verbreitete  ausdruck. 

Bis  eigenthümlich  vornan,  nur  in  Zusammensetzungen  übliche  Par- 
tikel, die  das  ungehörige,  unächte,  verkehrte  ausdrückt  und  sich  zuweilen 
in  die  formen  ber  oder  bar  kleidet:  it.  biscantare  nicht  ordentlich  singen, 
trauern,  pr.  beslei  verkehrter  glaube,  it.  barlume  für  bislume  schwaches 
licht,  fr.  bertouser  (bei  Menage)  ungleich  scheren,  piem.  berliche  ein 
wenig  belecken,  berlaita  molken  (unächte,  geringe  milch,  fr.  petit  lait), 
vgl.  Born,  gramm.  II,  435.  Aber  woher  diese  partikd?  Gegen  lat.  bis 
sträubt  sich  der  begriff,  gegen  das  deutsche  miß  die  form,  gegen  bret.  besk 
(abgestutzt)  beides,  besk-aigre  z.  b.  hätte  unfehlbar  fr.  böchaigre  gegeben 
statt  besaigre;  zusammenziehung  aus  fr.  biais  wäre  zu  stark.  Sollte  es 
aus  lat.  vice  entstanden  sein?  Vicedominus  *.  b.  ist  der  Stellvertreter 
des  herrn,  nicht  der  rechte  herr,  und  so  biscantare  nicht  das  rechte  singen, 
bislume  nicht  das  rechte  licht.  Lat.  v  als  anlaut  wird  ital  und  span. 
lackt  zu  b,  franz.  freilich  nicht  so  leicht,  und  eben  darum  ist  diese  er- 
Uärung  oder  die  aus  vix,  die  man  etwa  noch  vorbringen  könnte,  nicht  zu 
halten.  Aber  möglich  wäre,  daß  man  das  Zahladverb  bis,  sofern  es  in 
Zusammensetzungen  aus  dem  begriffe  des  doppelten  in  den  des  schiefen 
übergeht,  wie  im  sp.  bis-ojo  doppdaugig,  schielend,  fr.  bi-ais  doppelsicht, 
schiefe,  am  ende  auch  auf  alles  verkehrte,  ungehörige  angewandt  hätte, 
wie  im  altfr.  bes-ivre  schlimm  betrunken,  bes-order  übel  beflecken,  piem. 
bes-anca  verrenkt  (eigentl.  schlecht  in  den  hüften  sitzend)  heißt.  An  den- 
selben  Ursprung  mahnt  sp.  bisel,  occ.  bizel,  fr.  biseau  schiefe  ebene. 

Bisaccia  it.,  sp.  bisaza,  fr.  besace  quersack;  von  bisaccium  eigentl. 
doppelsack,  plur.  bisaccia,  bei  Petronius.  Dsgl.  pr.  fr.  bissac,  piem. 
bereac,  bersacca,  sard.  brisacca,  barsacca,  von  bis-saecns.  Für  bisaza 
findet  sich  sp.  biaza,  vermuthlich  durch  anlehnung  an  via,  viage  reise,  da 
8  sonst  nicht  ausfällt;  auch  neupr.  biassa. 

Bisante  it.,  sp.  pg.  besante,  pr.  bezan,  fr.  besant  eine  byzan- 
tinische münze,  mlat.  byzantius,  auch  byzantus,  gr.  ßvtavxtog,  dessen  % 
hier  keine  schärfung  in  z  erfuhr. 

Biscotto  it.,  sp.  bizcocho,  pr.  biscueit,  fr.  biseuit,  ztvieback;  von 
bis  coctuß.    So  auch  it.  guascotto  adj.  halbgar,  von  quasi  coctus. 

Bitta  it.,  sp.  cot.  bita,  fr.  bitte  stück  holz  zu  verschiedenem  gebrauch, 
pfähl;  wohl  vom  alin.  biti  querbalken,  engl,  bit,  Schweiz,  bissen ;  vgl.  in 
den  Erfurter  glossen  p.  279*  bitus  'lignum,  quo  vineti  flagellantur. 


56  I.   B1ZZAKB0-B0CA. 

Bizzarro  it.  zornig,  eigensinnig,  seltsam,  lebhaft,  $p.  pg.  bizarro 
ritterlich,  prächtig,  freigebig,  fr.  bizarre  wunderlich.  Für  das  ital.  wort 
gibt  es  ein  primitiv  bizza  zorn,  das,  wenn  es  nicht  etwa  deutschen  Ur- 
sprunges ist  (vgl.  ahd.  bizön  knirschen),  aus  dem  fremden  bizzarro  abge- 
zogen sein  muß,  da  arr  kein  ital.  suffix  ist.  über  das  spart,  wort  läßt 
sich  nur  sagen,  daß  es  sich  mit  gleicher  bedeutung  auch  im  baskischen 
findet  und  daß  hier  noch  ein  subst.  bizarra  bart  vorkommt,  welches  Larrar 
mendi  in  biz  arra  'er  sei  männlich'  zerlegt  und  die  weiteren  span.  be- 
deutungen  daraus  ableitet.  —  [Mahn,  Etym.  unters,  p.  137  ff.,  leitet  es 
entschieden:  aus  dem  bemerkten  bask.  bizarra,  worin  biz  die  würzet,  arra 
die  endung,  tapfer  die  Urbedeutung  sein  muß.] 

Blasone  it.  Wappenkunde,  sp.  blason,  pg.  brasao  wappen,  dsgl. 
rühm,  preis,  fr.  blason  wappen,  Wappenkunde,  engl,  blazon;  vb.  it.  bla- 
sonare,  fr.  blasonner  wappen  malen,  sp.  blasonar  rühmen,  sich  rühmen. 
Am  frühsten  bemerkt  man  dies  wort  in  Frankreich,  wo  es  schild,  eigentl. 
wohl  Wappenschild  bedeutet  (Aubri  im  Fer.  161h,  Alex.  p.  22,  29),  im 
prov.  hat  es  die  ziemlich  abweichende  form  blezo,  blizo:  blezos  cubertz 
de  teins  e  blancs  e  blaus  wappenschilde  mit  weißen  und  blauen  färben 
bedeckt  LR.  I,  338.  Der  valencianische  wappendichter  Jaume  Febrer 
(gegen  ende  des  13.  jh.)  braucht  blasö  theils  für  wappen  oder  wappen- 
zeichen (armes  6  blasö  str.  9),  theils  für  rühm  oder  glänz  (llustre  6  blasö 
str.  2),  also  schon  ganz  im  neuspan.  sinne;  die  bed.  Wappenkunde  ist  erst 
später  und  zwar  in  Frankreich  hineingelegt  worden.  Sein  Ursprung  kann 
kaum  zweifelhaft  sein :  er  liegt  im  ags.  blase,  engl,  blaze,  mhd.  blas  bren- 
nende fackel,  daher  glänz  sowohl  als  auszeichnung  im  Schilde  wie  auch 
als  prunk  oder  rühm  verstanden.  8.  darüber  Bernd,  Wappenwissenschaft 
I,  344.  345,  E.  Müller  s.  v.  blaze. 

Bliaut  #r.  Chx.  V,  153,  auch  blizaut  Fer.  707,  dsgl.  blial,  bliau, 
cdtfr.  bliaut  ein  kleidungsstück  von  verschiedenem  stoff  (nüat.  z.  b.  bliaa- 
dus  canabinus,  fustaneus,  fr.  bliaut  de  soie,  sebelin  HBord.),  eine  tunica 
sowohl  für  mannet  wie  für  frauen,  sp.  pg.  brial  bloß  für  frauen,  fehlt 
ital.,  findet  sich  aber  in  Frankreich  mundartlich  in  mancherlei  formen, 
bürg.  z.  b.  bei  La  Monnoye  biaude  mit  der  bed.  souqueniile.  Während 
das  roman.  wort  nur  ein  kleidungsstück  zu  bezeichnen  scheint,  wird  unter 
dem  mhd.  bitalt,  bltat  ein  seidner  goldstoff  zu  kleidern,  bettdecken  und 
dgl.  verstanden.  Wo  findet  sich  der  stamm  blt  oder  bltd  (letztere  form 
nach  pr.  blizaut  zu  vermuthen),  mit  dem  sich  die  Suffixe  ald  und  al  ver- 
banden? Ist  es  orientalisch?  Mahn  p.  40  findet  seinen  Ursprung  im 
persischen  baljäd  ein  kleidungsstück,  Vullers  I,  262b.  Ducangc  verweist 
aufkymr.  bliant  feines  leinenzeug,  das  im  celtischen  selbst  nicht  tourzelnd 
mit  dem  roman.  wort  zusammenhängen  dürfte,  cdtengl.  bleaunt,  blehand 
Halliwell. 

Boca  it.,  sp.  pg.  boga,  pr.  buga,  fr.  bogue  (Nemnich)  ein  fisch , 
meerbrassen;  vom  lat.  box  bocis  (m.)  bei  Plinius,  nach  dem  gr.  ßoa§,  /Jci£. 
Taulus  in  seinen  excerpten  aus  Festus  gibt  bereits  eine  halbroman.  form7 


I.   BOCCA-BOLLA.  57 

weiche  0.  Mutier  für  einen  acc.  plur.  halt :  bocas  cgenus  pisds  a  boando 
appellatur. 

Bocca  it.,  sp.  pg.  pr.  boca,  fr.  bouche  mund;  von  bucca  backen, 
auch  für  mund  oder  tnatd  gebraucht,  die  erstere  Bedeutung  nur  im  wal. 
buce  erhalten.  Prov.  bucela,  von  buccella  bei  Martial;  dsgl.  bossi, 
altfr.  boussin  bissen,  gleichsam  bucclnum;  sp.  bozal  maulkorb,  gleichsam 
bucceale  von  buccea  bissen. 

Boccale  it.,  sp.  fr.  wal.  bocal  krug,  becher,  pokal;  vom  nüat. 
baucalis,  dies  vom  gr.  ßavxdktov  gefäß,  ßavxalig  auf  einem  papyrus,  s. 
Letronne  im  Journ.  d.  sav.  1833  p.  478. 

Boja  cdtit.  s.  Lex.  rom.,  pr.  boia,  altfr.  buie  kette,  fessel,  daher 
mhd.  boije  dass.;  von  boja  bei  Plautus  und  andern:  bojae  'genus  vincu- 
lorum  tarn  ferreae  quam  ligneae  Festus.  Dasselbe  wort  ist  der  Schiffer- 
ausdruck  sp.  boya,  pg.  boie,  alt  fr.  boye,  nfr.  bou^e,  dtsch.  boje  u.  s.  w. 
ein  auf  dem  wasser  schwimmendes  mit  einem  seä  (boja)  befestigtes  stück  hol*. 

Boja  it.  henker,  auch  altsp.  boya,  neupr.  boiou,  wallon.  boie,  chw. 
bojer.  Ehe  man  sich  in  Untersuchungen  über  dieses  wort  vertiefe,  erwäge 
man,  daß  die  ital.  spräche  keine  mascülina  auf  a  bildet,  wohl  aber  femi- 
nina  auf  a  als  mascülina  behandelt  (il  camerata,  lo  spia),  das  wort  muß 
also  ein  schon  vorhandenes  sein,  vorhanden  aber  ist  im  latein.  und  altit. 
boja  fessel,  namentlich  hdlsfessel,  vgl.  Papias  bogia  'torques  damnatoruni , 
wozu  die  venez.  form  bogia  passt.  Dem  Spanier  ist  ruthe  und  henker 
dasselbe,  s.  verdugo  ZT.  b. 

Bolgia  it.,  altfr.  böge  ranzen,  neufr.  bouge  stübchen;  abgel.  sp. 
burjaca  schnappsack;  fr.  bougette  reisesack,  daher  altengl.  bogett, 
bougett,  neuengl.  budget,  letzteres  wieder  ins  franz.  eingeführt.  Es  ist 
das  lat.  bülga  bei  Lucilius,  welches  Festus  ein  von  den  Galliern  gebrauch- 
tes wort  nennt:  bulgas  Galli  sacculos  scorteos  vocant,  altirisch  bolc 
Zeuß  1,  17,  gael.  builg,  eben  sowohl  ahd.  bulga  (aus  dem  vb.  belgan 
schwellen).  Übrigens  fließen  die  roman.  formen,  wie  oft,  aus  einer  latein. 
adjectivbildung  bulgea  (bulgia),  keineswegs  aus  dem  celtischen  oder  deut- 
schen. Man  sehe  über  dieses  wort  Diefenhach,  Goth.  wb.  I,  271,  Orig. 
europ.  p.  274. 

Bolla  und  bulla  it.,  sp.  pr.  bola,  bula,  pg.  bolha,  bulla,  fr.  boule, 
bulle  blase,  kugd,  daher  Urkundensiegel  (für  letztere  bedeutung  gilt  meist 
die  form  mit  u);  masc.  it.  bollo  Siegel,  sp.  bollo  beule;  von  bulla  Wasser- 
blase, beule,  buckel.  Span,  bola,  nebst  altfr.  pic.  boule  urindbeutelei,  be- 
trug, gehen  auf  die  bed.  Wasserblase  zurück;  daher  vb.  bouler  den  kröpf 
aufblasen.  Abgel.  it.  bolletta,  bulletta,  fr.  biliet  zettel,  eigentl.  besiegeltes 
blättchen;  it.  bollettino,  fr.  bulletin  berichtzettel;  dsgl.  sp.  bollon, 
fr.  boulon  naget  mit  dickem  köpf,  altfr.  bolzen:  ebenso  heißt  lat.  bulla 
köpf  des  nageis.  Desselben  Stammes,  von  bullire,  ist  it.  bollire,  sp.  pr. 
bullir,  pg.  bulir,  bolir,  fr.  bouillir  sieden,  wallen,  in  unruhe  sein ;  hieraus 
das  sbst.  it.  b  o  1 1  o  n  e ,  fr.  bouillon  aufwällung,  auch  fleischbruhe  (ähnlich 
sp.  caldo  mit  letzterer  bedeutung,  eigentl.  hitze,  pic.  caudiau,  altfr.  caudel 


58  I.  BOLZONE— BORBOGLIARE. 

GNev.  p.  117);  dsgl.  sp.  bulla,  pg.  bulha  unruhe,  auf  rühr,  daher  cat. 
esbullar  verwirren,  zerstreuen,  und  wohl  auch  pg.  esbulhar  genau 
durchsuchen,  berauben  (eigentl.  ver stören?),  das  man  sonst  aus  spoliare 
erklärt. 

Bolzone  it.,  altsp.  altfr.  bozon,  pr.  bosso  pf eil  mit  stumpfem  ende, 
dsgl.  mauerbrecher ;  kann,  ohne  anlehnung  an  das  deutsche  bolz,  bolzen, 
mittelst  des  Suffixes  cion  aus  bulla  nagdkopf  (woher  auch  fr.  boulon  bol- 
zen) wie  fr.  haraeQon  aus  hamus  abgeleitet  sein.  Die  roman.  urform 
bulcio  bultio  ist  in  altdeutschen  glosasaren  zu  finden. 

Bomba  jpr.,  auch  altval.  bei  A.  March,  prahlerei,  gepränge;  dsgl. 
it.  bombanza  jttftrf,  altfr.  bombance  bei  Menage,  gewöhnlich  bobance, 
pr.  bobansa  s.  v.  a.  bomba;  pr.  bobans  für  boban,  altfr.  bobant  dass. 
Von  bombus  gesumse,  geräusch,  adj.  bombicus  geräuschvoll,  prahlerisch, 
bei  Venant.  Fort.  Daher  denn  auch  Wörter  wie  bomba  ein  summendes 
geschoß,  dsgl.  bombarda,  vb.  it.  rimbombare  wiederhallen. 

Bomba  sp.  pg.  cat.,  fr.  pompe,  engl,  pump  eine  maschine  zum 
wasserschöpfen,  pumpe.  Nach  Adelung  vom  geräusch,  das  sie  macht;  zu- 
nächst wohl  vom  roman.  vb.  bombare  trinken,  schlürfen,  denn  die  pumpe 
saugt,1  aber  auch  dies  verbum  ist  ein  naturausdruck,  s.  bobo  11.  a.  Der 
Italiener  nennt  sie  tromba,  nicht  weil  sie  ein  trotnpetenartiges  geräusch  macht, 
was  nicht  der  fall  ist,  sondern  weil  tromba,  wie  es  scheint,  aus  lat.  tuba 
entstand  und  dies  1)  trompete,  2)  röhre  in  einem  druckwerke  heißt. 

Bonaccia  it.,  pr.  bonassa,  fr.  bonace,  sp.  mit  eingeschobenem  n 
bonanza  meeresstille;  eigentl.  heiteres  weiter,  von  bonus,  vgl.  sp.  bonazo 
friedlich  und  wal.  resbune  es  heitert  sich  auf  Das  gegeniheil  davon  ist 
altsp.  malina  ungewitter  von  malus. 

Bonete  sp.  pg:,  pr.  boneta,  fr.  bonnet  mutze.  Ursprünglich  name 
eines  Stoffes:  ab  illo  tempore  nunquam  indutus  est  squarleto  Tel  panno 
viridi  seu  bonneta  Guül.  de  Nangiaco  (um  1300).  Woher  dem  stoff 
dieser  name  geworden,  muß  dahingestellt  bleiben.  Indessen  erkennt  J. 
Grimm  zu  Merkel  L.  Sal.p.  liv  in  dem  malbergischen  ob-bonis  (ob-pinis, 
abonnis  unterhaübe,  haarbinde)  ein  dem  roman.  bonneta  bereits  ver- 
wandtes wqrt. 

Borbogliare  it.,  pic.  borbouller  murmeln,  sp.  borbollar,  pg.  bor- 
bolhar,  borbulhar  sprudeln,  blasen  werfen,  cat.  borbollar  verwirren,  be- 
trügen; sbst.  sp.  burbuja,  pg.  borbulha  Wasserblase,  knospe  (etwas  her- 
vorquellendes).  Die  hispan.  verba  erklären  sich  vielleicht  aus  einem  ver- 
stärkten lat.  bullare,  bei  den  andern  mag  dies  zweifelhafter  sein,  wiewohl 
die  begriffe  sprudeln  und  murmeln  sich  nahe  berühren.  Neben  borbogliare 
stellt  sich  nämlich  das  gleichbed.  borbottare,  altfr.  borbeter  Ben.  I1I9 
529,  pic.  borboter,  neben  sp.  borbollar  ebenso  das  gleichbed.  borbotar, 
ohne  zweifel  naturausdrücke  wie  gr.  ßoQßoQvtetv  brausen,  gad.  borbaa 
gemurmel,  vermutlich  auch  it.  bärbero  mürrisch.  Eine  andre  form  mit 
der  bed.  murmeln  lehnt  sich  an  barba:  sp.  barbotar,  maxi,  barbotta, 
pic.  barboter,  cat.  barbotejar.  Dazu  noch  it.  barbugliare,  sp.  barbullar 
unverständlich  sprechen. 


L   BORDA-BORGO.  59 

Bordapr.  cot.,  borde  altfr.  baräke;  vom  goth.  baurd,  dltn.  borä, 
ahd.  bort  tafel,  brett,  vgl.  ir.  gael.  börd,  Jcymr.  bwrdh.  Daher  it.  bor- 
dello,  pr.  fr.  bordel,  sp.  burdel  (auch  adj.),  ursprüngl.  hüttchen,  s.  die 
stellen  bei  Ducange,  altfr.  auch  fem.  bördele  schlechte  hätte  SB.  555. 

Borde  sp.f  pr.  bort,  altfr.  borde,  sard.  burdu  sbst.  u.  adj.  bastard, 
nebenschöfiling.  Es  ist  augenscheinlich  das  primitiv  des  späteren  lat.  burdo 
maulthier,  bastard  des  pferdes  (burdonem  producit  equus  conjunetus 
asellae,  s.  Ducange),  welches  aber  selbst  ein  fremdwort  sein  muß  und  von 
einigen  etymologen  mit  dem  deutschen  beran  (tragen)  zusammengestellt 
wird,  s.  Schwende,  Beiträge  zur  lat.  wortforsch.  I,  17,  Graff  III,  1 63. 
Burdo  fehlt  in  diesem  sinne  dem  roman.  gebiete,  denn  das  im  prov.  JElu- 
eidari,  dem  nicht  überall  zu  trauen  ist,  angeführte  burdo  ist  offenbar 
lateinisch. 

Bordo  it.  pg.,  sp.  bordo,  borde,  fr.  bord,  fem.  altsp.  pg.  bor  da 
rand  z.  b.  des  Verdeckes,  wal.  boarte  kränz;  vom  ahd.  bort,  alts.  bord 
rand,  schiffsrand,  vgl.  ahd.  borto  band.  Daher  sp.  bordar,  fr.  border, 
engt,  border  einfassen.  Das  span.  wort  bedeutet  auch  sticken,  wie  sich  denn 
beide  handlungen  nahe  berühren,  allein  dafür  besitzen  andre  sprachen  eine 
besondre  form:  cat.  brodar,  fr.  broder,  engl,  broider,  kymr.  brodio,  zu- 
sammenfallend mit  dem  gael.  brod,  altengl.  brode  stechen,  denn  auch 
stechen  und  sticken,  fr.  brocher,  sind  verwandte  handlungen.  Eine  andre 
form  ist  wallon.  brosder,  altsp.  altpg.  broslar  für  brosdar  (mlat.  brosdus 
oms  dem  10.  jh.,  später  brustus  gestickt),  offenbar  vom  gleichbed.  ahd.  ga- 
prorton,  sofern  dies  nebst  ags.  brord,  dltn.  broddr  spitze,  Stachel  auf  ein 
goth.  bruzdön  zurückfuhrt,  vgl.  Grimm  I2  319,  Diefenbach,  Goth.  wb.  I, 
285,  286,  Mussafia,  Gloss.  zu  Prise  de  Pampelune  s.  v.  brusti  und  zu 
Monum.  ant.  s.  v.  enbrostar. 

Bordone  it.,  sp.pr.  bordon,  pg.  bordao,  fr.  bourdon  stütze,  püger- 
stab.  Der  wandrer  konnte  den  stob,  auf  den  er  sich  stützte,  vergldchungs- 
weise  sein  lastthier  nennen  und  so  wäre  bordone  nichts  anders  als  das  so 
eben  berührte  lat.  burdo,  welche  uralte  etymologie  zu  unterstützen  Covar- 
ruvias  treffend  das  sp.  muleta  (maulthier  und' krückenstock)  anführt.  — 
Nach  GachePs  vermuthung  gehört  das  wort  zur  zahlreichen  familie  des 
goth.  bafran;  es  möchte  aber  nicht  leicht  sein  es  daraus  zu  construieren. 

Bordone  it.,  sp.  bordon,  pg.  bordao,  fr.  bourdon  bass,  basssaüe, 
fr.  auch  hummel,  vgl.  atticus  (attacus)  vel  burdo  Gl.  Adfr.;  vb.  fr.  bour- 
donner  summen.  Ist  es  richtig,  daß  die  langen  trompeten  oder  Orgel- 
pfeifen diesen  namen  führten  (Ferrari,  Ducange),  so  konnte  man  ihn  von 
dem  der  langen  pügerstäbe  (s.  den  vorigen  artikel)  entlehnt  haben  und 
hiernach  wäre  das  gael.  bfirdan  gesumme,  altengl.  bourdon,  von  außen 
eingeführt. 

Borgo  #.,  sp.  pg.  burgo,  pr.  bore,  fr.  bourg  kleine  stadt,  flecken. 
Dasselbe  wort  ist  in  allen  germanischen  sprachen  heimisch  und  seine 
würzet  darin  nachweislich,  goth.  baürgs,  ahd.  bürg,  von  bairgan,  bergan. 
Indessen  kannten  auch  die  spätem  Römer  das  wort  burgus  und  zwar  als 


/ 


60  L   BORINO-BORRAGGINE. 

ein  vulgäres:  castellum  parvum,  quem  burgum  vocant,  sagt  Vegetius  De 
re  fnüit.  4,  10  (vgl.  die  stellen  beiBöcJdng,  Annot.  adNotit.  Occ.  p.704)\ 
und  wenn  es  aus  dem  deutschen  in  das  latein  übergieng,  so  scheint  es 
wenigstens  seine  ausprägung  als  masculin  dem  gr.  ni-gyng  zu  danken. 
Aus  diesem  längst  vor  dem  falle  des  westlichen  reiches  dem  Römer  be- 
kannten burgus  ist,  genau  genommen,  das  rom.  borgo  herzuleiten,  nicht 
unmittelbar  aus  dem  deutschen  bürg,  aus  welchem  sich  die  abl.  it.  borge 8  e, 
sp.  burges,  pg.  burgel,  fr.  bourgeois  nicht  entwickeln  konnte  {vgl.  unten 
franco),  d.  h.  in  der  römischen  Volkssprache  muß  schon  burgensis  gegolten 
haben,  bis  durch  einfluß  des  deutschen  bürg  die  form  mit  gutturalem 
g,  it.  borghese,  pg.  burguez,  pr.  borgues,  <ütfr.  borgois  daneben  aufkam. 
Auch  im  span.  Ortsnamen  Burgos  hat  sich  das  wort  erhalten,  es  ist  eine 
pluralform,  lat.  Burgi  Burgorum,  wie  denn  die  stadt  mit  Vereinigung 
mehrerer  dörfer(imj.  884)  erbaut  ward,  s.  Esp.  sagr.  XXVI,  169.  Über 
die  weite  Verbreitung  dieses  wortes  vgl.  Diefenbach,  Goth.  wb.  I,  264. 

Borino  it,  burin  fr.,  sp.  pg.  buril,  ältsp.  boril  grabstkhel;  wohl 
vom  ahd.  bora  terebra,  borön  terebrare. 

Bornio  it.,  borni  cot.,  borgne  fr.,  borli  limous.  einäugig;  vb.  aitfr. 
borgnoier,  im  Voc.  duac.  Tbomier  mit  der  bed.  lippire.  Meß  es  ur- 
sprünglich schielend,  eine  bedeutung,  die  ihm  das  bemerkte  glossar  von 
Douai  beilegt  (borne  *strabo*)  und  die  sich  auch  in  einer  mundartl.  zur 
sammensetzung  mit  oculus  ausspricht  (bornicle  schielendes  auges  Dict. 
genev.  p.  42,  im  Jura  bournicler  schielen),  so  ist  sp.  bornear  krümmen, 
ausweichen  gleiches  Ursprunges:  in  derselben  spräche  heißt  tuerto  ge- 
krümmt, schielend,  einäugig,  turnio  schielend,  von  tornear  drehen.  Woher 
aber  dies  wort?  Das  bret.  born  steht  zu  einzeln  im  celtischen  da,  um 
nicht  verdacht  der  entlehnung  aus  dem  franz.  zu  erregen.  Es  findet  sich 
ein  henneg.  bigornier  schielen,  welches  Hecart  aus  bicornis  zu  deuten 
geneigt  ist,  aber  die  syncope  wäre  zu  ungewöhnlich.  Ital.  borniola 
falsches  urtheil  wird  wohl  hieher  zu  stellen  sein. 

Borra  it.  sp.  pr.,  bourre  fr.  scherwolle,  abgeschorenes  haar  von 
tüchern,  grobe  wolle,  flocUen  von  haar.  Wir  hoben  hier,  wie  schon  Aldrete 
fol.  47*  anmerkt,  den  Singular  des  bei  Ausonius  vorfindlichen  burrae 
possen,  lappalien  (auch  it.  borre,  sp.  borras  in  demselben  sinne)  vor  uns ; 
flocke  und  posse  berühren  sich  öfter.  Aus  diesem  burra  bildete  das  ältere 
mlatein  ein  adj.  reburrus  struppig,  kraus.  Dahin  gehört  auch  sp.  borra, 
borro  junges  schaf,  mit  kurzer  wolle,  obgel.  borrego  dass.;  it.  borrac- 
cia,  sp.  borracha  weinschlauch  (von  ziegenf eil?);  pr.  borräs,  fr.  bourras 
grobes  tuch,  nüat.  borratium;  vb.  fr.  bourrer,  it.  abborrare  mit  wolle 
ausstopfen,  sp.  pg.  borrar  sudeln,  klecksen  (aus  der  bed.  von  borra  un- 
nützes zeug  in  Schriften);  sbst.  sp.  b  orr o  n,  pg.  borräo  klecks.  Vgl.  burro. 

Borrace  it.,  sp.  borrax,  fr.  borax  ein  aus  China  und  Japan  kom- 
mendes mittelsalz;  vom  arab.  bflraq  Golius  260,  Freytag  7,  lllh. 

Borraggine  it.,  zsgs.  borrana,  auch  borrace,  sp.  borraja,  pg.  bor- 
ragem,  pr.  borrage,  fr.  bourrache,  wal.  borantze    ein  kraut,   borretsch% 


I.   BORSA— BOTTARE.  61 

borrago  Linn.  Das  Vaterland  dieser  pflanze  soll  die  Levante,  namentlich 
die  umgegend  van  Aleppo  sein,  und  daher  konnte  auch  der  name  'kommen. 
Indessen  hat  borraggine  ein  acht  ital.  gepräge,  indem  diese  spräche  eine 
anzahi  pflanzennamen  mittelst  des  Suffixes  aggjne  =  lat.  ago  neu  bildet 
(capr-,  fus-,  lent-,  ulivaggine).  Ist  nun  der  stamm  nicht  ein  erweislich 
fremder,  so  dürfte  man  in  beziehung  auf  die  haarichten  blätter  des  krautes 
wohl  an  das  oben  genannte  borra,  besonders  an  dessen  span.  bed.  strup- 
piges barthaar  und  an  die  franz.  bed.  rauhe  haut  über  den  hervorbrechen- 
den äugen  des  weinstockes.  so  wie  an  die  ital.  form  borrace,  sofern  sie 
dem  fr.  bourras  (grober  Stoff)  zu  entsprechen  scheint,  erinnern. 

Borsa  it.  pr.,  sp.  pg.  bolsa,  fr.  bourse  geldbeutd,  börse,  Versamm- 
lungsort der  kaufleute;  vom  mlat  bursa,  byrsa,  gr.  ßvgoa,  feil,  leder. 

Borzacchino  it.,  sp.  borceguf,  fr.  brodequin  ort  halbstiefel;  vom 
tnndl.  broseken  KU.,  in  älterer  gestäU  brosekin,  dimin.  von  broos  (f.) 
mit  gl.  bed.,  vermutlich  umgestellt  aus  byrsa  leder,  wie  auch  leerse  Stiefel 
aus  leer  (leder)  entstand. 

Boseo  it.,  sp.  pg.  bosque,  pr.  bosc,  fr.  bois?  mlat.  boscus  und 
buscus  gehölz.  Dieses  wort  darf  nach  J.  Grimm,  Über  diphthonge  (vgl. 
gramm.  II,  277,  wb.  v.  busch)  auf  eine  deutsche  tourzel  zurückgeführt 
toerden,  bauen,  wovon  eine  ahd.  adjectivform  buwisc,  buise  baumaterial, 
holz  (wie  fr.  bois)  anzunehmen  wäre;  auch  das  sbst.  busch  brauchte  nicht 
eben  aus  dem  romanischen  zurückgekehrt  zu  sein  (doch  wohl  mhd.  bosche?) 
Das  deutsche  ü  müßte  sich  also  im  roman.  durch  Position  gekürzt  haben, 
daher  bosco  für  busco,  s.  busca.  Die  franz.  abll.  bosque t  und  bo- 
cage,  für  die  veralteten  boschet,  boschage,  schließen  sich  mit  Ihrer  kehl- 
tenuis  den  südlichen  formen  (ö.  boschetto,  sp.  boscage)  an;  auch  bouquet 
blumenstrauß  für  bousquet  (vgl.  lat.  silva  wald,  dsgl.  menge  pflanzen)  ist 
hieher  zunehmen.  Zsgs.  ist  it.  imboscare,  sp.  pr.  emboscar,  fr.  em- 
busquer  (äU  embuscher  und  embuissier)  in  den  busch  d.  h.  in  den  hinter- 
halt  legen,  daher  im  Garin  en  un  bruillet  (gebüsch)  les  a  fait  embuschier 
DC.  v.  brolium;  engl,  ambush  hinterhält 

Bosso  it.,  sp.  box,  pg.  buxo,  pr.  bois,  fr.  buis  buchsbaum;  von 
baxus.  Daher  äbgel.  it.  buscione,  fr.  buisson,  pr.  boisson  Strauch 
(nickt  von  bois,  bosc,  welchen  nur  ein  pr.  boscon  gemäß  sein  würde); 
dsgl.  it.  bössolo  buchsbaum  und  büchse,  sp.  brüxula  compass  (mit  einge- 
schobenem r,  vgl.  pr.  brostia  unter  boite  II.  c),  fr.  boussole,  so  wie 
sp.  bnxeta,  pr.  bosseta,  fr.  bossette  schocktet  vonbuchs,  überhaupt  büchse. 

Botta  it.,  altfr.  botte,  auch  boz  Ben.  II,  152,  kröte,  champ.  dauphin. 
böte ;  scheint  aus  deutscher  tourzel  in  bözen  stoßen,  treiben,  so  daß  es  das 
aufgetriebene  thier  bezeichnete.  Auch  sp.  boto  adj.  stumpf,  fr.  bot  in 
pied  bot  Jäumpfuß,  botte  klumpen,  chw.  bott  hügel,  tiaZ.  butaciu  stumpf, 
blöde  (ungr.  buda)  müssen  dieser  tourzel  zufallen:  nhd.  butz,  butzen,  ndd. 
butt  bedeuten  etwas  abgestumpftes. 

Bottareä.  in  dibottare  durcheinander  schlagen,  dsgl.  buttare 
ausschlagen  (von  bäumen),  sp.  pg.  pr.  botar,  fr.  bouter  stoßen ;  vom  mhd. 


62  L   BOTTE-BRACA. 

bözen  stoßen,  Klopfen.  Sbst.  mail.  butt  knospe,  it.  botto,  botta,  sp.  böte 
fr.  botte  stoß,  bout  endey  spitze  (obd.  btitz  brustwarze),  daher  debout  auf- 
recht, mettre  debout  mit  dem  ende  hinstellen,  aufrecht  stellen,  dsgl. 
aboutir  zu  ende  gehen.  Abgel.  it.  bottone,  sp.  pr.  boton,  fr.  boaton 
knospe,  knöpf  eigentl.  etwas  hervorstoßendes,  ausschlagendes,  vielleicht 
buchstäblich  das  ahd.  bözo  bündel  (knollen?).  Auch  kymr.  bot,  böth  run- 
der korper  ist  verglichen  worden,  die  ital.  doppelform  aber  mit  t  und  z 
in  bottone  und  bozza  (s.  unten)  scheint  deutschen  Ursprung  anzuzeigen. 

Botte  it.,  sp.  pr.  bota,  fr.  botte,  boute,  wal.  böte,  bute  haben  die 
bedd.  faß,  kübel,  schlauch,  stiefel  u.  dgl.  Die  Wörter  singt  vielen  sprachen 
gemein,  z.  b.  gr.  ßovxtg,  ßvttg  flasche,  ags.  butte,  nhd.  btttte  ein  großes 
gefäß,  gael.  bot  Stiefel.  Butte  begegnet  schon  in  einer  Urkunde  v.  j.  664 
Marin,  p.  124.  AbU.  sind  it.  bottiglia,  sp.  botilla,  botija,  fr.  bou- 
teille,  mlat.  buticula,  in  den  Gasseier  glossen  puticla,  in  einem  scherz- 
haften artikd  zur  L.  Sei.  (cod.  gudf.  8.  jh.)  aber  schon  botilia ;  dsglh  it. 
bottino  Wasserbehälter,  ahd.  bat  in,  ags.  byden  u.  a.  m. 

Bottega  it.,  sp.  botica,  pr.  botiga,  fr.  boutique  kramladen;  von 
apotheca  vorrathskammer,  neap.  mit  tenuis  potega,  sie.  putiga.  Der  weg- 
fall  des  a  kann  darin  seinen  grund  haben,  daß  man  in  l'apotheca  es  zum 
artikel  rechnete. 

Bottino  it.,  sp.  botin,  beide  wohl  aus  dem  fr.  butin  beute;  vom 
nord.  byti,  mhd.  bfiten,  s.  Mhd.  wb. 

Bozza  it.,  pr.  bossa,  fr.  bosse,  pic.  boche  beule;  adj.  fr.  bossu 
buckelig,  bosseler  bucklig  machen,  beulen  oder  getriebene  arbeit  machen9 
bosseln;  dsgl.  it.  boccia  knospe,  kugel,  sp.  bocha  mit  letzterer  bed.,  pg. 
bochecha  aufgeblasener  backen.  Im  latein  sucht  man  diesen  stamm 
vergebens;  leicht  aber  erkennt  man  darin  das  unter  botta  schon  erwähnte 
hochd.  butze,  butzen  etwas  abgestumpftes,  klumpenartiges,  vgl.  ndl.  butse 
beule,  vom  mhd.  bözen  stoßen  (hervorstoßen),  s.  oben  bottare.  Ital. 
bozza  und  bozzo  bedeuten  auch  einen  grob  bearbeiteten  d.  h.  einen  noch 
unförmlichen  stein,  daher  das  vb.  abbozzare  aus  dem  rohen  arbeiten, 
pg.  esbo$ar,  aitsp.  sbst.  esbozo  =  it.  abbozzo,  wogegen  das  sp.  bosque- 
jar  eine  sehr  abweichende  gestalt  zeigt.  —  Derselben  herkunft  wie  die 
obigen  formen  mit  radicalem  o  sind  andere  mit  u:  it.  buzzo  bauch, 
nadelküssen,  sp.  buche  busen,  kröpf,  magert,  auch  bausch  eines  Meides; 
sp.  buchet e  s.  v.  a.  bochecha;  fr.  but  erhabene  mitte  eines  dinges,  ziel 
des  schützen,  daher  zweck  (wie  auch,  das  letztere  deutsche  wort  ursprüng- 
lich den  nagelkopf  im  mittelpunct  der  Zielscheibe  bedeutet),  zsgs.  de  but; 
fem.  butte  aufgeworfener  erdhaufe  (altn.  bütr  abgestumpftes  ding).  Von 
buzzo  ist  maü.  buzzecca,  piem.  buseca,  it.  busecchio  gedärm,  vgl.  ahd* 
gebuzze  'exta  Graff  III,  233.  An  sp.  buche  scheint  sich  auch  zu  schlie- 
ßen bucha  brotbehalter,  Sparbüchse,  vb.  buchar  verstecken. 

Braca  it.,  sp.  pg.  braga,  pr.  braya,  aitfr.  braie  hose  (gewöhnt,  im 
plur.),  sp.  braga,  nfr.  braie  windet;  vom  lat.  braca,  in  frühem  mitteUatein 
braga,  angeblich  ein  gallisches  wort,  bret.  bragez. 


I.   BRACCO-BRANDO.  63 

Bracco  it.,  sp.  braco,  pr.  brac,  fr.  braque  Jagdhund,  Spürhund;  vb. 
it.  braccare  nachspüren;  vom  ahd.  braccho,  nhd.  bracke.  Span.  adj. 
braco  stumpfnasig.  Aus  der  altfr.  form  bracon  floß  braconnier  wild- 
dieb,  vb.  braconner  in  fremdem  gehege  jagen. 

Bragia,  brascia,  bracia  it.,  sp.pr.  brasa,  ^r.  braza,  fr.  braise  glühende 
kohle,  fläm.  brase  KU.;  vb.fr.  braser  löthen,  altfr.  brasoier  rösten  DMce. 
p.  58,  11,  brasiller  dass.  Roq.;  zsgs.  it.  abbragiare,  sp.  abrasar,  fr. 
embraser  anzünden,  altfr.  esbraser  LRs.  307.  Vom  ältn.  brasa  löthen, 
schtced.  brasa  flammen,  wie  Diefenbach,  Goth.  wb.  I,  327,  gegen  die 
deutung  aus  ags.  blase  fackel  (wovon  blason)  mit  recht  behauptet;  dies 
nord.  brasa  wäre  dann  das  ags.  bräsian  vererben,  woraus  sich  die  ital. 
form  bragiare  gut  erklärt,  braeia  aber  ist  ausgeartet  wie  cacio  von  caseus. 
Dieselbe  deutung  schon  bei  Wächter,  Gloss.  germ.,  und  Löscher,  Literatur 
celta  p.  94.    Zu  merken  ist  noch  mail.  brascä  anzünden. 

Brago  it.,  äUsp.  bray  Gonq.  Ultram.,  pr.  brac,  altfr.  brai  schlämm, 
daher  le  pays  de  Bray  nach  Ducange,  pr.  auch  eiter,  cot.  brac  geschwür; 
adj.  pr.  bragos,  altfr.  brageux  schlammig.  Die  herkunft  dieses,  wie  man 
sieht,  gemeinrom.  Wortes  steht  nicht  sicher.  Menage  verweist  auf  ein  gr. 
ßQctyog  =  ?Aog  sumpf  teich  bei  Hesychius,  und  Isaak  Vossius  in  seinen 
anmerkungen  macht  das  ndl.  braak  (bruch)  davon  abhängig.  Das  griech. 
etymon  genügt  buchstäblich  und  erregt  auf  das  ital.  wort  angewandt  am 
wenigsten  bedenken.  Neufr.  brai  hat  nur  die  bed.  theer,  daher  wohl  sp. 
brea,  pg.  breo  dass.,  vb.  brayer,  brear  theeren. 

Bramare  it.,  chw.  brammar  heftig  verlangen,  sp.  pr.  bramar,  fr. 
bramer  schreien,  neupr.  bram&  mit  beiden  bedd.,  vgl.  altcat.  glatir  bellen, 
neucal.  begehren,  und  Festus  stelle:  latrare  Ennius  pro  poscere  posuit 
Es  ist  das  ahd.  breman,  ndl.  bremmen  brüllen,  entsprechend  dem  gr. 
ßoifuiv, 

Branca  it.  altsp.  altpg.  pr.,  fr.  brancbe,  pr.  auch  masc.  branc 
kralle,  zweig,  wal.  brencf  hand,  vorderfuß,  mlat.  branca  leonis  eine  pflanze 
(um  1070).  Verwerflich  ist  die  deutung  aus  brachium  mit  eingesetztem 
n,  da  eine  solche  form  immer  nur  brancia  ergeben  konnte.  Unzweifelhaft 
ist  branca  ein  sehr  altes  roman.  wort,  ja  vielleicht  schon  der  römischen 
Volkssprache  bekannt:  für  ersteres  spricht  die  üal.  abl.  brancicare  mit 
polatalem  c,  indem  solche  bildungen  nur  aus  alten  stammen  hervorgiengen 
oder  doch  in  alter  zeit  entstanden ;  für  letzteres  das  dasein  des  Wortes  im 
walach.  mit  eigenthümlicher  bedeutung.  Zusammenhang  desselben  mit  dem 
dUgael.  brac,  com.  brech  (e  aus  a),  hymr.  breich  arm  (des  baumes  äste 
sind  seine  arme)  mit  ausgefallnem  n  muß  man  anerkennen  und  vielleicht 
vergegenwärtigt  das  bret.  brank  noch  die  reinere  form.  Vgl.  Diefenbach, 
CeU.  I,  210.     Von  branca  kommt  it.  brancolare  tappen  u.  a.  m. 

Brando  it.,  pr.  bran,  altval.  brant  (noch  bei  A.  March),  altfr.  brant, 
branc,  bran  schwertklinge  (branc  de  l'espäe);  vom  ahd.  brant  titio,  altn. 
brandr  gladius,  vgl.  wegen  der  bedeutungen  den  span.  schwertnamen 
Tizon  =  titio,  später  in  Tizona  verändert,  s.  Sanchez,   Colecc.  I,  227. 


64  L   BRANDONE-BRAYO. 

Daher  it.  brandire,  pr.  fr.  brandir,  sp.  blandir  den  degen,  die  lanze 
schwingen;  ditn.  fr.  brandiller  schwingen,  dsgl.  branler,  zsgs.  äbranler, 
für  brandoler.  Eine  andre  all.  ist  pr.  brando,  fr.  brandon,  sp.  blandem 
f aekel;  altfr.  brander  brennen,  in  flammen  stehn  s.  Chron.  de  Fantosme 
v.  958,  pr.  brandar,  neupr.  brandA,  piem.  brande  kochen,  wällen,  altpr. 
abrandar  in  brand  selten. 

Brandone  it.,  zsgz.  brano,  fetzen  fleisch  oder  tuch,  cltsp.  brahon 
{für  bradon)  tuchlappen,  pr.  bradon,  brazon,  braon,  altfr.  braion,  hthr. 
bravon,  engl,  brawn  wulst  fleisch,  dickbein;  vb.  it.  sbranare,  altfr. 
esbraoner  zerfleischen;  vom  ahd.  bräto  (acc.  brätun,  bräton)  fleischiger 
theil,  wade. 

Brasile  it.,  sp.  pg.  brasil,  fr.  br£sil  (l  mouille)  eine  ort  höh  zum 
rothfärben,  das  sich  in  großer  menge  in  Brasilien  findet,  woher  der  natme 
des  landes.  Das  mittelälter  bezog  es  von  einem  andern  bäume  aus  ver- 
schiedenen gegenden  des  Orients:  grana  de  brasile  (brasilienscharlach)  er- 
wähnt bereits  eine  italische  Urkunde  von  1193  s.  Ducange;  andre  nUat. 
Schreibungen  sind  brasilium,  bresillum,  braxile,  pr.  brezilh,  bresil,  altfr. 
wie  neufr.  und  oft  neben  orientalischen  färbestoffen  und  gewürzen  genannt. 
Aber  das  wort  verweigert  der  Orient,  der  Araber  z.  b.  nennt  die  sache 
baqqam.  Geht  .man  von  der  prov.  form  aus  (und  Marseilles  Welthandel 
berechtigt  dazu),  so  darf  man  mit  fug  an  eine  ableitung  aus  briza  krüm- 
chen  denken  (s.  briser  U.  c),  woher  auch  brezilhar  zerkrümeln,  noch  jetzt 
fr.  brösiller  (bres  für  bris  euphonisch  wegen  des  folgenden  i),  so  daß  es 
etwas  zerbröckeltes  bedeutete,  denn  das  brasilienholz  kommt  und  kam  wohl 
auch  sonst  gewöhnlich  in  kleinen  spänen  nach  Europa.  Auch  andre  han- 
delsartikel  dieser  ort,  wie  Scharlach  (grana),  zimmet  (cannella)  nannte 
man  nach  der  gestait,  in  der  man  sie  empfieng.  Diese  grammatisch  und 
logisch  begründete  herleitung  wird  sich  besser  empfehlen  als  die  gewöhn- 
liche aus  brasa  glühende  kohle  (in  beziehung  auf  die  färbe),  denn  das 
naturreich  hätte  schicklichere  vergleichungen  dargeboten.  Überdies  müßte 
man  alsdann  die  span.  form  zu  gründe  legen,  deren  suffix  il  aber  dem 
begriffe  wenig  angemessen  scheint,  abgesehn  davon,  daß  der  Provenzale 
keinen  grund  hatte,  von  dem  buchstaben  des  bei  ihm  gleichfalls  einhei- 
mischen brasa  abzugehn.  —  Das  it.  brasile  nebst  brasiletto  haben  erst 
neuere  Wörterbücher;  dafür  ist  verzino  (bereits  beiL.  Pülci)  üblich.  Nach 
der  strenge  des  lautgesetzes  stimmt  es  nicht  zu  brasil  oder  brasil;  erwägt 
man  indessen  das  ven.  verz-el-ä  d.  i.  verz-el-ato,  das  sowohl  mit  seiner 
bedeutung  (fleischfarbig)  wie  mit  seinen  suffixen  das  sp.  bras-il-ado  reprä- 
sentiert, so  wird  man  auf  die  möglichkeit  einer  identität  von  brasil  und 
verzino  geleitet.  Aber  letzteres  fordert  noch  die  vergleichung  eines  arab. 
Wortes.  Vars  ist  eine  als  gelb,  häufiger  als  roth  bezeichnete  zum  zeug- 
färben und  schminken  gebrauchte,  im  handel  befindliche  pflanze  Arabiens: 
gegen  dieses  etymon  würde  wenigstens  die  grammatik  keine  Schwierigkeit 
erheben. 

Bravo  it.  sp.  pg.,  brau  pr.  (f.  brava),  brave  fr.  (hieraus  unser  brav, 


I.    BRAZA— BRENNO.  65 

seit  dem  17.  jh.  im  gebrauch);  dbgel.  sp.  pg.  bravfo.  Die  älteste  noch 
im  Südwesten  fortdauernde  bedeutung  ist  'unbändig,  stürmisch',  dalier  sp. 
braviar  brüllen,  altsp.  abravar  in  wuih  bringen  Conq.  Ultram.;  aber 
auch  im  dUitcl.  liest  man  unde  brave  stürmische  wogen  s.  Archiv,  stör. 
ital.  app.  num.  18,  p.  60.  Besonders  braucht  man  es  von  ungezähmten 
thieren,  selbst  von  wilden  pflanzen:  nüat.  bravus  bog,  it.  bue  brado  (für 
bravo)  junger  noch  nicht  ans  ziehen  gewöhnter  ochse,  npr.  brau  stier,  cot. 
kalb,  sp.  ganso  bravo  wilde  gans,  pg.  uva  brava  wilde  traube.  Daran 
knüpft  sich  die  bed.  stürmisch  im  kämpfe,  tapfer,  sodann  tüchtig,  trefflich, 
stattlich.  Das  fr.  brave,  welches  jene  grundbedeutung  nicht  anerkennt, 
muß  erst  später  aus  dem  ital.  oder  span.,  in  welchen  sprachen,  der  letz- 
teren besonders,  unser  wort  die  meisten  sprossen  getrieben,  entlehtU  sein; 
es  fehlt  der  älteren  spräche,  worin  es  brou  oder  breu  hätte  lauten  müssen, 
die  ursprüngliche  form  und  bedeutung  aber  blickt  noch  hervor  aus  £brouer 
brausen,  rabrouer  grob  anfahren,  die  aus  brau  entstanden  wie  clouer 
aus  clau,  wiewohl  Le  Duchat  rabrouer  aus  lat.  abrogare  deutet.  Die 
Herkunft  von  bravo  ist  nicht  gesichert.  Drei  Wörter  aus  drei  verschiedenen 
sprachen  bieten  sich  der  erwägung  dar:  lat.  pravus  verkehrt,  unrecht, 
kymr.  braw  sbst.  schrecken,  ahd.  raw  roh.  Aus  pravus  konnte  it.  bravo 
geworden  sein,  nicht  leicht  sp.  bravo  oder  pr.  brau,  aber  die  bedeutungen 
stoßen  sich  ab;  übrigens  findet  sich  das  lat.  wort  außer  im  it.  sp.  pravo 
auch  im  pr.  prau  richtig  geformt  und  ganz  in  seinem  lat  sinne.  Daß 
das  derivatum  pravitas,  it.  pravitä,  sp.  pravedad,  dem  mit  b  anlautenden 
stamme  gänzlich  fehlt,  wollen  wir  nicht  zu  hoch  anschlagen.  Bessere  an- 
Sprüche  scheint  das  ganz  formgerechte  braw  zu  haben,  allein  ist  es  nicht 
verdächtig,  daß  es  dem  Romanen  in  seiner  eigentlichen  geltung  als  Sub- 
stantiv fehlt?  Das  bret.  bra6  (schön,  lieblich)  ist  nebst  dem  gleichbed. 
ndl.  brauwe  (s.  Küian)  nicht  celtischer,  sondern  franz.  herkunft.  Wie 
aus  dem  lat.  crudus  konnten  sich  aus  dem  ahd.  raw  leicht  die  bedd.  un- 
biegsam,  wild,  rauh,  tapfer  entfalten;  hier  muß  eine  Verstärkung  des  an- 
lautenden t  durch  b  angenommen  werden,  die  auch  in  andern  fällen 
(bruire,  brusco,  braire  cet.)  vorzuliegen  scheint,  deren  verhältnismäßige 
Seltenheit  aber  auch  diese  deutung  nicht  zu  voller  glaubwürdigkeit  gelangen 
läßt  Sollte  ein  Zusammenhang  anzunehmen  sein  zwischen  brau  und  dem 
unten  vorkommenden  briu  kraft,  oder  zwischen  brau  und  braire  pr. 
schreien,  braidiu  hitzig,  stürmisch,  vgl.  das  oben  erwähnte  it.  brado  für 
bravo?  Aber  der  Wechsel  zwischen  den  diphthongen  au  und  iu  oder  au 
und  ai  gründet  sich  auf  zu  wenige  fälle  für  eine  solcte  annähme.  Die 
alte  herleitung  aus  ßQaßsiov  können  wir  bei  seite  setzen.  Grimm  D.  wb. 
gibt  auch  noch  das  slav.  pravi  (recht,  acht)  zu  bedenken,  aber  gestalt,  be- 
deutung und  selbst  heimath  dieses  Wortes  scheinen  es  nicht  zu  empfeMefi. 

Braza  sp.  pg.,  pr.  brassa,  fr.  brasse  ein  längenmaß,  Klafter ;  vom 
plur.  brachia  die  (ausgestreckten)  arme,  daher  altfr.  brace  lev6e  mit  offnen 
armen  Antioch.  I,  47. 

Brenn o  genues.,  sard.  brinnu,  piem.  comask.  pr.  altfr.  altsp.  bren, 

ö 


66  L   BRESCA-BRIBE. 

piem.  auch  bran  Meie,  nfr.  bran  dbfall,  auswarf;  nach  Dieferibach,  Goth. 
wb.  1,  321,  auch  sp.  brana  abfall  von  bäumen,  Viehweide,  brana  schon  im 
8.  jh.  Yep.  III}  n.  17  (v.j.  780),  später  auch  branea;  ein  celt.  wort,  gad. 
bran,  kymr.  brän,  bret.  brenn  Meie. 

Bresca  mantuan.  sard.  sp.  cot.  pr.,  vriscastc,  bresche  altfr.  honig- 
wabe,  in  späterem  tnlat.  brisca.  Villemarque,  Dict.  fr.  br.  p.  vu.  erklärt 
es  für  celtisch:  ir.  briosg,  kymr.  bresg,  bret.  break,  aber  die  lexica  ver- 
sagen diese  Wörter.  In  deutschen  glossaren  wird  brisica  mit  *wirz  über- 
setzt, dies  bedeutet  mit  honig  gemengtes  wasser  (Mhd.  wb.  III,  751,  Dief. 
Gloss.  lat.  germ.),  allein  dieser  umstand  führt  uns  der  quelle  des  Wortes 
nicht  näher.    Mahn  gesellt  es  zum  pr.  brusc  bienenlcorb. 

Brete  sp.  fußschellen,  pg.  vogelschlinge,  pr.  bret  (bretz?  LB.  II, 
256)  nebst  altfr.  bret  mit  letzterer  bed.;  abgel.  altfr.  broion  schlinge 
Sax.  I,  233,  II,  85,  Og.  1939;  bret  eile  tragband,  comask.  bretela,  bar- 
tela  Schwanzriemen.  Diese  Wörter  scheinen  stammgenossen,  und  Mahn 
p.  64  deutet  sie  passend  aus  ahd.  brettan  stringere.  In  diesem  falle  Team 
also  das  hochd.  t,  wie  in  einigen  andern,  namentlich  dem  wurzelverwandten 
it.  brettine  (s.  unten  brida),  in  anwendung,  Rom.  gramm.  I,  314. 

Brettonica  it.,  sp.  pg.  bretonica  eine  pflanze;  von  betonica,  nur 
wegen  des  eingeschobenen  r  zu  erwähnen,  fr.  b6toine. 

Brezza  it.,  fr.  brise,  engl,  breeze  kühler  windesJwuch,  maü.  brisa 
kühles  lüftchen  aus  norden,  altsp.  pg.  briza,  neusp.  brisa  nordostwind; 
zsgs.  it.  ribrezzo  frost,  Schauder.  Von  unsicherer  herkunft;  sp.  brisa 
könnte  selbst  aus  bisa  entstellt  sein.  Es  gibt  ein  oberdeutsches  britzen, 
britzein  fein  regnen,  rieseln,  das  aber  dem  begriffe  nicht  genügt.  Besser 
nimmt  man,  von  Italien  ausgehend,  in  brezza  eine  Verstärkung  des  an- 
lautes  von  rezza  für  orezza  sanfter  windeshauch  an,  wodurch  zugleich 
detn  abweichenden  genus  in  ri-brezzo  genüge  geschieht,  da  auch  orezzo 
vorhanden  ist,  s.  oben  aura. 

Bribe  fr.  stück  übrig  gebliebenes  brot,  wallon.  brib  almosen;  vb. 
wällon.  brib  er,  pic.  brimber  auf  bettelei  ausgehn.  Die  picard.  form  für 
bribe  ist  brife,  daher  altfr.  brifer  gierig  essen  (wie  der  betüer  das  brot)7 
brifaud  fresser,  auch  bret.  brifa,  brifaod,  wohl  auch  it.  briiialda  dirney 
landstreicherin.  Denkt  man  sich  bribe  aus  ahd.  bilibi  brot,  naJirung  ent- 
standen, indem  1  in  r  übertrat,  so  erklärt  sich  zugleich  das  picard.  f  aus 
ndd.  form,  z.  b.  ags.  bilifen;  doch  findet  sich  vielleicht  eine  einfachere  er- 
Märung.  Man  hat  freilich  auch  auf  kymr.  briw  etwas  abgebrochenes,  vb. 
briwo,  verwiesen;  kann  aber  aus  kymr.  w  ein  rom.  b  oder  f  hervorgeht? 
Offenbar  derselben  herkunft  ist  sp.  bribar  ein  landstreicherleben  führen 
=  wallon.  briber ;  sbst  briba,  it.  birba  landstreicherleben;  sp.  bribon, 
it.  birbone,  birbante,  altfr.  briban  landstr eicher.  —  [Gegen  den  vorge- 
brachten deutungsversuch  wendet  Wackernagel  die  muthmaßliche  betonung 
bilibi  ein.  Entscheidend  möchte  der  einwand  doch  wohl  nicht  sein,  da  der 
Romane  den  deutschen  accent  leicht  fortrückt,  für  bilibi  also  bilibi,  end- 
lich blibi  sprechen  konnte.] 


I.   BRICCO -BRILLARE.  67 

Bricco  it.,  brique  fr.  Ziegelstein;  vom  ags.  brice  abgebrochenes  stück; 
engl,  brick,  ursprüngl.  also  ein  bruchstein.  Henneg.  und  bürg,  bedeutet 
brique  Überhaupt  ein  stück:  brique  de  pain  ist  =  ags.  hl&fes  brice.  Bim. 
it.  briccolino  Stückchen.  Zu  demselben  stamme  gehört  wohl  auch  it. 
bricca  rauhe  gegend,  pieni.  brich  cdpe,  comask.  sbrich,  mail.  bricol  ab- 
sture, steile  höhe. 

Bricco  it.  in  s-bricco,  daher  briccone,  pr.  bric,  bricon  (auch  fem. 
bricona),  aitfr.  =  prov.  schelm,  spitzbube  (gesellt  sich  gerne  zu  fol,  s. 
Gar.  II,  24,  LR.  II,  258).  Nach  Ducange  vom  roman.  briga  zank, 
wozu  aber  die  kehitenuis  nicht  passt.  Näher  liegt  ahd.  brecho  verletzer, 
störer,  vgl.  büs-brecho  praedator,  ags.  brica,  dsgl.  altfries.  breker  Ver- 
brecher. 

Brida  sp.  pg.  pr.,  fr.  bride,  citfr.  bridel,  it.  predello  zäum;  vom 
ahd.  brittil,  pritil  (mhd.  brlten  weben).  Eine  andre  form  ist  it.  briglia 
aus  dem  zsgz.  britl,  daher  entlehnt  das  wal.  bregle;  eine  dritte  it.  bröt- 
tine  (für  brettile?) 

Briga  it.  dltpg.,  altfr.  brigue  (broie  NFC.  I,  297?),  sp.  pg.  pr. 
cot.  brega  zank  (ital.  auch  geschäft,  cat.  lärm,  getümmel,  nfr.  bewerbung); 
vb.  it.  brigare,  fr.  briguer  eifrig  streben,  dringend  bitten,  sp.  bregar, 
pg.  brigar  zanken,  sich  anstrengen,  pr,  cat.  bregar,  fr.  broyer  zerreiben ; 
dsgl.  it.  bri gante  aufwieglet  (adj.  geschäftig),  pg.  brigäo  zänker,  sp. 
bergante,  pg.  bargante  spitzbube,  schelm,  fr.  brigand  Straßenräuber;  it. 
brigata  gesdlschaft,  rotte,  heerschaar,  daher  fr.  brigade.  Daß  sich  alle 
diese  Wörter  zu  einem  stamme  brig  mit  kurzem  i  bekennen,  ist  leicht  zu 
ermessen;  die  grundbedeutung  mochte  unruhe,  geschäftigkeit  sein.  Die 
gertnan.  sprachen  bieten  diesen  stamm  nirgends,  bekannt  ist  dagegen  das 
cell,  briga  in  städtenamen  (Humboldt,  Urbewohn.  Hisp.  p.  143)  und  das 
kymr.  brig  gipfele  aber  auch  nur  der  buchstabe  gewährt  anlehnung.  Son- 
derbar liegen  grade  im  ital.  die  worte  am  vollständigsten  und  reinsten 
vor  {vgl.  auch  noch  die  zsgs.  disbrigare,  imbrigare),  während  im  Süd- 
westen der  stamm  zwischen  brig,  breg,  berg,  barg  schwankt.  Das  span. 
Wörterbuch  stellt  auch  ein  veraltetes  briga  Stadt,  flecken  auf,  es  ist  aber 
nur  ein  von  den  gelehrten  eingetragenes  wort.  Brigante  ist  im  ital.  ein 
klares  particip,  das  keiner  herleitung  aus  dem  celt.  völkernamen  Brigantes 
bedarf,  die  franz.  und  port.  formen  brigand,  brigäo  aber  haben  etwas 
fremdartiges,  sie  erinnern  an  truand,  truäo  (s.  das.).  Im  mlatein  verstand 
man  unier  brigantes  leichtes  fußvolk,  daher  fr.  briga ndine  drt  panzer; 
das  it.  brigantino  soll  ursprünglich  raubschiff  bedeutet  haben.  Man  sehe 
auch  Diefenbach,  CeU.  I,  212  ff.,  Goth.  wb.  I,  322,  Orig.  europ.  p.  2  71. 

Brillare  it.,  sp.  pr.  brillar,  fr.  briller  glänzen,  funkeln.  Da  die 
ital.  spräche  nickt  brigliare  gibt,  so  enthielt  auch  das  etymon,  wenn  nicht 
eUes  trügt,  die  doppehonsonanz  11,  die  sich  in  den  übrigen  sprachen  ohne 
Schwierigkeit  erweicht,  und  so  ist  die  bekannte  herleitung  aus  beryllus 
(in  der  parmes.  mundart  brill)  name  eines  wasserheUen  edehteines,  gram- 
matisch vollkommen  richtig,  ja   das  pr.  und  fr.  11  ließe  sich  auf  die  alte 


68  I.   BRIN-BROCCO. 

form  bericle  aus  beryllus  bestehen.  Dem  begriffe  etwas  naher  läge  zwar 
vibrillare  von  vibrare  funkeln,  glitzern,  aber  das  suffix  ill  würde  it.  eil 
(brellare)  verlangen;  für  vibriculare  war  brigliare  zu  erwarten. 

Brin  arag.  pr.,  pg.  brim,  fr.  brin  faser;  scheint  gleiches  Ursprun- 
ges mit  bren,  s.  brenno. 

Brio  it.  sp.  pg.,  briu  pr.,  altfr.  bri  (selten,  z.  b.  DMce.  p.  161,  21) 
lebhaftigkeit,  kraft,  tnuth;  daher  pr.  brivar,  abrivar  drängen,  part.  abri- 
vatz,  altfr.  abriv6  (oft  abrievä  geschr.)  eilfertig,  sp.  brio  so  kraftvoll, 
brigoso  im  Canc.  de  Borna;  ob  auch  it.  abbrivo  voller  lauf  des  Schiffes, 
abbrivare  absegeln,  und  nicht  von  ab-ripare?  Nahe  liegt  gr.  ßgiifv  stark 
sein;  näher  aber  doch  .wohl  das  altirische  brfg  Zeuß  1,  26,  gael.  brigh 
kraft,  leben,  vgl.  wegen  u  aus  g  pr.  crau  aus  crag. 

Brocca  it.,  pr.  fr.  broc  kanne,  krug,  daher  das  Schweiz,  broke, 
brög  kübd.  Nach  Ferrari  vom  gr.  nQo%ovg  wasserkrug;  nicht  verwerf- 
lich, da  der  griech.  anlaut  n  in  einigen  fällen  zur  media  wird.  Wer 
steht  aber  dafür,  daß  dies  wort  nicht  mit  dem  folgenden  identisch  sei,  in- 
dem man  die  kanne  nach  ihrer  hervorstehenden  mündung  oder  schnauze 
(lat.  nasus,  rostrum)  benannte?  Schon  Le  Duchat  dachte  daran.  Ein 
diminutiv  ist  pr.  broisson  hals  der  flasche  {gleichsam  lat.  broceio),  pic. 
brochon  auch  visier  des  helmes  (ursprüngl.  etwas  hervorstehendes). 

Broc co  it.  (verstärkt  sbrocco,  sprocco)  spitzes  abgebrochenes  hölz- 
chen,  auch  sprößchen,  parm.  broch  ast,  altfr.  und  noch  picard.  broc  spitzef 
spieß,  dsgl.  mit  c  piem.  brocio  =  it.  brocco,  lomb.  broc  =  broch,  fem, 
it.  brocca  oben  gespaltener  stecken,  sie.  brocca  dass.,  auch  pfropfreis, 
würzeichen,  piem.  parm.  ven.  broca  kleiner  nagel,  lomb.  ast  (wie  das  masc.)y 
sp.  broca  spule,  bohrer,  schuhmacherzweck,  pr.  broca,  fr.  broche  spieß, 
hölzerne  nadel  (s.  brocca  DG.);  dimin.  it.  bröecolo  koMsprosse  (vgl.  die 
bedeutungen  des  it.  sverza  kohl  und  Splitter);  vb.  it.  broccare,  pr.  brocar, 
fr.  brocher  stechen,  sticken,  daher  broccato,  brocard  ein  mit  blumen  durch- 
wirkter  stoff.  Dieses  rom.  brocc  würde  dem  lat.  broecus  entsprechen, 
wenn  die  bedeutung  der  lexica  *  einer  der  hervorstehende  zahne  hat,  dsgl. 
ein  solcher  zahn  selbst*  oder  'hervorstehend,  von  zahnen  (Freund),  haltbar 
wäre,  welches  aber  Schwenck,  Deutsch,  wb.  p.  xvi,  toiderlegt,  indem  er  dem 
worte  nur  die  bed.  dicklippig  oder  kurzlippig  (so  daß  die  oberen  zahne 
nicht  bedeckt  sind)  als  eine  mögliche  zugesteht.  Merkwürdig  ist,  daß  diese 
bloß  auf  die  lippen  bezogene  bedeutung  auch  die  der  alten  lat. -deutschen 
glossare  ist:  chochleftzig,  hochmundig\  oder  'des  syne  oeverste  lypp  dicke 
is'  Dief.  Gloss.  lat.  germ.  82a,  eine  bedeutung,  die  freilich  schon  in  dem 
Gloss.  vetus  512  vorlag:  brocca  'labrosa,  oder  in  einem  der  Erfurter  glos- 
sare p.  278b:  broecus  cqui  labrum  super  justum  modum  habet  \  Broecus 
ist  also  nicht* zu  brauchen,  ober  was  bleibt  übrig?  Frisch  verweist  auf 
das  deutsche  sprot,  sprofs,  das  aber  trotz  der  ital.  form  sprocco  nicht 
passt.  Menage  und  Ferrari  gewinnen  das  roman.  wort  aus  lat.  veru 
mittelst  des  Suffixes  oc:  veroc  vrocc  brocc;  aber  dies  suffix  wird  schwer- 
lich auf  den  in  broc  enthaltenen  begriff  angewandt,  nimmt  auch  im  span^ 


L   BRODO— BRONZO.  69 

regelmäßig  die  form  uec  an.  Noch  weniger  geht  verüculum.  Was  das 
deutsche  brocken  und  brach  betrifft,  so  geben  sie  immer  nur  den  sinn  des 
abgebrochenen,  der  im  roman.  nicht  entschieden  vertreten  ist.  Vollkommen 
befriedigt  ir.  gael.  brog  (verb.)  stacheln,  brog  ahle  (mit  verschiedenen 
derivaten),  wenn  dieser  stamm  nicht  aus  dem  roman.  entlehnt  ist. 

Brodo,  broda  it.,  sp.pg.  brodio,  bodrio,  pr.  bro,  daher  fr.  brouet 
brühe;  vom  ahd.  brod,  ags.  brodh,  ir.  broth,  gael.  brot,  alle  mit  derselben 
bedeutung;  rtüat.  brodium,  Kbrueg%    Voc.  opt.  10,  142  und  anderwärts. 

Broglio  und  bruolo  it.  (s.  erster  es  bei  Ferrari),  pr.  bruelh,  fr. 
breuil,  fem.  pg.  brulha,  pr.  bruelha,  altfr.  bruelle  umzäuntes  gebüsch 
oder  baumstück,  bruhl;  vb.  it.  brogliare,  altsp.  brollar,  pg.  pr.  brolhar, 
fr.  brouiller,  pg.  auch  abrolhar  sprossen,  sprudeln,  sich  empören  (hervor- 
brechen),  it.  broglio  emporung.  Ein  altes  Zeugnis  gewährt  das  Capit.  de 
vMi»:  luco8  nostros,  quos  vulgus  brogilos  vocat,  sonst  auch  broilus,  bro- 
lins  im  ndatein.  Das  wort  wird  für  cdtisch  gehalten:  kymr.  brog  hei  fit 
auf  Schwellung,  ein  mit  keimen  und  sprudeln  verwandter  begriff;  brog-il 
aber  mit  dem  sufßxe  il  hat  sichtbarlich  deutsche  ausprägung  erfahren, 
wenn  nickt  die  wureel  selbst  deutsch  war  (vgl.  mhd.  brogeii  sich  erheben), 
wie  denn  das  wort  auch  in  alten  deutschen  Ortsnamen  vorkommt,  Graff 
III,  282,  Forstemann  II,  298.  Abgeleitet  von  fr.  brouiller  vermengen, 
verwirren,  trüben,  ist  brouillon  Unruhstifter,  dsgl.  coneept  (eigentl. 
sudelllatt),  aber  wohl  nicht  brouillard  nebcl,  s.  brou£e  II.  c. 

Bro  n co  it.  stamm,  stock,  ast,  sard.  bruneu  Schößling  (dsgl.  schnauze, 
wofür  auch  runeu),  fem.  fr.  bronöhe  Strauch,  altsp.  broncha  ast;  abgel. 
it.  broncone  abgehauener  ast;  vb.  fr.  broncher  straucheln  (wie  it. 
cespo  Strauch,  cespicare  straucheln),  pr.  abroncar  anstofien,  anklopfen. 
Vergleicht  man  formen  wie  parm.  brocon  =  it.  broncone,  maü.  brocca 
ast  =  altfr.  bronche,  so  könnte  n  eingeschoben  sein  und  bronc  könnte  zu 
brocc  gekoren.  Doch  mag,  da  bronc  eher  etwas  stumpfes  als  etwas  spitzes 
bedeudet,  noch  erwogen  werden  ahd.  brach,  ndl.  brok  etwas  abgebrochenes, 
abgestumpftes  (daher  Strauch,  staude),  dem  das  pr.  bruc  in  jedem  sinne 
entspricht,  s.ILc.  Dieselbe  herkunß  verräth  auch  das  sp.pg.  adj.  bronco 
rauh,  plump,  stumpf  von  geist  (vgl.  für  diese  bildliche  anwendung  lat. 
truneus  und  nhd.  klotz),  so  wie  pr.  bronc  grobheit;  in  ersterem  erblickt 
Aldrete  fol.  47*  entschieden  das  lat.  broneus. 

Bronzo  it.,  sp.  bronce  {auch  umgestellt  brozne),  fr.  bronze  eine 
metaUmischung,  glockenspeise,  erz;  adj.  it.  bronzino  erzfarbig,  mgr. 
i%bi  xai  dio  rtoQrag  ngovr^iveg  ehdhne  thüren  DC.  gloss.  graec;  vb.  it. 
abbronzare  verbrennen,  schwärzen  (von  der  sonne),  altsp.  bronzar,  fr. 
bronzer  eine  erzfarbe  geben.  Obryzum  aurum,  xqvoiov  oßQvtpv,  ist  gold, 
da»  die  feuerprobe  bestanden  hat,  in  mittdlat.  glossaren,  z.  b.  bei  Papias, 
auch  'splendor  aur%  :  sollte  man  obryzum  auf  die  nach  ihrem  gusse  gold- 
ähnliche  erzmischung  übertragen  haben?  Hat  man  doch  auch  das  messing 
gclderz  genannt,  s.  unten  oricalco.  Das  roman.  wort  müfite  in  Italien 
geprägt  worden  sein,  wo  der  anlaut  o  leicht  abfallen  und  n  vor  dem  dental 


70  I.    BROTE— BRUCIARE. 

leicht  eintreten  kannte.  Aber  sicherer  erklärt  man  es  doch  wohl  mit  Mu- 
ratori  und  andern  aus  bruno,  so  daß  es  für  brunizzo  stände,  weiches 
bräunlich  heißen  konnte,  freilich  mit  einer  Zurückziehung  des  accentes,  die 
in  nominalableitungen  nur  selten,  z.  b.  im  iL  pincio  aus  piniceus,  vor- 
kommt; brunitius  aber  findet  sich,  von  der  färbe  der  pferde  gebraucht,  in 
den  Gloss.trev.Hoffm.p.3,  36:  mannus  brun  tos,  quem  vulgo  brunicum 
vel  brunitium  vocani  Wegen  der  bedeutung  vergleiche  man  auch  brunire 
glänzend  machen,  metdllglanz  geben.  Ein  treffliches  etymon  wäre  engl. 
brafs  erz,  hupf  er,  ags.  bras,  ließe  sich  a  so  leicht  in  o  verdrehen.  In  der 
venez.  mundart  heißt  bronza  glühende  kohle,  vielleicht  das  dtsche  bremst 
gluth.  —  [Dieser  deutung  stellt  sich  eine  neuere  gegenüber,  aus  dem  per- 
sischen buring  oder  piring,  bei  Richardson  copper,  voiuable  mountain  brass, 
orichalk,  s.  Dozy  26,  auch  von  Diefenbach  ausgesprochen,  der  übrigens 
gesteht,  daß  der  vocal  nicht  stimme  und  Zwischenstufen  nicht  bekannt  seien.] 

Brote,  brota  sp.,  pr.  brot,  fr.  brout  (fehlt  it.  pg.)  knospe,  auch  sp. 
pr.  broton;  vi.  sp.  pr.  brotar  knospen;  vomahd.  broz  sprosse,  brozzen 
sprossen.    Cdt.  beziehungen  in  Diefenbachs  Goth.  wb.  I,  322. 

Broza  sp.  abfall  von  bäumen,  rinde,  blätter,  pr.  brossa,  fr.  brosse 
kleines  borstiges  gestrüpp,  heidekraut,  dsgl.  sp.  broza,  bruza  bürste,  so 
auch  fr.  brosse,  masc.  pr.  brus  bruybre L.Rom.;  daher  fr.  broussaille 
Strauchwerk,  wohl  auch  it.  bruzzaglia  gesindel.  Erwägt  man  die  altfr. 
nebenform  broce,  pic.  brouche,  so  muß  ss  =  st  sein  und  auch  pr.  brostar, 
fr.  brouter  (für  broüter)  abweiden  (altfr.  broust  weide,  blätterdbfall)  ist 
hieher  zu  ziehen;  it.  brustia  (bei  Ferrari)  =  sp.  bruza  zeigt  gleichfalls 
st.  Im  gad.  bruis  bürste,  abfalle,  oder  kymr.  brwys  üppiger  wuchs  ist 
broza  nicht  zu  suchen,  da  die  form  sich  nicht  hinein  fügt;  genau  passt 
ahd.  burst,  brusta  d.  i.  börste,  kämm  (etwas  struppiges),  besonders  deut- 
lich hervortretend  im  fr.  compos.  rebours  gegenstrich,  rebourser,  re- 
brousser  gegen  dm  strich  d.  h.  gegen  die  börste  eines  thieres  fahren,  vgl. 
mlat.  rebursus  struppig.  Die  form  mit  st  erinnert  dagegen  unmittelbar 
an  alts.  brustian  sprossen,  bret.  broust  Strauch,  brousta  abweiden. 

Bruciare,  brusciare  (in  abbrusciare)  it.,  pr.  bruzar,  bruizar,  chw. 
brischar  verbrennen;  daher  abgel.  #.  brustolare,  abbrustiare,  pr.  bruslar, 
fr.  brüler.  Da  sich  zu  diesem  begriffe  nirgends  ein  stamm  bruz  oder  brüst 
bietet,  so  darf  eine  nicht  ungeschickte  deutung  MuratorVs  aus  einem  tat. 
compositum  hier  eine  stelle  finden.  Aus  perustus  fließt  ein  frequentativ 
perustare,  welches  romanisch  in  prustare  syncopiert  ward,  daher  mit  er- 
weichung  des  anlautenden  p  in  b  brtistare,  wofür  es  mehrere  unzweifel- 
hafte fälle  gibt,  endlich  mit  bekannter  behandlung  des  st,  it.  brusciare, 
entstellt  in  bruciare  (vgl.  cacio  für  cascio  u.  a.),  pr.  bruzar  statt  brussar. 
So  von  dem  hypothetischen  perustulare  it.  brustolare  u.  s.  w.  Woäwch 
diese  deutung  einigen  anhält  gewinnt,  ist  daß  brustolare,  brusler  formell 
zu  dem  vorhandenen  roman.  verbum  ustolare  d.  h.  zu  dem  gleichfalls 
vorhandenen  lat.  ustulare  passt,  so  daß  die  formen,  mit  anlautendem  b 
nur  daraus  erweitert  zu  sein  scheinen.  Dieses  ustulare  findet  sich  auch 
im  altsp.  uslar  JBc,  pr.  usclar  (für  ustlar),  wal.  ustura. 


I.   BRUCO-BUBBONE.  71 

Braco  it.  raupe,  sp.  brugo  erdfloh,  von  brächus  (ßQOv%og)  heur 
sehrecke,  hei  Prudentius;  daher  auch  it.  bracare  des  lautes  berauben, 
abblatten?  Eine  andre  itdl.  form,  brucio,  weist  auf  eine  abl.  brucheus. 
Vgl.  weil,  vruh  maihäfer. 

Brugna  it.,  pg.  brunho,  abrunho,  sp.  bruno,  fr.  brugnon,  mail. 
brugnoeu,  dsgl.  fr.  brignole  pflaume,  Pflaumenbaum.  Sie  sind  augen- 
scheinlich verschiedener  herkunft.  Da  neben  it.  brugna  auch  prugna, 
neben  brugnoeu  auch  prugnölo  besteht,  so  ist  eine  erweichung  des  anlautes 
p  in  b  anzunehmen,  indem  sich  prugna  aus  prunea,  wie  ciriegia  aus 
cerasea,  erklärt  Sp.  bruno  schwarze  pflaume  scheint  aber  auf  das  adj. 
bruno  zurückzugehen.  Im  fr.  brignole  erkennt  man  den  narrten  der 
pflaumenberühmten  Stadt  Brignole  (Broniolacum  nach  Menage). 

Bruire  it.,  fr.  bruire,  pt.  brugir,  bruzir,  comask.  brügi,  alteat. 
brogir  rauschen,  murmeln;  sbst.  it.  brufto,  fr.  bruit,  pr.  brüit,  brüida. 
Nicht  unwahrscheinlich  ist,  schon  nach  Menage,  dem  lat.  rugire,  sbst.  ru- 
gitus,  um  der  onomatopöie  willen  ein  b  vorgesetzt,  wenn  nicht  bereits  in 
der  römischen  Volkssprache  eine  form  brugire,  dem  gr.  ßQv%siv  nahe 
liegend,  vorhanden  war.  In  der  L.  Alam.  begegnet  für  rugit  die  lesart 
brugit.    Prov.  bruzir  würde  sich  freilich  auch  ins  lat.  rudere  fügen. 

Bruma  sp.  pg.  pr.,  fr.  brume,  cat.  ausgeartet  in  broma  dunst,  nebel, 
wal.  brume  reif;  von  bruma  kürzester  tag,  winterzeit,  bereits  in  den 
Lindenbr.  glossen  bruma  'ripho*  reif,  vgl.  auch  die  Flor,  glossen  (Diu- 
tiska  II,  233). 

Bruno  it.  sp.  pg.,  pr.  brun,  fr.  brun  fuscus;  vom  ahd.  brön,  nhd. 
braun.  Daher  vb.  it.  brunire,  sp.  brunir,  bronir,  vgl.  pg.  brunir,  bor- 
nir,  pr.  fr.  brunir  polieren,  wie  mhd.  briunen  glänzend  machen. 

Brusco  it.  sp.,  brusc  fr.  (woher  unser  brtlsch),  pg.  fem.  brusca 
myrtendorn,  Stechpalme,  mittelgr.  urtQovoxog',  von  ruscum  (woher  auch 
nhd.  rusche)  mit  verstärktem  anlaut:  nicht  anders  verhält  sich  pr.  brusc 
rinde,  bienenkorb  zum  gleichbed.  rusca,  it.  bruscare  abrinden  zum  com. 
rusca  mit  ders.  bed.  Dahin  auch  pr.  cat.  brusca  gerte  (wie  fr.  houssine 
von  honx,  8.  das.). 

Brusco  it.  etwas  herb  von  geschmack  {z.  b.  wein),  dsgl.  mürrisch, 
unfreundlich,  sp.  pg.  brusco  auffahrend,  verdrießlich,  finster  (z.  b.  vom 
hitnmel),  fr.  brusque  auffahrend,  hitzig;  vb.fr.  brusquer  grob  anfahren. 
Nicht  unpassend  erklärt  es  Ferrari  aus  dem  adj.  labruscus  in  vitis  oder 
uva  labrusca  wilde  d.  i.  herbe  traube;  die  erste  sübb  fiel  auf  itdl.  weise 
ab  und  so  wanderte  das  wort  in  die  andern  gebiete.  Eben  so  gut  mit  dem 
buchstaben,  theilweise  mit  dem  begriffe  genügt  ihm  ahd.  bruttisc,  zsgz. 
brutt'sc,  finster,  grimmig,  doch  mag  das  lat.  wort  auch  hier  den  Vorrang 
haben. 

Bubbone  it.,  sp.  bubon,  pg.  bubäo,  fr.  bubon,  wal.  buboiu  baue, 
geschunUst;  vom  gr.  ßovßiov  dass.  Hieraus  zog  man  ein  primitiv  sp. 
buba,  bua,  pg.  bouba,  bubo,  fr.  bube,  wal.  bube;  ein  auch  bei  mehreren 
andern  romem.  Wörtern  wahrzunehmendes  verfahren,  $.  Born.  Gramm.  1, 29. 


72  BUCATO-BUF. 

Bucato  it.,  sp.  pr.  bugada,  fr.  bu6e  das  waschen  in  lauge,  bürg. 
buie  lauge;  vb.  nur  altfr.  buer,  chw.  abgel.  buadar  in  lauge  waschen, 
bret.  buga,  das  auf  ein  älteres  fr.  buguer  deutet.  Es  ist  augenscheinlich 
unser  nhd.  bauchen,  ndd.  bücken,  aber  nicht  daher  entlehnt.  Passend 
leitet  es  Ferrari  (mit  welchem  Weigand  bei  Diefenbach,  Goth.  wb.  I, 278, 
zusammentrifft)  vom  it.  buca  loch  (bucare  durchlöchern),  weil  die  lauge 
durch  ein  mit  kleinen  löchern  versehenes  tuch  geseiht  werde;  im  span.  wird 
darum  dieselbe  Handlung  colada  {durchseihung)  genannt,  wie  Schneller  s.  v. 
sechteln  anmerkt. 

ßucherame  it.,  cot.  bocaram,  pr.  bocaran,  boqueran,  fr.  bougran, 
mhd.  buckeram  ein  steifes  gewebe  von  leinen  oder  baumwolle,  ursprüng- 
lich, wie  man  glaubt,  von  Ziegenhaaren,  daher  der  name  (boc,  boc-ar-an) ; 
nach  Schmeller  111,  413  aber  vom  it.  bucherare  durchlöchern,  also  eigentl. 
lockerer  erst  durch  leim  gesteifter  zeug. 

Buco  it.  sp.  loch  (fehlt  pg.)9  dsgl.  sp.  buque  gehält  hohler  korper, 
bauch  der  laute,  rümpf  des  Schiffes,  cot.  buc  wie  sp.  buque,  dsgl.  bauch 
des  menschen,  und  nebst  pr.  altfr.  buc  bienenkorb,  com.  bugh  rümpf,  fem. 
nur  it.  buca  loch,  höhle;  vb.  it.  bucare  durchhöhlen;  vom  ahd.  bfih, 
das  im  mhd.  buch,  im  altn.  bükr,  im  mndl.  buk,  buik  (Huydecoper  zu 
Stoke  III,  469)  bauch  und  rümpf  hieß,  also  beide  roman.  bedeutungen 
(bauch  =  höhle)  einschloß,  im  älteren  ndl.  biebuyck  KU.  auch  die  bed. 
apiarium  hatte,  vgl.  Adelung,  Mithr.  II,  536.  Damit  ist  zsgs.  sp.  pr. 
trabucar,  fr.  tröbucher  zu  boden  werfen,  (intr.)  stürzen,  purzeln,  eigentl. 
mit  dem  rümpf  aus  der  richtung  bringen  oder  kommen,  gleichsam  Über- 
rümpfen,  vgl.  it.  tram-bustare  umstürzen,  von  busto  rümpf.  Von  trabucar 
ist  sbst.  sp.  trab u co,  pr.  trabuc,  trabuquet,  fr.  Umbuchet  ein  wurf- 
geschütz.  Als  eine  auf  bocca  (mund)  zurückgeführte  umdeutung  fasse 
man  it.  traboccare,  trabocco,  trabocchetto,  mlat.  tribocus  Voc.  qpt.y 
mhd.  triboc,  s.  Müller  im  Wb.  III,  89;  dafür  richtiger  ven.  trabucare, 
(Mit.  trabucco  PPS.  I,  21,  com.  trabuc,  veron.  strabuco. 

Budello  it.,  altsp.  budel  Alx.,  so  auch  pr.,  fr.  boyau  (alt  boel) 
dorm;  von  botellus  ivür stehen,  bei  Martial;  die  rom.  bedeutung  schon 
im  frühen  nüatein,  z.  b.  L.  Angl.  si  intestina  vel  botelli  perforati  claudi 
non  potuerint.  Nach  Gellius  17,  7  war  botulus  ein  nur  dem  volke  an- 
gehöriges wort;  nicJtt  dies,  sondern  das  diminutiv,  hat  sich  behauptet. 

Buf  pr.  fr.  interjeetion;  it.  buffo,  mail.  boff  Windstoß;  it.  buffa, 
sp.  bufia  posse  (daher  buf  föne),  cdtfr.  buffe  schlag,  stoß,  bufet  ohrfeige, 
wcdlon.  bofet  nadelküssen  (d.  i.  etwas  aufgeblähtes,  ausgestopftes),  sp. 
bofeton  =  altfr.  bufet,  neupr.  buffo  hinterbacken,  altfr.  buffoi  hochmuth; 
vb.  it.  buffare,  parm.  boffar,  sp.  pg.  pr.  bufar,  fr.  bouffer  und  bouffir, 
neupr.  buffä,  bouffä,  blasen,  aufblasen,  altfr.  buffier  bcohrfeigen;  abgel. 
neupr.  bouffigA  sich  aufblasen,  bouffigo  blase  im  leibe.  Die  berührung 
von  blasen  und  schlagen  ist  nicht  ungewöhnlich,  fr.  souffler  und  soufflet 
liefern  ein  nahe  liegendes  beispiel.  Die  german.  sprachen  besitzen  den- 
selben wortstamm,  ziehen  aber  die  tenuis  im  anlaute  vor:  mhd.  buf,  puf, 


L  BUGIA-BUGNA.  73 

nhd.  puff  als  interj.  und  sbst.,  dsgl.  puffe,  paffen,  puffer,  so  auch  fr. 
ponf  interj.,  vb.  poaffer  bersten,  weil,  puf&iu  aufgeblasenhext.  Entlehnung 
dieses  weitreichenden  naturausdruckes  aus  dem  deutschen  anzunehmen,  thut 
aber  nicht  noth:  läßt  es  sich  doch  in  unsern  ältesten  mundarten  nicht 
nachweisen.  Merkenswerth  ist  noch  das  it.  adj.  b Office  bauschig,  eine 
offenbare  anbüdung  an  söffice ;  piem.  schlechtweg  bof.  —  Welcher  umstand 
dem  credenztische  franz.  den  namen  buf  fet  gab  (schon  altfr.,  s.  Fer.  155h), 
ist  unbekannt;  sp.  bafete  heißt  Schreibtisch:  waren  diese  möbelstücke  etwa 
hauchig,  gleichsam  aufgetrieben?.  Nach  Mahn  p.  106  ist  baffet  eigent- 
lich prunktisch,  von  buffer  aufblasen,  worin  der  begriff  der  pracht  und 
des  prunkes  stecke,  daher  auch  ältfr.  bufoi  pomp. 

Bagfa  it.,  lomb.  busfa  lüge,  pr.  bauzia,  bauza,  altfr.  boisie  trug, 
Hinterlist;  vb.  bngiare  lügen,  bauzar,  boiser  hintergehen-,  pr.  baussan 
(fem.  -ana)  betrüger;  auch  sp.  bausan  Strohmann  den  feind  zu  täuschen? 
Die  stammvocate  u,  au,  oi  zielen  unläugbar  auf  ein  urspr.  au,  vgl.  it. 
rubare  =  pr.  raubar,  altfr.  poi  =  pr.  pauc:  nur,  so  scheint  es,  in  un- 
betonter silbe  {also  nicht  in  bauza)  kann  pr.  au  aus  o  entstehen.  Muth- 
maßlich  ist  das  wort  deutsch:  ein  vb.  bausjan,  bausan  würde  bauzar, 
boiser,  bugiare  nebst  mlat.  bausiare  umfassen.  Beruhte  das  ahd.  pösi 
schlecht,  gebrechlich,  nichtig,  nhd.  böse,  auf  einem  altern  bausi,  was  bei 
der  Unbestimmtheit  des  ahd.  6  nicht  schlechthin  anzunehmen  ist  (das  wort, 
dessen  deutschheit  GHmm  1*  100  zweifelhaft  schien,  die  er  aber  später 
zugab  s.  Über  die  namen  des  donners,  fehlt  goth.  ags.  altn.),  so  wäre  der 
form  damit  genüge  zu  thun;  bösa  bedeutet  posse  (ganz  das  pr.  bauza), 
bosön  lästern,  vielleicht  auch  lügen  wie  lat.  nugari.  Ital.  bugiare,  busare 
heißt  auch  durchlöchern,  bugio  loch  (ältsp.  buso),  adj.  bugio,  buso  durch- 
löchert, leer,  bedeutungen,  die  gleichfalls  in  bösi  (eitel,  gehältlos)  ihre 
befriedigung  finden  würden.  Man  sehe  auch  Schwende  v.  posse.  —  Neben 
altfr.  boisie  begegnet  noch  eine  form  boisdie  (adj.  boisdif),  die  eine 
bloße  anbüdung  an  das  sinnverwandte  voisdie  (5.  unten  vizio)  sein  muß, 
da  kein  adj.  bois£,  woraus  boisedie  boisdie  werden  konnte,  vorliegt. 

Bugia  it.,  so  auch  sp.  pg.,  pr.  bogfa  (v.  j.  1460),  fr.  bougie  (v.  j. 
1312,  s.  Roquef  zu  Mar.  de  Fr.  1,  63)  wacliskerze ;  von  Bugie  in  Nord- 
africa,  woher  sie  ehemals  durch  den  handel  nach  Europa  kamen  (Menage). 

Bugna  mail.  venez.,  romagn.  bogna,  neupr.  bougno,  altfr.  bugne, 
nfr.  bigne  (bei  Menage  beugne)  beule,  masc.  mail.  bugn,  sard.  bugnu 
dass.,  romagn.  bogn  finne  (kleine  beule);  dbgel.  veron.  bugnon  stoß; 
crem,  bugn occa  beule;  npr.  bougneto,  fr.  beignet,  bignet,  sp.  buüuelo 
ein  aufgelaufenes  backwerk,  limous.  bouni.  Gleichbed.  mit  pr.  bougno  ist 
boudougno  (s.  bouder  II.  c.) :  sollte  jenes  aus  diesem  contrahiert  und  so 
in  die  übrigen  sprachen  eingedrungen  sein?  Verwandtschaft  mit  ahd. 
bnngo,  mhd.  bunge  knollen,  altn.  bflnga,  alt  engl,  bung  nebst  bunny  ge- 
schwulst  liegt  nahe  genug,  schwerlich  ist  aber  das  rom.  wort  aus  dem 
deutschen,  dem  eine  form  bonga  besser  entsprochen  hätte ;  aus  becke-bunge 
machte  der  Italiener  becca-bungia,   was  aber  wohl  ein  wort  von  spätem 


74  I.    BUJO-BUSCA. 

gepräge  ist.  Bei  fr.  bigne  ist  die  identität  noch  fraglich,  da  die  ausartung 
des  u  in  i  eigentlich  nur  in  mundarten  geltung  hat. 

Bujo  it.  dunkel,  lomb.  bur.  Seiden  formen  kann  nur  ein  etymon 
bureus,  burius  genügen  und  hiermit  verträgt  sich  auch  sp.  buriel,  pr. 
burel  braunroth,  ältfr.  buire  (cape  buire  G.  d'Angl.  p.  104)  dass.,  neufr. 
buret  purpurschnecke;  it.  burella  und  bujose  (plur.)  dunkler  Tcerker. 
Bei  Festus  findet  sich  burrum  antiqui  quod  nunc  dicimus  ruf  um:  dieses 
altlat.  wort,  das  man  aus  dem  gr.  nvfäog  herleitet  (womit  auch  Diefen- 
bach,  Orig.  europ.  p.  260,  einverstanden  ist),  scheint  sich  erhalten  eu 
haben,  und  wiewohl  weder  form  noch  begriff  genau  eu  bujo  sich  schicken, 
so  dürfte  dieses  doch,  wenn  man  sich  eine  abl.  burrius  denkt  (vgl.  fujo 
von  f urvius  d.  i.  furvus  u.  dgl.  Rom.  gramm.  II,  301)  und  den  bei  färben 
üblichen  wandet  der  bedeutung  in  anscUag  bringt,  seine  erUärung  darin 
finden,  wie  auch  schon  andre  vermuthet  haben.  Oft  gibt  die  färbe  dem 
stoff  dm  namen:  daher  fr.  bure  grobes  wollenes  tuch;  sp.  buriel,  pg. 
pr.  burel,  fr.  bureau  dass.,  in  letzterer  spräche  auch  eine  mit  solchem 
tuche  bedeckte  tafel;  it.  buratto,  und  andere  abll.  Schon  das  lat.  wort 
bezeichnet  in  der  form  birrus  (i  so  gut  wie  u  aus  gr.  v)  ein  kleidungs- 
stück,  oberkleid  bei  Vopiscus,  zottiges  kleid  bei  Papias,  vgl.  oben  berretta. 

Burla  it.  sp.  pg.,  npr.  bourlo  posse,  spass,  spott;  vb.  it.  burlare, 
sp.  pg.  burlar  spott  treiben,  verhöhnen;  pr.  nur  sbst.  burlaire,  aitfr.  nur 
bourleur;  adj.  it.  burlesco  u.  s.  f.  Ausonius  hat  tyirra  lappalie  (urspr. 
wohl  zotte,  rom.  borra,  s.  oben,  vgl.  it.  fioeco  flocke  und  posse),  hieraus 
entstand,  wie  schon  Menage  behauptet,  burrula  (so  im  sard.),  burla,  wohl 
auch  sp.  borla  troddel. 

Burrasca  it.  (aber  mit  o  borrascoso),  sp.  pg.  cot.  borrasca,  fr. 
(entlehnt)  bourrasque  sturmwetter  mit  regen.  Wie  aus  sp.  nieve  nevasca, 
so  erwuchs  aus  it.  borea,  mail.  ven.  romagn.  bora  nordwind  =  lat.  boreas, 
mit  Verdoppelung  des  r,  borrasca,  burrasca.  Sicil.  burraseuni  heißt  dünner 
nebet,  berührt  sich  also  von  Seiten  des  begriff  es  mit  dem  im  it.  brina  IL  a. 
gemuthmaßten  stamme. 

Burro  sp.  pg.  esd.  Daher  mit  gleicher  bed.  pg.  burrico,  sp. 
neap.  borrico,  fr.  bourrique,  lomb.  borich,  it.  brieco;  daher  auch  pr. 
burquier,  wenn  es  eselsstall  heißt.  Buricus  klepper  ist  ein  sehr  altes  wort, 
das  sich  schon  im  5.  jh.  bei  Paul.  Nolanus  vorfindet;  davon  sagt  Isidorus: 
equus  brevior,  quem  vulgo  buricum  vocant.  Vermutlich  nannte  man 
den  esd  burro  von  seinem  zottigen  haar  (borra  s.  o.):  in  der  mundart 
von  Berry,  die  ihn  bourru  d.  i.  zottig  nennt,  ist  dies  deutlich  ausgespro- 
chen. Sonst  wird  das  mlat.  buricus  (büricus  soll  man  sprechen)  von 
burrus  röthlich  (s.  oben  bujo)  abgeleitet.  Vgl.  Diefenbach,  Orig.  europ. 
p.  378.  379. 

Busca  lomb.  piem.  pr.,  sie.  vusca,  altfr.  busche  Splitter,  ccrf.busca, 
brusca  ruthe,  gerte,  fr.  buche  scheit;  vb.  fr.  buch  er  holz  hauen,  pr. 
buscalhar  holz  lesen  GProv.  62''.  Es  ist  wahrscheinlich  mit  bois,  bosc 
(s.  oben  bosco)  gleicher  herkunft,  indem  es  mit  seinem  vocal  auf  die  älteste, 


BUSCARE-CABALA.  75 

freilich  nur  hypothetische  form  buwisc,  buisc  zurückleitet:  seine  Urbedeu- 
tung wäre  hiernach  bauhole,  gespaltenes  holt,  scheu,  demnächst  span. 
splitter.  Die  vergleichung  des  altfr.  embuscher  mit  dem  it.  imboscare 
muß  dieser  herleitung  eur  bestätigung  dienen,  nicht  weniger  das  dem  fr. 
buche  begrifflich  entsprechende  henneg.  boisse. 

Buscare  it.  erhaschen,  sp.  pg.  buscar,  altsp.  boscar  suchen,  nach- 
spüren, fr.  busquer  nachtrachten,  nachstreben;  sbst.  it.  sp.  pg.  busca 
nachsuchung.  Des  wortes  eigentliche  heimath  ist  Spanien,  wo  es  den  dienst 
des  it.  cercare,  fr.  chercher  thut,  prov.  fehlt  es.  Befriedigend  ist  die  alte 
deutung  aus  bosco  gebüsch,  so  daß  es  urspr.  heißt  'durch  das  gebüsch 
gehen  (vgl.  montar  auf  den  berg  gehn),  daher  jagen,  nachspüren,  sp. 
busca  Spürhund,  altsp.  busco  fährte  des  wildes. 

Busto  it.  sp.  pg.,  pr.  bust,  fr.  buste  (m.)  rümpf,  bruststück,  brüst- 
büd;  in  den  Lindenbr..  glossen  busta  *arbor  ramis  truncata.  Gegen  das 
lat.  bustum  (verbrannter  leichnam)  streitet  der  begriff,  und  auch  unser 
deutsches  brüst  kann  nicht  in  erwägung  kommen,  da  der  ausfall  des  r, 
dem  eine  anlautende  muta  vorausgeht,  dem  französischen  wenigstens  und 
italienischen  Sprachcharakter  völlig  zuwider  und  mit  keinem  beispiele  zu 
belegen  ist,  es  müßte  denn  ein  zweites  r  im  worte  enthalten  sein,  so  daß 
der  grund  des  ausfalles  ein  euphonischer  wäre.  Für  busto  sagt  man  ital. 
auch  fusto,  wie  man  bioccolo  für  fioccolo,  bonte  für  fönte  sagt,  und  so 
liegt  die  vermtähung  seiner  entstehung  aus  fustis  nahe  genug,  und  schon 
Ferrari  dachte  daran;  aber  alsdann  müßte  diese  form  von  Italien  aus- 
gegangen sein,  was  allerdings  zweifei  erregt.  Dagegen  wird  keinem  ety- 
mologen  die  beobachtung  entgangen  sein,  daß  sich  die  sprachen  für  rümpf 
oder  brüst  solcher  Wörter  zu  bedienen  geneigt  sind,  welche  behälter,  gefäß 
bedeuten:  so  mlat.  arca  (s.  Ducange),  so  it.  casso  (capsus),  so  engl,  ehest, 
so  unser  rümpf,  ursprünglich  ein  gefäß  aus  baumrinde  (wie  pr.  brusc). 
Warum  sollte  sich  diese  Übertragung  nicht  auch  bei  busto  ereignet  haben? 
Mlat.  busta,  bustula  bedeutet  arca,  arcula,  die  änderung  des  genus  ist 
ein  häufiger  Vorgang,  s.  Rom.  gramm.  II,  18,  wo  zahlreiche  beispiele  ge- 
geben sind;  beide  mlat.  Wörter  aber  sind  aus  buxida,  pyxida  geformt,  s. 
boite  II.  c.  Eine  zss.  ist  it.  im  busto  schnürleib,  brustlatz,  sp.  embuste 
flitterstaat,  lug  und  trug,  embustero  Heuchler  (nach  Larramendi  vom  bask. 
eman  geben,  uste  hoffnung),  it.  trambustare  umwerfen. 

c. 

Ca  dUit.  altsp.  altpg.  conjunetion  s.  v.  a.  lat.  nam,  quia;  wohl  von 
qua  re  (pr.  fr.  car),  nach  andern  von  quia.  Das  churw.  sard.  und  lomb. 
ca  stimmt  begrifflich  zu  que  (daß)  und  könnte  daraus  entstellt  sein.  Altit. 
altpg.  ca  hinter  dem  comparativ  PPS.  II,  79.  95,  D.  Din.,  Trov.  weist 
auf  quam. 

C&bala  it.  sp.  pg.,  cabale  fr.  geheimnisvolle  erklärung  des  alten 
testamentes  u.  dgl.,  auch  hinterlistige  Verhandlung;  vom   hebr.  kabalah 


76  I.   CACAO-CAFFE. 

Überlieferung,  geheimlehre.  Die  von  mehreren  angenommene  herleitung  aus 
engl,  cabal  als  acrostisch  aus  den  namen  von  fünf  staatsräthen  Karls  IL 
widerlegt  Mahn  p.  68. 

Cacäo,  caccdo,  iL,  sp.pg.  fr.  cacäo  die  frucht  eines  südamerikani- 
schen bautnes,  span.  port.  auch  der  bäum  selbst;  vom  mexican.  kakahuatl. 
Der  bäum  heißt  überdies  sp.  cacagual,  pg.  cacaoeiro,  fr.  cacaoyer, 
cacaotier. 

Cacciare  it.,  sp.  pg.  cazar,  pr.  cassar,  altfr.  chacier,  nfr.  chasser 
jagd  machen  auf  etwas,  dsgl.  verjagen;  sbst.  caccia,  caza,  cassa,  chace, 
chasse  jagd.  Das  entsprechende  lat.  venari  ist  in  den  locktersprachen 
allmählich  untergegangen.  Noch  im  altspan.  sagte  man  venar  (z.  b.  CdL. 
e  D.  29b.  56*.  66b),  ebenso  pr.  venar  GRoss.,  altfr.  vener;  gänzlich  fehlt 
es  im  port.  catal.  ital.  churw.,  nur  im  wal.  venä,  präs.  venez,  lebt  es 
fort.  Was  nun  cacciare  betrifft,  so  mögen  unter  den  wenigstens  nicht 
unverständigen  deutungen  des  vielfach  besprochenen  Wortes  nur  erwähnt 
werden  die  aus  cassis  jägergarn,  das  aber  ein  ital.  vb.  cagiare  oder  altfr. 
chaisier  erzeugt  hätte;  die  aus  unserm  hatzen,  dessen  anlaute  jedoch  der 
romanische  widerstrebt;  die  aus  dem  engl,  catch,  das  gleichfalls  Schwierig- 
keiten in  der  form  bietet;  die  aus  laJt.  capsus  (s.  Ducange),  das  sich  ebenso 
verhält  wie  cassis.  Das  beste  hat  Menage  getroffen,  der  es  vom  lat.  cap- 
tare  herleitet:  captare  feras  hieß  schon  dem  Römer  wild  jagen,  und  ein 
altes  glossar  setzt  d-rjQevTTjg  'captator,  vetiator.  Eigentlich  aber  leitete 
der  Romane  sein  wort  vermittelst  des  suffixes  iare  aus  dem  part.  captus, 
also  captiare  cacciare  cet.  s.  Rom.  gramm.  II,  402.  Nur  mit  captiare 
vertragen  sich  die  formen  aller  mundarten;  altsp.  schrieb  man  sogar  cabzar. 
Dieses  captiare  ward  aber  der  allgemeine  ausdruch  für  venari,  welches 
sich  nur  im  prov.  und  altfr.  behauptete.  —  [Mit  reclti  fügt  Gachet  p.  77* 
vorstehender  deutung  das  in  einer  Urkunde  v.  j.  1162  vorkommende  sbst. 
captia  d.  i.  venatio  bei.] 

Cadaüno,  caduno  it.,  sp.  cada  uno,  pg.  cada  hum,  pr.  cada  an 
(noch  jetzt  cadun),  altfr.  cadhun  in  den  Eiden,  später  cheun  LRs.  26, 
pronomen  für  quisque.  Muthmaßlich  ist  caduno  eine  abkürzung  von  U8; 
que  ad  unum  d.  i.  nullo  excepto,  wofür  churw.  s-cadin  (s.  v.  a.  scadun) 
mit  seinem  anlautenden  s  deutlich  spricht;  doch  darf  auch  an  quisque  ad 
unum  (altsp.  quiscadauno  PC,  altpg.  quiscadaun  FGrav.  387)  gedacht 
werden.  In  diesem  sinne  wird  lat.  ad  unüm  omnes  von  Gellius,  Ammia- 
nusx  Apulejus  öfters  gesetzt.  Hiervon  müflte  sich  denn  cad,  euphonisch 
cada,  abgelöst  haben,  um  im  sp.  pg.  pr.  altfr.  (kiede)  ein  selbständiges 
pronomen  zu  bilden.  Etwas  ganz  analoges  bietet  das  ngr.  xa&ivag  für 
quisque,  entstanden  aus  xa#'  eva  (einzeln)  und  ebenso  wie  cada  hat  sich 
das  adj.  xa&e  davon  abgesondert:  xa&e  divdQov  =  sp.  cada  arbol.  Ist 
die  deutung  richtig,  so  beruhen  die  ital.  formen  mit  t  catauno,  catuno  auf 
einer  falschen  Schreibung. 

Caffe  it.,  caf6  sp.  fr.  ein  trank,  vom  arab.  qahvak  eigenÜ.  wein, 
dsgl.  ein  aus  beeren  gekochter  trank  Freyt.  III,  511b  mit  Verweisung  auf 


I.   CALAFATARE-CALANDRA.  77 

SUvestre  de  Saetfs  Chrestomathie;  vgl,,  wegen  des  rom.  i  aus  arab.  h  sp. 
aljöfar  von  algaühar. 

Calafatare  it.,  sp.  calafatear,  pr.  calafatar,  fr.  calafater,  calfeutrer, 
rmttelgr.  xalcupaveiv  die  ritten  besonders  eines  Schiffes  verstopfen  oder 
theeren,  vgl.  pr.  una  caxeta  (kistchen)  empeguntada  e  calefatada  LR.; 
vom  arab.  qalafa  ein  schiff  verkitten  Freyt.  III,  491a,  türk.  qalfät  getheer- 
ter  stopfen  Pihan  p.  76,  vgl.  Monti,  Agg.  cd  voc.  IL  1,  312.  —  Diese 
bekannte  herleitung  beanstandet  Engelmann  und  zieht  das  wort  aus  tat. 
calefectare,  denn  die  frühere  bedeutung  sei  gewesen  'ein  schiff  heizen . 
Augenscheinlich  haben  indessen  die  roman.  formen  eitlen  fremden  anstrich 
und  konnten,  da  sie  sich  der  bildungsregel  nicht  unterworfen  haben  (cale- 
fectare hätte  z.  b.  pr.  calfeitar  geben  müssen),  erst  aus  dem  lat.  Wörter- 
buchs in  die  neuen  sprachen  gelangt  sein. 

Calamandr6a  it.,  sp.  camedrfo,  fr.  germandräe  eine  pflanze,  ga- 
ntander,  gamänderlein;  von  chamaedrys  (xajdalÖQvg). 

Galami naria  sc.  pietra  it.,  sp.  pg.  calamina,  fr.  calamine  kiesel- 
haltiger sink;  vom  glekhbed.  cadmia  (xadpeia,  xadpia)  mit  adjectivsufßxen, 
dtsch.  galmei. 

Galamita  it.  sp.  pg.  (ital.  zuerst  bei  G.  GuiniceUi,  PPS.  I,  73), 
pr.  cot.  caramida,  fr.  calamite,  neugr.  xalafika  (alle  fem.)  magnetnadd, 
auch  magnet.  Von  calamus,  weil  die  nadel  in  einen  halm  (oder  auch  in 
ein  Stückchen  kork)  gesteckt  und  so  in  ein  gefäß  mit  wasser  gelegt  ward: 
en  an  festu  Font  couchiä,  en  Feve  le  metent  sanz  plus  et  li  festuz  la 
tient  desuz,  puis  se  torne  la  pointe  toute  contre  l'estoile  si  sanz  doute 
cd.  Guiot  de  Prot.  FC.  II,  328  (eine  den  nautischen  gebrauch  des  mag- 
netes  um  den  anfang  des  13.  jh.  beweisende  stelle,  s.  z.  b.  Hüllmann, 
Städtewesen  I,  131);  qui  une  aiguille  de  fer  boute  en  un  poi  de  liege 
Michel,  Lais  ined.  pag.  ///.  Die  anwendung  des  Suffixes  ita  auf  sächliche 
gegenstände  ist  übrigens  im  romanischen  so  selten,  daß  man  auch  in  ca- 
lamita  schwerlich  eine  solche  annehmen  darf  Man  konnte,  etwa  in  Italien, 
das  im  latein  vorhandene  calamites  (laubfrosch)  in  hinsieht  auf  dessen 
herkunft  von  calamus  auf  die  neue  Vorrichtung  anwenden,  wobei  man  aber 
das  genus  änderte  und  in  einigen  sprachen  auch  die  endung  mehr  roma- 
nisierte  d.  h.  ida  für  ita  sprach. 

Galandra  it.  pr.,  sp.  cot.  calandria,  pg.  calhandra,  neupr.  calian- 
dro,  cariandro,  fr.  calandre,  mhd.  galander  Wb.  I,  457,  eine  art  lerchen, 
Haubenlerche.  Es  soll  aus  dem  gleichbed.  galerita  oder  aus  caliendrum 
(haube)  entstellt  sein;  eine  zweite  span.  form  caladre  zeugt  für  xctQaÖQiog, 
dessen  bedeutung  zwar  nicht  mit  der  von  calandra,  calandria,  wohl  aber, 
wie  Menage,  Orig.  ital.,  zeigt,  mit  der  des  dimin.  calandrino  zusammen- 
trifft. Dazu  kommt,  daß  in  glossarm  caradrius  gewöhnlich  mit  ahd. 
lerihha  (lerche)  übersetzt  wird.  Über  die  Verwechselung  beider  geschlechter, 
des  charadrius  und  galander,  s.  W.  Grimms  neue  anm.  zu  Freidank 
143,  7.  —  [Zu  dieser  bis  lieute  öfters  besprochenen  und  anerkannten  ety- 
mologie  von  calandra  aus  charadrius  macht  Stier,  Ztschr.  f.  vgl.  sprachf. 


78  I.   CALARE-CALMA. 

XI,  221,  die  überraschende  bemerkung,  daß  dieses  zurückkommen  auf  das 
zweifelhafte  %aQaÖQiog  unbegreiflich  sei,  da  xakavöga  schon  im  griechischen 
vorkomme,  was  denn  die  Wörterbücher  auch  bestätigen.] 

Calare  it.,  sp.  pg.  pr.  calar,  fr.  caler  niederlassen]  vom  gr.  xcäu^v 
nachlassen,  lat.  chalare  bei  Vitruv,  daher  churw.  calar  aufhören,  pic. 
caler  nachgeben,  sich  zurückziehen,  auch  junge  werfen  d.  i.  niedersetzen, 
mettre  bas.  Aus  der  bed.  nachlassen  entfaltete  sich  im  pg.  pr.  calar  die 
bed.  schweigen,  wofür  der  Spanier  die  form  callar  erfand.  Beide  bedd. 
herablassen  und  schweigen  einigt  auch  das  neupr.  cala.  Von  calare  ist 
das  sbst.  it.  sp.  pg.  pr.  cala,  fr.  cale,  dsgl.  it.  neupr.  calanca  kleine 
bucht  d.  h.  eine  stelle,  wohin  man  vom  hohen  meere  hinabsteigt,  auch  gad. 
cala  hafen,  bucht,  rhede,  vb.  cal  in  den  hafen  einlaufen.  Vielleicht  ist 
auch  hieher  zu  nehmen  sp.  cala  sondc,  Zäpfchen,  ursprünglich  wohl  etwas 
zum  einsenken  dienliciies,  sp.  pg.  einschnitt,  vb.  calar  eindringen,  durch- 
dringen, und  selbst  fr.  cale  plattes  stück  holz  als  unterläge  eingeschoben, 
vb.  caler:  denn  das  von  Servius  aus  Lucilius  angefitiirte  cala  passt  mit 
seiner  bed.  stück  brennholz,  xakov,  nicht  wohl  zum  franz.  worte,  zum  Span, 
gar  nicht. 

dal  da  ja  it.,  sp.  caldera,  pr.  caudiera,  fr.  chaudiere  kessd,  ndat. 
caldaria  Greg.  Tur.;  von  caldarius  zum  wärmen  bestimmt;  augm.  ü. 
calderone,  sp.  calderon,  fr.  chaudron. 

Calere  it.,  altsp.  pr.  caler,  fehlt  pg.,  altfr.  chaloir  vb.  impers.  mit 
dem  dativ  der  person,  wichtig  sein,  gelegen  sein,  z.  b.  it.  non  me  ne  cale, 
pr.  no  m'en  cal,  altfr.  il  ne  m'en  chaut  es  liegt  mir  nichts  daran,  altsp. 
dellos  poco  min  cal  PC.  2367,  poco  me  cala  Alz.  140,  non  te  cal  72. 
Es  ist  vom  lat.  calere  aliqua  re  erhitzt  sein  von  etwas,  aber,  wie  andre 
verba,  in  unpersönliche  anwendung  ausgeartet:  calet  mihi  es  ist  mir  heiß 
um  eine  Sache,  sie  liegt  mir  am  lierzen.  Man  vgl.  wegen  der  bedeutung 
z.  bn  gr.  SaXueiv  brennen,  fig.  sorge  machen,  kümmern :  epi  oväiv  &äknei 
*£q$os  an  gewinn  liegt  mir  nichts.  Zsgs.  nfr.  nonchalant  nachlässig, 
nonchalance  nachlässigkeit. 

Cal  esse,  calesso  it.,  sp.  calesa,  fr.  calfeche,  (f.)  ort  haschen;  vom 
böhm.  kolesa,  eigentl.  räderfuhrwerk  (russ.  koleso  rad). 

Galibro  it.,  sp.  fr.  calibre  innerer  umfang  einer  röhre;  nach  Her- 
belot, wie  Menage  sagt,  vom  ardb.  kalib  modelt.  Freytag  III,  485  hat 
qälab  form  zum  erzgiessen,  modelt,  qaltb  brunnen.  —  [Mahn  p.  5  erklärt 
dieses  wort  aus  der  frage  qua  libra?  von  welchem  pfund  oder  gewicht? 
auf  den  durchmesset  der  kugeln  angewandt.  Wenn  er  aber  qalib  darum 
verwirft,  weil  ihm  das  r  fehlt  und  weil  die  bed.  modelt  nicht  passt,  so  ist 
in  betreff  der  ersten  einwendung  zu  erinnern,  daß  der  Romane  diese 
liquida  einem  consonantauslaut  oft  anfügt  und  daß  im  altspan.  sogar  eine 
form  calibo  vorliegt;  in  betreff  der  zweiten,  daß  das  franz.  wort  auch  das 
moddl  bedeutet,  wonach  ein  schiff  gebaut  wird.] 

Galma  it.  sp.  pg.,  daher  fr.  calme  (m.)  windstille,  ruhe,  ndl.  kalm, 
kalmte;  vb.  calmare  ff.   beruhigen,   reinfranz.  chommer  für  chaumer 


I.   CALZADA— CAMICIA.  79 

feiern.  Von  calare  nachlassen?  allein  raa  ist  kein  rom.  suffix.  Sp.  pr. 
calma  bedeutet  auch  die  heiße  tageszeit,  wahrscheinlich  vom  gr.  xavpa 
brand,  hitze,  im  mlat.  für  Sonnenhitze  ganz  üblich,  z.  b.  dum  ex  nimio 
caumate  lassus  ad  quandain  declinaret  umbram  (bei  Ducange).  Selten 
zwar  entstand  al  aus  an  (vgl.  unten  gota),  aber  hier  könnte  es  sich  aus 
anlehnung  an  calor  erklären.  Die  heiße  tageszeit  nöthigt,  schatten  und 
ruhe  zu  suchen  wie  in  dem  mitgetheilten  beispiele,  und  so  mochte  das 
wort  die  bed.  feierzeit,  stille,  ruhe  entwickeln.  Neupr.  chaume  heißt  ruhe- 
seil  der  heerden,  chw.  cauma  schattiger  ort  für  dieselben. 

Galzada  sp.  pg.,  pr.  caussada,  fr.  chaussäe  dämm,  dammweg; 
gleichsam  calciata  von  calx,  eigentl.  mit  kalk  gemauerte  straße,  wie  auch 
der  auf  dem  trocknen  stehende  theü  einer  brücke,  da  er  mit  kalk  aufgeführt 
ist,  diesen  namen  trägt. 

Calzo,  calza  it.,  sp.  calza,  pr.  caussa,  fr.  chausse,  abgel.  calzone 
ff-,  fr.  chausson  un@  cale^on,  eine  fuß-  und  beinbekleidung;  von  calceus. 
Zsgs.  it.  discalzo,  scalzo,  sp.  descalzo,  pr.  descaus,  pic.  däcaus,  lothr. 
deichaux  u.  s.  w.  barfuß,  mlat.  discalcius  L.  Sal.  tit.  58,  für  discalceatus. 

Camaglio  it.,  pr.  capmalh,  altfr.  camail  hals  des  panzerhemdes, 
womit  auch  der  köpf  bedeckt  werden  konnte,  s.  Jubinal,  Sur  les  armes 
defens.  p.  20,  nfr.  mäntelchen ;  von  cap  köpf,  oberer  theü,  und  malha 
panzer.  Auch  sp.  camal  halsring  muß  hieher  gehören,  wohl  auch  gra- 
malla  panzerhemd,  dsgl.  eine  amtstracht. 

Gamarlingo  it.,  sp.  camarlengo,  pr.  camarlenc,  altfr.  chambrelenc, 
nfr.  chambellan,  vom  ahd.  chamarlinc,  nhd.  kämmerling. 

Cambellotto,  ciambellotto  (Marco  Polo),  cammellino  it.,  sp. 
canielote,  chamelote  (Covarruvias),  pg.  chamalote,  camelao,  fr.  camelot 
ein  vornehmlich  aus  Ziegenhaar  und  wolle,  früher  nach  alten  Zeugnissen 
aus  kameelhaar  gewebter,  namentlich  von  den  mönchen  (s.  Ducange)  ge- 
tragener stoff,  mlat.  camelotum,  camelinum,  bei  Joinville  und  im  Renart 
camelin.  Nicht  unwahrscheinlich  hat  camelot,  da  das  suffix  ott  in  älteren 
zeugnamen  nicht  angewandt  erscheint,  seinen  Ursprung  im  gr.  xa^Xonij 
komeelhaut. 

Cambiare,  cangiare  it.,  sp.  pg.  cambiar,  pr.  cambiar,  camjar,  fr. 
cfaanger  tauschen;  sbst.  it.  sp.  pg.  cambio,  pr.  cambi,  camje,  fr.  change 
tausch,  Wechsel;  im  frühsten  mlat.  z.  b.  der  L.  Sal.  und  schon  bei  den 
fddmessem  cambiare  neben  cambire,  letzteres  bei  Apulejus  {%&(atitbiv^ 
xafißuv).    Zsgs.  it.  acambiare,  wcd.  schimbä  u.  $.  f. 

Garn  er  ata  it.  (m.),  sp.  camarada  (m.,  pg.  m.  f.),  fr.  camarade 
(m.  f.)  geführte  (gefährtin);  seiner  bildung  nach  urspr.  ein  collectiv,  nach- 
her auf  eine  einzelne  person  angewandt,  eigentl.  Stubengenossenschaft,  und 
in  dieser  bedeutung  im  ital.  span.  port.  vorhanden  aber  veraltet,  la  came- 
rata  ff.    Analog  ist  das  piem.  mascrada  maskenzug,  einzelne  maske. 

Camicia,  camiscia  it.,  sp.pg.pr.  camisa,  fr.  chemise,  wdl.  cemase, 
alban.  cemise  leinenes  Unterkleid,  hemä;  daher  pr.  altfr.  chamsil  Pass. 
de  J.  Chr.  86  leinenes  Kleidungsstück  oder  zeug  (camiza  d'un  ric  camsil  Jfr.), 


80  I.   CAMINATA-CAMMEO. 

• 

mkU.  camisile,  campsile ;  desgl.  it.  camiciola,  sp.  camisola,  fr.  cami- 
sole  vorhemdchen,  westchen;  zsgs.  it.  incamiciata,  sp.  encamisada,  fr. 
camisade  nächtlicher  Überfall  (wobei  die  Soldaten  ein  hemd  über  der 
rüstung  trugen  um  sich  zu  erkennen).  Das  erste  Zeugnis  bei  Hieronymus: 
volo  pro  legentis  facilitate  abuti  sermone  vulgato:  solent  militantes 
habere  lineas,  quas  camisias  vocant,  man  sehe  Ducange,  Forcellini. 
Demnächst  bemerkt  man  es  in  der  Lex  Sal.,  bei  Gregor  d.  gr.,  Venant. 
Fort.,  Isidorus,  in  alten  Urkunden  e.  b.  Marini  p.  125  v.  j.  564.  War 
es  ein  vocabulum  castrense,  wie  Hieronymus  vermuthen  läßt,  so  konnte  es 
aus  einer  entlegenen  spräche  eingeführt  sein,  was  seinen  Ursprung  noch 
mehr  verdunkeln  muß.  Findet  man  diesen  im  ahd.  hamidi,  hemidi  indu- 
sium,  dessen  arüaut  h  aüfränk.  in  ch,  demnächst  in  c  verhärtet  wäre, 
so  bleibt  das  suffigierte  isia  immer  noch  unklar,  was  auch  bei  Isidors  her- 
leitung aus  cama  (bett)  der  fall  ist:  camisias  vocamus,  quod  in  his  dor- 
mimus  in  camis,  also  bettgewänder ;  oder  bei  der  von  andern  versuchten 
deutung  aus  cannabis.  Hier  ist  nun  zu  bemerken,  daß  eine  noch  einfachere 
bildung  vorhanden  ist,  die  nicht  wohl  aus  camisia  mit  zurückgezogenem 
accent  abgekürzt  sein  kann,  it.  cAmice  (m.),  altfr.  chainse  (m.  f.)  lei- 
nenes gewand,  messhemd  der  priester,  auch  im  slavischen,  z.  b.  illyr.  kamsa 
chorhemd.  Diese  bildung  findet  sich  allerdings  in  einigen  sprachen  fast 
buchstäblich  wieder.  Arab.  qami$  heißt  Unterkleid  Gol.  1965,  Freyt.  III, 
497;  aber  theils  hat  es  in  dieser  spräche  keine  etymologie,  denn  die  wur- 
zel,  der  man  es  zutheilt,  ist  logisch  unverwandt,  theils  ist  eine  so  alte 
entlehnung  aus  dem  arabischen  gegen  alle  Wahrscheinlichkeit  und  eher  der 
umgekehrte  Vorgang  anzunehmen.  Auch  fehlt  es  im  syrischen  und  hebräi- 
schen. Mahn  p.  21  hält  es  gleichwohl  für  ardbisch,  stammend  aber  aus 
dem  indischen  kschauma  leinenzeug.  Ferner  findet  sich  das  rom.  chainse 
im  altirischen  caimmse  'nomen  vestisy  cod.  Prisciani,  also  von  hohem  alter, 
kymr.  camse  langes  kleid,  und  hierin  erkennt  Zeuß  II,  749  das  unzwei- 
felhafte etymon  von  camisia,  ohne  übrigens  auf  das  radicale  Verhältnis 
des  cdtischen  wortes  einzugehn.  Gewiss  ist,  daß  der  rom.  spräche  eine 
wurzel  cam  nicht  genügt,  daß  nur  eine  form  cämis  befriedigen  kann, 
woraus  ein  adjeetivisches  camisia  abgeleitet  ward.  —  [Was  Mahns  her- 
leitung von  qamif  aus  kschauma  betrifft,  so  hätte  der  Araber  (nach  der 
bemerkung  eines  gelehrten  Orientalisten)  die  indische  nominalivendung 
hierzu  anwenden  müssen,  während  er  alle  wirklich  indische  Wörter  ohne 
diese  endung  übernimmt,  sie  auch  nicht  mit  LP  ausgedrückt  haben  würde] 

Caminata,  camminata  it.  saal,  fr.  cheminäe  rauchfang.  Dasndat. 
caminata,  schon  in  einer  fränk.  Urkunde  v.  j.  584  solarium  cum  cammi- 
nata Breq.  p.  79°,  hieß  ein  mit  einer  feuerstätte  (caminus)  versehenes  ge- 
fnach,  daher  die  glosse  Alfrics  caminatum  fyrhus  (feuerhaus)}  ahd.  che- 
minäta.    S.  besonders  Schmeller  II}  295. 

Gammeo  it.  (z.  b.  bei  Benvenuto  Cellini,  mitte  des  16.  jh.),  fr. 
caniäe  (m.)  und  camaieu,  sp.  camafeo  (fehlt  den  altern  ausgaben  der 
akademie),  pg.  camafeo,  camafeu,  camafeio,  mhd.  gämaheu  bei  Konr.  v. 


I.   CAMMINO.  81 

Wurzburg   {die  media  wie  in  gompost,  gugele,  gulter),   nüat.  camaheu 
1376  Paris,  camahelus  (nach  einer  franz.  form  camayeul?)  1321  Paris, 
camahutus  1295  London,  camahotns  1315,  in  heutiger  bedeutung  ein  aus 
zwei    verschieden   gefärbten    schichten  bestehender   erhaben   geschnittener 
stein,  im  weiteren  sinne   überhaupt  ein  erhaben  geschnittener  stein.    Aus 
der  stelle  unua  lapis  de  camaheu  zu  schließen,  hieß  es  auch  die  erhabene 
arbeit  oder  figur   auf  dem  stein,  wie  noch   im  ital.    Man  faßte  solche 
steine  in  ringe,  vgl.  annülos  auri  novem  cum  saphyris,  unum  cum  cama- 
huto ;  das  port.  wort  bedeutet  daher  auch  siegdring,   namentlich  den   der 
konige  und  in  den  Alfonsinischen  Verordnungen  das  königliche  bildnis  auf 
mausen  (Gonstancio).    Die  deutung  von  cammeo    ist  eins  der  schtoieri- 
geren  probleme  romanischer  etymologie.    Frisch   erklärte  es  aus  dem  sp. 
cama  läge,  schuht   (was  wäre  alsdann  feo  in  camafeo?);    Lessing   aus 
gemma  onychea;  Bapp,  Gramm.  IL  a,  127  aus  dem  slav.  kamenj  stein 
(dann  müßte  man  diese  kunstarbeiten  von   den  Slaven   belogen  haben). 
Scharfsinniger  deutet  Mahn  p.  73,   indem  er  gleichfalls  auf  gemma  /zu- 
rückgeht: citfranz.  lautet  es  auch  game  und  dessen  g  konnte  sich  leicht  zu  c 
verhärten,  also   came,   vgl.  dhd.  kimma.     Aus   came    entstand  ein   adj. 
cammaeu8,   daher  das  it.  cammeo.    In  cammahutus   ist  hutus   das  fr. 
haut,  jenes  bedeutet  also  cammaeus  altus,   ein  erhaben  geschnittener  stein. 
Indessen,  genau  erwogen,  stehen  auch  dieser  auslegung  einige  nicht  uner- 
hebliche  Schwierigkeiten  entgegen.   Die  härtung  der  anlautenden  kehlmedia 
in  tenuis  ist  zwar  im  aithochd.  am  rechten  ort,  nimmer  im  romanischen; 
das  mit  aeus  abgeleitete  adjectiv  wäre  das  einzige  beispiel  dieser  ort;  die 
zss.  cammahotus  statt  cammahota  ist  wenigstens  au/fallend.    Romanische 
'  Wörter  sind  ursprünglicher  und  gesünder  als  mittellateinische,  die  des  vor- 
liegenden  f alles  auch  älter:  in  camaheu  und  camafeu   trifft  Frankreich 
mit  Spanien  und  Portugal  zusammen,  was  dieser  form  gewicht  gibt;  das 
span.  i  antwortet  dem  fr.  h,  aus  der  franz.  form  konnte  sich  die  ital.  ge- 
kürzt haben.    Aber  damü  rückt  man  dem  etymon  nicht  naher.    Folgendes 
ist  nur  eine  bescheidene  vermtähung;  in  schwierigen  dingen  kann  mehr- 
seitige  betrachtung  förderlich  ausschlagen,  und  namentlich  ist  eine  verfehlte 
äymclogie  nicht  immer  eine  verlorene  arbeit.    Griech.  xo/ti^a  heißt  einge-* 
schnittenes,  auch  schlag,  prägung;  ein  roman.  diminutiv  davon  wäre  com- 
matulum,   dem   ein  fr.  camaYeu   entsprechen   würde  wie  dem  lat.  vetulus 
das  fr.  vieux  entspricht;  der  anlaut  ca  für  co  wäre  nicht  unregelmäßiger 
als  ca  für  ge  und  findet  sich  z.  b.  auch  in  calessa  für  colessa,   calandre 
für  colandre,  canapö  für  conopä.    Aber  auch  hier  ist  ein  bedenken.    Wie 
kam  man  zu  dieser  anwendung  des  griech.  wortes,  das  man  aus  dem  latein 
nur  in  einer  grammatischen  bedeutung  kannte?    Das  einzige,   womit  sich 
Mohns  auslegung  unterstützen  ließe,   wäre  die   annähme,   daß   das  wort 
nicht  auf  dem  wege  nationaler  ßprachbüdung  entstanden,  daß  es  von  künst- 
lem  und  fachkennern  erfunden  worden  sei.   Doch  wird  die  vorhergehende 
deutung  etwas  mehr  Wahrscheinlichkeit  für  sich  haben. 

Gammino  it.,  sp.  Camino,  pg.  caminho,  pr.  cami,  fr.  chemin  weg; 

6 


82  I.   CAMOZZA— CAMPAGNA. 

vb.  camminare,  caminar,  cheminer  weg  machen,  wandern.  Uc  Faidü 
sagt:  caminar  'equitare  per  stratas,  es  heifit  jedoch  eben  sowohl  zu  fuße 
gehn.  Caminua  für  via  liest  man  schon  in  einem  spanischen  actenstück 
des  7.  jh.:  Oxoma  teneat  de  Furca  usque  ad  Aylanzon,  qnomodo  currit 
in  camino  S.  Petri,  qui  vadit  ad  S.  Iacobum  (DG.).  Ferrari  halt  cam- 
minare für  eine  äbleitung  aus  xa/dnr,  gamba  bug,  bein,  es  heiße  eigentlich 
die  beine  bewegen;  aber  ein  verbalsuffix  in  ist  nicht  nachweislich.  Das 
Substantiv  würde  sich  allerdings  als  camm-in  auffassen  lassen;  aber  der 
sinn  d.  h.  die  herleitung  von  *weg  oder  auch  von  Kgang*  aus  'bein*  mitteilst 
dieses  Suffixes  ist  schwerlich  statthaft.  Glaublicher  noch  wäre  eine  zss. 
cambe-menare  =  it.  menar  le  gambe.  Nach  Bapp,  Gramm.  II.  a,  127, 
ist  cammino  ein  slav.  wort,  eig.  steinweg,  von  kamenj  stein;  allein  theüs 
ist  diese  bedeutung  nirgends  ersichtlich  und  dem  Slavcn  selbst  unbekannt, 
theils  hatte  der  Romane  kein  bedürfnis,  ein  wort  wie  dieses  aus  dem 
Slavenlande  bei  sich  einzuführen.  Vielleicht  ist  es  ein  alteinheimisches: 
eu  dieser  vermuthung  berechtigt  kymr.  cam  schritt,  caman  weg,  s.  Dief. 
Celtica  I,  109. 

Camozza  it.,  sp.  camuza  und  gamuza,  cot.  gamussa,  pg.  camu$a, 
camur$a,  masc.  fr.  chamois,  neupr.  camons,  chw.  camuotech,  chamotech 
ein  der  ziege  verwandtes  in  den  alpengegenden  lebendes  thier,  gemse; 
dazu  it.  camoscio  gemsbock,  oberd.  der  gems.  Die  suffixe  in  den  verschie- 
denen formen  decken  sich  nicht.  Ital.  ozz  ist  ein  übliches,  wenn  auch 
nicht  auf  thiernamcn  (außer  in  bacherozzo  wurm)  angewandtes  suffix, 
daraus  muß  oscio  entstellt  sein;  die  mundarten  kennen  diese  abweichung 
nicht,  z.  b.  tyröl.  camozza,  camozz,  piem.  camossa,  camoss.  Span,  uz 
und  fr.  ois  sind  andre,  sprachrichtige  ableitungsformen.  Die  herkunß  des 
Wortes  ist  ungewiß.  Im  latein  ist  dieser  name  des  thieres  nicht  bekannt, 
es  heißt  rupicapra,  auch  der  Baske  besitzt  nur  ein  entsprechendes  compo- 
situm basauntza  (basa  wild,  auntza  ziege),  der  Walache  hat  capr^  selba- 
tece.  Offenbar  trifft  camozza  mit  dem  mhd.  gam-z,  auch  im  suffix,  zu- 
sammen, wenn  man  ein  älteres  gam-uz  (wie  hir-uz  hirsch)  annimmt,  kann 
aber  nicht  wohl  daraus  geformt  sein,  weil  die  gemeinrom.  Steigerung  des 
anlauts  ohne  ein  schwanken  in  die  media  (denn  auf  sp.  gamuza  kann 
gama  eingewirkt  haben)  ein  allzu  seltenes  ereignis  ist;  auch  kennt  man 
keine  deutsche  würzet.  Gegen  das  erwähnte  sp.  gama  =  lat.  dama  er- 
hebt sich  dasselbe  bedenken,  die  bedeutung  hol  weniger  zu  sagen.  Steub, 
Rhätische  ethnologie  p.  185,  vermtähet  Ursprung  aus  cdtisch  cam  krumm, 
so  daß  gemse  das  thier  mit  den  krummen  hörnern  bedeuten  konnte;  damit 
würde  man  aber  nichts  gesagt  haben,  was  dieses  thier  von  den  verwandten 
hörnerträgern  unterschiede. 

Campagna  it.,  sp.  campaäa,  fr.  campagne  (statt  des  veralteten 
Champagne,  das  auf  die  benennung  einer  landschaft  in  Frankreich  einge- 
schränkt ward)  flaches  gefUde,  flur;  von  Campania,  welches  als  appdlativ 
schon  Gregor  v.  Tours  gebraucht,  s.  Ducange.  Bei  den  feldmessern  ist 
das  adj.  campaneus,  campanius  üblich. 


I.   CAMPANA- CAMUSO.  83 

Campana  it.  sp.  cot.  pr.,  campainha  pg.  glocke,  (Man.  cambane; 
im  frone,  durch  cloche  ausgedrückt,  aber  doch  südlicheren  mundarten  be- 
kannt, Umous.  campano  glocke,  in  Berry  campaine  schelle,  in  einer  hs. 
der  L.  Sei.  als  malb.  glosse  campania  mit  ders.  bed.  (Pardessus  p.  85). 
So  genannt  von  der  landschaft  Campania,  wo  die  glocken  zuerst  für  den 
gottesdienst  eingeführt  wurden,  s.  Ducange.  Das  älteste  Zeugnis  des  wertes 
bei  Isidor  16,  24:  campana  lstatera  unius  lancis  e  regione  Italiae  nomen 
aeeepit;  ihm  also  bedeutet  es  schnellwage  von  der  ähnlichkeit  der  einrich- 
tung,  und  entsprechende  bedeutungen  hat  auch  das  wal.  cumpene  wag- 
schale, brwmetischwengel.  Bei  Beda  und  fast  allen  späteren  zeigt  cam- 
pana oder  campannm  nur  die  bed.  glocke;  Anastasius,  Biblioth.  (9.  jh.), 
kennt  beide  bedd.  glocke  und  schnellwage. 

Campeggio  it.,  sp.  campeche,  fr.  campeche  eine  holzart  zum 
färben,  aus  der  bai  von  Campeche  in  Centralamerica. 

Campo  it.  u.  s.  w.  in  der  bed.  Schlachtfeld  wie  schon  lat.  campns, 
das  aber  im  mittdlatein  auch  den  kämpf  selbst  d.  h.  den  Zweikampf  be- 
deutete, der  auf  einem  eingeschlossenen  platze  vorgieng:  de  pugna  duorum, 
qnod  nostri  campum  vocant  Begino,  s.  DG.,  daher  entlehnt  ahd.  kamf 
fdudlumy.  Abgel.  it.  campione,  sp.  campeon,  pr.  campio,  fr.  champion, 
ahd.  kamfjo,  mhd.  kempfe,  nhd.  kämpe,  ags.  cempa,  oXtn.  kappi  kämpf  er, 
fechter,  zurikU  einer  der  für  einen  andern  einen  gerichtlichen  Zweikampf 
ausficht,  mlat.  campio  'gladiator,  pugnator  Gl.  Isid.,  gebildet  wie  tabellio 
von  tabella.  Vb.  sp.  campar  sich  lagern,  daher  fr.  camper,  aber  ahd. 
kämpf jan  pradiari  und  so  altfr.  champier  Er.  En.  3030;  dsgl.  it.  cam- 
peggiare  einen  streifzug  machen,  sp.  campear  das  feld  halten,  fr.  cham- 
poier  Bog.  Aus  campear  ist  campeador,  bekannt  als  beiname  des  Cid 
Buy  Diaz,  arab.  cambeyator  schon  um  1109,  s.  Dozy,  Becherch.  II,  63, 
2*  id.  (welchem  Schriftsteller  es  sich  aber  von  selbst  versteht,  daß  das 
wort  nichts  gemein  habe  mit  campus,  sondern  vom  deutschen  kämpf  her- 
rühre). 

Camnso  it.,  sp.  fehlt,  pr.  camus,  gamus  (fem.  -usa),  fr.  camns 
plattnasig,  pr.  auch  albern,  camusia  albernheit.  Cam  ist  auch  im  gleich- 
bed.  fr.  cam-ard  vorhanden  und  kann  das  celtische  auch  im  latein.  ein- 
heimische  cam  sein,  dessen  bed.  gekrümmt  d.  h.  eingedrückt  nicht  unpassend 
scheint.  Da  indessen  ein  nominalsuffix  us  nicht  vorkommt,  so  muß  es, 
vielleicht  unter  einwirkung  von  muso  (schnauze),  in  einer  entstellung  seinen 
grund  haben.  Andre  erklären  das  wort  aus  lat.  cämurus  mit  wandet  des 
r  in  g  wie  im  fr.  chaise  und  einigen  andern,  wodurch  die  endung  gerecht- 
fertigt wäre,  bedenken  aber  nicht,  daß  dieser  wandet  weder  im  ital.  noch 
im  prov.  anerkannt  ist  und  daß  auch  der  accent  toiderspricht.  —  Für 
camnso  sagt  man  ital.  auch  camoscio,  und  dies  führt  auf  das  bekannte 
franz.  adj.  camoissiä,  welches  gequetscht  oder  von  Verletzungen  gefleckt 
heißen  muß:  se  don  hanbert  ne  fast  qnassez  et  camoisiez  et  debatuz 
Er.  En.  3225;  cataosez  fu  del  bon  hauberc  BCam.  p.  219;  que  tot  a 
le  yis  eamoisfliä  (vom  schlag  mit  einer  tatze)  Ben.  III,  163;  pr.  Jaufrä 


84  I.    CANAGLIA— CANNIBALE. 

ab  lo  vis  camnzat  Fer.  2135  (gefleckt  von  narben,  nicht  Scachi,  wieüayn. 
übersetzt);  vgl.  henneg.  canioussä  pockennarbig.  Dazu  ein  prov.  Sub- 
stantiv: totz  era  ples  de  sanc  e  de  camois  GRoss.  5554  voll  von  blut 
und  Quetschungen  oder  blauen  flecken.  Zu  nennen  ist  noch  das  vb.  camos- 
ciare  it.,  altfr.  camoissier  leder  sämisch  gerben,  rauh  oder  kleinnarbig 
arbeiten  (s.  Corp.),  welches  auf  camoscio  gemse  bezogen  wird.  —  [Gleich- 
zeitig hat  Mahn,  was  camuso  betrifft,  p.  112  dessen  rein  celtische  her- 
kunft  dargelegt,  nämlich  aus  dem  oben  nur  als  mögliche  quelle  bezeich- 
neten cam  und  dem  suffix  us,  woraus  das  vorhandene  irische  camus  bucht 
d.  i.  biegung,  welches  also  das  romanische  wort  sein  muß.] 

Canaglia  it.,  sp.  canaüa,  fr.  Canaille,  altfr.  chienaille  gesindd, 
eigentl.  hundevolk,  wie  sp.  perreria. 

Gänape  it.,  wdl.  c?nep$,  sp.  c&fiamo,  pr.  canebe,  cambre,  fr.  chan- 
vre,  hanf;  von  cannabis,  cannabus.  Daher  it.  canavaccio,  sp.  cana- 
mazo,  pr.  canabas,  fr.  canevas  grobe  Umwand. 

Gancellare  it.,  pr.  chancelar,  fr.  chanceler  fallen  wollen,  wanken; 
eigentl.  die  beine  übereinander  kreuzen  um  nicht  zu  fallen,  vom  tat.  can- 
cellare  guter  förmig  machen,  daher  ins  kreuz  setzen:  die  gleiche  bedeutung 
entwickelte  unser  mhd.  schranken  (vom  sbst.  schranke  cancelli).  8.  Altrom. 
glossare  p.  46,  wo  bereits  die  glosse  des  8.jh.  nutare  *cdneeltare  vorliegt. 
Man  hat  angemerkt,  daß  im  12.  jh.  Petrus  von  Blois  sich  des  worte&  als 
eines  lateinischen  bedient:  in  hoc  modico  cancellavit  Plato. 

Gandire  it.  in  zucket  sieden,  ft.  se  candir  sich  krystallisieren, 
dsgl.  it.  zucchero  candito  und  candi,  sp.  azucar  cande,  fr.  sucre  candi 
krgstallisierter  zucker.  'Den  meisten  zucker,  den  die  Venetianer  einführten, 
holten  sie  von  Kandia  (kandis-zucker/  sagt  Hüllmann,  Städtewesen  1,75; 
aber  das  factum,  daß  vornehmlich  Kandia  kandiszucker  geliefert  habe,  • 
-  scheint  nicht  verbürgt  und  candire  passt  schlecht  zu  dem  namen  der  insel. 
Arabisch  heißt  dieser  zucker  gleichfalls  qand  oder  qandat,  schon  in  einem 
wörterbuche  des  10.  jh.  (cunde  forte  vulgo  saccharum  candi'  Golius  1970), 
aber  das  wort  wurzelt  in  dieser  spräche  nicht,  sondern  geht  bis  ins  indische 
zurück,  worin  khanda  stück,  dsgl.  zucker  in  krystallartigen  stücken  (wür- 
zet khand  brechen)  bedeutet,  s.  Mahn  p.  47. 

Cänfora  it.  sp.,  fr.  camphre  ein  harz,  kämpf  er;  vom  arab.  al-käfür 
Freyt.  IV,  47b  mit  eingeschobenem  n  oder  m,  sp.  auch  alcanfor;  ohne 
diese  einschiebung  it.  cafura  wie  mhd.  gaffer.  Ursprünglich  aus  dem 
indischen. 

Gangrena  it.  sp.,  fr.  cangrene,  besser  sp.  gangrena,  fr.  gangrene 
eine  krankheit,  krebs;  von  gangraena  (yayyQaiva)T  dessen  anlautende  media 
durch  einmischung  von  cancer  in  tenuis  verwandelt  werden  mochte. 

Cannamele  it.,  sp.  canamiel,  rrilat.  canamella  Zuckerrohr,  eigentl. 
honigrohr. 

Cannella  it.,  sp.  pg.  pr.  canela,  fr.  cannelle,  daher  ndl.  kaneel 
zimmet;  von  canna  röhre,  weil  er  gerollt  ist. 

Cannibale  it.,  sp.  canibal,  fr.  cannibale  roher,  grausamer  mensch; 


I.   CANNONE— CAPERE.  85 

eigenfl.  menschenfresser  auf  den  Antillen,  in  dortiger  spräche.  Dafi  im 
deutschen  das  wort  bereits  im  j.  1644  vorkomme,  bemerkt  Weigand  1,201. 
Span,  caribe,  d.  i.  Caraibe,  braucht  man  in  derselben  bedeutunp. 

Gannone  it.,  sp.  canon,  fr.  canon  röhre,  demnächst  flinterUauf, 
schweres  geschütz;  von  eanna. 

Canopfe  it.,  wal.  canapen,  sp.  fr.  canap£  (altpg.  ganapö  SRos.) 
ruhebett;  von  conopenm  (xcov(07t2iov)  mückennetz,  also  ein  mit  einem  sol- 
chen netz  versehenes  ruhebett,  wie  fr.  bnreau  teppich  und  damit  bedeckter 
tisch  hei  fit. 

Cantiere  it.,  pg.  canteiro,  fr.  chantier  unterläge,  wohl  auch  sp. 
cantel  strick  zur  befestigung  der  tonnen;  von  canterius  jochgeländer, 
sporne,  bair.  gander. 

Canto  it.  sp.  pg.,  cant  altfr.  ecke,  winket,  sp.  pg.  auch  stein,  itdl. 
auch  seite,  gegend.  Die  hier  einschlagenden  thatsachen  sind  etwa  folgende. 
Griech.  yjxvd-og  ist  winket  des  auges,  reif  um  das  rad;  lat.  canthus  hat 
die  letztere  bedeutung  und  wird  von  Quintilian  für  africanisch  oder  hi- 
spanisch erklärt.  Kymr.  cant  heifit  Umzäunung,  kreifi,  radschiene,  rand, 
stimmt  also  treffUeh  zum  lat.  worte  und  mufi,  wie  Diefehbach,  Celt.  I,  112, 
bemerkt,  eben  das  von  Quintilian  gemeinte  barbarische  wort  sein;  diegael. 
mundart  kennt  es  nicht.  Altfries,  kaed,  nord.  kantr,  nhd.  kante  scharfe 
seite,  auch  rand  eines  dinges.  Logisch  passt  nun  das  rom.  wort,  dessen 
grundbed.  ecke  ziemlich  alte  mlat.  stellen  verbürgen,  durchaus  nicht  zum 
latein.  oder  celtischen;  Vermittlung  aber  gewährt  das  deutsche,  welches  als 
ein  nicht  auf  heimischem  boden  wurzelndes  cdtischer  herkunft  sein  mag, 
auf  das  roman.  aber  wieder  eingewirkt  haben  kann.  Die  bcgriffsfolge 
wäre  hiernach  celt.  kreifi,  rand,  dtsch.  rand,  scharfe  seite,  ecke,  rom.  ecke, 
auch  seite,  gegend.  Abll.  sind  it.  c  an  tone,  sp.pr.  fr.  canton  ecke,  land- 
schafl  (dieselben  bedd.  im  bair.  ort),  wald.  canton  abtheilung  Hahn  577; 
sp.  cantillo  steinchen.  pr.  cantel,  fr.  chanteau  stück;  auch  it.  sp.  can- 
tina,  fr.  cantine  kdler,  eigentl.  winket,  nach  einer  andern  ansieht  zsgz. 
aus  canovettina  dimin.  von  canova  keller,  welches  letztere  übrigens  nur 
die  ital.  spräche  kennt.  Zsgs.  ist  it.  biscanto  Schlupfwinkel,  piem.  bes- 
cant  quere,  schiefe.  — -  Eine  neue  tief  eingehende  Untersuchung  des  wichti- 
gen Wortes  danken  wir  Diefenbach,  Orig.  europ.  p.  278. 

Capanna  it.,  sp.  cabafia,  pg.  pr.  piem.  u.  s.  w.  cabana,  fr.  cabane 
hätte.  Schon  aus  dem  7.  jh.  bekannt:  hanc  rustici  capannam  vocant, 
quod  unum  tantnm  capiat,  sagt  Isidorus.  Nicht  aber  von  capere,  da  die 
rom.  spräche  kein  sufßx  anna  anerkennt;  eben  so  wenig  also  auch  von 
dem  subst.  cappa  mantel,  welches  altspan.  (s.  Alex.)  und  mailänd.  auch 
hütte  bedeutet:  das  wort  mufi,  wie  es  da  ist,  aufgenommen  sein  und  hier 
ist  an  das  gleichbed.  kymr.  caban  (m.),  dimin.  von  cab,  zu  erinnern;  hier- 
aus engl,  cabin,  fr.  cab  inet,  it.  gabinetto,  sp.  gabinete. 

Capere  it.,  sp.pg.pr.  caber,  vb.  intr.  mit  der  bed.  platz  haben,  so 
daß  die  phrase  totus  prbis  id  non  capit  durch  id  non  capit  toto  in  orbe 
ausgedrückt  ward;   so  bereits  in   der   Vulgata  senno   mens   non    capit 


86  I.   CAPITANO— CAPPA. 

I 

(xwqsT)  in  vobis  Ev.  Joh.  8,  37,  in  der  waldens.  Übersetzung  ed.  GUUy 
la  mia  parolla  non  cap  en  vos,  in  der  prov.  aber  li  mieua  paraala  non 
pren  en  vos,  im  ahd.  Tatian  ni  bifähit.  Capere  und  prendere  bedeuten 
hier  eigentlich  wured  fassen,  platz  greifen,  stelle  einnehmen.  Venard. 
Fort,  sagt  3,  26  in  quo  cnncta  capit  'warin  alles  enthalten  ist\ 

Gapitano  it.,  alt  cattano,  sp.  capitan  Hauptmann,  gleichsam  capi- 
tanus  von  caput;  dasselbe  wort  mit  anderm  suffix  mlat.  capitaneus  bereits 
in  einer  urk.  v.  j.  651  Marin,  p.  182°,  pr.  capitani,  fr.  capitaine,  alt 
chevetaine,  chataine,  engl,  chieftain. 

Capitello  it.  Köpfchen,  Jenauf,  sp.  caudillo,  altsp.  capdiello,  pr. 
capdel  Oberhaupt,  Häuptling;  von  capitellum  für  capitulum  köpf.  Daher 
vb.  sp.  acaudillar,  pr.  capdelar,  aitfr.  cadeler  Roh,  caieler  DMce. 
p.  260.  263  führen. 

Capitolo  it.,  sp.  capitulo,  cabildo,  pg.  cabido,  pr.  capitol,  fr. 
chapitre  in  der  bed.  Versammlung  eines  geistlichen  oder  weltlichen  Ordens ; 
von  capitulum  hauptstück  einer  schrift,  weil  die  in  capitd  getheilten  ordens- 
statuten  daselbst  verlesen  wurden,  oder  weil  auf  den  grund  derselben  ver- 
handelt ward.  In  Südfrankreich  führte  auch  der  municipalrath  den 
namen  capitöl,  ja  der  einzelne  schoffe,  daher  das  fr.  capitoul. 

Caporale  it.,  altsp.  caboral  und  caporal  adj.  hauptsächlich,  subst. 
anführ  er,  befefdshaber,  henneg.  coporal,  corporal,  it.  auch  caporano,  dass.; 
ein  in  Italien  entstandenes  aus  capo  (haupt)  durch  einschiebung  fast  selt- 
sam gebildetes,  möglicherweise  dem  adj.  und  subst.  generale  nachgeformtes 
wort. 

Cappa  it.,  sp.  pg.  pr.  capa,  fr.  chape  mantd.  Ein  sehr  altes  wort, 
vielleicht  noch  aus  der  röm.  Volkssprache:  capa,  quia  quasi  totum  capiat 
hominem,  bemerkt  Isidorus  19,  31,  3,  wo  er  die  capa  auch  capitis  orna- 
mentum  nennt,  denn  man  zog  sie  über  den  köpf;  cappa  findet  sich  in 
einer  urk.  v.  j.  660,  s.  Breq.  n.  146  und  später  oft,  e.  b.  mitra  kappa 
Gl.  ant.  (Class.  auetores).  Man  leite  es  nicht  von  caput,  woraus  wohl 
capo,  schwerlich  ein  in  seiner  bedeutung  so  sehr  abweichendes  fem.  capa 
cappa  werden  konnte.  Die  einfachen  substantiva  entspringen  hauptsäch- 
lich aus  verbis  und  so  entsprang  cappa,  wie  auch  Isidor  sagt,  aus  capere 
und  bedeutet  das  umfangende:  so  hei  fit  ahd.  gifang  Meid  von  fähan  fan- 
gen, mhd.  vazzen  ist  sowohl  capere  wie  vestire.  Das  doppelte  p  (auch 
span.  scheidet  sich  capa  vom  vb.  caber)  ist  kein  einwand:  schärfungen 
eines  consonanten  in  einem  bestimmten  worte  sind  nicht  selten,  eine  solche 
begegnet  auch  in  cappone  von  capo.  Abll.  in  menge,  e.  b.  it.  capello, 
fr.  chapeau  hut,  altfr.  cbapel  kranss  statt  des  hutes  getragen  (cappello 
ghirlanda  secondo  il  volgar  francese  Boccac.  dec.  1,  1)\  it.  cappella 
u.  s.  f.  ursprüngl.  kurzer  mantd,  speciell  das  stück  eines  mantds  des  heil. 
Martinus,  das  in  einer  kleinen  hofkirche  aufbewahrt  wurde,  daher  über- 
haupt kleine  hirclie,  s.  Ducange;  it.  cappotto,  sp.  capote,  fr.  capot 
mantel  mit  einer  kappe;  it.  cappuccio,  sp.  capuz,  capucho,  fr.  capuce, 
capuchon  mönchskappe,   und  wegen  einer  ähnlichkeit  capuccio   und  fr. 


I.   CAPPERO-CARA.  87 

cabus  Kohlkopf,  kappes;  it.  capperone,  fr.  chaperon,  pr.  capairö  mutze 
ca.;  wohl  auch  sp.  capazo,  capacho  lederner  eimer,  kiepe,  großer  korb, 
pg.  oapacho  mit  plüsch  gefütterter  korb. 

Cäppero  iL,  fr.  cfipre  ein  gewürg,  kaper;  von  capparis,  arab.  al- 
kabar  Gol.  1996,  hieraus  sp.  pg.  alcaparra,  arag.  einfach  caparra. 

Gappio  iL  schleife,  knoten,  sp.  pg.  cable,  fr.  cäble  seil,  tau,  anker- 
tau. Es  ist  ohne  zweifei  das  mlatein.  capulum,  das  auch  Isidorus  kennt: 
capulum  'funis  a  capiendo;  caplum  'funis*  Gl.  Isid.;  mittelgriech.  xantiov, 
ndl.  kabel.  Wer  es  aus  dem  arab.  (habl  erklärt,  der  bedenkt  nicht,  daß 
das  eindringen  arab.  Wörter  erst  lange  nach  Isidors  seit  anfteng,  noch  daß 
sich  anlautendes  arab.  ch  (-)  nie  in  c  verhärtet.  Das  gleichbed.  sp.  pg. 
cabo,  welches  sich  logisch  nicht  wohl  zu  caput  schickt,  mag  aus  capulum 
abgekürzt  sein. 

Capriccio  it.,  daher  sp.  capricho,  fr.  caprice  wunderlicher  einfall; 
von  capra  ziege,  in  beziehung  auf  das  benehmen  dieses  thieres,  man  er- 
wäge das  synonyme  ticchio  II.  a  und  füge  noch  hinzu  comask.  nucia  = 
capretta,  nucc  =  Capriccio. 

Car,  quar  pr.  fr.  altsp.  altpg.  partikel  für  tot.  nam,  quia;  von 
quare,  womit  es  ursprünglich  gleichbedeutend  war:  morz  a  me  quar  no 
ves?  tod  warum  kommst  du  nicht  zu  mir?  Bth.  130,  vgl.  Rom.  gramm. 
III,  214.  Dem  Italiener  fehlt  das  wort,  denn  Dante7 s  und  Cecco9s  quare 
Inf.  27,  72,  Acerb.  4,  1  ist  latinismus.    S.  oben  ca. 

Gara  sp.  pg.  pr.,  p&tfr.  chiere,  daher  entlehnt  it.  chw.  cera  antlitz. 
Noch  die  franz.  wbb.  des  16.  jh.  so  wie  die  heutige  norm,  und  lothr.  mund- 
art  kennen  die  alte  bedeulung :  so  findet  sich  bei  Nicot  avoir  la  chere 
baicuräe  vultum  demittere;  aber  schon  damals  galt  die  darin  entwickelte 
bed.  miene,  freundliche  oder  unfreundliche  aufnähme  (noch  jetzt  il  ne  sait 
quelle  ch&re  lui  faire  welche  aufnähme),  bis  das  wort  endlich  auf  die 
water  daraus  entfaltete  bed.  bewirthung,  gastmahl  eingeschränkt  ward. 
(Eine  genauere  geschickte  seiner  bedeutungen  gibt  Gachet  p.  88.)  Cara 
'anüitz'  braucht  schon,  wiß  Ferrari  anmerkte,  ein  dichter  des  6.  jh.,  Co- 
rippus  De  laud.  Justini  2,  412,  413:  postquam  Teuere  verendam  Cae- 
saris  ante  caram.  Daß  der  africanische  dichter,  natürlich  ohne  alle  be- 
ziehung auf  die  römische  Volkssprache,  ein  griech.  wort  xctQa,  äol.  xctQrj 
haupt,  aber  auch  antlitz  (s.  die  commentatoren  zur  stelle,  ausg.  v.  Bekker 
p.  399)  in  seinen  totein.  text  einführte,  ist  nicht  zu  verwundern;  daß 
dieses  wort  aber  in  der  letzteren  seltneren  selbst  dem  Neugriechen  un- 
bekannten bedeutung,  ohne  das  mit  griech.  bestandtheilen  am  meisten  ver- 
setzte ital.  oder  watoch.  gebiet  zu  berühren,  seinen  weg  in  die  westlichen 
mundarten  fand,  ist  überraschend  und  entschuldigt  den  gegen  diese  etymo- 
hgie  erhobenen  zweifei.  Aber  es  gibt  keine  bessere.  [Dagegen  hat  Lorenzo 
titta  Modignani  später  (1867)  in  einem  mit  classischer  gelehrsamkeit 
geschriebenen  aufsatz  gezeigt,  daß  das  ital.  cera,  welches  bereits  in  den 
ältesten  denkmalern  dieser  spräche  vorkomme  und  gesichtsfarbe,  demnächst 
gesichtsbUdung  bedeute,  von  cara  abzusondern  und  auf  tot.  cera  in  den 


88  CARABA-CARDO. 

bedd.  färbe,  porträt  zurückzuführen  sei.]  —  Zss.  sind  sp.  carear,  acarar, 
altfr.  acarier  confrontieren;  nfr.  acariätre  hartnäckig,  wunderlich.  Nach 
Huet  gehört  hieher  auch  fr.  c  ont  re  car  rer  zuwider  handeln,  besser  aber  und 
im  einklang  mit  dem  buchstaben  deutet  es  Frisch  aus  fr.  carrer  =  lat. 
quadrare  in  Ordnung  bringen,  vgl.  contrecarre  antisophisma  bei  Nicot.  — 
Entstand  wct.  ocäre  schimpf  etwa  aus  a-carare,  gebildet  wie  affrontare? 
Cdraba  sp.  ein  fahr  zeug;  van  carabus € parva  scapha  Isid.  19, 1, 26, 
gr.  x&Qaßog;  daher  sp.  carabela,  it.  caravella,  fr.  caravelle. 

Carabina  it.  sp.  pg.,  fr.  carabine  ein  feuergewehr,  fr.  carabin  ein 
damit  bewaffneter  reiter.  Für  letzteres  gibt  es  eine  ältere  form  calabrin 
Boquef.,  it.  calabrino,  und  so  läßt  sich  carabine  aus  dem  pr.  caläbre 
wurfgeschütz  (s.  caable  IL  c)  ableiten:  daß  man  waffennamen  älterer 
hriegshunst  auf  neuere  übertrug,  kann  nicht  befremden. 

Garacca  it.,  sp.  pg.  fr.  carraca,  carraque,  ndl.  kraecke  eine  ort 
grosser  schiffe;  nimmer  vom  aräb.  'harraqah  brander  (Monti,  Agg.  cd  voc. 
II,  2,  313),  da  anlautendes  aräb.  (h  kein  c  ergibt,  s.  cappio. 

Caraffa  it.,  sp.  garrafa  (so  auch  ältvcd.,  JFebr.  str.  154),  fr.  ca- 
raffe,  sie.  carrabba  flasche  mit  weitem  bauch  und  engem  hals;  vgl.  aräb. 
giräf  ein  maß  für  trockne  dinge,  vb.  garafa  schöpfen  Freyt.  III,  270b.  — 
[Neue  bemerkungen  s.  bei  Dozy.] 

Caragollo  it.  (nach  Ferrari),  sp.  pg.  fr.  caraeol,  cot.  caragol 
Schnecke,  Wendeltreppe,  Wendung  mit  dem  pferd,  in  letzterer  bed.  it.  cara- 
collo.  Man  deutet  es  aus  dem  aräb.  karkara  sich  im  kreiße  drehen  Freyt. 
IV,  28* ,  was  übel  angeht,  da  ein  aräb.  subst.  fehlt.  Besser  würde  passen 
das  gaet.  carach  gewunden,  gedreht. 

Garato  it.,  fr.  carat,  sp.  pg.  quilate,  altpg.  quirate  ein  kleines  ge- 
wicht, karat;  vom  aräb.  qtr&'t,  dies  vom  gr.  xegannv  hülsenfrucht  als 
gewicht  gebraucht,  man  sehe  Freyt.  III,  427".  Isidorus  nennt  es  cerates, 
was  der  span.  form  ganz  nähe  kommt:  cerates  oboli  pars  media  est,  sili- 
quam  habens  unam  et  semis.  Venez.  carato  same  des  Johannisbrotbaumes. 
Carcass  ()•#.,  sp.  carcax,  pg.  carcas,  fr.  carqaois  (für  carqaais) 
köcher,  altfr.  auch  brustkasten,  thorax  DMce.  285;  dsgl.  it.  pg.  carcassa, 
sp.  'fcarcasa,  fr.  carcasse  gerippe.  Der  zweite  theü  dieses  zsgs.  Wortes  ist 
offenbar  capsns  (s.  unten  casso),  der  erste  scheint  caro  zu  sein*  und  die 
ursprüngl.  bed.  rümpf  oder  bruststück  eines  thieres,  buchstäblich  fleisch- 
kosten,  fleischgerippe,  übertragen  auf  den  von  reifen  zusammengehaltenen 
köcher,  wie  carcassa  auch  eine  mit  reifen  umgebene  bowibe  heißt.  Zu 
widersprechen  scheint  it.  carc-ame  geripp,  das  einen  stamm  carc  fordert, 
also  auch  carc-asso  ?  Allein  asso  ist  kein  suffix:  carcame  entstand  durch 
einmischung  von  carcasso  aus  arcame,  das  aus  arca  kästen  abgeleitet 
ward.    Die  parmes.  mundart  sagt  für  carcasso  cassiron. 

Gardo  it.  sp.  pg.  distel,  kardendistel  zum  wollkratzen,  von  Carduus; 
abgel.  sp.  pr.  cardon,  fr.  chardon;  vb.  it.  cardare  ff.  aufkratzen,  käm- 
men; zsgs.  it.  scardo  krämpel,  fr.  ächarde  Stachel  der  distel,  splitter  (so 
auch  neap.  scarda);  sp.  escardar  disteln  ausjäten,   norm,  öcharder  ab- 


I.   CARESTIA-CAERIERA.  89 

schuppen.  Verschieden  von  6charde  und  deutscher  herkunft  ist  Kenneg. 
fcard,  wailon.  hard  scharte  s.  Qrandgagnage,  vb.  6carder,  harder  schartig 
machen,  ahd.  scartf,  altn.  skard  bruch,  einschnitt,  ahd.  skertan,  altn. 
skarda  einschnitte  machen  u.  s.  w.;  auch  cot.  esquerdar  brechen,  spalten 
ist  dieses  Ursprunges. 

Carestia  it.  sp.  pg.  pr.,  mlat.  caristia,  so  auch  sp.  pg.,  altsp.  ca- 
rastia  Apol.  str.  66  theurung,  Mangel;  it.  carestoso,  pr.  carestios 
Flam.  nothleidend;  augenscheinlich  aus  carus,  aber  wie  abgeleitet  oder 
zusammengesetzt?  Vgl.  bask.  garestia  (labort.  carastia)  adj.  =  carus. 
In  den  Joyas  dd  gai  saberp.  264  wird  sogar  caristia  gesprochen,  reimend 
auf  b&tia,  aber,  die  richtigJceit  dieser  betonung  vorausgesetzt,  läßt  es  sich 
doch  mit  dem  nichts  weniger  als  sinnverwandten  griech.  charfstia  plur. 
(freudenmahl)  nicht  vereinigen.  Eine  occit.  abl.  ist  carestia.  —  [Hat 
eucharistia  auf  die  büdung  dieses  wertes  eingewirkt?  fragt  Wackernagel.] 

Caricare,  carcare  it.,  sp.  pr.  cargar,  pg.  carregar,  fr.  charger 
Maden;  sbst.  ü.  carico,  sp.  cargo,  pr.  carc,  fem.  it.  carica,  sp,  pr. 
carga,  fr.  charge  last,  figürl.  amt.  Carricare,  von  carrus,  findet  sich  bei 
Hieronymus  (nach  Ducange),  discarricare  bei  Venant.  Fort.,  discargare 
in  der  L.  Sali  Das  it.  caricare  bedeutet  auch  überladen,  übertreiben  in 
rede  oder  Zeichnung,  daher  caricatura  Zerrbild. 

Carmesino,  crämisi,  cremisino  it.,  sp.  carniesf,  fr.  cramoisi  subst. 
und  adj.,  eine  hochrothe  färbe  bezeichnend;  vom  arab.  qermez  Scharlach, 
adj.  qermazt  Freyt.  III,  434a.  Das  wort,  seinem  Ursprünge  nach  indisch, 
entspricht  dem  sanskr.  krimi-dscha  d.  i.  wurmerzeugt  (Pott  in  Lassens 
Ztschr.  TV,  42).  Derselben  herkunft  ist  it.  carminio,  sp.  carmin,  fr. 
carmin« 

Carogna  it.  pr.,  sp.  carrona,  fr.  charogne  fleisch,  aas,  adj.  sp. 
carrono  verfault;  jedesfdls  von  caro,  wenn  auch  im  Widerspruche  mit  den 
zahlreichen  ableitungen  aus  dem  thema  carn,  indem  man,  wie  es  scheint, 
durch  caruncula  verführt,  in  car  den  eigentlichen  stamm  dieser  ableitungen 
fühUe. 

Garpa  sp.,  fr.  carpe,  wal.  crap,  pr.  escarpa,  it.  carpione  ein  fisch, 
iarpfen;  vom  mlat.  carpa,  schon  bei  Cassiodor,  s.  Vossius  De  vit.  serm., 
einem  weit  verbreiteten  schwerlich  aus  cyprlnus  entstellten  worte. 

Carpentiere  it.  wagner,  Zimmermann,  sp.  carpintero,  pr.  carpen- 
tier,  fr.  charpentier  nur  in  letzterer  bed.;  von  carpentarius  wagner,  im 
mlatein  üherhaupt  holzarbeiter,  carpentarius  Kzimbermann  Gloss.  Herrad. 
Franz.  char  pente  (f.)  zimmerwerk,  tat.  carpentum  wagen. 

Carriera  it.,  fr.  carri&re  laufbahn,  sp.  carrera  laufbahn,  Straße, 
pr.  carriera  straße;  eig.  fahrweg,  von  carrus.  Besser  als  carrtere  ist  die 
aUfr.  und  mundartl.  form  charriere,  da  ersteres  auch  steingrube  bedeutet 
und  in  diesem  sinne  aus  einer  andern  würzet  herrührt^  s.  quadro.  Andre 
abll.  von  carrus  sind:  it.  carrozza,  sp.  carroza,  fr.  carrosse  kutsche, 
mhd.  k&rrosche,  karrutsche;  fr.  carrousel  ringelrennen,  daher  it.  caro- 
sello,  garosello. 


90  L   CARRUBA-CASERMA. 

Carruba  ü.,  sp.  garroba,  algarroba,  garrofa,  pg.  alfarroba,  fr. 
caroube,  carouge  Johannisbrot;  it.  carrobo,  carrubbio,  sp.  garrobo,  al- 
garrobo,  pg.  allarrobeira  Johannisbrotbaum;  vom  gleichbed.  arab.  charrfib 
Freut.  I,  471: 

Carvi  it.  sp.  fr.,  neupr.  charui  feldkümmel,  karbe;  von  careum 
(xagnv).  Derselben  herJcunft  ist  arab.  al-karavia  Gol.  2028,  wodurch  die 
roman.  Wörter  vielleicht  näher  bestimmt  wurden,  übrigens  auch  sp.  al- 
caravea. 

Casa  it.  sp.  pg.  pr.,  casA  wal.  für  lat.  domus  seit  dem  frühsten 
mlatein,  daher  casa  dei  Ghron.  Laurish.,  casa  regia  L.  Long.,  casa  do- 
minica  L.  Baiw.  Ital.  mundarten  verkürzen  es  in  ca.  Unter  den  abtt. 
zu  erwähnen  chw.  vb.  casar  wohnen,  hausen,  it.  casare,  sp.  pg.pr.es&zx 
verheirathen,  eigentl.  häuslich  einrichten,  ausstatten;  so  mhd.  heiraen  hei- 
rathen,  von  heim  haus.  Grimm,  Rechtsalt.  p.  420,  vergleicht  altn.  byggja 
saman  zusammen  wohnen.  Die  sard.  mundart  bewahrt  domu  und  braucht 
es  ganz  wie  das  ital.  casa. 

Casacca  it.,  sp.  pg.  casaca,  fr.  casaque  lange  überjacke;  von  casa 
hütte,  mit  einer  begriffsübertragung  wie  im  nüat.  casula  (s.  casipola); 
auch  unser  hose  ist  mit  casa  gleicher  würzet,  s.  Wackemagel  b.  Haupt 
VI.  297.    Dasselbe  sufftx  im  it.  guarnacca  überkleid. 

Gasamatta  iL,  sp.  casamata,  fr.  casemate  waUJcdler;  aus  gr. 
%aajna  grübe,  höhte,  plur.  yaojuara,  deutet  Menage.  Eine  Zerlegung  in 
casa-matta  versucht  mit  glück  Mahn  p.  6.  Matto  nämlich  habe  in  einigen 
Verbindungen  die  bedeutung  des  deutschen  matt:  carro  matto  leiterwagen 
z.  b.  sei  der  schwache,  rohe,  unvollkommene  wagen,  und  so  sei  casa  matta 
das  schwache,  todte,  versteckte  haus.  Im  mailänd.  heifit  matt  s.  v.  a. 
pseudo:  perla  matta  ist  perla  falsa,  giussumin  matt  gelsomino  sävestre, 
unter  unserm  worte  läfit  sich  ein  haus  denken,  das  diesen  namen  nicht 
verdient.  Im  sicil.  bedeutet  matta  düster,  in  dieser  mundart  würde  man 
ein  düsteres  haus  darunter  verstehn.  Bezeichnender  noch  ist  Wedgioood's 
auslegung  des  wortes  aus  sp.  casa  und  matar  tödten,  entsprechend  dem 
deutschen  mordkeller  und  dem  in  diesen^  sinne  veralteten  engl,  slaughter- 
house,  nur  ist  für  das  hier  unstattJuxfte  vb.  matar  das  subst.  mata  zu 
setzen,  so  daß  der  sinn  ist  'haus  der  metzelet. 

Gascio y  cacio  it.,  sp.  queso,  pg.  queixo  käse;  von  caseas,  vgl.  für 
das  span.  wort  denselben  lautübergang  in  qnepo  von  capio. 

Gaserma  iL,  wal.  cesarm^,  richtiger  sp.  pg.  caserna,  fr.  caserne 
soldatenhütte;  von  casa  wie  lat.  caverna  von  cava.  —  [Caserma,  cesarme 
nebst  dem  volksmäßigen  deutschen  casarm  machen  diese  deutung,  wie 
Mahn  p.  6  einwendet,  zweifelhaft  und  es  sei  die  herleitung  aus  casa  d'arme 
vorzuziehn.  KIch  habe  die  formen  mit  m  denen  mit  n  nicht  als  gleichbe- 
rechtigt entgegenstellen  wollen,  weil  caserma,  wenn  es  ein  gutes  mit  arma 
zusammengesetztes  ital.  wort  sein  sollte,  doch  casarma  oder  eigentlich 
casarme  lauten  müßte,  die  wal.  und  deutsche  form  aber  den  grammatischen 
werth  der  span.  und  franz.  nicht  aufwiegen  können.     Überdies  scheint 


I.   CASIPOLA-CATACOMBA.  91 

waffenhaus  für  soldafenhütte  etwas  pretiös.  Das  sufßx  erna  ist  allerdings 
ein  selten  angewandtes,  aber  wie  leicht  konnte  das  beispiel  von  cava  ca- 
verna  verfuhren,  ihm  ein  casa  caserna  an  die  seile  zu  setzen?  Krit. 
anhang.] 

Casipola,  casupola  it.  hüttchen,  daher  fr.  chasuble  messgewand. 
Das  span.  wort  ist  c aBulla  in  letzterer  bedeutung  (altfr.  casule  Gloss. 
de  Lille  22*)  =  mlat.  casula  nach  Isidor  quasi  minor  casa  eo  quod 
totum  hominem  tegat;  vielleicht  formte  man  casipola  nach  dem  muster 
des  von  manus  stammenden  manipulus.  Wie  sich  übrigens  die  begriffe 
hätte  und  mantel  berühren,  zeigt  auch  das  in  ersterer  bedeutung  gebrauchte 
cappa,  s.  capanna. 

Casa  pr.  altfr.  gebrochen,  gebeugt:  briste  et  cas  Sax.  U,  185;  vb. 
pr.  cas  aar,  nfr.  casser  brechen;  von  quassus,  quassare.  Ital.  accasciare 
ermatten  erfordert  eine  dbl.  quassiare.  Dasselbe  wort  mit  eingeschobenem 
n  ist  oitsp.  canso  müde,  nsp.  cansar  müde  machen  (die  kraft  brechen), 
das  sieh  vom  it.  cansare  durch  seine  bedeutung  scheidet;  zsgs.  sp.  dea- 
cansar  ruhen,  prov.  dass.  GRoss.  1137. 

Gassa  it.,  sp.  caxa,  pg.  caixa,  pr.  caissa,  fr.  caisse  leiste,  dsgl.  fr. 
ch&sse  einfassung;  von  capsa  behäUnis.  Abgd.  it.  cassetta,  casset- 
tone,  zsgz.  castone  {wie  parmes.  castäina  aus  cassettina).  Zsgs.  pg.  en- 
caixar,  fr.  enchässer  einfassen,  einfügen;  gleichbed.  cat.  encastar,  sp. 
engastar,  it.  incastrare,  pr.  encastrar,  fr.  encastrer;  so  wie  pr.  enca- 
stonar,  pg.  encastöar,  sp.  engastonar,  vgl.  mlat.  incastratura. 

Gas  so  it.  sp.  pg.,  pr.  cas,  altfr.  quas  leer,  unnütz;  von  cassus. 
Dsgl.  vb.  cassare  ff.,  fr.  casser  zu  nichte  machen,  lat.  cassare  für  cassum 
reddere  bei  Sidonius  und  Cassiodorus. 

Cas  so  it.  brüst,  thorax,  mlat.  cassum,  cassus;  von  capsus  behältnis, 
wie  auch  ndat.  arca  denselben  begriff  erfüllt.  Prov.  cais  kinnlade  ist 
gleichfalls  von  capsus  wie  eis  von  ipse,  nicht  von  cassar  brechen  (als 
etwas  zermalmendes),  da  der  diphthong  ai  widerstrebt.  Endlich  muß  im 
gleichbed.  pg.  queixo  (cat.  quex),  woher  queixada,  sp.  quixada  und 
wohl  auch  sp.  quixera  beschlag  am  schoß  der  armbrust  (backenstück), 
dasselbe  cais  oder  capsus  anerkannt  werden. 

Catacombatl.,  sp.  pr.  catacumba,  fr.  catacombe  unterirdische 
grüß.  Offenbar  ein  compositum,  in  dessen  erstem  theile  man  gewöhnlich 
die  griech.  präp.  xara9  in  dem  zweiten  das  sahst,  tumba  erkennt,  cata- 
cumbae  wäre  also  =  ad  tumbas  an  den  grüßen.  Es  ist  aber  nickt  ein- 
tuschen,  warum  die  spräche,  wenn  man  auch  die  einmischung  einer  griech. 
Partikel  zuläßt,  die  grüß  als  etwas  an  der  grüß  befindliches  aufgefaßt 
haben  sollte.  Vielleicht  ist  cata  eben  nur  das  rom.  vb.  catar  schauen 
(s.  unten)  und  comba  entweder  durch  assimilation  an  den  anlaut  c  (in 
cata)  entstellt  aus  tomba  (sp.  catatumba  findet  sich  in  Bengifo's  reimbuch, 
maä.  catatomba  bei  Cherubini)  oder  auch  unentstellt,  da  es  im  span. 
gewolie  bedeutet,  so  daß  also  cata-comba  schau-gruß  heißen  würde.  Die 
römischen  cataeamben  bargen  nämlich  die  korper  von  märtyrem  und  hei- 


92  I.   CATAFALCO-CATAR. 

ligen  und  wurden  darum  von  andächtigen  Christen  besucht,  s.  die  stelle 
des  h.  Hieronymus  bei  Ducange.  Man  könnte  selbst  das  satanische  cumba 
heranziehen,  wovon  Festussagt:  cumbam  Sabini  vocant  eam,  quam  mili- 
tares  lecticam,  also  sanfte,  tragebett  (s.  K.  0.  Müller  zu  der  stelle),  wäre 
tomba  oder  comba  nicht  der  sache  angemessener.  Die  hier  ausgesprochene 
deutung  könnte  gleichwohl  gewagt  scheinen,  fände  sie  nicht  in  den  beiden 
folgenden  artikeln  Unterstützung,  fast  bestätigung.  —  [Bettermann,  Über  die 
ältesten  christl.  begräbnisstätten  p.  7,  nimmt  eine  griech  bildung  xora- 
rvjußiov  dafür  an.] 

Catafalco  it.,  sp.  cadafalso,  cadahalso,  cadalso,  pr.  cadafalc,  alt- 
cot.  cadafal  Chr.  d'Escl.  597",  val.  carafal,  altfr.  escadafaut,  cadefaut, 
chafaut,  nfr.  ächafaud,  mndl.  scafaut,  nhd.  schafott  gerüste  zu  verschie- 
denen zwecken,  trauergerüste,  blutgerüste  u.  dgl.  Die  reinste  form  ist 
catafalco;  das  sp.  cadafalso  mit  s  für  c  ist  unklar,  muthmaßlich  hat  sich 
falso  adj.  in  der  Verbindung  edificio  falso  gebäude,  das  auf  keinem  festen 
gründe  ruht,  oder  das  rothwälsche  falso  henker  eingemengt;  im  altfr.  es- 
cadafaut  gieng  auslautendes  c  in  t  über  wie  in  Estrabort  für  Estraborc, 
nfr.  Strasbourg.  Das  wort  ist  zsgs.  aus  catar  schauen,  prov.  erweicht  in 
cadar,  und  aus  falco,  entstellt  etwa  im  munde  der  Deutschen,  denen  p 
leicht  zu  ph  oder  f  ward,  aus  ital.  palco  gerüst,  das  selbst  wieder  deut- 
schen Ursprunges  ist,  also  schaugerüste,  gerüste  zu  öffentlicher  schau.  Un- 
mittelbar aus  dem  ital.  entlehnt  ist  fr.  catafalque,  sp.  cadafalco.  Jault 
will  in  falco  das  aräb.  falak  anhöhe  Freyt.  III,  372*  erkennen,  (Mein 
warum  sollte  die  spräche  dieses  wort  nur  in  einem  compositum  aufbewahrt 
haben?  selten  wenigstens  geschieht  dergleichen  in  unlat.  Wörtern.  Ducange 
setzt  es  zusammen  aus  gr.  xava  und  lat.  palus  oder  fala  (gerüst),  womit 
aber  die  endung  c  unerklärt  bleibt,  andre  haben  ein  deutsches  schauhaus 
oder  ndl.  schauvat  (schaufaß)  dafür  aufgestellt. 

Cataletto  it.  paradebett,  buchstäblich  schaubett;  von  catar  und  letto, 
s.  die  beiden  letzten  artikd.  Dem  entspricht  buchstäblich  sp.  cadalecho 
binsenlager,  neupr.  cadaliech,  altfr.  kaalit  Hliord.  p.  147,  neufr.  chälit 
spannbett,  fufigestell  des  bettes,  letzteres  gewöhnlich  aus  chasse-lit  erklärt. 

Catar  dltsp.  sehen,  schauen,  (catö  ä  todas  partes  PC.  357),  ebenso 
altpg.  (com  quaes  olhos  vos  catey  D.  Din.  p.  38  und  öfter),  nsp.  pg. 
versuchen,  untersuchen,  nachsuchen;  sbst.  cata  Untersuchung;  zsgs.  reca- 
tar  wieder  kosten,  dsgl.  sorgfältig  bewahren,  recato  vorsieht,  geheimnis; 
acatar  untersuchen,  verehren,  acatamiento  ehrfurcht  u.  a.  m.  Im  prov. 
ist  das  wort  nicht  einheimisch  und  wird  darum  im  Elucidari  erklärt: 
catar  vol  dire  vezer  (sehen)  LB.;  eben  so  wenig  besitzt  es  der  Franzose, 
doch  fuhrt  Menage  eine  abl.  catiller  'ausspähen  aus  Monstrelet  an.  Churw. 
aber  heißt  catar  finden,  ebenso  parm.  venez.  catar,  lomb.  catä  finden,  er- 
greifen; daß  es  im  ital.  auch  vorhanden  war  und  schauen  hieß,  scheint 
sich  aus  cata-comba,  cata-falco,  cata-letto  zu  ergeben,  welchen  Span,  com- 
posita  wie  cata-lecho,  cata-ribera,  cata-viento  entsprechen.  Dem  Walachen 
endlich  bedeutet  ceuti  schauen,  suchen,  hüten.    Schon  Isidorus  kennt  das 


I.   CATASTKO-CAVIALE.  93 

wort  in  seiner  altspan.  bed.:  cattus  (kotze),  quod  cattat  (cd.  catat,  captat) 
i.  e.  videt  12,  2,  38.  Die  Herkunft  desselben  vom  lat.  captare  (lauern) 
kann  nicht  zweifeüuxft  sein.  In  der  L.  Sal.  emend.  wird  noch  captare 
gesehrieben,  aber  auch  hier  ist  die  bed.  schauen,  gleichsam  octdis  captare, 
nickt  zu  verkennen,  s.  Pott,  Plattlateinisch  392.  Das  it.  cattare  ist  nebst 
sp.  captar,  fr.  capter  erst  später  aus  dem  classischen  latein  aufgenommen 
worden.  —  Seltsam  ist  das  it.  cata-colto  €ertappt\  für  catato-colto,  ein 
offenbarer  pleonasmus  um  das  unverständlich  gewordene  catato  mit  einem 
synonymen  ausdrucke  zu  erklären. 

Catastro  it.  sp.,  cadastre  fr.  (it.  auch  catasto)  Steuerregister;  gleich- 
sam capitastrum  kopfsteuerliste.  Das  frühste  mitteldlter  brauchte  dafür 
capitularium  Greg.  Tur.  9,  30  mit  dem  zusatz  in  quo  tributa  contine- 
bantur,  eigentl.  eine  in  capitula  abgetheüte  Schrift;  capitastrum  aber  ent- 
stand gewiß  unmittelbar  aus  caput  wie  sp.  cabezon  steuerliste  aus  cabeza. 

Catrame  it.,  pg.  alcatrao,  sp.  alquitran,  fr.  guitran,  goudron,  nüat. 
catarannus  theer;  vom  arab.  alqacträn  dass.  Freyt.  III,  464h. 

Cattivo  it.,  sp.  cativo,  pr.  caitiu,  fr.  ch&if  elend,  schiecht;  von 
eaptivos  gefangen,  in  knechtschaft,  daher  unglücklich  nebst  den  wettern 
bedeutungen;  die  ursprüngliche  wird  durch  cattivo  it.,  cautivo  sp.,  captif 
fr.  vertreten. 

Cavallo  it.,  sp.  caballo,  pr.  caval,  fr.  cheval,  wal.  cal  (auch  cdban. 
cale,  calle)  pferd;  von  caballus  (yuxßalkyg),  nach  A.  W.  Schlegels  muth- 
mafiung  ein  italisches  bauernwort,  womit  das  pferd  in  der  landwirthschaft 
bezeichnet  ward,  s.  dessen  Ind.  bibl.  I,  240.  Daher  it.  caval care,  sp. 
cabalgar,  fr.  chevaucher  (fehlt  wal.)  reiten,  wie  gr.  \itizevtiv  von  Xnnoq, 
in  der  L.  Sah  caballicare  und  zwar  caballicare  caballum  wie  rom.  caval- 
care  an  cavallo.  Von  equus  blieb  nur  das  fem.  sp.  yegua,  pg.  egoa, 
pr.  egua,  dttfr.  aigue,  wal.  eap$,  sard.  ebba.  Aus  caballus  leitet  sich 
ferner  nüat.  caballarius  Gl.  Isid.,  it.  cavaliere,  sp.  caballero,  pr.  cava- 
lier  und  cavayer,  fr.  Chevalier  und  cavalier  ritter,  reiter ;  >dsgl.  ü.  caval- 
letta,  sp.  caballeta  grüne  heuschrecke,  pferdchen  genannt  wegen  der  ahn- 
lichkett  ihres  köpf  es  mit  einem  pferdekopfe,  heupferd. 

Cavezza  it.  halfter,  altfr.  chevece  kragen,  sp.  pg.  cabeza  köpf,  auch 
pr.  cabeissa;  dsgl.  sp.  pg.  cabezo,  pr.  cabes  der  obere  theil  eines 
dinges;  abgd.  it.  cavezzone,  fr.  cave<;on  kappzaum,  sp.  cabezon  hemd- 
Iragen ;  von  caput  Daß  chevece  und  cabeza  eins  seien,  ist  unzweifelhaft ; 
aber  auch  cavezza  stimmt  dazu,  wiewohl  capezza  (vgl.  capezzale  aus  ca- 
pitium  bei  Gellius)  erwartet  werden  durfte.  Kragen  als  köpf  des  hemdes 
ist  der  mittelbegriff  zwischen  haupt  und  halfter,  doch  könnte  sich  sp. 
cabeza  auch  unmittelbar  auf  capitium  in  der  bed.  einer  kopfbedeckung  be- 
ziehen, in  den  Er  f.  glossen  283a  wird  es  mit  dem  ags.  'hood3  pileus  über- 
setzt.   Ital.  seavezzare  abhauen  ist  =  scapezzare,  sp.  descabezar. 

Gaviale  it.,  sp.  cabial,  pg.  fr.  caviar,  ngr.  xavictQi  eingesalzener 
rogen  des  in  edlen  europäischen  gewässern  heimischen  störs  und  einiger 
andern  fische. 


•  9 


94  L  CAVICCHIA— CEDRO. 

Cavicchia,  caviglia  #.,  pg.  pr.  cavilha,  fr.  cheville,  pflock,  masc. 
it.  cavicchio,  caviglio  dass.  Lot.  clavicula  tcard  durch  dissimüation 
in  cavicla  vereinfacht  um  das  doppelte  cl  zu  beseitigen:  ohne  diese  eupho- 
nische rücksicht  dürfte  eine  Schwächung  des  anlautes  nicht  angenommen 
werden.    Der  Spanier  behielt  cl  in  clavija,   worin  jene  rücksicht  wegfiel, 

Cavolo  it.,  sp.  col,  pg.  couve,  pr.  caul,  fr.  chou  kohl;  bemerkens- 
wert^ weil  diese  formen  so  wie  das  kymr.  cawl,  das  bret.  kaol  auf  caulis, 
nicht  auf  das  anscheinend  volksmäßige  colis  weisen. 

Cayo  sp.  (nur  im  plur.  Üblich),  altfr.  caye  Sandbank,  mit  anderer 
bed.  pg.  caes  (sg.  und  pl.),  fr.  quai  dämm  an  fiüssen,  deich,  ndl.  kaai, 
engl,  kay,  ndd.  kaje.  Alle  vier  roman.  Wörter  sind  formell  eins  und  auch 
die  begriffe  liegen  sich  nicht  fem.  Ein  altes  Zeugnis  dafür  gewähren  die 
Isid.  glossen:  kai  'cancellae\  kaij  (kaji?)  'cancelli'  schranken.  Unpassend 
bringt  dies  Scaliger  mit  dem  Plautinischen  cajare  (schlagen)  in  Verbin- 
dung: es  ist  augenscheinlich,  wie  schon  Ducange  behauptet,  das  kymr. 
cae  zäun,  umzäunung,  bret.  ka£  auch  deich,  k&6a  einzäunen;  vielleicht 
darf  auch  an  ahd.  cahot  munimentum,  bair.  kachet  zäun  Graff  IV,  361 
erinnert  werden.  Dagegen  ist  bair.  kai  hegung,  als  eine  spätere  Verhär- 
tung aus  gehai  von  haien  hegen  (Schmeller  II,  129),  nicht  in  anschlag 
zu  bringen.  Warum  aber  fr.  quai  und  nicht  chai?  muthmaßlich  weil 
das  wort  ein  erst  später  aus  dem  picard.  oder  gascon.  (vgl.  cayum  haus 
bei  Ducange,  gael.  cai  dass.)  aufgenommenes  ist. 

Cazza  it.,  cot.  cassa,  altfr.  pic.  casse,  masc.  chw.  caz,  sp.  cazo 
pfanne  mit  einem  stiel;  vom  ahd.  chezi,  kezi,  altn.  kati  ein  kochgeschirr, 
woher  unser  kessel.  Abgel.  it.  cazzuola,  sp.  cazuela,  mit  einmischung 
eines  r  (wie  in  mouch-er-olle,  mus-er-olle  u.a.)  fr.  casserole  bratpfanne, 
woher  it.  casserola,  pic.  champ.  castrole,  dtsch.  castrol.  Ein  altes  Zeugnis 
des  Wortes  in  den  Wiener  glossen  Hoffm.  p.  58,  15  gazza  ^chetta*  = 
churw.  caza  schöpf  kelle. 

Cece  it.,  sp.  chf charo,  pr.  cezer,  fr.  chiche  {gewöhnt,  vi.  pois  chiclies) 
kichererbse,  von  cicer;  it.  cicerchia,  sp.  cicercha,  von  cicercula. 

Cicero  it.  schwan,  alt  c6cino,  mlat.  cecinus  L.  Sal.  tu.  7,  ricinus 
€olor  (ollo  ms.)  Gl.  Paris,  ed.  Hild.,  item  Papias;  vom  tat.  cicer,  das  im 
it.  cece  knollen  am  schnöbet  dieses  vogels  heißt.  Besser  aus  cecinus  als 
aus  cygnus  erklärt  sich  auch  das  sp.  pg.  altfr.  cisne  (altpg.  cirne  Moraes), 
da  einschiebung  des  s  für  die  südwestl.  spractte  nicht  annehmbar  ist. 

C6dola  it.,  sp.  pg.  pr.  cädula,  fr.  c£dule  zettel;  von  schedula  wie 
cisma  von  schisma.  Aus  einer  andern  ausspräche  (skedtda)  entsprang 
sp.  esquela. 

Cedro  &,  cidra  sp.  pg.,  in  letzterer  spräche  auch  cidräo,  fr.  citron 
eine  frucht,  citrone;  it.  cedro,  sp.  cidro,  fr.  citronnier  citronenbaum;  von 
citrus  citronen*  oder  pomeranzenbaum,  citreum  dessen  frucht.  Der  bäum 
heißt  ital.  auch  cederno,  geformt  wie  lat.  quernus  von  quercus.  Die  zwei- 
felhafte quantität  des  i  in  citrus  erklärt  die  roman.  formen  mit  e  und  i. 
Das  vornehmste  wort  für  citrone  aber  ist  ein  fremdes,  limone  (s.  das.). 


L   CELATA— CERCARE.  95 

AbU.  sind:  U.  cedronella,  sp.  cidronela,  fr.  citronnelle  melisse,  dtrago; 
it.  citri uolo,  cedriuolo  gurke,  fr.  citrouille  Mrbifi,  wegen  der  ähnlich- 
keit  dieser  fruchte  mit  der  citrone. 

Gel  ata  it.,  sp.  celada,  fr.  salade  heim,  pickelhaube,  engl,  salad, 
hymr.  saled ;  mit  recht  wegen  des  darauf  vorkommenden  büdwerkes  von 
caelata  (cassis  caelata  bei  Cicero)  hergeleitet,  wahrscheinlich  in  Italien 
aufgekommen.  Es  ist  also  hier  ein  epitheton  ornans  zum  namen  der  Sache 
geworden.  Im  mittdhochd.  findet  sich  gleichbedeutend  salier,  welches 
romanischen  Hang  hat,  aber  aus  diesen  sprachen  nicht  nachweislich  ist, 
auch  aus  caelata  nicht  abstammen  konnte. 

Cenno  it.,  chw.  ein  wink,  sp.ceho  runzeln  der  stirne;  vb.  pr.  cennar, 
oltfr.  cener  c.  acc.  HBord.  p.  178,  1,  it.  accennare,  altsp.  bevüsn  Älx.,  altfr. 
acener  zuwinken.  Cinnus,  zu  unterscheiden  von  dem  acht  lat.  cinnus  (Ver- 
mischung mehrerer  dinge),  begegnet  in  alten  glossaren;  eins  der  Erfurter  z.  b. 
p.287k  hol  cinnus  'tortio  oris\  inde  est  dictum  cincinus  und  cynnavit 
tnmuitJpromisity}  auch  die  Isid.  glossen  kennen  das  wort}  das  wahrscheinlich 
aus  cincinnus  locke  (xixivvog)  abgekürzt  ward,  indem  cinnare,  cennare  eine 
eigenschaß  der  locken,  das  wallen  oder  winken  ausdrückte. 

Centinare  it.,  fr.  cintrer  wölben,  bogenrund  machen;  daher  sbst. 
ü.  conti  na,  fr.  cintre  (m.)  gewölbe,  rüstbogen  zu  einem  gewölbe;  von 
cineturare,  das  man  sich  aus  cinetura  ableitete:  ital.  n  aus  r  wie  in  cecino 
aus  cicer.  Über  die  beriüirung  der  begriffe  gewölbe  und  umgürtung 
s.  Rödiger  und  Pott  in  Lassens  Ztschr.  III,  59.  Das  catäl.  wort  ist 
cindria,  das  span.  aber  eimbria,  eimbra,  mh  vielleicht  durch  einmischung 
von  eimborio  kuppet. 

Cercare  it.,  wal.  cercä,  pr.  cercar  (sercar),  nfr.  chercher,  altfr. 
cerchier  durchsuchen,  suchen,  aus  diesem  das  engl,  search.  Die  erstere 
ist  die  grundbedeutung:  in  derselben  braucht  es  noch  Dante  in  einer 
mehrfach  misverstandnen  stelle  Inf.  1,  84  che  m'han  fatto  cercar  lo  tuo 
Yolume,  vgl.  altfr.  cerchier  les  montagnes  die  berge  durchsuchen  und 
ähnliche  stellen.  Span.  port.  cercar  bedeutet  einschließen,  citpg.  aber 
gleichfalls  durchsuchen:  andou  em  busca  delle  cercando  toda  aquella 
terra  &  Constancio.  Cercare  ist  das  wenn  auch  nicJU  von  Properz  4,  9, 
36,  doch  von  den  fddmessern  gebrauchte  circare  um  etwas  herumgehen, 
es  umgeben :  circat  montem  Cos.  litt.,  in  den  lsid.  glossen  circat  'circum- 
venit\  daher  mlat.  circa  die  runde,  circator  Wächter,  vgl.  alban.  k$rcöig 
suchen,  durchforschen,  vom  gr.  xiqxovv  umgeben,  umringen;  kymr.  kyrchu, 
bret.  kerchat  werden  aus  derselben  quelle  sein  wie  cercare.  Es  bedarf 
also  zur  erktärung  desselben  keines  neuen  Wortes  quaericare.  Zwar 
schreibt  der  Sarde  von  Logudoro  quireare,  aber  er  schreibt  nur  so,  die 
ausspräche  ist  kircare  wie  im  latein.  Die  franz.  form  chercher  hat  ihren 
grund  offenbar  in  bequemerer  ausspräche  des  richtigen  cercher,  pic.  cer- 
quier  (welches  letztere  aber,  gleichfalls  durch  assimilation  der  ersten  an 
die  zweite  silbe,  auch  in  der  form  querquier  vorkommt),  vgl.  it.  Giciglia 
für  Siciglia.    Eine  zss.  ist  pr.  ensercar  unterscheiden,  pg.  enxergar; 


96  L   CERCETA- CHETO. 

ein  frequentativ  im  alteren  mittdlatem  ist  circitare  (circat,  circitat  ycvxkdu 
Gl.  lat.  gr.),  hieraus  wal.  cerceta  untersuchen,  besuchen,  das  der  herkunft 
aus  quaericare  entschieden  widerspricht, 

Cerceta,  zarzeta  sp.  pg.,  pr.  sercela,  fr.  cercelle,  sarcelle,  cot. 
masc.  xerxet  ein  wasservogel,  Jcriechente;  van  querquedula.  Daraus  ent- 
stellt scheint  it.  garganello,  engl,  gargane,  s.  Ferrari;  Ncmnich  fuhrt 
auch  cercedula,  cercevolo  an. 

G6  reine  it.  (m.)  ring,  ringartige  sache,  fr.  cerne  (m.,  aus  certfne) 
hreiß,  sp.  c&rcen,  pg.  cerce;  vb.  iL  fehlt,  fr.  cerner  umzingeln,  aber 
sp.  cercenar  ringsum  beschneiden,  eig.  abrunden,  cortar  ä  cercen  glatt 
abschneiden.    Die  Wörter  sind  von  circinus  zirkel,  circinare  abzirkeln. 

Cerfoglio  it.,  sp.  cerafolio,  fr.  cerfeuil  ein  küchenkraut,  körbel; 
von  caerefolium  (xaigiq)vllov). 

Cernecchio  it.,  sp.  cerneja,  pg.  cernelha  haarbüschel.  Cabrera's 
deutung  aus  criniculus,  wogegen  begriff  und  buchstabe  streiten,  durfte 
nach  der  von  Ferrari  aus  discerniculum  Haarnadel  facus,  quae  capülos 
disseparat'  Nonius),  dsgl.  abgctheiltes  haar,  nicht  mehr  aufgestellt  werden. 

Cervello  it.,  pr.  cervel,  fr.  cerveau  hirn,  dsgl.  fem.  dem  itat. 
plur.  cervella  entsprechend  chw.  pr.  cervella,  fr.  cervelle;  von  cere- 
bellum,  dessen  roman*  gestalt  cervellus  schon .  der  Vocab.  S.  Gdlli  kennt, 
cervella  das  Gloss.  Salom.,  cerevella  das  Gloss.  von  Schlettstadt.  Die 
sporn,  und  port.  spraefte  haben  nur  das  primitive  celebro,  cerebro,  so  auch 
die  walach.,  deren  erferi  (plur.)  aus  cerebrum,  umgestellt  creebrum,  ge- 
bildet sein  wird. 

Cetto  it.,  attsp.  altpg.  cedo  (encedo  Ghron.  del  Cid  ed.  Huber 
p.  203)  adverbium,  von  cito. 

Chaveco  pg.,  sp-  xabeque,  it.  sciabeeco  (?),  fr.  chebec,  dtsch. 
schebecke,  ein  kleines  dreimastiges  kriegsschiff,  welches  rüder  fuhrt;  soll 
türkisch  oder  arabisch  sein,  ist  aber  nach  Dozy  p.  28  unentschiedener 
herkunft 

Che  it.,  sp.  pg.  pr.  fr.  que  (auch  alban.  che)  geschlechtloses  relativ- 
pronomen  und  conjunetion;  wahrscheinlich  von  quid,  s.  Born,  gramm.  III, 
322—324,  wo  auch  von  wal.  ce,  ce,  ca  die  rede  ist.  Franz.  quoi  (alt 
quei)  hat  seinen  grund  in  dem  bestreben  der  spräche,  gewissen  einsilbigen 
Wörtern  mehr  umfang  zu  geben,  vgl.  moi,  mei  aus  me.  Itcd.  chi,  fr.  qui, 
von  quis;  sard.  chini,  sp.  qnien,  pg.  quem,  vom  aecusativ  quem,  s.  IL  b. 

Cheto  it.,  sp.  pg.  quedo,  altfr.  coit,  coi,  recoi  ruhig,  von  quietus, 
daher  vb.  it.  chetare  beruhigen,  sp.  pg.  quedar  ruhig  lassen,  (intr.) 
ruhig  bleiben;  fr.  coiser  s.  v.  a.  it.  chetare,  gebildet  tote  hausser  von 
altus.  Ein  lat.  vb.  quietare  bei  Priscian  ist  bestritten,  vgl.  Struve,  Lat. 
decl.  und  conj.  117.  Dasselbe  quietus  setzte  mit  der  bed.  'ledig3  eine 
zweite  keine  Verwandlung  des  t  in  d  erlaubende  form  ab,  eine  scheideform, 
gleichsam  quitus:  fr.  quitte,  alt  cuite,  pr.  quiti,  sp.  quito,  dtsch.  quitt; 
daher  sp.  pg.  quitar  ledig  machen,  frei  lassen  PC.  537.  894.  1043, 
wegnehmen,  eigentl.  losmachen,  fr.  quitter  losgeben,  gehen  lassen,  verlassen> 


CHIAMARE-CIANCIA.  97 

it.  quitare,  chitare  sein  recht  aufgeben.  Die  bedeutung  kennt  schon  die 
Lex.  Long.:  sit  quietus  d.  i.  sit  dbsotutus.  Für  cheto  sagt  man  ital.  auch 
chiotto  (zweisüb.),  vielleicht  aus  dem  fr.  coit  mit  eingeschobenem  i  =  1, 
map.  cuoto. 

Chiamare  it.}  wal.  chi^mä,  sp.  Uamar,  pg.  chamar  rufen,  nennen, 
pr.  clamar,  aitfr.  claimer  ausrufen;  von  clamare.  Die  bed.  nennen  läßt 
sich  bereits  im  ältesten  mlatein  nachweisen,  0.  b.  si  quis  alterum  vulpem 
clamaverit  L.  Sal.  tit.  30. 

Chiarina,  clarinetto,  clarone  iL,  sp.  darin,  clarinete,  fr. 
clarinette,  clairon,  altfr.pr.  clarion  blasinstrumente;  von  ciaras  hell  tönend. 

Chiasso  it.  aus  dem  pr.  clas  geschrei,  ältfr.  glas  (chlaz  Trist.  II, 
80)  glockengeläute,  nfr.  ansehlagen  der  todtenglocke,  wohl  auch  ir.  glas 
wehklage,  das  Pictet  p.  70  eu  sanshr.  Was  gesellt;  von  classicum  signal 
mit  der  trompete,  mlat.  in  der  aitfr.  bedeutung,  vgl.  conclassare  'concla- 
mare  Gl.  Md.  Das  nah  liegende  glatir  war  anlaß,  daß  man  das  wort 
gerne  vom  hundegebdl  brauchte.  Wal.  glas  schall,  stimme  ist  das  gleich- 
bed.  serb.  glas. 

Chiglia  it.  (bei  Barberino  chiela),  sp.  quilla,  fr.  quille  kiel  des 
schiffes;  vom  ahd.  kiol,  altn.  kiölr.  Sofern  fr.  quille  Icegel  bedeutet,  floß 
es  aus  ahd.  kegil,  was  schon  Frisch  erkannte;  eigentlich  passen  auch  die 
andern  Wörter ',  wie  man  leicht  sieht,  besser  in  dieses  etymon  als  in  das 
erstere,  aber  die  bedeutung  entscheidet. 

Chimera  it.,  sp.  quimera,  fr.  chimöre  hirngespinst ;  von  Chimaera, 
dem  mythischen  ungeheuer. 

Chiocciare,  crocciare  it.,  sp.  cloquear,  neupr.  clouchä,  fr.  glousser, 
wal.  clocei  glucksen;  naturausdrücke  wie  das  dtsche  wort  und  das  lat. 
glocire,  wenn  nicht  zum  theil  aus  diesem  entstanden,  vgl.  ags.  cloccan. 
Sbst.  it.  chioccia,  sp.  clueca,  pg.  chöca,  wal.  6loc$,  nhd.  glucke  brütende 
henne,  daher  ein  adj.  it.  chioccio,  sp.  clueco,  llueco  glucksend,  heiser. 

Chitarra  it.,  sp.  pg.  pr.  guitarra,  fr.  guitare'em  Saiteninstrument; 
vom  gr.  xi&aQa.  Vom  lat.  cithara  aber  ist  it.  cetera,  cetra,  pr.  cidra, 
citöla,  aitfr.  citole,  mhd.  zitole  u.  s.  w.  Cithara,  non  cetera  bemerkt  ein 
grammatiker  in  besiehung  auf  die  volksübliche  form,  s.  Anal,  gramm.  p.  443. 

Chiudere  it.,  sp.  cluir  in  compos.}  cdtpg.  chouvir,  pr.  claure,  fr. 
clore  schließen;  von  cludere  und  claudere.  Zsgs.  pr.  esclaure,  fr. 
£elbre,  von  ex  und  claudere;  pr.  esclure,   fr.  exclure,   von  excludere. 

Giabatta  it.,  sp.  zapata,  fr.  savate  abgenutzter  schuh,  pr.  sabata 
überh  schuh,  und  so  sp.  pg.  zapato;  it.  ciabattiere  ff.  Schuhmacher. 
Nach  Sousa  vom  arab.  sabat,  dies  vom  vb.  sabata  beschuhen,  das  bei 
Freytag  II,  275*  diese  bedeutung  nicht  hat.  Mahn  p.  16  findet  seine 
quelle  im  baskischen. 

Giancia  it.  geschwäie,  possen,  vb.  cianciare  schäkern,  possen  treiben, 
chw.  cioncia  geplauder,  sp.  pg.  chanza  spass;  naturausdruck?  vgl.  aber 
auch  nhd.  zänzeln  kosen  Frisch  II,  464b,   mhd.  zSnselen,  zinselen  dass., 

sp.  ch&chara  gesehwä&ze,  ngr.  itpitjula  gleichbed. 

7 


y\ 


98  L   CIARLARE-CIFRA. 

Giarlare  #.,  sp.  pg.  charlar,  vol.  charrar,  norm,  charer  schwatzen; 
it.  ciarlatano  (woher  fr.  charlatan)  Marktschreier,  Windbeutel.  Seltsam 
*  leitet  es  Muratori,  Ant.  üal.  II,  846,  von  Charles,  Charlemagne,  einem 
namen,  den  die  französischen  bänkelsänger  in  Italien  stets  im  munde  ge- 
führt hätten.  Menage  verweist  auf  lat.  circulari  (circ'lari)  das  gewerbe  des 
marktschreiers  treiben;  gewiß  passend,  wäre  nur  der  ausfall  des  c  vor  1  nicht 
anstößig.  Ciarlare  kann  auf  romanischem  boden  gewachsen,  es  kann  ein 
naturausdruck  sein,  wenn  man  nicht  vielmehr  eine  ablautform  von  zirlare, 
sp.  chirlar,  darin  erblicken  will,  vgl.  bask.  chirchila  =  charlatan.  Das 
mit  ciarlatano  gleichbed.  it.  cerretano  soll  nach  einigen  von  dem  städte- 
namen  Cerreto  herrühren. 

Giascnno  it.,  altsp.  cascun.Bc.,  pr.  cascnn  chascun,  altfr.  chascnn, 
auch  chescun,  neufr.  chacun  {nicht  chäcun),  pronomen,  von  quisque  unus, 
quisc1  unus,  vgl.  chaque  J7.  c;  it.  auch  ciascheduno  von  quisque  et  unus 
oder  quisque  ad  unum,  wie  altsp.  quiscadauno,  s.  cadauno.  Eine  alte 
genues.  form  cascha-un  s.  Archiv,  stör.  üal.  app.  num.  18,  p.  20  und  öfter. 

Ciborio  it.,  so  auch  pg.,  fr.  ciboire  geMuse  für  die  geweihten  hostien, 
dsgl.  pr.  cibori,  altfr.  chiboire,  sp.  pg.  cimborio  schirm  oder  kuppet  über 
dem  altar,  ndat.  ciborium,  mittelgr.  ußtügiov;  werden  aus  dem  gr.  7ußu>Qiov 
fruchtgehäuse  einer  pflanze,  auch  becher,  hergeleitet,  man  sehe  Ducange 
und  Menage. 

Cica  it.  kleinigkeit.  adj.  cigolo,  einfacher  sp.  chico,  cot.  xic  chic 
klein,  gering,  fr.  chiche  knauserig  (vgl.  gr.  ajuixgög  klein,  GfiixQivrjg  geiz- 
hals),  fr.  chiquet  bißchen,  chicot  splitter,  knoten,  sp.  chicote  ende  eines 
taues,  chichota  kleinigkeit;  vb.  fr.  chichoter  über  Kleinigkeiten  zanken, 
altsp.  chicotar  Canc.  d.  JB.,  wohl  auch  sp.  cicatear  knausern.  AUe  von 
ciccnm  kleinigkeit,  mit  palataler  ausspräche  des  c  wie  im  sp.  chfcharo, 
fr.  chiche  von  cicer.  Verwandt  scheint  alban.  tzice  ein  wenig.  Hieher 
wahrscheinlich  auch  fr.  chicane,  das  ursprüngl.  krümchen  brot  bedeutet 
haben  soll,  daher  unnütze  Spitzfindigkeit,  hader  um  nichts.  Wegen  des 
adj.  chico  aus  dem  sbst.  ciccum  vgl.  wal.  mic  Mein,  von  lat.  mica.  — 
Bei  diesem  stamme  bot  sich  herleitung  aus  dem  bask.  chiquia  *  winzig 
leicht  dar,  aber  ein  so  weit  verzweigter  stamm,  gegen  dessen  latein.  Ur- 
sprung nichts  vorliegt,  warum  sollte  er  anderswo  gesucht  werden?  Dem 
lat.  ciccum  non  interduim  entspricht  ja  wörtlich  das  üal.  non  darei  cica. 
Aus  sp.  chico  hätte  freilich  bask.  chicoa  werden  müssen,  nicht  chiquia, 
aber  auch  aus  bask.  chiquia  nur  span.  chiquio,  nicht  chico.  Ital.  cica 
für  cicca  könnte  bedenken  machen,  stände  nicht  bereits  im  latein  häufig 
genug  c  neben  cc  (baca  bacca,  braca  bracca,  sucus  succus,  mucus  muccus). 

Ciclaton  sp.,  pr.  sisclato,  altfr.  siglaton,  singlaton  kleidungsstück 
unten  rund  zugeschnitten,  dsgl.  Stoff,  woraus  es  verfertigt  ward;  von 
cyclas  cycladis  staatskleid  der  frauen,  woher  auch  mhd.  ziklät  (gen. 
ziklades),  ein  mit  gold  durchwehter  Seidenstoff.  Nach  andern  arabischer 
herkunft,  von  Engelmann  aber  nicht  aufgenommen. 

Gifra,  cifera  it.  geheimschrift,  sp.  pg.  cifra  Zahlzeichen,  fr.  chiffre 


I.   CIGALA— CINGHIAKE.  99 

mit  beiden  bedd.  ürspr.  ein  Zahlzeichen  ohne  absoluten  werth,  null,  im 
Brevüoquus  cifra  'figura  nihüt  und  so  noch  wai.  cifr^.  Von  den  Arabern 
empfieng  Europa  das  indische  Zahlensystem,  arabisch  kann  also  wohl  auch 
das  wart  sein.  Hier  heißt  $afar,  gifr  (gifron)  leer,  letzteres  als  sbst.  das 
zeichen  null,  arab.  meist  durch  einen  punct  ausgedrückt,  s.  Gol.  1363, 
Freyt.  77,  503*.  Den  namen  dieses  Zeichens  übertrug  man  nachher  auf 
die  übrigen  neun.    Genaueres  bei  Mahn  p.  46,  Dozy  30. 

Cigala  it.  pr.  cot.,  cigale  fr.,  cigarra  sp.  heuschrecke;  von  cicada, 
statt  dessen  wegen  der  formen  mit  1  nicht  einmal  cicadula  angenommen 
zu  werden  braucht,  da  Übergang  des  d  in  1  kein  seltenes  ereignis  ist  Die 
span.  form  chicharra  soll  wohl  den  zirpenden  laut  des  thierchens  nachahmen. 

Cima  it.,  so  auch  sp.  pg.  pr.,  fr.  cime  gipfd.  Von  cyma  zarte 
sprosse,  wal.  chim$  keim,  vgl.  oltsp.  cima  zweig,  ursprünglich  also  der 
oberste  theil  der  pflanze,  sodann  spitze,  berggipfel,  wie  it.  vetta  diese  be- 
detdungen  einigt.  Sanchez,  Coleec.  II,  492  bemerkt  ein  mundartlich  span. 
quima,  das  gradezu  auf  gr.  xv/ua  zurückgeht.  Abget.  it.  cimiero,  fr. 
cimier,  sp.  cimera  zeichen  oder  schmuck  oben  auf  dem  helme,  weil,  tzimiriu 
kenneeichen,  schüd,  mhd.  zimier,  zimierde. 

Cimeterio  it.,  sp.  cimenterio,  fr.  cimetiere  (m.)  kirchhof;  von 
coemeterium  eigenÜ.  schlafstätte,  xoifirjTtiQtov.  Ein  andrer  ausdruck  für 
eine  begrabnisstatte  ist  it.  carnajo,  sp.  carnero,  pr.  carnier,  fr.  charnier, 
ahd.  charnare,  mhd.  gerner  beinhaus;  von  carnarium  fleischbehälter. 

Cin&bro  it.,  sp.  pg.  cinabrio,  fr.  cinabre,  pr.  aber  cynobre  ein 
mineral,  zinnober,  von  cinnabaris;  wal.  chinovär  vom  gr.  TuwaßaQig. 

Cincel  sp.,  pg.  sizel,  cot.  sisell,  fr.  ciseau  meißel,  pl.  ciseaux 
scheere;  vb.  ci sei  er  ff.  ausmeißeln.  Nach  einigen  von  caesus:  wie  aber 
das  diminutiv  eines  solchen  particips  (caesillus)  die  active  bedeutung  eines 
Werkzeuges  annehmen  konnte,  ist  schwer  begreiflich,  abgesehen  davon,  daß 
der  meißel  ein  sclmeidendes,  kein  hauendes  Werkzeug  ist.  Plautus  hat  si- 
cilicula  (von  sicilis,  daher  wal.  se&cere?)  Ideines  Werkzeug  zum  schneiden, 
dies  konnte  auf  roman.  weise  in  sicilicellus,  scilceilus  abgeändert  werden, 
woraus  die  obigen  formen.  Für  scilceilus  spricht  das  schwanken  zwischen 
dem  anlaute  c  und  s,  ja  selbst  das  span.  n  für  1,  das  man  auch  in  zonzo 
aus  insulsus  wahrnimmt:  sonst  könnte  man  eben  so  wohl  secellas,  von 
secuta  sichd,  heranziehen.  —  [Das  breton.  kizel  =  ältfr.  cisel  verträgt 
sich,  wie  Diefenbach  einwendet,  nicht  mit  scilcel  oder  secel,  es  verlangt 
den  anlaut  c.  Hiernach  wäre  ein  besseres  etymon  cisorium  Werkzeug  zum 
schneiden  Veget.,  altfr.  cisoir  dass.,  woraus  mit  vertauschtem  suffix  ciseau 
entstehen  konnte,  angebildet  dem  begriffsverwandten  couteau.] 

Ginghia  it.,  wal.  chinge,  pg.  cilha,  pr.  singla,  fr.  sangle  gurt; 
vb.  cinghiare  ff.  gürten,  umgürten,  umfassen;  von  cingula;  dsgl.  it. 
cinto,  cinta,  sp.  cinto,  cinta,  cincha,  altfr.  Qaint,  pr.  cinta,  vom  sbst. 
cinctus.  Eine  neue  bildung  aus  dem  vb.  cingere  ist  it.  cigna,  pr.  cenha, 
altfr.  segne,  schon  in  den  Cass.  glossen  cinge  nach  W.  Grimm  p.  18. 

Cinghiare,  cinghiale,  cignare,  cignale  it.,  pr.  senglar,  fr.  sanglier, 


100  I.   CIO— CIUFOLO. 

wüäer  eher,  keüer,  tnlat.  singularis  €epur  (eher)  Voc.  S.  Oätti.  Er  hat, 
wie  Cujacius  lehrt,  den  namen  daher,  weil  er  einsam  lebt  (ausgenommen, 
wie  Menage  anmerkt,  in  den  beiden  ersten  jähren,  wo  er  träte  de  com- 
pagnie  heißt) :  auf  dieselbe  eigenschaß  bezieht  sich  sein  griech.  beiname 
(toviog  so  wie  das  sard.  sulone,  das  doch  wohl  aus  solus  zu  erklären  ist. 
Ital.  cinghiale  ist  also  verderbt  aus  singhiale  wie  concistorio  aus  con- 
sistorio.  Das  span.  wort  ist  jabalf.  In  den  sardischen  mundarten  findet  sieh 
außer  sulone  noch  porcabru,  eine  offenbare  Zusammensetzung  von  porcus 
und  aper.  —  [Auch  der  raubvogel  lebt  einsam,  daher  der  griech.  name 
olwvog  von  olog,  wie  IAebrecht  (Oachet  422*)  zu  sanglier  anmerkt.] 

Gib  it.,  pr.  aisso  und  so,  altfr.  i$o,  50  (geschr.  ceo),  nfr.  ce,  pro- 
nomen,  von  ecce  hoc;  dazu  pr.  aquo,  aco,  von  eccu'  hoc. 

Giocciare  it.  saugen,  zutschen;  ciötola  näpfchen  zum  trinken, 
vgl.  Schweiz,  zotteli  dass.,  nhd.  zaute;  sp.  chotar  saugen,  choto  zicklein, 
comask.  ciot  kind,  ciotin  lämmchen,  chw.  tschutt  dass.;  champ.  tuter  an 
den  fingern  saugen  (von  hindern)  und  ähnliche  Wörter,  sämmttich  natur- 
ausdrjicke. 

Ciocco  it.  Motz,  stück  holz,  attfr.  choque,  chouquet  stamm,,  nfr. 
choc,  sp.  choque  stoß,  ruhst  chocar,  choquer  anstoßen,  dtsch.  schock, 
schocken,  vgl.  auch  it.  ciocca  büschd  mit  schock  häufe,  anzafü.  Wie 
sich  klotz  und  stoß  berühren,  zeigt  auch  toppo. 

Gioccolata  it.,  chocolate  sp.,  chocolat  fr.  ein  geträhke;  nach  span. 
etymologen  vom  mexican.  chocollatl,  zsgs.  aus  choco  cacao  und  latl  wasser. 
Man  sehe  bei  Cabrera  und  Monlau. 

Ciriegia,  ciliegia  it.,  sp.  cereza,  pg.  cereja,  pr.  serisia,  fr.  cerise, 
wal.  ciräs$  (cireäse),  pr.  auch  cereira  und  so  cot.  cirera  Tdrsche;  it.  ciri- 
egio,  ciliegio,  sp.  cerezo,  wal.  cir££u,  pg.  cerejeira,  fr.  cerisier,  pr. 
serier,  cot.  cirer,  cirerer  kirschbaum.  Nicht,  wie  unser  kirsche,  früher 
kirsa,  kirse  ans  c£rasum,  cärasus,  das  beweist  schon  der  roman.  accent 
der  zweiten  silbe  (vgl.  auch  veti.  cier&a,  sie.  ciräsa,  sard.  cerexia,  chiri- 
£xa,  cariäsa  cet.),  sondern  gleich  andern  baumnamen  (faggio,  prugno, 
quercia)  aus  einem  adjeetiv,  ceraseus,  daher  ital.  richtig  ciriegia  (ie  durch 
einmrkung  des  folgenden  e  =  i  wie  in  primiero  aus  primarius,  gi  aus 
si),  sp.  cereza,  pg.  cereja,  für  cereija.  Pr.  cereira  muß  früher  cereisa 
gelautet  haben  (s  in  r  geschwächt),  daher  mit  i  fr.  cerise  (fr.  i  =  pr.  ei 
Born,  gramm.  I,  412)  und  so  verhält  sich  auch  cot.  cirera. 

Cisma  it.,  so  auch  sp.,  pr.  scisma,  altfr.  cisme  Spaltung,  zteist; 
von  schisma. 

Cittä  it.,  wal.  cetate,  sp.  ciudad,  pr.  ciutat,  fr.  cit£  Stadt,  dazu 
die  nominativform  pr.  cfu,  altfr.  cit;  von  civitas. 

Ciüfolo,  ztifolo  it.,  sp.  chufa,  pr.  chufla,  altfr.  chufle,  dsgl.  sp. 
pr.  chif la  pfeife,  auspfeifung,  Verspottung;  vb.  it.  zufolare  ff.  pfeifen, 
verspotten;  naturausdrücke  mit  anlehnung  an  lat.  sifilare  und  sufflare,  s. 
süfler  IL  c.  G.  Gälvani  aber  vermuthet  in  züfolo  das  tuscische  subulo 
flötenspider,  s.  Archiv,  stör.  ital.  XIV,  364. 


I.   CIUKMA-COCCA.  101 

Ciurma  it.,  sp.  chusma,  pg.  chusma,  churma,  chulma,  cat.  xurma, 
fr.  chiourme  gesammtheit  der  ruderknechte  eines  Schiffes.  Die  arglose 
herleitung  aus  tat.  turma  findet  anstoß  in  der  behandlung  des  anlautes; 
überdies  passt  dazu  nicht  einmal  das  innere  des  Wortes,  dessen  ursprüng- 
lichste form,  da  nach  gemeiner  reget  wohl  r  aus  s,  nicht  umgekehrt  s  aus 
r  entspringt,  die  spanische  sein  muß,  vgl.  sp.  usma,  iL  orma,  oder  pg. 
cisne  cirne.  Zu  der  span.  form  gesellt  sich  noch  eine  genues.  ciusma 
(altgenues.  geschr.  chusma  Archiv,  stör.  num.  18  p.  34).  Man  muß  sich 
also  nach  einem  andern  Ursprünge  umsehen.  Wie  usma  hat  das  wort 
griechisches  gepräge,  und  hier  bietet  wilücommne  auskunft  xeksvapa,  ce- 
leusma,  womit  das  commando  des  aufsehers  der  ruderknechte,  im  roman. 
die  ganze  sohl  derselben  bezeichnet  wird,  wie  unser  commando  sowohl  den 
befiehl  wie  auch  die  unter  dem  befeJd  stehende  mannschaft  bedeutet.  Aus 
xikevofta  ward  clensma  und  endlich  chusma  wie  aus  clamare  chamar  und 
dasu  stimmt  auch  die  sicü.  form  chiurma  für  ciurma,  ciusma,  während 
die  ital.  sich  schon  weiter  entfernt,  d.  h.  ciurma  entstand  aus  chiurma  wie 
etwa  morcia  aus  morchia.  Derselben  herkunft  ist  doch  wohl  auch  das 
ital.  vb.  ciurmare  durch  geheimnisvolle  worte  und  winke  bezaubern, 
eigenÜ.  seichen  und  befehle  geben. 

Clayicembalo,  gravicembalo  it.,  sp.  clavecimbano,  fr.  clavecin 
ein  Saiteninstrument,  das  mit  tasten  gespielt  wird,  sonst  auch  clavicordio 
genannt;  von  clavis  Schlüssel,  im  sinne  von  taste  (daher  fr.  clavier  reihe 
der  tasten)  und  cymbalum. 

Cobalto  it.  sp.  pg.,  cobalt,  cobolt  fr.  ein  miner al;  aus  dem  deutschen 
kobalt,  welches  Frisch  I,  171*  auf  das  böhm.  kow  metaU  zurückleitet, 
Weigand  für  eine  andre  form  von  kobold  (berggeist)  erklärt. 

Co b rar  sp.  pg.  pr.,  aUfr.  coubrer  bekommen,  in  besitz  nehmen, 
fassen,  ahd.  koborön;  von  recuperare,  mit  abgeschnittener  partikel  um  die 
Vorstellung  der  Wiederholung  zu  beseitigen,  ein  verfahren,  dem  vielleicht 
kein  zweites  beispid  zur  Seite  steht.  Das  vollständige  verbum  erhielt  sich 
gleichfalls,  aber  neben  der  alten  gewann  es  eine  neue  stark  abweichende 
bedeutung:  it.  ricovrare  sich  flüchten,  sich  retten,  sp.  recobrarse,  pr.  re- 
cobrar,  dttfr.  recouvrer  wieder  zu  sich  kommen,  sich  erholen,  sich  erkobern; 
schon  im  altern  mtatein:  rex  graviter  aegrotavit,  quo  recuperaute  filius 
ejus  aegrotare  coepit  Gest.  reg.  Fr.  In  dieser  bedeutung  ist  überall  das 
reflexivpronomen  zu  supplieren,  welches  nur  der  Spanier  setzt:  sich  wieder- 
erlangen, sich  zurückbekommen,  daher  wieder  zu  sich  kommen,  ital.  sich 
zurückbegeben.  Dieselbe  begriffsentwicklung  in  ressortir  (s.  sortire  2)  so 
wie  im  gr.  dvaKopi&o&at  1)  zurückbekommen,  2)  sich  zurückbegeben,  sich 
retten. 

Gocca  it.,  pr.  coca  (zu  schließen  aus  encocar),  fr.  coche,  engl,  cock 
kerbe  z.  b.  an  der  armbrust;  vb.  it.  coccare  die  sehne  einlegen,  scoccare 
abschnellen,  fr.  encocher  u.  s.  w.  Von  dunklem  Ursprung.  Das  altgael. 
adj.  coca  'hohl'  wird  man  nicht  hieher  ziehen  wollen,  eben  so  wenig  mit 
Menage  cavica  von  cavus.    Armstrong  fuhrt  ein  gad.  sgoch  mit  der  be- 


102  I.   COCCA— CODARDO. 

deutung  von  cocca  an,  das  mit  diesem  in  etymologischem  zusammenhange 
stehen  dürfte. 

Cocca  it.,  sp.  coca,  dltfr.  coque,  nfr.  coche  (f.)  kleines  fahr  zeug. 
Papias  bietet  caudica  lnavicula\  aber  nicht  einmal  in  der  form  codica 
wäre  es  dem  it.  cocca  angemessen.  Es  ist  von  concha  muschelschale,  ge- 
faß  (it.  auch  conca,  sp.  cuenca,  concha),  vgl.  wegen  der  form  it.  cocchiglia 
von  conchylium,  wegen  des  begriff  es  dltfr.  coquet  schiff  und  gefäfi  (letztere 
bed.  bei  Ducange).  Das  wort  ist  eben  sowohl  in  den  germanischen  und 
ceitischen  sprachen  vorhanden,  z.  b.  ahd.  koccho,  ndl.  kog,  kymr.  cwch 
(m.),  bret.  koked.  Es  tritt  aber  noch  in  andern  bedeutungen  aufy  die 
sich  gleichfalls  an  concha  knüpfen:  sp.  coca  muschelschale,  nußschale, 
hirnschcde  oder  köpf  für  letztere  bedeutung  sard.  conca  (vgl.  lat.  testa 
und  gr.  xoyxrj),  fr.  coqne  eier-  und  nußschale.  Abgd.  sp.  cogote,  pr. 
cogot  hinterkopf;  fr.  cocon  gehäuse  der  Seidenraupe,  wofür  auch  coque. 
Aus  dem  adj.  conchens  it.  coccio  scherbe,  coccia  kopf7  sp.  cnezo,  cueza 
kubel. 

Gocchio  it.  wagen  fürpersonen,  kutsche,  Streitwagen  der  alten  und 
dgl.;  für  coclo  von  cocca  fahr  zeug  (diminutiva  nehmen  häufig  männliche 
form  an).  Wie  nun  aus  ital.  nicchia  fr.  niche  und  hieraus  sp.  nicho, 
so  konnte  aus  cocchio  das  entsprechende  fr.  coche,  und  aus  diesem  das 
sp.  coche  nebst  unserm  kutsche  (schon  tbei  Keisersberg  f  1510  gutsche) 
so  wie  das  ndl.  koets  (vgl.  rots  aus  röche)  entstehn.  Weil  sich  das  wort 
auch  in  den  westlichen  Slavenlanden  findet,  wie  bohm.  kotgeh  cet.,  so  hält 
man  es}  ohne  es  in  diesen  sprachen  etymologisch  zu  begründen,  für  slavisch. 
Sonst  galt  es  für  das  ungar.  kotsi,  woher  wal.  cocie  gekommen  sein  kann. 
Schon  Avüa  (1653)  sagt  von  Karl  V.  se  puso  k  dormir  en  nn  carro 
cnbierto,  al  quäl  en  Hungria  llaman  coche,  el  nombre  y  la  invencion 
es  de  aquella  tierra  (nach  Cabrera  I,  66).  Sicher  ist:  it.  cocchio  läßt 
sich  nur  aus  den  eignen  mittein  dieser  spräche  und  nicht  aus  dem  slavi- 
schen  erklären,  fr.  coche  kann  ohne  slavischen  beistand  aus  dem  ital.  er- 
klärt werden. 

Cocciniglia  it.,  sp.  cochinilla,  fr.  Cochenille  ein  mexicanisches 
insect,  das  eine  scharlachfarbe  gibt;  vom  lat.  coccinus  scharlachfarbig. 

Cochiglia  iL,  coquille  fr.  muschel;  von  conchylium,  die  form  con- 
quilium  in  einem  alten  glossar,  Mone's  Anzeiger  VII,  138b.  Dem  Spanier 
genügt  concha. 

Coda  it.,  pr.  ooa,  fr.  queue,  sp.pg.  cola  für  coda  (wie  esquela/wr 
esqueda  =  scheda  u.  a.),  dUsp.  coa  schwänz ;  von  cauda.  Daher  z.  b. 
it.  codione,  codrione  bürzelder  vögel,  altsp.  codilla  steiß,  kreuz, 
wohl  auch  codaste  hintersteven  am  schiffe;  vb.  it.  scodare,  fr.  £couer 
den  schwänz  abstutzen. 

Codardo  it.,  tsp.  pg.  cobarde,  altsp.  cobardo  (aus  co-ardo  für  co- 
dardo,  wie  juvicio  aus  ju-icio),  pr.  coart,  fr.  couard  feige,  memmenhaft; 
vb.  altsp.  co  bar  dar,  dltfr.  couarder.  Zwei  etymologien  kommen  in  er- 
wägung,  welche  beide  schon  Nicot  kennt.   Von  cauda  im  eigentlichen  sinne, 


I.   COFANO— COLCAEE.  103 

weil  der  hund  und  ihm  verwandte  ihiere  aus  furcht  den  schwane  ein- 
stehen, s.  Eckhardt  zur  L.  Sah  und  Grimm,  Reinh.  p.  XLI  und  CCXXXV. 
Van  cauda  im  abgeleiteten  sinne,  wonach  es  den  hintern  theil  eines  dinges, 
schleppe,  nachtrab  u.  dgl.  bedeutet:  codardo  ist  einer  der  sich  hinten  hält, 
sich  nicht  hervorwagt.  Die  erstere  deutung  ist  ansprechender,  weil  sie  aus 
einer  naturanschauung  genommen  ist,  allein  sie  legt  etwas  in  das  wort, 
das  sich,  streng  genommen,  mit  seinem  Suffixe  nicht  verträgt,  indem  co- 
dardo nur  geschwänzt  oder  schwänzelnd  heißen  könnte:  sie  weicht  also  in 
einen  zu  specialen  sinn  aus.  Die  dichter  der  thierfabel  wenigstens  müssen 
diese  anschauung  nicht  getheilt  haben,  da  sie  grade  dem  hosen  diesen 
namen  beilegten.  —  [Nach  Mahn  p.  76  wäre  die  eigentliche  bedeutung 
*  kurzgeschwänzt'  und  käme  dem  hosen  mit  vollem  rechte  zu.  Dagegen 
wird  der  löwe,  der  den  schwänz  eingezogen  trägt,  in  der  heraldik  Hon 
couard  genannt,  s.  Gachet  102b,  was  der  ersteren  auslegung  zu  statten 
kommt.] 

Cöfano  it.,  sp.  pr.  cofre,  fr.  coffre  kiste,  sp.  cuebano  großer  korb, 
sp.  pr.  cofin,  fr.  coffin  korbchen;  von  cophinus.  Verkürzt  sp.  cofe,  it. 
coffa  mastkorb. 

Cogliere  it.}  sp.  coger,  pg.  colher,  pr.  culhir,  fr.  cueillir,  wal. 
cule&ge  sammeln,  lesen,  pflücken;  von  colligere.  Eine  zss.  ist  sp.  esco- 
ger  ff.  auswählen;  sbst.  altpg.  escol  SRos.  suppl.  auswahl,  ausbund,  pr. 
escolh  ort  und  weise,  gattung.  (escolhz  'color  GProv.  64a). 

Coglione  it.,  mundartlich  cojon,  sp.  cojon,  pr.  fr.  coillon  testiculus; 
von  coleus  dass.,  pr.  altfr.  coil,  wal.  coiu.  Itcd.  coglione  auch  für  memme, 
schuft  gebraucht,  daher  sp.  collon,  fr.  coyon. 

Cognato  it.,  sp.  cufiado,  pr.  cnnhat,  wal.  cumnat  Schwager,  fem. 
eognata  ff.;  von  cognatus  blutsverwandt,  mlat.  in  roman.  bedeutung  bei 
Jok  de  Janua.    Dafür  fr.  beau-fr&re  II.  c. 

Coitar,  cochar  altsp.  pg.  pr.,  altfr.  coiter  antreiben,  drängen; 
übst,  altsp.  pr.  coita  u.  s.  w.  bedrängnis;  adj.  coitoso  bedrängt,  ange- 
trieben, eilfertig.  Das  verbum  erklärt  sich  aus  dem  unlat.  frequentativ 
coctare,  welchem  die  in  dem  primitiv  coquere  schon  enthaltene  bed.  äng- 
stigen zugewandt  ward.  Bewiesen  wird  dieser  Ursprung  durch  das  sp. 
cöchar,  dem  in  der  (hat  neben  der  eben  bemerkten  noch  die  eigentliche 
bedeutung  von  coquere  zusteht:  cochado  =  cocido  FJ.,  so  wie  durch  das 
citpg.  coito  =  tat.  coctus,  s.  S.  Rosa.  —  [Gachet  94"  denkt  bei  coitar 
lieber  an  qnatere  und  quassare,  weil  der  eigentlich  sinn  (z.  b.  einpferd 
antreiben)  dem  figürlichen  (quälen)  vorgehen  müsse,  bleibt  aber  die  buch- 
stäbliche nachweisung  schuldig.] 

Coitare  aUit.,  sp.  pg.  pr.  cnidar,  altfr.  cnidier  denken,  sorgen;  von 
cogitare.  Sbst.  dttit.  coto,  altsp.  cuida,  pg.  cnido,  pr.  cuit,  cuida,  altfr. 
cnide;  sp. pg.  cuidado  sorge.  Zsgs.  it.  tracotanza,/>.  outrecuidance 
vermessenheü,  gleichsam  nltracogitantia. 

Cola  it.,  sp.  acullä,  pg.  acolä,  wal.  coleä,  ortsadverb,  rott-eccu'  illac. 

Colcare,  corcare,  coricare  it.,  wal.  culcä,  pr.  colgar,  fr.  coucher 


104  I.   COLLA— COMBO. 

niederlegen,  zu  bette  legen,  sp.  pg.  colgar  aufhängen,  behängen  (entbin- 
den an  namenstagen),  cot.  bedecken  z.  b.  pflanzen  mit  erde,  reiben  einsenken 
(wie  auch  it.  coricare);  sbst.  pr.  colga,  fr.  couche  lager;  von  collocare 
setzen,  legen,  hinstrecken,  in  hss.  der  L.  Sah  culcare. 

Co  IIa  it.,  sp.  cola,  fr.  colle  leim;  vom  gr.  xoXXa  dass. 

Colmo  it.  sp.,  fr.  comble  häufe,  Übermaß,  gipfel,  als  adj.  übervoll; 
vb.  colmare  u.  s.  f.  aufhäufen,  überfüllen;  zsgs.  sp.  cogolmar  gleichbed. 
für  cocolmar  (durch  dissimilation,  wie  in  cogombro,  cogullo).  Das  Sub- 
stantiv entspricht  in  seiner  bedeutung  theils  dem  lat.  cumulus  gehäuftes 
maß,  theils  dem  lat.  culmen;  in  seiner  form  mehr  dem  letzteren,  wenigstens 
ist  ein  it.  colmo  aus  cumulus  kaum  anzunehmen  und  die  gleich  gestalteten 
Wörter  churw-  culm  berg,  culmen  gebirge,  wal.  culme  gipfel,  vielleicht 
auch  bair.  kulm  weisen  auf  culmen  wie  pg.  colmo  stroh  auf  culmus.  Zu 
ungetrübter  darstellung  gelangte  culmen  im  sp.  cumbre  für  culmbre, 
pg.  cume  gipfel,  so  wie  cumulus  im  pg.  cömoro,  combro  erdhaufe 
(nüat.  combrus),  pr.  cömol  (als  adj.  =  it.  colmo) ;  mit  letzterem  ist  zsgs. 
pr.  fr.  encombre,  it.  ingombro  hindernis,  encombrar,  encombrer,  in- 
gombrare  hindern;  dsgl.  fr.  döcombres  schutt;  it.  sgombrare  weg- 
räumen u.  a.  Nhd.  kummer  schutthaufe  und  gram,  nihd.  kumber,  aus 
dem  romanischen. 

Colpo  it.,  altsp.  colpe  Bc.,  nsp.  pg.  golpe,  pr.  colp,  fr.  coup  hieb, 
schlag;  vb.  it.  col-pire*  schlagen,  altsp.  colpar,  fr.  couper  abschlagen, 
abschneiden.  Die  herleitung  aus  dem  ndl.  klop,  kloppen,  ist  abzulehnen, 
da  die  roman.  spräche  den  arilaut  kl  eher  herbeiführen  als  zerstören  würde. 
Leitet  man  es  etwa  vom  ahd.  kolpo,  kolbo,  nhd.  kolben  (vgl.  pr.  colbe 
für  colp)  oder  vom  kymr.  colp,  womit  Werkzeuge  zum  stechen  oder  hauen 
bezeichnet  werden,  so  entfernt  man  sich  nicht  zu  weit  vom  begriffe,  aber 
näher  liegt  doch  das  lat.  colaphus  faustschlag,  das  auch  keine  formelle 
Schwierigkeit  bietet,  da  ph  (f)  leicht  in  p  übertritt  (it.  Giuseppe,  zam- 
pogna,  sp.  soplar,  pr.  solpre)  und  mehrmals,  z.  b.  in,  der  L.  Sal.  tu.  40 
und  in  alten  glossaren  wie  dem  Keronischen,  die  form  colapus,  anderswo, 
z.  b.  in  hss.  der  L.  Alam.,  colopus  wirklich  vorkommt.  Ein  älter  gram- 
matiker  warnt  schon  vor  der  Verwechselung  des  ph  mit  p:  stropha,  non 
stropa;  amphora  non  ampora  s.  Anal,  gramm.  p.  446.  446. 

Cöltrice  it.  (für  colcitre),  altsp.  colcedra,  pr.  cousser,  cosser 
federbett,  Unterbett,  von  culcitra  dass.;  dsgl.  it.  coltra,  coltre  (f.),  altfr. 
cotre,  vom  syncopierten  culctra;  endlich  sp.  pg.  colcha,  von  culcta  für 
culcita,  worauf  auch  fr.  coite,  couette,  altfr.  coute,  keute,  quieute  (für 
colte  u.  s.  w.),  pr.  cota  (für  colta,  vgl.  mot  für  molt)  zurückgeführt  wer- 
den dürfen;  dem  gr.  xoirrj  bleiben  keine  ansprüche.  Ein  dimin.  von  cul- 
cita, gleichsam  culcitinum  culgtinum,  ist  it.  cuscino,  sp.  coxin,  /r.cous- 
sin  kleines  polster,  daher  unser  küssen,  ahd.  chussln. 

Combo  sp.,  comb  pr.  gekrümmt;  sbst.  sp.  comba  krümmung,  pr. 
comba,  altfr.  combe  tiefes  thal,  schluckt  (s.  zu  Garin  I,  96),  üal.  in 
Ortsnamen  wie  Alta-comba,  Comba-longa  so  wie  impiem.  conba,  im  com. 


I.  COME— COMINCIAKE.  105 

gomba,  ja,  wie  man  behauptet,  im  Ortsnamen  Como  (P.  Monti,  Vocab. 
p.  XXVIII) •,  pr.  auch  combel;  vb.  sp.  com  bar  krümmen,  wohl  auch  gen. 
ingumb&se  sich  krümmen;  dem  Portugiesen  fehlt  das  wort.  Sein  alter 
kann  eine  Urkunde  v.  j.  631  bezeugen,  worin  der  geographische  name 
Cnmba  vorkommt,  Breq.  136b;  auch  in  gumba  'cuneus,  cripa  (cripta) 
Gl.  Isid.  will  man  cumba  wiedererkennen.  Ducange  und  andre  erblicken 
darin  die  mlat.  form  cnmba  für  cymba  kahn,  gr.  wußt],  wegen  der 
ähnlichen  gestalt,  andre  das  kymr.  cwm  (m.)  tiefes  thal;  allein  bei  erster em 
ist  die  begriffsubertragung  unstatthaft,  bei  letzterem  bleibt  das  zugetretene 
b  anstößig  (bret.  komb  kann  aus  dem  franz.  herrühren),  auch  fehlt  das 
adj.  dem  Gelten  ganz.  Konnte  combo  nicht  aus  concavus,  combar  nicht 
aus  concavare  entstehen,  welche  die  bedd.  hohl  und  gekrümmt,  höhlen  und 
krümmen  in  sich  fassen?  Dactylisch  abfallende  Wörter  zog  die  Volkssprache 
häufig  zusammen;  daß  sich  aber  in  conc'vus  c  nicht  behaupten  konnte, 
versteht  sich;  daß  nv  mit  mv  oder  mb  vertauscht  ward,  kann  nicht  be- 
fremden, hat  doch  der  Italiener  imboto  aus  invoto  (Veneroni),  der  Spanier 
ambido8  aus  invitus,  comboi  aus  convoi,  der  Provenzäle  amban  aus 
anvan,  der  Franzose  embler  aus  involare  geformt.  Auch  für  das  sbst. 
comba  bietet  sich  ein  unmittelbares  etymon  in  dem  plural  concava  hohle 
örter,  wie  sich  oft  roman.  feminina  aus  dem  plural  lateinischer  neutra 
festsetzen.  Das  mlatein  braucht  letzteres  wort  häufig  und  ganz  im  sinne 
von  comba:  concava  vallis  Venant.  Fort.  10,  19,  vallium  concava  Esp. 
sagr.  XI,  90  (9.  jh.),  per  concava  montium  HLang.  J,  col.  31,  gr.  ra 
xotXa.  —  fCombe,  cumba  ist  bis  jetzt  zweifelhaften  Ursprungs;  das  an- 
gebliche  ags.  comb  darf  kaum  angeführt  werden  Diefenbach  in  Kuhns 
und  Schleichers  Beiträgen  I,  260.  Man  nehme  den  obigen  versuch  für 
einen  ersten  schritt  zur  aufJdärung  des  Wortes,  der  überall  aufconstruction 
aus  lat.  dement  gerichtet  sein  muß.  Erwägungen  andrer  art  können  frei- 
lich mit  recht  über  solche  berechnungen  hinausgehn.] 

Come  it.  altpg.  (Trovas),  sp.  pg.  altit.  (noch  bei  G.  Cavalcanti) 
como,  steil,  comn,  altsp.  altpg.  pr.  ältfr.  com,  cum,  letztere  form  auch 
wal.,  nfr.  comme,  auch  prov.  zuweilen  coma,  eine  partikel ;  von  quomodo, 
wofür  BiondeUi  ein  lomb.  comod  anmerkt.  Zsgs.  mit  dem  adverbialen 
mentepr.  comen,  fr.  comment,  sard.  comenti;  eine  andre  zss.pr.  cossi, 
noch  jetzt  coussi,  von  quomodo  sie.  Für  com  brauchte  der  Provenzäle 
auch  co,  entweder  durch  weitere  abkürzung  oder  unmittelbar  aus  quo  für 
quo  modo,  s.  Oudendorps  register  zum  Aptdejus. 

Cominciare  it.,  sp.  pr.  comenzar,  pg.  comegar,  fr.  commencer  an- 
fangen;  zsgs.  aus  com  und  initiare,  mail.  inzi.  Vielleicht  steigt  dieses 
cominitiare  noch  in  römische  zeit  hinauf,  da  sich  der  Romane  der  müßigen 
oder  nur  verstärkenden  composition  mit  cum,  wie  im  lat.  comedere,  con- 
fringere,  fast  durchaus  enthielt.  Altspan,  sagte  man  mit  eingeschobenem 
p  compenzar  PC.  2594,  auch  compezar,  und  dieselbe  einschiebung  zeigt 
das  noch  gebräuchliche  aus  in-initiare  zsgs.  sp.pg.  empezar,  vgl.  sard. 
incumbenzaL   Diese  einschaltung  der  labidltenuis  in  empezar  ist  allerdings 


106  I.   COMPAGNO-CONCERTARE. 

etwas  unübliches,  allein  man  ist  zu  dieser  deutung,  im  hinblick  auf  das 
zur  seife  gehende  compenzar,  besser  berechtigt  als  zur  annähme  eines 
darin  enthaltenen  aus  pieza  gebildeten  verbums  mit  der  bed.  anschneiden, 
demnächst  anfangen,  wie  im  fr.  entamer  (s.  IL  c),  da  ein  solches  verbum 
zerstächen,  nicht  anschneiden,  bedeutet  haben  würde.  Der  Walache  besitzt 
dafür  das  achtere  incepe  von  incipere,  auch  chw.  antschtiver,  der  Pro- 
venzale  besaß  auch  enquar  von  inchoare. 

Compagno  it.,  sp.  compaöo,  pr.  altfr.  compaing  geführte;  daher 
compagnia  u.  a.  dbll.;  vb.  compagnare,  accompagnare  ff.  begleiten. 
Es  ist  das  nüat.  companium  geseüschaft  L.  8dl.,  zsgs.  aus  com  und  panis 
nach  dem  muster  des  ahd.  gi-mazo  oder  gi-leip  brotgenosse  (ahd.  gi  = 
lat.  cum).  Aus  compaganus  landsmann  (s.  Grut.  Inscr.  209,  1,  v.  j. 
946  V.  C.)  würde  sich  compagno  nur  durch  accentverschiebung  (compa- 
ganus) deuten  lassen,  die  aber  bei  einem  so  üblichen  suffixe  nicht  voraus- 
zusetzen ist.  Eher  dürfte  an  compaginare  (zusammenfügen)  gedacht  wer- 
den, allein  das  prov.  und  cot.  companatge,  womit  jedes  gericht  bezeichnet 
wird,  wozu  man  brot  ißt,  gibt  den  ausschlag:  com-pan-aticum  floß  eben 
sowohl  aus  panis  wie  com-pan-inm.  Das  älteste  zeugnis  des  rom.  Wortes 
begegnet  in  den  Vatic.  glossen  ed.  W.  Grimm:  ubi  (h)abuisti  mansionem 
(h)ac  nocte,  conpagn? 

Compasso  it.  pg.,  compas  sp.  pr.  fr.  zirkel  als  Instrument;  vb. 
it.  compas sare  ff.  abzirkeln,  altfr.  auch  bauen,  künstlich  bilden,  z.  b. 
nn  chastel  Rou  I,  p.  20,  une  esp^e  GVian.  2694,  qne  [dieus]  chiel  et 
terre  fist  et  tout  a  compasso  DMce.  p.  206.  Dies  wort  berührt  sich  mit 
einem  celtischen:  kymr.  cwmp  kreiß,  davon  das  glbd.  cwmpas;  aus  kreiß 
wäre  dann  das  ihn  beschreibende  Werkzeug  geworden  wie  im  deutschen 
zirkel.  S.  Diefenbach,  Celt.  I,  112.  Indessen  läßt  es  sich  ohne  zwang 
der  lat.  spräche  zuweisen,  geht  man  nur  auf  die  älteste  bedeutung  zurück. 
Prov.  und  altfr.  ist  compas  gleicher  schritt,  mitschritt,  von  com-passus, 
z.  b.  eil  ä  cheval  e  eil  ä  pte  .  .  tindrent  lor  eire  e  lor  compas  .  .  ke 
Tun  l'altre  ne  trespassont  die  zu  ross  und  die  zu  fuß  hielten  ihren  marsch 
und  ihren  gleichen  schritt,  so  daß  keiner  dem  andern  zuvorkam,  s.  Lex. 
rom.  Daher  bedeutet  es  eben  sowohl,  wie  auch  im  span.,  tact,  versmaß, 
"*  überhaupt  maß  und  das  Werkzeug  zum  messen.  Gompassar  gleichen  schritt 
halten  bildet  den  gegensatz  zu  traspassar  überschreiten,  wie  in  der  ange- 
führten stelle.    Die  bed.  nautisches  Instrument  hat  sie/*  später  eingefunden. 

Concertare  it.,  sp.  concertar,  fr.  concerter  verabreden,  anordnen; 
concerto,  concierto,  concert  Verabredung,  verabredete  sache;  von  con- 
certare zusammen  streiten.  Zusammen  verabreden  und  zusammen  streiten 
liegen  sich  nahe  genug:  mlat.  placitare  heißt  eben  sowohl  streit  führen 
tüie  vertrage  schließen;  in  beiden  fällen  ist  der  mittelbegriff  worte  wechseln. 
Span,  concertar  heißt  auch  ausbessern,  etwas  zerbrochenes  wieder  herstellen, 
nach  Cabrera  von  consertare  für  conserere,  was  möglich  ist.  Unter  tsoncerto 
di  musica  kann  man  ursprünglich  nur  eine  Verabredung  oder  anordnung 
zum  zwecke  der  musik  verstanden  haben;  an  concentus  ist  nicht  zu  denken. 


I.   CONDORE-CONVEGNO.  107 

Condome  &,  sp.  condor,  fr,  condor  ein  südamericanischer  raubvogel, 
vtdtur  gryphus;  das  wort  aus  der  heimath  des  thieres. 

Confortare  it.,  sp.  conhortar,  pr.  conortar  (vgl.  den  ausfall  des  f 
in  preon  van  profundus),  fr.  conf orter  stärken;  vom  spätem  lat.  con- 
fortare. 

Coniglio  it.,  sp.  conejo,  pg.  coelho,  pr.  altfr.  connil,  mit  ver- 
tauschtem sfiffix  fr.  eonnin,  connine  (jettt  l&pin)  kaninchen ;  von  cuniculus. 
Vb.  fr.  coniller  ausfluchte  suchen  (den  kaninchen  ähnlich,  die  sich  in 
ihre  gange  zurückziehn). 

Gonocchia  it.,  fr.  quenouille  Spinnrocken;  im  altern  mlatein 
e.  b.  L.  Ripuar.  conucula  für  colucula  vom  lat.  colus  (f.),  ahd.  kuncla, 
nhd.  kunkel. 

Contare  it.,  sp.  contar,  pr.  comtar  rechnen,  erzählen,  fr.  compter 
in  jener,  conter  in  dieser  bedeutung;  von  computare  berechnen,  ebenso 
ahd.  zeljan  numerare,  enarrare.  Sbst.  it.  cömputo,  conto,  sp.  cuento, 
cuenta,  pr.  compte,  comte,  conte,  fr.  compte?  conte,  lat.  computus  bei 
Firm.  Maternus. 

Conte  it.,  sp.  pg.  conde,  pr.  coms,  altfr.  quens,  accus,  in  beiden 
sprachen  und  nfr.  comte  graf;  von  comes,  begleiter  des  fürsten,  demnächst 
hoher  beamtet,  richtet  eines  größeren  bezirks.  Daher  it.  contado  ff. 
grafschaft,  landschaft,  contadino  landmann. 

Contestabile,  connestabile  it.,  sp.  condestable,  fr.  connätable  in 
erster  bedeutung  oberstaUmeister ;  von  comes  stabuli. 

Conto  it.,  cointe  altfr.  kundig  (vgl.  Alexs.  43  dunt  il  ja  bien  fut 
cointe),  demnächst  altfr.  so  wie  pr.  cointe,  coinde,  zierlich,  anmuthig; 
muß  in  cognitus  seinen  Ursprung  haben  mit  der  grundbed.  bekannt,  ver- 
traut, angenehm,  wie  mhd.  maere  bekannt  und  lieb  heißt.  Dalier  vb.  pr. 
coindar  eu  erkennen  geben,  altfr.  cointer  und  cointoier  unterrichten, 
schmücken,  zsgs.  pr.  a coindar,  fr.  accointer  bekannt  machen,  engl. 
acquaint,  mied,  adeognitare ;  s'aeeointer  ä  qqun  sich  mit  einem  befreunden, 
it.  aecontarsi  sich  besprechen;  pr.  aeoindansa,  altfr.  aeeointance  Ver- 
traulichkeit. Dazu  kommt  pereoinder  kund  thun  (*percognitare)  Pass. 
de  J.  C.  29.  In  einem  glossar  des  12.  jh.  liest  man  cogniter  vel  cognite 
'benigne,  humane   Class.  auet.  VIII,  155h.     Vgl.  conciare  II.  a. 

Contrata  aitit.,  jetzt  mit  d  contrada,  pr.  dass.,  fr.  contrfe  gegend; 
eigenÜ.  das  entgegenliegende,  vom  adv.  contra  mit  dem  suffix  ata,  das 
sich  sonst  nicht  an  Partikeln  fügt,  vielleicht  eine  nachahmung  des  deutschen 
gegend,  mhd.  gegenöte.  Indessen  sagt  man  prov.  in  diesem  sinne  auch 
eneontrada  von  encontrar  begegnen,  woraus  contrada  recht  wohl  abgekürzt 
sein  könnte.  Diese  form  mit  en  beseitigt  zugleich  die  von  mehreren  vor- 
gebrachte herleitung  aus  conterrata,  s.  bei  Ducange. 

Convegno  it.,  sp.  convenio,  cot.  conveni,  pr.  fehlt,  altfr.  convin, 
convine,  convigne  (m.)  Übereinkunft,  fr.  auch  vorhaben,  treiben,  benehmen, 
daher  attengl.  covin,  covine  einverständnis,  kabale;  dazu  fem.  it.  con- 
vegna,  pr.  covina  GAlb.  1060,  mtat.  convenia  v.  j.  679.  *  Die  mascutina 


108  I.   CONVITARE— CORDOVANO. 

drücken  das  vom  Romanen  wenig  angewandte  sufßx  ium  (conviv-ium)  aus,  die 
fetninina  sind  daraus  mo viert.  Daß  convenire  zu  gründe  liegt,  versteht  sieh. 

Convitare  it.,  sp.  pg.  pr.  convidar,  fr.  convier  einladen;  daher 
sbst.  it.  convito,  sp.  pg.  convite,  pr.  convit,  ältfr.  convi  einladung, 
gastmahl;  von  invitare  mit  vertauschter  präposition  unter  einwirhung  von 
convivium. 

Goppa  it.,  sp.  pg.  pr.  copa,  fr.  coupe,  wal.  cofe  becher,  masc.  U. 
coppo,  pg.  copo  trinkgefäß,  pr.  cob-8,  *testa  capitis3  GProv.  53u;  von 
cuppa,  nebenform  von  cüpa  faß,  s.  Schneider,  Lot.  gramm.  I,  426;  ndat. 
gleichfalls  cuppa,  aber  mit  roman.  bedeutung.  Der  lateinischen  blieben 
die  formen  mit  u  getreu,  sp.  pg.pr.  cuba,  fr.  cuve,  ahd.  kuba  (wal.  cupe 
maß).  AbU.  sind  pr.  cubel  Jcübd;  sp.  cubilete,  pr.  fr.  gobelet  becher, 
ndat.  gubellus  u.  a.  m.;t  auch  it.  cupola,  woher  sp.  ctipula,  fr.  coupole 
halbkugelförmiges  dach,  kuppd,  franz.  auch  schlechtweg  coupe,  von  der 
gestcdt  einer  umgestürzten  schale  so  genannt.  Dieselbe  anschauung  im 
altfr.  cope,  pic.  coupet,  couplet  berggipfd,  gipfel  überhaupt,  kymr.  cop 
und  copa,  ndl.  kop,  nhd.  köpf  und  kuppe  (wie  ahd.  stouf  becher  und 
felsgipfel);  dbgel.  nfr.  coupeau,  sp.  pg.  copete,  letzteres  nebst  copo  auch 
büschd,  vgl.  unten  toppo. 

Gopparosa  it.,  sp.  pg.  caparrosa,  fr.  couperose  vitriol;  von  cupri 
rosa  s.  v.  a.  gr.  xaXxav&nv  kupferblume. 

Coppia  it.,  couple  fr.  das  paar,  von  copula;  so  auch  aUit.  cöb- 
bola,  pr.  cobla,  fr.  couplet  Verknüpfung  von  versen  d.  i.  Strophe.  Zsgs. 
it.  scoppiare  ein  paar  trennen,  verschieden,  von  scoppiare  plateen, 
s.  schioppo  II.  a. 

Coraggio  it.,  sp.  corage,  fr.  couräge  herzhaftigkeit,  muth,  in  älterer 
spräche  gemüthe;  vom  lat.  cor  cordis  ohne  einmischung  des  radiccden  d, 
wie  dies  auch  in  andern  abll.  aus  diesem  worte  der  faU  ist. 

Corazza  it.,  sp.  coraza,  pr.  coirassa,  fr.  cuirasse  panzer;  von 
corium,  gleichsam  coriacea  lederwerk. 

Corbacho  sp.,  cravache  fr.,  dtsch.  karbatsche,  name  der  nubischen 
aus  rhinoceroshaut  geschnittenen  geissei,  türk.  kyrbätsch,  russ.  korbatech 
u.  s.  w.,  vgl.  Schmäler  II,  326,  J.  v.  Hammer  num.  329,  Weigand  1, 663. 

Corbeta  sp.,  corveta pg.,  corvette  fr.  kleineres  kriegsschiff  zwischen 
fregatte  und  brick;  von  corblta  lastschiff,  mit  romanisierter  endung. 

Cordoglio  it.,  sp.  cordojo,  pr.  cordolh,  chw.  cordoli  herzdeid; 
von  cordolium,  nur  bei  Plautus  und  später  wieder  bei  Aptdejus.  Mit 
dolium  trifft  auch  fr.  deuil,  it.  doglia  zusammen. 

Cordovano  it.,  sp.  cordoban,  pr.  cordoan,  fr.  cordouan  eine  sonst 
von  den  Mauren  in  Spanien  zubereitete  sorte  ziegenieder;  nach  Gordoba 
benannt,  woher  es  bezogen  ward.  Der  frühere  name,  zu  Ludwigs  des 
frommen  und  Karls  des  kahlen  zeit,  war  cordovesus,  cordebisus  nach  lat. 
eordubensis,  sp.  cordobes;  das  arab.  kortob  an  i,  d.  h.  von  Cordova,  aber 
verdrängte  die  einheimische  ableitungsform.  Daher  it.  cordovaniere, 
fr.  cordonnier,  alt  cordoanier,  Schuhmacher. 


I.   COREGGIA-COSA.  109 

Goreggia  it.,  sp.  pg.  correa,  pr.  correja,  fr.  courroie,  wal.  cureä 
riemen;  von  corrigia.    Daher  auch  it.  scoreggia  peitsche. 

Cornamu8a  it.  sp.  pg.pr.,  cornemuse  fr.  sackpfeife  sott  awscornu 
Musae  zusammengesetzt  sein.  Prov.  corna,  altfr.  corne  heifit  hörn  als 
tongeräthe,  musa,  altfr.  muse,  pfeife,  flöte,  aber  die  compositum  ist  für 
die  sache  nicht  bezeichnend. 

Cornia  und  corniolo  it.,  sp.  cornizola,  pg.  cornisolo,  fr.  cornouille, 
wal.  coarne  kornelhirsche;  ü.  cornio  und  corniolo,  5p.  cornizo  und  cor* 
nejo,  pg.  corniso,  fr.  cornouiller,  wal.  com  kornelbaum;  von  cornum, 
corous,  zum  theü  aber  vom  adj.  corneus,  corneolus  (vgl.  über  baumnamen 
aus  adjectiven  ciriegio)  oder  vom  sbst.  corniculum  (cornejo),  cornuculum 
(cornouille). 

Cor  nie  e  it.,  sp.  cornisa,  fr.  corniche,  wallon.  coroniss,  nhd.  carnies 
kranzleiste  am  hauptgesimse,  die  figur  eines  S  bildend;  von  coronig 
(xoQwvig)  verschlungenes  zeichen,  im  roman.  verwechselt  mit  cornix,  wie 
auch  gr.  xoqiovtj  krümmung,  kränz  und  krähe  bedeutet. 

Corniola  it.,  sp.  cornerina,  pg.  pr.  cornelina,  fr.  cornaline  ein 
stein,  cameöl;  von  cornn,  weil  seine  färbe  der  des  (aus  hörn  gebildeten) 
nageis  am  finget  gleicht,  darum  auch  gr.  owg  genannt. 

Corruccio  it.,  sp.  fehlt,  pr.  corrotz,  fr.  eourroux  ärger,  zorn;  für 
collernooio  u.  s.  w.  van  cholera  gaUe,  gaüensucht.  Davon  it.  corruc- 
ciare,  crucciare,  pr.  corrossar,  fr.  courroucer  erzürnen.  Altfr.  corine 
groll,  gleichsam  cholerina. 

Corsare,  corsale  it.,  sp.  corsario,  cosario,  pr.  corsari,  fr.  corsaire 
Seeräuber;  von  cursus,  woher  auch  sp.  corsa  äusfiug  zur  see. 

Corte  it.  sp.  pg.,  pr.  cort,  fr.  cour,  wal.  carte  hof;  bekanntlich  von 
ehore  chortis  Viehhof,  vgl.  Schneider  I,  188.  Ableitungen,  die  sich  der 
roman.  bed.  fürstlicher  hof  anschließen,  sind  z.b.  it.  cortese,  sp.  cortes, 
fr.  courtois  höflich,  gleichsam  cortensis;  hieraus  sp.  cortesano>  fr.  cour- 
tisan,  it.  cortigiano  höfling,  schon  im  frühen  nUatein  cortisanus  (wie  it. 
Parmigiano  aus  Parmensis);  vb.  it.  cort  egg  iare,  sp.  cortejar  und 
cortezar,  fr.  courtiger  den  hof  machen ;  sbst.  it.  corteggio  gefolge,  daher 
fr.  cortöge. 

Corteccia  it.,  sp.  corteza,  pg.  cortina  schale,  rinde,  kruste,  vom 
adj.  corticeus  aus  cortex;  vb.  it.  scorticare  und  so  pr.  escorgar  (in 
der  neuen  spräche  noch  escourtegi),  fr.  6corcher,  sp.  pg.  escorchar  die 
rinde  oder  haut  abziehen,  in  der  L.  Sal.  exeorticare,  von  cortex. 

Cortina  it.  sp.  pr.,  courtine  fr.,  cortine  wal.  bettvorhang,  schon 
bei  Isidorus  vorkommend :  cortinae  sunt  aulaea.  Es  weist  auf  chors  Um- 
zäunung, wie  aulaeum  auf  aula.  Mlatein.  bedeutet  es  höfchen,  mauer 
zwischen  bastionen,  Vorhang  um  den  (Mar,  überhaupt  etwas  schützendes, 
und  ist  im  gründe  mit  dem  classischen  cortina  rundung,  kreifi  identisch. 

Corvetta  it.,  sp.  corveta,  fr.  courbette  mittlerer  sprung  des  pferdes; 
eigenU.  krummer  sprung,  von  curvus. 

Cosa  it.  sp.  pg.  pr.,  chose  fr.  sache,  ding;  vom  lat.  causa  Ursache, 


110  L   COSCIA— COSTUMA. 

das  bereits  in  der  L.  Sal.,  bei  Gregor  v.  Tours  u.  a.  diese  bedeutung 
zeigt,  recht  handgreiflich  im  Capitulare  de  villis:  non  porcellum,  non 
agnellum  nee  aliam  causam.  Der  Wälache  wählte  dafür  lucru  von 
lucrum,  dessen  erste  bedeutung  arbeit  oder  werk  ist.  Für  den  ursprüng- 
lichen begriff  blieb  die  ursprüngliche  form,  it.  sp.  causa,  pg.  cousa, 
fr.  cause,  wal.  cause,  nur  pr.  causa  vertritt  auch  den  neueren  sinn. 
Dieselbe  begriffsentwicklung  zeigt  unser  sache  so  wie  das  ngr.  nQay/na, 
beide  sonst  für  Ursache  gültig.  Vom  vb.  causari  ist  it.  cusare  behaupten, 
pr.  chausar,  altfr.  choser  zanken;  nfr.  causer  plaudern,  welches  weder 
zu  cause  nooh  zu  chose  passt,  dankt  seine  form  vielleicht  unserm  kosen, 
ahd.  chösön,  das  aber  selbst  aus  causäri  herstammt. 

Coscia  it.,  sp.  fehlt,  pg.  coxa,  pr.  cueissa,  fr.  cuisse,  wal.  coapse 
oberer  Schenkel,  bein  zwischen  knie  und  hüfte;  von  coxa  hüfte,  mit  abge- 
änderter bedeutung,  entsprechend  gr.  juyQiov  hüfte,  neugr.  /AfjQi  schenket. 
Adj.  sp.  coxo,  cat.  cox  hinkend,  ein  altes  wort:  catax  Lclaudus,  cooeus 
Gl.  Isid.,  vgl.  catax  dicitur,  quem  nunc  coxonem  vocant  Non.  MarceUus. 
Daher  sp.  quixote,  vol.  cuixot  beinharnisch,  fr.  cuissot  Schlägel  des 
wildprets. 

Gosi  it.,  entsprechend  altsp.  ansi,  altfr.  ainsinc  (noch  bürg,  ansin, 
pic.  ensin),  auch  issi  z.  b.  HBord.,  DMce.,  nfr.  ainsi,  nsp.  asf,  pg.  assim, 
pr.  aissi  (nicht  zu  verwechseln  mit  dem  gleichlautenden  ortsadv.),  wal. 
asä,  adverbium  der  vergleichung.  Diese  verschiedenen  in  ihrem  ersten 
theile  ziemlich  unähnlichen  formen  mögen  doch  von  derselben  Zusammen- 
setzung sein.  An  eceum  zu  denken  leidet  der  begriff  nicht,  besser  fügt 
sich  aeque,  woraus  der  Italiener,  der  den  vocalanlaut  leicht  abstößt  und 
qu  wie  cu  ausspricht,  cu  und  so  cusi,  cosi  machen  konnte,  sie.  aecussi. 
Der  Spanier  stellt  auslautendes  c  wohl  als  n  dar  (aun  von  adhuc,  nin 
von  nee,  sin  von  sie)  und  so  konnte  aus  aeque  d.  i.  ec  bei  dem  bekannten 
übertritt  des  anlautenden  e  in  a  die  form  an,  daher  ansf,  durch  Unter- 
drückung des  n  asi  entstehen.  Merkwürdig  ist,  daß  die  handschrift  des 
prov.  Boethius  v.  146  aesi  für  aissi  setzt,  das  in  der  that  auf  aeque  sie  deuten 
könnte,  ihm  schließt  sich  das  romagn.  acs&,  dsgl.  iesi  aus  der  mundart 
von  Brescia  {Ferrari  v.  insi)  so  wie  das  lomb.  insci  für  cosi  an.  Frän- 
kische Urkunden  brauchen  oft  ac  si,  aber  als  conjunetion  für  lat.  licet.  — 
Von  derselben  Zusammensetzung  sind  die  gleich  unten  zu  nennenden  cotale 
und  cotanto.  Andrer  natur  aber  ist  das  ital.  präfix  co  in  colui,  costui, 
cotestui:  mundarten  scheiden  beiderlei  präßxe  auch  durch  die  form,  die 
römische  z.  b.  spricht  quelui,  questui,  nicht  aber  quesi,  quetale,  quetanto. 

Costa  it.  pg.  pr.,  cuesta  sp.,  cöte  fr.  rippe,  seite,  auch  käste;  von 
costa  rippe.  Daher  it.  costato,  sp.  costado,  fr.  cot6  seite;  it.  cös- 
tola  rippe,  costolina,  fr.  cötelette  rippchen;  it.  costerella  kleiner  hügd, 
fr.  coteau  für  coteau  abJiang  eines  berges;  vb.  iL  accoBtare,  sp.  pr. 
acostar,  fr.  aecoster  nähern,  eig.  zur  seite  stellen,  vgl.  die  prov.  präpos. 
costa,  altfr.  encoste  juxta. 

Costuma  it.  pr.,  sp.  costumbre,   fr.  coutume  (alle  fem.),  it.  pg. 


I.   COTALE— COTTA.  111 

co8tnme,  pr.  cot.  costum,  fr.  costume  (edle  tnasc,  das  cot.  wort  auch 
fem.)  gewohnhett,  sitte.  Schlechtweg  aus  consuetudin,  zsgz.  costudn,  läßt 
es  sich  nicht  construieren,  da  ein  gemeinrotn.  Übergang  des  inlautenden 
n  in  m  ein  ganz  vereinzeltes  ereignis  wäre.  Vielmehr  ward  dem  lat. 
worte  bei  der  Schwierigkeit,  sein  suffix  udin  zu  behandeln,  das  sufßx 
amen  angepasst,  womit  die  roman.  spräche  eigenschaften  bezeichnet  (it. 
asprume,  pg.  ciume,  pr.  frescum):  dasselbe  widerfuhr  auch  andern  Sub- 
stantiven jener  ableitung,  wie  mansuetudo,  sp.  mansedumbre,  pg.  manse- 
dume,  und  noch  auf  andre  art  suchte  man  dem  suffix  udin  auszuweichen, 
pg.  mansidäo,  pr.  mansueza,  it.  testuggine,  s.  Rom.  gramm.  II,  340. 
So  ist  also  die  männliche  form  costume  die  ursprünglichere,  die  weibliche 
fehlt  sogar  dem  Portugiesen  ganz,  doch  ist  sie  alt,  da  man  in  einer  Ur- 
kunde v.  j.  705  bereits  coustuma  findet,  s.  Garpentier. 

Gotale  it.,  wal.  cutare,  pronomen,  von  aeqne  talis?  Dahin  auch 
sp.  atal,  entsprechend  pr.  aital,  dUfr.  aintel,  itel,  norm,  entel,  itäl.  bei 
einem  alten  pisan.  dichter  aitale  PPS.  I,  467.  S.  oben  cosi.  Die  capi- 
ttdarien  Karls  d.  kahlen  brauchen  häufig  hie  talis;  sollte  es  eine  nach- 
büdung  des  altfr.  itel  sein,  früher  gesprochen  ictel? 

Cotanto  ital.  pronomen,  von  aeqne  tantns?  Desselben  Ursprunges 
scheint  aitsp.  atanto,  pr.  aitant,  altfr.  itant.    Man  sehe  oben  cosi. 

Cotenna,  codenna  it.,  pr.  codena,  fr.  couenne  schwarte,  sp.  co- 
dena  dichtigkeit  des  tuches.  Nahe  liegt  allerdings  cutis,  aber  ein  suffix 
enna  fehlt;  nur  wenn  man  couenne  für  couaine  und  dieses  für  ein  altfr. 
codaine  nimmt,  woraus  erst  codena  gebildet  worden,  läßt  sich  das  wort 
deuten,  nämlich  aus  cutaneus.  Port,  cödea  rinde  könnte  imnüat.  cutica 
seinen  grund  haben,  wovon  auch  it.  cotica  (parm.  codga,  ven.  co6ga, 
gen.  qula)  und  cuticagna. 

Cotogna  it.,  pr.  codoing,  fr.  coing,  wal.  gutuie  quitte;  von  cydo- 
nia,  Avdwviov,  bei  den  feldmessern  cotoneum,  cotonium,  mlat.  cottanum 
Hoffm.  Sumerlaten,  nach  der  Stadt  Cydon  auf  Greta  benannt;  ahd.  kutina, 
mhd.  küten,  quiten  ebendaher. 

Co  tone  iL,  fr.  coton,  sp.  algodon  baumwolle  (daher  unser  kattun); 
vom  aräb.  qo'ton  al-qocton  Gol.  1093,  Freyt.  III,  46 9b.  Sp.  algodon 
und  alcoton  heißen  auch  watie,  davon  pr.  alcoto,  altfr.  auqueton,  nfr. 
hoqueton  (h  asp.),  mndl.  acottoen  gestepptes  wamms  (man  zog  es  über  die 
chemise  Sax.  I7  p.  229);  nach  Perizonius  vom  gr.  6  %iTii>v,  ganz  un- 
statthaft. 

Gotta  it.,  sp.  pg.  pr.  cota,  altfr.  cote  langes  oberkleid,  neufr.  cotte 
Unterrock,  cotte  de  maille  panzerhemd,  masc.  pr.  cot  =  cota;  mlat. 
cotta,  cottus  (9.  jh.);  abgel.  fr.  cotillon,  cotteron  u.  a.;  zsgs.  pr. 
fr.  surcot,  im  Vocabularius  optimus  13,  67  surcotus  csurcof,  letzteres 
als  deutsches  wort  hingestellt.  Die  gewöhnliche  herleitung  ist  aus  engl. 
cot  =  ags.  cote  hütte,  und  wir  wissen  aus  mehr  als  einem  beispiel,  daß 
man  die  worter  für  hütte  oder  haus  auch  auf  Meidungsstücke  übertrug; 
oder  auch  am  dem  deutschen  kotze,   ahd.  chozzo  (m.)  grober  wollener 


112  L    COVARE-CRESCIONE. 

stoff,  zottige  decke,  das  aber  nebst  dem  engl,  coat  selbst  erst  aus  dem 
tntatcin.  oder  romanischen  eingebracht  ist.  Bleibt  man  auf  latein.  gebiet, 
so  würde  sich  nur  cutis  (f.),  das,  wie  manche  andre,  in  die  1.  declin. 
versetzt  werden  konnte,  darbieten  und  man  konnte  sich  etwa  auf  unser 
mhd.  hüt  (cutis)  berufen,  das  in  tarn-hüt  als  ein  den  ganzen  körper  um- 
hüllendes gewand  gedacht  wird.  Vgl.  Diefenbach,  Neue  jahrb.  für  Phü. 
u.  Päd.  LXXVIl  768. 

Covare  it.,  coar  pr.,  couver  fr.  brüten;  von  cubare  im  sinne  von 
incubare.  Sbst.  it.  cova,  covo  wildlager,  sp.  cneva  höhle;  von  cubare 
im  eigentlichen  sinne.  Sp.  coba  bereits  in  einer  Urkunde  des  9.  jh.  Esp. 
sagr.  XXXVII,  339.  Aus  pg.  cova  entstand  wohl  auch  das  adj.  covo 
hohl,  das  also  mit  it.  cupo  II  a.  gar  nicht  verwandt  wäre. 

Gozzare  it.,  sp.  cozar  fehlt,  fr.  cosser,  pic.  coissier  und  cochier 
mit  den  hörnern  stoßen;  sbst.  cozzo  stoß.  Nach  Frisch  vom  dtschen  hutzen, 
aber  härtung  des  reinen  hauchiautes  in  gutturales  c  ist  nicht  einzuräumen. 
Vielmehr  wird  sich  auch  dieses  wort  dem  röm.  demente  zuweisen  lassen. 
Von  co-icere  (zusammenstoßen)  würde  das  part.  prät.  co-ictus  (coctus) 
lauten,  hieraus  das  vb.  cozzare,  wie  aus  directus  dirizzare,  also  ein  par- 
ticipidlverbum.  An  diesen  Ursprung  des  Wortes  erinnert  auch  die  itci. 
construction  cozzare  con  uno  mit  einem  zusammenstoßen,  co-icere  cum 
aliquo. 

Gozzone  it.,  pr.  altcat.  cussö,  dttfr.  cosson  JRoquef.,  wallon.  goson 
möikler  besonders  im  pferdehandel,  prov.  als  Schimpfwort  gebraucht.  Ohne 
zweifei  vom  gleichbed.  cocio  bei  Plautus,  nach  Gellius  16.  7  ein  plumper 
volksausdruck  Festus  (Paulus)  schreibt  coctio,  und  sonderbar,  daß  die 
roman.  formen,  entschieden  die  ital.,  diese  Schreibung  verlangen,  welcher 
auch  das  nüatein  in  coccio  oder  coqcio  offenbar  beipflichtet.  Zsgs.  it. 
scozzone  einer  der  die  pferde  zureitet. 

Cravatta  it.,  sp.  corbata,  fr.  cravate  halsbinde;  späteres  wort,  in 
Frankreich  seit  der  ersten  hälfte  des  17.  jh.  (Menage),  gebildet  aus  dem 
völkernamen  Cravate  Croate  (sp.  Corvato),  da  man  die  Sache  von  diesem 
volke  entlehnte,  daher  it.  auch  croatta,  henneg.  croate,  croyatte. 

Crebantar^r.,  altfr.  cravanter,  sp.pg.  quebrantar  brechen  (tt ans.); 
von  crepare,  part.  crepans. 

Grema  it.  sp.  pr.,  crSme  fr.  rahm,  mlat.  crema  (n.)  bei  Venant. 
Fort.;  abgeändert  aus  cremor  milchsaß. 

Crepare  it.,  pr.  crebar,  fr.  crever,  sp.  pg.  durch  Umstellung  que- 
brar  bersten,  brechen;  von  crepare,  dessen  bed.  ein  geräusch  machen  in 
den  jüngeren  sprachen  erloschen  ist.  Zsgs.  it.  screpolare  aufspringen, 
seräpolo  riß;  sp.  requebrar  die  stimme  biegen  (vgl.  pr.  refranher  dass.), 
daher  artigkeiten  sagen,  sbst.  requiebro  liebesrede,  liebkosung. 

Grescione  it.,  fr.  cresson,  neupr.  creissoun,  cot.  crexen  eine  pflanze, 
kresse;  a  celeritate  Crescendi  so  genannt,  wie  C.  Stephanus  mit  recht 
bemerkt,  also  ein  prägnanter  ausdrucke  Aus  dem  roman.  ist  unser  kresse, 
ahd.  kresso,   nicht  umgekehrt,   da  dieses  im  deutschen  keine  würzet  hat 


I.   CROCCIA-CROSCIARE.  113 

und  roman.  pflanzennamen  nur  selten  aus  jener  spräche  herstammen.  — 
Weigernd,  Wb.  I,  638,  weist  nunmehr  eine  deutsche  wursel  nach,  das  ahd. 
starke  verbum  chr€san  kriechen,  prät.  chras,  aus  letzterem  das  subst. 
chrasja,  chressa,  chresso  (ss  aus  sj) ;  der  wurzdvocal  wäre  dann  nicht  6, 
wie  man  nicht  streng  erweislich  annimmt,  sondern  e,  der  ausdruek  besöge 
sich  auf  die  kriechenden  Stengel  der  brunnenkresse.  Sicher,  wenn  keine 
andre  spräche  sich  meldet,  dankt  entweder  die  roman.  der  deutschen  oder 
die  deutsche  der  roman.  das  auch  im  russischen,  lettischen  und  esthnischen 
bekanfUe  wort.  Nach  dem  buchstaben  kann  cresson  sowohl  vom  lat.  cres- 
cere  {altfr.  crestre,  präs.  nons  cressons)  wie  vom  deutschen  kresso,  acc. 
kresson,  stammen.  Ist  das  letztere  der  fall,  so  hat  das  roman.  wort 
wenigstens  eine  umdeuiung  mit  crescere  erfahren,  worauf  schon  die  itcU. 
und  prov.  form  anspielt,  und  eine  umdeutung  ist  eine  Wiedergeburt.  Das 
cat.  cr&cen  läßt  sich  nicht  mehr  aus  dem  deutschen  ableiten,  es  ist  dem 
präs.  ind.  von  cröxer  entnommen  und  heißt  csie  wachsen  (diese  hräuter). 

Croccia,  gruccia  it.  krücke,  cruccia  grabscheit,  dltsp.  croza,  pr. 
croasa,  fr.  Crosse  krummst  ab.  Die  herleitung  aus  dem  fr.  croc  (haken) 
findet  Schwierigkeit  im  buchstaben,  dem  nur  ein  fr.  croche  gerecht  wäre. 
Wie  pancia,  panza,  pause  aus  pantex,  so  konnte  croccia  mit  seinen 
genossen  aus  crux,  leichter  noch,  in  betracht  der  doppelconsonanz  cc, 
ss,  aus  dem  adj.  crucea  entstehen,  woraus  auch  ahd.  krukja  entstanden 
scheint. 

Crollare  it.,  pr.  crollar,  crotlar  schütteln,  fr.  crouler  einstürzen, 
aÜfr.  croler,  erodier,  crosler  wie  prov.  Wohl  dürfte  man  bei  diesem  wort 
an  das  nord.  krulla  (verwirren)  denken,  böte  sich  kein  lat.  etymon.  Prov. 
1  crotlar  nämlich  (offenbar  älterthümlicher  als  crollar,  wiewohl  dies  schon 
die  Passion  Christi  kennt,  str.  81)  führt  auf  crotolar  und  dies  konnte 
aus  co-rotulare  zusammengebogen  sein,  womit  auch  das  einfache  rotlar  = 
rotulare  überein  stimmt.  Ebenso  stimmt  fr.  crouler  zu  rouler,  ja  es  thut 
in  der  redensart  crouler  un  bätiment  'ein  schiff  vom  ufer  rollen  lassen 
völlig  dessen  dienst,  und  ebenso  ist  altfr.  crouller  les  iex  DMce.  p.  249,  2 
so  viel  als  rolller  les  iex  ds.  271,  21  'die  äugen  rollen  lassen.  Im 
ganzen  kommt  das  neue  vb.  co-rotulare  auf  die  bedeutungen  von  volutare, 
volutari  (wälzen,  rollen,  schwanken,  schwanken  machen)  heraus. 

Crosciare  it.,  sp.  cruxir,  pr.  altfr.  croissir,  wallon.  crohl  knirschen, 
knirschen  machen.  Weder  die  lat.  noch  die  celt  spräche  gewährt  ein 
etymon,  dagegen  besitzt  die  goth.  das  ganz  gleichbedeutende  kriustan,  z.  b. 
kriustith  tunthuns  Marc.  9,  18  lautet  Span,  cruxe  los  dientes,  pr.  cruis 
las  dens  Chx.  II,  148,  gr.  TQiCßi  zovq  odovtag.  Aber  nicht  leicht  un- 
mittelbar aus  kriustan  konnten  die  rom.  formen,  wenigstens  nicht  die  itäl., 
sich  hervorbüden:  es  ist  ein  abgel.  kraustjan  (vgl.  kiusan  kausjan,  fr. 
choisir)  dafür  anzunehmen,  stj  =  it.  sei  wie  in  angustia  angoscia.  Merk- 
würdig ist,  daß  auch  bildungen  desselben  verbums  nach  der  zweiten  rom. 
conj.  vorkommen,  so  cat.  cröxer,  chw.  s-cruscer,  altfr.  croistre,  so  daß  alle 
drei  conjugationen  an  diesem  verbum  theü  haben. 

8 


114  I.   CTJBEBE— CIJCCO., 

Cubebe  it.  (m.),  sp.  pg.  pr.  cubeba,  fr.  cub£be  name  einer  indi- 
schen pflanze,  die  eine  art  pfeffer  gibt]  arab.  kabäbat  Freytag  IV,  2*. 

Cübito  it.,  sp.  codo,  alt  cobdo,  pg.  cövado,  coto,  pr.  coide,  code, 
fr.  coude,  weil,  cot  eilenbogen;  von  cnbitas.  Andre  iial.  formen  sind 
gömito  (bereits  im  Voc.  S.  Gatt,  cumitus  *dlinpogo),  mit  eingeschobenem 
m  gömbito,  churw.  cümbet.  Daher  pg.  cotovello  =  coto,  umgestellt 
aus  covetello?  sp.  codillo  vorderfuß  der  thiere  vom  knie  aufwärts.  Zsgs. 
sp.  recodo  winket,  biegung,  bucht,  wie  gr.  ayuuav. 

Cucc  agna  it.,  sp.  eucana,  fr.  cocagne,  alt  engl,  cokaygne  Schlaraffen- 
land; vom  dtschen  kuchen,  weil  die  hauset  daselbst  mit  kuchen  gedeckt 
seien,  bemerkt  J.  Grimm,  Ged.  auf  Friedr.  p.  96.  Gegen  die  Vorstellung 
ist  nichts  au  erinnern,  doch  läßt  sich  das  wort  aus  rotnan.  quelle  ableiten: 
kuchen  heißt  cot.  coca,  chw.  cocca,  occit.  coco,  pic.  couque,  von  coquere 
backen,  also  gebackenes,  so  torca  gedrehtes  von  torquere.  Auch  das  ital. 
kinderwort  cueco  ei,  ovum  kommt  hier  in  ansehlag,  grade  weil  es  ein 
kinderwort  ist,  und  an  gesottenen  eiern  wird  es  im  schlaraffehlande  nicht 
fehlen:  watton.  bedeutet  cocogne  Ostereier.  In  Neapel  war  enecagna  ein 
zur  Volksbelustigung  aufgeführter  berg,  welcher  wurste  und  andre  eß- 
waaren  ausspie,  um  die  das  volk  sich  schlug.  Hierauf  besieht  sich  z.  b. 
ein  sieü.  gedieht  La  enecagna  conquistata,  Palermo  1674.  Das  wort 
kommt  also,  bemerkt  Genin,  Recreat.  II,  89,  vom  fr.  coq  und  bedeutet 
gleichsam  ein  hahnengefecht.  Aber  die  hauptidee  dabei  war  nicht  die  bal- 
gerei,  sondern  der  freigebige  berg. 

Cucchiajo  it.,  altpg.  colhir,  pr.  culhier,  fem.  it.  eucchiaja,  sp. 
euchara,  pg.  colhfr,  fr.  cuiller,  cuill&re  löffel;  von  cochlearium,  cochle- 
aria.    In  colher  und  cuiller,  wozu  noch  ein  altsp.  cuch&r  kommt,  vermisst  • 
man  die  weibliche  endung;  diese  Wörter  nehmen  also  im  gründe  ein  fem. 
cochlearis  in  ansprach.    Der  wal.  ausdruck  ist  lingurf  =  lat.  lingula. 

Cuccio,  cöcciolo  it.,  sie.  guzzu,  guzza,  euccia,  pr.  goz,  gossa,  sp. 
gozque  (was  soll  hier  die  zweite  sübe?)  Meiner  hund,  vgl.  gotz  'parvus 
canis  GProv.  57.  Im  catdl.  ist  gos  der  übliche  ausdruck  für  hund  über- 
haupt, so  daß  Jaume  Febrer  das  von  ihm  gebrauchte  can  erklären  oder  recht- 
fertigen zu  müssen  glaubte:  un  gos  que  en  bon  Uemosf  can  es  nomenat 
str.  151.  Im  wallon.  ist  go  der  männliche,  in  der  Schweiz  göschli  der 
weibliche  hund.  Ital.  eucciolo,  sie.  guzzu  bedeuten  als  adjeetiva  klein: 
beide  Wörter  könnten  in  beiden  Bedeutungen  aus  cueco  nestling,  liebling 
entstanden  sein,  denn  eucciolo  ist  namentlich  schooßhündchen.  In  ansehlag 
zu  bringen  ist  aber  vor  allem,  daß  das  wort  oder  ein  ganz  ähnliches  auf 
fremden  dem  ital.  nah  liegenden  Sprachgebieten  heimisch  ist:  ein  kleiner 
hund  heißt  illyr.  kutze,  ungr.  kuszL 

Cueco  it.  kukük  (in  dieser  form  und  bedeutung  nur  in  voUcsmund- 
arten,  ven.  cueo,  romagn.  cocch  u.  dgi.),  pr.  cueo  (wenn  nicht  syncopiert 
aus  cueuloj  dass.;  von  dem  seltnen  cueus,  bei  Isidor  12,  7  (auch  bei 
Plautus?).  Dsgl.  it.  cueulo,  pr.  cogul,  fr.  cocu,  coueou,  von  cuculus, 
span.  umgebildet  in  cuquillo,  abgel.  cuclillo.    Meist  bedeuten  diese  Wörter, 


I.   CUCINA-CUFFIA.  115 

cocu  heut  zu  tage  ausschließlich,  auch  hahnrei,  in  welchem  sinne  sich  noch 
pr.  cogotz  (vgl.  cot.  cucnt),  zsgz.  coutz,  altfr.  cons,  hinzu  gesellt.  An  lat. 
c&rruca  ist  dabei  nicht  zu  denken,  allzu  detälich  hat  die  spräche  den 
hahnrei  mit  dem  Jcukuk  zusammengestellt:  gab  man, nun  etwa  dem  betro- 
genen ehemann  per  antiphrasin  den  namen  des  vogds,  der  seine  eier  in 
fremde  nester  legt?  Sp.  cucar  verhöhnen  ist  augenscheinlich  aus  dem 
namen  des  höhnenden  vogds  abgeleitet  und  geht  auf  die  form  cucus  zurück. 

Cncina  it.,  cocina  sp.,  cuisine  fr.,  cocne  toal.  küche,  so  auch  ahd. 
kuchina,  ags.  cycene,  altir.  cugann  Zeuß  I,  80,  kymr.  cegin;  von  co- 
quina  für  culina  im  spätesten  latein.  Vb.  cucinare  ff.  die  küche  be- 
sorgen^ von  coquinare,  vielleicht  nur  bei  Plautus. 

Cucire  it.,  richtiger  cuscire  (sc  aus  s  entstanden),  sp.  coser,  cusir, 
pg.  coser,  pr.  cöser,  cusir,  fr.  coudre,  wal.  coase  nahen;  von  consuere, 
dem  schon  in  den  Isidor.  glossen  cusire  zur  Seite  steht,  so  denn  auch 
cosire  Gl.  Paris,  ed.  Hüd.,  cusebat  Gl. Seiest.  9,  5.  Äbgel.  it.  costura 
neben  cucitura,  gleichsam  consutura,  fr.  couture  naht,  nahterei,  daher  vb. 
fr.  accoutrer  zurecht  machen,  zubereiten,  herausputzen,  raccontrer  wieder 
zunähen,  flicken.  Auftrennen  heißt  it.  sdrucire,  sdruscire,  ohne  zweifei 
entstanden  aus  dem  gleichbed.  resuere,  mit  vorgesetztem  privativen  s  s-rescire, 
mit  euphonisch  eingeschobenem  d  sdrescire,  mit  anbildung  an  cuscire 
sdruscire.  —  [Bei  accoutrer  ließe  sich  auch  an  cultura  erinnern  (s. 
Seheier),  um  so  mehr  als  es  nichts  von  der  bedeutung  seines  oben  aufge- 
stellten primitivs  verräth.  Bei  Nicot  heißt  accoustrer  aptare,  parare, 
omare,  accammodare  u.  dgl.,  accoustrement  ornatus,  cuUus.  Andrerseits 
hat  freilich  auch  das  altfr.  couture  =  cultura  nur  den  beschränkten  con- 
creten  sinn  angebautes  land.  Die  grundbedeutung  des  franz.  verbums, 
wenn  man  es  zu  consuere  stellt,  müßte  sein:  eine  naht  machen,  demnächst 
verbinden,  zusammenfügen  (vgl.  sp.  coser  nähen,  verbinden),  endlich  zu- 
recht machen  (pr.  aparelhar  vereinigen,  zubereiten).  Auch  bastire  bauen, 
einrichten,  nähen  dürfte  verglichen  werden.] 

Cucuzza  it.  1)  kürbiß,  2)  köpf,  altfr.  cosse  Boq.  (beide  bedd.  hat 
auch  serb.  tikva);  entstellt  aus  Cucurbita.  Daneben  tritt  noch  mit  der 
zweiten  bed.  it.  zucca,  woher  pr.  zuc,  suc,  zuquet,  altfr.  suc,  nach  Ma- 
nage vom  gr.  oinva  länglichter  kürbiß;  ist  es  aber  nicht  vielmehr  umge- 
stdlt  aus  cuzza  für  cucuzza?  doch  mag  daneben  das  neupr.  tuca  (mit 
beiden  bedd.)  erwogen  werden.  Zu  Cucurbita  gehört  auch  fr.  gourde 
kürbißflasche,  bei  Perion  gougourde,  neupr.  cougourdo;  auch  courge, 
im  Jura  coudre,  muß  sich  hieraus  gestaltet  haben. 

Cuffia  und  scuffia  it.,  sp.  cofia,  escofia,  pg.  coifa,  alt  escoifa, 
fr.  coiffe  (coeffe),  wal.  coif  (m),  mndl.  coifie  haube.  Die  erreichbar 
älteste  form  ist  cofea  bei  Venant.  Fort.,  eine  spätere  cuphia  u.  dgl.  Man 
hott  es  aus  dem  hebräischen,  worin  kobha  (kova)  heim  bedeutet,  aber  die 
bildvng  des  roman.  Wortes  widerstrebt.  Andre  weisen  auf  unser  haube, 
ndl.  huif,  allein  die  altfränk.  Verhärtung  des  anlautenden  h  zu  ch  oder  c 
hat  kein  roman.  appeUativ  getroffen.    Gleichwohl  floß  es  zunächst  aus  der 


116  I.   CUGINO-DALA. 

deutschen  spräche.  Ahd.  kuppa  kuppha  heifit  müra,  daneben  läßt  sieh 
eine  form  mit  dem  in  der  ältesten  spräche  sehr  wirksamen  suffix  j  kuphja 
(vgl.  krippa,  kripja)  voraussetzen,  genau  das  mlat.  cofea,  cuphia.  Jenes 
kuppha  dber  scheint  nichts  anders  als  das  lat.  cuppa  gefäß,  becher  (s. 
oben  coppa):  Verwandlung  der  lat.  lippentenuis  in  aspirata  kann  leicht 
bis  auf  Venantius  zeit  hinaufreichen,  da  das  uralte  hochd.  denkmdt,  das 
Cassder  glossar,  bereits  choffa,  chupf  u.  a.  fäMe  enthält.  Wie  sich  aber 
Jcopfbedeckung  und  gefäfi  berühren,  zeigt  unter  andern  das  lat.  galeola. 

Cugino  it.,  pr.  cosin,  fr.  cousin  vetter,  eugina  /f.  base;  zsgz.  aus 
consobrinus,  wie  dies  die  churw.  formen  cusrin,  cnsdrin  erweisen.  Cosina 
'magiri  (verwandte)  hat  schon  der  Vocab.  8.  Gaü.  (7.  jh.)  Der  span. 
ausdruck  ist  das  unverkürzte  sobrino. 

Cüpido  it.,  pr.  cobe  gierig,  zumal  geldgierig;  daher  it.  cupidi- 
gia,  cupidezza,  5p.  codicia,  alt  cobdicia,  pr.  cobiticia,  cobezeza,  fr.  con- 
voitise  (für  covoitise),  lat.  gleichsam  cupiditia;  vb.  ü.  cubitare,  pr. 
cobeitar,  fr.  convoiter.  Der  Frovenzale  besitzt  auch  ein  einfaches  verbum 
cobir  mit  der  bed.  'zu  theil  werden,  das  fast  nur  mit  joy  verbunden 
wird:  jois  m'es  cobitz  freude  ist  mir  zu  theil  geworden,  vergönnt  worden; 
es  ist  von  cupere  alicui  einem  gutes  wünschen,  chw.  cuvir  dass.;  zsgs. 
pr.  encobir,  altfr.  encovir  begehren. 

C  u  r  a  5p.  pg.  (m.)  pfarrer,  eigentl  pfleger,  in  welchem  sinne  das 
wort  schon  bei  den  Römern  und  im  frühsten  nUatein  als  mascutin  ver- 
wendet ward.  Gleichbed.  mit  sp.  cura  ist  it.  curato,  fr.  cur6,  d.  h.  mit 
der  .sedsorge,  cura,  beauftragt.  Dahin  ferner  it.  eurattiere  (für  cura- 
tiere),  pk.  couratier,  zsgz.  fr.  courtier  mokier,  von  curatus  besorger  von 
geschafften  (curatarius). 

D. 

Dado  it.  sp.  pg.,  dat  .pr.,  A6  fr.  würfet;  wird  aus  dare  in  der  bed. 
werfen  (dare  ad  terram  u.  dgl.)  erklärt,  wonach  es  also  etwas  auf  den 
tisch  geworfenes  bezeichnen  würde.  Nach  Golius  p.  808  wäre  es  vom 
arab.  dadd  lusus,  res  ludicra;  was  sich  wenig  empfiehlt. 

Daga  it.  sp.,  pg.  außer  daga  auch  adaga,  fr.  dague  kurzer  degen, 
dolch,  ndl.  dagge  dass.,  engl,  dag,  kleines  Schießgewehr,  dsgl.  dagger 
dolch.  Hieraus  ist  unser  im  15.  jh.  eingeführtes  degen,  s.  Weigand,  Syn. 
wb.  11,  1193.  Auch  celt.  sprachen  kennen  es:  gad.  dag  pistole,  bret.  dag, 
dager  dolch  (über  die  Verwechslung  beider  dinge  s.  unten  pistola);  ob  es 
von  da  ausgegangen,  steht  dahin.  Ungr.  däkos.  Abgel.  ist  fr.  dagnet 
Spießhirsch. 

D  ala  sp.  pg.,  fr.  dalle  rinne  auf  dem  verdeck  der  schiffe  das  wasser 
aus  der  pumpe  abzuleiten.  Nach  Frisch  vom  ahd.  dola  röhre,  rinne,  aber 
der  abweichende  stammvocal  erregt  Zweifel.  Die  span.  form  a-dala  ent- 
hält eine  anspielung  auf  arab.  Herkunft:  in  dieser  spräche  heißt  dalla 
leiten,  d&lälah  leitung  Gol.  849,  welches  letztere  der  Vereinfachung  in  dala 
kaum  widerstehen  konnte;  vgl.  auch  it.  doccia  rinnef  von  ducere. 


/ 


I.   DALLE— DES.  117 

Dalle  sp.  (m.),  pr.  dalh,  dUfr.  dail,  dauphin.  dailli  sichel;  vb.  pr. 
dalhar  mit  der  sichel  schneiden,  altfr.  dailler  hauen,  fechten  Chr.  de 
Langioß  (Wright  p.  295),  s'entredalier  zusammen  streiten  LRs.  236. 
Scheint  diminutiv  von  daga  dolch  (dagol?). 

Dam a 8 co  it.  sp.,  fr.  damas,  it.  auch  damasto  ein  gewebe  mit  ein- 
gewirkten figuren,  damast;  van  der  stadt  Damascus,  wo  dieses  gewebe  ver- 
fertigt ward.  IUÜ.  damaschino  u.  s.  w.  damascener  Hinge,  aus  stahl 
von  Damascus. 

Danzare  it.  (für  dansare  wie  anzare  für  ansare),  sp.  pg.  pr.  dan- 
•    aar,  fr.  danser,  wci.  dtjntzui  scUtare;  sbst.  it.  danza/f.  saltatio;  vom  ahd. 
dansön  ziehen,  dehnen,  dies  vom  starken  vb.  dinsan,   goth.  thinsan  (prät. 
thans),  unser  tanzen  aber  aus  dem  romanischen. 

Dardo  it.  sp.,  pr.  dart,  fr.  dard,  wal.  darde  (f.),  auch  slav.  ungr. 
d&rda,  Wurfspieß,  wurfpfeä  (er  konnte  gefiedert  sein,  dart  empennö  DMce. 
302,  26;  ihn  führte  der  knappe,  die  lanze  der  ritter,  z.  b.  Jfr.  p.  67a); 
vom  ags.  daradh,  darodh,  engl,  dart,  oitn.  darradhr,  ahd.  tart  spieß;  da- 
zu als  primitiv  dttn.  dörr.    Nach  einigen  von  doqv  öoQarog. 

D&ttero  it.,  sp.  pr.  dAtil,  pg.  dätile,  fr.  datte  eine  frucht,  dattel; 
von  dactylus. 

Däzio  it.,  sp.  däcio,  altfr.  dace  (f.)  aufläge,  Steuer;  von  datio,  dem 
das  miatein,  z.  b.  in  einem  actenstück  v.  j.  826  DG.,  dieselbe  bedeutung, 
gezwungene  gäbe,  beilegte. 

Demonio  it.  pg.,  sp.  demonio,  dirnoüo,  pr.  demoni  teufet;  von 
daemonion  böser  geist,  bei  Tertullian. 

Denaro,  danaro  it.,  sp.  dinero,  pg.  dinheiro,  pr.  fr.  denier  eine 
geringe  münze;  von  denarius  römische  silbermünze  ursprüngl.  von  zehn 
asses,  später  und  im  mittelcdter  von  verschiedenem  werthe.  Daher  it. 
derrata,  sp.  dinerada  eigentl.  summe 'oder  werth  eines  denarius,  fr. 
denröe  eßwaare,  gleichbed.  bair.  pfennwerth  d.  i.  werth  eines  Pfennigs. 

Dentello  it.,  dentelh  pr.,  dentellon  sp.  einschnitt  an  gesimsen  u. 
dgl.,  it.  dentelli  (plur.),  fr.  dentelle  ein  gewirk,  spitzen,  wegen  der  zackigen 
form;  von  dens  zahn. 

Derrengar  sp.,  pg.  derrear  (für  derrenar),  pr.  desrenar,  deregnar, 
aitfr.  öreiner,  nfr.  öreinter  kreuzlahm  machen,  das  kreuz  brechen;  von 
ren  niere,  renes  lenden;  die  span.  form  zu  erklären  mit  dis-ren-icare. 
Itci.  nur  sbst.  direnato  Verletzung  der  lenden,  aber  piem.  derae  =  pr. 
desrenar. 

Des  altsp.  dttpg.,  in  der  neuen  spräche  des-de,  pr.  des,  deis,  fr.  des, 
Präposition  theüs  für  das  lat.  zeitliche  ex,  it.  da,  theils  für  das  örtliche 
usque  a,  inde  a:  z.  b.  sp.  desde  aquel  tiempo,  fr.  des  ce  temps-lä,  lat. 
ex  illo  tempore,  it.  da  qnel  tempo.  Man  hat  an  eine  zss.  von  de  und 
ipse  gedacht,  dös  ce  temps-lä  wäre  =  de  ipso  illo  tempore;  die  ganz 
präposüioncde  natur  des  Wortes  aber,  die  keine  adverbiale  anwendung,  wie 
die  büdungen  mit  ipse,  erlaubt,  läßt  eher  auf  ex  mit  vorgesetztem  sinn- 
verstärkenden de  vermuthen:  fr.  dös  lors  scheint  =  de  ex  illa  hora,  dös- 


118  I.  DESINARE. 

ormais  =  de  ex  hora  magis  von  stund?  an.  Ganz  deutlich  tritt  die 
zss.  mit  ex  hervor  im  altfr.  desanz  =  de  exante,  im  altsp.  desent  =  de 
ex  inde,  desi  =  de  ex  ibi,  im  nsp.  despues  (s.  poi)  =  de  ex  post; 
exante  und  exinde  sind  ja  der  lat.  spräche  wohlbekannt. 

Desinare,  disinare  it.,  pr.  disnar,  dirnar,  dinar,  altcat.  dinar  Chr. 
d'Escl.  p.  69P,  fr.  diner  eu  mittag  essen.  Die  ergründung  dieses  wortes 
wird  durch  die  zweifelhafte  natur  des  darin  enthaltenen  s  erschwert,  da 
es  sich  fragt,  ob  dieser  buchstabe  radical  oder  bloß  eingeschoben,  ob  diner 
aus  disner,  disinare  verkürzt  oder  ob  es  die  buchstäblich  getreue  form  sei. 
Altfranz,  schrieb  man  häufig  disgner,  aber  schon  die  ziemlich  alte  hand- 
schrift  der  Livr.  d.  rois  hat  digner.  Indessen  kann  sich  disnare  als  die 
älteste  form  ausweisen:  in  den  Vatic.  glossen  ed.  W.  Grimm  (9.jh.)  heifit 
es:  disnavi  me  ibi;  disnasti  te  hodie?  und  auch  Papias  schreibt  mit  s: 
jantare  disnare  dicitnr  vulgo.  Man  leitet  es  vom  gr.  devivelv  die  haupt- 
mahlzeit  halten,  romanisch  in  dinar,  disnar  verwandelt;  alsdann  müßte  es 
von  der  Provence  ausgegangen  sein.  Dsgl.  vom  lat.  dignare  domine  an- 
fang  eines  tischgebetes;  dies  stimmt  trefflich  zum  altfr.  digner,  wäre  die 
Sache  nur  erst  gehörig  erwiesen  oder  diese  form  als  die  älteste  anzuer- 
kennen. Man  könnte  an  decima  hora  denken,  wie  ja  auch  altfr.  noner, 
von  nona  hora,  zu  mittag  speisen  bedeutet,  aber  decima  für  mittagszeit 
ist  nicht  gebräuchlich,  wenn  man  auch  den  Übergang  des  m  in  n  zugibt. 
Besser  erklärt  es  sich  aus  de-coenare,  mit  verschobenem  accent  präs.  däceno 
desne  dtne,  vgl.  däcima  desme  dfme,  it.  bnccina  busna.  De  in  dieser 
Zusammensetzung  steht  freilich  ziemlich  müßig,  (Mein  das  spätere  latein 
verwendet  es  häufig  in  dieser  weise,  so  in  debattiere  Petron.,  defrui  Symm., 
defagare  Theod.  Prise.,  delaborare  Afran.,  delustrare  Aptd.,  deoptare 
Hyg.,  depetere  Tertull.,  despernere  Colum.,  in  welchen  fallen  das  einfache 
wort  ausreichen  würde;  übrigens  dürfte  man  bei  decoenare  an  unser  ab- 
speisen erinnern.  Auch  Pott,  Forsch.  IT,  282  denkt  an  coenare;  zur 
Unterstützung  der  thatsache,  daß  auch  Frankreich  das  lat.  coenare  kannte, 
läßt  sich  noch  altfr.  re einer  abendbrot  essen,  von  recoenare,  anführen, 
wiewohl  sich  dies  nicht  in  resner  verkürzte.  Man  dürfte  bei  dieser  ety- 
mologie  vielleicht  selbst  den  activen  gebrauch  des  rom.  und  lat.  partiäps 
anschlagen:  il  est  mal  dfnä  =  male  coenatus  est;  dieser  gebrauch  kennte 
sich  im  roman.  allmählich  auf  das  ganze  verbum  erstreckt  haben,  daher 
disner  quelqu'un  de  qch.,  reflexiv  se  disner,  wie  schon  in  der  vaticanischen 
stelle.  —  [Man  hat  an  decoenare  den  mangel  des  rom.  s  ausgesetzt. 
Diesem  übelstand  läßt  sich  einfach  mit  Verweisung  auf  it.  pu-signo  — 
post-coenium  abhelfen.  Wie  unser  wort  aus  dem  an  die  stßtte  von  de- 
coenare gesetzten  dis-jejunare,  welches  in  d6-jeüner  die  richtige  form  ge- 
funden, habe  entstehen  können,  ist  schwer  zu  fassen :  der  ganze  stamm, 
mit  dem  langen  u,  wäre  geschwunden.  Wunderlich  wäre  ferner,  wenn 
der  Franzose,  der  das  frühstück  mit  recht  als  ein  fastenbrechen  betrachtete, 
dieselbe  anschauung  auch  auf  das  mittagessen  erstredet  hätte.  Mahn  p.  19 
hebt  hervor,  daß  r  in  der  prov.  form  dirnar  auf  s   (nicht  9)   weise;  man 


I.  DESTKIERO-DIO.  119 

sattle  aber  denken,  ein  secundäres  s,  da  es  dieselbe  ausspräche  hatte  wie 
ein  primäres,  könnte  eben  so  wohl  in  r  geschwächt  werden.  S.  Krit.  an- 
hing p.  15.] 

Destriero  it.,  destrier  pr.  citfr.  streitross,  mlat.  dextrarius,  weil 
der  knappe  es  zur  rechten  seines  eignen  pferdes  führte,  ehe  der  ritter  auf- 
stieg: (V  escndiers)  lhi  menet  en  destre  son  bon  destrier  GRoss.  3275; 
les  valets  les  menoient  en  dextre  sur  antres  roussins,  man  sehe  Ducange. 

D  i  am  ante  it.  sp.,pr.  diaman,  fr.  diamant  ein  edelstein;  aus  adanias 
adamantis  entstellt,  vielleicht  mit  rücksicht  auf  diafano  durchsichtig.  Eine 
zweite  form  ist  pr.  ädiman,  aziman,  aftnan,  citfr.  aYmant,  nfr.  aimant, 
sp.  pg.  iman,  das  in  die  bed.  magnet  ubergieng,  in  welcher  sich  auch 
mlat.  adamas  findet,  s.  das  nähere  bei  MSnage  v.  aimant 

Diaspro  it.,  sp.  diaspero  ein  stein;  von  jaspis  jaspidis,  mit  dar- 
Stellung  des  j  durch  di  wie  im  mundartl.  it.  diacere  von  jacere  Born, 
gramm.  I,  274,  wohl  eine  in  Italien  entstandene  form.  Dasselbe  wort 
ist  pr.  citfr.  di&spe  bunter  stoff  nach  art  des  jaspis,  adj.  fr.  diaprö 
bunt  gezeichnet. 

Dieta  it.  sp.,  diete  fr.  lebensordnung ;  von  diaeta  (diaita)  gleich- 
bedeutend. 

Dieta  it.  sp.,  diäte  fr.  reichstag,  itci.  auch  tagereise;  von  dies,  vgl. 
die  mlat.  abl.  dietim  für  quotidie. 

Diga  it.,  digne  fr.,  diqne  sp.  (m.)  schutzdamm  gegen  das  wasser, 
auch  pr.  die?  Rayn.  Lex.  rom.;  zunächst  vom  ndl.  dyk,  ags.  die. 

Dilegnare  it.,  pr.  deslegar,  fr.  d&ayer  flüssig  machen;  von  dis- 
liqnare.  Das  span.  wort  ist  desleir,  das  aber  aus  dieser  quelle  nicht 
fließen  konnte.  Woher  nun  ?  weder  deliquescere  noch  diluere  erlaubt  der 
buchstabe.  Altsp.  desleido,  deleido  Bc.  8.  Dom.  540.  590  bedeutet  para- 
lytisch, des-leir  ist  also  =  /tagaXvstv:  sollte  man  leir  aus  Xveiv  gesogen 
haben?  dem  gr.  v  widerspricht  sp.  i  oder  e  nicht.  Zwar  Larramendi 
leitet  desleir  aus  bask.  desleyatu,  von  leya  kälte:  man  sieht  aber  leicht, 
daß  ersteres  aus  dem  pr.  deslegar  gebildet,  letzteres,  wofür  auch  yela  ge- 
sagt wird,  aus  dem  sp.  yelo  umgestellt  ist. 

Dio  it.,  sp.  diös,  altpg.  sard.  d&ts.  neupg.  däos,  (deös  GVic.  I, 
p.  256),  pr.  dteu,  fr.  dieu  (älteste  form  deo  in  den  Eiden),  wal.  fehlt 
das  einfache  wort.  Die  südwestl.  spräche  behandelt  deus  wie  einen  eigen- 
namen  und  ließ  ihm  das  flexivische  s  wie  in  andern  fällen  (Garlos,  Mar- 
cos, Reynaldos),  die  tonverschiebung  trat  später  ein;  eben  so  anomal  ist 
der  plur.  dioses,  wofür  man  im  Alex,  dios  findet,  von  Sanchez  und  Los 
Bios  IM.  esp.  27,  567  dfos  betont.  Aber  mit  der  Heiligkeit  eines  namens 
hängen  suweüen  anomedien  der  form  und  flexion  zusammen  (Grimm  P. 
1071,  Dief.  Goth.  wb.  II,  416):  der  Spanier  wagte  deus  nicht  einen 
buchstaben  absubrechen,  es  nicht  umzuformen  wie  meus.  Eine  übliche 
Zusammensetzung  ist  it.  domeneddio,j>r.  dame-dieu,  dltfr.  dame-dieu, 
dombre-dieu  u.  s.  w.  herr-gott,  wal.  dumne-zeu,  welches  das  einfache  zeii 
ganz  aus  der  spräche  verdrängte  und  auch  von  abgöttern  gebraucht  wird. 


120  I.   DIPANAKE— DOCCIARE. 

Über  it.  iddio  s.  Rom.  gramm.  1/7,  25.  Eine  bekannte  formet  ist  it. 
addio,  sp.  &  dios,  fr.  adieu,  vollständiger  pr.  a  dien  siatz,  altfr.  adieu 
soyez,  altcat.  a  dien  siau  gott  befohlen  LR.  III,  32.  Die  betheurung 
it.  madiö,  sp.  madios,  fr.  maidien  erklärt  man  mit  m'aide  dieu,  altfr. 
si  m'ait  dieus  =  ita  dens  me  adjuvet,  s.  Menage;  eine  andre  deutung 
des  ital.  wortes  (ma  von  mai  =  magis)  gibt  Blanc,  Gramm.  546. 

Dipanare  it.,  pr.  debanar,  sp.  devanar  abhaspeln;  von  panus 
büschel  wolle  zum  spinnen. 

Dirupare  it.,  pg.  derrubar,  sp.  derrnmbar  von  einem  f eisen,  rupes, 
hinabstürzen;  daher  dirupo  absture,  altfr.  desrube  Agol.  316,  Beb.  le 
diable  F.  P  col  2,  desruble  NF.  Jub.  I,  98,  dsgl.  desrubant  schluckt, 
pr.  deruben;  altfr.  desrnbison  Antioch.  II,  130;  auch  sp.  derrubio  erd- 
fall an  ufern. 

Dfscolo  it.  sp.  pg.  mürrisch;  vom  gr.  diaxoXog  dass. 

Disegnare,  designare  it.  1)  anzeigen,  2)  zeichnen,  sp.  designar, 
alt  desenar,  pr.  desegnar,  designar,  fr.  d&igner  in  ersterer  bed.,  sp. 
disefiar,  fr.  dessiner  in  letzterer;  sbst.  it.  disegno,  sp.  diseno,  designio, 
fr.  dessein,  dessin  entwarf,  Zeichnung.  Vom  tat.  designare,  dessen  im 
ital.  noch  zusammentreffende  bedeutungen  der  Spanier  und  Franzose  durch 
die  form  zu  trennen  suchten,  vgl.  sp.  signo  neben  sena,  fr.  signe  neben 
seing. 

Disfidare,  sfidare  it.,  pr.  desfizar,  fr.  däfier,  sp.  pg.  desafiar, 
altpg.  desfiar  SRos.  I,  371  herausfordern  zum  streit,  eigentl.  einem  die 
treue  oder  das  vertrauen,  fides,  aufsagen,  einen  verläugnen:  ains  me 
lairoie  tos  les  menbres  coper  qne  ja  Mahon  soit  par  moi  desftäs  eher 
wellte  ich  mir  alle  gUeder  abhauen  lassen,  als  Mahomet  verläugnen  Og. 
3058;  li  miens  cners  te  deffie  mein  herz  entzieht  dir  edles  vertrauen 
Antioch.  I,  82. 

Disio  it.,  sp.  deseo,  pg.  desejo,  cot.  desitj,  fehlt  fr.,  Sehnsucht;  vb. 
disiare,  desear,  desejar,  desitjar.  Nicht  von  desiderium,  die  formen 
passen  sehr  wohl  zu  dissidium  (deutlich  zumal  das  cot.  desitj),  so  daß  es 
gleich  dem  pg.  saudade  eigentl.  trennung,  zunächst  das  daraus  hervor- 
gehende  verlangen  nach  Wiedervereinigung  ausdrückt. 

Di  vi  so  it.,  pr.  fr.  devis  eniwurf,  wünsch,  fem.  it.  divisa,  sp.  divisa, 
pr.  devisa,  fr.  devise  abtheäung,  wohl,  Wahlspruch,  sinn  und  bedeutung; 
vb.  it.  divisare,  sp.  divisar  abtheilen,  unterscheiden,  auseinandersetzen. 
Wie  schon  lat.  dividere  unterscheiden  bedeutet,  so  pr.  devire,  woran  sich 
die  bed.  auseinandersetzen  "knüpfte,  die  denn  auch  auf  das  freguentativ 
devisar  übergieng.  Man  vergleiche  dieselbe  begriffsbildung  z.  b.  im  sp. 
departir  1)  theilen,  trennen,  2)  unterscheiden,  3)  auseinandersetzen,  er- 
klären: departeme  eso  que  has  dicho  i erkläre  mir,  was  du  gesagt  hast* 
Cal.  e  D.  p.  66b.    Lat.  visns  ist  hier  nicht  im  spiele. 

Docciare  it.  begießen,  sbst.  doccia,  fr.  douche,  sp,  dncha  wasser- 
röhre, rinne;  von  dnetiare  leiten  (vom  wasser),  das  man  aus  dem  pari. 
duetns  bildete,  wie  succiare  aus  suetns.    Aus  dem  sbst.  dnetus  entstand 


I.   DOGA— DOGANA.  121 

aüfr.  duit  LBs.  408,  norm,  doui;  aus  ductio  das  /em.  pr.  dotz,  dttfr. 
dois  (la  dois  et  la  fontaine  G.  d'Angl.  p.  75,  vgl.  Gar.  J,  264). 

Doga  it.  pr.  cot.,  wdl.  doagp,  alban.  dog?,  wendisch  doga,  duga, 
mit  v  /r.  donve,  mail.  dova  seitenbrett  des  fasses,  mndl.  duyghe,  nwß. 
du  ig,  scAw*.  dauge,  nhd.  daube;  abgd.sp.  dovela,  duela,  aduela,  norm. 
douvelle,  douelle,  lothr.  doule.  Prov.  doga  (w  der  neuen  mundart  dougo) 
verhält  sich  zu  fr.  douve  wie  rogar  zu  dltfr.  rouver,  g  fiel  aus  und  v 
fort  ein,  selbst  die  mittlere  form  doa  (doha  DG.)  ist  vorhanden.  Damit 
trifft  ein  wort  anderer  bedeutung  buchstäblich  zusammen,  pr.  doga,  norm. 
douve,  das  man  gewöhnlich  mit  fosse  (graben)  übersetzt,  das  aber  auch, 
wie  schon  Garpentier  erklärt  (vgl.  Trevoux),  die  fassung  des  grabens, 
mauer  oder  dämm  desselben  hei  fit,  mlat.  douvam  sive  aggerem  (v.j.  1269) 
bei  Garpentier;  les  doves  des  fossez  Ben.  I,  p.  492;  de  morz  est  si  la 
dove  emplie  U,  127;  pr.  doga  del  vallat;  mlat.  juxta  dogas  vallatorum 
murorum;  dtifr.  qui  a  douhe,  il  a  fossö  (rechtsgrundsatz).  Itäl.  doga 
heifit  auch  rings  umlaufender  streif  an  einem  Meide,  sp.  dogal  strick  um 
den  hals,  was  der  bed.  einfassung  zusagt.  Der  Zusammenhang  dieser  mit 
der  bed.  daube  oder  eigentl.  gesammtheit  der  dauben  eines  fasses  liegt  am 
tage.  Ein  sehr  altes  Zeugnis  hat  man  bei  Gregor  v.  T.  gefunden,  wo  es 
aber  canal  zu  bedeuten  scheint:  fossas  in  circuitu  basilicae  fieri  jussit, 
ne  forte  dogig  occultis  lymphae  deducerentur  in  fontem.  über  die  her- 
kunfl  des  Wortes  sind  die  meinungen  verschieden.  Frisch  denkt,  sofern 
es  graben  heifit,  an  lat.  ducere,  und  in  der  that  das  synonyme  doccia 
hat  denselben  Ursprung:  u  konnte  kurz  gesprochen  werden  wie  in  dux 
ducis,  daher  das  rom.  o.  Besser  erkennt  Ducange  darin  ein  schon  vor- 
handenes lat.  doga,  das  ein  gefäfi  oder  ein  mafi  (s.  Freund)  bedeuten  mufi: 
facta  erat  ratio  dogae  cuparum  navium  et  operum  Vcpisc,  dazu  doga 
ßovTrrjg  (ßovrrig)  Gl.  Phüox.  Es  leitet  sich  vom  gr.  doxy  receptaculum, 
und  diese  bedeutung  ist  fest  zu  hoiten;  Hesychius  erklärt  svQmoq  (meer- 
enge)  mit  doxy  vdaztov,  s.  Vossius  De  vit.  serm.  Also  Wasserbehälter, 
graben,  fassung  des  grabens,  fassung  eines  gefäfies  d.  i.  fafidaube  sind 
die  bedeutungen. 

Dogana  it.,  pr.  doana,  fr.  douane,  sp.pg.  aduana  zotthaus,  mauth, 
auch  die  von  den  waaren  zu  entrichtende  abgäbe;  man  sehe  Boccaccio9 s 
beschreibung  Dec.  8,  10.  Der  etymologien  sind  mehrere.  Frisch  leitet  es 
aus  ducere  in  beziehung  auf  das  einfuhren  der  waaren,  ohne  zu  bedenken, 
dafi  sich  das  sufßx  an  nicht  an  verba  fügt.  Ferrari  läßt  es  aus  doga 
entstehen,  weil  die  waaren  in  fässer  gepackt  werden;  doga  ist  aber  nicht 
der  amdruck  für  fafi.  Weit  passender  erklärt  es  Menage  aus  dem  gr. 
doxavr]  ort  zur  aufnähme,  daher  ort,  wo  man  die  abgäbe  einnimmt;  be- 
fremdlich ist  aber,  dafi  weder  die  mittel-  noch  die  neugr.  spräche  diese 
anwendung  des  Wortes  kennen.  Diese  drei  erMärungsversuche  sind  eben 
so  viele  verirrungen.  Mit  recht  erblicken  neuere  grammatiker  in  doana 
das  bekannte  arab.  divän  addivän  staatsrath,  indem  sie  ihm  die  bed. 
staalsrath  für  abgäben  beilegen:   der  halbvocäl  v  löste  sich  gleich  dem 


122  I.   DOMENICA-DONNO. 

(tischen  w  in  o  oder  u  aw/"  (diuana  doana  duana),  im  üal.  ward  g  ein- 
geschoben. Beachtenswert)*  ist  dabei,  daß  der  Spanier  für  divan  in  seiner 
eigentl.  bed.  auch  duan  sagte.  Offenbar  knüpfen  manche  stellen  aus  der 
mittleren  litteratur  das  wort  an  arabisches  gebiet:  multi  Saracenorum, 
qui  in  duanis  fiscales  rcditus  colligebant,  sagt  Hugo  Falcandus;  in 
douanam  i.  e.  in  domum  Soldani  eum  ducentes  Vinc.  Bettov.;  pr.  si  son 
en  terra  de  Sarrazis,  en  doana  o  pauzon  Lex.  rom.  Am  besten  vielleicht 
faßt  man  dfvän  in  seiner  bed.  rechnungsbuch  Gol.  888,  Freyt.  II,  74* , 
vgl.  bei  Boccaz  i  doganieri  poi  scrivono  in  sul  libro  della  dogana  a 
ragione  del  mercatante  tutta  la  sua  mercatanzia.  —  [Das  arab.  aus  dem 
persischen  entlehnte  dtw&n,  bemerkt  Engclmann,  heißt  register,  gedichte- 
sammlung,  dann  bureau,  staatsrath,  audienzsaal,  canzlei,  endlich  mauth- 
bureau:  daher  aduana.     Vgl.  Doey  p.  33—35.] 

Domenica  it.,  sp.  pg.  domingo,  pr.  dimenge,  dimergue,  fr.  di- 
manche  sonntag;  ital.  aus  dominica,  span.  pg.  aus  dominicus,  prov.  franz. 
aus  dies  dominicus,  daher  altfr.  diemenche  (viersilb.)  tag  des  herrn,  gr. 
%vQiaxrr  Keine  rom.  spräche  kennt  solis:  sie  enim  Barbaries  vocitare 
diem  dominicum  consueta  est  Greg.  Tur.  Hist.  3,  15. 

Dominio  it.  sp.  pg.  herrschest,  eigenthum,  besitzung,  fr.  domaine 
(m.)  in  speciellerer  bed.  erbgut,  krongut,  daher  die  prov.  und  span.  formen 
domani,  domanio ;  von  dominium.  Adj.  it.  dominicale,  sp.  pr.  dominical, 
fr.  domanial  herrschaftlich,  gutsherrlich.  Bemerkenswert  ist  hier  nur  die 
franz.  formung  des  Wortes,  worin  lat.  i  zu  ai  ward;  aber  man  schrieb 
auch  altfr.  mainer  neben  mener  fuhren,  und  noch  jetzt  zeigt  daigner  oder 
Sardaigne  ai  für  \.  Eine  stärkere  abänderung,  deren  grund  wohl  nur 
in  der  Veränderlichkeit  der  tonlosen  ersten  silbe  zu  suchen  ist,  liegt  vor 
im  altfr.  demaine,  demenie,  dem  ein  altit.  diminio  entspricht,  im  späteren 
mittellatein  demanium,  noch  engl,  demain.  Dieses  altfr.  demaine  bedeutet 
überdies  als  Substantiv  einen  dienstmann  (z.  b.  li  demaine  et  li  pair),  ofe 
adjeetiv  eigen,  angehörig  (ma  chambre  demaine,  mon  demaine  lit),  trilat. 
demanius;  prov.  lautet  es  als  adjeetiv  domini  (domini  ser  LR.  III,  71 
eigner  knecht)  und  scheitU  aus  dominicus,  das  auch  im  mlatein  proprius 
bedeutet,  abgekürzt  wie  gramazi  aus  grammaticus. 

Donno,  donna  it.,  sp.  don,  dona,  duena,  pg.  dorn,  dona,  pr.  don 
(dons  von  frauen),  dombre  (in  dombre-dieu),  domna,  altfr.  masc.  dame 
(in  dame-dieu),  dan,  dant,  alt-  und  neufr.  fem.  dame  (daher  pr.  sp. 
dama),  Wal.  domn,  doamne;  alle  von  dominus,  domina,  wofür  schon  auf 
rom.  inschriften  domnus,  domna,  im  ersten  mlatein  donnus,  donna  (z.  b. 
Breq.  p.  27d,  v.  j.  528)  vorkommt.  Dimin.  sp.  doncel,  doncella,  pr. 
donsei,  donsella,  altfr.  damoisiel  (danzel),  damoisele,  nfr.  damoiseau, 
demoiselle,  hieraus  it.  damigello,  damigella,  sp.  pr.  damisela;  lat.  gleich- 
sam dominicillus,  wal.  domnisor.  Vb.  pr.  domneiar,  altfr.  donoier 
buhlen,  daher  it.  donneare,  sbst.  domnei,  donoi  buhlschaß.  Wegen  des  franz. 
a  der  Stammsilbe  vgl.  altfr.  damesche  von  domesticus,  danter  van  domi- 
tare.     Eine  prov.  und  catal.  abkürzung   von  dominus   unmittelbar  vor 


I.   DRAGOMANNO-DKUDO.  123 

eigennamen  ist  En  (dom-en  für  dorn- in),  von  domina  Na  (dom-na)  z.  b. 
En-Barral  (daher  it.  Imberal  CNA.),  Na  Maria,  vgl  Raynouard,  Chx. 
VI,  95. 

Dragomanno  it.,  sp.  dragoman,  pr.  drogoman,  fr.  drogman,  mhd. 
tragemunt,  dolmet scher,  in  andrer  form  it.  turcimanno,  sp.  trujaman, 
fr.  trucheman,  truchement;  vom  arab.  targomän,  torgomän,  ausleger,  dies 
von  targama  auslegen,  ursprünglich  chaldäisch  und  von  den  Juden  den 
Arabern  überliefert  (Dozy  35). 

Drappo  it.,  pr.  cot.  fr.  drap  tuch,  daher  drappello,  drapeau 
fetzen,  fahne.  Drappas  kennt  das  frühere  mlatein:  si  quis  altero  per 
mano  aut  per  drappo  iratus  priserit  Capü.  ad  L.  Alam.  Im  span.  und 
port.  hat  es  die  tenuis  mm  anlaut:  trapo,  trapajo,  trapero,  traperia, 
wiewohl  auch  drapero,  in  Urkunden  draper ius  gesagt  wird;  man  sehe 
Ducange.  Die  Verschiedenheit  des  anlautes  scheint  deutsche  herhunft  an- 
suseigen,  denn  d  würde  den  niederdeutschen,  t  den  hochdeutschen  lautge- 
säzen  entsprechen.  Frisch  verweist  auf  unser  trappen  derb  auftreten,  so- 
fern es  für  dicht  treten,  wirken  angewandt  werden  konnte;  es  käme  nur 
drauf  an,  die  Verwandtschaft  von  treten  und  wirken  oder  weben  mit  an- 
dern beispielen  eu  belegen.  Ein  zuverlässigeres  etymon  scheint  aber  das 
in  einem  hochd.  glossar  des  12.  jh.  enthaltene  subst.  trabo  'trama,  extrema 
pars  vestimcnti,  fimbria  Qraff  V,  480:  der  einschlag  oder  auch  der  säum 
des  tuehes  konnte  auf  das  ganze  tuch  übertragen  werden. 

Drog,a  it.  sp.  pg.  pr.,  drogue  fr.  specerei,  gewürz,  farbwaare;  vom 
ndl.  droog  trocken,  also  eigentl.  trockne  waare  (Frisch).  Adj.  pr.  droguit 
bräunlich,  schwärzlich. 

Drudo  it.  altpg.,  pr.  altfr.  drut,  fem.  drnda,  drue  freund,  freundin, 
geliebter,  geliebte;  ab  gel.  altfr.  drugun  TCant.  20,  8,  besser  druiun  Fan- 
tosme  v.  716  vertrauter.  Drudo  steht  an  der  gräme  zwischen  celtisch  und 
germanisch:  gael.  drüth  dirne,  meretrix,  ahd.  trüt,  drfit,  auch  drfld  Otfr. 
1,  4,  5,  in  comp.  Drudbald,  Wieldrud,  (aus  triuwi  treu  hergeleitet)  lieb- 
l**9t  freund,  gefahrte,  diener,  fem.  triutin  geliebte.  Offenbar  schließt  sich 
das  rom.  wort  mit  seiner  bedeutung  dem  deutschen  auf  das  genaueste  an, 
fem  von  jedem  Vorwurf  bezieht  es  sich  eben  sowohl  auf  vertraute  freund- 
schaft  wie  auf  liebe:  der  drut  ist  der  getreue,  der  anhanger,  das  wort 
sucht  darum  die  gesellschaft  von  ami:  mes  drus  et  mes  amis;  ses  amis 
et  »es  drus;  vos  amis  et  vos  drus;  in  einem  capitülar  Karls  des  kahlen 
gesdU  es  sich  ztt  vassall:  sine  solatio  et  comitatu  drudorum  atque  vas- 
sorum.  Das  Otfriedische  gotes  drüt  würde  sich  daher  ganz  wohl  durch 
drut  dieu  übersetzen  lassen.  Neben  dem  Substantiv  ist  noch  ein  adjectiv 
zu  erwägen,  it.  drudo  verliebt,  artig,  dsgl.  wacker,  fr.  dru  munter,  üppig: 
ces  moineaux  sont  drus  sind  munter,  wollen  ausfliegen,  Therbe  drue  das 
üppige,  dichte  gras,  la  pluie  tombe  dru  der  regen  fällt  dicht,  altfr.  teus 
puet  estre  riches  et  drus  mancher  kann  reich  und  üppig  sein,  daher  vb. 
endruir  dicht  machen  NFC.  II,  116,  genues.  druo  dicht,  dick,  drueza 
(s.  das  alte  denfonal  dieser  mundart  Archiv,  stör.  itäl.  app.  num. 


124  I.   DUCA-DUNQUE. 

18,  p.  21,  58),  piem.  neupr.  dru  üppig,  fruchtbar  (vom  boäen).  Wenn 
nun  auch  die  ideenfolge  'vertraut,  verliebt,  üppig  an  sich  nichts  auffei- 
lendes hat,  so  wird  man  doch  hier  auf  celt.  adjeetiva,  wie  gad.  drdth 
muthwülig,  kymr.  drud  kräftig,  kühn,  oder  mit  Gachet  auf  das  altn. 
driugr,  schwed.  dryg  derb,  voll,  deren  bedeutungen  das  üppige  näher  sieht 
als  denen  des  hochd.  Wortes,  hingeführt.  S.  vor  edlem  Dief.  Goth.  wb. 
U,  679. 

Duca  iL,  wal.  duc$,  sp.  pg.  dnque,  pr.  duc,  fr.  duc  führer,  hersog; 
it.  ducato,  sp.  pg.  ducado,  pr.  ducat,  fr.  duchä  (bei  den  alten  fem., 
daher  it.  dueäa)  hereogthum,  im  spätem  latein  schon  ducatus  für  duetus. 
Nicht  unmittelbar  aus  dux  konnte  sich  ein  itäl.  masc.  wie  duca  gestalten, 
dessen  richtige  form  doce  (mlat.  dox  docis  L.  Long,  ven.  doge)  gewesen 
sein  würde;  es  gieng  euvor  durch  den  mund  der  Byzantiner,  welche  mit 
doi%,  acc.  dovxa,  oder  mit  dov%ag  lange  vor  der  litterärischen  seit  der 
itäl.  Sprache  den  kriegsobersten  einer  provinz  oder  Stadt  benannten.  S. 
Ducange  Gloss.  graec.  —  Von  duca  ist  auch  it.  ducato,  ducatone, 
sp.  ducado,  ducaton,  fr.  ducat,  ducaton  eine  silber-  oder  goldmünze,  zu- 
erst in  Italien,  wie  es  scheint,  unter  Boger  II.,  könig  von  Sicüien,  in  be- 
ziehung  auf  das  hereogthum  Aptdien  (ducato  d'Apuglia)  seit  1140  ge- 
prägt, s.  Ducange  Gloss.  lat.  s.  v. 

Duello  it.,  sp.  duelo,  fr.  duel  Zweikampf;  von  einer  veralteten, 
wenn  auch  im  Augustischen  Zeitalter  noch  angewandten  form  dueilum  für 
bellum.  Das  wort  ist  kein  altromanisches :  man  nahm  es  erst%  später  auf 
den  grund  einer  misverstandenen  etymologie  aus  dem  latein  auf;  dem 
mittelalter  genügte  battalia  auch  für  diesen  begriff,  daher  in  einer  stelle 
aus  dem  anfange  des  13.  jh.:  permitto  battalias  omnes,  quas  grammatici 
duella  vocant  DG.  Sonst  romanisch  auch  battaglia  singulare  wie  ahd. 
einwte  einzelkampf. 

Du  na  it.  sp.,  vom  fr.  dune  sandhügel  am  meere;  dies  zunächst  vom 
gleichbed.  ndl.  duin  (n.)  =  ags.  dün  (f.),  engl,  down,  deren  Ursprung 
aber  im  celtischen  zu  liegen  scheint ;  altir.  dün,  kymr.  din  hügel,  urspr. 
befestigter  ort,  daher  die  städtenamen  mit  dunum  (Augustodunum,  Lug- 
dunum  u.  s.  f.)  s.  Zeufi  I,  29.  30.  64.  118,  oder  befestigte  anhohe  s. 
Richards,  Welsh  dict.  v.  din.  Weiteres  über  dies  wort  bei  Du  Meril, 
Formalion  d.  I.  I.  frang.  35,  Mahn,  Etym.  untersuch,  p.  30,  Diefenbach, 
Orig.  europ.  325  ff. 

Dunque,  adunque  it.,  alt  donqua,  adonqua  und  dunche,  adunche, 
cdtsp.  doncas,  fr.  donc,  conclusivpartikel.  Altfr.  dune  (so  schon  im  Fragm. 
v.  Valenciennes),  donc,  donques,  adunc,  pr.  dune,  adonc,  sind  zeitpartikeln 
und  entsprechen  dem  lat.  tum  und  unserm  dann:  erst  hieraus  entfaltete 
sich  die  conclusive  bedeutung,  wie  dies  auch  sonst  wahrzunehmen  ist,  z.  b. 
'igitur*  apud  antiquos  ponebatur  pro  inde  et  postea  et  tum,  sagt  Festus; 
ahd.  danne  gilt  für  tum  und  ergo;  ähnlichen  Übergang  von  der  zeit  zur 
folgerung  zeigt  sp.  pues  und  luego.  Was  nun  den  Ursprung  des  Wortes 
betrifft,   so  sträubt  sich  gegen  de  unquam  der  begriff;   es  muß  vielmehr 


I.   DURAKE-ECCO.  125 

wm  tunc  mit  vorgesetztem  a  oder  ad  herrühren,  so  daß  das  dadurch  zum  in- 
laut  gewordene  t  in  d,  atunc  in  adunc  übergehen  konnte;  dies  wäre  also 
die  ursprüngliche,  dune  ist  eine  abgekürzte  form.  A  tunc  und  ad  tunc 
trifft  man  in  Urkunden  nicht  selten,  z.  b.  HLang.  I,  25  (v.  j.  782),  99 
(v.  j.  852).  Muratori  erklärt  sich  für  ad  hunc  sc.  modum,  finem,  aber 
die  seitliche  bedeutung  scheint  dies  nicht  zu  gestatten.  —  Itcd.  dunque  ist 
also  aus  dunche  entstellt,  die  reinere  form  lebt  in  den  mundarten  fort, 
e.  b.  com.  donch,  ven.  donca,  neap.  addonca. 

Du  rare  it.,  sp.  durar,  fr.  durer  währen,  mhd.  düren,  tfiren,  nhd. 
dauern,  engl.  dure.  Das  etymon  ist  bekannt,  hat  ober  die  bed.  härten 
eingebüßt,  wofür  indurare  bestimmt  ward.  Dagegen  drückt  es  neben  der 
ausdehnung  in  der  zeit  nun  auch  die  im  räume  aus,  namentlich  im  prov. 
und  ättfranz.,  z.  b.  un  bosc  que  dura  ben  xx.  legas  ein  wald,  der  sich 
20  meilen  weit  erstreckt  Jfr.  164a;  Babiloine  dure  xx.  liuesFJ.  Bl.1787. 
Tant  que  la  laoce  dure,  so  weit  sie  reicht,  liest  man  häufig. 

E. 

Ea  sp.  (auch  bask.),  pg.  eia,  dsgl.  pr.  eia  (eya)  Flam.  2311,  cdtfr. 
aye  (aia  tutti  'wda  olle  Gl.  Cass.),  sicil.  jeja,  interjeetion  der  aufforde- 
rung  oder  Verwunderung;  stimmt  überein  mit  lat.  eja,  gr.  eia,  mhd.  eiä, 
letzteres  nach  Grimms  vermuthung  III,  301.  778  aus  dem  lateinischen 
eingeführt,  was  von  den  romanischen  Wörtern  noch  zuversichtlicher  aus- 
gesprochen werden  darf. 

Ebbio  it.,  sp.  yedgo,  yezgo,  pg.  engo,  pr.  evol,  fr.  hifcble  (h  asp.)f 
in  Berry  gdble,  venez.  gövalo  attich;  von  ebulum.  In  yedgo  läßt  sich 
d  zwar  aus  1  erklären  (vgl.  sendos  von  singulos),  im  übrigen  aber  bleibt 
die  entstetlung  des  Wortes  stark;  man  hat  darum  selbst  an  eine  Verwechse- 
lung mit  a&culus  gedacht,  Mein  beide .  gewächse  sind  grundverschieden. 

Ebbridco,  imbriaco,  ubbriaco,  briaco  iL,  altsp.  embriägo,  pr. 
ebriac,  wald.  ubriart,  fr.  (in  Berry)  ebriat,  imbriat  betrunken;  vom  lat. 
vermuthiieh  nur  volksmäßigen  ebriäcus  bei  Plautus  nach  Nonius,  gebildet 
wie  meräcus  aus  merus,  wiewohl  die  lexica  ebriäcus,  als  sei  es  griechisch, 
setzen.  Daher  rührt  der  pflanz enname  pr.  abriaga,  fr.  ivraie  trespe, 
taubkraut,  rauschkorn,  ein  Unkraut  mit  berauschender  kraft. 

Ecco  it.,  wal.  eace,  pr.  ec,  altfr.  eke,  adverbium,  von  eceum,  häu- 
fig mit  einem  Personalpronomen  verknüpft:  it.  eecomi,  eccoti,  eecolo,  ec- 
cola,  eecoei  u.  s.  f.,  wal.  eaceme,  pr.  eevos,  altfr.  ekevos;  aber  sieher 
auch  sp.  ele,  elo,  eia  (für  ec-le,  ec-lo,  ec-la),  &ele  (=  it.  eecotelo),  nicht 
etwa  für  hele  oder  feie  aus  vele  (s.  he  II.  b),  da  der  abfall  des  an- 
lautenden h  für  f  =  v  minder  leicht  vor  sich  geht,  niemals  z.  b.  emencia 
für  hemencia,  femencia  =  vehementia  gesagt  wird.  Eine  cumulation 
ist  pr.  vec  aus  ve  {imper.  von  vezer,  lat.  vide)  und  ec,  daher  veevos, 
zsgz.  veus;  so  auch  in  itcd.  mundarten  vecco,  veccolo,  dessen  v  Salviati, 
Awertim.  (Mü.  1810)  II,  132,  für  reinen  zusale  hält.    Aus  ecce  ist 


126  L   EDERA-ERA. 

altfr.  eis,  es,  ez  mit  angefügtem  vos,  wozu  man  einen  plurcd  mit 
verbalflexion  es-tes-vos  schuf,  nicht  unähnlich  dem  it.  egli-no;  auch  pg. 
eis  scheint  aus  ecce.  Diese  lat.  partikel  wirkt  in  vielen  cotnpositis  form- 
und  begriffsverstärkend,  vgl.  unten  qua,  quello,  questo,  qui. 

Edera,  ällera  it.,  sp.  hiedra,  pg.  hera,  pr.  edra,  fr.  lierre  (aus 
altfr.  pic.  hierre,  yerre  mit  agglutiniertem  artikd,  den  auch  neap.  lellera, 
gen.  lellua  neigt)  epheu;  von  hedera. 

Egli  it.,  sp.  61,  pg.  eile,  pr.  el,  elh,  fr.  il,  wal.  el,  pronomen. 
Die- formen  erklären  sich  theils  aus  ille,  theüs  aus  illic  für  ille  (^ei 
Terenz).  Dsgl.  it.  pr.  fr.  wal.  lui  (im  prov.  Boeth.  lui  accentuiert),  muth- 
maßlich  aus  ill-uic,  s.  Rom.  gramm.  II,  82;  fem.  it.  pr.  wal.  lei7  altfr.  (bürg.) 
lei  und  eben  sowohl  Ii6,  von  illae  für  Uli;  jrfur.  tfc  loro,  pr.  wal.  lor,  /r. 
leur,  von  illorum  {sard.  insora  v.  ipsoram).  In  den  seltsamen  ital.  plurcd- 
formen  egli-no,  elle-no  ist  no  ein  offenbares  verbalsufßx:  egli-no  canta-no. 

Elce  it.,  sard.  61ighe,  pr.  euze,  fr.  yeuse  steineiehe,  von  ilex;  it. 
leccio,  vom  adj.  ilicens.  Gleicher  bedeutung  ist  das  abgd.  it.  elcina, 
sp.  encina,  pg.  enzinha,  azinho,  gewöhnlich  azinheira,  pr.  olzina  GO.,  vgl. 
das  adj.  illicinas  Yep.  IV.  num.  13  (aer.  952).  Ital.  lecceto  stein- 
eichenwaldj  von  ilicetum. 

Elissire  it.,  sp.  elixir,  fr.  älixir  eine  auflösung  verschiedener  arznei- 
Stoffe  in  Weingeist;  vom  ardb.  el-iksfr  stein  der  weisen,  dieses  aber,  nach 
Dozy,  kein  achtes  arabisches,  sondern  ein  dem  griechischen  entlehntes  und 
abgeändertes  wort.  Aus  lat.  elixus,  welches  andre  aufstellen,  würde  sieh 
die  endung  ir  nicht  erMären. 

Elmo  it.  pg.  altsp.,  nsp.  yelmo,  pr.  elm,  fr.  heanme  (h  asp.);  vom 
ahd.  heim,  altn.  hiälmr,  goth.  hilms.  Eine  altpg.  bedeutung  ist  decke 
(etwas  schüttendes):  unum  elmum  laboratum  pro  saper  ipsum  altare  urk. 
v.  j.  1087  SRos.  Abgd.  sp.  pg.  almete  für  elmete  vielleicht  nach  dem 
altfr.  healmet;  aus  almete  aber  scheint  sich  tpiederum  das  fr.  armet 
Pickelhaube  zu  erklären. 

Endivia  it.  sp.  pg.  pr.,  endive  fr.  ein  kraut,  endivie;  vom  lat. 
intybus  (intibus,  intubus  Schneider  1,  47),  genauer  von  dem  unvorhan- 
denen  adj.  intybeus,  intybea. 

Enola,  ella,  lella  it.,  sp.  pg.  £nula  und  ala,  fr.  aunöe  eine  pflanze, 
alant;  von  inula,  gr.  itevtov.  Alter  und  volksüblichkeit  der  zweiten 
span.  form  ergibt  sich  aus  Isidors  stelle:  inula,  quam  alam  rustici  vocant 
Letzteres  scheint,  wie  Weigand  bemerkt,  noch  in  unserm  aalbeere  für 
alantbeere  durchzublicken. 

Era  it.  sp.,  ere  fr.  Zeitrechnung  d.  h.  die  folge  der  von  einem  festen 
zeitpuncte  an  gezählten  jähre.  Dem  Römer  waren  aera,  plur.  von  aes, 
rechenpfennige,  dsgl.  die  posten  in  einer  rechnung.  Erst  die  späteste  la- 
tinität  machte  hieraus  einen  sing,  aera,  gen.  aerae  (roman.  beispide 
dieser  art  s.  Gramm.  II,  23)  und  brauchte  das  neue  wort  theils  in  dem 
bemerkten  sinne,  theils  für  eine  gegebene  zahl,  wonach  eine  rechnung  an- 
gestellt werden  soll,   theils  endlich  für  die   epoche,  von  der  man  in  der 


I.   ERMO— ESCIRE.  127 

Zeitrechnung  ausgeht,  letztere  bedeuiung  bei  Isidorus,  s.  Freund  s.  v.  Im 
span.  bedeutete  das  wart,  so  lange  die  aera  hispanica  dauerte  d.  h.  bis  1383, 
schlechtweg  so  viel  als  ano  =  annus;  es  aber  darum  aus  dem  gothischen 
zu  schöpfen,  worin  jSr,  pl.  jSra,  dieselbe  bedeutung  hat,  ist  verlorene  mühe. 

Ermo  iL,  sp.  yermo,  pr.  cdtfr.  ernie,  henne,  wal.  ermu,  basJc.  eremu 
einsam,  als  sbst.  einöde;  vom  gr.  eQiyiuog,  sbst.  fj  i'Qrj^os,  lat.  eremus,  bei 
Frudentius  eremus  (fervebat  via  sicca  erfemi  serpentibas  atris),  mlat. 
ermus,  heraus,  so  daß  die  rotnan.  spräche  hier  dem  griech.  accent  folgte. 
Abgel.  neupr.  hermas  heide. 

Ervo  und  lero  (aus  Tervo)  it.,  sp.  yervo,  yero,  pr.  fr.  ers  eine 
Hülsenfrucht;  von  ervum,  die  form  ers  vielleicht  durch  einwirkung  des 
dtschen  erbse,  ahd.  arwiz.  Aus  dem  abgeleiteten  lat.  ervilia  (wiche)  ent- 
stand sp.  arveja,  alverja,  com.  erbeja,  it.  rubiglia,  letzteres  mit  umge- 
stelltem r  (ebenso  rigoglio  neben  orgoglio),  dsgl.  mail.  erbion  für  erviglione. 

E sca  it.  pr.,  altfr.  eche  G.  Guiart  I,  156,  sp.  yesca,  wal.  easc^ 
sunder;  vom  lat.  esca  lockspeise  (des  feuers).  Schon  Isidorus  kennt  die 
neuere  bedeutung:  esca  vulgo  dicitur  (fungas),  quod  sit  fomes  ignis. 
Das  einfache  vb.  escar  in  der  bed.  ködern  besitzet  nur  die  prov.  mund- 
art,  pr.  iscar  hei  fit  die  angel  mit  köder  versehen,  sard.  escai  ätzen,  füttern; 
zsgs.  it.  adescare,  sp.  enescar.  Von  esca  ist  auch  sp.  es  quer  o  großer 
lederner  beutet  für  feuerzeug  u.  dgl. 

Escamel  sp.  pg.  ein  bankartiges  geräthe  der  schwertfeger,  pr.  es- 
caimel,  altfr.  eschamel  ein  bänkchen,  schemel;  nicht  von  scabellum  (it. 
sgabello,  fr.  escabeau,  cot.  escambell  u.  s.  w.)9  wie  Grandgagnage  I, 269 
richtig  bemerkt,  sondern  von  der  form  scamellum  (al.  scamillum,  scam- 
nellum)  bei  Priscian  aus  Aptdejus. 

Escanciar  sp.,  escancar  pg.,  eschancer  altfr.  einschenken  (chw. 
schanghiar  schenken,  dono  dare);  sbst.  /r.  echanson,  sp.  escanciano, 
pg.  escangäo  der  schenke;  vom  ahd.  scencan,  sbst.  scenco,  ursprünglicher 
scanejan,  scancjo,  woher  zunächst  das  mlat.  scancio,  scantio  L.  Sal.  11, 1 
(cod.  fuld.).  Vom  nhd.  schenken  aber  leitet  man  fr.  chinquer  zechen, 
wofür  mundartlich  aber  auch  chiquer  vorkommt,  s.  Biet.  Genev.  v.  chique. 
Die  üal.  spräche  hat  scanefa,  scansfa  gesteil  mit  fächern  für  gläser 
oder  bücher  =  mlat.  scancia  schenke,  bair.  schanz. 

fescara  it.,  sp.  pg.  escara,  fr.  escarre  schorf,  grind;  vom  lat. 
eschära  (£o%aQa). 

Escire  it.,  gewöhnt,  uscire,  wal.  esi,  altsp.  exir,  pr.  altfr.  eissir, 
issir,  ussir  ausgehn;  von  exire.  Zsgs.  it.  ri uscire,  fr.  röussir  wohl  aus- 
gehen, gelingen,  altfr.  rissir  wieder  ausgehn.  Was  die  formen  uscire  und 
issir  betrifft,  so  darf  einmischung  des  sbst.  uscio,  altfr.  us  thüre  ver- 
muthet  werden;  Castdvetro  II,  261  leitet  das  verbum  gradezu  daher  ab. 
Man  lebt  im  hause,  nicht  im  freien :  thüre  wird  darum  zuerst  als  ausgang, 
nicht  als  eingang,  gefaßt,  lat.  foras  ire,  gr.  xtvQaCe  eQxeo&au,  drücken  die 
Bewegung  von  innen  nach  der  thüre  und  durch  dieselbe  aus;  bask.  athea 
ist  =  it.  uscio,  atheratu  =  uscire. 


128  I.   ESCLUSA-ESSEKE. 

Esciusa  sp.,  äcluse  fr.  schleuse,  mUst.  exclusa,  sclnsa  L.  Sei.,  Greg. 
Tur.,  Venant.  Fort.;  von  excludere,  nicht  vom  ahd.  sliozan  schließen, 
das  eher  fr.  öcluce,  äclusse  erzeugt  haben  würde,  darum  auch  ndl.  slnys, 
nicht  gluyt. 

Escupir  sp.  pg.,  pr.  dltfr.  escopir,  escupir,  und.  scuipa  speien, 
alb.  scüpira  auswurf.  Umstellung  aus  exspnere  (ecspuere)  wäre  nicht 
gegen  den  geist  wenigstens  der  span.  spräche,  aber  dem  weit  verbreiteten 
warte  (vgl.  Dief.  Goth.  wb.  II,  296)  scheint  eine  eigne  würzet  zuzukommen. 

Esmar  j?r.,  dltfr.  esmer,  oitsp.  altpg,  asmar,  osmar  Trav.  schätzen; 
sbst.  pr.  dltfr.  esme,  cot.  esma,  acc.  Ime,  lothr.  aume  Schätzung;  von 
aestimare.  Zsgs.  pr.  azesmar  d.  i.  adaestimare  (oft  asesmar  geschr.) 
berechnen,  bereiten  (Übergang  vom  gedanken  zur  that,  wie  etwa  im  mhd. 
reiten  computare,  parare):  a  son  colp  azesmat  er  hat  seinen  streich  wohl 
berechnet,  hat  wohl  gezielt  Fer.  1636;  mit  Wandlung  des  s  in  r  azermar, 
endlich  auch  sermar.  Von  azesmar  ist  das  dltfr.  acesmer  ordnen  z.  b. 
la  bataille,  altgenues.  acesmar  Arch.  stör.  Ual.  num.  18,  p.  34.  39,  gewiß 
auch  Dante' s  accismare  zurichten  Inf.  28,  37,  das  man  sonst  aus  cisma 
(oxiotia)  erklärt;  aber  auch  azzimare,  sp.  azemar,  welches  mit  gr.  aCpilog 
nichts  gemein  haben  kann.  Esmar,  pic.  amer,  findet  sich  wieder  im  engl. 
aim  beabsichtigen,  zielen,  mhd.  amen,  aemen  mit  letzterer  bedeutung. 

ßssere  it.,  pr.  chw.  6sser,  fr.  fetre,  sp,  pg.  ser  vb.  sein.  Daß  man 
lat.  esse,  um  ihm  die  gestalt  eines  rom.  infinitivs  zu  leihen,  in  essere 
erweiterte  (sard.  neben  essiri  noch  essi),  liegt  auf  der  hand,  und  diese 
büdung  kommt  in  alten  Urkunden  mehrmals  vor,  z.  b.  impf.  coty.  esseret 
Fumag.  p.  18  (vor  dem  j.  750),  vgl.  Ducange.  Franz.  mußte  sich  das 
wort  in  die  form  estre,  fetre  kleiden  wie  tessere  (texere)  in  die  form 
tistre,  tttre,  und  auch  jene  form  läßt  sich  früh  nachweisen.  Span,  ser 
aber,  das  in  der  alten  spräche  seer  geschrieben  und  zweisilbig  gesprochen 
ward,  kann  nur  von  sedere  lierrühren,  wie  Born,  gramm.  II,  174  aus- 
geführt ist.  Dies  verbum  hatte  schon  im  latein  die  bed.  sich  wo  befinden, 
bleiben  oder  wohnen  entwickelt,  und  so  brauchte  es  das  mittelatter  sehr 
häufig:  wenn  es  der  Römer  z.  b.  hin  und  wieder  einmal  auf  die  läge 
einer  stadt  anwendet  (Campo  Nola  sedet),  so  ist  es  später  der  übliche 
ausdruck  bei  städten  oder  bergen,  z.  b.  mons  in  valle  sedet  Venant.  Fort. 
3,  10;  dltfr.  ü  Borne  seit  wo  Rom  liege  Brt.  I,  p.  3,  ebenso  sied  bei 
Froissart;  it.  siede  la  terra  sulla  marina  Inf.  o,  97 ;  rivo  o  fönte  siede 
ombrosa  valle  Petr.  canz.  17,  1.  Gerne  verband  es  sich  zumal,  als  ein 
intensiveres  hülfsverb,  mit  participien:  ut  orbata  filiis  sedeas  Greg.  Tur. 
5,  40;  de  hac  causa  ductus  sedeat  Form.  Marc.  1,  38;  besonders  häufig 
in  Spanien:  non  sedeat  dimissum  sei  nicht  entlassen  Esp.  sagr.  XXXVI, 
p.  XXVIII  (v.j.  1020);  quod  sedeamus  perjuratos  XL,  411  (v.j.1032); 
sedeat  excusato  SRos.  I,  54  (v.  j.  1189).  So  denn  auch  aitsp.  seo  bien 
pagado  Bc.  Mil.  816;  en  la  su  merced  seo  Bc.  SDom.  757.  Endlich 
mischte  sich  sedere  entschieden  mit  esse,  es  lieh  ihm  den  imperativ  (s6, 
sonst  sey),   das  gerundium,    das  particip.  prät.   (sido,  sonst  seYdo),   den 


I.  ESSO-ESTRIBO.  129 

» 

infinüiv,  vielleicht  auch  das  präs.  conj.  (sea,  sonst  seya),  zuweilen  auch 
das  mperfect  (altpg.  sia  für  era,  SBos.  v.  syha).  Man  halte  dazu  goth. 
visan  tooAn^n,  bleiben,  sein,  Grimm  IV,  821. 

Esso  it.,  alt  isso,  sp.  ese,  pg.  esse,  .pr.  eis,  älter  eps  JBtfA.,  Pass. 
(fe  J.  Chr.,  wal.  insu,  pronomen,  von  ipse,  a&sp.  essi  von  ips'  hie.  -4fe 
JMitfrum  oder  adverbium  verbindet  sich  esso  0/2  mft  Partikeln,  wie  im  it. 
lunghesso,  sovresso,  im  pr.  aneeis  (?),  demanes,  vgl.  lat.  nunc  ipsum, 
isthuc  ipsum  Terent.  Andr.  1,  2,  13,  sp.  ahora  mismo;  mit  dem  dtschen 
da-selbst  stimmt  das  pr.  aqui  eis  (im  Jaufre  oft)  wörtlich  Hierein.  Eine 
zss.  für  lat.  nunc  (auch  perpetuo)  ist  it.  ade s so,  altsp.  adiesso,  pr. 
atifr.  ades  von  ad  ipsum;  gleichbed.  altit.  issa  (churw.  ussa)  von  ipsa 
sc.  hora  =  altsp.  esora.  Ein  andres  adverb.  kennt  nur  der  nordwesten: 
pr.  epsamen,  eissamen,  altfr.  esement  Ben.  III,  400,  essement  Carp., 
essiment  Greg.  441.  443,  s.  v.  a.  lat.  eodem  modo,  pariter,  wofür  altfr. 
ensement  {mit  eingeschobenem  n)  weit  üblicher,  pr.  ensament  ziemlich 
selten  ist,  da  es  wohl  nur  im  Jaufre  vorkommt.     Vgl.  auch  des. 

Esto  altit.,  sp.  pg.  este,  pr.  est,  altfr.  ist  (in  den  Eiden) \  wal.  ist, 
aist,  pronomen,  von  iste.    Zsgs.  it.  questo,  eotesto  s.  II.  a. 

Estribo  sp.  pg.,  cot.  estreb,  pr.  estrep  Jfr.,  estreup  (estruep  Chx. 
III,  143),  estriub,  estrieu,  estriop  GO.,  altfr.  estreu  Ben.,  estrief  PMousk. 
Steigbügel;  abgd.  sp.  estribera,  pg.  estribeira,  pr.  mit  u  für  i  estru- 
bieira,  fr.  ötriviere  und  masc.  6trier  (zsgz.  aus  ätrivier?).  Das  itdl.  ge- 
biet setzt  staffa  an  die  stelle  dieses  wortes.  Estribo  und  estriub,  für  die 
doch  schwerlich  zwei  verschiedene  quellen  anzunehmen  sind,  decken  sich 
nicht  vollkommen,  da  pr.  u  dem  sp.  b  hinlänglich  antwortet  (vgl.  sp.  es- 
cribo,  pr.  escriu,  escrieu),  b  oder  p  also  nochmals  beigefügt  sein  müßte: 
in  der  form  estrubieira  ist  einfluß  des  diphthonges  (in)  anzunehmen  und 
es  scheint  nicht  nöthig,  strüpus  {für  struppus)  zu  hülfe  zu  rufen.  Die 
frans.  Wörter  zeigen  dagegen  nichts  anomales.  Entschieden  abzulehnen  ist 
Salmasius'  herleitung  (von  ätrivi&re)  aus  gr.  doTgaßr]  hölzerner  sottet,  in 
den  Isid.  glossen  Habella,  in  qua  pedes  requieseunf,  also  fußbänkchen,  in- 
dem weder  die  bedeutung  noch  der  tonvocäl  passen,  s.  Caseneuve  v.  ätrieu. 
Frisch  II,  348  führt  das  rom'.  wort  auf  das  nds.  striepe  lederschlinge 
zurück.  Wackernagel  verweist  dagegen  auf  mhd.  stege-rei^  mndd.  sti-reip, 
für  die  bedeutung  genügend  und  auch  der  form  nicht  widersprechend,  wenn 
man  es  in  streep  zusammenzieht;  das  engl,  stirrup  könnte  uns  sogar  das 
pr.  estreup  erklären,  wenn  jene  form  hoch  genug  hinauf  gienge  (ags. 
stfgrap,  stlrap).  Zu  dem  Substantiv  gesellt  sich  noch  ein  verbum:  sp.  pg. 
pr.  estribar,  cot.  estrebar  stützen,  sich  stützen  (der  bügel  ist  des  reitet s 
stütze),  port.  auch  den  fuß  in  den  bügel  setzen,  altfr.  des-estriver  aus 
dem  bügel  bringen  (del  destre  pi6  l'a  tout  desestrivä  RCam.  p.  159) ; 
eine  prov.  nebenform  estrubar  knüpft  dieses  verbum  fester  mit  dem  Sub- 
stantiv zusammen.  Dazu  kommt  ein  altsp.  compositum  eostribo  stütze, 
costribar  sich  anstrengen.  Merkwürdig  ist,  daß  dieses  costribar  auch  die 
bed.  von  constipare,  so  wie  sp.  estribar  die  von  stipare  hat  d.  h.  stopfen, 

9 


130  I.   ESTKO— FACCIA. 

anfüllen :  sollten  sie  mit  eingeschobenem  r  daraus  entstanden  sein  ?  AUein 
ihr  Zusammenhang  mit  estribo  ist  evident;  stipare  kann  sich  eingemengt 
haben.  Entschieden  erinnert  estribar  an  unser  streben,  estribo  heißt  auch 
Strebepfeiler,  aber  die  bed.  bügel  ist  unserm  strebe  fremd.  WoJd  aber  passt 
streben  zu  alt  fr.  estriver  kämpfen,  (mhd.  z.  b.  mit  dem  tievel  streben), 
sbst.  estrif  kämpf  (woraus  bret.  strif,  engl,  strife),  auch  pr.  estri-s.  Frei- 
lich estrit  im  Leodegar  str.  10  trifft  genau  mit  ahd.  strft  Busammen,  und 
selbst  estriver  konnte  aus  strttan  entstehen.  —  Wir  haben  hier  wieder  ein 
beispiel  von  der  Unsicherheit  etymologischer  kunst  auf  einem  gebiete,  wo 
sich  sinn-  und  lautverwandte  Wörter  berechtigter  sprachen  von  edlen  Seiten 
zudrängen,  ohne  daß  es  sich  entscheiden  läßt,  ob  eins  oder  mehrere  der- 
selben an  einem  roman.  produete  theil  haben  mögen.  —  Nicht  verschieden 
von  dem  behandelten  werte  scheint  sp.  estribo,  estribillo  schlußreim,  refrän, 
eigentl.  worauf  man  sich  stützt  wie  auf  den  Stegreif,  worauf  man  stets 
zurückkommt.  Daher  vermuthlich  in  hinsieht  auf  die  poetische  form,  altsp. 
estribote  (escarnios  &  laydos  estribotes  Bc.  SDom.  648),  altfr.  estri- 
bot,  estrabot  (vers  ne  firent  e  estraboz  ü  out  assez  de  vilains  moz 
s.  Ben.  I,  p.  288),  pr.  estribot  PO.  p.  324  spottlied.  Vgl.  strambo. 
Estro  it.  sp.  begeisterung ;  von  oestrus  (oiotqoq)  gleichbedeutend. 

F. 

Faccenda  it.,  pg.  pr.  fazenda,  sp.  hacienda,  oitfr.  faciende  ge- 
schaß ;  plur.  des  partieips  faciendum.  Span.  port.  bedeutet  es  zumal  Ver- 
waltung der  guter  so  wie  die  verwalteten  guter  selbst,  Oberhaupt  habe, 
vermögen,  daher  it.  azienda.  Geschäfte  und  landgut  heißt  auch  das  pr. 
afar,  s.  oben  affare. 

Facchino  it.,  sp.  faquin,  fr.  faquin  sackträger.  In  dieser  bedeu- 
tung  führt  Nicot  das  franz.  wort  an,  aber  als  ein  aus  Itcdien  gekommenes. 
Jetzt  heißt  es  wicht,  scheint,  stroh-  oder  hclzfigur,  wonach  man  rannte, 
mdartl.  (norm.  pic.  betr.  u.  s.  w.)  geputzter  mann,  stutzet.  Läßt  sich  sein 
früheres  vorkommen  im  franz.  erweisen,  so  ist  vermuthlieh  ein  älteres  ndl. 
vant-kin  (veyntken  KU.)  =  neundl.  ventje  junger  bursche  (kerlchen) 
darin  enthalten  und  das  wort  hat  sich  in  derber  bedeutung  (kerl)  aus 
Frankreich  weiter  verbreitet.  Die  herleitung  aus  fascis  kann  natürlich 
nicht  genügen;  eher  wäre  arab.  faqir  arm,  dürftig  Freyt.  III,  363*  her- 
anzuziehen. Sicil.  facchinu  heißt  schenkwirth.  —  [Schder  unterstützt  die 
obige  vermuthung  noch  durch  hinweisung  aa/"maimequin:  auch  dieses  gieng 
von  der  bed.  männchen  aus  und  gelangte  zur  bed.  hölzerne  puppe.] 

Faccia  it.,  wal.  fatze,  pr.  fassa,  fr.  face,  dsgl.  pr.  fatz,  sp.  haz 
(facha  aus  dem  ited.),  pg.  face  gesicht;  von  facies,  doch  führen  die  vier 
ersten  formen  auf  ein  altrom.  fecia,  das  sich  bereits  in  den  Gasseier  glossen 
vorfindet:  facias  'wangun.  Dieselbe  form  bekennt  auch  das  span.  eis 
Präposition  für  lat.  versus  gebrauchte  häcia  (fäcia):  andaba  hacia  (&) 
la  puente  heißt  eigentl.  "er  gieng  das  gesicht  nach  der  brücke  gewandt9, 


I.  FAGGIO-FALAVESCA.  131 

vgl  Mayans  y  Sisear  I,  70.    Zsgs.  pr.  es-fassar,  /r.  effacer  auslöschen, 
fügen,  eigenÜ.  das  ansehn  entstellen,  unkenntlich  machen. 

Faggio  it.,  fetj  cot.,  fem.  sp.  haya,  pg.pr.  faia  buche,  altfr.  fage 
(f.)  buchenwald;  vom  adj.  fageus,  fagea,  eine  für  verschiedene  namen  der 
bäume  gewählte  form.  Aber  auch  das  sbst.  fagns  verlor  sich  nicht:  toal. 
fag,  sie.  fegu,  fau,  pr.  chw.  henneg.  fau,  altfr.  fo,  feu  LR.,  lomb.  gen.  fo ; 
schon  in  den  Erfurter  glossen  322,  34  ganz  romanisch  fau  carbor  i.  e. 
boc  (buche).  Eine  abl.  ist  fr.  fouteau  buche,  früher  wahrscheinlich  fou- 
eao,  wie  noch  pic.  fo-iau  s.  H&cart,  nachher  t  eingeschoben;  fr.  fatne 
buchecker,  altfr.  lothr.  fitfne,  vom  adj.  faginea,  zsgz.  fdgina,  wie  schon  in 
den  Schlettst.  glossen  VI,  214  aeeentuiert  wird;  dafür  it.  faggiuola,  sp. 
Muco  (statt  fagueo)  mit  demselben  suffix  wie  in  almendrueo  mandel,  cot. 
fatja  d.  i.  fagea. 

Fag otto,  fangotto  it.,  pr.fr.  fagot,  sp.  fogote  reisbündel,  reiswelle, 
daher  engl,  faggot,  kymr.  ffagod  (f.).  Auch  ein  blasinstrument  wird  so 
genannt,  wahrscheinlich,  weil  es  sich  in  mehrere  theüe  zerlegen  und  wie 
ein  reisbündel  Jmsammenpacken  läßt.  Fax  facis  bedeutet  ursprüngl.  ein 
bündd  Späne,  gr.  qxxxelog,  hieraus  fagotto  mit  anschtießung  an  die  nomi- 
nativform fac-s  {nicht  an  fac-em,  it.  face)  und  erweichung  der  kehltenuis 
in  die  media  wie  im  it.  sorgo  aus  sorec-8,  sp.  perdigon  aus  perdic-s, 
pr.  lugor  aus  luc-s;  wegen  der  ähnlichkeit  mit  einem  bündel  späne  konnte 
der  name  einer  reiswelle  aus  fax  gebildet  werden,  um  so  mehr  als  sie 
gleichfalls  zum  brennen  bestimmt  war.  Das  sp.  fogote  ist  wohl  aus  dem 
frone,  entlehnt  und  dankt  seine  abweichende  form  einer  umdeutung  mit 
fuego,  dem  Portugiesen  und  Catalanen  fehlt  das  wort  ganz.  Fax  scheint 
sich  erhalten  zu  haben  im  wal.  hac  reisbündel  (so  ja  auch  nuc  von  nux), 
das  nickt  von  fagus,  wal.  fag,  herrühren  kann.  Von  fagus  leiten  andre 
auch  fagotto,  aber  wäre  daraus  nicht  fr.  fayot  geworden?  wenigstens  haben 
wir  eben  gesehen,  daß  fagus  seine  kehlmedia  nirgends  festhält 

Fafna  it.,  ebenso  mit  radicalem  a  cot.  fagina,  neupr.  faguino,  fa- 
hino,  altfr.  fayne,  mit  radicalem  ou  neufr.  fouine,  daher  wohl  sp.  fuina, 
pg.  fuinha,  vgl.  ven.  fuina,  foina,  lomb.  piem.  foin  marder.  Nach  Adelung 
vom  dtschen  fehe  ausländischer  marder,  ags.  fag,  fah  bunt,  gemalt,  glän- 
zend, goth.  f&ih  (letzteres  von  Grimm  P.  94  gefolgert).  Im  franz.  müßte 
der  stammvocal  ausgeartet  sein,  fast  wie  in  poele  aus  patella.  Dagegen 
deutet  Diefenbach  das  wort  mit  berufung  auf  die  catal.  form  und  auf 
unser  'buchmarder  aus  fagus.  Dieser  deutung  beistimmend  darf  man  sich 
m  betreff  des  fr.  fou-ine  auf  das  altfr.  fo  (s.  oben  faggio)  berufen.  Seit- 
sam  ist  das  churw.  fierna,  fiergna.  Von  dem  subst.  kommt  ein  verbum 
genf.  fouiner,  henneg.  founier,  lomb.  fognä,  ausspüren,  durchsuchen,  wie 
fr.  fureter  durchstöbern  von  füret  frettchen,  it.  braccare  nachspüren  von 
braeco  Spürhund.  Das  wallon.  vb.  fougnl  hält  Grandgagnage  lieber  für 
das  /r.  fouiller:  fouine  lautet  hier  faweine. 

Falavesca  it.  (s.  Menage)  flugasche,  pg.  fafsca,  altsp.  fufsca  funke; 
vb.  pg.  faiscar  sprühen.    Falavesca  ist  versetzt  aus  favalesca  für  favil- 


132  I.   FALBALA- FALDA. 

lesca  von  favilla  glühende  asche,  mundartl.  z.  b.  veron.  parm.  cretnon. 
faliva;  faisca  entstand  vermöge  der  bekannten  abneigung  des  Portugiesen 
vor  1;  faisca  steht  wohl  für  foisca,  dies  für  fovisca  felvisca  (vgl.  topo, 
lat.  talpa).  Das  ahd.  falawisca  ist,  wie  Diefenbach  bemerkt,  romanischer 
herkunft.  Dasselbe  suffix  zeigt  auch  das  synonyme  fr.  flammöche  von 
flamma. 

Falbalä  it.  sp.  pg.  fr.,  span.  auch  farfalä,  cremon.  parm.  frambalä, 

pietn.  farabalä,   henneg.  febala  gefältelter  besäte  an  weiberröcken,  falbel. 

Unbekannter  herkunft   Es  ist  kaum  der  erwähnung  werth,  daß  es  Genin, 

Recreat.  philol.  I,  11,   aus  einer  Verlängerung  des  sinnverwandten  sp. 

felda  erklärt. 

Falbo  it.,  sp.  fehlt,  pr.  falb,  fr.  fauve  helvus,  güvus.  Nicht  wohl 
von  flavns,  denn  1  pflegt  die  anlautende  muta  nicht  zu  verlassen;  sicherer 
vom  ahd.  falo,  flectiert  falwer,  dessen  w  im  ital.  eben  sowohl  wie  im  nhd. 
falb  zu  b  werden  konnte.  Falbus  Gl.  Paris,  ed.  Hild.,  falwug  GL  Lin- 
denbr.,  falvus  ^fvlvus,  dvus  color  Papias. 

Falcare,  diffalcare  it.,  sp.  pg.  desfelcar,  fr.  däfelqner  einen  ab- 
zug  machen  von  einer  summe.  Die  übliche  herleitung  ist  von  feix,  so  daß 
es  hieße  absicheln,  was  zu  seiner  bedeutung  übel  passt.  Es  ist  vielmehr 
ganz  deutsch:  ahd.  falgan  berauben,  abziehen,  nach  härterer  ausspräche 
felcan.  Wäre  das  deutsche  wort  aus  dem  romanischen,  so  lautete  es  fei- 
chan,  felachan. 

Falcone  it.,  sp.  halcon,  pg.  falcäo,  pr.  felco,  fr.  fencon,  spätgr. 
qxxkmov  (Suidas),  nebst  den  nominativformen  it.  falco,  pr.  falcx,  aitfr. 
faucs  ein  raubvogd,  ahd.  falcho;  vom  lat.  felco,  erst  bei  Servius  ad  Arn. 
10,  146,  gebildet  von  feix,  also  eigentl.  sichelträger  wegen  der  stark  ge- 
krümmten krallen  des  vogels,  vgl.  felcnla  kleine  stehet,  kralle.  Nach 
Festus  nannte  man  falcones  auch  menschen  mit  eingekrümmter  großer 
zehe,  quorum  digiti  pollices  in  pedibus  intro  sunt  curvati.  Über  das 
Verhältnis  des  gael.  feolchon  und  kymr.  gwalch  zum  neulat.  warte  s. 
Diefenbach,  Orig.  europ.  p.  340.  —  Dem  Mittelalter,  welches  die  beize 
liebte,  lag  es  nahe,  einer  Schußwaffe  oder  einem  wurfgeschütz  den  namen 
eines  stoßvogels  beizulegen,  welcher  name  denn  auch  auf  die  feuerwaffm 
der  neueren  zeit  übergieng,  und  so  heißt  falcone,  felcon,  fencon  (woher 
unser  falkanne)  ein  schweres  geschütz,  falconetto,  falconete,  fouconneau 
ein  leichteres,  fddschlange.    Vgl.  unten  moschetto,  sagro,  terznolo. 

Falda  it.,  sp.  falda,  halda,  pg.  fralda,  pr.  feuda,  oXtfr.  feude  der 
untere  faltige  theil  eines  kleidungsstücks,  schooß,  säum;  vom  ahd.  feit,  ags. 
feald  plica,  welcher  bedeutung  sich  das  chw.  falda  genauer  anschließ. 
Das  it.  sp.  pg.  wort  bedeutet  amh  die  biegung  oder  den  abhang  eines 
berges  bis  zu  seinem  fuße  d.  h.  den  untern  wie  bei  einem  rock  sich  aus- 
breitenden theil  desselben:  es  ist  also  nicht  nothwendig,  ihm  in  diesem 
sinne  das  ahd.  halda,  nhd.  halde  unterzulegen,  auch  kommt  f  aus  h  vor 
vocdlen  im  span.  wenig,  in  der  ital.  Schriftsprache  gar  nicht  vor,  Vb.  altfr. 
fand  er  plier  Bog.,  von  fei  tan. 


I.  FALDISTORIO-FANGO.  133 

Faldistorio  it.  sp.  pg.,  altfr.  faudestaeil,  nfr.  fauteuil  lehnsessel; 
vom  ahd.  faltstuol,  weil  er  zusammengefallen  werden  konnte  wie  die  römische 
sella  curulis.  Für  faldistorio  findet  sich  aitsp.  auch  facistor,  facistol, 
das  jetzt  hirchenpult  bedeutet,  vermutUich  von  falz-stuol.  Dahin  auch  it. 
palchistuolo  Wetterdach  (von  palco). 

Fallire  it.,  altsp.  altpg.  fallir  falir  (jetzt  fallecer  falecer),  pr.  fr. 
faillir  fehlen,  verfeMen,  täuschen,  daher  unser  fehlen,  mhd.  vaelen;  von 
fidlere.  Aus  den  starken  formen  des  fr.  faillir,  das  ehedem  im  perf.  und 
im  part.prät.  doppelformig  war,  gestaltete  sich  ein  zweites,  unpersönliches 
verbum  mit  der  bed.  nöthig  sein,  präs.  fant,  pf  fallut,  part.  fallu,  inf. 
falloir,  altfr.  faldre,  faudre  NFC.  I,  26:  il  me  fant  =  tat.  me  fallit 
es  entgeht  mir,  ist  mir  nöthig.  Aus  fallire  ist  das  subst.  it.  fallo, 
falla,  aitsp.  falla  Sanchez  gloss.,  und  so  pr.  falha,  altfr.  faule,  selbst 
Mit.  faglia  Trucch.  I,  52.  86,  PPS.  I,  48  mangd,  fehler;  freilich  schon 
tot.  bei  Nonius  falla,  fala  für  fallacia,  allein  gegen  diesen  Ursprung  zeugt 
das  erweichte  11  der  franz.  formy  da  dies  regelrecht  nur  vor  oder  nach 
i  aus  lat.  11  entspringt.  Aus  dem  Substantiv  floß  das  vb.  it.  fallare  täu- 
schen, sp.  fallar  verläugnen,  chw.  fallar  fehlschlagen. 

Falö  it.  freudenfeuer,  fr.  falot  laterne;  von  q>avog  leuchte,  oder  von 
(paQog  leuchtthurm,  vgl.  piem.  farö,  ven.  fand.  Adj.  it.  falotico  wunder- 
lich (flackerig?).  Von  q>avog  ist  auch  it.  f anale,  sp.  fr.  fanal  schiff s- 
laterne. 

Faltare  it.,  sp.  pg.  faltar  mangeln,  fehlen;  daher  sbst.  it.  sp.  pg. 
falta,  fr.  fante  mangd,  fehler,  und  aus  diesem  subst.  das  sp.  pg.  adj. 
falto  mangelhaft;  zsgs.  it.  diffalta,  pr.  defanta,  altfr.  defaute,  masc. 
neufr.  d6faut  s.  v.  a.  falta.  Das  verbum  ist  ein  rom.  iterativ  von  fallere, 
also  syncopiert  aus  fallitare. 

Famiglio  it.,  altsp.  altpg.  famillo,  familio,  churw.  famaigl  diener, 
häseher;  moviert  aus  familia,  vgl.  sp.  manceba  aus  mancipium,  worin 
ein  feminin  aus  einem  neutrum  moviert  ward,  Rom.  gramm.  II,  297. 

Fanfa  altsp.  pr  ahler  ei;  it.  fdnfano,  sp.  fanfarron,  fr.  fanfaron 
prahlerisch,  fanfare  trompetenschall;  dsgl.  sp.  farfante,  occ.  farfan- 
taire  großsprecher;  wohl  nur  naturausdrücke. 

Fanfalnca  it.  loderasche,  figürl.  possen,  fr.  fanfreluche,  alt  fanfe- 
lue,  flüterbram,  norm,  fanflue  blitzen  vor  den  äugen.  Die  Flor,  glossen 
haben:  famfaluca  graece,  bnlla  aqnatica  latine  dicitur.  Es  ist  entstellt 
aus  pompholyx,  das  zugleich  Wasserblase  und  hüttenrauch  bedeutet.  Eine 
abkürzung  scheint  maü.  fanfhlla,  com.  fanfola,  sie.  fanfonj  (pl.)  possen; 
eine  noch  stärkere  das  ältfr.  falue  Parton.  I,  30;  eine  ableitung  fr.  fre- 
luquet  geck,  Stutzer,  für  fanfreluquet. 

Fango  it.  sp.,  pr.  altfr.  fanc,  fem.  lomb.  fanga,  pr.  fanha,  fr. 
fange,  norm,  fangue  schlämm.  Vom  goth.  fani  (n.),  gen.  fanjis,  dessen 
i  oder  j  sich  in  fanha  phonetisch  ganz  richtig  durch  h  darstellte,  sonst 
aber  zieh  zu  g  oder  c  verhärtete,  vgl.  lat.  venio,  ü.  vengo,  pr.  venc. 
Die  Bretonen  haben  fank  aus  dem  altfranz.,  wenn  auch  Pictet  p.  32  es 


X 


134  L  FARDO— FASTIDIO. 

nebst  dem  ir.  fochall  zu  sanskr.  panka  ordnet.  Das  adj.  fangoso,  fen- 
geux,  stimmt  zwar  buchstäblich  zu  dem  von  Festus  angeführten  famicosus 
palustris  (von  famex  nach  0.  Müller),  muß  aber  folgerecht  auf  fango 
zurückgeleitet  werden.     Vgl.  hiereu  Grandgagnage  II,  p.  XXIII. 

Fardo  sp.  pg.  schwerer  pack,  ballen;  sp.  fardillo,  pg.  pr.  fardel 
bündel,  reisesack,  fr.  fardeau  last,  bürde;  sp.  farda,  alfarda  kerbe  in 
einem  bälken,  dsgl.  eine  gewisse  abgäbe,  pg.  farda,  alfarda  soldatenrock; 
sp.  farda ge,  pg.  fardagem,  it.  fardaggio  soldatengepäck.  Die  nur  im 
Südwesten  heimischen  primitiva  lassen  arab.  Ursprung  vermuthen.  Hier 
heißt  far  d  (fardon)  kerbe  des  pfeils,  gesetzliche  Zahlung,  löhnung  des 
Soldaten,  tuch,  Meldung  Freyt.  III,  335",  und  hierzu  passen  die  bedeu- 
tungen  von  farda.  Weniger  die  von  fardo,  aber  sein  dimm.  fardel  be- 
deutet doch  auch  die  ausstattung  einer  braut  mit  kleidern,  nicht  bloß 
bündel:  sonst  dürfte  man  auch  cm  arab.  chard  impedimentum  Gol.  695 
denken. 

Farfalla  it.  Schmetterling,  auch  figürlich  flotter geist,  wal.  ferf&le  mit 
letzterer  bedeutung  (aus  dem  ital.?),  bask.  nlifarfalla  (ulia  mucke);  pg. 
farfalhas  plur.  metallschnitzd  vom  prägen,  dsgl.  auf  Schneiderei;  vb.  it. 
sfarfallare  aufschneiden,  wind  machen,  neupr.  esfarfalhä  ausstreuen 
(fr.  ^par piller).  Aus  papilio  ward  it.  parpaglione  und  vielleicht  durch 
einfluß  des  ahd.  fifaltra  (Schmetterling)  farfaglione,  farfalla.  übrigens 
trifft  man  farfall  auch  im  schwedischen.  Menage' s  erklärung  aus  gr.  (paklrj 
(fj  neTiüftivt}  xpvxfj  Hesych.),  durch  reduplication  fafalla  farfalla,  seiet 
einen  Vorgang  voraus,  den  nur  franz.  mundarten  (henneg.  beträte  von  träte) 
kennen.  Anzumerken  ist  noch  comask.  farf&tola  in  der  bemerkten  figür- 
lichen bed.  flattergeist,  sard.  parabatula,  barabatula  in  der  eigentlichen. 
Etymologisch  zu  trennen  von  farfalla  ist  churw.  fafarinna  d.  i.  lat.  fac 
farinam  mach'  mehl:  der  Schmetterling  wird  müller  genannt,  weil  er  be- 
stäubt ist;  auch  bei  uns  nennen  ihn  die  kinder  müller  mahler.  Damit 
trifft  der  sardische  ausdruck  faghe-farina  zusammen. 

Farfogliare  neap.,  lomb.  farfojä,  sp.  farfallar,  henneg.  farfoulier 
stottern;  von  ähnlicher  bedeutung  arab.  farfara  viel  und  verworren  reden 
Freyt.  III,  339h. 

Farsa  it.  sp.pg.  aus  dem  fr.  farce  dramatische posse,  ursprünglich, 
wie  noch  im  franz.,  füllsel,  daher  nach  der  ansieht  der  franz.  litterär- 
historiker  ein  gemenge  von  allerhand  gegenständen;  vom  pari,  farsus  aus- 
gestopft,  woher  auch  it.  farsetto  wams  d.  h.  etwas  ausgestopftes.  Daß 
die  begriffe  des  lat.  satira  denselben  gang  genommen,  erinnert  Wacker- 
nagel. Von  farsa  ist  wohl  auch  pg.  disfarzar,  sp.  disfrazar  (cat.  dis- 
fressar!)  verkleiden,  maskieren,  wie  in  den  Schauspielen. 

Fascio  it.,  sp.  faxo  und  als  zweite  form  haz,  pg.  feixe,  fr.  faix 
bund,  bürde;  von  fascis.  Abgel.  it.  fastello  (für  fascettello),  fr.  feis- 
ceau  bündel;  it.  fascina,  sp.  faxina,  hacina  u.  s.  w.  reisbündd;  vb.  pr. 
affaissar,  fr.  affaisser  niederdrücken. 

Fastidio  it.,  sp.  fastio,  hastfo,  jenes  auch  pg.,  cat.  fastig,  pr.  fastig, 


L  FATA-FELCE.  135 

fastic,  fasti,  altfr.  fasti  Roq.  Überdruß,  Widerwille,  von  fastidium;  daher 
vb.  it.  fastidiare,  altsp.  hastiar,  pr.  fastigar,  fasticar,  fr.  fascher, 
facher  Überdruß  machen,  ärgern;  adj.  it.  fastidioso,  altsp.  hastioso, 
cot.  pr.  fastigos,  fr.  facheux,  lat.  fastidiosus.  Auffallend  ist  in  einigen 
sprachen  der  ungesetzliche  übertritt  des  lat.  di  oder  dj  in  gutturales  g 
oder  c,  der  sich  kaum  anders  als  aus  einer  dbleitung  fast-icare  erMären 
lassen  möchte. 

Fata  it.,  sp.  fada,  hada,  pg.  pr.  fada,  fr.  fge,  dauphin.  faye,  mhd. 
feie,  feine  ein  dämonisches  schicksalbestimmendes  wesen;  vb.  it.  fatare, 
sp.  hadar,  pr.  fadar,  altfr.  föer,  feer,  mhd.  feinen  verhängen,  bezaubern, 
fest  machen  (dex  l'a  faä  gott  hat  ihn  fest,  unverwundbar  gemacht  DMce. 
p.  121,  26);  vom  lat.  fata  für  parca,  schon  auf  einer  münze  Diocletians, 
vgl.  auch  fatis  für  diis  manibus  auf  einer  inschrift  ohne  datum  Grut. 
869,  11.  Es  ist  aus  fatum  moviert  gleich  dem  masc.  fatus  bei  Petronius, 
wiewohl  auch  die  herleitung  des  rom.  wortes  aus  fatua  Wahrsagerin  Mar- 
cid».  Gap.  nicht  regelwidrig  wäre.  Andre  deutungen  erwähnt  Müller, 
Mhd.  wb.  IU,  289. 

Fattizio  it.  ff.  durch  kunst  hervorgebracht,  lat.  facticius;  sbst.  sp. 
hechizo,  pg.  feüi§o  Zauberei,  wie  ahd.  zoubar  von  zouwan  machen 
(Grimm,  Myth.  p.  985);  daher  sp.  hechicero,  pg.  feiticeiro  Zauberer, 
it.  fattucchiero.  Auch  factura  gieng  auf  diese  bedeutung  ein:  it.  fattura, 
pr.  faitura:  vb.  it.  fetturare,  pr.  faiturar;  sbst.  pr.  fachnrier,  dauph.  fai- 
turier.  Prov.  faitilha  bezauberung  muß  gleichfalls  aus  facere  abge- 
leitet sein. 

Favola  it.,  fr.  fable,  pr.  faula  mährchen,  sp.  fabla,  habla,  pg.  falla 
rede,  von  fabula,  it.  favella  spräche,  von  fabella,  masc.  sard.  fueddu 
rede,  wort;  dimin.  fr.  fabliau,  altfr.  pr.  fablel  Meine  er  Zählung;  vb.  it. 
favolare,  favellare,  sp.  hablar  (woher  seit  dem  16.  jh.  fr.  habler  mit 
asp.  h),  pg.  fallar  und  so  pr.  favelar,  faular,  altfr.  fabler  erzählen,  reden, 
wdl.  heblei  plaudern,  von  fabulari,  mlat.  fabellari  Gl.'  Paris,  ed  Hildebr. 
Die  Uci.  nebenform  fola  ist  =  pr.  faula;  fiaba  =  altfr.  flabe,  mit  ver- 
setztem 1. 

Fggato  it.,  sp.  hfgado,  pg.  figado,  pr.  fetge,  fr.  foie  (m.)  leber; 
vom  mlat.  ficatum  sc.  jecur,  eigentlich  die  mit  feigen  gemästete  gänseleber 
(pinguibus  et  ficis  pastnm  jecur  anseris  albi  Horat.  sat.  2,  8,  88),  dem- 
nächst Über  überhaupt,  vgl.  ngr.  oixozi  aus  ovxcotov  rjnaQ.  Die  ausspräche 
ficatum  mag  früh  aufgekommen  sein,  da  sie  gemeinromanisch  ist,  die 
Cassder  glossen  bringen  bereits  figido,  worin  die  zweite  sübe,  da  sie  & 
mit  i  tauschen  konnte,  unbetont  gewesen  sein  muß.  Nur  der  Sarde  spricht 
figiu,  der  Venezianer  figi,  der  Wcdache  fic&t  Durch  Umstellung  entstand 
das  lomb.  fidegh  aus  flghed,  letzteres  dem  erwähnten  figido  ganz  nahe 
stehend. 

Felce  ü.,  sp.  helecho,  fr.  fougfere  farrenhraut;  das  erste  (nebst 
democc.  feouze)  von  filix,  das  zweite  von  filictum,  das  dritte  (für  feugere) 
von  dem  unlat.  filicaria. 


136  I.  FELLO— FELTRO. 

Fello  it.,  pr.  altfr.  fei  grausam,  gotttos;  it.  fellone  großer  böse- 
wicht,  altsp.  felon,  fellon  Bc.  s.  v.  a.  it.  fello,  fr.  fflon  auch  meineidig, 
rebellisch;  it.  altsp.  fellonia,  pr.  felnia,  feunia  ruchlosigkeit,  fr.  fölonie 
Verletzung  der  vassaUenpflicht,  lehensfrevel,  und  so  auch  nsp.  felonia. 
Mlat.  felo  im  9.  jh. :  non  tibi  Bit  curae,  rex,  quae  tibi  refenmt  illi  fe- 
lones  atque  ignobiles  Gap.  Car.  C.  Man  leitet  das  wort  wohl  vom  lat. 
fei,  adjectivisch  gebraucht,  so  daß  es  gallicht,  zornig  bedeutete  (vgl.  pr. 
fin  e  lial  e  senes  fei  treu,  redlich  und  ohne  galle  M.  I,  p.  212"),  aber 
es  verschmäht  überall  den  grammatisch  wohlbegründeten  im  it.  fiele,  sp. 
hiel,  fr.  fiel  vorliegenden  diphthong.  Das  vorhandene  adj.  felleus  würde 
nur  zur  prov.  form  felh  stimmen.  Eine  neue  bildung  fello  fellonis  wäre 
ungewöhnlich  und  ergäbe  schwerlich  ein  it.  fello,  denn  solche  nominativ- 
formen scheinen  nur  aus  vorhandenen  lat.  Wörtern  herzustammen  (ladro, 
ladrone).  Dagegen  sieht  Hickes  seinen  Ursprung  in  dem  bei  Sommer  ver- 
zeichneten ags.  feil  böse,  grausam,  engl,  feil  =  ndl.  fei.  Sehen  wir  aber 
von  diesem  in  den  quellen  nicht  vorkommenden  ags.  worte  ab,  dessen  deutsch- 
heit  noch  dahin  steht,  so  bietet  sich  uns  das  ahd.  vb.  fillan:  davon  ist  ein 
sbst.  fillo  geissder,  schinder  (und  die  grundbedeutung  von  fello  ist  'grau- 
sam, unbarmherzig^)  anzunehmen,  dem  sowohl  fello  wie  fellone  gemäß  ist. 
Das  offne  ital.  e  hindert  nicht,  es  ist  auch  in  vfello  von  lat.  villus.  Diese 
etymologie  wird  noch  durch  eine  Wahrnehmung  an  dem  rom.  worte  unter- 
stützt. Die  ursprüngliche  declination  im  prov.  und  altfr anz.  ist  nom.  sg. 
fei  (fels),  acc.  felon  (so  durchaus  in  der  Passion  Christi  und  im  Leodegar), 
der  nom.  felon  ist  selten  und  eine  spätere  verirrung.  Alle  ableitungen, 
selbst  das  fem.  felona  (fella  ist  unbekannt)  fließen  aus  dem  casus  obliquus. 
Das  wort  verlangt  also  ein  etymon,  dessen  accus,  die  endung  on  zeigt, 
d.  h.  ein  thema  felon,  und  dies  gewährt  das  deutsche  fillo,  acc.  fillan, 
fillon.  —  [  Was  sich  allein  gegen  diese  deutung  einwenden  läßt,  ist  daß 
sie  auf  ein  nur  vorausgesetztes,  wenn  auch  mit  grund  vorausgesetztes  wort 
gebaut  ist.  Aber  die  quellensprachen  verweigern  ein  besseres.  Man  könnte 
noch  an  kymr.  ffell  (verschlagen,  weise)  denken,  wäre  dessen  bedeutung 
passender  und  ließe  sich  die  prov.  declination  damit  in  einUang  bringen.] 

Felpa  it.  sp.  pg.  eine  art  plüsch,  pelzsammet,  dtsch.  felbel,  schwed. 
fälp ;  ein  fr.  fenlpier  verzeichnet  Roquefort  und  erklärt  es  mit  fripier, 
auch  sagt  man  bürg,  poil  feulpin  milchhaar.  Ferrari  halt  das  ital.  wort 
für  deutsch,  Adelung  das  deutsche  für  ital.,  aber  aus  lateinischem  Stoffe 
ist  es  sichtbarlich  nicht  gebildet.  Bair.  felber  (m.)  ist  zugleich  der  name 
der  salweide,  ahd.  felwa:  sollte  man  den  stoff  nach  diesem  bäume  wegen 
seiner  wollichten  oder  filzigen  blätter  benannt  haben  ?  Aber  die  vermuthung 
ist  gewagt,  da  es  an  ähnlichen  Übertragungen  fehlt.  Zu  merken  sind 
noch  einige  formen:  it.  pelpa  (bei  Veneroni),  sie.  felba,  sard.  cot.  pelfa. 
Im  dtport.  heißt  falifa  Schafpelz. 

Feltro  it.,  sp.  fieltro,  pr.  fr.  feutre,  mlat.  filtrum,  feltrum,  L.Baiw., 
mittelgr.  dcpelexQov  dichtes  gewebe  von  haaren;  vb.  iL  feit  rare,  sp.  fil- 
trar,  fr.  filtrer  durchseihen;  vom  ahd.  filz,   ags.  feit,   mit  angefügtem  r, 


L   FERLINO— FIANCO.  137 

was  hinter  t  nicht  selten  vorkommt,  Born,  gramm.  L  344.  361.  451.  Es 
gibt  ein  altfr.  verbum  fautrer  prügeln:  batre  et  fautrer;  povres  clers 
est  iauträs,  quant  du  portier  est  enconträs,  s.  Carpentier,  der  es  aber 
unrichtig  übersäst.  Dieses  wort,  für  welches  Oachet  ein  mlat  falcästrare 
aufstellt,  verhalt  sich  buchstäblich  ebenso  zu  filzen  wie  fautre  (denn  auch 
diese  form  ist  vorhanden)  zu  filz,  fitzen  aber  heifit  walken  d.  i.  stampfen, 
schlagen. 

Ferlino  it.,  altsp.  ferlin,  altfr.  ferling  ferlin  eine  münze,  viertel- 
denar;  vom  ags.  feordhling. 

Feluca  it.,  sp.  faluca,  pg.  falua,  fr.  fölouque  kleines  rüder  schiff; 
nach  Engelmann  und  andern  Orientalisten  vom  arab.  folk  schiff,  dies  vom 
vb.  falaka  rund  sein  Freyt.  III,  373a,  nach  Dozy  vielmehr  vom  arab. 
harrika  kleines  see-  oder  flußschiff. 

Ferrana  it.,  pg.  ferräa,  5p.  herren,  (f)  mengfutter;  von  farrago, 
ü.  auch  farraggine,  pg.  farragem. 

Fetta  it.  schnitte,  fettuccia  scfrnittchen,  bändchen,  altsp.  fita  band 
Suva  ed.  Grimm  p.  252,  so  auch  port.  Herkunft  aus  vitta  (binde)  ist  bei 
der  seltnen  vertauschung  des  anlatdes  v  mit  {wenig  wahrscheinlich:  dieses 
wort  zeugt  it.  vetta,  5p.  pr.  veta.  Ein  passenderes  etymon  scheint  ahd. 
fiza  band,  faden,  womit  auch  nhd.  fetzen  (chw.  fetza)  zusammenhängen 
mag.  Man  sehe  Weigand,  Syn.  wb.  I,  276,  Diefenbach,  Goth.  wb.  I,  373. 

Fiacco  it.,  sp.  flaco,  pg.  fraco,  pr.  altfr.  flac,  flaque  matt,  schwach; 
vb.  fiaccare  matt  machen,  brechen;  von  flaccus  schlaff.  Aber  das  neufr. 
flasque  kann,  genau  erwogen,  nicht  unmittelbar  aus  flaccus  gebildet  sein, 
und  da  Umstellung  aus  ahd.  sclaf  für  die  franz.  spräche  zu  stark  wäre 
(in  der  span.  könnte  man  sie  zugeben),  so  wird  es  wohl  aus  flaccidus  ge- 
sprochen flaxidus,  umgestellt  flasquidus  (vgl.  laxus  lasque  lache)  ent- 
standen sein,  wenn  auch  d  in  dem  suffix  idus  nicht  leicht  schwindet.  Zu 
flasquidus  stimmt  auch  lothr.  fläche  und  comask.  fiasch  weichlich. 

Fi&ccola  it.,  sp.  hacha  {daher  henneg.  hache,  hace),  pg.  facha, 
pr.  fidha,  altfr.  faule  LB.  fackel;  von  facula,  dies  von  fax.  Über  das 
eingeschaltete  i  =  1  in  fiaccola  s.  Rom.  gramm.  I}  305.  Facla  für  fax 
rügt  ein  grammatiker  App.  ad  Prob.  p.  445,  es  kam  also  vor. 

Fiadone  it.  honigwabe,  pr.  flauzon  (flazon?),  sp.  flaon,  fr.  flan 
ssgz.  aus  dem  alten  flaon,  engl,  flawn,  platter  kuchen,  auch  münzplatte. 
Ein  altbezeugtes  wort,  da  bereits  Venant.  Fort,  flado  gebraucht,  wofür 
andre  flato  schreiben.  Dasselbe  wort  ist  ahd.  flado  und  fem.  flada  (über- 
setzt durch  laganum,  placenta,  torta,  libum,  favus),  ndl.  vlade  (f.),  eigentl. 
etwas  flaches,  gr.  nhniq,  was  im  deutschen  auch  mit  platz  ausgedrückt 
wird. 

Fiama  piem.,  sp.  fleme  (m.),  pr.  flecme,  fr.  flamme  (f.),  engl,  fleam, 
flam  ein  Werkzeug  zum  aderlassen,  Schnepper;  vom  gleichbed.  Phlebotomus 
(in  die  oder  schneidend),  wolier  auch  ahd.  fliedimä,  mhd.  verkürzt  fliede, 
nhd.  fliete.    Im  pr.  flecme  rührt  c  aus  t  her. 

Fianco  it.,  pr.  fr.  flanc  der  weiche  theil  unter   den  rippen,   die 


138  L   FIASCO. 

seite,  sp.  flanco  militärischer  ausdruck  aus  dem  frane.  Wir  nennen  diesen 
theil  des  Jcörpers  weiche,  tnhd.  hieß  er  krenke  von  kranc  d.  h.  schwach. 
Es  wäre  also  von  seilen  des  begriffes  nichts  dagegen  zu  erinnern,  wenn 
man  sich  das  wort  aus  flaccus  weich,  schwach  (so  heifit  es  im  roman.) 
entstanden  dächte,  wobei  n,  wie  öfter  vor  Kehllauten  (it.  fangotto,  pr.  en- 
gual,  fr.  ancolie,  Jongleur)  eingeschoben  sein  müßte.  Dagegen  weist 
Wächter  auf  das  gleichbed.  ahd.  lancha,  woraus,  wenn  man  die  form 
hlanca  Haltemer  I,  299°  unterlegt,  durch  übertritt  des  h  in  das  verwandte 
f  der  anlaut  fl  entstehen  konnte.  In  diesem  falle  kann  das  wort  nicht  von 
Frankreich  ausgegangen  sein,  wo  der  deutsche  anlaut  h,  namentlich  in  den 
Verbindungen  hn,  hr,  sich  erhielt,  nur  das  altn.  hr  sich  in  einer  späteren 
sprachperiode  zu  fr  gestaltete.  In  Italien  härtete  sich  anlautendes  h  einige- 
mal zu  g  (s.  gufo  IL  a),  auch  macht  Wackernagel  zur  Unterstützung  der 
letzteren  etymologie  (Haupts  Zeitschr.  II,  556,  vgl.  Grimm  das.  VII,  470) 
den  ital.  namen  Fiovo  aus  Chlodoveus  (chl  frank,  für  hl)  geltend,  der 
in  den  Reali  di  Francia  vorkommt,  nimmt  aber  an,  die  Verwandlung  sei 
nicht  eben  durch  die  Romanen,  sondern  durch  die  Deutschen  selbst  ge- 
schehen. Indessen  liegt  noch  eine  nicht  zu  überseihende  Schwierigkeit  für 
diese  etymologie  im  genus,  da  fast  ohne  irgend  eine  ausnähme  (it.  solcio 
aus  sulza)  die  in  großer  zahl  eingeführten  deutschen  feminina  auf  a  ihr 
genus  und  ihren  endvocal  (fr.  e)  im  rotnan.  behaupten.  Überdies  ist  in 
hlanca  das  anlautende  h  zwar  gesetzlich,  aber  in  den  ältesten  denkmalern 
schon  geschwunden,  und  für  flanca  gibt  es  nirgends  ein  Zeugnis.  Und  so 
scheint  die  entstehung  von  fianco  aus  lateinischem  dement,  wenn  auch 
nicht  ganz  gesichert,  doch  voller  beachtung  werth 

Fia8CO  iL,  sp.  flasco,  frasco,  pg.  fraeco,  fem.  it.  fiasca,  ältfr. 
flasche,  nfr.  nur  flacon  für  flascon,  ein  gefäfi,  auch  in  germ.  und  cell, 
sprachen  heimisch,  dsgl.  serb.  ploska,  wal.  plosc£,  ungr.  palatzk,  lith. 
pleczca,  mhd.  plasche  neben  vlasche.  Die  weite  Verbreitung  dieses  Wortes 
erschwert  die  erforschung  seiner  Herkunft.  Im  mlatein  tritt  es  sehr  frühe 
auf:  dno  lignea  vascula,  quae  vulgo  flascones  vocantur  Greg.  M.  Dial. 
2,  18;  flascae  pro  vehendis  ac  recondendis  phialis  primum  factae  sunt, 
postea  in  usum  vini  transierunt  Isidor.  20,  6,  2.  Nach  dem  letzteren 
Zeugnisse  käme  es  von  phiala,  man  sieht  aber  leicht,  daß  der  ursprüngliche 
gebrauch  der  sache  erst  aus  dieser  etymologie  herausgedeutet  worden  ist. 
Die  Isid.  glossen  geben,  wie  es  scheint,  eine  andre  form  desselben  Wortes: 
pilasca  lvas  vinarium  ex  corw,  bei  Joh.  de  Janua  pilasca  lvas  vinarium 
corio  püoso  opertum,  also  von  pilus,  aber  fiasca  ist  älter  als  pilasca. 
Nach  form  und  inJialt  unverwerflich,  mithin  ziemlich  gesichert,  ist  folgende 
nicht  eben  neue  aber  besser  begründete  herleitung  aus  dem  lateinischen. 
Wie  durch  Umstellung  des  1  ital.  fiaba  (für  flaba)  aus  fabnla,  pioppo  aus 
populus,  sp.  bloca  aus  buccula,  blago  aus  baculus,  pr.  floronc  aus  furun- 
culus  geformt  wurden,  ebenso  fiasco  aus  vasculum  mit  einer  härtung  des 
y  zu  f,  die  hier  nicht  ausbleiben  konnte  (vgl.  parafredus  für  paravredus) 
und  selbst  vor  vocälen  zuweilen  eintritt   (via  I,  biffera  II.  a,  he  II.  b). 


I.  FICCABE-FILA.  139 

Vasculum  erschöpft  alle  bedeutungen  des  rem.  oder  celt.  Wortes,  es  ist  ge~ 
faß  im  weitesten  sinne,  von  metall  oder  holz,  auch  bienenkorb,  also  nicht 
eben  diminutiven  Sinnes.  Selbst  das  schwanken  im  genas  verdient  beach- 
tung,  da  dies  den  ursprünglichen  neutfis  besonders  eigen  ist.  Daß  Gregor 
und  ebenso  die  Keron.  glossen  flasco  mit  vasculum  übersetzen,  trifft  zu 
ohne  zu  beweisen.  Nach  Grävius  kannten  die  Isid.  glossen  bereits  jene 
Verwandlung  des  v  in  f,  allein  ob  daselbst  das  mit  dxscum  übersetzte  fas- 
culum  unser  wort  sei,  steht  noch  dahin.  Ins  deutsche  ward  es  sehr  früh 
eingeführt,  schon  die  Cass.  glossen  übersetzen  das  rom.  puticla  mit  flaseä. 

Ficcare  it.,  dltsp.  pg.  pr.  ficar,  fr.  ficher,  mit  eingeschobenem  n 
dltsp.  pg.  fincar,  neusp.  hincar  eintreiben,  einheften,  refl.  it.  ficcarsi,  sp. 
fincarse  auf  etwas  bestehen;  zsgs.  it.  af ficcare,  pr.  aficar,  fr.  afficher 
anheften,  dltsp.  ahincar  drängen.  Form  und  begriff  zeigen  auf  tigere 
und  affigere,  und  doch  ist  unmittelbare  entstehung  daraus  oder  aus  fixus 
grammatisch  unmöglich.  Der  Romer  leitete  mit  dem  Suffixe  ic  verba  aus 
verbis,  fodicare  aus  fodere,  vellicare  aus  vellere,  der  Romane  that  das- 
selbe, lieber  zwar  bei  verbis  erster  conj.,  aber  doch  auch  zweiter  und  dritter; 
gemicare,  voMcare  (dltsp.  volcar),  pendicare,  sorbicare.  Dürfte  man 
darum  in  ficcare  nicht  eine  form  figicare  vermuthen  urspr.  mit  diminu- 
tivem oder  frequentativem  sinne?  Seltsam  stimmt  das  schwed.  reflexiv 
fikas  in  seiner  bedeutung  zum  roman.  ficcarsi:  ist  ein  historischer  Zusam- 
menhang zwischen  beiden  anzunehmen?  Das  mhd.  ticken  (heften)  nebst 
unserm  ficke  (tasche)  ist  aus  dem  roman.,  s.  Weigand  s.  f.,  so  auch  das 
mndl.  fiecken  figere.  Die  Picarden  haben  ein  vb.  hinquer  sich  bestreben 
(h  asp.)  vermutlich  aus  dem  genannten  sp.  hincar. 

Fiera  it.,  sp.  feria,  pg.  pr.  feira,  fr.  foire  Jahrmarkt;  von  feria 
aus  feriae  feier-  oder  festzeit,  weil  die  Jahrmärkte  an  kirchlichen  feier- 
tagen  gehalten  wurden,  wo  das  landvolk  die  stadt  zu  besuchen  pflegt. 
Ebenso  knüpft  sich  das  deutsche  messe  an  die  kirchenfeier.  Aus  forum 
hätte  nickt  einmal  das  fr.  foire  werden  können,  das  schlechthin  auf  feira, 
feria  zurückdeutet. 

Fievole  it.,  sp.  pr.  fehle,  pg.  febre,  fr.  foible,  alt  floible  LJ.503" 
und  floibe,  schwach,  matt,  chw.  fleivels;  von  flebilis  kläglich,  mit  eupho- 
nischer tägung  des  ersten  oder  zweiten  l.  Vergleichung  gewährt  von  Seiten 
ies  begriff  es  z.  b.  unser  schwach  1)  flebilis,  miser,  2)  debilis,  s.  Schmeller 
III,  528;  oder,  wie  Wackernagel  hiezu  erinnert,  unser  wenig  1)  flebilis, 
2)  parvus,  paueus. 

Fila  it.  sp.  pg.  pr.,  file  fr.  reihe,  ursprüngl.  schnür,  von  ü\ma  faden, 
das  feminin  fila  im  älteren  mlatein:  habent  breves  filas.  Vb.  fr.  filer 
und  dlfiler  in  einer  reihe  hinter  einander  gehen,  daher  sbst.  d6fil6  enger 
weg.  Auch  it.  sp.  filo,  fr.  fil  schärfe  oder  schneide  einer  waffe  gehört 
hieher  und  heißt  eigentlich  die  feine  linie  oder  kante  der  Hinge;  vb.  it. 
affilare  schärfen,  auch  reizen  (wie  acuere),  afilar  sp.  in  der  ersten,  pg. 
in  der  zweiten  bed.;  pg.  enfiar  einfädeln,  durchbohren  (wie  der  faden 
die  nadel),  metaph.  erschrecken,  bleich  machen. 


140  I.  FILIPENDULA-FIO. 

Filipendula  it.  sp.  pg.,  filipendule  fr.  roiher  Steinbrech;  so  ge- 
nannt weil  an  den  fadenartigen  würzeichen  dieser  pflanze  viele  knallen 
hangen. 

Finanza  it.  Quittung,  fr.  finance  geldsumme,  die  man  dem  könig 
für  den  genuß  einer  pfründe  u.  dgl.  bezahlt,  plur.  finanze,  finances  Staats- 
einkünfte, daher  sp.  finanzas  vrlt.  (Seckendorf).  Prov.  altfr.  fin  heißt  ende, 
friede,  abschluß  einer  sacke,  rilog;  speciell  wird  es  van  der  beilegung 
eines  rechtsstreites  gebraucht,  gewöhnlich  wenn  dies  vermittelst  Zahlung 
einer  summe  geschieht,  mlat.  finis  'finalis  concordia,  amicabüis  compositum, 
finem  facere  (faire  fin)  'componere  de  lue  vel  de  crimine  DG.,  engl,  fine 
gddbuße  für  eine  beleidigung,  s.  E.  Müller  I,  378.  Entsprechend  heißt 
das  vb.  finar,  finer,  finire  eine  vertragsmäßige  summe  entrichten.  Diese 
summe  ist  eigentlich  la  finance,  wiewohl  jede  summe  so  genannt  werden 
konnte,  denn  schon  das  altfr.  fin  war  dieser  letzteren  bedeutung  fähig, 
beispiele  Gachet  p.  212b .  Mlat.  financia  ist  überhaupt  praestatio  pecu- 
niaria,  vgl.  pr.  demandar  de  nn  presonier  finansa  d'aur  e  d'argen  LR. 
III,  333,  altengl.  finaunce  =  neuengl.  fine.  Erst  in  späterer  zeit  ward 
es  auf  die  gegenwärtige  bedeutung  eingeschränkt. 

Fino  it.  sp.  pg.,  in  erster  er  spräche  auch  fine,  pr.  fr.  fin  adj.,  daher 
mhd.  fin,  nhd.  fein,  ahd.  finliho  (10.  jh.).  Die  grundbedeutung  ist  'voll- 
kommen, acht,  lauter1:  pr.  fin  aur,  fin1  amor,  fina  vertatz,  altfr.  de  fine 
ire  aus  lauter  zorn  Ren.  I,  p.  91.  Es  ist  kaum  zu  zweifeln,  daß  dieses 
weitverbreitete  wort  abgekürzt  sei  aus  finitns  vollendet,  vollkommen.  So 
kürzte  sich  pr.  clin  aus  clinatus,  sp.  cuerdo  aus  cordatus,  Ü.  manso  aus 
mansuetus,  und  was  die  bedeutung  anlangt,  so  heißt  sp.  acabado,  pr.  aca- 
bat  1)  beendigt,  2)  vorzüglich,  vollkommen  (proeza  acabada  Chx.  IV,  153), 
ebenso  verhält  sich  lat.  perfectus,  gr.  tiXeiog.  —  [Hiezu  verweist  Gachet 
212"  noch  auf  die  stelle  im  Gormond:  vos  estes  en  dol  tut  fin6  ganz 
vollkommen,  vollendet.] 

Finocchio  it.,  sp.  hinojo,  pg.  funcho,  pr.  fenolh,  cot.  fonoll,  fr. 
fenouil  fenchel;  von  foeniculum,  mlat.  fenuclum  z.  b.  Hattemer  1,  293*. 
Zu  bemerken  ist  pg.  funcho  wegen  des  verlegten  accentes,  worin  es  zufällig 
mit  dem  deutschen  worte  zusammentrifft. 

F  i  o  it.,  pr.  altcat.  feu  (daher  altpg.  feu  SRos.),  fr.  fief  (aus  dem 
alten  fieu)  lehngut,  lehnzins;  vb.  fr.  fieffer  (aus  dem  alten  fiever),  pr. 
affeuar  zu  lehen  geben.  Unmittelbar  stimmen  die  roman.  Wörter  zum 
longob.  flu  in  faderfiu-m  väterliches  gut,  ahd.  fihu,  fehu  vieh,  goth.  fafhu 
vermögen,  altfries.  fia  mit  beiden  bedd.  vieh  und  vermögen:  h  fiel  aus, 
kurzes  e  in  fehu  ward  diphthongiert  (ebenso  pr.  mieu  aus  lat.  meus)  undt 
pr.  u  franz.  in  f  consonantiert  (fr.  juif  aus  pr.  Juden),  welches  f  auch 
inlautend  in  fieffer  seine  stelle  behauptete  (vgl.  ensuifer  neben  ensuiver). 
Im  sicil.  fegu  stellte  sich  h  als  g  dar,  und  dies  ist  der  üblichere  fall,  s.  Born, 
gramm.  I,  320.  —  Aus  feu  ist  ein  hochwichtiges  wort  des  mitteUateins, 
das  etwa  im  9.  jh.  auftretende  feu  dum,  feodum,  erwachsen:  um  nämlich 
nicht  feu-um  sprechen  zu  müssen  (denn  man  rechnete,  wie  zumal  die  prov. 


I.  FIONDA-FLAUTO.  141 

und  frans,  form  beweist,  u  zum  stamme),  schob  man  ein  euphonisches  d 
damischen,  ein  auch  in  andern  Wörtern,  z.  b.  im  it.  ladico  für  laYco  oder 
in  dem  ganz  analogen  chiodo  für  chio-o  (lat.  clav-us  clau-us)  vorkom- 
mendes hiatustügendes  mittel.  Provenzal.  Urkunden  setzen  dafür  gradezu 
feum,  0.  b.  allode,  quod  Grimaldus  habet  a  feo  MabilL  Dipl.  p.  572 
(v.j.  960).  Hiernach  ist  feu-d-um  romanische  umprägung  eines  deut- 
schen wertes  und  vermögen  sein  grunäbegriff,  der  strenge  juristische  sinn 
trat  später  hinzu.  Eine  ganz  abweichende  deutung  von  feod,  aus  dem 
gotk  thiuth  äyad-ov  (sbst.  das  gut),  gibt  Wackernagel  in  Haupts  Ztschr. 
U,  657  und  dbh.  über  die  spräche  der  Burgunden  24. 

Fionda  it.,  pr.  fronda,  fr.  fronde  Schleuder;  von  funda  (auch  it. 
fonda,  altfr.  fonde),  entweder  1  (=  ü.  i)  oder  r  eingeschoben,  ersteres 
auch  im  oeett.  floundo. 

Fioretto  iL,  sp.  florete,  fr.  fleuret  rapier;  so  genannt  von  dem 
knopfchen  an  der  spitze,  das  einer  blume  ähnlich  sah. 

Fiorino  it.,  sp.  florin,  fr.  florin,  ursprüngl.  eine  florentinische  gold- 
tmmze  mit  dem  zeichen  der  Ulis,  von  fiore  blume.  Das  gleichbed.  altpg. 
frolen$a  für  florenga  SEos.  I,  482  sucht  den  namen  der  Stadt  auszu- 
drücken. 

Fiotta,  frotta  it.,  sp.  flota,  pg.  frota,  altfr.  flöte,  masc.  it.  fiotto, 
frotto  (vgl.  fragello* von  flagellum),  fr.  flot  schwärm,  fluth;  von  fluetus. 
Tb.  it.  fiottare  ff.  schwimmen,  lat.  fluetuare.  Von  frotta  ist  it.  frot- 
tola  scherzhaftes  aus  einzelnen  Sprüchen  zusammengesetztes  gedieht,  comask. 
frotola  posse. 

Fitto  #.,  sp.  hito,  pg.  fito  eingesteckt,,  geheftet;  sbst.  sp.  hito,  pg. 
fito  in  den  boden  gesteckter  pfähl,  gränzpfcM,  hita  pflock;  auch  it.  fitto 
zins  (das  festgesetzte?).  Von  dem  alterthümlich  lat.  pari.  Actus  für  fixus 
bei  Lucrez  und  Varro,  vgl.  petra  fita  Tep.  II,  num.  13  (aera  684).  Selbst 
das  fr.  fiche  pflock  =  sp.  hita  würde  sich  hieherziehen  lassen,  wenn 
auch  das  vb.  ficher  besser  zu  ficcarc  gestellt  wird.   S.  Rom.  gramm.  1, 16. 

Flanella,  frenella  it.,  sp.  franela,  fr.  flanelle,  engl,  flannel  ein 
wollener  stoff.  Das  primitiv  wird  man  im  altfr.  flaine  anerkennen  müssen, 
welchem  Roquefort  die  bed.  bettüberzug  beilegt:  der  name  des  Stoffes  konnte 
seinem  vornehmsten  gebrauche  entnommen  sein,  auch  gael.  cfiraing  heifit 
1)  Überzug,  2)  flanell.  Möglicherweise  entstand  also  flaine  aus  velamen 
v'lamen  wie  flasca  aus  vlasca.    Ganz  anomal  ist  die  port.  form  farinella. 

Flauto  it.,  wal.  flaute,  sp.  pr.  flauta,  fr.  flute  ein  blasinstrument, 
flöte;  vb.  pg.  frautar,  pr.  flautar,  fr.  flfiter.  Um  diesem  worte  auf  den 
grund  zu  kommen,  ist  zuerst  die  ursprünglichste  form  desselben  aufzu- 
suchen und  diese  bietet  das  altfränkische.  Hier  heißt  das  Instrument 
flahute  flaute  (noch  jetzt  picard.),  auch  wird  mit  eingeschobenem  s  flahuste 
gesehrieben,  vb.  flahuter  flaüter.  Aus  dem  zweisilb.  att  machte  der  Pro- 
venzale  den  diphthong  au  (toie  in  aul  aus  a-ul  avol)  und  so  wanderte 
flauta  nach  Spanien  und  Italien,  wo  sein  der  umbüdung  in  0  entgangener 
diphthong  für  die  späte  einfuhrung  des  fremdartigen  Wortes  zeugt.  Flaüter, 


142  L   FLOSCIO-FOLLE. 

denn  das  verbutn  gieng  dem  subst.  voran,  steht  nun  durch  lautversetzung 
für  flatuer  (wie  cdtfr.  veade  für  vidue,  pr.  teune  für  tenue),  dieses  ward 
aus  dem,  auch  van  den  Alten  auf  das  blasen  der  flöte  angewandten,  subst. 
flatus  gebildet  mit  beobaehtung  des  ableitenden  u,  vollkommen  wie  in  flat- 
u-eux,  welchem,  wohl  tu  merken,  kein  lat.  flatuosus  das  muster  vorhielt. 
Ein  dimin.  von  flaute  ist  pr.  flau  toi,  flaujol  (gleichsam  flau[t]iolus), 
dltfr.  flajol,  nfr.  flageolet.  Die  Italiener  haben  ein  vb.  fiutare  anriechen, 
das  sich  aus  einem  älteren  flautare  erklärt,  ganz  analog  dem  vb.  rubare 
vom  dtschen  rauben. 

Floscio  it.,  sp.  floxo,  pg.  frouxo,  pr.  fluis  schlaff;  vom  part.  fluxus 
flüssig,  schlotternd;  eben  daher  auch  it.  flusso  vergänglich,  eitel. 

Flotta  it.,  sp.  flota,  pg.  frota,  fr.  flotte.  Die  alten  roman.  ausdrücke 
für  das  lat.  classis  sind  it.  armata,  sp.  armada,  pr.  estol,  fr.  estoire. 
Das  altfr.  flöte  hieß  menge,  schwärm  (von  fluctus,  s.  oben  flotta),  man 
sagte  so  gut  flöte  de  gens  wie  flöte  de  nefe  (selbst  flöte  de  poil  haarflocke 
DMce.  p.  210,  11),  es  stammt  also  nicht  vom  altn.  floti  oder  ags.  flöta, 
es  war  vorhanden,  ward  aber  später  durch  einfluß  des  ndl.  vloot  oder 
schwed.  flotta  in  seiner  bedeutung  näher  bestimmt  und  theüte  sich  so  den 
südlichen  sprachen  mit.  Zusammenstellung  mit  deutschen  Wörtern  s.  t» 
Diefenbachs  Goth.  wb.  I,  387. 

Focaccia  it.,  sp.  hogaza,  fr.  fouasse  kuchen,  mhd.  p6gatz;  dbgd. 
von  focus,  also  etwas  auf  dem  herde  gebackenes,  bei  Isidor  20,  2,  15: 
ciaere  coctus  et  reversatus  est  focacius. 

Fodero  it.,  sp.  pg.  ferro,  fr.  feurre,  pr.  cdtfr.  fuerre,  mit  verschie- 
denen bedeutungen:  ital.  scheide,  unterfutter,  futter  eur  nahrung,  Span, 
port.  unterfutter,  prov.  altfr.  scheide,  nfr.  futter;  abgd.  fr.  fourreau; 
sp.  forrage,  fr.  fourrage,  fourrure,  fourrier  u.  dgl.;  vb.  it.  foderare, 
sp.  forrar,  pr.  folrar,  fr.  fourrer.  Vom  goth.  födr  scheide,  ahd.  fuotar 
scheide,  futter  zur  nahrung,  altn.  födr  scheide,  unterfutter. 

Follare  it.,  sp.  hollar,  pr.  folar,  fr.  fouler  (daher  engl,  feil)  walken, 
niedertreten;  sbst.  it.  f  olla,  sp.  folla,  fr.  foule  (davon  pg.  fula)  gedrängc, 
eile  (entsprechend  it.  calca  menge,  gedränge  von  calcare  treten);  dsgl.  sp. 
huella  fußtapfe,  huello  tritt.  Ein  vb.  fullare  hat  die  lat.  litteratur  nicht 
aufbewahrt,  wohl  aber  sbst.  fullo,  walket,  gleichbed.  it.  follone,  fr.  foulon. 
Neben  folla  stellt  sich  eine  zweite  ital.  vermuthlich  aus  dem  prov.  ein- 
gedrungene auch  in  mundarten  vorhandne  form  fola,  woraus  folata 
schwärm,  schwcdl.  Zsgs.  it.  affollare  drängen,  attsp. afollar,  pr.  afolar, 
altfr.  afoler  beschädigen,  verderben,  eine  auch  dem  einfachen  fr.  fouler 
zustehende  bedeutung. 

Folie  it.,  altsp.  fol  Bc.,  Alx.,  pr.  fol  und  folh,  fem.  fola,  fr.  fou, 
feile,  sbst.  und  adj.  narr,  närrisch,  cat.  foll  zornig;  daher  z.  b.  eilt-  und 
neufr.  affoler  zum  narren  machen  (verschieden  von  afoler  verderben,  s. 
vorigen  artikel),  pr.  afolir  zum  narren  werden.  Die  herleitungen  aus  dem 
gr.  (pavkog,  dem  dtschen  faul,  dem  celt.  fol  können  bei  Seite  gesetzt  werden. 
Die  lat.  spräche  bietet  follere  sich  hin-  und  herbewegen  (bei  ERerongmus), 


I.   FONDACO-FONDO.  143 

follis  blasbalg  d.  h.  etwas  sich  hin-  und  herbewegendes,  eine  bedeutung, 
die  im  it.  folletto,  pr.  cot.  fr.  follet,  bearn.  houlet  poltergeist,  neckischer 
geist,  wie  Grimm  sagty  Myth.  p.  475,  oder  im  fr.  feu  follet  irrlicht  klar 
hervortritt,  aber  auch  in  unserm  rom.  folle  (possenhaft,  grillenhaft)  noch 
su  fühlen  ist.  Nur  darf  letzteres  nickt  als  eine  neue  bildung  aus  follere 
aufgefaßt  werden,  da  aus  verbis,  wie  es  scheint,  keine  substantiva  dritter 
declin.  und  schlechthin  keine  adjeetiva  ohne  suffix  gewonnen  werden;  folle 
ist  das  als  adjeetiv  gebrauchte  follis  selbst  So  und  nicht  follus  heifit  es 
bei  einem  Schriftsteller  des  9.  jh.  Joh.  Diaconus:  ille  more  gallico  (= 
francogallico)  sanetum  senem  increpitans  follem  ab  eo  quidem  virga  leyiter 
percussus  est;  desgl.  bei  Ouül.  Metensis:  follem  me  verbo  rustico  appel- 
lasti  .  .  .  ut  qui  follis  extiti,  non  fierem  follior  DC.  Im  prov.  und  franz. 
ist  das  adjeetiv  also  erst  später  zweier  endungen  geworden.  Andre  er- 
Hären  das  roman.  wort  gleichfalls  aus  dem  lat.  Substantiv,  aber  in  be- 
sidmng  auf  die  den  köpf  des  narren  bezeichnende  leere  des  blasbalges; 
allein  theäs  ist  dies  eine  zu  abstracte  auffassung,  theils  läfit  sich  das  ab- 
geleitete follet  (unruhiger  geist)  nicht  füglich  damit  in  einklang  bringen. 
Bemerkenswerth  ist  noch,  daß  in  einem  altfr.  psalter  die  stellen  erravi 
sicut  ovis  qtrae  perit;  de  mandatis  tuis  non  erravi  übersetzt  werden 
foleai  si  cum  oeille  que  perit ;  de  tes  commandemenz  ne  foliai  LB.,  wo 
also  folier  irren,  abirren  im  eigentlichen  und  bildlichen  sinne  bedeutet. 
In  roman.  gestdtt  und  bedeutung  kommt  unser  wort  zuerst  in  den  von  W. 
Grimm  her  aus g.  Altdeutschen  gesprächen  vor:  ausculta  fol  'gahörestu 
narro\  Eine  ableitung  ist  sp.  follon  träge,  auch  betrügerisch,  im  alt- 
span.  prahlerisch  (aufgeblasen)  PC.  968;  dsgl.  das  bürg,  feulteu  wohl- 
thätiger  geist,  der  des  nachts  die  hausthiere  besorgt,  es  müßte  fr.  folietot 
lauten. 

Fön  da  co  it.,  sp.  fundago,  altfr.  fondique  magazin;  vom  arab. 
fondoq,  al-fondoq  (daher  die  span.  form  alhöndiga,  pg.  alfandega)  her- 
berge  der  kaufleute,  wo  sie  mit  ihren  waaren  einkehren  Gol.  p.  1826, 
Freyt.  III,  375b  (dies  vom  gr.  navdoxelov,  navdoxtov  gasthaus?).  Zwar 
erinnert  fondaco  an  mlat.  funda  (s.  fonda  II  b),  aber  das  suffix  Tc  ist 
in  der  roman.  familie  so  wenig  üblich,  daß  man  sich  besser  an  das  arab. 
wort  hält.    Näheres  über  dasselbe  J.  v.  Hammer  num.  352. 

Fondo  it.  cot.,  sp.  hondo,  ältsp.  pg.  fundo  tief.  Man  konnte  es  für 
kürzung  von  profundus  nehmen  mit  besiehung  auf  it.  tondo  von  rotundus, 
widerspräche  nicht  die  große  Seltenheit  so  starker  kürzungen;  es  ist  also 
von  fundus  grund,  sp.  fondo,  pg.  fundo  u.  s.  w.,  das  Substantiv  als  ad- 
jeetiv angewandt.  Anders  ergieng  es  diesem  Substantiv  im  nordwesten: 
pr.  f o  n  s  {neupr.  adj.  founs,  fem.  founso),  fr.  fonds  (neben  fond)  erstarrten 
aus  dem  nomin.  fundus  wie  fr.  fils  aus  filius,  und  die  ableitungen  flössen 
theils  aus  dieser  flectierten  form,  wovon  man  sonst  im  franz.  kaum  eitv 
beispiel  findet,  theils  aus  dem  wahren  stamme:  pr.  fonsar,  fondar,  fr. 
foncer,  fonder  grund  haben,  dsgl.  pr.  afonsar,  fr.  enfoncer,  altfr.  afonder 
auf  den  grund  gehen.    Aber  auch  vom  pr.  preon  (profundus)  entspringt 


144  I.   FONTANA-FORESTA. 

preonsar  mit  der  bed.  von  afonsar,  wovon  es  eine  nachbüdung  sein  mag. 
Noch  ist  zu  merken,  daß  einige  Wörter  dieses  Ursprunges  ein  eingeschobenes 
r  geigen:  pr.  es  fondrar,  fr.  effondrer,  so  auch  afondrer  Brt.  I,  205, 
allein  dieses  r  ist,  nach  dem  it.  sfondolare  zu  schließen,  aus  1  entstellt. 

Fontana  it.  sp.  pr.,  fr.  fontaine,  wal.  funtene  quelle;  eine  uralte 
abl.  aus  fons,  vgl.  fontana  L.  Long.,  ad  Albam  Fontanam  in  einer  fränk. 
Urkunde  v.  j.  667,  Breq.  n.  165,  per  fontanam,  qnae  vocatur  Dianna 
v.  j.  670,  das.  n.  168. 

Forbire  it.,  pr.  forbir  (furbir  LR.  I,  309),  fr.  fourbir  glätten, 
putzen;  vom  ahd.  furban  reinigen,  abwischen:  da  lor  costnmi  fa  che  tu 
ti  forbi  Inf.  15,  69.  Dahin  auch  it.  furbo,  fr.  fourbe  schelm,  betrüget, 
einer  der  wegputzt,  wie  fripon  von  friper  reiben,  sp.  limpiar  putzen  und 
entwenden. 

Forcatura  it.,  pr.  forcadura,  altfr.  fourchöure,  sp.  horcajadara 
die  gegend  des  körpers,  wo  die  schenket  sich  öffnen  wie  eine  gäbet  (furca), 
sp.  horcadura  der  obere  theil  eines  Baumstammes,  wo  die  äste  anfangen. 
Derselben  herkunft  ist  it.  forcella,  pr.  forsela,  altfr.  fourcele,  deren 
Bedeutungen  Gachet  p.  217b  erläutert. 

Foresta  it.,  sp.  pg.  cot.  floresta,  pr.  forest  (auch  foresta),  fr.  foret 
(f.)  wald,  gehölz.  Span,  floresta  ist  entlehnt  und  hol  sich  wunderlich  mit 
flor  gemischt,  daher  es  auch  eine  blumige  wiese,  figürlich  eine  blumeniese 
bedeutet.  Das  roman.  wort  ist  schon  im  frühen  nüatein,  z.  b.  in  der  L. 
Long.,  in  carolingischen  Urkunden  und  capitularen,  sehr  üblich  und  zeigt 
hier  die  formen  forestis  (f.,  woher  fr.  forSt),  foreste  (n.),  forestus,  fores- 
tum,  forastum,  foresta,  forasta.  Mlat.  und  altrom.  bedeutet  es  den  dem 
wildbann  unterworfenen  nicht  eingezäunten  wald;  der  eingezäunte  hieß 
parcus,  für  den  offenen  gibt  es  ein  sard.  padenti,  das  aber  in  die  allge- 
meine bed.  wald  übergegangen  ist.  Auch  die  zum  ßschfang  gehegten  teiche 
führten  diesen  namen,  vielleicht  nur  weil  sie  in  dem  forstgebiete  lagen: 
man  unterschied  daher  zuweilen  zwischen  foresta  venationis  und  foresta 
piscationis.  Was  die  herkunft  des  Wortes  betrifft,  so  hielt  man  es  sonst 
für  deutsch,  entlehnt  aus  unserm  forst;  schon  eine  alte  glosse  lautet  vurst 
'nemus,  lucus\  dicitur  enim  Francorum  lingua  foresta  Graff  HL,  698. 
Jetzt  erklärt  man  umgekehrt  das  deutsche  wort  aus  dem  romanischen,  in 
diesem  aber  erkennt  man  eine  abl.  aus  dem  ahd.  foraha  föhre  oder  aus 
forehahi  föhrenwald  (s.  Grimm  I*.  416).  Will  man  auch  über  das  ver- 
schwinden des  h  wegsehen,  so  ist  ein  suffix  ast  unromanisch,  est  wenn 
auch  nicht  unerhört,  doch  höchst  selten  oder  zweifelhaß.  Nach  andern, 
z.  b.  Frisch  I,  287 b,  ist  das  wort  lateinischer  herkunft,  aus  dem  adverb 
foris,  foras,  womit  auch  die  doppelform  forest,  forast  übereinstimmt,  iras 
von  belang  ist.  In  der  that  kennt  schon  der  grammatiker  Placidus  fojas- 
ticus  'ezterior,  abgeleitet  wie  cras-tinus  oder  rus-ticus,  ein  wort  der  spä- 
testen latinität  (auch  beim  h.  Bonifacius),  woraus  man  im  frühen  mittel- 
älter  forastis,  forestis  abziehen  konnte  mit  der  bed.  'das  was  außerhalb 
liegf,  was  ausgenommen  ist,   nicht    betreten  werden  darf.    Dieselbe  aus 


I.   FORFARE-FORNIRE.  145 

foris  hervorgehende  bedeutung  *  extra  spürt  man  noch  in  forestiere,  sofern 
es  fremder,  auswärtiger,  exter,  extrarius  heißt  Aber  auch  jenes  forasticus 
hat  sich  in  den  neuen  sprachen  erhalten:  it.  forastico,  steil,  furestico, 
pr.  foresgue,  cot.  feresteg  wild,  rauh,  störrig,  waldens.  forest  fremd  Hahn 
p.  585.  Eine  dem  sinne  nach  ähnliche  abl.  wie  foras-ticus  ist  daspicard. 
hors-ain  landvolk,  eigentl.  was  außerhalb  (der  stadt)  ist,  so  ndl.  buiten- 
man  latidbewohner.  —  Foresta  findet  sich  auch  im  hymr.  fforest  wieder, 
welches  Zeuß  II,  Sil  unter  den  ableitungen  dieser  spräche  anführt:  bei 
der  klaren  beziehung  zum  latein  bedarf  indessen  das  rom.  wort  dieses 
fremden  (selbst  entlehnten)  etymons  nicht  —  Man  höre  darüber  noch 
Weigand,  Synon.  wb.  II,  103. 

Forfare  dUit,  pr.  fr.  forfaire,  fehlt  span.,  mlat.  foris  facere,  in 
den  Isid.  glossen  foris  facio  'offendo,  noceo\  Die  grundbedeutung  muß 
sein  'über  die  rechte  gründe  hinaus  handeln,  daher  übel  thun,  missethun, 
und  diesen  intransitiven  sinn  hat  es  noch  immer,  indem  es  ganz  dem  goth. 
fra-vaurkjan  (sündigen)  entspricht.  Ebenso  hieß  foris  consiliare  übel 
rauhen,  verrathen.  Frov.  und  altfr.  wird  forfaire  mit  dem  dat.  der  person 
verbunden,  s.  Altrom.  sprachdenkm.  p.  64;  reflexiv  sagte  man  auch  se 
forfaire  envers  qqun  LBs.  295  =  se  möfaire  vers  qqun  RFlor.  p.  19. 
Mit  dem  acc.  der  sache  heißt  es  csich  eines  dinges  durch  gesetzwidrige 
handlung  verlustig  machen  z.  b.  forfaire  son  fief,  mhd.  yerwtirken,  ags. 
forvyrcean.  Das  pari,  forfatto,  forfait  zeigt  als  Substantiv  gebraucht 
zwei  bedeutungen,  eine  persönliche,  nur  altfr.  z.  b.  Ben.  I,  337,  mlat. 
forisfactus  L.  Rip.  übelthäter,  schuldiger,  eigentl.  übel  geschaffener,  goth. 
fravaürhts  (Wackernagels  Leseb.  v.  verwtirken),  oder  einer  der  übel  thut, 
übel  that?  (solche  partieipien  Rom.  gramm.  III,  253);  eine  sächliche, 
mlat.  forisfaetnm  missethat,  goth.  fravaürhts  (f.). 

Forgia  piem.,  sp.  pg.  forja,  fr.  forge,  anders  gestaltet  pr.  farga, 
sp.  fraga  schmiede;  von  fabrica  werkstätte;  vb.  forgiare  ff.  schmieden, 
fabricare.  Der  vocal  o  erklärt  sich  aus  au  von  ab,  die  mundart  des  prov. 
Gir.  de  Ross.  hat  daher  faur  =  faber,  eine  auch  im  walach.  vorhandne 
form,  altfr.  aber  fevre,  noch  in  orfövre  (aurifaber  aurifex)  erhalten. 

Formaggio  it.,  pr.  formatge,  fromatge,  fr.  fromage,  pic.  u.  s.  w. 
formage,  kaum  sp.  formage,  käse.  Das  lat.  wort  wäre  formaticus,  von 
forma:  käse  ist  etwas  in  einer  form,  einem  geflochtenen  gefäße  verfertigtes: 
liquor  in  fiscellas  aut  in  calatbos  vel  in  formas  transferendus  est  Colu- 
mdla  7,  8;  fiscella  forma,  ubi  casei  exprimuntur  Gl.  Isid.  In  der  neupr. 
mundart  hat  auch  das  primitiv  fourmo  =  forma  diese  bedeutung.  Die- 
selbe  mundart  besitzt  noch  einen  ausdruck  für  den  frischen  ungesalzenen 
käse,  tumo  (f.),  auch  piem.  toma,  sicil.  tuma,  worin  man  das  gr.  zofiirj 
etwas  abgeschnittenes,  in  formen  abgetheiltes  erkennen  will,  s.  auch  Ducange 
v.  toma. 

Fornire  it.,  sp.  pg.  pr.  fornir,  fr.  fournir  versorgen,  ausstatten. 
Es  wird  van  farnus  hergeleitet,  so  daß  es  bedeuten  müßte  ^vermittelst  des 
ofens  zubereiten,   backen,   was  einen   allzu   eingeschränkten  sinn    gäbe. 

10 


146  I.   FORO— FRAG  RARE. 

Neben  fornir  findet  sich  prov.  noch  das  weit  üblichere  formir,  farmir  voll- 
bringen, ausführen,  befriedigen,  ein  genüge  thun,  ohne  zweifei  identisch 
mit  fornire,  da  letzterem  im  itäl.  altfr.  prov.  diese  bedeutungen  gleichfalls 
zustekn;  inlautendes  m  muß  sich  also  in  n,  oder  n  inm  verwandelt  haben, 
welches  beides  selten  vorkommt.  Nimmt  man  aber  zu  formir  die  neben- 
form  fromir  Chx.  III,  475,  GRiq.  p.  32.  130  (auch  ein  ital.  fronire  kennt 
Galvani,  Osserv.  p.  124,  dazu  sard.  frunire),  so  leitet  dies  unwiderstehlich 
auf  ahd.  frumjan  fördern,  vollbringen,  schaffen,  dessen  u  sich  sogar  aus 
einer  diesem  vocal  abgeneigten  spräche  nicht  ganz  verdrängen  ließ.  Die 
bed.  ausstatten  konnte  sich  leicht  aus  < fordern,  vorwärts  bringen,  Vorschub 
thun  entwickeln.  Das  eine  nur  ist  befremdlich,  daß  r  gegen  den  gewöhn- 
lichen brauch  vom  anlaute  abgetrennt  ward,  der  es  sonst,  wie  in  fro- 
mage,  anzuziehen  pflegt,  doch  fehlt  es  auch  dafür  nicht  an  beispielen,  Rom. 
gramm.  I,  224. 

Foro.  it.pg.,  sp.  fuero  gericht,  gesetz,  pr.  for,  altfr.  feur  gesetz,  faxe; 
von  forum  markt ,  gerichtsstätte.  Daher  sp.  pg.  pr.  aforar,  altfr.  afeurer 
taxieren.  Von  forensis  ist  sp.  forense  fremd,  it.  forese  bauer,  unter  ein- 
Wirkung  der  bed.  von  foras  'außerhalb  der  Stadt*. 

Forza  it.,  sp.  fuerza,  sp.  forsa,  fr.  force  stärke;  vb.  forzare  ff. 
zwingen.  Schon  das  frühste  mlatein,  z.  b.  L.  Rip.,  Baiw.,  Long.,  kennt 
forcia  (so  noch  im  span.  Alex.),  eigentl.  fortia,  eine  vielleicht  bis  in  die 
römische  Volkssprache  hinaufreichende  abl.  aus  fortis,  da  man  später  gewiß 
fortia,  wie  aus  falsus  falsia,  gebildet  haben  würde.  Oder  floß  forza  nicht 
vielmehr  aus  dem  vb.  fortiare,  dies  aus  fortis  mit  beobachtung  des  ab- 
leitenden i,  wie  dies  im  mlat.  graviare  von  gravis,  leviare  von  levis  ge- 
schah? Abgeleitet  ist  z.  b.  it.  sforzare,  sp.  esforzar,  fr.  efforcer,  hier- 
von sbst.  it.  sforzo,  sp.  esfuerzo,  pr.  esfortz,  fr.  aber  effort  für  effora 
(esfort  schon  bei  den  Alten),  indem  man  s  =  pr.z  für  eine  flexion  nahm 
und  abstieß,  vgl.  älan  unter  lancia. 

Fracassare  it.,  sp.  fracasar,  fr.  fi$casser  zerschmettern;  sbst. 
fracasso,  fracaso,  fracas,  chw.  farcas.  Dasselbe  wort  scheint  pr.  fras- 
car  (lansas  frascar,  escutz  traucar  e  fendre  elmes  brunitz  LR.),  umge- 
stellt aus  fracsar  wie  läse  aus  laxus.  Das  wort  kann  nicht  als  eine  abl. 
frac-assare  verstanden  werden,  da  im  ital.  kein  sufßx  ass  vorkommt.  Es 
ist  vielmehr,  wie  auch  Menage  meint,  eine  vermutlich  in  Italien  entstan- 
dene zss.  fra-cassare  hineinbrechen,  von  einander  brechen,  die  sich  dem 
lat.  interrumpere  (it.  fra  s.  v.  a.  lat.  inter)  vergleicht.  Andre  erblicken 
darin  eine  zss.  aus  frangere  und  quassare. 

Fragrare,  fiagare,  flairar,  sämmtlkh  in  den  sard.  mundarten,  pr. 
cat.  flairar,  fr.  flairer,  pg.  cheirar  (ch  =  fl)  duften;  sbst.  sard.  fragu, 
fiagu,  altfr.  pic.  flair,  pg.  cheiro,  cat.  fem.  flaira  duft,  auch  cornisch 
flair  Zeuß  I,  189;  von  fragrare,  durch  dissimilation  flagrare.  —  Altfr. 
flairer  hieß  sowohl  olere  wie  odorari;  die  neue  spräche  beschränkt  dieses 
verbum  auf  letztere  bedeutung  und  drückt  olere  mit  fleurer  aus.  Bemer- 
kungen darüber  bei  Gachet  213.  214. 


I.   FRANCO-FREGATA.  147 

F  ran  co  it.  sp.  pg.,  pr.  fr.  franc  frei,  aufrichtig,  letztere  bedeutung 
noch  im  neupr.  Sprichwort  fran  coumo  Tor  lauter  wie  gold.  Man  leitete 
dies  adjectiv  aus  dem  völkernamen  Francus,  der  zugleich  der  natne  des 
freien  mannes  war,  ahd.  Franco,  diesen  aus  dem  ags.  franca  Wurfspieß, 
dimin.  zu  framea  bei  Tacüus  (Wackernagels  glossar);  J.  Grimm  erkennt 
nun  darin  ein  ursprüngliches  adjectiv  aus  der  goth.  würzet  freis  =  nhd. 
frei,  woraus  erst  der  völkername  und  aus  diesem  der  name  der  waffe  ent- 
stand, Gesch.  d.  d.  spr.  p.  512  ff.  Zu  bemerken  ist  bei  diesem  worte,  daß 
in  den  ableüungen  mit  einem  der  hellen  vocale  ursprüngliches  c  sich 
theüs  als  q  oder  c,  theils  als  k  (ch,  qu)  darstellt:  it.  francese,  sp.  fran- 
ces,  fr.  fran$ais,  dagegen  it.  franchezza,  sp.  franqueza,  fr.  franchise 
(fr.  ch  ist  hier  =  it.  ch,  vgl.  duchesse,  Sachet  u.  a.):  die  bildungen  mit 
c  sind  aus  dem  lat.  Francia,  die  andern  aus  dem  deutschen  Franco,  denn 
die  gutturalen  buchstaben  deutscher  stamme  bleiben  auch  in  der  ableitung 
guttural.  Andre  bemerkungen  über  das  auch  im  celtischen  vorhandne 
wort  s.  bei  Diefcnbach,  Goth.  wb.  I,  403. 

Frangia  it.,  sp.  franja,  fr.  frange,  daher  ndl.  frangie,  nhd.  franse. 
Buchstäblich  fugt  sich  dies  eigentlich  franz.  wort  zu  dem  bekannten  dtschen 
framea  wie  vendange  zu  vindemia.  Fransen  sind  herabhangende  spieße 
oder  spitzen  wie  der  rockschooß  ein  breites  speereisen  (s.  gherone).  Diese 
etymologie  ist  grammalisch  und  logisch  untadelhaft,  die  folgende  hat 
bessern  historischen  boden,  da  die  volksublichkeit  eines  wortes  wie  framea, 
wiewohl  Gregor  von  Tours  es  noch  häufig  im  munde  führt,  nicht  sicher 
steht.  Lat.  fimbria  konnte  sich  in  frimbia  fringe  frange  verwandeln  und 
wirklich  hat  der  Walache  (aus  der  alten  Volkssprache?)  frimbie  und  im 
ältesten  prov.  (Bth.  v.  192)  trifft  man  fremna,  wo  aber  doch  frembia  zu 
erwarten  war.  Hennegauisch  lautet  das  wort  frinche,  das  sich  offenbar 
an  frimbia  hält,   auch  das  sicil.  frinza  weist  auf  ein  älteres  fr.  fringe. 

Frecßia  it.,  ältsp.  pg.  frecha,  richtiger  mit  1  nsp.  pg.  pr.  flecha, 
fr.  fleche,  piem.  sard.  flecia,*m  andern  ital.  mundarten  mit  i  frizza, 
watton*  fliehe  pfeil ;  vom  ndl.  flits  dass.,  mhd.  vliz  bogen,  daneben  auch 
flitsch  Frisch  I,  27 8a,  woraus  sich  die  formen  mit  ch  besser  erklären. 
Vgl.  Weigand  i,  253.  Gegen  diese  herleitung  macht  Grandgagnage  v. 
fliehe  die  altfr.  form  mit  dem  kehllaute  flique  geltend,  die  sich  allerdings 
mit  flitz  nicht  verträgt.  Aber  flique  scheint  überall  nur  die  auch  in  fleche 
enthaltene  bed.  speckschnitte  zu  vertreten,  s.  letzteres  II.  c. 

Fregare  it.,  sp.  pg.  pr.  fregar,  fr.  frayer,  richtiger  altfr.  froyer, 
O?0f.  plicare  ployer)  reiben,  streifen;  von  fricare.  Daher  it.  frega  lüstern- 
heit,  fr.  frai  das  laichen  der  fisclhe,  altfr.  fraye,  chw.  frega,  it.  fregola 
dass.  Zsgs.  sp.  refregar  reiben,  refriega  streit;  it.  sfregare,  pg.  es- 
fregar,  span.  entstellt  in  estregar  s.  v.  a.  fregare. 

F  reg  ata  it.,  sp.  pg.  cot.  neap.  fragata,  fr.  ffrSgate  ursprünglich 
Meines-  ruderschiff \  Vülehardouin,  Jayme  Febrer,  Boccaccio  kennen  das 
wort  bereits.  An  unser  fähre,  schwed.  färja,  ist  dabei  (mit  Chevallet)  nicht 
zu  denken:   höchstens  würde  sich  die  erste  silbe  daraus  erklären.    Es  soll 


148  I.   FREGIO-FRIZZARE. 

aus  Italien  stammen;  die  span.  und  franz.  form  zeigen  in  der  that  eine 
ital.  endung.  In  Italien  nannte  man  ein  schiff  bastimento  d.  h.  etwas 
gebautes:  eben  sowohl  konnte  man  es  etwas  gezimmertes  nennen,  fabricata 
zsgz.  fargata,  fregata.    Herleitung  aus  dem  arab.  weist  J.  v.  Hammer  ab. 

F regio  it.,  sp.  friso,  freso,  fr.  frise,  fraise  (altfr.  frese  geschrieben) 
krause  Verzierung,  franse  u.  dgl.;  vb.  it.  fregiare,  fr.  friser,  fraiser 
kräuseln,  verzieren,  sp.  frisar  tuch  aufkratzen;  abgel.  it.  frisato  gestreif- 
tes tuch,  fr.  fraisette  handkrause  (dahin  auch  sp.  frezada,  frazada  lang- 
haarige decke?).  Phrygiae  vestes  bei  den  Alten  waren  gestickte  hleider: 
aus  dem  adjectiv  konnte  wohl  it.  fregio,  nimmer  fraise,  frise  entstehen, 
eher  kann  das  ital.  wort  aus  dem  franz.  entlehnt  sein,  wie  auch  fregione 
dem  fr.  frison  entspricht.  Als  grundbedeutung  des  verbums  ist  kräuseln 
anzunehmen:  bedeutet  nun  wirklich  der  deutsche  völkername  Frisa,  Fresa 
*  gelockt',  so  bedarf  es  keiner  weitern  Untersuchung,  s.  Grimm  Js.  408 
(bezweifelt  in  der  Gesch.  d.  d.  spr.  669),  wenigstens  läßt  sich  das  roman. 
wort  im  fries.  frisle,  engl,  frizzle  wiedererkennen.  Das  engl,  fleece  wol- 
liges fett,  vlies,  liegt  jedenfalls  weiter  ab.  Sind  die  frisii  panni  des  mit- 
telalters  friesische  oder  ge flockte?  saga  fresonica,  pallia  fresonica,  vesti- 
menta  de  Fresarum  provincia  werden  im  früheren  mittelalter  erwähnt, 
man  sehe  Ducange  v.  sagum.  —  [Gachet  p.  344h  bemerkt,  daß  die  rohen 
tücher  von  Friesland  mit  den  goldstoffen  von  Phrygien  keine  gemeinschaft 
hätten.  Dies  ist  gut.  Wenn  er  aber  bei  der  alten  herleitung  aus  phry- 
gius  stehen  bleibt,  so  hätte  er  den  buchstäblichen  Zusammenhang  zwischen 
diesem  und  dem  franz.  worte  nachweisen  sollen.  Das  deutsche  Frisa  oder 
frisle  ist  oben  nur  als  etymologisches  dement,  nicht  in  beziehung  auf  die 
heimath  der  stoffe  benutzt  worden.  —  Auf  eine  neue  Untersuchung  des 
schwierigen  wortes  von  Atzler  p.  98,  anknüpfend  an  das  deutsche  friesel 
(schauer,  gleichsam  kräuselung  der  haut),  ist  hier  etwa  noch  hinzuweisen.] 

F res co  it.  sp.  pg.,  pr.  fresc,  fr.  frais,  (fem.  fraiche),  watton.  friss 
frisch,  jung,  neu ;  vom  ahd.  frise,  auf  welches  it.  fresco  mit  geschlossenem 
e  streng  zurückweist;  ags.  ferse,  kymr.  fresg,  bret.  fresk. 

Fr  et  fr.  (mit  hörbarem  t),  pg.  frete,  sp.  flete  miethe  eines  Schiffes; 
vom  ahd.  frfeht  verdienst;  oder  vom.  ndl.  vracht? 

Frettare  it.,  pr.  fretar  fegen,  reiben;  sbst.  it.  fretta,  neupr.  freto 
eilfertigkeit ;  von  fricare,  frictum.  Die  franz.  spräche  bietet  dafür  frotter, 
das  sich,  freilich  gegen  die  regel,  aus  froiter  vereinfacht  haben  müßte,  im 
bürg,  fretter  (hecheln)  hätte  sich  der  richtige  vocal  behauptet.  Aus  der 
franz.  form  wäre  denn  auch  sp.  frotar,  flotar  entnommen,  das  dem  Por- 
tugiesen fehlt.  Ein  diminutiv  von  frotter  ist  fr.  fr  61er  anstreifen,  für 
frotler,  dessen  norm,  form  freuler  unmittelbar  auf  das  lat.  etymon  zurück- 
zugehen scheint.  Vgl.  auch  das  mundartl.  dtsche  fretten  Frisch  I,  291, 
das  schon  Muratori  anführte;  Zusammenstellungen  bei  Diefenbach,  Goth. 
wb.  I,  102.  103. 

Frizzare  it.  stechen  oder  fressen  unter  der  haut,  sp.  frezar  fressen, 
reiben,  wühlen,   neupr.  frizä  zerreiben;  sbst.  sp.  freza,  pr.  fressa  spur. 


I.   FRONCIR-FURON.  149 

Die  Wörter  mahnen  an  das  dhd.  frezzan,  goth.  fritan;  vergleicht  man  aber 
frizzare,  frezar  mit  dirizzare,  derezar  von  directus,  so  tvird  man  auf 
frictus,  particip  von  fricare,  geführt  und  diese  deutung  gewinnt  an  wahr- 
scheinlichkeit,  wenn  man  den  seltnen  Übergang  des  goth.  t  in  sp.  z  an- 
schlägt.   Ein  franz.  fresser  fehlt. 

Froncir  dUsp.  PC.  1752,  nsp.  fruncir  und  so  auch  cot.  frunsir, 
sard.  frunziri,  pr.  dltfr.  froncir,  neufr.  aber  froncer  in  falten  legen,  ndl. 
fronsen;  daher  sbst.  dltfr.  fronce  falte,  sard.  frunza.  Froncer,  gleichsam 
frontiare,  kann  eine  handlung  der  stirne  ausdrücken  wie  ciller  eine  hand- 
lung  der  wimpern,  pg.  olhar  eine  der  äugen;  die  auffallendste  handlung 
der  stirne  aber  ist  ihre  fältelung  und  so  konnte  froncer  fälteln  bedeuten; 
vgl.  bair.  'ein  gestirn  (d.  i.  eine  stirne)  machen  die  stirne  falten  SchtneUer 
III,  659.    Das  pg.  franzir  beruht  wohl  nur  auf  einer  ent Stellung. 

Frugare  it.,  sp.  hurgar,  pg.  forcar,  neupr.  furgÄ,  dltfr.  furgier 
Ben.  I,  p.  21  durchstöbern,  umrühren;  von  furca  gabel.  Einen  einge- 
schobenen vocal  erkennt  man  im  ven.  furegare  und  sard.  forogai.  Die- 
selbe begriffsentwicJdung  im  it.  rinvergare  aufspüren,  von  verga  stab, 
piem.  fustignd  durchsuchen,  von  fustis. 

Fuoco  it.,  sp.  fuego,  pg.  fogo,  pr.  fuec,  fr.  feu,  weil,  foc  feuer; 
von  focus  herd,  poetisch  auch  feuer,  in  letzterem  sinne  entschieden  seit 
dem  ersten  mittelalter,  z.  b.  in  der  L.  Alam.,  daher  focum  facere  ignem 
excitare.  Die  neue  spräche  traf  diese  wähl,  weil  sie  das  ausdruckslose 
ignis  ( Dante' s  igne  ist  IcUinismus)  nicht  brauchen  konnte.  Vor  der  Ver- 
wechslung warnt  der  Vocab.  optimus  p.  18:  non  focus  est  ignis,  immo 
proprie  locus  ignis.  Von  focus  ist  it.  focile,  fucile,  fr.  fusil  feuerstein, 
feuer  geweht,  vgl.  unser  flinte  von  flint  kieset.  Für  das  zsgs.  it.  infocare, 
dUsp.  enfogar  glühend  machen  ist  das  alte  Zeugnis  infocare  ^ignicare 
Gloss.  vet.  527  zu  bemerken. 

Fuora  und  fuori  it.,  sp.  fuera,  alt  fueras,  pg.  fora,  pr.  foras,  fors, 
fr.  hors  (h  asp.),  vrlt.  fors  (schon  in  den  Vatican.  glossen  ed.  W.  Grimm), 
wal.  fere,  neue  präposition  mit  der  bed.  extra,  von  foras  hinaus,  foris 
draußen,  s.  Ducange  v.  foras.  Auch  das  churw.  ora,  or  ist  dieser  her- 
kunft.  Zsgs. pr.  forceis  ausgenommen  LR.  III,  372  für  fors-eis  =  foras 
ipsum  (vgl.  anceis,  aingois);  fr.  hor-mis  =  foras  missum  herausgelegt, 
aus  dem  spiel  gelassen.  Abgel.  ist  sp.  foraneo,  forano,  fr.  forain  fremd, 
dltfr.  deforain  u.  a. 

Furon  dUsp.,  nsp.  huron,  pg.  furäo,  dltfr.  fuiron,  mit  einem  an- 
dern suffix  it.  furetto,  fr.  füret,  ndl.  füret,  foret,  fret  eine  art  wiesei, 
f rettet,  zum  jagen  der  kaninchen  gebraucht,  occ.  fur6  maus;  vb.  sp.  huro- 
near,  sard.  furittai,  fr.  fureter  durchsuchen,  durchstöbern.  Auch  von 
diesem  muthmaßlich  noch  aus  der  römischen  Volkssprache  herrührenden 
worte  hat  Isidorus  künde:  furo,  sagt  er,  a  furvo  dictus,  unde  et  für: 
tenebrosos  enim  et  occultos  cuniculos  effodit.  Es  kann  nur  von  für  dieb, 
woher  auch  it.  furone  erzdiebf  abstammen  (im  frühern  mlat.  furo  furonis, 
vgl.  Pott  in  der  abh.  Plattlatein).    Leitet  man  füret  vom  kymr.  fifared  = 


150  I.    FUSTA-GAFA. 

engl,  ferret,  so  steht  sowohl  das  uralte  suffix  on  wie  auch  der  in  allen 
obigen  bildungen  auf  ü  deutende  stammvocal  im  wege.  Besser  würde  man 
mit  Villemarque  bret.  für  'klug,  verschlagen  anführen. 

Fusta  it.  sp.  pg.,  fr.  fuste  ruderschiff;  von  fustis  prügel,  sp.  fuste, 
pr.  fust,  nüat.  fustis  bäum,  holt,  vgl.  it.  legno  fahrzeug,  von  lignum.  Mit 
fr.  fflt  ist  zsgs.  äff  fit  schüft,  lavette,  vb.  affüter,  it.  affustare  Schäften. 

Fustagno,  frustagno  it.,  sp.  fustan,  pr.  fustani,  fr.  futaine  ein 
baumwollener  Stoff,  barchent;  so  genannt  nach  der  Stadt,  wo  er  verfertigt 
ward,  Fostat  oder  Fossat  (Cairo),  s.  das  wort  Gol.  1798,  Freyt.  II I,  347b. 


G. 

Gabarra  sp.  cot.,  fehlt  pg.,  fr.  gabare  ein  plattes  und  breites  fahr- 
zeug;  woher? 

Gabbano  it.,  sp.  altfr.  gaban  regenmantd;  von  ungewisser  her- 
kunft,  vielleicht  aus  gleichem  stamme  mit  cabana,  gabinetto  (s.  oben  ca- 
panna),  denn  hütte  kann  als  der  umhüllende  schützende  mantel  aufgefaßt 
werden. 

Gabbia,  gaggia  it.,  sp.  pg.  gaxin,,  neupr.  gavi  (m.),  mit  tenuis  fr. 
cage  (f.),  altfr.  caive,  ven.  sard.  cabbia  käfig,  zum  theil  auch  mit  der  unlat. 
bed.  mastkorb;  von  cavea.  Ein  dimin.  ist  it.  gabbiuola,  sp.  gayola, 
pg.  gaiola,  altfr.  gaole,  jaiole  (datier  die  Span,  nebenform  jaula),  nfr. 
geöle  käfig,  kerker,  fr.  geölier  kerkermeister ;  vb.  fr.  cajoler  liebkosen 
mit  worten  (behandeln  wie  einen  vogel  im  käfig);  dsgl.  zsgs.  enjöler 
schmeichelnd  hintergehn,  urspr.  in  den  käfig  locken  wie  sp.  enjatflar  in 
den  käfig  thun. 

Gabbo  it.,  pr.  altfr.  gab  spass,  spott;  vb.  gabbare  ff.,  auch  altsp. 
gabar  Alx.;  vgl.  nord.  gabb  Verspottung,  gabba  hintergehen.  Über  mög- 
lichen celt.  Ursprung  s.  Diefenbach,  Goth.  wb.  I,  169. 

Gabe  IIa  it.  pg.,  sp.  pr.  gabela  abgäbe,  Steuer,  fr.  gabeile  salzsteuer; 
vb.  it.  gäbe  IIa re  versteuern.  Man  findet  seine  quelle  im  gleichbed.  ags. 
gaful,  gafol,  engl,  gavel  (s.  Ducange),  vom  vb.  gifan,  goth.  giban  Grimm 
II,  24,  daher  mlat.  gablum,  gabulum,  endlich  gabella  (eigentl.  plural  von 
gabellum  aus  gabulum?).  Diese  herleitung  ist  grammatisch  die  sicherste: 
die  aus  aJid.  garba  manipulus  setzt  einen  vor  b  nicht  üblichen  ausfcül 
des  r  voraus,  die  aus  dem  arab.  vb.  qabala  (einnehmen)  eine  sonst  nicht 
vorkommende  erweichung  des  arab.  anlautes  q  M)  zu  g.  [Dem  argumente 
gegen  das  arab.  etymon  stimmt  auch  Engelmann  bei  p.  19.] 

Gafa  sp.  pg.,  sard.  gaffa,  fr.  gaffe,  pr.  gaf  eiserner  haken,  engl. 
gaff,  adj.  sp.  gaf o  krampfhaft  (von  nerven),  wohl  auch  comask.  gab  haken, 
gavöl  krummes  stück  werkholz;  vb.  sp.  gafar,  fr.  gaffer  häkeln,  gascon. 
gaha  üblicher  ausdruck  für  prendre;  vom  deutschen  gafel,  gabel  nach 
Frisch,  besser  aber  vergleicht  man  das  obd.  gaifen  krumm  ausschneiden, 
gaifung  eiserner  ring,  und,  mit  Diefenbach,  gad.  gaf. 


I.   GAGGIO— GAJO.  151 

Gaggio  it.,  sp.  gage,  pg.  pr.  fr.  gage  pfand,  gewahrleistung,  sold 
(besonders  im  plur.),  prov.  auch,  zumal  in  den  formen  gadi,  gazi,  letzter 
wiUe,  testament;  vb.  pr.  gatjar,  altfr.  gager  pfänden,  nfr.  wetten,  besol- 
den; zsgs.  it.  ingaggiare,  pr.  engatjar,  fr.  engager  verpfänden;  fr.  d6- 
gager  auslösen,  los  oder  frei  machen.  Man  bemerkt  diese  Wörter  im 
ältesten  mlatein,  am  häufigsten  in  den  germanischen  gesetzen:  vadium  oder 
mit  w  wadium  bürgschaft,  pfand  L.  Älam.  (donet  legitimum  vadium), 
Chron.  Laurish.,  Odo  Cluniac.,  fem.  vadia  L.  Long,  (vadiam  dare),  vb. 
wadiare  (z.  b.  bannum),  invadiare,  disvadiare,  revadiare.  Daher  neugr. 
ßadiov,  bask.  bahia.  Abzuweisen  ist  Ducange's  etymologie  aus  lat.  vadum 
in  der  redensart  res  est  in  vado  ist  in  Sicherheit,  da  hieraus  kein  vb.  va- 
diare  abgeleitet  worden  wäre.  Aus  vas  vadis  könnte  der  Romane  ein  vb. 
radiäre,  hieraus  wieder  ein  sbst.  vadium,  vadia  ableiten,  aber  der  durch- 
greifende anlaut  g  für  gu,  gestützt  auf  die  uralte  Schreibung  mit  w,  leitet 
auf  deutsehe  quelle  zurück:  das  rom.  wort  ist,  wie  vide  dieser  gattung, 
aus  dem  germanischen  rechtswesen  entlehnt :  goth.  vadi  pfand,  ahd.  wetti, 
mhd.  wette,  oitfrs.  ved  pfand,  bürgschaft,  Verheißung,  auch  ersatz,  geld- 
buße,  nhd.  wette  sponsio,  vb.  goth.  gavadjön  geloben,  mhd.  wetten  pfand 
geben,  altfrs.  vedia  bürgen,  gewette  zahlen  u.  s.  w.,  vgl.  Grimm,  Rechts- 
alt.  601.  Den  Ursprung  von  vadi  findet  man  theils  in  dem  starken  ver- 
bum  vidan  binden  s.  Grimm  II,  26,  Diefenbach,  Goth.  wb.  I,  140,  theils 
im  lat.  vas  vadis. 

Gagliardo  it.,  sp.  pg.  ebenso  gallardo,  pr.  galhart,  fr.  gaillard 
munter,  üppig,  kräftig,  kühn,  frech.  Aus  gala  konnte  dies  adjectiv  nickt 
entstehen,  es  würde  galardo  lauten.  Schwerlich  auch  aus  gajo,  da  man 
einmischung  des  Suffixes  igl  annehmen  müßte  (gaj-igl-ardo).  Keine  for- 
male Schwierigkeit  läge  ijn  ags.  gagol,  geagle  muthunllig,  üppig.  Aber 
wahrscheinlicher  noch  birgt  das  roman.  wort  eine  celtische  würzet,  kymr. 
gall  kraß,  eitgad.  galach  muth,  tapferkeit:  erweichung  des  11  ist  wenig- 
stens im  prov.  und  span.  sehr  üblich. 

Gaglioffo  it.,  sp.  gallofo  schelm,  taugenichts,  landstreicher,  henneg. 
galoufe,  woilon.  galofä,  gaioufe  fresser;  dsgl.  sp.  gallofa  stück  bettelbrot, 
chw.  gaglioffa,  lomb.  gajoffa  schleppsack  (bettelsack?).  Nach  Covarruvias 
zsgs.  aus  Galli  offa  älmosen,  das  man  in  den  klöstern  den  nach  S.  Jago 
pilgernden  Franzosen  reichte.  Die  erklärung  hat  den  anstrich  einer  ety- 
mologischen erfindung,  dllein  das  Wörterbuch  zeigt  wirklich  diese  bedeutung. 
Die  catal.  form  galyöfol  ist  dann  aus  Galli  offula. 

Gajo  it.,  altsp.  gayo  (Seckendorf),  pg.  gaio,  pr.  gai,  jai,  fr.  gai 
munter,  lebhaft;  leitete  schon  Muratori  vom  ahd.  gähi  rasch,  kräftig,  nhd. 
jähe,  mit  ausgestoßenem  h.  (Prov.  gau,  welches  Raynouard  hieherzieht 
LR.  III,  441,  steht  für  gai  haJm:  del  prumier  gau  ist  =  sp.  al  primer 
gallo  T>eim  ersten  hähnenschrei.)  Damit  trifft  zusafnmen  der  name  eines 
vogds,  den  die  alten  dichter  Frankreichs  zur  nachtigall  gesellten,  sp.  gayo, 
gaya,  pr.  gai,  jai,  attfr.  pic.  gai,  nfr.  geai  holzhäher,  markolf,  also  der 
muntere  oder  der  bunte,  denn  gajo  hat  auch  diese  letztere  bedeutung  (altfr. 


152  I.   GALA-GALEA. 

piaus  gaies  et  noires  bunte  und  schwarte  fdle  G.  SAngl.  p.  119),  sp. 
gayar  bunt  machen. 

Gala  it.  feierkleid,  busenstreif  der  frauen  (Boccaccio),  di  gala  mun- 
ter, lustig,  sp.  pg.  gala  feierkleid,  anstand,  anmuth,  fr.  gale  munterkeit, 
ergötzlichkeit,  freudenfest  (Froissart,  A.  Chartier,  Coquillart,  s.  Borel); 
abgel.  it.  gallone,  sp.  galon,  fr.  galon  borte,  tresse;  it.  galante,  fr. 
galant  artig,  sp.  galante  artig,  freigebig,  daher  galanteria,  galanteggiare 
u.  s.  w.;  sp.  galano,  galan  hübsch,  geputzt,  sinnreich,  davon  galania, 
galanura;  auch  ein  altfr.  adj.  galois  zieht  man  hieher,  s.  Roquefort  und 
Du  Meril,  Dict.  norm.  Ein  einfaches  verbum  ist  altfr.  galer  feste  feiern, 
schwärmen:  je  plains  le  temps  de  ma  jeunesse,  auquel  ay  plus  qu'en 
autre  temps  gal6  (Villon);  il  y  aura  beu  et  gall6  (Pathelin).  Merkwür- 
dig ist,  daß  gala  nebst  seinem  ganzen  gefolge  im  prov.  noch  nicht  vor- 
kommt und  daß  auch  im  franz.  des  12.  und  13.  jh.  gale  nicht  vorhanden 
scheint;  es  fehlt  daher  auch  im  mittellatein.  Was  seine  herkunft  betrifft,  so 
erklärt  es  Perion  nicht  ungeschickt  aus  gr.  xalog  schön,  lieblich,  anständig, 
xa  xaXa  die  annehmlichkeiten  deslcbens:  nicht  unhäufig  entsteht  anlauten- 
des g  aus  der  tenuis.  Andre  verweisen  aiuf  äyalluv  schmücken,  ayalleodm 
sich  schmücken,  sich  brüsten,  sich  freuen;  schwerlich  aber  würde  der  Ita- 
liener, der  doch  wohl  das  wort  eingeführt  haben  müßte,  das  doppelte  1 
mit  einfachem  vertauscht  haben.  Auch  auf  ein  ardb.  etymon  wird  vertciesen: 
chalaa'h  ehrenkleid  als  fürstliches  geschenk.  Indessen  gewähren  die 
Wörterbücher  dieser  spräche  nur  chilaa'h  und  es  ist  unerweislich,  daß  das 
vulgär-arabische  in  Spanien  i  mit  a  tauschte;  Engelmann  bemerkt  diesen 
Wechsel  nicht,  verwirft  übrigens  die  deutung  aus  einem  andern  gründe 
(p.  107).  Ehrenkleid  entspricht  überhaupt  dem  begriffe  des  roman.  Wortes 
nicht:  gala  ist  ursprünglich  ein  abstr actum  und. heißt  putz,  staat,  beiAnt. 
Nebrissensis  'elegantia  vel  lautitia  vestium',  vestido  de  gala  staatsJdeid. 
Bessere  ansprüche  als  das  arabische  wort  scheint  ein  deutsches  zu  haben: 
ahd.  geil!  (f.)  prunk,  stolz,  mhd.  geile  Üppigkeit,  lustigkeit  {wie  fr.  gale), 
geilen  erfreuen  (fr.  galer  =  sich  geilen). 

Galanga  it.  sp.  pg.,  altsp.  garingal  Conq.  Ultram.,  altfr.  galange, 
häufig  garingal  (poivre,  canele  et  garingal  Fl.  Bl.  2029),  engl,  galingal, 
ahd.  mhd.  galgan,  nhd.  galgant,  eine  aus  China  und  Java  kommende 
wurzel.    Es  ist  das  ardb.  chalan',  ursprüngl.  persisch  Gol.  752. 

G&lbero  it.  (Jagemanns  Wb.),  mail.  comask.  galbö  goldamsd;  lat. 
galbula,  bei  Martial  und  Plinius,  muthmaßlich  dasselbe  wort.  Zu  einer 
andern  lesart  bei  dem  letzteren  Schriftsteller  galgulus  stimmt  sowohl  sp. 
galgulo  wie  it.  ri-gögolo,  rigoletto,  beide  letztere  ohne  zweifei  aus 
aurigalgulus.  Das  parm.  galböder,  cremon.  galp£der,  entstand  offenbar 
aus  galbicterus.  Der  Spanier  nennt  den  vogel  auch  oro-pendola  gold-feder. 

Gal6a  it.  altsp.,  pg.  gal£  (f.),  pr.  galöa,  galeya,  gal6,  altfr.  galäe, 
galie,  mittelgr.  yalta,  yaXaia  ursprüngl.  ein  langes  ruderschiff:  tunc  rex 
jussit  cymbas  et  galeas  i.  e.  longas  naves  fabricari,  sagt  Asser  (9.  jh.), 
s.  Voss.  Vit.  serm.;   it.  galeotta,   sp.  pg.  galeota,    altfr.  galiot  leichte 


I.   GALERNO-GALOPPARE.  153 

galea;  it.  galeazza,  sp.  pg.  galeaza,  fr.  galäasse  großes  schiff  dieser 
art;  it.  galeone,  sp.  galeon,  pg.  galeäo,  fr.  galion  großes  fahrzeug. 
Gleichbed.  mit  galea  ist  it.  sp.  pg.  pr.  galera,  fr.  gal&re:  abstammend 
aber  von  jenem  müßte  es  it.  galiera,  pg.  galeira,  fr.  galiöre  lauten,  nur 
die  sp.  form  wäre  richtig  und  diese  müßte  sich  den  übrigen  mundarten 
mitgetheiit  haben.  Einige  leiten  galea  vom  lat.  galea  heim  als  abdeichen 
eines  schiff  es,  wie  desjenigen,  welches  den  dichter  Ovid  trug:  a  picta  cas- 
side  nomen  habet  Trist.  1,  10  (Voss.  I.  c);  aber  aus  gälea  wird  nicht 
gal£a,  und  cassis  steht  da  als  name  des  einzelnen  Schiffes,  nickt  einer  art 
von  schiffen.  Nach  andern  entlehnte  man  den  namen  wegen  einer  ahn- 
lichkeit  der  gestalt  vom  gr.  yalsog  haifisch,  und  galeotta  aus  gleichem 
gründe  von  yaXf.coxr^  Schwertfisch.  Das  letztere  gleichnis  wäre  besonders 
passend,  man  erwäge  die  beschreibung  der  galea  in  der  Hist.  Hieros.  DG., 
worin  es  heißt:  lignum  a  prora  praefixum  habet  et  vulgo  calcar  dicitur, 
quo  rates  hostium  transfiguntur  percnssae.  Auch  galeotta  für  galeota 
läßt  sich  mit  ähnlichen  beispielen,  wie  patriotta,  Candiotta,  rechtfertigen. 
Daß  dieses  wort  aber  auch  auf  roman.  weise  aus  galäa  abgeleitet  sein 
kann,  versteht  sich.  Noch  ein  anderes  griechisches  erst  bei  Hesychius  vor- 
kommendes wort  ist  in  betracht  gezogen  worden:  yakt]  =  igiÖQag  eldog, 
also  eine  ort  gatlerie,  und  sehr  wohl  konnte  ein  langes  schiff  mit  einem 
langen  bedeckten  gange  verglichen  werden;  man  sprach  mit  betonung  des 
gedehnten  endvoccis  gal6  (vgl.  akorj,  aloö)  und  fügte  das  weibliche  a  an. 
Von  diesem  galä  oder  zunächst  von  galera  ist  denn  auch  das  bekannte 
rom.  galleria,  das  wenigstens  schon  im  9.  jh.  vorkommt:  tres  domos 
cultas,  videlicet  galeria  posita  via  Aurelia  .  .  .  reliquas  vero  duas  i.  e. 
galeriam  positam  etc.  DG;  hier  scheint  es  ein  zierliches  gebäude  zu  heißen; 
in  spätem  stellen,  aus  der  ersten  hälfte  des  11  jh.,  ist  es  ein  eingeschlossener 
ort,  ein  hof:  in  galeria  intra  castellum  vel  de  foris  habitantibus  Ughell. 
J,  p.  121° ;  curtem,  quae  dicitur  galeria,  in  qua  est  ecclesia  S.  Mar.  das. 
p.  136".  Aber  so  wie  jene  älteste  stelle  es  gibt,  stimmt  es  besser  zur  rom. 
bedeutung.  Noch  einer  etymologie  ist  zu  gedenken.  Muratori  vermuthet 
den  Ursprung  von  galea  und  galeone  im  arab.  chalaia  und  chalion; 
wendet  man  sich  an  Golius,  so  erfährt  man  (p.  753.  754),  daß  chali 
(chalion)  leer,  frei,  demnächst  (in  einem  wb.  vor  d.  j.  1000)  bienenkorb, 
großes  schiff,  weil  es  frei  sei  von  ruderwerk,  bedeutet.  Weder  J.  v.  Ham- 
mer noch  Engelmann  sind  hierauf  eingegangen. 

Galerno  sp.  pg.,  galerna  pr.,  galerne  fr.  nordwestwind,  vgl.  bret. 
gwalern,  gwalarn,  gwalorn.  Die  irische  spräche  besitzt  das  einfache  gal 
Windhauch,  die  engl,  gale  kühler  wind.  Für  begriffe  dieser  dasse  liebt 
die  prov.  spräche  das  sufftx  erna  (bolerna  stürm,  buerna  nebd,  suberna 
Strömung),  es  ist  also  wohl  zunächst  eine  prov.  bildung,  aber,  so  scheint 
es,  cms  cdtischem  stoffe,  wiewohl  Nicot  erklärt  €nom  de  vent,  qui  fait  geler 
les  vignes*.  2hi  vergleichen  ist  aber'  auch,  was  engl,  gale  und  ir.  gal  be- 
trifft, Dief.,  Goth.  wb.  II,  439,  E.  Mütter  v.  gale. 

Galoppare  it.,  sp.  pg.  galopar,  pr.  galaupar  Fer.  469,  fr.  galoper 


154  I.    GALOSCIA— GAMBA. 

sich  in  Sprüngen  fortbewegen  (von  pf erden),  galoppieren,  prov.  und  franz. 
auch  in  galopp  setzen;  daher  sbst.  galoppo  ff.  Faidü  definiert  galopar 
Unter  trotar  et  currere^  zwischen  treiben  und  laufen,  GProv.31.  Sdlmasius, 
Vossius  u.  a.  sahen  darin  das  gr.  xalnifv  traben,  trott  gehen,  mit  einge- 
schobenem o,  aber  eingeschobene  vocdle  betont  man  nicht.  Es  ist  das  goth. 
hlaupan  mit  vorgesetztem  ga,  ahd.  gahlaufan,  ags.  gehleapan,  nhd.  laufen, 
eine  durch  die  prov.  form  bestätigte  herleitung,  indem  hier  an  dem  deut- 
schen diphthong  an  gleichsteht:  aunir  =  haunjan,  raubar  =  raubön,  raus 
=  raus.  Oder  sollte  der  anlaut  g  ein  verkapptes  w  sein,  da  man  mndl. 
walop,  walopeeren,  mhd.  walap,  walopieren  findet?  Dies  ist  aber  nur 
einem  fr.  walop,  waloper  nachgesprochen,  indem  sich  in  nordfranz.  mund- 
arten  g  manchmal  in  w  verirrt,  woher  auch  it.  gualoppare,  vgl.  gar$on 
war$on,  gaignon  waignon  (hund),  wohl  auch  gaqutere  waquiere  (jach&re). 
An  diesen  Übergang  des  g  in  w  gewöhnt  sprach  der  Niederländer  auch 
Walewein,  franz.  gewöhnlich  Galyain,  wiewohl  fr.  g  hier  zufällig  ßr 
ga  steht,  kymr.  Gwalchmai.  Das  persönliche  subst.  sp.  galopo,  it.  ga- 
luppo  beiläuferi  daher  fr.  galopin  (in  der  thierfabd  name  des  als  böte 
gebrauchten  hosen)  wird  dem  ahd.  hloufo  nachgebildet  sein.  [Hierzu  eine 
beachtenswerte  randglosse  Wackernagels:  c  Galoppare  möchte  ich  kaum 
auf  gahlaufan  mit  dieser  hier  so  zufälligen  und  bedeutungsleeren  vorsylbe 
zurückfuhren.  Vielleicht  g&ho  hloufan'  i  Es  möchte  dagegen  zu  erinnern 
sein,  daß  grade  der  Romane  die  bedeutungsleere  der  partikd,  die  er  auch 
sonst  mehrfach  aufnahm,  am  wenigsten  fühlte,  er  liebte  verstärkte.  Wörter. 
Das  wirkliche  vorkommen  eines  compositums  gählouf  würde,  versteht  sich, 
entscheiden.] 

Galoscia  it.,  galocha  sp.,  galoche  fr.  Überschuh;  vom  lat.  gallica 
pantoffd,  mit  verstärkter  form  oder  eigentlich  mit  vertauschtem  suffix,  $. 
Rom.  gramm.  II,  319.  Das  ited.  wort  scheint  aus  dem  franz.  entlehnt, 
in  welchem  g  hier  eben  so  wenig  zu  j  ward  wie  in  gal  (gallus),  Gaules 
(Galliae).  Andre  leiten  es  von  calceus,  was  die  lautgesetze  nicht  gestatten, 
oder  von  caliga,  welches  jedesfalls  weiter  abliegt  als  gallicus.  Gleichbed. 
ist  das  sp.  haloza. 

Garn  b  a  it.  sp.  cot.,  pr.  gamba  in  gambaut,  pg.  gambia,.  fr.  jambe  bein 
vom  knie  bis  zum  fuß,  Schienbein.  Neben  dieser  form  mit  anlautender 
media  stellt  sich  eine  gleichfalls  weit  verbreitete  mit  anlautender  tenuis: 
altsp.  camba  Alx.,  so  auch  pr.  sard.,  churto.  comba,  vgl.  alban.  khembe. 
Einer  dritten  form  fehlt  der  letzte  consonant:  altsp.  camaPC,  gleichlaut 
cat.  bearn.,  cdtfr.  aber  jame.  Daß  die  tenuis  der  media  vorangegangen, 
camba  alter  als  gamba  sei,  leidet  kaum  einen  zweifei;  beide  konnten  neben* 
einander  fortbestehen  wie  it.  castigare  und  gastigare,  pr.  cat  und  gat. 
Zwischen  camba  und  cama  aber  ist  es  theoretisch  zweifelhaft^  ob  b  ein- 
geschoben oder  ausgefallen  sei,  ob  man  also  camb  oder  cam  als  {heim 
anzunehmen  habe.  Die  grundbed.  von  camba  muß  bug,  kniebug  gewesen 
sein,  wie  andre  bildungen  desselben  Ursprungs  bezeugen:  pg.  camba  rad- 
feige (krummes  holz),  cambaio  krummbeinig,  altsp.  encamar  (s.  v.  a.  en- 


I.   GAMBAIS-  GANTA.  155 

cambar)  beugen  s.  Sanchez  zum.  Cid,  wohl  auch  bürg,  (in  Berry)  cam- 
boisser  krümmen,  dsgl.  mlat.  cambuta  krummst  ab,  das  in  der  form  cabtita 
schon  in  einer  Urkunde  v.  j.  533  Breq.  n.  15  erscheint.  Die  würzet  findet 
sich  auf  lat.  Sprachgebiete  in  cain-urus,  cam-erus  krumm,  cam-era  Wölbung, 
cam-erare  wölben  (fr.  cambrer),  einfach  im  celt.  cam  gebogen,  gekrümmt 
(kymr.  camineg  radfeige,  wie  pg.  camba),  ihre  weitere  ausprägung  in 
camba  lag  vielleicht  schon  im  latein  vor,  da  auch  die  griech.  Sprache 
miinij  hat  und  celt.  cam  auf  SUeres  camb  (vgl.  Cambodunum  u.  a.  geogr. 
namen,  Zeuß  J,  75.  96)  zurückzuführen  ist.  Aber  gamba  für  ungula  bei 
Vegäius  jß.  V.  ist  ein  unclassisches  wort.  Vom  deutschen  hamma  oder 
wampa  ist  ganz  abzusehen.  Zu  gamba  gehört  noch  sp.  Jamba  pfosten, 
iL  gambo  stengel  (bein  der  pflanze),  nfr.  jambon,  sp.  jamon  Schinken, 
dtfr.  ga mache  beinbekleidung. 

Gambais  pr.,  altfr.  gambais,  wambais,  altsp.  gambax  Alx.,  altpg. 
canbas  SEos.,  daher  mhd.  wambeis,  wambois,  wambis,  nhd.  wams,  im 
späteren  nüatein  mit  schwankender  endung  gambacium,  wanbasium,  fehlt 
üd.;  dsgl.  pr.  gambaiso,  altfr.  gambeson,  wambaison,  spätmlat.  gambaso 
gambasonis ;  ein  den  Oberleib  bedeckendes  Meidungsstück.  Nicht  von  gamba; 
auf  goth.  vamba,  ahd.  wamba  (bauch)  leitet  namentlich  der  franz.  anlaut 
w.  Was  aber  die  endung  betrifft,  so  ist  ein  ahd.  wambaiz  bei  der  Selten- 
heit und  Ungewißheit  des  Suffixes  aiz,  eiz  nicht  zu  vermuthen,  daher  im 
rom.  ais  das  lat.  aceus,  in  gambois,  mlat.  wambosiam,  eine  unächte  form 
anzunehmen.  Gayangos  zieht  ein  arabisches  etymon  vor:  gonbäz  (spccies 
vestimenti  cra$si,*quo  Collum  tegitur'  Freyt.  III,  298*  (ohne  wurzelverbum). 
Gämbero  it.,  sp.  gdmbaro,  altfr.  jamble,  npr.  jambre,  dauph. 
chambro  kreis;  von  cammarus  seekrebs. 

Gameila  sp.  pg.,  gamelle  fr.  hölzerne  Schüssel  für  matrosen  oder 
Soldaten;  von  camella  trihkgeschirr  (wie  noch  im  span.). 

Gana  it.  sp.  pg.  cot.  heßige  begier.  Es  läßt  sieh  nur  behaupten, 
daß  es  grammatisch  zum  ahd.  geinön  passe,  dessen  bed.  den  mund  auf- 
sperren in  die  bed.  lechzen  übergehen  konnte,  wie  pr.  badar,  lat.  hiare, 
gr.  %aivetv  beide  bedeutungen  umfassen.   Vgl.  unten  guadagnare. 

Ganascia  it.,  fr.  ganache  kinnbaeken  (des  pferdes);  toird  mit  recht 
für  ein  angmentativ  von  gena  gehalten,  welches  letztere  die  spräche  früh 
aufgab.  Menage  führt  auch  ein  sp.  ganassa  an,  von  dem  die  Wörterbücher 
nichts  wissen. 

Gan  cio  it.,  sp.  pg.  gancho  haken,  vielleicht  auch  fr.  ganse  schlinge, 
die  als  knöpf  loch  dient.  Span,  etymologen  lassen  gancho  aus  gr.  yafiifJOQ 
(eingekrümmt)  entstehen,  aber  ps  wird  sich  schwerlich  in  sp.  ch  verwan- 
deln: wohl  pl  in  dem  synonytnen  xa/nnvlog,  womit  aber  das  Hei.  wort 
unerklärt  bliebe.     XJngr.  gants  gleichbed.  wird  aus  letzterem  herrühren. 

Ganta  pr.,  noch  itzt  ganto,  storch,  kranich,  wüde  gans  (ardea  nigra 
nach  Hannorat),  altfr.  gante  Og.  4266,  gente  DC.  v.  auca.  Für  dieses 
wort  hat  man  ein  uraltes  zeugnis:  Plinius  10,  22  sagt  .von  den  gänsen: 
candidi  ibi  (in  Germania),  vero  minores,  gantae  (al.  ganzae)  vocantur. 


156  I.   GARB1N0— GAROFANO. 

Eine  mittellat.  stelle  ist:  Conspicit  innumerabilem  multitudinem  avium, 
quas  vulgus  gantas  vocat  Mirac.  S.  Genulfi,  DG.  Venard.  Fort,  unter- 
scheidet zwischen  ganta  und  anser,  indem  er  gras,  ganta,  anser,  olor  als 
verschiedene  gattungen  zusammenstellt  Daher  das  rom.  ganta  =  ndd. 
gante,  ndl.  gent,  mhd.  ganze,  ahd.  ganazzo.  Dem  wal.  gunsce,  gunsac 
erkennt  Müdosich  slavische  herkunft  zu.  Der  Spanier  benutzte  die  hochd. 
form  gans  zu  seinem  ganso  (denn  gänazzo  hätte  ihm  eher  ganzo  oder 
gan&zo  gegeben),  das  ihm  auch  als  adjectiv  dumm,  dem  Catoianen  ab- 
gefeimt,  eigentl.  sich  dumm  stellend,  bedeutet]  die  gleiche  Übertragung  im 
wal.  adj.  lad  dumm,  vom  ungr.  lad,  gans.  —  Eine  ausführliche  Unter- 
suchung des  Wortes  bei  Diefenbach,  Orig.  europ.  347  ff. 

Garbino  it.  sp.,  garbin  neupr.  südwestwind  im  mittelländischen 
meere;  leitet  man  richtig  aus  dem  arabischen:  hier  heißt  garb!  westlich, 
vom  vb.  garaba  weggehen,  untergehen  (von  der  sonne)  Freyt.  III,  267*, 
daher  auch  pg.  garabia  westen.  Die  itdl.  form  a-gherbino  scheint  an 
diese  arab.  herkunft  zu  erinnern. 

Garbo  it.  sp.  pg.  anstand;  vb.  it.  garbare  anstand  verleihen,  sp. 
garbar  sich  zieren;  pr.  nur  garbier  prahlerisch;  vom  ahd.  garawf,  garwf 
schmuck,  vb.  garawan,  nhd.  gerben,  ndl.  gaerwen  bereiten,  schmücken,  b 
aus  w  auch  im  it.  falbo  von  falawer.  Schon  Frisch  I,  342c  sagt:  das 
itdl.  garbato  schon,  artig,  gebutzt  etc.  kommt  von  diesem  verbo  gärben, 
sofern  es  mit  kleidern  auszieren  bedeutet;  s.  auch  Schmeller  II,  64.  Das 
bask.  garbata  wird  von  der  Zubereitung  des  flachses  gebraucht.  Auch 
an  das  formell  weiter  abliegende  gr.  yavQOv  stolze  hütung  hat  man 
gedacht. 

Garbaglio  it.,  sp.  garbullo,  eiffr.  garbouil,  grabouil  lärmender 
häufe,  Verwirrung.  Sicher  ein  compositum.  Das  erste  wort  ist  wahr- 
scheinlich von  garrire  schwatzen,  das  andre  ohne  zweifei  von  ballire  brau- 
sen, sbst.  sp.  balla,  it.  baglione,  cot.  ballanga  verworrenes  geschrei. 

Gargatta  it.,  altfr.  pic.  gargate  s.  Roquef.  und  Brut  I,  103,  und 
so  churw.  gargata,  in  Genf  gargataine,  im  Jura  garguelotte  u.  dgl.,  auch 
bret.  gargaden,  altengl.  gargate,  sp.  pg.  cot.  mit  eingeschobenem  n  gar- 
ganta  gurgel;  abgeleitet  von  garges  mittelst  des  Suffixes  att  unter,  einwir- 
kung  des  naturäusdruckes  gargarizare  gurgeln,  sp.  gärgara  gegurget  = 
arab.  gargara  (vb.),  vgl.  it.  gorgogliare,  gorgozza  abgeändert  in  gargagli- 
are,  gargozza.  Auch  sp.  gärgola,  fr.  gargoaille  speiröhre  der  dach- 
traufe  wird  hieher  zu  stellen  sein.  Seltsam  ist  pr.  gargamela  gurgel,  fr. 
gargamelle  bei  Rabelais,  noch  jetzt  lothringisch,  vom  gase,  gamo,  man  sehe 
Dict.  de  Trevoux  und  Oberlin  (Patois  lorr.),  vgl.  auch  pg.  gorgomilos 
(pl.),  sp.  gorgomillera  Schlund.  Eine  Zusammenstellung  mundartlicher 
mit  garg  gebildeter  Wörter  findet  sich  bei  Honnorat.  Hieher  wohl  auch 
pr.  gargar  ßinsprudeln?)  M.  I,  19 1°.  202°. 

Garöfano  it.,  sp.  girofle,  girofre,  pr.  fr.  girofle  würznelke;  von 
caryophyllum  mit  dem  griech.  accente  in  xaQvoqtvllov  gesprochen,  wal. 
aber  caroffl,  garoffl. 


I.   GARRA-GAS.  157 

Garra  fcp.  pg.  kralle,  pr.  garra  kniebug?  (vgl.  sguarar  couper  le 
jarret  GO.),  limous.  jaro,  genf.  jaire.  Daher  it.  garretto,  dltfr.  garret, 
nfr.  jarret,  sp.  jarrete,  pg.  jarrete  kniebug,  kniekehle;  neupr.  garrou 
schweinshammc;  sard.  garroni  =  garretto;  dsgl.fr.  garrot  gelenk,  fuge, 
knebel,  sp.  pg.  garrote  mit  letzterer  bedeutung.  Vom  kymr.  gär  Schenkel, 
brä.  gar  Schienbein;  vgl.  kymr.  cämez  gär  kniebug,  bret.  garan  einschnitt. 
Berührung  der  begriffe  glied,  gelenk,  kralle  lehrt  oben  artiglio.  Weiteres 
bei  Diefenbach,  Cdt.  I,  129. 

Garzone  it.,  sp.  garzon,  pg.  gar^ao,  fr.  gargon,  pr.  auch  gartz, 
dttfr.  gare  knabe,  bursche,  junggesell,  fem.  fr.  garce  liederliche  dirne. 
Die  üblichste  bedeutung  dieses  Wortes,  das  im  mlatein  erst  spät  auftaucht, 
war  im  altfranz.  nicht  knabe,  dafür  brauchte  man  lieber  danzel  oder 
vaslet,  es  hieß  diener,  handlanger,  trossknecht,  zumal  ober  in  moralischer 
beziehung  lotterbube;  auch  der  port.  Codex  Alfons.  braucht  gargom  in 
letzterem  sinne  SRos.  s.  v.  Dagegen  hieß  das  fem.  garce  ursprüngl.  mäd- 
chen,  wohl  auch  dienstmädchen,  ohne  Übeln  nebenbegriff  (Le  Glay  zum 
Raotd  de  Cambr.  p.  156)  und  schon  hieraus  ist  zu  schließen,  daß  die 
grundbedeutung  der  mannlichen  form  garzon  die  des  tot.  puer  war,  wie 
auch  die  Wörterbücher  des  16.  jh.  übersetzen,  daß  es  aber,  wie  unser  trabe, 
in  üblen  sinn  ausartete.  In  der  mundart  des  Jura  heißt  noch  jetzt  gars 
söhn,  garse  tochter,  gleichfalls  ohne  schlimmen  nebenbegriff.  Was  nun 
seine  herkunfi  betrifft,  so  sind  alle  vorgebrachte  deutungen  bodenlos.  Der 
miaut  g  kann  deutschem  w  nicht  entsprechen,  da  kein  it.  guarzone  statt- 
findet, die  zuweilen  vorkommende  prov.  Schreibung  guarso  beruht  auf  un- 
genauigkeit;  auch  nicht  bretonischem  gw  in  gwerc'h  Jungfrau  (Pott, 
Forsch.  II,  347).  Die  gael.  spräche  hat  freilich  ein  wort  garsan,  aber 
aus  dem  franz.,  sie  verwandelt  oft  das  rom.  on  in  ihr  eigenes  suffix  an, 
vgl.  caban,  baran,  bfirdan,  ladran,  fr.  chapon,  baron,  bourdon,  larron. 
Das  wort  erklärt  sich  wie  so  viele,  die  man  in  der  ferne  sucht,  Mar  und 
einfach  aus  dem  tot.  sprachstoff.  Mit  garzone  nämlich  ist  augenscheinlich 
gleiches  Stammes  it.  garzuolo  herz  des  kohles,  mail.  garzoeu  knospe,  von 
cardnag  (s.  unten  IL  a),  hiernach  ist  knabe  etwas  noch  unentwickeltes, 
knospe,  butzen,  Strunk,  eine  anschauung,  die  sich  auch  im  it.  toso,  im  fr. 
petit  trognon,  im  dtschen  kleiner  bützel,  im  gr.  xoQog,  im  gael.  gas  aus- 
spricht, ja  das  mail.  garzon  bedeutet  außer  knabe  auch  eine  distelartige 
pflanze  und  leitet  dergestalt  unmittelbar  auf  Carduus  zurück.  Wie  willig 
aber  in  Carduus  die  tenuis  der  media  wich,  bezeugt  auch  das  lothr.  gade 
=  carde,  gada  =  carder.  —  Ist  nicht  auch  it.  sp.  garza  reiher  identisch 
t*ü  fr.  garce  mädchen,  indem  man  den  vom  köpfe  zurückwallenden  feder- 
busch  dieses  vogels  mit  dem  herabfallenden  kurzen  haar  eines  kleinen 
mädchens  verglich?  Oder  sollte  der  ital.  mundart,  worin  das  wort  am 
reichsten  gewuchert  hat  und  woher  es  ausgieng,  das  feminin  gefehlt  haben? 
span.  garceta  heißt  kleiner  reiher  und  herabfallende  haarlocke.  Über  den 
zioeifelhaften  arabischen  Ursprung  des  Wortes  s.  Engelmann  p.  81. 

Gas  ein  lußstoff;  von  dem  altern  van  Helmont  erfundenes,  vielleicht 


15S  I.   GASALHA— GAVETTA.      . 

aus  ndl.  geest  d.  i.  geist  gebildetes  wort  (Adelung).  Weigernd  J,  390 
vermuthet  vom  deutschen  gäschen  schäumen. 

Gasalha  pr.,  altfr.  gazaille,  mlat.  gasalia  gemeinschaß,  gesell- 
schaft  (nicht  gewinn,  wie  Lex.  rom.  III,  449  bestimmt  wird);  dahin  auch 
pg.  agasalhar  und  gasalhar  (nach  dem  subst.  gasalbado  Lus.  2,  16  zu 
schließen),  sp.  agasajar,  gasajar  freundlich  aufnehmen,  altpg.  agasalhar- 
se  com  huma  mulher  sich  verheirathen  SRos.  append.  Vom  ahd.  gisello, 
in  älterer  form  gasaljo,  nlhd.  geselle  geführte,  freund,  vb.  goth.  saljan, 
ahd.  ga8elljan.  In  einer  span.  Urkunde  v.  j.  804  Esp.  sagr.  XXVI,  445 
liest  tnan:  feci  ibi  presuras  cum  meis  gasalianibus  (theilhabern)  mecum 
commorantibus,  worin  gasalianes  nach  dem  goth.  plural  gasaljans  geformt 
sein  muß.  Menage  erwähnt  auch  ein  it.  ghisello  compagno;  aus  welcher 
mundart  soll  dies  geschöpft  sein?  S.  Rosa  verzeichnet  ein  altpg.  gas- 
villado  asociado,  was  vielleicht  aus  gasaillado  verschrieben  ist. 

Gatto  it.,  sp.  gato,  cot.  gat,  pr.  cat,  fr.  chat,  fem.  gatta,  gata, 
cata,  chatte,  ngr.  yaca  kotze,  fehlt  dem  Walachen,  der  mutze  und  pisfee 
dafür  hat.  Felis  aber  fehlt  allen;  nur  im  picard.  Wörterbuch  wird  feie 
als  ein  seltner  ausdruck  bemerkt  und  aus  felis  hergeleitet,  was  hier  auf 
sich  beruhen  möge.  Das  neue  wort  ist  auch  durch  die  celtischen  und 
german.  sprachen  verbreitet:  ir.  cat,  kymr.  cäth,  ags.  cat,  altn.  köttr.  Ein 
lat.  cätus  kommt  erst  spät,  bei  Pattadius  und  bei  einem  dichter  vor  (s. 
Freund),  ist  aber  vielleicht  schon  in  cätulus  enthalten,  verwandt  mit 
cänis  (Schwenck);  bei  Isidorus  gilt  es  noch  für  ein  wort  des  gemeinen 
lebens:  hanc  (murionem)  vulgus  catum  a  captura  vocant  12,  2.  38.  Die 
herleitung  aus  captare,  altrom.  catar,  ist  indessen  unstatthaft  da,  abge- 
sehen vom  lat.  catus  für  captus,  auch  im  roman.  sich  die  anlaute  und 
irdaute  widersprechen,  it.  gatto  und  catare. 

Gavela  pg.,  sp.  gavilla,  pr.  guavella  GO.,  fr.  javelle  reisbündel, 
welle,  handvoü  Öhren,  span.  auch  häufe  menschen  (ebenso  val.  gavella  J. 
Febr.  64).  Grammatisch  unbefriedigend  ist  die  erklärung  vonFtischaus 
dem  dtschen  gaufei;  nicht  besser  die  aus  dem  ahd.  garba,  denn  r  duldet, 
wie  schon  unter  gabella  erinnert  ward,  vor  b  keinen  ausfall;  unnöthig  die 
von  Menage  aus  einem  hypothetischen  capus  als  primitiv  von  capulus. 
Es  kommt,  wenn  man  die  bed.  handvoll  aus  handhabe  oder  griff  folgern 
darf,  unmittelbar  von  capulus,  umgebildet  in  capellus,  capella,  um  so 
wahrscheinlicher,  als  ein  neupr.  masc.  gavel,  pic.  gaviau  vorliegt; 
ebenso  verwandelte  sich  martulus,  scrophula  roman.  in  martellus,  scro- 
phella  (Gcrouelle).  Frane.  j  aber  konnte  aus  lat.  c  entstehen,  wie  dies  in 
jambe  und  geöle  anerkannt  werden  muß.  Im  engl,  gavel  treffen  gavela 
und  gabella  (abgäbe)  zusammen,  gleichwohl  scheint  es  je  nach  seiner  be- 
deutung  verschiedener  herkunft.    S.  auch  E.  Müller  v.  gavel. 

Gavetta  it.,  sp.  gabata,  fr.  jatte  höherner  napf  oder  schüssd;  von 

gabata  eßgeschirr,  ahd.  gebita,  mlat.  capita,  vgl.  nord.  jata  krippe.  Frone. 

jatte  aus  gabata  verhält   sich  lautlich  wie  dette   aus  debitum.    Picard, 

p  sagt  man  gate,  norm,  gade,  jade,   daher  altfr.  ja  de  au.    Auch  sp.  ga- 

V  veta  Schublade  wird  derselben  abkunft  sein. 


I.    GAVIA-GECCHIRE.  159 

Gavia  sp.  ein  vogel,  möwe;  ist  das  lat.  gavia  bei  Plinius,  für 
welches  die  bed.  möwe  nur  auf  vermuthung  beruht,  durch  das  roman.  wort 
aber  gerechtfertigt  wird.  Daher  die  gleichbed.  abU.  sp.  gaviota,  pg. 
gaivota;  sp.'pr.  neap.  gavina;  it.  gabbiano,  pg.  gaiväo,  letzteres  eine 
schvcaibenart. 

Gazza  iL,   gacha  pr.,   besser  pr.  agassa,  fr.  agace  elster,   krähe; 

vom  ahd.  agalstra,  was  eine  zweite  ital.  form  g&zzera  noch  anschaidicfwr 

macht;   die  Verbindung  st  stellte  sich  romanisch  durch  z,  c,  ss  dar.    Die 

Flor,  glossen  geben  agaza  als  deutsches  wort  und  übersetzen  es  mit  pica. 

Zu  merken  ist  noch  die  romagn.  form  argaza.    Der  sinn   des   deutschen 

ä-gal-astra  ist  nach  Grimm  II,  367  der  rauhschreiende  krächzende  vogel. 

Gazzella  it.,  gazela  sp.,   gazelle,   algazelle  fr.  ein  säugethier  im 

Orient  und  Nordafrica;  vom  arab.  gaz&l  junge  gazeüe  Freyt.  III;  274*. 

Gazzetta  it.,  gazeta  sp.,   gazette  fr.  zeitung;   eigentl.  name  einer 

ital.  münze  (von  gaza  schätz?),   wofür  man  das  zeitungsblatt  kaufte.    So 

Menage  und  Ferrari.    Nach  Schmellers  vermuthung  aber  ist  gazzetta  das 

diminutiv  von   gazza   elster,   indem   die  ersten  zeitungsblätter  etwa  das 

emblem  des  geschwätzigen  vogels  getragen  hätten,  Bair.  wb.  IV,  293.  — 

[Mahn  p.  90  tritt  Menage  bei.    Die  ersten  zeitungsblätter,   bemerkt  er, 

erschienen  zu  Venedig  (lf)63?)  und  waren  geschrieben;  für  die  erlaubnis 

sie  zu  lesen  zahlte  man  eine  gazetta,  daher  der  name  dieser  blätter,  denn 

sie  konnten  bei  der  dürftigheit  ihres  inhaltes  nichts  weniger  als  geschwätzig 

genannt  werden;  auch  sei  es  nicJU  wahrscheinlich,   daß  die  Verfasser  ein 

solches  emblem  gewählt  hätten,  da  man  sich  nicht  leicht  selbst  verspotte.  — 

Dagegen  möchte  sich  doch  wieder  einwenden  lassen,    daß  was  man  für 

eine  bestimmte  münze  kauft,  schwerlich  mit  dem  namen  derselben  benannt 

tcorden  wäre  (dafür  hatte  man  das  suffix  ata  wie  in  derrata,  quattrinata), 

ferner  daß  wenn  auch  nicht  der  Verfasser,  doch  das  publicum  eine  zeitung 

füglieh  eine  plaudertasche  nennen  konnte,  weil  ihre  nachrichten  oft  genug 

grundlos  sein  mochten.] 

Gecchire  it.  in  aggecchirsi  sich  demüthigen,  sich  unterwerfen  (alt 
gicchito  demüthig,  s.  Perticari  p.  300,  giachito  PPS.  II,  175,  mail. 
gecchiss  d.  i.  gecchirsi),  pr.  gequir,  altsp.  jaquir  überlassen,  aUcat.  jaquir 
erlauben,  altfr.  gehir  geskiien,  sagen.  Alle  diese  Wörter  lassen  sich  auf 
eins  zurückbringen,  das  ulid.  jehan  aussagen,  zugestehen,  vgl.  mhd.  jehen 
c.  dat.  einem  den  sieg  zuerkennen,  sich  Überwunden  geben.  Ital.  aggec- 
chirsi, das  Ciampi  (zu  Cino)  gegen  die  grammatik  aus  abiettito  (abjeetus) 
erklärt,  bedeutet  sich  einem  zugestehen,  sich  einem  überlassen,  h  durch  ch 
vertreten  teie  in  annichilare.  Ebenso  das  prov.  wort:  qui  tot  non  lor  o 
gic  wer  ihnen  nicht  alles  zusagt,  überläßt  Chx.  IV,  344;  se  gequir  de 
una  reu  sich  von  etwas  lossagen.  AUcat.  nos  jaqnesca  escapar  er  erlaube 
uns  zu  entrinnen,  lasse  uns  entrinnen  RMunt.  114".  Am  nächsten  schließt 
sieh  die  bedeutung  des  altfr.  wortes  an  die  des  deutschen:  jehir  ses  pe- 
chtes  seine  sünden  beichten  Gar.  II,  222;  ist  doch  beichte,  ahd.  bigiht, 
selbst  aus  jehan  entstanden.     Was  die  begriffsentuncklung  betrifft,   so  ist 


160  I.   GELDRA-GERGO. 

besonders  zu  vergleichen  goth.  gakunnan  gik  sich  bekennen,   sich  unter- 
werfen,  v7toTcm;€od'ai. 

Geldra  it.  lumpenvolle,  pr.  gelda,  altfr.  gelde  trupp  besonders  von 
fußvolk:  trente  milie  de  gelde  triginta  milia  peditum  LRs.  15,  vom  nüat. 
gelda  congregatio,  dies  aus  dem  deutschen:  ags.  gild  cultus,  sodalüas, 
gegilde  sodalis,  ndd.  gilde.  Auch  ein  altfr.  gueude  findet  sich  (gn  neben 
g  z.  b.  in  gueule,  geule):  la  soci&6  yalgairement  appelöe  gueude  mar- 
chande  kaufmannsgilde,  s.  Menage.  Von  pr.  gelda  ist  geldon  lanzen- 
träger,  daher  it.  gialdoniere  dass.  Altit.  gialda  lanze  erinnert  zwar  an 
goth.  giltha  sichel,  hippe:  man  kann  aber  die  waffe  nach  den  leuten  be- 
nannt haben,  die  sie  tragen,  vgl.  partigiana.  S.  auch  Füomena  ed.  Ciampi 
p.  143. 

Gengiva  it.  pg.  pr.,  sp.  encfa,  fr.  gencive,  wal.  gingie  Zahnfleisch; 
von  gingiva,  mit  abänderungen,  um  das  sich  wiederholende  g  zu  beseiti- 
gen, vgl.  auch  sard.  sfnzia,  pr.  angiva,  cot.  geniva,  fr.  in  Berry  gendive 
u.  a.  formen. 

Gente  altit.  (wohl  aus  dem  prov.),  altsp.  gento  (gente  Mar. 
Egipc.  nach  Pidai  ist  unrichtig,  s.  Janer  313b),  pr.  gent,  fem.  genta, 
altcat.  gint,  ginta,  altfr.  (noch  in  Berry)  gent,  gente  artig,  hübsch;  vb. 
agenzare,  agensar,  agencer  gefallen.  Von  gentilis  mit  zurückgezogenem 
accent  und  weggefallnem  suffix  wäre  nicht  gegen  die  grammatik,  man  be- 
denke sp.  manso  aus  mansuetus  u.  a.  Vielleicht  aber  findet  sich  ein 
naher  liegendes  wort.  Buchstäblich  passt  nur  genitus,  worauf  schon 
Sanchez,  Colecc.  tom.  III,  vermuthete.  Homo  genitus  konnte  einen  mann 
von  hcrkunft,  einen  edeln  bedeuten,  wie  man  einen  solchen,  aber  minder 
kühn,  mhd.  von  geburt,  fr.  homme  de  naissance  nennt,  und  hieraus 
konnte  sich  die  bed.  artig  entwickeln,  die  auch  gentilis  d.  i.  qui  gentem 
habet  annehmen  mußte.     Vgl.  Grandgagnage  v.  ajancener. 

Gergo  it.,  sp.  xerga;  it.  gergone,  fr.  jargon;  altsp.  girgonz  Alx. 
(gebildet  wie  vascuence  =  vasconice),  nsp.  gerigonza  kauderwelsch,  roth- 
walsch,  so  pr.  gergons  'vulgare  trutanorumi  spitzbubensprache  GProv.94. 
Nicht  unpassend  nennt  Charles  von  Orleans  die  spräche  der  thiere  ein 
jargon,  eine  für  utis  unverständliche  rede:  il  n'y  a  ne  beste  ne  oyseau 
qu'en  son  jargon  ne  chante  et  crie.  Altfr.  sagte  man  für  jargonner  auch 
gargoner  Roquef.,  Hob.  le  diabl.  IIP.  col.  1,  altengl.  gargoun  Hallitc.: 
hieraus  folgt  1)  daß  trotz  dem  pic.  gergon  (denn  diese  mundart  pflegt 
das  gutturale  g  zu  bewahren)  ga  der  ursprüngliche  anlaut  war,  2)  daß 
das  wort  von  Frankreich  ausgegangen.  Gleichwohl  ist  sein  Ursprung  nicht 
sicher,  wenigstens  läßt  es  sich  aus  dem  nord.  jarg  Salbaderei,  wenn  man 
auf  ga  als  dem  richtigen  anlaute  besteht,  nicht  herleiten.  Man  sagt  fr. 
le  jars  jargonne  der  gänserich  schnattert,  allein  die  ort  der  ableitung  von 
jargon  aus  jars  läßt  sich  nicht  klar  machen.  Es  möchte  also  wold 
gebildet  sein  aus  dem  roman.  stamme  garg  (s.  oben  gargatta),  so  daß  es 
eigentl.  gegurgel,  widerliches  unverständliches  gerede  bedeutete.  Vgl.  audi 
das  sp.  guirigay  kauderwälsch. 


L   GERLA-GHIADO.  161 

Gerla  it.,  neupr.  gerlo,  altfr.  geurle  NFC.  1,  220,  jarle  Boq.  trage- 
korb,  eimer;  von  gernlas  tragend,  in  den  Gasseier  glossen  gerala  tina 
'zuuipar9  (zuber). 

Gesmino  it.  (entstellt  in  gelsomino),  sp.  Jasmin,  in  der  alten  prov. 
litteratur  nicht  vorhanden,  neupr.  jaussemin,  gensemil,  fr.  jasmin  ein 
Staudengewächs;  vom  pers.  jäsemtn,  auch  arab.  j&samün,  das  Frey  tag  IV, 
514h  als  ein  fremdes  wort  gibt. 

Gesta  it.,  geste  altfr.,  wohl  auch  pr.  gesta  geschlecht,  stamm.  Lot. 
gesta  als  singtdar  gebraucht  (man  sehe  Ducange)  nannte  das  mittelalter 
die  thaten  eines  vornehmen  geschlechtes,  sodann  die  beschreibung  derselben, 
die  chronik,  endlich,  vermöge  einer  Übertragung  der  sacken  auf  die  per- 
sonen,  die  geschlechtsfolge,  den  stamm  selbst.  Altfr.  beispiele  der  beiden 
lästeren  bedeutungen  sind:  an  (en)  la  geste  est  escrit  Sax.  II,  151;  en 
yielle  geste  le  trueve  Ton  lisant  Born,  de  Uoncev.  p.  67;  Clodol's  qui 
commen$a  la  bone  geste  NF.  Jub.  II,  19;  la  geste  Mahom  der  stamm, 
das  volk  Mdhomets  Sax.  II,  84;  li  varlet  de  haute  gieste  Eracl.  3362. 
Auch  das  oitsp.  wort  heißt  chronik:  aquis'  ccmpieza  la  gesta  de  mio  Cid 
PC  1093. 

Gettare,  gittare  it.,  sp.  jitar,  pr.  getar,  gitar,  fr.  jeter,  sp.  mit  ab- 
gestoßenem j  echar,  werfen;  von  jactare  oder,  wie  der  allgemeine  über- 
tritt  des  a  in  e  vermuthen  läßt,  von  ejectare,  wal.  ajeptä.  Sbst.  fr.  j et 
wurf,  auch  Schleuder,  strick,  pr.  get,  it.  getto,  geto.  Zu  merken  ist  pg. 
deitar  =  fr.  däjeter,  von  dejectare,  welches  Gellius  aus  Mattius  an- 
fuhrt; die  ältere  spräche  aber  kennt  auch  geitar.  —  [Diese  detUung  von 
gettare  aus  ejectare,  gegenüber  der  herkömmlichen  aus  jactare,  ist  von 
achtbarster  seile  bestritten  worden.  Sie  kann  sich  aber  unter  andern  dar- 
auf berufen,  daß  im  italienischen  aus  der  lat.  silbe  act  niemals  ett  oder 
itt  wird,  und  daß  auch  die  wal.  form,  (deren  aniaut  a  so  gut  zu  lat.  e 
passt  wie  in  alege  von  eligere  u.  a.)  gleichfalls  ein  radicales  e  zeigt] 

Gherooe,  garone  iL,  sp.  giron,  pg.  giräo,  fr.  giron,  altfr .  auch 
gneron  zsgz.  gron  Comte  de  Poit.  p.  14  (so  noch  picard)  schooß,  schleppe, 
in  der  wappenkunst  dreieck;  aus  dem  ahd.  gero,  acc.  gerun,  mhd.  gere, 
altfries.  gare  eingesetztes  keilförmiges  stück  in  einem  kleide,  um  es  bau- 
schig zu  machen,  von  ger  speer  wegen  der  ähnlichkeit :  ebenso  mlat.  pilum 
vestimenti  speer  des  gewandes,  oder  das  in  einem  glossar  (Graff  IV,  225) 
mit  gfero  übersetzte  romanische  lansa.    S.  Grimm,  Rechtscdt.  168. 

Ghiado  it.  äußerste  kälte,  pr.  glay  schrecken,  cat.  erstaunen;  zsgs. 
pr.  cat.  es  glay  s.  v.  a.  glay,  altsp.  aglayo;  vb.  it.  aggMadare  vor 
kalte  erstarren,  altsp.  aglayarse  erstaunen,  pr.  esglayar  erschrecken,  nieder- 
schlagen, cat.  in  erstaunen  setzen.  Prov.  glay  bedeutet  auch  schwert,  von 
gladius,  vgl.  die  form  desglayar  tödten,  neben  desglaziar  (mlat.  degladi- 
aodi  ( deoeeidendi*  Class.  auet.  VI,  520°);  auch  altfr.  glaive  ist  dietödt- 
liche  waffe  und  der  tödtliche  schrecken;  it.  morto  a  ghiado  heißt  erstochen 
(com.  parm.  ghiä  stächet),  agghiadare  auch  erstechen,  niederhauen,  pic. 
aglaver  umkommen.    Schrecken  oder  kälte  werden  als  ein  herzdurchdrin- 


162  I.   GHIATTIRE-GHIGNARE. 

gendes  schwert  gedacht.  Konnte  aber  it.  ghiado  aus  gladius  entstehen?  durch 
dissitnilation  allerdings,  da  ghiadio  mislautete. 

Ghiattire  und  sghiattire  it.,  pr.  altfr.  glatir,  nüat.  glattire  Dief. 
Voc.  lat.  germ.,  neufr.  clatir,  sp.  pg.  latir  klaffen,  bellen,  anschlagen; 
subst.  pr.  glat,  wohl  auch  altfr.  glai  (lärm,  geschrei);  naturausdruck  wie 
nhd.  klatschen,  ndl.  klat-eren,  gr.  nkaCeiv,  ylafyiv,  lat.  lat-rare. 

Ghiazzerino  it.,  sp.  jacerina,  pg.  jazerina,  pr.  jazeran,  altfr, 
jazerant,  jazerenc,  daher  pg.  jazeräo,  panzerhemd  aus  Meinen  ringen  zu- 
sammengesetzt; npr.  jaziran,  bürg,  jazeran  haXsband  der  weiber.  Eigent- 
lich ist  das  wort  ein  von  seinem  Substantiv  getrenntes  adjectiv,  sp.  cota 
jacerina,  fr.  hauberc  jazerant,  vgl.  pr.  Tausbercs  fon  jazerans  daspanzer- 
hemd  war  von  ringen.  Le  Duchat  leitet  es  vom  dtschen  ganz-rinc,  das 
aber  nicht  vorhanden  ist,  Reiffenberg  zu  Chev.  au  cygne  I,  p.  71  von 
jaque  acerin  staMjacke,  allein  jaque  ist  kein  altes  wort.  Andre  haben 
an  das  einfache  acerin  oder  an  das  altdeutsche  Isarn  (eisen)  gedacht,  ohne 
über  das  vortretende  j  rechenschaß  abzulegen.  Span,  jazarino  heißt  al- 
gierisch, vom  ardb.  gazäir  Algier:  bezog  man  etwa  die  besten  geringelten 
Panzerhemden  von  dort?  Covarruvias  v.  Argel  versichert  dies  ohne  be- 
denken. Die  Hist.  de  las  guerras  civiles  de  Granade  cap.  8  kennt  wenig- 
stens eine  jacerina  labrada  en  Damasco.  In  Wolframs  Willehalm  366, 
12  aber  fuhrt  der  könig  der  Berberei  ein  in  Jazeranz  gearbeitetes  panzer- 
hemd  mit  sich:  der  künec  von  Barberie  bräht  im  einen  halsperc:  in 
Jazeranz  daz  selbe  werc  worhte  derz  wol  künde.  Aus  keinem  altfr. 
gedieht  ist  diese  auffassung  bekannt,  die  ubrigetis  der  deutung  aus  jazarino 
zu  statten  kommen  würde.    [Dieser  deutung  stimmt  Engelmann  bei,  p.  83.] 

Ghignare  und  sghignare  it.  heimlich  lächeln,  sp.  gainar,pr.  guinhar, 
fr.  guigner  mit  den  äugen  winken,  seitwärts  blicken,  spähen,  pg.  guinar 
von  dem  wege  abweichen;  sbst.  it.  guigno,  sp.  guino,  pr.  guinh.  Ent- 
stehung aus  dem  ahd.  winkjan  winken  (in  welchem  falle  it.  gh  sich  ver- 
halten müßte  wie  in  ghindare  für  guindare)  setzt  ausfall  des  k  zwischen 
n  und  j  voraus,  wofür  sich  kein  zweites  beispiel  vorfindet:  aus  winken 
ward  vielmehr  norm,  guincher  wie  aus  dem  buchstäblich  nahe  liegenden 
wenkjan  altfr.  guenchir,  nicht  guegnier.  Da  die  picard.  mundart  nicht 
winier,  sondern  guinier  spricht,  so  ist  es  nicht  einmal  rathsam,  den  atüaut 
aus  ursprünglichem  w  herzuleiten  und  so  kann  denn  auch  das  kymr.  gwing 
Wendung,  wink  nicht  in  betracht  kommen.  Ags.  ginian,  altn.  gina,  ahd. 
ginen  heißt  gaffen:  hieran  konnte  sich  etwa  die  franz.  bed.  *mit  den  äugen 
verfolgen  und  daraus  wieder  die  andern  entwickeln,  vgl.  fr.  b6er  gaffen, 
beträchten;  aber  der  grundbegriff  des  rom.  Wortes  ist  doch  offenbar  winken, 
anlächeln,  und  so  passt  es  besser  zu  ahd.  kinan,  wovon  ein  altes  glossar 
sagt  chinit  'adrisit*  Graff  IV,  450,  wiewohl  übrigens  anlautendes  deut- 
sches k  bei  folgendem  vocal  selten  zu  roman.  media  wird.  Auch  bask. 
quenua,  kheinua  bedeutet  toink,  es  fragt  sich  nur,  ob  es  ein  eingeborenes 
oder  aus  Spanien  eingewandertes  wort  ist.  Span,  g  härtet  sich  sonst 
nicht  zu  bask.  qu,  aber  die  bildung  hat  roman.  gepräge,  vgl.  bask.  ceinua 


I.   GHINDARE-GIA.  163 

=  pr.  genh,  esteinna  =  pr.  estanh.  [Sollte  vielleicht  engl,  squint  zu 
berücksichtigen  sein?'  fragt  Atzler.    Man  sehe  das  wort  bei  E.  Müller.] 

Ghindare  iL  (für  guindare),  sp.  pg.  guindar,  fr.  guinder  aufwin- 
den; vom  ahd.  windan.  Daher  it.  guindolo  (entartet  in  bindolo,  trient. 
binda),  sp.  guindola,  fr.  guindre  winde,  hasjyel  u.  dgl.;  sp.  pg.  guin- 
daste,  fr.  guindaa  und  vindas,  aus  dem  ndl.  wind-as  (windachse),  daher 
brä.  gwindask,  engl,  aber  windlass. 

Ghiotto  it.,  pr.  altfr.  glot  Vielfraß,  schlemmer;  von  glütus,  wofür, 
nach  gluttire  zu  urtheilen,  auch  gluttus  stattfand,  daher  das  roman.  o. 
Dsgl.  it.  ghiottone,  sp.  pr.  gloton,  fr.  glouton,  von  gluto  bei  Festus 
s.  v.  ingluvies;  vb.  it.  inghiottire,  pr.  englotir,  fr.  engloutir  ein- 
schlucken,  von  gluttire.  Aus  derselben  quelle  ist  pr.  glot  bissen,  schluck, 
und  selbst  das  gewöhnlich  von  gutta  hergeleitete  it.  ghiozzo,  worin  sich 
tt  in  zz  verwandelte. 

Ghirlanda  it.,  sp.  pg.  guimalda,  altsp.  guarlanda,  pg.  guirnalda, 
grinalda,  pr.  cot.  garlanda,  fr.  guirlande,  altfr.  auch  garlande  kränz. 
Ungeachtet  der  alten  formen  mit  radicalem  a  scheinen  die  mit  i  ursprüng- 
licher, da  dieses  in  erster  tonloser  silbe  leicht  mit  a,  nicht  leicht  a  mit  i 
vertauscht  wird.  Das  suffix  anda  muß  dasselbe  sein  wie  im  it.  lavanda 
oder  im  fr.  girande,  es  setzt  also  ein  vb.  ghirlare  voraus,  das  ober  nicht 
vorhanden  ist.  Schwieriger  ist  der  anlaut.  Ist  g,  gh7  gu  =  g  oder  = 
w  ?  It.  ghirlanda  spricht  für  erster  es,  aber  nicht  entscheidend,  denn  auch 
in  ghindare  ist  gh  =  w.  Altsp.  guarlanda  zeugt  stark  für  w,  ein 
stärkeres  zeugnis  noch  wäre  ein  altfr.  wirlande.  Geht  man  von  g  aus, 
so  kommt  tnan  auf  gyrus,  woraus  man  gyrulare  ableiten  muß,  girillare 
(winden,  garn  winden)  kommt  im  mlatein  vor  und  wird  von  Joh.  de  Janua 
aus  gyrus  erklärt.  Allein  warum  alsdann  nicht  girlanda?  Jault  erinnert 
an  ags.  gyrdan  gürten,  sbst.  gyrdel,  aber  rom.  i  =  ags.  y  ist  sehr  pro- 
blematisch und  auch  die  bedeutung  sagt  wenig  zu.  Geht  man  von  w  afis, 
so  geräth  man  mit  Frisch,  unter  Voraussetzung  einer  abl.  wierelen,  auf 
mhd.  wieren  einfassen,  umflechten,  schmücken,  sbst.  wiere  eingelegte  arbeit, 
ring  mit  solcher  arbeit,  ahd.  wiara  Corona,  cristaS  Oberitalien  besitzt 
noch  ein  mit  ghirlanda  formell  übereinstimmendes  wort  ghirlo  vortex 
(Bionddli,  Azzolini),  vom  dtschen  wirbel  d.  h.  etwas  das  sich  im  kreiße 
bewegt,  aber  die  Übertragung  auf  kränz  wäre  kühn.  Des  Wortes  herleitung 
ist  unsicher. 

Ghiro  it.  ein  säugethier,  ratz,  pr.  glire,  fr.  loir  Siebenschläfer;  von 
glis  gliris.  Abgel.  fr.  liron,  sp.  liron,  pg.  liräo  mit  ders.  bed.  Aus 
einem  diminutiv  aber  scheint  npr.  greoule  entstanden.  Erwähnenswerth 
ist  in  besiehung  auf  die  des  anlautes  verlustig  gewordenen  formen  ein 
altes  deutsch-lat.  glossem  lirun,  €glires\  bei  Schmeller  II,  472,  der  dabei 
an  das  mundartliche  leinl  (kleine  Haselmaus)  erinnert,  insofern  dies  aus 
leir-lein  entstellt  sein  könnte  (leir  würde  also  wohl  romanischer  abstam- 
mung  sein). 

Giä  iL,  sp.  altpg.  ya,  npg.  pr.  altfr.  ja  adverb,  von  jam;  nfr.zsgs. 
d£ja  =  it.  di  giä. 


164  I.   GIACO-GIGA. 

Giaco  it.  (in  einigen  wbb.),  sp.  jaco,  fr.  jaque  (f)  kurser  oberrock 
der  kriegsleute,  daher  unser  jacke.  Ein  späteres  wort  wohl  von  zufälligem 
Ursprung;  nach  Ducange's  vermuthung,  die  wenigstens  die  lautlehre  nicht 
verletzt  wie  die  herleitung  aus  sagum,  von  Jaque,  dem  namen  eines  Häupt- 
lings von  Beauvais  um  1368.  Ein  altes  span.  beispid  un  jaque  de  seda 
bei  L.  de  Ayala  (gegen  ende  des  14.  jh.) 

Giallo  it.,  sp.  jalde,  pg.  jalne,  jalde,  jardo,  fr.  jaune  gelb.  Die 
franz.  form,  urspr.  jalne,  ist  offenbar  von  gälbinus  (wal.  gdlbin),  aus 
jalne  aber  ward  mit  einer  kleinen  euphonischen  Veränderung  jalde,  lomb. 
giald.  Ital.  giallo  erklärt  sich  mit  minderer  Schwierigkeit  aus  ahd.  gelo 
=  nhd.  gelb  als  aus  fr.  jaune,  vgl.  a  für  e  im  altit.  gialura  von  gelu 
kalte  PPS.  I,  520. 

Giara  it.,  sp.  jarra,  pg.  pr.  jarra,  fr.  jarre  großes  gefäß  mit  zwei 
henkeln;  masc.it.  giarro,  sp.  jarro, pg.  jarro  krug  u.  dgl.,  vom  arab.  garrah 
wassergefäß  Freyt.  I,  260*.  Im  altport.  trifft  man  überdies  die  form 
zarra  SRos. 

Giardino  it.,  sp.  jardin,  pg.  jardiin,  pr.  jardi,  gardi,  jerzi,  fr. 
jardin,  mdartl.  gardin,  dsgl.  fem.  pr.  giardina  garten;  vom  ahd.  garto 
(gen.  dat.  gartin)  oder,  wozu  die  büdung  giardina  fast  nöthigt,  roman. 
ableitung  aus  ahd.  gart,  ursprüngl.  gard,  Umzäunung,  goth.  gards  behau- 
sung,  womit  auch  gael.  gart,  kymr.  gardd  zusammentrifft,  selbst  altfr. 
jarz  Er.  En.  5694.  Wal.  gard  (zäun)  ist  buchstäblich  das  goth.  gards 
und  nebst  alban.  garde  vielleicht  (nach  Miklosich  schwerlich)  daher  ent- 
lehnt, wogegen  gredine  (garten)  auf  das  gleichbed.  alban.  g$radfn$,  serb. 
grädina  (von  gräd  festung,  russ.  görod)  zurückgeht. 

Giavelotto  it.  wahrscheinlich  aus  dem  fr.  javelot,  alt  gavelot, 
fehlt  pr.,  bret.  gavlod,  mhd.  gabilöt  Wurfspeer;  mit  anderm  suffix  it.  gia- 
velina,  sp.  jabalina,  fr.  javeline,  auch  bret.  gavlin.  Außer  der  her- 
leitung  aus  jaculum,  gegen  welche  aber  schon  der  altfr.  anlaut  g  sich  er- 
hebt,  sind  zwei  in  betracht  zu  ziehen.  Nach  Grimm  III,  443  nämlich 
hol  es  seine  quelle  im  engl,  gavellock,  ags.  gafläc,  einem  compositum, 
dessen  erste  hälfte  sich  in  dem  altn.  speernamen  gefja  wiederzufinden 
scheine,  die  zweite  das  ags.  läc  (spiel)  sein  müsse.  Pott,  Forsch.  II,  107 
verweist  lieber  auf  ir.  gabhla  speer,  vgl.  auch  Diefenbach,  Celt.  1,  137, 
Goth.  wb.  II,  402.  Die  zss.  gaf-läc  ist,  zumal  neben  den  formen  gafeloc, 
gafeluc,  altn.  gaflok,  allerdings  nicht  unzweifelhaft,  das  wort  konnte  so- 
gar seinen  grund  Jiaben  im  kymr.  gafl-ach  gefiederter  speer,  einem  gram- 
matisch richtigen  derivatum  aus  dem  sbst.  gafl:  wenigstens  wäre  das  um- 
gekehrte Verhältnis  nicht  wahrscheinlich,  da  auslautendem  ags.  c  (engl,  k) 
regelmäßig  kymr.  g,  nicht  ch  antwortet  (parwg,  cög,  dug  =  ags.  parruc, 
cöc,  engl,  duke  u.  dgl.).  Ohne  etymologische  bedeutung  scheint  die  altfr. 
nicht  unhäufige  fonn  gaverlot  Brt.  I,  296,  zsgz.  garlot  Gl.  de  Lüle 
p.  9  (19  Seh.). 

Gigatt.  altsp'.pr.,  gigue,  gigle  altfr.  ein  Saiteninstrument,  nsp.  giga, 
nfr.  gigue  ein  tanz  mit  musikbegleitung;  vom  mhd.  gige,  nhd.  geige,  dies 


I.   GIGLIO-GIRFALCO.  165 

vom  starken  vb.  gfgen,  s.  Grimm  II,  47,  Mütter,  Mhd.  wb.  J,  511.  Da- 
ter fr.  gigot  hammelskeule  (wegen  der  ähnlichkeit),  sp.  gigote  gehackt 
fleisch  (nämlich  von  der  hammelskeule,  tote  Covarruvias  bemerkt). 

Giglio  it.,  sp.  pg.  lirio,  pr.  Uli,  liri,  lis,  auch  lir  LR.  I,  408,  fr. 
lis,  überdies  piem.  mail.  liri,  sard.  lillu,  oitsp.  lilio,  churw.  fem.  gilgia, 
mhd.  gilge,  schwz.  jilge,  ilge,  Wie.  Ein  bemerkenswerthes  beispiel  von 
dissimilation:  um  dem  wiederholten  1  auszuweichen,  ward  theils  der  erste 
dieser  buchstaben  in  g,  theils  der  zweite  in  das  verwandte  r  umgesetzt;  gr. 
UIqiov  hat  schwerlich  theü  daran.  Die  franz.  mit  s  ausgestattete  form 
aber  ist  eine  nominativische  lilius,  wie  denn  das  wort  auch  im  ahd.  lilio, 
mhd.  gilge  als  masc.  behandelt  ward.  Der  walach.  ausdruck  ist  crin, 
vom  gr.  xqivov.     Vgl.  Pott,  Forsch.  II,  99. 

Ginepro  it.,  sp.  enebro,"  pg.  zimbro  (z  für  g  selten),  fr.  geni&vre 
tcachholder;  von  juniperus.  E  oder  i  für  u  verräth  franz.  einfluß,  vgl. 
g&iisse  II  c,  daher  auch  ndl.  jenever,  dän.  enebaer. 

Gineta  sp.,  pg.  gineta,  fr.  genette,  engl,  genet,  fehlt  itdl.,  eine  ort 
der  viverra,  in  der  Levante,  bisamkatze.  Im  ältpg.  findet  sich  pelle  de 
janeta  =  zabeüinas  urk.  v.  j.  1137,  s.  Santa  Rosa  I,  472.  Die  neupr. 
form  ist  chäino.  Der  name,  den  uns  Menage  aus  faginetta  =  fouinette 
deutet,  wird  wohl  der  Levante  angehören. 

Ginocchio  it.,  wal.  genunche,  sp.  hinojo,  oitsp.  ginojo,  pg.  giolho, 
joelho,  fr.  genou  aus  genouil  knie;  von  genuculum  für  geniculum  z.  b. 
schon  in  der  L.  Sal.  tit.  44,  in  Rothari  Legg.  u.  s.  w. 

Giocolaro,  giullaro  it.  gaukler,  spielmann,  von  jocularius;  sp. 
jogla'r,  juglar,  pr.  joglar  dass.,  von  jocularis;  it.  giocolatore,  altfr. 
jogleor,  nfr.  Jongleur  dass.,  von  joculator;  vb.pic.  jongier  scherzen,  von 
joculari. 

Gioglio  it.,  sp.  joyo,  pg.  joio,  pr.  juelh  unkraut;  von  lolium,  vgl., 
wegen  des  anlautes  giglio  von  lilium.    Aber  auch  it.  loglio,   arag.  lnello 
h.  s.  w.    Daher  pg.  joeira  getreideschwinge  das  unnütze  abzusondern. 

Giorno  it.,  pr.  altcat.  jorn,  fr.  jour  tag;  von  diurnum  taglang 
(ndat.  jornus,  z.  b.  in  einer  Urkunde  v.  j.  897  DC),  das  in  einigen 
sprachen  über  das  klanglose  dies  die  Oberhand  gewann:  noch  it.  dl,  sp. 
pg.  pr.  neucat.  dia.  Zsgs.  it.  soggiorno,  cdtsp.  sojorno  Rz.,  pr.  sqjorn, 
fr.  säjour  aufenthalt  u.  a. 

Giovedi  it.,  fr.  jeudi,  pr.  cat.  dijous  donnerstag,  von  Jovis  dies, 
dies  Jovis;  sp.  juejves,  pr.  auch  jous,  vom  genitiv  Jovis,  woi.  joi,  ven. 
romagn.  zobia.  Dafür  pg.  quinta  feira  wie  ngr.  7ti(X7zzr)  und  mhd. 
pfinztac,  man  sehe  über  letzteres  so  wie  Über  diese  ort,  die  tage  zu  be- 
nennen, Schmäler  J,  321. 

Giraffa  it.,  sp.  girafa,  fr.  girafe  kameelparder;  vom  arab.  zarräfah 
Fregt.  II,  234*. 

Girfalco,  gerfalco  it.,  sp.  gerifalte  (aus  dem  franz.),  pr.  girfelc, 
fr.  gerfaut;  ndat.  gyrofalco,  a  gyrando,  quia  diu  gyrando  acriter  prae- 
dam  insequitur  Albertus  M.  s.  Ducange,   nicht  von   einem   dtschen  glr, 


166  I.    GIR0-G1ULIV0. 

geier,  welches  wohl  selbst  erst  aus  gyrare  herrührt.  Jenes  umherkreißen 
der  raübvögel  heißt  sonst  auch  it.  ruota,  ven.  ronda;  das  gr.  xiqxoq  be- 
deutet darum  1)  ring,  kreiß,  2)  falke.  Da  ein  andrer  stoßvogel  den 
natnen  sagro  trägt  (s.  unten),  so  construierten  andre  für  girfalco  ein 
etymon  hiero-falco. 

Giro  it.,  sp.  giro,  pr.  gir  kreiß,  unüauf y  umfang;  von  gyrus.  Mtfr. 
findet  sich  plur.  gires  geburtswehen  QFA.  783,  vielleicht  von  den  drehun- 
gen  des  kindes  bei  der  gehurt  so  genannt,  mundartlich  (in  Berry)  girande, 
gerente  kreißendes  wcib  (womit  also  der  sinn  des  deutschen  Wortes  zu- 
sammentrifft, wenn  es  von  kreifs,  nicht  von  kreisten  d.  i.  stöhnen  her- 
kommt).  Daher  vb.  it.  girare  ff.,  altfr.  girer  sich  im  kreiße  drehen, 
mlat.  gyrare  L.Alam.;  it.  girändola,  sp.  girdndula,  -fr.  girandole  feuer- 
rad,  von  einem  verlorenen  giranda,  entsprechend  dem  erhaltenen  fr.  gi- 
rande; fr.  girouette  Wetterfahne  für  girotette  (vgl.  it.  girotta),  nicht 
durch  ou  erweitert  aus  girette. 

Giubba,  giuppa  it.,  sp.  al-jnba,  pr.  jupa,  fr.  jupe,  dsgl.  mit  i 
com.  cremon.  gibba,  mail.  churw.  gippa,  mhd.  gippe,  Joppe;  abgd.  it. 
giubbone,  sp.  jubon,  pg.  jubao,  gibäo,  cot.  gipö,  pr.  jubo,  fr.  jupon, 
auch  wal.  zubeä  ein  kleidungsstück,  jacke,  wams.  Die  Span,  form  fuhrt 
auf  arab.  algubbah  (al-gobbah)  baumwoünes  Unterkleid,  in  einem  wb.  aus 
dem  ende  des  10.  jh.,  s.  Gol.  460,  Freyt.  I,  238*.  Das  radicale  i  in 
mehreren  mundarten  hat  vielleicht  nur  im  fr.  u  seinen  grund.  Hieher 
auch  sp.  chupa  jacke,  weste,  it.  cioppa  langes  oberUeid  derfrauen?  Unser 
deutsches  schaube,  früher  schuba,  hat  dieselbe  quelle,  Schmeller  III,  306. 

Giubetto,  ginbbetta  it.,  fr.  gibet  galgen,  daher  engl,  gibbet.  Die 
itcd.  form  weist  sich  deutlich  aus  als  diminutiv  von  giubba,  so  daß  es 
ursprüngl.  den  strick  um  den  hals  bedeutete,  Jäckchen,  kollerchen,  kragen. 
Durch  einen  ähnlichen  schere  bezeichnet  der  Spanier  mit  jnbon  die  strafe 
des  Staupbesens,  da  sie  den  rücken  trifft.    Über  i  aus  u  vgl.  g£nisse  II.  c. 

Giubilare  it.,  sp.  Jubilar  frohlocken,  jauchzen;  von  jubilare  ein 
wildes  geschrei  erheben,  die  roman.  bedeutung  auch  in  unserem  jubeln,  ju- 
bilieren. Aber  Sardinien  legt  seinem  giuilare  noch  die  alte  bed.  rufen, 
schreien  bei  (chiamare,  gridare,  s.  Spanu  voc.  sard.)  und  construiert  es 
auch  mit  dem  acc.  wie  der  Lateiner  sein  jubilare.  Dazu  Born,  gratnm. 
I,  19. 

Giüggiola  it.,  sp.  jujuba  (in  einigen  wbb.),  fr.  jujube  brustbeere; 
von  zizyphum.    Das  üblichere  Span,  wort  ist  azufaifa  IL  b. 

Giulebbe  it.,  sp.  julepe,  pr.  fr.  julep  ein  kühltrank;  vom  arab. 
golab,  dies  vom  pers.  gul  rose  und  ab  wasser,  also  rosenwasser,  s.  Gol. 
518,  Freyt.  I,  290°. 

Giulivo  it.,  pr.  altfr.  joli  für  jolif  fröhlich,  nfr.  joli,  sp.  juli  Canc. 
de  B.  artig,  hübsch;  vb.  altfr.  joliver,  jolier  sich  freuen  und  andre 
abll.  Nicht  von  jovialis,  es  ist  ein  von  der  Normandie  ausgegangenes 
wort,  altn.  jol  freudenfest  zur  Weihnachtszeit,  schwed.  dän.  jul  weihnachts- 
fest, goth.  jiuleis  julmonat. 


I.   GIUNARE— GIUSO.  167 

Giunare  it.,  wal.  azunä,  sp.  ayunar,  pg.  jejuar,  pr.  jeonar,  fr. 
jeaner  fasten;  von  jejunare  bei  Terttdlian.  In  ayunar  ward  a  vor 
[je]junare  gesetzt  vgl.  a-yer  aus  heri,  in  jeüner  fiel  j  aus.  Für  it.  giunare 
ist  üblicher  diglunare  mit  fast  bedeutungslos,  vorgesetzter  partikel,  pr.  cat. 
dejunar,  adj.  digiuno,  dejun  (jejunus).  Eine  andre  ess.  ist  fr.  döjeüner, 
pr.  desdejunar,  sp.  desayunar,  wal.  dejunä  frühstücken,  eigentl.  fasten- 
brechen wie  engl,  break-fast. 

Giunchiglia  it.,  sp.  junquillo,  fr.  jonquille  eine  art  narcissen; 
von  juncas,  weil  sie  binsenartige  blätter  hat,  narcissus  juncifolius.  Daß  man 
nicht  ginnciglia  bildete,  zeigt  eine  spätere  Entstehung  des  Wortes  an,  aber 
man  behandelte  juncetum  auf  dieselbe  weise,  indem  man  giuncheto  sprach. 

Giusarma  it.,  pr.  jusarma,  altfr.  jusarme  und  zuweilen  gisarme, 
gisarne  Alex.  289,  29,  wie  altengl.  gisarm,  gysarn  cet.,  dsgl.  mit  guttu- 
ralem g  altfr.  guisarme,  pr.  gasarma,  auch  altfr.  wisarme,  visarme  (letz- 
teres PDuch.  ed.  M.  p.  145,  aber  jusarme  ed.  G.  et  L.p.57),  wozu  altsp. 
bisanna  stimmt;  bedeutet  eine  leichtere  waffe,  vgl.  die  stelle  falces,  gisar- 
mas,  cnltellos  et  alia  arma  minuta  DG.  v.  gisarma,  und  zwar  eine  schnei- 
dende, z.  b.  ä  nuit,  fet  il,  la  teste  m'oste  ä  ceste  jusarme  trenchant 
NFC.  I,  19.  Des  Wortes  herkunft  liegt  noch  im  dunkeln,  die  verschiede- 
nen  formen  sind  für  seine  aufhellung  nicht  förderlich,  doch  lohnt  es  der 
mühe  eine  deutung  su  versuchen.  Man  bemerkt  es  öfters  in  gesellschaft 
von  falx,  fauchon,  faussart,  s.  Ducange  u.  Roquef.I,  725,  so  daß  es  eine 
siehel-  oder  säbelartige  waffe  zu  bedeuten  scheint.  Falx,  falcastrum  wer- 
den ahd.  mit  get-isarn  (Jäteisen)  übersetzt,  s.  Docens  Miscell.  II,  231, 
Schleust,  glossen  6,  237,  und  dies  konnte  sich  leicht  in  get-s&rna  gisärna, 
durch  umdeutung  mit  arma  (waffe)  in  gisarma  verwandeln.  Zur  form 
wisarme,  die  übrigens  kaum  vorkommt,  mochte  der  übliche  Wechsel  zwi- 
schen gu,  g  und  w  m  andern  Wörtern  verführt  haben  (guivre  givre  wivre, 
gacbiere  jachtere  waquiere).  Aber  warum  soll  das  wort  nicht  aus  dem 
gallischen  gaesum  und  arma  zusammengesetzt  sein?  Weil  diese  Zusam- 
mensetzung schleppend  und  pedantisch  wäre,  wie  denn  auch  arma  nie  in 
eine  solche  interpretierende  Stellung  eintritt.  —  [Wie  problematisch  die 
vorstehende  etymologie  sein  mag,  so  sind  es  die  späteren  doch  nicht  minder. 
Gachet  p.  242  glaubt  gisarme  in  gysarum,  das  im  englischen  mittellatein 
vorkommt  und  ein  kurzes  schwert  bedeuten  soll,  wiederzuerkennen,  indem 
er  es  für  eine  Verlängerung  von  gaesum  hält;  diese  Verlängerung  wäre 
seltsam  genug.  Diefenbach,  Orig.  europ.  p.  353,  denkt  sich  unser  wort 
aus  gesara  (s.  unten  gese  //.  c.)  entstanden,  doch  auch  bei  dieser  an- 
nähme bleibt  die  buchstäbliche  fortbildung  ungerechtfertigt,  wenn  man  nicht 
arma  zu  hülfe  ruft] 

Giußo  it.,  abgekürzt  giü,  altsp.  yuso,  ayuso  und  jus  Alx.,  altpg. 
juso  FSant.  p.  531,  pr.  jos,  jotz,  jus,  altfr.  jus,  wal.  din  ios,  partikel 
für  lat.  infra;  von  deosum  für  deorsum,  im  frühen  mlat.  bereits  josum, 
jusum  wie  jornus  von  diurnus  (et  pausant  arma  sua  josum  L.  Alam.), 
im  altsp.  noch  diuso:    de  parte  de  diuso  de  la  cabeza  Cabrera  II,  703. 


168  I.  GIUSQUIAMO-GOLPE. 

Ginsquiamo  it.,  sp.  josquiamo,  fr.  jusquiame  (f.)  büsenkraut; 
von  hyosciamus  (voaxvafiog)  schon  bei  PaUadiüs  entstellt  in  jusquiamus. 
Die  Jcehltenuis  in  diesem  worte  ist  aus  dem  griechischen. 

Giusta  und  giusto  it.  (ebenso  contra,  contro),  pr.  josta,  altfr.  joste, 
juste;  von  juxta,  roman.  auch  für  secundum  gebraucht  wie  bereits  im 
classischen  und  häufiger  im  mittellatein.  Datier  vb.  it.  giustare,  gio- 
strare,  sp.  justar,  pg.  justar,  pr.  jostar,  justar,  fr.  jouter,  alt  joster, 
juster  1)  vereinigen,  2)  zusammentreffen  mit  den  waffen,  zusammenstoßen,^ 
tumieren;  sbst.  it.  giostra,j?r.  josta,  justa,  fr.  joute  turnier,  mhd.  tjost, 
mndl.  joeste.  Nach  Ferrari  u.  a.  von  justa  in  dem  sinne  von  pugna 
partum  s.  aequalium.  Die  grundbedeutung  hat  sich  am  besten  in  der 
mundart  von  Berry  erhalten:  mon  champ  joute  au  sien  grämt  oder  stößt 
daran.    Zsgs.  pr.  ajostar,  fr.  ajouter  vereinigen,  beifugen. 

Gobbo  it.,  churw.  gob  buchet,  fr.  gobin  bucklig;  von  gibba,  gib- 
bus.  Das  kymr.  gob  häufe,  dämm  liegt  mit  seiner  bedeutung  mehr  ab 
als  das  lat.  gibbus  mit  seiner  form,  denn  hier  ist  nicht  eu  übersehen,  daß 
das  frühere  mlatein  häufig  mit  y  gybbus  schrieb  (gr.  xv<pog)  und  gewiß 
auch  sprach  (z.  b.  Gl.  Cass.,  Gl.  bibl.  Hattemer  p.  227h,  Gl.  IAndenbrJ; 
ein  vocabularius  hat  gradezu  mit  u  =  rom.  o  gupios  'hover  (höcker) 
Haupts  Ztschr.  III,  373. 

Godere  und  gioire  it.,  altpg.  gouvir,  pr.  gauzir,  jauzir,  fr.  jouir, 
pic.  se  gaudir  sich  freuen,  genießen,  von  gaudere;  sbst.  pg.  goivo,  pr. 
gaug  und  joi,  wald.  goy  freude,  dsgl.  fem.  it.  gioja,  sp.  joya,  pg.  pr. 
joia,  fr.  joie  freude,  kleinod  (sp.  pg.  letzteres,  fr.  ersteres,  it.  pr.  beides), 
von  gaudium,  pl.  gaudia;  abgel.  it.  giojello,  sp.  joyel,  pr.  joiel,  altfr. 
joel,  nfr.  joyau  juwel,  nüat.  unrichtig  jocale  für  gaudiale  oder  besser  für 
gaudiellum.  Hieher  auch  pr.  jauzion,  fem.  jauzionda,  von  gaudibun- 
dus  bei  Apülejus  und  im  mlatein,  noch  jetzt  Jausion  als  familiennasne 
im  Süden  Frankreichs. 

G  o  f f  o  it.,  sp.  göfo,  fehlt  pg.,  fr.  goffe  plump,  tölpelhaß,  iidl.  auch 
plump  gearbeitet,  mdartl.  engl,  gof,  guff  Halliw.  Ist  es  auch  enthalten 
in  der  Isid.  glosse  bigera  'vestis  gufa  vd  villata,  wo  es  grob  zu  bedeuten 
scheint,  so  ist  uns  seine  herkunft  gleichwohl  verborgen.  Man  hat  an  gr. 
xwyog  dumm,  stumpf  erinnert;  ganz  unstatthaft  leitet  es  Frisch  vom 
dtschen  gauch  geck;  aber  bair.  goff  dummkopf  kann  Zusammenhang  mit 
dem  roman.  worte  nicht  verläugnen. 

Golfo  it.  sp.  pg.  meerbusen,  daher  fr.  golfe,  pr.  golfo,  das  eigent- 
liche fr.  wort  ist  gouffre  (m.)  abgrund,  Strudel,  eine  auch  dem  span.  worte 
nicht  versagte  bedeutung  s.  Covarruvias.  .Auch  dieser  Schifferausdruck  ist, 
wie  mancher  andre,  aus  dem  griechischen :  von  xolnog  (meerbusen,  höhlung) 
ward  7t  aspiriert,  was  z.  b.  auch  in  trofeo  von  xqonalov  geschah,  und 
schon  ein  altes  glossar  gewahrt  x6lq>o$  'sinus'  s.  Ducange,  Gloss.  graecum. 
Die  niederl.  spräche  hat  gulp,  golf,  veraltet  golpe,  golve  Strudel,  fluth. 

Golpe  it.  (flor.),  so  auch  altsp.  im  Alex.,  chw.  guolp,  golp,  daher 
altsp.  gulpeja  Bz.,   altfr.  goupille,  gourpille,  gewöhnlich  masc.  goupil, 


I.   GOMONA-GORDO.  169 

gourpil,  mundartl.  wourpille,  werpille,  werpil  fuchs;  vb.  altfr.  goupiller 
sich  verkriechen  wie  der  fuchs,  sich  feige  benehmen;  nfr.  goupillon  wedel, 
eigenil.  fuchsschwane.  Wegefi  der  votliegenden  behandlung  des  anlautes 
in  vulpes  s.  Born,  grarntn.  I,  288.  Prov.  blieb  volp  unverändert.  Andre 
namen  des  fabelberühmtcn  thieres  sind:  fr.  renard,  pr.  guiner,  cot.  guineu, 
sp.  raposa,  zorra,  altsp.  marota  (nach  Seckendorf),  gulhara  Bz.,  sard. 
margiani  (vgl.  neugr.  juagyiolog  verschlagen),  mazzone,  lodde,  occit.  man- 
dro  bei  Gouddin. 

Gömona,  gömena,  gumina  it.,  gdmena  sp.  pg.,  goumene  fr.  tau, 
ankertau;  nach  Muratari  und  älteren  etymologen  vom  arab.  al-gommal 
schiffseil  (?). 

Gonfalone  it.,  altpg.  gonfaläo,  pr.  altfr.  gonfanon,  nfr.  gonfalon 
kriegsfahne;  vom  ahd.  gundfano,  dies  von  gundja  kämpf  fano  tuch.  Auf 
die  form  mit  anlautender  tenuis  cundfano  weist  piem.  sp.  confalon,  pr. 
confano,  altfr.  confanon,  sie.  eunfaluni,  ven.  confaloniero. 

Gonfiare  it.,  fr.  gonfler,  wäl.  gunfa  aufblähen;  von  lat.  conflare 
für  inflare  (neupr.  mit  tenuis  confld):  intestina  conflata  für  inflata  Coel. 
Aurd.  Adj.  it.  gonfio,  in  Genf  gonfle  =  fr.  gonflö,  wie  daselbst  auch 
enfle  für  enfte  gesagt  wird,  dsgl.  bürg,  gönfle,  neupr.  coufle.  Auch  npr. 
gofe  vollgestopft,  goufä  blähen,  bauschen,  genf.  goffet  dick,  fett,  scheinen 
hieher  zu  gehören  und  nicht  zu  goffo. 

Gonna  it.  weiberrock  vom  gürtet  bis  zur  ferse  reichend,  altsp.  gona 
Canc.  de  B.,  und  so  pr.  gona,  altfr.  gone  rock  zumal  der  manche,  mlat. 
gunna  beim  h.  Bonifacius,  mittdgr.  yovva  s.  v.  a.  diq>&€Qa  feil,  Meid  von 
feil,  olban.  gune  mantel,  rock.  Varro  L.  L.  kennt  gaunacum  zottige  decke 
oder  bddeidung:  der  Wegfall  der  letzten  säbe  (wie  im  it.  chiasso  aus 
classicum,  im  altfr.  rüste  aus  rnstiens)  läßt  sich  zugeben;  im  itäl.  aber 
ist  es  nicht  üblich,  das  auf  lat.  au  gegründete  o  durch  doppelconsonanz 
su  kürzen,  auch  würde  der  Provenzede  lieber  gauna  gesagt  haben.  Eben 
so  wenig  ist  es  von  yovva:  umgekehrt  wird  dem  Neugriechen  das  rom.  o 
oder  lat.  8  zu  ov  (ßovla,  fiovt^og,  xovna,  oovna,  ßovQtta  =  it.  bolla, 
mozzo,  coppa,  fr.  sonpe,  brosse).  Es  fragt  sich  nun:  ist  kymr.  gwn  = 
engl,  gown  acht  cdtisch?  Sonst  kann  dies  nebst  seinem  dimin.  gynnel 
recht  wohl  aus  gone,  gonelle  entnommen  sein  wie  etwa  fWl  aus  fol.  Der 
Ursprung  des  wortes  ist  also  noch  aufzuklären. 

Gonzo,  engonzo  pg.,  sp.  gonce,  gozne,  fr.  gond,  pr.  gofon  für 
gonfon  thürangd.  Nicht  alle  gleiches  Ursprungs:  gonzo  könnte  von  con- 
ti« spieß,  freilich  mit  einer  nicht  gewöhnlichen  schärfung  des  t  herrühren; 
gofon  fuhrt  auf  gomphus  pflock,  im  mlat.  häufig  gebraucht,  vom  gr.  yoptpog; 
gond  neigt  sich  mehr  zum  ersteren  worte,  ist  aber  wohl,  mit  hinsieht  auf 
das  gleichbed.  lothr.  angon,  von  ancon  haken. 

Gordo  sp.  pg.,  gort  pr.  dick,  fettt  altsp.  einfaltig,  stumpfsinnig,  fr. 
gourd  steif,  ungelenk;  vb.  gourdir  (Nicot)  und  engourdir  erstarren 
machen;  vom  lat.  gurdus  bei  Laberius  nach  Gellius  zeugnis,  auch  von 
Quhtiilian  erwähnt,   der  ihm  die  bed.  stolidus  beilegt   und   die  sage  mit- 


170  I.    GORGO— GRADO. 

(heilt,  es  sei  aas  Spanien  gekommen,  ex  Hispania  duxisse  originem  au- 
divi;  in  glossaren  übersetzt  mit  obtusus,  surdus,  inutilis,  stutius,  s.  Du- 
cange.  Über  seifte  spuren  im  baskischen  Diefenbach,  Orig.  europ.  p.  364. 
Die  Verwandtschaft  der  begriffe  dick  und  dumm  berührt  Rom.  gramm.  J,  93. 
Dem  Italiener,  selbst  dem  Sardent  fehlt  gordo;  jener  hat  ein  compos.  in- 
gordo  gefräßig,  unmäßig,  übermäßig,  welches  Menage  unstatthaft,  weil 
der  gefräßige  fett  werde,  aus  gurdus  lierleitet:  was  soll  alsdann  die  Zu- 
sammensetzung mit  in?  Es  scheint  vielmehr  aus  in  gurgitem  cw  die  gur- 
gele hinein  entstanden,  vgl.  denselben  fall  beim  altfr.  adj.  enfrum  IL  c, 
und  das  it.  vb.  ingordarsi  gefräßig  sein,  buchstäblich  das  lat.  se  ingur- 
gitare  sich  überladen. 

Gorgo  it.,  pr.  cUtfr.  gorc,  gort,  nfr.  gour  Strudel;  dsgl.  it.  sp.  pr. 
gorga,  mit  palatalcm  g  it.  gorgia,  fr.  gorge  Strudel,  Schlund,  gurgel; 
von  gurges,  dem  nur  die  erste  bedeutung  zukommt.  Gurga  für  gurges 
bei  den  feldmessern  (Cos.  litt  p.  330).  Prov.  gorgolh  von  gurgulio, 
vb.  it.  gorgogliare  u.  s.  w. 

Gorra  it.  sp.  pg.,  sp.  auch  gorro  eine  art  mutzen;  von  unbekannter 
herkunft.  Die  grundbedeutung  mag  band  oder  binde  gewesen  sein,  da 
das  itdl.  wort  auch  weidenzweig,  das  port.  auch  binsenstrick  heißt,  ein 
altfr.  gorre  (bei  Roquef.)  mit  ruban  übersetzt  wird.  —  [Mahn  p.  15 
leitet  es  mit  bestimmtheit  aus  dem  bask.  gorria  roth,  als  einer  lieblings- 
farbe  für  dieses  kleidungsstück  bei  deti  Basken.] 

Gota  it.,  pr.  gauta,  fr.  joue  (daher  wohl  engl,  jaw,  altengl.  jowe, 
wie  auch  E.  Müller  vermathet)  kinnbacken,  wange;  in  mundarten  1  für  u, 
cat.  galta,  moden.  golta  (trient.  gouta),  chw.  gaulta ;  der  Spanier  hat  nur 
galtera  backen  am  heim.  Bei  der  erklärung  dieses  Wortes  gilt  es  um 
den  prov.  diphthong  au,  woraus  o,  al,  ou  hervor giengen;  gauta  ist  lat. 
gabata,  mlat.  gävata  zsgz.  gau'ta,  wie  parabola  paravola  parau'la  er- 
zeugte. Gabata  bedeutet  eßgeschirr  (occ.  gaoudo)  und  so  verräth  gauta 
eine  der  Volkssprache  durchaus  gemäße  auffassung  menschlicher  körpertheile, 
die  auch  in  andern  Wörtern  begegnet.  Das  der  lat.  form  noch  näher  tre- 
tende dem  fr.  joue  gleichbed.  bret.  gaved  (fehlt  kymr.)  muß  jeden  zweifd 
an  der  rkhtigkeit  dieser  herleitung  beseitigen. 

Gotta  it.,  sp.  pg.  gota,  fr.  goutte  gicht,  wal.  gute,  it.  gocciola 
schlagfluß;  von  gutta,  dtsch.  troph  Vocab.opt.  p.  41h,  tropfen  'apoplexia* 
wb.  v.,  1445  bei  Schmeller  1,  499,  vgl.  Frisch  II,  389r ,  so  genannt,  weil 
man  die  Ursache  dieser  krankheiten  gewissen  aus  dem  hirn  herabfallenden 
tropfen  zuschrieb.    S.  auch  Ducange  s.  v. 

Gracco,  graeculo,  gracchiatf.,  sp.  grajo,  graja,  pg.  gralho,  gralha, 
pr.  in  letzterer  form  und  so  altfr.  graille  elster,  dohte;  von  graculus,  mW. 
gracula. 

Gracidare  it.  quaken  (vom  frosch),  sp.  pg.  graznar  krächzen 
(vom  raben);  lehnen  sich  dem  lat.  crocitare  an. 

Grado  it.  sp.  pg.,  pr.  grat,  fr.  gr<5  belieben,  dank;  von  gratum  ge- 
fälligkeit.    Zsgs.  it.  mal  grado,  pr.  malgrat,  fr.  malgrä  schlechter  dank, 


I.    GRAFFIO-GRANJA.  171 

adverbial  gewöhnlich  mit  unterdrückter  präpos.  (a)  malgrado  ff.  zum  Un- 
dank, wider  Witten,  zum  trotz,  vgl.  lat.  male  gratus  nicht  recht  dankbar. 
Vb.  it.  gradire,  pr.  grazir  zu  dank  aufnehmen,  freundlich  aufnehmen; 
zsgs.  it.  aggradire,  aggradare,  sp.  agradar,  pr.  agradar,  agreiar,  fr. 
agr&r  genehmigen,  gefallen,  von  a  grado  u.  s.  w.  tu  danke;  adj.  it.  ag gra- 
de vole,  sp.  pr.  agradable,  fr.  agräable  angenehm,  lieblich. 

Graffio  it.,  sp.  garfio  und  garfa,  pr.  grafio  haken,  kralle;  vb.  it. 
graffiare,  bürg,  graffiner  (sbst.  graffin)  kratzen;  zsgs.fr.  agrafe  klam- 
mer; it.  aggraffare,  sp.  agarrafar,  engarrafar,  wallon.  agrafer  ergreifen. 
Gewöhnlieh  halt  man  graffio  für  das  lat.  graphium  griffet,  aber  die  bed. 
haken  widersteht.  Diese  bedetdung  aber  findet  sich  im  ahd.  krapfo,  krafo, 
wofür  auch  krapfjo,  krafjo  zu  vcrmuthen  ist.  Ihm  geht  zwar  auch  ein 
kymr.  craf  oder  crap  zur  seile,  bei  dem  sich  aber  das  dem  stamme  ange- 
fügte i  in  graffio  minder  leicht  würde  erklären  lassen. 

Grama  sp.  romagn.,  it.  gr&mola,  pg.  gramadeira  hanfbreche, 
sp.  gramilla  Schwingmesser,  hanfschwinger;  vb.  pg.  graraar,  romagn. 
grame  hanf  brechen,  sp.  graraar  tctg  kneten,  it.  gramolare  mit  beiden  be- 
dcutungen.  Entsprechend  bair.  gramel,  graraeln  =  gramola,  gramolare. 
Nach  Frisch  I,  371a  von  carminare,  nicht  gegen  die  lautgcsetze.  Vgl. 
auch  Diefenbach,  Goth.  wb.  II,  425. 

Gramo  it.,  pr.  gram,  altfr.  gram,  graim  Alexs.  26  betrübt;  sbst. 
altfr.  graigne  Antioch.  I,  68;  vb.  it.  gramare,  altfr.  gramoier,  gre- 
moier  betrüben;  vom  ahd.  gram  erzürnt,  unmuthig,  gram!  erbitterung, 
gramjan,  gramen  aufreizen.  Dieselbe  Wendung  in  den  bedeutungen  nahmen 
z.  b.  das  nhd.  gram  und  das  pr.  ira  kummer. 

Grampa  it.  kralle,  aggrampare  häkeln,  fr.  crampe  krampf,  cram- 
pon  klammer,  bürg,  sc  crampir  sich  anklammern,  altfr.  cranpi  zusammen- 
gekrümmt Ren.  I,  p.  52;  vom  ahd.  cramph  gekrümmt,  nhd.  krampf. 

Grana  it.  sp.  pr.,  pg.  gräa,  altfr.  graine  ein  färbestoff,  scharlach- 
oder  färbebeere,  coccus  ilicis,  dsgl.  scharlachfarbe,  scharlachtuch,  im  span. 
auch  Cochenille  (coccus  cacti),  mlat.  grana,  mhd.  gran;  von  granum  kern, 
wie  gr.  xoxxog  kern,  Scharlachbeere,  Scharlach. 

Granchio,  grancio  it.,  cranc  pr.  cot.,  auch  kymr.  cranc,  bret. 
krank,  wallon.  cranche  krebs,  fr.  chancre  kreibsgeschwür ;  umgestellt  aus 
lat.  Cancer  cancri.  Eine  abl.  ist  pg.  granqnejo  und  mit  eingeschobenem 
a  garangnejo,  span.  aber  cangrejo,  gleichsam  cancriculus.  Daher  auch  it. 
grancire  anpacken,  ergreifen? 

Granito  it.,  sp.  granido,  fr.  granit  ein  harter  stein;  von  granum, 
weil  er  mit  körnem  durchsetzt  ist,  partic.  des  roman.  vbs.  granire  körnicht 
machen. 

Gran  ja  sp.,  pg.  pr.  granja,  fr.  grange  scheune;  eigenÜ.  kornboden, 
vom  adj.  granea,  schon  im  frülisten  mlatein  gebraucht:  si  enim  domum 
infra  cnrtem  incenderit  aut  scnriam  aut  graneam  vel  cellaria  L.  Alam. 
81,  2.  Außer  granea  begegnet  auch  granica:  ad  casas  dominicas,  sta- 
bnlare,    fenile,   granicam  cet.  L.  Baiw.  1,  14,  sicher  das  altfr.  granche, 


172  I.    GRAPPA-GREPPIA. 

pr.  granga.  Die  speciell  span.  bedeutung  ist  meieret,  daher  vb.  gran- 
gear  bewirthschaften,  bauen,  pflegen. 

Grappa  it.,  sp.  pr.  grapa  klammer,  kralle,  masc.  it.  grappo  das 
zugreifen,  pr.  graps  'manus  curva  GProv.  40«,  sp.  grapon  dass.;  fr. 
g rappin  ariker,  ven.  grapeia  Jdette;  vb.  it.  grappare,  aggrappare,  norm. 
grapper,  pic.  agraper  packen  (agrape,  waüon.  agrap  =  fr.  agraf e).  Vom 
aAd.krapfo,  nhd.  krappen,  vgl.  kymr.  crap.  Zu  demselben  stamme  bekennt 
sich  it.  grappo,  grappolo,  fr.  grappe,  altfr.  pic.  champ.  crape  trauben- 
kämm,  traube  u.  a.,  ndl.  grappe,  krappe  Kit.,  engl,  grape. 

Grass o  it.,  sp.  graso,  pg.  graxo,  pr.  chw.  wal.  fr.  gras  adj.  fett; 
von  crassus,  mlat.  grassus,  vgl.  naynq  grassitndo  Gl.  gr.  lat.;  aber  auch 
it.  pg.  crasso,  sp.  craso,  crasio,  fr.  crasse  dick,  grob. 

Grata  it.,  sp.  grada,  pg.  grade  (f.)  guter,  sp.  pg.  auch  ege,  it. 
gradella  geflochtener  fischbehälter ;  von  crates.  Aus  dem  dimin.  craticola 
(mlat.  graticula  Hattemer  I,  246a)  entstand  fr.  grille,  gril,  mail.  grella 
röst,  guter,  vb.  fr.  griller  rösten,  eigentl.  für  grafile  graille  (wegen  des 
neufr.  i  aus  altfr.  ai  s.  chignon  und  grignon  II.  c),  cdtfr.  sonst  auch 
grafl  Jubinoü  Jon  gl.  et  trouv.  133,  vb.  graelier  GVian.  2744,  g&aillier 
Brt.  I,  p.  165,  NFC.  II,  101,  dsgl.  grefslier  DMce.  p.  130,  noch  jäzt 
in  Berry  gräler. 

Grattare  it.,  sp.  pr.  gratar,  fr.  gratter  kratzen;  vom  ahd.  chrazon, 
ndl.  krat-sen  u.  s.  w.  Daher  fr.  gratin  scharre,  ögratigner  kratzten, 
ritzen,  dsgl.  mit  seltnem  suffix  it.  grattugio,  dauph.  gratusi  raspel, 
reibeisen,  vb.  it.  grattugiare,  pr.  gratnzar,  altfr.  gratuser. 

Grena  sp.  verworrnes  haupthaar,  so  auch  pg.  grenha,  aber  pr.  gren 
(m.)  bart;  daher  altsp.  grenon,  griüon  Bc ,  Alx.  s.  Sanchez  gloss.  und 
Ochoa  p.  569a,  pr.  altfr.  grignon,  grenon,  guernon  bart  sowohl  der  Ober- 
lippe wie  des  kinnes:  pr.  los  grenons  loncs  sobre  la  boca  Jfr.  64";  altfr. 
a  son  menton  n'avoit  ne  barbe  ne  grenon  Fl.  Bl.  p.  89.  Granus  hat 
schon  Isidoru$:  videmus  granos  et  cinnabar  Gothorum;  granones,  gre- 
nones  das  spätere  mlatein.  Das  wort  ist  über  das  deutsche  gebiet  ver- 
breitet, #.  b.  ahd.  gran  (f.)  pl.  grani  übersetzt  mit  grenones,  mhd.  gran 
(f.)  barthaar  der  Oberlippe,  nl\d.  granne  Stachel  der  ähre,  altn.  grön  bart 
u.  s.  w.;  aber  auch  dem  celtischen  bekannt,  z.  b.  gael.  granni  langes  haar, 
kymr.  grann  cilium,  palpebra.  Es  konnte  indessen  kaum  ausbleiben,  daß 
man  das  lat.  erinis  mit  dem  deutsch-celtischen  worte  verwechselte,  indem 
man  altfr.  crenu  bemähnt  (von  pferden,  vgl.  crin  rosshaar)  unbedenklich 
grenu  und  guernu  schrieb  (s.  Gachet  246b);  selbst  die  obigen  formen  mit 
radicalem  \,  wenn  nicht  die  mit  e,  zeigen  einmischung  des  lat.  Wortes  an. 
Eine  handschriß  des  Papias  gibt  daher  auch  crinones  für  grinones.  Vgl. 
Grimm,  Rechtsalt.  283,  Diefmbach,  Goth.  wb. '  I,  317.  II,  427;  Orig. 
europ.  363. 

Greppia  it.,  mdartl.  creppia,  pr.  crepia,  crepcha,  altfr.  crebe 
Roquef,  greche  Ruteb.  II,  p.  6,  nfr.  creche  krippe;  vom  ahd.  krippa 
krippea,   welche  letztere  bei  Graff  nur  einfach  belegte  form,   nach  den 


I.   GHETTO— GRISO.  173 

romanischen  zu  schließen,  die  älteste  oder  üblichste  gewesen  sein  muß, 
auch  atts.  cribbia.  Frov.  crupia,  piem.  ven.  grupia,  gen.  groeppia,  romagn. 
gropia  schließen  sich  dem  ndd.  krubbe  an,  s.  Brem.  wb.;  die  bask.  spräche 
besitzt  das  ganz  ähnliche  khorbua.  Der  Spanier  bewahrt  das  lat.  wort 
für  diese  Sache:  pesebre,  so  lomb.  pars&v,  presäf. 

Gretto  it.  geiz,  hnickerei,  adj.  knickerig;  vom  mhd.  grit  gier,  hab- 
sucht,  adj.  gritec.  Derselben  herkunft  mit  niederd.  d  für  t  ist  fr.  g  red  in 
ipic.  guerdin,  lothr.  gordin)  bettelhaft,  armselig,  vgl.  goth.  grfcdus,  altn. 
gr&d,  engl,  greed  hunger,  gier.  S.  Frisch  I,*374b,  Diefenbach,  Goth.  wb. 
II,  428. 

Greve  it.,  pr.  greu,  altfr.  grief  (nfr.  sbst.  grief),  wal.  greu  schwer; 
von  gravis;  abgeleitet  it.  aggrevare,  altfr.  agrever,  pr.  aber  agreujar 
(gleichsam  aggraviare  aggreviare),  altfr.  agregier  beschweren,  wie  auch 
nfr.  rengröger  verschlimmern.  Sprach  man  grevis,  um  das  wort  seinem 
gegensalze  levis  anzugleichen?  man  erwäge  die  prov.  formet  ni  greu  ni 
leu  *  weder  schwer  noch  leicht*.  Stark  zusammengezogen  ist  das  altfr. 
gri6t6  =  gravitas. 

Gridare  it.,  ep.  pg.  mit  t  gritar,  fr.  crier  schreien,  daher  engl. 
cry,  vielleicht  auch  mhd.  krten  Wb.  I,  879;  sbst.  it.  grido,  grida,  sp. 
grito,  fr.  cri  schrei,  ruf.  Dazu  mdartl.  formen  wie  parm.  cridar,  ven. 
criare,  mail.  criä,  altsp.  cridar  gridar,  crida  grida  grido.  Dem  hier  be- 
merklichen schwanken  zwischen  tenuis  und  media  unterliegen  auch  andre 
Wörter  und  so  kann  dies  keinen  grund  Im geben,  die  formen  zu  trennen 
und  aus  verschiedenen  quellen  zu  leiten.  Man  findet  diese  z.  b.  im  goth. 
gretan  weinen,  oder  im  ndl.  kryten  schreien,  oder  auch  in  celtischen 
Wörtern.  Aber  die  nächste  quelle  bietet  das  lat.  Sprachgebiet  selbst.  Schon 
Scaiiger  (zu  p.  68  der  Catalecta)  verwies  auf  das  gleichbed.  qulrltare, 
romanisch  ausgesprochen  kiritare,  welches  sein  kurzes  tonloses  i  im  laufe 
der  zeit  nicht  retten  konnte  und  in  critare,  gridare  übergehen  mußte;  ein 
ganz  ähnliches  beispiel  ist  der  franz.  eigenname  Cricq  aus  Quiricus  Voc. 
hagid.  oder  auch  triaca  aus  theriaca.  Aber  im  frühern  mittdlatein  be- 
gegnet noch  die  unverkürzte  form:  quiritant  vermes,  cum  vocem  dant 
Gl.  Lindenbr.,  vgl.  it.  gridalto  vom  frosche  gebraucht;  wahrscheinlich  auch 
quaeritat  'clamaC  Gl.  erford.  369,  13  und  anderwärts.  In  der  altrom. 
Passion  Christi  str.  72  findet  sich  die  abl.  cridarun,  offenbar  verschrieben 
für  cridazun,  buchstäblich  das  lat.  quiritatio.  Eine zss.  ist  it.  s gridare, 
dtfr.  escrier,  welches  letztere  zur  Iierleitung  aus  ahd.  scrian  verführen  kann. 

Grill o  sp.,  pg.  grilho,  pr.  grilho,  fr.  grillet  hand-  oder  fußschellen; 
sicher  von  gryllns  wegen  des  tones,  wie  auch  altfr.  gresillon  grille  und 
fessd  heißt. 

Grinar  pr.  grinsen,  knurren;  vom  ahd.  grfnan,  nhd.  greinen;  dsgl. 
&  digrignare,  com.  bergam.  einfach  grignä,  champ.  pic.  grigner  les 
denta,  so  auch  in  Berry  u.  s.  w.,  von  einer  ahd.  form  grinjan  =  ags. 
grinian.    Sbst.  chw.  grigna  fratze. 

Griso,   grigio  it.,   sp.  pg.  gris,   fr.  gris   adj.  grau,   dsgl.  sp.  pr. 


174  I.   GRONDA-GROTTA. 

aUfr.  gris  sbst  grauwerk;  daher  it.  gris et to,  sp.  griseta,  fr.  grisette 
ein  urspr.  grauer  stoff,  franz.  auch  eine  person  geringen  Standes.  Vom 
ältsächs.  gris  *canu&  in  glossen  des  8—9.  jh.  s.  Graffs  Diutiska  II,  192, 
mhd.  gris,  grise,  nüat.  griseus  (9.  Jh.),  von  letzterer  form  grigio  so  wie 
chw.  grisch,  dsgl.  altsp.  griseo. 

Gronda  it.,  chw.  grunda,  fr.  säveronde,  henneg.  souvronte,  aUfr. 
souronde  Wetterdach;  von  subgrunda  bei  Varro,  wo  es  dieselbe  bedeutung 
hat.    Im  franz.  ward  g  elidiert. 

Groppo,  gruppo  it.,  sp.  grapo,  gorupo,  fr.  groupe  klump,  knoten; 
dsgl.  it.  groppa,  sp.  grupa,  pg.  garupa,  pr.  cropa,  fr.  Croupe  kreuz  des 
pferdes  (vgl.  beide  bedd.  im  fr.  trousse) ;  vb.  altfr.  croüpir  hocken,  kauern, 
nfr.  stocken.  Die  wurzel  findet  sich  mit  der  bed.  einer  zusammengeballten 
sac)ie  sowohl  in  den  german.  wie  in  den  celt.  sprachen,  z.  b.  ahd.  kropf^ 
nord.  kryppa  höcker,  ahd.  crupel  krüppel,  vb.  nord.  kriupa,  ndd.  krupen 
hocken,  gael.  erup  zusammenziehen,  kymr.  cropa  kröpf.  Unter  den  äbld- 
tungen  ist  neben  dem  it.  groppone  und  fr.  croupion  zu  bemerken  das  aUfr. 
crepon  kreuz  an  menschen  und  thieren  (et  li  pristrent  ä  batre  le  dos 
et  le  crepon  seil,  a  Rollant  s.  Fer.  p.  157b,  vgl.  BMce.  p.  14,  3,  Ben. 
II,  122),  dessen  radicales  e  wohl  in  dem  nord.  krippa,  das  die  stelle  des 
älteren  kryppa  einnahm,  seinen  grund  hat. 

Grosella  sp.  cat.,  fr.  groseille,  comask.  crosela  (pg.  groselheira 
Nemnich)  Stachelbeere,  Johannisbeere.  Es  trennt  sich  schon  durch  den 
buchstaben,  d.  h.  durch  das  einfache  s,  von  grossus  dick  oder  grossns  un- 
reife feige,  wozu  auch  das  henneg.  grusiele  und  wallon.  gruzale  stitnmt, 
und  ist  augenscheinlich  germanischer  Herkunft,  indem  man  die  erste  be- 
deutung als  die  ursprüngliche  nimmt:  hd.  krausbeere,  kräuselbeere,  schwed. 
krusb&r,  ndl.  kruisbezie  eine  art  rauher  (krauser)  Stachelbeeren,  darum 
auch  it.  uva  crespa.  Das  gael.  gröisead  wird  aus  dem  franz.  herrühren. 
Zu  bemerken  ist  noch  eine  stelle  aus  dem  anfange  des  10  jh. :  radix  sacrae 
spinae,  quae  vulgo  groselarium  vocatur,  fr.  groseillier,  s.  Haupts  Zeit- 
sehr.  V,  204. 

Grosso  it.  pg.,  sp.  grueso,  pr.  wal.  fr.  gros  dick,  daher  sbst.  gros 
name  einer  münze.  Das  wort  kommt  schon  in  der  Vulgata  und  bei  Sulp. 
Severus  (vestem  respuit  grossiorem)  vor  und  kann  mit  dem  deutschen 
gröz  grandis,  crassus,  welches  prov.  vermuthlich  graut  ergeben  hätte,  nichts 
gemein  haben.  In  einer  franz.  mundart,  der  von  Berry,  läßt  sich  aber 
auch  das  deutsche  wort  entdecken,  wo  es  die  form  grot,  grout  angenom- 
men: grot  homme  dicker  mann,  groute  orge  dicke  gerste,  les  grous  die 
großen,  die  reichen. 

Grotta  it.,  sp.  pg.  gruta,  fr.  grotte,  pr.  altfr.  mit  tenuis  crota, 
crote  höhle,  daher  bürg.  genf.  encrotter  begraben;  von  crypta  (yiQvntrj) 
kdler,  wal.  cripte;  adj.  it.  grottesco  wunderlich,  phantastisch,  nach  art 
der  grottengemälde.  Raynouard's  deutung  aus  dem  pr.  cava  rota  ge- 
brochener kdler  LR.  ist  mehr  sinnreich  als  richtig.  Grupta  gewährt 
schon  eine  ital.  Urkunde  vom  j.  887  DC. 


L   GRUGNIRE-GUADO.  175 

Grugnire  it.,  sp.  grufiir,  pr.  gronhir,  gronir,  watton.  grognl  grun- 
zen, murren;  von  grnnnire.  Nach  erster  conj.  gebildet  it.  grugnare, 
fr.  grogner.  Daher  sbst.  it.  grugno,  pr.  gronh,  fr.  groin,  altpg.  gruin 
SRos.  rüssel,  eig.  grunzer.  Vgl.  denselben  stamm  im  ahd.  grün,  grnnni, 
engl,  groan,  hymr.  grwn  u.  s.  w.  Aus  der  vorclassischen  von  grammatikern 
erwähnten  nebenform  grundire  ist  pr.  grondir,  altfr.  grondir  und  grondre, 
neufr.  gronder.    Altfr.  groncer  aber  ist  vom  ahd.  grunzen. 

Grumo  ü.  sp.  pg.  Mümpchen,  spart,  auch  knospe,  altfr.  grame 
allerlei  getreide  Roquef,  bürg.  traübenkeme,  it.  grümolo  herz  des  JcoJdes 
(von  den  zusammenschießenden  blättern  gebildet),  sp.  gramete  Meiner 
junge,  Schiffsjunge  (vgl.  oben  garzone),  daher  fr.  gourmette;  fr.  se  gru- 
meler  sich  klumpen,  gerinnen;  von  grümus,  grümulus  häufchen. 

Guadagnare  it.,  chw.  gudoignar,  pr.  gazanhar  für  gadanhar,  altfr. 
gaagner,  neufr.  gagner  erwerben,  gewinnen,  altsp.  guadanar  mähen  (bei 
Seckendorf);  sbst.  iL  guadagno,  pr.  gazanh,  fr.  gain  gewinn,  sp.  gua- 
dana,  pg.  guadariha  sichel,  sense.  Das  wort  muß  in  betracht  seines  an- 
lautes  deutsch  sein  und  vermuthlich  liegt  seine  grundbedeutung  im  altfr. 
gaaigner  das  feld  bauen  (daher  gaagnage,  gaaignerie  LBs.  436  ausge- 
stellter acker,  dsgl.  ertrag  desselben),  woraus  die  bed.  erwerben  erfolgte. 
Die  form  führt  auf  ahd.  weidanön  jagen,  weiden  oder  a/uf  weidanjan,  wie 
Wackernagel,  Altfr.  lieder  p.  156,  lieber  will:  ja  auch  ableitung  aus 
weida  (weide,  jagd)  mit  dem  rotnan.  suffix  agn  ist  denkbar.  Der  begriff 
konnte  sich  von  dem  jagd-  und  hirtenleben  auf  den  ackerbau  erstrecken. 
Neben  guadagnare  steht  noch  pg.  ganhar,  alt  guanhar  D.  Din.  p.132, 
cat.  val.  schon  im  13.  jh.  guanyar  erwerben,  vermuthlich  nur  aus  erster  em 
zusammengebogen,  worauf  auch  das  altpg.  gaanharia  SRos.  (für  gadan- 
haria)  weist.  Aber  sp.  altpg.  ganar  ist  schwerlich  daraus  syncopiert,  da 
seine  form  durch  sehr  alte  Zeugnisse  geschützt  wird,  z.  b.  in  einer  Urkunde 
wm  j.  747  Esp.  sagr.  XL,  357  (quiequid  potui  ganare  vel  applicare), 
oder,  da  deren  ächtheit  eweifettiaft  ist,  in  einer  andern  vom  j.  990  (gana- 
vimus  et  emimus  villas)  s.  Ducange.  Am  passendsten  stellt  man  es  zum 
sbst.  gana  (s.  oben);  denn  das  ziel  des  begehrens  ist  das  erreichen :  ähn- 
lich heißen  sp.  alcanzar,  lat.  consequi  sowohl  verfolgen  wiem  erreichen.  Das 
arab.  ganla  (nutzen  ziehen)  hätte  eher  ganar  oder  ganir  gegeben.  Von 
ganar  ist  pg.  ganancia,  zsgz.  gan;a,  vb.  ganhar,  wogegen  sich  altpg. 
guaan$ar  wieder  guadagnare  annähert.  —  Dante  braucht  ringavagnare 
Inf.  24.  12,  aus  dem  altfr.  regaagner  mit  eingefügtem  hiatustilgenden  v. 

Guado  it.,  auch  vado,  sard.  vadu,  sp.  vado,  pg.  vao,  alteat.  guau, 
neucai.  gual,  pr.  gua,  ga,  fr.  gu6  seichte  stelle  im  wasser,  fürt;  vb.  it. 
guadare,  sp.  pg.  vadear,  pr.  guasar  GO.  (für  guazar)  durch  das  wasser 
(fdutf  fr-  guäer  abspühlen.  Daß  die  mit  v  anlautenden  formen  zum  lat. 
radum,  vadare  (letzteres  nur  bei  Vegetius)  gehören,  versteht  sich;  bei  den 
mit  g  anlautenden  ist  wenigstens  emfluß  des  ahd.  mhd.  wat,  altn.  vad 
fürt,  vb.  ahd.  watan,  mhd.nhd.  waten  anzunehmen.  Zu  den  verzeichneten 
wortern  kommt  noch  sp.  esguazo,    esguazar,  aus  dem  prov.,  so  auch  it. 


176  I.    GUADO-GUANTO. 

guazzo,  guazzare.  Letzteres  heißt  auch  abspühlen,  abschwemmen,  guazzo 
heißt  auch  pfütze,  dazu  noch  guazza  tliau,  so  daß  man  an  ahd.  wazzar 
denken  könnte;  allein  fr.  guäer  hat  die  nämlichen  bedeutungen  hervorge- 
bracht wie  guazzare:  aus  dem  waten  ergab  sich  das  abspähten,  da  dies 
an  seichten  stellen  des  flusses  geschieht.  Aber  einfluß  des  prov.  z  muß 
angenommen  werden:  schärfung  des  d  zu  z  ist  im  ital.  selten  und  geschieht 
wohl  nur  nach  n  und  r.  Hieher  vielleicht  auch  sp.  guAcharo  wasser- 
süchtig, guacha-pear  das  wasser  mit  den  fußen  trüben.  Vgl.  dazu  Diefenbach, 
Goth.  wb.  I,  248. 

Guado  it.,  fr.  guede  (f),  in  der  alten  spräche  gaide,  waide  G. 
ö!Angl.p.  129,  mdartl.  vouede  eine  pflanze,  waid;  ist  das  ahd.  weit,  ags. 
väd,  s.  Grimm  IL  67.  Aus  der  bekannten  altfr.  einschiebung  des  s 
(guesde)  entstand  nüat.  waisda,  guasdium,  guesdium,  waüon.  waiss 
adj.  königsblau  (für  waist,  wie  cress  für  crest,  lat.  crista;  aouss  für 
aoust,  lat.  angustus).  Sp.  pg.  it.  glasto  ist  buchstäblich  das  gallische 
glastum.  Auch  hier,  wie  so  oft,  wäre  Diefenbach  zu  vergleichen,  Cdt.  I, 
139,  Orig.  europ.  360. 

Guai  it.  sp.  pg.,  altfr.  wai  SB,,  nfr.  ouais,  interjection  für  lat.vae; 
sbst.  it.  guajo,  sp.  pg.  guaya;  vom  goth.  vai,  ahd.  wS,  vgl.  kymr.  gwae. 
Die  altmaä.  mundart  hat  sich  auch  ein  adj.  guajo  geschaffen. 

Guaime  it.,  altfr.  gal'n  Ren.  II,  133,  wailon.  wayen,  lothr.  veyen, 
nfr.  zsgs.  re-gain  grummet;  kann  nicht  aus  gagner,  urspr.  gaagner,  ge- 
formt sein,  füglich  aber  aus  ahd.  weida  futter,  gras,  nhd.  weide,  oder 
aus  weidön  füttern,  mit  dem  roman.  suffix  ime  guad-ime  gua-ime:  so 
floß  it.  guastime  aus  guastare.  Das  urspr.  m  hat  sich  auch  im  henneg. 
waimiau  behauptet.  Normann.  lautet  das  wort  mit  euphonisch  abgeän- 
dertem stammvocal  vouin  (für  gouin,  gal'n),  altfr.  vuin  (nicht  win  su 
lesen) :  aussi  qu'an  vuin  'sicut  in  tempore  aulumpm   Brand,  p.  103  u.  51. 

Guafna  it.,  fr.  gaine,  alt  gaine,  henneg.  waine,  auch  kymr.  gwain 
scheide;  von  vagina.  Den  hiatus  zu  beseitigen  spricht  der  Mailänder 
guadinna,  der  Venezianer  guazina. 

Gualda  sp.,  pg.  gualde,  fr.  gaude,  it.  guadarella  (Nemnich) 
eine  pflanze  zum  gelbfärben,  reseda  luteola,  datier  adj.  sp.  gualdo,  pg. 
gualde  gelb,  und  wohl  auch  altsp.  guado  gelbe  färbe;  vom  engl,  weld, 
nhd.  wau. 

Gualdrappa  it.,  sp.  pg.  gualdrapa  lange  Satteldecke,  bair.  wal- 
trappen. Ferrari  erinnert  an  das  seltsame  vastrapes  ytfuvdfoa  (feminalia) 
in  den  glossen  des  Phüoxenus,  da  eine  solche  decke  wegen  ihrer  ähnlichen 
Bestimmung  sich  einer  beinbekleidung  wohl  vergleichen  lasse;  andre  sehen 
darin  eine  Zusammensetzung  mit  drappo,  wissen  aber  für  gual  keinen  rath. 

Guanto  it.,  sp.  pg.  guante,  pr.  guan,  fr.  gant  Handschuh;  das 
eigcntl.  port.  wort  aber  ist  lua,  guante  bedeutet  panzerhandschufi.  Mlat. 
wantus  liegt  in  sehr  alten  Zeugnissen  vor,  schon  Beda  erwähnt  sein  vor- 
kommen in  Gallien:  tegumenta  manuum,  quae  Galli  wantos  i.  e.  chiro- 
thecas  vocant.    Das  altfr.  wanz  kennen  die  Casseler  glossen.    Das  wort 


L   GUAPPO-GUARI.  177 

ist  ein  deutsches,  wiewohl  es  in  der  hochd.  ags.  u.  a.  mundarten  fehlt, 
aber  altn.  vöttr  ist  =  vantr,  schwed.  dän.  vante.  S.  darüber  Grimm, 
BechtsaU.  162,  Gramm.  III,  451. 

Guappo  neap.,  mail.  guapo  hochmüthig,  com.  vap  eitel  (v  steht  hier 
öfters  für  gu),  sp.  pg.  guapo  kühn,  galant,  schön  geputzt,  auch  gase. 
gouapou;  sbst  sp.  gaapeza  praJüerei;  vb.  norm,  gouaper  scherten. 
Der  anlaut  gu  spricht  für  einen  deutschen  stamm  und  dieser  findet  sich, 
wenn  man  das  prahlerische  oder  eitle  als  grundbegriff  voranstellt,  im  ags. 
yapul  pompholyx,  Wasserblase  (bei  Somnerus),  vb.  vapolian  sprudeln,  ndl. 
wapperen  flattern.  Wohin  gehört  aber  wallon.  wapp  wässerig,  süßlich? 
doch  wohl  zu  ndl.  weepsch  mit  gl.  bed. 

Guaragno  it.,  sp.  guaranon,  alt  guaran  (val.  guari),  pr.  (nach 
Ducange)  guaragnon  hengst;  vom  nüat.  waranio  L.  Sal.  u.  s.  w.,  dies 
aus  dem  deutschen,  altndd.  wrSnjo,  mndl.  wr§ne,  ahd.  reinneo,  vgl.  Graff 
J,  978,  Grimm  zur  L.  Sal.  p.  XXVIII,  Gesch.  d.  d.  spr.  30.  Das  franz. 
wort  ist  ätalon,  das  üblichere  ital.  ist  Stallone,  das  weil,  armesariu  =  ad- 
miggarius. 

Guar  dar  e  it.,  sp.pg.pr.  guardar,  fr.  garder  hüten,  vom  ahd.  warten 
acht  haben;  sbst.  it.  sp.  guardia  (f.),  pr.  guarda  (f.),  fr.  garde  (f.  m.) 
wache,  Wächter,  vom  goth.  vardja,  ahd.  warto  (m.),  warta  (f.).  Daher 
ferner  it.  guardiano,  sp.  pr.  guardian,  fr.  gardien  hüter;  it.  guardingo, 
sp.  pg.  gardingo  behutsam.  Eine  compos.  ist  it.  sguardare,  altsp.  es- 
guardar,  altfr.  esgarder,  eswarder. 

Guarento  altit.,  sp.  garante,  pr.  guaran  und  guiren,  fr.  garant 
gewährsmann,  nüat.  warens,  allfries.  werand,  warend;  aus  dem  ahd.  weren 
leisten,  verbürgen,  s.  Grimm,  BechtsaU.  p.  603.  Die  prov.  form  guiren 
ist  die  reinste,  in  den  übrigen  ward  i  mit  a  vertauscht.  Vb.  it.  guaren- 
tire,  sp.  garantir,  garantizar,  pr.  garentir,  fr.  garantir,  altfr.  auch  ga- 
randir  gewährleisten. 

Guari  it.,  pr.  cot.  gaire,  fr.  guere,  guferes,  ein  synonym  des  lat. 
muUum;  dagegen  neuwald.  gaire  für  lat.  quot.  Der  Provenzale  hat  außer 
gaire  noch  ein  ähnliches  wort,  zusammengesetzt  aus  grandis  res,  gran- 
rän,  ganrln,  und  mit  oder  ohne  negation  gebraucht,  wogegen  gaire  nur 
dubitativ  oder  mit  non  negativ  steht.  Als  partitiva  stimmen  beide  nach 
bedeutung  und  construetion  ganz  zusammen  und  werden  z.  b.'une  adjeetiva 
ohne  weitere  Vermittlung  dem  Substantiv  vorgesetzt:  ganren  vegadas,  gaire 
companhos  wie  it.  guari  tempo.  Gleichwohl  sind  sie  nichts  weniger  als 
identisch,  indem  der  anlaut  in  gaire,  wie  das  uralte  fr.  waires  (z.  b.  in 
den  Serm.  de  Bern.),  das  lothr.  vouere,  das  pic.  w&re,  das  wallon.  wair 
und  das  chw.  uera  zur  genüge  lehren  und  auch  das  it.  guari  bestätigt, 
deutsches  w  vertritt.  Aber  welches  ist  das  deutsche  wort?  Buchstäblich 
passt  kaum  ein  anderes  als  das  ahd.  wäri  verus,  aus  dem  sich  iL  guari, 
prov.  mit  versetztem  i  dem  brauche  dieser  mundart  gemäß  guaire  gaire 
gestalten  konnte:  man  muß  e$  adverbial  im  sinne  des  lat.  probe  genommen 
haben,  wie  denn  auch   das  sbst.  gawäri  probitas  bedeutet.     Die  prov. 

12 


178  I.   GUARIRE— GUASTARE. 

phrase  non  o  pretz  gaire  wäre  hiemach  'ich  schätze  es  nicht  wahrhaft, 
nicht  sehr.  Von  'sehr  aber  bif  'viel3  ist  nur  ein  kurzer  schritt.  Zsgs. 
ist  fr.  na guere  =  il  n'  a  guere,  it.  non  ha  guari  'es  ist  nicht  lange  her; 
piem.  pa-vaire  wenig,  nicht  viel  =■  pr.  pas  guaire.  Im  altfr.  guer-soi 
viel  durst  (beim  zutrinken)  Ruteb.  I,  93,  vgl.  239,  Ben.  I,  p.  120  zeigt 
sich  guere  ganz  in  positivem  sinne.  Für  guari  findet  sich  in  der  comask. 
mundart  gerr,  sicher  kein  eignes  wort,  sondern,  wie  auch  P.  Monti  meint, 
aus  altit.  gueri  (das  aber  zuerst  in  gheri  übergieng).  —  [Die  vorstehende 
deutung  von  guari  aus  wäri  kann  sich  des  Vorwurfes  niclU  erwehren,  daß 
sich  ein  dem  romanischen  entsprechender  deutscher  gebrauch  des  urwortes 
nicht  nachweisen  läßt.  Aber  noch  ein  anderes  deutsches  wort  verdient  ge- 
nannt zu  werden.  Mhd.  unweiger  heißt  'nicht  vid\  z.  b.  diu  stunde 
was  unweiger  lanc  =  it.  Tora  non  fu  guari  lunga.  Das  einfache  weiger 
muß  also  'vieC  bedeutet  haben,  und  so  bemerkt  man  es  einmal  im  dtthochd., 
worin  ne  weigaro  das  lat.  non  mtdtum  ausdrückt,  s.  Mhd.  wb.  III,  556. 
Eine  merkwürdige  Unterstützung  dieser  etymologie  gewährt  die  älteste 
prov.  form  gaigre  Bth.  v.  13,  die  das  deutsche  wort  so  vollkommen  wieder- 
gibt wie  möglich.  Ist  dies  die  richtige  lösung?  Wenn  sie  es  ist,  so  muß 
das  nur  in  wenigen  stellen  vorliegende  weigar  sehr  volksüblich  gewesen  sein, 
da  es  in  alle  roman.  sprachen  einzudringen  vermochte.] 

Guarire,  guerire  it.,  altsp.  aitpg.  guarir  (jetzt guarecer),  pr.  altfr. 
garir,  nfr.  guärir  heilen,  genesen;  vom  goth.  varjan,  ahd.  werjan  ver- 
theidigen,  nhd.  wehren.  Sichtbariich  von  demselben  verbum  ist  pg.  gua- 
ri ta,  sp.  garita,  altfr.  garite,  nfr.  gu6rite  sicherer  ort  (vgl.  die  franz. 
phrase  gagner  la  gu£rite  sich  durch  die  flucht  retten),  daher  Schilderhaus, 
warte  auf  mauern  oder  häusern  (altfr.  gariter  befestigen).  Das  suffix 
dieses  Wortes  setzt  eigentlich  eine  ital.  participiaibildung  guarita  als  nächste 
quelle  voraus,  wie  fr.  räussite  auf  it.  riuscita  zurückgeht,  aber  selbst  die 
heimischen  Wörter,  piem.  garita,  ven.  gareta,  cremon.  garetta  weisen  mit 
ihrem  anlaut  auf  franz.  Ursprung;  das  acht  span.  wort  ist  guarida  Zu- 
flucht, pr.  guerida,  das  dem  ahd.  warid,  werid  (geschützter  ort  im  wasser, 
werd,  werder)  ähnlich  sieht,  ohne  davon  abstammen  zu  müssen.  Vgl.  Dief. 
Goth.  wb.  I,  205. 

Guarnire  und  guernire  it.,  altsp.  guarnir  (jetzt  guarnecer),  pr.fr. 
garnir  verwahren;  vom  gleichbed.  ahd.  warnön,  nhd.  warnen,  oder  mit 
genauerem  anschluß  an  den  buchstaben  vom  ags.  varnian  sorge  tragen, 
hüten,  dltfries.  wernia  verbürgen,  daher  auch  chw.  varniar  —  wogegen 
das  lomb.  guarnä  ganz  zu  dem  ahd.  worte  passt,  da  es  den  ableitungs- 
vocal  i  nicht  hervortreten  läßt.  Altfr.  garnir  heißt  auch  benachrichtigen 
LRs.  366,  Rou  I,  p.  149,  FC.  II,  p.  51,  wie  ahd.  warnön,  ags.  varnian 
admonere.  Desselben  Stammes  ist  it.  guarnaccia,  guarnacca,  sp.  gar- 
nacha,  pr.  gannacha,  fr.  garnache  Überrock,  mhd.  garnaesch,  vgl.  ahd. 
warna,  mhd.  warne  für  sorge;  so  auch  it.  guarn.ello  Unterrock. 

Guastare  it.,  altsp.  altpg.  pr.  guastar,  nsp.npg.  gastar,  fr.  gater 
verderben,  verzehren.    Stammt  es  vom  lat.  vastare  oder  vom  ahd.  wastjan 


I.   GUATARE-GUERRA.  179 

(letzteres  aus  dem  sbst.  wastjo  und  dem  mhd.  wasten  zu  folgern)?  Da 
das  adj.  it.  guasto,  pg.  gasto,  altfr.  guaste,  noch  jetzt  mundartl.  (z.  b. 
in  Berry)  gäte,  sich  in  vastus,  das  zsgs.  diguastare,  degastar,  dägäter 
in  devastare  wiederfindet,  so  ist  herhunft  aus  dem  latein,  aber  unter  ein- 
fluß  des  deutschen  anlautes  w,  wie  bei  einigen  andern  mit  gn  anlautenden 
roman.  Wörtern,  einzuräumen.  Die  bed.  beschädigen  Kennt  schon  die  L. 
Sai.  tu.  9:  penitus  eum  (caballum)  vastare  non  debet.  Als  eine  unmit- 
telbare büdung  aus  wastjan  darf  eiber  das  altfr.  gastir  Ben.  I,  256  an- 
genommen  werden.  Abgd.  altfr.  guastine  wüste  LBs.  103  (adj.  gastin 
Sax.  J,  209).   ' 

Guatare  it.,  pr.  guaitar,  fr.  guetter  anschauen,  beobachten,  lauern; 
Ast.  cremon.  pr.  guaita,  altfr.  guette,  nfr.  masc.  guet  wache;  vom  ahd. 
wallten  wache  halten;  sbst.  wahta,  nhd.  wacht,  goth.  vahtvö.  Zsgs.  it. 
agguatare,  sp.  pr.  aguaitar,  altfr.  aguetier  s.  v.  a.  guatare;  sbst.  it. 
aguato,  sp.  agait,  fr.  agnet  (nur  noch  im  plur.  üblich)  lauer,  daher 
altfr.  daguet  (=  d'aguet)  heimlicher  weise; 

Gubia  sp.,  pg.  goiva,  npr.  gubio,  fr.  gouge  (f.)  hohlmeißel.  Schon 
Isidorus  19,  19  fuhrt  neben  taratrum  und  scobina  ein  Werkzeug  an,  das 
die  ausgaben  theils  guvia,  gubia,  theüs  gulvia,  gulbia  schreiben.  Die 
Casseler  glossen  setzen  gulvium  für  das  dtsche  noila  hobel.  Die  Variante 
gulbia  weist  sich  als  eine  nebenform  aus  durch  das  it.  gorbia,  sgorbia, 
welches  andre  aus  dem  gr.  ygoocpog  herholen.  Das  wort  scheint  iberisch: 
bask.  gubia  bogen,  gubioa  kehle  in  W.  v.  Humboldts  Verzeichnis,  vgl. 
wegen  der  begriffe  unser  kehle  und  kehlleiste  d.  i.  gehöhlte  leiste.  Larra- 
mendi  erklärt  das  bask.  gubia  aus  gurbfa  oder  gurbiaz,  wodurch  sich 
vielleicht  die  formen  mit  1  oder  r  rechtfertigen  lassen. 

Guercio  it.  (com.  verstärkt  sguerc),  chw.  guersch,  uiersch,  altsp. 
guereho,  aber  pr.  guer,  guerle,  dauph.  guerlio  schielend.  Sie  setzen  einen 
deutschen  anlaut  w  voraus  und  so  konnten  sie  aus  ahd.  twer,  dwerch 
d.  i.  quer,  nach  abgestoßenem  dentcdlaute,  entstanden  sein,  vgl.  gualiar 
II.  c.  —  [Diese  ansieht  auch  bei  Diefenbach,  Goth.  wb.  II,  721.] 

Guerra  it.  sp.  pg.  pr.,  guerre  fr.  krieg  (daher  engl,  war,  früher 
warre,  werre,  Grimm,  Recht salt.  603,  E.  Müller  s.  v.) ;  vom  ahd.  werra, 
mhd.  mndl.  altengl.  werre  zank,  zunetracht,  vb.  ahd.  werran  verwirren: 
rixas  et  dissensiones  seu  seditiones,  quas  vulgus  werras  nominat  Cap. 
Cor.  C.  Bellum  (kymr.  bret.  bei)  war  dem  Romanen  neben  dem  adj. 
bellus,  welchem  pulcher  hatte  weichen  müssen,  unbrauchbar  geworden  und 
lebt  nur  in  ableitungen  und  Zusammensetzungen  fort;  das  einfache  vb. 
belar  'betta  facere  steht  nur  in  einem  prov.  Wörterverzeichnis  GProv.  29. 
Man  suchte  ersatz  im  deutschen:  das  übliche  wie  mochte  etwas  zu  klang- 
los sein,  werra  gefiel  besser.  Auch  der  Baske  sagt  guerla,  der  Walache 
ersetzte  das  lat.  wort  mit  dem  slav.  resboi  plünderung,  was  die  gramma- 
tiker  des  landes  freilich  von  rebellare  herleiten.  Zu  merken  ist,  daß  das 
von  guerra  abgeleitete  guerrier  im  altrom.  die  bed.  feind,  Widersacher 
(ursprüngl.  verwirrer?)   zeigt,   z.  b.  prov.    (wo   dies   am   üblichsten   ist) 


180  I.   GUIDARE-GUISA. 

aucire  sos  guerriers  mortals  seine  todfeinde  tödten  Chx.  V,  10;  fr.  ainc 
en  nule  maniere  ne  forfis  que  fuissiez  ma  guerriere  Born.  fr.  p.  88;  ü. 
che  non  mi  sea  guerrera  Trucch.  I,  194,  vgl.  205;  contra  li  nostri 
guerrer  ella  ö  molt  forte  guerrera  Bonves.  p.  479,  43 ;  sp.  semejasme 
guerrero  Apol.  275. 

Guidare  it.,  sp.  pg.  guiar,  pr.  guidar,  guizar,  guiar,  fr.  guider 
leiten,  zurechtweisen;  sbst.  it.  guida,  sp.  guia,  pr.  guida  und  guit,  dttfr. 
gui-s,  nfr.  guide  fuhrer.  Für  die  deutschheit  des  Wortes  redet  ziemlich 
unzweideutig  der  anlaut  gu,  zu  welchem  stamme  aber  gehört  es?  Nach 
der  lautregel  verlangt  es  goth.  veid,  ahd.  wft,  allein  dieser  stamm  gewährt 
keinen  angemessenen  begriff.  Nimmt  man  goth.  vitan  beobachten,  bewachen 
als  etymon,  so  ist  gegen  den  begriff  zwar  nichts  zu  erinnern,  auch  ü. 
scorgere  heißt  wahrnehmen  und  leiten,  allein  die  darstdlung  der  goth. 
tenuis  durch  die  rom.  media  wäre  ungewöhnlich.  Gleichwohl  ist  diese 
deutung  zulässig:  auch  altfr.  hadir,  halft  entsprang  mit  derselben  lautver- 
Schiebung  aus  goth.  hatan  (Rom.  gramm.  I,  312);  selbst  das  sbst.  guida 
schließt  sich  alsdann  dem  ags.  (und  goth.?)  vita  ältester,  rathgeber  un- 
mittelbar an,  vgl.  das  prov.  masc.  guit,  fr.  guide.  [Wackernagel  gibt  auch 
das  alts.  gi-wttan  zu  bedenken,  dessen  bed.  'gehen  doch  etwas  entfernter 
zu  liegen  scheint]     Von  guidare  ist  fr.  guidon  fahne  u.  a.  m. 

Guiderdone  it.,  auch  guidardone,  pr.  guazardon  (für  guadardon), 
guiardon,  guierdon,  altfr.  guerredon,  guerdon,  sp.  galardon  (gualardon 
FJ.  Cal.  6  D.),  pg.  galardao,  altcat.  guardö,  nüat.  widerdonum  (unter 
Karl  d.  kahlen)  Vergeltung;  vb.  guiderdonare  ff.  belohnen.  Der  erste 
theil  des  Wortes  macht  keine  Schwierigkeit,  es  ist  das  dtsche  wider,  in 
älterer  form  widar,  das  auch  in  dem  gleichbed.  widrigilt  vorliegt;  a  für 
i  in  der  ersten  sübe  von  guazardon,  gualardon,  wird  nicht  stören,  man 
sehe  die  bemerkung  oben  in  der  vorrede.  Widerdonum  ist  eine  leichte 
entstellung  des  ahd.  widarlön  recompensatio  Graff  II,  220,  ags.  widher- 
leän,  wozu  erinnerung  an  lat.  donum  verführen  konnte.  Das  sp.  galar- 
don ließe  sich  selbst  aus  einer  in  dieser  spräche  ziemlich  üblichen  Umstel- 
lung der  buchstaben  (für  gadarlon)  deuten,  wäre  es  nicht  rathsam,  sämmt- 
liche  sprachen  an  demselben  vor  gange  theü  nehmen  zu  lassen  und  1  auf  d 
zurückzuleiten.  Merkwürdig  ist  das  synonyme  pr.  guazardinc,  keine 
nebenform,  sondern  durch  das  longob.  thinx  und  garathinx  als  ein  selbst- 
ständiges wort  gerechtfertigt. 

Guisa  it.  sp.pg.  pr.,  guise  fr.  iveise,  art,  beschaff enheit,  daher  engl. 
guise;  vb.  sp.  altpg.  guisar  zubereiten;  zsgs.  pr.  desguisar,  fr.  d6- 
guiser  entstellen,  die  gestcdt  benehmen.  Das  etymon  ist  unschwer  zu  finden, 
da  fast  alle  germanischen  gebiete  dasselbe  wort  besitzen:  ahd.  wfs,  alts. 
wisa,  nhd.  weise,  ags.  wise,  altn.  vis.  Selbst  die  adverbiale  anwendung  wie  im 
ahd.  in  wis,  zi  wis  (quomodo)  spiegelt  sich  ab  im  rom.  in  guisa,  a  guisa.  Fer- 
raris lat.  etymon  vice  (z.  b.  vice  canis  =  more  canis)  genügt  dem  buchstaben 
nicJd,  Menage9 s  visus,  visa  eben  so  wenig  dem  begriffe.  Aber  pr.  guia  s.  v.  a. 
guisa  scheint  aus  via  entstanden,  da  s  zwischen  vocalen  kaum  ausfällt. 


I.   GUSCIO— HENN1R.  181 

Guscio  it.  schäle  der  nüsse,  eier,  schalthiere  u.  dgl.,  Überzug,  ven. 
sgusso  und  fem.  gussa,  sgnssa  dass.,  auch  hülse  des  kornes,  spreu,  maü. 
gH88,  gussa,  romagn.  goss,  gossa  ebenso,  fr.  gousse  (f),  hülse,  schote; 
vb.  it.  Bgusciare  schalen.  Von  zweifelhafter  herkunft.  Folgende  Wörter 
dürften  in  betracht  kommen.  Der  grammatiker  Placidus  Jcennt  gallici- 
ciola  tcortex  nucis  juglandis:  ist  dieses  ungeschlachte  wort  Schreibfehler 
für  galliciola,  so  führt  es  auf  ein  adjectivisches  primitiv  gallicia  (von  nux 
gallica  waUnuß),  das  sich  ital.  in  galcia  galscia  guscio,  fr.  gausse  gousse 
verwandeln  mochte.  Das  ursprüngliche  all  hätte  alsdann  auch  in  dem 
diphthong  des  comask.  s-gausc  für  sgalsc  seinen  ausdruck  gefunden.  Ahd. 
gabissa,  garissa  spreu,  wegwurf.  Ahd.  hulsa  und  hülst,  worauf  Scheler 
hinweist,  scheinen  mit  ihrem  anlaute  nicht  zum  franz.  worte  zu  stimmen, 
wohl  gihulsi,  das  aber  nicht  nachweislich  ist.  —  Die  Wörter  für  schale, 
schote,  hülse  sind  in  den  roman.  sprachen  und  mundarten  zahlreich  und 
oß  schwierig  zu  deuten.  Die  obige  deutung  aus  gallicia  aber  hat  sich  die 
beistimmung  Mussafia's  erworben,  der  auf  die  übereinstimmende  toscanische 
form  gallessa  verweist,  s.  Zeitschr.  für  vergl.  sprachf.  XV,  397. 


H. 

Haca  sp.y  altsp.  pg.  faca,  dltfr.  haque  (h  asp.)  Roq.  Tdepper;  altfr. 
haquet,  sie.  acchettu  dass.,  pic.  haguette  kleine  stute;  nfr.  haquet  karren. 
Ist  hier  h  oder  f  der  richtige  laut?  Faca  könnte  sich  auf  cdtn.  fäkr  pferd 
berufen,  allein  wie  hätte  sich  dieser  poetische  ausdruck  nach  Spanien  ver- 
irren sotten?  Es  kann  mit  der  bekannten  span.  dar  Stellung  der  franz. 
aspiration.  (vgl.  oben  arpa)  von  haque  hergenommen  sein,  dies  aber  vom 
engl,  hack  miethklepper :  dafür  spricht  auch  die  engl.  zss.  hack-ney,  ndl. 
hakke-nei  (engl,  nag,  ndl.  negg,  nhd.  nickel  pferdchen),  wovon  fr.  ha- 
quenäe,  altsp.  pg.  facanea,  nsp.  hacanea,  it.  acchinea,  üblicher  chinea. 
&  auch  Diefenbach,  Goth.  wb.  I,  30.  II,  122. 

Halar  sp.9  haier  fr.  (h  asp.),  alar  pg.  ziehen  am  seile;  vom  altn. 
hala  ziehen,  ahd.  halön. 

Hennir  fr.  (spr.  hanir,  h  asp.)  wiehern.  Diesmal  ist  es  die  franz. 
spräche,  die  das  tat.  original  am  genauesten  wiedergibt.  Die  ital.  hat 
dafür  nitrire,  annitrire,  sbst.  nitrito,  von  hinnitus  mit  bekannter  einschie- 
bung  eines  lautverstärkenden  r.  Die  erzeugnisse  der  übrigen  sprachen 
weichen  noch  mehr  ab,  so  daß  die  etymologische  rechenkunst  nicht  überall 
ausreicht.  Sie  haben  sich  alle  zur  1.  conj.  geschlagen.  Span,  lautet  das 
wort  relinchar,  älter  rei'nchar  Conq.  ültram.,  pg.  rinchar.  Verkürzt  man 
das  bei  Lueilius  vorliegende  hinnilitare  in  hinniltare,  so  gewinnt  man  sp. 
hinchar/  dem  man  zum  unterschiede  von  hinchar  =  inflare  die  partikel 
re  oder  red  vorsetzte;  das  darin  enthaltene  d  aber  trat  auf  spanische 
weise  leicht  in  1  über.  Ein  vorgesetztes  re  zeigt  sich  auch  im  cat.  renil- 
lar.  wofür  der  Provenzale  einfacher  enilhar,    inhilar,   aber  auch  endilhar 


182  I.   IERI-IMPROVERARE. 

spricht.  Im  sard.  anninnijare  endlich  glaubt  man  deutlich  die  stimme  des 
pferdes  (hin  hin)  zu  vernehmen;  andre  mundarten  derselben  provinz  haben 
dafür  annirgai  und  anniggia.    Das  wal.  wort  ist  r^nchezä  (ronchissare). 

i.  j. 

Ieri  it.,  sp.  ayer  (bei  Berceo  eri),  pr.  her,  fr.  hier,  wal.  eri  adverb, 
vom  lat.  heri.  Sp.  ayer  ist  nickt  =  adheri,  a  ist  vielmehr  ein  euphoni- 
scher Vorschlag  vor  y  wie  in  ayantar,  ayuso  statt  yantar,  yuso,  und  so 
mag  sich  auch  das  cot.  ahir,  das  sie.  ajeri  verhalten. 

II,  lo,  la  it.,  sp.  el,  lo,  la,  pg.  o,  a,  alt.  el,  lo,  la,  pr.  lo>  la  (il),  fr. 
le,  la,  alt  li,  lo,  la,  wal.  le  (1),  la  (oa,  a)  artiJcd,  von  ille,  illam,  Rom. 
gramm.  II,  15.  27  ff.    Sardisch  su,  sa,  von  ipse,  ipsa. 

Imbuto  it.,  sp.  embudo,  pg.  fehlt,  pr.  embut  GProv.  59  trichter; 
von  butis  faß,  also  wie  fr.  entonnoir,  sagt  Menage ;  vgl.  auch  it.  imbotta- 
tojo  mit  ders.  bed.,  von  botte  =  butis. 

Immantinente  it.,  pr.  mantenen,  fr.  maintenant,  eeitadverb,  illico, 
sine  mora.  Es  ist  kein  partieip  des  rom.  vb.  mantenere,  so  daß  es  dem 
lat.  in  continenti  gleich  wäre,  wozu  die  begriffe  nicht  stimmen,  sondern 
eine  selbständige  Zusammensetzung  in  manu  tenens  in  der  hand  lialtend, 
in  bereitschaft,  ohne  Vorbereitung,  ohne  aufschub.  Prov.  auch  de  mantenen, 
altfr.  de  maintenant.     Wald,  atenent  Hahn  p.  573. 

Imprenta  und  impronta  it.,  sp.  pr.  emprenta,  fr.  empreinte  ge- 
präge,  abdruch;  vb.  it.  imprentare,  improntare,.  sp.  emprentar,  daher  ndl. 
printen,  engl,  print.  Von  imprimitare,  meint  Ferrari.  Da  die  neuen 
sprachen  indessen  nur  wenige  iterativa,  diese  aber  immer  mit  iterativer  in 
imprentare  gar  nickt  fühlbarer  bedeutung  schufen,  das  verbum  auch  im 
franz.  und  prov.  nicht  vorhanden  ist,  so  sucht  man  seinen  Ursprung  wohl 
richtiger  im  franz.  partieip  empreint:  um  so  eher  konnte  der  Italiener 
das  fremde  in  seinem  Ursprünge  ihm  unverständliche  wort  in  impronta 
entstellen. 

Improntare  it.,  emprunter  fr.  entlehnen,  borgen,  sbst  emprunt. 
Nach  Muratori,  Ant.  ital.  I,  1895,  wäre  das  ital.  wort  aus  dem  franz. 
Pecuniam  alicui  promere  heißt  einem  geld  hervorlangen:  wollte  man  nun 
mit  impromtum,  impromtare  das  einnehmen  des  geldes  ausdrücken?  Das 
gezwungene  dieser  vermuthung  wird  einleuchten.  Diesmal  fährt  die  walach. 
spräche  auf  die  richtige  spur.  Sbst.  inprumut  heißt  borg,  vb.  inprumuta 
auf  borg  geben  oder  nehmen,  vom  lat.  promutuum  darlehen,  zsgs.  in-pro- 
mutuum,  in-promutuare,  was  denn  leicht  improntare  ergab.  Seltsam  ist 
fr.  u  für  o :  sollte  es  der  einwirkung  des  ausgefallenen  u  in  der  sübe  mut 
sein  dasein  danken?  Der  Wallone  sagt  epronter,  aber  o  vertritt  ihm  oft  fr.  u. 

Improverare,  rimproverare  it.,  sp.  improperar,  fr.  vrlt.  impro- 
pörer  vorwürfe  machen;  sbst.  it.  rimproverio  cet.  Vorwurf;  von  im- 
properare  hineineilen  Varro,  vorwerfen  Petron.,  eig.  drauf  losfahren,  wie 
Pott  deutet,  improperium  Vulg.,  s.  QuicheraJt  Add.  s.  v. 


I.    INCALCIARE— INGANNO.  183 

■ 

Incalciare,  incalzare  it.,  altsp.  encalzar -4fo.,  pr.  encausar,  altfr. 
enchaucer  nachsetzen,  verfolgen,  daher  sbst.  cütsp.  encalzo,  altpg.  ebenso 
encal^o  SRos.,  pr.  encaus,  altfr.  enchaux;  eigentl.  einem  auf  der  ferse 
sein,  von  calx. 

Incanto  it.,  encante  altsp.,  enquant  encant  pr.,  encan  fr.  Ver- 
steigerung, mhd.  gant;  d.  i.  für  wie  viel,  wie  hoch?  von  in  quantum;  vb. 
it.  incantare,  pr.  enquantar,  altfr.  encanter  versteigern,  verganten.  Nicht 
von  incantare,  wenn  sich  auch  altfr.  durch  umdeutung  enchanter  (en- 
chantement  Assis,  de  JSrus.)  findet.     Vgl.  Grimm,  Rechtsalt.  p.  610. 

Inchioßtro  it.  tinte  (richtiger  altmaä.  incostro  Bonves.);  von  en- 
caastam  (i'yxavorov)  rothe  tinte,  womit  die  griechischen  Jcaiser  unter- 
schrieben; dasselbe  wort,  mit  griechischer  betonung,  ist  fr.  encre,  sonst 
auch  enque,  die  stärkste  abküreung,  die  in  dieser  spräche  vorkommt,  sicil. 
inga,  ndl.  inkt,  engl.  ink.  Atramentum  blieb  im  pr.  airamen,  altfr. 
errement.  Tinta  ist  der  sp.  pg.  cot.  sard.  ausdruck,  schon  ahd.  tincta, 
dincta.  Der  Walache  empfieng  vom  Slaven,  dem  er  auch  die  buchstäben 
verdankte,  den  ausdruck  für  tinte,  cerneale  d.  i.  schwärte. 

Incinta  it.,  pr.  encencha,  fr.  enceinte  schwanger.  Davon  sagt 
Isidorus:  incincta  praegnans  eo  quod  est  sine  cinctu  d.  h.  incincta  ist  s.  v.  a. 
discincta  entgürtet,  weil  sie  keinen  gürtet  tragen  kann:  ne  me  puis  ceindre 
sagt  eine  solche,  FC.  IV,  275.  Andre  auslegungen  s.  bei  Menage,  vgl.  auch 
Galvani  im  Archiv,  stör.  ital.  XIV,  362.  Das  franz.  sbst.  enceinte  Um- 
zäunung aber  ist  von  incinctus  in  seiner  classischen  bedeutung. 

Ine  ade  und  ineüdine,  aneüde  und  aneüdine  it.,  sp.  yunque,  ayunque, 
pg.  ineude  (poet.),  pr.  encluget,  fr.  enclume  amboß:  von  ineus  ineüdis, 
mm  theil  sehr  entstellt.0  Das  it.  ineudine  beruht  auf  der  falschen  decli- 
nation  ineudo  ineudinis,  ungefähr  wie  das  sp.  hambre  auf  fames  faminis. 
Das  sp.  yunque  entstand  aus  incu'e  durch  Versetzung  des  u.  Die  piem. 
form  aneuso,    die  catal.  enclusa  scheinen  aus  dem  nominativ  entstanden. 

Indaco  it.,  altsp.  ändico,  fr.  indigo,  pr.  indi,  endi  eine  blaue  färbe, 
indig;  vom  lat.  indicum  blaues  pigment  aus  Indien.  Hieraus  ein  adj. 
altsp.  yndio  Chron.  rimad.  p.  p.  Michel  v.  117,  pr.  indi,  altfr.  inde. 

Indi  it.,  alt  ende,  enne,  daher  en  und  das  jetzt  übliche  ne,  altsp. 
dtpg.  ende,  pr.  en  und  ne  (letzteres  z.  b.  in  dem  halbfranz.  Leodegar  str. 
11),  altfr.  int  (in  den  Eiden),  ent,  nfr.  en,  wal.  inde,  ortsadverb  und 
pronominalpartikel,  s.  Born,  gramm.  III,  55.  Näher  dem  urworte  als  das 
fr.  en  steht  das  henneg.  end  in  end-aler  =  fr.  en  aller,  abgekürzt  d  (i 
d1  a  requeu  ü^n  a  recupSre).  Im  altüal.  inclinierte  ende  =  neuit.  ne 
sehr  häufig  z.  b.  nonde  campo  non  ne  campo  PPS.  II,  33,  nulland' 
onoro  nuMa  ne  onoro  71,  peronde  temo  perb  ne  temo  73,  vgl.  Diane, 
ltal.  gramm.  305.  306.  Zsgs.  ist  sp.  den  de  präposüion  für  desde, 
altsp.  dent,  altpg.  dende,  altfr.  den  Pass.  de  J.  Chr.  str.  30,  SLeg.  21, 
van  de-inde. 

Inganno  it.,  sp.  engano,  pg.  engano,  pr.  engan  betrug;  vb.  in- 
gannare,  enganar,  enganar,  altfr.  enganer  betrügen,   weil,  ingtjnä  (aus 


184  I.   INGEGNO— 1NTERO. 

dem  itcd.  ?)  verhöhnen.  Das  einfache  wort  findet  sich  im  altern  mlatein : 
gannat  xlevatpi  Gl.  lat.  gr.,  sbsi.  gannum  spott  Gest.  reg.  Fr.,  ganna- 
tura  Bonif.,  Rh.  Maur.,  Aldhehn;  der  Proveneale  hat  ganhar  lachen, 
spotten,  es  scheint  aber  nicht  dasselbe  wort.  Wer  gannum  aus  ingenium 
entstehen  läßt,  der  setzt  sich  über  die  handgreiflichsten  lautregeln  hinweg ; 
auch  die  herleitung  aus  dem  ahd.  geinön  den  mund  aufsperren  ist  nach 
begriff  und  laut  unhaltbar:  in  letzterer  beziehung  würde  sich  doppeltes 
aus  einfachem  n  nicht  rechtfertigen  lassen.  Möglich  aber  ist  entstehung 
aus  ahd.  gaman  spiel,  scherz,  ags.  gamen  scherz,  spott,  höhn,  zsgz.  gamn; 
man  erwäge  dieselbe  behandlung  der  Verbindung  mn  in  damnum,  it.  danno, 
sp.  dano,  pg.  dano,  pr.  dan.  Spiel  und  betrug  berühren  sich  nah,  vgl.  it. 
giuoco  spiel,  hunstgriff,  com.  gioeuch  (göch)  betrug,  fr.  jouer  qqun  einen 
betrügen.    Das  gael.  gang-aid  betrug  hätte  andre  formen  erzeugt. 

Ingegno  it.,  altsp.  engeno,  pr.  engeinh,  engin,  fr.  engin  erfindungs- 
kraft,  dsgl.  künstliche  maschine;  von  ingenium.  Daher  cdtfr.  engignier 
überlisten,  pr.  engenhar  nachstellen,  it.  ingegnarsi,  nfr.  s'ingönier  auf 
mittel  sinnen;  sbst.  pr.  enginhaire,  fr.  ing&rieur,  it.  ingegnere,  ndat. 
ingeniosus  kriegsbaumeister.  Aus  lat.  genius  geschmack,  witz  leitet  sich 
it.  genio,  sp.  genio,  fr.  g6nie.  Pr.  geinh  aber,  gleichbed.  mit  engeinh, 
wie  ginhos  mit  enginhos,  scheint  aus  ingenium  abgekürzt. 

Inguine  it.,  sp.  engle  (/ör.engne),  neupr.  lengue  (für  engue), 
fr.  aine  (f.)  weiche  am  menschlichen  körper;  von  inguen.  Itcd.  anguinaglia 
von  inguinalia. 

Insegna  it.,  altsp.  ensena,  neusp.  pg.  insignia,  pr.  ensenha,  fr. 
enseigne  zeichen,  kennzeichen,  it.  pr.  fr.  auch  fahne;  von  insignia,  plur. 
von  insigne.    Das  einfache  Signum  gab  sp.  sena,  pg.  pr.  gleichlautend. 

Insegnare  it.,  sp.  ensenar,  pg.  ensinar,  fr.  enseigner  lehren.  Von 
insinuare  bekannt  machen;  oder  ist  es  neues  wort,  in-signare  einzeichnen, 
einprägen?  vgl.  iyxaQaoaetv  'insignare,  incisare  Gl.  gr.  lat.  Nicht  nur 
der  begriff,  auch  der  buchstabe  redet  für  das  letztere,  dessen  stamm  ganz 
mit  Signum  in  den  acht  roman.  formen  segno,  sena,  senh  zusammentrifft; 
volle  bestätigung  gewährt  ober  das  wci.  insemnä  anzeigen,  von  semn  = 
Signum,  also  insignare. 

Insembre,  insembra  it.,  altsp.  ensembra,  ensemble,  altpg. ensem- 
bra,  fr.  ensemble,  dsgl.  it.  insieme,  pr.  ensems,  altwäld.  ensemp,  adverb 
für  lat.  una;  von  insimul,  dessen  1  zum  theil  in  r  verwandelt  oder  apo- 
copiert  ward;  wäl.  aseämene  von  ad  simul.  Einfaches  senps  =  simul  findet 
sieh  in  der  Pass.  Christi  str.  104.     Vgl.  unten  sembrare.  • 

Intlero  und  intägro  it.,  sp.  entero,  pg.  inteiro,  pr.  enteir,  fr.  entier 
vollständig,  ganz,  altfr.  in  der  bed.  unverletzt:  li  sain  et  li  entier  DMce. 
p.  176 j  von  integer  integri,  lomb.  und  wal.  intreg.  Abgel.  pr.  altfr.  adj. 
enterin  vollkommen,  vb.  altfr.  enteriner  gerichtlich  gut  heißen.  Da  in- 
tero  auch  grade  oder  aufrecht  bedeutet,  so  knüpft  sich  hieran  das  vb.  in- 
tirizzare,  pg.  inteiri^ar  starr  maclien,  starr  werden  (adj.  inteiri^o  voll- 
ständig,  dsgl.  starr) :   die  physische  und  moralische  bed.  fest,  unbeugsam 


I.    INTRAMBO-LACAYO.  185 

hat  auch  unser  steif.  Abgeändert  aus  diesem  verbum  mit  vertauschung 
der  partikel  ist  aitpg.  sp.  aterir,  aterecer,  span.  auch  ateritar. 

Intrambo,  entrambi  it.,  sp.  entrambos  (getrennt  entre  Kachel  e 
Vidas  a  parte  yxieron  amos  PC.  191),  pr.  entrambs  beide,  alle  beide, 
ssgs.  mit  der  partikel  inter,  welche  die  bed.  lunter  sich,  miteinander,  zu- 
sammen angenommen  hatte,  also  beide  zusammen,  s.  Rom.  gramm.  III, 
408  note. 

Inverno  und  verno  it.,  sp.  invierno  (yvierno  PC.  ed.  Jan.  v.  1620), 
pr.  iveni,  fr.  hiver,  wal.  earnej  unnter ;  vom  adj.  hibernus,  Mbernum,  dem 
das  unbildsame  hiems  weichen  mußte. 

Investire  it.,  sp.  embestir,  fr.  investir  einen  platz  berennen,  ein- 
schließen,  auch  ihn  angreifen;  von  investire  bekleiden,  und  schon  im  la- 
teinischen umgeben,  z.  b.  focum  investire  sich  um  den  herd  stellen. 

I  o  it.,  sp.  yo,  pg.  wal.  eu,  pr.  gallic.  ieu,  eu,  altfr.  eo,  ieo,  jeo,  jo, 
nfr.  je;  von  ego,  syncopiert  eo,  woraus  sich  alle  romanischen  formen  er- 
Haren,  die  neufranzös.  durch  consonantierung  des  anlautenden  i,  das  mit 
e  zu  einem  diphthong  verbunden  in  kurzem  lat.  e  (vgl.  dien  aus  deus) 
seinen  grund  hatte. 

Issare  it.,  sp.  pg.  izar,  fr.  hisser  (h  asp.)  in  die  hohe  ziehen;  vom 
sckwed.  hissa,  ndd.  hissen. 

Iva  sp.  pg.,  if  fr.  (m.)  taxusbaum;  ist  das  ahd.  iwa,  nhd.  eibe, 
ags.  iv,  engl,  yew,  kymr.  yw  (f.,  sg.  ywen),  com.  hivin. 

Ivi,  vi  it.,  aUit.  i,  altsp.  altpg.  pr.  hi,  y,  fr.  y,  nsp.  pg.  (mit  vor- 
geschlagenem  a  wie  in  ayer  von  heri)  ahi  ortsadverb,  von  ibi.    ' 

Jnsbarba  sp.  mäusedorn,  fr.  joubarbe,  pr.  barbajol  hauswurz;  edle 
entsprechend  dem  lat.  Jovis  barba  bei  Plinius  (anthyllis  barba  Jovis  L.), 
it.  barba  di  Giove.  Span,  chubarba  scheint  eine  andre  form  desselben 
Wortes,  vgl.  in  betreff  des  avlautes  chupa  =  fr.  jupe. 


L. 

La  it.,  sp.  alld,  altpg.  alä  SRos.,  npg.  lä,  pr.  la,  lai,  fr.  lä  ortsad- 
verb, von  illac. 

Lacayo  sp.  pg.,  fr.  laquais,  daher  it.  lacchfe  diener,  der  seinen 
herrn  zu  fuße  begleitet,  pedissequus.  Im  span.  ist  dies  wort  nicht  alt, 
wenigstens  erklärt  es  Covarruvias  für  ein  erst  mit  könig  Philipp  (I.)  aus 
Deutschland  gekommenes,  es  fehlt  daher  auch  bei  Antonius  Nebrissensis. 
Weit  früher  muß  Frankreich  es  gekannt  haben,  da  schon  Froissart  (vor 
1400)  sagt:  en  France  il  y  a  cent  ans,  que  les  pages  vilains  allans  ä 
pied  onfr  commanc6  d'estre  nommez  laquets  et  naquets  (Menage).  In 
einer  Urkunde  y.  j.  1470  liest  man:  gens  arbalestiers  appellez  laquaiz: 
leichte  truppen  wurden  also  damals  so  benannt,  was  der  nachweislich  älte- 
sten noch  jetzt  üblichen  bedeutung  nichts  schadet,  s.  darüber  bei  Garpentier. 
Man  hat  es  wohl  aus  dem  arab.  hergeleitet,  von  dem  formell  ganz  un- 


186  I.    LACCA-LAIDO. 

passenden  laqft  ausgesetzter  knabe  Freyt.  TV,  119*,  oder  lakfa  schmutzig, 
niedrig  123*.  Larramendi  führt  es  zurück  auf  bask.  lacun,  lagun  geseU- 
schaff  hülfe,  und  ayo  einer  der  wartet  und  folgt:  kennet  dieser  spräche 
haben  zu  entscheiden,  ob  aus  dieser  Verbindung  das  bask.  lacayoa  erwachsen 
konnte  oder  ob  es  dem  span.  entnommen  ward.  Indessen  bedarf  es  für 
tmsern  zweck  dieser  prüf ung  nicht  einmal.  Seihen  wir  uns  nämlich  auf 
roman.  gebiete  um,  so  begegnet  uns  das  alte  prov.  lecai  naschhaft,  üppig 
(s.  unten  leccare),  neupr.  (limous.)  mit  bekannter  Verwandlung  des  ton- 
losen e  in  ä  laccai  nebenschößling  des  getreides  (passend  zu  dem  begriffe 
naschhaft),  dsgl.  diener  wie  im  franz.  Leicht  konnte  man  den  seinem  herrn 
fest  anhängenden  ihm  überall  nachtretenden  diener  mit  einem  unnützen 
üppigen  von  der  pflanze  lebenden  Schößling  vergleichen;  das  dltpg.  leeco, 
buchstäblich  =  pr.  lec,  dem  primitiv  von  lecai,  hat  sogar  ohne  dbleüungs- 
suffix  die  bed.  von  lacayo  entwickelt  s.  S.  Eosa,  was  dieser  vermuthung  fast 
zur  bestätigung  gereichen  kann.  Zu  bemerken  ist  auch  noch,  daß  eine  der 
baskischen  mundarten,  die  labortanische,  mit  e  für  a  lekhayoa  sagt,  der 
alten  prov.  form  gemäß. 

Lacca  it.,  sp.  pr.  laca,  fr.  laque,  mlat.  laca  (1327)  ein  ostindisches 
harz;  pers.  lak,  sanskr.  läkschä. 

Laccia  it.,  sie.  alaccia,  neupr.  alacho  Honnor.  alse,  maifisch,  sp. 
alacha,  andal.  lacha  (Nemnich)  Sardelle  (alse,  Sardelle,  hering  gehören  zu 
einer  und  derselben  gattung,  clupea) ;  muthmaßlich  entstellt  aus  halec,  nach 
Diefenbach,  Orig.  europ.  222,  aus  dem  celt.  alausa.  Entschieden  aus 
halec  ist  it.  dlice  (f.),  sie.  al6ci  Sardelle,  sp.  &16ce  (m.)  ragout  von  fiscJi- 
lebern,  dsgl.  sp.  haleche  eine  art  der  makrele,  aus  welchem  fisch  die 
Römer  ein  treffliches  garum  machten. 

Laccio  it.,  sp.  pg.  lazo,  pr.  latz,  fr.  lacs,   weil,  latz  schnür;  von, 
laqueus;  vb.  it.  lacciare,  allacciare  u.  s.  f.,  fr.  lacer.   Aus  dem  roman. 
auch  unser  latz  Mappe. 

Lacerta  it.,  gew.  lucerta,  lucertola  (sard.  caluscerta,  caluxertula), 
sp.  pg.  lagarto,  fr.  16zard,  bürg.  fem.  lözarde  und  so  altfr.  laissarde 
RMont.  399,  30,  Voc.  d'  Evreux  p.  20,  chw.  lusciard  eidechsc  (pg.  la- 
garta  raupe);  von  lacerta,  das  aber  fast  gemeinromanisch  seine  endung 
mit  dem  auf  viele  thiernamen  angewandten  suffix  ard  vertauschen  mußte. 
Der  Spanier  mag  frühe  lacarta  für  lacerta  gesprochen  haben. 

Lagnarsi  it.,  altsp.  lanarse,  pr.  se  lanhar,  altfr.  laigner  sich  be- 
klagen; sbst.  it.  lag  na,  pr.  lanha  klage,  jammer;  von  laniare  se  (prae 
dolore),  wie  Ferrari  und  Muratori  mit  grund  vermuthen,  vgl.  pg.  carpir- 
se  weinen,  sich  beklagen,  exgentl.  sich  zerreißen,  oder  die  minder  starken 
lat.  und  griech.  ausdrücke  plangere  und  '/.onTeo&ai. 

Laido  it.  altsp.  dltpg.,  pr.  lait,  fr.  laid  häßlich;  vom  aAd/leid  ver- 
faßt, altn.  leidhr,  ags.  lädh;  altfr.  il  in'est  lait  =  mhd.  mir  ist  leit,  das 
gegentheil  von  il  m'est  bei  ==  mir  ist  liep.  Altfr.  auch  sbst.  lait  (faire 
lait  a  qqun  wie  ahd.  leit  tuon),  dsgl.  chw.  laid,  bask.  laidoa.  Vb.  it. 
laidare,  altsp.  laizar  Bc.Mil.  394  (aus  dem  prov.),  dltpg.  laidar  SRos., 


I.   LAMA-LANDRA.  187 

pr.  laizar  dltfr.  laider  kränken,  verletzen,  von  leidön,  leiden,  dsgl.  it. 
laidire,  pr.  aitfr.  laidir  von  leidjan,  ags.  lädhjan.  Eine  bemerkenswerte 
abl.  ist  dltfr.  laidenge  kränkung  (vb.  laidengier),  pr.  ledena  Bth.  73 
für  laidenha,  vgl.  ahd.  leidunga  beschtddigung. 

Lama  it.  sp.  pg.,  dauph.  lamma  sumpf;  von  dem  seltnen  lat.  lama 
{für  lac-ma,  vgl.  lac-us),  wovon  Festus  sagt:  aquae  collectio,  quam  lamam 
dicunt,  übrigens  von  Horcus  gebraucht.  In  demselben  sinne  findet  es  sich 
auch  bei  Dante,  wiewohl  manche  seiner  ausleget  es  anders  deuten,  s.  Fer- 
rari s.  v.  und  Muratori,  Ant.  itäl.  II,  col.  1105.  Bekanntlich  führt 
Paulus  lama  als  ein  longob.  wort  an,  s.  darüber  Grimm,  Gesch.  d.  d.  spr. 
p.  694. 

Lama  it.  pr.,  lame  fr.  platte,  klinge,  cdtsp.  lana  Scheibe,  riemen;  von 
lamma.  Dasselbe  etymon  hat  dltfr.  lame  gröbstem.  Abgel.  altfr.  lemele, 
alemele  Brt.  I,  p.  108  (letzteres  aus  l'alemele  für  la  lemele),  nfr.  entstellt 
in  alumelle.    Daher  mhd.  lämel. 

Lambicco,  limbicco  it.,  sp.  alambique,  pg.  lambique,  pr.  elambic, 
fr.  alambic  destiUierkolben;  vom  arab.  al-anbfq,  welches  aber  selbst  in 
diese  spräche  eingeführt  sein  soll,  Gol.  165,  vgl.  Freytag  I,  62b. 

Lambrusca  it.  sp.,  lambruche  fr.  wüde  rebe;  von  labrusca  dass. 

Lampo  it.  sp.  pg.,  pr.  lamp,  lam,  neupr.  lan  blitz;  eigentl.  schein 
wie  fr.  öclair,  von  lampas,  aber  neu  gebildet  aus  dem  stamme  lamp  ohne 
rücksicht  auf  die  ableitung  lanip-ad,  ein  noch  stärkerer  fall  als  capo  cap- 
accio  aus  cap*nt.  Eine  ableitung  mit  derselben  bed.  ist  cot.  llämpeg, 
sp.  pg.  ssgs.  rel&mpago. 

Lampreda  it.,  sp.  pg.  lamprea,  fr.  lamproie  ein  fisch,  lamprete; 
umgestellt  aus  lam-petra  steinlecker  (lambere),  weil  sich  dieser  fisch  mit 
dem  maul  an  die  steine  anhängt.  S.  Voss.  Etym.  v.  petra.  Das  lat.  wort 
ist  unclassisch  und  kommt  erst  in  den  glossen  des  Philoxenus  vor:  lam- 
petra  hvqcuvci  (meeraal). 

Lancia  it.,  sp.  lanza,  pr.  lansa,  fr.  lance,  wal.  lance  Speer,  vom 
lat.  lancea,  nach  Varro  bei  Gellius  ein  hispanisches,  nach  andern  ein 
gallisches  oder  germanisches  wort  (das  genaueste  darüber  bei  Diefenbach, 
(Jrig.  europ.  372);  vb.  it.  lanciare  ff.,  lat.  lanceare  erst  bei  Tertullian; 
daher  it.  lancio,  sp.  lance,  pg.  lan<jo,  pr.  lans  schwung,  sprung.  Zsgs. 
it.  slanciare,  pr.  eslansar,  fr.  Cancer  schwingen;  sbst.  fr.  61  an  für 
61ans  Sprung,  säte. 

Lan  da  it.  pr.,  so  auch  cdtsp.  s.  Carte,  de  B.,  lande  fr.  heide,  ebene, 
aitfr.  lande  saltus  LRs.  86.  186.  351,  Gloss.  de  Lille  15  (Seh.  34),  daher 
lande  follie  GVian.  3011,  also  auch  buschgegend;  bask.  landa  feld.  Das 
wort  hat  deutsches  aussehn:  goth.  land  (n.)  %wQa,  äyQog;  mit  seiner  be- 
deutung  aber  neigt  es  sich  entschiedener  zum  breton.  lann  stacheliger 
strauch,  pl.  lannou  steppe,  man  vgl.  denselben  begriffsübergang  im  fr. 
brande  Strauch,  pl.  brandes  heidefeld.  Lann  aber,  in  älterer  form  land, 
scheint  acht  cdtisch,  s.  Zeuß  I,  168. 

Landra,    slandra   it.  metee,   feile   umherstreifende   dirne,   dauph. 


188  I.    LANIERE— LASCIARE.     * 

landra  dass.  s.  Champottion;  ab  gel.  neupr.  landrin,  landraire  tagcdieb; 
com.  slandron  landstr  eicher,  ven.  slandrona  metze;  vb.  neupr.  landra 
pflaster  treten  (auch  se  landä  Bonn.).  Zsgs.  it.  malandrino,  sp.  neupr. 
malandrin,  henneg.  limous.  mandrin  Straßenräuber,  landstreicher,  tauge- 
nichts,  für  mal-landrino  u.  s.  f.,  comask.  fem.  malandra  meretrix,  occ. 
mandro  (f.)  name  des  fuchses,  mandrouno  kupplerin  (nach  Sauvages  von 
matrona),  wohl  auch  sp.  molondro  Müßiggänger;  ferner  adj.pt.  vilandrier 
pflaster  tretend,  für  vil-landrier.  Aus  it.  slandra  ist  weil,  suleandre  (durch 
einschiebung  wie  zumaltz  aus  nhd.  schmalz).  Es  gibt  ein  ahd.  lenne  me- 
retrix s.  Freidank  p.  363  (1.  ausg.),  dem  aber  dr  nicht  ohne  grammati- 
schen grund  hätte  angefügt  werden  können.  Besser  zu  treffen  scheint  unser 
mhd.  lenderen  Wb.  I,  963,  oder  ndl.  slenteren,  nhd.  schlendern  müßig 
umhergehen.  Zu  beachten  ist  auch  das  ahd.  für  lat.  latro  gebrauchte 
lantderi  einer  der  land  und  leuten  schadet,  passend  zumal  für  mal-landr- 
ino. Doch  mag  man  sich  weiter  umsehen  und  z.  b.  auch  das  bask.  lan- 
derra  fremd,  dürftig  Larram.  I,  XXI  heranziehn. 

Laniere  it.,  pr.  fr.  lanier,  engl,  lanner,  eine  geringere  faXkenart, 
waektelfaike,  würget;  wird  von  laniarins  geleitet,  a  laniandis  avibus.  Adj. 
lanier  gierig. 

Lanzichenecco  it.  (abgekürzt  lanzo),  sp.  lasquenete,  fr.  lans- 
quenet  deutscher  soldat  zu  fuß;  bekanntlich  von  landsknecht  d.  i.  knecht 
oder  bewaffneter  im  dienst  des  landes  (im  mhd.  nicht  vorhanden),  daher 
auch  ein  von  den  landsknechten  eingeführtes  kartenspiel. 

Lapo  sp.  schlag  mit  flacher  klinge;  vom  ahd.  lappa,  nhd.  läppen, 
vgl.  das  verwandte  dtsche  Aap,  welches  läppen  und  schlag  mit  etwas  flachem 
heißt.  Gleicher  herkunft  comask.  lapina  ohrfeige,  fr.  in  Berry  lapigne 
lumpen,  läpeau  träger  mensch,  churw.  lapi  wicht,  pinsel  =  nhd.  läpp 
schlaff.    Zsgs.  sp.  solapar  das  Tdeid  überschlagen. 

Lappare  it.  (in  oberital.  mundarten),  fr.  laper,  pr.  lepar,  cat. 
Hepar  auflecken;  =  nhd.  läppen,  altn.  lepia,  kymr.  llepio,  gr.  lartxuv 
u.  s.  w.,  ein  weitverbreitetes  wort. 

Lar  sp.  pg.  occit.,  llar  cat.  herd;  offenbar  das  lat.  Lar,  das  bereits 
bei  den  Bömern  aus  der  bed.  hausgott  in  die  bed.  herd  Übertrat,  s.  z.  b. 
Schwenck,  Rom.  myth.  237.  Dasselbe  wort  ist  gewiß  das  it.  alare 
feuerbock,  worin  schon  Redi  das  lat.  lar  anerkennt,  s.  dessen  Etitnol.  ital. 
Auch  sp.  llares  kesselhaken  (plur.)  mag  dieses  Ursprunges  sein. 

Lasciare,  lassare  it.,  altsp.  lexar,  leixar,  pg.  leixar,  pr.  laissar, 
fr.  laisser,  wal.  l$sä,  chw.  abgekürzt  schar  lassen;  von  laxare  schlaff 
machen,  nachlassen  (sp.  laxar  nur  in  dieser  bed.).  Zsgs.  pr.  s'  es  laissar, 
altfr.  s'eslaisser  sich  wohin  stürzen,  eigentl.  sich  loslassen,  sbst.  eslais 
stürz,  Sprung,  it.  slascio.  Dahin  auch  adj.  it.  lasco,  pr.  läse,  lasch,  fr. 
lache,  henneg.  lake  träge,  vb.  sp.  lascar,  altpg.  laiscar  SRos.,  pr.  las- 
car,  laschar,  pic.  laskier,  fr.  l&cher  (alt  lasquer  Rol.  p.  150),  von  lascus 
umgestellt  aus  laxus,  vgl.  denselben  Vorgang  im  gael.  leasg,  ir.  leisg,  kymr. 
Uesg  =  lat.  laxus;  gael.  asgall,  com.  ascle  =  lat.  axella;  gael.  flusg  = 


I.   LASSO— LATINO.  189 

lat.  fluxus  u.  a.,  aber  auch  in  roman.  Mundarten:  champ.  figquer  =  fixer, 
lusqne  =  luxe.  —  Merkwürdig  ist  das  henneg.  norm,  laier  für  laisser, 
das  auch  im  altfranz.  häufig  genug  "begegnet.  Ist  es  das  ndl.  laten?  denn 
das  ahd.  läzan  würde  sein  z  nicht  so  leicht  preis  gegeben  haben  und  an 
das  abgekürzte  mhd.  län  ist,  als  eine  zu  späte  form,  sicher  nicht  zu  denken. 
Aber  laier  scheint  in  einer  entfernten  roman.  mundart  seines  gleichen  zu 
haben:  das  buchstäblich  zutreffende  lomb.  lagä  thut  ganz  den  dienst  von 
lasciare,  mit  dem  es  übrigens  keine  gemeinschaß  haben  kann;  es  muß 
vielmehr  aus  legare  (hinterlassen)  entstanden  sein,  dem  auch  eine  henneg. 
form  leier  entspricht  (vgl.  EscaUier,  Sur  le  patois  p.  109).  Vielleicht 
aber  läßt  sich  laier  von  lagare  trennen  und  mit  laisser  verbinden.  Das 
fut.  laisserai  lais'rai  nämlich  konnte  in  lairai  syncopiert  werden  wie 
gesirai  in  gerrai,  und  diese  syncqpierte  form  konnte  auf  die  gestc&t  des 
verbums  einfluß  üben.  Aber  die  erste  erklärung  scheint  sicherer.  Gael. 
leig,  attirisch  leic  zulassen. 

Lasso  it.  pg.,  sp.  laso,  fr.  las  müde,   unglücklich,  interj.  it.  ahi 
lasso,  fem.  ahi  lassa,  pr.  ai  las,  altfr.  ha  las,  engl,  alas,  nfr.  h£las  (s. 
hl  IL  c),  vom  lat.  lassus  müde;  vb.it.  lassare  ff.  ermüden,  von  lassare. 
Aus  dem  adj.  entstand  auch  das  altfr.  sbst.  laste  Eracl.  2346,  laste  Bert. . 
1092  (ed.  Schder)  müdigkeit,  kummer,  aitsp.  lasedad. 

Lasto  it.,  sp.  lastre  (m.),  fr.  laste  (m.)  ein  schiffsgewicht,  last;  vom 
ahd.  hlast,  altfrs.  hlest,  ags.  last  onus.  Daher  auch  fr.  lest  (m.)  ballast. 
Span,  lastre  zeigt  ein  eingeschobenes  r  und  trifft  zusammen  mit  lastre,  pg. 
lagtro  ballast  (vb.  lastrar  mit  ballast  beladen),  dsgl.  Steinplatte,  für  letzteres 
auch  fem.  lastra,  und  so  it.  lastra  stein-  oder  metallplatte,  bedeutungen, 
welche  diese  Wörter  dem  gr.  t^nhxaTQOv  (s.  piastra)  näher  rücken  als 
dem  deutschen  last. 

Latino  it.,  sp.  latin,  pg-  latim  ff.  bedeutet  zuerst  die  lateinische 
spräche,  ward  aber  auch  auf  Wissenschaft  oder  kenntnisse  ausgedehnt  wie 
bei  uns,  wenn  wir  sagen:  er  ist  zu  ende  mit  seinem  ledein.  Alsdann  nahm 
man  es  auch  in  malam  partem:  sp.  saber  mucho  latino  schlau  sein,  sp. 
pg*  adj.  (mit  d  für  t,  besser  romanisiert)  ladino  schlau,  listig.  Aber  was  dem 
gelehrten  das  latein,  das  war  dem  ungelehrten  seine  muttersprache :  so  kam 
es,  daß  man  das  wort  auf  jede  mundart  übertrug,  selbst  die  arabische: 
pr.  parlar  en  son  lati  heißt  in  seiner  mundart  reden,  und  auch  die  vögel 
reden  in  ihrem  latein,  in  ihrer  mundart,  denn  ein  anderes  latein  ver- 
stehen sie  nicht:  pr.  l'ausel  canton  en  lor  latis  und  bei  Dante  reden 
ebenso  gli  augelli  eiaseuno  in  sno  latino;  bei  Gottfried  von  Straßburg 
hießen  diu  wilden  waltvögelln  si  willekomen  stn  vil  snoze  in  ir  lattne. 
War  man  einmal  bis  zur  bed.  muttersprache  vorgerückt,  verstand  man 
unter  dem  latein  namentlich  das  romanische,  so  konnte  man  mit  dem 
Italiener  dem  adj.  latino  oder  ladino  die  bedd.  leicht,  bequem,  zugänglich 
(verständlich  lag  in  der  mitte)  beilegen,  wie  sich  dies  schon  bei  Dante 
findä:  si  che  m'&  piü  latino  d.  i.  piü  facile  Par.  3,  63;  latino  di  dar 
audienza  facüis  aUoquio,  ladino  della  mano  promtus,  expeditus,  welchen 


190  I.   LATTA— LEGA. 

sinn  auch  das  churw.  ladin  ausdrückt  Ferrari  deutet  dieses  adjediv 
lieber  aus  latus  weit,  daher  bequem.  Van  latin  ist  pr.  aUfr.  latinier 
sprachkundiger,  dolmetscher,  altengl.  latynere,  latymer,  Ivg.  bei  Ducange: 
latinier  fa,  si  sot  parier  roman,  englois,  gallois  et  breton  et  norman. 
Dazu  Genin,  Recreations  phüol.  II,  71. 

Latta  it.,  sp.  pr.  lata,  fr.  latte  flache  hölzerne  Stange,  stück  blech; 
nicht  vom  lat.  lata  breit,  unmittelbar  vom  ahd.  latta,  ags.  lätta,  vgl.  kymr. 
lläth  (f.).    Der  Walache  hat  dafür  das  masc.  latz. 

Lattovaro,  lattuaro  it.,  sp.  electuario,  alt  lectuario,  pr.  lactoari, 
lectoari,  fr.  ölectuaire,  alt  lectuaire  latwerge;  nebst  andern  formen  aus 
lat.  electarium,  wofür  auch  electuarium  vorkommt. 

Lavanda,  lavfridola  it.,  sp.  lav&ndula,  fr.  lavande  ein  wohl- 
riechendes kraut,  lavendel;  soll  seinen  namen  daher  haben,  weil  es  zum 
waschen  des  körpers  (lavare)  gebraucht  wird,  wie  denn  it.  lavanda  auch 
Waschung  bedeutet. 

L&zaro  sp.  betfler,  mail.  l&zzer  schmutzig,  pic.  lazaire  arm,  elend, 
pr.  fr.  ladre  aussätzig;  öbgel.  altsp.  lac£rla  armuth,  dsgl.  aussatz;  it. 
lazzeretto,  sp.  lazareto  siechenhaus;  it.  lazzarone.  Von  dem  namen 
des  siechen  bettlers  Lazarus  Ev.  Luc.  c.  16.  Die  älteste  prov.  oder  frans, 
form  war  sicher  lazer,  vgl.  Pass.  de  J.  Chr.  str.  8  lo  Lazer  und  die  an- 
merkung  dassu;  wie  zr  zu  dr,  so  ward  auch  sr  zu  dr  in  madr6  von  ma- 
sar,  in  S.  Ludre  von  S.  Lusor  Voc.  hagiol. 

Leccare  it.,  pr.  liquar,  lichar,  lechar,  fr.  lecher,  chw.  lichiar,  wci. 
licei  lecken;  dafür  sp.  lamer,  cot.  Hepar.  Neben  it.  leccatore,  altfr.  lecheor 
leckermaul,  Schmarotzer  gut  auch  pr.  lec,  lomb.  piem.  ebenso  lech,  sie. 
liccu,  it.  leccone.  Auch  gibt  es  ein  prov.  adj.  lecai,  licai  (sbst.  licai- 
aria)  und  licaitz  (sbst.  licaz-aria),  beides  seltne  bildungen.  Die  älteste 
künde  des  roman.  Wortes  findet  sich  in  den  Isid.  glossen:  lecator  (gulosus\ 
Vom  gr.  leixeiv  kann  es  nicht  abstammen,  dies  hätte  it.  licare,  bei  Isidor 
licator  gegeben,  doch  mag  dem  wälach.  worte  dieser  Ursprung  zugestanden 
werden.  Leccare  ist  das  ahd.  lecchön,  alts.  liccön,  leccön,  ags.  liccian; 
lec,  leccone  würden  einem  ahd.  sbst.  lecco  entsprechen,  wenn  ein  solches 
vorhanden  wäre.  Kaum  zwar  kennen  die  Isid.  glossen  ein  deutsches  wort, 
gegen  lecator  aber  ist  schwerlich  etwas  einzuwenden.  Wenn  es  jedoch  an 
einer  andern  stelle  dieser  glossen  heißt  leno  'lecator,  mediator,  lenulus 
lparvtts  lecator ,  lenocinium  *lecaeitas ',  so  mag  diese  bedeutung  aus  dem 
gr.  laixdCeiv  abstrahiert  sein,  denn  lecacitas  erinnert  so  stark  an  das 
pr.  lecaitz  (gleichsam  lecax),  daß  es  keine  trennung  davon  gestattet. 
Aber  auch  das  rom.  lecheor  hatte  eine  üble  bedeutung,  es  war  ein  Schimpf- 
wort für  spielleute  geworden  (parasitus  ^spileman  Schlettst.  gloss.  29,62; 
39,  422)  und  ist  nicht  herzuleiten  vom  ahd.  leichari  bänkelsänger,  wie 
J.  Grimm  will,  Oed.  auf  Friedr.  p.  17,  um  so  weniger  eis  nirgends  eine 
form  lacheor  sich  darbietet  (ahd.  ei  =  rom.  a). 

Lega  it.  pr.,  besser  pr.  sp.  legua,  pg.  legoa,  fr.  lieue  ein  längen- 
maß,  meile;  von  leuca  meile  bei  den  Galliern:  mensuras  viarum  nos  mil- 


I.   LEGA-LEONINO.  191 

Maria  dicimus,  Galli  leucas  Isid.;  Xsvyr]  (dhQov  xi  rakdvaig  Hesych.  Das 
wort  erhielt  sich  besser  im  roman.  als  im  celtischen;  hier  besitzt  es  die 
breton.  mundart  in  der  form  lev  (leö),  es  setieint  aber  dem  roman.  ent- 
lehnt, und  das  gad.  leig  ist  offenbar  das  engl,  league.  Die  roman.  for- 
men beruhen  auf  einer  Umstellung  von  leuca  oder  leuga  in  legua,  franz. 
mit  diphthongierung  des  e  und  ausfall  des  g  lieue.  Im  altfr.  bedeutete 
es  auch  einen  Zeitraum,  s.  RCam.  p.  264,  FC.  I,  194,  IV,  39,  Eracl. 
935,  Journ.  d.  sav.  1832  p.  161;  so  das  it.  miglio  Bocc.  Dec.  6,  10 
(im  schere),  das  mhd.  mtle  Wb.  II,  170.  Eine  abl.  ist  altfr.  lo6e  mei- 
lenweite.   Man  sehe  Mahn  p.  37,  Diefenbach,  Orig.  europ.  p.  374. 

Lega  it.,  sp.  ley,  fr.  loi,  aloi  gesetzlicher  geholt  der  münzen;  vb. 
it.  allegare,  sp.  alear,  fr.  aloyer  legieren;  von  lex,  ad  legem,  vgl.  pr. 
aleyalar  justifier. 

Löndine  it.,  sp.  liendre,  pg.  lendea,  pr.  lende,  fr.  lente  niß;  von 
lens  lendis,  wofür  das  volk,  durch  ähnliche  fälle  verführt,  lendinis  gesagt 
zu  haben  scheint;  selbst  fr.  lente  könnte  aus  dem  gemeinrom.  lendine 
(auch  wci.  lindine)  abgekürzt  sein  wie  page  aus  pagina.  Auffeilen  muß 
das  cot.  U&nena:  ist  es  umgestellt  aus  llenema  llendema  (d  nach  n  fällt 
hier  häufig  aus),  so  läßt  sich  m  kaum  anders  denn  als  aecusativendung 
fassen. 

Lenza  it.  binde  von  leinwand,  sp.  lienzo  Schnupftuch;  von  lintea, 
linteum.  Abgel.  it.  lenzuolo,  sp.  lenzuelo,  pg.  langol,  pr.  lensol,  fr. 
linceul  leintuch,  betttuch,  lat.  linteolum. 

Leonin o  it.  sp.  u.  s.  w.}  nüat.  leoninus  adj.  mit  versus  verbunden 
(z.  b.  in  einer  handschrift  des  12.  jh.  s.  Ältd.  blätter  I,  212)  ist  ein 
hexameter  oder  pentameter,  deren  mitte  und  ende  zusammen  reimen  wie 
in  dem  hexameter  contra  vim  mortis  |  non  est  medicamen  in  hortis.  Daß 
ein  pariser  dichter  Leonius  gegen  imde  des  12.  jh.  dergleichen  verse  zuerst 
oder  wenigstens  mit  Vorliebe  gebraucht  habe,  ist  eine  zur  deutung  des 
Wortes  aufgebrachte  sage  (Hist.  litt  de  la  France  XIII,  446),  sie  kom- 
men schon  bei  den  Hörnern  und  zumal  häufig  seit  anfang  jenes  jahrh.  vor 
(Mural.  Ant.  üal.  III,  686,  besonders  W.  Grimm,  Zur  gesch.  des  reims 
107— 160).  Bei  den  (ütfranz.  dicMern  aber  ist  rime  leonime  etwas  anders, 
es  ist  ein  endreim,  der  das  eigne  hat,  daß  er  nicht  bloß  die  betonte,  son- 
dern auch  ixe  vorhergehende  unbetonte  silbe  wie  in  cassons:  passons,  oder 
selbst  drei  süben  beherrscht  wie  in  vraiement:  paiement.  Die  neueren 
nennen  ihn  rime  riche.  Wackernagel,  Altfr.  lieder  p.  173,  trennt  dies 
leonime  von  leoninus  und  erklärt  es  aus  einem  griech.  worte  Xecovv/aog 
(von  letog).  Dies  hieße  also  glattnamig  und  man  könnte  dabei  an  ital. 
vereo  piano  den  glatten,  ebenen  d.  h.  den  weiblichen  vers  erinnern.  Aber 
rathsam  scheint  es  doch,  in  dem  franz.  worte  nur  eine  andre  form  des 
lateinischen  anzunehmen,  sofern  es  sich  mit  letzterem  in  der  sache  einigen 
läßt,  und  dies  ist  möglich.  Sollte  nämlich  der  reim  in  der  lat.  poesie 
recht  ins  gehör  fallen,  so  machte  man  ihn  zweisilbig  wie  in  dem  obigen 
vers  (auch  der  einsilbige,  wie  wenn  es  contra  vim  mortis  |  non  est  medi- 


192  I.   LESINA— LIA. 

camen  in  arvis  hieße,  war  zulässig)  und  dies  geschah  besonders  seit  dem 
11.  jh.  (Grimm  l.  c.  p.  160).  Dem  Franzosen  nun,  der  mortis,  hortfs 
accentuierte,  traf  dieser  von  andern  Völkern  als  weiblich  aufgefaßte  reim 
mit  seinem  reichen  männlichen  (cassöns:  passöns)  zusammen  und  konnte 
ihm  nicht  unschicklich  auch  den  namen  leihen.  Daß  man  leonime  und 
nicht  leonine  sprach,  mag  einen  euphonischen  grund  haben  wie  das  neufr. 
venimeux  für  venineux. 

L6sina  iL,  lesnasp.,  besser  sp.  alesna,  pr.  alena  {aber  limous.  lerno, 
r  für  s),  fr.  alene  ein  Werkzeug,  ahle;  vom  ahd.  alansa,  umgestellt  alasna, 
Schweiz,  alasme,  mlat.  alesna  Dief.  Gloss.  lat.  germ.  Wie  es  kam,  daf> 
lesina,  woher  fr.  16sine,  auch  knauserei  bedeutet,  darüber  höre  man  Menage. 
L6sine,  du  livre  Italien,  intituW  Della  famosissima  Compagnia  della 
Lesina:  lequel  contient  divers  moyens  de  manage.  L'Auteur  de  ce  livre, 
qui  est  un  nommä  Vidtardi,  feint  que  eette  Compagnie  fut  ainsi  appelte 
di  certi  Taccagnoni,  i  quali,  per  marcia,  miseria,  et  avarizia,  si  mettevano 
insino  a  rattacconar  le  scarpette  e  le  pianelle,  con  le  Uro  proprie  mani, 
per  non  ispendere.  E  perche  tat*  mestier  del  rattacconar e  non  si  puo  fare 
senza  lesina,  anzi  e  lo  stromentoprincipale,presono  questo  nome  della  Lesina. 

Lesto  it.  pg.,  fr.  leste,  sp.  listo  gewandt,  flink,  ital.  auch  geschickt, 
klug,  listig;  vb.  it.  alles tare,  allestire  zurecht  machen;  vom  goth.  lis- 
teigs,  ahd.  Hatte  kunstreich,  mit  abgeworfenem  suffix  wie  im  it.  chiasso 
von  classicum,  attfr.  rüste  von  rnsticus  u.  a.  Sbst.  t  churw.  list  (masc.  wie 
ahd.  mhd.  list). 

Lettiera  it.  bettgestdl,  sp.  litera,  pr.  leitiera,  fr.Aiti&re  sanfte, 
mlat.  leetaria;  von  leetus. 

Levante  it.  sp.  pg.,  levant  fr.  osten;  eigentl.  Sonnenaufgang,  ove 
il  sole  si  leva;  ahnlich  pg.  nascente,  cot.  solixent,  sämmtlich  partieipia 
wie  lat.  oriens,  oeeidens,  vgl.  unten  ponente. 

Levistico,  libistico  it.,  fr.  liv&che  (levesse  Menage)  liebstöckd, 
ein  kraut;  von  ligusticum,  bei  Vegetius  De  re  veter.  levistienm.  Ein  pg. 
levistico  bei  Nemnich. 

Levriere  it.,  sp.  lebrel,  fr.  Wvrier  Windhund;  von  leporarius 
hasenhund. 

Li  it.,  sp.  allf,  pg.  allf  ortsadverb;  von  illic. 

Lia  sp.  weintrester,  pg.  lia,  pr.  lhia,  fr.  lie,  engl,  lee,  bret.  ly  hefe 
(auch  venez.  lea  schlämm  d.  i.  bodensatz  des  wassers,  oder  etwa  vom  gr. 
ikvg  ikvog?),  bei  Papias  lia  'amurea  ölsatz.  Lix  licis  lauge  oder'  asche, 
worauf  einige  verweisen,  verlangt  sp.  liga  und  dem  käme  neupr.  ligo,  bask. 
liga  (Humboldt,  Scdaberry,  lia  Larramendi)  zu  statten,  hätte  die  alte  form 
lhia  nicht  größeren  werth,  denn  g  kann  eingeschoben  sein;  fr.  lie  aus  licera 
wäre  möglich,  wenn  man  berlue  aus  lucem  vergleicht.  Ist  die  zweite  be- 
deutung  die  ursprüngliche  des  wortes,  so  leitet  man  es  der  form  und  dem 
begriffe  entsprechender  mit  Diefenbach,  üelt.  I,  63  von  levare,  wie  auch 
unser  hefe  von  heben,  das  gleichbed.  bärme  vom  alten  heran  (tragen) 
kommt,  vgl.  levain  IL  c. 


I.   LIBECCI0-L1LAC.  193 

Libeecio  it.,  sp.  lebeche,  pr.  labech  (jetzt  abech),  altfr.  lebeche, 
lebech  südwestwind;  vom  gr.  Xixp  Xißog  mit  gl.  bed.,  alban.  live.  Die 
itd.  form  lieh  den  andern  das  muster. 

Libello  it.,  pg.  pr.  livel,  nivel,  sp.  nivel,  fr.  niveau,  bret.  Iiv6 
säßwage;  vb.  sp.  nivelar,  fr.  niveler;  von  libella.  Anlautendes  n  für  1 
muthmaßlich  durch  dissimüation. 

Liccia,  lizza  it.,  sp.  liza,  pr.  lissa,  fr.  lice,  engl,  list  (E.  Müller) 
schranke  des  turnier-  oder  kampfplatzes,  auch  der  platz  selbst,  spätmlat. 
licia  (sämmiliche  Wörter  meist  im  pluräl  gebraucht).  Lat.  licium  passt 
nur  mit  dem  fiucfistaben,  nicht  mit  dem  begriffe.  Abkürzung  aus  pa-licci- 
ata  palizzata  it.,  sp.  palizada  ff.  pfahlwerk,  so  daß  man  zuerst  licciata, 
dann  schlechtweg  liccia  gesagt  hätte,  ist,  was  den  anfang  des  etymons  be- 
trifft, unbedenklich  einzuräumen,  da  viele  nicht  minder  starke  beispiele 
dieser  ort  vorliegen  (Rom.  gramm.  I,  294,  4.  ausg.),  nicht  so  was  das 
ende  betrifft.  Sollte  das  wort  nicht  deutsch  sein  wie  so  viele  aus  dein 
hriegswesen?  Mhd.  letze,  vom  ahd.  lazf,  heißt  schutzwehr  (letzen  ab- 
halten) ;  der  ahd.  form  entspricht  vollständig  die  bei  Guir.  Riquier  mehr- 
mals vorkommende  form  laissa  (las  layssas  son  ben  acairadas  die  palis- 
saden  sind  hübsch  viereckig  zugehauen  p.  104),  kaum  aber  das  gemein- 
rom.  lissa,  da  der  Umschlag  des  ai  oder  der  des  kurzen  e  in  i  (letze, 
lisse)  ein  unüblicher  ist.  Zu  prüfen  wäre  noch  ein  celtisches  wort:  gael. 
Hos  einzäunung,  befestigter  ort,  palast,  kymr.  Uys  gerichtshof,  fürstlicher 
hof,  bret.  16z  hof  (auch  rand,  säum,  was  an  lisiere  erinnert). 

Licorno  und  alicomo  it.,  pg.  alicornio,  fr.  licorne  (f.)  einhorn; 
entstellt  aus  nnicornis,  sp.  unicornio  u.  s.  w. 

Lieve  it.,  sp.  pg.  leve,  pr.  leu  leicht,  von  levis;  fr.  lief  fehlt;  ital. 
leggiero,  pr.  leugier,  fr.  16ger,  gleichsam  leviarius;  vb.  pr.  leujar  er- 
leichtern =  mlat.  leviare  für  leväre  Gap.  Gar.  Calv.,  auch  aleujar  (ale- 
viar),  it.  alleggiare,  sp.  aliviar  (sbst.  alivio),  fr.  all6ger.  Das  an  den 
stamm  gefugte  i  zeigt  auch  das  sard.  dem  it.  lieve  entsprechende  lebiu. 

Lievito  it.,  romagn.  leud,  sp.  leudo  (liebdo  Bc.),  pg.  tevedo  auf- 
gegangen (vom  teig);  vb.  it.  levitare,  sp.  leudar,  Ueudar,  aleudar,  ale- 
vadar,  pg.  levedar  aufgehen  lassen  (gleichfalls  vom  teig).  Aus  levare 
machte  man  in  frühester  zeit  nach  dem  vorgange  von  cubare  cubitus, 
domare  domitus  ein  partic.  levitus,  daher  das  roman.  wort.  Solche  un- 
classische  participien  sind  überdies  dolitus  statt  dolatus  Varro  ap.  Non., 
vocitus  statt  vocatus,  provitus  statt  probatus  bei  Gruter,  s.  Struve,  Lat. 
decl.  u.  conj.  p.  185.  186;  die  L.  Sah  kennt  rogitus  für  rogatus,  vgl. 
Pott  in  der  cibhandlung  Plattlatein  324.  Man  nehme  also  levitare  nicht 
für  ein  iterativ  von  levare,  woraus  nachher  lievito  entstanden  sei,  denn 
dem  iterativ  kommt  auch  im  Span,  ein  t  zu.  Eine  andre  form  ist  pr. 
Ievat,  cat.  llevat,  wal.  aluat  Sauerteig;  auch  der  Neapolitaner  sagt  levato, 
der  Piemontese  und  Mailänder  levä  =  it.  lievito.  Churw.  levont  vom 
part.  präs. 

Lilac  it.  sp.,  pg.  lila,  fr.  lilas  ein  Strauch,  sy ringe;  soll  ein  pers. 

13 


194  I.   LIMONE-LISTA. 

wort  sein,  agem  lilac  (agem  bedeutet  persisch,  eigentl.  barbarisch,  nicht- 
arabisch).  Vtdlers  findet  das  wort  nur  bei  Meninski,  Complementum  ihe- 
sauri  linguarum  Orient.,  unter  dem  lat.  syringa  persica,  wo  leil&k  steht, 
das  wahrscheinlich  türkisch  ist. 

Limone  it.,  sp.  pr.  limon,  pg.  limäo,  fr.  limon  citrone,  it.  sp.  pg. 
auch  lima,  it.  lomia,  sie.  lumiuni;  it.  limone,  sp.  limon,  pg.  limoeiro,  fr. 
limonnier  citronenbaum;  vom  pers.  limü,  welches  die  frucht  und  den  bäum 
bedeutet,  dies  aus  dem  indischen  nimbüka,  bengal.  nimbu,  nibu,  daher 
auch  ardb.  laimfin. 

Limösina  it.,  altsp.  pr.  almosna,  nsp.  limosna,  pg.  esmola  (umge- 
stellt aus  elmosa),  fr.  aumöne  almosen;  von  eleemosyna. 

Lindo  it.  sp.  pg.,  neupr.  linde  hübsch,  geputzt,  zierlich,  von  lim- 
pidus  klari  daher  die  bed.  aufrichtig  im  piem.  lindo.  Itcd.  auch  limpido, 
sp.  limpio:  dieselbe  doppelform  in  nitido  netto,  torbido  torbo  u.  a. 

Linea  it.  sp.  in  der  bed.  geschlecht,  geschlechtsfolge  aus  der  eigent- 
lichen bed.  reihe  abgeleitet,  cdtval.  linia  JFebr.  55,  bask.  leinua,  ndat.  bei 
Gregor  VII.  linea  sanguinis.  Daher  fr.  lignöe,  dttpg.  linhada  u.  a.  mit 
ders.  bed.;  pr.  schlechtweg  linh  (m.)  von  lineus,  vgl.  sp.  lino  reihe;  altfr. 
ohne  erweichtes  n  lin,  das  Genin,  Variat.  de  1. 1.  fr.  p.  221  aus  lignage  ab- 
gekürzt wähnt,  wiewohl  es  nichts  anders  ist  als  das  einfache  linum  schnür. 

Lisca  it.  halm,  gräte,  piem.  lesca,  mail.  lisca,  fr.  laiche  (für  leche) 
riedgras;  ahd.  lisca  farrenkraut,  ried,  ndl.  lisch.  Dasselbe  wort  ist  it. 
lisca,  piem.  lesca,  cat.  Uesca,  neupr.  lisco,  lesco,  fr.  Ige  he  (nicht  laiche 
geschr.)  mit  der  bed.  feine  schnitte  von  etwas;  vb.  cat.  Uescar  in  schnittchen 
zertheüen.  Eine  altndd.  glosse  Graff  II,  281  lautet  lese  'scirpus,  papirui, 
die  zweite  bedeutung  der  zweiten  romanisclien  ganz  nahe  liegend;  ein  an- 
deres setzt  gradezu  lisca  'sniede   Nyerup  p.  285. 

Liscio  it.,  sp.  pg.  liso,  pr.  lis,  fr.  lisse  glatt,  mit  vielen  abU.;  vb. 
it.  lisciare,  ligiare,  sp.  alisar,  pr.  lissar  (lipsar  GProv.  31),  fr.  lisser 
glätten,  polieren.  Zu  erwägen  ist  das  gleichbed.  gr.  faooog  und  das  ahd. 
lisi  leise,  sanft;  für  letzteres  spricht  der  vocal  (I  =  rom.  i,  T  =  e)  und 
selbst  das  it.  sc  =  si.  Daher  die  verba  sp.  deslizar  ausgleiten,  cat. 
Uiscar  (mit  ableitendem  c)  dass.  Zu  ahd.  leisanön  nachahmen  (im  geleise 
gehen)  scheint  sich  zu  fügen  ältsp.  deleznar  gleiten,  adj.  lizne  glatt; 
deutlich  entspricht  churw.  laischnar  neben  lischnar.  Norm,  alise  geleise 
des  wagens  ist  desselben  Stammes. 

Lisciva  it.,  wal.  lösie,  sp.  lexia,  fr.  lessive,  pr.  lissiu  (m.)  lauge, 
so  auch  kymr.  lisiu ;  von  lixivia,  lixivium,  wofür  der  vocabularius  S.  Gaüi 
das  halbrotnan.  leeiva  setzt,  s.  bei  Hattemer. 

Lista,  listra  it.  pg.,  sp.  lista,  pr.  lista,  listre,  fr.  liste  streif,  borte, 
Verzeichnis  d.  i.  papierstreif;  vb.  it.  listare,  sp.  listar,  alistar,  pg.  lis- 
trar, pr.  listar,  listrar,  altfr.  lister  streifen,  bordieren;  vom  ahd.  lista, 
mhd.  liste  säum,  borte,  part.  gelistet  mit  einem  säum  versehen,  im  roman. 
mehrmals  mit  eingeschobenem  r.  Eine  abl.  ist  fr.  lisi&re  (woher  sp. 
lisiera)  säum,  für  listtere. 


I.   LIUTO— LOCCO.  195 

Liüto,  leüto,  liüdo  it.,  sp.  laüd,  pg.  alaüde,  pr.  laut,  alt  fr.  leüt, 
nfr.  luth,  «ooZ.  läute,  al^ute,  ngr.  Xaov&o,  nhd.  laute,  name  eines  Saiten- 
instrumentes. Wäre  dieses  vielbesprochene  wort  etwa  das  lat.  lituus  ge- 
krümmter stob  und  name  eines  blasinstrutnentes,  durch  Versetzung  it.  liüto, 
span.  entstellt  in  laüd?  Allein  grade  die  ital.  spräche  meidet  solche  Ver- 
setzungen und  würde  selbst  in  diesem  falle  wenigstens  liuto  accentuiert 
haben.  Name  und  Sache  rühren  von  den  Arabern  her,  welchen  cüd  0^)> 
mit  artikel  af  fid  (in  einem  werterbuche  um  das  j.  1000,  s.  Gol.  1665, 
Freyt.  HI,  240*),  jenes  tongeräthe,  ursprüngl.  aber  etwas  hölzernes  be- 
zeichnet. Aus  dem  orientalischen  worte  bildete  sich  laüd,  indem  man 
den  eigentümlichen  arab.  hauchlaut  ain  (vor  ü)  mit  dem  nahe  liegenden 
a  auszudrücken  suchte.  Die  port.  form  zumal  weist,  wenn  auch  nicht 
entscheidend,  auf  ein  arab.  etymon,  das  entlegenere  Italien  empfieng  das 
wort  schon  in  etwas  veränderter  gestalt.  Wackernagel,  Litt,  gesch.  p.  19, 
vermuthet  in  dem  rom.  worte  unser  von  saitenspiel  unzertrennliches  lied, 
vgl.  goth.  liuthön  zur  Imrfe  singen:  liegt-  nicht  schon  in  dieser  begriff s- 
Übertragung  etwas  ungewöhnliches,  so  ist  es  vollends  die  darstellung  des 
deutschen  diphthongs  in  in  den  roman.  formen,  welche  ganz  andre  vocale 
verlangen  würden,  Born,  gramm.  I,  310. 

Liverare,  livrare  it.,  pr.  liurar,  fr.  Hvrer  übergeben,  liefern,  in 
diesem  sinne  auch  zuweilen  sp.  librar,  pg.  livrar,  auch  mlat.  liberare 
z.b.  dona  Cap.Car.Calv.;  dsgl.  fr.  Iivr6e,  itf.  livrea,  sp. librea  Kleidung, 
die  der  herr  dem  bedienten  gibt,  eigentl.  geliefertes,  ursprüngl.  auch  auf 
lebensmittd  bezogen,  mlat.  liberata,  liberatio;  zsgs.  fr.  d 61  irrer  s.  v.  a. 
livrer,  mlat.  deliberare  Gap.  Cor.  M.  Nicht  von  librare  wägen  in  der 
bed.  zuwägen,  zutheüen,  sondern,  in  Übereinstimmung  mit  den  mlat.  und 
ital.  formen,  von  liberare  frei  machen,  losmachen,  daher  aus  der  hand 
geben;  dieselbe  begriffsentwic/dung  ist  z.  b.  auch  im  sp.  soltar  (lösen,  los- 
lassen, ausgeben)  wahrzunehmen.  Die  lat.  bedeutung  vertritt  it.  liberare, 
sp.  librar,  pr.  liurar,  fr.  d&ivrer. 

Locco  it.  in  mundarten  (neap.  sicü.,  aber  auch  oberital.  z.  b.  cremon. 
loucch)  dummkopf,  sp.  adj.  loco,  pg.  louco,  npr.  locou  thöricht,  ein  im 
spanischen  besonders  übliches  wort,  daher  die  Sprößlinge  locura,  loquear, 
aloear,  enloquecer  u.  a.  Man  könnte  versucht  sein,  diesem  worte  celtische 
herkunft  beizulegen.  Irisch  logaidhe,  ersisch  loguid  bedeuten  narr;  Pictet, 
Ztsehr.  f.  vgl.  sprachf.  VI,  331,  gesellt  sie  zum  sanskr.  locaka  narrheit, 
ohne  des  rom.  locco  zu  gedenken.  Welches  nun  auch  der  Ursprung  des 
rom.  wortes  sei  (denn  selbst  unser  deutsches  eule  dürfte  in  erwägung 
kommen),  es  findet  sich  etwas  ganz  ähnliches,  wie  auch  schon  Ferrari  und 
andere  erkannt  haben,  bei  Servius  zu  Virg.  Ed.  8,  55:  ululae  and  zov 
olokvt/uv  nomiuatae,  quas  'vulgus'  ulucos  (al  alucos)  vocant :  der  lesart 
uIucob  entspricht  daspiem.  comask.  oloch,  der  andern  das  it.  alocco  allocco, 
weiche  sowohl  eule  wie  dummkopf  bedeuten,  beide  bedeutungen  einigt  auch 
das  parm.  ciö.  Bestimmter  würde  sich  urtheüen  lassen,  wenn  die  Quanti- 
tät der  zweiten  silbe  des  roman.  Wortes  bekannt  wäre. 


196  I.  LOCO— LONZA. 

Loco  aititai.  ortsadverb,  hie,  z.  b.  Brunetto,  Tesor.  ed.  Zannoni 
p.  66.  90.  221,  PPS.  II,  26,  dsgl.  sp.  luego,  pg.  logo,  pr.  luec,  luecx, 
altfr.  luec,  lues,  wci.  de  loc  zeitadverb,  statim;  von  locus,  loco. 

Loggia  it.,  pg.  loja,  pr.  lotja,  fr.  löge,  sp.  lonja  gdUerie  u.  dgl.;* 
vom  ahd.  lauba,  genauer  laubja,  nüat.  laubia,  nhd.  laube,  darum  noch 
altfr.  löge  in  (2er  ferf.  #eft,  Attöfe,  welche  bedeutung  ihm  auch  im  neufr. 
noch  zusteht.  Denselben  wandet  des  bi  zeigt  unter  andern  cangiare,  chan- 
ger  aus  cambiare.  Wie  laubja  aus  laub  folium,  so  entsprang  altfr.  foillie 
hütte  Brt.  I,  160,  II,  160  aus  feuille.  Am  genauesten  erhielt  sich  die 
ursprüngliche  form  im  chw.  laupia  emporkirche  und  im  lomb.  piem.  lobia. 
Ab  gel.  fr.  loger,  it.  alloggiare  herber  gen;  fr.  logis  wohnung  u.  a.  m. 
Die  bekannte  herleitung  von  loggia  aus  gr.  loyelov  oder  Xoytov,  lat.  lo- 
geum,  loglum  vorderer  (heil  der  Schaubühne,  proscenium  genügt  allerdings 
dem  buchstaben,  keineswegs  dem  begriffe.  Nicht  aber  den  buchstaben,  d.  h. 
die  gesetze  der  lautlehre,  befriedigt  die  neuerlich  wieder  vorgebrachte  deu- 
tung  von  loger  aus  locare,  welches  entweder  louer  oder  höchstens,  ois 
bastardbüdung,  loquer  erzeugen  mußte. 

Logoro  it.  (für  logro?),  pr.  loire,  altfr.  loirre,  nfr.  leurre  (m.), 
engl.  Iure  stück  leder,  um  den  falken  damit  zurückzulocken;  ist  das  gleich- 
bed.  mhd.  luoder,  welches  Weigand  II,  70  aus  einer  deutschen  wurzd 
leitet;  im  ital.  trat  g  an  die  stelle  von  d  wie  in  ragunare  aus  radunare. 
Die  übliche  deutung  aus  lat.  lorum  ist  mit  den  roman.  formen  unverträg- 
lich. Vb.  pr.  loirar,  fr.  leurrer  anlocken,  verführen,  betrügen,  gewiß 
aber  auch  it-  logorare,  das  mit  seiner  bed.  verzehren,  schwelgen  ganz  zum 
mhd.  luodern  passt,  wiewohl  Muratori  es  vom  lat.  lurcari  (fressen)  her- 
leitet.    Vgl.  lodier  IL  c.    S.  auch  Blanc,  Vocdb.  Dantesco  v.  logoro. 

Lontano  it.,  pr.  lonhda,  fr.  lointain  entfernt;  würde  ein  lat.  lon- 
gitanus  fordern  und  stützt  sich  in  jedem  falle  auf  eine  ableitung  mit  t 
wie  in  longiter.  Festus  hat  überdies  longitrorsus,  wonach  0.  Müller  ein 
altes  adj.  longiterus  vermuthet. 

Lontra  it.,  in  oberit.  mundarten  lodria,  ludria,  sp.  lutria,  nutria, 
pg.  wie  it.,  pr.  loiria,  luiria,  luria,  fr.  loutre  fischotter;  von  lutra,  gr. 
eyvÖQig,  dem  sich  das  sp.  nutria  anzuschließen  scheint.  Ein  altes  zeug- 
nis  für  das  franz.  wort  ist  loutrus  'octur  (otter)  in  den  Erfurter  glossen 
345,  58. 

Lonza  it.,  mit  weggeworfenem  anlaut  sp.  pg.  onza,  fr.  once  (ottfr. 
Ben.  II,  p.  112)  ein  thier  aus  dem  katzengeschlecht:  leggiero  piü  che 
lonza  o  liopardo  PPS.  II,  186.  Die  übliche  herleitung  dieses  durch 
Dante  zu  einer  gewissen  berühmtheit  gelangten  Wortes  aus  lynx  oder  auch 
dem  adj.  lyncea  hat  grammatisch  nichts  gegen  sich:  neben  it.  lince,  sp. 
lince,  fr.  lynx  (m.)  kann  eine  volksüblichere  form  mit  o  aus  dem  griech. 
v  in  kvyl;  bestanden  haben,  vgl.  borsa,  tomba,  torso  aus  ßvQat],  Tvfißog, 
üvqooq.  Wackernagel  verweist  auf  gr.  Xsovciog  löwenartig,  was  allerdings 
zu  beachten  ist.  Dem  ital.  wort  entspricht  ein  mhd.  nur  bei  Konrad  von 
Würzburg  vorkommendes  lunze,  das  aber  löwin  heißt. 


I.   LORDO— LUSINGA.  197 

Lordo  it.  schmutzig,  auch  lurido;  offenbar  von  luridus  gelblich, 
zsgz.  lurdus.  Buchstäblich  dasselbe  wort  ist  fr.  lourd,  sp.  pg.  lerdo  (für 
luerdo  wie  frente  für  fruente  u.  a.)  träge,  schwerfällig,  dumm,  letzteres 
gewöhnlich  von  lentus  hergeleitet;  ob  auch  das  gUichbed.  pr.  lot,  fem.  Iota, 
steht  sehr  dahin,  es  erinnert  mehr  an  luteus.  Auch  altit.  lordo  muß  die 
frans,  bedeutung  gehabt  haben,  man  sehe  Ducange  v.  lurdus.  Die  entwick- 
lung  der  ital.  bed.  schmutzig  aus  der  classischen  gelblich  läßt  sich  ver- 
schieden auffassen,  so  viel  aber  darf  man  behaupten,  daß  das  wort  schon 
im  frühen  mlatein  die  bed.  faulig,  faulend  angenommen  (gelblich,  eiter- 
farbig, eiterartig?),  wenigstens  übersetzen  es  die  Rhaban.  glossen  mit  ful. 
Den  Übergang  aber  von  dieser  bedeutung  zur  bed.  träge  (nichtsnutzig) 
büden  uns  auch  andre  sprachen  vor:  fr.  pourri  verfault,  wällon.  pourri 
träge,  dsgl.  ahd.  fül  putridus,  ndl.  vuil  sordidus,  nhd.  faul  segnis.  Oder 
entstand  lordo,  wie  andre  wollen,  aus  horridus,  it.  ordo  mit  vorgefügtem 
artikel?  Aber  nichts  nöthigt  zu  dieser  annähme,  die  auch  durch  das  über- 
aus seltne  oder  zweifelhafte  vorkommen  des  mit  adjectiven  verwachsenen 
artikels  (s.  lazzo  II.  a)  nur  schwach  unterstützt  wird.  Die  norm,  mund- 
art  hat  sich  auch  ein  vb.  lourder  geschaffen.  —  Eine  zss.  ist  fr.  balourd 
tölpel,  daher  it.  balordo,  chw.  balurd,  sp.  palurdo  und  vilordo:  das  vor- 
gesetzte ba  scheint  aus  dem  vb.  baer,  bäer,  woraus  auch  das  synonyme 
badaud  entstand,  und  der  sinn  des  compositums  gaffender  dummkopf. 

Losa  piem.sp.,  pg.  lousa,  pr.  lausa,  altfr.  lauze  Roq.,  bask.  ar-lauza 
(am  stein)  grabstein,  Steinplatte,  eig.  grabschrifl,  vom  lat.  laudes,  wie  auch 
sp.  lauda  das  grab  bedeutet.  Wegen  des  buchstabens  (s  für  d)  vgl.  unten 
lusinga. 

Lotto  it.  glückstopf,  pg.  lote  (m.)  sorte,  anzahl,  fr.  lot  antheil  (altfr. 
MFr.  I,  418:  a  sun  los  ne  retient  que  treis);  pg.  lotar  die  zahl  oder 
sorte  bestimmen,  taxieren;  altfr.  lotir  das  loos  werfen,  weissagen :  Galabre 
la  reyne  le  m'avoit  bien  loty  Gachet  288h,  neufr.  lotir  theilung  machen; 
loter ie  ein  glücksspiel,  vgl.  lot  in  der  bed.  lotterieloos,  lotteriegewinn, 
woher  das  neuere  sp.  lote.  Deutsches  wort,  goth.  hlauts,  altn.  hlutr,  ahd. 
hlöz  u.  s.  w.,  nhd.  loos  idiJQog,  sors,  ahd.  hluz  durch  das  loos  zugefallene 
sache,  aUn.  hlut  theil,  antheil. 

Lumaccia  it.,  sp.  limaza,  pg.  durch  Umstellung  lesma,  fr.  limace 
limafon,  pr.  Ihimatz  LB.  V,  50a,  und  mit  gutturalem  c  oder  g  it.  lumaca, 
chw.  limaga,  ven.  limega,  cat.  llimac  Schnecke;  von  limax. 

Lunedi  it.,  fr.  lundi,  pr.  dilus,  cat.  dilluns  montag,  von  Lunae 
dies,  dies  Lunae;  sp.  lunes,  pr.  auch  luns  mit  derselben  endung  wie  in 
marte8  (s.  martedi),  wal.  lüni,  und  so  auch  ven.  luni,  romagn.  Ion.  Da- 
für  pg.  segunda  feira  wie  neugr.  devreQa. 

Lusinga  it.,  sp.  lisonja,  pr.  lauzenga,  lauzenja,  altfr.  losenge 
schmeichelet,  bask.  lausengua;  vb.  lu 8 ingare,  lisonjar,  lauzengar,  losen- 
ger schmeicheln;  sbst  lusinghiere,  lisongero  (losengero  Alx.),  lauzengador 
und  lauzengier,  losengeor  Schmeichler.  Daspr.  lauz-enga  (denn  von  dieser 
spräche  ist  auszugehen)  bildete  sich  aus  lauzar,  lat.  laudare,  mittelst  des- 


198  I.   MACCHIA-MACCO. 

selben  Suffixes,  das  im  altfr.  ha-enge  oder  laid-enge  oder  cost-enge  oder 
im  nfr.  vid-ange  vorliegt;  die  form  losenge  dankt  ihr  s  vielleicht  nicht 
einmal  dem  pr.  z  =  lat.  d,  sondern  dem  subst.  los,  von  dem  aus  der 
kirchensprache  bekannten  als  einheit  gefaßten  laudes  lobgesang,  woher  das 
vb.  aloser  lobpreisen,  norm,  einfach  loser.  Bas  itdl.  und  span.  wort  sind 
aus  dem  nordwesten  eingeführt;  doch  kommt  das  einfache  loso  auch  im 
nördl.  Itcdien,  z.  b.  in  alten  genues.  gedickten  (Archiv,  stör.  ital.  app. 
num.  18.  p.  11.  42)  vor,  ebenso  lox  im  altmail.  bei  Bonvesin.  Im  nfr. 
louange,  louanger,  louangeur  ist  nicht  etwa  s  ausgefallen,  es  sind  neben 
losenge  stehende  eigentlich  richtigere  bädungen.  Aus  laudare  in  den 
eigenthümlich  roman.  bedd.  zustimmen,  rathen  machte  das  spätere  nüatein 
landimium,  landemia  (nach  Pott  in  der  abhandl.  Platflat  387  das  er- 
kaufen  der  laus  d.  h.  der  bewilligung  des  lehnshenm,  also  eine  dem  lat. 
vindemia  nicht  unähnliche  formation)  und  aus  diesem  juristischen  worte 
gestaltete  sich  das  pr.  laudeme,  lauzimi,  lauzisme,  it.  sp.  laudemio. 
Bas  altfr.  los  hat  sich  in  der  gleichfalls  juristischen  formet  los  et  ventes, 
lods  et  ventes  erhalten,  s.  Bucange  v.  laudare.  Nach  Fallot  p.  649 
stammt  losenger  vom  deutschen  lobsingen,  aber  schon  die  erste  sübe  der 
prov.  form  lauzenjar  ist  dagegen.  Bessere  anspräche  hätte  das  mhd.  lösen 
mit  falschheit  schmeicheln,  wiesen  die  roman.  Wörter  in  ihrer  bedeutung 
nicht  zugleich  auf  fa£.  laudare:  altfr.  alos6  z.  b.  ist  ein  beiwart  der  helden, 
der  hochgepriesene.  Menage  dachte  an  ludus,  andre  sogar  an  luscinia, 
passender  verwies  der  oben  p.  16  citierte  Erich  §.  399  auf  lenocinia. 
Die  wahre  herkunft  des  Wortes  traf  schon  ein  alter  dichter,  wenn  er  mit 
den  worten  spielend  sagt:  de  lauzengiers  mi  lau  je  me  loue  des  louangeurs 
Chx.  III,  396. 


M. 

Macchia  it.,  sp.  pg.  mancha  (für  macha)  fleck,  auch  ein  stück 
buschwerk  (w<ü.  mägure  waldgebirg),  vgl.  unser  flecken  bewohntes  stück 
land;  in  anderer  form  it.  maglia,  sp.  pg.  pr.  gleichlautend,  fr.  maille 
masche,  ringlein;  alle  von  macula.  Eine  dritte  darstellung  ward  diesem 
wort  im  pg.  mägoa  fleck,  betrübnis,  vb.  magoar.  Auch  sp.  mancilla 
fleck,  wunde,  mitleid  gieng  vermöge  der  öfter  angewandten  Umbildung  des 
suffixes  ul  in  ill  aus  macula  hervor,  im  Alex,  ohne  n  maciella. 

Macco  it.  gemetzel  (eigentl.  zerquetschung,  vgl.  vb.  ammaccare,  daher 
auch  bohnenbrei,  com.  mach  gestampfte  gerste),  sp.  maca  Quetschung  an 
fruchten,  fleck,  altfr.  maque  hanfbreche  (werkzeug  zum  quetschen),  henneg. 
maca  dicker  hammer,  maquet  ort  bolzen,  wallon.  maclott  (f.)  kolben;  vb. 
it.  maccare,  macare  (nur  mundartlich),  am-maccare,  s-maccare,  chw. 
smaccar,  sp.  cot.  macar,  pr.  macar,  machar,  altfr.  maquer  quetschen, 
stampfen;  sbst.  neap.  maccaria,  altfr.  machettre  (beim  Rabbi  Scd.  JarcM 
genes,  cap.  4  maccature)  metzdei  u.  a.    Für  diesen  gememrom.  nur  dem 


I.   MADRIGALE-MAGAGNA.  199 

Portugiesen  fehlenden  stamm  scheint  sich  in  den  nahliegenden  sprachen 
kein  taugliches  etymon  zu  finden.  Das  bret.  vb.  mäc'ha  (pressen)  mag 
mit  den  roman.  Wörtern  aus  derselben  quelle  geflossen  sein.  Diese  ver- 
rmdhet  Grandgagnage  in  dem  verlorenen  primitiv  des  lat.  mactare  d.  h. 
in  macare,  was  scharfsinnig y  aber  bedenklich  ist,  da  man  kaum  annehmen 
kann,  daß  die  römische  Schriftsprache  der  volksmundart  ein  so  wichtiges 
stammverbum  ausschließlich  überlassen  haben  sollte,  ein  Vorgang,  der  sich 
in  der  (hat  auf  diesem  gebiete  mit  keinem  andern  beispiele  unterstützen 
läßt.  Le  Pelletier  vermuthet  diese  quelle  im  gleichbed.  hebr.  mahach, 
richtiger  makkah  das  schlagen,  dsgl.  die  niederUxge  im  kriege.  Eineeine 
hebräische  Wörter  fanden  allerdings  eingang  in  die  occidentalischen,  zumal 
auch  in  die  roman.  sprachen,  doch  ist  es  rathsam  sich  weiter  umzusehn; 
Diefenbach,  Goth.  wb.  II,  58,  z.  b.  liefert  reiches  material  dazu.  Daß 
das  zerquetschen  die  roman.  grundbedeutung  ist,  bezeugen  die  aufgestellten 
worter:  daran  ist  festzuhalten.  Ital.  macco,  macca  schwere  menge,  dltfr. 
maquet  häufe,  wallon.  a  make  in  menge,  scheinen  sich  der  bed.  *  etwas 
gestampftes,  zusammengedrängtes  anzuschließen. 

Madrigale  it.,  sp.  fr.  madrigal  eine  liedergattung ;  nicht  unwahr- 
scheinlich,  da  man  ital.  früher  mandriale  (se  il  madriale  o  mandriale  non 
perdiamo  Varchi),  sp.  mandrial  (nach  Bengifo  cap.  88  mandrigal)  sagte, 
von  mandria,  lat.  mandra  herde,  also  hirtenlied,  s.  Blanc,  Ital.  gramm.  787. 
■  Maestro,  mastro  it.,  sp.  maestro,  maestre,  alt  maese,  pg.  mestre, 
fr.  raaitre  aus  dem  alten  maYstre,  wal.  melter  Vorsteher,  vorgesetzter  u. 
dgl.;  von  magister.  Der  häufige  gebrauch  dieses  auch  über  andre  euro- 
päische sprachen  verbreiteten  wertes  hat  die  beiden  ersten  silben  früh  in 
eine  zusammengezogen;  die  Legs  d'  amors  erlauben  schon  die  contrahierte 
form:  e  devetz  saber  qu'om  pot  dire  mayestre  en  tres  sillabas  e  maystre 
per  doas  sillabas  I,  48.  Eine  abl.  ist  it.  maestrale,  sp.  maestral,  cat. 
mestral,  fr.  mistral  nordwestwind,  prov.  auch  schlechtweg  maestre,  meister 
der  winde  wegen  seiner  stärke  genannt. 

Magagna  it.,  cremen,  matt.  piem.  mit  n  mangagna  gebrechen,  leih- 
licher fehler,  dltfr.  möhaing,  meshaing  (m.)  Verstümmelung,  krankheit 
(m6haigne  s.  Roq.),  wallon.  mehaing  mangel,  im  späteren  mlatein  maha- 
mium,  z.  b.  mah.  dicitur  ossis  cnjuslibet  fractio,  vel  testae  capitis  in- 
cossio,  vel  per  abrasionem  cutis  attenuatio  Reg.  majest.  DG.;  vb.  it. 
magagnare,  pr.  maganhar,  dltfr.  möhaigner  verstümmeln,  zu  gründe 
richten.  In  der  franz.  form  ist  ein  aspiriertes  h  anzuerkennen,  da  dieser 
buchstabe  hier  keine  zusammenziehung  wie  in  brähaigne  braigne  duldet, 
und  dieses  inlautende  h  konnte  sich  anderwärts  durch  g  darstellen.  Wäre 
etwa  ein  edles  deutsches  man-hamjan  zu  vermuthen  (man  mensch,  hamjan 
verstümmeln),  gebildet  wie  man-slago  todtschläger?  Die  bret.  spräche 
bietet  mac'han  verstümmelt:  ist  dies  nicht  vielmehr  aus  dem  franz.  und 
würde  sich  umgekehrt  bret.  c'h  in  franz.  h  verwandeln  und  nicht 
vielmehr  in  c  oder  g?  Merkwürdig  ist,  daß  in  der  mundart  von  domo 
neben  magagn  (also  masetdm  wie  mähaing)  auch   mäga  gebraucht  wird, 


200  I.   MAGAZZINO-MALATO. 

das  auf  einen  stamm  mag  fuhrt.  Muratori,  Ant.  itai.  II,  477,  erklärt 
sich  magagna  aus  manganuin  wurfgeschütz,  womit  sich  die  bedeutung 
schwerlich  verträgt,  wenn  auch  itai.  mundarten  die  form  au  stützen  scheinen. 

Magazzino  it.,  sp.  magacen,  almagacen,  almacen,  pg.  armazem, 
fr.  magasin  vorrathskammer;  vom  arab.  machsan  almachsan  scheunc, 
waarenniederlage,  s.  Gol.  707,  Freyt.  I,  484b. 

Magione  it.,  pr.  altsp.  mayson,  aitpg.  meisom  (12.  13.  jh.)  SRos., 
fr.  maison  (aus  letzterem  das  neusp.  meson)  haus,  behausung;  von  mansio, 
in  diesem  sinne  bei  Palladius.  Eine  abl.  ist  it.  masnada,  sp.  mesnada, 
manada,  pr.  mainada,  altfr.  maisntäe  hausgenossenschaft,  gefolge,  trupp, 
gleichsam  mansionata  (it.  manata,  sp. pr.  manada  handvoll,  ronmanus); 
eine  abl.  von  masnada,  gleichsam  masnadino,  ist  it.  mastino,  sp.  pr. 
mastin,  pg.  mastim,  fr.  mätin  Haushund,  ursprüngl.  Hausgenosse  oder  einer 
vom  gesinde  wie  altfr.  mastin  Fl.  Bl.  1910,  Gar.  I,  154. 

Maglio  it.,  sp.  pg.  gleichlautend,  pr.  fr.  mail,  weil,  main  Schlägel, 
von  malleus;  vb.  it.  magliare,  sp.  majar,  pg.  pr.  »malhar,  fr.  mailler 
hämmern,  zerstoßen,  von  malleare,  wovon  sich  nur  das  partic.  malleatus 
vorfindet. 

Magr&na  und  emigrania  it.,  sp.  migrana,  fr.  migraine;  vom  gr. 
tj/MXQavia  einseitiges  hopfweh. 

Mai,  ms.  it.,  altsp.  pg.  pr.  mais,  nsp.  pg.  pr.  auch  mas,  fr.  mais 
Partikel;  von  magis,  in  bestimmten  formen  (it.  ma,  sp.  pg.  mas)  auch  als 
conjunetion  für  lat.  sed  angewandt,  vgl.  goth.  mais  für  magis  und  potius, 
mlat.  sed  magis  für  sed  potius  Briq.  p.  81*  (v.  j.  584),  mhd.  mSr  für 
sed.  Zsgs.  sp.  demas  für  caeterus,  lat.  de  magis  bereits  bei  Festus,  wo 
es  aber  mit  minus  erklärt  wird,  und  bei  Nonius;  daher  äbgel.  dema- 
siado  für  nimius. 

Majo  it.,  sp.  mayo,  fr.  mai,  prov.fem.  maia  art  birken,  maibaum, 
maie,  weil  sie  im  mai  grünt,  dsgl.  ein  grüner  bäum,  den  man  vor  einem 
hause  aufpflanzt,  oder,  z.  b.  in  Itcdien,  ein  grüner  zweig,  der  in  der  ersten 
mainacht  an  der  thüre  der  geliebten  befestigt  wird.  S.  darüber  Schneller 
II,  533.    Ghurw.  maig  Strauß,  blumenstrauß. 

Majorana,  maggiorana  it.,  sp.  mayorana,  pg.  maiorana  und  man- 
gerona,  fr.  marjolaine  ein  kraut,  majoran,  mhd.  meigramme;  entstellt  aus 
dem  gleichbed.  amaräens.  Aber  sp.  almoradux,  cot.  moradux  sind  vom 
arab.  maTdaqüsch  Freyt.  IV,  168a.  Die  form  majorana  mag  in  irgend 
einer  umdeutung  mit  major  ihren  grund  haben. 

>  Mala  sp.  pg.  pr.,  fr.  malle  felleisen;  gael.  mala,  ahd.  malaha, 
malha,  mhd.  malhe  tasche,  sack,  ndl.  maal,  maale.  Vgl.  Diefenbach, 
Goth.  wb.  I,  271. 

Malato  it.  altsp.,  fr.  malade,  pr.  malapte,  malaut,  cot.  malalt  krank; 
it.  malattia,  altsp.  malatia,  fr.  maladie,  pr.  malaptia,  malautia,  malatia, 
cat.  malaltia  krankheit.  Die  prov.  formen  malapte  und  malaut  weisen 
offenbar  auf  male  aptus  untauglich,  wie  unser  unpässlich  auf  passen 
aptare;  das  cat.  malalt  ist  daraus  abgeändert  wie  galta  aus  gauta.    Die 


I.   MALLEVARE-MANCO.  201 

entsprechenden  franz.  und  itdk  formen  wären  malate  und  malatto  statt 
malade  und  malato.  Soll  man  darum  ein  volksmäßiges  lat.  malatas  von 
malam  annehmen  wie  barbatus  von  barba?  vgl.  malatus  ozvyvoq  Gl.  gr. 
lat.  Eben  so  leicht  konnte  malatto  dem  partic.  ammalato  von  ammalare 
angepasst  d.  h.  in  malato  verwandelt  werden,  wahrend  malattia  dessen 
einfluß  nicht  erfuhr  und  nicht  erfahren  konnte,  da  die  ableitung  solcher 
substantiva  aus  participien  unüblich  ist:  nur  so  erklärt  sich  das  einfache 
t  im  adjectiv  neben  dem  doppelten  im  Substantiv.  Ob  nun  die  frans,  form 
selbständig  und  im  einMange  mit  den  Sprachgesetzen  aus  male  aptns, 
oder  ob  sie  aus  malatas,  malato  durch  die  gewöhnliche  Verwandlung  der 
tenuis  in  media  entstand,  bleibt  zu  erwägen:  für  erster  es  zeugt  die  uralte 
form  malabde  Pass.  de  J.  C.  116,  worin  beide  tenues  in  ihre  mediae  er- 
weicht  erscheinen. 

Mallevare  it.  bürgen,  sp.  pr.  manlevar,  altpg.  malevar  SBos.  bür- 
gen, borgen;  von  manum  levare  die  hand  erheben,  feierlich  geloben,  mlat. 
jedoch  mit  mann  levare  ausgedrückt.  Lat.  malluvium  für  manluvium 
zeigt  dieselbe  assimüation  wie  das  ital.  wort. 

Malvagio  it.,  pr.  malvais,  fr.  mauvaie  böse,  schlecht;  sbst.  it.  mal- 
vagitä,  pr.  malvastat,  malvestat,  altfr.  manvaistiä  (noch  bei  Nicot), 
attsp.  malvestad  (aus  dem  prov.  ?).  Das  adjectiv  scheidet  sich  bestimmt 
von  malvat  =  male  levatus,  indem  es  ein  auf  si  ausgehendes  etymon  ver- 
langt; es  hat  überdies  das  gepräge  eines  compositums.  Im  goth.  findet 
sich  balvavesei  bosheit,  wonach  ein  adj.  balvavesi-s  anzunehmen  ist,  dem 
ein  ahd.  balväsi  entsprechen  würde;  rom.  balvais  aber  wäre  in  malvais 
(von  mal)'  umgedeutet  oder  übersetzt  worden,  ein  in  der  Wortbildung  nicht 
unüblicher  auch  in  dem  ursprünglich  deutschen  guiderdone  (I.)  und  main- 
bour  (II.  c)  erkennbarer  Vorgang,  s.  vorrede.  —  Auch  dichter  waren  zu 
grammatischen  grübeleien  aufgelegt:  toie  der  Provenzcde  P.  Cardinal  mal- 
vais mit  vas  in  Verbindung  bringt,  sehe  man  bei  Mahn  982,  2. 

Malvavischio  it.,  sp.  malvavisco  (fr.  mauvisque  hat  Nemnich) 
eibisch,  von  malva  ibiscnm  (ißiaxog)]  umgekehrt  ibiscum  malva,  mlat. 
bismalva  Capit.  de  vülis,  so  auch  ital.,  fr.  gnimauve  für  vimauve,  in- 
dem ursprünglich  inlautendes  b  sich  in  v  erweichte. 

Mamma  it.,  sp.  mama,  fr.  maman,  wäl.  mame  mutter  (in  der  kin- 
dersprache),  genues.  u.  s.  w.  mamma  amme;  vom  lat.  mamma  1)  brüst, 
mutterbrust,  wie  noch  it.  sp.  pg.7  2)  mutter,  Varro  ap.  Non.,  Inscr.  Im 
walach.  kam  mater  durch  das  kinderwort  ganz  außer  gebrauch  wie  pater 
durch  tatq.  Die  franz.  form  hat  das  ansehn  einer  accusativischen,  stimmt 
aber  doch  nicht  zu  nonnain,  Evain  und  ähnlichen  (Rom.  gramm.  II,  47), 
vernmthlich  weil  mamain  in  seiner  endung  zu  weit  von  papa  abgewichen 
wäre.  Bin  vb.  ist  sp.pg.  mamar  an  der  brüst  saugen:  mammare  schon 
bei  Augustinus,  Opp.  ed.  Bened.  IV,  1039.  Dem  deutschen  memme  feig- 
ling  entspricht  das  neap.  mammamia  (masc.)  eigentl.  einer  der  seine  mutter 
zu  hälfe  ruft.     Vgl.  zu  diesem  artikel  Henr.  StephMex.  graec.  v.  nanna§. 

Man co  it.  sp.  pg.}   manc  pr.  altfr.  mangelhaft;   von  mancus  ver- 


202  I.   MANDORLA-MANGIARE.      * 

stümmelt.  Daher  fr.  manch ot  =  it.  manco  d'una  mano,  einhätidig, 
dsgl.  it.  sp.  manca  linke  hand,  die  verstümmelte,  schadhafte,  s.  gauche 
IL  c.  Vb.  iL  mancarc,  sp.  pr.  mancar,  fr.  manquer  mangeln.  Für 
die  lat.  bed.  verstümmelt  wich  it.  manco  aus  in  monco,  vb.  moncare  ver- 
stümmeln (vgl.  chw.  muncar  =  mancar),  wobei  aber  in  betreff  der  seltenen 
Verwandlung  des  a  in  o  wahrscheinlich  anlehnung  stattfand  an  lomb. 
moch  adj.  stumpf  mit  abgebrochner  spitze  (vgl.  ahd.  far-muckit  hebetuäo 
Graff  II,  655,  mhd.  mocke  masse,  brocken,  altengl.  mock  sbst.  stumpf 
Halliw.),  wenigstens  ist  it.  moncone  =  romagn.  mucön. 

MAndorla,  mdndola  it.,  sp.  almendra,  pg.  amendda,  pr.  amandola, 
fr.  amande,  nüat.  amandola  Form.  Marc,  eine  frucht,  mandel,  ndl.  aman- 
del;  entstellt  aus  amygdala  (ä/nvydakrj),  wal.  migdale  neben  mandule. 
Eine  starke  zusammenziehung  zeigt  die  prov.  form  mella,  npr.  amello, 
wozu  das  occ.  amenlou  den  Übergang  bildet. 

Mane  it.,  altsp.  man  (f.)  Sanchez  Colecc,  pr.  ma,  altfr.  main,  wal. 
muine  eine  tageszeit,  morgen,  in  ital.  Urkunden  auch  für  osten  z.  b.  HPMon. 
143.  145;  von  mane,  dessen  adverbiale  natur  noch  im  pr.  lo  be  ma  Btk 
=  dem  classischen  bene  mane  sich  geltend  macht.  Daher  adv.  it.  di- 
mani,  doniani,  pr.  dema,  fr.  demain,  wal.de  muine,  wofür  sp.  manana, 
pg.  &  manhäa.  Eine  zss.  ist  das  fr.  subst.  lendemain,  pr.  lendema 
der  morgende  tag,  für  le  en  demain,  vgl.  eine  ähnliche  zss.  im  cdtcat. 
1-en-de-mig  'das  in  der  mitte  d.  h.  mittlerweile,  en  aquest  endemig  Chr. 
d'Escl.  p.  600° ;  in  le  lendemain,  welches  z.  b.  schon  Froissart  braucht, 
verdoppelt  sich  also  der  artikel,  altfr.  nur  l'endemain.  Von  matutinum 
ist  it.  mattino,  pr.  matin,  fr.  matin,  mit  der  schwer  zu  erklärenden 
nebenform  pr.  u.  oberit.  maitin,  altfr.  maitin  Rq.  Für  domani  brauchen 
ital.  volksmundarten,  z.  b.  die  sicil.,  noch  crai  =  cras,  während  das  span. 
cras  veraltet  ist. 

Mdngano  it.  Schleuder;  daher  manganello  armbrust,  pr.  manganel, 
altfr.  mangoneau  Steinschleuder,  wal.  mung^u  rotte,  mange;  vom  gr. 
fiayyavov  mit  gl.  bed.,  ahd.  mango,  nhd.  mangel  maschine.  Daher  auch 
sp.  manganilla  listiger  streich. 

Mangiare  it.,   altpg.  pr.  manjar,   fr.  manger,    dsgl.  it.  manucare, 
manicare,   altfr.   manner   (mit   ausgefallnem  c),   wal.   manca,   munenca 
essen,  prov.  und  altfr.  häufig  mit  radicalem  e  menjar,  menjier,   limous. 
mit  i  mindzä;  von  manducare  eigentl.  kauen,  später  sehr  üblich  für  essen: 
manducat  et  bibit  =  eo&iei  xai  nivsi  Vülg.  Matth.  11,  19;  manducantes 
simul  atque  bibentes  Greg.  Tur.  5,  18;  in  bendo  (tisch)  manducassent 
L.  Sal.    Seltsam  ist  das  pr.  manjuiar,   altfr.  manjuer  (präs.  conj.  man- 
juce),  das  sich  schwerlich  anders  als  aus  einer  Umstellung  mandeuare  wird 
deuten  lassen;  norm,  sagt  man  moujouer  und  manjusser.    Zsgs.  fr.  do- 
rn an  ger,  piem.  smang£  jucken,   eigentl.  fressen,   wie  das  gleichbed.  sp. 
comer  von  comedere;   bereits  in  einem  alten  Reichenauer  glossar  (Bz.) 
demandueavit  'conrodit,  delaceravit\  desgl.  demanducare  'corrodere  Gloss. 
arab.  lat.  DQ. 


I.   MANICO— MARAVIGLIA.  203 

Mänico  it.,  sp.  pg.  mango,  pr.  margne,  fr.  manche  (m.)  tieft,  griff. 
Von  manas  mittelst  des  suffixes  ic  wäre  möglich;  da  aber  dieses  suffix 
fast  nur  feminina  gibt,  so  ist  es  rathsam,  in  manico  eine  (Abänderung  des 
tot.  manica  (ermel,  Handschuh)  anzunehmen,  um  so  mefir  als  das  it.  raa- 
nica  auch  die  bed.  heft  entwickelt  hat  Merkwürdig  ist  lomb.  ven.  mänega, 
sp.  pg.  manga  in  der  bed.  anzahl,  trupp,  häufe,  dem  man  eine  auch  den 
neuen  sprachen  bekannte  bedeutung  des  lat.  manas  übertrug;  das  goth. 
managei  =  nhd.  menge  würde  man  anders  wiedergegeben  Jhdben. 

Ma  niero  it.,  sp.  manero,  pr.  manier  was  sich  in  der  hand  tragen,  sich 
behandeln  läßt;  von  manarius  für  manuarius  handlich,  vgl.  mannaja  IL  a. 
Von  diesem  adjeetiv  ist  auch  das  subst.  maniera  it.,  sp.  manera,  pg. 
pr.  maneira,  fr.  maniere  ort  und  weise,   eigentl.  Handhabung,  benehmen. 

Maniglia  und  smaniglia  it.,  sp.  manilla  armring,  fr.  manille  im 
kartenspül;  von  monile,  pl.  monilia,  vielleicht,  was  die  erste  säbe  betrifft, 
mit  einmischung  des  ahd.  mänili  mondförmiger  schmuck,  da  o  nur  höchst 
selten  in  a  entstellt  wird.    Zu  vergleichen  Diefenbach,  Orig.  europ.  p.  377. 

Manöpola  it.,  sp.  pg.  manopla  panzerhandschuh;  nicht  zsgs.  mit 
dem  fremden  onhov,  es  ist  von  manupulus  für  manipulus,  dem  man,  von 
manag  ausgehend,  die  bedeutung  einer  handbekleidung  beilegte;  dazu 
stimmt  mit  seinem  genus  das  mlat.  manipala  Handtuch. 

Manovra  it.,  sp.  njaniobra,  pr.  manobra  GRoss.,  fr.  manoeuvre 
Handgriff,  kunstgriff  u.  dgl.;  wörtlich  hand-werk,  hand- arbeit.  Vb.  sp. 
maniobrar  mit  den  Händen  arbeiten;  so  auch  cdtfr.  manovrer,  z.  b. 
quant  li  chastiau[s]  fa  faiz  et  tres  bien  manovrez  als  das  schloß  gemacht 
und  seh»*  wohl  gearbeitet  war  PDuch.  p.  51. 

Man  so  it.  sp.  pg.,  mans  pr.  zahm;  abgekürzt  aus  mansuetus  (vgl. 
oben  fino).  Daher  sp.  manso  leithammd,  leitochse,  it.  manzo  (für  manso) 
ochse  überhaupt,  eigentl.  zahmer  ochsey  entgegengesetzt  dem  bue  brado  un- 
gezähnter stier }  der  noch  nicht  am  pflüge  geht;  comask.  trient.  manza 
junge  kuh. 

Mantenere  it.,  sp.  pr.  mantener,  pg.  manter,  fr.  maintenir  auf- 
recht Halten;  von  manu  tenere,  manum  tenere,  wie  nhd.  hand-haben,  ndl. 
band-haven,  letzteres  mit  der  bed.  erhalten,  schirmen;  vgl.  mallevare  und 
lat.  manstutor.  Synonym  sind  pr.  cap-tener,  dltsp.  cab-tener  Bc.,  von 
caput  tenere;  wal.  mun-tui  von  manu  tueri. 

Manto  und  ammanto  it.,  sp.  pg.  manto  ein  kleidungsstück,  fem. 
sp.  pr.  manta,  fr.  mante  decke,  verkürzt  aus  lat~  mantelum;  dsgl.  it. 
mantello,  fr.  manteau,  sp.  mantilla,  von  mantellum;  it.  mantile.  sp. 
mantel,  von  mantile,  mantele.  Ein  sehr  altes  Zeugnis  für  das  sp.  manto 
findet  sich  bei  Isidor:  mantum  Hispani  vocant,  quod  manus  tegat  tan- 
tum :  ein  noch  älteres  in  einer  Urkunde  v.  j.  642  mantum  majorem  Breq. 
num.  23;  manta  und  mantus  in  einer  spanischen  Yep.  III,  num.  17, 
aer.  818. 

Maraviglia  it.,  sp.  pg.  gleichlaut.,  etymologisch  richtiger  it.  pr. 
meraviglia,  fr.  merveille  wunder;  vom  plur.  mirabilia  wunderbare  dinge. 


204  I.    MARCA-MAKMITA. 

Marca  it.  sp.  pg.  pr.,  fr.  marque,  marche  zeichen,  grätige;  it.  sp. 
pg.  mar co,  pr.  fr.  marc,  altfr.  auch  merc  zeichen,  maß;  vb.  it.  mar- 
care,  marchiare,  sp.  pg.  pr.  marcar,  fr.  marquer,  altfr.  auch  merker, 
merchier  bezeichnen,  marchir  angränzen;  dsgl.  sbst.  it.  marchese,  sp. 
pr.  marques,  fr.  marquis  markgraf,  mlat.  gewöhnlich  marchio,  das  auf 
roman.  boden  kein  cibbild  hat.  Vom  gofh.  marka,  ahd.  marcha,  ags. 
mearc  gränze7  altn.  mark  (n.),  mhd.  marc  (n.)  zeichen,  vb.  ahd.  markön 
begränzen,  bezeichnen,  nhd.  merken. 

Marca ss ita  it.,  sp.  marcasita,  marquesita,  fr.  marcassite  eine  ort 
Schwefelkies;  nach  Sousa  vom  arab.  markazat,  dies  vom  vb.  rakaza  erzc 
finden;  beiFreyt.  I,  17 lh  heißt  dies  miner cd  marqaschita. 

Mare  fr.  (f.)  ansammlung  von  w asser,  teich:  super  lacum,  quem 
usu  quotidiano  loquendi  maram  vocamus  Gruill.  Gemet.  Die  latinisierung 
mara  ist  ganz  richtig:  dem  lat.  mare  kann  das  franz.  wort  buchstäblich 
nicht  entsprechen.  Indessen  sagte  500  Jahre  früher  Isidorus :  omnis  con- 
gregatio  aquarum,  sive  salsae  sint  sive  dulces,  abusive  maria  nuncupan- 
tur.  Eine  Urkunde  enthält  villam  sitam  inter  duo  maria  Breq.  p.  107. 
Lat.  mare  wird  also  wohl  die  bemerkte  bedeutung  in  sich  aufgenommen 
haben,  wofür  sich  im  franz.  eine  eigne  der  1.  decl.  entsprechende  form 
einfand.  Abgel.  sind  die  ungefähr  gleichbedeutenden  it..  marese  lache, 
sumpf,  altfr.  marese,  nfr.  marais,  welches  letztere  formell  sowohl  zu 
marese  wie  zu  marese  passt;  altfr.  marescot,  maresqael,  maraischiere, 
marescage;  dsgl.  neufr.  marage,  mar£cage;  it.  marazzo.  Zum  theü  können 
diese  Wörter  auch  in  verwandten  deutschen  ihre  quelle  haben,  wie  im  ndl. 
maar,  maerasch,  ndd.  marsch:  namentlich  läßt  sich  das  pr.  marcx  (für 
marsc?)  LR.  IV,  153  nickt  aus  lat.  mare  ableiten,  es  muß  unser  marsch 
sein,  und  vielleicht  gehört  auch  das  altfr.  marchais  hieher.  Merkwürdig 
ist,  daß  die  span.  spräche  an  diesen  ableitungen  keinen  theil  nimmt;  hier 
jedoch  ist  marisma  (atis  maritima?)    ein  durch  das  austreten  des  meeres 

M 

entstandener  see,  was  auch  für  die  übrigen  Wörter  zu  bemerken  ist.  Über 
einschlägige  deutsche,  celtische  u.  a.  Wörter  wäre  Diefenbachs  Goth.  wb. 
II,  44  nachzulesen. 

Margotta  it.,  champ.  henneg.  margotte,  fr.  marcotte  absenker,  ein- 
leger;  von  mergus  dasselbe.  Daher  auch  das  gleichbed.  it.  margolato, 
wozu  ein  vermittelndes  vb.  margolare  fehlt 

Mariscalco,  maniscalco,  maliscalco  it.,  sp.pg.  mariscal,  pr.  mane- 
scalc,  fr.  marächal  hufschmied;  vom  ahd.  marah-seale,  mhd.  mar-schalc 
pferde-knecht,  später  ein  natne  hoher  beamter  geworden.  Am  nächsten  der 
ahd.  form  liegt  das  trient.  marascalco. 

Marmita  it.  (in  lomb.  mdarten),  sp.  cot.  dass.,  fr.  marmite  fleisch- 
topf  von  metdl;  daher  it.  marmitone,  sp.  marmiton,  fr.  marmiton  küchen- 
junge;  fr.  marmiteux  (altfr.  schlechtweg  marmite)  armselig,  eigentl. 
bettelhaft,  hungrig,  in  besiehung  auf  die  marmite  des  pauvres,  die  armeti- 
suppe.  Die  herkunft  ist  unsicher,  am  meisten  empfiehlt  sich  noch  FriscVs 
deutung,  der  einen  naturausdruck,  vom  sieden  des  wassers  (vgl.  marmotter 


L  MARMOTTA- MARTORA.  205 

summen)  darin  erkennt ;  und  die  von  Marina  aus  arabisch  marmicd  ort  wo 
fleisch  gebraten  wird  (würzet  ramacda  Freytag  II,  193). 

Marmotta,  marmotto  it.,  sp.  pg.  marmota,  fr.  marmotte  murmel- 
tkier.  Churwälsch  heißt  es  montanella  und  (nach  Blumenbach)  mnrmont, 
welches  letztere  denn  nebst  dem  ahd.  muremunto,  murmenti,  Schweiz. 
mannet  aus  mus  niontanus  oder  genauer  mus  montis  entsprang  und  all- 
mählich in  marmotta  abgeändert  ward. 

Marrir^>r.  cdtfr.  sich  verirren,  marrir  chemin  den  weg  verlieren 
Ruteb.  II,  228,  as  tu  le  sens  raari?  HBord.  39,  10;  zsgs.  esmarrir, 
it.  smarrire  hindern,  verwirren,  cAw.  smarir  verlieren;  vom  goth.  marzjan, 
ahd.  marran  (für  marrjan),  ags.  mearrian  ärgern,  hemmen,  nüat.  legem, 
bannnm,  vel  praeceptum  marrire  Gap.  Gar.  M.  ann.  802.  Eine  andre 
confugation  wählte  der  Spanier  in  marrar  fehlschlagen,  abirren,  wiewohl 
ihm  auch  ein  part.  marrido,  amarrido  betrübt  =  pr.  marrit,  piem.  mari, 
pic.  amari  zu  geböte  steht.  Aus  demselben  stamme  ist  wohl  auch  das 
span.  marafia  Verwirrung,  maraüar  verwirren.  Vgl.  Diefenbach,  Goth. 
wb.  II,  47. 

Marrochino  it.,  sp.  marroquf,  fr.  marroquin  eine  feine  sorte  leder, 
Saffian;  nach  Marrocco  genannt,  wo  es  bereitet  wird. 

Martedi,  marti  it.,  fr.  mardi,  pr.  cot.  dimars  dienstag,  von  Martis 
dies,  dies  Martis;  sp.  martes,  pr.  auch  mars,  vom  gen.  Martis,  weil. 
mdrtzi,  ven.  mArti,  romagn.  mert.    Dafür  pg.  ter$a  feira,  ngr.  tqity]. 

Martello  it.  pg.,  sp.  martillo,  fr.  marteau  hammer;  von  martnlns, 
bereits  in  den  Cassder  glossen  martel  chamar,  als  beiname  bekannt  in 
Carolas  Martellas. 

Martin  pescatore  it.  ein  seefisch,  sp.  martin  pescador,  auch  paxaro 
de  San  Martin,  sard.  puzone  de  Santn  Martinu  (Nemnich  I,  159),  fr. 
martinet  pecheur  eisvogd,  sp.  martinete  Meiner  weißer  reiher,  ardea 
garzetta,  fr.  oisean  S.  Martin,  dtsch.  martinsvogel,  falco  cyaneus,  fr.  mar- 
tinet hausschwalbe,  auch  leuchter  mit  einer  handhabe  (in  form  eines 
Schwalbenschwanzes),  it.  martinetto  winde  die  armbrust  zu  spannen 
(ebenso);  alle  von  dem  namen  Martinus,  aber  aus  welchem  atüaß?  Die 
legenden  über  diesen  heiligen  geben  keinen  aufschlug  s.  Grimm,  Mythol. 
1083.  1233  (3.  ausg.). 

Martirio,  martiro  it.,  sp.  martirio,  pr.  martire,  martir,  fr.  martyre 
quäl,  pem,  leibliche  wie  geistige;  vb.  it.  martirare,  martirizzare,  sp.  mar- 
tiriar,  martirizar,  pr.  martiriar  und  martnriar,  fr.  martyriser;  von  martyr 
zeuge,  bei  den  kirchenvätern  einer  der  für  die  Wahrheit  des  christlichen 
glaubens  quäl  und  tod  erleidet,  zunächst  von  martyrinm.  Die  ungriechische 
bed.  quäl,  quälen,  die  sich  auch  auf  einigen  fremden  gebieten  eingefunden 
hat,  verschmäht  unter  den  Romanen  allein  der  Wciache,  welchem  mar- 
tyrinm fehlt,  m^rtnrisi  aber  nur  bezeugen  heißt,  ftaQTVQelv.  Zu  erwähnen 
ist  hier  etwa  noch  das  aus  dem  falschen  genitiv  martyrorom  geschaffene 
pr.  martror  z.  b.  in  festa  de  martror. 

Martora  it.,  sp.  pg.  marta,  pr.  mart,  fr.  marte,   martre  (f.)  ein 


\ 


206  L  MARZAPANE-MASCHERA. 

säugethier  der  nördlichen  länder,  mar  der;  vom  lat.  martes  in  einer  stelle 
bei  Marticd,  wiewohl  sich  martora,  martre  dem  deutschen  worte  zunächst 
anschließen.  ■ 

Marzapane  it.,  sp.  mazapan,  fr.  massepain  Zuckerbrot;  aber  neap. 
marzapane,  sie.  marzapanu  schächteichen.  Das  beste  über  dieses  neuere 
wort  bei  Mahn  p.  89,  der  das  lat.  maza  mehlbrei  darin  vermuthet. 

Mas  trient.  pr.,  mas,  mes  ältfr.  hufe,  bauemgut,  wohnstätte7  cot. 
mas  landhaus;  vom  altern  nüat.  mansus,  mansum,  dies  wahrscheinlich 
von  manere  wohnen,  weil  die  coloni  auf  dem  grundstücke  zu  wohnen  pflegten 
(Grimm,  Rechtsalt.  p.  536),  vgl.  in  cujus  pago  manet  L.  Sal.  tu.  85; 
daher  pr.  man  er,  fr.  manoir  wohnung;  pr.  manen,  altfr.  manant  wohl- 
habend, nüat.  manens  cölonus.  Derselben  herkunft  ist  sp.  masa,  maü. 
massa,  altfr.  mase  meierhof,  nüat.  mansa,  massa;  it.  massaro,  altfr. 
mansiaire  hausverwaUer,  nebst  vielen  andern  ableitungen. 

Mäschera  it.,  sp.  pg.  mdscara,  fr.  masque  (m.)  larve,  mlat.  mascus 
^grima*  Gl.  lat.  anglos.  (s.  Mone's  Anzeiger  VII,  144,  in  der  erf.'hs. 
marcus).  Die  form  masca  ist  historisch  die  ältere,  man  trifft  sie  bereits 
in  longob.  gesetzen  in  der  bed.  hexe:  striga,  quod  est  masca;  striga,  quae 
dicitur  masca.  Noch  piem.  heißt  masca  hexe,  mascra  aber  larve,  neupr. 
masc  hexenmeister,  dim.  mascot  (Honnorat).  Grimm,  Myth.  1036,  führt 
dieses  masca  bedeutsam  auf  das  vb.  masticare  zurück,  die  hexe  heißt  so, 
weil  sie  kinder  verzehrt,  wie  mandueus  bei  Flautus  popanz  bedeutet;  da- 
bei  kann  es  gleichgültig  sein,  ob  man  hexe  oder  ob  man  larve  (etwas  mit 
offnem  maule)  als  grundbedeutung  annimmt.  Ähnlichen  Ursprungs  ist 
auch  das  occit.  roumöco  popanz  (altpr.  wäre  romeca),  wenn  man  es  vom 
lat.  ruma  gurgd,  Schlund,  wie  baveca  von  bava,  herleiten  darf,  so  daß 
es  ein  verschlingendes  wesen  bedeutete  (Honnorat  leitet  es  aus  roumec  dorn- 
Strauch),  und  in  der  romagn.  mundart  heißt  papon  fresser  und  popanz. 
Nach  andern,  a.  b.  Kilian,  ist  das  wort  deutsch,  ahd.  mascä  netz,  nhd. 
masche,  vgl.  persona  adjicitur  capiti  densusve  reticulus  Plin.  12,  14, 
und  dies  masca  wird  von  mäsa  mahl,  fleck  abgeleitet.  Erwägt  man  oder 
erkennt  man  an,  daß  namen  von  personen  oder  persönlich  gedachten  gegen- 
ständen kaum  ohne  ableitungssufßx  aus  verbis  geformt  wurden,  so  hat  diese 
letztere  deutung  einen  kleinen  grammatischen  vorzug  vor  der  ersteren,  aber 
diese  scheint  treffender,  bezeichnender.  Beide  lirfern  offenbar  zuverlässigere 
Wörter  als  die  von  Salmasius,  welcher  masca  aus  gr.  ßäoxa  bei  Hesychius 
erklärt.  Dies  wird  nämlich  mit  ficmilr]  {fiaxelXa)  breite  hacke,  so  wie 
mit  ßaaxavla  tadelsucht  übersetzt,  letzteres  trifft  mit  ßaonaviov,  nQoßa- 
otxxviov  amulet  gegen  bezauberung,  f ratze,  verwandt  mit  maske,  zusammen; 
für  ßaoxa  aber  muß  auch  judoxa  gegolten  haben,  da  es  Hesychius  mit 
dixeXhx  zweizinMge  hacke  {fast  glekhbed.  mit  ^tayJlrj)  übersetzt.  Man 
fühlt  aber  leicht  das  gekünstelte  dieses  Zusammenhanges.  Wie  verhält  sich 
aber  mäscara  zu  masca?  Etymologisch  betrachtet  kann  dies  eher  aus 
jenem  abgekürzt  als  jenes  aus  diesem  verlängert  sein,  denn  ein  suffix  ära 
erkennt  die  spräche  nicht  an.    Erklärt  man   sich   indessen  mäscara  aus 


I.   MASSIMA-MATTO.  207 

mascra,  wie  es  ja  auch  in  pietn.  mundart  lautet,  dieses  durch  häufig  vor- 
kommende lautverstärkende  einschiebung  von  r  aus  masca  entstanden,  so 
sind  beide  formen  identisch,  ähnlich  entstand  sp.  cäscara  aus  casco,  cat. 
plätara  schüssd  aus  plat,  it.  tartaruga  aus  tartuga.  Ugutio  (12.  jh.)  kennt 
beide  formen,  die  mit  r  aber  ist  ihm  die  volksübliche:  masca  simulacrum, 
quod  vulgo  dicitur  mascarel  (/.  mascara?),  quod  apponitur  faciei  ad 
terrendos  parvos.  Ein  compositum  gleichfalls  mit  der  bed.  larve  ist  das 
mlat.  ursprüngl.  deutsche  tala masca,  in  einem  alten  glossar  delusio 
imaginaria  'talemasca';  anderswo  larvae  daemonum,  quas  yulgo  talamas- 
cas  dicunt;  talamascae  litterae  geheimschrift;  altfr.  talmasche,  vb.  en- 
talemaschier  entstellen  LRs.  328;  auch  in  deutschen  glossen  talemasge 
'larva'  s.  Schmeller  II,  640,  GraJff  V,  397,  mnttt.  talmasche.  —  Derselben 
herkunfl  ist  ohne  zweifei  wal.  mescdre  schimpf  (Schandfleck),  pg.  mas- 
cärra,  cat.  mascara  schwarzer  fleck  im  gesteht;  vb.  pg.  mascarrar,  pr. 
mascarar,  altfr.  mascurer  Antioch.  II,  42,  nfr.  machurer,  bürg,  macherai 
schwärzen,  beflecken,  mndl.  maschel,  mascher,  ags.  mäscre  fleck,  letztere 
unmittelbar  an  maschera  erinnernd.  Alban.  mascarä  possenreißer  aus 
dem  itai.  —  [Eine  neue  (biet*  nicht  zu  prüfende)  Untersuchung  über  dieses 
tcort  (heilt  Mahn  mit,  p.  60.  Nach  ihm  ist  mascara  vom  arab.  mascharat 
gelochter,  dies  von  der  würzet  sachira  verspotten  FreyL  II,  295.  Franz. 
masqae  sei  aus  mascara  abgekürzt,  vielleicht  durch  einfluß  von  masca  hexe.] 

Mässima  it.,  sp.  mäxima,  fr.  maxime  grundsatz,  von  maxima  sc. 
sententia,  s.  Menage. 

Masticare  it.,  wal.  mesteca,  sp.  pg.  masticar,  mastigar,  mascar, 
pr.  mastegar,  maschar,  fr.  mächer,  chw.  mastiar,  bask.  mascatu  kauen; 
von  masticare,  einem  nachclassischen  bei  Apulejus  u.  a.  vorkommenden, 
im  roman.  aber  sehr  üblichen  worte,  gr.  fiaozaKuv.  Daher  neap.  genues. 
masca  kinnbacken,  wange. 

Masto,  mastro  pg.,  pr.  mast,  fr.  mät,  sp.  mastil  mastbaum;  vom 
ahd.  mast,  aitn.  mastr,  ags.  mäst. 

Hatassa  it.,  sp.  madexa,  pr.  madaisa,  altfr.  madaise  strähne, 
flechte,  wal.  metase  seide;  von  mataxa  rohseide,  dsgl.  seil,  faden,  aus  dem 
spatern  griech.  paraga,  fxiza^a. 

Haterasso  it.,  fr.  materas,  matelas,  mhd.  matraz,  cat.  mataläs, 
pr.  almatrac,  sp.  pg.  almadraque  küssen,  polster,  matratze,  prov.  auch 
abgekürzt  matre  Arn.  Vid.  Die  span.  form  läßt  arab.  Ursprung  annehmen 
und  muß  in  diesem  fälle  die  genaueste  sein;  aus  dem  prov.  nomin.  alma- 
tracs  konnte  die  franz.,  hieraus  die  ital.  entstehn.  Als  das  arab.  etymon 
gibt  Sousa  al-ma'trah  an,  aus  der  würzet  ctara(ha,  dem  er  die  bedeutung 
der  roman.  Wörter  beilegt;  bei  Freytag  III,  47"  heißt  es  nur  'locus,  quo 
quid  prejicitur,  aber  auch  in  der  bed.  küssen  wird  es  angeführt  (Dozy 
p.  63),  welche  bedeutung  auch  ein  anderes  wort  aus  derselben  würzet, 
ohne  vorgefügtes  m,  '^>\Jo  ausdrückt.  Dahin  pg.  madrago  fautenzer? 
vgl  unten  poltro.  * 

Matto   it.,   sp.  pg.  mate,  pr.  fr.  mat   schachmatt,  pr.  altfr.  auch 


208  L   MATTONE— MEDES. 

niedergeschlagen,  traurig,  daher  mhd.  mat,  nhd.  matt,  s.  Grimm  IV,  881, 
Weigernd,  Synon.  wb.  II,  306 ;  abgekürzt  aus  it.  scaecomatto,  sp.  xaque 
y  mate,  xaquimate,  fr.  6chec  et  mat,  vom  pers.  schäch  mat  'der  könig 
ist  todt\  Vb.  it.  mattare,  pr.  matar,  fr.  mater  matt  setzen  im  schach 
{sp.  dar  mate),  dsgl.  demüthigen;  altfr.  amatir  LEs.  25,  MGar.  v.  805. 

Mat  tone  it.  backstein,  fr.  mdartl.  maton,  cat.  matö  r ahmkäse.  Man 
darf  es  wohl  wagen,  diese  Wörter  als  identisch  zusammenzustellen  und  sie 
aus  dem  dtschen  matz,  matte  (käsematte)  herzuleiten,  pic.  matte,  da  sich 
der  backstein  nach  Zubereitung  und  formung  dem  käse  vergleicht,  überdies 
altfr.  maton  sowohl  eine  art  käskuchen  wie  auch  backstein  bedeutet.  Mura- 
tori9s  herleitung  von  mattone  aus  lat.  maltha  ist  ganz  unstatthaft.  Hieher 
wohl  auch  lomb.  natta  schlechter  käse  (n  öfter  aus  m). 

Mazza  it.,  sp.  pg.  maza,  pr.  massa,  fr.  masse  (sonst  mace  geschr.) 
kolben,  streitkolben;  dsgl.  it.  mazzo,  sp.  mazo  sdüägd,  auch  bündd; 
vb.  it.  mazzare  (in  mazza-sette  u.  a.,  auch  comask.  maza),  chw.  sp. 
mazar,  pr.  massar  prügeln,  niederschlagen,  it.  ammazzare,  daher  wohl 
unser  metzen.  Eine  weitere  dbl.  ist  altpg.  massuca,  massua  SRos.,  fr. 
massue,  pic.  machuque  heule,  ngr.  fiattpi-nux,  wal.  meciuee.  Mazza  macht 
kein  großes  bedenken,  es  ist  lat.  matea  (vgl.  piazza  aus  pl&tea),  wovon 
sich  in  einer  stelle  bei  Cato  R.  R.  nur  die  dbl.  mateöla  schlaget  erhalten 
hatr  it.  mazznola,  pr.  massola  kleiner  klöpfel. 

Medaglia  it.,  sp.  medalla,  fr.  mödaille  Schaumünze;  augment.  me- 
daglione  ff.  Die  bemerkte  bedeutung  hat  das  wort  erst  später  empfamr 
gen.  In  der  ersten  hälfte  des  12.  jh.  ist  lat.  medallia,  medalla  eine  ge- 
ringe münze  und  diese  bedeutung  hat  auch  altit.  medaglia,  altpg.  inealha 
SRos.,  altsp.  meaja  Bc.,  pr.  mealha  GO.,  fr.  maille  statt  m6aille;  die 
formen  mit  d  sind  wahrscheinlich  aus  dem  ital.  Gleichbedeutend  ist  das 
aus  dem  mlatein  geschöpfte  ahd.  medilla,  medili,  mhd.  medele,  doch 
brauchte  man  das  wofi  in  Frankreich  auch  von  goldmünzen  (medailhe 
d'aur  DC).  Aus  medius,  medialis  für  dimidius  konnte  es  nicht  entsprin- 
gen trotz  der  deutung  des  Guill.  Brito:  obolus  dicitur  medalia  i.  e.  me- 
dietas  nummi,  es  hätte  it.  mezzaglia  oder  wenigstens  mediaglia  geben 
müssen;  auch  nicht  wohl  unmittelbar  aus  metallum.  Es  hat  vielmehr  seinen 
Ursprung,  wie  zahlreiche  andre  substantiva,  in  einem  adjeetiv  mü  dm 
sufßx  eus,  metalleus,  metallea;  daher  auch  sp.  metalla  goldblättchen. 
Auch  im  fr.  m&ail  für  mötal,  pr.  metalh,  spürt  man  die  einwirkung  des 
adj.  metalleus,  das  übrigens  nicht  classisch  ist. 

Med  es  altpg.,  pr.  medeis,  meteis,  in  der  alten  Pass.  Chr.  noch 
medeps;  von  met-ipse,  met-ipsum:  per  mi  meteis  =  per  memet  ipsum, 
se  mezeis  ==  semet  ipsum  u.  s.  w.  -  Eine  superlativische  form  davon  iti 
pr.  smetessme  im  Boethius,  sonst  medesme,  altfr.  meisme,  nfr.  ni&ine, 
altsp.  meismo,  neusp.  mismo,  pg.  mesmo,  it.  medesimo,  chw.  medem,  auch 
venez.  und  piem.  ohne  s  medemo,  medem,  wald.  meseynie,  lat.  gleichsam 
semetipsiraus,  metipsimus  für  semetipsissimus,  metipsissimus,  s.  Rom. 
gramm.  II,  449. 


I.   MEGE-MENTAR.  209 

Mege,  menge  altsp.,  cltpg.  meye,  pr.  metge,  altfr.  mege  arzt,  noch 
jetzt  limous.  medze  wundarzt,  {hier arzt;  von  medicus.  Daher  altsp. 
mengia  arzenei.  Ein  andrer  Sprößling  von  medicus  ist  altfr.  medicien, 
neufr.  niädecin:  so  altfr.  Philist ien,  neufr.  Philistin. 

Membrare  it.,  altsp.  pr.  membrar,  altfr.  membrer,  mit  anlauten- 
dem n  altsp.  nembrar  Alx.,  FJ.,  attpg.  pr.  dieselbe  form,  mit  aniaut.  1 
pg.  lembrar,  occit.  lembrä  erinnern;  von  memorare,  woher  auch  das  adj. 
membrado,  membrat,  membrä  besonnen,  klug.  Seltsam  ist  das  neupr. 
memembri,  das  an  meminisse  erinnert,  ober  doch  wohl  nur  aus  remem- 
brä  entstellt  ist  AUpg.  reimbrar  SRos.  wird  aus  renimbrar  syncopiert  sein. 
Menare  it.,  altsp.  pr.  cot.  menar  (erster es  Alx.,  Rc.),  pg.  fehlt,  fr. 
mener  führen,  leiten,  figürl.  betreiben,  verrichten,  ausführen,  daher  sbst. 
it.  pr.  mena  betreibung,  geschäß,  auch  beschaff enheit.  Neben  lat.  minari 
drehen  bestand  ein  unclassisches  activ  miliare  das  vieh  antreiben  durch 
drohungen  und  andre  mittel,  und  so  braucht  es  Apulejus:  asinos  et  equum 
sareinis  onerant  et  minantes  baculis  exigunt,  vgl.  agasones  equos  agentes 
i.  e.  minantes  Paulus  ex  Festo.  Bei  dieser  bedeutung  ist  die  wal.  spräche 
ungefähr  stehen  geblieben,  muna  heißt  treiben  z.  b.  ochsen,  wegtreiben,  ver- 
jagen, aber  doch  auch  eine  Sache,  ein  geschäß  treiben.  In  den  übrigen 
sprachen  ward  ihm  allmählich  die  bed.  ducere,  deducere  zu  theil:  mener 
nn  cheval  ist  etwas  anders  als  equum  minare,  wiewohl  es  in  seiner  an- 
Wendung  auch  mit  dem  lat.  worte  zusammentreffen  kann,  denn  mener  les 
betes  boire  ist  minare  (appellere)  bestias  ad  bibendum.  Jene  wahrhaft 
roman.  aus  dem  gemeinen  redegebrauch  entwickelte  bedeutung  ist  auch 
dem  ndatein  früh  geläufig  geworden:  minare,  sagt  Papias,  c ducere  de  loco 
ad  locum,  promovere'  Die  gleichfalls  nur  bei  Apulejus  vorßndliche  zss. 
prominare  s.  v.  a.  minare  fand  nur  im  franz.  aufnähme,  aber  aus  dem 
alten  und  richtigen  pourmener  spazieren  führen,  se  pourmener  spazieren 
gehn,  machte  man  später  promener,  se  promener,  das  B.  Stephanus  (1539) 
noch  nicJd  hat,  Nicot  (1573)  *chon  kennt,  und  so  ward  auch  pourmenoir 
Spaziergang  durch  das  Hausierende  promenade  verdrängt.  Über  mhd. 
meuen  s.  Wb.  II,  135. 

Menoscabo  sp.  pg.,  altpg.  mazeabo  SBos.,  pr.  mescap,  fr.  mäcbef 
vertust,  unheil;  eigentl.  Übler  ausgang,  von  cabo  ende,  lat.  caput;  vb.  nie- 
noscabar,  mescabar,  altfr.  meschever  (meseaver  Antioch.  I,  40). 

Menovare  it.,  sp.  menguar,  pg.  mingoar,  pr.  minuar,  cot.  minvar, 
fr.  di-minuer  vermindern;  sbst.  sp.  mengua,  pg.  mingoa  mangel.  Lat. 
minuere  ist  eins  der  wenigen  verba  dritter  conj.,  die  schon  in  frühester 
zeit  in  die  erste  auswichen:  minuare  liest  man  in  Urkunden  des  6.  7.  und 
8.  jh.  nicht  selten,  s.  z.  b.  Rreq.  num.  13  (v.  j.  528),  n.  131  (v.  j.  653), 
auch  Esp.  sagt.  XI,  129.  Im  sp.  menguar  härtete  sich  der  diphthong 
u4  in  gua,  wie  dies  ja  mit  deutschem  ud  (wa)  gleichfalls  geschah;  ein 
andres  beispid  dieser  ort  ist  mangual  aus  manualis,  s.  Rom.  gramm.  I,  325. 
Mentar  sp.  pg.,  altfr.  menter  (qui  li  mentoit  la  mort  RCam.  p. 
326)  erwähnen,  erinnerlich  machen;  zsgs.  it.  ammentare,  ramuientare, 


210  I.   MENTE-MENTRE. 

altpg.  amentar  SRos.,  altsp.  enmentar  z.  b.  Apol.  629.  682  mit  gl.  bed.; 
von  mens,  wobei  vielleicht  ammentare  die  älteste  büdung  ist.  Eigenthüm- 
lich  hat  sich  dies  verbum  in  den  nordwestlichen  sprachen  gestaltet:  pr. 
mentaure,  amentaver,  dltfr.  mentoivre,  mente  voir,  amentoivre,  amen- 
tevoir,  ramentevoir  (letzteres  noch  bei  Moliere),  worin  man  eine  zss.  aus 
mente  habere,  ad  mentem  habere,  vgl.  it.  avere  a  mente,  erkennt,  so  daß 
es  aus  seiner  ursprünglichen  bed.  gedenken  in  die  faäitive  gedenken  machen 
übergetreten  wäre  (beispide  dieser  ort  Rom.  gramm.  III,  114).  Vielleicht 
ist  das  sonst  unerklärliche  it.  mentovare  aus  men  tevoir  verderbt.  Hie- 
her auch  it.  elementare,  sp.  elementar  bethören,  dltfr.  dementer  toben, 
sich  unsinnig  gebärden,  lat.  dementare  in  letzterer  bed.  bei  Lactantius; 
dsgl.  it.  dimenticare  vergessen. 

Mente  it.  sp.  pg.  (altsp.  mientre),  pr.  men,  fr.  ment,  wal.  fehlt, 
adverbialsuffix  gefügt  an  das  feminin  der  adjeetiva,  s.  das  nähere  Born, 
gramm.  II,  462,  Blanc  620.  Es  ist  der  ablativ  des  lat.  mens  sede,  ge- 
danke,  absieht,  von  den  Römern  nur  im  eigentlichen  sinne  (bona,  devota, 
placida,  celeri  mente),  allmählich  aber  in  der  bed.  ort  und  weise  ange- 
wandt, indem  man  die  absieht  oder  meinung  auf  die  erscheinung  hinaus- 
führte und  also  auch  breve-mente,  perfetta-mente,  altra-mente  auf  kurze, 
vollkommne,  andre  weise  u.  dgl.  sagte.  Dieselbe  anwendung  gestattet, 
wenn  auch  in  beschränkterem  maße,  das  mhd.  ahte  1)  ansieht,  gesinmmg, 
urtheü,  2)  ort  und  weise,  so  wie  das  bair.  meinung  (auf  die  meinung  — 
auf  die  weise  u.  s.  f.,  s.  Schmäler,  der  auch  mente  vergleicht).  Die  sub- 
stantivische natur  des  roman.  Suffixes  aber  macht  sich  noch  darin  gellend, 
daß  es,  wenn  mehrere  dieser  adverbia  auf  einander  folgen,  im  span.  und 
port.  nur  an  dem  letzten  derselben  ausgedrückt  zu  werden  pflegt  (bella  y 
sutilmente),  ja  daß  in  alleren  mundarten  auch  das  erste  adverbium  jenes 
suffix  für  die  übrigen  vertreten  kann:  pr.  sanetament  e  devota  Chx.  VI, 
315,  alteat.  fellonament  et  desordenada  Chr.  (TEscl.  p.  602*. 

Mentre  it.  pr.  dltfr.,  sp.  mientras,  altsp.  mientre,  altpg.  mentres, 
Partikel,  dem  lat.  dum  oder  auch  interim  entsprechend;  dsgl.  altit.  do- 
rn entre,  altsp.  demientras,  pr.  domentre,  dementre,  dltfr.  dementre, 
dementres,  überdies  auch  dltfr.  endementres,  altpg.  emmentres  u.  dgl. 
Darf  man  das  veraltete  domentre  als  die  grundform  annehmen,  so  liegt, 
wie  schon  Muratori  wollte,  die  entstehung  aus  dam  interim  (mit  regelrecht 
abgestoßenem  auslautenden  m)  nahe  genug  und  grade  der  pleonasmus  ist 
ganz  volksmäßiger  ort;  das  anlautende  do  konnte  im  gefuhl  analoger  bU- 
dungen  (domani,  domandare)  leicht  mit  der  partikel  de  verwechselt  und 
darum  als  nicht  wesentlich  abgestoßen  werden.  Herleitung  aus  dnm  mente 
(wie  quasimente)  findet  in  dem  ausbleiben  der  form  domente  (ohne  r) 
ihre  schtoierigkeit,  nur  im  altgenues.  begegnet  demente,  s.  Archiv,  stör, 
ital.  app.  num.  18.  p.  33,  im  altmaü.  auch  domente  (Bonvesin),  ünprov. 
das  ganz  vereinzelte  mens  que,  domenhs  que.  Für  den  bemerkten  Ursprung 
läßt  sich  auch  das  dltfr.  dementiers,  dementieres  anführen,  das  zwar 
nicht  aus  dum  interim,  wohl  aber  aus  dem  nahe  liegenden  dum  int&ea 


L   MENZOGNA— MERLO.  211 

mit  diphthongierung  des  betonten  e  entstehen  konnte.  Für  das  altfr.  en- 
tremente,  das  hier  noch  heranzuziehen  ist,  würde  sich  allerdings  interea 
mente  aufstellen  lassen;  piem.  tramantre  (tra  =  fr.  entre)  zeigt  wieder 
das  kritische  r.  Pott,  Forsch.  II,  100,  construiert  mentre  aus  in  inter 
mit  Verwandlung  des  ersten  n  in  m;  wirklich  kennt  die  mail.  mundart 
eine  präp.  in-enter,  Bonvesin  ein  adv.  mintro  (für  infino,  z.  b.  mintro  mö 
fin  qui),  das  sich  nur  aus  in  intro  deuten  läßt,  aber  solche  aissimüationen 
sind  selten  gemeinromanisch  und  selbst  die  anwendung  der  haaren  präp. 
inter  als  conjunction  eine  ungewöhnliche  freiheit.  Im  altitcd.  begegnet 
noch  ein  adv.  intröcqne  Inf.  20,  130  für  interea,  das  sieh  aus  inter  hoc 
mit  euphonischem  suffix  erklären  muß. 

Menzogna  it.,  pr.  mensonga,  mensonja,  fr.  mensonge  lüge.  Non 
a  raentis  somnium,  quod  est  Sylvii  somnium,  bemerkt  Ferrari  v.  men- 
tovare  gegen  Syltrius.  Es  ist  zunächst  aus  mentitio,  pr.  mentizo,  gewiß 
aber,  da  sich  nur  sehr  wenige  ableitungen  mit  oneus  und  darunter  gar 
keine  abstraeta  vorfinden,  eine  bloße  ahbüdung  an  das  sinnverwandte 
ealogna,  calonja,  chalonge  verläumdung.  Die  prov.  form  mesonega  Ev. 
Joh.  8,  44  (ed.  Qiüy)  wird  diese  deutung  nicht  entkräften,  zu  abgeschmackt 
wäre  eine  abl.  mentitionica:  e  ist  bloß  eingeschoben.  Das  Span,  und  port. 
wort  ist  mentira:  dafür  besitzt  der  Catalane  so  wie  der  Sarde  das  rich- 
tig gebildete  mentida,  und  nur  als  eine  entstellung  desselben  läßt  sich  das 
unbegreifliche  span.  wort,  welches  vielleicht  auch  das  picard.  menttrie  her- 
vorgerufen, begreifen,  vgl.  lampara  aus  lampada.  Aus  der  altmail.  mund- 
art kann  man  noch  eine  zweite  anbildung  dieser  ort  aufzeigen,  cativonia 
Schlechtigkeit  Bonves.  disp.  muscae  cum  formica  v.  35.  160. 

Merce  it.,  sp.  merced,  pg.  pr.  merce,  fr.  merci  gnade,  auch  dank; 
van  merces  lohn,  im  frühsten  ndatein,  z.  b.  bei  Gregor  d.  gr.,  schon  in 
der  bed.  misericordia.  Daher  pr.  merceiar,  altfr.  mercier,  nfr.  remer- 
cier  danken. 

Mercoledi,  mercordi  it.,  fr.  mercredi,  pr.  dimercres,  cot.  dimecres 
mütwoch,  von  Mercurii  dies,  dies  Mercurii;  sp.  miörcoles,  pr.  auch 
mercres  mit  derselben  endung  wie  in  martes  (s.  martedi),  it.  auch  m£r- 
core,  toal.  miärcmi.  Statt  dessen  sagt  man  in  ital.  mundarten  mez- 
6dima  =  media  hebdomas  mittewoche,  mittwoch,  s.  Cherubini  und  Archiv. 
star.  üal.  app.  num.  20,  p.  41,  churw.  maz-eamda;  man  gab  also  den 
gatternamen  auf  wie  im  deutschen,  worin,  nachweislich  nicht  vor  dem  ende 
des  10.  Jahrhunderts,  der  mittwoch  an  die  steile  des  wodanstages  trat. 
Auch  slavisch  heißt  er  die  mitte,  slovenisch  z.  b.  sreda.  Für  das  sp. 
miercoles  hat  der  Portugiese  das  den  tag  zählende  quarta  feira  wie  ngr. 

Merlo,  merla  it.  zinne  der  mauer;  abgel.  sp.  merlon,  pg.  merläo, 
/r.merlon;  vb.  it.  merlare,  pr.  merlar  mit  zinnen  versehen.  Ansprechend 
ist  die  bei  Bclza,  Vocab.  genet.,  bemerkte  herleitung  aus  dem  archaisti- 
schen auch  auf  einer  inschrift  Orell.  n.  566  vorkommenden  moerus  für 
mnrus,  dimin.  moeralus,  und  nur  aus  dem  offenen  e,   das  dem  lat.  oe 


212  I.   MERLUZZO— META. 

sonst  nicht  gemäß  ist,  läßt  sich  ein  leichter  einwand  dagegen  erheben. 
Nach  Menage  kommt  es  vom  lat.  mina,  dimin.  minula,  endlich  mirula 
u.  s.  w.;  besser  als  von  mirari,  woraus  Muratori,  Ant.  ital.  II,  468.  es 
deuten  möchte.  In  anschlag  kommt  endlich  auch  das  sie.  mergula  (altsard. 
merguleri  Spanu)  mauerzinne,  das  aus  lat.  merga  gäbet  abgeleitet  sein 
muß  und  ursprünglich  zinke  der  gäbet  bedeuten  mochte,  womit  sich  die 
zacken  der  mauer  passend  vergleiclien  ließen. 

Merluzzo  iL,  pr.  merlus,  fem.  sp.  merluza,  fr.  merluche  Stock- 
fisch; wird  für  eine  Zusammensetzung  aus  marislucins  (seeheckt)  gehauen, 
um  so  richtiger  als  in  der  catal.  mundart  schon  das  einfache  llus  (lucius) 
dem  begriffe  genügt,  also  keine  ableitung  marl-uzzo  gestattet  ist. 

Merme  altfr.  klein,  gering;  von  minimus  wie  arme  von  anima. 
Daher  sbst.  sp.  merma,  pr.  mermaria  Verringerung;  comask.  marmaria, 
ital.  marmaglia  geringes  volk;  comask.  marmel,  cremon.  marmeleen 
kleiner  finget;  vb.  sp.  pr.  m  er  mar  sich  vermindern. 

Meschino  it.,  sp.  mezquino,  pr.  mesqui,  fr.  mesquin,  altfr.  auch 
ine8chin  arm,  elend;  vom  arab.  mesktn  mit  gl.  bed.,  dies  vom  vb.  sakana 
Freyt.  II,  335b.  Die  herkunft  des  Wortes  ist  eine  altbekannte:  Saraceni 
mischinum  mendicum  vocant  Gloss.  paris.  (Pfeiffers  Germama  VIII,  395). 
Prov.  und  altfr.  heißt  es  auch  schwach,  zart,  meschin  daher  knabe,  me- 
schine  magdlein,  it.  meschina,  wallon.  meskene  magd. 

Messa  it.,  sp.  misa,  fr.  messe  messe,  messopfer;  bekanntlich  von 
missa  est  sc.  concio,  mit  welchen  Worten  der  diaconus  die  Versammlung 
entließ.  Andrer  meinung  ist  Ferrari,  der  messa  für  gleichbed.  hält  mit 
oblatio,  gäbe,  opfer.    S.  Ducange. 

Mestiero,  mestiere  iL,  sp.  altpg.  menester,  neupg.  mister,  pr. 
menestier,  mestier,  fr.  mutier  geschäft,  hantierung,  gewerbe,  handwerk; 
von  ministerium  dienst,  Verrichtung,  nUat.  muliercula,  quae  textrieis  fun- 
gebatur  officio  .  .  .  habebat  cooperatricem,  quae  ejusdem  erat  mini- 
sterii  Aimoin.  Daher  sp.  pr.  menestral,  pg.  menestrel,  altfr.  menestrel, 
später  inenestrier,  män&rier  handwerker,  künstler,  musiker,  nüat.  mini- 
sterialis  diener  des  hauses,  wie  noch  altfr.  im  Alexiuslied  65;  eine  noch 
ältere  franz.  form  in  den  Liv.  d.  rois  p.  235:  d^meiseles  menestrales 
mulieres  meretrices.  Wie  mestiere  die  bed.  von  opus  ausdrückt,  so  aucJi 
it.  e  n^estiere,  fa  mestiere,  sp.  es  menester  die  von  opus  est. 

Mestizo  sp.,  pr.  mestis,  fr.  mätis,  iL  (in  einigen  wbb.)  metiecio 
Und  von  altern  verschiedener  race,  ursprünglich  auch  verschiedenes  Stan- 
des; gleichsam  mixticius. 

Meta  it.  (mit  geschlossenem  e)  misthaufe,  lomb.  meda  häufe  heu, 
holz  u.  dgl.,  sard.  überhaupt  menge,  sp.  pg.  meda  häufe  garben,  altfr. 
moie;  von  meta  kegelförmige  figur.  Abgd.  pg.  medäo  häufe,  medäo  de 
areia  sandhügel,  sp.  in  letzterer  bed.  m£dano  und  selbst  durch  vertau- 
schung des  d  mit  g  m6gano;  dsgl.  sp.  al-mear  heuschober  für  almedar. 
Das  lat.  wort  spaltet  sich  eigentlich  in  zwei  romanische  mit  verschiedener 
bedeutung:  neben  den  genannten  fonnen  steM  it.  meta  (mit  offnem  e),  sp. 


I.   METTERE-MIGLIO.  213 

meta,  c&tfr.  mete,  mette,  noch  jetzt  picard.  niäte,  gränzstein,  gränze,  ge- 
wohnlich  eines  grundstückes,  aber  auch  eines  Staates. 

Metter e  it.  ff.  (fehlt  weil.)  legen,  setzen.  Lot.  mittere  (gehn  lassen, 
schicken)  war  schon  fähig,  die  nahliegende  bed.  ponere  auszudrücken:  so 
sagt  Seneca  rnamis  ad  arma  mittere,  so  Lactantius  gleichbed.  fundamenta 
ponere  und  fundamenta  mittere,  so  später  die  L.  Seil,  super  cubitum 
manum  mittere,  mittere  manum  super  fortunam  alicujus,  caput  mittere 
in  palo  (hineinstecken),  s.  Pott  über  die  Lex.  Sal.  166,  PUxttlat.  388. 
Die  grundbedeutung  aber  schwand  dem  Romanen,  ausgenommen  in  trans- 
mitted, völlig. 

Mezzo  it.,  wal.  mez,  sp.  medio,  pg.  meio,  pr.  mieg  muten,  halb, 
von  medius;  präpositional  fr.  parmi  =  it.  per  mezzo;  pr.  enmieg,  altfr. 
enmi  =  it.  in  mezzo.  Abgd.  it.  mezzano,  sp.  mediano,  pr.  meia,  fr. 
moyen,  von  medianus  bei  spätem;  it.  meta,  mitad  (meatad  PC.  522), 
pr.  meitad,  fr.  moitiä  hälfte,  von  medietas,  das  Cicero  ungerne,  die 
spätem  aber  häufig  brauchten ;  daher  fr.  mötayer,  npr.  meytadier  pach- 
ter  oder  meier,  der  den  ertrag  zur  hälfte  mit  dem  eigenthümer  theüt,  hal- 
fen, mlat.  medietarius:  fr.  m&airie  meierhof  —  Aber  altfr.  mit  an  (m.), 
woher  mitanier  pachter  und  wohl  auch  nfr.  mitaine  fausthandschuh  (ge- 
theilter  handschüh)  werden  sich  schwerlich  aus  medietas  ableiten  lassen 
und  scheinen,  wie  schon  andre  aufgestellt  haben,  aus  unserm  mitte  ent- 
standen, nach  Grandgagnage  aus  ahd.  mittamo. 

Mica,  miga  it.  pr.,  fr.  mie  eine  partikel  zur  Verstärkung  der  ne- 
gation;  von  mica  krumchen,  bißchen,  daher  auch  wal.  nimic  für  Tat.  nihil. 
Subst.  fr.  midie  stück  brot. 

Miccia  it.,  sp.  pg.  pr.  mecha,  fr.  m&che  docht,  lunte;  von  myxa, 
eigentl.  diile  der  lampe,  aber  schon  im  altern  nüatein,  wo  es  auch  nixa 
lautet  (vgl.  niccia  MSnage,  Orig.  ital.,  limous.  netse),  s.  v.  a.  ellychnium. 
Das  wort  muß  aber  aus  dem  franz.,  wo  sich  x  in  ch  umbilden  kann 
(laxus  lache)  den  übrigen  sprachen  mitgetheilt  sein,  wie  es  denn  auch 
dort  zu  den  meisten  bedeutungen  gelangt  ist.  —  Prov.  findet  sich  auch 
meca,  das  sich  zu  mecha  verhält  wie  coca  zu  cocha:  die  mit  c  sind  un- 
organische durch  den  häufigen  Wechsel  zwischen  c  und  ch  (boca  bocha, 
lecar  lechar)  veranüaßte  formen  (rückbildungen). 

Micio,  micia  it,  sp.  micho,  mizo,  miza,  miz,  wal.  mutzu,  mutzij, 
altfr.  mite  kotze;  naturausdruck  d.  h.  ein  nach  der  stimme  des  (hier es 
gemachter  schmeichdname  wie  unser  miez  (über  welches  jedoch  Weigand 
II,  159  andrer  meinung  ist).  Abgd.  fr.  mitou  und  matou  kaier,  ähnlich 
wd.  mntöc.  Zsgs.  fr.  chatte -mite  Schmeichlerin,  vgl.  das  Sprichwort 
«e  Fune  est  chate,  l'autre  est  mite  Ren.  I,  p.  6,  vollkommene  gleichheit 
der  gesimiung  auszudrücken.  Eine  andre  form  für  it.  micio  ist  muci, 
mucia,  muscia,  latinisiert  niusio,  welches  Papias  gegen  die  lateinischen 
Sprachgesetze,  die  jedenfalls  murio  verlangten,  aus  mus  herleitd. 

Miglio  it.,  fr.  mille  (m.,  aus  dem  ital.),  sp.  pr.  fem.  milla  ein 
längenmaß  ursprünglich  von  tausend  schritten,  besonders  in  Italien  üblich, 


214  I.    MILAN0-M1NA. 

ahd.  mila,  milla,  nhd.  meile ;  von  millia  für  mille  passns,  daher  der  itai. 
plur.  miglia,  woraus  der  sing,  erst  entstanden  sein  muß. 

Milano  sp.,  pg.  milhano,  pr.  fr.  milan  kühner geier;  von  milnanus 
abgd.  aus  miluus,  woraus  erst  später  milvus  geworden  (Ritschi  im  Rhein. 
Museum  für  phä.  N.  F.  VII,  598)  zur  aufhebung  des  hiatus.  Zu  miluus 
stimmt  auch  das  bask.  mirua  für  miruua,  indem  tat.  1  hier  öfters  in  r 
übergeht.     Vb.  sp.  amilanar,  s.  oben  astore. 

Milza  it.,  sp.  melsa,  neupr.  melso,  dauph.  milza,  bürg,  misse  müz; 
vom  ahd.  milzi  (n.?)  vgl.  aiban.  meltzi  lebet.  Andre  formen  sind:  maü. 
nilza,  chw.  snieulza,  weit  stärker  abweichend  neupr.  melco  und  melfo,  s. 
Honnorat.  Sonderbar  ist  das  venez.  spienza,  worin  sieh  spien  und  milz 
begegnen;  erster  es  findet  sich  auch  im  sard.  spreni,  im  wal.  splene.  Dasu 
das  ital.  adj.  smilzo  schlaff,  leer  des  leibes,  mutlos. 

Mina  it.  sp.  pg.,  pr.  mina,  mena,  fr.  mine,  wallon.  meinn  schockt, 
erzgrube;  vb.  it.  minare,  sp.  pg.  pr.  minar,  fr.  watton.  miner  untergra- 
ben. Daher  altsp.  minera,  pr.  meniera,  fr.  minifere  bergwerk,  wal. 
minere  erzstufe;  hiervon  it.  minerale,  sp.  pr.  miaersA,  fr.  minäral.  Man 
findet  den  Ursprung  des  wortes  im  tat.  minare  oder  rom.  menare  führen, 
betreiben,  vgl.  pr.  meHar  secretz  geheimnisse  betreiben,  mlat.  minare  con- 
8iliom  einen  anschlag  bereiten,  minas  parare  nachstettungen  ins  werk 
setzen.  Hiernach  ist  mina  zuerst  geheimer  anschlag,  getriebe,  in  beziehung 
auf  einen  belagerten  ort  geheimer  gang  zur  Untergrabung  der  mauer, 
demnächst  auf  den  bergbau  angewandt.  Dieser  wandet  des  begriffs  hat 
nichts  unwahrscheinliches:  ganz  ähnlich  legte  man  dem  it.  doccia  von 
ducere  die  bed.  canal  bei.  Auffallend  ist  nur  die  Abweichung  des  richtigen 
e  in  i;  geschah  es  zur  Unterscheidung  der  begriffe  c  führen  menare  und 
1 graben  minare?  Buchstäblicher  Zusammenhang  mit  hymr.  mwn  masse, 
mine,  ist  nicht  anzunehmen;  wie  sich  gael.  m&n  zu  engl,  mine,  rom.  mina, 
verhält,  wäre  wohl  noch  genauer  festzustellen,  s.  über  letztem  punct  Diefen- 
back,  Cdt.  I,  71.  —  Mine  fr.  Haltung,  gebärde,  ansehn,  daher  nhd.  miene, 
engl,  mien,  scheint  man  ohne  gründ  vom  gesammtrom.  mina  zu  trennen, 
da  es  gleichfalls  von  menare  (pr.  mena,  s.  oben)  herstammen  kann,  indem 
es  die  äußere  führung  oder  haltung,  etwa  wie  gestus  von  gerere,  aus- 
drückt: pr.  se  menar  in  der  bed.  sich  benehmen,  s.  das  Katharische 
ritual  p.  30. 

Mina  dUUmous.  großmütterchen,  gase,  menina,  sard .  minnanna  dass., 
pg.  minino,  menino  knäbchen,  minina,  menina  mädchen,  sp.  menino  edel- 
knabe,  menina  hoffräulein,  neupr.  menig  klein,  bearn.  menit  Und,  norm. 
minet,  minette  dass.,  wohl  auch  romagn.  minen,  fr.  minon,  minette  Kätz- 
chen, (bair.  minni),  henneg.  minette  mädchen,  cot.  minyö  bübchen,  welches 
aber  an  fr.  mignon  erinnert;  auch  sicil.  minna  mutterbrust?  Der  stamm 
fordert  langes  i  (das  erst  in  abll.  zu  e  wird)  und  dies  bietet  das  gael. 
adj.  min  Mein,  artig,  das  sich  wohl  zur  bildung  von  kosewörtern  eignet. 
—  [Beachtenswerth  ist,  was  Mahn  p.  120  einwendet.  Das  gaelisch-irische 
min  laute  bretonisch  man  und   dessen  aneignung  würde  dem  Romanen 


I.   MINACCIA-MODANO.  215 

doch  wohl  näher  gelegen  haben  als  die  des  ersteren  Wortes.  Zeuß  I,  117 
stellt  irisch  min,  kymr.  mwyn,  bret.  moan  zusammen:  ich  erblickte,  viel- 
leicht irrthümlich,  in  min  die  primäre  celüsche  form,  auf  welche  es  bei 
einem  über  alle  romanischen  provinzen  verbreiteten  worte  ankommen  mußte. 
Nach  Mahn  hat  dieses  wort  eine  ganz  nah  liegende,  lateinische  quelle, 
minimus,  erweitert  miniminus,  mit  ausgestoßenem  im  mininus.  Aber 
wäre  der  sprachgesetzliche  Vorgang  nicht  minminus  miminus  gewesen?] 

Minaccia  it.,  sp.  amenaza,  pr.  menassa,  fr.  menace  drohung;  von 
minaciae  für  minae,  nur  bei  Plautus. 

Miniare  it.  fein  illuminieren,  sp.  miniar  punctieren,  mlat.  miniare 
mit  mennig,  minium,  schreiben  und  zeichnen,  daher  miniatura  kleines  ge~ 
meide,  wie  es  in  Handschriften  vorkommt.  Von  minium  leitet  Menage 
auch  it.  mignatta  blutegd,  weil  er  roth  gezeichnet  sei. 

Minato  it.,  sp.  menudo,  pg.  miudo,  pr.  menut,  fr.  mena  klein; 
von  minatas.  Sbst.  it.  sp.  minuto,  fr.  minute  (f)  der  60.  theil  einer 
stunde,  eigentt.  minato  primo  die  erste  Verkleinerung  oder  eintheilung; 
minuto  gecondo,  fr.  seconde  (f.)  der  60.  theil  einer  minute,  die  zweite 
eintheilung;  minuto  terzo,  fr.  tierce  (f.)  der  60.  theil  einer  secunde.  Von 
fr.  menu  «Ernennet  tanz  mit  kleinen  schritten.  Vb.  minuzzare  it.,  pr. 
menuzar,  dttfr.  menuiser  klein  machen,  zerschneiden,  gleichsam  minutiare. 
Hieven  das  franz.  sbst.  menuisier  sehr  einer. 

Mirabella  it.,  sp.  mirabel,  fr.  mirabelle  eine  art  kleiner  gelblicher 
pflaumen.  Italien  nennt  diese  pflaume  auch  mirabolano ;  das  gleichlautende 
span.  wort  aber,  so  wie  das  fr.  myrobalan  =  gr.  fitQoßaXavog  bedeutet 
eine  aus  Indien  kommende  pflaume,  woraus  die  Alten  eine  salbe  (hvqov) 
bereiteten.  Man  scheint  also  in  Italien  den  namen  der  indischen  frucht 
auf  eine  einheimische  übertragen  und  ihn  nachher  durch  eine  Umbildung 
sich  näher  gerückt  zu  haben,  wobei  man  das  Originalwort  (mirabolano) 
auf  den  bäum  beschränkte,  während  es  im  span.  die  doppelte  bed.  frucht 
und  bäum  behauptet. 

Mis  it.,  fr.  m&,  m6,  pr.  mes,  mens,  sp.  pg.  menos  in  compositis 
mit  der  bed.  € nicht  recht,  nicht  gehörig',  ungefähr  dem  tat.  male,  besser 
noch  dem  deutschen  mis  entsprechend,  beweist  seine  herkunft  von  minus 
durch  die  südwestliche  form,  und  hat  mit  unserm  mis,  woraus  es  zuweilen 
noch  hergeleitet  wird,  keinen  Zusammenhang.  Ein  beispiel  ist  mis-pregiare, 
mens-,  mes-prezar,  m6-priser,  menos-  preciar  misachten,  s.  Rom.  gramm. 

11,434. 

Mischiare  und  mescolare  it.,  sp.  pg.  pr.  mezclar,  mesclar,  fr. 
meler  mischen,   im  altern  mlatein  misculare,  sbst.  it.  mifcchia  ff.;  von 

m 

miscere.  Eine  abl.  ist  fr.  m Klange  (noch  bei  Nicot  fem.,  jetzt  masc), 
pr.  mesclanha  gemischt  vgl.  dasselbe  suffix  in  louange,  laidange. 

Mita  sp.,  mite  fr.  milbe;  vom  ahd.  mizä,  ags.  mite,  ndd.  myte,  5. 
Grimm  IU,  366. 

Mödano,  mödine  it.,  sp.  pg.  umgestellt  molde,  pr.  molle,  fr.  moule, 
sard.  mogliu  muster;  von  modulus,  woraus  auch  mo  d  eil  o,  modelo,  modele. 


216  I.   MODERNO-MONTONE. 

Moderno  it.  sp.,  fr.  moderne  heutig;  von  modernus,  das  sieh  erst 
bei  Priscian  und  Cassiodor  findet,  abgel.  vom  adv.  modo  in  der  dem  frü- 
heren miatein  geläufigen  bed.  nunc,  daher  amodo  'von  jetzt  an,  vgl.  die 
ebenfalls  aus  adverbien  abgeleiteten  hodiernus,  hesternus,  sempiternus. 
Die  erklärung  aus  dem  subst.  modus  verträgt  sich  nicht  mit  der  bedeutung 
dieses  Wortes,  eben  so  wenig  die  aus  dem  erst  später  entstandenen  franz. 
fem.  mode. 

Moggio  it.,  sp.  moyo,  pr.  muei,  fr.  muid  ein  getreidemaß,  scheffel; 
von  modius.  Ein  sehr  altes  beispiel  des  frane.  Wortes  ist  in  den  Cass. 
glossen  moi  cmutt%,  vgl.  W.  Grimms  anmerhung. 

Moja  it.,  fr.  muire  (Trfo.)  Salzquelle,  Salzwasser,  vielleicht  auch  sp. 
murria  salbe  von  Jcnoblauch,  essig  und  salz;  von  muria.  Zsgs.  it.  sala- 
moja,  sp.  sal-muera,  pg.  sal-moura,  fr.  sau-mure,  wie  gr.  äX-fivQig. 

Molla  it.,  pg.  niola,  sp.  muelle  (m.)  Stahlfeder,  im  plur.  zange,  sp. 
molla  krume,  auch  wade;  abgel.  it.  molletta,  sp.  molleta  lichtputze 
(eigentl.  kleine  zange),  molledo  nebst  fr.  mollet  fleischiger  theil,  wade, 
sp.  molleja  kalbsdrüse,  it.  möllica  brosame  u.  a.  m.;  sämmüich  von  mollis 
weich  (daher  die  bed.  krume  und  ebenso  wade  d.  h.  weicher  theil  im 
gegensatz  zum  Schienbein),  biegsam  (daher  Stahlfeder,  staMzange).  Zu 
merken  noch  ital.  adj.  molle  feucht,  gleichfalls  von  mollis  in  der  bed. 
weich;  daher  denn  auch  vb.  it.  möllare  nachgeben,  ammollare  netzen, 
in  letzterer  bedeutung  pg.  pr.  molhar,  cot.  mullar,  fr.  mouiller,  sp.  mojar, 
d.  i.  molliare  {wie  roman.  levi-are,  gravi-are  aus  levis,  gravis);  sbst.pg. 
mölho,  sp.  moje  brühe.    Span,  mollera  s.  IL  b. 

Molo  it.,  sp.  muelle,  fr.  m61e  (m.)  hafendamm;  vom  gleichbed.  moles. 

Monna  it.,  sp.  pg.  mona,  neupr.  mouno,  bret.  mouna  affin,  äffe, 
daher  fr.  monnine.  Monna  hat  auch  die  bed.  von  madonna,  woraus  es 
zusammengezogen  ward:  muthmaßlich  brauchte  man  es  als  schmeichelwort 
von  der  affin. 

Monocordo  it.,  umgedeutet  mit  hinsieht  auf  manus,  sp.  pg.  mani- 
cordio,  fr.  manicordion  ein  Saiteninstrument;  vom  gr.  jttovdxoQÖov,  weil  es 
nur  eine  saite  enthielt,  vgl.  die  prov.  stelle  manicorda  ab  una  corda  LB. 

M  ontone  it.,pic.  monton,  ven.  moltone,  pr.  cot.  moltö,  pr.  altsp.  (Älx.) 
moton,  fr.  mouton  hammel.  Ein  mlat.  multo  geht  vielleicht  bis  in  das  8. 
jh.  hinauf:  multones  et  verveces  'widert  (hämmel)  Gl.  Schleust.  34,  2, 
multo  K  wider  Gl.  Flor.  p.  289b.  Ln  der  angegebenen  bedeutung  treffen 
olle  sprachen  zusammen,  wenn  auch  wohl  einmal,  wie  Livr.  d.  rois  p.  141, 
arieß  mit  mouton  übersetzt  oder  wenn  es  alteat.  durch  moltö  entegure' 
(lat.  integer)  ausgedrückt  wird.  Das  wort  begegnet  auch  auf  andern 
Sprachgebieten  und  zwar  in  primitiver  gestalt,  z.  b.  bair.  motz  (von  matzen 
schneiden  ?  fragt  Schmaler),  allein  die  herleitung  daraus  würde  die  probe 
nicht  bestehen,  zu  deutlich  zeigen  die  mundarten  die  form  molt,  abgeändert 
in  mont.  Ferner  altir.  molt  vervex  Zeuß  I,  78,  gael.  mult,  kymr.  mollt, 
corn.  molz,  bret.  maout,  aber  eine  überzeugende  cdt.  würzet  fehlt.  Ein 
besseres  und  ganz  bezeichnendes  primitiv   gewährt   die  roman.  spräche 


I.   MORA-MOSCIO.  •         217 

selbst:  neupr.  mout,  com.  mot,  chw.  mutt  verstümmelt,  welches  ohne  Schwie- 
rigkeit aus  tat.  mutilus  mit  versetztem  1  entstehen  konnte,  vgl.  neupr.  cabro 
monto  {attpr.  wäre  cabra  mouta)  eine  der  hörner  beraubte  siege,  wörtlich 
Columella's  eapella  mutila,  Schweiz,  muttli.  Das  aus  diesem  adjediv  ab- 
geleitete mouton  bedeutet  also,  wie  unser  hammel,  ein  verstümmeltes  (hier.  — 
[Beistimmt  Oaehet  p.  322h,  der  auch  ein  entsprechendes  dttfr.  wort  für 
hammel,  castrois,  anführt] 

Mora  it.  sehober  abgehauener  zweige,  sp.  moron  hügel,  fr.  (Schweiz) 
moraine  steingeröUe;  vgl.  bair.  mur  losgebrochenes  gestein,  Schmeller 
TT,  612.  —  [Nach  Weigernd  II,  213  scheinen  diese  Wörter  auf  das  mit 
mürbe  wurzelverwandte  altn.  mor  (feiner  staub)  zurückzugehn.] 

Morchia  und  morcia  it.,  sp.  morga,  richtiger  cot.  mail.  morca 
olschaum;  von  amurca. 

Morello  it.,  ältfr.  morel,  moreau,  aber  sp.  pg.  moreno  schwarz- 
braun; von  morus  maurisch,  schwärzlich.  Daher  auch  it.  pr.  morella, 
fr.  morelle  eine  pflanze,  nachtschatten.  Weiteres  bei  Roesler,  Etymologie 
der  farbenbezeichnungen  p.  6. 

Morione  it.,  sp.  morrion,  alt  murion,  pg.  morriäo,  ältfr.  morion 
Pickelhaube;  von  Ungewisser  herhunft.  Man  erinnert  dabei  an  das  sp. 
morra  schadet. 

Mormo  pg.,  sp.  muermo,  pr.  vorma  (jetzt  borm  m.),  fr.  morve  (f.), 
sie.  morvu  schleimige  feucktigkeit  der  nase,  im  span.  und  port.  eine  pferde- 
Irankheit.  Man  leitet  diese  Wörter  aus  morbus,  was  weder  den  begriff 
noch  die  form  recht  befriedigt,  wenigstens  wäre  nach  den  franz.  lautge- 
setzen  morbe  alsdann  richtiger  denn  morve.  Das  pr.  vorma  nähert  sich 
auffällend  dem  fr.  gourme  II.  c. 

Mortajo  it.,  sp.  mortero,  pr.  fr.  mortier,  wai.  mozäriu  mörser 
und  mörtd  (ital.  wal.  nur  ersteres) ;  von  mortarium  in  beiden  bedeutungen. 

Moschetto  it.,  sp.  mosquete,  fr.  mousquet  ein  feuergewehr,  ältfr. 
mon8chete,  ndat.  muscheta  ein  Wurfgeschoß,  bolzen ;  ursprüngl.  eine  kleinere 
ort  zur  beize  dienender  Sperber,  sp.  mosquet,  mosqueta,  fr.  6mouchet, 
it.  moscardo.  Waffen  nach  jagdvögeln  benannt  s.  unter  falcone.  Mosquet 
aber  hieß  dieser  Sperber  von  der  gesprenkelten  gleichsam  mit  mucken, 
mouches,  gezeichneten  brüst,  daher  auch  fr.  moucheter  sprenkeln.  S. 
Frisch  II,  310  •  v.  sprinz. 

Moscio  it.  schlaff,  welk,  sp.  mustio,  cat.  mox  düster,  nachlässig, 
pr.  raois  düster,  tückisch,  ältfr.  mois  Ben.,  woilon.  muss  {für  must  wie 
cregs  für  crest,  lat.  crista)  trübsinnig.  Buchstäblich  lassen  sich  alle  diese 
formen  im  lat.  musteus  vereinigen,  das  aber  fast  das  entgegengesetzte  aus- 
sagt (jung,  frisch).  Sind  sie  aus  mueidus  entstanden,  das  sich  durch 
Umstellung  in  mugdius  mustius  verwanddte  ?  Wie  aus  der  bed.  schimmlig 
die  bedd.  träge,  verdrießlich  erfolgen  können,  zeigt  der  artücel  muffo. 
Denselben  stamm  verräth  cat.  müstig  schlaff.  Auch  limous.  mousti, 
churw.  muost,  lomb.  moisc  feucht  (dumpfig)  scheinen  dieses  Ursprunges. 
Abgd.  ist  it.  ammoseire  ermatten,  welken,  pr. amosir  düster  werden Bth. 203. 


218  I.   MOSTACCIO-MUFFO. 

Mostaccio  it.,  sp.  mostacho,  fr.  raoustache,  wal.  mustatze  knebd- 
bart;  vom  gr.  /uvorat;  mit  gl.  bed.,  Man.  niustake,  im  lateinischen  nicht 
vorhanden. 

Mo 8 tarda  it.  pg.  pr.,  fr.  moutarde,  sp.  aber  mos taza  senf;  von 
mustum,  weil  er  mit  most  angemacht  wird. 

Motta  it.  her  abgeschwemmte  erde,  sp.  pg.  mota  erdaufwurf,  fr. 
motte  erdscholle,  altfr.  mote  aufgeworfene  anhohe  mit  festem  schloß,  altpr. 
mota  schutewerk  eines  Schlosses.  SBos.  Unzweifelhaft  findet  sich  das  wort 
in  deutschen  mundarten  wieder.  Bair.  mott  aufgehäufte  moorerde,  schwz. 
matte  ausgestochener  rasen,  ndl.  mot  dhfaJl  von  torf,  fries.  mote  lohkuchen. 
Span,  mota,  sofern  es  knoten  im  tuche,  Meiner  fehler  bedeutet,  sieht  Lar- 
ramendi  aus  dem  bask.  motea  knospchen,  womit  auch  das  ndl.  moet,  urspr. 
mot,  kleine  erhabenheit,  knöpf chen,  fleck  oder  fehler  zusammentrifft]  pg. 
mouta  Meines  gebüsch  läßt  sich  unter  vergleichung  des  it.  macchia  (fleck, 
buschwerk)  damit  verbinden.  Außer  motta  besitzt  die  ital.  spräche  mota, 
gleichbed.  mit  malta  II.  a.  und  daraus  entstanden,  aber  auch  motta  hat 
diese  bedeutung.  Daß  auf  das  altfr.  mote  das  irische  die  bed.  berg  oder 
hügel  ausdrückende  mota  (m.)  anspräche  mache,  ist  noch  anzufügen. 

Motto  it.,  sp.  pg.  mote,  pr.  fr.  mot  wort,  Spruch,  pr.  auch  vers; 
vom  lat.  mutire  mucksen,  mfal/muttum;  'muttum  nullum  emiseris'  pro- 
verbialiter  dieimus,  id  est  verbum  Cornutus  in  Persii  sat.  I.  Mit  mutire 
aber  trifft  zusammen  sard.  mutire  rufen,  pr.  altfr.  motir  anzeigen. 

Mozzo  it.,  sp.  mocho,  pr.  mos  (fem.  mossa),  fr.  mousse  stumpf,  ver- 
stümmelt; vb.  mozzare,  smozzare,  mochar,  ämousser  abstumpfen;  vom 
ndl.  mots,  schwz.  mutz  abgestutzt,  ndl.  motsen,  mutsen  abstutzen,  nhd. 
mutzen.  Aus  dem  franz.  aber  ist  entnommefi  it.  smussare,  smusso.  Abgcl. 
sp.  mochin  Scharfrichter r  eigentl.  verstummter.  Oder  ist  sp.  mocho  von 
mutilus,  wie  man  cachorro  aus  catulus  leitet?  Das  bask.  mutila  knabe 
(kleiner  stümmel)  könnte  diese  ansieht  unterstützen. 

Muffare  it.  in  camuffare  Verkappen,  für  capo-muffare  den  köpf 
vermummen;  vom  deutschen  muf,  entstellt  aus  mhd.  mou,  mouwe  ermd, 
s.  J.  Grrimm  über  diphthonge.  Desselben  Stammes  ist  fr.  moufle  faust- 
handschuh,  ndat.  muffula,  daher  ndl.  moffel;  dsgl.  adj.  pr.  moflet, 
(neupr.  moufle),  pic.  mouflu,  wcdlon.  mofnes'  weich,  elastisch  (nach  art  des 
Muffs),  und  vermuthlich  auch,  mit  rücksicht  auf  die  ausstopfung  desselben, 
fr.  moufle r  die  backen  aufblasen,  sp.  mofletes  hausbacken,  pic.  mouflu 
wohl  ausgestopft,  henneg.  moflu  dickbackig,  doch  ist  hier  auch  mufle  IL  c- 
in  anschlag  zu  bringen,  vgl.  Grandgagnage  v.  moufler,  wo  diese  Wörter 
mit  großer  genauigkeit  abgehandelt  sind. 

Muffo  it.  schimmlig,  com.  romagn.  moff  bleich  oder  graulich;  sbst. 
it.  muffa  Schimmel,  pg.  mofo,  sp.  mobo  Schimmel,  moos,  fr.  moufette 
moderdunst;  vb.  it.  muffare,  lothr.  mouffä,  neupr.  muffir  schimmeln;  aus 
dem  deutschen,  ndl.  muf  schimmlig,  hd.  muff  Schimmel,  vb.  mtlffen.  Mit 
demselben  stamme  werden  figürlich  auch  üble  fnoralische  eigenschaflen 
ausgedrückt:  sp.  moho  trägheit,  mohino  verdrießlich,  boshaft,  pg.  mofino 


L   MUGAVERO— MUNON.  219 

knickerig,  venee.  muffo  schwermüthig :  es  sind  begriffe,  die  sich  dem  Schim- 
mel als  schmutz  oder  fäulniss  anschließen,  vgl.  nhd.  faul  putridus  und 
piger,  sehtet,  auch  malus.  Doch  ist  noch  eu  vergleichen  bair.  niuffisch 
mürrisch,  muffen  murren,  schmollen.  Der  Spanier  nennt  auch  den  maul- 
esd  mobino  wegen  seiner  tücke,  ein  wort,  das  Cabrera  gegen  die  sprach- 
gesäse  aus  mulus  hinnus  construiert. 

Mugaväro  it.,  sp.  almogavar,  almogarave,  pg.  almogaure,  alteat. 
almugaver  Chr.  d'Escl.  603b,  altval.  almugaber  JFebr.  str.  21,  almugavar 
220  partheigänger ;  vom  arab.  al-mogävir  Streiter  Freyt.  III,  302",  vgl. 
auch  Monti,  Agg.  dl  vocab.  II,  2,  306,  und  S.  Rosa  s.  v.  Im  ital.  gut 
es  auch  für  einen  Wurfspieß,  wie  die  mugaveri  ihn  führten. 

Mugghiare  it.,  sp.  mujar  fehlt,  fr.  mugler,  meugler  brüllen;  nilat. 
singulare,  frei  gebildet  aus  mugire. 

Mäggine  it.,  sp.  müjol,  mügil,  pg.  magern,  fr.  muge  ein  seeßsch-, 
von  mugü.    Fron*,  malet  aber  entspringt  besser  aus  mullus. 

Mala  it.,  male  fr.,  mulilla  sp.  pantoffel;  nach  Frisch  u.  a.  von 
malleus  schuh  von  rothem  leder;  nicht  unbedenklich. 

Malino  it.,  molino  sp.,  moinho  pg.,  moulin  fr.  mühle;  von  molina 
für  mola,  bei  Ammian.  Marceil.  Daher  it.  malinaro,  mugnajo  (wie 
balneam,  bagno),  sp.  molinero,  fr.  meunier  muller.  Eine  *ss.  ist  it.  ri- 
molinare ,  sp.  remolinar,  pg.  remoinhar,  altfr.  remouliner  sich  im  kreiße 
drehen,  wirbeln,  it.  $p.  remolino,  pg.  redomoinho  (mit  einmischung  von 
retro)  Strudel,  Wirbelwind,  altfr.  remoulin  stern  am  köpf  eines  pferdes 
(haanvirbel)  Roq.  Auch  das  einfache  it.  mulinello  bedeutet  Wirbelwind. 
Von  re-molere,  remoudre  aber  ist  fr.  remous  (m.),  remole  (f.)  wasser- 
wirbel,  meeresstrudd.  Der  alten  prov.  spräche  scheinen  die  *ss.  mit  re 
zu  fehlen,  es  bleibt  daher  au  überlegen,  ob  in  f  evolina  GO.,  revolinar  LB., 
zumal  da  diese  worter  den  schwestersprachen  abgehen,  nicht  eine  Umwand- 
lung des  m  in  v  statt  gefunden,  indem  an  volvere  gedacht  ward;  molinar 
ltourbülonner  hat  Raynouard. 

Mummia  it.,  sp.  momia,  fr.  momie,  mumie  ein  einbalsamierter 
und  getrockneter  leichnam;  vom  gleichbed.  pers.  mümijä,  dies  von  mfim 
wachs,  womit  die  leichen  Überzogen  wurden.  Scaliger  weist  dagegen  auf 
gr.  aftwpov  ein  gewürs.    Sp.  adj.  momio  abgemagert. 

Manger e,  magnere  it.,  sp.  (arag.)  muir,  pg.  mungir,  pr.  molser 
GO.,  teal.  malge  melken;  von  mulgere.  Das  übliche  span.  wort  ist  or- 
defiar  IL  b.,  das  fr.  traire,  aber  die  alte  spräche  kannte  mulger  LRs.  66, 
noch  pic.  moudre.  Andre  mundartl.  formen  sind  lomb.  molg,  pietn.  monse, 
sard.  mulliri,  chw.  mulger,  cot,  mufiir.  Von  maugere  ist  das  ital.  adj. 
manto,  smunto  hager,  abgemergelt,  nicht  von  emanetas. 

Mnfion  sp.,  cot.  manyö,  sie.  magnani  großer  armmuskel,  wohl  auch 
fr.  moignon  fleischiger  theil,  stück  fleisch  (Trev),  stümmel  eines  abgenom- 
menen gUedes;  vb.  comask.  magna  abstutzen.  Die  einfachste  form  gewährt 
das  bret.  den  übrigen  cdtischen  sprachen  unbekannte  mofi,  moufi  ver- 
stümmelt an  hand  oder  arm.    Als  primitiv  des  span.  Wortes  bietet  sich 


220  I.   MUR— MUSO. 

das  bask.  mufi  dotier:  die  begriffe  dotier  und  tnuskel  begegnen  sich  auch 
im  lat.  torulus,  U.  tuorlo.  Welcher  spräche  aber  dieser  stamm  eigentlich 
angehöre,  bleibt  ungewiß.  Eine  ableitung  daraus  ist  sp.  muüeca  handr 
wurzel,  faust,  puppe,  in  letzterer  bed.  auch  mufieco;  romagn.  mugnac  IdoU. 

Mur  altsp.  altpg.  (m.),  churw.  mieur  (f.)  maus.  Das  wort  konnte 
sich  neben  murus  (mauer)  nicht  behaupten  und  mußte  mit  andern,  teie 
sorex,  talpa,  vertauscht  werden.  Eine  abl.  mit  gl.  bed.  ist  pr.  murena 
(vielleicht  mureca  zu  lesen),  in  der  neuen  spräche  murga,  welches  aus 
mus  entstand  wie  auca  attfavis  (s.  oca),  daher  pg.  murganho,  sp.mus- 
gafio  junge  maus;  eine  andere  sp.  murecillo  muskel,  worin  sich  also  die 
bekannte  auffassung  dieses  Organs  als  maus  oder  mäuschen  wiederholt, 
die  sich  auch  im  mütelgr.  novrixog  (abgekürzt  aus  (tivg  novrixog)  deutlich 
ausspricht. 

Musaico  it.,  sp.pg.  mosaico,  pr.  mozaic,  fr.  mosaYque  musivarbeit; 
entstellt  aus  musivum  sc.  opus  bei  Spartian,  museum  bei  andern,  aus  gr. 
(Lwtoeiov,  musenwerk.  Für  musivum  findet  sich  zuerst  pr.  musec,  schon 
GRoss.:  lo  palaitz  .  .  totz  fo  penhs  a  muzec  1032;  peiros  .  .  figuratz 
a  musec  d'aur  resplanden  1635,  altfr.  musike  Parton.  I,  30  (s.  LB.), 
wobei  man  wohl  an  Musa  und  musica  dachte.  Später,  wenigstens  seit 
anfang  des  14.  jh.,  kam  das  etwas  nach  gelehrter  Umbildung  schmeckende 
musaico,  endlich,  indem  man  die  Muse  verließ,  mosaico  auf. 

Musarafia  sp.,  pg.  neupr.  gleichlautend,  fr.  musaragne  (museraigne 
Rabelais),  norm,  mesirette,  wcdlon.  miserette,  chw.  misiroign,  comask. 
mus-de-ragn  Spitzmaus;  von  mus  araneus. 

Mus co,  muschio  it.,  sp.  musco,  pr.  musc,  fr.  musc,  lat.  muscus 
erst  bei  Hieronymus,  später  auch  moscus,  moschus  bisam;  aus  dem  pers. 
muschk,  arab.  al-misk  Freyt.  IV,  179*,  woher  das  üblichere  sp.  almiz- 
c  1  e ,  pg.  almiscar,  cot.  almesc. 

Muso  it.  altsp.,  pr.  mus  und  mursel,  fr.  museau  maul,  schnauze 
(daher  engl,  muzzle,  gael.  muiseal  maidkorb);  vb.  it.  musare,  altsp.  pr. 
musar,  fr.  muser,  engl,  muse  gaffen,  brüten,  harren,  seine  zeit  verlieren; 
pr.  ältfr.  musa,  muse  vergebliches  harren;  pr.  musart  gaff  er,  thor  (ofl 
neben  M),  nfr.  musard;  zsgs.fr.  am  u 8  er  hinhalten,  unterhalten.  Ferrari 
sieht  in  musare  das  lat.  mussare,  allein  die  buchstaben  stimmen  nicht. 
Stalder  erwähnt  ein  Schweiz,  mause  schnauze,  aber  als  muthmaßliche  nach- 
bildung  des  it.  muso.  Auch  ndl.  muizen  kann  in  der  bed.  nachsinnen 
aus  muser  herrühren  (vgl.  wegen  des  vocals  luister  aus  lustre);  ebenso 
hat  die  Schweiz,  mundart  ein  vb.  musen,  sbst.  mus  schwermuth.  Liefen- 
back,  Goth.  wb.  II,  89,  wagt  es  mit  dem  ältfries.  mfith  (engl,  mouth)  in 
Verbindung  zu  bringen.  Bei  musare  und  musa  ließe  sich  auch  das  ahd. 
muozön  unthätig  sein,  muoza  unthätigkeit,  muße  geltend  machen;  aber 
das  roman.  verbum  konnte  sehr  wohl  aus  muso  hervorgehn,  wenn  man 
sich  als  grundbedeutung  denkt  (ein  maul  machen,  mit  offenem  maul  da- 
stehn,  vgl.  unser  maulaffe  und  oben  badare.  Das  etymon  liegt  näher, 
als  man  glaubt.    Lat.  morsus  gebiß  (das  womit  gebissen  wird)  verwan- 


I.  MUSSOLO— NEGARE.  221 

ddte  sich  durch  einen  ziemlich  üblichen  autfall  des  r  vor  s  in  mösus, 
langes  o  aber  wird  leicht  zu  u,  und  so  entstand  muso  aus  morsus  wie 
giu8o  aus  deorsum  deösum.  Das  andenken  an  r  erhielt  sich  noch  im  pr. 
inorsel,  worin  dieser  buchstabe  durch  seine  Stellung  in  unbetonter  silbe 
geschützt  ward,  während  der  vocal  sich  nach  dem  primitiv  mus  richtete; 
so  wie  im  bret.  uiorsäel,  worin  eine  altfr.  form  fortlebt. 

Mus  solo,  mussolino  it.,  sp.  muselina,  fr.  mousseline  nesseltuch; 
von  Mosul,  arab.  Maugtl,  stadt  in  Mesopotamien,  wo  es  zuerst  verfer- 
tigt ward. 

N. 

N4cchera»  gnacchera  it.,  sp.  näcara,  fr.  nacre,  altfr.  nacaire, 
masc.  sp.  nacar,  it.  n&ccaro  perlcnmuschel,  muschelschdte,  it.  altfr.  auch 
klapper,  pauke,  pr.  necari;  orientalischer  hcrkunft,  bei  den  Kurden  na- 
kära.  8.  darüber  Ducange  zu  Joinville  und  zumal  Pott  in  Höfers  Ztschr. 
II,  354. 

Nasturzio  it.  u.  s.  w.  gartenkresse,  lat.  nasturtium,  bemerkenswert 
wegen  vielfacher  entstellung:  ven.  nastruzzo,  fr.  nasitort,  neupr.  nastoun, 
mit  vertauschtem  anlaut  sp.  mastuerzo,  pg.  niastru^o,  sie.  mastrozzu,  sard. 
martuzzn,  piem.  bistorce  (cc  palatal).  Lat.  nasturtium  soll  s.  v.  a.  nasi- 
tortium  bedeuten,  a  naso  torquendo,  das  fr.  nasitort  wäre  also  eine  er- 
Jdärung  desselben.  Ihm  entspricht  das  cat.  morritort,  denn  morro  ist 
schnauze.  Andre  namen  der  kresse  sind  it.  crescione  u.  s.  w.,  s.  oben, 
sp.  berro  II.  b.,  sard.  ascione. 

N&tica  it.,  sp.  nalga,  pr.  nagga  Elucid.,  altfr.  nache,  nage  Bert, 
p.  96  hinterbacken,  ndat.  natica;  abgeleitet  aus  natis  wie  cutica  aus  cutis, 
pr.  auca  aus  avis,  s.  oca. 

Naverare  it.  in  innaverare  z.  b.  PPS.  II,  113,  pr.  cat.  nafrar, 
fr.  navrer  durchbohren,  verwunden,  wohl  auch  sard.  nafrar  beflecken;  sbst. 
pr.  nafra,  norm,  nafre  wunde,  sard.  nafra  fleck;  vom  ahd.  nabagSr,  nhd. 
näber,  ndl.  neviger,  neffiger,  nord.  nafar  bohrer.  Vielleicht  ist  das  pg. 
escalavrar  leicht  verwunden  damit  zusammengesetzt. 

Navilio,  naviglio,  navile  it.,  pr.  navili,  altfr.  navile  (navilie  Hol.) 
flotte,  schiff,  nfr.  nur  .navire  (vgl.  concire  aus  concilium  Ben.  u.  a., 
Basire  aus  Basilius  Rapp.  au  min.  p.  178),  in  den  Livr.  d.  rois  navirie 
fem.  Wie  der  Lateiner  aus  civis  civilis,  so  leitete  der  Italiener  aus  navis 
das  adj.  navile  und  hieraus  allerdings  unüblicher  weise  navilio. 

Negare  venez.  (rnail  gen.  negä),  pr.  negar,  fr.  noyer,  chw.  nagar 
ertränken;  von  necare  in  eingeschränktem  sinne,  m?a£.  necare,  negare  mit 
derselben  bed.  in  der  L.  Burg,  und  Alam.  Die  formen  der  andern  spra- 
chen sind  it.  annegare,  sp.  pg.  anegar,  nicht  aus  ad-necare,  sondern 
aus  enecare,  von  Gregor  v.  Tours  4.  30  für  ertränken  gebraucJd,  wal. 
inneca. 


222  I.   NEGROMANTE-NIDO. 

Negromante,  nigromante .  it.,  sp.  pg.  nigromante,  wald.  nigro- 
mant,  pr.  nigromanciä,  fr.  negromancien  todtenbeschwörer ;  it.  negroman- 
zfa,  sp.  nigromancfa,  altfr.  nigremance  und  ingremance  Alx.  7,  9,  Bari. 
211  todtenbeschwörung;  von  v&tQo/navng,  vexQOfiavveia.  Negro  passt  mit 
dem  buchstaben  allerdings  zu  vexQog,  da  k  leicht  zu  g  wird,  aber  die 
Hinneigung  zu  nigro  zeigt,  daß  man  das  lat.  niger  darin  fühlte  (wohin 
es  auch  Raynouard  stellt),  indem  man  sich  darunter  einen  mit  schwarzen 
dingen  verkehrenden  dachte,  was  deutlich  aus  dem  span.  magia  negra, 
synonym  von  nigromanoia,  hervorgeht.  Ein  lat.  deutsches  glossar  schreibt 
darum  negromantia  'swartzekonst'  Dief.  Gloss.  lat.  germ.  377b;  die  zauber- 
bücher  hießen  schwarze  bücher.    S.  z.  b.  Frommann  zu  Herbort  v.  552. 

Nöspola  it.,  sp.  pg.  nespera,  cot.  nespla,  altfr.  pic.  neple  Voc. 
duac.,  neufr.  n&fle  (fotap)  eine  frucht,  mispel;  it.  nespolo,  sp.  nispero, 
cot.  nespler,  pg.  nespereira,  fr.  neflier  mispelbaum ;  von  mespilus,  mes- 
pilum  mit  getneinrom.  Übergange  des  m  in  h,  der  auch  im  ahd.  nespil 
vorliegt.  Formen  mit  m  sind  altsp.  mespero,  bask.  mizpira,  wdUon.  mess, 
in  Eheims  mele. 

Neßßuno  it.,  in  älterer  form  nissuno,  pr.  neisun,  altfr.  nesun,  nisun 
pronomen  für  lat.  nuUus.  Es  ward  sonst  wohl  durch  nescio  unum  erklärt, 
näher  aber  liegt  ne  ipse  unus,  so  daß  es  heißt  'auch  nicht  einer. 

Netto  it.,  sp.  neto,  pg.  nedeo,  pr.  fr.  net  rein,  hell  u.  dgl.;  von 
nitidus. 

Nevula,  neula  sie,  letzteres  auch  sard.  prov.  cot.  ein  backwerk, 
hippe,  fr.  (henneg.)  nieule  oblate;  von  nebula,  das  im  latein.  zuweilen 
einen  dünnen  stoff  oder  dünnes  blech  bedeutete,  für  ein  dünnes  backwerk 
häufig  im  ndatein  vorkommt,  z.  b.  ab  hominibus  romanae  linguae  nebulae, 
a  nostratibus  appellantur  oblatae,  sagt  Bern.  Cluniac.  (11.  jh.);  ein  weit 
älteres  Zeugnis  s.  Altromanische  glossare  p.  28. 

Nicchio  muschel;  von  myfHus,  mitnlus  eßbare  wuschet,  wie  secchia 
von  situla,  vecchio  von  vetulus;  wegen  des  anlautes  vgl.  nespola  aus 
mespilum.*  So  mit  recht  Ferrari,  wogegen  Bolza  es  aus  dem  dtschen 
Schnecke  leitet.  Nach  der  1.  decl.  bildete  man  daraus  nicchia  muschel- 
artige Vertiefung  in  der  mauer,  daher  fr.  niche  (f.),  und  aus  diesem 
sp.  pg.  nicho,  nhd.  irische.  Auch  das  vb.  rannicchiare  zusammenziehen, 
sich  einkrümmen  (wie  die  muschel),  gehört  hieher.  Das  span.  wort  ist 
almeja,  das  port.  ameijoa:  trennt  man  davon  den  ardbischen  artikel,  so 
stimmt  es  gleichfalls  zu  mitnlus.  Das  fr.  moule  (f.)  dagegen  schwebt  un- 
entschieden zwischen  mytilus  und  musculus,  aus  letzterem  ist  occit.  musele, 
cat.  musclo,  ahd.  muscla,  nhd.  muschel,  ags.  muscel. 

Nido  it.  sp.,  fr.  nid,  pr.  niu,  nieu,  trient.  nif,  chw.  ignieu  nest, 
von  nidus;  it.  nidio,  von  nidulus  nid'lus  {vgl.  cingulus  cinghio);  pg* 
ninho  für  nidinho  diminutivform.  Adj.  it.  nidiace  aus  dem  neste  ge- 
nommen (von  vögeln,  besonders  raubvögdn),  daher  unerfahren,  einfältig, 
albern,  von  nidio  und  dem  suffix  ace  (lat.  ax),  entsprechend  dem  gleich- 
falls neugeschaffenen  adj.  ramace,  s.  unten  ramingo.    Damit  identisch  ist 


I.  NIELLO-NINNO.  223 

fr.  niais,  fem.  niaise,  nickt  aber  pr.  niaic,  nizaic,  dessen  feminin  niaica 
oder  niaca  sein  würde  und  welches  wie  ibriac,  ibriaic  zum  suffix  ac  ge- 
hört. Und  wieder  anders  zu  beurtheilen  ist  sp.  niego  sc.  halcon  nest- 
faike,  für  nidego,  pg.  ninhego,  welches  das  suffix  eg  (Rom.  gramm.  II, 
307)  an  sieh  trägt. 

Nie  Hb  it.,  sp.  pr.  niel,  altfr.  neel  schwärzliche  Zeichnung  auf  gold 
oder  silber,  nüat.  nigellam;  vb.  it.  niellare,  sp.pr.  nielar,  altfr.  noeler, 
ndat.  nigellare;  vom  lat.  dimin.  nigellns.  Derselben  herkunft  ist  it.  ni- 
gella,  sp.  negniüa,  fr.  nielle  schwarzer  mehlthau  im  körne,  franz.  und 
span.  auch  Schwarzkümmel,  mhd.  nigel. 

Niente  it.,  pr.  neien,  nien,  fr.  näant  negation  für  lat.  nihil;  von 
eng  entis  wesen,  ding,  mit  vorgefugtem  ne  oder  nee.  Das  lat.  von  den 
phüosophen  gebrauchte  wort  muß  aber  doch  wohl  volksüblich  gewesen  sein. 
Zwar  denkt  Ferrari  an  ne  hetta  (s.  ette  II.  a.),  aber  it.  chente,  das 
seiner  bedeuiung  nach  nur  mit  ente,  nicht  mit  hetta  zusammengesetzt  sein 
kann,  entscheidet  dagegen.  Zsgs.  fr.  nöanmoins,  it.  niente  dimeno 
mhüommus.  Im  Guül.  d'Angl.  wird  nient  einsilbig  gebraucht,  noient 
zweisilbig. 

Niffa,  niffo,  niffolo  it.  (flor.),  chw.  gniff  rüssd,  pr.  nefa  dicker 
(heil  des  Schnabels  der  raubvögel ;  deutsches  wort,  ags.  engl.  ndl.  neb,  ndd. 
nibbe,  nif,  altn.  nebbi,  nef  Schnabel,  nase.  Daher  limous.  nif 14,  pic. 
nifler,  fr.  renifler  schnüffeln,  henneg.  niflete  Schnüffler,  limous.  niflo  nasen- 
hch,  vgl.  Schweiz,  niffen  die  nase  rümpfen,  bair.  niffeln  durch  die  nase 
reden.    Mit  u  piem.  nufife  =  8-nttffeln. 

Ninno,  ninna  it.  (ersteres  mundartlich),  sp.  nino,  nina  kindchen. 
Es  bedeutet  zuerst  ein  wiegenkind  und  scheint  entstanden  aus  der  formet 
ninna-nanna  (auch  im  port.  üblich),  womit  man  die  kinder  einwiegt,  vb. 
it.  ninnare  einwiegen,  neupr.  nind  einschlafen.  Auf  das  ablautende 
nanna  bezieht  sieh  lomb.  nana  kind,  auch  bettchen  (flor.  andare  a  nanna 
schlafen  gehn),  sp.  ebenso  nana  (hacer  la  nana  schlafen),  watlon.  naner 
einschlummern  u.  dgl.;  andre  vocaie  kamen  zur  geltung  im  cot.  nen,  nena 
kindchen,  im  venez.  nena  amme,  im  henneg.  nenen  dass.,  im  limous.  naina 
wiege.  Woher  nun  jenes  schlaf  bringende  ninna-nanna,  worin  man  das 
schaukeln  der  wiege  zu  hören  glaubt?  Weder  nidus  nest,  bettchen  (lomb. 
nin),  noch  nanus,  noch  min  (s.  oben  mina)  läßt  sich  darin  erkennen;  nur 
ein  auf  nn  oder  mn  ausgehender  stamm  würde  grammatisch  genügen. 
Aber  kinder-  und  ammenwörter  können  leicht  in  hohes  alterthum  hinauf- 
steigen  und  aus  verlorenen  wurzeln  herrühren;  hierzu  mag  aus  Hesychius 
yvmov  Wiegenlied  angeführt  werden.  Ninna-nanna  ist  eine  der  häufigen, 
gewöhnlich  über  den  gränzen  der  etymologie  liegenden  ablautformeln  wie 
das  lomb.  güma-gianna  name  eines  kinderspids,  oder  litta-latta  Schaukel ; 
nur  hat  es  weitere  Verbreitung  gefunden  als  die  meisten  andern.  —  Wie 
gr.  7u><w  und  lat.  pnpilla  madchen  und  augenstern  (spiegelbildchen  im 
äuge)  heißen,  so  sp.  nifia,  cot.  pr.  nina ;  so  aber  auch  pg.  menina,  ven. 
putina,  romagn.  bamben  (fand,  nicht  bloß  mädchen),  sie.  vavaredda  (von 


224  L   NIUNO— NONNO. 

vava,  s.  bava),  pic.  papare,  dlban.  bebeze.  Der  Frovenzale  sagt  für  pu- 
püle  auch  anha  lammchen. 

Niuno  it.,  sp.  mit  eingeschobenem  n  ninguno,  pg.  nenhum,  pr. 
negun,  nengun,  neun,  wal.  nici  im,  pronomen,  zsgs.  aus  nee  unus,  im 
wal.  neque.  unus.  Andre  formen  sind  altit.  neuno,  altsp.  nenguno,  altpg. 
neun,  niun  D.  Din.,  cot.  ningü,  chw.  nagin,  com.  negun,  irigan.  Dazu 
auch  cdtfr.  nun  *.  b.  nnns  ne  me  tent,  nuns  ne  me  baille  Ruteb.  I,  3, 
noch  in  Champagne  nnne  part  =  nulle  part;  von  ne  unus. 

Nocchiere  it.,  sp.  nauclero,  alt  naoehero,  nauchel,  pr.  naucler, 
nauchier,  fr.  nocher  Steuermann,  fährmann;  von  nauclerus  (vovxXijqos) 
schiffsherr 9  nur  bei  Plautus. 

Noja  it.,  sp.  enojo,  pg.  nojo,  pr.  enuei,  fr.  ennui  Verdruß;  vb.  it. 
nojare  ff.  verdrießlich  machen.  Dieses  wichtige  wort  hat  lange  aller 
forschung  trotz  geboten,  denn  die  üblichen  erklärungen  aus  noxa,  noxia, 
nausea  vertragen  sich  schlecht  mit  den  lautregeln,  und  was  das  von  Fau- 
riel  vorgebrachte  bask.  enoch  betrifft  (Ampere,  Form.  d.  1. 1.  fr.  2.  Sd.  p.  320), 
so  sieht  es  aus  wie  ein  der  span.  spräche  entnommenes.  Es  entstand  viel- 
mehr, wie  schon  Cabrera  bemerkt,  aus  odium,  aber  nicht  durch  Zusammen- 
setzung mit  dem  adv.  in,  sondern  aus  der  auch  den  roman.  mundarten 
wohlbekannten  phrase  est  mihi  in  odio :  aus  in  odio  ward  gapz  regelrecht 
it.  noja  mit  abgefaUnem  i  (besser  cdtit.  masc.  nojo  PPS.  II,  90),  sp.  enojo, 
alt  enoyo,  pr.  enuei,  enoi,  wie  it.  bajo,  sp.  bayo,  pr.  bai  aus  badiuß 
wurden.  Der  Provenzale  z.  b.  muß  anfangs  gesagt  haben  amors  m1  es 
en  oi  =  lat.  amor  mihi  est  in  odio,  später,  en  ois  als  nomen  gefaßt, 
amors  m'es  enois.  Am  deutlichsten  tritt  des  Wortes  Ursprung  in  der  alt- 
mail.  mundart  hervor:  z.  b.  plu  te  sont  a  inodio  =  *l.~piü  ti  sono  a 
noja  Bonves.  p.  324,  v.  92 ;  a  to  inodio  =  a  tua  noja  v.  413.  Dazu 
nehme  man  das  altital.  verbum  inodiare  nebst  dem  aetfectiv  nodioso  = 
nojoso  Trucch.  I,  48.  Altfranz,  construierte  man  enuier  noch  mit  dem 
dativ  der  person,  z.  b.  LRs.  367  ieest  afaire  al  rei  ennuiad,  was  auf 
den  Ursprung  des  Wortes  zurückzudeuten  scheint.  Ein  sehr  altes  Zeugnis 
für  dieses  verbum  ist  anoget  'taedef  Gl.  augiens.  (Altrom.  glossarc  p.  öl), 
wie  für  ennuyeux  anoediosus  'taediosus'  Gl.  paris.  ed.  Hild.  p.  12,  in 
andern  glossaren  anediosus,  anodiosus. 

Nolo,  naulo  it.,  daher  noleggio,  fr.  nolis,  altsp.  nolit  f rocht,  be- 
sonders eines  Schiffes,  noleggiare,  noliser  ein  schiff  miethen;  von  nauluin 
(yavXov)  fährgdd. 

Nona  it.  sp.,  fr.  none  in  den  Möstern  die  neunte  stunde  des  tages, 
also,  wenn  fft&n  den  Sonnenaufgang  um  sechs  uhr  annimmt,  drei  ultr 
nachmittags.  Altfr.  nahm  man  es  auch  im  sinne  einer  wdtgegend  (Süd- 
west?) :  une  riviere  Tavirone  deverz  midi  e  devers  none  Bou  II,  p.  29. 

Nonno  it.  großvater,  nonna  großmutter,  pr.  nona,  fr.  nonne,  non- 
nain  klosterfrau,  nonne,  lothr.  nonnon,  neupr.  nounnoun  ohekn;  von  dem 
in  das  spätere  latein  eingeführten  nonnus,  nonna,  einem  ausdrucke  der 
ehrfurcht,  bei  Uieronymus  und  auf  inschriften  (OreUi  n.  2815).  Die  franz. 


I.   NOTARE— OBBLIO.  225 

form  nonnain  begreift  sich  als  eine  accusativische  von  nonnam  wie  putain 
von  putam,  der  mlat.  plur.  nonnanes  in  einem  capittdar  v.  789  (de  mo- 
nasteriis  minutis,  ubi  nonnanes  sine  regula  sedent)  hängt  damit  zusam- 
men.   Hieher  auch  sp.  nono  steinalt. 

Notare  it.,  altfr.  noer,  chw.  nudar,  wal.  innotä  schwimmen;  erklärt 
sich,  da  es  auch  im  walach.  (und  alban.  not)  vorhanden  ist,  nur  aus 
einer  uralten  volksmäßigen  vergröberung  des  kurzen  a  (lat.  nätare)  in 
kurzes  o,  daher  die  ital.  diphthongierung  im  präs.  nuoto.  Prov.  und  span. 
blieb  nadar. 

Nuca  it.  sp.  pg.  pr.,  nuque  fr.  nacken,  genick.  Cervix  ist  zwar 
überall  vorhanden  (it.  cervice,  wal.  cerbice,  sp.  pr.  altfr.  cerviz),  aber 
nictd  überall  volksüblich  geblieben.  An  seiner  statt  haben  sich  in  den  ein- 
zelnen sprachen  mancherlei  ausdrücke  eingefunden,  wie  it.  collottola,  cot- 
tnla,  sp.  cogote,  pescuezo,  pestorejo,  tozuelo,  cat.  bescoll,  clatell,  papada, 
pr.  nozador,  neupr.  coutet,  galet,  fr.  chignon,  alt  haterel,  chanole,  chaon, 
in  Berry  cacouet,  wallon.  hanett,  chw.  tattonna,  wal.  ceafij,  gijt  u.  dgl., 
aber  nur  ein  gemeinromanisches  bloß  dem  Walachen  abgehendes,  nuca. 
Man  hat  seinethalb  auf  das  arab.  nucha  rücken-  oder  nackenmark  (noch- 
ton 661.  2333)  verwiesen,  einen  anatomischen  ausdruck,  der  sich  schwer- 
lich auf  roman.  gebiete  so  einbürgern  konnte.  Sollte  das  wort  aus  nux 
nucis  herrühren?  Der  Sicilianer  nennt  den  nacken  in  der  that  nuci  di 
In  coddu  noce  del  collo,  hcdswirbd,  zum  unterschiede  von  noce  del  piede, 
knöchel  am  fuße,  gr.  doxQayalog  begreift  beide  bedeutungen;  allein  das 
kurze  u  stimmt  nicht,  denn  das  scheinbar  parallele  duca  aus  dux  'dücis 
ist  ein  eigenihümliciier  fall  (s.  oben)j  doch  wäre  es  immerhin  möglich, 
daß  grade  dieser  fall  zur  form  nuca  als  einer  scheideform  von  noce  (nuß) 
verfuhrt  hatte.  Ähnliches  klanges  bei  gleicher  bedeutung  ist  das  mhd. 
nüwe  Wb.  II,  387.  427;  aber  inlautendes  deutsches  w  tritt  kaum  als  g, 
nimmer  als  c  auf,  nur  ein  ahd.  nuha  wäre  befriedigend.  Kilian  ver- 
zeichnet ein  ndl.  nocke  =  engl,  nock  kerbe  an  der  armbrust,  eigentlich 
das  eingekerbte  Stückchen  knochen,  welches  die  gespannte  sehne  anfüllt; 
man  konnte  dieses  wort  für  hdlswirbel  gebrauchen  (die  bed.  rückgrat  legt 
Hirn  Kilian  bA),  aber  es  hat  mehr  gemein  mit  it.  nocca  knöchel  (lotnb. 
gnucca  genick,  it.  dinoccolare  enthaupten)  eis  mit  nuca.  Nqx  also  hat 
unter  den  angeführten  fällen  die  größere  Wahrscheinlichkeit  für  sich. 

Nuora  it.,  sp.imera,  pg.  pr.  nora,  altfr.  nore,  wal.  nore  Schwieger- 
tochter; von  nurus  mit  einer  dem  natürlichen  geschlecht  angepaßten  endung: 
nnrus  non  nura  App.  ad  Prob.,  mlat.  nora  Breq.  p.  362c . 

o. 

0,  od  it.,  sp.  o,  ü,  pg.  on,  pr.  o,  oz,  fr.  ou,  wal.  au,  conjunetion, 
wn  aut    Zsgs.  it.  ovvero,  von  aut  verum. 

Obblio,   obblfa  it.  Vergessenheit,   von  oblivium,  pl.  oblivia;   vb. 

15 


226  I.    OBSEQUIAS-ONDE. 

obbliare  vergessen,  von  dem  rom.  Substantiv,  vgl.  disiare  von  disio  = 
dissidium.  Dagegen  pr.  oblit,  oblida,  fr.  oubli,  sp.  umgestellt  olviio; 
vb.  oblidar,  oublier,  olvidar  vom  part.  oblitus.  Die  der  ital.  lautregel 
widersprechende  syneope  des  t  in  oblitus  nöthigt  zu  dieser  trennung  der 
Wörter. 

Obsequias  sp.  pr.,  obs&ques  fr.  leichehbegängnis;  von  obsequiae 
für  exsequiae,  schon  bei  Petrus  Chrysologus  (\  449),  auch  auf  inschrif- 
ten,  s.  Ducange. 

Oca  it.  sp.  pg.,  oie  fr.,  ursprünglicher  sp.  pr.  chw.  auca  gans,  so 
auch  mlat.  L.  Alam.  (accipiter,  qui  ancam  mordet  cet.),  Form.  Marc. 
Es  ist  zusammengezogen  aus  avica,  das  von  avis  abgeleitet  ward  wie  nätica 
von  natis  u.  s.  w.  Born,  gramm.  II,  308.  Im  sinne  dieser  etytnologk 
übersetzt  ein  tat.  gr.  glossar  auca  mit  7tr^vov  (mipov)  vogel.  So  nannte 
man  die  gans  eis  das  nutzbarste  hausthier  dieser  classe,  wie  man  das 
rind  schlechtweg  animal  (s.  aumaille  II  c)  nannte.  Dimin.  fr.  oison 
(wie  clergon  von  clerc),  in  den  Cass.  glossen  auciun.  Im  alt-  und  neuprov. 
kommt  auch  das  tnasc.  auc  gänserich  vor,  ebenso  im  veron.  oco,  im  cremen. 
ooeh,  so  mlat.  avecus,  avicus;  eine  andre  gleichbed.  lirnous.  bädung  ist 
ooutzar,  dem  ein  fr.  oisard  entsprechen  würde. 

Oggi  it.,  chw.  oz,  sp.  hoy,  pg.  hoje,  pr.  huei,  atifr.  hui,  adverbium, 
von  hodie.  Zsgs.  it.  oggimai,  omai,  1-etzteres  für  oimai  (vgl.  oi  in  der 
zss.  ancoi),  nicht  für  ormai,  da  ausfäll  des  r  schwierig  ist,  pr.  hueimais; 
it.  oggidi,  aus  hodie  die,  so  daß  dies  zweimal  darin  enthalten  ist,  sp. 
hoy  dia,  fr.  aujourd'hui;  altit.  ancoi  ff.,  $.  anche. 

Ola  sp.  cot.,  fr.  houle  (f.,  h  asp.)  woge;  scheint  ceUisch,  kymr. 
hoewal  (m.)  bewegung  des  wassers,  bret.  houl  (m.)  woge,  vb.  houlenna. 
Von  houle  ist  attfr.  watton.  holer  sich  hin  und  herbewegen. 

Oleandro  it.,  sp.  oleandro,  eloendro,  pg.  eloendro,  loendro,  fr. 
olöandre  lorbeerrose.  Zu  Isidors  zeit  lorandrum,  dem  die  zweite  port. 
form  zunächst  steht:  rhododendrum,  quod  corrupte  vulgo  lorandrum  vo- 
catur,  also  wohl  aus  rhododendrum  mit  anlehnung  an  laurus  entstellt 
und  weiter  entstellt  durch  abwerfung  des  1,  worin  man  den  artikd  fühlen 
mochte. 

Olore  it.,  sp.  pr.  clor,  altfr.  olour  duft,  geruch;  vom  gleichbed. 
olor,  bei  Varro  L.  L.  und  Apulejus. 

Ombelico,  bellico,  bilico  it.,  wal.  buric,  sp.  ombligo,  pg.  umbigo, 
embigo,  pr.  ombelic,  umbrilh,  fr.  nombril  nobel;  von  umbilicus.  Umbrilh 
und  nombril  (letzteres  reimend  auf  pöril)  entstanden  aus  umbiliculus,  im 
Vocab.  S.  Galli  umpiculo;  das  franz.  wort  hat  überdies  ein  vorgesetztes 
n,  das  durch  dissimüation  für  ein  artikelhaftes  1  eingetreten  sein  mag, 
nombril  aus  lombril,  denn  auch  der  Catalane  sagt  llombrfgol.  Die  stärkste 
(Abweichung  von  dem  urworte  zeigt  eine  zweite  cot.  form  melic.  Nabel 
war  den  Alten  s.  v.  a.  mittelpunct:  hierauf  gründet  sich  das  ital.  vb.  bi- 
licare  ins  gleichgewicht  bringen,  figürl.  überlegen. 

Onde   it.,    altsp.   ond,  pg.  onde,   pr.  ont,    on,   wal.  unde,  orts- 


I.   ONIRE— ORBO.  227 

adverbium;  von  unde.    Zsgs.  it.  sp.  pg.  donde,  pr.  don,  fr.  dont;  von 
de  nnde. 

Onire  it.,  pr.  aunir,  aft/i\  honnir  (h  asp.)  beschimpfen;  vom  goth. 
haunjan,  ahd.  hönjan,  nhd.  höhnen.  Sbst.  it.  onta,  so  auch  altcctf.  Chr. 
d'Escl.  590*,  pr.  anta  (für  aunta),  selten  onta,  fr.  honte  (h  asp.),  auch 
äUsp.  fonta  PC-,  vom  goth.  haunitha,  ahd.  hönida,  alts.  hönda  schmach; 
daher  vb.  it.  ontare,  ältsp.  a-fontar  (aontar  Canc.  deB.)  pr.  antar,  altfr. 
ahonter,  hontoier;  über  sp.  f  =  fr.  h  s.  Born,  gramm.  I,  320. 

Ora  it.  ff.,  lat.  hora,  bemerkenswert  wegen  der  Verbindung  bona 
hora,  mala  hora  zur  guten  oder  bösen  stunde,  zum  glück  oder  unglück, 
schon  irn  ersten  mlatein:  omnes  mala  hora  dixerunt,  quod  a  quibusdam 
pro  auspicio  susceptum  est  Greg.  Tur.  6,  45;  tarn  mala  hora  te  vidernnt 
oculi  mei  Gest.  reg.  Fr.  cap.  35.  So  it.  in  buon'  ora,  in  mal1  ora,  sp. 
en  bnena  hora,  en  hora  buena  zsgz.  norabuena  und  so  noramala,  pr. 
en  bon'  hora  Chx.  IV,  420,  aitfr.  en  bone  heure  und  bone  heure  Brand, 
p.  141.  Endlich  genügte  bloßes  bona  und  mala,  zuweilen  mit  ein- 
mischung  von  r  aus  hora:  it.  mal  zum  unglück  Inf.  9,  54,  Burg.  4,  72, 
Par.  16,  140  (mala  in  maladire  für  maledire),  sp.  en  buena  Bc.  Mill. 
481,  mala  Mil.  419,  cdtpg.  bora  (npg.  embora),  pr.  bona  Bth.  253,  Arn. 
Vid.,  mala  Jfr.  64*.  114h,  mal  GÄlb.  6406,  altfr.  bone  Ben.  I,  v.  2858, 
bor  schon  Alxs.  str.  90,  auch  buer,  entsprechend  mar.  —  Wie  sich  hora 
und  aagurium  berühren,  lehrt  die  redensart  en  bona  ora  (ä  la  bonne 
henre)  Jfr.  135k  =  en  bon  atir  172h.  8.  Born,  gramm.  II,  461,  Alt- 
rom, sprachdenhm.  p.  71. 

Ora  it.,  sp.  pg.  hora,  alt  oras,  pr.  ora,  oras,  or,  altfr.  ore,  ores, 
or,  nfr.  or,  zeitpartikel  für  lat.  nunc,  von  hora  zur  stunde,  im  franz.  auch 
formell  vom  sbst.  henre  geschieden.  Der  Provenaale  kennt  überdies  die 
form  ara,  aras,  ar,  geschwächt  in  era,  eras,  er,  (chw.  era,  er  für  ancora), 
noch  jetzt  aro,  cot.  ara,  bei  deren  entstehung  vielleicht  nur  der  zufall 
waltete.  Dasselbe  wort  in  der  bedeutung  des  chw.  er  ist  das  von  S.  Bosa 
für  ein  Personalpronomen  gehaltene  altpg.  oder  gallic.  er,  ar,  z.  b.  deus 
sabe  mui  ben  ...  er  sabe  mui  ben  auch  weiß  er  sehr  wohl  D.  Din. 
p.  7;  nunca  ar  ouv'  eu  pesar  noch  nie  hatte  ich  Kummer  p.  33,  vgl.p.  7 
note.  Noch  häufig  bei  G.  Vicente.  Daher  auch  das  gleichbed.  bask.  ere? 
Zss.  sind  unter  andern:  sp.  ahora,  pr.  aoras,  adoras,  altfr.  ä  ore  Life.; 
it.  a  ora,  von  ad  horam;  fr.  alors,  it.  allora,  von  ad  illam  horam;  fr. 
lors  von  illa  hora;  altsp.  pg.  agora  von  hac  hora;  it.  ancora,  altsp. 
encara,  pr.  encara,  enquera,  fr.  encore,  von  hanc  horam  bis  diese  stunde ; 
altfr.  unqnore  (uncore)  von  unquam  hora;  altsp.  esora  von  ipsa  hora; 
pr.  quora,  qnor,  chw.  cura,  cur  für  lat.  quando,  aus  que  ora  zsgz. 
Über  ein  altfr.  cor  s.  Born,  gramm.  III,  214  note. 

Orbo  it.,  pr.  orb  und  dorp,  cdtcat.  altfr.  weil,  orb  blind,  eine  be- 
deutung, die  das  lat.  orbus  erst  spät  entwickelt  hat,  die  aber  Isidorus  als 
die  ursprüngliche  hinstellt:  orbus,  quod  liberos  non  habet  quasi  oculis 
amissiB.    In  derselben  braucht  es  Apulejus,  Met.  Oudend.  p.  336  en  orba 


228  •  I.   ORCO-ORLO. 

Fortuna!  so  wie  die  Fragm.  vatt.  §.  130.  Im  altern  sinne  bemerkt  Cheru- 
bim aus  dem  mailandischen  on  tett  orb  de  lacc  eine  zitze,  die  keine 
müch  gibt 

Orco  it.,  neap.  huorco,  altsp.  huergo,  uerco  Rz.  390.  802,  nsp. 
ogro,  fr.  ogre,  ags.  orc  höllischer  dämon,  menschenfressender  popanz ;  vom 
lat.  Orcus  als  gottheit  geduckt.  S.  Grimm,  Mythol.  454.  Adj.  sp.  huerco 
traurig. 

Orda  it.,  fr.  horde  (h  asp.)  herumstreifender  häufe  Tataren;  nhd. 
horde,  alban.  hordi,   russ.  orda  u.  s.  f.,   ein  aus  Asien  stammendes  wort. 

Ordo  it.,  ort  pr.,  ord  altfr.  pic.  häßlich,  schmutzig;  daher  pr.  or- 
deiar,  altfr.  ordoier  beschmutzen;  sbst.  it.  pr.  ordura,  fr.  ordore 
schmutz.  Daß  ort  (fem.  orda)  von  horpdus  ist,  beweist  eine  zweite  prov. 
dem  etymon  besser  angepasste  form  orre,  fem.  orreza  (d.  i.  orreda),  mü 
derselben  bedetäung,  daher  das  vb.  orrezar  s.  v.  a.  ordeiar. 

Orecchia,  orecchio  it.,  wal.  ureache,  ureche  (f.),  sp.  oreja,  pg. 
pr.  orelha,  fr.  oreille  ohr;  von  auricula  Ohrläppchen,  schon  von  den  Alten 
für  ohr  gebraucht  (garrire  in  auriculara  Martial),  von  einem  grammatiker 
aber  verworfen:  auris  non  oricla  App.  ad  Probum. 

Organo  it.  sp.,  pg.  orgäo,  cot.  orga  (f.),  pr.  orgues  (pl.)}  fr. 
orgue  (m.),  orgues  (pl.  f.),  wal.  orgdn  (m.),  ahd.  Organa  und  orgela, 
nhd.  orgel,  mndl.  orghel;  von  Organum  (oQyavov)  Werkzeug,  besonders 
tonwerkzeug,  wasserorgd. 

Orgoglio  it.,  alt  argoglio,  mit  versetztem  r  rigoglio,  sp.  orgullo, 
alt  arguyo,  ergull,  pr.  orgolh,  erguelh,  altcat.  argull  RMunt.  143",  neu- 
cat.  orgull,  wdld.  zrgolh  Hahn  577,  fr.  orgueil  stolz,  übermuth;  vom  ahd. 
urguolf,  zu  folgern  aus  urguol  insignis  Graff  IV,  153.  Im  altsp.  adj. 
urgulloso  PC.  1947  hat  sich  sogar  die  ahd.  partikd  ur  buchstäblich  er- 
halten. Früher  ließ  man  es  aus  gr.  OQyikog  (jähzornig)  entspringen  mit 
rücksicht  auf  die  form  des  altfr.  orguilleus,  worin  aber  i  eine  durch  fort- 
rückung  des  accentes  hervorgebrachte  Schwächung  des  ursprünglichen  vocales 
ist.    S.  auch  Grimm  II,  789,  Diefenbach,  Goth.  wb.  II,  382. 

Oricalco  it.,  sp.  auricalco,  fr.  archal  messing;  von  aurichalcum, 
orichalcum,  aus  dem  gr.  oQsixcclxog,  d.  i.  bergerz,  die  erste  der  lat.  formen 
vermittels  aurum  umgedeutet. 

Oriuolo  it.,  mail.  reloeuri,  sp.  relox,  pg.  relogio,  pr.  relotge  uhr; 
von  horologium,  ahd.  orlei.    Dafür  fr.  montre,  eigentl.  zeiget. 

Orlo  it.,  sp.  orla,  orilla,  altfr.  orle  z.  b.  SB.  562M  rand;  ditnin. 
von  ora,  welches,  woM  zum  unterschiede  von  hora  und  nicht  etwa  nach 
dem  gr.  oqoq  gränze,  einige  sprachen  als  mascülin  behanddn:  sard.  ora, 
lomb.  oeur  (ör),  pr.  or  Bth.  204,  altfr.  or  Gormond  v.  69,  ur  LRs.  254, 
churw.  gleichfalls  ur  (kymr.  ör  fem.).  Vb.  it.  orlare,  sp.  orlar,  fr. 
ourler  einfassen.  Hin  anderer  ausdruck  für  rand,  ufer  ist  pr.  vora  GO., 
cat.  bora,  vol.  vora  (vora  el  riu  am  rande  des  Flusses  JFebr.  162),  wohl 
auch  altfr.  vore  Roq.  suppl.,  worin  ein  vorgesetztes  oder  eigentlich  einge- 
schobenes v  angenommen  werden  darf;  d.  h.  la  vora  steht  zur  Vermeidung 


I.   ORMA-OSTE.  229 

des  hiatus  für  la  ora,  indem  man  sich  wegen  des  gleichlautenden  Tora 
(stunde)  der  anlehnung  des  artikels  enthielt:  ähnlich  sagt  der  Gatalane 
llavore  =  sp.  &  la  hora,  fr.  lors. 

Orma  it.,  urme  wal.  spur  auf  dem  boden;  vb.  ormare  die  spur 
verfolgen,  wal.  urmä  folgen.  Orma  scheint  =  sp.  husma  geruch  d.  h. 
spur,  daher  hnsmar  auswittern,  altfr.  osmer  Parton.  I,  32,  Ren.  I, 
216,  lomb.  ven.  usma,  usmare;  vom  gr.  dafxij  geruch,  oofiaod-ai  riechen, 
spüren,  wal.  in  ders.  bed.  ulmä.  Der  übertritt  des  s  in  r  ist  zwar  sonst 
im  ital.  nicht  üblich,  aber  ebenso  unüblich  ist,  wenn  man  orma  von  forma 
leitet,  der  Wegfall  des  anlautenden  f,  vgl.  übrigens  oben  ciurma.  Ein 
altes  Zeugnis  für  das  wort  gewähren  die  Erfurter  glossen,  355,  19 :  osma 
lsuicae   (ags.  sväc  geruch). 

Orpello  it.,  sp.  oropel,  pr.  aurpel,  fr.  oripeau  flittergold;  wörtlich 
goldhaut,  esgs.  aus  anrum  und  pellis. 

Orza  it.  seil  am  linken  ende  der  segelstange,  linke  seite  des  Schiffes, 
pr.  orsa  (s'una  milla  va  drech,  quatorze  vai  a  Porsa  LR.  IV,  233a), 
fr.  ourse  seil  an  der  segelstange  des  besanmastes  (Trev.),  sp.  pg.  orza 
das  sogenannte  schwert  eines  fahrzeuges,  womit  das  gleichgewiekt  desselben 
hergestellt  toird,  orza  de  avante  ein  ausdruck,  die  richtung  des  schiff  es 
nach  der  linken  hand  zu  bezeichnen;  vb.  it.  orzare,  sp.  orzar  mit  halbem 
winde  segeln.  Span,  orza  bedeutet  auch  ein  gefäß  (entweder  von  urceus 
oder  von  orca,  adjectivisch  orcea)  und  in  der  (hat  war  ein  solches,  eine 
tonne,  eben  so  geeignet,  das  gleichgewicht  des  Schiffes  zu  unterstützen,  wie 
ein  brett  (das  schwert),  aber  worauf  soll  die  beziehung  der  orza  zum 
linken  schiff sbor de  beruhen?  Des  Wortes  eigentlicher  begriff  muß  sein  cdie 
linke  seite  und  so  ist  es  deutschen  Ursprunges:  mndl.  lurts,  mhd.  bair. 
lorz  link;  it.  orza  ist  also  aus  l'orza,  das  anlautende  deutsche  1  als  ar- 
tikel  gefaßt,  entstanden  und  so  ins  span.  übergegangen.  Daß  das  fr.  s 
aber  einem  ursprünglichen  z  entspricht,  dafür  bürgt  die  picard.  form 
orche,  welche  Monnard,  Chrest.  frang.,  verzeichnet 

Orzo  it.,  pr.  ordi,  fr.  orge  gerste;  sp.  orzuelo  gerstenkorn ;  von 
hordeum. 

Ostaggio  it.,  sp.  hostaje,  pr.  ostatge,  fr.  6tage  bürge,  geisel; 
im  späteren  mlatein  hostagium,  hostaticum,  it.  statico;  zsgz.  aus  ob- 
sidaticum  (osdatcum)  vom  ächtlat.  obsidatus  bürgschaß  durch  geisel, 
dies  von  obses.  S.  darüber  Vossius,  Vit.  serm.  3,  14,  und  Grimm,  Rechts- 
alt.  p.  62Q. 

Oste  it.  (bei  dichtem),  sp.  hueste,  pg.  hoste,  pr.  altfr.  ost,  wal. 
oaste  heer,  pic.  ost  («pr.  o)  herde;  abgel.  wal.  osta§  soldat;  vb.  it.  osteg- 
giare,  pr.  osteiar  zu  felde  liegen,  bekriegen.  Schon  im  ältesten  mlatein 
bedeutet  hostis  heer  (hosten»  collectum  habet  Greg.  M.)  oder  hiegsdienst ; 
der  begriff  könnte  sich  aus  der  üblichen  redensart  ire  in  hostem  gegen 
den  feind  d.  i.  zum  hecre  gehen,  entfaltet  haben.  Seltsam  ist  die  Verände- 
rung des  genus:  nüat.  meist  fem.,  ital.  masc.  und  fem.,  sp.  pg.  wal.  fem.,  altfr. 
fem*,  selten  masc.  (li  ost  Ufo  156;  tut  l1  ost  200).  —  Exercitus  erhielt  sich 


230  I.    OSTE— OVE. 

in  voller  anwendung  nur  im  Südwesten,  im  ücd.  ist  es  wenig  üblich,  im 
nordwesten  fast  ein  fremdwort. 

Oste  it.,  sp.  huesped,  pr.  hoste,  fr.  höte,  wal.  oaspet  wirth,  dsgl. 
gast;  von  hospes  (eigentlich  von  hospit-)  gastfreund  (gast  oder  wirOi); 
nimmer  von  hostis.  Ab  gel.  it.  ospitale,  ospedale,  spedale,  mdarfl.  spi- 
tale  (woher  unser  spital),  sp.  pr.  hospital,  fr.  höpital  anstatt  zur  unent- 
geltlichen aufnähme  armer,  Jcranher  und  wanderet,  im  ältesten  ndatein 
z.  b.  bei  Gregor  v.  T.  hospitale,  von  hospitalis  gastlich;  zsgz.  it.  ostale, 
sp.  pr.  hostal,  fr.  hötel,  it.  ostello  (aus  altfr.  hostel)  herber gc,  prov.  auch 
wohnung,  behausung. 

Otriare  it.,  sp.  otorgar,  pg.  outorgar,  pr.  autorgar,  autreyar,  fr. 
octroyer  bewilligen;  von  auctoricare  für  auctorare  bestätigen,  bekräftigen. 
Diesmal  steht  die  neufr.  form  dem  etymon  naher  als  die  altfr.  otroier; 
aber  es  war  ein  wort  des  canzleistils :  die  Volkssprachen  hissen  c  fallen. 
Daher  sbst.  otorgo,  autorc,  autrei,  octroi  bewiUigung. 

Ottarda  it.,  sp.  avutarda,  pg.  abetarda,  betarda,  pr.  austarda,  fr. 
outarde  ein  vogel,  trappe.  Vom  lat.  otis  (cJrt'g)  mit  dem  suffix  ard  ist 
abzusehen,  wie  oft  auch  dies  suffix  thiernamen  bestimmt.  Flinius,  IRst. 
nat.  10,  22,  entziffert  uns  die  etymologie  dieses  wortes:  proximae  iis  sunt, 
quas  Hispania  aves  tardas  appellat  Spanien  aber  hat  sich  hier  offenbar 
eine  getnination  erlaubt:  avutarda  kann  nicht  sein  =  au-tarda  mit  ein- 
geschobenem v,  denn  solche  Zerlegungen  des  diphthongs  sind  nicht  üblich, 
vielmehr  ward  dem  schon  vorhandenen  u-tarda  für  o-tarda  (vgl.  urdir  für 
ordir)  nochmals  ave  vorgesetzt  wie  in  av-estruz.  Das  prov.  wort  ist  eine 
nominativform,  aus  von  avis,  daher  wohl  auch  das  champ.  bistarde. 

Ottone  it.,  sp.  laton,  alaton,  cot.  üautö,  fr.  laitou  messing,  nord. 
lätun;  muthmaßlich  vom  rom.  (it.)  latta  weißes  blech,  also  eigentl.  platte, 
latte,  vgl.  sp.  plata,  das  gleichfalls  der  bed.  platte  eines  metalles  entspricht. 
Die  ital.  form  wird  ihr  anlautendes  1  als  misverstandnen  artikd  verloren 
haben,  mundarten  aber,  die  piem.  fnail.  comask.  venez.,  sagen  loton. 

Ovata  it.,  fr.  ouate,  aus  letzterem  sp.  hnata  wülst  zum  futtern  der 
kleider.  Es  könnte  eine  ableitung  sein  aus  dem  lat.  ovum/ei,  eiförmiges 
ding)  vermittelst  des  Suffixes  ata,  das  dem  begriffe  des  primiüvs  zuweilen 
die  Vorstellung  einer  ausbreitung  im  räume  beifügt  (it.  lombo,  lombata); 
alsdann  wäre  ouate  aus  ovata  entlehnt.  Das  wort  ist  auch  den  deutschen 
sprachen  bekannt,  aber  nicht  den  alten:  nhd.  ndl.  watte,  engl,  wad  (auch 
pfropf,  büschd,  bündel  Halliw.),  schwed.  vadd;  sollte  sich  .gleichwohl 
seine  deutschheit  rechtfertigen  lassen,  so  ist  von  ovum  abzusehn;  aber 
der  herleitung  aus  ahd.  wät  ' vestimentum*  widersetzt  sich  die  bedeutung 
entschieden. 

Ove  it.,  alt  o,  auch  u,  altsp.  o,  altpg.  ou,  pr.  o,  fr.  oü,  ortsadverb, 
von  ubi.    Zsgs.  it.  dove,  fr.  d'oü;  von  de  ubi.  * 


I.   PABILO— PAESE.  231 


P. 


Pabilo  sp.,  pg.  pavfo,  sard.  pavilu,  pr.  pabil,  chw.  pavaigl,  kymr. 
pabwyr  dockt;  von  pabulum  nahrung  (des  feuers);  ähnlich  esca  speise, 
sunder.    Maü.  pabi  futter. 

Pacciare  it.  in  impacciare,  sp,  pg.  pr.  empachar,  fr.  empecher 
beunruhigen,  behelligen,  hindern;  sbst.  it.  impaccio,  sp.'pg.  empacho, 
pr.  empach,  chw.  ampaig;  dsgl.  it.  dispacciare,  spacciare,  sp.  pg. 
despacbar,  fr.  d^pecher  losmachen,  abfertigen,  sbst.  dispaccio,  spaccio, 
despacho,  döpeche.  Der  herleitung  aus  impedicare  verstricken  (bei  Am- 
mianus)  fügt  sich  bloß  das  fr.  empScher,  doch  war  der  eigentliche  aus- 
druck  dafür  altfr.  empegier  =  pr.  empedegar.  Muratori  räth  auf 
pactio,  davon  impactiare  =  pacta  inire  sich  auf  händd  einlassen,  es 
scheint  aber  mit  pacisci  gar  nicht  zusammenzuhängen.  Lot.  impingere 
heißt  einem  etwas  anhängen,  womit  behelligen,  das  frequentativ,  bekannt- 
lich ein  sehr  wichtiges  bildungsmittel  der  neuen  spräche,  wäre  impactare, 
davon  regelrecht  sp.pr.  empachar;  eine  erJdärung,  die  in  denprov.  neben- 
formen  empaitar  und  empaig  (vgl.  faita,  feig  von  facta,  factum)  so  wie 
in  der  bed.  impfen  d.  h.  einstoßen  (impingere)  und  in  der  des  cat.  em- 
paitar verfolgen  {wieder  impingere)  sichern  anhält  findet.  Dis-pactare 
von  difl-pingere  wäre  das  gegentheil  von  impingere,  d.  h.  losmachen,  wie 
disjungere  das  gegentheil  ist  von  injungere,  discingere  von  incingere. 
Franz.  empecher  ist  entweder  aus  pr.  empachar,  empaichar  oder  gradezu 
aus  impactare  wie  flächir  aus  flectere,  altfr.  delecher  aus  delectare:  erst 
ein  pic.  empeker  würde  für  impedicare  zeugen.  Die  französischen  Wörter 
wären  alsdann  von  den  übrigen  zu  trennen.  Das  it.  impacciare  aber 
muß  in  einer  prit  i  bewirkten  abl.  impactiare  seinen  grund  haben. 

Pacco  it.,  fr.  paquet,  sp.  paqnete  bündel,  pack;  wohl  kein  alt- 
romanisches  und  eben  so  wenig  ein  altgermanisches  wort,  zunächst  aus 
dem  ndl.  pak  oder  engl,  pack  =  gael.  pac.  S.  oben  baga.  'In  den  ro- 
manischen, keltischen  und  deutschen  sprachen  stehen  die  stamme  bag  und 
pak  neben  einander,  sind  aber  vielleicht  trotz  den  kreuzungen  der  bedeur 
tung  grundverschieden.3  So  Diefenbach  (Kuhns  und  Schleichers  Beiträge 
I,  262).  Vgl  auch  dessen  Goth.  wb.  I,  339.  343.  344,  und  Weigand 
v.  pack. 

Padiglione  it.,  sard.  papaglioni,  sp.  pabellon,  pr.  pabalho,  fr. 
pavillon  zeit,  auch  kymr.  pabell,  altir.  pupall;  von  papilio  in  dieser  be- 
deutung  bei  Lampridius  und  späteren,  s.  Ducange;  altfr.  paveillon  noch 
in  der  bed.  Schmetterling  Fl.  El.  2353.  Wegen  der  itci.  form  s.  Rom. 
gramm.  I,  189. 

Paese  it.,  sp.  pg.  paYs  (aus  dem  franz.?),  pr.  paes,  fr.  pays  (zwei- 
sab.)  land,  gleichsam  pagense  von  pagus;  dsgl.  dltsp.  pages  Bz.,  pr. 
pages  bauet,  pagensis  bei  Gregor  v.  T.,  in  der  L.  Long.  u.  s.  w.;  daher 
ü.  paesano,  sp.  pg.  paisano  landsmann,  fr.  paysan  landmann. 


232  I.   PAGANO-PALIO. 

Pagano  it.  sp.,  pg.  pagao,  pr.  pagan,  payan,  fr.  payen,  weil,  pegun, 
auch  böhm.  pohan  u.  s.  w.,  adj.  heidnisch,  sbst.  heide;  von  paganus,  also 
eigentl.  ländlich,  bäurisch,  und  so  hießen  die  bekenner  des  alten  götter- 
dienstes,  weil  er  sich  seit  Constantin  d.  gr.  auf  das  platte  land  hatte 
flüchten  müssen.  Dasselbe  was  paganufe,  bezeichnet  unser  heide,  ahd. 
heidan,  goth.  fem.  haithnö  (von  haithi  feld),  vgl.  Grimm,  Myfh.  p.  1198. 

Pagare  it.,  sp.  pg.  pagar,  pr.  pagar,  payar,  fr.  payer  besohlen, 
befriedigen;  sbst.  it.sp.pg.pr.  paga,  fr.  paie  Zahlung,  lohn;  von  pacare 
zum  frieden  bringen,  beruhigen,  roman.  mit  dem  accus,  der  person  oder 
sache:  payer  ses  cr£anciers,  payer  les  int6r§ts.  Die  ursprüngliche  Bedeu- 
tung läßt  sich  im  8.  Leodegar  str.  18  wahrnehmen,  wo  es  heißt:  cio  li 
preia  paias  (se)  ab  lni  er  bittet  ihn  sich  mit  ihm  zu  versöhnen,  für  welche 
bedeutung  sonst  apagar  gebraucht  wird.  Der  walach.  ausdruck  ist  pleti 
=  serb.  platiti. 

Paggio  it.,  pagi  neupr.,  page  fr.  edelknabe  zum  aufwarten,  daher 
sp.  page;  vom  gr.  naidiov  knäbchen,  kleiner  diener,  wie  mhd.  kint.  Die 
Byzantiner  mögen  dies  wort,  wie  manches  andre,  nach  Italien  gebracht 
haben,  wenn  es  nicht  durch  die  kreuzzüge  herüberkam.  In  spätem  tnittel- 
latein  pagius.  Mit  pag6s  von  pagensis  (s.  oben  paese)  ist  es  nicht  zu  ver- 
wechseln. Die  ungeschlachte  herleitung  aus  paedagogium  oder  paedago- 
gianus  ist  nicht  der  rede  werth. 

Paglia  it.,  sp.  paja,  pg.  pr.  palha,  fr.  paille,  wal.  paie  stroh;  von 
palea  spreu.  Daher  pr.  paillola  lager;  fr.  paiUard  unzüchtig,  weil 
die  liederlichen  dirnen,  wie  Caseneuve  erklärt,  ihr  gewerbe  auf  dem  stroh 
ausübten;  zsgs.  pg.  espalhar  zerstreuen,  verbreiten. 

Palafreno  it.,  sp.  palafren,  pr.  palafrei,  fr.  palefroi  zeiter;  vom 
hybriden  para-veredus  nebenpferd  Cod.  Justin.,  zsgs.  aus  uaQa  und  vere- 
dus,  mlat.  parafredus  L.  Bajuv.,  daher  auch  unser  pferd,  ahd.  pherit, 
alts.  pererd.  Die  form  fireno  in  diesem  worte  (fr.  palefrenier)  beruht 
wohl  auf  einer  umdeutung,  indem  man  an  frenum  dachte,  vgl.  Ubaldini 
zu  Barberino.  Lehrreiche  bemerktmgen  über  dieses  wort  bei  Wackernagel^ 
Voc.  opt.  p.  7. 

Palandra  it.,  sp.  pg.  balandra,  fr.  baiandre  kleines  lastschiff  zur 
küsten-,  fluß-  und  canalfahrt  (Seckendorf);  soll  aus  dem  gleichbed.  ndd. 
binnenlander  (der  innerhalb  des  landes  fährt)  entstanden  sein,  s.  Adelung, 
der  auch  ein  deutsches  dem  franz.  entnommenes  beiander  (m.)  anmerkt. 
Spanu  nennt  das  sard.  belandra  ein  flandrisches  schiff.  Roquefort  ver- 
zeichnet als  eine  art  schiffe  palondrie,  palondrin. 

Pal  an  dran  o  it.,  sp.  balandran,  neupr.  balandra,  fr.  balandran 
ein  weiter  rock,  reitrock,  regenmantel. 

Palio  it.  sp.,  pr.  pali,  altfr.  pali,  paile  überMeid,  teppich,  baldachin; 
von  pallium,  zunächst  der  hierzu  verwandte  baumwollen-  oder  Seidenstoff; 
pallium  a  pellibus,  unde  fiebat,  sed  modo  dicitur  pallium  quoddam 
genus  panni  ex  serico  et  quilibet  mantellus  Ugutio.  Es  ist  das  ahd. 
phellol,  mhd.  pfellel,  pfeller  (palliolum).     Wie  der  name   eines  kleides 


L  PALMIERE-PANTOFOLA.  233 

zum  namen  des  dazu  gebrauchten  Stoffes  werden  konnte,  lehrt  unter  andern 
ciclaton,  s.  oben. 

Palmiere  it.,  $p.  palmero,  cdtfr.  paumier  pilger,  eigentlich  ein  zum 
heü.  grabe  waltender,  weil  solche  pilger  palmenzweige  mitbrachten:  qui 
de  Hierosolymis  veniunt,  palmam  in  manibus  ferunt  in  Signum,  quod 
Uli  regi  militarunt,  qui  Hierosolymis  cum  palmis  honorifice  receptus  est 
Durandus,  s.  Ducange;  mkd.  ein  eilender  man  der  truoc  ein  palm  in 
der  hant  Wb.  II,  461. 

Palpebra  tat.  augentied,  im  plur.  auch  wimper,  vornehmlich  wegen 
seiner  zum  iheil  durch  den  unbestimmten  latcin.  accent  veranlagten  roma- 
nischen vielformiglceit  beachtenswerte  Ital.  palpebra,  palpäbro,  venez. 
palpiera,  piem.  parpeila,  sard.  pibirista,  pg.  palpebra,  sp.  palpebra  und 
parpado,  pr.  palpäbra,  palp&a,  p&lpet  (f.),  altfr.  palpre  IM.  psalm.  10,  5, 
neufr.  paupiere,  pic.  paupiele,  norm,  paupille,  churw.  palp^ber,  pal- 
p&ler,  tcaZ.  pleöpe.  Unter  diesen  muß  pr.  palpet  durch  einfluß  von  pal- 
pitare  entstanden  sein,  wofür  man  auf  unser  aus  wimper  abgeleitetes  vb. 
wimpern  d.  i.  in  einer  zitternden  bewegung  sein  (Adelung)  verweisen 
darf.  Wal.  pleop?  läßt  sich,  da  es  wenigstens  im  slavischen  nicht  vor- 
kommt, nur  als  eine  starte  entstellung  des  lat.  wortes  auffassen.  Seltsam 
sieht  das  sard.  pibirista  aus. 

Pancia  it.,  sp.  panza,  pancho,  pr.  pansa,  fr.  panse  wanst;  von 
pantex  panticiß,  wei.  pentece.  Daher  it.  panciera,  sp.  pancera,  altfr. 
panchire,  mhd.  panzier,  nhd.  panzer,  der  iheil  der  rüstung,  der  den  unter- 
leib  bedeckt. 

P  an  dura,  pandöra  it.,  aitsp.  pandurria,  fr.  pandore,  entstellt  sp. 
bandurria,  pg.  bandurra,  sp.  auch  bandöla,  dsgl.  it.  mandöla,  fr.  man- 
dole,  mandore  ein  Saiteninstrument,  zither;  von  pandura,  pandurium,  gr. 
navdovQa. 

Paniere  it.,  altsp.  panero,  pr.  fr.  panier  korb;  von  panarium 
broücorb. 

Pannocchia  it.,  sp.  panoja  büschel  an  derhirse;  von  panucula  für 
panicula,  bei  Festus  ed.  Müller  p.  220,  wie  auch  Pott  bemerkt  in  der 
abhandl  Flattlat.  316. 

Pant&no  it.  sp.  pg.  sumpf,  schlämm;  mlat.  pantanum  begegnet  in 
einer  Urkunde  Karls  d.  gr.  Marin,  p.  106u .  Menage  meint  vom  hypothe- 
tischen paludanum,  was  schwer  zuzugeben  ist.  Stammt  es  vom  gr.  narog, 
narr^a  (koth)  mit  eingefügtem  n  wie  im  folgenden  worte?  Lombardisch 
hat  man  das  einfache  palta  {piem.  pauta),  abgel.  paltan  =  pantano;  es 
könnte  aus  polta  brei,  von  puls,  abgeändert  sein,  denn  auch  poltiglia 
heißt  brei  und  schlämm,  chw.  pantan  ist  gleichbedeutend  mit  pultan. 

.  Pantöfota,  pantufola  it.,  ival.  pantofl^,  sp.  pantuflo,  fr.  pantoufle 
(f.)  eine  fußbekkidung,  Halbschuh.  Von  zweifelhafter  herkunft,  sicher 
nicht  von  der  ungeschickten  griech.  Zusammensetzung  7tavt6-(peU.og  ganz- 
kork, wobei  die  Verarbeitung  des  korks  zu  pantoffelsohlen  in  anschlug  kam. 
Em  compositum  scheint  es  allerdings.    Der  erste  theil  desselben  ist  etwa 


234  L  PAPA— PAPPAGALLO. 

das  fr.  patte  fußsohle,  denn  es  fehlt  nicht  an  mundartlichen  formen  ohne 
n,  z.  b.  ndl.  pattuffel,  piem.  patofle  neben  pantofle;  in  der  persönlichen 
bed.  eines  menschen  mit  schleppendem  schwerfälligem  tritt  genf.  patoufle, 
henneg.  norm,  patouf,  denen  sich  fr.  pataud  vergleicht.  Der  Catalane  sagt 
plantofa,  das  an  planta  (sohle)  mahnt,  er  muß  jedoch  das  1  durch  um- 
deutung  versetzt  haben,  denn  hieraus  patofla  entstehen  zu  lassen,  wäre  der 
spräche  zu  viel  zugemuthet.  Aber  was  ist  mit  dem  zweiten  theile  des 
Wortes  anzufangen?  Neupr.  sagt  man  auch  man-oufle  (f.)  für  eine  hand- 
bekleidung,  einen  muff,  latinisiert  raaniflua  Gl.  de  Litte  p.  8  (Seh.  17), 
muthmaßlich  am  manupula  (s.  oben  manopola)  wie  fondefle  aus  fundibu- 
lum:  sollte  pantoufle  diesem  werte  nachgebildet  sein,  da  oufle  für  sich 
nichts  bedeutet?  und  ivürde  sich  auch  fr.  emmitoufler  (wohl  von  amic- 
tus)  auf  diesem  wege  erklären  lassen?  —  [Man  sehe  auch  bei  Atzler,  der 
die  endung  oufle  aus  dem  deutschen  herzuleiten  versucht.] 

Papa  fr.  vater  (in  der  kinder spräche),  von  papa,  das  nicht  in  pape 
oder  peve  übergieng,  weil  es  als  gemination  pA-pa  behandelt  ward,  welche 
die  Joinder  lieben;  daher  entlehnt  das  span.  und  mdartl.  ital.  pap£,  wofür 
diese  sprachen  die  einheimischen  ausdrücke  taita  und  babbo  besitzen. 
Dasselbe  wort  ist  it.  sp.  pg.  papa,  fr.  pape  höchster  priester  der  katholi- 
schen kirche.  —  Lot.  papa,  pappa  speise  oder  brei  der  kinder  ist  gemein- 
romanisch:  it.  pappa,  wal.  pape,  sp.  pg.  papa,  alt  fr.  papin,  papette;  so 
auch  pappare  essen,  brei  essen,  das  im  sard.  papai  ganz  die  stelle  von 
mangiare  einnimmt.  Dazu  noch  ein  subst.  it.  pappo  brot,  sp.  pg.  papo 
bissen,  den  der  falke  mit  einem  male  verschluckt,  dsgl.  kröpf  der  vogel 
(auch  päpera),  wamme  der  ochsen  (etwas  gefuttertes,  gemästetes),  ven.  veron. 
papota  (auch  papa)  dicker,  fleischiger  backen,  papon  und  papota  adj.  fett, 
fleischig,  ausgemästet,  sp.  papudo  mit  dickem  hals  oder  kröpf.  Gleicher 
herlcunft,  aber  durch  dissimilation  abgewicJten,  ist  wohl  auch  it.  paffuto 
s:  v.  a.  ven.  papoto,  und  selbst  wohl  sicil.  baffü,  vgl.  pic.  norm,  empafer 
vollstopfen.  Für  die  bed.  kröpf  mag  auch  noch  lat.  papula  (blauer,  blase) 
erwogen  werden,  dem  die  span.  spräche  die  bed.  kröpf  artige  geschwulst,  die 
ital.  die  bed.  geschwür  DC.  s.  v.  beilegt. 

Pappagallo  it.,  cot.  papagall,  wal.  papagal,  sp.  pg.  papagayo,  pr. 
papagai,  altfr.  papegai  und  papegaut,  engl,  popinjay,  vrlt.  papyngay 
Halliw.,  mhd.  papegän,  mittelgr.  nanayag,  ngr.  nanayalhog  name  eines 
vogels.  Das  roman.  gebiet  hat  psittacus  verloren,  das  sich  im  deutschen 
sittich  erhielt,  s.  Dief.  Gloss.  lat.  germ.  v.  psittacus.  Das  neue  wort  hat 
das  ansehen  eines  compositums  und  wird  in  dieser  Voraussetzung  auf  ver- 
schiedene weise  gedeutet,  z.  b.  von  papa  pfaffe  und  edifr.  gai  =  nfr.  geai 
höher,  oder  ebenso  von  papa  und  gallo  hahn,  weil  die  geistlichen  diese 
vögel  vornehmlich  gehalten  hätten,  s.  Frisch  II,  39* ,  und  dazu  scheint 
auch  das  engl,  pope  zu  stimmen;  doch  darf  man  nicht  vergessen,  daß 
papa  papst,  nicht  geistlicher  heißt,  der  sinn  also  papsthäher  oder  papst- 
hahn  wäre,  ein  name,  für  welchen  in  der  Sache  nicht  der  geringste  grund 
vorhanden  ist.    Andre  deuten  ihn  aus  pavus  gallus  pfauhahn,  was  etwas 


I.  PAPPALARDO-PARCO.  235 

ganz  anders  aussagt.  Wer  es  ferner  vom  gleichbed.  arab.  babagä  her- 
leitet, der  möge  bedenken,  daß  dieses  wort  in  der  arab.  spräche  keine 
würzet  hat  und  erst  spät  voreukommen  scheint  (Gol.  p.  213,  Freyt.  I, 81a), 
so  wie  daß  die  Vertretung  des  arab.  b  durch  rom.  p  wenigstens  ungewöhn- 
lich ist :  umgekehrt  drückt  der  Araber  das  fremde  p  durch  b  aus,  Boqra(t 
b.  b.  ist  Hippocrates.  Unglücklich  ist  Gtniris  einfall,  papagault  bedeute 
einen  vogel,  der  die  zweige  des  weddes  (gault)  d.  h.  die  Stangen  seines 
käfigs  benage:  es  liegt  auf  der  hand,  daß  dies  nur  den  sinn  waldfresser 
haben  kannte;  wer  denkt  aber  bei  einem  stängdchen  an  den  wald?  Es 
ist  also  mit  diesen  umdetUungsversuchen  nichts  entschieden.  Ein  andrer 
natne  des  vogels  ist  parrocchetto,  s.  unten. 

Pappalardo  it.,  papelard  fr.  scheinheiliger ;  nach  Gbxin,  Eecreat. 
phüol.  I,  433,  einer  der  enthältsamkeit  heuchelt,  aber  im  geheimen  speck 
ißt  (pappe-lard).  Daß  dies  im  geheimen  geschieht,  worauf  hier  alles  an- 
kommt,  muß  man  freilich  supplieren.  Die  ital.  spräche  hat  noch  andre, 
den  scheinheiligen  kräftiger  zeichnende  ausdrücke,  wie  baciapile  säulenküsser, 
stropiccione  reibwisch  (der  auf  den  knien  umherrutscht),  graffiasanti  heili- 
genkratz  er,  torcicollo  halsverdreher  (augenverdreher  würden  wir  lieber  sagen). 
Paraggio  it.,  pr.  paratge,  ebenso  arag.  (Ducange),  fr.  parage 
herkunß,  stand;  eigentl.  gleichheit,  ebenbürtigkeit,  von  par. 

Paragone  it.,  sp.  paragon,  parangon,  fr.  vrlt.  parangon  verglei- 
chung.  Das  wort  ist  von  Spanien  ausgegangen  und  dankt  seinen  Ursprung 
den  substantivisch  angewandten  präpositionen  para  con,  z.  b.  la  criatura 
para  con  el  criador  das  geschöpf  im  vergleich  mit  dem  Schöpfer:  c  zwischen 
voccden  mußte  zu  g  herabsteigen.  Es  ist  also  verlorene  mühe,  es  im  grie- 
chischen aufzusuchen. 

Parare  it.,  pr.  parar  hinhalten  z.  b.  die  wange,  auch  sp.  parar  in 
parar  mientes  animum  advertere;  in  andrer  bed.  ital.  abhalten  z.  b.  einen 
stoß,  so  fr.  parer  parieren,  sp.  anhalten,  stehen  machen.  Lot.  parare  ge- 
währt nur  die  bed.  bereiten;  hieran  knüpfte  sich  einerseits  die  bed.  hin- 
halten, eigentl.  bereit  machen,  bereit  halten,  andrerseits  die  bed.  ab- 
.  kalten,  anhalten,  eigentl.  verwahren,  schützen,  wie  lat.  defendere.  Von 
parare  schützen  ist  it.  para- petto,  daher  fr.  parapet  brustwehr;  von 
parare  abhalten  it.  para-sole,  fr.  parasol  Sonnenschirm,  para-vento 
windschirm;  darnach  gebildet  fr.  para-pluie  (m.)  regenschirm.  Auch 
it.  rip arare,  sp.  reparar,  sofern  es  abhelfen,  bewahren  heißt,  weicht  vom 
lat.  warte  ab,  sbst.  riparo,  reparo  ausweg,  schutzwehr.  Zu  merken  auch 
it.  comperare,  comprare,  sp.  pr.  comprar,  cdtfr.  comperer,  wal.  cum- 
p^ra,  bloß  mit  der  bed.  kaufen,  lat.  comparare.  Eine  neue  zss.  ist  sp.  pg. 
pr.  emparar,  amparar  (wie  sp.  embrollar,  ambrollar)  in  besitz  nehmen, 
ergreifen,  fr.  s'emparer  sich  bemächtigen,  it.  imparare  lernen  (wie  ap- 
prendere);  fr.  se  rem  parer  sich  verschanzen,  sbst.  rempart  (früher 
rempar  gesehr.)  verschanzung,  wall.  Eine  andre  zss.  ist  it.  8 parare, 
sp.  disparar  ein  gewehr  losschießen,  eigentl.  entladen,  entrüsten. 

Par co  it.,  sp.  pg.  parqae,  pr.  parc,  pargue  (noch  jetzt  mit  g  pargou, 


236  I.    PARECCHIO— PARPAGLIONE. 

• 

pargado,  pargagi),  fr.  parc  Umzäunung,  thier garten,  daher  z.  b.  fr.  par- 
quet,  vb.  parquer.  Es  tritt  bereits  im  frühsten  nüatein  auf;  parcus, 
parricus  L.  Rip.,  L.  Angl.,  parc,  parch  L.  Bajuv.,  wo  es  aber  Kornspeicher 
bedeutet;  ahcL  lautet  es  pfarrich,  pferrich,  nhd.  pferch,  ags.  pearruc  Chron., 
pearroc  Alfred.,  gad.  p&irc,  kymr.  parc,  parwg.  Scaliger  hielt  es  für 
eine  entstellung  aus  pale,  dies  von  palus  pfähl,  in  beziehung  auf  die  ein- 
zäunung;  andre  leiten  es,  gestützt  auf  eine  ital.  nebenform  barco,  vom 
deutschen  vb.  bergen,  prät.  barg,  aber  der  anlaut  ist  entschieden  die 
tenuis,  ahd.  pf ;  andre  vermuthen  celtischen  Ursprung  (Diefenb.  Goth.  wb. 
I,  265),  aber  auch  in  dieser  spräche  steht  es  da  wie  ein  fremdling.  Es 
wird  zu  bedenken  sein,  ob  es  nicht  vom  lat.  parcere  herstammen  könne: 
substantiva  mit  activem  sinne  aus  verbis  sind  häufig.  Wie  it.  redina  von 
retinere  etwas  zurückhaltendes,  cigna  von  cingere  etwas  umgürtendes,  so 
konnte  parco  etwas  schonendes,  schützendes  bedeuten;  das  Substantiv  ent- 
stand zu  einer  zeit,  wo  ce  noch  guttural  gesprochen  ward,  daher  ital. 
nicht  parcio,  vgl.  sp.  torca  von  torquere,  roman.  torcere  u.  a.  Dagegen 
ließen  sich  einwenden  die  ags.  formen  pearruc,  pearroc,  insofern  diese 
spräche  in  latein.  Wörter  keinen  able\tiwgsvoccd  einschiebt,  doch  konnte 
das  beispiel  einheimischer  formen  wie  veolc,  veoluc,  veoloc  leicht  zu  jener 
einschiebung  verführen. 

Parecchio  it.,  parejo  sp.,  pareil  fr.  gleich,  wal.  sbst.  pereäche 
paar;  dimin.  von  par,  mlai.  pariculus:  hoc  sunt  pariculas  causas  pareilles 
choses  L.  Scd.  u.  s.  w.  Der  ital.  plur.  parecchi  bedeutet  '  mehrere \  eigenÜ. 
mehrere  dinge  von  gleicher  art,  mehrere  exemplare.  Zsgs.  it.  apparec- 
chiare,  sp.  aparejar,  pr.  aparelhar,  fr.  appareiller  eigenÜ.  paarweise 
verbinden,  paaren  (wie  noch  franz.),  daher  zusammenfügen  {vgl.  lat.  com- 
binare),  zurüsten,  sbst.  apparecchio  ff.  zurüstung. 

Parola  it.,  sp.  palabra,  pg.  palavra,  alt  paravoa  SBos.,  pr.  cdtit. 
altsp.  paraula,  fr.  parole  wort;  von  parabola  gleichnis,  daher  spruch, 
wort,  schon  im  frühern  mlatein.  Es  ist  ersatz  für  verbum,  das  man  aus 
scheu  vor  seiner  religiösen  bedeutung  vermied  (Schlegel,  Obs.  sur  la  langue 
prov.  not.  33),  wenigstens  sind  it.  sp.  verbo,  altsp.  vierbo,  pr.  verbi, . 
churw.  vierf  (plur.  verba  s.  Cctrisch  p.  214)  in  dieser  allgemeinen  bedeu- 
tung unübliche  Wörter,  nur  das  wal.  vorbe  (fem.  wie  altit.  verba  PPS.  II, 
170)  ist  gleichbed.  mit  parola.  Vb.  it.  parlare,  sp.  pr.  parlar,  pg. 
palrar,  fr.  parier,  dsgl.  pr.  paraular,  attfr.  paroler,  noch  bürg,  pairölai 
reden,  mlat.  parabolare :  nostri  seniores  parabolaverunt  simul  et  conside- 
raverunt  (Jap.  Car.  Calv. 

Parpaglione  it., pr. parpalho,  lomb.  auch  parpaj,  parpaja  Schmetter- 
ling; entstellt  aus  papilio,  welchem  cot.  papallö  zunächst  steht.  Daher  it. 
sparpagliare,  pr.  esparpalhar,  altfr.  esparpeiller  LRs.  336,  nfr.  £par- 
piller,  sp.  desparpajar  umherstreuen  (auseinander  flattern  machen);  der- 
selbe begriff  wird  neupr.  ganz  etitsprecliend  durch  esfarfalhä  (von  farfalla 
=  parpalho)  ausgedrückt.  Andre  namen  dieses  insectes  sind  it.  farfalla, 
sard.  faghefarina,  parabatola,  calagasu,  sp.  mariposa,  alevilla  (im  Dicc. 


I.   PARROCCHETTO— PASQUINO.  237 

cast.  catal.  Heus  1836),  bresc.  barbel,  pg.  borboleta,  churw.  bulla,  lothr. 
bonbU  u.  s.  w. 

Parrocchetto  it.,  periquito  sp.,  perroquet  fr.  papagei.  Es  soll 
pfäffchen  bedeuten,  von  parochus,  weü  die  geistlichen  'Herren  diesen  vogel 
zuerst  gehalten  hätten,  s.  pappagallo.  Erwägt  man  das  einfachere  span. 
perico,  welches  Peterchen  und  papagei  bedeutet  und  nicht  aus  parochus  ab- 
zuleiten ist,  so  hat  man  eins  der  mehrfachen  beispiele  von  anwendung  mensch- 
licher natnen  auf  thiere  vor  sich;  mehrere  andre  gibt  Menage  v.  perroquet. 

Parröchia  it.,  sp.  pr.  parroquia,  fr.  paroisse  kirchspiel;  nüat.  pa- 
rochia,  verderbt  aus  gr.  naqonda  (daher  paroecla  bei  Augustinus,  worauf 
sich  die  franz.  form  bezieht),  buchstäbl.  fremdlingsleben,  im  kirchlichen 
sinne  nachbarschaß,  mit  hinsieht  auf  naQoixog  nachbar,  entweder  weil 
die  glieder  derselben  pfarre  sich  als  naclibarn  betrachteten  (vgl.  pr.  paroc 
pfarrkind,  ital.  aber  pdrroco,  wal.  paröh  pfarrer),  oder  weil  die  ältesten 
Christen  ihre  religiösen  Zusammenkünfte  (hxlrjoicu)  in  der  nachbarschaft 
großer  städte  hielten.    Davon  handelt  Ducange  s.  v.  parochia. 

Partigiana  it.,  altval.  partesana  JFebr.  28,  fr.  pertuisane  eine 
der  hellebarde  ähnliche  waffe.  Ist  die  franz.  form  die  ächte,  so  floß  das 
wort  aus  pertuis,  allein  was  soll  dies  heißen?  Rabelais  schrieb  partui- 
sane  und  in  der  (hat  verräth  die  gangbar  gewordene  form  pertuisane 
eine  auf  pertuiser  gestützte  Umbildung  desselben,  indem  man  an  eine 
durchbohrende  waffe  dachte.  Auch  das  deutsche  bartä  (partä)  ist  aus  dem 
spiele  zu  lassen,  das  suffix  würde  sich  nicht  rechtfertigen  können.  Viel- 
leicht läßt  sich  auf  andre  weise  helfen.  Mit  dem  masc.  partisan  bezeich- 
nete man  einen  partheigänger,  den  führet  eines  haufens  leichter  truppen 
(Trev.):  sollte  die  solchen  truppen  zukommende  waffe  nicht  ihren  namen 
daher  empfangen  haben?  Beispiele  dieser  ort  sind:  it.  gialda  spieß  vom 
pr.  gelda  fußvolk,  oder  it.  mugavero  Wurfspeer,  eigentl.  leichter  reiter, 
oder  sp.  gineta  spieß,  von  ginete  reiter,  oder  auch  it.  rubalda  pickelhaube, 
wohl  von  rubaldo. 

Parti  re  Ä,  sp.  pr.  fr.  partir  in  der  bed.  abreisen,  theüsmit,  theils 
ohne  reflexivpronomen,  ursprünglich  aber  gewiß  nur  mit  demselben  ge- 
braucht (attfr.  se  partir  Orelli  175);  von  se  partiri  sich  theüen,  sich 
trennen,  weggehen,  vgl.  unser  scheiden  für  trennen  und  sich  trennen. 

Pasqua  it.,  sp.  pr.  pascua,  fr.  päque  Osterfest,  lat.  pascha,  be- 
kanntlich aus  dem  hebr.  pesach  Übergang  d.  i.  auszug  der  Juden  aus 
Ägypten.  Die  einschiebung  des  u,  auf  die  auch  die  franz.  form  weist 
(pasca  hätte  päche  ergeben),  ist  alt  (pascua  Gl.  Keronis  20la  u.  s.  w.) 
und  erklärt  sich  genügend  aus  einmischung  von  pascua  weide  d.  h.  ende 
der  fasten.  Doch  sagt  der  Frovenzole  auch  pasca,  pascha,  der  Sarde 
pasca,  der  Baske  pazco.  Eine  abl.  ist  pr.  altfr.  pascor,  alt  it.  pascore 
Trucch.  I,  24  osterzeit,  frühling;  ob  nach  dem  genitiv  plur.  von  pascha 
(pascharuin)  gebildet,  wie  man  neuerlich  angenommen  hat,  dies  zu  erwägen 
Ueibe  der  grammalik  überlassen. 

Pasquino  it.  name  einer  statue  in  Rom,  an   welche  man  spott- 


238  I.   PASSAMANO— PATTA. 

Schriften  zu  heften  pflegte,  daher  ü.  pasquinata  ff.  Spottschrift,  witziger 
einfall;  sp.  pasquino,  it.  pasquillo  (aus  pasquinolo?  vgl.  culla  aus  cunula 
u.  a.)  dass.,  fr.  pasquin  lustigtnacher. 

Passamano  iL,  sp.  pasamano,  fr.  passement  borte  oder  besäte  an 
kleidern  und  möbeln,  posament.  Span,  pasamano  heißt  treppengeländer, 
porque  pasamos  por  61  la  mano,  den  ausdruck  für  die  einfassung  der 
treppe  übertrug  man  auf  die  der  kleider;  so  deutet  Covarruvias.  Diese 
Übertragung  wäre  möglich:  ward  doch  auch  eine  andre  ort  der  Verzierung 
oder  einfassung  von  kleidern  und  anderem  g.eräthe,  triforium  ($.  trifoire 
IL  c),  aus  der  architectur  genommen.  Passement  vom  verbum  passer, 
weil  die  schnüre  durchgezogen  werden,  erklärt  Frisch.  Schwed.  pasnian, 
ungr.  päszma,  paszom&n,  poln.  pasaman  u.  a.  stellt  Diefenbach  zusam- 
men, Goth.  wb.  I,  344. 

Passare  it.,  sp.  pasar,  pg.  pr.  passar,  fr.  passer,  wai.  p<jsä  durch- 
schreiten. Es  erklärt  sich,  da  es  von  hause  aus  transitiv  ist,  besser  viel- 
leicht als  ein  frequentativ  von  pandere,  partic.  passus,  in  der  bed.  öffnen 
(ebenso  it.  spassare  von  expandere),  denn  als  ableitung  von  passus  schritt 
(schritte  machen) :  pandere  moenia,  pandere  rupem  die  mauer,  den  f eisen 
sprengen,  durchbohren,  liegt  dem  durchdringen,  durchschreiten  ganz  nahe, 
ja  die  bed.  durchbohren  steht  dem  roman.  worte  noch  immer  zu.  Dagegen 
ist  it.  passeggiare,  sp.  pasear  wandeln  entschieden  von  passus. 

Pasta  it.  sp.  pg.  pr.,  päte  fr.  teig  von  meU  u.  dgl.  Von  pistus 
(gestampft,  geknetet)  leidet  der  buchstabe  nicht;  richtiger  darum  von  pas- 
tus  nahrung,  wobei  einfluß  von  pastillus  mehßcüglein  in  anscUag  zu  brin- 
gen ist;  die  span.  form  plasta  scheint  sich  dagegen  an  plasma  zu  lehnen. 
Von  pastillus  ist  it.  pastello,  sp.  fr.  pastel  aus  farbenteig  geformter 
und  getrockneter  stift  zum  malen,  fr.  pastille  rauchkerzchen.  Zsgs.  fr. 
appät  lockspeise,  pl.  appas  reize. 

Pastoja  it.  spannkette  der  pferde  auf  der  weide,  nüat.  pastorium: 
si  quis  pastorium  (dl.  pastoriam)  de  caballo  alieno  tulerit  L.  Long.;  von 
pastorius,  buchstäblich  weidekette,  altfr.  schlechtweg  pasture.  Daher  it. 
pasturale,  fr.  päturon  unterer  theil  des pferdefußes,  wo  die  spannkette 
angelegt  wird,  der  darum  auch  im  deutschen  fessel  heißt;  vb.  it.  im  pas- 
toja re,  fr.  emp&trer  für  empeturer  (norm,  empaturer)  die  fessel  anlegen, 
it.  spastojare,  fr.  döpetrer  dieselbe  abnehmen. 

Patta  cremon.  latz,  klappe  an  kleidern,  neupr.  pata  läppen,  comask. 
fuß,  sp.  cat.  pata,  fr.  patte  tatze,  pfote,  sp.  patear  traben;  sp.  pato, 
pata,  alban.  pat$  gans;  wohl  auch  fr.  pataud  küchenhund  (mit  breitet* 
tatzen);  sp.  patan  bauernlümmel ;  bürg,  pata-pouf,  in  Eheims  pata-boeuf 
tölpel;  dsgl.  it.  pattino,  fr.  patin  Schlittschuh.  Ohne  grade  vom  gr. 
navog  (tritt),  Ttaveiv  (treten)  herzurühren,  trifft  das  roman.  wort  als 
natur ausdruck  wie  unser  patschen  damit  zusammen,  indem  es  etwas  plattes, 
platt  auftretendes  ausdrückt.  —  [Dagegen  ist  Stier  geneigt,  pata  gans  für 
semitisch  zu  halten,  da  gans  und  ente  arabisch-türkisch  bat  heiße,  s.  Zeit- 
schrift für  vergl.  sprachf.  XI.] 


I.  PATTUGLIA— PEDANTE.  239 

Pattuglia  it.,  sp.  patrulla,  fr.  patrouille,  früher  patouille,  streif- 
wache; vb.  sp.  patrnllar,  patullar,  fr.  patroullier  streifen.  Letzteres 
hei/U  auch  mit  händen  oder  fußen  in  einer  pfütze  rühren,  patrouille  rühr- 
kette  (bei  Nicot).  R  ist,  wie  öfters  nach  t,  eingeschoben  und  so  fließt  pa- 
touiller  aus  patte  und  bedeutet  eigentl.  patschein,  hin  und  hertreten  be- 
sonders im  schmutz:  gleicher  Bedeutung  ist  henneg.  patoquer,  patrouquer, 
paftriquer,  patouger,  champ.  patoiller,  platrouiller. 

Pausare  iL,  sp.  pg.  pr.  pausar,  fr.  pauser  ruhen,  innehalten;  vom 
nachclassischen  pausare.  Daneben  mit  der  bed.  ruhen,  fußen  und  transit. 
ruhen  machen,  niedersetzen  it.  posare,  sp.  posar  (sbst.  posada  wohnung, 
herberge),  pg.  pousar,  fr.  poser,  prov.  aber  nur  pausar.  Bereits  die  L.  Alam. 
tu.  64  sagt  et  pausant  arma  sua  josum.  Zsgs.  ist  it.  ri posare,  sp. 
reposar,  pg.  repousar,  pr.  repausar,  fr.  reposer  ausruhen,  ausruhen  lassen. 
Aber  fr.  däposer,  disposer,  exposer,  imposer,  proposer,  supposer  sind 
aus  deponere,  disponere,  exponere,  imponere,  proponere,  supponere  mit 
anbildung  an  das  begriffsverwandte  pausare,  da  auch  der  Provenzale 
depausar,  dispausar,  expausar,  empausar,  perpausar,  supausar  spricht, 
denn  die  lat.  Wörter  konnten  nur  diejenigen  sprachen  brauchen,  die  auch 
das  einfache  ponere  nicht  von  sich  gewiesen  hatten:  it.  diporre,  sp.  de- 
poner  ff.,  das  einfache  ponere  aber  kennt  die  franz.  und  prov.  spräche 
nur  noch  in  einer  ganz  eingeschränkten  bedeutung,  s.  pondre  11.  c. 

Parese  und  palvese  it.,  sp.  paves,  fr.  pavois  großer  schüd;  nach 
Ferraris  vermuthung  von  Pavia  benannt,  wo  sie  etwa  verfertigt  wurden, 
wie  man  die  dolche,  pistolesi,  nach  Pistoja  benannt  habe.  Belege  dafür 
bei  Muratori,  Ant.  ital.  II,  616.  Die  Walachen  haben  paveze  (f.),  die 
Ungarn  pais,  die  Böhmen  paweza. 

Pecca  it.,  pr.  peea,  pec  fehl,  mangel,  sp.  peca,  pg.  peco  fleck;  von 
peccare. 

Pedaggio  it.,  sp.  peage,  fr.  päage  zoll;  von  pes  pedis.  Pedagia 
dicuntur  quae  dantur  a  transeuntibus  BreViloquus. 

Pedante  it.  sp.  pg.,  pädant  fr.,  ein  auch  ins  deutsche  aufgenom- 
menes wort.  Darüber  sagt  Varchi  (Ercol.  p.  60,  ed.  di  1570):  quando 
io  era  piccino,  quegli  che  avevano  eura  de1  fanciugü,  insegnando  loro 
.  .  e  menandogli  fuora,  non  si  chiamavano,  come  oggi,  pedanti  ne  con 
voce  greca  pedagogi,  ma  con  piü  orrevole  vocabolo  ripititori.  Pedante 
war  also  früher  {und  ist  noch  im  piemont.  nach  Zalli)  ein  erzieher  oder 
hofmeister:  das  der  griechischen  spräche  mächtigere  Itcdien  romanisierte 
naideveiv  in  paedare  und  zog  daraus  das  particip  pedante,  man  vergleiche 
frescante  frescomaler,  dem  gleichfalls  kein  vorhandenes  verbum  frescare 
zu  gründe  liegt.  Wie  aber  das  wort  zu  seiner  heutigen  bedeutung  ge- 
langte, ist  leicht  einzusehen.  —  [Mahn  p.  104  hält  vorstehende  erklärung 
von  pedante  für  bedenklich,  da  herkunß  romanischer  aus  griechischen 
verbis  selten  sei:  er  zieht  das  von  Pacuvius  gebrauchte  paedagogans  als 
etymon  vor.  Wenn  er  andrerseits  die  einführung  wissenschaftlicher  Wörter 
aus  dem  griechischen   als  etwas  gewöhnliches  einräumt,  so  könnte  man 


240  I.   PEDONE -PELTRO. 

fragen,  ob  unser  die  schule  betreffendes  vermuthlich  unter  den  gelehrten 
aufgekommenes  wort  einem  wissenschaftlichen  nicht  nahe  verwandt  war? 
Ein  stärkeres  bedenken  aber  gegen  diese  deutung  liegt  im  buchst  oben: 
würde  sich  das  der  ital.  Sprache  aufgedrängte  pedagogante  mit  der  seit 
nicht  lieber  in  pegante  verkürzt  hoben  als  in  pedante?] 

Pedone  it.,  sp.  peon,  pr.  peoo,  pezon,  fr.  pion  fußgänger;  gleich- 
sam pedo  pedonis  von  pes.  Daher  pr.  pezon i er,  aJtfr.  peonier  mit 
gl.  bed.,  nfr.  pionnier  schanzgraber.  Speeidl  franz.  ist  piäton,  welches 
lat.  pedito  peditonis  (von  pedes  peditis,  tnlat.  vb.  peditare)  voraussetzt. 

Pegar  sp,  pg.  pr.  leimen,  heften,  empeg&r  pichen,  apegar  ankleben, 
anheften;  von  ptcare  mit  richtiger  darstellung  des  T  durch  e.  Die  frans. 
Sprache  formte  poisser,  empoisser  gradezu  aus  pix  picis.  Die  ital.  hat 
viererlei  formen:  impeciare  =  fr.  empoisser,  empeser  (sbst.  empois), 
inipegolare,  sard.  impigare  =  pr.  empegar,  sodann  appicciare, 
impicciare  und  selbst  appiccare  ankleben,  anheften,  impiccare  auf- 
hängen, spiccare  losmachen.  Daß  letztere  nicht  mit  piccare  (stechen)  zu- 
sammengesetzt sind,  zeigen  die  bedeutungen:  appiccare*.  b.  würzet  fassen 
—  SP-  pegar;  das  unregelmäßige  picc  für  pec  (lat.  pic)  könnte  etwa  im 
deutschen  pichen  seine  erkiärung  finden.  Sp.  empeguntar  zsgs.  mit 
untar  salben. 

P^lago  it.,  sp.  pielago,  pg.  pego,pr.  peleg  (peleagre  bei  A.  Daniel) 
meer,  vb.  cat.  empelegar  sich  aufs  meer  begeben  Chr.  d9Escl.  p.  713h;  von 
pelagus.  Aber  die  roman.  hauptbedeutung  ist  abgrund,  grundloses  wasser 
(sp.  auch  teich,  fischteich  Cdl.  e  D.  p.  24h.  26h,  großer  see  das.  74h,  pg< 
pelago  brunnen,  teich  SRos.)  und  diese  bedeutung  zeigt  es  auch  im  mlatein, 
worin  es  eben  so  üblich  ist. 

Pelare  it.,  sp.  pg.  pr.  pelar,  fr.  peler  haare  oder  federn  ausrupfen, 
schälen;  von  pilare  der  haare  berauben,  nicht  von  pellis. 

Pell  egri  no  it.,  pr.  pelegrin,  pelerin,  fr.  pelerin  wander  er,  waller; 
von  peregrinus,  sp.  peregrino.  Aus  der  roman.  form  mit  1  ist  unser  pil- 
grim,  pilger. 

Pelliccia  it.,  pg.  pellissa,  fr.  pelisse,  ahd.  pelliz,  nhd.  pelz;  vom 
adj.  pelliceus,  pellicea.  Zsgs.  fr.  surplis  für  surpelis  chorhemd,  pr. 
sobrepelitz. 

Peltro  it.  feines  mit  Quecksilber  raffiniertes  zinn,  sp.  pg.  peltre 
mischung  von  zinn  und  blei,  dltfr.  peautre  Eoquef.,  ndl.  peauter  KU., 
engl,  pewter.  Die  Italiener  meinen  ihr  wort  aus  England  empfangen  ztt 
haben,  aber  nach  den  Sprachgesetzen  ist  grade  das  umgekehrte  zu  ver- 
muthen.  Erst  aus  pewter  scheint  das  gael.  feödar  geschaffen  wie  füdar 
aus  powder,  fr.  poudre.  Der  ital.  oder  span.  form  also  wäre  nachzu- 
spüren. Sollte  es  etwa  herrühren  aus  dem  prov.  em-peltar  pfropfen, 
impfen,  und  eine  mischung  oder  Veredlung  des  metalls  (des  zinnes  durch 
quecksilber,  des  bleies  durch  zinn)  bedeuten?  Auch  noch  eine  form  mit 
vortretendem  s  ist  zu  erwähnen:  engl,  spelter,  nd.  spialter,  AocW*spiau- 
ter,  altfr.  espeautre  (KU.  307a,  unbelegt). 


I 

I 


I.   PENNA-PERLA.  241 

Penna  it.  berggipfd,  sp.  peöa,  pg.  penha  fels,  Hippe,  das  span. 
wort  schon  in  den  ältesten  Urkunden,  z.  b.  Yep.  III,  17  (v.  j.  780)',  de 
Pozo8  usque  ad  summam  pennam  Esp.  sagr.  XXVI,  442  (v.  j.  804). 
Von  pinna  zinne  der  mauer,  pr.  pena,  fr.  pignon,  it.  pignone  dass.; 
fr.  pinacle  von  pinnaculum.  Das  celt.  pen  köpf  gipfel  wäre  sicher 
masculin  geblieben. 

Pennone  it.,  sp.  pendon,  pr.  peno,  fr.  pennon  fahne,  panier; 
aiUsp.  wimpel  an  der  tanze:  trecientas  langas  son,  todas  tienen  pendones 
PC.  723  ed.  Janer.  Lot.  pannus  ist  aus  dem  spiel  zu  lassen,  da  zum 
umlaute  des  a  kein  grund  vorlag.  Kommt  es  von  pendere,  so  daß  es 
äwas  herabhangendes  bezeichnet  wie  das  it.  pendone?  Oder  von  penna, 
indem  der  streifen  zeug  mit  einer  wallenden  feder  verglichen  ward? 
Grammatisch  spricht  für  letzteres,  daß  die  franz.  spräche  d  nach  n  nur 
selten,  die  ital.  kaum  irgend  einmal  tilgt,  die  span.  aber  der  einschiebung 
des  d  geneigt  ist  und  sie  namentlich  in  p&idola  schreibfeder,  lat.  pennula, 
altsp.  pefiola  Conq.  Uttram.,  anwendet;  auch  bedeutet  it.  pennoncello  so- 
wohl wimpel  wie  federbusch.  In  diesem  falle  muß  man  ip  der  dUspan. 
die  grundbedeutung  anerkennen. 

Perdice  und  pernfce  it.,  sp.  pg.  pr.  perdiz,  fr.  perdrix  rebhuhn; 
von  perdix.  Neben  dem  mit  r  verstärkten  perdrix,  welches  sich  auch  in 
mederl.  glossaren  des  14.  jh.  zeigt  (Dief.  Gloss.  lat.  germ.  426*),  bestehn 
im  aUfranz.  noch  die  formen  pietris  und  perdis,  daher  perdigal  d.  i. 
perdrean  Roq. 

Perla  it.  sp.  pr.,  pg.  perola  (selten  perla),  fr.  perle,  dltfr.  auch 
pelle  {wie  parier  neben  paller),  ein  weitverbreitetes  an  die  steile  von  nnio 
getretenes  wort,  ahd.  perula  (nnio  dicitur  thiutisce  perula  Gloss.  Diu- 
tiska  II,  190),  p€rala,  pgrla,  bgrala,  berla,  ags.  pearl,  nord.  perla,  mlat. 
bei  Iso  magister  (9.  jh.)  masc.  pernlns,  bei  Wolfardus  presb.  (9.  jh.) 
perola  (cdbugo\  später  perla.  Statt  dessen  wal.  m$rg$ritar.  Der  deu- 
tungen  sind  auch  hier  mehrere.  Es  könnte  sein  =  pirula,  dimin.  von 
pirum  oder  eigentlich  von  dem  roman.  fem.  pera,  also  birnchen,  von  der 
gestalt  so  genannt.  Daß  die  spräche  nicht  verschmähte,  die  perle  ein 
birnchen  zu  nennen,  beweist  das  sp.  perilla,  das  für  birnchen  und  für 
eine  ort  pfrlen  gebraucht  wird,  und  so  nennt  der  Franzose  eine  längliche 
perle  perle  en  poire.  Daß  aber  der  name  von  der  speciellen  sorte  auf  die 
gattung  erstreckt  werden  konnte,  ist  wohl  kaum  fraglich.  Vermöge  einer 
ähnlichen  anschauung  nennt  der  Lateiner  dieses  naturproduet  bacca.  Dem 
äymon  pirula  schließt,  sich  das  pg.  perola  genau  an.  Perula  kennen 
schon  die  Glossae  Isid.,  aber  in  der  bed.  extremitas  nasi,  bei  Rhabanus 
nasi  extremitas  pirula  vocatur  a  forma  pomi  pyri.  Dieß  schließt  aber 
'birnchen  nicht  absolut  aus,  denn  die  glossatoren  geben  oft  nur  eine  be~ 
deutung  an,  die  ihnen  die  merkenswertheste  schien:  warum  soll  pirula 
nicht  des  ihm  gebührenden  diminutivsinnes  theilhaftig  geblieben  sein?  Man 
deutet  unser  wort  ferner  aus  pillula  kügdchen,  durch  dissimilation  pirola, 
perola,  perla,  erstere  form  in  der  trient.  venez.  und  veron.  mundart.    Es 

16 


242  I.   PERNO— PERTUGIARE. 

ist  kaum  glaublich,  daß  man  ein  wort,  das  die  bedeutung  eines  arznei- 
mittels  hatte,  an  die  stelle  von  unio  setzte.  Nach  einer  andern  ansieht 
entstand  perla  durch  eine  geringe  abänderung  aus  perna  muschel,  behau- 
ter der  perle  (s.  Ducange  v.  pemae)  und  wirklich  besitzt  die  neap.  und 
sicil.  mundart  die  form  perna  für  perla,  auch  bedeutet  iL  pernocchia 
perlenmutter  (Veneroni).  Diese  etymologie  hat  den  fehler,  daß  sich  weder 
aus  dem  einfachen  perna  noch  dem  abgel.  pernula  das  pg.  perula  oder 
dhd.  perala  gewinnen  läßt.  Auch  sphaerula  bällchen,  hügelchen  ist  in 
betracht  gezogen  worden;  aber  hier  macht  der  ardaut  Schwierigkeit.  Der 
Italiener  konnte  wohl  sperola  dafür  sprechen,  aber  perola  schwerlich:  wo 
bei  ihm  ein  solcher  Wegfall  des  anlautenden  Sibilanten  wirklich  einmal 
vorkommt,  besteht  wenigstens  das  unverkürzte  woH  daneben.  Endlich  ver- 
muthet  Grimm,  Myth.  p.  1169,  im  altd.  berala  cet.  eine  entstdlung  aus 
beryllus,  ßrjgvXXog  (gen.  comm.),  woher  auch  das  deutsche  brille  und  das 
rom.  brillare  geleitet  werden:  perla  ruhte  alsdann  in  betracht  seines 
accentes  auf  dem  griech.  werte  und  dagegen  wäre  nichts  zu  erinnern.  In- 
dessen setzt  diese  deutung  voraus,  daß  der  Romane  sein  wort  aus  dem 
deutschen  entlehnt  habe,  denn  die  Steigerung  des  lat.  anlautes  b  zu  p  ist 
gegen  das  roman.  lautgesetz  und  namentlich  in  gemeinrom.  Wörtern  ohne 
beispiel;  diese  Wanderung  des  Wortes  aber  hat  wenig  innere  Wahrschein- 
lichkeit. Statt  auf  beryllus,  dessen  begriff  doch  nicht  ganz  zusagt,  be- 
ziehen andre  es  unmittelbar  auf  das  damit  identische  syrische  berfil,  das 
außer  beryll,  krystall,  kor  edle  auch  perle  bedeuten  soü;  diese  bedeutung 
gibt  zwar  Gastellus  an,  es  fehlt  aber  jede  autorität  oder  nachweisung  dafür. 

Pemo  it.  sp.  pg.  haspe,  zapfen,  sp.  pernio  eisernes  band  an  thüren 
und  fenstern;  nach  Menage  von  perna,  vgl.  gr.  neQovt]  dorn  der  spange, 
agraffe. 

Perö  it.,  so  auch  pr.  (Bth.  137  perö  accentuiert),  sp.  altpg.  pöro 
(im  Poem.  d.  Cid  noch  nicht  gebraucht),  aÜfr.  poro  Eulal.,  auch  poruec, 
theüs  conclusive  theüs  adversative  partikel  von  per  hoc  und  pro  hoc, 
ersteres  bei  Apulejus  und  spätem  für  propterea  öfters  vorkommend.  Zsgs. 
sp.  emp6ro,  pr.  empero;  it.  perocche,  nüat.  per  hoeque  Form,  arvern. 
Walter  III,  489,  zeile  12. 

Pärsica  zsgs.  pesca  it.,  sp.  persigo,  prisco,  mit  arab.  artikel  al- 
persieo  und  alberchigo  {arab.  al-bersk),  pg.  peeego  und  alperche,  pr. 
presega,  fr.  pfeche  (f.),  wal.  pearsece  pfirsich;  it.  persico,  pesco  {sp.  me- 
loeoton),  pg.  peeegueiro,  pr.  pesseguier,  fr.  pfecher,  wal.  pearsec  Pfirsich- 
baum; von  persicum  persischer  apfel,  persiens  persischer  bäum. 

Per  so  it.,  pr.  altfr.  pers  dunkel  färb,  nicht  bläulich,  wie  Raynouard 
meint,  s.  P.  Meyers  gloss.  zu  Flam.,  nach  Dante  (im  Conv.)  zwischen 
purpur  und  schwarz,  doch  so  daß  das  schwarze  vorwiegt;  nüat.  persus, 
perseus  (ad  persei  tnali  colorem  accedens  Ducange.  Eins  der  ältesten 
Zeugnisse  in  den  Schleust,  glossen  39,  167   persnm  'weitin  (waidfarbig). 

Pertugiare  it.,  pr.  pertusar  (persar  GRoss.),  alt-  und  neufr.  per- 
cer  (daher  sie.  pirciari)  aus  pertuisier,  durchbohren;  sbst.  ü.  pertugio, 


I.   PESO-PEZZA.  243 

fr.  pertuis  loch;  von  pertundere  pertusus,  gleichsam  pertusiare,  pertu- 
siuni,  eine  mit  i  gewirkte  ableitung. 

Peso  it.  sp.  pg.,  pr.  pens,  pes,  edtfr.  pois,  nfr.  poids  (mit  pondus 
verwechselt)  gewicht;  von  pensam  gewichtige  sacke.  Vb.  it.  pesare,  sp. 
pg.pr.  pesar,  fr.  peser  wägen,  wiegen,  sp.  apesgar  beschweren,  drücken; 
dsgl.  iL  pensare,  sp.  pg.  peiisar,  pr.  pensar,  pessar,  fr.  penser  erwägen, 
denken;  von  pensare.  Graphisch  verschieden,  aber  gleichwohl  identisch  mit 
letzterem  ist  fr.  panser  =  pr.  sp.  pensar  warten,  pflegen,  eigentl.  be- 
denken, besorgen,  befriedigen,  vgl.  lat.  sitim  pensare  den  durst  stillen. 

Pe stare  it.,  sp.  pistar,  pr.  pestar,  dsgl.  sp.  pisar,  pg.  pr.  pizar, 
fr.  piser,  wei.  pisä  stampfen.  Die  formen  mit  st  sind  entschieden  vom 
spätlat.  pißtare,  dies  von  pistus  (it.  pesto)  für  pinsitus;  die  mit  s  lassen 
sich  etymologisch  richtig  auch  auf  das  von  Varro  gebrauchte  pisare  be- 
ziehen. Daher  das  sbst.  it.  pesta,  sp.  pista,  fr.  piste  fußtapfe,  spur, 
bahn,  und  hievon  vermuthlich  it.  pistagna,  sp.  pestana,  pg.  pestana  vor- 
stoß  am  kleide,  passe-poil,  eigentl.  spur  oder  straf  von  tuch.  Da  dieser 
vorstoß  oft  mit  fransen  besetzt  war,  so  bedeutet  das  wort  auch  die  fransen 
am  rande  des  Ideides  und  im  Span,  und  port.  durch  eine  leichte  und  schick- 
liche Übertragung  die  augenwimpern;  ähnlich  nennt  Cicero  das  äußerste 
der  locken  fimbria. 

Petardo  it.  sp.,  fr.  petard  thorbrecher;  scherzhafter  Soldatenausdruck, 
von  peto,  pet,  lat.  peditnm.    Daher  auch  fr.  petiller  krachen. 

Petecchie  it.,  sp.  petequias  (Seclcendorf),  fr.  p&ächies  (alle  im 
plur.  üblich)  rothe  flecken  auf  der  haut  in  bösen  fiebern;  ein  von  den 
ärzten  unmittelbar  aus  dem  plural  des  gr.  mxxmaov  (lederstückchen  mit 
salbe  zum  auflegen  auf  die  haut)  mit  übergehung  des  lat.  pittacium,  ge- 
formtes wort,  woher  auch  unser  petesche,  Weigand  II,  360. 

Petrosellino,  petros&nolo,  prezz&nolo  cet.  it.,  sp.  perexil,  fr. 
neupr.  persil  petersiUe;  von  petroselinnm  (naxQoaihvov).  Pg.  aipo 
(apium),  cot.  julivert. 

Pet t ine  it.,  sp.  peine,  pg.  pente,  pr.  penche,  fr.  peigne  komm; 
twipecten,  in  einigen  sprachen  mit  eingeschobenem  n.  Vb.  pettinare/f. 
Eine  abl.  ist  pr.  penchenilh,  fr.  p6nil  (für  peignil)  äußerster  theil  des 
Unterleibes,  in  beziehung  auf  die  bed.  crines  circa  pudenda,  in  welcher 
Juvenal  pecten  gebraucht,  it.  pettignone,  gr.  xteig,  s.  Menage;  dasselbe 
bedeutet  die  stpan.  zss.  empeine.  • 

Pezza,  pezzo  it.,  sp.  pieza,  pg.  pega,  pr.  peza,  pessa,  fr.  ptece, 
cdb.  pjea^.  Die  allgemeinste  bedeutung  ist  fetzen,  läppen,  stück  zeug,  dar 
her  auch  stück  land,  sogar  stück  zeit,  kurzer  Zeitraum.  Seit  etwa  dem 
8.  jh.  kennt  man  es  in  den  latinisierten  formen  petium,  petia  mit  der 
bed.  stück  land :  uno  petio  de  terra  üla  Mur.  Ant.  ital.  III,  569  (v.  j. 
757);  et  alia  petia  p.  1005  (v.  j.  730).  Es  könnte  identisch  sein  mit 
sp.  pedazo,  wäre  die  zusammenziehung  nicht  zu  ungewöhnlich.  Ausser- 
dem sind  zwei  deutungen  zu  beachten.  Vom  kymr.  peth  stück  (bret.  p6z, 
gad.  peos),  aber  der  cdt.  aspirata  th  entspricht  niemals  rom.  z,  oder  soll 


244  I.   PIAGGIA-PIASTRA. 

man  aus  peth  erst  durch  ableitung  pethia,  petia  gewonnen  haben?  Sodann 
vom  gr.  ni£a  fuß,  säum,  rand,  formell  genügender  und  auch  dadurch  em- 
pfohlen, daß  das  rom.  oder  mlat.  wort  zuerst  in  Italien  auftaucht  und  da- 
selbst bei  weitem  die  meisten  ableitungen  getrieben  hat.  Das  iL  pezzolo 
füßchen  (bei  Ferrari)  neben  pezznolo  fetzen  könnte  noch  dazu  angeführt 
werden,  träfe  es  nicht  mit  lat.  petiolus  zusammen,  s.  picciuolo  IL  a. 

Piaggia  und  spiaggia  it.}  sp.  pr.  playa,  pg.  praia,  cot.  platja,  fr. 
plage  gestade,  flacher  Strand  des  meeres,  ital.  auch  sanfter  bergabhang. 
Lat.  pläga  ward  auf  die  gegend  am  meere  eingeschränkt  und  empfieng 
ein  adjectivsuffix  (ea,  ia)  wie  manche  andre  substantiva,  s.  Born,  granm. 
II,  302;  das  reine  primitiv  würde  sich  mit  pläga  (schlag)  vermengt  haben. 
Dieses  neue  wort  plagia  bemerkt  man  schon  im  frühen  mlatein,  z.  b. 
Gregor  d.  gr.  monachos  monasterii  Gazensis,  quod  est  in  plagia;  ein 
anderes  altes  aber  vielleicht  nicht  achtes  zeugnis  ist:  statio  est,  quam 
plagiam  dicunt  Serv.  ad  Arn.  2,  23.  Im  altfranz.  findet  sich  noch  plaie 
vollkommen  =  lat.  plaga  und  in  derselben  bedeutung:  ä  la  plaie  de 
l'occident  ad  occidentalem  plagam  Bibl.  Roq.  II,  360. 

Pianca  piem.  steg,  pr.  planca,  plancha,  fr.  planche  brett,  daher 
sp.  plancha  blech,  pg.  prancha  diele;  von  planca  bei  Festus  und  Poila- 
dius.  —  Ital.  sp.  pg.  palanca,  masc.  trient.  palanc,  wal.  petanc  pfähl, 
von  palanga,  pic.  mit  bewahrter  media  palangue,  auch  wal.  als  zweite 
form  pekng  (m.). 

Piare  it.,  sp.  piar,  daher  fr.  piailler  piepen  wie  die  vögd,  natur- 
ausdruck. 

Piastra  it.  metallplatte,  dsgl.  eine  ital.  span.  und  türkische  silber- 
münze, altfr.  plaistre  geplätteter  boden,  estrich  (nacli  Garpentier  empla- 
cement),  nfr.  plätre  (m.)  gips;  abgel.  it.  piastrone,  pg.  piasträo  (aus 
dem  ital.)  platte  des  panzers;  it.  piastrello  pflasterläppchen.  Ohne 
zweifd  von  emplastrum  (efxnlaaiQov)  wundpflaster,  Stückchen  rinde  zum 
ocülieren,  in  den  romanischen  sprachen  auf  etwas  plattes  von  härterem 
stoff  ausgedehnt.  Daneben  blieb  it.  empiastro,  /r  emplätre,  sp.  em- 
plasto  =  gr.  ennlaoTov.  Aus  plastrum  formte  der  Italiener  nach  abge- 
stoßenem anlaut  das  vb.  lastricare  mit  platten  oder  steinen  belegen, 
pflastern,  hieraus  vielleicht  erst,  da  das  substantivsuffix  Tcus  im  roman. 
kaum  angewandt  wird,  lästrico  pflaster,  und  nach  abgeworfenem  für  den 
artikel  gehaltenen  1  mundartl.  ästrico  (z.  b.  mail.  astrich,  astregh,  com. 
astrach,  sie.  astraen  fußboden  in  verschiedenem  sinne),  schon  im  altern 
mlatein  astricus  'plastar  Voc.  S.  Gatt.,  woher  unser  estrich.  Daher  viel- 
leicht auch  dttfr.  astre,  aistre,  neufr.  ätre  herd,  mitteUat.  astrum  'pavi- 
mentum  Gl.  aug.,  das  franz.  wort  gewöhnlich  aus  atrium  hergeleitet,  s. 
Altrom.  glossare  p.  48.  —  [  Was  astrum,  astricus  betrifft,  so  macht  Wacker- 
naget  (brieflich)  die  ansprechende  bemerkung:  *Ich  denke  astrum  geht  wie 
astricus  (Vocab.  8.  GcMi),  wovon  unser  estrich,  auf  die  sternförmige 
Zusammensetzung  der  Steinplatten,  die  den  fußboden  bilden  und  verzieren, 
zurück  und  hat  deshalb  mit  atrium  ursprünglich  nichts  zu  schaffen.  — 


I.   PIATO— PICCO.  245 

Zu  nennen  ist  hier  noch  das  ungefähr  gleichbedeutende  ostracus  bei  Isi- 
dorus  19,  10,  26:  pavimentnm  testaceum  eo  quod  fractis  testis  calce 
admixta  feriatur:  testa  enim  graece  ootqokov  dicitur.5  Aber  der  ganz 
unübliche  tausch  des  betonten  o  mit  a  macht  dieses  etymon  mehr  als 
zweifelhaft;  Isidorus  scheint  sogar  das  mlat.  astracus  vor  äugen  gehabt 
zu  haben.] 

Piato  it.,  sp.  pleito,  pg.  pleito,  preito,  pr.  plait,  plag,  altfr.  plaid 
(schon  in  den  Eiden)  rechtshandel,  dsgl.  vertrag,  chw.  pled  wort;,  vb.  it. 
piatire,  piateggiare,  sp.  pleitear,  pg.  preitejar,  pr.  plaideiar,  altfr. 
plaidier,  plaidoier,  nfr.  plaider,  chw.  plidar  einen  rechtshandel  führen. 
Placitam,  das  im  frühsten  mütdaiter  Versammlung  zur  Verhandlung  wich- 
tiger Staatssachen  hieß  (placita  habere,  tenere  9.  Jh.),  sog  man,  als  c 
noch  unbedingt  guttural  lautete,  in  plactum  (placdum)  zusammen,  wiewohl 
sich  in  der  römischen  litteratur  kein  beispiel  dieser  Variante  findet:  hier- 
aus denn  die  obigen  formen.  Kln  licitus,  placitum,  bemerkt  Ritschi,  blieb 
man  bei  der  vocalischen  bindung  stehen,  obwohl  lictus,  plactum  gewiß 
kein  Sprachgesetz  entgegenstand^.  Im  altport.  war  auch  placito  üblich, 
später  zsgz.  in  plazo,  prazo,  sp.  plazo,  s.  Santa  Rosa. 

Piatto  it.,  pg.  sp.  chato,  pr.  fr.  plat  flach,  sbst.  it.  piatto,  sp.  plato, 
fr.  plat  teller;  ein  in  mehreren  sprachen  einheimisches  wort,  zusammen- 
hängend, wie  es  scheint,  mit  gr.  nXarvg  breit,  flach,  ahd.  flaz.  Gleicher 
herkunft  ist  sp.  pg.  plata  süber  (eigenfl.  metattplatte,  altfr.  plate)  schon 
m  Urkunden  des  10.  jh.  z.  b.  Esp.  sagr.  XVIII,  332,  Marca  hisp.  p.  864, 
und  ein  neueres  wort  für  ein  edles  metatt  platina;  ferner  sp.  chata  ein 
fahr  zeug,  daher  it.  sciatta  (so  von  sp.  chato,  comask.  sciatt  platt,  auf  allen 
vieren,  als  sbst.  kröte). 

Piazza  it.,  weil,  piatz  (m.)y  sp.  pg.  pr.  plaza,  pla$a,  plassa,  fr. 
place,  mhd.  nhd.  platz;  vb.  fr.  placer  stellen,  setzen;  von  platea  (nhx- 
teia  sc.  odog  breiter  weg),  bei  Horaz  platea,  goth.  platja?  s.  Gabelentz 
und  Lobe  zu  Müh.  6,  5;  ebenso  mit  verschobenem  accent  neugr.  nXavya 
(y  wie  j).  Die  bed.  räum  in  einer  Stadt,  platz,  eigentl.  hof,  hat  es  zuerst 
bei  Lampridius. 

Piccione  it.,  sp.  pichon,  pr.  pijon,  fr.  pigeon,  it.  auch  pippione, 
altfr.  auch  pipion  taube;  von  pipio  täubchen  bei  Lampridrius,  dies  von 
pipare,  pipire,  vgl.  das  mail.  Tdnderwort  pipi  vögelchen. 

Picco  it.,  sp.  pg.  pico,  pr.  fr.  pic  Schnabel,  bergspitze  u.  dgl.;  fem. 
it.  picea,  sp.  pg.  pica,  fr.  pique  spieß;  vb.  it.  picoare,  sp.  pg.  pr. 
picar,  fr.  piquer  stechen.  Die  Wörter  lehnen  sich  an  das  lat.  picus  specht 
(vogd,  der  in  die  baumrinde  hackt)  mit  langem  i,  daher  keine  roman. 
form  mit  e  vorkommt:  im  gleichbed.  sp.  pico  und  fr.  pic  begegnet  es  jenen 
Wörtern  gradezu.  Vergleichen  läßt  sich  kymr.  pig  spitze,  ätsch,  picken, 
pickel.  Dahin  gehört  ferner  it.  picchio  specht,  stoß  (in  erster  er  bed. 
offenbares  diminutiv  von  picus,  gleichsam  piculus),  picchiare  Hopfen;  fr. 
picot  spitzhaue,  picoter  stechen,  sticheln;  vielleicht  auch  sp.  picaro,  it. 
piccaro  spizbube  u.  a.  m.    Hierzu  Diefenbachs  Orig.  europ.  p.  263. 


246  I.   PICCOLO-PIGLIARE. 

Piecolo  tf.»  sp.  pequeno,  pg.  pequeno  Hein.  Frovenzälen,  (Ma- 
larien und  Franzosen  drücken  denselben  begriff  mit  petit  aus,  allein  schwer- 
lich steckt  die  gleiche  wurzel  in  den  itai.  span.  port.  formen  i  pit-colo 
hätte  sich  wohl  in  picchio  verwandelt  (vgl.  soperchio  von  superculus)  und 
pequeno  müßte  allzu  künstlich  aus  pit-ic-uefio  construiert  werden.  Es 
bietet  sich  ein  anderes  etymon  dar  im  alten  roman.  pic  spitze,  piceare 
stechen,  so  daß  piecolo  (ursprüngl.  subst.  wie  noch  als  name  einer  münze) 
tüpfeichen,  pequeno  tüpfelhaft,  winzig  bedeutete,  wobei  noch  zu  erinnern 
ist)  daß  das  itai.  partic.  pieco  in  seiner  bedeutung  (gestochen)  dem  lat. 
punctum,  piecolo  also  dem  lat.  punetulum  entspricht.  Jenes  rom.  pic 
scheint  auch  im  wäl.  pic  tropfen,  oiban.  pice  vorzuliegen.  Neben  piecolo 
besitzt  die  itai.  spräche  noch  zwei  bildungen  mit  palatalem  c  pfcciolo  und 
pieeino  Jdein,  die  sich  in  pic-ciolo,  pic-cino  oder  auch  in  pit-ciolo,  pit- 
cino  zerlegen  lassen;  neupr.  (in  Nizza)  sagt  man  piccioun,  limous.  pitson, 
fem.  pitsouno,  selbst  ungr.  pitzin.  Sard.  pieeioecu  knabe,  picciocea  mäd- 
chen  sind  gleichfalls  zu  nennen. 

Pidocchio  it.,  sp.  piojo,  pg.  piolho,  pr.  peolh,  pezolh,  cat.  poll, 
fr.  pou  (für  p6ou)  laus;  von  pediculus  abgeändert  in  peduculus  (Freund), 
mlat.  peduelus  Gl.  bibl.  Hattemer  I,  225b ,  peducla  Gl.  erford.  p.  362, 
74.    Davon  das  vb.  it.  spidocchiare,  sp.  despiojar,  fr.  äpouiller. 

Piedestallo  it.,  sp.  pedestal,  daher  fr.  pi&Lestal  Säulenfuß,  fuß- 
gestell;  zsgs.  mit  dem  altdeutschen  stal  Stellung,  stand,  s.  unten  stallo. 

Piegare  it.,  sp.  pr.  plegar,  pg.  pregar,  fr.  plier  und  in  compos. 
ployer,  wal.  pleci  falten;  von  plicare.  Zsgs.  it.  impiegare,  sp.  em- 
plear,  pg.  empregar,  fr.  employer  anwenden,  anlegen,  urspr.  in  etwas 
hineinlegen,  von  implicare  einwickeln,  einfügen,  it.  impiego,  fr.  emploi 
anwendung,  bedienung,  dienst;  it.  spiegare,  pr.  espleiar,  fr.  dlplier, 
d^ployer,  von  explicare,  de-explicare.    Dazu  Uegar  II.  b. 

Pietanza  it.,  sp.  pr.  pitanza,  fr.  pitanee  die  tägliche  portion  eines 
klostergeistlichen.  Nach  Le  Duchat  von  petentia,  dem  aber  nur  ein  sp. 
pedenza  gerecht  wäre;  nach  Muratori,  zu  sehr  gegen  den  buchstaben,  vom 
it.  piatto  Schüssel.  Itai.  pietanza,  das  in  älter  spracJie  auch  miüeid  be- 
deutet, weist  augenscheinlich  auf  pietä,  es  konnte  gleichsam  eine  gäbe  des 
mitleide  ausdrücken,  altpg.  pitanza  bedeutet  müdthätigkeit  SEos.  Aber 
diese?  pietanza,  zu  welchem  die  andern  roman.  formen  gar  nicht  passen, 
könnte  es  nicht  eine  umdeutung  sein  aus  pitanza,  das  noch  der  Lombarde 
bewährt,  und  konnte  dies  nicht  erwachsen  sein  aus  dem  alten  roman.  pite 
sache  von  geringem  werth?  Schon  Ducange  dachte  daran.  Nicht  fetcW 
verbindet  sich  zwar  das  sufjfix  antia  (ant-ia)  mit  Substantiven,  allein  es 
fehlt  tiieht  an  einem  verbum  pitare,  das  z.  b.  im  genues.  pitta  picken  be- 
deutet, so  daß  das  Substantiv  im  sinne  klösterlicher  enthaltsamkeit  ein  auf- 
nehmen der  speisen  gleichsam  mit  den  fingerspitzen,  eine  kärgliche  mahl- 
zeit  ausdrücken  würde. 

Pigliare  it.,  sp.  pillar,  pg.  pr.  pilhar,  fr.  piller  wegnehmen,  plün- 
dern.    Von  pilare  rupfen  oder  von   dem  nur  bei  Ammian  begegnenden 


I.   PIGREZZA-PIMIENTO.  247 

pilare,  s.  v.  a.  expilare  plündern?  Das  rotn.  i  spricht  für  letzteres  und 
die  büdung  mit  erweichtem  1  erklärt  sich  als  eine  scheideform  in  besiehung 
auf  it.  pillare,  fr.  piler  stampfen,  von  plla.  In  compilare  war  sie  nicht 
nöthig,  doch  findet  sich  daneben  it.  compigliare  zusammenfassen,  sconi- 
pigliare  verwirren,  zerrütten.  . 

Pigrezza  it.,  sp.  pr.  pereza,  pg.  pregui^a,  fr.  paresse  trägheit; 
von  pigritia,  wie  sehr  auch  das  franz.  wort  dem  gr.  nvQtoiq  gleicht. 

Pilatro  it.,  sp.  pg.  pr.  pelitre,  fr.  pyrethre  bertramwurzd;  von 
pyrethrum. 

Pillotta  iL,  sp.  pg.  pr.  pelota,  fr.  pelote  baU,  knäud;  von  pTla, 
bereits  in  den  Md.  ghssen  pilotellus  =  sp.  pelotilla.  Daher  auch  sp. 
peloton,  fr.  peloton  häufe,  rotte. 

Piloto  it.  sp.  pg.,  dsgl.  it.  pilota,  fr.  pilote  lootse,  Steuermann.  Die 
ndl.  spräche  hat  pijloot,  und  dies  hält  man  für  eine  zss.  aus  peilen  die 
tiefe  des  wassers  messen  und  lood,  loot  blei,  was  aber  noch  naher  zu 
prüfen  sein  möchte.  Im  franz.  bedeutet  piloter  pfähle  ins  wasser  schlagen, 
pilotis  grundpfcM,  im  piem.  so  wie  im  picard.  und  wallon.  schlechtweg 
pilot  genannt.  Aber  logischer  Zusammenhang  zwischen  pilotis  und  pilote 
ist  nicht  abzusehen,  wie  sich  letzteres  denn  auch  mit  seinem  derivativen  e 
offenbar  als  ein  dem  it.  pilota  identisches  wort  ausweist;  dieses  aber  hat 
einen  fremdartigen  anstrich,  indem  sein  suffix  an  idiota,  epirota  u.  dgl. 
erinnert;  romanisch  wäre  pilotto,  pilot 

Piluccare  it.  trauben  abbeeren,  pr.  pelucar  ausrupfen,  pic.  pluquer 
mit  den  fingerspitzen  auflesen,  norm,  champ.  pluchotter;  zsgs.  fr.  6 pl li- 
eber, chw.  spluccar,  moden.  spluccä  ausklauben,  ausrupfen.  Es  ist  eine 
ableitung  vermittelst  des  suffixes  uc  aus  lat.  pilare  haar  ausrupfen,  ent- 
haaren; also  nicht  vom  ags.  pluccian  pflücken,  das  im  ital.  unfehlbar 
wenigstens  piuecare  erzeugt  haben  würde,  umgekehrt  mag  das  deutsche 
wort  aus  dem  roman.  geflossen  sein.  Man  trenne  davon  das  sp.  espulgar, 
s.  pulee.  Mit  piluccare  ist  zu  verbinden  sie.  sard.  pilucca,  lomb.  peluch 
haar  schöpf,  piem.  pluch,  gen.  pellucco  haar,  faser,  ital.  entstellt  in  per- 
ruca,  parruca  langgelocktes  haar,  dgl.  falsches  haupthaar,  wal.  paröce, 
fr.  perruque,  occit.  sogar  pamparrugo,  richtiger  sp.  peluca,  alle  mit 
letzterer  bedeutung.  Das  fr.  perruque  soll  Coquillart  (ende  des  15.  jh.) 
zuerst  gebraucht  haben,  man  sehe  Barbazan,  Fahl,  et  cont.  I,  26.  Noch 
bei  Nicot  bedeutete  es  lcoma,  caesaries  und  erst  faulse  perruque  'galericu- 
lum,  capiUamentum.y  Andre  lassen  das  wort  aus  gr.  7tv$$6g  entstehen, 
da  die  Römerinnen  falsches  haar  von  blonder  färbe  zu  tragen  pflegten, 
aber  gegen  die  entwicklung  aus  dem  im  roman.  vorhandenen  pilus  wird 
kaum  etwas  einzuwenden  sein. 

Pimiento,  pimienta  sp.  pfeffer,  pr.  pimenta  gewürz,  dsgl.  pr. 
pimen,  dltfr.  piment,  ndat.  pigmentum  ein  trank  aus  wein,  honig  und  ge- 
würzen,  nfr.  piment  ein  zu  vielen  arzneien  gebrauchtes  kraut;  alle  vom 
lat.  pigmentum  färbemittel,  aber  auch  kräutersaft  zur  bereitung  der 
färbe,  daher  etwas  würzhaftes  oder  wohlriechendes;  ahd.  pimenta  €pig- 


248  I.   PIMPINELLA— PIOGGIA. 

mentum,   aroma,  odoramentum .    Der  ital.  spräche  ist  das  wort  abhanden 
gekommen. 

Pimpinella  it.,  sp.  pimpinela,  fr.  pimprenelle  ein  küchenkraut, 
pimpernell,  pimpinella  saxifraga;  soll  aus  bipinella  für  bipennula  (zwei- 
flügelig)  entstanden  sein.  Der  name  wird  auch  von  andern  pflanzen- 
geschlechtem  gebraucht.  Der  Catalane  sagt  pampinella,  der  Piemontese 
pampinela,  wohl  nur  eine  zufällige  form,  da  die  pflanze  mit  pampinas 
nichts  gemein  hat.  Neupr.  heißt  sie  fraissineto,  von  fraisse  =  fraxinus. 

Pinaccia  it.  (nach  Menage),  sp.  pinaza,  fr.  pinasse  eine  ort 
schiffe;  von  pinus  flehte,  schiff. 

Pincione  it.,  sp.  pinzon,  pinchon,  fr.  pin<jon,  cot.  aber  pinsd,  ein 
vogel,  flnke.  Derselbe  vogel  heißt  griech.  omvidiov,  dimin.  von  oniva, 
das  jedoch  in  onivdiov  verkürzt  ital.  spingio  oder  spingione  ergeben  hätte, 
wie  denn  diese  spräche  ein  anlautendes  s  nicht  abstößt.  Besser  leitet  man 
daher  das  wort  vom  kymr.  pinc  (ndat.  gleichsam  pincio),  welches  eigent- 
lich fröhlich,  zunächst  flnke  bedeutet,  vgl.  fr.  geai  munter  und  hoher;  der 
Bretone  spricht  pint.  Anmerken  läßt  sich  noch  das  mit  pincione  gleiehbed. 
bair.  pienk,  slav.  pinka,  ungr.  pinty  flnke.  Seltsam  ist  das  neupr.  bürg. 
quinson  für  pinson;  auch  pg.  pisco  weicht  von  der  span.  form  beträcht- 
lich ab. 

Pinque  fr.  (f.),  sp.mit  g  pingue  (m.),  auch  pinco,  pg.  pinque  (m.), 
ndd.  pinke  (f.)  eine  art  schneller  lastschiffe  mit  flachem  boden  und  einem  langen 
und  hohen  hintertheüe,  wie  Adelung  das  deutsche  pinke  beschreibt,  ndl.  pink 
fischerkahn,  engl,  pink  kleines  Segelschiff.  Aus  pinus  (schiff)  konnte  unzweifel- 
haft pinica,  pinca,  wie  aus  granum  granica  u.  dgl.  abgeleitet  werden,  auch 
pinaza  ist  daher.  Zwar  hohen  die  verschiedenen  fahrzeuge  in  beziehung 
auf  ihre  gestalt  und  andre  merkmale  gewöhnlich  individuellere  benennun- 
geh,  denn  pinca  aus  pinus  konnte  ursprünglich  nur  die  allgemeine  bed. 
schiff  ausdrücken;  gleichwohl  ist  diese  etymologie  festzuhalten,  wenn  das 
wort  nicht  erweislich  deutscher  herkunfl  ist,  worauf  selbst  das  schwanken 
der  roman.  formen  und  des  genus  hinzudeuten  scheint:  dieses  deutsche 
pinke  nennt  schon  W.  Grimm,  Exhortatio  p.  69,  ein  schwer  zu  erklären- 
des wort.  Dem  ital.  gebiete  fehlt  es,  wiewohl  Moraes  die  pinke  ein  fahr- 
zeug  des  mittehneeres  und  der  italischen  husten  nennt:  pinca  ist  hier  ein 
länglicher  kürbiß  und  weder  in  der  Schriftsprache  noch  in  den  mundarten 
ist  die  bed.  schiff  vorhanden.  —  [Neben  dem  ndl.  pink  findet  sich  noch 
ein  veraltetes  espink?  welches  Van  den  Helm,  Woordgronding,  als  boot 
von  esperiholz  erklärt,  also  eigentlich  6sp-pink.  Für  die  etymologie  ist 
dies  ohne  belang.] 

Pinta  sp.  pg.  mahl,  zeichen,  daher  auch  ein  maß  für  flüssigkeit,  fr. 
pinte,  wal.  pinte ;  von  pingere  pictus.  S.  Grimms  Reinhart  p.  CCXXX  VIII. 
Ebenso  mag  goth.  mfcla  scheffd  mit  mSl  zeichen  (?)  zusammenhängen, 
Grimm  HI,  468. 

Pioggia  it.,  sp.  lluvia,  pg.  chuva,  fr.  pluie,  weil,  plo&ie  regen; 
von  pluvia.    Äbgel.  sp.  chubasco  platzregen. 


I.   PIOMBARE-PISCIARE.  249 

Piombare  it.  senkrecht  herabfallen,  fallen  nach  dem  Senkblei,  cadere 
a  piombo;  ebenso  pr.  plombar  einsenken,  eintauchen,  fr.  plonger,  letzteres 
eine  scheideform  von  plomber,  das  der  bedeutung  des  lat.  piombare  treu 
blieb,  ufid  gebildet  mittelst  des  suffixes  g  =  lat.  ic  (venger  =  vindicare); 
dieselben  doppelformen  im  citfr.  clinger,  enferger  neben  cliner,  enferrer. 
Sbst.  fr.  plongeon  taucher.  Pictet  p.  69  weist  plonger  auf  bret.  plunia 
eintauchen  =  kymr.  plwng  =  sanskr.  plavana  und  allerdings  müssen 
plonger  und  plunia  zusammenhangen,  das  franz.  wort  steht  aber  so  ge- 
sichert auf  latein.  boden,  daß  es  keine  erklärung  aus  celtischen  sprachen 
verlangt.  Seine  herkunß  aus  plumbicare  bestätigt  sich  überdies  durch  die 
pic.  form  plonquer  1)  eintauchen,  2)  schwer  auftreten,  altpic.  plonkier,  so 
tcie  durch  das  mit  plonger  glekhbed.  bask.  pulumpatu;  auch  ist  wallon. 
plonc  =  fr.  plomb,  plonk!  =  plonger.  —  [Neuere  bemerkungen  über 
die  herkunß  dieses  Wortes  von  Diefenbach,  Ztschr.  f.  vergl.  sprachf.  XII,  79.] 

Pioppo,  pioppa  it.,  wal  plop  (älban.  plepi),  watton.  plopp,  pg. 
mit  bekannter  Verwandlung  des  pl  in  ch  chopo,  choupo,  span.  neben  pobo 
gleichfalls  chopo,  das  der  Catalane  mittelst  einer  rückbildung,  wie  es 
scheint,  in  clop  übertrug,  da  sein  cl  öfters  dem  pg.  sp.  eh  entspricht, 
neap.  chiuppo.  Es  ist  das  lat.  pöpulns  pappet,  und  ein  merkwürdiges 
beispiel  von  formveränderung :  um  populus  von  pöpulus  zu  scheiden,  wird 
man  schon  in  der  römischen  Volkssprache  ploppus  eingeführt  haben,  sonst 
besäße  der  Walache  schwerlich  plop.  Ein  sehr  altes  ital.  beispiel  (v.  j. 
994)  ist  sancta  Maria  da  li  pluppi  Murat.  Ant.  ital.  II,  2035.  Im 
Gloss.  oce.  ist  jop  bemerkt,  das  aus  it.  pioppo  entstanden  sein  müßte.  Die 
lomb.  mundart  spricht  ohne  Umstellung  pobbia,  in  Berry  gut  peuple  für 
peuplier,  im  Jura  puble,  im  Limousin  piboul. 

Pipita  it.,  sp.  pepita,  pg.  pevide,  pivide,  pr.  pepida,  fr.  päpie 
eine  krankheit  der  kühner;  vom  gleichbed.  lat.  pituita,  das  sich  früh  in 
pivita,  demnächst  in  pipita  verwandelt  haben  muß,  da  auch  das  ahd. 
phiphis  eine  solche  form  (mit  an-  und  inlaut  p)  in  anspruch  nimmt.  Ein- 
facher, durch  syncope,  entstand  aus  dem  lat  warte  das  maxi,  püida,  puvida. 

Pisciare  it.,  wal.  piSa,  pr.  pissar,  fr.  pisser  harnen.  Dessen  stelle 
vertritt  sp.  pg.  das  aus  dem  latein.  aufbewahrte  mear,  mijar;  nur  das  den 
übrigen  sprachen  in  diesem  sinne  fehlende  kinderwort  pixa,  pissa  (mentula) 
ist  hier  vorhanden.  Auf  deutschem  gebiet  bemerkt  man  es  zuerst  im  alt- 
fries.  pissia,  allmählich  findet  es  sich  in  allen  sprachen  dieses  gebietes  ein, 
wird  aber  als  ein  fremdling  betrachtet,  s.  Weigand  s.  v.  Unter  den  celti- 
schen besitzt  es  nur  die  kymrische  (piso,  pisio),  nicht  die  gaelische,  selbst 
nicht  die  bretonische:  jene  hat  dafür  müin,  diese  troaza.  Gewöhnlich 
findet  man  in  dem  roman.  worte  eine  onomatopöie,  so  daß  es  ungefähr 
unserm  zischen  entspräche:  einen  zischlaut  hat  außer  der  ital.  und  wal. 
form  auch  cot.  pixar,  neupr.  pichä,  pic.  picher.  In  der  annähme  von 
onamatopöien  kann  man  leicht  zu  weit  gehen:  es  ist  im  allgemeinen  rath- 
samer  auf  vorhandhe  Wörter  zu  bauen.  Hier  fühlt  man  sich  versucht  an 
pytissare,  pitissare  eine  flüssigkeit  wegspritzen  (nwiCeiv)  zu  denken,  (Mein 


250  I.   PISTOLA. 

die  begriffsübertragung  tcäre  unstatthaft,  da  dieses  verbum  eigentl.  aus- 
spülten bedeutet.  Das  roman.  verbum  beschränkt  sich  in  den  mundarten 
nicht  auf  den  angegebenen  sinn.  In  der  occitan.  z.  b.  heißt  es  auch  eine 
fliissigkeit  ausstrahlen:  Ion  san  pisso  das  blut  spritzt  aus  der  oder;  den 
gleichen  gebrauch  erlaubt  das  p armes,  worty  in  Berry  ist  pissäe  ein  guß 
aus  dem  Schmelzofen.  Dies  mahnt  an  pipa  pfeif e,  röhre:  auch  mhd. 
pfifen  =  n hd.  pfeifen  kann  diesen  sinn  erfüllen:  fiz  pheif  im  daz  blnot, 
s.  Wb.  II,  493h.  Sollte  nun  der  'Romane  aus  pipa  ein  vb.  pipisare 
zsgz.  pipsare  pissare  (vgl.  bombus,  mlat.  bumbisare)  abgeleitet  haben  mit 
der  zuletzt  angeführten  bedeutung?  Iliezu  möge  noch  bemerkt  werden 
das  trient.  pipa  Springwasser,  das  sich  begrifflich  dem  dtschen  pfifen 
genau  anschließt.  Diese  auslegung  des  Wortes  möge  weiterer  ertcägung 
empfohlen  sein. 

Pistöla  it.sp.,  fr.  pistole  und  pistolet  ein  kleines  Schießgewehr.  Zu 
Pistoja,  sagt  H.  Stephanus,  verfertigte  man  kleine  dolche,  pistoyers  ge- 
nannt, deren  name  nachher  auf  die  petites  barqnebnses  übertragen  ward 
(weil  beide  versteckt  geführt  wurden?).  Es  gibt  indessen  kein  dem  fr. 
pistoyer  entsprechendes  itdl.  wort,  wohl  aber  pistolese  mit  der  bed.  kurzer 
säbel,  und  diese  bedeutung  oder  dolch  dürfte  allerdings  als  die  Ursprung- 
liehe  angenommen  werden.  Pistolese  aber  ist  nicht  unüblich  für  pistojese 
d.  h.  aus  Pistoja  (Fernows  Rom.  Studien  III,  278)  und  eine  abkürzung 
in  pistola  gedenkbar.  Erwähnung  verdient  aber  auch  Frischs  vermuthung, 
das  wort  sei  aus  pistillns  Stößel,  it.  pestello,  abgeändert  und  bedeute  ein 
Werkzeug  mit  einem\knauf  eine  vermuthung,  die  durch  das  ven.  piston, 
peston  kurze  kugeibüchse,  welches  genau  dem  it.  pestone  großer  stoßet 
entspricht,  nicht  wenig  gestützt  wird.  Sie  leidet  indessen  an  einem  zwar 
unscheinbaren,  aber  entscJteidenden  formfMer.  Wenn  ein  suffix,  wie  hier 
ill, .  abgeändert  wird,  so  kann  dies  nur  in  der  art  gescliehn,  daß  man  es 
mit  einem  andern  vertauscht:  unser  wort  müßte  also  pistnola  heißen, 
denn  bloßes  ol  kann  nur  nach  i  vorkommen  (oriolo,  nsignolo  d.  i.  nsiniolo). 
—  Gleichlautend  ist  der  name  einer  angeblich  im  16.  jh.  und  zwar  zuerst 
in  Spanien  in  Umlauf  gekommenen  goldmünze.  Im  franz.  bedeutet  pistole 
gewöhnlich  ein  fremdes  goldstück  (pistole  d'Espagne,  d'Italie),  und  doch 
kennt  weder  das  span.  noch  das  itdl.  Wörterbuch  diesen  ausdruck;  ein 
veraltetes  sp.  pistolete  hat  erst  Seckcndorf.  Um  so  weniger  darf  an  eine 
von  Pistoja  ausgegangene  münze  gedacht  werden.  Bemerkenswert,  ist  da- 
gegen, was  Claude  Fauchet,  präsident  des  münzcollegiums  (f  1599),  dar- 
über sagt:  ayant  les  escus  (d'or?)  d'Espagne  estä  redniets  a  nne  plus 
petite  forme  que  les  escus  de  France,  ont  pris  le  nom  de  pistolete  et 
les  plus  petits  pistolets  bidets.  Daß  man  ein  kleines  goldstück  scherz- 
haft ein  pistölehen  und  ein  noch  kleineres  ein  pufferchen  genannt  habe,  ist 
nicht  unglaublich.  —  [Mahn  in  einem  gelehrten  artikel  p.  97 — 104  halt 
pistola  die  waffe  und  pistola  die  münze  für  Wörter  verschiedener  herkunß. 
Die  waffe  sei  allerdings  nach  Pistoja  benannt  worden  und  stamme  auch 
nach  geschichtlichen  Zeugnissen  aus  Italien.    Pistola  die  münze  aber  sä 


I.   PITO— PIZZA.  251 

aus  dem  it.  piastra  entstanden  und  stehe  für  piastruola;  die  zusammen- 
ziehung  scheint  indessen  ungewöhnlich  hart] 

Pito  sp.  spitziges  höhchen,  altfr.  pite  name  einer  sehr  kleinen 
münze,  henneg.  pete  Kleinigkeit,  comasK.  pit  wenig;  daher  sp.  pitorra 
schnepfe  (vom  spitzen  schnabel),  wallon.  petion  Stachel  der  biene;  vb.  pr. 
pitar  sich  schnäbeln,  sp.  apitar  anhetzen,  altfr.  apiter  mit  den  finget- 
spitzen  berühren,  pg.  petiscar  kosten,  nippen,  pitada  so  viel  man  mit  zwei 
ftngerspüzen  packt  (Wagener);  dsgl.  mit  dem  begriffe  der  Kleinheit  maxi. 
pit  in  wenig,  cremon.  peteen  Kleinigkeit,  sard.  piticu  Mein,  weil,  pitic 
zwerg,  altfr.  peterin  winzig  SB.  Diese  beispiele  lassen  einen  alteinheimi- 
schen stamm  pit  annehmen,  der  etwas  spitzes,  schmales  bedeutete  und  sich 
im  kymr.  pid  spitze  wiederfindet.  Ein  wichtiger  Sprößling  dieses  Stammes 
ist  altit.  pitetto,  petitto,  pr.  cat.  petit,  fr.  petit,  neupr.  pitit,  wallon. 
piti  Klein,  dimin.  pr.  cat.  altfr.  petitet.  Ebenso  weist  das  glekhbed.  pic- 
colo  auf  pic  spitze.  Beachtenswerth  an  pet-it  ist  das  suffix,  welches  aus 
euphonischer  rücksicht  der  Verwandlung  in  et  widerstand:  petet  oder  gar 
petetet  lautete  übel.  Ein  altes  zeugnis  des  Wortes  findet  sich  in  Pitito- 
villare  Mabül.  Dipl.  p.  498  (v.  j.  775). 

Piva  it„  sp.  pg.  pipa,  altfr.  pipe,  pr.mit  eingeschobenem  m  pimpa, 
abgel.  fr.  pipeau  ländliche  flöte,  Schalmei;  von  pipare,  plpiare  piepen 
(von  vögeln),  woher  auch  ahd.  pfifa,  nhd.  pfeife,  pfeifer,  letzteres  im  it. 
piffero,  sp.  pifaro,  fr.  piffre  und  fifre  nachgebildet  (piffre  dickbauch, 
eigentl.  wohl  mit  aufgeblasenen  backen  wie  ein  pfeifer,  s'empiffrer  sich 
vollstopfen);  churw.  fifa.  Merkenswerth  ist  das  dauph.  pipa,  welches  früh- 
ling bedeutet  vom  schalmeienton.  It.  sp.  pg.  pr.  pipa,  fr.  pipe  bedeuten 
auch  ein  langes  faß  als  maß  für  flüssigKeiten,  gleichsam  eine  flöte.  Auch 
fr.  pivot  und  it.  pinolo  zapfen  müssen  hieher  gehören.  Von  pipilare 
aber  ist  pg.  pipilar,  it.  pigolare  piepen,  pimpeln,  für  pivolare,  v  mit 
g  vertauscht  (Born.  gr.  I,  288)  oder  besser  wohl,  eingeschoben  in  eine 
form  piolare  für  pivolare,  welche  erstere  auch  in  öberital.  mundarten 
vorkommt. 

Pizza  ven.  das  stechen,  jucken,  sard.  pizzn  schnabel,  chw.  pizza, 
matf. 'pizz,  sie.  pizzn,  iL  pinzo  Stachel,  sp.  pinzas,  fr.  pince,  it.  pinzette 
Kneipzange;  dsgl.it.  pizzico,  sp.  pizea  zwick;  vb.ven.  pizzare,  wallon. 
pissl,  it.  pizzicare,  wal.  pitzigä,  piscä,  alban.  pitsköig,  cat.  pessigar,  pr. 
pezngar,  sp.  pizear  und  pinchar,  fr.  pincer,  epincer,  epinceler  zwicken; 
dahin  auch  pg.  piscar  os  olhos  blinzen  (die  äugen  Kneifen).  Zunächst 
vom  ndl.  pitsen,  hd.  pfetzen,  das  aber  selbst  wieder  auf  einem  im  roman. 
einheimischen  wurzelworte  pit  (s.  oben  pito)  zu  beruhen  scheint.  — 
[Nach  Zarncke,  Mhd.  wb.  II,  493,  wäre  pfetzen  aus  mlat.  petfa,  nach 
Weigand,  D.  wb.  II,  362,  von  pitar,  s.  oben  pito.  Formell  sehr  befrie- 
digend, da  sich  hiermit  auch  die  rhinistischen  formen  sehr  leicht  erklären, 
leitet  Langensiepen  pizzare,  pinzo  cet.  aus  pictus  pictiare,  pinetus  pinetiare. 
Daß  aber  pingere  ursprüngl.  stecken,  sticken,  also  auch  stechen  bedeutet 
und  daß  diese  bedeutung  in  der  spräche  fortgedauert  habe,  ist  unerweis* 


252  I.   POGGIO-POLIZIA. 

lieh:  in  acu  pingere  liegt  der  begriff  des  Stechens  in  acus,  nicht  in 
pingere.] 

Poggio  it.,  pr.  pueg,  puoi,  altfr.  pui  anhöhe,  sp.  pg.  poyo  bank 
vor  dem  hause,  altfr.  puiot  stütze  Trist;  von  podium  erker,  anhohe.  Vb.  ü. 
po'ggiare,  altsp.  puyar  Canc.  de  B.,  altpg.  pr.  poyar,  altfr.  puier  steigen; 
zsgs.  it.  appoggiare,  sp.  pg.  apoyar,  fr.  appuyer  stützen,  sbst.  apptri. 

Poi  it.,  sard.  puß,  sp.  pues,  pg.  poz,  pr.  pos,  pus,  pois,  fr.  pnis, 
Partikel,  von  post;  zsgs.  it.  dipoi  und  mit  versetztem  accent  und  Ver- 
wandlung des  i  in  o  (wie  in  domani)  döpo,  gewiß  eine  sehr  alte  bildung, 
da  auch  der  Walache  sie  in  dtip^  besitzt  (mail.  de  poü,  in  Forli  dopö), 
pg.  pr.  depois,  fr.  depuis,  mlat.  de  post  L.  Sal.;  woneben  sp.  des  pries, 
pr.  despuois,  com.  despo,  bergamask.  paduan.  daspo,  aus  de  ex  post  er- 
klärt werden  müssen.  Eine  andre  zss.  ist  it.  poscia,  pr.  poissas,  von 
postea.  In  betreff  des  weggefallnen  t  in  post,  darf  an  pos  im  älteren  la- 
teinischen sprachgebrauche,  umbrisch  pus,  erinnert  werden,  um  so  mehr 
als  auch  der  Franzose  dieses  auslautende  t  hinter  8,  das  er  in  est  (vom 
vb.  etre)  zuläßt,  hier  nicht  anerkennt.  Post  in  S.  Etd.  wird  also  wohl 
ein  latinismus  sein,  deren  hier  mehrere  vorkommen. 

Polödro,  pulädro  it.,  sp.  pg.  potro,  pr.  poudre  (zu  folgern  aus 
poudrel),  altfr.  poutre  junges  pferd.  Mlat.  pulletrus,  poledrus  schon  in 
der  L.  Sal.  und  L.  Alam.,  puledro  Kfolo\  puledra  'fülihha  Ol.  Cass.  Das 
wort  steigt  also  hoch  hinauf,  ist  aber  aus  dem  classischen  latein  unnach- 
weislich, denn  ScatigerJs  pulletra  für  pullastra  bei  Varro  ist  bloße  con~ 
Jectur,  s.  Forcellini.  Da  die  mittel  der  latein.  und  roman.  spräche  nicht 
ausreichen,  das  sufftx  edrus  oder  etrus  zu  erklären,  so  dürfte  man  fragen: 
bedienten  sich  etwa  die  Griechen  in  Italien  einer  diminutivform  inolid^iov 
(von  nwlog  füllen)  für  7tioUdwv  (vgl.  X/tnog,  inmdiov),  woher  Italien  sein 
poledro  nahm?  Aber  auch  nwUdiov  reichte  dem  Romanen  hin,  um  diese 
letztere  form  durch  eingeschobenes  r  zu  schaffen.  Sp.  pg.  potro  heißt  auch 
folterbank  wie  lat.  equuleus  von  equus,  weil  sie  einige  ähnlichkeit  mit 
einem  pferd  hatte  (auch  unser  folter  ist  von  poledrus),  nfr.  poutre  heißt 
querbalken  zum  auflegen  eines  andern  balkens. 

Poleggio,  puleggio  it.,  pr.  pulegi,  sp.  poleo,  pg.  poejo,  fr.  pouliot 
eine  pflanze,  polei;  von  pulegium. 

Polizfa  it.,  sp.  pg.  policia,  fehlt  pr.,  fr.  police  Staatsverwaltung, 
städtische  Verwaltung,  * gouvernement  d'une  republique  Nicot,  mlat.  politla 
'statordnung*  Dief.  Gloss.  lat.  germ.,  im  classischen  latein  nicht  üblich. 
Das  wort,  unser  polizei,  stammt  aus  dem  griech.  nofateia:  seine  romani- 
sierung,  selbst  der  im  franz.  auf  die  vorhergehende  sübe  zurückgezogene 
accent,  verhält  sich  wie  in  andern  fällen,  vgl.  vexQOfiaweia,  it.  negro- 
manzla,  sp.  nigromanefa,  altfr.  nigremänee  (statt  nigreraantfe).  —  Von 
polizia  ist  zu  trennen  it.  pulizia,  sp.  policia  reinlichkeü,  arjbigkeU,  abge- 
leitet von  polire,  it.  auch  pulire,  spätlat.  subst.  polities  (geschr.  policiea) 
1  ylaq>vQoz t]g3  Quich.  Add.f  mlat.  policia  'sconi*  d.  t.  Schönheit,  nettigkeit 
Dief.  Gl.  lat.  germ. 


I.   POLIZZA— POPPA.  253 

Polizza  it.  schein,  anweisung  u.  dgl.  z.  b.  beiG.  Villani  (f  1348), 
sp.  pöliza  dass.,  fehlt  pg.,  cot.  pölissa,  pr.  polissia  (totz  celz  que  aquesta 
present  polissia  veyran  cet.  urk.  v.  j.  1428),  fr.  police  (14.  jh.),  engl. 
pölicy.  Die  ital.  und  span.  betonung  der  ersten  silbe  verbietet,  das  wart 
mit  dem  vorhergehenden  in  Verbindung  zu  bringen:  es  weist  vielmehr  un- 
mittelbar auf  pollex  pollicis  mit  geändertem  genus,  wie  oft,  frone,  zugleich 
mit  fortgerücktem  accent,  muthmaßich  aus  dem  italienischen  entlehnt,  da 
11  nicht  in  u  iibergieng.  Man  brauchte  pollex  für  sieget,  weil  bei  dem 
aufdrücken  desselben  der  daumm  besonders  thaiig  ist,  daher  sab  pollice 
S.  Mauricii  in  einer  Urkunde  DC,  demnächst  für  das  mit  einem  solchen 
zeichen  versehene  blau. 

Pol le gar  pg.,  sp.  pulgar,  pr.  polgar,  dttfr.  pochier  L.  de  Guiü. 
daumen,  vgl.  si  quis  policare  de  manum  vel  pedem  excusserit  L.  Sal.; 
vom  adj.  pollicaris. 

Poltro  it.  trag,  feige,  daher  poltrone  und  so  sp.  poltron,  pg.  po- 
triio,  fr.  poltron,  aus  dem  ital.  eingeführt,  dem  primitiv  poltro  aber  ent- 
spricht nur  noch  das  champ.  pleutre  (welches  Genin,  RecrSat.  phü.  p.  169, 
zu  belttre  gesellt).  Das  wort  hat  seine  quelle  im  ahd.  polstar,  bolstar 
pfühl,  dessen  deutschheit  nicht  eu  bezweifeln  ist;  dieselbe  begriffsverwandt' 
schaft  zeigt  ja  auch  fr.  lodier  bettdecke  und  faulenzer,  ja  die  ital.  form 
boldrone,  nach  Veneroni  auch  boldra,  bedeutet  noch  jetzt  einen  theil  des 
bettwerkes*  und  mehrere  ausleget  Dantes  nehmen  zu  spoltre  Inf.  24,  46 
gradezu  ein  subst.  poltro  an,  maü.  polter,  romagn.  pultar  lagerstätte,  ven. 
poltrona  ruhebett.  Ist  auch  der  ausfäll  des  s  im  ital.  ganz  ungewöhn- 
lich, so  darf  er  doch  in  der  consonantischen  gruppierung  lstr  nicht 
auffallen,  auch  der  doppelte  antaut  p  und  b  redet  für  deutsche  herkunft. 
Scharfsinnig  hatte  Salmasius  in  poltrone  eine  abkürzung  aus  pollice 
tnmcns  erkannt:  multi  illo  tempore  (römische  zelten  sind  gemeint),  quia 
necessitate  ad  bellum  cogebantur,  prae  ignavia  pollices  sjbi  truncabant, 
ne  militarent;  inde  pollice  trnncos  hodieque  pro  ignayis  et  imbecillibns 
dicimus,  sed  truncata  voce  poltrones.  Diese  etymologie  erwarb  beifdtt, 
weil  sie  an  romische  Verhältnisse  erinnerte;  aber  schon  Menage  fand  die 
abkürzung  zu  stark.  Er  bestreitet  aber  auch  die  herkunft  aus  poltro  bett, 
welche  Landino,  Vdltädlo  und  andre  schon  behauptet  hatten,  indem  er 
diese  bedeutung  für  zweifelhaß  hielt,  und  leitet  unser  wort  aus  pullus, 
pnllitrns,  da  junge  thiere  furchtsam  und  träge  seien.  Daß  sie  scheu  sind, 
weiß  man,  feig  und  träge  ist  etwas  anders. 

Pomata  it.,  sp.  pomada,  fr.  pommade  eine  haar-  oder  hautsalbe; 
so  genannt,  weil  einer  ihrer  bestandtheile  vom  apisapfd  genommen  ward 
(pomo  apfd).    So  die  ürusca. 

Ponente  it.,  sp.  poniente,  pr.  ponent  eine  der  weltgegenden,  westen, 
eigenü.  Sonnenuntergang,  ove  il  sol  si  pone;  auch  wcd.  apüs  {partie.  von 
apone  =  apponere)  hat  diesen  sinn,  ebenso  fr.  conchant 

Poppa  it.,  pr.  popa,  aUfr.  poupe  (bei  Nicot)  brustwar ze,  zitze;  vb. 
poppare,  popar  saugen.    Stalderl,  237  und  Grimm  P}  406  vergleichen 


254  I.   POR— POTARE. 

Schweiz,  bübbi,  engl,  bubby,  aber  daraus  konnte  das  vom.  wart  nicht  wohl 
entspringen.  Die  lat.  spräche  bietet  nur  püpa  Mädchen,  puppe:  das  ital. 
wofi  würde  dasselbe  sein,  indessen  konnte  sich  ü  verkürzen  wie  in  cupa, 
it.  coppa,  daher  das  chw.  popa  und  das  fr.  poupäe  (nicht  pnpäe)  und 
selbst  unser  puppe ;  mit  o  schreibt  auch  der  Vocab.  S.  Galli  das  mascidin 
popus  'seha  d.  i.  pupilla;  nur  der  Piemontese  spricht  pupa  für  popa. 
Konnte  nun  unser  zitze  im  it.  zita  die  bed.  mädchen  ausdrücken,  so  wäre 
es  vielleicht  nicht  zu  vermessen,  hier  die  umgekehrte  enttotcJdung,  zitze  aus 
püppchen,  anzunehmen.  [Pott  vermuthet  in  poppa  eine  reine  latäform  ohne 
beziehung  auf  lat.  pupa,  s.  dessen  werk  Doppelung  cet  p.  34.] 

Por  sp.  pg.  alt  fr.,  nfr.  pour,  präposition,  vom  lat.  pro  (so  noch  in 
den  Eiden  als  latinismus),  sp.  pg.  auch  die  stelle  von  per  einnehmend, 
wie  schon  in  alten  Urkunden,  z.  b.  non  territus  pro  hoc  sacrilegio  Esp. 
sagr.  XXXIV,  442  (v.  j.  916).  Daß  dem  Italiener  diese  partikel  ab- 
geht, ist  bekannt;  die  einzige  sard.  mundart  besitzt  po  (=  por),  das  sie 
vermutlich  dem  spanischen  entnahm,  denn  das  landvolk  gebraucht  peri. 
Zsgs.  altsp.  altpg.  pora,  neu  para,  von  pro  ad,  z.  b.  vadit  pro  adribulo 
(rivulum)  Esp.  sagr.  XXXIV,  440.  Die  catal.  spräche  hat  dafür  pera 
(per  ad  Monlau  362);  vor  dem  infin.  trifft  man  auch  im  prob,  per  a, 
im  alt  fr.  por  a,  s.  Rom.  gramm.  III,  244  note. 

Po  reell  ana  it.,  sp.  porcelana,  fr.  porcelaine  porzellan,  eine  anfangs 
nur  aus  China  und  Japan  bezogene  töpferwaare.  Das  ital,  wort  bedeutet 
auch  eine  gewisse  seemuschel,  concha  Veneris.  Da  diese  mit  der  porzeUan- 
masse  große  ähnlichkeit  hat,  so  lag  es  nahe,  ihren  natnen  auf  letztere  zu  über- 
tragen. Die  muschel  aber  kann  ihren  namen  kaum  anderswoher  bezogen 
haben  als  von  porcus,  aber,  wie  Mahn  p.  11  auseinandersetzt,  nicht  in 
beziehung  auf  dessen  gewöhnliche,  sondern  auf  eine  andre,  figürliche  be- 
deutung,  welche  gleichfalls  zwei  dinge  ihrer  ähnlichkeit  wegen  verknüpft. 

Portulaca  it.  pr.,  sp.  verdolaga  (durch  umdeutung  mit  verde),  pg. 
verdoaga,  verdoega,  entstellt  in  beldroega,  eine  pflanze,  von  portulaca. 
Aus  lat  porcilaca  aber  entstand  durch  fälschung  it.  porcellana  (auch 
eine  töpferwaare,  s.  eben),  ahd.  purzella.  Aus  pulli  pes  hühnerfuß  soü  fr. 
pourpier  für  poupiä  gebildet  sein,  was  durch  die  mundarÜ.  form  pi6pou 
(pes  pulli)  bestätigung  gewinnt,  s.  Menage. 

Posta  it.  sp.  pg.,  fr.  poste  post;  von  poaitns,  wegen  der  auf  gestal- 
ten pferde. 

Posticcio  it.,  sp.  postizo,  fr.  postiche,  dsgl.  apposticcio,  apo- 
stizo,  pr.  apostitz  untergeschoben,  nachgemacht;  gleichsam  appositicius  an 
die  stelle  gesetzt,  roman.  posto  stelle. 

Postilla  it.  pg.  pr.  (letzteres  aus  dem  vb.  postillar  zu  folgern),  sp. 
postila,  fr.  apostille  randbemerkung;  nicht  aus  positus,  es  lautete  alsdann 
it.  postella,  sp.  postilla,  fr.  apostelle,  sondern  zsgs.  aus  post  illa  sc.  verba 
auctoris,  s.  Vossius  Vit.  senn. 

Potare  it.,  sp.  pg.  pr.  podar,  altfr.  poder  gewächse  beschneiden; 
von  pütare,    dessen  figürliche  bedetUung  (glauben)   in  die  romanischen 


I.   POTE-PREBENDA.  255 

sprachen  nicht  eingieng.  Dahin  sp.  po  do  n,pg.  podäo  kippe,  auch  atifr.  poün 
Gormond  v.  241.  255  ed.  Scheler  246.  259.  {nickt  mit  Heisenberg  =  fr. 
poing),   abgeleitet  vom  sp.  poda  beschneidung,  occit.  poudo  gartewnesser. 

Pote  sp.  pg.,  pr.  fr.  pot  {erster es  zu  folgern  aus  potaria)  topf;  vom 
ndl.  pot,  wenigstens  ist  das  pic.  poteqnin  offenbar  das  tnndl.  potekin;  das 
stammwart  übrigens  auch  im  celt.  vorhanden,  kymr.  pot,  gael.  poit.  Dem 
Italiener  fehlt  potto,  dagegen  entspricfU  das  daraus  gezogene  feminin  dem 
ir.  puite,  das,  wie  lat.  concha,  die  ital.  bedeutung  mit  der  oben  bemerkten 
vereinigt,  auch  it.  vaso  hat  diesen  doppelten  sinn.  Eine  abl.  muß  sein  fr. 
potage  suppe  (auch  genUise:  potaige  'legumen  Gl.  de  Lille  p.37b  ed. 
Scheler),  daher  it.  potaggio  und  wohl  auch  sp.  potage,  eigentl.  etwas  im  topf 
bereitetes,  wie  fromage  etwas  in  der  form  bereitetes  heißt,  also  nickt  von 
dem  unroman.  potus,  das  fr.  pouage  ergeben  hätte.  Wie  verhält  es  sich 
aber  mit  pr.  pot  lippe  ?  ist  dies  die  grunibedeutung,  woraus  die  andre 
erfolgte,  wie  dies  bei  brocca  der  fäll  zu  sein  scheint?  In  der  Schweiz 
lautet  es  potte,  faire  la  potte  ist  faire  la  moue  (Dict.  genev.),  auch  lothr. 
potte,  vgl.  aiban.  puze  lippe.  Neupr.  pot,  litnous.  poutou  (m.)  bedeuten  hiß. 

Potere  it.,  sp.  pg.  pr.  poder,  cdtfr.  pooir  {mit  ausgestoßenem  d), 
nfr.  pouvoir  (mit  eingeschobenem  v  zur  aufhebung  des  hiatus),  wai.  puteä, 
lat.  posse;  sbst.  it.  podere  (mit  d),  sp.  poder,  wai.  puteare  macht,  dsgl. 
hob  und  gut  wie  das  dtsche  vermögen,  ital.  auch  bauerngut.  Wie  bei 
?elle  ward  auch  hier  von  der  in  der  conjugation  vorherrschenden  form 
pot  ein  neuer  infinitiv  pbgezogen.  Potere t  für  posse t  hat  eine  Ur- 
kunde vor  760  Fumag.  p.  18,  potemus  für  possumus  findet  sich  Form. 
Mab.,  desgl.  Mural.  Ant.  ital.  V,  312  (v.  j.  796),  ferner  podibat  (pr. 
podia)  für  poterat  Breq.  p,  222c  (v.  j.  657),  potebat  HLang.  I,  col.  25 
(v.  j.  782),  potebant  L.  Sal.  app.  3,  potebimns  für  poterimus  Form. 
Bciuz.,  possat  für  possit  Fumag.  p.  97  (v.  j.  796),  possant  Mural.  III,  570 
(v.j.  757);  s.  auch  Rom.  gramm.  II,  141—2. 

Pozione  it.,  sp.  pocion,  pr.  poizo  trank,  arznei,  altsp.  pozon  Alx., 
Conq.  Ultram.,  fr.  poison  (m.,  noch  bei  Malherbe  fem.,  s.  Nodier,  Exam. 
crit.)  giß:  von  potio  trank,  arznei-,  gift-,  zaubertrank.  Vb.  pr.  poi- 
zonar,  5p.  ponzoäar,  von  potionare  bei  Vegetius,  sbst.  sp.  ponzofia,  pg. 
pe<jonha  giß.  Eine  ähnliche  ausartung  der  grundbedeutung  im  sp.  yerba, 
pg.  erva  gißpflanze,  giß,  altfr.  enherber  vergiften;  im  nhd.  gift,  ursprüngl. 
gäbe,  dosis. 

Pozzo  it.,  wai.  putz,  sp.  pozo,  pr.  potz,  fr.  pnits  brunnen;  von 
putens,  dtsch.  pfutze.  Daher  pr.  pozar,  fr.  puiser  schöpfen,  äpuiser 
erschöpfen. 

Prebenda,  prevenda  it.  pr.,  sp.  prebenda,  fr.  probende  eigentl. 
täglicher  lebensunterhcit  der  manche  und  anderer  geistlichen;  von  prae- 
benda  (plur.J  was  dargereicht  werden  muß,  lieferung;  dieselbe  büdung 
zeigt  pr.  liuranda  von  linrar.  Das  gleichbed.fr.  provende  {woher  unser 
pfründe),  it.  profenda,  trennte  sich  von  probende  durch  einwirkung  des 
vb.  providere  versorgen,  pari,  providenda,  dem  sich  unser  proviant  anschließt. 


256  I.   PREGNO-PRO. 

■ 

Pregno  it.,  pg.  prenhe,  pr.  prenh,  attfr.  prains  (acc.  prenant) 
schwanger,  von  praegnas,  praegnans;  vb.  pg.  prenh  ar,  sp.  particip. 
prenado,  dsgl.  pg.  emprenhar,  sp.  emprenar  ff.,  wozu  ein  lat.  verbum 
fehlt.  Das  it.  pregno,  pregna  ist  eine  misverstandne  bildung,  die  der 
andern  mundarten  sind,  ihrem  Ursprünge  gemäß,  generis  communis. 

Presente  it.  sp.,  prösent  fr.  geschenk.  Das  wort  steigt  in  diesem 
sinne  ziemlich  hoch  hinauf,  da  schon  Rambaut  von  Orange  (um  1160)  es 
kennt  (prezet  gent  presen  schätzte  ein  artiges  geschenk),  das  gleichbed. 
ndat.  praesentia  reicht  sogar  bis  zum  9.  jh.  zurück.  Die  bedeutung 
knüpft  sich  an  die  des  vb.  praesentare  vorstellen,  ndat.  und  roman.  an- 
bieten, darbieten. 

Presso  it.,  pr.  pres,  fr.  prte,  partikel  für  lat.  prope;  von  pressum 
gedrängt,  wie  gr.  ixy%i.  Zsgs.  it.  appresso,  altpg.  pr.  apres,  fr.  apres, 
it.  pressochfe,  fr.  presqne. 

Pre stare  it.,  sp.  prestar,  fr.  preter  leihen;  von  praestare  in  ders. 
bed.  bei  Salvian,  Venantius,  in  der  L.  Sai.  u.  s.  w. 

Presto  it.  sp.  pg.,  pr.  prest,  fr.  pret  adj.  bereit;  vom  lat.  praestas 
auf  einer  inschrift  Grrut.  p.  699.  n.  4.  Merkwürdig  ist  die  port.  form 
prestes  (indecl.),  sie  hat  in  dem  gleichbed.  lestes  neben  lesto  ihr  gegenstück. 

Prete  it.,  spt  altpg.  preste,  fr.  prfetre  aus  dem  edtfr.  pr.  prestre, 
priester,  von  presbyter  senior,  non  pro  aetate  vel  decrepita  senectute, 
sed  propter  honorem  et  dignitatem  lsid.  7,  12.  Andre  formen  erklären 
sich  wegen  des  verschiedenen  accentes  nur  unmittelbar  aus  dem  gr.  tiqio- 
ßixeQog,  oder  besser  wohl  aus  dem  näher  liegenden  lat.  accusativ  pres- 
byterum  (Littre,  Hist.  de  la  langue  frang.  I,  33,  G.  Paris,  De  Vaccent  45), 
nämlich  pr.  preveire,  preire,  cot.  prebere,  cdtfr.  proveire,  provoire,  und 
so  stimmt  auch  pr.  preveiral,  preveirat  zu  ndat.  presbyteralis,  pres- 
byteratus.  Auffallend  ist  das  syncopierte  s  im  it.  prete,  maü.  prevet, 
pret,  da  die  spräche  diesen  buchstaben  sonst  nicht  scheut. 

Prevosto  it.,  sp.  pg.  preboste,  fr.  prövöt,,  waZ.  preot  probst,  profos; 
von  praepositas.    Daher  auch  sp.  pg.  prioste  syndicus. 

Prigione  it.,  sp.  prision,  pr.  preiso,  fr.  prison  gefängnis;  von 
•  prehensio,  prensio  ergreifung,  noch  im  span.  Verhaftung,  im  prov.  weg- 
nähme. Im  ital.  span.  und  aitfranz.  wird  es  auch  in  der  bed.  gefangener 
gebraucht. 

Primo  sp.  pg.  vorzüglich:  la  obra  es  prima  das  werk  ist  vorzüg- 
lich; von  primus  im  sinne  von  primarius.  Hieraus  die  bedeutung  des 
pr.  prim  fein,  zart,  noch  jetzt  in  den  mundarten,  z.  b.  limous.  oqnel  efon 
es  prim  dieses  kind  ist  zart  gebaut.  Im  Jura  ist  primbois  kleines  hol*, 
reisholz.  Rochegude  bemerkt  pr.  prim  preon  mit  der  bed.  sehr  tief,  was 
an  prime  probus  bei  Naevius  erinnert.  Verb.  pr.  cot.  aprimar  ver- 
feinern. 

Pro  it.  sp.  pg.  pr.,  cdtfr.  prou,  preu,  pro,  sämmtlich  masc.9  span. 
masc.  fem.,  dafür  auch  it.  prode,  cdtsp.  altpg.  prol  (f.)  pr.  pron  vortheä; 
von  der  lat.  partikel  pro,  substantivisch  angewandt  wie  auch  contra,  z.  b. 


L   PROFILARE-PROSTRARE.  257 

iL  in  pro  o  in  contro  zum  vortheil  oder  nachtheil.  Vielleicht  gab  der 
zuruf  proficiat,  das  man  roman.  in  pro-faccia,  pro-fassa  übertrug,  den 
ersten  anlaß  zu  diesem  gebrauche,  und  ebenso  ist  in  prod-est  das  it.  prode 
enthalten,  oder  eigentlich,  prod  ist  die  alte  vollständige  form  für  pro,  noch 
erhalten  in  prodins  bei  Nonius  ed.  Gerlach  (Corssen,  Zeitschr.  f.  vergl. 
sprachf.  III,  266;  Bitschi,  Plaut,  exe.  I,  97).  —  Vollkommen  gleichlau- 
tend mit  diesem  Substantiv  ist  ein  adjeetiv  (einer  endung)  mit  der  bed. 
tüchtig,  trefflieh,  welches  im  prov.  das  eigne  hat,  daß  es  sein  flexivisches  ' 
8  häufig  zur  wttrzd  zieht  (pros  ni  valen  acc,  de  la  pros  comtessa),  da- 
her nfr.  preux,  nicht  mehr  pren,  chw.  prns  fromm,  adv.  pr.  prosamen, 
aber  auch  proosamen,  altfr.  proüsement,  wiewohl  Jcein  adj.  proos,  fem. 
proosa,  vorkommt.  Das  adjeetiv  pro  ist  von  dem  Substantiv  nicht  zu 
trennen:  ital.  egli  e  prode  ist  wiederum  =  prod-est  'er  ist  nützlich,  brav, 
wie  das  altdeutsche  frum,  das  mittdlat.  ntilis  beide  bedetUungen  einigt. 
Oder  ist  es  von  probus?  Unzweifelhaft  wäre  alsdann  die  regelmäßige 
gestait  des  feminins  prova,  da  es  von  dem  übergange  eines  adjeetivs  zweier 
endungen  in  ein  adjeetiv  einer  endung  schwerlich  ein  gemeinrom.  beispiel 
gibt.  Auch  an  prüdens  hat  man  gedacht,  aber  das  lange  u  verträgt  sich 
nickt  mit  rem.  o,  wenn  man  auch  auf  den  wegfaU  der  endung  kein  ge- 
wicht legt.  —  Wenn  aber  die  herleitung  des  adj.  pro  aus  probus  unstatt- 
haft  ist,  so  läßt  sich  dagegen  in  dem  adv.  pr.  pro,  fr.  prou  s.  v.  a.  lat. 
satis  um  so  leichter  das  adv.  probe  annehmen,  als  es  altfr.  auch  proef 
(Littre,  Eist.  II,  209),  eat.  prou  (n  aus  b)  lautet:  pro  batre  aleun  wird 
van  probe  percutere  aliquem  wenig  verschieden  sein. 

Profilare  it.,  fr.  profiler  (entlehnt),  sp.  perfilar  von  der  seite  ab- 
zeichnen; sbst.  it.  profilo,  fr.  profil,  sp.  lomb.  perfil  Seitenansicht;  von 
filum  in  der  bed.  gestait  (umriß).  Der  eigentliche  sinn  der  compositions- 
partikel  ist  um  so  weniger  gewiß,  als  die  sprachen  per  und  pro  leicht 
verwechseln. 

Profit to  it.,  pr.  profieg,  cot.  fr.  profit  vortheil;  vb.  profittare, 
profeitar,  profiter;  vom  sbst.  profectus.  Spanier  und  Portugiesen  haben 
dafür  provecho,  proveito  (daher  das  it.  proveccio)  mit  lat.  provectus 
zusammentreffend,  doch  wird  von  Santa  Rosa  auch  ein  altpg.  profeito 
bemerkt,  und  da  in  der  that  provecho  aus  profectus  entstanden  sein  kann,  so 
ist  es  rathsam,  bei  diesem  als  dem  gemeinromanischen  worte  stehen  zu  bleiben. 

Propaggine  it.,  pr.  probaina,  sp.  provena,  fr.  provin  (für  pro- 
vain,  wie  die  alten  schrieben)  Setzling,  senker,  vb.  provigner;  von  pro- 
pago  propaginis,  propaginare,  woher  auch  unser  vb.  pfropfen. 

Propio  it.  sp.,  cot.  propi;  von  proprius  mit  euphonischem  ausfall 
des  zweiten  r,  wci.  propriu,  pg.  proprio,  pr.  propri,  fr.  propre.  Auf 
einer  inschrift  Ordl.  4822  findet  sieh  bereits  propii. 

Prostrare  it.,  sp.  postrar,  pg.  pr.  prostrar  niederschlagen;  ein  aus 
dem  partic.  prostratus  von  prosternere  nach  der  ersten  conj.  geformtes 
verbum.  In  span.  Urkunden  liest  man  postravi  Esp.  sagr.  XL,  370  (v.j. 
832),  postratus  XXXIV,  464  (v.  j.  962). 

17 


258  L  PROTOCOLLO-PUNZAR 

Protocollo  it.  ff.  Von  nqunbxolXov,  bei  den  Byzantinern  eigenä. 
das  den  papyrusrollen  vorgeleimte  blatt  (zsgs.  aus  nQWTog  und  xokla), 
worauf  bemerkt  sein  mußte,  unter  weichem  comes  largitionum  und  von  wem 
der  papyrus  verfertigt  sei;  der  name  nachher  auf  die  notariatsurkunden 
übertragen ,  weil  daselbst  jenes  blatte  da  es  eine  chronologische  angäbe  ent- 
hielt und  zur  deckung  von  fälschungen  dienen  konnte,  nach  einer  Verord- 
nung Justinians  (nov.  44)  nicht  fehlen  durfte.  S.  Tychsen  in  Hugo's 
'    Civil,  magazin  VI,  132. 

Prua  it.,  sp.  pg.  pr.  proa,  fr.  proue  Vorderschiff;  von  prora  mit 
ungewöhnlichem  gewiß  euphonischen  ausfalle  des  r,  das  sich  im  ital.  proda 
als  d  darstellt.  Dasselbe  wort  ist  auch  im  aUhoclid.  vorhanden:  prora 
'prot,  prior  pars  navis*  Gl.  Paris,  (augiens.)  Diutisk.  I,  268,  in  andern 
glossen  prort;  und  so  wie  proda  in  eweiter  bedeutung  den  rand  eines 
dinges  bezeichnet,  so  auch  unser  ahd.  proth  prort  brort,  so  daß  das  ital. 
wort  in  letzterem  sinne  aus  dem  deutschen  aufgenommen  sein  wird,  wäh- 
rend  es  in  ersterem  einheimisch  sein  kann.  Über  den  etwanigen  Zusammen- 
hang des  ahd.  Wortes  mit  andern  germanischen  s.  Graff  III,  313. 

Prüdere  it.,  pr.  prüzer  (pruir  GFrov.  37),  pg.  cot.  pruir  (ßr 
prudir)  jucken;  von  prürire,  euphonisch  durch  dissimüation  prudire  u.s.fn 
noch  in  der  limous.  mundart  prnre  für  prurer. 

Pugnale  it.,  sp.  puüal,  fr.  poignard  dolch;  abgeleitet  von  pngio 
pugionis. 

Pulce  it.  (f.),  fr.  puce  (f.),  cot.  pussa,  sp.pg.  pulga,  cremon.  gleich- 
falls mit  gutturallaut  peulegh  floh;  von  pulex  (m.);  vb.  it.  spulciare, 
fr.  äpucer,  cot.  espussar,  sp.  pg.  pr.  espulgar,  val  esplagar,  unter  wel- 
chen das  Span,  verbum  die  bed.  von  despiojar  (s.  pidocchio)  an  sich  ge- 
nommen hat. 

Pulcella  it.,  altsp.  puncella,  poncella  Bc.,  altpg.  pr.  pucella,  fr. 
pucelle,  chw.  purscella  Jungfrau,  masc.  nur  pr.  piucel,  fr.  pncean, 
chw.  pnrscel  Jüngling.  Es  ist  ein  dimin.  von  pullus  jung,  das  gewöhn- 
lich von  thieren,  als  schmeichelwort  auch  von  menschen  gebraucht  ward. 
Die  älteste  künde  des  diminutivs  findet  sich  wohl  in  einem  capitular  Chlo- 
dowigs  (v.  j.  500—511),  wo  es  pulicella  lautet,  Pertz  IV,  p.  6,  welche 
form  auch  eine  handschrift  der  Lex.  Sal.  kennt.  Das  primitiv  pullus 
ist  gleichfalls  romanisch:  ital.  in  Tessin  pol  knabe,  pola  madchen,  polle 
in  dem  alten  liedchen  auf  Etdalia,  altfr.  und  noch  in  Berry  und  Nor- 
mandie  heißt  poulot  knabchen,  bübchen,  in  Limousin  pouloto  mädchen. 

Pulsar  sp.  pg.,  pr.  polsar,  fr.  pousser  klopfen,  stoßen;  von  pulsare. 
Eine  zweite  form  ist  sp.  puxar,  pg.  puxar  fortstoßen.  Sbst.  it.  polso, 
fr.  pouls,  von  pulsus. 

Punto  it.,,  fr.  point,  auch  prov.  zuweilen  ponh,  point,  Verstärkung 
der  negation;  von  punctum  tüpfeichen,  üeinigkeit;  il  n'a  point  d'esprit 
er  hat  kein  bißchen  verstand,  s.  etwa  Born,  gramm.  III,  429—30.  444. 

Punzar  und  punchar  sp.,  pg.  pun$ar,  it.  punzellare,  punzec- 
chiare  stechen;  participiälverbum,  gleichsam  punctiare  von  punctuß.  SbsL 


I.   PUTTO— QUAGLIARE.  259 

ü.  pnnzone,  sp.  punzon,  fr.  poin^on  pfriemen,  grdbstichel,  ätsch,  punzen, 
banzen;  von  panctio  stich,  stechen,  durch  seine  concrete  anwendung  ein 
masadin  geworden,  vgl.  unten  tosone. 

Patto  it.,  sp.  pg.  puto  hübe,  fem.  it.  putta  mädchen,  auch  lieder- 
liche dirne,  sp.  pg.  puta,  altfr.  pute  nur  in  letzterer  bedeutung.  Ein  wort 
der  römischen  Volkssprache,  das  sich  zufällig  in  einem  Meineren,  gewöhn- 
lich Virgil  zugeschriebenen  gedickte  erhalten  hat  und  als  ein  volksmäßiges 
darin  bezeichnet  wird:  Scilicet  hoc  sine  fraude,  Vari  dulcissime,  dicam : 
di8peream,  nisi  me  perdidit  iste  putus.  Sin  autem  praecepta  vetant 
me  dicere,  sane  non  dicam,  sed  me  perdidit  iste  puer.  8.  Winckelmann, 
Jahrbb.  für  phüd.,  suppl.  II,  497.  Für  putto  war  potto  zu  erwarten, 
wobei  jedoch  diese  etymologie  unverdächtig  bleibt.  Mit  putillus  bei  Flau- 
tus  Asin.  3,  3,  104  trifft  das  ital.  dimin.  puttello  buchstäblich  zusammen. 
Eine  dbl.  ist  it.  puttana,  altsp.  putana  Bc.  liederliche  dirne,  metze;  die 
stelle  des  unvorhandenen  fr.  pataine  vertritt  putain  (auchpr.  putan,  nicht 
putana),  aus  dem  accus,  putam,  ebenso  die  eigennamen  Evain  acc.  aus 
Evam,  Bertain  aus  Bertham,  Rom.  gramm.  II,  47. 

Putto  it.,  altsp.  püdio,  pr.  altfr.  put  niederträchtig,  widerlich  (häu- 
figes epithet  der  heiden  pute  gent);  von  pütidus  wie  netto,  net  von  nitidus. 
Daß  dem  it.  putto  auch  die  bed.  verbuhlt  beigegeben  ward,  als  hange  es 
mit  putta,  puttana  zusammen,  darf  nicht  stören. 

Q. 

Qua  it.,  sp.  ac£,  pg.  c4  ortsadverb,  von  eccu'hac;  dazu  pr.  sa,  sai, 
fr.  ;a,  lomb.  sciä,  von  ecce  hac. 

Quadro  it.  sp.  pg.  viereck,  rahmen,  gemälde,  fr.  cadre,  rahmen,  pr. 
caire  viereckiger  stein,  bürg,  quarre  ecke;  von  quadrum.  Abgel.  fr.  car- 
ri&re  steingrube,  buchstäbl.  quadersteingrube  (carrä,  carrer  von  quadra- 
tus,  quadrare),  in  späterem  mlatein  quadraria,  zu  scheiden  von  carrifere 
laufbahn;  dsgl.  it.  quadrello,  sp.  qnadrillo,  pr.  cairel,  fr.  carreau  Vier- 
eck von  stein  u.  dgl.,  auch  bolzen  (wegen  seines  vierkantigen  eisens).  Zsgs. 
it.  squadra,  sp.  esquadra,  fr.  äquerre,  (f.)  Winkelmaß,  it.  sp.  auch  rotte 
(viereck  von  leuten),  geschwader,  daher  fr.  escadre  und  escouade ;  dsgl.  it. 
squadrone,  sp.  esquadron,  fr.  escadron  heeresabtheilung ;  alle  vom  vb. 
squadrare  cet.  viereckig  machen,  lat.  gleichsam  exquadrare. 

Quaglia  it.,  altsp.  coalla,  pr.  calha,  fr.  caille,  chw.  quacra  wachtet; 
tnlat.  quaquila,  quaquara,  quaquadra  (gewiß  aus  älterer  Überlieferung, 
Wackernagel,  Voces  animantium  p.  20),  mnl.  quakele.  Das  cat.  guatlla, 
vol.  guala,  hat  den  anlaut  des  dtschen  wahtala,  neben  welchem  auch  quat- 
tala  üblich  war.  Das  wcd.  wort  ist  prepelitze,  auch  pitpeläce,  das  sard. 
circuri,  das  piem.  cerlach. 

Quagliare,  cagliare  it.,  sp.  cuajar,  pg.  coalhar,  fr.  cailler  ge- 
rinnen, von  coagulare.  Vom  sbst.  coagulum  ist  pg.  coalho,  it.  cagiio 
lab,  auch  gaglio,  latinisiert  galium  labkraut,  bei  Linne. 


260  I.   QUALCHE— QÜL 

Qualche  it.,  altsp.  qualque,  pr.  qualsque,  /r.quelque,  unbestimmtes 
pronomen,  zsgs.  aus  qnalis  quam  nach  dem  heispide  von  quisquam.  Mit 
angefügtem  unus:  it.  qualcuno,  erweitert  qualch-ed-uno,  fr.  quelqu'un. 

Quaräsima  it.,  sp.  quaresma,  fr.  careme  (m.),  wal.  pereisimi 
plur.  fastenzeit;  von  quadragesima,  neugr.  tsaoaQccxooTt]. 

Quartiere  it.,  sp.  pg.  quartel,  fr.  quartier  das  abgetheüte  viertel 
eines  raumes,  in  weiterem  sinne  ohne  rüeksicht  auf  genauigkeit  des  maßes 
ein  abgetheüter  räum  z.  b.  in  einem  hause,  eine  wohnung,  quartier,  auch 
Stadtviertel:  altfr.  de  tote  la  terre  tot  lo  meillor  cartier  das  beste  theil 
des  ganzen  landes  PDuch.  p.  48.  Der  Südwesten  braucht  das  primitiv 
quarto  in  ähnlicher  weise  d.  h.  in  der  bed.  wohnung,  simmer,  gemach. 

Quatto  it.y  pr.  quait,  sp.  cacho  und  gacho  geduckt,  zusammenge- 
drückt; sbst.  it.  in  Brescia  quat  alp  (etwas  drückendes),  fr.  cache  versteck; 
vb.  sard.  cattare  platt  drücken,  fr.  cacher  ducken,  verstecken,  neupr. 
cachä  pressen,  verstecken;  zsgs.  fr.  6c  ach  er,  altfr.  esquachier  Ben.  II, 
143,  pic.  äcoacher,  sp.  acachar,  agachar  platt  drücken.  Quatto  entspringt 
einfach  aus  coactus,  ebenso  wird  sich  cacher  aus  coactare  deuten  lassen 
(co  =  fr.  c  auch  in  coagulare,  cailler,  et  =  ch  in  flectere,  flächir  u.  a.). 
Eine  besondere  büdung  aus  coactus,  pr.  quait,  ist  fr.  catir  pressen  = 
altfr.  pic.  quatir  ducken  (part.  quaitiß  BCam.  p.  247),  nach  Frisch  u.  a. 
von  dem  den  übrigen  gebieten  unbekannten  quatere.  AbU.  aus  cache  sind 
cachet  petschaft,  cachette  schlupftoinkd,  cachot  kerker.  Neben  pr. 
cachar  findet  sich  noch  eine  ablautform  quichar  (quitxat  GO.),  neupr. 
esquichä,  genf  esquicher,  chw.  squicciar  quetschen. 

Quello  it.  nebst  colui  (in  der  röm.  mundart  quelui),  sp.  pr.  aquel, 
pg.  aquelle,  demonstrativpronomen,  von  eccu'ille,  nach  Castelvetro  von 
hoco  ille  (was  ist  aber  hoco?);  dazu  wal.  acel,  pr.  aicel,  altfr.  icel,  in 
allen  drei  sprachen  auch  cel  nebst  celui,  von  ecc'ille,  vgl.  unten  qui. 
Man  lasse  sich  durch  eine  mitteüat.  umdeutung  nicht  zu  einer  falschen 
etymologie  verfuhren.  Die  Marculf.  formdn  nämlich  fassen  icelui  als 
ipsi  lui  auf:  interrogatum  fuit  ipsi  lui  num.  23,  ad  parte  ipsius  lai 
num.  17;  ebenso  schreiben  die  Mabül.  formein  ipsi  Uli  ei  für  icelei,  und 
so  könnte  auch  ici  als  ips'hic  verstanden  werden.  Daß  sich  aber  im  fr. 
c  kein  lai.  s  verbirgt,  verräth  das  picard.  chelui,  ichi  u.  s.  f.,  worin  ch 
einem  lat.  $  gleich  ist. 

Questo  it.  nebst  costui  (in  der  röm.  mundart  questui),  sp.  pg. 
aqueste  (altpg.  questo),  cot.  pr.  aquest,  demonstrativpronomen,  von  eceu'- 
iste;  dazu  wal.  acest,  pr.  aicest,  altfr.  icest,  in  atten  drei  sprachen 
auch  cest  nebst  cestui,  neufr.  cet,  von  ecc'iste. 

Qui  it.,  altfr.  iqui  Pass.  de  J.  G.  (noch  jetzt  bürg,  pic.),  equi  SLeg., 
auch  enqui,  anqui,  sp.  pr.  aquf,  ortsadverb,  floneccu'hic;  dazu  it.  ci,  pr. 
aici,  aissi  (im  Jaufre  ci),  cot.  assi,  fr.  ici,  ci,  wal.  aici,  ici,  von  ecce  hie 
zsgz.  eccic.  Im  ital.  fiel  der  anlaut  e  weg,  im  span.  und  prov.  ward  er, 
wie  oft  in  tonloser  erster  silbe,  zu  a.  Ob  auch  die  span.  spräche  eine  form 
mit  q  oder  dem  entsprechenden  s  kannte,  da  ja  die  ital.  und  prov.  beide 


I.   QUINTALE— RAFFARE.  261 

Im  Poem,  de  Cid  485.  3121  findet  sich  desf  adelante  (von 
hier  an)  =  pr.  d'aissi  enan;  auch  ein  altpg.  desy  kommt  vor,  s.  D.  Din. 
TVov.  Zu  merken  ist  hier,  daß  das  rom.  ici  oder  ci  in  altem  ndatein 
mit  richtigem  etymologischen  gefuhl  durch  ecce  ausgedrückt  wird,  z.  b. 
Brunetti  p.  439  (v.  j.  716)  parentes  ecce  habeo  multos  ich  habe  viele 
verwandte  hier;  p.  441  consobrino  ecce  mecum  habeo  ich  habe  meinen 
vetter  hier  bei  mir.   Zsgs.  ist  it.  qui-ci,  li-ci,  beide  bei  Dante  vorkommend. 

Quintale  it.,  sp.  pg.  pr.  quintal,  das  letztere  schon  bei  dem  Trou- 
badour Bertran  v.  Born,  fr.  quintal  gewicht  von  hundert  pfund;  vom  aräb. 
qin'tir  Freyt.  III,  506  ein  gewicht  von  hundert  ratl,  welches  seinerseits 
aus  dem  lat.  centenarius  (ahd.  zentenari,  kentenari  Doc.  Mise.  I,  204) 
entlehnt  sein  sott.    S.  Jos.  v.  Hammer  und  besonders  Mahn  p.  126. 

Quintana,  chintana  it.,  pr.  quintana,  altfr.  quintaine  männliche 
figur  von  holz  mit  einem  schüd,  den  der  Jieransprengende  reiter  mit  der 
lange  zu  treffen  suchte.  Die  entstehung  des  wortes  ist  noch  nicht  aufge- 
hellt. S.  Ducange,  Menage,  Caseneuve  s.  v.,  Baoul  d.  Cambr.  p.  24, 
FaUot  p.  665. 

Quota  it.,  pr.  cota,  fr.  cote  beitrag  eines  jeden  zu  einer  gemein- 
schaftlichen ausgäbe,  sp.  pg.  cota  randbemerkung,  transport  (eigentl.  an- 
gäbe der  ziffer);  von  quotus.  Daher  ferner  it.  quotare  in  Ordnung 
bringen,  sp.  pg.  cotar,  acotar,  fr.  coter  beziffern,  attegieren,  sp.  cotejar, 
pg.  cotejar  vergleichen  (eigentl.  zusammenstellen);  fr.  coterie  geschlossene 
geseUschaft  (ursprüngl.  von  betheiligten). 


R. 

Rab&rbaro  it.,  sp.  pg.  ruibarbo,  fr.  rhubarbe  (f.)  eine  an  den  ufern 
der  Wolga  so  wie  in  China  wachsende  pflanze,  rhabarber;  eigentl.  rha 
barbarum  (gr.  (&),  zum  unterschiede  so  genannt  von  rha  ponticum,  wie 
die  Römer  eine  andre  art  dieser  pflanze  nannten,  die  in  der  gegend  des 
schwarzen  meeres  vorkam. 

Racchetta  it.  {entstellt  in  lacchetta),  sp.  raqueta,  fr.  raquette  netz 
zum  ballschlagen;  gleichsam  retichetta  von  rete. 

Rada  it.  sp.,  rade  fr.  ankerplatz,  rhede;  vom  altn.  reida  ausrüstung, 
bereitschaß  (der  schiffe),  ndl.  feede,  mhd.  rade. 

Raffare  it.  in  arraffare,  maü.  raffa,  piem.  rafe,  chw.  raffar,  altfr. 
raffer,  lothr.  raffoua  hurtig  an  sich  reißen  u.  dgl.;  sbst.  piem.  rafa  raub, 
gewinn,  lothr.  henneg.  raffe,  it.  ruffa-raffa  rapuse,  romagn.  riffe-raffa,  chw. 
riffa-raffa,  sp.  rifi-rafe.  Dsgl.  mit  ableitendem  1  it.  arraffiare  (für  ar- 
rafilare),  fr.  rafler,  6  rafler;  sbst.  it.  raffio  haken  etwas  zupacken,  fr. 
rafle  in  feire  rafle  alles  an  sich  reißen,  rein  aufräumen,  daher,  so  scheint 
es,  die  bed.  pasch  mit  drei  würfeln  (gewinn,  reine  aufräumung).  Deutsche 
herkunft  ist  nicht  zu  bezweifeln:  mhd.  reffen,  nhd.  raffen  (engl,  raff  wird 
franz.  sein);  mit  ableitendem  1  nhd.  raffel   Werkzeug  zum    scharren  oder 


262  L   RAGGIO— KAMPA. 

raufen,  vgl.  auch  altn,  hrafla  wegschnappen.  Dem  Spiderausdruck  rafle 
entspricht  ndl.  schwed.  raffel,  engl,  raffle.  Das  altfr.  raffle  heißt  auch 
grind  einer  wunde  Baq.,  Myst.  inid.  p.  p.  Jubinal  I,  283  (j'ai  rifle  et 
rafle  et  roigne  et  taigne),  ndl.  rappe  dass.,  vgl.  ahd.  rafjan  sich  sehließen 
(van  wunden).  Merkwürdig  ist  das  lothr.  adj.  raffe  herb,  sauer  (eigenÜ. 
zusammenziehend?  raffen  corripere,  zusammennehmen),  entsprechend  dem 
ahd.  raffi  asper  Graff  II,  494,  gleichbed.  comask.  rap,  vgl.  altn.  hrappr 
unsanft. 

Raggio,  razzo  it.,  sp.  pg.  rayo,  pr.  rai,  raig,  altfr.  rai  strahl 
(prov.  auch  ström),  nfr.  rayon,  van  radius;  daneben  ein  fem.  ü.  razza 
Speiche,  wal.  raz<j,  sp.  pg.  pr.  raya,  fr.  raie  strahl,  streif,  strich;  vb.  it. 
raggiare,  razzare  strahlen,  pr.  rayar,  altfr.  raier  und  roier  strahlen, 
strömen,  sp.  rayar,  nfr.  rayer  streifen,  van  radiäre.  Die  üal.  form  mit  z 
kennt  schon  ein  glossar  des  8—9.  jh.  razus  Kspeicha  Graff  VI,  325.  — 
Sanderbar  ist  altfr.  raie  ader  räe  de  miel,  norm,  r&ve  (mit  eingeschobenem 
v),  nfr.  rayon  de  miel  honigwabe,  auch  pg.  raio  de  mel  und  wähl  auch 
särd.  reja:  es  scheint  eine  durch  berührung  mit  dem  alts.  rata,  mndl.  rate, 
mM  r&z  honi große  entstandene  bedeutung,  vgl.  Grimm  III,  464,  Wei- 
gand  II,  511.  Sofern  fr.  raie  furche,  Wasserfurche  heißt  =  altfr.  roie, 
pr.  rega,  arrega,  kommt  es  von  rigare  wässern. 

Rallar  sp.  cot.,  pg.  ralar  reiben,  figürl.  plagen,  fr.  railler  foppen; 
sbst.  sp.  rallo,  pg.  ralo  reibeisen.  Frisch  meint  vom  ndl.  rakelen  schüren, 
rühren;  nähere  anspräche  hat  radicalare  van  rädere,  wenn  nicht  etwa  an 
radula  (werkzeug  zum  kratzen)  gedacht  werden  darf.  —  [In  betreff  des 
franz.  Wortes  erinnert  Diefenbach  an  ndl.  ndd.  rallen,  Schweiz,  rahelen 
neckerei  treiben  und  ähnliche,  s.  Ztschr.  für  vergl.  sprachf.  XII,  79.] 

Rame  it.,  wal.  aramej,  sp.  arambre,  alambre,  pr.  aram,  fr.  airain 
kupfer,  kupfererz;  von  aeramen,  bei  Festus  aeramina  'utensüia  ampliora, 
gewohnt,  aeramentum  kupfergeschirr.  Das  churw.  wort  ist  iröm,  offenbar 
entstellt  aus  iram,  eram,  wie  nffönt  aus  uffänt 

Ramerino  it.,  sp.  romero,  cot.  pr.  romanf,  pg.  rosmaninho,  fr.  ro- 
marin  ein  kraut;  zum  (heil  entstellt  ader  umgedeutet  aus  ros  marinus. 

Ramingo  it.,  ramenc  pr.  beiname  des  jungen  falken,  der  van  ast 
zu  ast  fliegt,  dsgl.  unstät,  fr.  ramingne  eigensinnig;  van  ramus,  dtsch. 
ästling  accipiter  ramarius,  entgegengesetzt  dem  nestling  accipiter  nidarius 
(Frisch).  Dem  it.  ramingo  entspricht  in  seiner^Bedeutung  sp.  ramero, 
dessen  fem.  ramera  die  feile  dirne  bezeichnet. 

Rampa  it.  kraue,  rampo  haken,  pr.  rampa  krampf;  vb.  it.  ram- 
pare,  altfr.  ramper  klettern,  nfr.  kriechen,  part.  rampant  aufsteigend 
(herald.);  aus  diesem  verbum  wähl  erst  das  sbst.  rampe,  sp.  rampa  erd- 
aufwurf,  auffahrt.  Rampare  ist  desselben  Stammes  wie  rappare  (s.  unten), 
vom  ndd.  rapen,  mit  m  bair.  rampfen  an  sich  reißen,  packen  (lomb.  ramf, 
ranf  krampf),  daher  das  Substantiv  mit  der  bed.  kralle  u.  s.  f.  Das  ein- 
geschabene  m  läßt  die  prav.  mundart  auch  weg:  rapar  ist  =  fr.  ram- 
per, altval.  leö  rapan  JFebr.  =  sp.  leon  rampante,   ramagn.  rape  = 


L    RANCO-RANDA.  263 

arrampk  Eine  abl.  ist  it.  rampone  haken,  hieraus  nach  Muratori  das 
vb.  it.  rampognare  höhnen,  lästern,  altfr.  ramposner,  ramponer  höhnen, 
zerren  (ramposner,  pinchier  et  poindre  zerren,  kneifen  und  stacheln 
Roquef.  s.  v.\  pr.  rampoinar  'dicere  verba  contraria  derisorie  GProv.  32, 
sbst.  it.  rampogna,  altfr.  ramposne  Verhöhnung  u.  dgl.,  henneg.  ramponne 
tracht  schlage.  Diese  herleitung,  wonach  rampognare  eigentl.  mit  Schmä- 
hungen zerreißen  hieße,  bestätigt  sowohl  das  ven.  ramponare  häkeln,  wie 
das  cot.  rampoina  fetzen. 

Ran co  it.  cot.,  sp.  renco,  aitfr.  ranc  kreuzlahm,  ven.  ranco  verdreht; 
vb.  it.  rancare,  arrancare  hinken,  dirancare  ausdrehen,  ausreißen,  sp. 
arrancar  ausreißen,  ausziehen;  gleiche  bed.  hat  altit.  arrancare  PPS.  1, 187, 
gen.  arranca,  piem.  ranchä.  Der  stamm  ist  deutsch:  nhd.  rank,  ndl. 
wronck  KU.  Verdrehung ,  mhd.  renken  drehend  ziehen,  bair.  renken  zerren, 
ags.  Treue  trug,  goth.  vraiqvs  krumm.  Arrancar  ist  also  wohl  ein  vom  fr. 
arracher  (II.  c.)  ganz  verschiedenes  wort;  zu  diesem  passt  buchstäblich, 
aber  nicht  begrifflich,  das  sp.  arraigar.  —  Für  sp.  renco  gibt  es  eine  form 
rengo,  sichtbarlich  auf  derrengar  (s.  oben  diesen  artikel)  gestützt,  mit  dem 
sie  aber  nicht  gleiches  Ursprunges  sein  kann. 

Rancore  it.,  rancor  altsp.  pg.  pr.,  rancoeur  altfr.,  rencor  neusp. 
groll;  von  rancor  1)  ranziger  geschmack;  bei  PaUadius,  2)  alter  groll,  bei 
Hieronymus  und  im  mlatein;  daher  auch  fr.  ra  nenne  (mit  demselben 
suffix  wie  im  altfr.  vieillnne  Rom.  gramm.  II,  341),  it.  altpg.  ran- 
enra  u.  a. 

Ran  da  sp.,  pg.  renda  spitzen  an  Jdeidern,  daher  sp.  randal  netz- 
förmiges gewebe.  Es  erinnert  unmittelbar  an  unser  deutsches  rand  und 
beruft  sich  auf  das  ndl.  kant,  welches  gleichfalls  rand  und  spitzen  heißt. 
Zwar  ist  rand  im  alt-  und  mhd.  nur  in  der  bed.  schildbuckel  nachweis- 
lich, es  mochte  ihm  aber  auch  die  heutige  bed.  margo,  extremitas  nicht 
versagt  sein,  die  dem  ags.  rand,  rond,  dem  altn.  rönd  oder  schwed.  rand 
zusteht,  denn  im  gründe  ist  auch  der  buckel  des  Schildes  dessen  äußerstes, 
daher  ihn  schon  eine  ahd.  glosse  'cuptda  vel  ora  clypei  nennt  (Oraff 
II,  631).  Andre  weisen  auf  lat.  rete,  sp.  red,  dem  sich  das  pg.  renda 
schon  ziemlich  annähert,  nicht  so  das  sp.  randa.  An  die  span.  bedeutung 
schließt  sich  etwa  das  pr.  randar  schmücken,  putzen.  Das  piem.  und  neupr. 
randa  Streichholz  um  den  inkalt  eines  gefäßes  dem  rande  gleich  zu  ma- 
chen, vb.  rand&  dem  rande  gleich  streichen,  entspricht  unserm  rand  noch 
entschiedener.  Wir  stellen  noch  hieher  pr.  randa,  das  für  sich  allein 
nickt  vorzukommen  scheint  (denn  Chx.  III,  400  la  randa  ist  mit  Bartsch  zu 
schreiben  l'a  randa),  davon  das  adv.  a  randa  bis  ans  ende,  völlig,  auch 
it.  a  randa  dicht  daran:  das  Substantiv  wird  also  das  äußerste  eines 
dinges  bedeuten  und  schließt  sich  unserm  nhd.  rand  genau  an.  Abgeleitet 
ist  altfr.  randir  andringen  Parton.  II,  p.  103;  pr.  altfr.  randon  unge- 
stüm, heftigkeü,  adv.  a  randon  und  de  randon,  sp.  de  rendon,  de  rondon, 
pg.  de  rondao  mit  einem  schlage,  heftig,  plötzlich  (engl,  at  random),  vb. 
randonar,  randoner  anrennen,  antreiben.    Da  die  kämpf  er  mit  vorgehal- 


264  L   RANGIFERO-RATTO. 

tenem  schüd  heranstürmten,  so  wäre  es  möglich,  daß  in  diesen  ableüungen 
die  ahd.  bedeutung  zur  geltung  gekommen  wäre. 

Rangif ero  it.,  rangffero  sp.,  rangier  fr.,  reynger  ndl.  rennfhier; 
vom  mlat.  rangifer,  dies  wohl  aus  dem  lappisch-finnischen  raingo,  nach 
Schmeller  II,  96.    Frans,  renne  gleichbed.  aus  dem  nord.  hrein,  r&n.  |J 

Raperonzo,  raperonzolo,  ramponzolo  it.,  sie.  raponzulu,  romagn. 
raponzal,  sp.  reponche,  ruiponce,  pg.  rniponto  u.  dgl.,  fr.  raiponee  (f.) 
eine  pflanze,  rapunzd;  von  rapa  rübe,  mit  üal.  Suffixen. 

Rappare  it.  in  arrappare,  sp.  pg.  pr.  rapar  gewaltsam  wegführen, 
lothr.  rapoua  an  sich  raffen,  verschlingen.  Das  üal.  wort  ist  augenschein- 
lich vom  ndd.  ndl.  rapen,  engl,  rap,  schwed.  rappa  u.  s.  w.  =  hd.  raffen, 
das  span.,  das  auch  die  bed.  scheren  (das  haar  rein  wegnehmen)  entwickelt 
hat,  entspringt  gleichfalls  leichter  hieraus  als  durch  eine  sehr  seltene  um- 
biegung  der  conjugation  aus  lat.  rapere.  Desselben  Stammes  ist  auch  it. 
rappa  schrunde  an  den  fußen  der  pferde  =  mhd.  rappe,  ndl.  rappe 
grind  Kü.}  vb.  ven.  lomb.  rapare,  rapa  schrumpfen  =  bair.  sich  räpfen 
erharten,  mit  kruste  überziehen. 

Rasare  it.  (eigentl.  ven.  lomb.  u.  s.  w.),  sp.  pg.  rasar,  fr.  raser 
scheren;  romanisches  frequentativ  von  rädere  rasus. 

Rascar  sp.  pg.  pr.  kratzen;  sbst.  pr.  rasca,  altfr.  rasche  kratze, 
grind;  für  rasicare  von  rädere  rasus.  Dsgl.  it.  raschiare,  cot.  rasclar, 
altfr.  rascler,  nfr.  racler,  mit  ders.  bed.,  sbst.  it.  raschia  =  pr.  rasca, 
lat.  gleichsam  rasiculare.  Sp.  pg.  rasgar  auseinander  reißen,  sbst.  rasgo 
flüchtiger  strich,  skizze,  führt  man  auf  resecare  zurück,  wiewohl  das  aus 
rasgar  abgeleitete  rasgnnar  kratzen  und  skizzieren  mit  seiner  bedeutung 
offenbar  auf  rasicare  weist.  Santa  Rosa  kennt  auch  ein  dÜpg.  rascar 
schreien. 

Raso  it.  sp.,  ras  fr.  ein  glatter  zeug;  vom  pari,  rasus  geschoren. 
Abgel.  sp.  rasilla  art  sarsche,  vgl.  bei  Isidorus  ralla,  quae  vulgo  rasilis 
dicitur.  Im  it.  rascia  sarsche  (rasch)  findet  Muratori  den  ländernamen 
Rascia  (ein  theil  von  Slavonien  Dante  Par.  19,  140),  woher  dieser  stoff 
gekommen  sein  soll,  altfr.  le  royaulme  de  Rasse  z.  b.  bei  Froissart;  andre 
den  städtenamen  Arras,  s.  jedoch  arazzo  U.  a.  Em  alter  üal.  dichter 
kennt  vestiti  di  Doagio  (Douai)  e  di  Rascese  PPS.  II,  172. 

Raspare  it.,  sp.  raspar,  fr.  r&per  abkratzen,  schaben;  vom  ahd. 
raspön  zusammenscharren.  Sbst.  it.  raspo  traübenkamm,  dsgl.  räude 
(etwas  kratzendes),  sp.  pr.  raspa  traübenkamm,  granne,  hülse  eines  kornes, 
fr.  r&pe  raspel;  mit  verstärktem  anlaut  it.  graspo,  vgl.  dieselbe  Ver- 
stärkung in  graeimolo  für  raeimolo. 

Rastro  it.  rechen,  von  rastrum  karst,  hacke,  daher  auch  sp.  rastro, 
pg.  rasto  schleife  (etwas  auf  dem  boden  fortgezogenes  wie  der  rechen),  dsgl. 
spur,  fährte;  dimin.  it.  rastrello,  rastello,  sp.  rastrillo,  rastillo,  fr. 
räteau  rechen,  auch  gatter,  lat.  rastellus. 

Ratto  it.,  sp.  pg.  rato,  pr.  fr.  rat  ein  den  Hörnern  unbekanntes 
(hier,  rotte,  ratze.    Die  roman.  formen  des  sehr  verbretteten  Wortes  stehen 


L    RAZIONE— REDO.  265 

den  deutschen  näher  als  den  celtischen:  dhd.  rato  (m.),  ags.  rät,  äUndd. 
ratta,  gad.  radan,  bret.  raz.  Abgd.  cat.  pg.  ratar,  piem.  rate,  sp.  rato- 
nar  benagen;  sp.  ratear  kriechen,  ratero  kriechend  (auch  im  moralischen 
sinne).  Der  Venezianer  nennt  die  rotte  pantegan,  das  Ferrari  nicht  eu 
erklären  weiß:  es  ist  von  pantex  und  heißt  eigentl.  dickbauch.  [Nach 
Stier,  Ztsehr.  für  vergl.  sprachf.  XI,  131,  von  novrixog,  letzteres  oben 
unter  armellino  berührt.] 

Razione  it.  (bei  Ferrari),  sp.  racion,  pr.  fr.  ration  bestimmtes 
maß  an  lebensmittdn ;  von  ratio,  ndat.  für  jus,  recht,  gerechtsame,  das 
was  einem  gebührt. 

Razza  it.,  sp.  pg.  pr.  raza,  fr.  race  stamm,  geschlecht.  Die  übliche 
herleitung  aus  radix  radlcis  verträgt  sich  nicht  mit  dem  accent  der  casus 
obUqui,  der  nominativ  aber  hätte  rddica  ergeben.  Buchstäblich  trifft  das 
ahd.  reiza  linie,  strich,  entsprechend  dem  ndat.  linea  sanguinis,  fr.  ligne, 
nhd.  linie.  Das  ins  englische  eingeführte  race  einigt  noch  die  bedd.  strich 
und  geschleckt  in  sich,  die  diso  wohl  auch  altfr anz.  waren.  Vgl.  wegen 
der  begriffsentwicJclung  auch  wällon.  ttr  s.  v.  tiäre  II.  c. 

Reame  it.,  ailtsp.  reame,  realme,  pr.  reyalme,  nfr.  royaume  König- 
reich; aus  dem  adj.  regalis,  gleichsam  regaltmen,  eine  übrigens  fast  bei- 
spieUose  bildung,  die  sich  nur  in  dem  altfr.  ducheaume,  gleichsam  duca- 
limen,  für  duchl  Ben.  I,  18  wiederholt.  Aus  regimen  aber  ist  fr. 
regime,  pr.  regisme. 

R6dina  it.,  sicü.  besser  retina,  mittelgr.  §ireva  DG.,  sp.  umgestellt 
rienda,  pg.  rödea,  pr.  regna,  fr.  r&ne  aus  dem  alten  resgne,  zügd;  vom 
vb.  retinere  zurückhalten,  nicht  von  regnare:  pr.  regna,  reina  für  retna, 
wie  paire  für  patre.  Das  wort  diente  zum  er$atz  für  habena,  welches 
aufgegeben  ward,  vielleicht  weil  es  mit  avena  collidierte,  und  ist  merk- 
würdig, weil  es  lateinischen  accent  zeigt  (vgl.  rötinet),  wogegen  die  neuen 
verbauen  der  endung  a  ohne  ausnähme  dem  romanischen  gepräge  des 
praesens  sing,  folgen,  so  daß  es  z.  b.  it.  rittäna  lauten  müßte.  S.  Egger, 
Mem.  de  VAcad.  d.  inscr.  XXIV,  II,  309. 

Redo  im  it.  arredo,  sp.  arreo,  pg.  arreio,  pr.  arrei  (zu  folgern  aus 
areamen  LR.  II,  117),  altfr.  arroi  zurüstung,  geräthe,  putz;  vb.  it.  ar- 
redare,  sp.  arrear,  pg.  arreiar,  pr.  aredar  (LR  V,  63  mit  roidir  über- 
setzt) arrezar,  altfr.  arroier,  arröer  zurüsten,  mit  geräthe  versehen,  zurecht 
machen,  schmücken,  altfr.  arr£er  auch  das  fdd  bearbeiten.  Andre  zur 
sammensetzungen  sind:  it.  corredo,  pr.  conrei,  altfr.  conroi  ausrüstutig, 
ausstattung  u.  dgl.,  sp.  correo,  cat.  correu  wohlthat,  pg.  fehlt,  vb.  it.  cor- 
redare  ausstatten,  schmücken,  pr.  conrear,  altfr.  conröer  ausstatten,  be- 
wirthen,  nfr.  corroyer  leder,  thon,  mortel  zubereiten  {sbst.  corroi),  sp. 
conrear  das  feld  umbrechen;  sodann  pr.  desrei,  altfr.  desroi,  derroi, 
nfr.  dtaarroi  Unordnung,  vb.  pr.  desreiar,  altfr.  desroier  aus  der  Ordnung 
kommen  u.  a.  bedd.  Das  einfache  wort  hat  sich  im  altfr.  roi  Ordnung 
behauptet:  mesnre  ne  roi  Ruteb.  I,  108,  nnl  roy  Wach  p.  28,  Amis  986, 
aber  auch  das  span.  adv.  arreo  'nach  der  Ordnung,  hintereinander',  wenn 


266  I.   REFRAN— REGALARE. 

man  es  in  &  reo  gerlegen  darf,  so  wie  das  gleichbed.  pr.  darrä  =  sp. 
de  arreo  geben  es  noch  zu  erkennen.  Woher  dieser  in  mehreren  Zusam- 
mensetzungen angewandte  stamm?  Die  tat.  spräche  gewährt  nichts  befrie- 
digendes. Ähd.  rät,  das  auch  vorrath  und  geräthe  heißt,  ist  wegen  des 
rom.  e  ein  sehr  zweifelhaftes  etymon:  goth.  ga-redan  sorge  tragen  kann 
nicht  dafür  entscheiden,  da  das  goth.  e  überall,  sicher  wenigstens  in  ge- 
meinrom.  umfange,  dem  entsprechenden  &  der  andern  mundarten  gegenüber 
nicht  zur  gdtung  kam.  Goth.  raidjan  bestimmen,  anordnen,  ags.  ge-redian, 
mhd.  ge-reiten  bereit  machen,  aurecht  machen,  stimmen  trefflich  mit  ihren 
bedetdungen,  würden  aber  nach  der  strenge  der  regel  ein  roman.  radare 
erzeugt  haben,  doch  ist  bei  dem  großen  einfluß  der  niederdd.  mundarten 
auf  das  französische  entstehung  von  arreder,  arreier  aus  der  ndl.  form 
reden  und  Verbreitung  von  Frankreich  atis  als  ein  möglicher  fatt  anzu- 
nehmen, zumal  da  das  wort  auf  diesem  gebiete  in  größerer  entfaltung  er- 
scheint.  Aber  zu  erwägen  bleibt  auch  das  gael.  reidh  glatt,  fertig,  bereit, 
geordnet.  Augenscheinlich  identisch  mit  unserm  roi  ist  jedoch  das  bret. 
reiz  regel,  gesetz,  Vernunft,  vgl.  wegen  der  form  bret.  feiz  =  fr.  foi,  efreiz 
=  effroi,  preiz  =  proie;  kann  es  aber  nicht  eben  sowohl  fremd  sein  wie 
die  angeführten  Wörter?  die  vannische  form  reic'h  wenigstens  beweist  nichts 
für  seine  celt.  herkunft,  da  jene  mundart  mehrfach  in  fremden  Wörtern  c'h 
für  bret.  z  setzt.  Man  erwäge  über  diesen  stamm  vor  allem  Diefenbachs 
Untersuchung,  Goth.  wb.  II,  159—161,  vgl  auch  Gachet  29°. 

Refran  sp.,  pg.  refräo  Sprichwort,  pr.  refranh,  fr.  refrain  wieder- 
kehrender strophentheü.  Man  hol  diesem  wort  die  ungeschlachte  büdung 
referaneos  von  referre  untergelegt  (von  referant  hat  es  noch  neuerlich 
Amador  de  los  Bios,  Lit.  esp.  II,  606,  hergeleitet)  oder  es  eben  so  unge- 
schickt aus  refrenare  hervorgehen  lassen.  Refranh  ist  von  refranher  so 
wie  refrain  vom  dUfr.  refraindre,  wohin  schon  Baynouard  sie  ordnet,  beide 
verba  von  re-frangere  wiederholt  brechen,  roman.  auch  modulieren,  herab- 
stimmen u.  dgl.  Beispiele  sind:  pr.  lo  rossinholet  volt'  e  refranh  son 
chantar  LB.,  fr.  en  sa  pipe  refraignoit  Wack.  p.  79.  Nach  J.  Grimm 
(Haupts  Ztschr.  V,  235)  gehört  lat.  fringutire  zwitschern  und  fringilla 
fink  zu  frangere,  wie  auch  aÜn.  kleka  brechen  und  klaka  Hingen  gleicher 
wurzel  sind.  Für  refranher  gilt  prov.  auch  refrinher  schallen  (nicht  re- 
frinhar  LB.),  unmittelbar  aus  refringere;  wotnit  sich  aber  das  sbst.  refrim 
(geschmetter)  formell  nicht  vereinigen  läßt,  eher  lehnt  sich  dies  (nebst  frim 
GAlb.  6360)  an  fremitus. 

Regalare  it.,  sp.pg.regsAsLT,  fr.  rögaler  bewirthen,  beschenken;  sbst. 
it.  sp.  pg.  regalo,  fr.  rägal  geschetik.  Es  soll  von  regalis  kommen, 
warum?  ist  nicht  Mar.  Bei  der  Untersuchung  ist  vor  allem  anzumerken, 
daß  es  weder  im  franz.  noch  im  ital.  alteinheimisch,  daß  es  aus  Spanien 
eingeführt  ist.  Hier  bedeutet  regalar  hätscheln,  liebkosen,  altsp.  im  Alex, 
schmelzen,  liquefacere,  regalarse  liguescere.  Es  ist  dies  das  lat.  regelare 
aufthauen,  erwärmen;  der  Übergang  des  e  in  a  konnte  in  frühester  zeit 
geschehen,  eis  g  vor  diesen  beiden  vocalen  noch  gleichlautend  war.    Ein 


I.   REGANAR— REPTAR.  267 

positiver  beweis  der  Identität  von  regelare  und  regalar  aber  liegt  darin, 
daß  wie  im  span.  Alex.  str.  2202  plomo  regalado  geschmolzenes  blei  be- 
deutet, so  auch  Papias  regelatum  plumbum  mit  *liquef actum  übersetzt. 
Auch  die  altfr.  spräche  muß  Tegeler  in  der  bemerkten  bedeutung  besessen 
haben:  das  sbst.  regiel  =  sp.  regalo  hat  sich  wenigstens  in  dem  htpnnus 
auf  JEukdia  erhalten :  por  manatce,  regiel  ne  preiement  durch  drohung, 
liebkosimg  noch  bitte;  damit  geht  hand  in  hand  nfr.  dägeler  aufthauen, 
sbst.  d£gel. 

Reganarsp.  und  so  pg.  reganhar,  pr.  reganhar  und  reganar  die 
zahne  blecken.  Hiermit  scheint  identisch  dUfr.  recaner  (beiBoquef.  auch 
recaigner),  das  gern  von  dem  zähneblecken  oder  dem  geschrei  des  esels 
gebraucht  wird  gleich  dem  prov.  worte  (sembla  mala  can  reganha  LB.), 
maä.  righignä  wiehern;  dsgl.  mit  anlautendetn  ch  mundartl.  (in  Berry) 
r6chaner  schreien  wie  der  esel,  archanner  wiehern,  einfach  chagner  blechen. 
Die  Wörter  passen  zu  cachinnare  mit  aufgesperrtem  munde  lachen:  dem 
durfte  das  wiehern  und  das  damit  verbundene  zähneblecken  verglichen 
werden.  Im  nfr.  ricaner  (ri  für  re  durch  einwirkung  von  ridere,  rire  ?) 
ward  die  bedeutung  eingeschränkt  auf  das  halblaute  lachen  der  bosheit 
oder  albernheit,  bei  Nicot  heißt  es  muthwülig  sein,  schäkern. 

Registro  it.,  sp.  registro,  pr.  fr.  registre,  pg.  ohne  r  registo  ein 
Verzeichnis,  register;  vom  mlat.  registrum  für  regestum  cliber  in  quem 
regeruntur  commentarii  quivis  vel  epistolae  summorum  pontificum'  Du- 
cange.  Die  einschiebung  eines  r  hinter  t  ist  ein  bekannter  romanischer  zug. 

Regolizia,  legorizia  it.,  sp.  pg.  regaliz  cet.,  pr.  regalicia,  regu- 
lecia,  altfr.  recolice,  neufr.  r^glisse  süßholz,  lakritze;  durch  Umstellung  des 
1  und  r  aus  liquiritia  bei  Vegetius,  De  re  vet.,  dies  aus  ylvxvfäi^a. 

Relha  4>$r.  pr.,  reille  altfr.,  rejasp.  pflugschar;  von  regula  latte? 
altfr.  reilhe  de  fer  Kregtda  ferrea   Carp.  $.  v.  regula. 

Rendere  it.,  sp.  rendir,  pg.  render,  pr.  fr.  rendre  zurückgeben  u. 
dghj  von  reddere;  sbst  it.  rendita,  sp.pr.  renta,  fr.  rente  einkünfte,  von 
redditum,  plur.  reddita,  abgegebenes,  eingeliefertes.  Die  einfügung  des  n 
mag  sehr  (dt  sein,  da  sie  so  allgemein  ist  (rendere  L.  Sal.  tit.  52,  cod. 
guelf.);  dUitci.  bei  Darberini  findet  sich  indessen  reddere  s.  Lex.  rom.,  im 
prov.  ebenso  redre  z.  b.  Bth.  57,  Pass.  de  J.  C.  41,  was  hier,  wo  n  leicht 
ausfällt,  freilich  wenig  sagt,  altcat.  sogar  retre.  Pott  über  Lex.  Sal. 
p.  167  erklärt  sich,  um  die  müßige  einschiebung  des  n  zu  beseitigen, 
rendere  lieber  aus  re-indere.  Aber  ist  denn  diese  einschiebung  wirklich 
so  müßig?  ist  sie  nicht  vielmehr  eine  einfache  formver Stärkung,  um  das 
wort,  das  im  franz.  riäre  hätte  geben  müssen,  vor  dem  zerfließen  zu  be- 
wahren, überhaupt  um  seinen  klang  zu  heben?  Überdies  stimmt  auch  der 
gebrauch  des  roman.  Wortes  ganz  zu  dem  von  reddere :  fr.  rendre  paisible 
ist  wie  placidum  reddere  u.  dgL,  was  sich  von  re-indere  nicht  würde  be- 
haupten lassen. 

Reptar  altsp.  pg.pr.,  nsp.  retar,  altfr.  reter  beschuldigen,  anklagen, 

Zweikampfe  fordern.    Aus  mlat.  rectare  (vor  gericht  laden)  konnte 


268  L  BESTA-BIBALDO. 

es  nicht  entstehen,  es  würde  alsdann  pr.  reitar  lauten;  wohl  aber  aus  re- 
putare,  das  sich  in  ähnlichem  sinne  angewandt  findet,  z.  b.  si  quis  alten 
reputaverit  quod  scatnm  säum  jactasset  L.  Sal.  tit.  30;  quia  nulli  de 
ista  causa  volet  reputare  weil  er  darüber  keinem  einen  Vorwurf  machen 
will  Cap.  Cor.  Calv.  Bolus.  II,  81;  contra  quod  sacrameutum  si  quilibet 
fecisse  reputatus  fuerit  beschuldigt  sein  soüte  das.  p.  179.  Auch  appellare 
gieng  auf  diese  bedeutung  ein:  pr.  qu'ieu  la  repte  e  l'apelh  de  trassio 
Chx.  Wy  166.  Die  churw.  form  ravidar  aber  muß  die  obige  deutung 
über  jeden  Zweifel  erheben :  v  ist  hier  =  lat.  p,  i  häufig  =  lat.  u. 

Besta  it.,  sp.  ristra,  pg.  resta,  restia,  pr.  rest  bund  zwiebeln,  knob- 
lauch  oder  anderer  fruchte;  von  restis  seil,  weil  sie  daran  befestigt  wer- 
den, wiewohl  das  lat.  restes  allii  sive  caeparum  etwas  anderes  ist  als  das 
pr.  una  rest  de  cebas  ho  de  alhs  LB.  V,  88,  indem  jenes  die  blattet  der 
zunebd  bedeutet.  Das  piem.  rista  hanf  trifft  dagegen  mit  ahd.  rista  flachs- 
bündel  zusammen. 

Besta  it.,  sp.  ristre  und  enrister  (m.),  pg.  reste,  riste,  ristre  gabd, 
in  welche  die  lanze  zum  angriff  eingelegt  ward,  daher  pr.  ares toi,  altfr. 
arestuel  handhabe  der  lanze;  von  restare,  rom.  arrestare  widerstehen, 
also  eigentlich  widerhalt,  anhält. 

Bestfo  it.  (für  restivo);  pr.  restiu,  fr.  r6tif  widerspenstig;  gebildet 
aus  restare  widerstehen.    Das  mail.  wort  ist  restin. 

Betro  it.  in  compositis,  pr.  reire,  altfr.  riere;  von  retro,  wofür  sp. 
pg.  atras.  Zsgs.  it.  dietro,  drieto,  pr.  dereire,  derrier  (letzteres  auch 
<*dj.),  fr.  derriere,  von  de  retro;  it.  addietro,  prx  areire,  fr.  arriere, 
von  ad  retro.  Dsgl.  abgd.  pr.  dereiran  gleichsam  deretranus,  weiter 
abgeleitet  fr.  dernier  gleichsam  deretranarius.  Zu  merken  ist  der  ams- 
fäll  desr  (durch  dissimüation?)  im  it.  dietro  für  diretro  so  wie  im  altfr. 
za  en  ayer  =  pr.  sa  en  areire. 

Bibaldo  it.  altsp.  pg.  (que  tomasen  un  ribaldo,  un  bellaco  Rz., 
von  Sanchez  unrichtig  mit  rival  erklärt),  pr.  ribaut,  fr.  ribaud  lotterbvbe, 
fem.  ribauda,  ribaude  freche  dirne;  daher  altn.  ribballdi,  mhd.  ribbalt 
Die  ital.  form  rubaldo  entstand  wohl  durch  umdeutung  mit  rubare  rauben, 
stehlen.  Was  das  mittelälter  unter  ribaldus  verstand,  sagt  deutlich  Mat- 
thäus Paris:  fures,  exules,  fugitivi,  excommunicati,  quos  omnes  ribaldos 
Francia  vulgariter  consuevit  appellare,  heillose  zu  allem  fähige  menschen. 
Auch  die  das  treffen  eröffnenden  leichten  truppen,  die  enfants  perdus,  die 
im  heere  eben  sowohl  den  dienst  der  trossbuben  thaten,  hießen  so.  Man 
sehe  darüber  Th.  WrigMs  Political  songs  p.  369.  Neufr.  ist  ribaud  auf 
die  bed.  scortator  eingeschränkt.  Es  läßt  sich  aus  ahd.  regimbald  kühner 
mann  (Grimm  J2,  444)  nicht  genügend  erklären,  welches  rambaldo,  raim- 
baut  ergeben  mußte  und  ergab,  da  m  vor  b  nicht  leicht  austritt.  Dagegen 
bietet  die  ahd.  spräche  ein  nur  als  fem.  vorhandenes  wort  hribä  (hripä) 
prostituta,  mhd.  rtbe  (Graff  IV,  1146),  woraus  mit  dem  suffix  ald  das 
rom.  ribaldo  erwachsen  konnte.  Desselben  Ursprunges  muß  sein  altfr. 
riber  weiber  verfuhren,   wohl  auch  ribler  umherschwärmen.    Man  merke 


I.   RIBEBA-RICREDERSL  269 

noch  it.  rubalda  art  pickelhauben,  wie  die  mbaldi  sie  trugen,  dsgl.  fr. 
ribau dequill  ein  wurfgeräthe,  fläm.  rabaudeken  KU. 

Ribeba  it.  bauerngeige,  schäfergeige;  vom  ardb.  rab&b,  das  ein 
ahnliches  tongeräthe  von  runder  form  bedeutet  Gol.  p.  925,  Freyt.  II,  107". 
Daraus  soll  entstellt  sein  it.  ribeca,  pg.  rabeca,  cot.  rabaquet,  fr.  rebec, 
pr.  rabey,  dsgl.  sp.  rabel,  pg.  rabel,  arrabil,  dttfr.  rebelle  Boquef. 
Poesie  franc.  p.  108,  vgl.  wegen  der  Verwechslung  des  b  und  c  eine  ähn- 
liche Verwechslung  des  b  und  g  im  sp.  jabeba,  jabega  maurische  flöte. 
Auch  das  pr.  arlabecca,  welchen  namen  ein  ungenannter  Sänger  seinem 
gedickte  beilegt,  könnte  dieser  herkunft  sein,  s.  Patd  Meyer,  Jahrbuch  V,  393. 

Ricamare  it.,  sp.  pg.  recamar,  daher  fr.  räcamer  sticken;  sbst.  it. 
ricamo,  sp.  pg.  recamo  Stickerei;  vom  arab.  vb.  raqama  streifen  in  einen 
stoff  weben,  sbst.  raqm  gestreifte  Stickerei  Freyt.  II,  18 lb.  182a. 

Riccio  it.,  wci.  ariciu,  sp.  erizo,  pg.  ericio,  ourigo,  pr.  eris.son, 
fr.  h&isson  (h  asp.,  aXtfr.  aber  auch  erifon,  ire$on)  igel,  Stachelschwein; 
von  ericius  Varro  ap.  Nonium.  Daher  das  vb.  it.  arricciare,  sp. 
erizar,  pg.  ourigar,  pr.  erissar,  fr.  h&risser  starr  machen,  sträuben. 

Riccio  it.,  rizo  sp.  kraus,  sbst.  haarlocke,  haarkrause,  pg.  rifo 
flockiger  stoff;  vb.  sp.  rizar,  enrizar,  pg.  ri^ar,  ouri$ar,  erizar,  it.  arric- 
ciare kräuseln.  Ferrari  erblickt  in  riccio  eine  Umstellung  aus  cirrus  locke, 
gekräuseltes  haar;  weit  besser  hält  es  MSnage  für  eine  abl.  cirricius, 
wodurch  sich  auch  seine  doppelte  geltung  als  sul>stantiv  und  adjectiv  am 
einfachsten  erklärt.  Aber  eine  so  starke  aphärese  wie  die  der  sübe  ci  ge- 
stattet nur  die  ital.  spräche,  das  wort  müßte  also  nach  Spanien  eingebracht 
sein.  Merkwürdig  ist  sein  zusammentreffen  mit  riccio  igel,  das  sich  be- 
sonders im  pg.  ouri$ar  ausdrückt:  sprachen,  die  für  krauskopf  dieselbe 
wortform  bilden  und  dulden  wie  für  igel,  konnten  die  nicht  eben  so  wohl 
die  eine  sache  nach  der  andern  benannt,  das  krause  mit  dem  struppigen 
verwechselt  haben;  wie  ein  römischer  dichter  den  kämm  wegen  seiner  zinken 
kraus  nennt?  Das  ineinanderlaufen  beider  begriffe  spricht  sich  auch  aus 
im  rnlai.  reburrus  'hispidus,  crispus*,  vgl.Ducange  h.v.:  habebat  capillos 
crispos  et  rigidos  atque  sursam  erectos  et,  ut  ita  dicam,  rebursos.  — 
Span,  enrizar  heißt  auch  anreizen,  aufhetzen:  glaubt  man  das  wort  in 
dieser  bedeutung  von  dem  obigen  trennen  zu  müssen,  so  ist  wenigstens  das 
von  Gayangos  dafür  aufgestellte  inrixare  kein  zulässiges  etymon. 

Ricco  it.,  sp.  pg.  rico,  pr.  ric,  fr.  riche  adj.;  vom  Ml.  rtchi,  goth. 
reiks,  nhd.  reich.  Die  franz.  form  bezieht  sich  auf  die  althochd.,  ihr 
che  konnte  aus  altdeutschem  chi  hervorgehn,  nicht  aus  auslautendem  ch, 
welches,  wie  in  Fr6d6ric  und  Ferry  aus  Fridertch,  c  ergeben  mußte  oder 
geschwunden  wäre.  Über  die  bed.  mächtig,  welche  das  wort  im  cdtroman. 
wie  im  altdeutschen  hatte,  s.  Lex.  rom.  I,  XXXII. 

Ricredersi  it.  seinen  irrthum  zurücknehmen,  ricredente  twdricre- 
duto  des  gegentheüs  überführt  oder  überzeugt,  pr.  dttfr.  se  recreire  zu- 
rücktreten, verzichten,  müde  werden  eines  dinges,  altsp.  recreer  den  muth 
verlieren  Alx.,  mlat.  se  recredere,  über  dessen  gebrauch  s.  Ducange.  Be- 


270  I.  RIDOTTO— RIMA. 

sonders  hieß  der  im  gerichtliehen  Zweikampf  überwundene,  zum  bekenntnis 
seines  unrechtes  genöthigte,  recreditus,  daher  recrezut,  recreu,  recrezen, 
recreant  einen  schimflichen  sinn  annahmen.  Re-credere  ist  unlateinisch 
und  für  die  bed.  *  seine  meinung  zurücknehmen  eine  verkehrte  Zusammen- 
setzung. Vielleicht  bringt  eine  befreundete  spräche  dem  warte  aufldärung. 
Ahd.  galaubjan  ist  s.  v.  a.  credere,  aber  das  reflexive  sih  galaubjan  s.  v. 
a.  recedere,  deficere;  beide  aber,  das  activ  wie  das  reflexiv,  einigen  sich, 
wie  Wackernagel  lehrt,  in  dem  grundbegriff  freundliche  hingebung  oder 
nachgiebigkeü.  Dieses  reflexiv  sih  galaubjan  übersetzte  man  mit  se  «re- 
dere,  dem  man  nicht  ohne  bedeutung  die  partikel  re  beifügte. 

Ridotto,  raddotto  it.,  sp.  reducto,  fr.  r&luit  und  redoute  (f.),  letz- 
teres aus  dem  itcd.,  schanze,  Sammelplatz;  von  reducere  reductus. 

Riffa  it.  (eigentl.  rifa,  in  comask.  mun^art),  sp.  pg.  cot.  sicü.  rifa 
streit,  Wettstreit,  dsgl.  glücksspiel;  vb.  it.  arriffare  würfeln,  sp.  pg.  cat. 
rifar  streiten,  dsgl.  hosen,  altfr.  riffer  wegraffen,  kratzen,  lothr.  riffer 
flachs  raufen.  Ist  es  vom  ndl.  rijven  raspeln,  rechen,  altn.  rifa  zerreiben, 
rifas  sich  zanken,  sich  raufen  =  ahd.  rtban  reiben?  Aber  der  über  den 
Süden  des  roman.  gebietes  ausgebreitete  stamm  wird  mit  seinem  labial 
eher  auf  das  naher  liegende  hochd.  f,  z.  b.  im  bair.  riffen  d.  t.  raufen, 
als  auf  ndl.  v  oder  nord.  f  =  ahd.  b  führen.  Ebenso  sind  die  ableüun- 
gen  mit  1  zu  beurtheilen:  altfr.  pic.  norm,  riffler  raffen,  kratzen,  ritzen, 
streifen,  wallon.  rifler  blind  hineinlaufen  (an  edlem  anstreifen,  anschuppen), 
auch  kenne g.  rifeter  =  riffer,  sbst.  altfr.  riffle  spießgerte,  norm,  rifle  aus- 
schlag,  grind  (wie  unser  kratze  von  kratzen),  wohl  auch  it.  riffilo  fratzen- 
gesieht,  piem.  riflador  feile;  vom  ahd.  riffil,  riffila  säge,  nhd.  riffel  flachs- 
raufe,  vb.  riffilön,  riffeln,  aber  auch  fläm.  ryffelen  kratzen,  schinden  KU^ 
engl,  rifle  rauben,  die  wohl  aus  dem  franz.  sind. 

Rifusare  it.,  pg.  pr.  refusar,  sp.  rehusar,  fr.  refuser  weigern.  Das 
wort  muß  aus  recusare  abgeändert  sein  durch  einmischung  von  refutare, 
it.  rifiutare,  pr.  refudar,  das  schon  im  frühern  ndatein  verwerfen,  ver- 
schmähen heißt.  Im  prov.  und  altfr.  gab  es  eine  zweite  form  mit  ausge- 
fallenem f  {vgl.  preon  von  profundus)  rehuzar  retisar,  rehuser  reüser 
raüser  ausweichen.  Das  altfr.  reüser  ward  auch  in  ruser  zusammengezogen 
(Rou  II,  p.  216.  275,  MGar.  p.  93)  und  bedeutete  vornehmlich  das  bei 
seite  weichen  des  wildes,  um  den  hunden  die  spur  zu  nehmen,  daher  das 
neufr.  sbst.  ruse  kniff,  kunst griff.  Das  zusammenfließen  beider  verba 
recusare  und  refutare  scheint  sich  auch  in  einer  altpg.  form  reeudar  = 
refusar  auszusprechen,  wovon  Santa  Rosa  ein  beispiel  anführt. 

Rima  it.  sp.  pg.  pr.,  rime  fr.  reim;  vb.  rimare,  rimar,  rimer 
reimen.  Im  prov.  ist  auch  das  masc.  rim  üblich:  e  devetz  saber  qu'on 
pot  dire  rims  o  rimas  Legs  d'am.  I,  144;  englischnorm,  begegnet  gleich- 
falls rym,  s.  Wright's  Polit.  songs  p.  236;  auch  altsp.  rimo  Sanchez  I, 
L.  LVII.  Die  genauere  Untersuchung  dieses  Wortes  muß  der  geschickte 
der  poesie  überlassen  bleiben.  Hier  werde  bemerkt,  daß  nur  das 
lat.  rhythmus    {$v&ti6g)   und  das   deutsche  rim  in   erwägung   kommen 


I.   RIMURCHIARE— RlSICARE.  271 

können:  das  lat.  rima  (riß)  läßt  sich  bloß  durch  künstelei  hieher  riehen, 
uriewoM  es  sich  übrigens  nebst  dem  vb.  rimari  in  einigen  sprachen  erhalten 
hat.  Rhythmus  ist  numerus:  es  bezeichnet  noch  im  ältesten  mittellatein 
die' gleichmäßige  abtheilung  des  verses  in  rücksicht  auf  die  Zeitdauer,  ohne 
rücksicht  auf  das  maß  der  einzelnen  silben.  Demnächst  verstand  man 
unter  versus  rhythmicus  den  gereimten,  sofern  er,  wie  in  der  Volkssprache, 
keine  sübenmessung  anerkennt;  für  gleichlaut  des  versschlusses  (consonantia) 
wird  das  wort  kaum  vorkommen.  Diesen  gelehrten  ausdruck  rhythmus 
nun  gab  die  Volkssprache  durch  das  lautverwandte  rima  wieder,  die  ab- 
htnfl  aber  des  letzteren  von  dem  ersteren  findet  in  der  form  die  größte 
Schwierigkeit:  ital.  mußte  rhythmus  nach  regelrechtem  über  gange,  wenn  es 
einmal  eine  zusammenziehung  erleiden  sollte,  rimmo  oder  remmo  lauten, 
man  vgl.  ammirare  aus  admirari,  semmana  aus  sept'mana,  maremma  aus 
marit'ma,  flemma  aus  phlegma,  dramma  aus  drachma,  und  in  der  that 
wandelt  sich  rhythmicus  altsp.  in  remico  Canc.  de  Baena.  Vollkommen 
aber  stimmt  das  rom.  rima  zum  ahd.  rtm  numerus,  das  Übrigens  auch  die 
celt.  spräche  kennt:  altirisch  rtm  Zeuß  I,  25,  neu  rimh,  kymr.  rhif  (m.). 
Wendet  man  ein,  daß  sich  der  reim  unter  den  Deutschen  erst  später  aus- 
gebildet  habe  (s.  Koberstein  p.  45,  4.  aufl.),  so  liegt  die  entgegnung  nahe: 
sie  kannten  ihn,  noch  ehe  sie  ihn  brauchten,  aus  dem  lat.  kirchenliede. 
übrigens  konnte  der  Romane  das  deutsche  wort  in  seiner  altern  bed.  nu- 
merus längst  aufgenommen,  ihm  die  neuere  vielleicht  selbst  zugewendet 
hoben.  —  Eine  zss.  ist  aUsp.  adrimar  Bc.,  nsp.  cot.  arrimar  zusammen- 
stellen,  anlehnen,  fr.  arrimer  schichten,  vgl.  ahd.  rhu  in  der  bed.  reihe, 
die  auch  dem  sp.  rima  zusteht,  fr.  (in  Berry)  enrimer  symmetrisch  ordnen. 
Die  neupr.  mundart  sagt  schlechtweg  rimä  annähern  =  sp.  arrimar.  — 
[Weitere  bemerkungen  über  reim  theilt  Diefenbach  mit,  s.  Neue  jahrbb.  für 
phüol.  u.  pädag.  LXXVII,  752] 

Rimurchiareä.,  fr.  remorquer,  sp.  remolcar  bugsieren;  von  re- 
mulcum  schlepptau. 

Rinculare  it.,  sp.  recular,  pg.  recuar,  fr.  reculer  zurückweichen; 
von  culus,  wie  unser  gleichbed.  sich  äraen  von  ars  bei  H.  Sachs,  ndl. 
aerselen  KU.  Daher  adv.  fr.  ä  reculous  rückwärts,  wie  unser  ärschliugs, 
mJtd.  erslingen. 

Ripresaglia,  rappresaglia  it.,  sp.  represalia,  fr.  reprösaille  selbst- 
genommene  entschädigung ;  eigentl.  zurücknähme  des  genommenen,  von  re- 
prehendere  re-preheusus. 

Risicare  it.,  sp.  arriscar,  arriesgar,  pg.  riscar,  arriscar,  fr.  risquer 
in  gefahr  setzen,  wagen;  sbst.  it.  risico,  risco,  sp.  riesgo,  fr.  risque  ge- 
faltr.  Span,  risco  heißt  Hippe,  steiler  fds  und  dieses  fuhrt  auf  resecare 
abschneiden,  so  daß  man  sich  eine  steile  höhe  als  etwas  abgeschnittenes 
dachte:  nicht  anders  verhält  sich  schwed.  skär  klippe  zu  skära  abschneiden. 
Risco  konnte  ein  Schifferausdruck  sein,  zuerst  den  gefährlichen  f eisen, 
dann  die  gefahr  bezeichnend,  wofür  nachher  die  scheideform  riesgo  auf- 
kam.  Dazu  stimmt  auch  neupr.  rezegue  gefahr }  rezegd  abschneiden,  maä. 


272  L   RISMA— RIVIERA. 

com.  resega  säge  und  gefahr,  vb.  resegä  sägen  und  wagen,  die  nur  von 
resecare  herstammen  können.  Auch  pg.  risca  strich  (schnitt),  riscar 
ausstreichen,  sind  hieher  zu  rechnen. 

Risma  it.,  sp.  pg.  resma,  fr.  rame,  dtsch.  rieß,  ndl.  riem  eine  Quan- 
tität papier.  Vom  arab.  razmah  bündel  Heider  (rezmah  Freyt.  IT,  146*) 
behauptet  Sousa;  daß  aber  Europa  diesen  ausdruck  den  arabern  danke, 
ist  in  sich  selbst  unwahrscheinlich  und  wird  durch  die  arab.  bedeutung 
schlecht  unterstützt.  Schön  ist  Muratori's  herleitung:  gr.  aQt^iog  zahl, 
anzahl  sprach  man  in  Italien  arismus  aus,  zu  schließen  aus  altit.  (auch 
altsp.  cot.  prov.  altengl.  mlat.)  arismetica,  daher,  mit  bekanntem  abfaü 
des  anlautes  a,  rismo,  risma.  —  [Wie  kunstgerecht  Muratori's  erJdärung 
auch  war,  so  muß  sie  gleichwohl  der  gelehrten  und  ausführlichen  recht- 
fertigung  des  ardbischen  etymons  von  Dozy,  Oosterl.  72  ff.,  weichen.  Hier- 
nach  bedeutet  rizma  überhaupt  pack,  bündel,  speciell  pack  papier,  bedeu- 
tungen,  die  bei  Freytag  fehlen.  Ferner  ist  es  höchst  wahrscheinlich,  daß 
Europa  im  mittelalter  sein  kattunpapier  von  den  Arabern  empßeng.] 

Riso  it.,  pr.  ris,  fr.  riz,  wal.  urez  (auch  riscale)  eine  getreideart, 
reiß;  vom  lat.  oryza.   DsgL  sp.  pg.  arroz,  vom  arab.  aroz  Freyt.  I,  26*. 

Ritorta  it.,  pr.  redorta,  dttfr.  riorte,  reorte,  roorte,  rorte  Roquef., 
norm,  rote  bindweide,  weidenband;  ursprüngl.  etwas  gedrehtes,  von  retor- 
quere,  woher  auch  sp.  retorta,  fr.  retorte  gefäß  mit  gekrümmtem  halse. 
Den  frühen  gebrauch  des  wortes  bezeugt  die  Lex  Sai.:  retortae,  quibus 
sepes  continentur,  vgl.  Pardessus  p.  382. 

Ritto  it.  adj.  recht,  als  gegensatz  von  link,  von  rectus  grade,  nicht 
krumm  oder  verdreht,  wie  man  sich  die  linke  hand  dachte,  in  dieser  be- 
deutung auch  im  tnlatein,  s.  Ducange  und  Carpentier,  daher  marritta 
rechte  hand,  zsgs.  mit  manus.  Gemeinrom.  ist  dafür  das  compos.  it.  di- 
ritto,  dritto,  sp.  derecho,  pg.  direito,  pr.  dreit,  fr.  droit,  wal.  drept, 
lat.  directus.  Von  directum  das  recht,  häufig  schon  im  frühen  mlatein, 
stammt  auch  das  sbst.  it.  diritto  ff.  Zsgs.  ist  alpfr.  endroit,  pr.  endreit 
Präposition  für  lat.  versus,  daher  nfr.  sbst.  endroit  stelle,  platz,  eigenÜ. 
das  gegenüber  oder  vor  äugen  liegende,  wie  conträe  von  contre.  Mit 
directus  wird  auch  die  südliche  himmelsgegend  benannt:  dauph.  droichi, 
npr.  adrech,  piem.  indrit,  wogegen  die  nördliche  als  die  abgewandte  auf- 
gefaßt wird:  mail.  invers,  npr.  aves  {für  avers). 

Rivellino  it.,  sp.  rebellin,  pg.  revelim,  fr.  ravelin,  bei  Roquefort 
revelin,  ein  vor  dem  mittelwall  (der  courtine)  liegendes  außenwerk.  Nach 
Menage  ist  das  franz.  wort  dem  ital.  entnommen,  aber  woher  dieses? 

Rivescio,  rovescio  it.,  sp.pg.  reves  (alle  mit  ausgefallenem  r  vor  s), 
fr.  revers  rückseite;  von  re versus,  woher  auch  adj.  pg.  revesso,  fr.  revfeche 
(zunächst  aus  dem  ital.?  dttfr.  revois)  widerwärtig,  spröde. 

Riviera  it.,  sp.  ribera,  verkürzt  vera,  pg.  pr.  ribeira,  verkürzt  pg. 
beira,  altfr.  ri viere  ufer,  eigentl.  ufergegend;  von  riparia.  Aber  nicht  nur 
für  die  ufergegend,  sondern  auch  für  den  fluß  selbst  brauchten  vermöge 
einer  leichten  Übertragung,  der  man  mit  rivus  nicht  zu  hülfe  zu  kommen 


I.   RIZZARE-RÖCCA.  273 

genöthigt  ist,  alle  sprachen  (altsp.  ribera  Älx.)  dasselbe  wort,  und  diese 
bedeutung  ist  dem  nfr.  riviere  ausschließlich  verblieben.  m 

Rizzare  it.  aufrichten;  gleichsam  rectiare,  von  rectus.  Gemeinrom. 
ist  nur  das  compos.  dirizzare,  drizzare,  altsp.  derezar,  nsp.  pg.  ende- 
rezar,  pr.  dressar,  fr.  dresser,  a-dresser  (sbst.  adresse)  richten,  zurichten, 
von  lat.  directus,  wovon  man  direetiare  leitete. 

Roba  it.  altsp.,  altpg.  rouba,  pr.  rauba,  fr.  rohe,  mit  tenuis  sp. 
ropa,  pg.  roupa  Meid,  geräthe,  in  älterer  bed.  Kriegsbeute,  rauh,  chw. 
rauba  vermögen;  auch  masc.  sp.  robo,  pg.  roubo;  vb.  it.  rubare,  sp. 
robar,  pg.  roubar,  pr.  raubar,  altfr.  rober,  nfr.  dörober,  altsp.  auch  robir 
Alx.,  ebenso  wald.  Hahn  598,  rauben;  vom  ahd.  roub  spolium,  vb.  goth. 
bi-raubön,  ahd.  roubön,  roupön,  vgl.  gael.  robainn.  Früh  drang  das 
mlatein  ein:  quicquid  super  eum  cum  rauba  vel  arma  tulit  L.  Alam.; 
si  quis  in  via  alterum  adsalierit  et  eum  raubaverit  L.  Sah,  und  diese 
bedeutung  berauben  ist  sowohl  altdeutsch  wie  romanisch.  Abgel.  altpg. 
roubaz,  robaz,  roaz  räuberisch,  nach  dem  muster  von  rapax  geformt. 
Wal.  robi,  einen  zum  gefangnen  machen,  von  rob  =  serb.  röb,  alban. 
robi  und  ropi  gefangener,  sklave,  daher  auch  robote,  serb.  röbija  frohn- 
dienst.   S.  über  diesen  ganzen  wichtigen  stamm  Dief.  Goth.  wb.  II,  164. 

Robbo,  rob  it.,  sp.  fr.  rob,  pg.  robe  obsthonig;  vom  arab.  robb 
dass.  Freytag  II,  106b. 

Rocca  und  roccia  it.,'sp.  roca,  pg.  pr.  roca,  rocha,  fr.  röche  fels, 
Hippe  (it.  rocca  auch  schloß),  masc.  cot.  roc  stein,  kieset,  fr.  roc  fels; 
abgel.  pr.  rochier,  fr.  rocher;  vb.  altfr.  rocher  mit  steinen  werfen 
LRs.  178,  noch  jetzt  norm.  u.  s.  w.  (röche  stein  eum  werfen  Ren.  II>  87); 
zsgs.  it.  diroccare,  dirocciare,  sp.  derrocar,  pr.  derrocar,.  derocar,  fr. 
däroquer,  d&ocher  von  einem  felsen  herabstürzen,  niederreißen,  sp.  der- 
rochar  verschwenden,  durchbringen,  altfr.  aroquer,  arocher  zerschmettern. 
Der  Ursprung  des  Wortes  ist  nicht  mit  voller  Sicherheit  zu  bestimmen.  Im 
mlatein  kommt  es  wenig  vor,  zuerst,  nach  Ducange,  in  den  Annal.  Franc, 
ann.  76? ',  wo  es  thurm  oder  felsennest  bedeuten  muß:  multas  roccas  et 
speluncas  conquisivit.  Nach  einigen  (s.  z.  b.  Maßmanns  schrift  über 
das  Schachspiel  p.  38)  ist  es  nichts  anders  als  der  name  der  Schachfigur 
roc,  also  persischer  herkunft,  allein  dafür  geht  sein  alter  zu  hoch  hinauf. 
Auch  fremde  sprachen  kennen  es,  in  keiner  aber  scheint  es  zu  wurzeln, 
gael.  roc,  engl,  rock,  ndl.  rots  (s.  darüber  Hoffmann,  Hör.  belg.  III,  152), 
bask.  arroca.  Unter  andern  zuströmenden  Wörtern  verdient,  wenn  man 
sieh  streng  an  den  begriff  hält,  das  kymr.  rhwg  'etwas  vorragendes  noch 
die  meiste  rücksicht.  Oder  hängt  rocca  zusammen  mit  rocchetto  (s.  unten) 
und  bedeutet  eigentlich  etwas  faltiges  in  beziehung  auf  die  risse  in  den 
f eisen,  wobei  man  auch  an  das  rom.  falda  bergabhang  erinnern  könnte: 
es  ist  nur  schade,  daß  es  für  diese  auffassung  an  beispielen  in  andern 
sprachen  fehlt  Sehen  wir  zu,  ob  sich  das  wort  nicht  aus  dem  lateinischen 
dement  schöpfen  läßt.  Rupes  fand  im  roman.  keinen  eingang,  nur  die 
Hol.  spräche  duldet  es  als  poetischen  ausdruck:   aber   man  konnte  rupea 

18 


274  I.   ROCCA-ROMANZO. 

daraus  ableiten,  welches,  indem  sich  ü  in  der  position  kürzte  (rupea  rupja), 
roccia,  röche  ergab  wie  appropiare  approcciare,  approcher ;  wirklich  findet 
sich  rupea  'saxosa  Ol.  Paris,  ed.  Hildebrand  p.  264.  Aber  dem  guttu- 
ralen rocca  ist  damit  nicht  geholfen:  diesem  genügte  nur  eine  andre  ab- 
leitung  von  rupes,  rupica,  wie  von  avis  avica,  von  uatis  natica,  von  cutis 
cutica  geleitet  ward:  Übergang  des  pc  in  cc  ist  zwar  nicht  eu  belegen, 
aber  im  princip  einzuräumen.  Beide  abll.  rupea  und  rupica  können  im 
spiel  gewesen  sein,  doch  kann  rupica  auch  das  palatale  rocha,  röche  er- 
zeugt und  dies  sich  nach  Italien  in  der  form  roccia  verbreitet  haben. 

Rocca  it.,  sp.  rueca,  pg.  roca  Spinnrocken,  vom  ahd.  rocco,  altn. 
rockr.  In  der  alten  prov.  spräche  vermisst  man  das  wort,  die  neue  occit. 
mundart  kennt  rouque  spule.  Daher  it.  rocchetta,  engl,  rocket,  disch. 
rakete,  weil  sie  mit  dem  oberen  dicken  ende  die  form  eines  rockens  dar- 
stellt, s.  Ferrari. 

Rocchetto  it.,  roquete  sp.,  röchet  fr.  (daher  wohl  die  ital.  form 
roccetto)  Chorhemd,  vgl.  wal.  röchie  weiberrock.  Das  primitiv  roccus 
(später  auch  hroccus  geschr.)  kennt  ein  capitular  Karls  d.  gr.,  es  ist  das 
ahd.  roc  (hroch  GL  Emmeram.),  ags.  roc,  altn.  rockr.  Eigentlich  be- 
deutet das  roman.  wort  ein  gefälteltes  Meid,  daher  pg.  enrocar,  it.  ar- 
rochettare  (bei  P.  Monti  p.  223)  fälteln,  und  dies  erinnert  an  altn. 
hrucka,  gael.  roc  runzel,  falte,  engl,  to  ruck  schrumpfen. 

Rocco  it.,  sp.  pg.  roque,  pr.  fr.  roc  thurm  im  schach;  vom  pers. 
rokh  kameel  mit  bogenschützen  besetzt,  s.  Vullers  II,  24". 

Roggio  it.,  sp.  roxo,  pg.  rouxo,  pr.  rog  (fem.  roja),  fr.  rouge,  dsgl. 
it.  robbio,  sp.  rubio,  pg.  ruivo  roth;  von  rubeus;  vb.  fr.  rougir,  pr. 
rogir  roth  werden.  Robbio  würde  sich  auch  von  rubidus  leiten  lassen, 
stimmte  nicht  das  sbst.  robbia  färberröthe  genau  zu  dem  gleichbed.  rubia. 

Rogna  it.,  sp.  pg.  pr.  gleichlaut.,  fr.  rogne,  wal.  r^ia  (vgl.  vie  mit 
it.  vigna,  sicriu  mit  scrigno)  kratze,  räude;  nach  Menage  von  robigo 
robiginis  rost,  rostfleck,  eine  harte,  aber  doch  mögliche  zusammenziehung. 
Am  leichtesten  erklärt  sich  das  adj.  rognoso  ff.  aus  robiginosus. 

Rognone  it.,  sp.  rinon,  pr.  renho,  ronho,  dltfr.  regnon,  neufr. 
roignon  niere,  wal.  renunchiu;  erweitert  aus  dem  allzu  umfanglosen  ren, 
gleichsam  renio,  mit  beobachtung  des  bildenden  i,  wie  man  dies  in  vig- 
liacco  aus  vilis  u.  a.  fällen  bemerkt.  Ital.  auch  arnione,  argnone  mit 
umgestelltem  re  (so  in  arcigno  vom  fr.  rechin). 

Roma  uz  o  it.,  sp.  romance,  pr.  altfr.  romans,  chw.  romansch,  ndat. 
romancium  romanische  spräche  oder  dichtung;  daher  vb.  sp.  romanzar, 
pr.  romansar,  altfr.  romancier  ins  romanische  übertragen  u.  dgl.  Es  er- 
klärt sich  buchstäblich  aus  dem  lat.  adv.  romanice,  wie  es  denn'  in  der 
that  adverbial  gebraucht  wird:  altfr.  parier  romans  loqui  romanice.  S.  Rom. 
gramm.  I,  74.  Altfr.  lautet  romans  gewöhnlich,  wenn  auch  unrichtig,  im 
cos.  obl.  romant  nach  dem  muster  von  paYsans  paYsant  (nfr.  paysan),  da- 
her der  spätere  nomin.  romant,  roman  so  wie  das  adj.  romant-ique. 
über  romanzo  s.  Raynouard,   Chx.  371.    Ein  gegenstück  zu  romans  ist 


I.   ROMBO-ROSIGNUOLO.  275 

dhfr.  bretans  =  britannice  Brt.  I,  392,  auch  sp.  vascuence  =  vasco- 
nice,  welches  erstere  Adelung,  Mithr.  II,  lächerlich  aus  Vasco  und  ence 
W  zusammensetzt 

Rombo  it.,  sp.  rumbo,  pg.  rumbo,  rumo,  fr.  ruinb,  engl,  rumb 
windlinie  auf  dem  compass,  lauf  des  Schiffes;  vb.  fr.  arrumer  die  windr 
linien  auf  einer  Seekarte  zeichnen ;  nach  Nicot  vom  gr.  Qu/ttog  deichsei,  so- 
fern  diese  die  richtung  des  Wagens  anzeigt,  nach  andern  von  rhombus. 
Aber  fr.  arrumer,  sp.  arrumar  die  Schiffsladung  vertheilen  und  ordnen, 
pg.  arrumar  überh.  ordnen,  werden  aus  dem  ndl.  ruiui  Schiffsraum  er- 
klärt, 8.  Pougens,  Tresor  I,  89.  Vgl.  norm,  arruner  ordnen,  döruner  ver- 
wirren. 

Romeo  it.  altsp.  (bei  Berceo),  dsgl.  it.  romero  (mdartl.  s.  Murat. 
Ant.  ital.  VI,  648),  sp.  dieselbe  form,  altfr.  romier  Wallfahrer,  eigentl. 
wer  nach  Rom  pilgert :  romero  quiere  decir  como  ome  que  va  &  Roma 
pora  yisitar  los  santos  lugares  Partid.  1.  tit.  24,  1  (bei  Cabrera);  chia- 
mansi  romei  inqnanto  vanno  a  Roma  Dante  Vit.  nuova. 

Röndine,  rondinella  it.,  wal.  rqndunea,  pg.  andorinha,  pr.  ironda, 
irondella,  fr.  hirondelle  schwalbe;  mundartliche  und  nebenformen:  wal. 
rundnrea,  pr.  randola,  neupr.  endriouleto,  andoureto,  dindouleto,  altfr. 
aronde,  alondre,  arondelle,  cot.  aureneta,  oreneta,  vol.  oroneta.  Alle  aus 
hirundo  hirundinis,  z.  b.  das  cat.  orin-eta  umgestellt  aus  irond-eta  mit 
ausgeworfenem  d  nach  der  weise  dieser  spräche;  aber  wie  deutet  man  das 
sp.  golondrina,  dessen  primitiv  golondro  begierde,  verlangen  ausdrückt? 
Ferrari  will  das  gr.  %ahddv  darin  erkennen. 

Ronfiare  toscan.,  sie.  runfuliari,  ven.  ronfare,i?r.  ronflar,  fr.  ron- 
fler,  cäm?.  g-rufflar  schnarchen;  vgl.  bret.  rufla,  gr.  §oq>eiv,  Qofupaveiv schlürfen 
u.  dgl.  naturausdrücke  mehr. 

Ros  pr.  (m.)  (hau:  ab  gran  joi  albergueron  el  mati  ab  lo  ros  am 
morgen  mit  dem  (hau  GAlb.  3784;  das  einfache  wort  fehlt  sonst,  ausge- 
nommen sard.  rosn  und  rore,  wal.  roe.  Dafür  schuf  sich  der  Portugiese 
aus  roseidus  ((hauig)  mit  ausgestoßenem  d  das  subst.  röcio,  sp.  rocio, 
aus  demselben  adjeetiv  floß  sp.  rociar  (wie  aus  limpidus  limpiar),  cat. 
ruxar,  pr.  arrosar,  fr.  arroser  bethauen,  besprengen;  aus  dem  verbum  das 
Substantiv  sp.  pg.  rociada,  cat.  ruxada,  pr.  rosada,  fr.  rosöe,  it.  rugi- 
ada  thau,  buchstäbl.  bethauung. 

Rosa  it.  sp.  pg.  pr.,  rose  fr.  eine  blume.  Da  das  wort  überall,  auch 
im  wal.  rase,  den  ihm  gebührenden  diphthong  als  ausdruck  des  kurzen  o 
vermeidet,  so  muß  die  ausspräche  mit  langem  o  rosa  sehr  alt  sein  und 
vielleicht  würde  sich  bei  einem  der  spätesten  lat.  dichter  ein  beispiel  der- 
selben finden.  Auch  ahd.  rösä.  Aus  dem  classischen  rosa  hätte  sich  it. 
ruosa,  sp.  ruesa,  .altfr.  niese,  wal.  roase  gestalten  müssen,  aber  nur  in 
einigen  mundarten  kommen  diphthongische  bildungen  vor:  maü.  piem. 
ckw.  rosa. 

Rosignuolo,  rusignuolo  it.,  sp.  ruiseöor,  altsp.  roseüol,  rosenor, 
pg.  rouxmholj  rouxinol,  pr.  fr.  rossignol  nachtigaU,  bei  einem  prov.  dichter 


276  t.   ROSSO— ROVERE. 

auch  fem.  rossinhola  (nicht  etwa  das  Weibchen);  von  lusciniolus  aus  los- 
cinius.  Varro  L.  L.  6,  76  führt  nur  das  dimin.  lusciniola  an  und  auch 
die  neuen  sprachen  kennen  nur  eine  diminutivbildung.  Die  seltsame  ge- 
meinroman.  vertauschung  des  anlautenden  1  mit  r  scheint,  wenn  man  die 
alte  artikelform  hinzudenkt,  rein  euplwnisch:  lo  losignuolo  mit  zwei  Um- 
losen lo  {anders  in  lo  löco),  worauf  noch  ein  suffigiertes  1  folgt,  war  un- 
erträglich. Diese  vertauschung  ist  uralt :  ruscinia  kennt  schon  eine  hand- 
schrift  des  9.  jh.  s.  Haupts  Ztschr.  V,  19 7b,  roscinia  eine  eben  so  alte 
s.  Mortis  Ans  ei g.  VII,  148.  Eine  ital.  nebenform  ist  lusignuolo,  selbst 
usignuolo,  altfr.  lousignol  mit  dem  verbum  lousegnoler,  in  bürg,  mundart 
noch  jetzt  rosignöler.  Bouille  führt  auch  lurcignol  an.  Der  Dacoromane 
ist  von  dem  lat.  worte  abgegangen  und  nennt  den  vogel  priveghitoare 
nachtwächterin,  gleichsam  pervigilatrix,  der  Albanese  nennt  ihn  mit  einem 
weder  latein.  noch  griech.  worte  biljbflj,  welches  auch  der  Macedoromane 
angenommen. 

Rosso  it.,  sp.  roxo,  pg.  roxo,  pr.  ros,  fr.  roux,  wai.  roi,  roiiu  roth; 
von  dem  seltnen  lat,  russus. 

Rostire  it.  in  arrostire,  cot.  rostir,  fr.  rötir,  pr.  raustir,  rösten; 
part.  prät.  als  sbst  it.  arrostito,  fr.  röti  geröstetes,  braten;  sbst.  aus  dem 
stamme  pr.  raust,  it.  arrosto.  Das  verbum  trifft  zusammen  mit  ahd. 
röstjan  (rom.  i  =  ahd.  j),  das  sbst.  mit  gi-rosti,  aber  auch  die  celt.  Wörter, 
gael.  röist,  kymr.  rhostio,  bret.  rosta  sind  zu  nennen.  Beachtenswerth  ist  hier 
der  prov.  diphthong  au,  der  aus  den  celt.  formen  unerklärbar  ein  älteres  hd. 
raustjan  in  anspruch  nimmt,  dem  indessen  kein  ags.  reästan  zur  seile  steht. 

Rotella  it.,  sp.  rodela,  altfr.  roele  runder  Schild;  it.  rotella,  sp. 
rodilla,  pr.  rodela  kniescheibe,  knie;  von  rotella  für  rotula  Dief.  Gloss. 
lat.  germ.,  vgl.  was  die  letztere  bedeutung  betrifft,  mhd.  knie-rade. 

Rotolo  und  rullo  it.,  sp.  rollo,  rol,  pr.  rotle,  rolle,  fr.  role  etwas 
zusammengewickeltes,  rolle  papier,  walze;  von  rotulus;  vb.  it.  rotolare 
und  mit  assibiliertem  t  ruzzolare,  sp.  arroliar,  pr.  rotlar,  altfr.  rooler, 
neufr.  rouler  wälzen,  rollen;  altfr.  roeler,  gleichsam  rotellare.  Auch  sp. 
rolde  ist  von  rotulus,  vgl.  Roldan  und  Rotlan.  Zsgs.  fr.  contröle  gegen- 
rolle d.  i.  gegenrechnung,  für  contre-röle,  was  schwer  auszusprechen  war. 

Rotta  it.,  sp.  pg.  pr.  rota,  altfr.  route,  nfr.  d&oute  niederlage, 
buchstäbl.  brach,  von  ruptus,  rupta.  Dasselbe  wort  hat  noch  andre  bedeu- 
tungen  entfaltet:  pr.  rota,  altfr.  rote  abthcüung  eines  lieeres,  trupp,  ndat. 
rupta,  daher  unser  rotte,  vgl.  Grimm  /*,  494;  vb.  altfr.  arouter  in  Ord- 
nung stellen.  Dsgl.  fr.  route  Straße  d.  i.  via  rupta  gebrochener  weg,  wie 
altfr.  brisäe  Straße  bedeutet,  vgl.  den  geographischen  namen  Malarouta 
Breq.  290*  (v.  j.  680);  pg,  rota,  derrota  lauf  des  Schiffes;  fr.  routier 
der  wege  kundig,  routine  Übung.  Eine  andre  abl.  ist  fr.  roture,  rnktt. 
ruptura,  gereute,  kleines  gut,  bauemgut,  roturier  besitzer  eines  solchen 
gutes,  gemeiner  mann  im  gegensatze  zum  edelmann. 

Rövere  it.,  sp.  pg.  roble,  pr.  roure,  fr.  rouvre  Steineiche;  von  robur 
roboris. 


L   ROZZA-RUFFA.  277 

Rozza  it.,  pr.  rossa,  fr.  rosse  schlechte  mähre,  masc.  camask.  roz, 
bergam.  ros.  Es  ist  kein  grund  vorhanden,  der  itdl.  form  zu  mistrauen, 
die  uns  lehrt,  daß  pr.  fr.  ss  in  diesem  worte  nicht  deutschem  ss  entspre- 
chen, daß  es  mithin  nicht  aus  unserm  ross  herrühren  kann.  Dazu  kommt 
noch  ein  derivatum,  dessen  primitiv  gleichfalls  nicht  für  ss,  sondern  für 
z  oder  c  zeugt,  pr.  rossi,  roci,  ältfr.  roucin,  sp.  rocin  nebst  dem  berühm- 
ten rocinante,  pg.  rossim,  und  mit  n,  das  eingeschoben  sein  kann,  pr. 
ronci,  aüfr.  roncin  (daher  kymr.  rhwnsi),  pic.  ronchin,  it.  ronzino  kleineres 
pferd,  klepper,  lothr.  wallon.  ronsin  hengst,  nfr.  roussin  untersetzter  hengst. 
Daß  auch  ein  schlechteres,  geringeres  pferd  darunter  verstanden  ward,  er- 
hettt  schon  aus  den  stellen:  bon  frag  eys  (exit)  de  bon  jardi  e  d'avol 
cavalh  rossi  Chx.  V,  256;  fols  est  ki  d'esprivier  (epervier)  cuide  faire 
faueon  ne  de  ronci  destrier  Alex.  549,  30;  das  entsprechende  mhd.  runzit 
bedeutet  oft,  aber  nicht  gewöhnlich,  ein  schlechtes  pferd,  s.  Pfeiffers  ab- 
handH.  vom  ross  p.  2.  Dieses  ronzino,  mUxt.  runcinus,  deutet  Vossius, 
Vit  serm.,  aus  dem  ndl.  min  waRach  (das  nach  Grimm,  Gesch.  d.  d. 
spr.  p.  30,  su  ahd.  reinneo  gehört,  s.  oben  guaragno),  und  wenn  man 
auch  auf  die  abweichende  bedeutung  kein  gewicht  legen  und  runcinus  aus 
ruin-c-inus  construieren  wül,  so  bleibt  damit  das  seltsame  rozza  noch 
nicht  aufgehellt;  eine  rückbildung  aus  runcinus  darin  anzunehmen,  ist 
immer  bedenklich  Beide  Wörter  verlangen  noch  eine  schärfere  Untersuchung. 
Der  Normanne  kennt  auch  harousse  s.  v.  a.  fr.  rosse,  welches  in  betracht 
des  anlautenden  h  seine  herkunfl  aus  dem  ahd.  altn.  hros  schwer  ver~ 
läugnen  kann. 

Rubino  it.,  sp.  rubin,  rubf,  pr.  robi,  fr.  rubis  ein  röthlicher  edel- 
stein,  rubin;  von  rubeus. 

Ruca  it.  pr.,  sp.  pg.  oruga;  dsgl.  it.  ruchetta,  sp.  ruqueta,  fr. 
roqnette  eine  pflanze,  rauhe;  vom  lat.  erüca  dass. 

Ruffa.tf.  gedränge  von  personen  um  etwas  aufzuraffen  (gezause 
um  etwas);  vb.  arruffare  das  haar  verwirren,  zausen,  comask.  rufa- 
su  das  geeicht  zusammenziehen  (kraus  machen),  pg.  cat.  arrufar  kräuseln, 
zusammenziehen,  rauh  machen,  sp.  arrufarse  sich  erzürnen  (so  it.  ar- 
ricciarsi  kraus  werden,  zornig  werden);  adj.  sp.  rufo  kraushaarig 
(auch  rothhaarig,  von  rufus),  pr.  ruf  rauh,  rauch?  (ac  grans  e  rufas  las 
mas  Jfr.),  limous.  rufe  dass.,  in  Berry  rufe,  rufle  mürrisch.  Die  Wörter 
sind  germanischer  herkunfl,  zumal  stimmt  it.  arruffare  zu  unserm  raufen 
(so  tuffare  zu  taufen),  aber  auch  zu  rupfen  (ebenso  zuffa  zu  zupfen),  dsgl. 
zu  engl,  ruff,  rüffle  krause,  ndl.  ruyffel  runzel  KU.,  altn.  rfifinn  struppig; 
für  das  roman.  adj.  vgl.  aÜengl.  ruff  rauh.  Hiermit  ist  zu  verbinden 
mail.  ruff,  piem.  com.  rufa  schorf,  venez.  überhaupt  unsauberkeit,  mit 
radicalem  o  romagn.  rofia  (für  rofla)  schuppen  auf  dem  köpfe,  brand  im 
getreue  (identisch  it.  roffia  dicker  nebet,  Dante  Par.  28,  82),  bürg. 
reuffle,  im  Jura  rouffie,  ältfr.  roife  NFG.  II,  88,  auch  rol'6e  schorf,  alle 
=  ahd.  hruf,  mhd.  ruf,  altn.  hrufa,  rufa,  ndl.  rof  aussatz,  schorf,  rauhig- 
keU  u.  dgl.,   ags.  hreöfl  aussätzig.     Eine  zss.  ist  it.  baruffa  rauferei, 


278  I.   RUFFIANO -SACCO. 

com.  baruf  büschel  haare,  pr.  barrufant  rauf  er,  chw.  barufar  raufen, 
augenscfieinlich  das  ahd.  biroufan,  a  für  i  wie  im  it.  baroccio  für  biroccio 
u.  andern.  —  Nicht  zu  vermengen  mit  diesem  ist  sp.  arrufer  krümmen, 
wölben,  vom  engl,  roof  mit  einem  dache  versehen,  sbst.-  dach,  Wölbung, 
daher  gaumen  (vgl.  wegen  der  letzteren  bedeutung  palais  IL  c),  sp.  sbst. 
rufo  abgesonderter  platz  in  der  barke  (Seckendorf),  ndl.  roef  sdiiffs- 
kämmerchen. 

Ruffiano  it.,  sp.  pr.  rufian,  fr.  rufien  kuppler.  Nach  einigen  von 
rufus,  weil  sie  roth  gekleidet  gewesen,  was  aber  Menage  widerlegt;  nach 
andern  gleichfalls  von  rufus,  aber  darum  weil  die  feilen  dirnen  rötMiches 
oder  blondes  haar  getragen  hätten,  s.  Ducange.  In  beiden  fallen  muß 
man  rufulus  zu  gründe  legen,  daher  ruf  lanus,  ital.  dreisilb.  ruffiano  und 
hieraus  die  formen  der  übrigen  sprachen.  Sicherer  aber  (denn  rufus  ist 
nicht  einmal  im  ital.  einheimisch)  leitet  man  das  wort  auf  den  eben  be- 
handelten stamm  ruf,  rufl  zurück,  wonach  es,  freilich  etwas  allgemein,  als 
Schimpfwort,  einen  moralisch  schmutzigen  menschen  bezeichnete,  bei  Dante 
Inf.  11  ruffian,  baratti  e  simile  lordura.  Man  bemerke  noch  hd.  ruffer 
kuppier  Frisch  II,  133a ,  nhd.  ruf  fein  kuppeln  Schmeller  HI,  62,  altengl. 
ruffiner  für  ruffian  u.  dgl. 

Ruga  altit.,  sp.  pg.  pr.  rua,  fr.  rue  gösse;  von  ruga  furche,  daher 
reihe,  straße,  schon  in  alten  glossen  ruga  'platea  äyvia,  dsgl.  ruga  (>ii*i}\ 
auch  der  Albanese  braucht  rüge  in  roman.  sinne.  Die  lat.  bedeutung  ver- 
tritt it.  ruga,  sp.  arruga,  pr.  ruga,  rua. 

Ruggine  it.,  wal.  rugfne,  sp.  orin  rost  am  metäll,  von  aerugo; 
gleichbed.  sp.  robin  von  rubigo;  von  letzterem  auch  cot.  rovell,  pr. 
roilh,  roYlha,  fr.  rouille  diminutivbüdungen. 

s. 

Säbana  sp.,  pr.  savena,  altfr.  savene  betttuch,  altartuch  u.  dgl.,  im 
spätem  latein  sabanum,  savanum,  goth.  sabans,  ahd.  saban  feine  lein- 
wand;  vom  gr.  oaßavov  leinenes  tuch  zum  abtrocknen  im  bade;  daher  auch 
sie.  insavonare  in  das  leichentuch  hüllen.    S.  Dief.  Goth.  tob.  1, 179.  770. 

Sacar  sp.  pg.,  altfr.  sachier,  pic.  saquer  ziehen,  herausziehen  (nfr. 
saccade  zug),  ursprüngl.  an  sich  bringen,  sich  zu  eigen  machen:  heredi- 
tates, quas  saceavimus  de  Argefonso  in  einer  Urkunde  Esp.  sagr.  XL,  407; 
von  Saccus  tasche.  Altfr.  bedeutet  desachier  s.  v.  a.  einfach  sachier  und 
vielleicht  ist  in  letzterem  die  präposition  zu  supplieren;  so  könnte  umge- 
kehrt das  neupr.  sac4  * einstecken  am  dem  dttpr.  ensacar  abgekürzt  sein, 
doch  bedeutet  das  ndd.  sakken  ganz  dasselbe  s.  Brem.  wb.;  auch  engl. 
bag  sack,  vb.  bag  einsacken. 

Sacco  it.,  sp.  pg.  saco,  fr.  sac  in  der  bed.  plünderung  eines  ortes; 
vb.  it.  saccheggiare,  sp.  saquear,  fr.  saccager.  Vbm  ahd.  scah  (beute) 
kann  es  nicht  herstammen,  da  sich  anlautendes  sc  =  sk  nimmer  in  s 
vereinfacht.    Es  kann  nur  identisch  sein  mit  lat.  Saccus  und  mochte  zu- 


I.   SAGGIO— SAGRO.  279 

erst  pack)  demnächst  die  eingepackte  beute  heißen,  wie  hochd.  plunder 
Habseligkeit,  gepäck,  engl,  plunder  beute  heißt.  Ein  anderes  beispiel,  wie 
die  Handlung  nach  dem  dazu  dienenden  Werkzeuge  benannt  wird,  ist  pg. 
escala  erstürmung  mit  der  leiter,  von  scala  leiter.  Dahin  it.  saccomanno 
pactknechtj  neupr.  sacaman,  vom  mhd.  ndl.  bair.  sackmann  (auch  rauher)  ; 
sp.  sacomano  plüfderung,  mhd.  sackman  machen  depqpulare  Wb.  II,  46. 

Saggio  it.,  sp.  pg.  sabio,  pr.  sabi,  satge,  fr.  sage  klug;  entwickelt 
sich  leichter  aus  detn  vermutlich  volksmäßigen  sapius,  zu  folgern  aus 
dem  negativen  nesapins  bei  Petronius  (vgl.  scius,  nescius),  als  aus  sapi- 
dus  (fr.  sade),  wohin  man  es  gewöhnlich  stellt.  Doch  gründet  sich  die 
franz.  form  nicht  unmittelbar  auf  sapius,  welches  sache  erzeugt  hätte9 
sondern  auf  ein  vermittelndes  in  dem  altfr.  saive  LRs.  angedeutetes  sabius, 
savius.  Die  getreueste  form  ist  wohl  die  sie.  sapiu  in  varva-sapiu  klug, 
buchstäbl.  hart -klug. 

Saggio,  assaggio  it.,  sp.  ensayo,  asayo,  pr.  essai,  assai,  fr.  essai 
probe;  vb.  iL  saggiare,  assaggiare,  sp.  ensayar,  asayar,  pr.  essaiar, 
assaiar,  fr.  essayer  probieren,  auf  die  probe  stellen,  kosten.  Es  soll  von 
sapor  oder  sapere  stammen,  aber  wie?  man  müßte  das  oben  erwähnte 
sapius  zu  gründe  legen.  Span,  ensayo,  cot.  ensaig  weisen  mit  der  silbe 
ens  auf  ex,  und  da  sich  exagium  auf  einer  römischen  inschrift  (s.  Grut. 
647,  6)  in  der  bed.  Schätzung,  in  einem  gr.  lat.  glossar  iSayiov  cpensatw 
findet,  so  ist  nach  keinem  weitem  etymon  zu  suchen.  S.  darüber  Muratori. 

Sagire  it.  in  besitz  setzen,  pr.  sazir,  fr.  saisir  ergreifen,  wegnehmen, 
(satzir  'capere  contra  jus'  GProv.  37);  abgel.  it.  sagina,  pr.  sazina, 
fr.  saisine  besitz.  Das  dUfr.  saisir  hat  auch  die  ital.  bedeutung,  daher 
das  formelhafte  vestut  et  saizit  Rol.  p.  124,  noch  jetzt  se  saisir  de  qch. 
sich  einer  sache  bemächtigen;  dieselbe  bedeutung  muß  auch  im  prov.  vor- 
handen gewesen  sein,  wenn  das  compos.  dessazir  außer  besitz  setzen,  fr. 
dessaisir,  einen  solchen  Schluß  erlaubt.  Es  ist  ein  wort  aus  dem  rechts- 
wesen:  um  so  eher  darf  man,  da  die  lat.  spräche  ein  etymon  verweigert, 
deutsche  abkunft  vermuthen.  Dem  buchstdben  fügt  sich  ahd.  sazjan  setzen, 
logisch  passender  ist  bisazjan  =  nhd.  besetzen,  ags.  bisettan,  engl,  beset 
einnehmen,  in  besitz  nehmen  (mit  abgefailner  vorpartikel) :  pr.  sazir  la 
terra  das  land  besetzen.  Statt  der  nüat.  formet  ad  proprium  sacire  brauchte 
man  auch  ad  proprium  ponere  DC.  v.  sacire,  so  daß  man  beide  verba 
sacire  und  ponere  als  sinnverwandt  betrachtet  zu  haben  scheint,  ponere 
aber  ist  setzen.  Diese  etymologie  wird  begünstigt  durch  die  Priorität  der 
prov.  und  neufr.  bedeutung,  die  auch  schon  in  den  ältesten  franz.  werken 
heimisch  ist,  z.  b.  LRs.  330  saisir  la  vigne  den  Weinberg  in  besitz  nehmen; 
die  andre  mag  daraus  erfolgt  sein.  Ital.  sagire  verhält  sich  übrigens  zu 
sazjan  wie  palagio  zu  palatium  palazjum. 

Sagro  it.,  sp.pg.  fr.  sacre  ein  stoßvogel,  sakerfalk,  auch  ein  geschütz; 
wird  mit  recht  für  eine  Übersetzung  des  gr.  legal-  heiliger  vogel,  wegen 
der  bedeutung  seines  fluges,  gehalten;  man  sehe  einen  ähnlichen  fall  in 
turbot  IL  c.     Andre   verweisen  auf  arab.  $aqr  fleischfressender   vogel, 


280  I.   SA1ME-SALSA. 

habicht  Freyt.  II,  507h,  und  es  ist  keine  frage,  daß  die  abendländischen 
sprachen  einige  ausdrücke  für  jagdvögd  der  arabischen  danken :  diesmal 
aber  ist  die  entstehung  des  Wortes  auf  eignem  boden  so  deutlich,  daß  man 
eher  an  entlehnung  des  aräb.  Wortes  aus  dem  roman.  denken  möchte.  — 
[Dessen  Originalität  vertheidigt  dagegen  Engelmann  p.  9h  indem  es  schon 
bei  den  Arabern  der  wüste  im  gebrauche  gewesen  sei.  %Diefenbach,  Orig. 
europ.  p.  341,  vermuthet  bei  der  deutung  aus  tigal;  anlehnung  an  ein 
altes  europäisches  wort:  der  habicht  heiße  lith.  sakalas,  slav.  sokol.] 

Salme  it.,  sp.  sain,  pr.  sagin,  saTta,  fr.  sain-doux  schmale;  von  sa- 
gina  mast,  fett  Dimin.  sp.  sain  et e  leckerbissen,  würze,  dsgl.  zwischen- 
spiel  auf  der  bühne.  Die  ital.  bildung  sa-ime  (saglmen  bei  Joh.  de  Garl.) 
hat  das  ursprüngliche  suffix  ina  vertauscht  und  ohne  zweifei  ist  derselbe 
tausch  auch  in  den  übrigen  sprachen  vorgegangen,  da  sie  das  wort  als 
mascülin  behandeln,  vgl.  wegen  der  form  it.  gnaime  fr.  re-gain. 

Saja  it.  (aus  dem  prov.?),  sp.  pr.  saya,  fr.  saie,  masc.  it.  sajo, 
sp.  sayo  wollenes  überkleid,  auch  der  dazu  gebräuchliche  stoff,  mhd.  sei, 
altirisch  sai  Zeuß  I,  37;  von  saga  bei  Ennius,  gewohnt,  sagum  kriegs- 
manlel,  nach  Varro  L.  L.  5,  167  ed.  0.  Müller,  ein  gallisches  wort:  in 
Ms  multa  peregrina,  ut  sagum  reno  gallica.  Man  sehe  Diefenbaehs 
Untersuchung,  Orig.  europ.  411.  In  den  Casseler  glossen  lautet  das  wort 
seia  und  hat  die  ursprünglichere  bed.  eines  kleidungsstückes,  ahd.  tnnihhä 
=  last,  tunica.  Sagulatus  (mit  dem  sagulum  bekleidet),  dauert  fort  im 
pr.  sallat,  inf  sallar  verhüllen,  welches  Baynouard  aus  dem  buchstäb- 
lich weiter  abliegenden  celare  herleitet.  Ein  diminutiv  von  saja  ist  iL 
sagetta,    sp.  sayete,  pg.  saieta,  saeta,  fr.  sayette  sarsch,  mhd.  seit 

Sala  it.  sp.  pg.  pr.,  salle  fr.,  aale  wal.  besuchzimmer  u.  dgl.,  saal; 
vom  ahd.  sal  (m.)  haus,  wohnung.  Diese  bedeutung  war  noch  im  atifr. 
und  prov.  heimisch,  man  sehe  bei  Roquefort  und  Raynouard,  ja  die  mhd. 
Zusammenstellung  palas  und  sal  ist  auch  romanisch:  pr.  palaitz  e  sala 
LR.  s.  v.,  palfcs  ne  sales  FC.  II,  316. 

Salävo  it.,  fr.  sale  schmutzig;  letzteres  vom  ahd.  unfiectierten  salo 
trübe,  ersteres  von  der  flectierten  form  salawfer,  gen.  salawes.  Ein  ge- 
nauerer beweis  für  die  deutschheit  des  Wortes  ist  nicht  zu  verlangen.  Vb. 
nur  fr.  salir. 

Salma,  soma  it.,  sp.  salma,  xalma,  enxalma,  fr.  somme  last,  pr. 
sauma  eselin;  vom  spätem  lat.  sagma  (oaypa),  woher  auch  ahd.  sanm, 
vgl.  das  glossem  bei  Papias  clitellae  'sarcinae  sellae  somae.  Der  Über- 
gang von  g  in  1,  den  schon  Isidorus  kannte  (sagma,  quae  corrupte  vulgo 
salma  dicitur),  ist  wie  im  sp.  esmeralda  aus  smaragdus.  Zsgs.  it.  assom- 
mare,  fr.  assommer  beladen,  niederdrücken.  Abgel.  fr.  sommelier 
kellermeister,  so  genannt,  weil  der  wein,  wie  Frisch  bemerkt,  säum-  oder 
lastweise  in  den  keller  geführt  wird,  vgl.  it.  somella  kleine  last. 

Salmastro  it.,  saumätre  fr.  salzig;  mit  verändertem  suffix  aus 
salmacidus,  wofür  auch  pr.  samaciu,  altfr.  saumache  vorkommt. 

Salsa  ü.  sp.  pr.,   sauce  fr.  (für  sause)  brühe,   tunke-,  eigentl.  ge- 


I.   SALSAPARIGLIA— SARPARE.  281 

salzenes  (altfr.  la  sauce  de  mer  das  salzige  seewasser  Alex.  p.  13"),  vom 
adj.  salsus.  Abgel.  ü.  salsiccia,  fr.  saucisse,  sp.  salchicha  brativurst, 
vgl.  salcitia  W^1  Gl.  Flor.,  salsities  Gl.  Prag.  ed.  Hoffmann. 

Salsapariglia  it.,  sp.  zarzaparilla,  fr.  salsepareille  eine  pflanze 
oder  wureel  aus  Peru;  vom  sp.  zarza  brombeerstrauch  und  Parillo  name 
eines  arztes,  der  sie  zuerst  anwandte.    So  Scaliger,  s.  MSnage. 

Salvaggio,  selvaggio  it.,  sp.  salvage,  pr.  salvatge,  fr.  sau  vage 
adj.  wäd;  von  silvaticus,  it.  auch  selvatico,  salvatico,  wäl.  selb&tic.  Daher 
sbst.  it.  salvaggina,  sp.  salvagina,  altfr.  sau  vagine  wild,  tvildpret. 

Sampogna,  zampogna  it.,  sp.  zampona,  pg.  sanfonha,  pr.  sin- 
phonia,  altfr.  Symphonie,  chifonie,  wal.  cimpoe  schalmei,  hirtenflöte,  auch 
sackpfeife;  von  symphonia,  dem  schon  das  frühste  mlatein  ähnliche  bedeu- 
tungen  einräumte,  bei  Venant.  Fort,  donec  plena  suo  cecinit  symphonia 
flatu.    Die  herleitung  aus  sambucus  ist  kaum  der  anführung  werth. 

Sandalo  it.  sp.  pg.,  fr.  sandal  ein  indisches  f arbholz;  aus  gr. 
aartaXov,  dies  aus  aräb.  zandal,  ursprüngl.  aber  aus  dem  sanskrit. 

San  dal  0  it.  pantoffd  der  bischöfe,  sp.  pg.  sandalia,  fr.  sandale 
pantoffel  überh.;  vom  gr.  aavdaXov,  oavdaXiov,  tat.  sandalium  schnürsohle. 

Sapere,  savere  it.,  sp.j>g.pr.  saber,  fr.  savoir;  von  s&pere,  roman. 
gesprochen  sapäre  nach  dem  muster  der  andern  verba  des  modus,  doväre, 
pot&e,  volare.  Es  trat  an  die  stelle  des  verschwundenen,  nur  dem  Sarden 
und  Walachen  verbliebenen  scire  wissen,  da  allerdings  schon  die  Alten 
es  als  transitiv  für  'verstehen'  anwandten:  rem  suam  sapere  u.  dgl. 
Mittdlat.  stellen,  wo  es  ganz  in  roman.  sinne  steht,  wie  in  sapiunt  ad- 
implere  ministerium  suum  Gap.  Gar.  M.,  sehe  man  bei  Caseneuve  und 
Ducange. 

Sarabanda  it.  pg.,  sp.  zarabanda,  fr.  sarabande  ein  tanz,  so  wie 
die  ihn  begleitende  musik;  vom  pers.  serbend  eine  art  gesang  (MSnage). 
Die  andern  sprachen  entlehnten  dies  wort  aus  dem  spanischen.  Davon 
redet  Sermiento,  Obras  post.  p.  230. 

Sardina  it.sp.,  fr.  sardine  ein  kleiner  dem  hering  verwandter  fisch ; 
vom  tat.  sarda,  sardina,  gr.  aagdivr),  nach  der  insel  Sardinien  be- 
nannt, in  deren  gegend  er  besonders  häufig  gefangen  ward;  ital.  auch 
sardella. 

Sargia  it.,  sp.  sarga  und  sirgo,  pr.  serga,  fr.  serge,  sarge  (f.) 
ein  woUener  Stoff,  theüs  mit  leinen  theils  mit  seide  gemischt,  sarsche;  von 
sericus,  serica  baumseide,  bask.  ciricua,  mlat.  auch  sarica.  Daher  mit 
übertritt  des  8  in  x  (wie  in  ximio  von  simius)  sp.  xergon,  pg.  xergäo, 
enxergao  strohsack  (nach  Sousa  vom  arab.  scharkon),  ferner  it.  sar- 
gäno  u.  a. 

Sarpare,  salpare  it.,  wal.  sarpä,  sp.  pg.  zarpar,  fr.  serper  den 
anker  einziehen.  Muratori  erinnert  an  gr.  aonatuv  raffen,  reiften;  besser 
wäre  das  gleichfalls  vorhandene  e£aQ7za£eiv  herausreiften,  übertritt  des 
anlautenden  gr.  «£  oder  £  in  einfaches  s  kommt  auch  sonst  vor,  s.  saggio, 
garte,   sesta.    Der  grieeh.  Ursprung  ist  um  so  wahrscheinlicher,  da  auch 


282  I.   SARTE-SCACCO. 

der  Wdlache  das  wort  besitzt.  Aus  dem  verbum  entstand  sp.  zarpa  kralle, 
nach  Larramendi  ein  baskisches  wort. 

Sarte,  sartie  it.  (plur.),  altfr.  sarties,  sp.  xarcia,  xarcias,  pg.  en- 
xarcia  tauwerk;  vom  miüelgr.  i^cQviov  schiffsgeräthe  schon  bei  papst 
Zacharias  (8.  jh.)y  goQTtov  Gl.  gr.  barb.  s.  Ducange  s.  v.  enxarcia  und 
dessen  Voc.  graec.;  igaQtiov  aber  gebildet' aus  e^aQxiteiv  ein  schiff  aus- 
rüsten; das  roman.  feminin  scheint  auf  dem  griech.  pluräl  eu  ruhen. 
Ferrari  zieht  sarte  aus  sertus,  aber  die  form  sartie  würde  sich  daraus 
nicht  rechtfertigen  lassen. 

Satureja,  santoreggia  it.,  sp.  sagerida,  axedrea,  pg.  saturagem, 
segurelha,  cigurelha,  pr.  sadreia,  fr.  sarriette  ein  kraut,  saturei;  von  sa- 
tureja, frei  wie  andre  kräuternamen  behandelt. 

Sa  uro,  soro  it.  dunkelbraun,  pr.  säur,  fr.  saure  hellbraun  oder 
goldfarbig:  saurs  'color  aureus'  GProv.  44,  saura  'grisea*  d.  i.  chrysea  61, 
sors  comme  fin  ors  NFC.  I,  348.  Entstehung  aus  ex  auro  wäre  mit 
keinem  gleichen  falle  eu  belegen  und  hätte  ital.  richtiger  sciauro,  scioro 
abgesetzt.  Man  kennt  ein  mhd.  adj.  sör,  ndd.  soor,  engl,  sear  getrocknet, 
dürr,  woher  das  roman.  adjectiv  stammen  könnte.  Wie  kam  man  aber 
von  der  bed.  dürr  auf  die  bed.  bräunlich?  etwa  von  der  färbe  dürrer 
blauer  oder  versengtet  dinge  (engl,  sear  versengen)?  Frone,  hareng  säuret 
heiß  bücking,  getrockneter  oder  geräucherter  hering,  wohl  nicht  von  seiner 
goldfarbe,  sondern  weil  sich  hier  die  grundbedeutung  erhielt,  wie  dies  aiuch 
im  vb.  saurer  heringe  räuchern  d.  i.  bückinge  machen  der  faU  war,  vgl. 
die  entsprechenden  verba  ahd.  sauren,  sören,  ags.  seärian  dorren,  dörren, 
Ital.  soro  hat  auch  die  bed.  einfältig,  ursprüngl.  wohl  trocken,  saftlos,  wie 
sciocco  von  exsuccus.  —  Andrer  herkunft  aber  ist  pr.  eisaurar  in  die 
luft  erheben,  fr.  essorer,  daher  it.  sorare  auslüften,  flattern  lassen  (von 
falken  an  der  leine),  fr.  essor  aufschwang,  s* essorer,  pr.  s'eisaurar  sich 
aufschwingen,  gleichsam  exaurare  von  aura  luft:  neupr.  bedeutet  schon 
das  einfache  aurd  fliegen;  abgel.  it.  sciorinare  auslüften.  —  [Die  oben 
berührte  Verbindung  der  begriffe  dürr  und  braun  vermittelst  der  den  dürren 
blättern  eignen  färbe  unterstützt  Liebrecht  bei  Gachet  427a .  durch  hin- 
Weisung  auf  color  aridus  bei  Plinius  und  xerampelinus  bei  JuvencU. 
Mahn  weist  sauro  einen  andern  Ursprung  an,  vom  bask.  zuria,  churia 
weiß,  mit  rücksicht  auf  die  Verwandtschaft  dieser  färbe  mit  der  blonden; 
man  sehe  seine  Etym.  unters,  p.  16.  Noch  anders  urtheilt  Diefenbach 
darüber,  der  seinen  Ursprung  im  ländernamen  Syria  vermuthet,  Ztschr. 
f.  vergl.  sprachf.  XII,  79.] 

Scabino  it.,  üblicher  schiavino  (gli  schiavini  e  rettori  della  terra  Cr. 
Villani,  auch  bei  Fr.  Sacchetti),  sp.  esclavin,  fr.  6chevin  richter,  urtheüer. 
Deutsches  wort:  <üts.  scepeno,  ahd.  sceffeno,  sceffen,  nhd.  scheffen,  schöffe, 
von  schaffen  anordnen,  mlat.  scabinus  (wonach  das  unübliche  ital.  scabino 
geformt  ward),  dsgl.  scabineus,  scabinius  L.  Long.,  Gap.  Gar.  M.  Vgl. 
Grimm,  Rechtsalt  776. 

Scacco  it.,  sp.  xaque,  pg.  xaque,  pr.  escac,  fr.  6chec  Schachfigur 9 


I.   SCAGLIA-SCARAFAGGIO.  283 

Schachspiel;  vom  pers.  schäh  König,  als  hauptßgur.  Daher  fr.  ächiquier 
name  eines  gerichtshofes  in  der  Normandie  und  England,  van  dem  ge- 
scheckten boden  oder  tafeltuch,  adj.  £chiquet6  gescheckt,  geivürfdt.  Altfr. 
Ichec  in  der  bed.  raub,  pr.  escac  GO.,  scax  GRoss.,  comask.  scach,  geht 
auf  das  gleichbed.  ahd.  scäh  zurück,  das  auch  die  bed.  von  scacco  in 
sieh  begreift,  daher  unser  Schacher,  ahd.  scahari. 

Scaglia  it.,  äcaille  fr.  schuppe,  rinde,  schale;  vb.  scagliare, 
fcailler  abschuppen.  Die  herleitung  aus  squamula  wird  formell  durch 
kein  entsprechendes  beispid  gestützt.  Ein  buchstäblich  zutreffendes  etymon 
ist  unser  schale,  vb.  schälen,  ahd.  scalja  (?),  scaljan,  vgl.  goth.  skalja 
ziegd:  schuppen  und  ziegel  haben  das  ähnliche,  daß  sie  übereinander 
liegen.  Gleicher  herkunft  ist  fr.  öcale  nuß-  oder  eier schale,  pic.  Dealer 
aushülsen. 

Scalmo,  scarmo  it.,  sp.  escalmo,  escalamo,  neupr.  escaume,  fr. 
£chome  (m.)  ruderholz;  von  scalmus  dass. 

Scalogno  it.,  sp.  escalona,  fr.  Schalotte  eine  ort  zwiebeln,  Schalotte; 
von  caepa  ascalonia  zwiebel  aus  Ascalon. 

Scandaglio  it.,  sp.  escandallo,  pr.  escandalh  senkblei,  auch  alban. 
scantal^;  vb.  it.  scandagliare,  scandigliare,  sp.  escandallar,  pr.  es- 
candalhar,  escandelhar  mit  dem  senkblei  messen;  von  scandere,  vgl.mlat. 
scandilia  sprossen  der  leiter,  stufen,  wobei  man  annehmen  darf,  daß  die 
grade  an  der  senkschnur  bemerkt  waren.  Neupr.  vb.  escandaliä  bedeutet 
eine  tonne  eichen. 

Scandella  it.,  sp.pg^cat.  escandia  u.  a.  formen,  im  spätem  mlatein 
8candnla  feiner  weizen  oder  spelz;  nach  Menage  von  canterinum  hordeum 
pferdegerste,  was  nach  laut  und  begriff  übel  stimmt.  Es  kann  aus  Can- 
didas abgdeitet  sein,  mit  verstärktem  anlaut:  ebenso  ist  unser  weizen 
gleicher  tourzel  mit  weift  (Grimm,  Gesch.  d.  d.  spr.  63)  und  der  Spanier 
nennt  einen  weizen,  der  besonders  weißes  mehl  gibt,  candeal. 

Scappare  it.,  sp.  pg.  pr.  escapar,  fr.  6chapper,  wal.  seepä  ent- 
schlüpfen, altfr.  retten :  dieu  nous  escapera  DMce.  p.  118,  13.  288,  29. 
Es  ist  von  dem  rom.  cappa  mantd,  so  daß  es  eigentlich  heißt  aus  dem 
mantd  schlüpfen  (der  die  flucht  erschwert);  ähnlich  gr.  ey.dveo&ai  sich  aus* 
ziehen,  sich  davon  machen.  Für  das  gegentheil  von  scappare  hat  die 
üai.  spräche  incappare  hinein  gerathen.  Entstehung  aus  dem  synonymen 
scampare  retten,  sich  retten  (wofür  auch  einfach  campare),  altfr.  escam- 
per,  ist  nicht  wahrscheinlich,  da  der  ausfcdl  des  m  vor  p  zu  ungewöhnlich 
ist.  Dieses  hat  vielmehr  seinen  Ursprung  in  campus,  es  ist  =  ex- campare 
das  feld  räumen,  wogegen  sp.  escampar  nur  in  der  bed.  räumen,  leer 
machen,  das  gleichlaut.  pr.  cot.  wort  nur  in  der  bed.  verbreiten  (vgl.  es- 
passar  von  spatium)  üblich  geworden.  Man  sehe  bei  Grandgagnage  s.v.  haper. 

Scarafaggio  ü.,  sp.  escarabajo,  pr.  escaravai  käfer;  von  scara- 
baeus,  das  für  die  roman.  Wörter  eigentlich  die  ausspräche  scarabajus 
voraussetzt.  Ittü.  scarabone,  pg.  escaravelho,  pr.  escaravat,  fr.  escarbot 
fließen  leichter  aus  dem  gr.  axagaßog. 


/  \ 


n 


284  I.   SCARAMUCCIA— SCEMO. 

Scaramuccia,  schermugio  it.,  sp.  pr.  escaramnzo,  fr.  escarmouche 
gefecht  «wischen  Meinen  schaaren,  daher  unser  Scharmützel  Schneller  777, 
402.  Es  ist  eine  ableitung  aus  schermire  fechten,  ahd.  skerman,  und  «war 
dankt  die  erste  sübe  ihr  a  entweder  der  romanischen  Vorliebe  für  diesen 
vocod  oder  das  deutsche  und  rom.  wort  scara  hat  sich  hinein  verirrt. 
Ducange  u.  a.  fühlen  darin  eine  Zusammensetzung  scara-muccia  verborgene 
aus  dem  hinterhalt  hervorbrechende  schaar,  von  scara  und  fr.  masser  ver- 
stecken, was  aber  weder  der  bedeutung  zusagt  noch  der  form;  vgl.  mich 
das  synonyme  attfr.  escarm-ie,  das  offenbar  als  einfaches  wort  dasteht. 

Scarlatto  it.,  sp.  escarlate,  pr.  escarlat,  fem.  fr.  £carlate  Schar- 
lach, eine  färbe,  dsgl.  ein  stoff  von  dieser  färbe  (prov.  aitfr.  wohl  nur  in 
letzterer  bed.,  s.  Michel  zum  Ger.  de  Nev.  p.  169  und  glossar  zu  Benoit, 
dsgl.  Gachet  p.  165b);  vom  pers.  sakirlät  (Vullers  11,203"),  nach  Röster, 
Zur  etymologie  der  farbenbezeichnungen  p.  11,  ein  fremdwort,  muthmaßlich 
geformt  aus  dem  ländernamen  Sikelia  arab.,  denn  in  Siciiien  hatte  zur 
zeit  der  arab.  herrschaft  die  Jcunst  der  baumwollen-  und  seidengewebe 
einen  ungemeinen  flor  erreicht.  Eine  deutung  Heindorfs  aus  galaticus 
von  Galatia,  wo  man  den  coecus  am  besten  gewonnen  habe,  bemerkt 
Schwenck,  D.  wb.  555  note. 

Scarpa  it.,  sp.  escarpa,  fr.  escarpe  böschung,  abhang;  vb.  sp.  es- 
carpar  glatt  machen,  fr.  escarper  senkrecht  abschneiden.  Bedeutet  scarpa 
etwas  scharf  oder  spitz  zulaufendes,  so  darf  man  an  altn.  skarp,  ahd. 
scarf,  nhd.  scharf  erinnern.  Auch  it.  scarpa  in  der  bed.  schuh  (nach  dem 
spitz  zulaufenden  absatz  genannt),  worin  Muratori  ein  lat.  wort  carpis- 
culum  sieht,  kann  nur  hieher  zu  stellen  sein.  Von  scarpa  in  letzterer 
bedeutung  ist  it.  scappino,  aitfr.  escapin  Gar.  II,  112,  besser  sp.  es- 
carpin,  auch  aitfr.  escarpin  Roq.  socke,  pantoffd. 

Scarso  it.,  pr.  escars,  escas,  fr.  ächars,  sp.  escaso  knapp,  spärlich, 
karg,  ndl.  schaars,  engl,  scarce.  Das  frühere  ndatein  bietet  excarpsus  und 
scarpsns  als  partieip  von  excarpere/ör  excerpere,  welches  dann  bedeutet  €ins 
kleine  gebracht,  kurz  zusammengezogen,  daher  das  rom.  scarso.  So  meint 
Muratori  und  in  der  (hat  ist  ein  partieip  excarpsus  ganz  im  sinne  der 
neuen  sprachen,  da  sie  in  zusammengesetzten  verbis  gerne  den  wurzdvocal 
der  einfachen  festhalten  (excarpere  für  excerpere)  und  im  partieip  die 
form  sus  vor  der  form  tus  begünstigen  (it.  nascoso,  perso,  pr.  somos, 
sors  u.  a.).  Für  scarso  in  der  bed.  schmal,  schmächtig  sagt  der  Italiener 
auch  scarzo. 

Scartare  it.,  fr.  ^Carter,  sp.pg.  descartar  aus  der  karte  (dem  spiele) 
werfen,  überhaupt  absondern;  von  carta,  lat.  charta  (das  kartenspiel  seit 
dem  14.  jh.  erwähnt,  s.  z.  b.  Hoffmanns  Hör.  belg.  VI,  174).  Die  alte 
prov.  spräche  besitzt  nur  encartar  einregistrieren,  von  carta  in  anderm 
sinne,  fr.  Charte  document. 

Scellino  it.,  sp.  pr.  escalin,  fr.  escalin  eine  münze;  vom  goth. 
skilliggs,  ahd.  skilling,  nhd.  Schilling. 

Scemo  it.,  alt  semo  PPS.  II,  272,  piem.  pr.  sem  adjj.  verringert, 


I.   SCHELETRO-SCHIAVO.  285 

entkräftet;  vb.  it.  scemare,  piem.  seme,  pr.  semar  verringern  u.  s.  w., 
altfr.  seiner  absondern,  trennen  (mais  je  fereye  k  Karle  Tarne  da  cors 
semer  QFA.  v.  500,  vgl.  41),  in  Berry  semer,  sener,  cener  versehneiden, 
castrieren;  fr.  se  eherner  schwinden,  vom  it.  seemarsi.  Im  ältesten  mlatein 
findet  sich  bereits  semus,  simare,  in  der  L.  Liutpr.  scematio  Verstümme- 
lung. Bas  etymon  ist  semis  halb,  daher  auch  sp.  xeme  maß  eines 
halben  fußes,  die  grundbedetdung  des  verbums  ist  also  halbieren. 

Scheletro  it.,  esqueleto  sp.,  squelette  fr.  (m.)  gerippe;  von  oxe- 
letog  ausgetrocknet. 

Schermo  it.  schirm;  vb.  it.  sohermire,  sp.pg.  esgrimir,  pr.  altfr. 
escrimir  fechten;  vom  ahd.  skirm,  skerm  Schild,  schütz,  vb.  skirman 
(skirmjan  wäre  den  rom.  formen  angemessener),  bair.  mit  umgestelltem  r 
schremen.  Dsgl.  it.  sehermare,  cot.  esgrimar,  fr.  escrimer;  sbst.  it. 
scherma,  scrima,  sp.pg.  eögrima,  pr.  escrima,  fr.  eserime  fechtkunst. 

Scherno  it.,  sp.  escarnio,  pg.  escarnho,  pr.  esquern,  altfr.  eschern 
spott;  vb.  it.  schernire,  sp.pg.  escarnir,  pr.  es^uemir,  escarnir  (escar- 
nitz  <densus  GProv.  52* ,  lies  'derisus'),  altfr.  eschernir,  eseharnir  ver- 
spotten; vom  ahd.  sk6rn  Spötterei,  skgrndn  verspotten,  skirno  possenreißer. 
Das  ursprüngliche  i  zeigt  die  prov.  form  schirnir  Chx.  V.  136,  wie  auch 
die  geschlossene  ausspräche  des  itai.  e  darauf  hinweist.  Ennius  hat  carT- 
nare  schimpfen,  woneben  man  excarinare  annehmen  dürfte,  allein  theäs 
die  wenig  übliche  Schwächung  des  a  in  e  und  i,  theils  die  abweichende 
conjugationsform,  theils  selbst  die  bedeutung  entscheiden  dagegen. 

Sc-hiantare  it.  zersprengen,  zerschlitzen,  abreißen,  pr.  esclatar,  fr. 
fclater  zerspringen,  ausbrechen;  sbst.  it.  schianto,  fr.  6clat  riß,  schlitz, 
ausbrach,  knall;  daher  ven.  schiantizare  blitzen.  Man  darf  die  ital.  und 
franz.  worter  getrost  zusammenstellen:  schiantare,  wofür  auch  wohl  schiat- 
tare  gesagt  wird  (s.  Älberti,  sie.  scattari  für  schiattari  wie  seavu  für 
schiarn,  piem.  sciatö),  verhält  sich  mit  seinem  eingeschobenen  n  zu  äclater 
wie  lontra  zu  loutre:  somit  ist  die  deutung  des  ersteren  aus  dem  begrifflich 
Übel  passenden  explantare  aufzugeben.  Esclatar  aber  geht  regelrecht  hervor 
aus  dem  ahd.  skleizen  für  sleizen  zerreißen,  spalten,  wie  altfr.  esclier  aus 
ahd.  slizan.  Was  dem  Franzosen  äclater,  das  ist  dem  Spanier  estall  ar, 
pg.  estalar,  mit  r  verstärkt  estralar;  es  könnte  aus  eslatar  umgestellt  sein  und 
somit  auch  hieher  gehören,  doch  läßt  sich  kein  ganz  analoger  fall  beibringen. 

Schiatta  it.,  pr.  esclata,  altfr.  esclate  geschlecht,  ort;  vom  ahd. 
8lahta  mit  gl.  bed.,  nhd.  ge-schlecht. 

Schiavo  it.,  sp.  esclavo,  pg.  escravo,  pr.  esclau,  fr.  esclave  (un- 
organisch für  talou,  altfr.  esclo-s,  auch  escla-s  Roquef  I,  638*);  vom 
dtschen  sklave  für  slave,  eigentl.  kriegsgefangener  Slave,  wie  ags.  vealh 
sowohl  Walscher  wie  sklave  heißt;  das  eingeschobene  c  schon  in  den 
Schleust,  glossen  29,  49  Sclavus  c  WinW  (Wende) ,  aber  sard.  (logud.) 
ohne  c  ißlavu.  Abgel.  it.  schiavina,  sp.  esclavina,  altfr.  esclavine, 
mhd.  slavente  grober  pägerrock;  ursprüngl.  sUavenrock?  nach  Muratori, 
Ant.  ital.  II,  420,  von  den  Slaven  verfertigter  rock. 


286  I.  SCHIENA— SCIAME. 

Schiena  it.,  ven.  piem.  romagn.  sard.  schina,  sp.  esqnena,  pr.  es- 
quena,  esquina,  fr.  6chine  rückgrat.  Auf  die  bekannte  herleitung  aus 
spina  wird  man  verzichten  müssen,  da  sp  wenigstens  im  westen  nicht  in 
sq  ausartet.  Führt  man  es  dagegen  auf  das  ahd.  skinä  nadd,  Stachel 
Graff  VI,  499,  wie  lat.  spina  dorn  und  rückgrat  heißt,  so  erklärt  sich 
zugleich  die  schwankende  darstdlung  des  Stammes  (e,  i),  wogegen  I  in 
spina  nicht  wohl  in  e  ausarten  konnte.  Ital.  schiniera,  sp.  esqninela 
beinharnisch  schließen  sich  dagegen  offenbar  dem  ahd.  skina,  skena  röhre, 
bein  an,  woher  auch  wallon.  hene. 

Schiera  it.,  esqneira  pr.,  eschiere  altfr.  dbtheilung  eines  heeres; 
vom  ahd.  scara  (passender  wäre  eine  form  scarja),  nhd.  schaar.  Vb.  pr. 
escarir,  altfr.  escharir  Parton.  I,  6  zutheüen,  abtheilen,  absondern,  miat. 
scarire  bestimmen,  pr.  escarida,  altfr.  escherie  loos,  Schicksal;  beide  vom 
ahd.  scarjan,  skerjan  ordnen,  zutheilen.  Gleichbedeutend  mit  esqneira 
ist  pr.  escala,  altcat.  eschala  Chr.  d'Esel.  cap.  5,  altfr.  eschiele,  entstellt 
aus  scara,  wiewohl  es  buchstäblich  das  lat.  scala  (leiter)  ausdrückt?  Aus 
schiera  läßt  Ferrari  auch  it.  scherano  Straßenräuber  entspringen. 

Schifo  it.,  sp.  pg.  esquife,  fr.  esquif  boot;  vb.  altfr.  esqniper 
ein  schiff  ausrüsten  (sich  einschiffen  TGant.  p.  34,  11),  nfr.  äqniper  iiber- 
haupt  ausrüsten,  ausstatten,  sp.  esqnifer,  esquipar  dass.;  vom  ahd.  skif, 
goth.  ags.  altn.  skip,  scip,  daher  das  schwanken  stoischen  f  und  p.  Dsgl. 
altfr.  eschipre  schiffmann  LRs.  271,  eskipre  Trist.  II,  p.  75,  vom  ags. 
sciper,  altn.  skipari  =  nhd.  Schiffer. 

Schinma  it.  (mit  eingeschobenem  i  =  1,  Rom.  gramm.  I,  344, 
mundartl.  scuma,  sgnma),  sp.  pg.  pr.  escnma,  fr.  6cume  schäum;  ahd. 
scfim,  nord.  sküm  (fehlt  goth.  und  ags.),  gael.  sgüm,  ciban.  s'cnme. 

Schivare,  schifere  it.,  sp.pg.  esquivar,  fr.  esquiver,  alt  auch  esehi- 
ver,  chw.  schivir  meiden,  verschmähen;  vom  ahd.  skinhan,  nhd.  scheuen,  mit 
consonantierung  des  u  eu  v  und  ausfall  des  h.  Adj.  it.  schivo,  schifo, 
sp.  esqnivo,  pr.  esqnin,  altfr.  eschin,  chw.  schiv  spröde,  vom  adj.  sehen. 

Schizzo  it.,  daher  wohl  sp.  esquicio,  fr.  esqnisse  (f.)  erster  ent- 
wurf,  skissze;  von  schedinm  *aus  dem  Stegreif  gemacht9,  bei  Apulejus,  gr. 
oxiStog;  vb.  oxediäCeiv  hinsudeln,  it.  schizzare/f.  Auffallen  muß  ifüre, 
schizzo  für  schezzo;  aber  auch  miat.  schrieb  man  seida/wr  scheda,  indem 
man  scindere  und  oxiörj  im  sinne  hatte. 

Sciabla,  sciabola  it.,  ven.  sabala,  sp.  sable,  fr.  sabre  eine  waffe, 
säbel.  Das  wort  ist  später  und,  wie  es  scheint,  wenigstens  insfram.  zu- 
nächst aus  dem  deutschen  eingeführt,  aber  auch  hier  fremd,  übrigens  vielen 
sprachen  gemein,  ungr.  szablya,  serb.  säblja,  wal.  säbie  u.  s.  w.,  nach 
Frisch  II,  139  vom  mittdgr.  Caßog  krumm. 

Sciame,  sciamo  it.,  sp.  enxambre,  pg.  enxame,  pr.  eissam,  fr. 
essaim  bienenschwarm;  von  examen;  vb.  fr.  ächemer  vrlt.,  lat.  examinare 
schwärmen,  in  dieser  bedeutung  vorclassisch.  In  der  dassischen  bed.  Unter- 
suchung und  untersuchen  sind  beide  Wörter  in  buchstäblicher  gestalt  ins 
romanische  eingeführt  worden. 


I.   SCIAMITO-SCORCIARE.  287 

Sci&mito  it.,  sp.  xamete,  pr.  altfr.  samit  ein  Seidenstoff,  sammet; 
vom  nrittdgr.  ei-a/itiTog,  ^aurjTog  sechsfädemig. 

Sciarpa,  ciarpa  it.,  sp.  charpa,  aas  dem  fr.  öcharpe  binde,  gürtel, 
daher  auch  mndl.  scaerpe,  nhd.  schärpe.  Bei  den  Alten  hieß  escharpe, 
escherpe,  escerpe  auch  die  dem  pilger  um  den  hals  hängende  tasche, 
s.  Sax.  II,  123,  Og.  6888,  Par.  la  duch.  p.  7,'  8,  Ren.  II,  69,  Kuteb. 
II,  26,  und  vermuthlich  ist  die  bed.  binde  erst  daraus  abgeleitet.  Tasche 
heißt  auch  das  ahd.  scherbe,  das  niederrhein.  schirpe,  das  ndd.  schrap 
Brem.  wb.,  so  daß  dem  worte  doch  wohl  deutscher  Ursprung  zukommen 
wird:  das  pr.  escharpir  zerreißen  gewährt  keinen  passenden  begriff.  Ein 
diminutiv  von  öcharpe  ist  vielleicht  esca reelle  (für  escarp-celle)  bügd- 
tasche,  daher  sp.  escarcela,  it.  searsella,  nach  andern  aber  vom  it.  scarso 
sparsam,  da  es  in  dieser  spracht  geldtäschchen  heißt;  scarpsella  schreibt 
ein  Wörterbuch  des  16.  jh.  Dief.  Gloss.  lat.  germ.  103h. 

Scimitarra  it.,  sp.  eimitarra,  pg.  auch  samitarra,  fr.  eimeterre 
(m.)  kurzer  säbel.  Es  soll  morgenländischen  Ursprunges  sein.  Ein  ähn- 
liches wort  fuhrt  allerdings  Suidas  an:  oaftiprJQai  ona&ai  ßaQßaQixal,  aber 
weder  daraus  noch  aus  dem  pers.  schiraschfr  konnte  es  entstehen.  Ist 
Spanien  seine  heimath,  so  verdient  Larramendi's  deutung  aus  bask.  eime- 
terra  'der  von  der  feinen  schneide'  alle  rücksicht. 

Sciringa,  seilinga  it.,  sp.  siringa,  xeringa,  pr.  siringua,  fr.  gerin- 
gue  spritze;  von  syrinx  röhr,  rohrpfeife. 

Scirocco,  sciloeco,  siroeco  it.,  sp.  siroco,  xiroqtte,  xaloque,  pg. 
xaroeo,  pr.  fr.  siroe  Südostwind;  vom  gleichbed.  arab.  schoruq  (scharq 
asten)  Freyt.  II,  415*. 

Seoglio  it.,  sp.  eseollo,  pg.  gleichlaut.,  pr.  escuelh,  fr.  6cueil  fels, 
Hippe;  von  scopulus. 

Scojattolo  it.,  sp.  pg.  esquilo,  arag.  esquirol,  pr.  escurol,  fr. 
fcureuil  eichhorn,  eiclihörnchen,  von  sciurus,  sciurulus,  mlat.  squiriolus 
Gl.  Bonn.  Die  hinneigung  zur  diminution,  veranlaßt  durch  die  niedlich- 
keit  des  thieres,  ist  unverkennbar.  Um  das  ungewohnte  iu  zu  beseitigen, 
sprach  man  theils  seuirus  (daher  esquirol,  escurol),  theils  scurius  (daher 
scoj-att-olo):  so  kam  es,  daß  sei  in  diesem  worte,  vielleicht  ohne  einfluß 
des  gr.  axlovQog,  woraus  aber  doch  das  sard.  schirru  (marder)  entstanden 
scheint,  die  bekannte  pdtatale  ausspräche  nicht  annahm.  Zahlreiche  mittei- 
lest. Varianten  dieses  wortes  bei  Diefenbach,  Gloss.  lat.  germ.  p.  64c.  Der 
üblichere  span.  ausdruck  ist  ardilla  IL  b. 

Scorbuto  it.,  sp.  pg.  escorbuto,  fr.  scorbut  eine  krankheit;  vom 
ndd.  schorbock,  ndl.  scheurbuik  =  nhd.  scharbock,  über  deren  etymo- 
logie  s.  Frisch  II,  220* . 

Scorciare  it.,  sp.  escorzar,  altfr.  escorcer,  eseoursser  kürzen,  in 
letzterer  spräche  auch  ein  kleidungsstück  auf  gürten,  noch  jetzt  wall,  hörst 
für  neufr.  trousser;  von  curtus,  wie  hausser  von  altus.  Aus  dem  verbum 
das  sbst.  it.  scorcio,  sp.  eseorzo  kürzung,  altfr.  escors,  escuers  schooß 
des  kleides,  dsgl.  des  korpers,  gremium,  noch  pic.  öcour  Hec.    Die  franz. 


288  I.   SCORZA-SCROCCO. 

Wörter  begegnen  hier  in  überraschender  weise  unsern  deutschen  nicht  ent- 
lehnten schürzen  und  schürz,  stimmen  cäter  buchstäblich  zu  den  romanischen 
und  können  ihre  zweite  bedeutung  recht  wohl  sich  selbst  verdanken. 

Scorza  it.,  wal.  scoartze,  pr.  escorsa,  fr.  6corce  rinde  der  bäume, 
schale  des  obstes,  scorzia  lrinta  bereits  in  dem  Voc.  SGatt.;  vb.  it.  scor- 
zare,  pr.  escorsar,  fr.  6corcer.  Die  entstehung  des  Wortes  läßt  sich  ver- 
schieden auffassen.  Es  kann  herrühren  aus  scortea  (mit  assimiliertem  t) 
ledern:  leder  und  rinde  werden  oft  durch  dasselbe  wort  ausgedrückt,  und 
was  die  herkunft  aus  einem  adjectiv  betrifft,  so  ist  dies  bei  dem  synony- 
men corteccia  genau  derselbe  fall.  Auch  entstehung  von  scorza  und  scor- 
zare  aus  cortex  mit  vorgefügtem  s  ist  gedenkbar:  das  s  des  Substantivs 
könnte  seinen  grund  haben  in  dem  des  verbums,  welches  letztere  sich  aus 
ex-corticeare  erklärt;  eine  andre  bildung,  excorticare,  ward  oben  unter 
corteccia  erwähnt.  Diese  etymologie  hält  sich  genauer  an  den  begriff  als 
die  erstere. 

Scorzonera  it.,  sp.  escorzonera,  fr.  scorson&re  eine  pflanze,  haber- 
wurz.  Zwei  deutungen  kommen  in  er  wägung.  Vom  it.  scorzone  eine  art 
giftiger  schlangen  (s.  escnerzo  IL  b),  weil  man  die  pflanze  gegen  den 
Schlangenbiß  für  heilkräftig  hielt;  es  entspräche  genau  dem  lat.  serpen- 
taria.  Aber  unzweifelhaft  wäre  alsdann  die  richtige  form  scorzoniera. 
Oder  das  wort  wäre  zsgs.  aus  scorza  nera  entsprechend  dem  deutschen 
Schwarzwurz:  dann  ist  nicht  abzusehn,  warum  die  spräche  den  Maren 
ausdruck  verdunkelt  haben  sollte.  Man  mochte  wohl  zuerst  scorzoniera 
(schlang envourz)  gesagt,  nachher  niera  in  nera  umgedeutet  haben. 

Scotta  it.,  sp.  pg.  escota,  altfr.  escota  Brt.  II,  141  ein  tau,  womit 
man  die  segd  anzieht  oder  schießen  läßt ;  vom  schwed.  skot,  nhd.  schote, 
ndl.  schoot,  dies  von  schiefsen,  schieten. 

Scott o  it.,  sp.  pg.  escote,  pr.  escot,  fr.  £cot,  mlat.  scotum  zeche, 
dsgl.  Steuer.  Es  trifft  zusammen  mit  nhd.  schofe  {von  schiefsen?),  oÖ- 
fries.  skot,  engl,  scot,  shot,  so  wie  mit  dem  gleichbed.  altgael.  sgot  (Leo, 
Malb.  glosse  II,  p.  3).  Das  fr.  6  c  o  t  baumstrunk  ist  offenbar  vom  ahd. 
scuz,  woher  auch  scazling,  nhd.  schöfsling;  so  vielleicht  auch  pr.  escot-z 
%gnum  parvum  acutum'  GProv.  57*. 

Scrocco  it.  Schmarotzer,  fr.  escroc  gaudieb,  strolch,  listiger  betrü- 
get, und  so  maü.  scroch  spitzbübe,  chw.  scroc  wicht;  vb.  it.  scroccare 
schmarotzen,  sard.  iscroccare  wegschnappen,  fr.  escroqaer  prellen.  Man 
leitet  es  aus  dem  fr.  croc  haken,  so  daß  escroqaer  mit  dem  haken  heraus- 
ziehen hieße,  aber  mit  unrecht,  theils  weil  crocco  dem  Italiener  fehlt,  denn 
das  vereinzelte  neap.  crocco  kann  dem  franz.  entnommen  sein,  scrocco 
aber  mit  seinen  vielen  Ölleitungen  in  Italien  heimischer  scheint  als  in 
Frankreich,  theils  weil  man  franz.  statt  escroqaer  eher  £crocher  (wie 
accrocher)  gesagt  hoben  würde.  Escroc  ist  ohne  zweifei  identisch  mit  ndl 
schrok  vielfraß,  dem  das  niederrhein.  schroh  mager  (hungrig?)  Schmeller 
III,  609  zur  noth  entsprechen  könnte,  allein  das  ndl.  wort  kann  aus 
Frankreich  eingebracht  sein.     Unbedenklich  von  Seiten  der  form  und  im 


I.   SCUOTERE— SEGALE.  289 

einJdang  mit  dem  begriffe  würde  man  es  dagegen  auf  unser  schurke,  ahd. 
scargo  zurückführen,  dem  die  ital.  form  scorcone  (bei  Veneroni)  noch 
näher  tritt.  Schlacker,  schlucken  liegen  buchstäblich  schon  etwas  mehr  ab, 
da  ahd.  sl  sich  nicht  in  scr  umbilden  läßt. 

Scaotere  ü.7  pr.  escodre,  dttfr.  escorre,  escourre  schütteln,  ab- 
schütteln, losmachen,  von  excatere;  sbst.  it.  scossa,  pr.  escossa  (escosa 
LR.),  fr.  escousse  erschütterung  u.  dgl.,  vom  partic.  excussa.  Zsgs.  it. 
ri scaotere,  pr.  rescodre,  altfr.  rescorre,  neufr.  recourre  wieder  los- 
machen, einlösen,  von  re-excatere;  sbst.  it.  ri  scossa,  pr.  rescossa,  fr. 
recousse  Wiedereinlösung.  Dahin  auch  pr.  gecodre,  altfr.'  secorre?  (pc. 
secous),  nfr.  secouer,  sp.  sacudir,  lomb.  secudi,  chw.  saccader  schütteln, 
von  saccutere,  das  auch  {zugleich  mit  excatere)  im  it.  scaotere  enthalten 
ist;  sbst.  fr.  secoasse  erschütterung. 

S  curia  da  it.,  fr.  6coarg6e  (aus  escouriäe),  norm,  courgäe  peitsche, 
geissei,  daher  engl,  scoarge  und  wohl  auch  sp.  zarriago;  aus  excoriata 
sc.  scutica,  aus  leder  bereitete  geissei,  wie  Muratori  lehrt.  Das  franz. 
wort  trifft  übrigens  buchstäblich  eben  sowohl  mit  it.  scoreggiata  {von  cor- 
rigia)  zusammen. 

Secchia  it.,  pg.  pr.  selha,  altfr.  seille,  dsgl.  masc.  it.  secchio, 
pr.  seih  eimer,  gelte;  von  situla  sit'la,  euphonisch  sicla  z.  b.  L.  Alam., 
siccla  'einpar  (eimer)  Gl.  Cass.,  masc.  siclus  Gap.  Gar.  M.  Abgd.  maü. 
sidell,  com.  sedell,  altfr.  s6el,  nfr.  seau  mit  gl.  bed.,  fem.  maü.  sidella, 
com.  sedela,  lat.  sitella;  sedella  <ampr%  (d.  i.  eimberi)  Gl.  Cass.  Dem 
Spanier  scheint  das  wort  ganz  abzugehn;  man  vermuthet  es  in  acetre 
Schöpfeimer,  für  acetle  =  sltulus,  wovon  sich  das  altsp.  celtre  aber  weiter 
entfernt;  Engelmann  gibt  dem  span.  wort  als  etymon  arab.  al-sa'tl  assa'tl 
kleiner  napf,  dies  vom  pers.  satil. 

Sädano  it.,  ven.  seleno,  comasJc.  selar,  piem.  seier  u.s.w.,  fr.  cÄleri 
eine  pflanze,  seUeri;  von  aiXtvov  eppich  im  spätem  griech.  aber  auch  mit 
den  roman.  Wörtern  gleichbedeutend.    Span,  apio  dalce. 

Sedio,  seggio,  sedia,  seggia  it.,  fr.  stäge  (m.)  sitz,  sessel,  zsgs.  it. 
assedio,  asseggio,  sp.  asedio,  Belagerung,  wofür  auch  pr.  setje,  fr.  siöge; 
vb.  it.  assediare,  sp.  asediar,  pr.  asetjar,  fr.  assiäger,  altfr.  auch  segier 
Rq.  belagern.  Unmittelbare  dbstammung  des  einfachen  sedia  oder  sedio 
vom  lat.  sedes  vermittelst  des  adjectivsufßxes  ius,  ohne  wandet  des  begriffes, 
wäre  ein  höchst  seltener,  schwer  anzunehmender  Vorgang.  Die  einseitige 
nur  das  franz.,  nicht  das  ital.  wort  befriedigende  deutung  aus  einem  selbst- 
geschaffenen  attlat.  sedica  (wie  pi£ge  aus  pedica)  ist  noch  entschiedener 
abzulehnen,  s.  Rom.  gramm.  17  29,  note.  Wohl  aber  scheint  das  aus 
obsidiam  mit  vertauschtem  präfix  gebildete  assedio  die  form  sedio  her- 
vorgerufen zu  haben.     Über  sp.  sitio  s.  II.  b. 

Sägale,  s£gola  it.,  cot.  s£gol,  pr.  segael,  fr.  seigle  (m.),  wal. 
sec4re,  auch  bask.  cekharea  roggen;  von  secale  dass.,  mlat.  sigala  Gl. 
Flor.' 990*,  sigilam  Hattemer  I,  308a,  sido  296s.  Dem  lat.  nur  aus 
nachweislichen  worte  wird  langes  a  zuerkannt;   die  betonung  der 

19 


290  I.   SEGNO— SEMBRARE. 

ersten  silbe  aber  muß  frühe  aufgekommen  sein,  da  sie  fast  gemeinromanisch 
ist  und  auch  aus  den  alten  mlatein.  Zeugnissen  hervorgeht. 

Segno  dUit.,  pg.  sino,  altcat.  seny  Chr.  d'Escl.  687h,  pr.  cenh, 
chw.  senn  glocke;  von  Signum,  in  dieser  bedeutung  schon  im  frühen  mlatein, 
daher  auch  bask.  ceinua.  Vgl.  tocsin  II.  c.  AUfr.  durch  umdeutung 
entstellt  in  seint,  saint,  weil  die  glocken  namen  (von  heiligen)  empfiengen. 

Segagio  it.  Spürhund,  mail.  saus,  savüs,  piem.  sus,  in  derL.Sal. 
und  Alam.  sigusius,  siusius,  seusius,  in  der  L.  Burg,  segutius,  in  der 
L.  Bajuv.  canem  seucem,  quem  leitihunt  vocant,  vgl.  die  glossen  bei 
Graff  Fi,  282  jagahunt  'siuso*,  si  secutor  diceremus,  und  jagahant  'siusi, 
secutor3.  Auf  franz.  gebiet  scheint  sich  das  wort  nicht  zu  finden,  dagegen 
läßt  es  sich  in  dem  räthselhaßen  sp.  sabueso,  pg.  s&bujo  wiedererkennen, 
welches  sehr  wohl  aus  sausius  mit  eingeschobenem  hiatustilgenden  b  =  v 
(sabusius,  vgl.  das  mail.  savus)  und  versetztem  i  (sabuiso,  sabueso)  ent- 
stehen konnte;  es  findet  sich  sogar  ein  ndat.  sebusius.  Sehr  abweichend 
gestaltet  ist  das  bei  Juan  Manuel  (Gayangos  p.  248b)  einmal  vorkommende 
span.  sabejo,  in  seiner  endung  ejo  vermuthlich  andern  thiernamen  an- 
gemodelt.  Ableitung  aus  dem  partic.  secutus  ist  grammatisch  unstatthaft. 
MiÜlenhoff  zur  L.  Sal.  p.  293  hält  das  wort  für  fränkisch  und  schreibt 
sgusius  d.  i.  siusius,  mit  eingeschobenem  g  sigusius,  mhd.  süse,  vom  vb. 
süsen  Stridore,  ahd.  siusjan,  nhd.  sausen,  eine  deutung,  die  nicht  frei  ist 
von  zweifei.  Räumt  man  auch  ein,  daß  im  mlatein  diphthonge  durch 
consonanteinschiebung  zertheilt  werden  konnten  (was  aber  attsAgetius  für 
A&tius  noch  nicht  hervorleuchtet,  da  die  einschiebung,  wie  in  grugem  für 
gruem,  hier  dem  hiatus  gilt),  so  findet  dies  auf  die  lebende  spräche  schwer- 
lich anwendung,  die  kein  beispiel  einer  solchen  behandlung  der  diphthonge 
kennt.  Denn  wenn  triuwa  tregua  ward,  so  vertritt  gu  hier  das  ahd.  w 
und  das  ital.  wort  weist  zunächst  auf  die  form  triwa;  suso  mußte  it. 
suso  oder  susone  lauten.  Übrigens  möchte  auch  die  bed.  sausehund 
nicht  passend  gewählt  sein  für  einen  leit-  oder  Spürhund,  bei  dem  die 
Schnelligkeit  gewiß  nicht  das  Hauptmerkmal  abgibt.  Ferrari  u.  a.  vermu- 
then  auf  den  städtenamen  Segusium,  Susa  in  Piemont,  und  diese  ver- 
muthung  ist  nicht  zu  weit  abzuweisen,  da  die  namen  der  hunderacen 
häufig  geographische  sind,  der  buchstabe  hier  aber  kein  bedenken  macht. 
Aus  segusius  für  segusianus  entsprang  durch  abkürzung  seusius  (vgl. 
valle  seusia  =  valle  di  Susa  in  einer  Urkunde  v.  j.  880  HPMon.  J, 
n.  37,  altfr.  Seüse  GRoss.  Mich.  p.  296),  durch  umdeutung  segutius;  in 
der  piem.  form  hielt  der  name  des  hundes  gleichen  schritt  mit  dem  der 
Stadt,  während  die  Schriftsprache  an  der  alten  form  festhielt.  Kein  Zeug- 
nis gibt  es  freilich  für  den  segusischen  hund,  aber  damit  ist  dieser  elymo- 
logie  wenig  abbruch  gethan.  Das  sp.  galgo  z.  b.  führt  buchstäblich  auf 
gallicus:  hier  erhielt  uns  der  zufall  ein  bestätigendes  Zeugnis,  wie  er  es 
dort  versagt.  Covarruvias  bemerkt,  die  race  stamme  aus  Savoyen,  was  er 
aber  aus  dem  worte  (sabueso)  erst  gefolgert  haben  mag. 

Sem b rare,   sembiare  it.,   sp.  pr.  semblar,   fr.  sembler  gleichen, 


L   SEMOLA-SENSALE.  291 

scheinen;  von  similare,  simulare  ähnlich  machen,  nachahmen.  Abgel.  it. 
sembiante,  sp.  sembiante,  pr.  semblan,  fr.  semblant  ansehn,  miene; 
tsgs.  it.  assembrare,  assembiare,  5p.  pr.  asemblar,  fr.  assembler  ver- 
sammeln, lat.  assimilare,  assimalare,  aber  mit  zurückführung  desselben 
auf  die  bedeutung  von  simul,  wie  dies  schon  im  frühsten  mlatein  geschah; 
it.  rassembrare,  sp.  pr.  resemblar,  fr.  ressembler  ähnlich  sein.  Aus 
dem  adj.  similis  leitete  man  mit  Beobachtung  des  ableitungsvocäls  i  (wie 
tu  graviare  cet.)  it.  simigliare,  somigliare,  sp.  semejar,  pr.  semelhar 
gleichen,  scheinen,  eigentt.  gleich  machen  und  darum  auch  mit  dem  accus, 
construiert. 

Slmola  it.  sp.,  semonle  fr.,  altfr.  noch  simmle  RMont.  312,  38 
mehUdeien,  mehUcüglein;  von  simila  Weizenmehl,  woher  unser  semmel. 

Sena  it.,  sena  und  sen  sp.,  senne  pg.,  ^6n6  fr.  senesstaude;  vom 
arab.  sena. 

Senda  sp.  cot.  pfad,  von  semita;  it.  sentiero,  sp.  sendero,  pr. 
semdier,  sendieira,  fr.  sentier  dass.,  von  semitarius. 

Senno  it.,  altsp.  altpg.  senZfc.,  Alx.,  Mar.Egipc,  Trov.,  pr.  altfr. 
chw.  sen,  cot.  seny  verstand,  neufr.  erloschen  oder  besser,  in  sens  (sensus) 
aufgegangen,  weiches  wort  auch  in  erwägung  der  beiden  accusativformen 
sen  und  sens,  im  altfranz.  und  prov.  fortdauerte;  vom  ahd.  sin  mit  ders. 
bed.,  nhd.  sinn.  Abgel.  altsp.  s e n ad o ,  pr.  senat,  altfr.  sen6  mit  verstand 
begabt,  nfr.  nur  fbr-cen6  =  it.  for-sennato  unsinnig  (forcener  mit  c 
schon  altfr.,  wie  RCam.  p.  248),  sbst.  for-sen  NF.  I,  22.  —  Prov.  und 
frone,  erfüllt  sen  oder  sens  auch  die  bed.  art  und  weise  (wie  das  begriffs- 
verwandte  mente  in  den  adverbien):  pr.  a  nulh  sen  auf  keine  weise  (in 
keinem  verstände)  Chx.  Ill,  366;  en  nnl  senz  n'en  nule  maniere  Dolop. 
p.  63.  Etwas  anders  scheint  es,  wenn  fr.  sens  in  der  sinnlichen  bed. 
seite  eines  dinges  angewandt  wird,  wie  in  ä  tous  les  quatre  sens  auf 
allen  vier  seilen,  auch  schon  prov.  bei  B.  von  Ventadour  baizera  'lh  la 
bom  de  totz  seinhs  Chx.  III,  54  {vor.  cens).  Man  konnte  etwa  durch 
die  ver Standeshandlung,  welche  einen  gegenständ  von  verschiedenen  Seiten 
bärachtet,  sich  haben  verleiten  lassen,  einer  solchen  seite  selbst  den  namen 
verstand  beizulegen,  wenigstens  ist  unser  deutsches  cin  jedem  verstände*  so 
viel  als  <von  jeder  seite  betrachtet*,  und  den  ausdruck  auch  auf  körper- 
liche dinge  auszudehnen.  *  Dieser  erldärung  würde  das  mhd.  sin  zu  hülfe 
kommen,  welches  gleichfalls  verstand  und  seite  bedeutet :  in  vier  sinnen  ist 
=  k  tous  les  quatre  sens.  Indessen  scheint  dieses  sin  entstellt  aus  älterem 
sint,  welches  reise,  weg,  richtung  heißt,  also  der  bed.  seite  ziemlich  nahe 
liegt,  z.  b.  in  allen  sint  tes  himiles  *undique\  Es  wäre  also  hier  die 
frage,  ob  dieses  ahd.  sint  auf  die  bedeutung  des  fr.  sens  eingewirkt  habe? 
Roquefort  verzeichnet  ein  dem  ahd.  warte  entsprechendes  sen  'chemin, 
sentier,  voie',  fügt  aber  keinen  beleg  bei. 

Sensale  it.,  fr.  censal,  pr.  cessal  mokier;  aus  censualis  einnehmer, 
vgl.Papias:  censnales  sunt  officiales,  qui  censum  per  provincias  exigunt. 
Dafür  ist  Adelung.    Golius  p.  1213  hat  arab.  simsar  proxeneta,  und  halt 


292  L   SENTAEE-SERGENTE. 

dies  für  das  etymon  des  it.  senzale,   das  eeugnis  dam  ist  aber  erst  aus 
dem  14.  jh. 

S  entare  it.  (mdartl.  z.  b.  trient.  comask.),  sp.  pg.  pr.  sentar  (letz- 
teres nur  im  pari,  gentat)  setzen;  participialverbum  von  sedere  sedens. 
Zsgs.  iL  assentare,  sp.  pg.  asentar,  altfr.  assenter  Bert.  p.  160,  sbst. 
sp.  asiento  sitz. 

Sentinella  it.,  sp.  centinela,  fr.  sentinelle  schildwache;  vom  it. 
sentire  hören,  wie  das  gleichbed.  scolta  von  scoltare.  So  behaupten  Vossius 
u.  a.  Allein  es  fehlt  das  mittdglied,  da  doch  sent-in-ella  abzutheüen 
wäre.  Man  wird  darum  Galvanis  deutung  berücksichtigen  müssen  Arch. 
stör.  ital.  XIV,  361.  Hiernach  ist  es  von  sentina,  wie  man  den  untersten 
Schiffsraum  nannte,  der  wegen  des  eindringenden  wassere  beständig  gehütet 
werden  mußte;  ein  solcher  hütet  hieß  sentinator.  Von  der  flotte  gieng 
das  wort  über  auf  das  heer. 

Senza  it.,  früher  auch  sanza,  neupr.  senso,  aUsp.  sines  PC,  Alx^ 
altpr.  genes,  gens,  ses,  altfr.  seng,  nfr.  sang,  daneben  die  ursprüngliche 
form  altit.  sen  PPS.  1,  201,  oft  bei  Brunetto  Latini,  sp.  sin,  pg.  gern, 
pr.  gen  Pass.  de  J.  C.  89;  präposition  vom  lat.  sine,  mit  angefügtem  s 
geneg,  seng,  hieraus  mit  euphonischem  vocalauslaut  it.  senza  für  gensa  wie 
raanzo  für  manso  u.  a.  Einheimische  Sprachforscher  lassen  senza  aus 
absentia  entstehen  und  diese  deutung  wäre  allerdings  zu  erwägen:  Unter- 
stützung fände  sie  jedoch  weniger  in  dem  genitiv  senza  di  me  (Pott, 
Forsch.  II,  183),  den  auch  andre  präpositionen  zulassen,  als  im  adverbia- 
len gebrauche  dieser  partihel,  welchen  sp.  sin,  fr.  sans  nicht  gestatten, 
e.  b.  fore  senza  entrathen,  il  viver  senza  Petr.  canz.  8,  neupr.  d'argent 
es  senso  er  ist  des  geldes  ohne,  daher  denn  auch  das  comask.  vb.  senza 
berauben,  wie  ahd.  änön  von  &no  =  nhd.  ohne.  Indessen  empfiehlt  die 
geschlossene  ausspräche  des  e  obige  herleitung  aus  sine,  indem  das  suffix 
enza  (as-senza  =  absentia)  stets  offenes  e  hat. 

Seppia  it.,  xibia  sp.,  seche  fr.  t  inten  fisch;  von  sepia. 

Sera  it.  pr.,  searej  wal.,  pr.  masc.  ser,  fr.  soir  abend;  von  serum 
späte  zeit  (statt  dessen  sp.  tarde,  s.  II.  b.).  Ital.  Urkunden  brauchen  sera 
auch  für  westen,  occidens,  so  z.  b.  HPMon.  n.  143. 146.  Zsgs.  pr.  aserar, 
altfr.  aserier,  aserir,  enserir,  wal.  inserä  abend  werden.  Es  gibt  über- 
dies einige  ableitungen,  die  nach  ihren  bedeutungen  augenscheinlich  zu 
serus  gehören}  nicht  aus  serenus  gebildet  sind:  sp.  sereno,  pr.  ser6,  fr. 
serein,  neap.  serena  abendthau,  pr.  serena  abendlied,  daher  it.  serenata; 
wie  ist  aber  das  im  roman.  fast  unübliche  suffix  en  zu  verstehen?  schrieb 
man  etwa  fr.  gerein  für  serain  (geranag  mit  bekanntem  suffix)  und  ent- 
stand hieraus  pr.  geren,  letzteres  nach  Spanien  gewandert,  wo  ja  das  pri- 
mitiv fehlte?  —  [Blanc  erklärt  sereno,  serena  cet.  lieber  aus  serenus,  weil 
heiterkeit,  besonders  im  süden,  des  abends  eintrete,  s.  Krit.  anhang  p.  !Oy 
was  dem  urtheüe  des  lesers  überlassen  bleibe.] 

Sergente  it.,  sp.  sargento,  alt  gergente  Alx.,  fr.  sergent  gerichts- 
diener;  von  bestrittener  herkunft.  Läßt  man  es  mit  Grimm,  Rechtsati.  766, 


I.   SERPE-SETA.  293 

aus  ahd.  soarjo  =3  nhd.  scherge  entspringen,  so  bleibt  die  endung  uner- 
klärlich, wenn  man  auch  den  ausfall  des  c  wie  in  sal  aus  früherm  scal 
(nhd.  soll)  zugeben  will,  obwohl  das  nhd.  scherge  widerspricht.  Besser 
fugt  sich  sergente  offenbar  zum  lat.'partic.  seiriens  mit  consonantierung 
des  i,  woeu  pioggia  aus  pluvia  zu  holten  ist;  seine  grundbedeutung  ist 
nicht  die  von  scarjo,  sondern  die  von  famvUus  (serjant  de  deu  übersetzt 
fanudus  dei,  vgl.  li  serganz  kil  serveit  der  diener,  der  ihm  diente  Alex. 
68),  und  was  vollends  für  diese  herleitung  spricht,  dem  Provensälen  be- 
deutet das  pari,  sirven  von  servir  genoiu  dasselbe,  und  ebenso  drückt  der 
Piemontese  das  fr.  sergent  mit  servient  aus. 

Serpe  ü.  pg.  altfr.,  sp.  sierpe,  pr.  churw.  serp,  wal.  serpe  schlänge, 
gememromamsche  gewiß  sehr  alte  abkürsung  von  serpens ;  übrigens  kymr. 
sar£  sanshr.  sarpa  Bopp  Gloss.  371. 

Serra  ältit.  PPS.  I,  413,  sp.  Sierra,  pg.  pr.  ^erra  berghette,  bereits 
in  den  ältesten  span.  Urkunden;  eigentl.  säge,  lat.  serra,  wegen  der  sackigen 
gestaU,  vgl.  serratas  gesackt,  daher  der  geographische  name  Monserrat. 

S  er  rare  it.,  sp.  pg.  cerrar,  pr.  serrar,  fr.  serrer  einschließen,  auch 
zusammenpressen;  sbst.  it.  serra  gedränge,  fr.  serre  (f.)  kralle;  it.  ser- 
raglio,  altsp.  cerraje,  pr.  serralh  Verschluß;  von  sera  schloß,  früh  im 
mlatein  mit  einer  wenig  üblichen  Verdoppelung  des  r  serra,  s.  DG,  Quich. 
Add.  Aber  auch  das  einfache  vb.  serare  ist,  wie  Haupt  zeigt,  Ind.  lect. 
per  sem.  aest.  1868  p.  10,  im  lateinischen  vorhanden.  Für  serebant  in 
einer  hs.  des  Amm.  Marcett.  s.  b.  ist  su  lesen  serabant;  bei  Priscian 
findet  sich  sero  seras  a  sera  obdita  natum  cet.  —  Sp.  cerrar  mit  c  ist 
eine  scheideform  gegenüber  dem  vb.  serrar  sägen.  —  Das  it.  serraglio  hol 
auch  das  türkische,  eigentlich  persische  serai  pdtast  (des  sultans)  in  sich 
aufgenommen,  dafür  sp.  serrallo,  fr.  särail. 

Sesta,  seste  it.zirkel  zum  messen,  it.  altpg.  sesto,  altsp.  siesto Alx. 
Ordnung,  maß;  vb.  it.  sestare,  assestare  abmessen,  sp.  asestar  ein  ge- 
schüts  richten  (auch  pr.  assestar  LR.  V,  220?).  Von  den  etymologen 
noch  ungelöst,  aber  nicht  schwierig  su  lösen.  Sesta  ist  das  gr.  £voz6v 
ein  Werkzeug  der  maurer  zum  ausgleichen  oder  richten,  nach  einigen  die 
kette,  nach  andern  das  Winkelmaß  oder  Hchtscheit.  Man  sieht,  daß  das 
wort  von  Italien  ausgegangen  und  dies  passt  zu  seinem  griech  Ursprung. 
Von  sestare  ist  aber  auch  unser  ahd.  sestön  disponere,  sestunga  dispositio. 

Sestiere  it.,  sp'.  sextario,  pr.  sestier,  fr.  setier,  in  den  Cass.glossen 
sestar,  ein  maß;  von  sextarius  der  sechste  theil  eines  römischen  maßes 
(congius),  ahd.  sehtarL  Das  lat.  wort  gab  dem  Italiener  überdies  die 
zsgz.  form  stajo  für  sestajo,  vgl.  chw.  stör  für  sester,  lothr.  steire,  nach 
Galvani  (Arch.  stör.  XIV,  352 )  von  extaris  bei  Plautus,  was  der  bedeu- 
tung  nicht  zusagt. 

Seta  it.,  sp.  pr.  seda,  fr.  soie,  im  spätem  mlatein  seta,  gespinnst 
der  Seidenraupe;  aus  der  form  seda  ist  ahd.  sfda  (wie  pina  aus  pena  für 
poena,  prts  aus  pretium),  nhd.  seide,  ir.  sfoda,  kymr.  sidan.  Es  ist 
buchstäblich  das  lat.  seta  starkes  haar,  börste,  eine  dem  span.  und  frans. 


294  L   SETTIMANA-SIGNORE. 

worte  verbliebene  bedeutung,  daher  auch  it.  setone,  fr.  s&on  haarseil,  it. 
setola  börste,  bürste.  Als  man  es  auf  die  seide  anwandte,  bedeutete  es 
anfangs  vielleicht  nur  stranglein,  strähne,  in  beziehung  auf  die  in  dieser 
form  versandte  rohseide:  beides  strähne  und  rohseide  berühren  sich  auch 
im  gr.  juaza^a  und  dem  rom.  matassa,  und  das  sp.  pelo  heißt  haar  und 
rohseide.  Eine  dalmatische  Urkunde  v.j.1118  sagt  noch  ßeta  serica,  nicht 
schlechtweg  seta,  also  seidenhaar,  Seidenstrang,  s.  Ducange  v.  seta.  Zur 
grundbedeutung  von  seta  passt  es  ferner,  wenn  das  mongolische  sirgek 
sowohl  seide  wie  als  adj.  straff  (von  haaren)  ausdrückt,  s.  Schott,  Über 
das  finnisch-tartarische  Sprachengeschlecht  p.  5.  Aus  sindon  (musselin) 
kann  seta  nicht  entstanden  sein,  eben  so  wenig  aus  dem  koreanischen  sir, 
szir  (Journ.  asiat.  II,  243).  Zu  künstlich  scheint  die  deutung  aus  gr. 
orjg,  gen.  orpog,  kleidermotte,  das  zunächst  wurm  (oxiolrj^  bei  Hesychius), 
alsdann  seidenwurm  bedeuten  sollte.  —  Eine  abl.  ist  it.  setino,  daher 
pg.  setim,  fr.  satin  ein  seidengewebe,  altfr.  saYn  Aubery  p.  3. 

Settimana  und  semmana  it.,  sp.  pg.  semana,  pr.  setmana,  fr. 
semaine  woche;  von  septimana  im  spätem  mlatein,  eigenü.  siebenzählig 
wal.  septemune,  irisch  sechtmaine  Zeuß  I,  77  (nach  ihm  ein  gallisches 
wort  II,  739,  vgl.  dagegen  Pott,  Zählmethode  207).  Dafür  cat.  altpg. 
doma  von  hebdomas  sp.  hebdömada.  Das  sardische  wort  ist  chida, 
chedda,  cida,  das  man  auf  gr.  xfjöog  bekümmernis  (arbeitstage,  Werktage) 
zurückführt. 

Sevo,  sego  it.  (g  für  v  s.  Rom.  gramm.  I,  189),  sp.pg.  sebo,  pr. 
wal.  seu,  fr.  saif  (durch  Umstellung),  norm,  henneg.  sieu;  von  sebam, 
sevum  unschlitt. 

Sg arare  it.  {eigentl.  lomb.  sgura),  sp.  cat.  escurar,  fr.  teurer  fegen; 
nicht  vom  dtschen  scheuern,  ndl.  schuuren,  das  wohl  selbst  aus  dem  latein 
ist,  sondern  vom  lat.  curare  pflegen,  rein  halten  z.  b.  cutem,  vitem,  mit 
vorgesetztem  begriffsverstärkenden  ex.  Schon  das  einfache  curare  hat  im 
venez.  und  prov.  die  bed.  reinigen,  dazu  stimmt  wal.  curat  sauber. 

Si  it.,  sp.  sf,  altsp.  sin,  pg.  sim,  pr.  fr.  si,  partikel  der  vergleichung 
und  bejahung;  von  sie,  statt  dessen  in  bejahendem  sinne  der  Römer  lieber 
ita  setzte.  Der  Sarde  hat  sieh  für  dieselbe  bedeutung  noch  das  ganz 
lateinische  imo  oder  emmo  bewahrt,  das  er  auch  für  'seihst,  sogar  an- 
wendet: imo  piüs  anzi  piü,  imo  magis,  s.  Spano,  Ortogr.  I,  p.  167,  und 
Vocab.  sard. 

Sidro,  eidro  it.,  sp.  sidra,  fr.  eidre,  wal.  cigheariu  Obstwein;  von 
sicera  {oUbqo)^  entstellt  in  cicera,  woraus  eidra  wie  fr.  ladre  aus  Lazarus 
ward.    Aber  altsp.  noch  sizra  bei  Berceo. 

Signore  it.,  sp.  senor,  pg.  pr.  senhor,  fr.  seigneur  herr;  von  senior 
der  ältere,  geehrtere,  angesehenere,  wie  gr.  7TQ€oßvTCQog7  wovon  Isidorus 
7,  12  sagt:  presbyter  graece  latine  senior  interpretatur,  non  pro  aetate 
yel  decrepita  senectute,  sed  'propter.  honorem  et  dignitatem;  oder  wie 
ags.  ealdor,  das  in  die  bed.  fürst  übergieng.  Durch  senior  ward  dominus 
theils  verdrängt,    theils  in  seiner  bedeutung  eingeschränkt,  wahrend  das 


I.  SINGHIOZZO-SLINGA.  295 

fem.  domina  in  seinem  rechte  verblieb.  Ahnlich  muftte  das  goth.  masc. 
franja,  (Ad.  frö,  dem  comparativ  herro  weichen,  aber  das  fem.  frau  datiert 
fort.  Im  altport.  ward  senhor  auch,  wie  im  latein,  als  feminin  gesetzt  : 
senhor  rainha  frau  königin,  mia  sennor  fremosa  meine  schöne  herrin;  zu- 
weilen auch  im  altfr.:  ele  devint  dame  e  signor,  s.  Rom.  gramm.  II,  299 
note;  im  prov.  kann  es  auch  als  adjectiv  construiert  werden,  wie  in  pilars 
senhors  hauptpfeüer.  Senior  für  dominus  kennt  schon  das  ältest&mlatein : 
Gregor  v.  T.  sagt  e.  b.  8,  30  anusqaisque  contra  seniorem  saeva  in- 
tentione  grassatur.  In  dem  scherzhaften  artikd  zur  L.  Sal.  (wolfenb.  hs., 
8.  jh)  wird  ihm  vassallus  entgegengesetzt:  cum  senior  bibit  duas  vicis,  sui 
Yassalli  la  tercia.  In  den  von  W.  Grimm  edierten  deutsch-lat.  gesprochen 
steht  es  überall  dem  ahd.  herro  zur  Seite.  Die  älteste  franz.  form  ist  nom. 
sendra  (in  den  Eiden,  vgl.  senhdre  GRoss;)  zsgz.  sire,  acc.  seigneur, 
das  nachmals  auch  in  sieur  gekürzt  ward;  zsgs.  nom.  messire,  acc. 
monseignear  und  monsieur.  Die  zusammenziehung  von  sendre  (senre) 
in  sire  ist  stark  und  mag  nordfranzösische^i  Ursprunges  sein:  picardisch 
wird  ndr  oder  nr  nicht  selten  in  r  vereinfacht,  tiendrons  z.  b.  lautet  hier 
tärons,  tendre  lautet  töre.  Franz.  Ursprunges  sind  die  prov.  formen  sire, 
sira  nom.  und  acc.,  sp.  ser  s.  PC.  3125,  dsgl.  sire,  it.  ser  und  sire, 
mundartlich  sior,  engl,  sir,  durch  welches  das  ags.  hearra  aus  der  spräche 
verdrängt  ward.  Scharf  bezeichnet  den  unterschied  zwischen  der  franz. 
und  prov.  form  ein  troubadour,  nachdem  die  Provence  an  Karl  von  Anjou 
gekommen  war:  die  Provenzalen  tauschen  zu  ihrem  schmerz  einen-  senher 
mit  einem  sire  M.  757,  2.  Die  zuweilen  vorkommende  Schreibung  cyre 
für  sire  bezieht  sich  auf  eine  falsche  herleitung  des  Wortes  aus  gr.  xvqioq 
oder  aus  dem  liturgischen  kyrie. 

Singhiozzo,  singozzo  it.,  sp.  sollozo,  pr.  singlot,  sanglot,  fr. 
sanglot,  chw.  sanglut  geschluchze;  vb.  singhiozzare.  und  singhiottire, 
Bollozar,  sanglotar,  sangloter;  mehr  oder  minder  entstellt  aus  singaltns, 
singultare,  singulare.  Zunächst  der  ital.  form  steht  mlat.  suggultium 
Class.  auet.  VI,  545*. ' 

Singlar  sp.,  singrar  pg.,  cingler  fr.  segeln;  doch  wohl  aus  dem 
ahd.  sggel§n,  altn.  sigla,  mit  eingeschobenem  n  wie  in  singlaton.  Un- 
mittelbarer weist  auf  das  deutsche  wort  altfr.  sigle  segel,  sigler  segeln. 

Siniscalco  und  sescalco  it.,  senescal  sp.pr.,  sänöchal  fr.  oberhof- 
meist  er;  vom  ahd.  sini-scalh  ältester  dienet,  das  sich  aber  in  den  altäfr 
deutschen  sprachquellen  nicht  vorfindet,  mlat.  seniscalcas  L.  Alam.,  s. 
Grimms  Bechtsalt.  302. 

Siroppo,  sciroppo  it.,  sp.  xarope,  pg.  xarope,  enxarope,  fr.  sirop 
ein  süßer  saß;  vom  arab.  schar&b  trank,  weiny  kaffee  Freyt.  II,  407 b , 
in  dem  uns  bekannten  sinne  bereits  bei  einem  Schriftsteller  des  11.  jahrh. 
(Doey). 

Slinga  (schlinga)  churw.,  sp.  eslingua,  pg.  eslinga,  fr.  älingue 
(Trevoux)  schlinge,  Schleuder;  vb.  pic.  älinguer  schleudern  (altfr.  eslinder 
G.  Guiart  Il7  377);  vom  ahd.  slinga  funda. 


296  I.   SMAGARE-SMERLO. 

Smagare  ältit.,  altpg.  esmaiar  rmUhlos  werden,  pr.  esmaiar,  aitfr. 
esmaier,  esmoyer,  in'Berry  ämeger  muthlos  machen;  dsgl.  sp.  pg.  des- 
mayar  in  Ohnmacht  fallen,  engl,  dismay,  sbst.  it.  smago,  pr.  esmai, 
esmoi,  sp.  desmayo  schrecken,  ohnmacht.  Der  franz.  spräche  verblieb 
6  m  oi,  das  man  gewöhnlich  aas  movere  deutet,  wiewohl  es  nur  eine  mund- 
artliche form  ist  für  esmai,  vgl.  Ruteb.  II,  48 :  dites  li  ne  s'esmait  ne 
qne  je  nf'esmoi,  wo  beide  formen  gleichbedeutend  nebeneinander  stehen. 
Das  wort  ist  deutsch,  aber  nur  mü  privativem  es  oder  des  im  rommischen 
gebraucht:  goth.  ahd.  magan  können,  vermögen,  dhd.  magen  stark  sein, 
unmagSn  ohnmächtig  werden.  Selten  allerdings  geschah  es,  daß  der 
Romane  das  einfache  deutsche  wort  nur  zu  einer  Zusammensetzung  benutzte; 
warum  sollte  er  aber,  wenn  er  z.  b.  das  wort  un-mag$n  brauchen  kannte, 
es  nicht  in  es-magar  abgeändert  haben,  um  es  sich  naher  zu  rücken?  So 
findet  sich  auch  ahd.  stullan  nur  im  ital.  compos.  tra-stullare,  andrer 
beispiele  nicht  zu  gedenken.  Wackemagel,  Altfr.  lieder  p.  131,  fuhrt  es 
auf  ahd.  sm&hjan  schwächen,  erniedrigen  zurück,  weiches  einigermaßen 
durch  die  altsp.  form  esmair  Alx.  gestützt  wird,  wogegen  aber  die  ge- 
meinrom.  bildung  nach  der  1.  conj.  für  magan  redet.  Smahi  fand  übri- 
gens im  ital.  smacco  seine  dar  Stellung. 

Smalto  it.,  wal.  smaltz  fzumaltz),  sp.  pg,  esmalte,  fr.  ämail  me- 
tallisches glas,  schmelzglas,  nilat.  smaltum.  Da  it.  smalto  mörtd  heißt, 
so  hat  man  darin  das  glekhbed.  tat.  maltha  vermuthet  und  weder  gegen 
das  vorgefügte  s  noch  gegen  den  übertritt  in  die  2.  decl.  ist  etwas  einzu- 
wenden. Eine  andre  herleitung  ist  die  aus  dem  ahd.  smelzan,  früher 
smalzjan,  smaltjan,  nhd.  'schmelzen,  und  sie  scheint  richtiger  1)  weil  das 
Hai.  vb.  smaltire  ^verdauen  sich  zu  smaltjan  logisch  besser  schickt  als  zu 
maltha;  2)  weil  sich  die  eigenthündiche  franz.  form  6mail.  nimmer  aus 
dem  lat.  wort,  wohl  aber  aus  «smelzi  d.  h.  aus  smalti  construieren  laß: 
i  ward  von  a  angezogen  (esmailt)  und  t  apocopiert  wie  in  gal  für  galt 
vom  deutschen  wald.  Wenn  der  Übersetzer  des  M.  Capeila  sagt:  electrum 
heizet  cin  walescun3  smaldum  Graff  VI,  832,  so  hatte  er  die  bereits  ro- 
manisierte  form  vor  äugen. 

Smeraldo  it.,  fem.  sp.  pg.  esmeralda,  pr.  esmerauda,  fr.  &ne- 
raude  ein  eddstein;  von  smaragdus  (juctQaydog,  a^aqaydog  m.  f.),  sanskr. 
marakada,  g  zum  (heil  in  1  verwandelt  wie  im  it.  salma  aus  oayfiia  oder 
Baldacco  aus  Bagdad;  altsp.  aber  auch  esmeraede  Alx.,  ohne  anlauten- 
des s  pr.  maraede,  maraude. 

Smerare  it.,  sp.  pr.  esmerar,  altfr.  esmerer  putzen,  polieren;  van 
ex-merare  wie  iL  spurare  von  ex-purare,  sgurare  von  ex-enrare. 

Smeriglio  it.,  sp.  esmeril,  fr.  ämeri  ein  zum  polieren  dienen- 
des eisenerz,  schmergd;  vom  gleichbed.  gr.  ofivgig,  ofiiQtg. 

Smerlo  it.,  esmirle  pr.  lerchenfalk,  die  kleinste  ort  raubvögd,  sp. 
pg.  esmeril  art  kanonen  (vgl.  wegen  der  bedeutung  talconete  van  falcon) ; 
dsgl.  it.  smeriglione,  sp.  esmerejon,  pg.  esmerilhäo,  pr.  esmerilho, 
fr.  6merillon  s.  v.  a.  smerlo.    Das  wort  ist  eine  Verstärkung  van  merla, 


I.   SNELLO-SOGNA.  297 

lat.  mernla,  und  es  sott  damit  ein  der  amsel  ähnlicher  vogel  bezeichnet 
werden,  engl,  merlin.    Es  ist  schon  im  ahd.  smirl  vorhanden. 

Snello  it.,  pr.  isnel,  irnel  Chx.  IV,  224,  V,  179,  altfr.  isnel, 
ignel,  enel  flink,  gewandt,  noch  jetst  norm,  inele.  Gewiß  vom  ahd.  snel 
streithaft,  behende,  aber  warum  isnel,  nicht,  oder  doch  nur  selten  esnel? 
Sprach  man  i  für  e,  weil  ein  betontes  e  folgt?  aber  in  espelh,  esp6s, 
esqnern  that  man  nicht  dergleichen.  Man  könnte  ignel  für  ignitellus 
feurig,  hitzig  (ignitnlns  braucht  Tertullian)  nehmen,  wäre  sn  minder  gut 
verbürgt.  Nur  eine  einmischung  des  im  miitellatein  ziemlich  häufig  ge- 
brauchten ignitns,  welches  in  alten  lateinisch-deutschen  glossen  mit  'rask* 
(rasch)  übersetzt  wird  Diutiska  II,  336,  darf  eingeräumt  werden,  daher 
die  form  ignel.  Im  Gregor  440  begegnet  enhel  cnrs,  nach  Du  MSril  = 
anhelo  euren  (adv.  enhelement  437):  erwägt  man  aber,  daß  die  hand- 
schrift  h  zur  erweichung  verwendet  (Born,  gramm.  I,  446),  so  ist  enhel 
nichts  anders  als  egnel  und  kann  das  dem  Romanen  ganz  fremde  anhelns 
nicht  ausdrücken. 

Soda  it.  sp.  pg.,  sonde  fr.  ein  laugensalz  aus  der  asche  der  kdH- 
pflanze;  wird  aus  solida  hergeleitet.  Span,  sosa,  von  salsns,  heißt  auch 
die  pflanze  selbst,  salstUa  L.,  Salzkraut. 

Sofa  it.  pg.,  fr.  sopha,  sofa  (m.)  ruhebett;  vom  arab.  (joffah  ruhe- 
bank  vor  dem  hause  Freytag  II,  502*. 

Soffiare  it.,  aitsp.  pr.  snflar,  fr.  sonffler,  nsp.  soplar,  pg.  soprar 
blasen;  von  sufflare.  Daher  fr.  sonfflet  blasbälg,  auch  ohrfeige,  da  die 
begriffe  hauch  und  schlag  sich  berühren,  wovon  sich  ein  anderes  beispiel 
oben  unter  bnf  findet.     Verwandt  ist  auch  das  pg.  a  s  s  o  v  i  a  r. 

Soffratta  altit.,  pr.  sofraita,  sofracha,  altfr.  souffraite  mangel,  ab- 
bruch;  altit.  soffrettoso  PPS.  I,  214,  pr.  sofraitos,  fr.  souffretenx  dürf- 
tig; von  suffringere  snffractus,  pr.  sofranher. 

Soga  it.  (mdartl.)  seil,  so  auch  sp.  pg.,  chw.  snga;  die  bedeutung 
der  ital.  Schriftsprache  ist  lederner  riemen,  im  port.  heißt  es  vornehmlich 
binsenseil,  im  span.  auch  ein  längenmaß,  sognear  mit  dem  seile  messen; 
bask.  soca.  Es  fehlt  dem  worte  nicht  an  Zeugnissen  im  frühern  mlatein, 
wo  es  gleichfalls  riemen  oder  seil  bedeutet:  si  qnis  sogas  furatus  fnerit 
de  bove  jnnetorio  L.  Long. ;  sogam  carralem  de  corio  Epist.  Innoc.  III., 
auch  ackermaß,  daher  sogalis  eine  abgäbe  Capit.  de  villis.  Die  bask.  form 
mit  tenuis  ist  wohl  die  ältere;  zu  ihr  stimmt  socas  tortiles  in  einer  Ur- 
kunde unter  Justinian  und,  wie  Ducange  vermuthet,  auch  mittelgr. 
otaxaQiov  ein  längenmaß,  bei  Hero  (nach  600  p.  C).  Diefenbach,  Celt. 
I,  90,  vergleicht  kymr.  syg  kette,  bret.  süg  zugseil,  gael.  sugan  strohseil. 
Im  span.  ist  soga  am  meisten  heimisch  geworden,  da  es  zu  vielen  redens- 
arten  und  ableüungen  gebraucht  wird.  % 

Sogna  altit.  PPS.  I,  334,  pr.  sonh,  fr.  goin  sorge,  Sorgfalt;  vb.  fr. 
soigner  besorgen,  pflegen;  zsgs.  it.  bisogno,  pr.  besonh,  besonha,  fr. 
besohl,  chw.  basengs  noth,  bedürfnis  (fr.  besogne  f.  geschäft),  it.  bisognare, 
pr.  besonhar  noth  thun;   dsgl.  altfr.  essoigne,   essoine  nothwendigkeit, 


298  I.   SOLDO-SOLFO. 

Schwierigkeit,  entschuldigung,  essoigner  sich  entschuldigen ;  hiereu  noch  die 
altfr.  verba  ensonnier  beschäftigen,  resoigner  fürchten.  Das  einfache  subst. 
ist  schon  dem  ältesten  mlatcin  bekannt :  die  L.  Sah  und  Rip.  haben  sunnis 
(sonst  auch  gunnia,  sonia)  mit  der  bed.  gesetzliches  hindernis  (daher  das 
verweilen  bei  einem  gegenständ,  die  Sorgfalt),  und  hierin  erkennt  Grimm, 
Rechtsalt.  847,  ein  fränkisches  wort  =  altn.  syn  abläugnung,  vb.  synja 
abläugnen,  mtat.  soniare  besorgen.  Die  goth.  spräche  liefert  sunja  Wahr- 
heit, sunjön  rechtfertigen,  die  aitsächs.  sunnea  entschuldigung,  nothwendig- 
keit,  hindernis,  die  althochd.  sänne  in  der  Übersetzung  der  L.  Sal.,  weichen 
sich  essoigne  (mlat.  exonia,  exonium)  so  wie  besoin  logisch  genau  an- 
schließen. Freilich  läßt  sich  letzteres,  da  man  kaum  ein  verlorenes  deut- 
sches compositum  aus  vorliegendem  stamme  annehmen  darf,  auf  das  zu 
einem  andern  stamme  gehörige  ahd.  bi-siunfgi  scrupulositas,  woraus  ein 
sbst.  bi-siuni  zu  folgern  ist  (Grimm  II,  719),  zurückführen:  denn  daß 
hier  das  roman.  bis,  das  etwas  falsches,  verkehrtes  bedeutet  (s.  oben  bis), 
nicht  im  spiel  ist,  zeigt  theils  der  begriff  des  Wortes,  theüs  seine  Schreibung, 
die  in  jenem  falle  bessoin,  bissogno  sein  müßte,  und  auch  ags.  byseg, 
nndl.  bezig  (beschäftigt),  worauf  Grimm  rermuthet,  Gesch.  d.  d.  spr.  364, 
läßt  sich  mit  besoin  nicht  in  einklang  bringen.  Noch  ist  einer  von  Du- 
cange  versuchten  herleitung  von  soin  aus  lat.  somnium  zu  gedenken:  wer 
träume,  dessen  gemüth  schwebe  in  angst  und  sorgen,  und  schon  ein  altes 
lat.  gr.  glossar  übersetze  darum  somnium  mit  ygortig.  Aber  kann  dies 
somnium  nicht  eine  Umbildung  sein  von  sonium  (soin),  um  diesem  ein 
ganz  latein.  gepräge  aufzudrücken  ?  und  wie  würden  sich  die  bedetdungen 
der  composita  aus  somnium  entwickeln  lassen?  Man  sehe  über  unser 
wort  zumal  Pott  in  der  abhancUung  Plattlatein  340.  —  Eine  abl.  von 
soigner  ist  altfr.  suignante  'coneubina  LRs.  137,  soignentage  coneu- 
binat,  im  Vocab.  Duac.  soignans  'focaria  (kochin). 

Soldo  it.,  sp.  sueldo,  pr.  sol,  fr.  sol,  son  name  einer  münze;  von 
solidus,  das  bei  den  Alten  für  eine  goldmünze,  später  auch  für  eine  süber- 
münze  von  verschiedenem  werthe  üblich  war,  eigentl.  eine  dicke  münze  int 
gegensalz  zur  blechmünze.  Demnächst  hieß  it.  soldo,  sp.  sueldo,  pr.  sout, 
fr.  solde  (f.)  lohn;  it.  sol  dato,  sp.  soldado,  fr.  soldat,  pr.  soudadier, 
altfr.  soudoier,  lothr.  pic.  dauph.  soudard  kriegsmann,  wortlich  besoldeter, 
wie  it.  paga  soldat  heißt.  Der  Italiener  formte  mit  einer  seltnen  Verwand- 
lung des  o  in  a  aus  solidus  sein  adj.  saldo,  sodo  (vgl.  talpa,  topo),  so 
wie  aus  solidare  befestigen,  zusammenfügen  sein  vb.  saldare  löthen,  in  der 
wald.  mundart  saudar,  beide  =  sp.  soldar,  fr.  souder,  wovon  sich  soldare 
besolden  durch  die  form  trennt. 

Solfa  it.  sp.  pg.  pr.  tonleiter,  im  span.  harmonie;  von  den  Guido- 
nischen silben  ut  re  mi  fa  sol  la,  d.  h.  nur  von  den  drei  letzten  rückwärts 
gelesen  und  la  als  urtikel  verstanden  (la  sol-fa);  vb.  it.  solfeggiare 
(woher  fr.  solföge),  sp.  solfear,  fr.  solfier  die  tonleiter  singen. 

Solf  o,  zolfo  it.,  sp.  azufre,  pg.  enxofre,  pr.  solfre,  solpre,  fr.  soufre 
Schwefel;  von  sulphur. 


I.   SOLLAZZO-SOBN.  299 

Sollazzo  it.,  sp.  solas,  pr.  solatz,  altfr.  soulas  Belustigung,  kurz- 
weil,  von  solatium;  vb.  sollazzare,  solazar,  goulacier  ergötzen,  nüat. 
solatiari,  solatiare  bei  Gregor  d.  gr.  und  andern. 

Sommaco  it.,  sp.  zumaque,  pg.  sumagre,  pr.  fr.  sumac  eine  Staude, 
8umach;  vom  arab.  sommäq  Freytag  II,  355b. 

Sommo  it.,  sp.  somo,  pr.  som,  altfr.  som,  son  gipfel;  von  summum, 
nfr.  son  Jcleie  d.  h.  das  oberste  im  sieb,  sp.  soma  gröberes  mehl.  Daher 
das  präpositionale  dUsp.  en  somo,  altfr.  en  som,  en  son  oben,  hinauf, 
auch  par  som,  par  son,  z.  b.  par  som  les  puis  oben  auf  den  hügeln,  par  son 
l'eve  auf  dem  w asser,  par  son  Taube  G  Vian.  1241,  Parton.  1, 135  cet.  ums 
morgenroth  =  pr.  sns  l'alba  Fer.  3484,  sus  en  l'alba  3493,  it.  in  sali'  alba. 
Abgel.  fr.  sommet,  die  stelle  des  alten  som  ausfüllend.  Zsgs.  sp.  pg. 
pr.  asomar,  aüfr.  assommer  LR.  hinaufbringen,  aeigen,  sich  steigen. 

Sonda  sp.  pg.,  sonde  fr.  Senkblei;  vb.  sondar,  sonder  die  meeres- 
tiefe messen.  Wenn  sich  sp.  sombra,  fr.  sombre  aus  sub-umbra  zusam- 
menziehen tonnten,  so  ist  dieselbe  zusammenziehung  von  sondar  aus  sab- 
andare  *ro  das  meer  tauchen  möglich,  wenn  auch  nicht,  wie  dort,  er- 
weislich. 

Sopa  sp.  pg.  pr.,  soupe  fr.  heißt  sowohl  brühe  mit  brotsehnitten 
wie  auch  die  eingetunkte  schnitte  selbst,  daher  die  franz.  r$densart  mouille 
comme  une  soupe,  doch  ist  in  tbruhe  die  grundbedeutung  anzunehmen;  vb. 
sp.  8  o  p  ar  brühe  über  die  schnitten  gießen,  pr.  sopar,  fr.  souper  zu  abend 
essen  (wobei  die  suppe  das  vornehmste  gericht  war),  letztere  bedeutung 
uralt,  bereits  in  der  Pass.  Chr.  28.  107.  Bas  unzweifelhafte  etymon 
findet  sich  im  deutschen:  ndd.  soppe,  woher  nhd.  suppe,  vb.  ndd.  suppen, 
ndl.  soppen,  ahd.  supphan,  mhd.  supfen  schlürfen,  vom  wurzelverbum 
süfan,  saufen.  Eine  andre  form  ist  it.  zuppa  kaÜschale,  sp.  pg.  chupar 
schlürfen,  fr.  super  dass.,  vgl.  unser  mundartl.  zuppe,  zupfen  mit  ders. 
bedeutung.  Das  hd.  f  ist  im  romanischen  nirgends  zur  gdtung  gekom- 
men. —  [S.  über  dieses  wort  Weigernd  II,  847.] 

Sorbetto  it.,  sp.  sorbete,  pg.  sorvete,  fr.  sorbet  ein  süßer  kühlen- 
der trank;  vom  arab.  schorb  trafüc  Freyt.  II,  40 7b,  wobei  zu  erinnern 
ist,  daß  das  arab.  seh  (l£)  mehrmals  im  span.  als  s  auftritt.  Nach  an- 
dern ist  es  aus  sorbere  abgeleitet,  also  s.  v.  a.  sorbitium,  aber  den  ablei- 
tungen  mit  ett  aus  verbis  ist  nicht  zu  trauen. 

Sorce,  sorcio  it.,  sp.  sorce,  pr.  soritz,  fr.  souris,  wal.  söarece 
maus;  von  sorex. 

Sorn  pr.  düster,  auch  in  figürl.  sinne;  sornura  düsterheit;  altfr. 
sorne  dämmerung  Boquef.,  sp.  (rothwalsch)  soma  nacht;  fr.  sournois 
heimlich,  tückisch;  it.  sornione,  sufeornione  duckmäuser,  susorniare 
murmeln.  Vielleicht  hat  sich  die  physische  bed.  dunkel  in  diesem  worte 
erst  aus  der  moralischen  düster  entwickelt  und  es  ruht  auf  einer  celt. 
Wurzel,  kymr.  swrn-ach  knurren,  brummen,  com.  sorren  zornig  sein,  denn 
entstehung  aus  dem  logisch  näher  liegenden  sör,  sörllyd  mürrisch,  tückisch, 
engl,  sollen  findet  Schwierigkeit  in    der  form.    Auch  sp.  sorna   träghext 


300  .      I.   SORTIRE— SOSTARE. 

(nach  Larramendi  vom  bask.  sorrena  der  dümmste)  ist  hieher  zu  ziehen, 
der  mittelbegriff  konnte  Verdrießlichkeit  sein.  Vielleicht  jedoch  gibt  die 
erwägung  des  mit  sournois  gleichbed.  pg.  comash.  soturno,  piem.  saturno, 
sard.  saturnu,  genf.  saturne,  span.  flor.  satnrnino  (s.  P.  Monti)  ein  an- 
dres resultat,  da  diese  Wörter  augenscheinlich  aus  tacitnrnus  entstanden 
sind,  indem  die  silben  taci  in  tci  t;o  tf  a  zusammengiengen :  sorna  (nacht) 
aus  taciturna  wäre  selbst  ein  poetisch  schöner,  inehr  noch  ein  für  die 
gaunersprache  bezeichnender  ausdruck.  Seltsam  sind  wegen  ihrer  endung 
a  die  mail.  adjectivformen  sotturna,  saturna. 

Sortire  it.,  fr.  sortir  (beide  nach  regelmäßiger  conj.  io  sorto,  je 
sorg)  ausgehn,  altfr.  auch  entspringen,  entkommen  Fl.  Bl.  1020,  cot.  surtir 
ausgehn,  springen,  sprossen,  pr.  sortir  springen,*  springen  machen,  sp. 
surtir,  pg.  surdir  hervorquellen ;  esgs.fr.  ressortir  (präs.  je  ressors) 
wieder  ausgehn,  sp.  resurtir  zurückspringen,  sbst.  fr.  ressort  schnellkraß. 
Mit  sortiri  (loosen,  durchs  loos  gewinnen)  läßt  es  sich  logisch  nicht  eini- 
gen. Ferrari  zog  es  daher  aus  dem  subst.  sors:  das  loos  ward  aus  der 
urne  gezogen  und  gieng  gewissermaßen  heraus.  Aber  war  dieser  Vorgang 
ein  im  leben  so  wichtiger,  daß  man  darnach  eine  der  üblichsten  handlun- 
gen  benannte,  sich  also  selbst,  im  gründe  gesagt,  mit  einem  loose  verglich? 
Menage  und  Frisch  erklären  es  mit  surrectire,  einer  freilich  ungewöhn- 
lichen büdung,  da  die  participicdverba  sich  sonst  zur  ersten  conj.  schlagen, 
die  aber  doch  in  ammortire  und  altfr.  quatir  (von  coactus)  beispide 
aufzeigen  kann  und  jedesfalls  den  bedeutungen  vollständig  zusagt,  denn 
auch  'ausgeht?  und  'sich  erheben*  gehen  in  einander  über;  letzteres  spürt 
man  noch  deutlich  in  phrasen  wie  sortir  de  son  siöge,  sortir  de  table, 
une  fignre  sort  sie  hebt  sich  (auf  gemälden). 

Sortire  it.,  fr.  sortir  (beide  nach  der  gemischten  conj.  io  sortisco, 
je  sortis)  erlangen,  bekommen,  ital.  auch  loosen,  sp.  surtir,  comash  surti 
versehen,  versorgen;  von  sortiri.  Zsgs.  it.  assortire,  sp.  asortir,  fr. 
assortir  zusammenlegen,  zusammenpassen  (jedes  nach  seiner  art  oder  sorte). 
Zu  derselben  conjug.  bekennt  sich  auch  fr.  ressortir  unter  einer  gewis- 
sen gerichtsbarkeit  stehn,  das  recht  der  appdlation  haben,  z.  b.  les  pairies 
ressortissent  au  parlement,  sbst.  res  sort,  it.  risorto  gerichtsbarkeit. 
Über  den  Ursprung  dieser  Zusammensetzung  bemerkt  Ducange:  ressortum 
quicquid  intra  sortes  continetur  seu  jurisdictionis  terminos.  Nach  Bu- 
daeus  (s.  Menage)  kommt  der  ausdruck  von  sors:  causae  enim  sortibus 
ex  urna  dactis  cognoscebantar.  Die  sache  ist  aber  ganz  anders  zu  fassen. 
Die  eigentliche  bedeutung  des  juristischen  ausdruckes  liegt  im  altfr.  resor- 
tir  sich  zurückziehen,  sich  flüchten,  schütz  suchen,  resort  rückzug,  Zuflucht, 
daher  höchste  stelle,  wo  man  sein  recht  erlangt,  rechtszuflucht.  Die  be- 
griffsentwicklung  aus  sortir  erlangen,  ressortir  wiedererlangen  ist  aber 
dieselbe  wie  im  Hol.  ricovrare  1)  wiedererlangen,  2)  seine  Zuflucht  nehmen; 
ricovrare  ad  un  luogo  verhält  sich  auch  syntactisch  wie  ressortir  an  par- 
lement.   8.  oben  cobrar. 

So stare  it.  hemmen,  stillen,   beruhigen,  pg.  pr.  sostar  einhalten; 


I.   SOTTO-SPANNA.  ,  301 

sbst.  ü.  pr.  sosta  stillstand;  von  substare  ausdauern,  aushalten,  transitiv 
genommen.  Dahin  etwa  auch  sp.  pg.  susto,  sard.  assasta  schreck  (hem- 
mung?),  comask.  sust,  ven.  susto,  sie.  sasta  beklommenheit,  beschwerde. 

Sotto  ä.,  altsp.  soto,  pr.  sotz,  fr.  sous,  wal.  subt,  präposition,  von 
subtus,  it.  auch  sottesso  s.  esso;  esgs.  fr.  des  sous  =  it.  di  sotto. 
Daher  it.  sottano  unter  st,  sbst.  sottana,  sp.  sotana,  fr.  soutane  Unter- 
rock, leibrock. 

Sovente  it.,  pr.  soven,  soen,  fr.  gouvent,  zeitadverb,  von  subinde. 
Die  lautlehre  hat  hier  die  ungewöhnliche  härtung  des  d  in  t  eu  bemerken : 
dachte  man  dabei  an  die  endungen  in  repente,  frequente,  immantinente  ? 
es  scheint  so. 

Soverchio  it.,  altsp.  sobejo  (für  soberjo),  s.  die  glossare  bei 
Sanehez,  pg.  sobejo  adj.  und  adv.  überflüssig,  übermäßig;  von  superculus, 
der  lat.  spräche  fremd.  Daher  sbst.  it.  soverchieria,  superchieria 
mishandlung,  übervortheüung ,  und  hieraus  fr.  supercherie,  sp.  super- 
cheria  hinterlist. 

Spada  it.,  sie.  spata,  sp.  pg.  pr.  espada,  fr.  6p6e,  toal.  spate? 
(nach  Lex.  bud.)  degen,  schwert;  von  spatha  spatel  zum  umrühren,  dsgl. 
breites  zweischneidiges  schwert  (s.  die  stellen  bei  Böcking,  Annot.  ad  No- 
titiam  dign.  oeeid.  p.  315),  dies  vom  gr.  onaih],  nicht  aus  dem  celtischen, 
wie  noch  Bdloguet  p.  163  anzunehmen  geneigt  ist.  Das  wort  hat  auch 
in  andre  sprachen  eingang  gefunden,  e.  b.  alb.  spat^,  bask.  izpata,  in 
andrer  bedeutung  kymr.  yspawd  schtdter,  ir.  spad,  engl,  spade,  ahd.  spato, 
nhd.  spaten  grabscheit.  Im  mittelalter  mochte  man  es  für  kein  lateinisches 
halten:  gladius,  quod  spatham  vocant  heißt  es  z.  b.  in  den  Gest.  reg. 
Fr.  cap.  41.  Im  latein.  allerdings  von  eingeschränktem  gebrauche  schwang 
es  sich  in  den  jüngeren  sprachen  über  gladius  empor,  das  sich  kaum  be- 
haupten kannte;  ensis  mußte  völlig  weichen.  —  Altspan,  wird  es  häufig 
als  masculin  gebraucht:  deste  espada  PC.  3676;  im  altfr.  Agolant  v. 
699  steht  il  n'ont  espäe,  ne  soit  bien  acerä  (wo  vielleicht  esptä,  nach 
LittrS,  Hist.  d.  I.  I.  fr.  I,  42,  aceräe  zu  lesen  ist);  im  prov.  erscheint 
gradezu  eine  männliche  form  espa-s  LR.,  im  Leodegar  38  ispieth  (ge- 
schrieben inspieth),  aUcat.  dagegen  la  espä  Chr.  d'Escl.  677*. 

Spalla  it.,  sp.  espalda,  alt  espalla,  pg.  espalda,  espädoa,  pr.  es- 
patla,  fr.  äpaule,  altfr.  espalde  LRs.  377  schtdter.  Nicht  von  scapula, 
sondern,  wie  die  prov.  form  am  deutlichsten  zeigt,  von  spathula,  dimin. 
von  spatha  Schulterblatt  der  thiere,  wal.  spate  rücken.  Apicius  hat  spa- 
tula  porcina,  welchem  altpg.  spadoa  de  porco  (in  einer  Urkunde  v.  j. 
1296  SRos.)  genau  entspricht.  Spatula  ist  nur  der  sard.  mundart  fremd: 
sie  gibt  dafür  das  dem  gr.  ona&rj  sinnverwandte  lat.  pala,  das  bereits 
Codius  Aurel.  für  Schulterblatt  gebraucht.  Von  spatula  (nicht  von  palus 
pfähl)  kommt  it.  8 pal  Hera,  sp.  espaldera,  fr.  espalier  rücklehne,  bäum- 
gelander,  spalier. 

Spanna  it.  churw.,  wallon.  aspagne,  masc.  altfr.  espan,  nfr.  em- 
pan  ein  langen/maß;  vb.  it.  spanna re  tueh  oder  netze  abspannen  (wenn 


302  I.  SPARAGNARE-SPELTA. 

nicht  von  pannus),  chw.  spaniar  aufspannen.  Die  herleitung  aus  gr. 
om9a/ii]f  welches  spemma  oder  spimma  lauten  wüßte,  ist  verwerflich. 
Die  aus  expandere  würde  sich  für  die  franz.  form  empfehlen,  da  hier 
espanir  für  espandir  vorkommt,  im  ital.  schwindet  d  nach  n  hur  höchst 
selten:  das  ganz  vereinzelte  comask.  spanda  lehnt  sich  augenscheinlich  an 
spandere.  Am  sichersten  leitet  man  daher  spanna  vom  ahd.  spanna, 
nhd.  spanne,  das  /r.*empan  vom  mhd.  gpan  ausspannung,  die  in  dem 
starken  verbum  spannan  ihre  quelle  haben. 

Sparagnare  und  sparmiare,  risparmiare  it.,  fr.  äpargner,  chw. 
spargnar,  bürg,  reparmer  schonen,  sparen.  Wohl  mahnt  es  an  das  ahd. 
sparön,  sparßn,  die  art  der  ableitung  daraus  aber  ist  unklar.  Man  be- 
denke dabei  lomb.  car-agn-are  aus  ahd.  karön  Rom.  gramm.  I,  88,  fr. 
lor-gn-er  aus  luren. 

Sparaviere,  sparriere  it.,  altsp.  esparvel,  cot.  esparver,  pr.  ßspar- 
vier,  fr.  äpervier  ein  raubvogel,  in  letzterer  spräche  auch  ein  wurfnetz 
der  fischer,  sp.  esparavel ;  vom  ahd.  sparwari  sperber,  dies  wohl  vom  goth. 
sparva  sperling,  chw.  spar,  also  ein  vogel,  der  auf  Sperlinge  ausgeht. 
Hieher  auch  churw.  sprer  geier.    Der  neusp.  ausdruck  ist  gavilan. 

Spasimo  it.,  sp.  espasmo,  pr.  espasme,  sp.pg.  auch  pasmo  krampf, 
ohnmacht;  vb.  it.  spasimare  (comask.  pasmä),  sp.  espasmar,  pasmar,  pr. 
esplasmar,  espalmar,  plasmar,  fr.  p&mer;  vom  lat.  spasmus  bei  Plinius 
(onaonog).  Der  unübliche  Wegfall  des  s  vor  p  rührt  etwa  daher,  daß 
man  jenen  buchstäben  mit  ex  verwechselte,  also  pasmus  für  das  einfache 
wort  hielt. 

Spavenio  it.  (für  gparvenio?),  auch  spavento,  sp.  esparavan,  fr. 
öparvin  aus  dem  alten  esparrain,  engl,  spavin  spath,  eine  krankheit  der 
pferde  und  des  rindviehs.  Menage  meint,  von  äpervier,  weiL  die  thiere 
den  kranken  fuß  hoch  aufheben  wie  der  sperber,  und  diese  meinung  findet 
ihre  stütze  in  der  gleichbed.  cot.  form  esparver-enc  eigenÜ.  etwas  sperber- 
artiges, valenc.  einfacher  esparver. 

Spaventare,  spantare  it.,  sp.  pg.  espantar,  pr.  espaventar,  fr. 
öpouvanter,  henneg.  Spanier,  wal.  mit  m  für  v  sp^imentä  einen  er- 
schrecken, sbst.  it.  spavento  u.  s.  f. ;  von  expavere,  pari,  expavens.  Die 
franz.  form  erklärt  sich  ohne  Schwierigkeit  aus  den  in  der  alten  spräche  vor- 
handnen  übergangen,  espaventer  espauenter  espoenter  espoventer  (v  ein- 
geschoben), auch  der  Churwalsche  sagt  spuventar. 

Spazzare  it.,  sp.  espaciar,  pr.  espassar  räumen,  ausbreiten,  ü. 
spaziaräi,  sp.  espaciarse  sich  ausbreiten  d.h.  sich  ergehen,  spazieren;  von 
spatiari. 

Specchio,  gpeglio  it.,  sp.  espejo,  pg.  espelho,  pr.  espelh  Spiegel, 
von  speculum.  Die  franz.  spräche  besitzt  buchstäblich  dasselbe  wort  in 
e  spiegle  verschmitzter  geselle,  henneg.  vilespiöque,  vom  deutschen  Eulen- 
spiegel, der  unter  dem  namen  Ulespifcgle  früh  ins  franz.  übersetzt  ward. 
Vb.  sp.  espejar  glätten,  polieren,  despejar  lichten,  räumen,  platz  machen. 

Spelta,   spelda  it.,  sp.  espelta,  pr.  espeuta,  fr.  (masc.)  6peantre 


I.   SPERONE-SPINETTA.  303 

eine  getreideart,  spelz;  vom  lat.  spelta  erst  im  4.jh.  bei  Rhemnius  Fannius, 
dem  es  ein  spelzkorn  bedeutet,  ahd.  spelta,  spelza  (f.),  spelzo  (m.).  Die 
franz.  form  zeigt  eine  besonders  nach  dentalen  häufig  angewandte  einschie- 
bung  eines  r,  vgl.  oben  feltro.  Über  den  gebrauch  des  Wortes  im  mkUein 
(mittelgr.  oniktov)  s.  Ducange. 

Sperone,  sprone  it.,  altsp.  esporon,  neusp.  espolon,  pg.  esporäo, 
pr.  espero,  aÜfr.  esporon,  neufr.  Operon  sporn,  einfacher  sp.  espuela, 
alt  espuera,  pg.  espora;  vom  ahd.  sporo,  acc.  sporon,  daher  die  doppel- 
formen. Vb.  it.  speronare,  spronare,  sp.  espolear,  pg.  esporear,  pr. 
esperonar,  fr.  6peronner,  aus  dem  roman.  Substantiv,  nicht  aus  dem  deut- 
schen vb.  spornön. 

Spesso  it.9  sp.  espeso,  pr.  espes,  fr.  6pais,  früher  äpois,  espois, 
aXban.  spes  dicht,  von  spissus;  adv.  it.  spesso,  pr.  espes  häufig,  bei  Pe- 
tronius  oscula  spissa  häufige  küsse,  vgl.  gr.  nvxvov,  ahd.  diccho  dicht, 
häufig. 

Spezie  it.  (nicht  specie),  sp.  especia,  fr.  6pice  apothekerwaare,  ge- 
uriirz;  von  species,  dem  das  nachclassische  latein  dieselbe  bedeutung  bei- 
legte, aUfr.  espece.    Ab  gel.  it.  speziale  apotheker. 

Spiare  it.,  sp.  pr.  espiar,  fr.  6pier  ausspähen,  chw.  spiar  nach- 
forschen; vom  ahd.  spehön  =  nhd.  spähen.  Sbst.  it.  spia  (m.),  sp.  espia 
(m.  f),  pr.  espia  (f.),  altfr.  espie  (f.),  dsgl.  it.  spionc,  sp.  espion,  fr. 
espion  leundschafter;  vom  ahd.  spgha  (f.)  exploratio ;  die  ndl.  spräche  hat 
spie.  [Nach  einer  alten,  wieder  erneuerten  behauptung  soll  in  dem  roman. 
tterbum  das  verschollene  lat.  spicare  (woher  despicare  cet.)  fortleben.  Wir 
wissen  aber  aus  der  ital.  lautlehre,  daß  lat.  c  zwischen  vocaien  nicht  aus- 
fällt. Das  deutsche  6  in  spghön  vertritt  ein  älteres  i,  von  welchem  selbst 
noch  beispiele  vorhanden  sind  (spihan,  s.  Graff  VI,  321.  323);  inlauten- 
des h  kann  ausfallen.] 

Spillo  it.,  ausgeartet  in  squillo,  Stecknadel,  dsgl.  bohr  er.  Nicht 
von  spicnlum.  Man  darf  es  unbedenklich  aus  spinula  herleiten,  denn  die 
weibliche  diminutivform  wird  häufig  in  die  männliche,  welche  eigentlich 
die  neutrale  vertritt,  umgesetzt,  s.  Born,  gramm.  II,  293;  ein  ganz  ähn- 
licher fall  ist  orlo  aus  orula.  Wegen  der  assimilation  des  n  aber  vgl. 
man  ella  aus  enola,  lulla  aus  lunula.  Der  romagn.  ausdruck  ist  Spinell, 
handgreiflich  aus  Spina.  Gleicher  herkunft  mit  spillo  ist  fr.  äpingle 
(f.),  npr.  espinglo,  neap.  (aus  dem  franz.)  spingola,  bask.  ispilinga  (vgl. 
champ.  £plingue):  g  ward  eingeschoben  um  das  unerträgliche  äpinle  zu 
vermeiden.  Zu  spinula  bemerkt  Dueange  aus  Tacit.  Germ.  c.  17:  tegmen 
omnibus  sagum  fibula  aut,  si  desit,  spina  consertum.  Das  pic.  6pieule, 
6piule  entstand  wohl  aus  spiculum. 

Spinace  it.,  sp.  espinaca,  pg.  espinafre,  pr.  espinar,  fr.  äpinard, 
wal.  spenac  ein  kraut,  spinat;  von  spina  spitze,  wegen  seiner  gezackten 
Matter,  die  ital.  form  eigentl  von  dem  unlat.  spinaceus,  dieport.  von  spinifer. 

Spinetta  it.,  sp.  espineta,  fr.  6pinette  ein  Saiteninstrument;  von 
spina,  weil  es  mit  zugespitzten  federkielen  gespielt  ward. 


304  I.  SPIRITO-SPUOTONE. 

Spirito  it.,  wal.  spirit,  sp.  espiritu,  vrlt.  esprito,  pg.  espirito,  cot. 
pr.  esperft,  fr.  esprit,  daher  engl,  spright  und  spirit,  altfr.  S.  Espir. 
Man  behandelte  dieses  wort  etwas  zarter  als  andre,  weil  ihm  eine  heilige 
bedytiung  anhieng.  Der  Spanier  ließ  ihm  sein  n  unangetastet  und  der 
Provenzale  wandte  hier  seine  gewöhnliche  syncope  nicht  an.  —  Für  spirit, 
das  wohl  wenig  üblich  ist,  führte  der  Walache^  außer  dem  slav.  duh,  das 
aus  lateinischem  Stoffe  geschaffene  suflet  (hauch)  ein,  gab  aber  der  thier- 
seele  besondre  namen,  abur  (vapor  dunst,  im  gegensatze  zum  hauch?)  und 
bleasc  (woher  letzteres?). 

Spitamo  it.,  sp.  espita  spanne;  vom  gleichbed.  gr.  am&atirj. 

Spito  neap.,  sp.  pg.  espeto  bratspieß,  fr.  epois  oberste  spitze  am 
hirschgeweih;  vom  ahd.  spiz  spieß,  spitze,  ndl.  ndd.  spit  bratspieß.  Da- 
neben gibt  es  ein  synonym  mit  d:  it.  spiedo  (spiedone,  ausgeartet  in 
schidone,  schidione),  romagn.  sp'ed,  gen.  spiddo,  sard.  spidu,  sp.  espedo, 
espiedo;  es  fragt  sich  hierbei:  steht  die  media  durch  einen  zufall  für  die 
tenuis,  was  aber  sonst  nicht  geschieht;  oder  ist  das  wort  vom  ahd.  sper, 
nhd.  speer  (woher  altfr.  espier  IL  c),  indem,  wie  oft  im  ital.,  d  für  r 
eintrat?  In  letzterem  falle  rührt  der  span.  (dem  Catalanen  und  Portu- 
giesen unbekannte)  ausdruck  aus  dem  ital.  her. 

Spoglio,  spoglia  it.  (entartet  in  scoglio,  scoglia),  dtisp.  espojo 
beute  u.  dgl.;  von  spolium,  mlat.  spolia  Gest.  reg.  Fr.  c.  37.  Dafür 
nsp.  despojo,  fr.  däpouille,  pr.  despuelh,  despuelha,  vb.  despojar,  d6- 
pouiller,  despolhar. 

Spola,  spuola  it.,  sp.  espolin  Weberschiffchen,  vom  ahd.  spuolo 
spule;  gleichbed.  chw.  spol,  limous.  espolo;  altfr.  espolet  spindd.  Das 
neufr.  s6poule  scheint  von  späterem  gepräge,  für  espoule,  äpoule,  das 
im  lothr.  ehpieule  (eh  =  fr.  es)  sein  abbüd  findet. 

Spo80,  sposa  it.,  sp.  psposo,  esposa,  pr.  espos,  esposa,  fr.  äpoux, 
6pouse,  Verlobter,  verlobte,  wie  tat.  sponsus,  sponsa,  dsgl.  gälte,  gaitin, 
auf  welche  bed.  sich  das  franz.  beschränkt,  wiewohl  noch  Nicot  äpouse 
mit  nympha  und  sponsa  übersetzt  Vb.  it.  sposare,  cdtsp.  pr.  esposar, 
fr.  äpouser  heirathen,  lat.  sponsare  verloben.      . 

Springare  it.  bei  Dante  Inf.  19,  120  mit  den  fußen  zappeln,  altfr. 
espringuer  springend  tanzen  (espringuiez  et  balez  FC.  III,  377;  et  cante 
devant  eus,  souvent  a  espringu6  DMce.  p.  303),  pic.  vor  freude  springen; 
vom  ahd.  springan.  Für  springava  bei  Dante  haben  die  meisten  aus- 
gaben spingava,  welches  Blanc,  Vocab.  dant.,  verwirft.  Abget.  altfr.  es- 
pringale  ein  tanz  GNev.  p.  306,  so  auch  espringuerie  Trouv.  artes. 
p.  226.  Espringale  bedeutet  überdies  eine  wurfmaschine  (s.  die  stellen 
bei  Ducange  v.  spingarda) ;  wahrscheinlich  desselben  Ursprunges,  mit  aus- 
gefallnem  r  wie  in  spingare,  ist  it.  spingarda  mauernbrecher,  sp.  es- 
pingarda  kleine  canone;  wenigstens  ist  dessen  herhmft  vom  it.  spingere 
stoßen  nicht  annehmbar:  für  solche  Werkzeuge  liebte  man  individuelle  zum 
theil  scherzhafte  benennungen. 

Spuntone,  spontone  it.,  sp.  esponton,  fr.  sponton  eine  ort  piken, 


I.   SQUILLA-STAGNO.  305 

mail.  sponton  nadel,  Spindel;  vom  it.  puntone  (punto,  lat.  punctum)  spitze, 
mit  verstärktem  anlaut. 

Squilla  it.,  lomb.  chw.  schella,  sp.  esquila,  pg.  fehlt,  pr.  esquella, 
esquelha,  altfr.  eschiele  glöckchen;  vom  ahd.  skilla,  skella,  nhd.  schelle, 
dies  vom  starken  vb.  skellan  klingen  Grimm  II,  32,  woher  it.  squillare. 
Das  älteste  Zeugnis  des  Wortes  in  der  L.  Sal.:  si  quis  schillam  {dl.  eschil- 
lam,  schellam,  skellam)  de  caballo  faraverit  Pardessus  p.  85.  Merkwür- 
dig ist  die  it.  form  squilla  für  schilla,  welches  Papias  noch  sichilla 
(ohne  u)  schreibt:  das  lat.  auch  im  iial.  vorhandene,  freilich  etwas  ganz 
anderes  bedeutende  squilla  muß  zu  dieser  ausspräche  verführt  haben. 

Stacca  it.,  sp.  pr.  estaca,  altfr.  estaque,  estache  pfähl;  vom  ags. 
staca,  altfrs.  ndd.  stake  mit  ders.  bed. 

Staccio  it.,  richtiger  neap.  setaccio,  maü.  sedazz,  ferner  sp.  cedazo, 
citfr.  saas,  nfr.  gas  haar  sieb;  schon  im  früheren  ndatein  sedatiuin  Gl. 
Schlettst.  39,  58,  auch  bei  Hattemer  I,  309°,  sidacium  Gl.  Linderibr., 
lat.  gleichsam  setaceum  von  Beta,  weil  es  von  pferdehaaren  gemacht  ward. 
Dem  Walachen  genügt  das  primitiv  sete  für  die  bed.  sieb,  dazu  kommt 
noch  das  dbgel.  sitiz$ ;  auch  die  norm,  mundart  besitzt  set  (m.)  in  dieser 
bedeutung. 

Staggio  it.,  estatge  pr.,  ätage  fr.  zustand,  wohnung,  Stockwerk  u. 
dgl. ;  von  stare  statum  staticum  (prov.  auch  fem.  estatga  wohnung).  Mnctt. 
staghe  Reinh.  ed.  Grimm  v.  2757  scheint  aus  dem  franz.  entlehnt. 

Stagione  it.  Jahreszeit,  auch  rechte  zeit,  xaiQog,  sp.  estacion,  pg. 
esta^äo  zeüpunct,  jähr  es-  oder  tageszeit;  vb.  nur  it.  stagionare  zur 
reife  bringen,  zeitigen;  von  statio  stillst  and,  auf  enthalt,  daher  zeitpunct, 
vgl.  unser  stunde  von  stelin.  —  Die  bed.  von  stagione  erfüllt  noch  ein 
anderes  der  ital.  Schriftsprache  fehlendes  durch  einen  einfachen  anlaut  sich 
unterscheidendes  wort:  sp.  pr.  sazon,  pg.  sazäo,  fr.  saison,  venez.  sason; 
vb.  sazon ar,  assaisonner,  sasonare.  Aus  statio  konnte  dieses  letztere 
wort  nicht  entstehen,  da  sich  st  nur  inlautend  in  s  oder  z  vereinfachen 
kann:  das  sp.  Zufiiga  aus  Estuniga,  eine  einzelne  ausnähme,  würde  höch- 
stens eine  form  zazon  unterstützen  können.  Ducange  stellt  satio  als  ety- 
mon  auf:  die  bed.  aussaat  oder,  was  ganz  nahe  liegt,  zeit  der  aussaat, 
wäre  auf  die  Jahreszeit  übertragen  worden.  Dieser  deutung  läßt  sich  bei- 
pflichten. Für  das  säen  oder  pflanzen  jedes  gewächses  gibt  es  eine  bestimmte 
günstige  zeit  in  der  Jahresperiode,  eine  satio  verna,  aestiva,  autumnalis, 
letzterer  ausdruck  bei  ColumeUa:  leicht  war  es,  die  Jahreszeit,  für  weiche 
das  latein  keinen  einfachen  ausdruck  gewährte,  durch  die  Saatzeit  vertreten 
zu  lassen.  Sicher  muß  dieser  auf  das  landleben  bezogenen  deutung  die 
von  Le  Duchat  aus  Sectio  (abschnitt)  als  eine  fast  zu  mathematische  und 
doch  den  begriff  nur  auf  seiner  Oberfläche  berührende,  überdies  formell 
weniger  genügende  nachstehn.  —  [Vgl-  noch  Mussafia's  gloss.  zu  Monum. 
ani.  118.] 

Stagno  it.,  sp.  estano,  pr.  estanh,  fr.  6tain  zinn,  dsgl.  fr.  tain 
Stanniol   (le  tain  aus  Potain).    Die  formen  passen  nickt  zu  stannum,   da 

20 


306  I.   STALLO-STANCARE. 

der  Italiener  lat.  nn  wohl  nur  vor  i  in  gn  erweicht  (grunnire,  grugnire), 
wohl  aber  zum  altlat.  stagnum,  das  in  stagneus,  stagnatus  fortlebt 
(Schneider,  Lat.  gramm.  I,  503)  und  auch  im  frühern  mlatein  ganz  üblich 
ist,  z.  b.  in  einem  glossar  stagnum  'ein  (zinn)  Diutiska  III,  429,  und 
schon  bei  Isidorus.  Wie  bekannt,  war  das  römische  stannum  nicht  eigent- 
lich das  was  wir  zinn  nennen,  sondern  ein  gemischtes  metall;  die  heutige 
bedeutung  soll  sich  erst  im  4.  jh.  eingefunden  haben.  Abgel.  fr.  6  tarn  er 
verzinnen,  vgl.  venimeux  von  venin  d.  h.  m  in  beiden  fällen  durch  einfluß 
des  unbestimmten  nasalen  n  (=  nasalem  m)  lierbeigeführt. 

Stallo  it.  altpg.  SRos.,  altsp.  estalo,  pr.  altfr.  estal  stelle,  auf  ent- 
halt, nfr.  6tal  kram  (vb.  ätaler  auskramen),  6 tau  fleischbude;  fem.  it. 
stalla,  sp.  estala,  altpg.  stala  staU,  daher  it.  Stallone,  fr.  ätalon  Zucht- 
hengst, equus  ad  stallum  L.  Wisig.  Vom  ahd.  stal  statio,  locus,  stabu- 
lum,  vb.  ndl.  stallen  waaren  ausstellen  KU.  —  Aus  lat.  stabulum  dagegen 
ward  pr.  estable,  fr.  ötable  (f.).  —  Franz.  6tau  hat  noch  eine  zweite  be- 
deutung, Schraubstock,  in  welcher  es  gleichfalls  aus  stal  in  der  freilich 
nicht  nachweislichen  bed.  gestell  entstanden  sein  könnte,  wenn  man  nicht 
Herkunft  aus  dem  cdtfläm.  stael  schaft,  stamm  =  holt,  steel  KU.  vorzieht. 
Aber  das  gleichbed.  lothr.  eitauque  so  wie  das  bask.  (navarr.)  estoka 
führen  deutlich  auf  unser  dtsches  (schraub-)  stock,  und  daraus  scheint 
6tau  abgekürzt,  also  ganz  anderes  Stammes. 

Stamigno  it.,  sp.  estamena,  pg.  pr.  gleichfalls  estamenha,  fr.  Ka- 
mine siebtuch;  vom  adj.  stamineus  fademig,  faserig. 

Stampare  it.,  sp.  pg.  estampar,  fr.  ötamper  eindrücken,  sarcL 
stampai  durchlöchern,  vom  ahd.  stamphön,  nhd.  stampfen;  wal.  steamp 
der  dazu  dienende  pfähl,  vom  ahd.  stamph. 

Stancare  it.  ermüden:  dazu  stimmt  buchstäblich  sp.  pg.  pr.  estan- 
car,  fr.  ätancher  den  lauf  des  wassers  hemmen,  überh.  hemmen,  stopfen, 
pg.  aber  auch  erschöpfen,  ermüden.  Augenscheinlich  von  stagnare  stehend 
machen,  hemmen,  woraus  die  figürl.  bed.  ermüden  leicht  erfolgen  konnte: 
gn  verhärtete  sich  zu  nc,  wie  dies  in  dem  sbst.  sp.  pg.  estanque,  pr. 
estanc,  selbst  im  fr.  ätang  (statt  £tain),  bret.  stann  von  stagnum  teich 
geschah,  um  es  von  stagnum  zinn  zu  scheiden,  während  sich  der  weiche 
laut  im  sp.  restaöar,  val.  estanyar  s.  v.  a.  estancar  behauptete.  Doch 
nahmen  mundarten,  wie  z.  b.  die  piemontesische,  diese  Scheidung  nicht 
vor:  hier  bedeutet  stagn  teich  und  zinn.  Im  pr.  cot.  tancar  verstopfen, 
sp.  atancarse  verstummen,  fiel  der  anlaut  ab,  dasselbe  geschah  im  pg. 
tanque  teich  für  estanque.  Dazu  ein  adj.  it.  stanco  müde,  sp.  estanco, 
pg.  estanque  verstopft,  pr.  estanc  stillstehend,  unwandelbar,  äUfr.  estanc 
langsam,  matt;  das  ital.  wort  läßt  sich  aus  dem  partic.  stancato  erklären^ 
die  übrigen  aber  müssen,  da  aus  verbis  keine  adjeetiva  ohne  hülfe  von 
Suffixen  gebildet  werden,  dem  sbst.  stagnum  (stehendes  wasser,  stopfung) 
ihr  dasein  danken,  s.  über  solche  adjeetiva  Rom.  gramm.  II,  289.  — 
Ital.  mano  stanca  heißt  linke  hand,  entsprechend  dem  mhd.  tenc  link, 
auch  wal.  stungej:  ist  es  darum  anderes  Ursprunges  und  von  den  übrigen 


I.   STANGA-STOFFA.  307 

rman.  Wörtern  abtusondern?  es  scheint  nicht.  Mundartlich,  in  Bergamo, 
heißt  die  linke  mano  storta  die  verdrehte,  s.  Ferrari  v.  mancare,  auch 
bedeutet  it.  senestrarsi  un  piede  sich  einen  fuß  verrenken  (id.  v.  gangheri), 
romagn.  sinlstar  (m.)  Verdrehung,  Verrenkung,  und  so  konnte  die  linke 
eben  so  wohl  als  die  matte,  träge,  stockende,  stanca,  aufgefaßt  werden.  S. 
gauche  IL  c. 

Stanga  it.  chw.  stange,  riegel,  fr.  ätangues  (plur.)  zange,  eigentl. 
etwas  aus  zwei  Stangen  bestehendes  (Trhoux),  dsgl.  stangue  anker stange, 
(heraldisch),  wal.  steang^;  vom  ahd.  stanga. 

Stanza  it.,  sp.  estancia  auf  enthalt,  wohnung,  pr.  estansa  Stellung, 
läge,  fr.  ätance,  6tan$on  stütze;  von  stare,  stans,  gleichsam  stantia.  Über 
stanza  in  der  bed.  Strophe  s.  Wackernagel,  Altfranz,  lieder  249,  welcher 
Dante's  anschauung,  stanza  sei  das  zimmer  oder  behälinis  der  ganzen 
kunst  eines  liedes,  naher  bestimmt. 

Starna  it.,  estarna  sp.  pg.  kleine  art  rebhühner;  nach  einigen  von 
avis  externa  fremder,  eingewanderter  vogel,  fr.  perdrix  grecque.  Das 
ahd.  starn,  ags.  steara  ist  der  name  eines  andern  vogds  (staar,  auch 
drossel). 

Stendardoä.,  sp.  estandarte,  pr.  estendart,  estandart,  fr.  6ten- 
dard  fahne,  daher  mhd.  8 tanthart;  von  extendere  entfalten,  it.  stendere 
le  insegne,  über  die  genauere  bedeutung  des  franz.  Wortes  s.  P.  Paris 
zum  Garin  II,  162. 

Stivale  it.,  cdtsp.  estibal  Conq.  TJltram.,  pr.  estival  Flam.  2208, 
attfr.  dass.  eine  auch  das  Schienbein  deckende  fußbekleidung,  daher  ahd. 
stuhl,  mhd.  stival,  nhd.  Stiefel.  Von  tibiale,  welches  eine  äffnliche  be- 
deutung hat?  Ihm  könnte  s  auf  ital.  weise  vorgesetzt  und  diese  form  von 
den  andern  sprachen  angenommen  sein,  aber  alsdann  wäre  die  regelrechte 
büdung  wenigstens  stiggiale,  was  nirgends,  auch  in  keiner  mundart,  vor- 
kommt. Darum  ist  Dueange's  erklärung  aus  aestivale  vorzuziehn,  es  war 
eine  Sommerbekleidung  von  leichtem  leder:  possint  facere  .  .  stivales, 
hosas  et  alind  opus  qnodcunque  de  pellibus  hircorum,  arietnm  cet.For. 
Arag.  Eine  Urkunde  von  1332  unterscheidet  auch  zwischen  winter-  und 
sommerbeschuhung,  s.  Ducange. 

Stivare  it.,  sp.  pg.  estivar  zusammenstopfen,  sbst.  estiva  batlast; 
von  stipare. 

Stocco  it.,  sp.  pg.  estoque,  pr.  fr.  estoc  stoßdegen,  span.  altfr.  auch 
stamm,  comask.  stock  baculus;  von  dem  deutschen  in  allen  mundarten  ein- 
heimischen stock  (aus  dem  wurzelverbum  stechen),  woher  auch  das  gael. 
stoc.  Auch  unser  vb.  stocken  findet  sich  wieder  im  pic.  ätoquer  ersticken. 
Über  fr.  6tau  =  stock  s.  oben  stallo. 

Stoffa  it.,  sp.  pg.  estofa,  fr.  Stoffe,  masc.  it.  stoffo,  pg.  estofo 
gewirk,  zeug,  malerie,  stoff;  vb.  sp.  pg.  estofar,  fr.  ötoffer  ausstaffieren, 
auswattieren,  span.  auch  steppen.  Da  das  verbum  synonym  ist  mit  it. 
stoppare,  fr.  ätonper  verstopfen  (s.  stoppa),  so  ist  der  Ursprung  des 
Wortes  wohl  im  lat.  stuppa  (werg)  zu  suchen,   das  sich   im  munde  der 


308  I.  STOJA-STORDIRE. 

Deutschen  in  stupfa,  stuffa  verwandelte:  sp.  estofa  bedeutet  daher  auch 
Stickerei  in  erhabener  (ausgestopfter)  arbeit  und  engl,  stuff  sowohl  gewebe 
wie  fiälsd,  futter.  Ohne  diesen  durchgang  durch  das  deutsche  ist  eine 
solche  gemeinromanische  aspiration  des  lat.  p  schwer  anzunehmen,  da 
kaum  ein  entsprechender  fall  vorliegt.  Das  gad.  stubh  steht  in  dieser 
spräche  einsam  da  und  scheint  dem  engl,  stuff  nachgebildet,  vgl.  dasselbe 
buchstdbenverhältnis  im  gad.  scabhal  =  engl,  scaffold,  gibht  =  shift, 
lobht  =  loft,  gibhte  =  gift. 

Stoja  it.,  sp.  estera  für  estuera  (wie  frente  für  fruente),  pg. 
esteira  (nach  dem  span.)  matte,  fr.  störe;  von  storea. 

Stoppa  it.,  wal.  stup?,  sp.  estopa,  fr.  ätouppe  werg,  von  stuppa. 
Abgd.  it.  stoppino  dacht,  fr.  ätouppin  Stöpsel;  vb.  it.  stoppare,  altsp. 
estopar,  fr.  ätoupper  mit  werg  verstopfen,  tnlat.  stuppare  L.  Älam.,  wo- 
her auch  unser  vb.  stopfen,  ahd.  stoppön. 

Stopp ia  it.,  pr.  estobla,  fr.  6touble  stoppet.  Das  tat.  wort  ist 
stipula:  da  aber  aus  betontem  lat.  i  kein  rom.  o  hervorgeht,  so  ist  dies 
ein  unbrauchbares  etymon,  doch  öffnen  sich  zwei  wege  zur  erklärung  des 
fraglichen  Wortes.  Entweder  hat  sich  in  Latium  selbst  eine  nebenform 
stupula  ausgebildet,  wie  aucipium  in  aucupium,  reciperare  in  recuperare 
übergieng  (Rom.  gramm.  I,  176 ,  note);  oder  das,  wie  es  scheint,  aus 
stipula  entstellte  früh  vorkommende  deutsche  Stoppel  hat  auf  die  reine 
romanische  form  eingewirkt.  Beachtenswerth  ist,  daß  einem  aweiten  roman. 
beispiele  des  o  aus  i,  tona  aus  tina,  gleichfalls  ein  deutsches  o  zur  seite 
geht.  Als  ein  unmittelbarer  Sprößling  von  stipula  läßt  sich  nur  äteule 
betrachten^  vgl.  altfr.  neule  aus  nebula. 

Stordire  it.,  altsp.  estordir  12*.,  fr.  6töurdir  betäubt  werden,  be- 
täuben, adj.  stordito,  ätourdi  betäubt,  unbesonnen.  Es  ist  schon  um  des- 
willen nicht  rathsam,  dies  wort  aus  dem  lat.  stolidus  oder  dem  deutschen 
stürzen  erklären  zu  wollen,  weil  das  sp.  pg.  a-turdir  (alt  atordir)  einen 
mit  t  anlautenden  stamm  eu  erkennen  gibt  und  eine  vertauschung  des  etwa 
als  partikel  (ex)  aufgefaßten  anlautes  s  mit  der  partikd  ad  im  span. 
schwerlich  vorkommt.  Ahojar  z.  b.  ist  nicht  =  it.  sfogliare,  fr.  effeuiiler, 
wofür  deshojar  gebraucht  wird,  sondern  eine  eigne  Zusammensetzung  mit 
eigner  bedeutung;  alanzar  nicht  =  it.  slanciare,  fr.  Cancer,  sondern  lat. 
lanceare  mit  vorgesetztem  a,  welche  prothesis  in  dieser  spräche  sehr  häufig 
ist.  Nach  Covarruvias  entsprang  aturdir  aus  einer  anspidung  auf  die 
drossd  (tordo),  die  man  in  der  mittagshitze  betäubt  herabfallen  sehe,  daher 
das  Sprichwort  tener  cabeza  de  tordo  einen  drossdkopf  haben,  leicht  in 
betäubung  gerathen.  Diese  deutung  ist  nicht  so  kurzer  hand  abzuweisen  : 
auch  dem  Italiener  ist  die  drossd  ein  einfältiger  vogel  und  dem  Griechen 
galt  sie  für  taub,  daher  das  Sprichwort  xioq)6vsQog  yd%kt}g,  wozu  Zenobius 
die  bemerkung  macht:  q>aai  yaQ  xojqieveiv  xo  tfiovy  s.  Paroemiographi 
graec.  ed.  Gaisford  p.  325.  Verba  mit  beziehung  auf  die  natur  der  thiere 
aus  ihren  namen  gebildet  sind  im  romanischen  überaus  häufig  und  so  ist 
ein  wort  turdire  von  turdus  eben  so  gedenkbar   wie  ericiare  von  ericius, 


I.   STORIONE-STRADA.  309 

s.  eben  riccio.  Zwar  gehen  diese  verba  gewohnlieh  nach  der  1.  conj.,  aber 
auch  aus  der  dritten  gibt  es  beispiele,  so  it.  accanire  grimmig  werden  (wie 
ein  kund);  übrigens  lieben  intransitiva  diese  conjugationsform.  Man 
kannte  für  stordire,  wie  Wächter  gethan,  auch  das  Tcymr.  twrdd  geräusch, 
domer,  geltend  machen  und  dazu  Stornier  van  tonus  anführen.  Diefen- 
back,  Goth.  tob.  II,  316,  ist  nicht  abgeneigt,  das  roman.  wort  zu  engl. 
gturdy  (stark,  frech,  keck)  zu  stellen,  welches  Johnson  lieber  aus  6tourdi 
herleitet,  aber  die  bedeutungen  selbst  scheinen  sich  abzustoßen.  —  Indessen 
sind  alle  diese  erklärungsversuche  bei  seite  zu  setzen:  das  wort  hat  einen 
andern  ganz  klaren  Ursprung.  Es  ist  von  torpidus  starr,  fühllos,  woraus 
ndt  leichtigJceit  extorpidire  extordire  geschaffen  werden  konnte.  Dasselbe 
schwinden  des  p  vor  d  zeigt  das  fr.  tiede  von  tepidus  und  die  Zusammen- 
setzung mit  ex  dasselbe  Stammwort  in  extorpescere.  Also:  wie  aus 
tepidns  ttädir  (lau  werden),  so  konnte  aus  torpidus  tourdir  (starr  werden) 
entstehen. 

Storione  it.,  sp.  esturion,  fr.  esturgeon  stör;  vom  ahd.  sturio, 
später  sturo,  ags.  styra,  schwed.  stör. 

Stormo  it.,  stürm  chw.,  estorn  pr.y  estor  aUfr.aufruhr,  angriff;  it. 
gtormire,  pr.  altfr.  estormir  in  bewegung  gerathen.  Vom  ahd.  stürm, 
vb.  sturman  (aus  deutscher  würzet,  Grimm  II,  48),  auch  kymr.  ystorm, 
bret.  stourm,  gad.  stoirm;  das  geschlossene  ital.  o  aber  weist  auf  ein  ur- 
sprüngliches u,  mithin  besser  auf  deutschen  als  auf  cdtischen  Ursprung. 

Stracciare  it.,  chw.  stratschar,  sp.  estrazar,  pr.  estrassar  zer- 
reißen; sbst.  it.  straccio,  sp.  estrazo,  estraza  fetzen.  Gegen  Muratorfs 
herleitung  aus  distractus  ist  zu  erinnern,  daß  der  Spanier  oder  Provenzale 
der  partikel  dis  den  anlaut  nicht  entzieht:  buchstäblich  genügt  daher  nur 
das  auch  begrifflich  nicht  zu  weit  abliegende  extractus,  gleichsam  extrac- 
tiare  herausreißen;  vgl.  unten  tracciare. 

Strada  it.,  sp.  pg.  pr.  estrada,  altfr.  esträe  (strae  LBs.  209),  pic. 
6tr6e  gepflasterter  weg,  Straße,  neugr.  axqata;  vom  lat.  strata  sc.  via  mit 
steinen  bestreuter  weg.  Im  franz.  nennt  man  eine  solche  straße  wegen  ihrer 
eisenhärte  auch  chemin  ferro,  pr.  cami  ferrat,  altfr.  zuweilen  ohne  Sub- 
stantiv und  eis  feminin  (wie  esträe,  briste,  route) :  la  gent  Huon  cheval- 
chent  la  ferr£e  MGar.  p.  52.  Dahin  auch  it.  Strato,  sp.  estrado,  pr. 
estr&  für  estrat,  fr.  fem.  estrade  (aus  dem  span.)  erhöhter  sitz,  von  Stratum 
pdster.  Eine  ableitung  ist  pr.  es  tradier  sich  auf  den  Straßen  herum- 
treibend, raubador  estradier  Straßenräuber  GOcc.,  das  adjeetiv  zumal  von 
rossen  gebraucht,  schnellfüßig:  non  ac  en  tota  Fransa  tan  estradier  que 
om  preze  Ihm  per  corre  miga  un  saumier  GRoss.  3277.  Bern  entspricht 
buchstäblich  das  altfr.  estraier,  estraer,  welches  sich  vielleicht  auch  be- 
grifflieh ihm  anknüpfen  läßt.  Es  heißt  umherirrend,  von  thieren,  auch 
herrenlos,  z.  b.  quant  Isembart . . .  vit  le  cheval  curre  estraer  Gönn.  v.  299 
(303  Schder)  li  ceval  erent  estraier  8.  Gachet  18 9b  (der  es' verkehrter  weise 
aus  extractus  deutet);  li  destriers  s'est  estraiers  remes  Fier.  p.  126. 
Darum  bedeutet  es  auch  verlassen,  aufgegeben,  derelictus,  z.  b.  maint  yassal 


310  I.   STRAMBO— STRINGA. 

laissent  gesir  mort  estraier  Gayd.  p.  225;   estraiere  dem  fiscus  ver- 
fallnes  gut,  wofür  sogar  estr6e  vorkommt  DC. 

Strainbo  it.  schießeinig ',  piem.  gtranb  hinkend,  romagn.  stramb 
seltsam,  wal.  strqmb,  cXban.  stremp  schräg,  falsch,  pr.  estramp  ungereimt 
(von  versen),  stramp  bei  Jordi,  Ausias  March  und  andern,  daher  it.  stram- 
bita  Ungereimtheit,  Verkehrtheit,  vb.  mail.  strambä  verdrehen.  Es  ist  kaum 
su  zweifeln,  daß  strainbo  im  lat.  strabus  (schielend)  seinen  grund  habe: 
m  drängt  sich  öfter  vor  b  ein  und  auch  die  begriffe  schielend  und  schief 
sind  fast  eins;  sp.  estrambosidad  ist  =  estrabismo.  -  Desselben  Stammes 
muß  sein  sp.  estrambote  schweif  eines  liedes,  altsp.  eine  liedergattung 
Sanchez  I,  p.  LIX,  it.  strambotto  von  ähnlicher  bedeutung;  adj.  sp.  pg. 
estrambotico  ungereimt,  seltsam.  Der  sinn  dieser  letzteren  in  die  roman. 
metrik  eingeführten  Wörter  liegt  also  wohl  darin,  daß  die  damit  bezeich- 
neten gedickte  das  richtige  maß  oder  die  regel  in  irgend  einer  weise  über- 
schritten,  wie  Dante  einen  nicht  mit  maß  handelnden  menschen  schielend 
am  geiste  nennt  Inf.  7,  40 ;  ven.  straboto  bedeutet  fehler,  Schnitzer.  Anders 
meint  F.  Pasqualino:  strammotta  ridicula  cantiuncula  a  strammu  (ücU. 
strainbo),  ut  innuatur  deflexio  a  vera  significatione  iü  malam  partem 
accepta.  Estrambote  aber  berührt  sich  wieder  mit  altfr.  estrabot,  estribot 
(s.  oben  estribo),  daher  auch  altsp.  estrimbote  als  nebenform  Alx.  2229. 
—  Ital.  stramba  binsenstrick  hierher  zuziehen,  nämlich  als  etwas  ge- 
drehtes, ist  gezwungen,  es  stellt  sich  zum  bair.  strempfel  wiede,  stram- 
bellare  zerreißen  zu  strampfein  mit  den  fußen  zappeln,  vgl.  churw.  stram- 
blir  erschüttern. 

Stranio,  strano  it.,  sp.  estrano,  pr.  estranh,  fr.  Strange  fremd, 
wohin  auch  das  anomale  wal.  strefa,  ton  extranens ;  abgel.it.  straniero, 
sp.  extrangero,  pr.  estrangier,  fr.  £tranger  mit  gleicher  bedeutung. 

Strega  it.,  mail.  trient.  Stria  hexe,  auch  it.  stregona,  wal.  strigöe, 
masc.  it.  stregone,  wal.  strigoiu  hexenmeister ;  vb.it.  stregare  behexen; 
vom  lat.  striga  ein  den  hindern  schaden  bringendes  weib,  auch  hexe, 
zaüberin,  bei  Petronius  und  Apulejus;  dsgl.  strix  nachtvogel,  der  den 
hindern  das  blut  aussaugen  sollte.  Häufig  im  mittelalter  erwähnt,  z.  b. 
si  quis  a  diabolo  deceptus  crediderit  secundum  morem  paganornm, 
yiram  aliquem  aut  feminam  strigam  esse  et  homines  comedere  cet.  Capit. 
Cor.  M.  (DC).  Die  prov.  oder  franz.  form  bezeugt  Gervasius  TUb.  (um 
1210):  lamias,  quas  vulgo  mascas  aut  in  gallica  lingua  strias  dicunt,  s. 
Ducange  v.  masca;  dieselbe  form  auch  in  der  L.  Sei.  Roquefort  kennt 
estrie.  Ein  pg.  estria  in  der  bed.  blutsaugender  vogd  verzeichnet  Moraes 
2.  ausg.  aus  Sa  de  Miranda  egl.  4,  der  aber  nur  den  römischen  Volks- 
glauben damit  meint,  nicht  einen  portugiesischen. 

Stregghia,  streglia  it.,  cot.  estrijol,  fr.  ätrille  Striegel;  vb.  itm 
strecchiare,  altsp.  estrillar,  fr.  ätriller,  von  strigilis. 

Stringa  it.,  sp.  estringa  nestel,  Schnürriemen;  vb.  stringare 
zusammenziehen.  Daß  es  von  stringere  komme,  ist  nicht  unverdächtig,  da 
aus   cingere  it.  cigna,    nicht  cinga  ward.     Es   mag   darum  nebst  pg. 


I.    STROPPIARE-SUCIDO.  311 

estrinca,  estrinque,  sp.  estrinque,  estrenque  (seil)  aus  dem  deutschen 
stammen,  ags.  string,  streng,  altn.  strengr,  mndl  stringhe,  vb.  stringen, 
strengen,  ahd.  strengt  u.  s.  w.,  s.  über  diesen  stamm  Grimm  II,  37 ,  Weigernd 
II,  824.  Doch  liegt  den  Wörtern  mit  c  das  deutsche  strick  eben  so  nah, 
da  n  vor  gutturalen  leicht  eingeschoben  wird,  vgl.  auch  comask.  stricca, 
rmagn.  stricht  pressen. 

Stroppiare,  storpiare  it.,  ven.  strupiare,  maü.  struppiä,  chw. 
strupchiar,  sp.  pg.  estropear,  fr.  estropier  lähmen,  verstümmeln;  sbst.  it. 
stroppio  hindemis,  hemmung.  Ist  storpiare  die  richtigere  form  und 
kommt  das  wort  von  extorpidare  starr,  steif  machen,  syncopiert  extorpiare? 
Extorpescere  hat  Venant.  Fort.    Muratori  erinnert  an  tnrpis. 

Ströppolo  it.,  fr.  estrope,  6trope  seil,  tau;  von  struppns  band, 
riemen,  das  Gettius  anführt;  die  span.  form  est r ovo  weist  atff  stropus 
Gl.  Phüox.    Nicht  von  unserm  strttppe. 

Struzzo  it.,  pr.  estrns  strauß  (vogel),  von  struthio;"sp.  av-estruz, 
fr.  au-truche  (f.)  für  antrnsse,  von  avig  struthio  vogel  strauß,  ndat. 
strncio  in  alten  glossaren. 

S tue co  it.,  sp.  estueo,  estuque,  fr.  stne  gyps,  stuck;  vom  ahd. 
stacchi  crusta,  s.  Graff  VI,  631. 

Stufa  it.,  sp.  pg.  estufa,  pr.  estuba,  fr.  ötuve  bähung,  einrichtung 
zum  bähen  oder  warm  baden,  badstube,  ofen;  vb.it.  stufare,  sp.  estufar, 
estofar  (das  auch  zu  stoffa  gehört),  estovar,  fr.  6tuver  bähen  u.  dgl. 
Bereits  in  der  L.  Alam.  stuba  und  in  allen  germanischen  sprachen  hei- 
misch:  ahd.  stupä,  mhd.  stöbe,  nhd.  stube,  mndl.  stove,  ags.  altn.  stofa, 
engl,  stove,  daher  gael.  stobh,  vb.  hd.  stufen,  ndd.  stoven  schmoren.  Die 
deutschheit  des  Wortes  bezweifelt  Schmeller  III,  605,  und  auch  Weigand 
11,  830  fragt,  welchen  Ursprung  es  habe. 

Stuola  it.,  altsp.  estol  mannschaft,  begleitung,  gefolge,  alteat.  pr. 
estol  heer,  flotte,  weil,  stol  in  letzterer  bei.;  vom  gr.  arolog  zurüstung, 
fddzug,  flotte,  lat.  stolus  bereits  im  Cod.  Theod.,  auch  im  arabischen  vor- 
handen Freyt.  I,  35*.  Der  attfr.  ausdruck  für  classis  und  zugleich  für 
apparatus  war  nicht  estol,  sondern  das  feminin  estoire  (s.  Michel  zu 
Benoit),  woraus  das  mhd.  gleichfalls  weibliche  storje;  dem  entspricht  ein 
ndat.  storium  (feminina  aus  neutris  sind  häufig),  welches  aus  dem  in  ital. 
Urkunden  vorkommenden  stolium  =  oxohov  abgeändert  sein  kann,  wenn 
man  dUfr.  navirie  von  navilie  und  ähnliche  ereignisse  erwägt.  Nahe  liegt 
allerdings  auch  estorer  zurüsten  =  instaurare  (II  c),  allein  eine  ab- 
leitung  instaurium,  instauria,  worauf  man  zurückgehn  müßte,  ist  keine 
sprachgesetzliche. 

Subbio  it.,  sp.  enxullo,  fr.  ensouple  weberbaum;  von  dem  nach- 
dassischen  insubulnm  bei  Isidorus. 

Sücido  und  sozzo  it.,  sp.  sticio,  pg.  sujo,  neupr.  sous  schmutzig; 
von  sueidus  saftig,  vgl.  lana  sueida  frisch  abgeschorene  noch  schmutzige 
wolle.  Es  versteht  sich,  daß  die  zweite  ital.  form  aus  dem  syncopierten 
sucius  entstand,  worin  c  wie  in  sezzo  von  secius  behandelt  ward. 


312  I.   SUCO-TACCAGNO. 

Suco,  succo,  sugo  it.,  sp.  suco,  xugo,  pr.  suc,  fr.  suc  soft,  von 
sücus;  daher  vb.  it.  sugare,  cdtsp.  sujjar  (zusammentreffend  mit  dem  ahd. 
8ügan),  pr.  sucar  saugen,  fr.  suyer  fehlt.  Zsgs.  it.  asciugare,  sp.  en- 
xugar,  pr.  eisugar,  fr.  essuyer,  wal.  usuca,  usca,  von  exsucare  (exsuccare) 
austrocknen,  dieses  verbum  nur  bei  Cael.  Aurelius;  dsgl.  it.  asciutto, 
sp.  enxuto,  pr.  eissug,  in  Berry  essuy,  chw.  schig  trocken,  fr.  essui  sbst., 
alle  von  exsuctus;  it.  prosciugare  austrocknen,  von  perexsucare;  pro- 
sciutto,  pre8ciutto  {pg.  presunto)  Schinken,  von  per-exsuctus  (ausgetrock- 
netes fleisch).  Eine  besondere  abl.  ist  it.  succiare,  suzzare,  fr.  sucer, 
das  sich  nur  aus  suctiare  vom  part.  suctus  deuten  läßt,  ein  pr.  sbst.  succio, 
fr.  suction  ist  vorhanden. 

Suolo  it.,  pr.  sol,  sola,  sp.  suela,  fr.  sole  fußsoUe;  it.  soglia, 
soglio,  pr.  sulh,  sol,  fr.  seuil  thürschwelle,  sp.  suela  grundschweüe;  end- 
lich it.  soglia,  sp.  suela,  pg.  solha,  fr.  sole  schölle,  plattfisch.  Die  formen 
mit  reinem  1  sind  von  solum  grundlage,  sohle,  die  mit  erweichtem  von 
sölea  sohle,  daher  unterläge,  schwelle  (wie  das  deutsche  sohle),  auch  plait- 
fisch.  Von  solum  oder  dem  adj.  solar  ins  ist  sp.  pg.  solar  grund  und 
boden,  hausplatz,  Stammhaus,  sp.  solera,  pg.  soleira  schwelle,  bodenstück 
verschiedener  dinge,  fr.  soulier  schuh.  In  andern  fällen  hatte  die  Sprache 
zum  theil  Solarium  (höchster  offen  liegender  räum  des  hauses)  vor  äugen: 
it.  «olajo,  solare  decke  des  Stimmers,  Stockwerk  (z.  b.  casa  di  tre  solari 
Ferrar.),  fußboden  des  obern  Stockes,  pr.  solier,  solar  gleichfalls  Stockwerk 
und  fußboden,  plattes  dach,  altfr.  solier  Speicher  u.  dgl.  (noch  bei  Nicot). 

Suso  it.,  abgekürzt  su  (vgl.  verso,  ver),  chw.  si,  sp.  altpg.  suso, 
pr.  fr.  sus,  partUcel,  von  susum  für  sursum,  abgekürzt  lat.  sus  in  susque 
de-que*    Zsgs.  fr.  dessus,  cdtsp.  desti. 


T. 

Tabacco  it.,  sp.  tabaco,  fr.  tabac  eine  pflanze;  american.  wort, 
eigentl.  die  rolle,  woraus  man  den  dampf  der  zubereiteten  pflanze  einsog. 

Tabarro  it.,  sp.  pg.  tabardo,  fr.  tabard,  engl,  tabart,  mhd.  tapfart 
waffenrock  u.  dgl.,  kymr.  tabar,  mittelgr.  tafinaQiov.  Dieses  Kleidungs- 
stück war  von  grobem  dickem  stoff  und  ward  meist  von  kriegsleuten  oder 
manchen  getragen:  sollte  das  wort  aus  tap-es  tap-etis  teppich,  decke  ab- 
geleitet sein,  indem  es  die  im  rom.  tappeto  bewahrte  tenuis  hier  mit  der 
media  tauschte,  wie  lat.  caput  sich  roman.  als  cap  und  cab  oder  cav  dar- 
stellt? Und  grade  wie  in  caput  (vgl.  sp.  cabal  u.  a.)  konnte  auch  das 
ableitende  t  schwinden.  Lat.  trabea  (staatsUeid)  bietet  Schwierigkeiten 
mehr  im  buchstaben  als  in  der  bedeutung. 

Taccagno  it.,  sp.  tacafio,  fr.  taquin,  comask.  tachin  knickerig  9 
geizig;  vb.  it.  taccagnare,  fr.  taquiner,  lomb.  zaccagnä  um  Kleinigkeiten 
zanken.  Man  könnte  an  zacke  (haken)  denken,  die  bedeutung  aber  fuhrt 
geradezu   auf  zähe   d.  i.  geizig,    ahd.  zähl,   vgl.  ndl.  taaiaard   geizheds. 


I.   TACCO-TAGLIA.  313 

Wegen  c  oder  cc  aus  deutschem  h  s.  oben  geccbire,   auch  smacco  II.  a. 
Itai.  taccola  häkchen  (in  figürlichem  sinne)  gehört  wohl  zu  tacco. 

Tacco  it.  absatz  am  schuh  (sp.pg.  taco  pflock  scheint  anderer  her- 
Icunft),  chw.  tac  flecken,  mdkel,  wallon.  tac  platte,  blech,  henneg.  tacq 
Stückchen  land;  fem.  it.  tacca  kerbe,  auch  flecken,  pr.  taca,  altfr.  pic. 
teque,  it.  tecca,  fr.  tache,  it.  taccia,  sp.  pg.  tacha  mit  letzterer  bed.,  occit. 
tacho  nagel  mit  breitem  köpf;  abgel.  it.  taccone  fleck  (läppen)  an  schu- 
hen, sp.pg.  tacon  absatz  an  denselben,  dsgl.  tachon  hut  des  nageis,  henneg. 
tacon  =  it.  taccone  und  taccia;  vb.  chw.  taccar  einkerben,  ankleben, 
ven.  tacare,  lomb.  taca  anließen,  pr.  tacar,  fr.  tacher  beflecken,  wohl  auch 
pr.  techir  Chx.  IV,  303;  zsgs.  it.  attaccare,  sp.  atacar,  fr.  attacher 
befestigen,  dsgl.  feindlich  angreifen  {fr.  attaquer),  ursprüngl.  wohl  attaccarsi 
ad  uno  sich  an  einen  anheften,  vgl.  gr.  am;soi>ai  zivog;  it.  gtaccare, 
fr.  d&acher  ff.  losmachen.  Den  stamm  kennt  sowohl  die  celtische  wie  die 
deutsche  spräche:  gaeL  tac,  com.  tach  nagel,  engl,  tack  stift,  haken,  ndl. 
tak,  hochd.  zacke  spitze,  zinke,  wozu  noch  ein  verbum  kommt  mndl.  tacken 
ergreifen,  heften,  vgl.  altn.  taca,  ags.  tacan,  engl,  take  fassen,  fangen. 
Haben  die  roman.  büdungen  hierin  ihre  quelle,  so  war  ihr  grundbegriff 
etwas  heftendes  oder  geheftetes,  daher  auch  flicklappen  oder  fleck  und  hier- 
auf flecken,  makel,  fehler;  die  itai.  bed.  kerbe  aber  erinnert  zunächst  an 
zacke. 

Tafdno  it.,  sp.  täbano,  pr.  altfr.  tavan,  nfr.  taon  (zur  Vermeidung 
des  mislautes  in  taan),  wal.  teune  ein  insect,  bremse;  von  tabanus,  theils 
tibanus,  theils  tabänus  von  den  neueren  betont,  nüat.  eher  täbanus,  da  die 
Schleust,  glossen  tavenus  schreiben  36,  68.  Servius  sagt  (nach  Ferrari)\&tme 
asylus  cvulgo'  tabanus  vocatur,  Papias  asilus,  quem  'rustici*  tabanum 
dicunt,  so  daß  es  nach  diesen  stellen  ein  wort  der  Volkssprache  gewesen 
wäre.  [Ascoli  vergleicht  das  skr.  tapana-s  der  brennende,  stechende,  Ztschr. 
für  vergl.  sprachf.  XJT,  436.] 

T äffet k  it.,  sp.  tafetan,  fr.  taffetas  ein  stoff,  taffei;  vom  pers. 
t&fteh  VuOers  I,  415*. 

Tafur  pr.  altfr.  schelm,  Spitzbube  (s.  glossar  zum  Tristan),  sp. 
tahur  Spieler,  falscher  Spieler,  pg.  taful  auch  schwelger,  vgl.  neupr.  tafurä 
beunruhigen.  Zu  vermuthen  ist  arab.  Ursprung,  wie  schon  Gruibert  (Gesta 
Bei  per  Franc.)  sagt ;  thafur  apud  gentiles  dicuntur,  quos  nos,  ut  nimis 
litteraliter  loquar,  trudannes  vocamus,  s.  Antioch.  II,  7,  Liebrecht  .zu 
Gachet  p.  430*,  Littre,  Hist.  de  la  langue  frang.  I,  189  ff.  Aber  welches 
ist  das  arab.  wort?  taihür  unbesonnener  mensch  Freyt.  I,  202*  ließe  sich 
anführen,  genügt  aber  den  bedeutungen  nicht  hinlänglich.  Engelmann 
vermuthet  dahül  betrüger. 

Taglia  it.,  sp.  taja,  talla,  pg.  pr.  talha,  fr.  taille  schnitt,  einschnitt, 
wuchs,  auch  Steuer,  weil  sie,  wie  Vossius,  Vit.  serm.,  sich  ausdrückt,  von 
dem  vermögen  der  bürger  geschnitten  wird,  masc.  it.  taglio,  sp.  tajo, 
taue,  pr.  talh,  fr.  nur  detail  schnitt,  schneide;  vb.  tagliare,  tajar,  talhar, 
tailler,  auch  wal.  t$iä  schneiden,  abschneiden;  pr.  talhador,  fr.  tailleur 


314  I.   TALCO— TAMIGIO. 

Schneider  (statt  dessen  it.  sartore,  sp.  sastre);  it.  tagliere,  sp.  taller, 
dsgl.  pr.  talhador,  fr.  tailloir,  sp.  tajadero  vorlegeteUer,  Hackbrett  (ein 
geräthe,  worauf  man  schneidet,  daher  unser  teller)  und  zahlreiche  andre. 
Taglia  hat  sein  unantastbares  etymon  im  lat.  talea  abgeschnittenes  stück, 
besonders  abgeschnittener  zweig.  Ein  zsgs.  vcrbum  gibt  Nonius  4,  473 
aus  der  Volkssprache:  taleas  scissiones  lignornm  vel  praesegmina  Varro 
dicit  de  re  rast  lib.  L,  nara  etiam  nunc  crustica  voce*  intertaleare  {al. 
intertaliare)  dicitur  dividere  vel  exscindere  ramum;  es  ist  das  sp.  pr. 
entretallar  einschneiden,  ausmachen,  it.  frastagliare.  Bei  den  feldmessern 
I,  360:  scissuram  h.  e.  taliaturam,  scisöum  i.  e.  taliatum,  vgl.  II,  276 ', 
wo  Rudorff  auch  theclatura  L.  Long,  hieher  rechnet,  it.  tagliatura  u.  s.  w. 

Talco  it.  sp.  pg.j  talc  fr.  ein  mineräl,  talk;  vom  arab.  'talaq,  ur- 
sprüngl.  wohl  persisch,  s.  Freytag  III,  66b .     Völlers  I,  468b ,  II,  647*. 

Talento  it.,  sp.  talento,  talante,  pr.  talen,  talan,  fr.  talent.  Die 
altrom.  bed.  ist  lustf  neigung  (auch  bask.  talendua),  von  talentum  {zahxvrov) 
wage,  daher  gewicht,  zug,  z.  b.  in  einer  span.  Urkunde  (aer.  1098):  si 
venerit  ad  aliqoam  de  meas  filias  in  talentum  cin  den  sinn  kommen 
sollte  DC.  s.  v.  Eine  später  entwickelte  bed.  ist  fähigkeit,  in  beziehtmg 
auf  die  alte  bed.  geldsumme,  schote,  den  man  in  sich  trägt.  Zsgs.  it.  at- 
talentare,  .pr.  atalentar,  altfr.  atalenter  gefallen,  reizen. 

Talismano  it.,  talisman  sp.  fr.;  vom  arab.  'telsam  zauberbild, 
eigentlich  vom  plur.  'telsamän,  womit  man  unter  einem  gewissen  horoscop 
einen  gegenständ  bezeichnete,  rekecfia,  s.  Gol.  1473,  Freyt.  III,  64b. 

Tallo  it.,  sp.  tallo,  pg.  talo,  fr.  talle  (f.)  Schößling,  stengd;  vom 
gleichbed.  thallus  (öaklog). 

Tallone  it.,  richtiger  sp.  pr.  talon,  fr.  talon  ferse;  von  talns 
knöchel.  Letztere  bedeutung  hat  talauun  (lies  taluan  d.  i.  talfin)  noch  in 
den  Gasseier  glossen,  wo  es  mit  anchlao  (anchälo,  enkd)  übersetzt,  ferse 
aber  mit  calcanea  ausgedrückt  ist.  Vgl.  auch  Ducange  v.  talo,  Altrom. 
glossare  42.  97. 

Tamarindo  it.  sp.,  tainarin  fr.  ein  morgenländischer  bäum  und 
dessen  frucht;  vom  arab.  tamr  hindi  d.  h.  indische  dattel  Gol.  395 , 
Freytag  I,  200°. 

Tamburo  it.,  sp.pg.  tambor,  atambor,  pr.  taBor,  fr.  tambour,  mhd. 
tambür  und  täbär  trommel,  trommler,  wal.  tambüre  leier;  dim.  it.  tam- 
burino  cet.,  auch  fr.  tabouret  art  sessel  (von  der  ähnlichkeit  mit  dem 
tambourin);  vom  pers.  ctambür  Vullers  I,  464h,  vgl.  907b,  arab.  ctonb(ir 
cither  Gol.  1486.     Vgl.  Pott  in  Höfers  Ztschr.  II,  356. 

Tamigio  it.  (in  einigen  wbb.,  ven.  tamiso),  sp.  tamiz,  pr.  fr.  tamis 
haar  sieb;  vb.  it.  tamigiare,  fr.  tamiser  sieben.  Lateinisch  ausgedrückt 
würde  dies  wort  tamisium  lauten,  wie  auch  das  mittdalter  schrieb.  Ist  die 
endung  isium  suffix,  so  kann  es  sich  nicht  auf  roman.  boden  gebildet  haben, 
man  müßte  denn  eine  immer  bedenkliche  Verwechselung  mit  dem  suffix 
itium  annehmen,  das  aber  ein  prov.  tamizi  oder  tamitz  fordern  würde, 
und  somit  ist  die  ableitung  aus  dem  celt.  tamma  zerstücken  (s.  Diefenbach, 


I.   TANAGLIA-TARGA.  315 

Cdt.  I,  142)  nicht  wohl  einzuräumen.  Eher  könnte  tamisium  auf  dem 
gleichbed.  ndl.  teeins  (vgl.  ahd.  zemisa  kleie)  ruhen,  dem  man  die  endung 
ium  angefügt  hätte;  welcher  herkunft  aber  dieses  ndl.  wort  sei,  ist  sache 
der  deutschen  Sprachforschung. 

Tanaglia  it.,  pr.  tenalha,  fr.  tenaille  (alt  estenielle)  zange;  von 
tenaculum,  plur.  tenacula,  nur  bei  Terentianus  Maurus  vorhanden.  Dafür 
sp.  tenaza  von  tenax,  plur.  tenacia. 

Tape  fr.  zapfen,  sie.  tappu  spund,  daher  fr.  tapon,  tampon,  sp. 
tapon  zapfen,  stopfen;  pg.  tampa  decket;  vb.  fr.  taper,  sp.  pg.  tapar, 
flor.  tappare,  com.  tapä,  pr.  tampir  verstopfen,  zumachen;  alle  vom  ndd. 
tap  stopfen.  Eine  andre  form  ist  iL  zaffo,  vb.  zaffare,  vom  hochd. 
zapfo,  dsgl.  zampillo  Wasserstrahl  einer  röhre,  worin  sich  ein  ndd.  p  zeigt, 
während  in  zaffata  (mail.  taffiada)  stoß  eines  solchen  Wasserstrahles  das 
hochd.  f  stehen  blieb.  Auch  das  sp.  zampar  verstecken,  gierig  verschlingen 
(nach  Larramendi  baskisch)  ist  nur  formverschieden  von  tapar  zudecken, 
hineinstopfen. 

Tappeto  it.,  sp.  pg.  tapete,  tapiz,  pr.  tapit,  fr.  tapis  teppich;  theils 
von  tapetum,  theils  von  tapes  tapetis. 

Tara  it.  sp.  pg.  pr.,  tare  fr.  abgang  am  gewicht  einer  waare;  vom 
arab.  'tarah  entfernt,  beseitigt,  'tarh  etwas  zurückgelassenes  Freyt.  III,  47  a. 

Taraire  pr.  (m.)  Chx.  IV,  304,  fr.  tariere  (f.),  mundartl.  töräre 
s.  Hecart,  sp.  taladro  für  taradro,  pg.  trado,  chw.  ter&der  bohrer.  Die 
Wörter  fügen  sich  in  die  form  taratram  Isid.  19,  29,  offenbar  das  gr. 
z*q€xqov,  in  den  Casseler  glossen  und  dem  Capitulare  de  villis  taradrus. 
Ital.  taradore  rebenwurm,  das  man  sonst  von  teredo  (xBQrfitiv)  herleitet, 
ist  buchstäblich  das  eben  genannte  pr.  taraire  für  tarader,  chw.  terader, 
auf  die  das  suffix  tor  {daher  npr.  taradouiro)  angewandt  ward,  wiewohl 
kein  vb.  tarar  vorhanden  ist;  auch  fr.  tar-aud  schraubenbohrer  beruht  auf 
einer  Voraussetzung  dieses  verbums.  Celtische  sprachen  zeigen  ein  ganz 
entsprechendes  wort,  kymr.  taradr,  bret.  tarar,  talar,  tarer,  terer  bohrer, 
anders  gad.  tora,  toradh,  vgl.  gr.  zoqoq  grabeisen.  —  Aus  lat.  terebellum 
aber  ist  it.  trivello,j?r.  taravel,  dauph.  taravella,  pic.  terelle,  pg.  tra- 
voella  bohrer,  so  wie  sp.  teruvela  motte  (bohrendes  insect).  Die  auf  dis- 
similcUion  beruhende  Verwandlung  des  ersten  r  in  1  (taladro,  s.  oben)  läßt 
sich  auch  in  dem  volksmäßigen  lat.  telebra  für  terebra  bemerken,  App. 
ad.  Frobutn.  —  Zu  derselben  familie,  das  heißt  zum  stamme  ter,  gehört 
vielleicht  auch  sp.  taraza,  pg.  tra$a  (abgekürzt  wie  das  angeführte  trado) 
üeidennotte,  vb.  tarazar,  tra$ar  zernagen. 

Tardntola,  tarantella  it.,  daher  sp.  tarantula,  fr.  tarentule  u.  s.f. 
eine  erdspinne,  bekanntlich  so  genannt,  weil  sie  sich  in  der  umefegend  von 
Tarent  (it.  Taranto)  in  Apülien  findet.  Schon  der  Vocab.  opt.  p.  46h 
führt  das  wort  und  zwar  als  ein  deutsches  auf:  scorpio  ctarant\ 

Targa  it.,  sp.  tarja,  pg.  pr.  tarja,  fr.  targe,  mit  anlautender  media 
sp.  pg.  darga,  adarga  (in  einer  span.  urk.  aer.  1099  adarca  DG.),  alteat. 
darga  RMunt.  105m  ursprüngl.  ein  großer   den  körper  deckender  schüd 


316  I.   TARGONE— TARTARUGA. 

(der  auch  rund  sein  konnte  GRoss.  2632);  vb.  pr.  se  targar,  fr.  se' 
targuer  trotten.  Die  herleitung  aus  lat.  tergum  (mit  leder  überzogener 
schild)  findet  in  dem  vocal  einigen  anstoß.  Da  die  tartsche  eine  schwere 
namentlich  zum  stürm  gebrauchte  schutzwaffe  war,  so  bleibt  man  am  besten 
bei  dem  ahd.  zarga  schutzwehr  stehen,  woher  denn  ags.  targe,  aJUn.  targa 
schild  s.  Grimm  III,  445:  die  deutsche  bed.  schütz,  einfassung  (noch  jetzt 
in  zarge)  liegt  deutlich  vor  im  sp.  atarjea  einfasstmg  eines  canals.  Die 
über  Spanien  verbreitete  nebenform  a-darga,  adaraga,  daraga  erklärt 
sich  genügend  aus  dem  gleickbed.  arab.  addaraqah  lederschüd  Freyt.  II, 
24b,  s.  Gayangos  Eserit.  antiq.,  gloss.  Auch  das  wal.  targe  flechtwerk  ist 
hier  anzuführen. 

Targone  it.,  sp.  taragona,  fr.  targon,  wallon.  dragonn  ein  kraut, 
dragun,  arab.  ctarchün  Freyt.  III,  47*;  von  draco  in  der  bed.  von  dra- 
cunculas:  wegen  der  Verwandlung  des  anlatäes  dr  vgl.  sp.  taragontäa  von 
dragontea.  Eine  andre  darsteüung  von  draco  ist  pg.  estragao,  fr. 
estragon. 

Tarida  it.  sp.  pr.  cot.  (bei  R.  Munt,  terida  p.  196  u.  oft)  ein  fahr- 
zeug,  lastschiff.  Das  ital  wort  hat  seine  heimath  hauptsächlich  in  Genua, 
s.  Ar  eh.  stör.  ital.  app.  XVIII.  Albertinus  Mussatus  schreibt  darüber: 
ac  inter  eas  onerarias  naves  una  Venetorum  mirae  proceritatis,  quam 
teretein  vocant,  s.  DC.  Auf  ägyptisch-arabisch  heißt  'taridah  ein  beson- 
ders zum  transport  von  pf erden  bestimmtes  fahrzeug,  nach  Quatremere's 
vermuthung  aus  dem  arabischen  verderbt.  8.  Pihan  Gloss.  des  mots 
frang.  cet. 

Tarif fa  it.,  sp.  pg.  tarifa,  fr.  tarif  (m.)  waarenverzeichnis;  vom 
arab.  ctacrif  kundmachung  Freyt.  III,  142* ,  dies  vom  wurzdverbum  'araia 
(yJj*)  erkennen. 

Tarma  it.,  sp.  chw.  tarna  motte,  made;  von  tarmes  (m.)  holzwurm, 
das  früh  in  verschiedenen  formen  erscheint:  tarmus  'vermes  in  tarne  Gl. 
Md.,  taraus  'modo  Hattemer  1,  288.  290,  Gl.  Flor.,  s.  Dief.  Gloss.  lat. 
germ.  v.  terma.  Für  das  synonyme  it.  tarlo  (romagn.  terla)  stellt  Fer- 
rari ein  dimin.  tarmulus  auf;  es  kann  indessen  aus  tarmus,  taraus  ab- 
geändert sein. 

Tartagliare  it.,  ven.  tartagiare,  chw.  tartagliar,  sp.  tartajear,  pg. 
tartarear  stottern,  pr.  tartalhar  'loqui  frequenter  et  pretiose  GProv.  62; 
dsgl.  sp.  tartalear  wanken,  in  der  rede  stocken;  adj.  sp.  tato,  pg.  ta- 
taro,  sp.  pg.  tarta-mudo  stotternd;  naturausdruck,  vgl.  ndl.  tateren 
stammeln,  aber  auch  arab.  tartara  titubare  Freyt.  I,  188b,  das  schon 
J.  v.  Hammer  vergleicht. 

Taftana  it.  sp.  pg.,  tartane  fr.  ein  kleineres. fahrzeug  mit  einem 
mäste,  auf  dem  mittelländischen  meere;  abgeleitet,  wie  man  annimmt,  aus 
tarida,  s.  daselbst. 

Tartaruga  it.  pg.,  sp.  tortuga,  pr.  tortuga,  tartuga,  fr.  tortue 
Schildkröte,  mlat.  tortuca,  dsgl.  tartuca  Vocab.  opt.  p.  46:  47*;  von  den 
krummen  fußen  (tortus)  so  genannt,  daher  auch  engl,  tortoise  =  pr.  tor- 


L   TASCA— TASSO.  317 

tesa  krümme.  Seltsam  hat  sich  die  üäl.  form  erweitert,  doch  besitzt  Stel- 
lten das  einfache  tartuca.  Dasselbe*  (hier  heißt  auch  it.  botta  seudaja, 
dem  deutschen  wort  genau  entsprechend.  Merkwürdig  ist  das  venez.  ga- 
jandra:  etwa  aus  gr.  %iXvdQo$?   S.  Mussafia's  gloss.  zu  Fra  PaoUno. 

Tasca  it.  pr.  (letzteres  aus  tasqueta  zu  folgern),  sp.  pg.  fehlt  fr. 
(mundarü.)  tache,  tasque,  tasse,  wallon.  tah,  wal.  tasce,  ahd.  tasca,  tnhd. 
tasche,  tesche,  nhd.  tasche.  Dieses  wort  trennt  sich  durch  seine  bedeutung 
so  bestimmt  vom  fr.  täche  tagewerk,  daß  schwerlich  an  einen  Zusammen- 
hang zwischen  beiden  zu  denken  ist.  Schön  deutet  J.  Grimm,  Gesch.  d. 
d.  spr.  p.  654,  vgl.  zur  L.  Sal.  p.  VIII,  das  malbergische  texaea,  taxaea 
diebstahl  aus  ahd.  zaseön  raffen,  rauben:  täxaca  konnte  sich  in  tasca  ver- 
einfachen und  aus  der  bed.  raub  in  die  des  behälters,  in  den  man  ihn 
steckte,  übergehen;  das  umgekehrte  trat  bei  saeco  ein.  Hiezu  ist  zu  be- 
merken: buchstäblich  passt  tasca  aber  auch  zu  einem  noch  vorhandenen 
hochd.  zesche  schleppe  des  kleides  Frisch  47 2b,  vb.  zaschen,  zeschen 
schleppen,  schleifen  =  ahd.  zaseön  s.  Schneller:  da  nun  die  taschen  um 
den  hals  getragen  wurden  oder  an  dem  gürtet  herabhiengen,  so  konnte 
man  sie  nicht  unpassend  mit  etwas,  das  man  nachschleppt,  vergleichen, 
auch  im  span.  ist  falda  sowohl  schleppe  wie  sack.  Der  Ursprung  wäre 
der  von  Grimm  gegebene,  nur  die  auffassung  anders.  —  [Nach  Weigand 
II,  862  wäre  tasche  dunkler,  noch  nicht  sicher  ermittelter  herkunft.] 

Tassello  it.,  tasseau  fr.  pflöckchen  oder  leiste  zum  zusammenfügen, 
aUfr.  tassiel  auch  knöpf,  agraffe;  von  taxillus  Jdötzchen. 

Tasso  it.,  pr.  tais  und  taiso,  /r.-taisson,  sp.  texon  und  vermittelst 
der  ableitung  ug  tasugo,  pg.  teixugo,  mlat.  taxus  8—9  jh.,  taxo  taxo- 
nis  7—8.  jh.  (s.  Menage,  Orig.  ital.)  ein  säugethier,  ahd.  dahs,  altndd. 
ndl.  das,  nhd.  dachs.  Das  wort  ist  fast  über  das  ganze  roman.  gebiet 
(mar  wal.  sagt  man  6sure  =  lat.  esor  fresser?)  so  wie  über  Deutschland 
und  Niederland  verbreitet.  Dafür  engl,  brock,  gray,  badger,  dän.  brok, 
gräfling,  schwed.  gräfsvin.  Der  lat.  name  ist  meles  oder  melis:  dies  hat 
sich  mit  gleicher  bedeutung  im  neap.  mologna  erhdÜeny  das  sich  zu- 
nächst der  von  Isidor  angeführten  form  melo  melonis  anschließt;  die 
Schleust,  glossen  haben  taxus  sive  melota  360b.  Ist  das  roman.  uuort 
nun  aus  dem  sichtlich  damit  zusammentreffenden  deutschen  oder  dies  aus 
dem  romanischen  entstanden?  denn  aus  den  vorhandenen  mittein  der  latein. 
spräche  läßt  es  sich  nicht  erklären.  Indessen  findet  sich  bei  Afranius 
taxea  speck  (Gallum  sagatum  pingui  pastum  taxea),  nach  Isidorus,  der 
die  stelle  aufbewahrt,  ein  gallisches  (vielleicht  im  sp.  tasajo  11.  b.  erhal- 
tenes) wort,  und  hieraus  konnte  der  Bömer  in  beziehung  auf  die  lebens- 
weise  des  thieres,  das  im  tvinter  von  seinem  fette  zehren  soll,  taxeo  (wie 
von  alea  aleo)  formen;  aber  diese  aus  der  naturgeschichte  geschöpfte  er- 
üärung  ist  höchst  hypothetisch  und  taxeo  findet  im  mlat.  taxo  keine  stütze, 
da  die  endung  eo  hier  wesentlich  ist.  Dagegen  kennt  Marcellus  Burdigal. 
(4%  jh.)  adeps  taxonina  als  heUmittd,  sehr  wahrscheinlich  dachsfett;  es 
versteht   sich,  daß  sich   taxoninus   trefflich  von   taxo   taxonis   herleitet. 


318  I.  TASTARE-TE. 

Oleichwohl  läßt  sich  in  den  ceUischen  sprachen  keine  spur  des  Wortes  ent- 
decken; es  könnte  gleich  andern  vermeintlich  ceUischen  deutsch  sein.  Dafür 
hält  es  J.  Grimm,  Gramm.  II,  40  und  Wb.,  und  weist  ihm  seine  steile 
an  unter  dem  starken  verbum  dehsen,  prät.  dahs,  brechen  oder  schwingen 
(vom  flachs  gebraucht),  das  früher  graben  oder  wühlen  heißen  mochte;  so 
fern  man  sich  auf  taxoninus  berufen  darf,  muß  der  name  des  thieres  früh 
nach  Gallien  gekommen  sein.  Zeugnisse  und  etymologien  bei  seile  gesetzt, 
ergibt  sich  das  historische  Verhältnis  zwischen  dachs  und  taxns  klar  atis 
dem  buchstaben.  Aus  dem  roman.  arüaut  t  wird  nach  allgemeiner  reget 
kein  nhd.  d,  vielmehr  bleibt  die  tenuis.  Aber  aus  dem  deutschen  arüaut  d, 
sofern  er  einem  älteren  th  entspricht,  wird  rom.  t,  also  tasso  aus  thahs. 
Räumt  man  dieses  d  =  th  nicht  ein,  so  bricht  die  deutung  zusammen, 
denn  aus  der  form  dahs  wird  kein  rom.  tasso,  so  wenig  wie  aus  der 
form  diutisc  ein  rom.  tedesco:  sie  würden  nur  dasso,  dedesco  erzeugt 
haben. 

Tastare  it.,  altsp.  pr.  tastar  (ersteres  bei  Berceo),  fr.  tftter  be- 
fühlen, daher  unser  tasten.  Es  ist,  wie  schon  Rom.  gr.  I,  26  aufge- 
stellt ward,  ein  neues  iterativ  des  lat.  taxare,  dem  Gellius  2, 6  die  grund- 
bedeutung  befühlen  anweist:  taxare  pressius  crebriusque  est  quam  län- 
gere. Tastare  steht  also  für  taxitare;  im  mlat.  taxta  s.  v.  a.  tasta  ist 
die  herkunft  des  roman.  Wortes  schon  angedeutet.  Im  mail.  tasta,  im 
sard.  tastai,  im  pr.  tastar,  im  fr.  täter,  im  engl,  taste  hat  es  auch  die 
bed.  versuchen,  kosten  entwickelt.  Von  tastare  ist  das  itah  sbst.  tasto 
griff  an  der  laute,  daher  sp.  pt/.'traste,  cat.  trast,  andalus.  aber  tast 

Tata  com.  neap.  sie,  sp.  taita  papa  (in  der  kinder spräche),  wai. 
täte  vater,  chw.  tat  großvater,  tata  großmutter;  abgel.  ältfr.  pic.  wallon. 
tayon  großvater,  figürl.  alte  eiche,  zsgs.  pic.  champ.  ra-tayon  Urgroß- 
vater. Lat.  tata  bei  Varro  fuhrt  Nonius  an,  dazu  stimmt  gr.  rata,  mndX. 
teyte,  ndd.  taite,  tatte,  kymr.  täd,  ir.  daid,  engl,  dad,  daddy.  Ältfr.  taie 
großmutter  konnte  eben  sowohl  aus  atavia  entstehen,  aber  man  gesellt  es 
sicherer  zu  dem  rom.  tata,  vgl.  craie  aus  ereta  u.  a.  Dahin  gehört  auch 
sp.  tato  brüderchen,  tata  Schwesterchen  (gleichfalls  in  der  spräche  der 
kinder);  romagn.  dad,  dada  drücken  dasselbe  aus.  Aber  auch  das  goth. 
atta,  schioeiz.  ätte,  gr.  arta,  alb.  at  ist  im  roman.  vorhanden:  comask. 
atta  vater,  chw.  zsgs.  bis-at  Urgroßvater,  und  selbst  lat.  atta  nach  Festus: 
attam  pro  reverentia  seni  cuidam  dieimas.  Vgl.  Grimm  in  Haupts 
Zeitschrift  I,  25. 

Tazza  it.,  sp.  pg.  taza,  pr.  tassa,  fr.  tasse  trinkschale,  wci.  tas, 
serb.  tas  älmosenteller,  vom  arab.  'tassah  napf  becken,  dies  vom  vb. 'tassa 
eintauchen,  wenn  nicht  aus  dem  persischen  entlehnt  Freyt.  III,  65* ,  wel- 
ches J.  v.  Hammer  unbedingt  annimmt,  wogegen  Vullers  II,  525*  und 
Engelmann  es  für  arabisch  halten.  Wegen  der  form  ist  zu  bemerken,  daß 
arab.  s  (u*)  i*n  roman.  zuweilen  durch  z  ausgedrückt  wird,  so  it.  magaz- 
zino  von  machsan,  pg.  Zoleimäo,  von  Soliman. 

Th  it.,  sp.  t6,  fr.  th6  bläuet  einer  staude  so  wie  das  daraus  fte- 


I.  TEGOLA-TESTA.  319 

rettete  getränk;  aus  dem  chinesischen.  Dieselbe  saehe  heißt  in  Neuspanien 
cha,  it.  ciä. 

Tegola,  tegolo  it.,  wal.  tegle,  sp.  teja,  tejo,  pg.  telha,  tijolo,  pr. 
teule  (m),  fr.  tuile  (f.,  daher  tuilier,  tuilerie)  ziegd,  Ziegelstein,  it.  tegghia, 
teglia  pfanne,  decket;  alle  von  tegula,  woraus  auch  pg.  tigella  Schüssel 
Die  franz.  Umstellung  des  diphthongs  eu  (cdtfr.  teule)  in  ui  ist  etwas  seltnes, 
man  bemerkt  sie  auch  im  altfr.  ruile  (regula)  Roq. 

Tempi a  it.,  pr.  templa,  fr.  tempe  aus  dem  alten  teinple,  wal. 
temple  schlaf  am  haupte;  vom  plur.  tempora  mit  gemeinrom.  Verwandlung 
des  r  in  1.  Sard.  treinpa  ist  wange.  Der  Spanier  nennt  diese  stelle  des 
hauptes  sien  (s.  IL  b)}  der  Portugiese  fönte,  der  Franzose  (Gloss.  Lille) 
fontenelle  d.  i.  quelle  (vom  pulsieren  der  oder),  der  Proveneale  (Flam.) 
und  Catalane  pols,  der  Venezianer  sono,  der  Sicilianer  sonnu  schlaf 
(somnus),  wie  auch  wir  und  die  Niederländer  sie  nennen,  der  Parmesaner 
entsprechend  dormidor,  der  Sarde  chizu  d.  i.  ciglio  braue,  der  Franzose 
nannte  sie  tin  (IL  c). 

Ten  da  it.  pg.  pr.,  tienda  sp.,  tente  fr.  zeit,  wal.  tind§  vorhaus, 
ndat.  tenda  Kgezetä  in  einem  Leidner  codex  des  9.  jh.  (Haupt  V,  195) 
und  später  oft;  gebildet  aus  dem  thema  des  vb.  tendere,  nicht  etwa  das 
im  lai.  verlorene  primitiv  von  tendicula.  Die  franz.  form  freilieh  weist 
buchstäblich  auf  das  pari,  tentus,  aber  auch  sonst  tauscht  diese  spräche 
nd  mit  nt  (fente,  fönte,  tonte).  Abget.  ist  sp.  tendon,  pg.  tendäo,  fr. 
tendon  sehne,  ücd.  aber  tändine,  als  ob  ein  lat.  tendo  tendinis  vorausge- 
gangen wäre. 

Terzuolo  it.,  sp.  torzuelo,  pg.  tregd,  pr.  tersol,  tresol,  fr.  tiercelet 
männchen  einer  ort  habichte,  in  glossen  des  12.  jh.  (s.  Elnonensia)  ab- 
stnrco  'tercioV,  vgl.  herodius  'terceV  Graff  V,  456,  mhd.  terze,  terzel; 
von  tertius,  tertiolus,  weil  nach  der  sage  das  dritte  im  nest  ein  männchen 
ist.  Daher  terzeruolo  it.  sackpuffer,  wie  falconetto,  moschetto,  sagro 
stoßvögd  und  wurfgeschütze  bedeuten. 

Tesoira  piem.,  altfr.  tezoire,  pg.  tesoura,  pg.  tixera,  altsp.  tisera  Don 
Sem  Tob  ed.  Janer,  pr.  mit  o  tosoira  (meist  im  plur.  üblich)  scheere.  Die 
prov.  form  zeigt  den  weg:  das  wort  ist,  wie  für  das  span.  schon  Gabrera 
bemerkt,  von  tonsoria  sc.  ferramenta  Werkzeug  zur  Schafschur,  bei  Paüadius. 

Testa  it.sp.  pg.  pr.,  täte  fr.  köpf  (wal.  nur  cap);  vom  lat.  testa 
gefäß,  topf,  nach  einer  gröblich  volksmäßigen  anschauung,  die  schon  bei 
den  spätem  Römern,  welche  es  für  hirnschale  brauchten,  anfieng  und  auch 
bei  dem  it.  coccia  und  coppa,  dem  sard.  conca,  dem  nhd.  köpf  (haupt) 
aus  dem  ahd.  köpf  (kdch)  stattfand,  vgl.  Born,  gramm.  I,  55,  daher  in 
glossen  testa  'hnach'  (nacken)  Hauern.  I,  212.  Das  dimin.  testula  gab 
it.  teschio  schadet,  wie  fistula  fischiare.  Von  testa m  ist  it.  pg.  testo, 
sp.  tiesto,  fr.  töt  scherbe,  irdener  decket,  topf,  altsp.  hirnschale  Conq. 
ÜUram.,  und  so  altfr.  tes  DMce.  265,  ties  HBord.  195,  vgl.  que  la 
teste  et  le  test  en  deus  moittes  li  fent  ihm  köpf  und  hirnschale  spaltet 
Gamfr.  282.    Die  franz.  abl.  tesson  für  teston  ist  noch  anzumerken. 


320  I.   TETTA-TOMBACCO. 

Tetta  und  zitta,  zezzolo,  auch  cizza  it.,  weil.  alb.  tzitze,  sp.  pr. 
teta,  fr.  tette,  teton  brustwarte,  euler;  vb.  it.  tettare,  sp.  tetar,  chw. 
tezzar,  cicciar  saugen,  säugen.  Das  wärt  ist  weit  verbreitet:  ags.  tite, 
nhd.  zitze,  kymr.  titten,  gr.  Tiudr)  u.  s.  w.,  für  deutschen  Ursprung  aber 
scheinen  die  roman.  doppelformen  mit  t  und  z  zu  reden.  Mit  media 
statt  tenuis  cot.  dida  amme,  sard.  dida,  ddedda  zitze,  wie  kymr.  didi, 
baslc.  dithia,  ahd.  deddi.  Fr.  tndartl.  (henneg.  champ.)  tuter  am  daumen 
saugen  (von  hindern),  mhd.  tütelen  dass.,  ahd.  sbst.  tutti,  tutta  mamtna. 

Tigna  it.,  sp.  tina,  pr.  teina,  /K  teigne  motte,  räude;  von  tTnea, 
6«  spätem  tTnea,  5.  üom.  gratnm.  I,  156. 

Tirare  #.,  sp.  j>^.  j?r.  tirar,  /r.  tirer  ziehen;  sbst.  it.  sp.  pr.  tira, 
fr.  tire  smj;  vom  goth.  tafran,  ahd.  zgran  zerreißen.  Das  prov.  wort  be- 
deutet auch  leid  thun,  misfallen,  vielleicht  mit  annäherung  an  die  grund- 
bedeutung,  und  so  scheint  sich  auch  it.  tiro  zank,  altfr.  tire  verdruß  Ccy 
4263  zu  erMären.  Eine  abl.  ist  pr.  tirassar,  altfr.  tiracer,  tirasser, 
sp.  es-tirazar  ziehen,  schleifen.  Ein  compositum  bemerkenswerth  durch 
seine  bedeutung  ist  altfr.  attirer  (atirier)  schmücken,  ordnen,  woher  engl. 
to  attire  dass.;  man  dürfte  an  tiere  Ordnung,  reihe  II.  c.  denken,  wenn 
sich  nicht  auch  eine  prov.  von  atieirar  gesonderte  form  atirar  (vielha, 
quan  trop  s'atira  wenn  sich  eine  alte  zu  sehr  putzt)  GO.  daneben  stellte. 
Das  subst.  attirail  zubehör,  tross,  geräthe,  it.  attiraglio,  erklärt  sich  schon 
leichter  aus  tirare. 

Tis&na  it.  sp.,  fr.  tisane  gerstentratik;  von  ptisäna,  nxtoitvn]. 

Tizzo  it.,  tizo  sp.,  dsgl.  it.  tizzone,  sp.  pr.  tizon,  pg.  ti(äo,  fr. 
tison,  wal.  t^ciune  feuerbrand;  von  titio.  Dem  sp.  tizon  entsprang  das 
vb.  tiznar  rußig  machen,  sbst.  tizne  ruß.  Zsgs.  ist  it.  attizzare,  sp. 
atizar,  pr.  atizar,  atuzar,  fr.  attiser,  wal.  atzitzä  anschüren,  reizen  (aus 
der  nominativform  tizzo).  Der  Italiener  hat  noch  die  Verstärkung  stizzo 
brand,  stizza  zorn,  stizzare,  stizzire  reizen,  der  Churwälsche  stizzar  löschen. 

Tocca  it.,  sp.  toca,  pg.  touca,  fr.  toque  haübe,  mutze;  von  kymr. 
toc  (m.)  mit  gleicher  bed.,  vb.  tocio,  tweio  abschneiden,  also  wie  unser 
mutze  von  mutzen,  s.  almussa.  Gleicher  Herkunft  ist  wohl  auch  it.  toeco, 
chw.  tocc  schnitte  z.  b.  brot,  käse,  sp.  tocon  stümmel  (abgeschnittenes). 
Schon  eine  ags.  glosse  lautet  toculus  'brocc  (brocken)  Mone,  Anz.  VII,  368. 

Toccare  it.,  sp.  pg.  pr.  tocar,  fr.  toucher,  toquer  berühren;  vom 
ahd.  zuchön,  nhd.  zucken.  Die  deutsche  bedeutung  ist  noch  erkennbar 
im  altfr.  se  toucher  de  qch.  sich  von  etwas  losreißen,  entschlüpfen  Ren. 
I,  p.  64.  110  und  im  neufr.  toucher  de  l'argent  geld  einziehen,  vgl.  tat. 
stringere  zucken  und  berühren,  attingere  berühren  und  nehmen,  goth.  t&kan 
berühren,  engl,  take  nehmen.  Auch  der  Walache  hat  toeä  Hopfen  (auf 
dem  klopfbrett),  vermuthlich  nach  it.  toccare  il  liuto  die  laute  rühren. 

Tomba  il.  pr.,  sp.  pg.  tumba,  fr.  tombe  grüß;  vom  spätem  lat. 
tumba  bei  Prudentius,  dies  vom  gr.  zifiißog  mit  auffallender  vertauschung 
des  genus. 

Tombacco  it.,  sp.  tumbaga,  fr.  tombac  eine  metallmischung ;  scheint 


I.   TOMBOLARE— TORCIARE.  321 

das  nuüayische  tamb&ga  hupf  er  zu  sein,  wie  auch  pg.  tambaca  geschrieben 
wird.    S.  Pott  in  Zossens  Ztschr.  IV,  264. 

Tombolare  it.,  sp.  pr.  tumbar,  pg.  pr.  toinbar,  fr.  tomber,  alt 
auch  tumber  bureein,  mit  dem  köpfe  voran  fallen.  JEs  ist  genau  das  altn. 
tumba  vorwärts  hinfallen;  daneben  aber  ist  die  herleitung  aus  tumba  in 
der  bed.  hügd,  häufe  (vgl.  tumba  <houfa  Gl.  Flor.  990b)  wohl  zu  er- 
wägen,  denn  wer  burzdt,  bildet  einen  häufen,  daher  unser  'über  den  häufen 
fallen,  sp.  tropellar  umstürzen  von  tropel  häufe. '  Eine  zweite  form  mit 
ausgefaUnem  b  ist  it.  tomare,  lothr.  teumei,  ehamp.  dltfr.  tumer,  wovon 
das  letztere  durch  das  ahd.  tümön,  nhd.  taumeln,  mndl.  tarnen,  hervor- 
gerufen  sein  könnte.  Von  tomber  stammt  fr.  tomberean  karren,  dessen 
tasten  man  umstürzen  kann,  bürg,  tumereau. 

Tonapr.,  fr.  tonne,  wal.  toanq;  abgel.  sp.  tonel,  fr.  tonneau  faß, 
dsgl.  fr.  tonneile  sommerlaube,  auch  rebhühnergarn  (etwas  mit  reifen,  wie 
die  tonne,  gemacht  es J.  Tona  ist  buchstäblich  das  ahd.  altn.  tunna,  nhd. 
tonne,  welches  vermuthlich  fremdes  Ursprunges  ist  (Grimm  HI,  467),  auch 
in  den  Casseler  und  Schleust,  glossen  (39,  41)  als  lat.  wort  hingestellt 
und  mit  chöffa,  coufa  (kufe)  übersetzt  wird.  Gewöhnlich  leitet  man  tona 
im  Widerspruche  mit  der  Sprachregel  unmittelbar  aus  lat.  tina;  es  scheint 
aber  diesem  worte  ergangen  zu  sein  wie  dem  worte  stipula,  s.  oben  stoppia. 

Tonno  it.,  sp.  atun,  fr.  thon  thunfisch;  lat.  thunnus,  gr.  övvvog. 
Nur  das  vorgesetzte  sp.  a  ist  hier  zu  bemerken. 

Toppo  it.  klotz,  sp.  tope  knöpf,  ende  eines  dinges,  Zusammenstoß, 
altfr.  top  schöpf  GGaim.  p.  44;  nfr.  toupet  büschcl;  toupie,  norm. 
toupin  kreißet  (zugespitztes  klotzchen,  engl,  top);  vb.  sp.  topar  antreffen, 
begegnen,  it.  intoppare  anstoßen*  Das  wort  ist  vielen  sprachen  gemein, 
z.  b.  ags.  engl,  top  gipfd,  scheitet,  altfrs.  top,  altn.  toppr  haarbüschel,  ahd. 
zop£  gad.  kymr.  top  u.  dgl.  —  Zu  derselben  wurzd  gehört  sp.  tupir, 
pg.  atupir,  entupir  stopfen,  häufen,  piem.  topon,  dltfr.  toupon  Stöpsel,  vgl. 
kymr.  sbst.  top  dass.,  ndl.  top  häufe  KU. 

Torba  it.,  sp.  turba,  fr.  tourbe,  woXlon.  trouf  brennbare  erde,  torf; 
vom  ahd.  zurf  in  der  L.  Alam.,  ags.  turf,  altn.  torf. 

Torchio,  torcolo  it.,  mit  umgestelltem  r  pr.  trolh,  altfr.  treuil  kelter, 
presse,  nfr.  haspe,  winde;  von  torculum  wörtlich  * etwas  das  sich  dreht\ 
gebildet  aus  torquere.  Von  torculum  ist  auch,  wie  Cabrera  richtig  sieht, 
das  sp.  es tru j ar  auspressen  =  ex-torculare  extroclare. 

Torciare  it.  zusammendrehen,  festbinden,  sp.  atrozar  fest  anschnüren, 
altfr.  torser  zusammenpacken,  mit  umgestelltem  r  nfr  .jfcrouss  er,  pr.  trossar, 
aus  letzterem  zunächst  altsp.  trossar  Bc.,  nsp.  troxar  (vgl.  puxar  =  fr. 
pousser),  pg.  trouxar;  subst.  l<nnb.  torza,  torsa  stroh-  oder  heubündel, 
miat.  trossa  dass.,  lomb.  auch  troza  rankengeflechte,  sp.  troza  seil  zum 
binden,  torzal  schleife,  fr.  trousse,  pr.  trossa,  sp.  troxa,  pg.  trouxa  pack, 
bündd;  pr.  trossel,  fr.  trousseau,  dltfr.  torseau,  davon  it.  torsello.  Der 
Ursprung  dieser  worter  und  formen  liegt  in  torquere  tortus,  hievon  auf 
bekannte  weise  das  neue  vb.  tortiare  drehen,  zusammendrehen,  festknebdn : 

21 


322  I.   TORNO-TOKSO. 

die  bed.  einwärts  krümmen,  die  das  fr.  trousser  noch  kennt,  gibt  ein  un- 
mittelbares erngnis  dieser  Herkunft  Die  erklärungen  aus  celt.  trus,  trws 
oder  ahd.  trust  sind  also  bei  seite  zu  weisen;  utiser  nhd.  tross  aber  ist 
aus  trossa,  mhd.  trossen  (packen)  aus  trossar,  wie  das  ndl.  toreen  aus 
torser.  Zu  tortiare  gehört  auch  noch  it.  torcia,  veron.  ven.  torzo  f aekel 
d.  h.  etwas  wie  ein  strick  (lat.  tortum)  gedrehtes,  darum  auch  altit.  tor- 
ticcio  PPS.  II,  183,  altfr.  tortis,  pg.  torcida  fachet,  docht.  Die  damit 
glekhbed.  pr.  torcha,  fr.  torche,  ältsp.  entorcha,  nsp.  antorcha,  pg. 
tocha,  vb.  fr.  torcher  abwischen  (torche  auch  Strohwisch),  sp.  entorchar 
zusammendrehen,  könnten  aber  aus  einem  falschen  partic.  torctus  ent- 
sprungen sein,  doch  läßt  sich  das  prov.  und  franz.  ch  besser  wohl  aus 
einer  älteren  form  torca  (daher  pr.  torcar  =  torcher),  das  sp.  ch  aber 
als  eine  vergröberung  von  z  (vgl.  panza,  pancho)  erklären.  Span,  torca 
strohbündel  nebst  tuerca  Schraubenmutter  (etwas  gedrehtes,  gewundenes) 
gehen  unmittelbar  auf  torquere  zurück. 

Tor  110  it.  sp.  pg.,  pr.  torn,  fr.  tour  (m.)  drelischeibe,  Umlauf,  daher 
das  adverbiale  it.  in-torno,  pr.  en-torn,  fr.  autour,  ä  Tentour  u.  a. ;  von 
tonras  (voqvoq)  dreheisen.  Dsgl.  vb.  it.  tornare,  sp.  pg.  pr.  tomar,  fr. 
tourner  drehen,  umkehren,  wal.  turnä  ausschütten  (wie  fr.  verser,  lat. 
versare) ;  von  tornare  (toqvsvuv)  drechseln.  Die  roman.  bedeutung  dieses 
verbums  war  vermutlich  schon  der  röm.  Volkssprache  bekannt,  da  sie 
auch  im  walach.  vorliegt  und  im  frühsten  nUatein,  z.  b.  in  Rothars  ge- 
setzen,  sich  geltend  macht  (man  sehe  beiDucange)  und  auch  retornare  in 
der  bed.  umkehren  schon  von  Theophylactus  Simocatta  (um  600)  envähnt 
wird,  s.  Menage,  Orig.  ital.,  Raynouard,  Choix  I,  p.  VIII,  Schlegel, 
Observ.  p.  46.  Die  lat.  bedeutung  wird  ital.  durch  torniare,  tornire  ver- 
treten. Abgeleitet  ist  it.  sp.  pg.  torn^o,  pr.  toraei,  fr.  tournoi  ritter- 
liches kämpf  spiel,  von  den  Wendungen  mit  den  rossen  so  genannt;  vb.  it. 
torneare,  sp.  pg.  tornear,  pr.  torneiar,  fr.  tournoyer.  Zsgs.  äJttfr. 
a torner  wohin  richten,  kehren  LRs.  304,  zurecht  machen  311,  überh. 
schmücken,  sbst.  atorn  'praeparatio*  das.  368,  nfr.  atour  putz. 

Torso  it.,  umgestellt  piem.  trouss,  sp.  pg, Ttrozo,  pr.  altfr.  tros  (trois 
Brt.  II,  199)  Strunk,  stumpf,  bruchstück,  wohl  auch  pr.  tors  'pars3  GProv. 
55h;  vb.  sp.  trosar  zerstücken;  sp.  destrozar  dass.  (wenn  nicht  von 
destructus).  Das  etymon  ist  thyrsns  (öigoog)  Schößling,  ahd.  turso, 
torso,  nhd.  dorsch.  Aus  der  grundbedetäung  entwickelte  sich  die  ital. 
Strunk  des  hohles,  butzen  des  Obstes,  pr.  tros  del  caul  M.  num.  334,  fr. 
tTOU  de  chou  bei  Menage,  altfr.  trox  de  pomme,  endlich  etwas  abge- 
hauenes, bruchstück,  im  span.  die  einzige  bedeutung;  daher  watton.  tourson 
grotzen,  vb.  toursi  benagen.  Neben  altfr.  tros  stehen  noch  als  rhinistische 
formen  trons,  tronce,  trongon,  pr.  tronso,  vb.  sp.  tronzar,  altfr.  troncener. 
Tronin  konnte  freilich  aus  truncus  erwachsen  (lat.  gleichsam  truncio 
truncionis)  wie  argon  aus  arcus,  cler^on  aus  clericus,  aber  trons,  tronzar 
fügen  sich  nicht  so  willig  in  dieses  etymon,  denn,  wenn  auch  bildungen 
aus  dem  nominativ  vorkommen,  wie  etwa  it.  tizzo,  attizzare  von  titio,  so 


I.   TORTA-TOVAGLIA.  323 

beschränken  sie  sieh  wenigstens  auf  vorhandene  lest.  Wörter.  Span,  tara- 
zon,  pg.  tra$äo  abgeschnittenes  stück,  für  trozon,  torzon. 

Torta  it.  sp ,  fr.  tourte,  wal.  turt<j  ein  backwerk;  vom  lat.  torta, 
also  etwas  gewundenes,  wegen  seiner  form.  Schon  die  Vtdgata  kennt  dies 
wort,  verbindet  es  aber  jedesmal  mit  panis,  z.  b.  divisit  universis  tortam 
panis  Paralip.  16,  3.  Bemerkenswerth  ist  das  daraus  entstellte  schon  der 
altern  spräche  bekannte  fr.  tarte. 

Torto  it.  pg.,  sp.  tuerto,  pr.  fr.  tort  Ungerechtigkeit,  unrecht,  im 
frühem  mlaiein  tortam;  von  tortus  gedreht,  verdreht,  das  gegentheil  von 
directum,  diritto,  droit  recht,  gerechtigkeit.  Auch  das  adj.  tortilis  hat 
Sprößlinge  hinterlassen,  wie  fr.  entortiller,  sp.  entortijar  wickeln,  ringeln. 

Tosco  it.,  sp.  tösigo,  pr.  tteissec,  altfr.  toxiche,  wal.  toxfce  gift; 
von  toxicum.    Im  neuprov.  ist  tossec  auch  ein  name  der  kröte. 

Toso  it.  (mundartl.),  pr.  tos,  altfr.  tosel  knäbe;  fem.  it.  pr.  tosa, 
altfr.  tose  mädchen.  Buchstäblich  kann  toso  seinen  Ursprung  in  tonsus 
haben,  eilein  was  soll  das  abgeschorene  haar  zumal  bei  mädchen,  wie 
schon  Ferrari  einwendet?  Nur  Sklaven  wurden  geschoren.  Besser  darum 
von  intonsus  mit  abgefallnem  präftx,  wie  andre  erklären:  sagt  ja  Hör  ob 
intonsi  pueri  und  Qarcilaso  mancebo  intonso.  Vielleicht  aber  läßt  sich 
das  wort  aus  einer  üblicheren  anschauung  deuten.  Bai.  torso  heißt  Strunk, 
hülsen  des  obstes,  mit  syncopiertem  r  toso  (dieselbe  syncope  vor  s  in  dosso, 
giuso,  ritroso,  rovescio,  pesca  von  dorsum,  deorsnm,  retrorsus,  reversus, 
persica,  Rom.  gramm.  L,  225),  der  knabe  ward  Strunk  oder  btitzen  ge- 
nannt, wie  dies  auch  in  andern  ausdrücken  und  in  andern  sprachen  ge- 
schah, s.  oben  garzone.  Des  Wortes  eigentliche  heimath  ist  Oberitalien, 
wo  es  die  meisten  ableitungen  hervorgebracht  hat  (toset,  toson,  tosonot, 
tosel,  toselot  u.  a.),  aber  Italien  ist  auch  die  eigentliche,  heimath  von  torso. 

Tosone  it.,  sp.  tuson,  fr.  toison  scher  wolle,  feil  mit  der  wolle-,  von 
tonsio  schür,  concret  und  mascülin  geworden  außer  im  franz.,  wo  es  sich 
nur  noch  mundartl.  (z.  b.  in  Berry)  zu  diesem  geschleckte  bekennt. 

Tosto  it.  altsp.  altpg.  SRos.,  tost  pr.  ältsp.  Alx.,  fr.  tot,  adverb 
für  lat.  statim,  ülico,  ital.  zugleich  als  adjeetiv  gebraucht,  franz.  auch  in 
aussitöt,  bientöt,  plutöt,  tantöt  enthalten.  Unter  den  vorgebrachten  deu- 
tungen  ist  die  aus  dem  lat.  partic.  tostus  (erhitzt)  gewiß  die  haltbarste, 
wobei  man  an  das  synonyme  it.  caldo  caldo,  an  altfr.  ehalt  pas,  an  Schweiz. 
fuftwarms  u.  dgl.  denken  kann.  Besser  noch  von  seilen  des  begriffes 
würde  es  sich  als  eine  Zusammensetzung  aus  tot-cTto,  tot-citus  erklären, 
warin  das  it.  c  in  s  übergetreten,  d.  h.  eben  so  wenig  palatal  geworden 
wie  in  amistä  aus  amicitas  oder  destare  aus  excitare:  daß  man  ähnliche 
begriffe  mit  totus  verstärkte,  zeigt  it.  tutto  in  un  tempo,  fr.  tout-ä-1'heure 
u.  a.  Auch  ist  die  venez.  und  neap.  bed.  von  tosto  'fest,  hart*  (sard. 
tostai  verhärten),  eigentl.  geröstet,  getrocknet,  der  ersteren  auslegung  nicht 
eben  günstig. 

Tovaglia  it.,  sp.  toalla,  pg.  pr.  ebenso  toalha,  fr.  touaille  hand- 
tueh    u.  dgl.;    votn   ahd.   duahilla,    twahilla,   mhd.   twehele,   dies   von 


324  I.   TRACCIARE-TRAMAGLIO. 

duahan,  thwahan  waschen.    Daher  auch  cdtfr.  tooillier  waschen,  reiben 
NFC.  II,  134.  184. 

Tracciare  it.,  attfr.  tracier  (trassier  ChOyg.  p.153)  die  spur  ver- 
folgen, sp.  trazar,  nfr.  tracer  zeichnen,  entwerfen;  sbst.  it.  traccia  zug, 
strich,  streif,  sp.  traza,  pr.  trassa,  fr.  trace  Zeichnung,  grundriß,  spur, 
masc.  sp.  trazo,  pr.  tras.  Man  braucht  bei  diesem  worte  den  römischen 
boden  nicht  zu  verlassen,  um  es  vom  deutschen  treten  oder  trecken  her- 
über  zu  leiten:  tracciare  ist  eine  aus  dem  partic.  tractus  mittelst  i  voll- 
zogene ableitung,  seine  bedeutung  ungefähr  die  des  einfachen  trahere 
ziehen,  einen  streif  machen.  Attfr.  trasser  bedeutet  auch  durchsuchen 
(der  spur  nachgehen),  it.  trassare  (aus  einem  prov.  trassar?)  einen 
Wechsel  ziehen.  * 

Tradire  it.,  trahir  pg.  pr.  fr.  verrathen,  fehlt  span.;  von  tradere 
überliefern  (den  feinden),  wie  gr.  7tQodtd6vai,  goth.  levjan;  subst.  it.  tra- 
ditore,  sp.  (trotz  dem  fehlenden  verbum)  traidor,  pg.  pr.  dass.,  fr.  traftre, 
lat.  traditor  verräther;  sp.  traicion,  pg.  trai^äo,  pr.  trassio,  fr.  trahison 
verrath  (lat.  traditio,  it.  tradizione  Überlieferung).  —  Im  prov.  hat  sich 
das  verbum  trair  gemischt  mit  trdire  =  trahere,  z.  b.  perf.  trdis  =  traxit 
(elam  galiet  ein  trais  sie  betrog  und  verrieth  mich  M.  836,  3)  part.  träit, 
trach  =  tractus.  Auch  trachor  (für  traidor)  von  tractor,  nicht  von  tra- 
ditor, denn  ch  entsteht  nicht  aus  dt 

Träffico  it.,  sp.  träfico,  träfego,  pg.  tr&fego,  pr.  trafeg,  trafei, 
fr.  trafic  handel,  verkehr;  vb.  it.  trafficare,  sp.  traficar,  trafagar,  pg. 
trafegaear,  fr.  trafiquer  handel  treiben.  Das  wort  ist  von  ungewisser  her- 
kunft,  merkwürdig  aber,  daß  aitpg.  trasfegar  hinübergießen  (s.  trasegar 
II.  b)  auch  die  bedeutung  von  trafegar  handel  treiben  einnimmt,  daß  cot. 
trdfag  handel,  kunst griff,  auch  umguß  heißt.  Ist  aber  trafegar  identisch 
mit  trasfegar,  so  muß  sich  im  altpg.  sbst.  träsfego,  npg.  träfego,  traffico 
der  accent  auf  die  präposition  gezogen  haben,  was  nur  in  sehr  wenigen 
fällen  geschah. 

Trafno  it.,  sp.  tragin,  pr.  trahf,  /r.train  aus  dem  alten  traYn,  aug, 
von  trahere;  vb.  it.  trainare,  pr.  trahinar,  fr.  tralner  schleppen.  Es  ist 
verdacht  vorhanden,  daß  die  prov.  und  franz.  formen  aus  trahim,  traYm 
entstellt  und  die  ital.  und  span.  daher  entlehnt  sind,  da  das  männliche 
suffix  ino  sich  mit  keinen  verbalstämmen  zu  verbinden  pflegt:  auch  eUtfr. 
ga-l'n  ist  =  it.  gua-ime. 

Traliccio  it.,  sp.  terliz,  fr.  treillis,  altfr.  treslis  driUich;  von  tri- 
licium  und  trilix. 

Tramaglio  it.,  fr.  tramail,  norm,  tremail  fischernetz,  das  quer 
durch  den  fluss  gespannt  wird,  mlat.  tremaculum,  tremaclem  (acc.)  bereits 
in  der  L.  Sah,  vgl.  wallon.  trainaie  flechtwerk  aus  reisern.  Man  nimmt 
es  für  ein  compositum  aus  ter  oder  tri  und  macula,  weil  es  dreimaschig 
sein  soll,  was  die  bildungen  it.  traliccio,  fr.  treillis  aus  tri-licium  buch- 
stäblich bestätigen  würden.  Zu  dem  piem.  trimaj  bemerkt  Zdtti,  es  be- 
stehe dies  fischer-  oder  vogelnetz  aus  drei  lagen  von  netzen  verschiedner 


I.   TRAMOGGIA— TRAVAGLIO.  325 

weite;  eine  ähnliche  bemerkung  macht  Cherubini  zum  maü.  treniagg, 
Patriarchi  zum  venez.  tramagio.  Da  Icein  grund  ist,  an  der  richtigkeit 
dieser  angaben  zu  zweifeln,  so  steht  die  obige  deutung  fest.  Die  Gasseier 
glossen  haben  tramolol  'sapari*  (d.  i.  sdbanum)  leinenes  gewebe}  von  trama 
eintrag  des  gewebes,  also  unverwandt  mit  tramaglio,  auf  dessen  gestaltung 
in  der  ersten  silbe  aber  doch  trama,  tramare  eingewirkt  haben  können. 
Zu  beachten  ist  auch  Pott  zur  Lex.  Sal.  164,  Platttat.  402,  undDiefen- 
bach,  Zeit  sehr,  für  vergl.  sprachf.  XII,  79. 

Tramoggia  it.,  sie.  frimoja,  sp.  fehlt,  pg.  tremonha,  pr.  tremueia, 
fr.  tr&nie  mühltrichter;  wird  mit  trimodius  erklärt,  weil  er  drei  modios 
halte.  Aber  bezeichnender  für  die  sache  wäre  eine  Zusammensetzung  mit 
tremere,  da  jener  behalter  stets  in  zitternder  bewegung  ist,  tra-inoggia 
syncopiert  aus  trema-moggia  buchstäbl.  zittergefäß. 

Transito  it.  Übergang  vom  leben  zum  tode,  hintritt,  mlat.  fransitus, 
daher  mit  richtiger  darstellung  des  st  durch  $  sp.  pg.  trance  (m.)  todes- 
stunde,  entscheidender  augenblick,  fr.  franse  (f.)  angst  vor  drohendem 
unheil.  Moraes  halt  trance  für  abgekürzt  aus  fr.  outrance,  aber  der  Süd- 
westen liebt  so  starke  abkürzungen  nicht.  Nach  Frisch  II,  381b  ist  es 
vom  dtschen  (Schweiz.)  tränst,  das  aber  selbst  aus  transitus  entstanden 
scheint.  Man  beachte,  daß  die  übliche  franz.  redensart  Stre  en  franse  ganz 
der  ital.  essere  in  transito  entspricht,  nur  daß  dort  das  moralische,  hier 
das  physische  hinscheiden  gemeint  ist.  Vb.  altsp.  transir  hinscheiden, 
sterben  Bc.,  gleichbed.  ältfr.  transir  GGaim.  p.  29,  nfr.  vor  furcht  oder 
kalte  erstarren,  erstarren  machen,  sard.  transire  staunen,  sp.  transido 
matt,  kraftlos,  pr.  fransitz  'semimortuus*  GProv.  p.  62. 

Trappa  pr.,  fr.  trappe,  sp.  trampa  fälle,  fallthüre,  gleichbed.  it. 
trappola,  chw.  trapla;  vb.  it.  attrapare,  sp.  atrapar,  atrampar,  pr. 
afrapar,  fr.  attrapper  erwischen;  vom  ahd.  trapo  schlinge,  mlat  trappa 
(si  quis  turturem  de  trappa  furaverit  Pact.  L.  Sal.),  vb.  mndl.  trappen 
ertappen  KU.,  so  auch  nddeutsch. 

Tras,  tra  it.  in  compos.  (ein  andres  fra  s.II.a),  sp.  pg.  pr.  fräs,  fr. 
tres  partikel,  von  frans.  Der  Franzose  braucht  es  nur  als  adverb  des  grades 
wie  in  tres  grand,  tres  eher,  it.  frasgrande,  fracaro,  vgl.  mhd.  über  in  ttber- 
groz,  d.  i.  überaus  groß.  Zsgs.  sp.  pg.  pr.  de  tras ,  lat.de  frans  Jordanem 
Vülgata,  de  frans  mare  L.  Sah;  in  denselben  mundarten  auch  atras. 

Travaglio  it.,  sp.  trabajo,  pg.  trabalho,  pr.  trabalh,  trebalh,  fr. 
travail,  in  ältester  bed.  drangsed,  demnächst  arbeit;  vb.  travagliare  ff. 
peinigen,  sich  plagen,  arbeiten.  Die  sehr  übliche  prov.  nebenform  mit  e 
statt  des  radicalen  a,  die  sich  auch  im  alteat.  treball  wiederfindet,  scheint 
durch  den  häufigen  Wechsel  zwischen  tra  und  fre  (trabucar  trebucar,  tras- 
pas  trespas)  veranlaßt,  mithin  ohne  etymologischen  werth.  An  deutungen 
fehlt  es  nicht.  Nach  Ferrari  entstand  das  wort  aus  fribulum,  fribulare, 
nach  Sylvias  (Dubois)  aus  trans-vigilia  Schlaflosigkeit,  nach  Muratori  u.  a. 
aus  it.  vaglio  sieb,  tra-vagliare  durchrütteln,  nach  Wächter  aus  kymr. 
trafod  arbeit.  Annehmlicher  ist  die  herleitung  aus  dem  gael.  treabh  pflügen 


326  I.  TRAVAR-TEEGUA. 

(Dief.  Gelt.  J,  149,  Monti  Voc.  com.),  wie  auch  unser  arbeiten  pflügen, 
ackern,  das  feld  bauen  heißt  Allein  ist  es  nicht  richtiger  ein  deri- 
vatum  an  ein  in  der  spräche  vorhandenes  als  an  ein  fremdes  primitiv  zu 
knüpfen?  So  konnte  das  wort  ohne  den  mindesten  formellen  zwang  aus 
dem  roman.  vb.  travar  (hemmen)  hervorgehen,  wozu  auch  seine  grundbed. 
pein,  drangscd  =  hemmnis  vollkommen  passend  erscheint,  man  vgl.  it.  tra- 
vaglio  nothstall,  d.  h.  etwas  hemmendes,  nöthigendes.  Es  macht  wenig 
unterschied,  wenn  andre  das  wort  unmittelbar  aus  dem  sbst.  trabs  ableiten 
und  zunächst  an  eine  zwingende  Vorrichtung  in  der  eben  bemerkten  ital. 
bedeutung  erinnern.  Wenn  das  aus  dem  franz.  entnommene  engl.  vb. 
travel  die  bed.  wandern,  reisen  entwickelt  hat,  so  ist  unser  arbeiten  in 
der  baltischen  mundart  desselben  gebrauches  fähig  geworden,  s.  Schindlers 
Wb.  I,  101;  dieselbe  bedeutung  legt  Liebrecht  (zu  Gachet  437h)  auch 
dem  altfr.  verbum  bei. 

Travar  pg.,  trabar  sp.  zusammenfügen,  fesseln,  pr.  travar,  fr.  en- 
traver  (sbst  entraves)  hemmen,  sp.  destrabar,  altfr.  destraver  Eracl.  4696 
frei  machen;  vom  lat.  trabs  balken,  daher  pg.  trave  stock,  fessd. 

Trebbia  it.,  sp.  trillo  und  so  pg.  trilho  dreschflegel;  vb.  it.  treb- 
biare,  tribbiare  ff.  dreschen,  pr.  trilhar,  altfr.  tribler  auch  zermalmen; 
von  tribula,  tribulare;  zsgs.  it.  strebbiare,  stribbiare  reiben,  glätten. 
Kirchenschriftsteller  brauchen  tribulare  gerne  figürl.  für  plagen,  quälen, 
daher  it.  tribolare,  pr.  tribolar,  trebolar,  treblar  (auch  trüben),  altfr. 
triboiller,  sbst.  it.  tribolo  u.  s.  f. 

Treccare  it.,  pr.  tricbar,  fr.  tricher,  alt  auch  trecher,  betrügen; 
sbst.  pr.  tric  trug.  Herkunft  aus  lat.  trlcari  kann  wegen  des  neben  i 
bestehenden  radicalen  e  nicht  angenommen  werden.  Das  wort  ist  deutsch 
und  grade  aus  dieser  spräche  erhellt  jenes  schwanken  zwischen  e  und  i 
hinlänglich.  Ndl.  trek  heißt  zug  so  wie  streich,  den  man  einem  spielt 
(pr.  tric),  vom  vb.  trekken  ziehen,  mhd.  trechen  (präs.  triche),  engl,  trick. 
Auch  das  fr.  tri  quer  auslesen  weist  auf  trekken  ausziehen. 

Treccia  it.,  pr.  tressa,  fr.  tresse  (alt  trece),  sp.  trenza,  pg.  tranga 
flechte,  besonders  von  haar;  vb.  trecciare  ff.  flechten.  Von  tricae  (Ver- 
wicklung) verbietet  schon  der  lange  vocal;  gr.  dgil;  TQixog  (haupthaar)  aber 
sagt  etwas  zu  allgemeines.  Besser,  da  zu  einer  flechte  drei  theile  gehören, 
von  tqix<x  dreitheüig,  woraus  man  in  Italien  trichea  ableiten  konnte,  dem 
das  rom.  treccia  folgte  (so  braccio  von  brachium);  vb.  trecciare  heißt 
also  aus  drei  theilen  machen.  Wegen  des  eingeschobenen  n  im  sp.  trenza 
(woher  unser  trense)  vgl.  manzana  und  ponzona.  Entsprechend  heißt 
tresse  it.  auch  trina,  pr.  trena,  von  trinns. 

Tregg6a  it.,  pr.  dragea  (v.  j.  1428),  fr.  dragöe,  sp.  dragea  und 
mit  g  für  d  gragea,  pg.  gragea,  grangea  zuckerwerk;  entstellt  aus  gr. 
xQayrif.iaxa  naschwerk,  einem  in  den  Klöstern  bekannten  worte,  vglPapias: 
colli  bia  sunt  apud  Hebraeos,  quae  nos  vocamus  tragemata  vel  vilia  munus- 
cula  ut  cicer  frixuni  cet. 

Tregua  it.  sp.pr.,  pg.  tregoa,  fr.  treve,  alt  auch  trive  waffenstül- 


I.   TREMOLARE— TRILLARE.  327 

stand,  nüat.  treäga  ti.  a.  formen.  Die  eigentl.  bedetttung  ist  Sicherheit, 
bürgschaß:  treuga  securitas  praestita  rebuä  et  personis,  discordia  non- 
dum  finita,  sagt  Ducange  und  so  stammt  es  vom  ahd.  triwa,  triuwa  fides, 
foedus  (w  in  gu  verwandelt),  nhd.  treue,  goth.  triggva.  JQie  Urbedeutung 
blickt  noch  hervor  aus  dem  altfr.  verbum  s'atriver  ä  qqun  foedus  inire 
cum  aiiquo  LRs.  36. 

Tremolare  it.,  fr.  trembler,  sp.  temblar  (mit  ausgefallnem  r),  wal. 
tremarä  gittern;  von  tremalas. 

Träpano  it.  sp.,  fr.  träpan,  it.  auch  tr&pano  bohrer,  zumal  schadet- 
bohrer;  vom  gleichbed.  gr.  xqinavov. 

Trescare  it.,  pr.  trescar,  altfr.  trescher  tanzen,  sp. pg.  triscar  mit 
den  fußen  lärm  machen,  unruhig  sein,  streiche  spielen,  maü.  trescä 
dreschen;  sbst.  it.  pr.  tresca,  altfr.  tresche  tanz,  reihentanz.  Es  ist 
das  goth.  thriskan,  ahd,  dr£scan,  nhd.  dreschen  triturare7  und  heißt  also 
eigentl.  mit  den  fußen  tappeln.  Eine  zweite  prov.  form  drescar  muß 
ihren  grund  in  dem  hochd.  d  haben. 

Tt6u  sicü.  ein  rundes  segel,  pg.  gleichfalls  treu,  aber  in  der  bed. 
viereckiges  segel  im  stürm  aufzuspannen,  und  so  sp.  treo,  fr.  tr6ou.  Woher  ? 

Tricare  neap.,  lomb.  trigä,  pr.  trigar  hemmen,  hindern,  gleichbed. 
engl,  trig;  von  trlcari  Schwierigkeiten  machen,  indem  das  intransitiv  zum 
transitiv  ward;  sbst.  comask.  trigon  zögerer  =  tat.  trico  ränkemacher,  bei 
Lucilius,  fr.  trigaud  dass.;  pr.  trigor  verzug.  Zsgs.  it.  intricare,  in- 
trigare,  sp.  entricar,  intrincar,  pr.  entricar,  fr.  intriguer  verwickeln  = 
lal.  intricare;  sp.  estricar  loswickeln  =  lat.  extricare;  it.  distrigare 
dass.,  in  den  Gloss.  Isid.  destrigare  'consummare*  vollenden,  eigentlich 
wohl:  entwickeln.  Merkwürdig  ist,  daß  diesem  ital.  worte  gegenüber  das 
pr.  destrigar,  altfr.  detrier,  den  sinn  des  einfachen  trigar,  vielleicht  etwas 
verstärkt,  ausspricht  (vgl.  lat.  dis  in  discapere),  z.  b.  si  meteis  destrigua 
sei  qn'ab  amor  gaerreia  sich  selbst  steht  im  wege,  schadet  LR.;  daher 
das  mit  destreit  nicht  zu  verwechselnde  pr.  sbst.  destric  nachtheil  (gegen- 
säte  von  enans  vortheü  Chx.  IV,  275).  Zu  destrigar  stimmt  denn  auch 
estrigar.  Tricare  und  detricare  steigen  in  das  älteste  mlatein  hinauf, 
z.  b.  L.  Sal.  si  quis  alienum  servum  battiderit  et  ei  insaper  40  noctes 
trigaverit  opera  sua.    Kymr.  trfgo  bleiben,  zaudern. 

Trifoglio  it.,  wal.  trifoiu,  j>r.  trefaeil,  altfr.  trefeul  Gl.  de  Lille  p.  18h 
(Sch.p.  42),  mit  zurückgezogenem  accent  sp.  tr&bol,  pg.  trävo,  fr.  tr&fle  klee; 
von  trifolium.  Spanier  und  Franzosen  sprachen  also  trffolum  und  man 
könnte  dabei  an  gr.  %qlq)vXkov  denken,  kämen  nicht  auch  solche  fälle  ohne 
griechische  muster  vor  wie  sp.  acäbo  (aquifoliuin),  pg.  funcho  (foeniculum). 

Triglia  it.y  sp.  trilla  (fr.  trigle  Nemnich)  ein  fisch,  seebarbe;  vom 
gr.  Tglykrj  mit  gleicher  bedeutung. 

Trilla re  it.,  dtsch.  trillern  vibrare  vocem,  ueQSTiCeiv,  sp.  cat.  pg. 
trinar  dass.,  engl,  to  trill,  ndl.  trillen  zittern.  Der  Vocdbularius  theuto- 
nicus  v.  1482  gibt  das  ital.  als  lat.  wort:  trillare  Hryllsingen  als  tril  triP 
Dief.  Gloss.  lat.  gertn. 


328  L   TMNCARE-TR1PPA. 

Trincare  it.,  trinquer  fr.  zechen,  aitfr.  (norm.)  auch  mit  d  drinker, 
sbst.  drinkerie  Zechgelage  Ben. ;  vom  dtschen  trinken,  engl,  drink.  Ein  eu- 
spruch  zum  trinken  ist  das  aitfr.  lanstringue  Bog.,  das  neap.  trinche  lanze 
(trink  landsmann)  und  in  derselben  mundart  bedeutet  todisco  (=  it.  te- 
desco)  einen  zechbruder.  Ein  andrer  den  deutschen  sechern  abgelernter 
ausdruck  ist  sp.  carauz  (tn.)  völliges  ausleeren  des  glases,  fr.  carousse 
(f)>  engl*  carouse  trinkgelage,  van  gar  aus!  ganz  ausgetrunken1,  unser 
heutiges  subst.  g&rauft  bedeutet  etwas  anders.  Babelais  sagt  (s.  Menage): 
ces  importuns  qni  contraignent  les  gentils  compagnons  trinquer,  boire 
carrous  et  alluz,  qui  pis  est.  Alluz  ist  sicher  unser  all  aus.  Vgl.  brin- 
disi  II.  a.  und  Covarruvias  v.  lanciscot.  Über  trinksucht  und  trinkge- 
bräuche  der  alten  Franken  redet  z.  b.  Chevallet  I,  622  ff. 

Trinchetto  it.,  sp.  trinquete,  cot.  triquet,  fr.  trinquet,  engl,  trinket, 
pg.  aber  traquete  focksegel,  auch  fockmast.  Da  dies  segel  dreieckig  ist 
(beim  sp.  trinquetilla  und  fr.  trinquette  wird  dies  ausdrücklich  angegeben), 
so  dürfte  man  auf  sp.  trinca  (dreiheit)  surückgehn;  Frisch  verweist 
trinquette  auf  lat.  tria.  Aber  it.  trinche,  sp.  trincas  sind  seile  zum  fest- 
binden auf  den  schiffen,  engl,  trink  ein  fischernetz;  gehören  diese  gleich- 
falls zu  unserm  wort,  oder  etwa  eu  tricoter? 

Trinciare  it.,  sp.  pg.  trinchar,  cot.  trinxar  speisen  zerlegen  (trin- 
ciante  ff.  vorschneider),  pr.  trencar  (awcA'trenchar,  kaum trinquar)  schnei- 
den, abschneiden,  zerschneiden,  brechen,  z.  b.  lo  dorc  se  trenca  der  krug 
bricht,  trencar  la  tregua  den  vertrag  brechen,  la  castitat  die  keuschkeit 
verletzen,  cot.  trencar  wie  prov.,  pic.  trinquer,  altfr.  trenchier,  neufr. 
trancher  abschneiden,  zerschneiden,  dazu  wohl  auch  sie.  trincari  steine  los- 
hauen, sp.  trincar  zerbrechen,  zer stücken,  pg.  abbeißen;  sbst.  it.  trincio, 
sard.  trineu  schnitt,  fr.  tranebe  (f.)  schnitte;  pr.  trenchet  schneide,  sp. 
trinchete,  tranchete,  cot.  trinxet,  sard.  trincettu,  trinchettu  kneif;  zsgs. 
pr.  detrencar,  fr.  dötrancher  zerhauen,  zerschneiden.  Wie  bei  vielen 
andern  läßt  sich  auch  bei  diesem  warte  nur  verneinen.  Trancare,  trans- 
scindere,  transsecare  z.  b.  sind  formell  nicht  damit  zu  einigen.  Unser 
deutsches  trennen  müßte  eine  abl.  trennicare  erfahren  haben,  wofür  es 
bei  deutschen  wortern  in  den  westlichen  mundarten  durchaus  an  beispiden 
gebricht:  für  das  sufßx  icare  kommt  in  solchen  fällen  nur  die  auflösung 
eiar  u.  s.  w.  (guerreiar)  in  anwendung.  —  [Neuerlich  hat  Langensiepen 
(in  Herrigs  Archiv  XXV)  auf  interimere  interimicare  als  ein  mögliches 
etymon  hingewiesen,  womit  freilich  der  begriff  des  Schneidens  nicht  gewahrt 
ist;  aber  vielleicht  war  brechen,  zerstören  der  grundbegriff.  Naher  noch 
läge  das  vorhandene  internecare,  dessen  sich  Prudentius  in  der  bed.  zu 
gründe  richten  bedient;  pr.  entrencar,  welches  daraus  entstanden  sein 
könnte,  kommt  vor:  entrencar  lo  eim  den  toipfd  brechen  oder  zerstören 
vergleicht  sich  dem  lat.  culmum  internecare  sehr  wohl.] 

Trippa  it.,  sp.  pg.  tripa,  fr.  tripe  bauch,  wanst,  im  plur.  gedärme, 
kaldaunen.  Das  wort  harrt  noch  etymologischer  aufktärung.  Angränzende 
sprachen  besitzen  es  zwar  (mndl.  tripe,   engl,  tripe,  kymr.  tripa  \flur.\ 


I.   TROCAR— TROMBA.  329 

bret.  stripen,  bask.  tripa),    aber  in  keiner  derselben  läßt  sich  stammver- 
wandtes mit  entsprechendem  begriffe  nachweisen. 

Trocar  sp.  pg.f  troquer  fr.  tauschen,  wechseln,  verändern;  sbst.  sp. 
trueco,  pg.  troco,  fr.  troc  tausch,  engl,  truck.  Es  fehlt  im  catäl.  und 
prov.  und  scheint  auch  erst  aus  Spanien,  wo  es  in  nicht  wenigen  ableitun- 
gen  und  Zusammensetzungen  vorkommt,  in  des  frane.  und  englische  ein- 
geführt, denn  das  ags.  trucan  hat  eine  weit  abliegende  bedeutung  (schwin- 
den, sterben).  Über  die  Herkunft  des  romanischen  Wortes  sind  sehr  un- 
genügende vermuthungen  vorgebracht  worden:  weder  das  dtsche  trug  noch 
das  gr.  tqo%6q  können  ansprüche  machen.  Zwei  Wörter  sind  zu  erwägen : 
gr.  TQoni}  oder  TQomxog  (vgl.  tropica  Veränderungen,  bei  Petronius), 
woraus  tropicare  tropcar  trocar,  und  lat.  vicis,  woraus  travicar  traucar 
trocar  abgeleitet  werden  mochten;  letzterem  wird  man  als  latein.  worte 
den  varzug  zugestehen  müssen. 

Trofäo  it.  sp. pg.,  trophäe  fr.  Siegeszeichen;  von  tropaeum  (xQonalov) 
mit  unüblichem  Übergang  der  labialtenuis  in  die  aspirata. 

Troja  it.,  altsp.  troya,  pr.  trueia,  cot.  truja,  fr.  truie  sau.  Klausen 
(Aeneas  und  die  Penaten  II,  828)  hält  troja  in  dieser  bedeutung  für  ein 
wort  der  lat.  bauernspraehe,  was  sich  mit  nichts  belegen  läßt.  Ein  solches 
wort  steht  zwar  in  den  Isidor.  glossen :  bestemiae  trojae  (Papias  bistemia 
troja),  nach  Graevius  zu  lesen  bestiae  majae  (=  majales)  trojae,  aber 
bei  der  Unsicherheit  des  ersten  Wortes  ist  auch  für  das  zweite,  erklärende, 
keine  Sicherheit.  Nicht  besser  steht  es  um  das  von  Ducange  angeführte 
zeugnis  des  Pomponius  Sabinus,  welches  nicht  aus  römischer  zeit  stammt. 
Die  erste  sichere  künde  des  Wortes  liefern  die  Cass.  glossen:  troja  'suu 
(sau);  später  bemerkt  man  es  öfter.  Porcus  trojanus  war  dem  Römer 
ein  mit  andern  thieren  gefülltes  für  die  tafel  bestimmtes  schwein,  quasi 
aliifl  inclasis  animalibus  gravidum  Macrob.  sat.  2,  9,  eine  anspidung 
auf  das  trojanische  pferd.  machina  foeta  armis  Aen.  2,  237.  Wie  nahe 
lag  es  nun  mit  porco  di  Troja,  der  roman.  auflösung  von  porcus  trojanus 
(attributiver  genitiv  für  adjectiv),  endlich  mit  troja  allein  ein  trächtiges 
oder  säugendes  schwein  zu  bezeichnen.  So  sagt  man  bernia  für  panno 
d'Ibernia  u.  dgl.  Im  span.  läßt  sich  das  wort  in  seiner  eigentlichen  be- 
deutung nicht  aufweisen,  Ruiz  673.  911  nennt  alte  kupplerinnen  troyas, 
aber  685  nennt  er  troya  einen  mit  eßwaaren  gefüllten  sack  (wofür  San- 
chez  ohne  noth  troxa  vermuthet),  also  wieder  die  Vorstellung  des  porcus 
trojanus.  Unter  cavallo  di  Troja  versteht  der  Neapolitaner  in  gleichem 
sinne  einen  schlemmer  d.  h.  einen,  der  sich  den  bauch  füllt,  s.  Galiani's 
Wb.  p.  267.  Ein  adj.  troju  schmutzig  kennt  die  sard.  mundart,  auch 
ein  männliches  subst.  trojo  kommt  vor  PPS.  II,  207.  —  [Es  ist  ein  zufall, 
wenn  vorstehende  deutung  mit  der  des  Erythraeus,  angeführt  von  Menage, 
Orig.  Hol.  p.  518b,  zusammentrifft.  Sie  steht  schon  im  ersten  theile  der 
Rom.  gramm.  1.  ausgäbe,  p.  35,  bei  dessen  abfassung  Menage' s  buch  nicht 
hatte  benutzt  werden  können.] 

Tromba  it.,  sp.  pg.  trompa,  pr.  beide  formen,  fr.  trompe,   ahd. 


330  I   TRONO— TROPA. 

trumpft  ein  blasinstrument,  auch  maultrommel.  Der  entsprechende  lat. 
ausdruck  war  bekanntlich  tuba,  noch  fortdauernd  im  churw.  tiba  alphorn 
(i  aus  u  ist  hier  häufig)  so  wie  im  wal.  tobe  trommel.  Sollten  die  übrigen 
Romanen  das  denkwürdige  wort  vergessen  haben?  Oder  sollte  es  sich  in 
tromba,  auf  dessen  ursprüngliche  gestalt  eine  malerische  Verstärkung  ein- 
gewirkt, erhalten  hohen?  Einschiebung  eines  r  nach  t,  eines  m  vor  einem 
andern  labial  findet  sich  öfters,  die  des  letzteren  kommt  auch  in  dem  namen 
eines  andern  tongeräthes,  pr.  pimpa  aus  pipa,  vor.  Nur  die  doppelte  ein- 
schiebung kann  einigen  zweifei  hervorrufen,  aber  die  einfache  in  tomba 
oder  troba  war  kaum  zu  brauchen,  da  sie  homonyme  erzeugt  haben  würde. 
Von  geringem  gewicht  für  diesen  deuiungsversuch  ist  der  umstand,  daß 
das  ital.  wort  auch  die  dem  lat.  tuba  zustehende  bed.  wasserröhre  besitzt. 
Abgel.  it.  trombetta  ff-,  weil,  trfmbitze;  vb.  it.  trombare,  pr-  trompar, 
altfr.  tromper  die  trompete  blasen,  nfr.  trompeter.  —  Bern  worte  kommt 
noch  eine  zweite,  ganz  verschiedene  bedeutung  zu:  it.  tromba  Wirbelwind, 
fr.  trombe  (trompe  noch  bei  Nicot)  Wasserhose,  sp.  trompa,  trompo  kreißet: 
in  dieser  bed.  soll  es  aus  turbo  wirbel,  kreißet  entstanden  sein.  Die  Mög- 
lichkeit ist  einzuräumen,  wiewohl  das  genus  nur  im  sp.  trompo  zutrifft. 
8p.  trompar,  fr.  tromper  hintergehn,  se  tromper  sich  irren,  scheinen  sich 
dieser  letzteren  bedeutung  von  tromba  anzuschließen:  eigentl.  im  kreiße 
führen,  irreführen,  vgl.  trompar  den  kreißet  treiben.  Ginin  erklärt  uns  in- 
dessen jene  bed.  hintergehen  aus  der  bed.  maultrommel:  se  tromper  de  qqun., 
wie  man  sich  früher  ausdrückte,  hieße  eigentlich  s9en  amuser,  s'en  jouer. 

Trono  cdtit,  tron  sp.  pr.,  trom  pg.  donner;  vb.  altit.  tronare,  sp. 
altpg.  pr.  tronar,  npg.  troar  {nebst  trovejar  für  troejar)  donnern;  von 
tonus,  tonare  mit  einmischung  eines  schallnachahmenden  r.  Ohne  eine 
solche  bleibt  it.  tuono,  tuonare,  fr.  tonner  cet.  Eine  abl.  ist  lat.  tonitrus, 
tonitruum,  woraus  altsp.  tonidro  Alz.,  pr.  tonedre,  fr.  tonnerre  (m.), 
welche  keiner  lautverstärkung  bedurften. 

Tropa  sp.  pg.,  fr.  troupe,  daher  it.  truppa,  häufe  menschen,  pr. 
trop  her  de;  adj.  it.  troppo,  adv.  pr.  fr.  trop  für  lat.  nimius,  nimis. 
Schon  die  Lex  Alam.  kennt  troppus  herde  (si  enim  in  troppo  de  jumentis 
illara  duetricem  aliquis  involaverit) ;  woher  aber  dieses  wort?  Die  cel- 
tischen  sprachen  gewähren  keinen  auf  Schluß:  gael.  drobh  s.  v.  a.  troppns 
ist  das  engl,  dfrove  =  ags.  dräf  von  drtfari  treiben;  kymr.  torv  s.  v.  a. 
troupe  steht  nicht  näher  als  lat.  turba.  Eine  ahd.  glosse  hat  drupo*  ccu- 
neus,  turbas  minores',  es  kann  aber  mit  drüpo  (traube)  identisch  sein 
(Oraff  V,  252),  letzterem  nebst  dem  bäir.  trauppen  würde  nur  ein  roman. 
oder  mlat.  trupo,  trupus  entsprechen.  Die  besten  ansprüche  scheint  noch 
das  schon  erwähnte  lat.  turba  zu  haben,  das  vielleicht  durch  deutsche  aus- 
spräche in  turpa,  endlich  in  truppa,  truppus  übertrat:  zeigt  ja  doch  die- 
selbe Umstellung  mit  derselben  Veränderung  des  genus  fr.  trouble  aus  tur- 
bula.  Von  truppus  kommt  sp.  pg.  pr.  tropel,  fr.  troupeau  herde,  häufe, 
sp.  pg.  atropellar,  tropellar  über  den  häufen  werfen,  pr.  atropelar,  edifr. 
atropeler  zusammenhäufen.    8.  tropezar  II.  b. 


I.  TROTA-TROVARE.  831 

Trota  it.,  sp.  trucha,  pg.  truita,  pr.  trocha,  fr.  truite,  neugr.  tqovzcc 
forette;  vom  mlat.  trncta,   einem   volksmäßigen  ausdrucJc:   quos  'vulgus'. 
trnctas  vocat  Isidor  12,  6,  6,   muthmaßlich  entstanden  aus  gr.  TQtixTtjg, 
das  eigentlich  für  einen  Seefisch  gebraucht  wird.    In  alten  glossen  (Hat- 
temer  I,  290)  trifft  man  schon  die  erweichte  rom.  form  tröita. 

Trottare  it.,  sp.  pr.  trotar,  fr.  trotter  traben,  gael.  trot,  kymr. 
trotio;  sbst.  trotto,  trote,  trot  trab.  Da  die  Römer  den  kunstausdruck 
ire  tolutim  besaßen,  woraus,  wie  Scdmasius  bemerkt,  ein  verbum  tolutare, 
zsgz.  tlutare  trotare  {vgl.  fr.  chapitre  von  capitulum),  entstehen  konnte, 
so  seheint  es  überflüssig,  den  Ursprung  des  Wortes  anderswo  zu  suchen: 
pr.  altfr.  trotier  ist  also  buchstäblich  das  lat.  tolutarius,  das  man  mit 
passganger,  gelier  übersetzt. 

Trovare  ü.}  pr.  cot.  trobar,  fr.  trouver  finden,  chw.  truvar  recht 
sprechen,  ein  urlheil  finden,  altfr.  trouver  une  loi.  Der  wdlach.  spräche 
fehlt  das  wort  gänzlich,  die  span.  und  port.,  welche  hallar  und  achar  an 
seine  stelle  setzen,  kennen  es  fast  nur  aus  der  poetik  der  Provenzalen:  sp. 
troyar  dichten,  trova  gedieht,  doch  braucht  das  (leonesische)  Alexanderlied 
trobar  auch  im  gewöhnlichen  sinne;  ebenso  Berceo,  b.  b.  Duel.  199:  pero 
al  que  buscaba  no  lo  podio  trobar.  Auch  die  sardischen  mundarten 
scheinen  es  nicht  zu  besitzen:  seine  stelle  vertritt  crobare  =  it.  aecoppiare 
(croba  =  coppia)  und  incontrare.  Lot.  invenire  gab  die  neue  spräche 
früh  auf,  nur  in  der  Passion  Christi  läßt  es  sich  noch  entdecken  und  zwar 
in  geseUschaft  von  trovare:  non  fad  trovez  ne  envengud  str.  44,  auch 
bewahren  es  span.  wörterbücJier  als  einen  archaismus;  das  mütellatein 
scheint  kein  hoch  hinaufreichendes  Zeugnis  für  trovare  zu  enthalten.  Seine 
herkunß  ist  noch  nicht  genügend  nachgewiesen,  denn  wenn  Ducange  es 
auf  altfr.  treu  (tributum)  zurückführt,  weil  die  erheber  das  erhobene 
treuv6  genannt  hätten,  so  übersieht  er,  daß  kein  infin.  treuver  stattfindet. 
Auch  entstehung  aus  dem  ahd.  part.  trofan  ist  als  etwas  ganz  ungewöhn- 
liches nicht  einzuräumen,  wie  viele  verba  auch  in  lateinischen  partieipien 
ihre  quelle  haben.  Dagegen  vermuthet  Grimm,  Myth.  p.  853,  als  etymon 
unseres  Wortes  ein  goth.  vb.  drupan  =  ahd.  trefan  wie  trudan  =  tretan, 
und  so  könnte  das  räthsd  gelöst  erscfieinen,  wenn  man  auf  das  f actische 
Vorhandensein  eines  solchen  Wortes  kein  gewicht  legte.  Genau  fordert  das 
rom.  verbum  in  seinen  verschiedenen  formen  einen  stamm  tröb  oder  tröp, 
aber  auch  ein  stamm  mit  u  ist  zulässig.  Die  folgende  deutung,  die  den 
früheren  beigefügt  werden  möge,  hat  den  Vorzug,  daß  sie  aus  dem  vor 
allen  berechtigten,  dem  lateinischen  demente,  schöpft  und  dass  sie,  statt 
auf  Voraussetzungen,  auf  thatsachen  fußt.  In  trovare  begegnen  sich  augen- 
scheinlich die  begriffe  finden  und  suchen  oder  holen:  it.  truovami  un  ago 
ist  'hole  mir  eine  nadeV;  Goffredo  trova  bei  Tasso  kann  nur  heißen  'suche 
Gottfried  auf  u.  dgl.;  altfr.  que  el  te  truisse  vitaille  'daß  er  lebensmittel 
für  dich  hole  oder  bringe  LRs.  310;  das  venez.  wort  bedeutet  ausfindig 
machen,  it.  ritrovare  genau  durchsuchen,  henneg.  retrouve  ist  so  viel  als 
recherche.    Finden  ist  das  ziel  des  suchens;  die  spräche  konnte  den  einen 


332  I.   TRUAN- TBUCCO. 

begriff  in  den  andern  hinüberleiten,  wie  man  für  verfolgen  und  erreichen 
ein  und  dasselbe  wort  gebraucht,  s.  oben  guadagnare.  Auch  dichten,  das 
der  Provenzale  mit  trobar  ausdrückte,  ist  ein  finden  durch  suchen,  durch 
nachdenken,  kein  zufälliges  treffen.  Noch  in  andern  verbis,  z.  b.  in  catar, 
berühren  sich  suchen  und  finden,  das  bask.  bilhatu  hat  beide  bedeutungen. 
Geht  man  also  von  der  bed.  suchen  aus,  wozu  die  angeführten  beispiele 
berechtigen,  so  bietet  sich  als  passendes  etymon  turbare  durcheinander 
werfen,  woraus  die  bed.  durchstöbern,  durchsuchen  ohne  schtcierigkeit  er- 
folgen konnten:  dieselbe  begriffsentwicklung  z.  b.  im  it.  frugare  mit  der 
gäbel  durcheinander  werfen,  durchsuchen,  umgekehrt  rovistare  durchsuchen 
und  durcheinander  werfen.  Die  formveränderung  macht  nicht  das  geringste 
bedenken.  Daß  anlautendes  t  ein  entfernteres  r  gerne  an  sich  sieht,  ist  bekannt 
(Rom.  gramm.  I,  223),  im  franz.  troubler  von  turbulare  bemerkt  man  den- 
selben Vorgang  an  demselben  stamme.  Jeden  zweifd  aber  muß  die  Wahrneh- 
mung niederschlagen,  daß  trovare  in  der  bed.  von  turbare  einzelnen  mund- 
arten  verblieben  ist:  cdtpg.  trovar  ist  =  turbare,  neap.  struvare  =  d istur- 
bare, controvare  =  conturbare.  Das  neap.  und  das  it.  controvare  sind  in 
ihrem  Ursprünge  eins  und  dasselbe,  nur  in  ihren  bedeutungen  auseinander 
gegangen:  wer  möchte  auch  das  itdl.  verbum  als  eine  neue  Zusammen- 
setzung mit  dem  bereits  fertigen  trovare  betrachten,  da  fast  gar  keine 
neuen  Zusammensetzungen  mit  cum  vorkommen,  sofern  dies  nicht  wie  in 
combattere,  eine  gemeinsame  thätigkeit  anzeigt  ?  —  [Auf  eine  freilich  ver- 
einzelte franz.  form  torver  für  trover  in  einem  text  aus  dem  anfange  des 
12.  jh.  ed.  G.  Paris  macht  der  herausgebet  mit  recht  aufmerksam,  s.  Jahr- 
buch VI,  364.] 

Truan  pr.  (fem.  truanda),  fr.  truand,  sp.  truhan,  pg.  truäo  land- 
streicher,  bettler  (sp.  gaükler),  noch  jetzt  im  lothring.  (Metz)  trouaut  fau- 
lenzer;  vb.  pr.  truan  dar,  fr.  truander,  sp.  truhanear.  Daneiben  meldet 
sich  eine  prov.  und  altsp.  form  mit  f  trufan,  welche  das  wort  an  truffa 
posse  knüpft:  da  aber  der  Portugiese  keine  form  trufao  anerkennt,  so  wird 
man  truan  eis  ein  für  sich  bestehendes  in  einigen  mundarten  dem  sinn- 
verwandten truffa  zufällig  angenähertes  wort  betrachten  müssen.  Sein 
Ursprung  aber  ist  celtisch:  kytnr.  com.  bret.  tru  adj.  elend  =  altirisch 
trog  dass.  Zeuß  I,  118.  23  (welchem  kritiker  aber  doch  das  bret.  truant 
aus  dem  roman.  entnommen  scheint  II,  860);  weiteres  bei  Diefenbach, 
Gelt.  1, 150.  Im  spätem  nüatein  schrieb  man  trutannus,  das  einigermaßen 
an  das  ahd.  truhting  gefahrte  erinnert  (Dueange  s.  v.  und  Grimm,  Ge- 
dichte auf  Friedr.  p.  46),  allein  die  formen  der  Volkssprachen,  die  hier 
nirgends  ein  inlautendes  t  oder  d  entdecken  lassen,  verdienen  mehr  glau- 
ben als  latinisierte,  bei  welchen  es  um  einer  vorgefaßten  etymologie  unüen 
oft  auf  einen  buchstaben  nicht  ankam. 

Trucco  it.  kugelspiel,  billard,  sp.truco,  pr.piem.tmc  stok,  comask. 
stampfe,  stempfei,  npr.  trueo  (f.)  Quetschung;  vb.piem.  truche,  com.npr. 
trueä,  chw.  trukiar  stampfen,  stoßen,  ven.  s-trucare  auspressen.  Der  stanm 
passt  offenbar  zu  unserm  druck,  drucken,  dessen  d  älterem  th  (ags.  thryc- 


I.   TRUFFA-TKUFFE.  333 

can,  altn.  thryckia),  mithin  romanischem  t  antwortet,  s.  oben  tasso.  Mu- 
ratori,  der  das  wort  übrigens  aus  dem  fr.  troquer  leiten  möchte,  gedenkt 
eines  Spieles  tracco  di  terra,  wobei  es  darauf  ankommt,  kugeln  durch  einen 
auf  dem  boden  befestigten  ring  eu  werfen:  man  könnte  darum  an  gr. 
TQo%6g  (ring)  denken;  allein  der  begriff  stoß  (eigentl.  druck)  ist  der  sache  ' 
angemessener  und  nur  in  besiehung  darauf  konnte  der  Spanier  das  spiel 
mit  dem  plural  trucos  (engl,  trucks)  d.  h.  das  in  stoßen  bestehende  spiel 
nennen.  Nach  Covarruvias  und  Minshew  stammt  es  aus  Italien  und  hier 
ist  auch  das  wort  in  seiner  gemeinen  bedeutung  am  meisten  üblich. 

Truffa  it.,  sp.  pg.  pr.  trufa,  fr.  truffe  posse,  Windbeutelei,  auch 
bask.  trufa;  vb.  truffare,  trufar,  truffer  einen  zum  besten  haben;  it. 
truffaldino  Schalksnarr.  Sollte  es  wirklich  im  gr.  ZQv<ptj  hoffart  seinen 
Ursprung  haben?  Wahrscheinlicher  aber  ist  es  nichts  anders  als  das 
gleich  unten  abzuhandelnde  wort:  nicht  allein  umfaßt  das  altfr.  trufle 
beide  begriffe  knollen  und  posse,  das  neap.  taratufolo  einfaltspinsel  ist 
augenscheinlich  das  it.  tartufolo,  und  auch  das  maü.  tartuffol  bedeutet 
trüffel  und  geck.  Die  spräche  übertrug  den  namen  einer  kleinen  frucht 
auch  auf  eine  kleinigkeit  in  moralischem  sinne,  eine  posse,  cdbernheit. 

Truffe  fr.  (f.),  comask.  trufol,  gen.  trifola  ein  erdschwamm,  trüffel, 
dsgl.  cat.  mit  eingeschobenem  m  trumfo,  trumfa  ein  knollengewächs,  patate; 
das  span.  wort  ist  turma  in  ersterer  bedeutung.  Adelung  verweist  truffe 
auf  das  nddt  druffel  träübchen,  weil  das  gewächs  traubenformig  sei;  es  ist 
aber  nicht  wohl  zu  glauben,  daß  man  für  ein  im  Süden  wohlbekanntes 
gewächs  einen  deutschen  namen  geborgt  habe,  auch  nannte  man  es  ahd. 
erdnuz,  nicht  drüpo  traube.  Der  latein.  ausdruck  ist  tuber,  welches,  wenn 
man  die  ungemeine  entstellung  von  pflanzennamen  bedenkt,  sich  mit  ver- 
sagtem r  und  verwandeltem  b  vielleicht  zu  truffe,  trumfo  (auch  sp.  trumfo 
gesehwulst)  und  selbst  turma  gestaltete;  u  hätte  o  werden  sollen,  aber 
auch  im  it.  tubero,  tubera  blieb  es.  Die  weiblichen  formen  konnten  ihren 
grund  haben  im  plur.  tubera,  der  als  sing,  bereits  in  deutschen  glossaren 
des  9.  jh.  dasteht,  s.  Graff  II,  1128.  —  Dazu  kommt  noch  ein  zweites 
wort,  womit  theils  eine  trüffel,  theils  ein  knollengewächs  benannt  wird: 
it.  tartufo,  maü.  tartuffol,  ven.  tartufola,  piem.  tartifla,  chw.  tartufel, 
occ.  tartifle,  fr.  (in  Berry)  tartoufle.  Dies  erklärt  Menage  nicht  ungeschickt 
aus  terrae  tuber,  welche  Verbindung  Plinius  für  ein  anderes  knollengewächs 
gebraucht,  auch  der  Spanier  nennt  die  trüffeln  turmas  de  tierra:  tartufo 
wäre  also  euphonisch  für  tartrufo ;  dabei  ist  das  sie.  tirituffulu  in  ansMag 
zu  bringen,  das  recht  wohl  für  teretuffulu  stellen  kann.  —  Aber  einiger 
eveeifd  haftet  doch  auf  der  herleitung  von  truffe  aus  tuber.  Andre  mund- 
arten  zeigen  nämlich  den  einfachen  stamm  truf  ohne  r:  genf.  tufelle,  occ. 
tufeda  Dict.  genev.,  sp.  co-tufa  erdapfel,  dessen  erste  sübe  zweifelhafter 
herkunft  ist,  vgl.  sie.  cata-tuffulu;  ven.  tufoloto  nennt  man  einen  kurzen 
dicken  menschen,  einen  knollen.  Es  fragt  sich  nun:  sind  diese  letzteren 
formen  identisch  mit  dem  unten  folgenden  tufo  dunst,  entweder  weil  die 
trüffd  ein  staubschwamm  ist,  oder,  wie  schon  andre  vermuthet  haben,  weil 


334  L   TUDEL-TUTAKE. 

sie  stark  riecht?  Oder  sind  sie  abgekürzt  aus  tar-tnfo?  Letzteres  ist 
gewiß  der  wahrscheinlichere  fall,  vgl.  über  solche  abkürzungen  die  vor- 
rede. —  Aus  tartufola  ward  übrigens  durch  dissimilaren  unser  kartoffel, 
mdartl.  tartoffel,  isl.  tartuflur  pl.,  s.  Potts  Forsch.  II,  111.  Bas  neupr. 
trufa  hat  nur  diese  bedeutung,  nicht  die  des  fr.  truffe.  Dazu  Weigernd 
I,  665. 

Tudel  sp.  pr.,  piem.  comask.  tuel,  fr.  tuyau  röhre,  pfeife.  Mit 
tubellus,  das  Menage  aufstellt,  verträgt  sich  die  form  auf  keine  weise,  da 
nur  die  ital.  spräche  d  in  die  stelle  eines  ausgefallenen  buchstabens  ein- 
fügt. Tadel  ist  genau  das  altn.  tfida,  dän.  tfid,  ndl.  tuit,  hochd.  mund- 
artl.  zaute  röhre,  besonders  an  einem  gefäß  zum  eingießen. 

Tufo,  tuffo  iL,  sp.  tufo  dunst,  npr.  toufe  erstickender  dunst,  adj. 
lothr.  toffe  erstickend;  vb.  fr.  ötouffer  ersticken.  Nicht  vom  mhd.  tuft, 
es  stammt  aus  dem  gr.  xvq>og  qualm,  auch  dunkel,  stolz  (typhus  in  Ids- 
terer  bed.  bei  Arnobius,  vgl.  Ducange),  daher  denn  auch  sp.  tufos  piur. 
locken  auf  den  ohren,  hochmuth,  pg.  tnfos  buffen  (aufgeblähtes),  tufar  auf- 
blasen, atufar  erzürnen,  tufao  Wirbelwind,  genau  das  gr.  zvqmv.  Verwandt 
ist  das  lomb.  toffä  beriechen,  chw.  toffar,  tuffar  stinken. 

Tufo  it.  pg.,  fr.  tuf,  sp.  toba  tuf stein;  vom  lat.  tophus.  Was  u 
für  o  betrifft,  so  ist  tufineus  für  tofineus,  tofinus  bei  den  fddmessern  zu 
vergleichen. 

Tulipano  it.,  waX.  tulipan,  sp.  tuüpa,  tulipan,  fr.  tulipe  eine  blume, 
tulpe;  vom  pers.  dulbend  das  um  die  mutze  gewickelte  nesseltuch  (daher 
it.  turbante  turban),  wegen  einer  gewissen  ähnlichkeit  von  den  Europäern 
auf  jene  blume  übertragen,  deren  pers.  und  türkischer  name  lalfe  ist. 

Turchese  it.,  sp.  pr.  turquesa,  fr.  turquoise,  it.  auch  turchina, 
ein  edelstem  aus  dem  thongeschlechte,  türkis,  vorzüglich  in  Ostpersien  ein- 
heimisch, der  türkische  genannt,  weil  er  zunächst  aus  der  Türkei  nach 
Europa  kam.    Adj.  it.  turchino  blau. 

Tntare  it.  in  attutare  und  stutare  (astutare  PPS.  I,  209),  churw. 
atidar,  pr.  tudar,  atuzar,  estuzar,  fr.  tuer.  Die  bedeutung  der  ital.  Wörter 
ist  mäßigen,  dämpfen,  die  der  churw.  prov.  und  franz.  auslöschen,  wie 
in  tuer  la  chandelle,  tuer  le  feu  (Ducange),  aber  schon  altfranz.  tritt  die 
bed.  tödten  daneben  auf,  für  welche  auch  eine  prov.  form  tuar  aufkam 
Fer.  269.  Deutscher  herkunft  ist  das  wort  nicht:  goth.  danthjan,  ahd. 
tötan,  hätte  pr.  daudar  oder  taudar,  fr.  touer  hinterlassen.  Ein  anderes 
die  bed.  stM  machen,  beschwichtigen  ausdrückendes  ahd.  vb.  tuzjan  (tfizjan), 
s.  Mhd.  wb.  III,  156,  würde  ital.  eher  dutare  oder  tuzzare  erzeugt  haben. 
Auch  lat.  tuditare  fortstoßen  wäre  kein  richtiges  etymon.  Buchstäblich 
passt  nur  tütari  schützen,  abwehren,  dem  auch  pr.  tuzar  nicht  widerspricht, 
da  t  in  mehreren  fällen,  wie  espaza  (spatha),  zu  z  wird.  Tutari  aber 
neigt  sich  zur  bed.  abwehren,  hemmen,  woran  sich  zunächst  die  des  ital. 
Wortes  knüpft:  tutari  famem  den  hunger  abwenden,  sagt  nicht  viel  mehr 
als  it.  attutare  la  fame,  auch  das  franz.  tue-vent  bedeutet  etwas  den  wind 
abwehrendes,  aus  abwehren  folgte  unschädlich  machen,   löschen,  tödten. 


1 


L   UCCELLO-UOSA.  335 

Wie   die  bed.  schützen  und  abwehren  sich  berühren,  zeigt  auch  das  lat. 
defendere,  das  altd.  werjan,  das  rom.  parare. 


u. 

Uccello  it.  (poet.  augello),  pr.  augel,  fr.  oiseau,  rrüat.  aucellus 
L.  Sah  vogd,  von  aucella,  aucilla  (bei  Apicius  und  Apulqus)  mit  ver- 
ändertem genus  wie  häufig  bei  diminutiven;  sp.  mit  diminutiver  bed.  ave- 
cilla  =  lat.  avicella.  Daher  das  vb.  it.  uccellare  vögel  fangen,  mhd. 
vogelen,  altfr.  oiseler  hüpfen  wie  ein  vogel. 

Uffo  it.,  ufo  sp.  pg.  vorkommend  in  der  adverbialen  Verbindung  a 
uffo,  4  ufo  umsonst,  auf  fremde  kosten;  daher  abgd.  sp.  pg.  uf  ano  eitel, 
pr.  ufana,  ufanaria,  ufanesc  eitelkeit,  übcrmuth  u.  a.  Die  Wurzel  dieser 
bädungen  ist  germanisch.  Das  ahd.  sbst.  ubbä  oder  uppft  wird  eben  so 
adverbial  gesetzt:  in  uppün  eitel,  umsonst  =  it.  a  uffo.  Den  consonan- 
ten  f  gewährt  aber  das  verwandte  goth.  ufjö  überflüssig;  das  hd.  p  scheint 
sich  nur  in  dem  comask.  a  up  (mail.  a  off)  vorzufinden.  Vgl.  Dieferibach, 
Goth.  wb.  1, 100.  Covarruvias  deutet  das  wort  aus  lat.  offa;  nach  Minucci 
zum  Mcimantüe  (s.  Bolza)  entstand  a  uffo  aus  der  in  actenstücken  ge- 
bräuchlichen obkürzung  ex  uffo  =  ex  ufficio  "unentgeltlich",  was  hier  noch 
angemerkt  werden  möge. 

Uguanno  it.,  dttsp.  hogano,  ältpg.  ogano,  pr.  ogan,  altfr.  ouan, 
chw.  uön  adverb  für  lat.  horno,  so  wie  überhaupt  für  gegenwärtige  zeit 
gebraucht;  von  hoc  anno.  Die  nebenformen  it.  unguanno,  pr.  ongan 
mögen  in  hunc  annum  ihren  grund  haben.  Das  eingeschobene  u  im  ital. 
wird  euphonischer  natur  sein  wie  in  introcque.     Vgl.  antaöo. 

Uomo  it.,  wal.  om,  in  den  andern  sprachen  etwas  verschieden  be- 
handelt: sp.  hombre  (von  hom'nem  wie  fembra  von  fem'na),  pg.  hörnern 
(homin[em]),  pr.  altfr.  hom,  acc.  home,  daher  das  nfr.  homme.  Aus  der 
altfr.  nominativform  hom  oder  om  entstand  das  pron.  on  =  ahd.  man, 
das  schon  die  Eidschwüre  kennen:  si  cum  om  per  dreit  son  fradra  sal- 
var  dist.  Ähnliche  Scheidung  des  pronomens  vom  Substantiv  auch  im 
aitfries.  ma  und  man,  im  ndl.  man  und  men,  im  dän.  mand  und  man, 
s.  Grimm  III,  8,  Richthof en  s.  v.  ma.  Eine  abl.  ist  it.  omaggio,  sp. 
homenage,  pr.  homenatge,  fr.  hommage,  diensipflicht,  Huldigung,  worin 
homo  in  seiner  nüatein.  bed.  dienstmann  genommen  ist. 

Uopo  it.,  wal.  op,  altsp.  huevos,  pr.  obs,  altfr.  oes  bedürfnis;  von 
opus.  Im  altfr.  oes  schwand  das  lat.  p  und  o  gab  den  diphthong  oe, 
gleichbedeutend  mit  ue  (ues  bei  Roquef.),  so  oevre  uevre,  boefs  buefs. 

Uosa  it.,  altsp.  huesa  PC,  altpg.  osa  SRos.,  pr.  oza,  altfr.  hose, 
heuse,  eine  beinbekleidung,  gamasche,  in  früherem  nüatein  hosa,  osa 
€oerea,  caliga';  daher  fr.  houseau  mit  ders.  bed.;  it.  usatto  Stiefel, 
altfr.  vb.  hoser,  heuser,  mlat.  hosare  behosen;  alle  vom  ahd.  hosä  * caliga \ 
mhd.  hose,  auch  ags.  hose,  kymr.  hös,  nhd.  (mit  eingeschränkter  bed.)  hose. 


336  I.   UPUPA— ÜSBERGO. 

Man  vergleicht  lat.  casa.  S.  über  dieses  wort  Altrom.  ghssare  p.  28. 
Von  einem  sinnverwandten  gleichfalls  aus  dem  deutschen  stammenden  werte 
hat  sich  nur  in  dem  Cassder  glossar  eine  spur  erhalten :  deurus  deohproh, 
indem  ersteres  ein  längst  verschollenes  altfr.  tevrucs  vorauszusetzen  scheint 
(Altrom.  gloss.  107). 

Upupa  it.  wiedhopf,  abgekürzt  mail.  buba,  romagn.  poppa,  piem. 
popo,  pg.  poupa,  dsgl.  it.  bubbola,  $p.  abubilla.  Auf  andre  weise 
abgekürzt  ist  pr.  upa,  hieraus  mit  aspirata  durch  das  dtsche  witu-hopf 
herbeigeführt  fr.  huppe,  das  aber  auch  von  einem  merkmale  des  vogds 
die  bed.  haube  annahm,  denn  aus  ahd.  hüba  wäre  huve  geworden.  Ein 
neues  wort  entlehnte  man  von  seiner  stimme  (wie  auch  upupa,  eaoift),  sp. 
putput,  fr.  puput,  vgl.  obd.  wutwut. 

Uracano  it.,  sp.  huracan,  pg.  furacäo,  fr.  ouragan  stürm,  orkan; 
ein  erst  später  in  die  sprachen  eingeführter  Schifferausdruck,  der  aus  dem 
karaibischen  herrühren  sott. 

Urlare  it.,  wal.  urlä,  fr.  hurler  (h  asp.),  früher  auch  huler  und 
uler  vielleicht  mit  einmischung  des  dtschen  heulen,  pg.  huivar  (vgl.  wegen 
y  aus  1  couve  von  caulis);  von  ululare  (rl  wie  in  zirlare  von  zinzilulare)* 
Dasselbe  wort  mit  vertauschung  des  ersten,  aber  ohne  syncope  des  zweiten 
1  ist  sard.  urulare,  pr.  udolar.  Von  huler  stammt  fr.  hulotte  etile.  Ein 
henneg.  cahuler  soll  nach  Hecart  für  cat-huler  stehn  (schreien  wie  die 
kotze).  In  der  ital.  nebenform  chiurlare  ist  die  natur  des  anlautenden 
ch  zweifelhaß. 

Urtar  e  it.,  pr.  urtar,  fr.  heurter  statt  des  alten  harter  (h  asp.)  stoßen; 
sbst.  it.  urto,  fr.  heurt  stoß;  dazu  ein  comp,  alt  fr.  dehurter,  neupr.  dourda 
(ebenso  derbä  von  deherber),  norm,  dourder.  Das  wort  findet  sich  wieder 
im  mhd.  hurten,  hurt,  ndl.  hurten,  horten,  hurt,  hört,  wohl  auch  im  engl. 
hurt  verwunden,  hurtle  anprallen,  es  fehlt  aber  allen  älteren  deutschen 
mundarten  und  möchte  als  ein  in  ritterspielen  übliches  aus  Frankreich 
eingebracht  sein.  Unter  den  celtischen  sprachen  kennt  es  nur  die  kymrische: 
hwrdh  stoß,  dsgl.  bock  (ndat.  in  England  hurdus,  hurdardus  mit  letzterer 
bed.),  vb.  hyrdhu,  hyrdhio  stoßen,  und  wenn  es  sich  in  den  ältesten 
denhnälern  dieser  spräche  nachweisen  läßt,  so  ist  seine  cdtische  herkunfl 
ziemlich  gesichert.  Der  verbalbegriff  stoßen,  vom  bock  abgeleitet,  wird 
sich  häufig  finden,  so  z.  b.  mhd.  bocken,  franz.  in  Bourgogne  boquai 
(Mignard),  lat.  arietare. 

Usbergo,  osbergo  it.,  pr.  ausberc,  aUfr.  halbere,  hauberc  (hasp.), 
nfr.  haubert  panzerhemd;  vom  gleichbed.  ahd.  halsberc,  ags.  healsbeorg, 
altn.  hälsbiörg  (f.)  eigentl.  eine  den  hals  bergende  oder  deckende  rüstung, 
mhd.  auch  halsveste,  nachher,  wie  unser  koller  (von  collare  halsband), 
in  seiner  bedeutung  erweitert.  Im  altfr.  halbere  verstummte  das  zwischen 
zwei  consonanten  stehende  8  und  fiel  aus  wie  in  dem  gleichfalls  mit  hals 
zsgs.  halterel,  haterel  für  halsterel,  wogegen  die  prov.  form  ihr  8  durch 
auflösung  des  1  in  u  schützte:  man  hüte  sich  daher,  es  aus  dem  von  Benecke 
(und  schon  von  Besly,  s.  Ducange  und  Menage)  als  urform  angenommenen 


I.   ÜSCIO-VARARE.  337 

al-berc  c alles  deckend*,  woraus  halsberc  erst  entstellt  wäre,  zu  erklären. 
Im  itcd.  kommt  auch  das  veraltete  feminin  sberga  für  usberga  vor. 

Uscio  it.,  wal.  use,  dltsp.  uzo  PC,  pr.  uis,  us,  fr.  huis  thüre, 
von  ostinm;  it.  nsciere,  dltsp.  nxier,  fr.  huissier  thürsteher,  von  ostiarius, 
welches  eine  Urkunde  vom  jähr  661,  Marin,  p.  180,  zum  beilege  der  frühen 
ausartung  des  o  in  u  in  der  form  nstiarius  gewährt. 


v. 

Vainiglia  it.,  sp.  vainilla  und  vainica,  pg.  bainilha,  baunilha,  fr. 
vanille  ein  gewürz,  der  satne  einer  südamericanischen  pflanze;  diminutiv 
des  span.  vaina  schote  (lat.  Tagina),  weil  die  Samenkörner  in  Meinen 
schoten  enthalten  sind. 

Vajuolo  und  vajuole  (fem.  pl.)  it.,  sp.  viruela,  viruelas,  fr.  petite 
v£role  poche,  pochen,  tnlat.  Variola;  von  varius  bunt,  flechig,  nickt  von 
varus  blauer,  da  das  ableitende  i  des  lat.  adjectivs  durch  die  itai.  form 
Mar  angezeigt  ist. 

Valigia  it.,  sp.  balija,  /h  valise  feileisen.  Die  formen  decken  sich 
nicht,  wenigstens  entspricht  das  sp.  j  etymologisch  nicht  dem  it.  g,  balija 
scheint  also  (nebst  dem  in  den  glossen  von  Älfric  vorkommenden  vallegia) 
eine  nachahmung  des  it.  valigia,  welches  in  gemeinschaft  mit  dem  fr.  valise 
eine  grundform  valisift  oder  valitia  anzunehmen  erlaubt.  Die  aufhlärung 
des  schwierigen  Wortes  läßt  sich  versuchen.  Plautus  braucht  häufig  für 
dieselbe  oder  eine  ähnliche  sacht  das  gewiß  ganz  volksübliche  vidnlns.  Im 
latein.  fließt  aus  capill-us  capill-itium,  die  itai.  spräche  aber  zieht  selbst 
für  sinnliche  begriffe  das  weibliche  suffix  itia  vor,  welches,  wie  im  latein, 
eigentlich  zum  ausdrucke  abstracter  begriffe  dient  (grand-izia,  grand-igia), 
und  leitet  z.  b.  aus  lat.  comtus  putz,  schmuck  das  gleichbed.  cont-igia. 
Mit  demselben  rechte  konnte  sie  aus  vidulus  vidul-itia  leiten,  besser  ro- 
manisiert  velligia  (11  aus  d'l  z.  b.  auch  in  strillo  aus  stridulus),  mit  be- 
kannter Verwandlung  des  tonlosen  e  in  a  valligia,  endlich  valigia  durch 
Vereinfachung  des  11,  was  hier,  wo  aller  etymologische  anhält  fehlte,  zumal 
vor  betontem  vocdl  leicht  möglich  war.  So  ist  also,  wenn  die  vorliegende 
deutung  anerkennung  findet,  unser  deutsches  wort  feileisen,  eine  offenbare 
umdeutung  des  fr.  valise,  bei  Plautus  zu  suchen. 

Vanno  it.  (nur  im  plur.  üblich),  abgel.  vanneaux  fr.  Schwung- 
federn; von  vannns  futterschwinge,  weü  die  ftttiche  der  vögel  dieselbe  be- 
wegung  machen.  Der  kibitz  aber  heißt  it.  van  eil  o,  fr.  vanneau,  mail. 
vanett,  von  dem  federbusche  auf  dem  köpfe,  den  er  aufrichten  und  nieder- 
lassen  kann,  dessen  einzelne  theile  also  mit  Schwungfedern  verglichen  wer- 
den;  ital.  auch  pavoncella  genannt. 

Yantare  it.,  pr.  vantar,  fr.  vanter  prahlen;  sbst.  it.  vanto;  von 
vanitare  mit  ders.  bed.  bei  Augustinus  (Opp.  I,  437.  761),  dies  von  vanus. 

Varare  it.,  sp.  pg.  pr.  varar,   altfr.  varer   ein  schiff  vom   Stapel 

22 


338  L  VASCELLO-VECE. 

lassen;  von  vara  querhol*,  schräge  gelegtes  holz.  Aber  pg.  varar  heißt 
auch  ein  schiff  ans  land  /riehen;  dsgl.  (intrans.)  scheitern,  letztere  bedeu- 
tung  hat  auch  sp.  varar,  barar,.  daher  desvarar  wieder  flott  werden. 

Vascello  it.,  sp.  baxel,  pg.  baixel  schiff,  pr.  vaissel,  fr.  vaisseau 
gefäß,  schiff \  wallon.  vahai  sarg;  von  vascellum  Grut.  Inscript.,  dimin. 
von  vas,  vasculum.  Ein  altes  zeugnis  der  span.  form  bei  Isidorus: 
phaselus  est  uavigium,  quem  nos  'corrupte'  baselum  dicimus.  Daneben 
für  die  ursprüngl.  bed.  gefäß  it.  vasello,  sp.  vasillo,  baxillo  u.  8.  w. 

Vassallo  it.  pg.,  sp.  vasallo,  pr.  fr.  vassal  lehnsmann,  mlat.  vas- 
sallus.  Die  älteste  lat.  form,  z.  b.  in  der  L.  Alam.,  ist  vassus  mit  der 
bed.  mann  vom  dienstgefclge,  und  noch  unter  Ludwig  dem  frommen  heißt 
es:  quos  vassos  'vulgo'  vocant  Die  vornan,  spräche  aber  kennt  vas  nicht 
mehr,  sie  gab  es  hin  für  das  klangvollere  vassail.  Ein*  altfr.  bedeutung 
*des  letzteren  ist  mann,  streitbarer  mann:  die  Livr.  d.  rois  haben  vassal 
für  vir  p.  119.  204,  für  pugnator  p.  1 74,  daher  vasselage  tapferkeit,  wie 
barnage  von  baron.  Den  deutungen  aus  lat  vir  oder  vas  vadis  oder 
aus  dem  goth.  vastjan  (kleiden,  vassus  s.  v.  a.  vestitus,  investitus)  wider- 
strebt der  buchstabe;  mit  recht  erinnert  Leibnitz  an  kymr.  gw&s  junger 
mann,  diener:  an  erstere  bedeutung,  nicht  wohl  an  letztere,  knüpft  sich  die 
alt  franz.  'streitbarer  mann,  edle  drei  bedeutungen  vereinigt  z.  b.  das  ahd. 
degan  junger  mann,  held,  diener.  Die  rom.  form  vassal  wird,  da  kein 
suffix  all  vorhanden  ist,  durch  anlehnung  an  das  kymr.  adj.  gwasawl 
(dienend)  entstanden  sein.  Die  aufnähme  von  vassus  in  die  mlat.  oder 
roinan.  spräche  muß  man  übrigens  in  die  früheste  zeit  setzen  {vgl.  fr. 
verne-  aus  gwernen),  da  man  später  guassus  gesagt  hoben  würde.  Eine 
abl.  ist  altfr.  vaslet,  varlet  knabe  (anständiger  als  gar$on,  an  dessen 
stelle  z.  b.  die  limous.  mundart  nur  efon  d.  i.  enfant  gebraucht),  nfr. 
valet  diener,  it.  valetto.  Ein  geringerer  vassail,  nach  dem  gemeinen 
sprachgebrauche,  besonders  in  der  Normandie,  ein  aßerlehnsmann  hieß  fr. 
vavasseur  (vasseur  Buteb.  I,  160),  pr.  vasvassor,  valvässor,  mlat.  va- 
vassor,  vavassorius  u.  dgl.,  fem.  altfr.  vavassore,  daher  it.  varvassore  und 
barbassoro,  altval.  vervesor  JFebr.  95,  vielleicht  zsgs.  aus  vassus  vasso- 
rum  vassail  von  vassallen.     Vgl.  zu  diesem  artikel  Potts  Forsch.  II,  347. 

Vecchio,  veglio  it.,  wal.  veachiu,  sp.  viejo,  pg.  velho,  pr.  vielh, 
fr.  vieil,  vieux  alt;  von  vetulus  vetlus  veclus,  letzteres  schon  bei  einem 
alten  grammatiker  e vetulus,  non  veclus*  Anal,  gramm.  p.  443,  curte 
vecla  Tirab.  II,  p.  17*  (v.  j.  752),  selbst  it.  veclo  Iacomino  ed.  Ozanam, 
Doc.  hist.  294.  — -  Das  primitiv  vetus  hat  nur  die  altfranz.,  nicht  die 
prov.  mundart  behalten.  Es  lautet  mit  richtigem  diphthong  vi6s,  fem. 
ebenso,  z.  b.  une  vtäs  haire  Bari.  123,  24;  doch  auch,  indem  man  8  zum 
stamme  rechnete,  viese,  plur.  vieses.  Andre  reste  des  Wortes  liegen  vor 
im  altsp.  adverb  de  vedro  von  alters  her,  und  in  geographischen  namen, 
wie  pg.  Torres  vedras,  sp.  Murviedro,  it.  Castel-vetro. 

Vece  it.  sbst.,  adverbial  sp.  pg.  vez,  pr.  vetz,  fr.  fois,  npr.  fes 
(citpr.  fetz  nur  im  Gir.  de  Boss.),   letztere  formen  mit  Verwandlung  des 


I.   VEGLIA-VERNICE.  839 

v  in  f  (vgl.  unten  via  1);  vom  lat.  vice,  *.  b.  tribus  vicibus  dreimal. 
Daher  aUsp.  altpg.  pr.  vegada,  churw.  gada,  worin  sich  g  au  z  verhält 
wie  im  sp.  pr.  perdigon,  pg.  perdigao  aus  perdiz,  perditz. 

Veglia  it.,  sp.  vela,  pg.  vigia,  pr.  velha,  fr.  veille  nachtwache;  vb. 
vegliare  ff.;  sp.  veleta  Wetterfahne  (wächter),  it.  veletta  schildwache; 
van  vigilia,  yigilare. 

Velleitä  it.  sp.  veleidad,  fr.  vell&tä,  engl  velleity  tvitte  ohne  that; 
vom  inf.  Teile,  ein  in  der  schule  entstandenes  wort. 

Veltro  it.,  pr.  veltre,  altfr.  viautre  Jagdhund,  com.  guilter;  dltfr. 
viautrer  jagen  (auf  schweine).  Martial  hat  verträgus:  non  sibi,  sed 
domino  venatur  vertragns  acer;  Gratius  spricht  dafür  minder  gut  ver- 
träha,  in  der  L.  Burg,  stqht  veltrahus,  in  der  L.  Sal.  veltrum,  veltrem 
(acc.),  in  den  Schleust,  glossen  37,  28  veiter,  in  den  Florent.  glossen 
p.  948k  vcltra.  Es  wird  von  Aelian  als  ein  celtisches  wort  bezeichnet: 
al  de  nodcjxeig  xvveg  al  xeXrcxal  xaXovvcai  f.iiv  ovbQTQayoi  xvveg  qxovjj 
%jj  xelzixtj,  nach  Zeuß  I,  p.  6,  vgl.  46.  166,  vom  altirischen  traig  fuß, 
verbunden  mit  der  intensiven  partikel  ver.  Darüber  und  über  vieles  andre 
dieses  wort  betreffende  sehe  man  Diefenbachs  Orig.  europ.  p.  330  ff. 

Venerdi  it.,  fr.  vendredi,  pr.  cot.  divendres  frevtag,  von  Veneria 
dies,  dies  Veneria;  sp.  viernes,  pr.  auch  venres  vom  gen.  Veneris,  wal. 
vineri,  ven.  v6nere,  romagn.  vönar.  Dafür  pg.  sexta  feira.  Eigentüm- 
lich ist  der  sardische  ausdruck  chenäbura,  chendura,  cenabara  von  coena 
pura,  weil  man  an  diesem  tage  nur  magere  speisen  genießt. 

Vengiare  it.,  sp.  Yengar,  pg.  vingar,  pr.  vengar,  venjar,  fr.  venger 
rächen;  von  vindicare  (wal. vindecä  heilen  d.h. retten).  Zsgs.  pr.  re ven- 
jar, altfr.  revenger,  nfr.  revancher,  sbst.  revanche;  neufr.  ch  =  altfr. 
g  ebenso  in  nache  =  nage. 

Ventaglio  it.,  sp.  ventalle  fachet,  pr.  ventalh,  fr.  ventail  luftloch, 
vantail  thürflügel,  ^ventail  fächer,  it.  ventaglia  u.  s.  f.  visier  des  helmes ; 
von  ventns,  vgl.  ventana  27.  b. 

Ver  pr.  altfr.  frühling;  daher  sp.  verano,  pg.  veräo  spätfrüh- 
Ung;  ssgs.  pr.  primver,  it.  sp.  pr.  primavera,  wal.  primevare,  altfr. 
primevere,  bask.  (labort.)  primadera  frühling,  eigentlich  erster  frühling, 
Vorfrühling,  welchen  begriff  es  noch  im  span.  ausdrückt;  dafür  fr.  p r in- 
te mps,  piem.  schlechtweg  prima,  occit.  primo  (f.).  Der  Veneeianer  nennt 
diese  Jahreszeit  verta,  in  DauphinS  heißt  sie  pipa,  s.  oben  s.  v.  piva. 

Vergogna  it.,  pg.pr.  ebenso  vergonha,  fr.  vergogne,  sp.  vergtienza, 
alt  vergüefia  22*.  schäm;  von  verecundia  mit  ausgefcdlnem  d  wie  in  Bour- 
gogne  von  Burgundia,  wogegen  im  span.  schärfung  des  d  au  z  eintrat. 

Vermiglio  it.,  sp.  bermejo,  pg.  vermelho,  pr.  fr.  vermeil  roth, 
ndat.  vermiculus  schon  im  6.  jh.,  s.  Breq.  n.  40  palla  vermicula;  vom 
sbst.  vermiculus  würmchen  (das  die  scharlachfarbe  gibt). 

Vernice  it.,  sp.  berniz,  barniz,  pr.  vernitz,  fr.  vernis  eine  art  lack 
oder  glanefarbe,  daher  engl,  varnish,  kymr.  bernais,  dtsch.  firnis ;  vb,  it. 
verniciare,  sp.  barnizar,  pr.  vernissar,  fr.  vernisser,  auch  it.  vernicare, 


340  L  VERRINA-VIA. 

pr.  bernicar,  endlich  auch  fr.  vernir,  vgl.  bei  den  Alten  Fesen  d'or 
vernis  Fier.  p.  51,  5,  Gayd.  p.  178.  Des  wortes  herJcunß  ist  zweifelhaft. 
Billig  geht  man  vom  vi.  vernir  als  dem  einfachsten  producte  aus,  daher 
vernis,  it.  vernice:  es  könnte  im  ahd.  bernjan  für  brenjan  glänzend 
machen  (dies  von  brinnan  glänzen)  seine  quelle  haben,  allein  nie  erweicht 
sich  anlautendes  deutsches  b  in  v,  das  sp.  h.äber  ist  kein  zuverlässiger 
führet,  da  es  oft  für  v  eintritt.  Eben  so  wenig  gewicht  hat  das  dem  ital. 
erst  nachgeformte  mittdgr.  ßsQvUrj.  Darum  verdient  Menage9 s  erJdärung 
den  vorzug:  vernir  ist  =  vitrinire  glasieren  (das  adj.  vitrinus  für  vitreus 
findet  sich  im  pr.  veirin),  eine  bedeutung,  die  auch  das  it.  vitriare,  das 
sp.  vedriar,  das  sard.  imbidriare  entwickelt  haben.  Noch  möge  bemerkt 
werden,  daß  Lessing,  ed.  Lachmann  IX,  482,  in  einer  bei  Theophilus 
vorliegenden  form  fornis  das  Stammwort  unseres  firnis  vermuthet,  ohne 
es  jedoch  zu  erklären. 

Verrina  it.,  sie.  virruggiu  bohrer,  henneg.  vörin  schraube ,  fr. 
vrille  (für  verille)  kleiner  bohrer;  da/nn  auch  it.  verricello  haspel. 
Augenscheinlich  sind  diese  Wörter  eines  Stammes,  nicht  aber  von  virare, 
das  in  allen  ableitungen  sein  i  behauptet:  ihm  mag  etwa  das  neupr.  birou, 
birounieiro  bohrer  entsprossen  sein.  Jene  Wörter  schließen  die  Vorstellung 
des  drehens,  toindens  in  sich  ein,  vrille  heißt  auch  die  schraubenartig  sich 
windende  ranke  des  weinstocks  (also  nicht  von  viriculum  meißel)  und  so 
dürfte  man  auf  veru,  da  dem  sich  drehenden  bratspieß  der  bohrer  wohl 
verglichen  werden  konnte,  vermuthen,  um  so  eher  als  sich  verrina  befrie- 
digend aus  dem  Plautinischen  veruina  d.  i.  veru-ina,  worin  das  hiatus 
machende  u  ausfiel,  erklärt.  Identisch  mit  verrina  ist  sard.  berrina,  bar- 
rina,  cot.  barrina,  vielleicht  auch  sp.  barrena,  aber  pg.  verruma  wird 
wohl  besser  auf  das  gleichbed.  arab.  bairam  oder  barfmah  Freyt.  I,  114b 
zurückgeleitet.  Zu  vergleichen  ist  auch,  was  Engdmann  p.  74  darüber 
bemerkt. 

Versare  it.,  versar  pr.,  verser  fr.,  versa  wal.  ausgießen,  vergießen; 
von  versare  (das  gefäß)  umkehren,  eine  bedeutung,  die  auch  das  waL 
turnä  erworben  hat.  Dasselbe  wort  ist  altsp.  bosar,  nsp.  rebosar  =  lat. 
vorsare,  revorsare,  mit  bekanntem  ausfalle  des  r  vor  s. 

Verza  lomb.  pg.,  berza  sp.,  vearz§  wal.,  verzotto  it.  kohl,  wirsig, 
daher  sp.  bercero  kräuterhändler.  Die  herkunft  dieses  wortes  unterliegt 
keinem  bedenken,  wenn  auch  mlat.  brasicia  Gl.  Flor.  (Diutiska  II,  232) 
zu  widersprechen  scheint:  es  ist  das  lat.  virfdia  (plur.)  gartengewächse, 
das  der  Verwandlung  in  verza  nicht  entgehen  konnte.  Menage  hält  ü. 
berza  Schienbein  für  dasselbe  wort,  eigentl.  kohlstrunk,  und  vergleicht 
wegen  der  bedeutung  fr.  tige,  it.  gambo.  Für  vefza  auch  it.  sverza  kohl, 
Splitter. 

Verziere  it.,  sp.vergel,  pr.  vergier,  fr.  verger  garten;  vom  gleich- 
bed. viridiarium  oder  viridarium,  pr.  auch  verdier.  Verzaria  (plur.)  hat 
schon  eine  Urkunde  v.  j.  752  Mural.  Ant.  ital.  V,  1011. 

Via  it.  adverbium  die  frage  'wie  oft'  zu  beantworten,  una  via  ein- 


I.    VIA— VIOLA.  341 

mal  PPS.  I,  491,  due  yia  tre  zweimal  drei;  vom  sbst.  via  weg,  vgl.  das 
ebenso  angewandte  nord.  gang,  das  ndl.  reis.  Via  härtete  sich,  scheint 
es,  tn  fia,  altfr,  fie,  üblicher  die  abl.  it.  fiata  (dreisilb.),  altfr.  fiede 
LBs.  11,  fiöe,  foiäe,  noch  jetzt  wallon.  feie.  Zsgs.  it.  tuttavia,  sp.  to- 
davia,  altfr.  toutesvoies,  nfr.  toutefois  allemal,  dennoch. 

Via,  8U  via  it.,  sp.  via  (z.  b.  via  comer!  Silva  ed.  Grimm  p.  257, 
vgl  Apol.  388),  pr.  alt  cot.  via  sns  Chx.  V,  74,  BMunt.  206m,  interjection 
der  ermunterung;  vom  sbst.  via,  eigentl.  'auf  den  weg!*  Auch  in  der  bed. 
weg!  wird  ital.  nebst  churw.  via  gebraucht;  dafür  bedient  sich  die  maü. 
mundart  des  dtschen  fort! 

Viaggio  it.,  sp.  viage,  pr.  viatge,  fr.  voyage,  weil,  viadi  reise;  vb. 
viaggiare  ff.  reisen,  von  viaticum  reisegeld,  schon  bei  Venard.  Fort,  in 
roman.  bedeutung  vorkommend,  s.  Ducange. 

Vigliacco  it.,  sp.  bellaco,  pg.  velhaco  niedrig,  schlecht;  abgeleitet 
von  vilis  (Born,  gramm.  II,  305) ;  nach  andern  wäre  es  vom  völkernamen 
Valachns,  s.  Mayans  y  Siscar  I,  104.  Das  fr.  veillaquerie  Boquef.  ist 
aus  dem  spanischen. 

Villa  it.  landhaus,  sp.  villa  marktflecken,  fr.  ville  stadt.  Bereits 
in  der  L.  Sah  hat  villa  neben  der  ursprünglichen  die  bed.  weiter,  dörf- 
chen  (Pardessus  p.  389,  DC.  s.  v.),  im  prov.  und  altfr.  bemerkt  man 
noch  die  latein.  oder  die  spart,  bedeutung;  in  der  Passion  Christi  wird 
Bethfage  castellum  und  ebenso  Gethsemani  villa  oder  praedium  (Matth. 
26,  36,  Marc.  14,  32)  mit  vila  übersetzt,  während  Jerusalem  ciptad 
heißt,  s.  auch  Henschel  s.  v.;  endlich  bezeichnete  es  jede  Stadt  von  beliebi- 
ger grosse.  Dem  abgel.  it.  villano,  sp.  villano,  pr.  vilä,  altfr.  vilain 
bauer  legte  der  Standesgeist  des  mittelalters  auch  die  moralischen  neben- 
bedeutungen  niedrig,  schurkisch,  häßlich  bei,  welche  im  prov.  die  haupt- 
bedeutungen  {bauer  heißt  hier  pag6s),  im  neufr.  die  einzig  verbliebenen 
sind,  die  auch,  in  rücksicht  auf  vil  (lat.  vilis),  die  alte  Schreibung  mit 
einfachem  1  fortzuführen  anlaß  gaben. 

Viluppo  it.  wickel,  gewirr;  vb.  altsp.  volopar  Bc.  Mil.  268,  pr. 
dass.,  altfr.  voleper;  dsgl.  it.  invi«lupare,  pr.  envolopar,  envelopar,  npr. 
agouloupä,  fr.  envelopper  einwickeln;  prov.  auch  revolopir  herumwerfen. 
Wie  nahe  auch  vplutare  eu  liegen  scheint,  so  ist  es  doch  grammatisch 
nicht  mit  dem  roman.  worte  zu  einigen.  Entsprang  dies  aus  volup,  so 
daß  vilupparsi  ursprüngl.  bedeutete  sich  hätscheln,  sich  warm  halten?  Man 
bedenke'Jaber  auch  it.  luffo  gewirr,  gleichbed.  mit  viluppo.  In  oberital. 
mundarten  hört  man  fiop  für  letzteres,  es  wirft  aber  kein  licht  auf  die 
eiymologie,  da  es  für  flop  und  dies  für  vlop  zu  nehmen  ist.  Es  begegnen 
einige  formen  mit  lp  statt  lop,  lup :  aitval.  (bei  A.  March)  envolpar,  ro- 
magn.  agolpö  einwickeln,  vcn.  imbolponare  einpelzen:  man  wird  sie  als 
contractionen  betrachten  müssen,  da  vulpes,  an  das  man  zunächst  denken 
dürfte,  nie  die  bed.  fuchspelz  zeigt. 

Viola  it.  sp.  pg.,  pr.  viula,  viola,  fr.  viole,  wal.  viöar§  ein  Saiten- 
instrument, daher  violino,  violone  u.  s.  w.  Es  ist  eins  der  schwierigeren 


842  L   VIRA— VIRAR. 

Wörter,  doch  scheint  es  nicht  unlösbar.  Zu  bemerken  ist  zuvörderst,  daß 
der  Provenzale  zweisilbig  viula,  viola  spricht  (der  diphthang  iü  ist  ihm 
unbekannt);  aus  viola  kannte  wohl  fr.  viöle,  it.  viöla  werden,  nicht  aus 
viöla  das  pr.  viola:  man  muß  also  von  der  prov.  form  als  der  ältesten 
ausgehen  und  darf  nicht  außer  acht  lassen,  daß  das  wort,  wie  alle  mit  v 
anlautenden,  vorzugsweise  lateinische  herkunft  in  anspruch  nimmt.  Der 
nilat.  ausdruck  für  dasselbe  Instrument  ist  vitula,  und  dies  kann  nur  ab- 
gezogen sein  aus  dem  alten  lat  vitulari  springen  wie  ein  kalb,  sich  lustig 
gebärden  (dieselbe  bedeutung  hat  unser  mundartl.  kälbern,  ndd.  kalveren), 
die  violine  aber  war  die  üblichste  begleiterin  der  lustbarkeiten,  ein  dichter 
(bei  Ducange)  nannte  sie  darum  vitula  jocosa.  Springen,  tanzen,  musi- 
cieren  sind  ineinandergehende  begriffe  (vgl.  giga  I,  carole  IL  c),  und  daß 
vitulari  ein  sbst.  vitula  mit  dem  concreten  begriffe  eines  Instrumentes 
lieferte,  ist  den  Sprachgesetzen  gemäß:  so  entstand  it.  leva  hebel  aus  le- 
vare  u.  dgl.  Aus  vitula  aber  ward  durch  Umstellung  pr.  viutla  (wie 
veuza  aus  vidua,  teune  aus  tenuis)  und  endlich  viula,  viola  (wie  rolar 
aus  rot'lare),  hieraus  it.  viöla,  das  nicht  unmittelbar  aus  vitula  entstehen 
konnte,  sp.  vihuela  (h  zur  Währung  des  hiatus),  fr.  viole,  altfr.  lieber 
vielle,  viele  (dreisilbig),  vitella,  mhd.  vigele.  Sollte,  wie  auch  Wacker- 
nagel  vermuthet,  unser  ahd.  schon  bei  Otfried  vorkommendes  fidula,  mhd. 
fiedel,  das  dieselbe,  Sache  ausdrückt,  nicht  desselben  Ursprunges  sein  wie 
viola?  Rom.  v  ward  ja  auch  sonst  in  f  geschärft,  in  den  Casseler  glossen 
*•  b.  ferrat,  fidelli  für  verrat,  videlli  geschrieben.  Man  erklärt  es  wohl 
aus  fidicula,  was  aber  der  buchstdbe  nicht  gestattet.  Wir  hätten  alsdann 
in  dieser  deutschen  form  ein  älteres  zeugnis  für  vitula,  als  die  mlat.  litte- 
ratur  zu  bieten  scheint.  —  Ein  prov.  dichter  braucht  viular  auch  von 
blasinstrumenten  Chx.  IV,  167. 

Vira  sp.  pg.  pr.,  altfr.  vire  pfeil,  bolzen,  bret.  btr;  sp.  Ti rote, 
it.  verretta  (bei  Ferrari  veretta)  speer.  Vira  aus  veru  ist  gegen  die 
regel,  da  betontes  ft  nicht  in  i  übergeht.  Besser  darum  denkt  man  an  eine 
zusammenziehung  aus  vipera,  sp.  vibora;  vira  z.  b.  in  einer  neap.  chronik 
(et  parme  che  al  cor  me  jonga  una  vira  Mur.  Ant.  VI,  694)  Übersetzt 
der  herausgeber  mit  vipera.  Wegen  der  begriffsentwicklung  vgl.  givre 
II.  c.  Gegen  herleitung  von  veretta  aber  aus  veru  läßt  sich  nichts  ein- 
wenden  (vgl.  oben  verrina). 

Vi  rar  sp.  pg.  pr.,  altfr.  virer,  piem.  virö  drehen,  henneg.  virler 
rollen,  sp.  auch  birar  ein  schiff  wenden;  sbst.  pr.  viro  kreiß,  umfang, 
nur  als  adverb  oder  präposition  gebraucht,  en-viro,  auch  fr.  en-viron,  so 
auch  altspan.  Alex.  784;  vb.  invironare  umringen.  Virare  ist  alt  und 
zeigt  sich  in  Handschriften  der  L.  Alam.  Die  herleitung  aus  gyrare 
unterliegt  schwerem  bedenken,  da  gi  wohl  nie  in  vi  ausartet.  War  es  ein 
wort  der  romana  rustica?  Lat.  vlria  bedeutet  armschmuck  d.  i.  armring, 
altfr.  vire,  romagn.  vira,  com.  ven.  chw.  vera,  it.  viera  ring,  reif  (nicht 
eben  zum  schmuck)  und  so  heißt  auch  das  dem  lat.  viriola  entsprechende 
sp.  virola  nebst  birola,   altfr.  virole  etwas  ringförmiges;   wcd.  verig^  an- 


I.  VISCIOLA-VIVOLE.  343 

mdus  verweist  Diefenbach  mit  recht  auf  das  slav.  veriga  catena.  In  den 
Isid.  glossen  liest  man  viria,  viriola  'brachiales ;  beide  Wörter  sollen  aber 
fremdes  Ursprunges  sein:  viriolae  celticae  dicuntur,  viriae  celtibericae 
Plin.  H.  N.  33,  12  (Hard.).  Humboldt,  Urbewohner  Hisp.  p.  79,  halt  mit 
besiehung  auf  diese  notie  den  stamm  für  einen  iberischen  von  den  Celti- 
beriern  den  Gelten  mitgetheilten,  im  bask.  biruncatu  (drehen,  wenden) 
noch  enthaltenen,  das  aber  seine  lat.  herhunft  (verruncare)  schwer  ver- 
läugnen  kann;  auch  die  deutung  des  namens  Viriatus  'spangenträger  aus 
diesem  stamme  beruht  auf  einer  rein  subjectiven  auffassung. 

Vfsciola  it.,  wal.  visine  (ngr.  ßioivov),  mit  verändertem  anlaut  fr. 
gnigne  (alt  guisne),  sp.  guinda,  bask.  (navarr.)  guile  eine  art  kirschen, 
ahd.  wthsela,  nhd.  weichsei,  auch  in  den  statischen  sprachen  einheimisches 
wart,  vgl.  Schmäler  IV,  17. 

Viso  altit.,  vis  pr.  alt  fr.  in  Verbindung  mit  dem  vb.  esse  und  dem 
dat.  der  person;  vom  lat.  partic.  visum:  it.  fa  viso  a  me  =  lat.  visum 
mihi  fait,  Rom.  gramm.  HI,  198.  Zsgs.  it.  avviso,  pr.  fr.  avis  in 
derselben  bedeutung  und  als  subst.  gutachten,  meinung,  nachricht,  sp.  aviso 
in  letzterem  sinne,  vb.  awisare  ff.  meinen,  überlegen,  benachrichtigen. 

Visto  it.,  altfr.  viste,  nfr.  vite,  pr.  vist,  gase,  biste  adj.  und  adv. 
munter,  rasch,  z.  b.  altfr.  remuanz  fa  et  preux  et  vistes,  plus  legier 
home  ne  vetetes  Born,  de  la  rose  s.  Roquef.;  das  nfr.  adj.  aber  kann  auf 
personen  nicht  mehr  angewandt  werden.  Ist  es  von  vegetus  mit  einge- 
schaltetem s?  alsdann  wäre  es  in  Frankreich  entstanden  und,  wie  auch 
Redi,  Ftimol.  ital.,  meint,  in  Italien  eingeführt.  Aber  dieses  eingescho- 
bene 8  der  Franzosen  (Rom.  gramm.  I,  466)  hat  in  keiner  andern  roman. 
spräche  eine  spur  hinterlassen;  sp.  cisne  ist  nicht  vom  altfr.  cisgne  =^ 
lat.  cygnus,  und  it.  desinare  vermuthlich  auch  nicht  vom  altfr.  disgner 
=  lat.  dignare;  übrigens  hätte  sich  aus  vegestus  eher  voiste  als  viste 
gebildet.  Zu  erwägen  ist,  daß  man  ital.  auch  vispo,  mail.  viscor  und 
vivisc  (von  vivus)  sagt:  sollte  man  mit  vivisco,  visco  angefangen  und 
das  wort  durch  die  beiden  andern  tenues  (vispo,  visto)  variiert  haben? 
aber  solche  Variationen  scheint  sich  die  spräche  nicht  eu  erlauben,  und  so 
muß  man  sich  weiter  umsehen.  Visto  kann  ital.  Ursprungs  sein,  auf  ital. 
weise  verkürst  aus  awisto  für  aweduto  umsichtig:  in  einem  alten  genues. 
gedickte  liest  man  omi  destri  valenti  e  avisti  Archiv,  stör.  ital.  app.  num. 
18,  p.  33.  Die  bedeutungen  liegen  nicht  zu  weit  auseinander:  der  mun- 
tere sieht  sich  um  nach  allen  Seiten:  vermöge  derselben  auffassung  ward 
z.  b.  aus  dem  it.  all'erta  behutsam,  vorsichtig,  das  fr.  alerte  wachsam, 
munter,  flink.  Merkenswerth  ist  das  adverbiale  piem.  vist  non  vist,  auch 
vist  e  pris  d.  h.  im  augenblick,  welches  offenbare  partieipien  sind. 

Vitriuolo  it.,  sp.  vitriolo,  pr.  fr.  vitriol  ein  mineralisches  salz: 
von  vitrnm  wegen  seiner  glasartigen  beschaffenheit. 

Vivole  it.  (pl.),  sp.  abivas,  adivas,  fr.  avives  (fpl-),  nüat.  vivolae 
(13.  jh.)  die  Speicheldrüsen  des  pferdes,  dsgl.  eine  krankheit  dieser  drüsen, 
daher  unser  feifei.     Woher  aber  das  roman.  wort?    Aus  faba  vermuthet 


344  I.   VIZIO— VOLERE. 

Adelung,  weil  diese  drüsen  höhnen  ähnlich  seien,  was  kaum  erwähnung 
verdient    Das  catdl.  wort  ist  minovas  d.  h.  tropfe. 

Vizio  it.  fehler,  lasier,  auch  lüsternheit,  in  andrer  form  vezzo  Un- 
art, dsgl.  belustigung,  liebkosung  (churw.  vezs);  viziato  verdorben,  auch 
schlau,  durchtrieben;  vezzoso  reizend;  avvezzare,  invezzare,  wci. 
invetzä  gewöhnen,  disvezzare,  wal.  desvetza  entwöhnen.  Span,  vicio  laster 
und  lüsternheit  wie  it<ü.,  Überdies  üppiges,  geiles  wachsthum  der  pflanzen; 
vezö  gewohnheit;  vicioso  fehlerhaft,  üppig;  vezar,  avezar  gewöhnen,  des- 
vezar,  malvezar.  Port,  vicio  laster  und  für  die  bed.  üppiges  wachsthum 
vi$o,  entsprechend  f  icioso  fehlerhaft,  vi$oso  üppig  (daher  der  städtename 
Villa  vi$osa  d.  h.  in  einer  üppigen  gegend  gelegen);  vezo  gewohnheit, 
vezar,  avezar  wie  span.  Prov.  vici  laster  und  Schlauheit  GO.  (catal.  ver- 
gnügen JFebr.  38),  vetz  gewohnheit;  viziat,  veziat,  vezat  schlau;  vezar, 
avezar  wie  span.,  envezar  belustigen,  und  so  altfr.  voisW,  envoisier.  Alle 
diese  Wörter  und  bedeutungen  knüpfen  sich  an  Vitium.  Man  hat  nament- 
lich wegen  der  bed.  gewohnheit  auf  vicem  verwiesen,  welches  aber  den  der 
gewohnheit  fast  entgegengesetzten  begriff  Wechsel  ausdrückt  und  sich  übri- 
gens auch  durch  das  genus  (pr.  lo  vetz  =  Vitium,  la  vetz  =  vicem)  von 
unserm  worte  scheidet.  In  betreff  der  bed.  üppiges  wachsthum  hat  man 
an  das  vb.  vigere  gedacht,  aber  daraus  war  das  sp.  vicio  nicht  eu  ge- 
winnen. Vitium  ist  einerseits  unart,  üble  angewöhnung,  wie  denn  auch 
it.  vezzo  angewöhnte  unart,  sp.  vezo  vornehmlich  üble  gewohnheit  bedeuten; 
andererseits  bezog  man  es  auf  den  hauptfehler  der  menschlichen  natur, 
Üppigkeit,  lüsternheit  (noch  fr.  vice  wollust);  gewandtheit,  Schlauheit  mag 
sich  daran  geknüpft  haben,  die  auch  Dante  seiner  lonza,  dem  sinnbilde 
üppiger  begier,  beilegt.  —  Es  findet  sich  ein  altfr.  adj.  viseus,  voiseus 
listig,  das  Wörterbuch  von  Douai  übersetzt  es  mit  sagax,  buchstäblich,  wie 
es  scheint  (denn  an  visus  ist  doch  wohl  nicht  zu  denken)  =  it.  vezzoso, 
aber  mit '  der  zweiten  bedeutung  von  viziato,  die  sich  wie  aus  vitiatus, 
auch  aus  vitiosus  entwickeln  konnte.  Ferner  findet  sich  ein  altfr.  subst. 
voisdie  Verschlagenheit,  das  sich  als  eine  ableitung  aus  dem  adj.  voisiä, 
prov.  gleichsam  vezadfa,  zsgs.  vesdfa,  voisdie,  zu  erkennen  gibt 

Vogare  it.,  sp.  bogar,  pg.  pr.  vogar,  fr.  voguer  durch  rüder  ge- 
trieben fortschwimmen;  sbst.  it.  pg.  voga,  sp.  boga,  fr.  vogue  lauf  des 
schiffes,  figürl.  schwang,  zug.  Ein  nicht  unpassendes  etymon  ist  unter 
Voraussetzung  einer  entarteten  form  wogön  (vgl.  unser  nhd.  wogen)  das 
ahd.  wag6n,  mhd.  wagen  sich  bewegen,  in  wago  wesan  =  6tre  en  vogue. 
Die  eigentliche  bed.  des  roman.  Wortes  ist  csich  fortbewegen,  fortgetrieben 
werden,  vornehmlich  durch  rüder,  aber  auch  durch segd:  am  rems  et  am 
vela  s'en  van  a  mays  vogar  LB.  s.  v.,  so  noch  franz.  Es  versteht  sich, 
daß  vogare  euphonisch  wäre  für  gogare,  vgl.  vague  II.  c. 

Volere  it.,  pr.  voler,  fr.  vouloir,  weil,  vreä,  wollen,  span.  nur  in 
Zusammensetzungen  vorhanden,  wie  si-vuel-qual  für  quüibet;  von  velle 
mit  Umbildung  des  itvfinitivs  nach  der  in  der  conjugation  vorherrschenden 
form  vol,  welche  die  form  vel  schon  im  frühern  ndatein  zuweilen  ersetzt, 


I.   VOLTO— ZEBA.  345 

g.  b.  yoleam  in  Cap.  Car.  Cal  Baluze  JTf  82,  volerent  in  alten  Urkunden. 
Das  wal.  vrei,  sbst.  vreare,  ist  den  andern  roman.  formen  vollkommen 
analog:  volere  zsgz.  viere  vrere,  diphthongiert  vreare,  vgl.  dieselbe  be- 
handlung  des  1  im  lomb.  vore. 

Volto  it.  pr.,  fr.  volte,  vofite,  wal.  bolt£,  sp.  böveda  (nebst  pg. 
aböbeda  aus  einer  zweiten  prov.  form  vouta  entstanden)  wendung,  auch 
gewölbe;  von  volvere  volntus,  rom.  voltus  (im  ital.  und  prov.),  daher  vb. 
voltare,  sp.  voltear  u.  s.  w.     Vgl.  bulto  II  b. 


z. 

Zafferano  it.,  sp.  azafran,  fr.  safran,  wal.  sofirän  eine  pflanze,  die 
namentlich  von  den  Mauren  in  Spanien  gebaut  ward;  vom  arab.  za'farän 
(q'j^))  Freyt.  II,  238*.  —  Aus  derselben  arab.  würzet  (za'fara)  sind 
auch  diejenigen  roman.  Wörter,  die  unserm  saflor,  carthamus  tinctorius, 
entsprechen,  wie  it.  zaffrone,  sp.  azafranillo,  pg.  a<jafroa,  fr.  safran; 
dsgl.  it.  asfiöri  (?),  sie.  nsfaru,  ven.  asföro  (letzteres  die  faden  unter  dem 
safran  bedeutend),  sp.  pg.  alazor,  arab.  uzfdr.  S.  Weigand  saflor  1. 

Zagaia,  azagaia  pg.  sp.,  fr.  zagaie,  altfr.  arcigaye,  archegaye,  it. 
zagaglia  Wurfspeer  der  Mauren;  nach  Sousa  vom  arab.  al-chazeqah 
(chäzeq  lanzenspitze  Freyt.  I,  483b).  Man  sehe  dagegen  Engelmann  69, 
Dozy  76  (hei  letzterem  wird  es  für  ein  wort  der  berbersprache  erklärt). 

Zanca  it.  sp.,  pg.  sanco  bein,  langes  bein,  stiel,  sp.  zanco,  lomb. 
zanch,  ven.  zanca  stelze,  pr.  sanca  cothurn,  wie  Baynouard  übersetzt  (non 
porta  soc  ni  sanca  P.  Vidal),  sard.  zancone  Schienbein.  Dahin  wohl 
auch  pg.  chanca  s$hr  langer  fuß,  sp.  chanclo  pantoffel  (vgl.  den  anlaut 
in  choclo  =  zoclo).  Die  Wörter  fügen  sich  zum  dtschen  zanke  für  zinke 
(s.  Schneller),  besser  noch  von  Seiten  ihrer  bedeutungen  zum  ags.  scanca 
bein,  tibia,  wornach  sich  ein  ahd.  scancho  annehmen  läßt.  Muraiori,  Ant. 
ital.  II,  429,  erkennt  dagegen  in  zanca  jenes  tzanga  des  Cod.  Theod., 
das  die  den  roman.  Wörtern  weniger  zusagende  bed.  einer  beinbekleidung  hat 

Zappa  it.  chw.,  sp.  zapa,  wal.  sap^  haue,  fr.  sape  Untergrabung; 
vb.  zappare  ff.  Kommt  es  vom  gr.  oxa7tavrj  grabscheit,  axanveiv  graben, 
so  gieng  das  wort  von  Italien  aus,  indem  sich  hier  der  anlaut  an  in  z 
milderte  wie  in  zolla  aus  dem  altdeutschen  skolla. 

Zatta  und  zättera  it.,  sp.  zata,  zatara  floß;  von  unbekannter  her- 
kunfl. 

Zavorra  it.,  weil,  sabtire,  sp.  zahorra  zsgz.  sorra  bdilast,  schiffsand; 
von  saburra  mit  ders.  bed. 

Zeba  it.,  sp.  masc.  chibo,  chivo,  fem.  chiba,  chiva,  pg.  chibo 
junger  Ziegenbock,  junge  ziege,  zkklein.  Die  hinweisung  auf  das  ahd. 
zebar  opferthier  mit  rücksicht  darauf,  daß  die  Longobarden  ziegenopfer 
brachten  (s.  1.  ausg.),  ist  zu  gewagt.  Mit  unserm  ziege  haben  diese  Wörter 
allerdings  nur  die  erste  sübe  gemein;   aber  der  stamm  mit  labiälauslaut 


346  I.   ZEBRO— ZBfBELLO. 

kommt  auch  im  deutschen  zibbe  lamm  Frisch  II,  473y,  im  aiban.  tzgiep 
(Xylander)  und  tsjap,  weil,  tzap  Ziegenbock  vor.  Zu  bemerken  ist  auch 
das  mit  tzap  gleicht,  lomb.  zavär. 

Zebro  it.,  sp.  pg.  zebra,  fr.  zäbre  ein  säugethier  im  südlichen 
Africa,  woher  auch  der  name. 

Zecca  it.,  chw.  zecc,  zecla,  fr.  tique  ein  insect,  holzbock;  vom  ndd. 
teke,  mhd.  zgehe,  nAd.  zecke. 

Zediglia  it.,  sp.  cedilla,  fr.  cddille  Häkchen  unten  am  c,  um  tÄm 
die  ausspräche  des  z  zu  geben,  früher  cz  geschrieben  (canezon  =  camjon, 
czo  =  90);  dimin.  von  zeta. 

Zelo  it.  sp.  pg.,  in  letzterer  spräche  auch  cio  für  cüo,  fr.  zele 
ei/er;  von  zelus  (trjlog)  bei  spätem.  Daher  it.  zelo  so,  sp.  zeloso,  pg. 
cioso  eifrig,  eifersüchtig;  mit  palataler  ausspräche  des  z  (wie  in  giuggiola 
aus  zizyphnm,  gengiovo  aus  zinziber)  it.  geloso,  pr.  gelos,  fr.  jaloux, 
das  Tasso  artig  mit  gelo  verbindet  12,  22,  sbst.  gelosia  u.  s.  f.  eifersucht, 
dsgl.  fenster guter,  sp.  celosia.  Zsgs.  sp.  rezelar,  pr.  recear  argwöhnen, 
sbst.  rezelo,  reeeo. 

Zendale  it.  (sendale  Barberino),  sp.  pg.  pr.  dttfr.  cendal,  mhd. 
zendäl,  zindal,  nhd.  zindel,  auch  it.  zendado,  pr.  sendat,  mhd.  zendat, 
eine  art  taffent,  in  Frankreich  namentlich  zu  f ahnen  verwandt,  s.  Ducange, 
Roquefort,  Baynouard,  span.  auch  ein  feiner  leinener  Stoff;  erklärt  man 
gewöhnlich  aus  sindon  feine  leinwand. 

Z  e  n  z &r  a ,  zanzära  it.,  wal.  tzenzariu,  sp.  zenzalo,  ältfr.  cincelle  'bibio 
Gl.  de  Lille  p.  12b  (Seh.  29),  so  auch  ahd.  zinzila,  zinzala,  mücke,  schnake, 
vgl.  alb.  zfnziraa  grille.  Offenbar  ein  naturausdruck  von  dem  laute  des 
thierchens,  das  der  Catälane  mosquit  de  trompa  trompetenmücke  nennt 
(oaknty^  6  ngioxrog  ioviv  aga  xdv  i/njcldcov  Aristoph.  Nub.  165),  aber 
schon  vorgezeichnet  im  lat.  zinzilulare  zwitscJiern,  vgl.  auch  mhd.  gelse 
schnake,  von  gal  gesang  Weigand  I,  460.  Dahin  auch  das  port.  vb. 
zinir,  zunir  sumsen  (von  insecten). 

Zenzövero,  zänzero  und  gengiövo  it.,  sp.  gengibre,  agengibre, 
pr.  gingebre,  fr.  gingembre,  wal.  ghimberiu,  mndl.  ghinebere  u.  s.  w. 
ein  gewürz,  ingwer;  vom  lat.  zingiberi  (^lyyißegi),  zinziber,  das  aus  dem 
Orient  stammt.     Wegen  g  aus  z  s.  zelo. 

Zero  it.  sp.  pg.,  z£ro  fr.  das  Zahlzeichen  null;  vom  gleichbed.  arab. 
gifron,  Qfhron  eigentl.  ganz  leer,  s.  oben  eifra,  worin  das  arab*  9  (v°) 
durch  c  ausgedrückt  ward.    Mailändisch  heißt  jenes  zeichen  nulla. 

Zibellino  it.,  pr.  sebeli,  sembeli,  fem.  sp.  pg.  cebellina,  zebel- 
lina,  fr.  zibeline,  mlat.  sabellinus,  sabellum,  altfr.  sable,  engl,  sable, 
deutsch  zobel;  ein  mit  der  sache  aus  dem  fernen  nordosten  gekommenes 
wort,  russ.  sobol',  serb.  sämur,  wal.  samtir. 

Zibetto  it.,  civette  fr.  zibethkatze,  auch  zibeth;  morgenländ.  wort, 
mittelgr.  tpnixiov,  man  sehe  Pott  in  Lassens  Ztschr.  IV,  17.  Span,  gato 
de  algalia  genannt. 

Zimbello  it.,  sp.  cimbel,  pr.  altfr.  cembel  lockvogel,  lockung;  vb. 


L  ZIO-ZUCCHERO.  347 

it.  zimbellare,  alt  cimbellare  PPS.  I,  77,  pr.  cembelar  (von Raynouard 
unrichtig  übersetzt) ',  altfr.  cembeler  (encembeler  NFC.  II,  7)  anlocken. 
Cymbalum,  dimin.  cymbellum,  hieß  das  glöcJcchen,  das  die  manche  zur 
tnahlzeit  rief;  die  Übertragung  auf  lockvogel  lag  nahe.  Altfr.  und  pr. 
cembel  bedeutet  überdies  Zusammenkunft  zur  kurzweil,  vornehmlich  zum 
waffenspiel  oder  das  waffenspiel  selbst,  daher  cembeler  turnieren,  altsp. 
cempellar  bei  Berceo.  —  [Genaueres  über  die  bedeutungen  des  ältfranz. 
Wortes,  lochung,  Hinterhalt,  gefecht,  Standarte,  sehe  man  bei  Gachet  s.  v.] 

Zio  iL,  sp.  pg.  tio  oheim,  it.  zia,  sp.  pg.  pr.  tia  (pr.  sia  Legs 
(Farn.  I,  48)  muhme;  vom  spätem  lat.  thius,  thia  nach  dem  gr.  öelog, 
&eia.  Die  ital.  formen  zeigen  schon  die  Schleust,  glossen  29,  58  patruus 
fzius,  fetirro   (vetter). 

Zirlare  it.,  sp.  chirlar,  chirriar,  pg.  chirlar,  chilrar  schreien, 
zwitschern;  geht  zurück  auf  zinzilulare,  verharzt  zilulare. 

Zitto  (fem.  zitta)  it.,  sp.  chito,  chiton,  fr.  chut,  wal.  citu,  inter- 
jection  schweigen,  zu  gebieten;  ein  dem  lat.  st!  entsprechender  naturausdruck. 
Zu  chat  gehört  auch  fr.  ehuehoter  flüstern,  chucheter  zwitschern,  npr. 
chit&  flüstern. 

Zoppo  it.,  sp.  zopo,  zompo,  wäld.  zop  (czop),  chw.  zopps  lahm, 
verstümmelt,  vgl.  altfr.  chope  Motz;  vb.  fr.  chopper  (alt  sopper)  an- 
stoßen, it.  zoppicare  hinken,  cat.  ensopegar  straucheln;  vom  dtschen 
schupfen  stoßen,  ndl.  Schoppen  mit  dem  fuße  fortstoßen,  vgl.  auch  ndl. 
sompe  lahm,  sompen  hinken  KU. 

Zote  sp.  pg.,  sot  fr.,  sot  pietn.  tropf,  pinsel,  wal.  sod  hanswurst, 
engl,  und  schon  ags.  sot.  Cujacius  und  spätere  finden  seinen  Ursprung 
im  semitischen:  rdbbinisch  schoteh  sttdtus,  s.  Buxtorfs  Lex.  chdld.  toXm. 
p.  2375,  dahfr  auch  unser  schote.  Dagegen  erkennt  Pictet  (Ztschr.  für 
vergl.  sprachf.  V,  328)  darin  das  ir.  suthan  dummkcpf, .  schelm,  betrüger, 
sotaire  geck  u.  dgl.,  die  er  auf  das  sanskrit  zurückführt.  Der  buchstabe 
gestattet  die  eine  wie  die  andre  herleitung.  Ein  altes  Zeugnis  für  das 
wort  ist  das  folgende.  Theodülf  bischof  von  Orleans  spielt  in  einem  Send- 
schreiben an  Karl  d.  gr.  mit  dem  namen  Scottas,  den  er  nach  ausge- 
stoßenem c  mit  sottns  in  einktang  bringt:  cni  si  litterulam,  quae  est  or- 
dine  tertia  tollas  .  .  haud  dubium  quod  sonat,  hoc  et  erit  DC.  v.  sottus. 

Zücchero  it.,  sp.  pg.  azticar,  pr.fr.  sncre,  wal.  zehär,  ahd.  zucura, 
nhd.  zacker  u.  s.  w.,  zunächst  vom  arab.  sokkar  assokkar  Freyt.  II,  334a, 
worauf  die  Span,  form  unmittelbar  hinweist,  dies  vom  pers*  schakar 
VüUers  II,  439;  gr.  ocr*x<*Q,  occxxaQov,  lat.  saccharnm.  Die  Araber 
bauten  zucker  sowohl  in  Ägypten,  Kreta  und  Syrien  als  auch  in  Sicilien 
und  Spanien;  aus  Ägypten  holten  ihn  die  Venezianer,  aus  Spanien  wan- 
derte er  nach  Südfrankreich. 


ZWEITER  THEIL. 


WÖRTER  AUS  EINZELNEN  GEBIETEN. 


A.    ITALIENISCHES  GEBIET. 

A. 

Abbaco  rechenkunst,  auch  pr.  abac;  von  abacus  tisch,  den  man 
mit  feinem  sand  bestreute,  um  zahlen  darauf  eu  schreiben,  rechentisch,  bei 
den  Hörnern. 

Abezzo  tanne  {neben  abete,  abeto).  Man  beobachtet  die  ital.  bil- 
dungsgesetee  genauer ,  wenn  man  dieser  form  nicht  abies,  da  t  (in  abietem) 
schwerlich  eu  z  geworden  wäre,  eu  gründe  legt,  sondern  *abieteus,  abeteus 
für  abiegnus,.  wie  auch  andre  baumnamen  (faggio,  prugno,  quercia)  auf 
adjectiven  beruhen. 

Abrostfno  wilde  Weintraube;  aus  labruscum,  sp.  lambrusca,  indem 
sc,  wie  in  mistio  für  uiischio  u.  a.,  in  st  ausartete  und  1  als  artikel  ver- 
standen ward. 

Accertello  ein  raubvogel,  wannenweihe;  dimin.  von  accipiter. 

Adonare  unterwerfen,  niederschlagen  Inf  6,  34:  l'ombre  ch'adona 
la  greve  pioggia.  Domare  scheint  nah  eu  liegen,  aber  inlautendes  m 
geht  nicht  wohl  in  n  über.  Das  wort  ist  gemeinromanisch,  pr.  adonar 
hingeben,  überliefern,  sp.  adonarse,  fr.  s'adonner  sich  fügen,  von  donare : 
an  die  hingebung  knüpfte  sich  die  Unterwerfung,  gane  wie  im  sp.  rendir 
von  reddere. 

Aggueffare  beifügen  Inf.  23,  16:  se  l'ira  sovra'l  mal  vpler  s'ag- 
gneffa;  eigentl.  anwehen,  wie  lat.  adtexere,  vom  ahd.  wifan  weben.  Des- 
selben Ursprunges  ist  das  longob.  wiffa  oder  guiffa  das  einem  grundstücke 
angeheftete  zeichen  des  besitees,  vb.  gniffare  etwas  mit  einem  solchen  zeichen 
versehen.  Vgl.  darüber  Schmäler  IV,  36  s.  v.  weiffen.  Dahin  gehört  auch 
fr.  giffer  ein  haus  mit  gips  zeichnen  d.  h.  es  conßscieren,  s.  Genin,  Beer, 
phüol.  I,  166,  der  es  unbedenklich  aus  it.  gesso  (gips)  entstehen  läßt 

Agognare  ängstlich  verlangen;  vom  gr.  aywviifv  mit  gl.bed.  Das 
sbst.  dyiovia  ist  auch  den  andern  romanischen  sprachen  gemein. 

Agrotto,  grotto  kröpf vogd;  von  onocrotalus,  stark  abgeändert. 

Aj  a  tenne ;  von  area,  fr.  aire,  pg.  eira. 

Albaro,  ilbero  Schwarzpappel,  fr.  (in  Berry)  aubrelle,  ahd.  albari, 
nhd.  alber.  Catal.  alba  heißt  überhaupt  pappel,  ursprüngl.  wohl  weiß- 
poppet,  von  albus,  sp.  albar  weißlich ;  im  it.  albaro,  eigentl.  der  weißliche 
bäum,   muß  der  begriff  ausgeartet  d.  h.  auf  eine  andre  species  derselben 


352  H.a.   ALFIERE-ARAZZO. 

gattung  übertragen  worden  sein.  —  [Aus  dem  zusammentreffen  der  form 
albero  mit  albero  =  arbor  gewinnt  Blanc  die  Überzeugung,  daß  auch  das 
erstere  nichts  anders  sei  als  arbor  und  daß  man  die  Schwarzpappel  als 
den  in  Italien  am  häufigsten  vorkommenden  bäum  schlechtweg  den  bäum 
genannt  habe.  Dies  hat  etwas  für  sich.  In  einer  gegend  des  mattänd. 
gcbietes  z.  b.  heißt,  wie  Cherubini  anmerkt,  6rbol  sowohl  bäum  wie  castanien- 
baum,  weil  letzterer  dort  der  nutzbarste  bäum  sei.  Indessen  hat  die  sache 
auch  ihre  kehrseite.  In  Catalonien  nennt  man  die  poppet  überhaupt  alba, 
in  der  Provence  die  weißpappel  aubra  (aoubre),  in  Piemont  die  Schwarz- 
pappel albra,  arbra,  die  weiße  albron,  arbron,  in  Mailand  ist  albera  die 
Zitterpappel  (it.  alberella).  Fast  in  allen  diesen  mundarten  hat  der  ge- 
nerelle begriff  bäum  einen  andern  namen,  dem  sich  selbst  die  mit  br  ge- 
bildeten Wörter  nicht  anschließen  (mail.  6rbol,  piem.  6rbo  cd.) ;  ich  möchte 
darum  lieber  bei  der  herleitung  aus  populus  alba  stehen  bleiben.  Dem 
entspricht  handgreiflich  das  cot.  wort,  worin  sich  nur  der  begriff  erweitert 
hat,  die  andern  müßten  nebst  dem  ital.  (eigentl.  florent.)  albero  in  albulus 
ihren  grund  haben,  vgl.  dattero  von  dactylus.  Wie  sehr  die  bedeutungen 
durcheinanderlaufen,  sieht  man;  in  der  mundart  von  Brescia  z.  b.  wird 
unter  albera  die  schwarze  wie  die  weiße  pappet  verstanden.*  Krit.  an- 
hang  p.  10.] 

Alfiere  in  der  bed.  fähndrich;  besser  vom  sp.  alferez  mit  abge- 
stoßenem z,  vgl.  das  mlat.  in  Spanien  selbst  gebrauchte  alferus,  als  von 
dem  im  latein.  wenig  üblichen  aqailifer  (für  signifer),  das  eher  allifero 
gegeben  haben  würde. 

Allazzare  ermüden;  dorn  goth.  latjan,  ahd.  lezjan  aufhalten,  goth. 
lat-s,  ahd.  laz  träge. 

Altai eno  Schwengel,  brunnenschwengd,  altalena  Schaukel;  vom  lat. 
tolleno  mit  einmischung  von  altus,  das  heben  auszudrücken. 

Altana  unbedeckter  platz  zur  aussieht  auf  einem  gebäude;  von  altus. 

Amati  ta,  matita  röthd;  von  haematites,  fr.  h&natite,  eigentl.  blutstein. 

Ammiccare  mit  den  äugen  winken,  Minzen;  von  admicare  nach 
Castelvctro.  Das  czuschimmern  ist  freilich  fast  zu  pretiös  für  blinzen; 
unser  nicken  aber  würde  sich  nicht  besser  empfehlen,  da  es  anniccare 
verlangt.  Dieses  besitzt  zwar  die  sard.  mundart,  aber  in  der  unpassenden 
bed.  übler  laune  sein. 

Ancidere  (poetisch)  tödten;  nicht  von  oeeidere,  da  die  Umbildung 
der  partikd  ob  zu  stark  wäre,  wohl  aber  von  ineidere  einschneiden,  zer- 
schneiden, wofür  man  anaffiare,  aneude,  anguinaglia  für  inaffiare  u.s.f. 
vergleiche.  Festus  nennt  freilich  als  veraltet  ancaesa  von  ancaedere  (an- 
cidere), dessen  bed.  'circumeidere  aber  der  des  ital.  Wortes  schlechthin 
widerstrebt ;  ineidere  dagegen  vm  caedere  (abhauen)  braucht  die  L.  Long. 

An co na,  anconeta  bresc.  bildchen  als  gelübde  dargebracht;  vom 
gr.  ehd>v  (f.),  woher  auch  wal.  icoane. 

Arazzo,  razzo  gewirkte  tapete,  engl,  arras;  nach  der  Stadt  Anas 
benannt,  wo  diese  tapeten  verfertigt  wurden;  auch  pg.  raz. 


IIa.  ARROGERE-AVELLO.  .  353 

Arrogere  arrosi  arroto  vrlt.  zusetzen;  von  arrogare,  s.  wegen  der 
veränderten  conjugation  Rom.  gramm.  II,  136. 

Asca  lomb.  präposition  für  lat.  praeter;  von  absque,  wie  Cherubini 
und  P.  Monti  mit  reckt  vermuthen. 

Asciolvere  frühstücken,  chw.  ansolver;  nach  dem  lat.  solvere  je- 
junia  das  fasten  unterbrechen,  engl,  breakfast  frühstück,  eig.  fastenbrechen. 

Asma,  asima,  ansima  engbrüstigkeit ;  von  asthma  (aod'tia).  Daher 
ansimare  1)  keichen,  2)  heftig  begehren,  wie  auch  sp.  anhelar  die  letztere 
bedeutung  entwickelt  hat.  Für  ansimare  sagt  man  auch  ansiare,  ansare, 
das  aber  sicher  aus  anxius  .entstand  =  sp.  ansiar  heftig  begehren.  In 
diesen  Wörtern  tauschten  also  asthma  und  anxius  formen  und  bedeutungen, 
denn  die  einschiebung  in  ansimare  ist  nichts  als  eine  anbildung  an  ansiare. 

Aspettare  warten,  erwarten,  wal.  asteptä.  Von  adspectare  oder 
von  exspectare?  Für  ersteres  spricht  das  sbst.  aspetto  anblick,  erwartung 
(adspectus),  so  wie  die  vergleichung  des  ahd.  warten  adspicere  und  ex- 
spectare; für  letzteres  läßt  sich  die  gleiche  entstellung  der  präpos.  ex  in 
asciutto  von  exsuctns  geltend  machen. 

Astio  und  aschio  groll,  neid,  haß,  vb.  astiare,  aschiare  und  adastiare 
grollen  u.  s.  w.  Der  Wechsel  des  radicdlen  st  und  seh  ist  wie  in  fistiare 
und  fißchiare  (fistulare).  Was  sich  hier  zuerst  darbietet,  ist  das  lat.  astns 
list,  Verschlagenheit,  aber  die  bedeutungen  stimmen  nicht,  auch  würde  das 
lat.  wort  asto  schwerlich  astio  erzeugt  haben.  Dieselbe  einwendung  läßt 
sich  gegen  das  ndat.  asto  animo  in  den  longob.  gesetzen  geltend  machen. 
Bessere  anspräche  nach  laut  und  begriff  hat  das  speciell  goth.  haifst-s 
streit,  Zwietracht,  Zqiq,  €Qi&eia,  aywv,  vb.  haifst-j-an  äyiovi&o&ai,  ä&Xelv, 
denn  kaum  war  haifst-j-an  ital.  anders  darzustellen  als  mit  ast-i-are,  vgl. 
unten  bor-i-are  und  ahd.  bur-j-an. 

Attimo  augenblick;  vom  gr.  avo/nog  atom.  Genaus  bestimmung 
seiner  dauer  bei  Papias:  hora  habet  atomos  XXII  milia. 

Aracciare  beschleunigen  Purg.  4,  116.  6,  27,  avaccio  und  accio 
sbst.  beschleunigung,  adj.  adv.  schleunig;  ein  vielfach  behandeltes,  gewöhn- 
lieh  für  identisch  mit  avanzare  gehaltenes  wort,  ist  offenbar  ein  participial- 
verbum  wie  cacciare:  abigere  (treiben,  drängen)  abactus  abaetiare.  Dahin 
wohl  auch  das  alteat.  adv.  yva$  s.  Chr.  d'Esclot. 

Avale  adverb  s.  v.  a.  ora,  adesso,  aval  avale  =  or'ora;  bei  älteren 
Schriftstellern,  wie  Boccaccio,  Buti  und  noch  bei  Lorenz  von  Medici,  jetzt 
nur  in  Toscana  auf  dem  lande  üblich  (Tommaseo).  Woher?  aus  it.  at- 
tnale  atvale  (attuaimente,  actuellement)  wäre  gegen  die  Sprachgesetze.  Wohl 
aber  darf  man  it.  eguale,  als  adverb  genommen,  zu  gründe  legen  unter 
berufung  auf  den  gebrauch  des  sinnverwandten  deutschen  eben,  als  adj.  = 
aequeiis,  als  adv.  =  nunc  ipsum,  z.  b.  *eben  kommt  mein  freund9.  Der 
buchstabe  erhebt  keinen  Widerspruch:  es  ist  dieselbe  (mundartliche)  bildung 
wie  im  piem.  eva  aus  aqua. 

Avannotto  nicht  über  ein  jähr  altes  fischchen ;  von  ab  anno  (Manage). 

Avello  steinerner  sarg,  modert,  lavello,  maü.  navell  u.  s.  w.  gefäß 

23 


354  IIa.  AWEGNACHE-BADALUCCO. 

von  tnarmor  oder  anderem  stein;  von  labellum  gefäß,  tnlat.  (9.  jh.)  la- 
vellum  für  sarg  gebraucht,  s.  Muratori  s.  v.  Auch  lat.  vas  gelangte  im 
frühen  mittdalier  zur  bedetdung  sarcophag. 

Avvegnachä,  parttkd  für  lat  etsi;  aus  dem  conjunctiv  von  av- 
venire,  so  daß  es  eigentlich  bedeutet  'es  möge  geschehen  daß*. 

Avventare  werfen.  Frov.  ventar,  altfr.  venter  heifit  in  den  wind 
werfen,  daher  das  ital.  wort,  worin  M&nage  das  lat.  amentare  (empor 
schnellen)  erblickte.  Aber  aventare  gedeihen  ist  von  awenire  von  statten 
gehen;  identisch  das  bekannte  sicü.  abbentare  ruhe  finden,  abento  ruhe, 
letzteres  nach  Pasqualino  von  adventus  sc.  Christi. 


B. 

Babbo  vater  (in  der  kindersprache)  z.  b.  bei  Dante  Inf.  32: 
lingua  che  chiami  mamma  o  babbo.  Vollkommen  edel  und  der  eigent- 
liche ausdruck  für  pater  in  der  sard.  mundart,  z.  b.  unu  rei  (it.  re)  chi 
Dos'  &  babu  amoro8u  Purqueddu,  Tesoro  p.  234;  ebenso  chw.  bab.  Fem. 
wäl.  bab$  hebamme,  altes  weib,  wie  ungr.  baba,  mhd.  babe.  Das  wort 
ist  vielen  sprachen  gemein.    Oberital.  mundarten  brauchen  bnba. 

Baccello  hülse,  bohnenschote,  dsgl.  dummkopf.  Nach  Muratori  aus 
dem  arab.  bäqeläh  bohne,  allein  schwerlich  wird  die  arab.  kehltenuis  im 
ital.  zu  palatalem  c.  Besser  erinnert  Minage  an  lat.  bacca  beere,  frucht: 
auch  dem  Spanier  bedeutet  baya  (von  bacca)  schote. 

Baclo  gegen  norden  gelegener  ort,  adv.  a  bacio  gegen  norden.  Das 
schwierige  wort  findet  seine  lösung  etwa  auf  folgende  weise.  Es  badet 
den  gegensatz  zu  solat-io  Sonnenseite,  von  solata  Sonnenschein,  mit  dem 
suffix  ivus,  und  bedeutet  eigentl.  Schattenseite,  obac-fo  für  opac-io:  die 
catal.  mundart  kennt  in  derselben  bed.  obaga,  dem  sich  zunächst  anschließt 
neupr.  ubac,  dauph.  lubac  (aus  l'ubac)  nordseite.  Die  mundartlichen 
formen  gehen  weit  auseinander,  com.  ovfch  und  vagh,  romagn.  begh,  gen. 
luvegu  u.  dgl. 

Baciocco  dummkopf,  tölpd;  wohl  nichts  anders  als  baccello  (s. 
oben)  mit  vertauschtem  suffix.  Gewöhnlich  vergleicht  man  das  von  Augustus 
für  stultus  gebrauchte  baceolus,  s.  Sueton.  in  Aug.  c.  87. 

Baco  seidenwurm,  überhaupt  wurm.  Nach  Menage  von  bombyx 
(ßoußvg  ßo/ußvxog),  mlat  bombax,  daher  bombäco,  abgekürzt  baco,  parm. 
beg,  bega.  Auch  der  Woiache  bildet  bumb&c  von  bombyx.  Eine  abl. 
ist  big-atto,  big-attolo,  dessen  stamm  sich  besser  in  die  acht  lat.  form 
bombyx  fügt,  abgekürzt  cdso  aus  bombigatto. 

Badalucco  tändelei,  Scharmützel,  pr.  badalnc,  baluc,  ven. badaloco, 
com.  barloch,  baloch,  it.  balocco  maulaffe  (letzteres  auch  =  badalucco), 
vb.  it.  badaluccare,  baluccare,  baloccare  tändeln,  scharmutzieren  u.  dgl. 
Menage  meint  von  badare  zaudern,  woraus  aber  nur  baduccare  entsprin- 
gen konnte.    Besser  vielleicht  vom  pr.  badalhar  gähnen,  lange  weile  haben, 


IIa.  BAGLIORE-BARBA.  355 

also  badaluc  für  badalhuc;  freilich  nicht  unbedenklich.  Oder  wäre  bada*- 
lncco  eine  zss.  aus  badare  und  alocco?  dem  widerspricht  aber  seine  oib- 
stracte  bedeutung  so.  wie  das  offenbar  nicht  zsgs.  piem.  vb.  badole  = 
badaluccare. 

Bagliore  blendung,  abbagliare  blenden,  abbaglio,  abbagliore 
Verblendung,  versehen,  irrthum;  dsgl.  sbaglio,  sbagliare  und  barbaglio, 
abbarbagliare,  worin  bar  dieselbe  partikel  sein  muß  wie  in  barlume,  s. 
unten.  Unter  edlen  vorgebrachten  sogar  aus  dem  arabischen  geschöpften 
etymologien  ist  nur  die  von  Menage  der  erwähnung  werth,  der  den  Ur- 
sprung des  Wortes  in  balluca  goldkörnchen,  also  etwas  schimmerndes, 
blendendes,  erkennt:  aber  wie  sollte  der  Italiener  eine  sache  mit  einem 
ihm  so  gut  wie  unbekannten  werte  (s.  baluz  IL  b)  und  dazu  noch  auf 
figürliche  weise  (die  blendung  verglichen  mit  goldsand)  benannt  haben, 
für  die  es  nicht  an  passenderen  amdrücken  fehlen  konnte.  Eine  ver- 
muthung  möge  hier  gewagt  werden:  bagliare  ist  derselben  herkunft  wie 
fr.  berlue  (s.  bellugae  IL  c),  es  steht  für  bärgliare  =  bar-luc-olare 
(vgl.  lat.  diluc-ulum,  anteluc-ulus),  so  daß  in  bar-bagliare  bar  eine  gemi- 
natian  erfuhr.  Einfach  ohne  gemination  und  ohne  ableitungssuffix  ist 
das  gleichbed.  genues.  abbarlpgä. 

Bajare,  abbajare  bellen,  kläffen.  Es  ist  schwierig  eu  sagen,  ob  es 
aus  dem  gleichbed.  cdtfr.  abayer  herrühre,  denn  unmittelbare  herleitung 
aus  baubari  (com.  bopä)  gestatten  die  ited.  Sprachgesetze  nicht,  oder  ob  es 
ein  auf  eigne  hand  gebildeter  naturausdruck  sei  wie  das  lat.  baubari 
selbst;  für  den  ersten  fall  redet  etwa  die  gleiche  Zusammensetzung  mit  ad. 
Das  sard.  wort  ist  banlai  (baubulari)  und  beliai,  abeliai. 

Baleno  blitz,  vb.  balenare  blitzen;  vom  gr.  ßelefÄvov  geschoß,  vgl. 
ßetefivizTjg  donnerkeil.  Die  regelrechte  form  wäre  belenno  gewesen.  Zsgs. 
ist  arcobalejio  regenbogen,  von  seinem  glänze  blitzbogen  genannt,  sonst 
auch  arco  Celeste,  arco  piovoso,  aber  sard.  arcu  de  donno  den  hergott- 
bogen,  ven.  arco  de  verzene  liebfrauenbogen,  sie.  arcu  de  Nuö  Noahs 
bogen  u.  dgl. 

Balza  säum,  einfassung;  von  balteus  gürtel  (baltius  App.  ad  Prob.  p. 
446),  wei.  baltz  schlinge.  Abgel.  adj.  balzano,  jw\  bausan,  cdtfr.  bauQant 
weiß  gezeichnet  oder  überhaupt  gezeichnet,  von  thieren,  daher  name 
des  ebers  in  der  thierfabel;  nfr.  balzan  schwarzes  pferd  mit  weißen0 
fußen  (die  altfr.  bedeutungen  erörtert  Gachet),  engl,  bawsin  dachs,  wegen 
der  weißen  streifen  am  köpf  (Wedgwood,  Ed.  Müller).  Andre  con- 
struieren  das  adj.  aus  dem  arabischen,  worin  bälhasan  'mit  dem 
schönen  d.  i.  'mit  dem  zeichen  der  Schönheit'  bedeuten  würde,  was  wir 
auf  sich  beruhen  lassen. 

Barba  (m.)  oheim,  vaters  bruder  z.  b.  Par.  19 \  37,  ebenso  chw., 
altfr.  barbe  s.  Bord,  mlat.  barbas  Murat.  Ant.  ital.  II,  1111  (urk.  v.  j. 
782),  dsgl.  it.  barbdno,  mlat.  barbanus  L.  Long.,  also  ein  altes  wort, 
wohl  nichts  anders  als  das  lat.  barba  bort.  Ein  Zeugnis  dafür  gewährt 
die  mundart  von  üomo.    Hier  beschränkt  es  sich   nicht  auf  den  oheim 


356  H.a.   BARLUME— BERLUSCO. 

allein,  es  ist  Überhaupt  ein  ehrentüel;  umgekehrt  hat  sich  das  neap.  zi  = 
it.  zio  dieser  letzteren  anwendung  hingegeben. 

Barium e  schwacher  Schimmer;  für  bis-lume  =  sp.  vis-lumbre,  mit 
dem  es  auch  die  figürliche  bed.  'schwache  kenntnis*  gemein  hat,  s.  das 
span.  wort  11.  b. 

Basire  sterben,  dsgl.  in  ohnmacht  fallen,  auch  neupr.  und  dauph. 
basir;  vom  gael.  bäs  tod,  basaich  sterben,  womit  nord.  basa  tödten,  er- 
sticken zusammentrifft.  8.  darüber  Diefenbach,  CelL  I,  193  und  Monti, 
Voc.  com.  Die  comask.  mundart  kennt  überdies  sbasi  sterben,  erbleichen, 
die  piem.  sbasi  nur  in  letzterer  bedeutung. 

Batassare  schütteln;  wohl  vom  gr.  nctraoosiv  klappen,  klappern: 
aus  battere  wenigstens,  woher  die  etymologen  es  leiten,  kann  es  nickt  ge- 
flossen sein,  da  die  ital.  spräche  kein  suffix  ass  anerkennt. 

Becco  bock.  Schon  auf  einer  römischen  inschrift  von  ungewissem 
alter  Orett.  num.  4901  kommt  der  name  Becco  mit  abgebildetem  bock  vor. 
Es  kann  nicht  gleicher  Herkunft  sein  mit  pr.  boc,  fr.  bouc:  sein  geschlossenes 
e  verlangt  ein  etymon  mit  i  bic,  das  sich  aber  nirgends  aufzeigen  läßt. 
Von  demselben  worte  besitzt  die  franz.  spräche  ein  fem.  bique  für  das 
üblichere  ch&vre,  die  mundart  des  Jura  bequi  für  chevreau,  die  von 
Champagne  bequat  für  dass.,  henneg.  bedeutet  bäqu&riau  lamm,  norm. 
becard  hammel.  Dem  Serben  bedeutet  bäkawitza  schaf,  von  bäknuti  blöken, 
bik  aber  stier.    Andre  beziehungen  bei  Atzler,  Germ.  dem.  20. 

Befana  große  puppe,  am  tage  epiphaniae  (daher  das  wort)  zum 
schrecken  der  kinder  aufgestellt,  dsgl.  häßliches  weib.  Wie  man  in  Deutsch- 
land an  demselben  tage  den  kindern  mit  der  frau  Bertha  drohte,  darüber 
s.  Schmettere  Bair.  wb.  I,  194,  Grimms  Myth.  260,  Simrocks  Myth.  394. 
4.  aufl. 

Belletta  satz  des  wassers,  schlämm.  Diane,  Vocab*  Dant.,  ver- 
muthet  vom  gleichbed.  gr.  nrjXog.  Gleichbedeutend  ist  auch  maü.  litta,  aber 
für  was  wäre  die  erste  silbe  in  belletta  zu  halten? 

Belletto  schminke;  s.  v.  a.  fattibello,  vom  adj.  bello. 

Berla  maü.  tragkorb;  vom  ahd.  biral  cophinus. 

Berlina  pranger,  auch  churw.  Muratori  vermuthet  vom  fr.  pilori, 
also  für  pilorina,  pirolina,  aber  schon  daß  keine  ital  mundart  anlautende 
tenuis  zeigt,  spricht  dagegen.  Zu  erwägen  ist  das  gleichbed.  bair.  breche 
Schmdler  I,  246,  daher  brecheltn,  berchlin,  berlina?  oder  mhd.  britelin 
zäumchen,  mit  dem  sich  aber  der  begriff  weniger  verträgt.  Andre  ver- 
weisen auf  it.  viera,  ghiera  reif,  ring. 

Berlin  gare  schmausen  und  dazu  plaudern,  berlingozzo  mehlge- 
backenes.  Die  worte  haben  deutschen  klang,  das  sbst.  {primitiv  berlingo?) 
stimmt  in  der  that  zum  ahd.  prezilinc  kuchen. 

Berlusco  schielend  (bei  Ferrari),  comask.  balosc,  blusc;  für 
bilusco,  vgl.  bis  I;  dasselbe  wort  ist  henneg.  berlou,  berlouque,  dagegen 
scheint  warlouqne  anders  zusammengesetzt  und  mit  dem  piem.  galue£ 
schielen  verwandt. 


IIa-   BESCIO-BIRCIO,  357 

Bescio,  besso  dumm;  von  bestia  als  adjectiv  angewandt  wie  pr. 
pec  gleichbed.  von  pecus,  vgl.  die  comask.  form  bescia  schaff  chw.  besch- 
wur blöken. 

Bettola  geringe  schenke,  bettoliere  schenkwirth;  vom  deutschen 
betteln,  bettler,  sagt  Ferrari  und  ihm  folgt  Muratori.  Nur  muß  es  auf- 
fallen,  daß  das  fast  allen  mundarten  geläufige  wort  nirgends  etwas  von 
der  deutsehen  grundbedeutung  durchblicken  läßt. 

Bezzo  gdd,  aver  bezzi  geld  haben;  vom  dtschen  bazzen,  bazzen 
haben;  batzen  ursprüngl.  eine  münze  von  Bern  mit  dem  wappen  der 
stadt,  dem  baren  oder  betz  (oder  von  batze  massa  Grimm  im  d.  wb.). 

Biacca  bleiweiß;  vom  dtschen  bleich  (Manage). 

Biante  landstreicher ;  nach  Menage  für  viante  von  viare  wandern, 
das  paart,  yians  als  subst.  bei  Aptdqjus  u.  a.  Zu  bemerken  ist  die  parm. 
form  bigant 

Biasciare,  biascicare  schwer  kauen  wie  zahnlose  thun,  mummeln. 
Wie  sich  im  engl,  muffle  mummeln  und  stammeln  berühren,  so  mochte 
einem  aus  blaesns  (stammelnd,  die  zunge  schwer  bewegend)  geleiteten 
verbum  blasare,  com.  blassa,  die  bed.  mummeln  beigelegt  werden. 

Bica  häufe  garben,  abbicare  körn  in  häufen  setzen;  vom  ahd.  biga 
häufe,  zumal  von  garben  gebraucht,  biga  garbönö  (karbönö)  Graff,  III,  324. 

Bicciacuto  zweischneidig;  entstellt  aus  bisacuto,  ältfr.  besaigu, 
von  bisacutas  in  späterem  latein. 

Bieco,  obieco  schielend,  schief.  Obllquus  (oculo  obliquo  adspicere), 
das  nach  strenger  regel  obbico,  bico  geben  mußte,  ward  behandelt  wie 
pfifco,  es  gab  bieco  =  piego,  doch  erwähnt  Menage  auch  eine  form  bico 
(im  reim).  Dante' s  plurale  bieci  Par.  5,  66,  biece  Inf.  26,  31,  Par.  6, 
136  erklären  sieh  daher  unmittelbar  aus  obliqui,  obliquae,  da  ja  qni  que 
leicht  pc&atcde  ausspräche  annimmt. 

Bietta  keil,  sbiettare  einen  keil  herausziehen;  dunkler  herkunft,  mit 
bitta  (thl.  I)  unverwandt. 

Biffera  weib,  das  zwei  manner  hat;  von  bivira,  mit  schärfung  des 
Yzuf,  vgl.  fiasco  I. 

Bifolco  bauer,  der  mit  ochsen  pflügt;  von  bubulcus,  f  aus  b  wie 
in  tafkno  u.  a. 

Big* piem.  sau;  ndl.  big,  bigge  (f.)  ferkel,  engl.  pig. 

Bigoncia  hiibel,  bigonzio  (ven.)  ein  maß  für  flüssigkeiten;  von  bis 
congins,  nach  Menage  und  Muratori. 

Bilenco  krumm,  schief;  gebildet  vermittelst  des  deutschen  Unk? 

Bioccolo  flocke;  von  floccus,  vgl.  bonte  für  fönte  (mundartlich). 

Bircio  blödsichtig,  sbirciare  blinzen,  bercilocchio  (berci-1-occhio) 
ein  schielender;  ungewisser  herkunft,  sicher  nicht  mit  guercio,  schwerlich 
auch  mit  unserm  blinzen  zusammenhängend.  Man  darf  etwa  das  ahd. 
brehan  Graff  III,  282,  so  wie  das  bair.  birg-aug  Schmäler,  Ostreich. 
bir-augig  Hafer,  welche  werter  verschiedene  fehler  det  äugen  ausdrücken, 
in  ansehlag  bringen. 


358  H.a.   BIRRO-BOMBERO. 

Birro,  sbirro  scher  ge,  häscher,  daher  sp.  esbirro;  vielleicht  tceü  er 
mit  birrns  bekleidet  war,  vgl.  berretta  L  So  Menage,  der  auch,  und  wohl 
mit  recht,  birracchio  jähriges  find  von  birrus  in  der  bed.  rufus  herleitet. 

Bisbetico  wunderlich,  phantastisch. 

Bisbiglio  geflüster,  bisbigliare  flüstern,  ätsch,  pispeln,  sbst.picard. 
bisbille;  naturausdruck. 

Biscia  schlänge,  lomb.  bissa,  neupr.  bessa,  cdtfr.  bisse,  dtsch.  in 
Piemont  biesso,  lomb.  auch  mase.  biss  wie  it.  biscio,  das  aber  den 
schmerzenden  wurm  unter  der  haut  bedeutet.  Von  bestia?  dann  war  die 
richtige  bildung  bescia,  und  selbst  gegen  den  begriff  ist  etwas  einzuwenden, 
da  mit  bestia  im  itäl.  eigentl.  nur  säugethiere  benannt  werden.  Muratori 
verweist  auf  unser  dtsches  bifs  =  ahd.  biz,  und  wiewohl  z  kaum  in  sei 
übergeht  (camozza,  camoscio),  so  ist  dieser  Ursprung  doch  nicht  unwahr- 
scheinlich, passender  aber  legt  man  dem  ital.  werte  ein  ahd.  bfzo  beizen- 
des thier  =  ags.  btta  unter.  Lomb.  mundarten  besitzen  auch  das  vb. 
bisia,  besia  stechen  (von  insecten),  bisient  beizend,  bisiell  bienenstachd, 
bisiocc  insect  mit  Stachel.  8p.  pg.  b  i  c  h  o ,  bicha  wurm,  schlänge  können 
durch  vergröberung  des  z  in  eh  für  bizo,  biza  stehen  und  mit  biscio, 
biseia  identisch  sein ;  das  bask.  bicioa  passt  nicht  dazu. 

Bisdosso,  bardosso  ohne  sattel;  andare  a  bisdosso  auf  dem  bloßen 
rücken  (dosso)  des  pferdes  reiten,  wobei  bis  das  ungehörige  dieser  hand- 
lung  ausdrückt. 

Bizzocco,  bizzoecone  andächtler,  schwachkopf  {beide  bedeutungen 
begegnen  sich  auch  in  pappalardo).  Überträgt  man  das  synonyme  bliteus, 
bei  Plautus,  ins  itäl.,  so  gewinnt  man  bizzo,  mit  verstärkendem  suffix 
bizzocco.  Das  Glossar,  vetus  p.  611  kennt  auch  ein  subst.  blicea  tskär 
titia,  welches  auch  Papias  aufgenommen  (blitea).  Das  mit  bliteus  gleich- 
bed.  picard.  blite  (Gorbiet)  kann  jedoch  nicht  unmittelbar  daher  kommen, 
es  müßte  bliche  lauten. 

Bobö  comask.,  bubü  genues.  getränke  (in  der  spräche  der  Jdnder). 
Nonius  führt  aus  Varro  den  synonymen  naturausdruck  bua  an,  der  hier 
nach  roman.  sprachsitte  geminiert  erscheint.  Das  it.  bombo  nebst  bom- 
bare,  bombettare  ist  weit  davon  abgewichen  oder  gehört  besser  zu  gr. 
ßo/ußelv  glucksen,  wohin  auch  bömbola  fläschchen  (ßo^ißvh>g  glucksend) 
zu  rechnen  ist.  Es  findet  sich  aber  bereits  in  den  Isid.  glossen  bombum 
'sorbellum  getränke,  suppe;  für  letzteres  schlägt  ein  kritUcer  ohne  noth 
sibilum  vor,  s.  Jahrb.  für  phüol.  suppl.  XIII,  234. 

Bociare  kläffen;  von  vox,  it.  boce  (Minage). 

Bolso  herzschlächtig  (von  pferden  gebraucht),  engbrüstig,  vb.  mail. 
sbolzä  husten;  von  pulsus  puls,  herzklopf en,  woher  auch  fr.  pousse, 
poussif,  vb.  limous.  poussä  schwer  athmen,  vgl.  Schweiz,  bttlsi  trockner 
husten.  Dem  it.  bolso  schließt  sich  an  pr.  bols  'equus  nimis  pulsans 
GProv.  54«. 

Bömbero  Pflugschar,  sard.  bomere,  ven.  gomiero;  für  vomero, 
laL  Yomer. 


H.a.   BOKCHIA-BRINA.  359 

Borchia  buckd  am  Pferdegeschirr,  breiter  knöpf  eines  nageis,  goldnes 
hersehen  oder  ähnliches  (hohles)  geschmeide,  das  die  weiber  am  halse 
tragen.  Die  bedeutung  ist  vollkommen  die  von  bulla,  aber  die  herleitung 
daraus  unsicher,  da  bul-cnla  für  bullacula  kaum  anzunehmen  ist.  Man 
vergleiche  auch  ahd.  bolca  =  lat.  bulla. 

Böria  vermessener  stolz,  prahlsucht,  boriare,  boriarsi  hochmüfhig 
sein,  sich  brüsten.  Diese  Wörter  mahnen  an  ahd.  burjan  empor  heben, 
nhd.  em-pören.  Andte  verweisen  auf  boreas  wind,  daher  aufblahung. 
Besser  dächte  man  an  vaporeus,  s.  unten  brina.  * 

Borro  und  botro  durch  bergströme  ausgehöhlter  graben,  burrone 
schluckt,  moden.  budrione,  wohl  auch  berg.  bresc.  buder  Strudel;  nach 
MurcUori  vom  gr.  ßod-Qog,  ßo&Qiov  höhlung.  Man  vgl.  dazu  das  wal. 
bütur?  höhle,  den  Span.  Ortsnamen  Val-de-buron  und  das  neupr.  bauri 
dbhang. 

Bova  (nur  im  plur.  üblich)  fußfessel,  hmb.  boga;  wohl  vom  ahd. 
bougjä  armring,  mit  geringer  dbänderung  der  bedeutung.  Mlat.  bauca 
'armüla  Papias.  Vgl.  bou  II.  c.  Von  boja,  wohin  Ducange  es  rechnet, 
kann  es  nicht  herstammen. 

Bramangiere  Vorgericht;  vom  fr.  blane-manger  weißes gericht  d.i. 
müehgericht,  woher  auch  mhd.  bläinenschier. 

ßrandistocco  wurfspeer;  zsgs.  aus  brandire  schwingen  und  stocco 
stange. 

Bratta  genues.  schmutz,  koth,  daher  it.  imbrattare  besudeln  (Im- 
bratta  scherzhafter  name  bei  Boccaccio  Dec.  6,  10),  sbrattare  reinigen; 
unaufgeklärtes  wort. 

Brenna  mähre,  schlechtes  pferd;  vgl.  serb.  barna  gaul,  brnja  pferd 
mit  einer  blässe. 

Brenta,  piem.  brinda,  genf.  brande  weinfaß,  dtsch.  brente,  s.  Frisch 
und  Schmdler,  bränte  bei  Stälder  ein  hölzernes  gefäß.  Grimm  hält  das 
im  alt-  und  mhd.  noch  nicht  nachweisliche  wort  für  undeutsch,  vielleicht 
aus  rom.  branca,  das  in  braute  übergehe,  entstanden,  s.  Deutsches  wb.  s.  v. 

Bretto  vrlt.  unfruchtbar,  ämäich.  Carpentier  erwähnt  mUxt.  berta 
ovis  zur  fortpflanzung  untaugliches  schaf,  und  erinnert  an  fr.  bertauder, 
man  sehe  berta  I. 

Brina,  occit.  brino,  breino,  mail.  prinna  reif,  gefrorener  thau.  Die 
Versuchung  liegt  nahe,  es  aus  lat.  pruina  zu  erMären,  wie  auch  pruinosus 
sich  in  brinoso  erhalten  zu  haben  scheint:  b  für  anlautendes  p  ist  zwar 
selten,  aber  nicht  ohne  beispid,  auch  die  Unterdrückung  des  u  vor  i  läßt 
sich  zugeben,  da  auch  andre  fälle  derselben  vorkommen.  Beachtenswerth 
ist  aber  hier  die  venez.  form  borina,  woraus  brina  gar  wohl  entstanden 
sein  könnte,  vgl.  bricco  aus  boricco:  den  stamm  bor  zeigt  dieselbe  mund- 
art  auch  in  borana  neben  burana  dichter  nebel,  und  im  walach.  findet 
sich  bore  dunst,  reif.  Dieser  stamm  könnte  sich  gestaltet  haben  aus  lat. 
vapor :  inlautendes  p  wird  leichter  zu  b  als  anlautendes,  und  aphärese  ist 
im  it.  häufig  genug:  die  walach  form  abor  hat  sich  von  vapor  fast  schon 


360  H.a.   BR1NDISI-BULIMO. 

eben  so  weit  entfernt.  Die  sard.  mundart  hat  börea,  die  catal.  boira  nebel, 
die  mit  ihrer  bedeutung  besser  zu  vaporea  passen  als  zu  boreas  nordwind. 

Brfndisi  das  zutrinken,  ven.  prindese;  vom  dtschen  bring  dirs  d.  h. 
ich  bringe  dir's  zu.  Auch  fr.  brinde  erklärt  sich  aus  dieser  phrase,  so 
wie  das  lothr.  vb.  bringuäi,  bürg,  bringuai  zutrinken,  sp.  brindar.  Vgl. 
bringen  bei  Stalder  und  Höfer. 

Brivido  durchdringende  kälte,  kalter  schauer. 

Broncio  mürrisches  gesteht,  imbronciare  aufsätzig  werden,  vgl.pic 
bronehard  hartnäckig,  auch  pr.  embronsit  LR.  Identisch  mit  atifr.  em- 
broncher  (s.  u.),  wie  Oachet  meint,  kann  imbronciare  nicht  wohl  sein:  in 
diesem  falle  wäre  es  daraus  entlehnt,  dem  Franzosen  fehlt  aber  das  pri- 
mitive broncio  und  auch  die  bedeutungen  stimmen  nicht  sonderlich.  Man 
verbinde  es  mit  mlat.  broecus  'obstinatus  Ol.  arab.  tat.,  Schweiz,  brütech 
mürrisch,  brütschen,  nhd.  protzen  mürrisch  sein. 

Brontolare  murmdn.  Die  ital.  etymologen  verweisen  auf  gr.  ßQowrj 
donner. 

Brullo  und  brollo  bei  Dante  Inf.  16,  30.  34,  60.  Pg.  14,  91  ent- 
blößt, beraubt.  In  Modena  kennt  man  nur  sbrollo  nebst  dem  vb.  sbrol- 
lare  berauben,  Muratori  erklärt  daher  das  räthselhafte  wort  aus  ex-peru- 
lare,  einen  wanderer  des  ranzens  (perula)  berauben,  überh.  berauben,  pari. 
experulatus,  abgekürzt  experulus,  endlich  sbrullo.  Die  erUärung  ist  nicht 
ungeschickt,  doch  bedurfte  es  nicht  einmal  der  privativen  partikd  ex,  das 
verbum  für  sich  allein  konnte  das  wegnehmen  eines  dinges  in  sich  fassen 
wie  eimare,  scagliare  den  gipfd,  die  schuppen  wegnehmen  u.  a.  m.;  die 
doppelung  des  1  läßt  sich  ertragen. 

Brutto  häßlich,  schmutzig,  roh  d.  h.  unverarbeitet;  von  brutus 
schwer,  gefühllos,  daher  plump,  roh,  häßlich.  Nach  Muratori  vom  ahd. 
bruttan  erschrecken,  aber  herleitung  aus  einem  fremden  gebiete  thut  dies- 
mal nicht  noth. 

Buccio,  buccia  schale,  rinde,  hülse,  haut;  abgekürzt  aus  lob-uccio 
vom  gr.  koßog  oder  Xonog  schale,  hülse?  vgl.  loppa,  und  über  die  abkür- 
zung  Born,  gramm.  1,  294.  In  lobuccio  zumal  konnte  lo  als  artikd  ver- 
standen und  abgestoßen  werden. 

Buda,  burda  stopf  werk,  tomentum.  Dieses  wort  muß  aus  der  sieü. 
mundart  hervorgezogen  werden,  weil  es  uns,  wie  Pasgualino  erinnert^  das 
bekannte  buda  cstorea  der  glossare  vergegenwärtigt,  wovon  Servius  sagt: 
ulvam  dieunt  rem,  quam  vulgus  budam  vocat.  Der  Sarde  hat  buda 
riedgras,  budedda  d.  i.  budella  matte. 

Bufära  Sturmwind  {wal.  vifor?);  wie  pr.  bufar  blasen,  vom  stamme 
buf,  s.  thl.  I;  aber  wie  ist  das  suffix  era  zu  beurtheüen?  nur  iera  kennt 
die  grammcUik. 

Bugno  bienenstock,  bugna,  bugnola  von  stroh  geflochtener  korb,  altfr. 
bugnon  =  bugno,  wohl  auch  neupr.  bugno  baumstamm;  ungewisser  her- 
kunß,  vgl.  bugna  I.  und  ir.  b6n,  gael.  bun  stamm  oder  stumpf. 

Bülim  o  und  sbülimo  Heißhunger;  vom  gr.  ßovh/nog  dass.,fr.  boulinüe. 


IIa.   BULO-CALEFFARE.  361 

Bulo  ven.  piem.  lotnb.  rauf  er,  Schläger,  dsgl.  auf  Schneider,  prahl- 
kons;  P.  Monti  übersetzt  es  auch  mit  zerbino  (stutzer)  und  leitet  es  vom 
ätschen  buhle,  dem  auch  das  cimbr.  pul  entspricht,  wogegen  das  mhd. 
buole  frei  ist  von  übler  bedeutung.  Schon  Muratori  hatte  diese  herkunft 
des  Wortes  anerkannt  mit  der  bemerkung:  ita  primo  appellati  meretricum 
amasii  sen  satellites,  tum  quicumque  thrasonem  agunt 

Burchia,  burchio  bedeckter  nachen  mit  rudern,  wozu  buchstäblich 
stimmt  aitsp.  burcho  airt  nachen  (Seckendorf),  beide  eine  ableitung  mit 
cl  voraussetzend,  vgl.  mlat.  cum  barchis  et  burclis.  Eine  befriedigende 
deutung  fehlt. 

Bussare  anklopfen;  muthmaßlich  vom  oberd.  buchsen  (engl,  box), 
vgl.  bo88en  klopfen,  schlagen  Frisch  I,  121*  und  ndl.  buysschen  KU. 
Derselben  herhunft  scheint  das  gleichbed.  altfr.  buissier  NFG.  I,  98;  Ro- 
quefort fuhrt  auch  bugquer  an. 


c. 

Gaff o  ungerade  zahl:  giuocare  pari  o  caffo  ludere par  itnpar;  auch 
pr.  caf  €vox  indignantis  GProv.  40h,  in  Berry  caffe.  Menage  hält  das 
wort  für  das  it.  capo,  tat  Caput,  weil  die  ungrade  zahl  die  vollkommnere, 
die  hauptzahl,  weil  namentlich  die  dreizahl  die  vollkommenste  aller  zahlen 
sei.  Daß  caffo  aus  capo  verderbt  ward,  ist  einzuräumen,  es  konnte  dies 
im  munde  der  spielsüchtigen  Deutschen  geschehen,  die  lat.  p  gerne  aspi- 
rierten (vgl.  catafalco),  aber  daß  das  voüc  sich  unter  der  ungeraden  zahl 
etwas  voUkommneres  gedacht  habe,  ist  nicht  so  leicht  hinzunehmen:  um- 
gekehrt bedeutet  z.  b.  gr.  oqtioq  1)  gerade,  von  zahlen,  2)  vollkommen; 
avaQTiog  ungerade.  Leichter  konnte  man  das  ungerade  als  das  über  das 
maß  gehende  auffassen,  gr.  neQiooog,  und  in  so  fern  war  capo  vielleicht 
ein  geeigneter  ausdruck:  essere  il  caffo  heißt  daher  'ausgezeichnet  sein 
vor  andern.  Oder  sollte  sich  caffo  herschreiben  aus  caput  in  der  römi- 
schen formet  caput  aut  navem,  die  man  bei  einem  ähnlichen  glücksspide 
gebrauchte?  —  Für  die  gerade  zahl  behielten  die  neuen  sprachen  das 
alte  par,  für  impar  haben  sich  mehrere  ausdrücke  eingefunden,  z.  b.  maü. 
ospo,  sard.  cuccu,  sp.  non  (fr.  pair  ou  non,  pair  ou  non  pair),  norm. 
nouque,  auch  tic. 

Cagione  anlaß,  Ursache,  schuld,  vorwand  (wie  pr.  ocaison,  altfr. 
ochoison);  gekürzt  aus  occasio,  welche  kürzung  auch  das  wald.  cayson 
und  dttpg.  cajäo  erfuhren. 

Calabrone,  scalabrone  horniß;  von  crabro,  bei  Papias  carabrio 
'genus  animalis  muscae  similis\  im  älteren  mlatein  scabro  GrafflV,  1039. 
Das  wort  scheint  auch  im  occ.  chabrian  enthalten  zu  sein. 

Caleffare  und  galeffare  verspotten.  Beide  formen  haben  dtsches 
aussehen,  aber  das  vorhandene  galiffan  (ca-)  Graff  II,  205  gewährt  keine 
passende  bedeutung. 


362  H.a.   CALPESTARE-CARNEVALE. 

Calpestare  mit  fußen  treten,  sbst.  calpestfo;  zsgs.  aus  calce  pi- 
stare  (letzteres  unlat.)  mit  der  ferse  treten,  tvald.  calpisar,  s.  pestare  L 

Caluco  elend,  armselig;  von  caducus.  Auch  im  prov.  Reimbuch 
vorhanden:  calucs  'curtum  Habens  visutn  67b ,  dsgl.  JBrev.  et  am.  I,  173. 
Sollte  die  sähe  lue  zu  dieser  abweichung  von  der  bedeutung  verfuhrt  haben? 
Oder  hängt  das  pr.  caluc  mit  caducus  gar  nicht  zusammen?  In  der 
mundart  von  Haut-Maine  findet  sich  ca-lorgne  im  sinne  von  borgne} 
worin  ca  seine  eigne  bedeutung  haben  muß. 

Camangiare  gemüse,  küchenkraut;  für  capo-mangiare  anfangs- 
essen (Menage). 

C&nova  vorrathskammer,  Weinkeller,  sard.  can&va;  bereits  in  den 
Isid.  glossen  canava  'camea  (camera?)  post  coenaculum,  auch  canipa,  s. 
Ducange  und  Graff  IV,  462.     Woher  aber? 

C  an  sare,  scansare  ausbeugen,  ausweichen.  Der  Ursprung  dieses 
Wortes  findet  sich  in  dem  altlat.  in  gleicher  bedeutung  von  Ennius  ge- 
brauchten campsare  (campsat  <flectiti  Gl.  Isid.,  campsare  tflectere  üef 
Gloss.  ant.  Class.  auet.  VII,  654)  und  wie  dieses  mit  dem  aecusativ  con- 
struiert  wird,  so  auch  das  ital.  wort:  campsare  Leucatem  =  cansare  la 
morte,  scansare  l'ira  del  tiranno.  Die  Abänderung  des  wortes  ist  gering, 
zum  Überflusse  läßt  sich  auch  lat.  sampsa  samsa  sansa  zu  hülfe  rufen. 
Ptiscian  leitet  es  von  y.af.imBiv;  daß  es  übrigens  ein  volksübliches  wort 
war,  beweist  seine  fortdauer  im  ital.     Wegen  des  sp.  cansar  s.  cass  I 

Caparbio  halsstarrig;  muthmaßlich  von  capo,  das  auch  eigensinn 
bedeuten  kann  tvie  unser  köpf;  aber  was  ist  arbio? 

Capitare  beendigen,  (intrans.)  ankommen;  von  caput  köpf  auch 
ende,  vgl.  chef  IL  c.  Zsgs.  scapitare,  pr.  descaptar  einbüße  leiden-,  sbst. 
it.  scapito  einbüße,  worin  caput,  wie  im  mlatein  oder  wie  houbet  im 
mittelhochd.,  ein  stück  der  Viehherde,  ein  vermögensstück  bedeuten  muß. 

Capocchia  dickes  ende  eines  Stockes,  knöpf  einer  Stecknadel,  adj. 
capocchio  dumm  (wie  ein  Motz);  von  capitulum  köpfchen,  umgeformt  in 
caputulum,  wie  Pott  in  der  abhandl.  Plattlatein  367  bemerkt. 

Caratello  fäßchen;  für  carratello  von  carrata  fuder,  ladung. 

Carnevale,  carnovale  (o  für  e  wegen  des  folgenden  v),  daher  sp. 
fr.  carnaval  fastnacht;  eigentl.  die  nacht  vor  aschermittwoch,  wo  man  dem 
genusse  des  fleisehes  auf  eine  gewisse  zeit  entsagt,  zsgs.  aus  dem  it.  carne 
fleisch  und  dem  lat.  imperativ  vale,  s.  v.  a.  cfahr  wohl  fleisch!  gute  nacht 
fleisch.f>  Oder  einfacher  noch  aus  dem  ital.  sbst.  vale  abschied,  so  daß  il 
carnevale  abschied  des  fleisehes  bedeutete.  Fastnacht  halten  heißt  car- 
nascialare,  sbst.  carnasciale,  nach  Muratori,  Ant.  ital.  VI,  229,  um- 
gestellt aus  carne-lasciare  das  fleisch  weglassen,  eine  etymologie,  die  durch 
den  gleichbed.  walach.  ausdruck  lesare  de  carne  bekräftigt  wird.  Aber 
dies  durfte  kein  grund  sein,  auch  carnevale,  dessen  Zusammensetzung 
einen  deutlichen  sinn  gibt,  durch  Umstellung  zweier  süben  aus  carne-leva, 
mlat.  carai-levamen,  zu  deuten,  wiewohl,  was  hier  noch  beigefügt  werden 
mag,  der  Sicäianer  wirklich  ein  wort  carni-livari,  der  Piemontese  car-lave 


IIa,   CAKPONE-CEFFO.  363 

Ein  andrer  ntlat.  ausdruck  ist  carniprivium,  ein  span.  carnes- 
tolendas,  ein  neupr.  carmentran  =  careme  entrant.  —  [Die  von  der 
Mythologie  vorgenommene  Verlegung  des  wortes  in  car-naval  =  carrus 
navalis  schiffswagen  hat  das  bedenkliche,  daß  weder  die  üal.  Schriftsprache 
noch  die  mundarten  etwas  von  einer  solchen  form  mit  a  für  e  der  zweiten 
sähe  wissen,  und  doch  muß  das  franz.  carnaval  in  erwägung  der  silbe 
est  (nicht  char)  von  Italien  ausgegangen  sein.  In  diesem  lande  war  also 
die  Vorstellung  von  einem  schiff  swagen  entweder  gar  nicht  vorhanden  oder 
früh  erloschen.] 

Carpone  adv.  auf  allen  vieren;  nach  Ferrari  zsgz.  aus  quadrup- 
one,  einer  höchst  ungefügen  bildung  für  quadrupedone  von  quadrupes. 
Warum  nicht  von  carpus,  it.  carpo  die  vorderhand?  nicht  bloß  ein  ana- 
tomischer ausdruck  wie  im  span.;  daher  auch  carpiceio  tracht  ohrfeigen 
und  das  neupr.  carpä  schlagen.  Carpone  würde  hiernach  'auf  händen 
(und  fußen)  bedeuten. 

Carrobio  kreuzweg;  von  quadrivium,  wie  MSnage  lehrt,  so  gabbia 
von  cavea. 

Casco  alt,  hinfällig;  von  einem  worte  bei  Ennius,  das  Ausonius 
wieder  hervorzog,  cascns  alt?  Wenigstens  kann  es  nicht  vom  it.  cas- 
care  (fallen),  part.  cascato,  abgekürzt  casco,  entstanden  sein,  da  aus  in- 
transitiven keine  solche  participial-adjectiva  geprägt  werden,  eher  konnte 
cascare  aus  casco  fließen,  wenn  nicht  aus  lat.  casare  (bei  Plautus)  er- 
weitert in  casicare.  Von  jenem  üal.  verbum  ist  das  auch  in  die  andern 
sprachen  übergegangene  cascata  Wasserfall. 

Gastaldo  und  castaldione,  ven.  gastaldo  gutsverwalter,  haushof- 
meister,  vgl.  den  franz.  geschlechtsnamen  Gastaud,  wald.  gastaut  nebst 
dem  vb.  gastaudeiar;  von  gastaldius,  gastaldio,  wie  bei  den  Langobarden 
theils  der  Verwalter  der  königlichen  guter,  theils  der  über  die  Provincicien 
gesetzte  landvogt  genannt  ward.  Das  nach  einigen  mit  gast  zsgs.  wort 
(s.  s.  b.  Leo's  Gesch.  von  Italien  I,  94  ff.)  geht  zurück  auf  goth.  ga- 
staldan  erwerben,  besitzen,  wiewohl  der  logische  Zusammenhang  nicht  deut- 
lich hervortritt,  vgl.  Diefenbach,  Goth.  wb.  II,  306;  Pott,  Born,  demente 
in  den  lang.  ges.  358. 

Catasta  höh  stoß;  ist  das  lat.  catasta  bühne,  Schafott. 

Cavare  herausnehmen;  eigentl.  ausgraben,  vom  lat.  cavare  aushöhlen. 

Cavelle  und  covelle  (beide  schon  bei  Boccaccio)  wenig  oder  gar 
nichts,  Kleinigkeit.  Die  herkunft  des  volksüblichen  wortes  ist  schwer  zu 
ergründen,  da  die  eigentliche,  sinnliche  bedeutung  fehlt.  Vielleicht  ist  es 
nicht  zu  voreilig,  an  mhd.  kaf  hülse,  spreu  zu  erinnern. 

Ceffo  schnauze  (etwas  schnappendes),  ceffare,  parm.  cifar  schnap- 
pen, haschen;  dazu  formen  mit  radicalem  a:  com.  zaf  =  ceffo,  zafä,  sie. 
acciaffari  =  ceffare,  piem.  ciaflü  =  ceffuto,  sie.  ciaffa  tatze,  wohl  auch 
it.  zaffo  in  der  bed.  häscher.  Die  herkunft  dieser  Wörter  ist  ungewiß. 
Vielleicht  entstanden  sie  aus  hochdeutscher  ausspräche  des  Stammes  tap 
(8.  tape  II.  c),  woher  auch  das  mit  sie.  ciaffa  zusammentreffende  ciampa. 


364  H.a.   CERAMELLA-CHIOMA. 

Wal.  zejpsl,  wenn  es  hieher  gehört,  verräth  einen  mit  s  verstärkten  stamm, 
vgl.  auch  das  russ.  vb.  z&paio  zugreifen. 

Ceramella,  cennamella  schalmei;  entstellt  aus  cdtfr.  chalemel? 

Cerro  1)  stirneiche,  van  cerrus,  auch  fr.  cerre;  2)  troddel,  von  cirras. 

Cesoje  (plur.)  scheere;  von  caesus  wie  rasojo  von  rasus.  Dahin 
auch  cisale  abgeschnittenes  stück. 

Cespo  husch,  strauch,  von  caespes  schölle,  häufe  kräuter,  abgeh 
cespuglio;  cesto  vom  acc.  caespitem.  Wegen  der  bedeutung  vgl.  cae- 
spites  sunt  frutices  Placidi  glossae  auctae  (Class.  auct.  VI,  556k),  cespis 
frutex  Ol.  Erford.  p.  287*.  Daher  vb.  cespicare,  wci.  ceaspeta  hängen 
bleiben,  straucheln. 

Cesso  dlrtritt;  verkürzt  aus  secessus.  Diese  acht  ital.  aphaerese 
liegt  schon  in  einem  der  Erfurter  glossare  vor  p.  333*  foricas  latrinas 
cessussellus  d.  i.  cessus  seilas. 

Chente,  pronomen,  von  che  ente  (lat.  ens  entis)  was  für  ein  ding, 
gebildet  wie  niente. 

Chiappare  erhaschen;  entweder  vom  ahd.  klappa  falle,  oder  vom 
vb.  happen,  vgl.  chiurlare  in  nrlare  I.  Die  cotnask.  form  ciapä  aber 
redet  für  das  erstere  (cia  =  cla,  ciamä  =  clamare).  Anders  gebildet  ist 
calappio,  galappio  falle,  fallstrick,  dem  ein  ahd.  klapjo  gemäß  wäre. 

Chi&vica  abzugscaned;  entstellt  aus  cloaca,  mlat.  auch  clavaca, 
schon  bei  einem  alten  grammatiker  cluaca  noii  clauaca  Anal,  gramm.p.  444. 

Chiazza  maJü  auf  der  haut,  chiazzare  sprenkeln;  vom  deutschen 
kletz  schmutzig,  bekletzen  besudeln,  s.  diese  Wörter  in  J.  Grimms  Reink. 
p.  378. 

Chiedere  fordern;  identisch  mit  dem  poetischen  cherere  von  quae- 
rere,  sp.  querer,  r  auf  ital.  weise  mit  d  vertauscht.  Von  ferire  ist  um- 
gekehrt die  form  mit  d  fiedere  die  poetische.  Zsgs.  conquidere  von  con- 
quirere. 

Chieppa,  cheppia  ein  fisch;  stark  ausgeartet  aus  clupea,  s.  Menage. 

Chioccare  schlagen,  ahd.  klochön  dass. 

Chiöcciola  Schnecke;  für  clocc-iola,  dimin.  des  unvorhandenen 
cloccia,  dies  mit  versagtem  1  von  coclea. 

Chiodo,  chiovo  naget;  =  chiavo  von  clavus,  sp.  clavo,  fr.  clou/f. 
Aus  chiav-o  entstand  zuerst  chio-o  =  pr.  clau,  altfr.  clo,  und  zur  besei- 
tigung  des  hiatus  ward  theils  d,  theils  v  eingeschoben,  die  hauptsächlich 
dazu  bestimmten  buchst aben;  so  in  padiglione  aus  pa'iglione,  d.  i.  papi- 
glione,  Rovigo  aus  Ro'igo  d.  i.  Rhodigium. 

Chioma  Haupthaar.  Entweder  von  coma  mit  eingeschobenem  i  =1, 
oder  von  comula  mit  versetztem  1.  Für  letzteres  könnte  man  anfuhren, 
daß  neben  dem  vorhandenen  it.  coma  eine  form  mit  eingeschobenem  1 
unnütz  wäre,  aber  dem  Überfluß  sind  die  jüngeren  sprachen  nicht  abhold, 
wofür  z.  b.  fiavo  neben  favo  zeugt;  übrigens  scheint  das  nur  bei  Petro- 
nius  vorkommende  comula  ein  von  ihm  gesuchtes  wort  für  kleines  nied- 
liches haar. 


IIa.    CIACCO— COMBAGIO.  365 

Ciacco  schwein;  abgeändert  aus  sacco  bauch?  Aber  besser  trifft 
Menage }s  deutung  aus  gr.  ovßal*  avßcmog  schweinisch,  das  sich  ohne  zwang 
in  siacco  ciacco  verwandeln  konnte,  vgl.  cia  aus  sia  in  camicia  aus  camisia. 

Cicigna  blindschleiche ;  für  ciciglia  von  caecilia  mit  vertauschtem 
suffix  vielleicht  zur  Unterscheidung  von  Ciciglia  =  Sicilia. 

Cicisbeo  ein  mann,  der  einer  frau  den  hof  macht  oder  sie  begleitet; 
vom  fr.  clnche  klein  (?)  und  beau  schön  (Pasqualino). 

Cigolare,  scivolare  knarren,  knistern;  von  sibilare  nach  Ferrari; 
aus  dem  stamme  von  singulare  nach  G.  Oalvani  (Archiv,  stör.  ital.  XIV, 
342),  vgl.  ven.  cigare  zischen,  knarren,  it.  cingottare  zwitschern,  letztere 
vielleicht  bloße  naturausdrücke. 

Cimento  probe,  eimentare  versuchen;  von  speeimentum,  wie  Fer- 
rari meint.  Specimentum  für  speeimen  ist  freilich  nicht  vorhanden,  aber 
eben  so  leicht  zu  bilden  wie  cantamento  für  cantamen,  und  der  abfatt 
der  ersten  sübe  ist  nicht  stärker  als  in  baco  für  bombaco,  ciulla  für  fan- 
ciulla  und  nicht  wenigen  andern,  Born,  gramm.  I,  294.  Daneben  verdient 
Mohns  erJdärung  aus  caementum  (p.  72),  wiewohl  sie  das  mittel  (cement) 
für  die  handlung  (probe)  setzt,  alle  anerkennung. 

Ciofo  niederträchtiger  mensch;  vom  deutschen  schuft,  dessen  t  weg- 
fiel, weil  der  Italiener  die  combination  ft  nicht  duldet. 

Cioncare  abbrechen,  verstümmeln,  chw.  ciuncar  dass.,  teal  ciung 
stümmel,  verstümmelt,  ungr.  tsonka;  entstellt  aus  it.  cioeco  Motz?  Für 
cioncare  gilt  tnaü.  s'ciancä,  s'cinca. 

Ciotto,  ciöttolo  stein,  kiesel. 

Ciro  schwein;  vom  gr.  %oIqo$  ferket  (Ferrari). 

Cispo  triefäugig;  woher? 

Ciuffo  schöpf,  ciuffare  beim  schöpfe  fassen;  von  schöpf,  wenn 
nicht  von  zop£  lomb.  zuff,  pr.  chuf  'pili  super  frontem  OProv.  p.  58, 
vgl.  unten  zuffa. 

Civaja  hülsen  fruchte;  von  eibaria. 

Cogno  ein  altes  weinmaß;  von  congius. 

Cogol&ria  reuse  zum  fisch-  oder  krebsfang,  mit  weiter  Öffnung, 
nach  innen  enger  werdend;  von  cucullus  kappe,  wegen  der  ähnlichkeit. 
Dasselbe  derivatum  im  mlat.  cucullarius  'municti  (manch)  Gloss.  Trev. 
Graff  II,  804,  kapuzenträger. 

C6goma  topf,  von  cueuma,  woher  auch  fr.  coquemar  flaschenkessel. 

Collare  wippen  d.  i.  foltern,  colla  folter;  vom  gr.  xola&iv  strafen, 
züchtigen,  wie  schon  Monosini  aufstellte  —  oder  von  xoXXipv  befestigen? 
Besser  trifft  mhd.  quellen,  kollen  fesseln,  peinigen  (nhd.  quälen  ist  das- 
selbe wort).  Da  der  delinquent  an  einem  seile  in  die  höhe  gezogen  ward, 
so  übertrug  man  das  wort  auch  auf  das  aufziehn  des  segds,  man  sehe 
ein  beispid  bei  Truechi  I,  31. 

Collottola  nacken;  abgeleitet  von  Collum. 

Combagio  zusammenfügung,  combagiare  zusammenfügen;  dem  be- 
,  griffe  nach  das  lat.  compages,  vermutlich  auch  von  da  ausgegangen,  aber 


366  H.a.   CONCIARE-CROJO. 

mit  witziger  auffassung  auf  combagio  (das  zusammenküssen)  zurückgeführt ; 
dieselbe  begriffsverbindung  auch  in  der  form  combaciare. 

Conciare,  acconciare  (woher  sp.  aconchar)  putzen,  zurichten, 
concio,  acconeio  als  adj.  hübsch,  als  subst.  putz,  wal.  concia  hopfputz. 
Man  stelle  es  nicht  zum  dttfr.  cointer:  es  ist  eine  der  ziemlich  zahlreichen 
mit  i  gewirkten  participiaiableitungen  und  kommt  von  comtus,  partie.  von 
comere  schmücken,  woher  es  schon  Menage  leitet;  die  franz.  form  wäre 
conser.    Auch  contigia  putz  ist  hieher  zu  nehmen. 

Congegnare  zusammenfügen;    muthmaßlich  für   concennare,   tot. 
concinnare,  unter  dem  einflusse  des  it.  genio,  pr.  genh  kunst. 

Gorgere  in  accorgersi  (chic,  an  cor  scher)  wahrnehmen,  und  scorgere 
1)  wahrnehmen,  2)  geleiten,  begleiten.  Accorgere  accorsi  accorto  trifft 
in  seiner  flexion  so  genau  zusammen  mit  corrigere  correxi  correctum,  daß 
es  aus  ad-corrigere  entstanden  sein  muß,  indem  es  eigentlich  die  berichti- 
gung  eines  irrthumes  ausdrückt.  Scorgere,  das  dieselbe  flexion  hat,  wäre 
nach  Mwratori  aus  excurritare  entstellt  und  dem  ersteren  verbum  angepaßt 
worden;  allein  solche  Übergänge  aus  der  schwachen  in  die  starke  conju- 
gation  sind  so  ausnehmend  selten,  daß  diese  vermuthung  entschieden  ab* 
zulehnen  ist.  Scorgere  ist  nichts  anders  als  ein  verstärktes  correggere, 
dem  die  bed.  regieren  zukommt,  woraus  die  bedd.  geleiten,  acht  haben 
leicht  erfolgen  konnten.  Von  scorgere  kommt  scortare,  sbst.  scorta,  fr. 
escorter,  escorte,  sp.  escoltar,  escolta. 

Corribo,  corrivo  leichtsinnig,  leichtgläubig;  woher? 

Co sso  kleine  beule,  finne,  warze. 

Costa,  costi,  costinci,  ortsadverUa;  von  eccu'  istac,  eccu'  istic, 
eccu'  istinc-ce. 

Cotesto,  cotestui, pronomen;  zsgs.  aus  eccoti  esto,  lat.  eccu'  tibi  este. 

Covone  garbe,  einfacher  lomb.  cov,  piem.  cheuv.  Nach  Ferrari 
von  cavus  hohl:  so  viel  die  Jiohle  hand  oder  der  hohle  arm  faßt.  Der 
Übergang  von  cavus  in  coro  macht  dabei  keine  Schwierigkeit,  er  ist  der- 
selbe wie  der  von  clavus  in  chiovo. 

Crepore  groll;  sicher  von  crepare  bersten,  so  daß  es  das  bersten- 
wollen  des  verhaltenen  hasses  ausdrückt. 

Crocchiare  klappern;  von  crotalum  (xQovaXov)  klapper,  cchi  aus 
tl  wie  in  vecchio.    Sp.  crotorar  muß  dasselbe  wort  sein. 

Crogiare  rösten,  crogiolare  dämpfen.  Sollte  es  zusammenhängen 
mit  ahd.  chrose  geröstetes,  welches  Graff  IV,  616  als  zweifelhaft  aufstellt? 
si  (oder  se)  und  gi  berühren  sich  z.  b.  auch  im  it.  asio,  agio. 

Crojo  vrlt.  starr,  figürl.  störrig,  ungeschliffen,  pr.  croi.  Aus  crudus 
starr,  unbiegsam  kann  es  nicht  unmittelbar  entstanden  sein,  ihm  aber  mit 
Oalvani  (Archiv,  stör.  ital.  XIV,  343)  dessen  urform  cruidus  (cruius 
crujus)  unterzulegen,  ist  zwar  schön,  aber  gewagt,  weil  diese  form  nicht 
im  gebrauche  war.  Sicherer  läßt  man  es  aus  crud-i-us.  (wie  bajo  aus 
badius)  entstehen  d.  h.  aus  einer  mit  i  bewirkten  erweiterung  von  crudus, 
dergleichen  bei  mehreren  andern  adjeäiven  unläugbar  vorkommt,  s.  Rom. 


H.a.    CRUNA-DESSO.  367 

gramm.  II,  301.  Die  länge  des  wurzelvocals  kürzte  sich  durch  roman. 
posiiion  (crudjus),  so  daß  er  in  o  übertreten  konnte. 

Cruna  nadelöhr.  Zum  gr.  yQ<6vr)  Höhlung  (Born,  gramm.  I,  137, 
1.  ausg.)  paßt  weder  buchstabe  noch  begriff  (aus  anlautendem  g  wird  nicht 
c):  es  ist  syncopiert  aus  Corona  kreiß,  wie  crucciare  aus  corrucciare; 
wegen  n  aus  5  vgl.  giuso  und  tntto,  oder  das  mittdgr.  noQovvrj. 

Grusca  kleie,  chw.  crisca.  Ein  deutsches  wort,  wie  bereits Muratori 
erkannte.  Furfur  ccrusc  vd  chliha*  (kleie)  sagen  die  Flor,  glossen  983k, 
schwe.  krttsch,  Schwab,  grtische,  vgl.  das  von  Bouüle,  Diff.  vulg.  ling., 
erwähnte  gleichbed.  fr.  grais,  piem.  gras.  Die  neupr.  mundart  kennt  auch 
ein  vb.  crascä,  zermalmen.    Der  Sarde  besitzt  noch  furfare,  furfaru. 

Calla  wiege;  von  canola,  wie  lolla  von  lunala,  in  der  neap.  mund- 
art noch  connola  (conola  in  einem  alten  gedieht  Mural.  Ant.  ital.  VI,  789), 
in  der  romagnol.  conla. 

Cupo  hohl;  von  cupa  tonne,  also  eins  der  wenigen  adjectiva,  die 
unmittelbar  aus  Substantiven  gebildet  wurden,  Born,  gramm.  II,  288.  Die 
sard.  mundart  entwickelte  daraus  das  gleichbed.  adj.  cupüdu,  dem  kein  it. 
cuputo  zur  seite  steht. 

Cutretta,  cutrettola  bachstehe.  Sie  trägt  den  schwänz  hoch  und 
bewegt  ihn  beständig.  Auf  die  erstere  eigenschaft  bezieht  sich  das  ital. 
wort,  zusammengesetzt  aus  coda  schwänz,  retta  aufrecht,  also  eigentl. 
cadretta,  durch  assimilation  der  media  an  die  folgende  tenuis  cutretta  ent- 
sprechend fr.  hoche-queue ;  auf  die  letztere  it.  coditremola,  fr.  branlequeue, 
dtsch.  wedelsterz,  engl,  wagtail,  kymr.  tinsigl  (tin  bürzd,  siglo  bewegen), 
gr.  oetaonvyig,  wohl  auch  lat.  motacilla  u.  a. 


D. 

Deh  interjection;  vermuthlich  vom  vocativ  dee  für  deus,  dessen  sich 
spätere  bedienen,  wenn  nickt  aus  deo  abgekürzt  wie  i'  aus  io:  deo,  com' 
aggio  fallato!  PPS.  I,  277;  deo,  che  ben  aggia  Amore  434.  Ein 
mundartl.  fr.  dey  könnte  dessdben  Ursprunges  sein,  s.  Voc.  langrois.  Vgl. 
auch  Patts  Zählmethode  p.  218  note. 

Des  so  pronomen,  wal.  dunsu.  Pott,  Forsch.  II,  41  construiert  es 
aus  idem  ipsus,  aber  ein  m  aus  der  mitte  eines  wortes  zwischen  vocalen 
auszuwerfen,  ist  ganz  gegen  die  anläge  der  ital.  spräche.  Es  könnte  ab- 
gekürzt sein  aus  einem  früheren  medesso  =  pr.  meteis  (s.  medes  L), 
allein  damit  erklärt  sich  die  ihm  anhängende  syntactische  eigenheit  nicht, 
daß  es  nur  im  casus  rectus  bei  den  verbis  sein  und  scheinen  gebraucht 
wird,  wogegen  dem  Provenzalen  sein  meteis  in  jedem  casus  recht  ist.  Man 
muß  sich  also  nach  einem  passenderen  Ursprung  umsehen  und  ein  solcher 
findet  sich.  Übersetzt  man  unser  *er  ist  es  selbst,  sie  scheint  es  selbst' 
wörtlich  ins  latein.,  so  heißt  dies  ille  est  id  ipse,  illa  videtur  id  ipsa, 
und  dieses  neutrum  auf  ein  masculin  oder  feminin  bezogen  ist  eben  so 


368  H.a.   DESTARE-DUOMO. 

romanisch  wie  deutsch,  s.  Rom.  gramm.  ZU,  88,  Elane  292.  Aus  id-ipse 
aber  entstand  desso,  welches  darum  nur  im  casus  rectus  brauchbar  ist: 
egli  e  desso,  ella  mi  pare  dessa.  Das  wort  enthält  also  einen  merk- 
würdigen Überrest  des  pron.  is.  Sonderbar  ist  in  idipsis  Form.  Marc^ 
in  idipsnm  MabiU.  Dipl.  p.  495;  dieser  barbarismus  aber  kann  die  hier 
vorgetragene  etymologie  nicht  stören. 

Destare  aufwecken;  von  de-excitare  mit  derselben  zusammenziehung 
wie  in  dorare  von  deaurare.  Lomb.  mundarten  sprechen  desseda.  Von 
re-excitare  ist  das  pr.  reissidar  wecken,  erwachen. 

Diana  morgenstern,  auch  pr.  (anc  no  risquet  lo  duxs  tro  a  la 
diana  GRoss.  2747)}  eigentl.  Stella  diana  PPS.  II,  187  von  dem  ver- 
schwundenen adj.  diano,  dies  von  dies,  daher  die  militärische  redensart 
battere  la  diana,  fr.  battre  la  diane  die  reveüle  schlagen.  Figuera,  Diccion. 
mällorqui,  bemerkt  aus  A.  March  als  veraltet:  ana  'la  estrella  Venus\ 
also  eine  starke  abkürzung. 

Dileggiare  verspotten;  =  pr. desleyar  verschreien,  verrufen,  sbst. 
deslei,  lat.  dis-lex. 

Dilägine  schlaff. 

Ditello  achsdhöhle;  s.  v.  a.  ditale  fingerhut,  weü  man  die  finger 
unter  die  achseln  zu  stecken  liebt?  Dasselbe  wort  ist,  mit  der  bed.  von 
ditale,  das  romagn.  didel,  altfr.  deel,  nfr.  mdarü.  deau.  Für  ditello 
sagt  der  Neapolitaner  tetelleca,  das  aus  dem  vb.  tellecare  kitaein,  weü 
man  an  jener  stelle  für  kitzd  empfänglich  ist,  gedeutet  wird.  Eben  darum 
leiten  manche,  aber  ganz  gegen  den  buchstaben,  ditello  von  titillare. 

Dondolare  schaukeln,  mail.  dondä;  nach  Menage  von  de-undulare. 
Vielleicht  hat  es  keinen  so  vornehmen  Ursprung,  ist  nämlich  gleicher  her- 
kunft  mit  fr.  dodiner  schaukeln,  altfr.  dodeliner  einwiegen,  von  dodo,  mit 
welchem  wort  man  die  kinder  in  den  schlaf  wiegt.  Dodo  selbst  aber  ist 
aus  der  kindersprache,  entstanden  durch  reduplication  aus  dormir. 

Donnola  wiesei;  eigentl.  Weibchen,  vom  it.  donna,  ein  schmeichd- 
wort  für  das  thier,  gleich  dem  sp.  comadreja,  woran  Ferrari  erinnert, 
oder  dem  dtschen  jüngferchen,  ngr.  vv^lvCa,  oder  dem  bask.  andereigerra 
von  andrea  frau,  Jungfer.     Vgl.  bele  IL  c. 

Doppiere  fackel;  von  duplus  wegen  des  aus  zwei  faden  gedrehten 
dochtes:  so  das  deutsche  zwirn  aus  zwir  doppelt. 

Dossi  (plur.)  grauwerk;  eigentl.  rückenstück  des  feiles,  s.  darüber 
Ferrari. 

Duomo  donikirche,  dorn,  daher  fr.  dorne,  sp.  dombo;  vom  lat.  dömuß 
dei,  nicht  vom  gr.  dtSfiia,  wie  der  diphthong  im  itcd.  zeigt.  Entsprechend 
übersetzt  der  Gothe  Ieqov  mit  gud-hns  (gotteshaus).  Im  sard.  (logud.) 
domo  erhielt  sich  das  lat.  wort  in  seiner  alten  bedeutung. 


H.a.  ELSA— FAGNO.  369 


E. 


Elsa  und  elso  schwertgriff;  vom  ahd.  helza  dass.  Auch  die  dUfr. 
spräche  besitzt  das  wart  und  zwar  in  älterer  form  (ohne  lautverschiebung) 
und  nur  als  masctdin:  helt  (h  asp.)f  heax  (nomin.),  =  cdtn.  hialt,  aejs. 
hilt  (n.)y  davon  ein  vb.  enheldir  mit  einem  schwertgriff  versehen  Roh 

Endica  aufkauf  von  waaren,  nachMuratori  aber  waarenniederlage; 
von  iv&jjxrj  ladung  (nach  demselben). 

Epa  bauch,  von  hepar  (MSnage  u.  a.). 

Erto  steil,  partic.  von  ergere  =  erigere,  sahst,  erta  anhohe,  all'erta 
auf  der  hut,  buchstäbl.  auf  der  anhöhe,  wo  man  sich  umschaut,  daher  adj. 
sp.  alerto,  fr.  alerte  wachsam,  munter,  churw.  schlechtweg  erti. 

Eßito  waarenabsats,  vertrieb;  von  exitas  ausgang. 

Ette  (m.)  Kleinigkeit,  pündchen.  Üblicher  in  den  mundarten,  com. 
eta,  florent.  etti,  romagn.  etta  und  ett,  sard.  ette,  *.  b.  com.  m'importa 
on  eta  =  m'importa  an  frullo,  neap.  chillete  =  quelle  cose;  nach  P. 
Monti  vom  altlat.  hetta  bei  Festus:  res  minimi  pretii  .  .  cum  dicimus 
cnon  hettae  te  facio\     Vgl.  G.  Galvani  im  Archiv,  stör.  itcd.  XIV,  362. 

Eziandfo  partikd  für  lat.  etiam.  Es  wird  theils  aus  etiam  diu, 
theils  aus  etiam  adeo,  theils  aus  etiam  deus  gedeutet.  Dia  ist  gegen  den 
sinn,  ädeo  gegen  den  accent  und  so  bleibt  deus  übrig,  welches  bereits 
Salviati  aufgestellt  hat  und  welches  sich  bestätigt  durch  das  altsardische 
etiam  dea,  s.  bei  Ddius  p.  13.  N  vor  d  statt  m  ist  natürlich,  vgl.  auf 
einer  inschrift  decen  dies,  Corssen  I,  266  2.  ausg.  Es  war  sonst  üblich, 
gewissen  concessivpartikdn  den  namen  gottes  verstärkend  beizufügen;  so 
entstand  awegna  dio  che,  macari  dio  che,  im  norden  von  Italien  sogar 
quamviß-deo  Bonves.,  aügenues.  quanvis-dö  Archiv,  stör.  Hol.  app.  num. 
18,  p.  27.  36,  so  denn  auch  ezian  dio  che,  ezian  dio  se,  ezian  dio.  Ähn- 
lich wird  in  der  bair.  mündart  gott  geb  gebraucht:  'gott  geh  die  seien 
gut  oder  bös*  (mögen  sie  gut  oder  böse  sein),  s.  Schindler  11,  83. 


F. 

Facimola,  facimolo  hexerei.  Der  sinnreichen  deutung  Menage1  s 
aus  facere  und  mola  (opferschrot  zur  Zauberei),  gemäß  VirgiVs  verse 
Sparge  molam  et  fragiles  incende  bitumine  lauros,  steht  zwar  der  accent 
entgegen,  der  in  den  neuen  composüis  stets  dem  zweiten  worte  gebührt 
(faci-möla  wie  faci-male),  allein  eher  läßt  sich  accentverschiebung  als  de- 
rivation  aus  facere  annehmen.  —  Dürfte  nicht  auch  an  fascinam  cet.  ge- 
dacht werden?  fragt  Wackernagel. 

Fagno  ein  verschlagener,  der  sich  einfältig  stellt;  mahnt  an  ahd. 
feihan  dolasus,  subddlus  (der  feihano,  feihno).  Das  fr.  feint  {von  feindre) 
wäre  van  seilen  des  begriffes  annehmlich,   aber  der  buchstabe  widerstrebt. 

24 


370  IIa.  FANELLO— FIAVO. 

Fanello  hätifling,  piem.  fanin,  mail.  fanett.  Eine,  wie  man  an- 
nehmen darf,  vollständigere  form  ist  faganello,  daher  Mohns  erJdärung 
aus  faginus,  Etym.  unters,  p.  122,  mehr  vertrauen  verdient  als  Menage1  s 
aus  falvus. 

Fante  knabe,  knecht,  Soldat  zu  fuß,  sp.  infante  ff.;  van  infans  mit 
sehr  erweiterter  bedeutung.  Der  wegfatt  der  anfangssübe  in  ist  acht 
italienisch  und  kommt  auch  in  folto,  scipido,  stromento  vor,  so  daß  ein- 
fluß  des  ahd.  fendo,  mhd.  vende  (=nhd.  fant)  anzunehmen,  welches  wort 
einige  selbst  erst  dem  üal.  entnommen  glauben,  nicht  gerechtfertigt  er- 
scheint. Daher  auch  fanteria  fußvolk,  fantoccio  puppe,  so  wie  das  specieU 
ital.  fanciullo,  fanciulla  kind,  flor.  chw.  fancella. 

Fara  lomb.  Meines  landgut.  Bekannt  ist  aus  Paulus  Diaconus  und 
aus  den  gesetzen  das  longob.  fara  nachkommenschaft,  famiHe,  später  in 
italischen  Urkunden  im  sinne  von  hof  oder  grundstück  (ort  der  familie) 
gebraucht,  daher  das  ital.  wort.  Über  die  herkunfl  des  deutschen  höre 
man  Grimm  II,  52.  —  [Burg,  fara  heißt  eigentlich  theilung  in  beziehung 
auf  den  gesetzlichen  theü  an  dem  besitze  des  Romanen,  daher  vielleicht 
Meines  landgut?  Doch  ist  die  longobardische  bedeutung  nur  geschlecht. 
So  Wackernagel  in  der  abh.  Sprache  der  Burgunden  26.] 

Farnia,  fargna  breitblätterige  eiche,  quercus  robur  nach  Nemnich, 
von  farnuß  bei  Vitruv,  dem  man  die  bed.  esche  beilegt,  weil  man  eine  zu- 
sammenziehung  aus  fraxinus  darin  vermuthet.  Das  ital.  wort  stammt 
zunächst  aus  dem  adj.  farnens,  bei  Apicius  farnei  fongi,  dl.  faginei. 

Fazzuolo,  fazzoletto,  auch  ältsp.  fazoleto  Schnupftuch.  Das  gleich- 
bed.  neusp.  fazaleja  konnte  wohl  aus  facies  (sp.  fez)  fließen,  daher  auch 
mlat.  feciale  facitergula ;  it.  fazzuolo  aber  passt  schon  in  betracht  seines 
unschicklichen  sufßxes  keinesfalls  zu  faccia  (eben  so  wenig  zu  fascia)  und 
mag  eher  in  unserm  fetzen  seine  quelle  haben,  auch  it.  pezzuola  heißt 
fetzen  und  Schnupftuch.  Das  piem.  fassolet  stimmt  eben  so  wenig  zu 
facia  in  dieser  mundart  (facies),  wohl  zu  fassa  (fascia),  dessen  bedeutung 
aber  schon  weiter  abliegt;  das  sie.  fazzulettu  trennt  sich  gleichfalls  von 
facci  (facies). 

F6dera  zwiUich;  vom  ahd.  fedara  feder,  mhd.  federe  pelz,  flaumiger 
federartiger  stoff,  mlat.  penna. 

Ferzare,  sferzare  peitschen,  ferza,  stürz*  peitsche.  Aus  ferire  kann 
kein  feritiare  ferzare  werden,  da  die  4.  conj.  keine  participialverba  her- 
gibt.  Sehr  wahrscheinlich  ist  das  gleichbed.  ahd.  fillan  darin  enthalten, 
wovon  sich  ein  intensiv  fillazan  =  nhd.  filzen  (strafen)  annehmen  läßt, 
daher  it.  felzare  ferzare  (vgl.  scalmo  scarmo).  Das  vorhandene  ahd. 
fillata  peitsche  konnte  dagegen  nicht  in  ferza  übertreten. 

Fiappo,  nur  mundartlich;  mail.  piem.  berg.  ven.  fiap,  cremon.  flapp 
welk;  aus  dem  deutschen,  worin  dieser  stamm  etwas  schlaffes  oder  lappen- 
artiges bedeutet,  z.  b.  Aap  klappe,  fiep  läppen,  ndd.  flabbe  herabhangendes 
maul.    Dahin  auch  romagn.  fiapa  flecken,  picard.  flöpe  läppen. 

Fiavo  honigwabe,   dsgl.  fiale,  fiare,  für  fiavale,  fiavare.     Es  kamt 


IIa.   FIEDERE-FOGA.  371 

mit  eingeschobenem  i  =  1  von  favus  kommen,  doch  mag  einmrkung  des 
glcichbed.  ahd.  flado  dabei  angenommen  werden,  ja  es  könnte  unmittelbar 
daraus  entstanden  sein  wie  it.  biava  aus  biada. 

Fiedere  verwunden,  poet.  form  für  ferire,  sp.  herir  ff.,  r  in  d 
verwandelt. 

Ffgnolo  hitzblatter;  vom  deutschen  finne  Meine  spitzige  blattet  im 
gesteht. 

Filza  schnür  angereihter  Sachen,  vb.  infilzare  anreihen;  von  filum, 
woraus  man  filitium  ableitete  (Ferrari). 

Finco  venez.  name  eines  vogels,  fringiUa;  vom  ahd.  fincho,  nhd. 
finke.     Veneroni  verzeichnet  auch  eine  form  frinco. 

Fino,  infino  partikel  für  lat.  tenus;  von  in  fiaem  zum  ziel,  fine 
am  ziel,  vgl.  tenus  significat  finem  Festus.  Auch  der  prov.  mundart  ist 
diese  partikel  bekannt :  fis  GAlb.  HO,  npr.  cot.  fins,  bearn.  (veraltet)  fens, 
so  auch  sard.  finza,  finzas.  Schon  in  einer  Urkunde  v.  j.  849  liest  man 
fine  via  publica,  de  alia  parte  fine  flumen  u.  s.  f,  s.  Muratori  s.  v.  sino, 
und  diese  form  fine  kommt  auch  im  altücd.  vor. 

Fiöcina  harpune;  nach  Menage  von  fuscina  dreisack;  es  wäre  also 
entstellt  aus  föscina  mit  eingeschobenem  i  =  1  und  Verwandlung  des  sei 
in  ci,  ersteres  z.  b.  in  fiaecola,  letzteres  in  cacio  für  cascio  vorliegend. 
Das  sard.  fruscina,  das  maxi,  frosna  zeigen  dagegen  ein  eingeschobenes  r. 

Fioco  wird  von  der  Orusca  und  alten  ital.  Wörterbüchern  mit  roco, 
heiser,  erklärt,  wiewohl  Dante  es  überall  in  der  bed.  schwach  gebraucht, 
nur  eine  stelle  läßt  die  erstere  zu  (s.  Blanc  Vocab.  Dant.).  Es  ist  kaum 
zu  bezweifeln,  daß  beide  begriffe  sich  nah  berühren;  daß  z.  b.  heiser  in 
schwach  übergehn  konnte,  beweist  das  mittelhochdeutscJie,  s.  Wb.  I,  656. 
Aus  den  voUcsspraclien  läßt  sich  über  das  ital.  wort  keine  belehrung 
schöpfen,  da  es  ihnen  nicht  bekannt  scheint.  Indessen  ist  das  subst. 
fiochezza  ein  medicinischer  ausdruck  für  heiserkeit,  nicht  für  schwäche  der 
stimme,  man  sehe  Alberti.  Muß  man  in  heiser  den  grundbegriff  erkennen, 
so  kommt  das  wort  wahrscheinlich  von  roco,  lat  raueus  mit  prothetischem 
f  (vgl.  rombo,  frombo)  undwandelung  des  fr  in  fl,  fi;  ist  die  grundbedeu- 
tung  schwach  oder  matt,  so  kann  man  mit  Mahn  p.  63  nur  an  flaecus, 
umgestellt  flaue,  denken;  beides  sehr  seltne  Vorgänge.  Bochegude  verzeich- 
net ein  pr.  frauc  faible,  lache,  welches  buchstäblich  mehr  mit  raueus,  be- 
grifflich mehr  mit  flaecus  gemein  hat. 

Fischiare  pfeifen,  von  fistula.  Fistula  vulgo  fiscla  dieitur  Gl. 
longob.  s.  Ducange.    Fistulor  'sibüo3  Gl.  Isid. 

F i8 teil a  körbchen;  von  fiscella,  erweitert  in  fisc-ett-ella  zsgz.  fistella. 

Fitta  mürbes  unter  den  fußen  sinkendes  er dreich;  etwa  vom  ahd. 
fiubti  erdfeuchte?  vgl.  chw.  fiecht  von  feucht. 

Foga  hitze,  heftigkeit,  hieraus  fr.  fougue,  adj.  fougueux,  vgl.  npr. 
fogo  gedrängt;  vb.  it.  fogare  schnell  fliegen.  Man  denkt  an  fuga  flucht, 
daher  eäfertigkeit,  eifer,  hitze,  und  auch  sp.  fuga  heißt  (außer  flucht) 
lebendigkcit  z.  b.  des  gespräches.    Mehr  noch  wird  diese  ansieht  durch  die 


372  ILa.  FOGGIA-FRASCA. 

romagn.  cremon.  form  fuga  unterstützt.  Naher  dem  begriffe  liegt  aller- 
dings focus  feuer,  aber  dann  war  faoca,  wenigstens  fuoga  zu  erwarten. 
Merkwürdig  ist  das  romagn.  viuga  /m>  it.  foga. 

Foggia  gestdlt,  art9  foggiare  bilden,  gestalten;  vom  lat.  fovea  #rt*Äe, 
demnächst  wohl  form,  in  die  etwas  gegossen  wird,  gepräge,  vgl.  it.  cavo 
höhlung,  form,  gr.  tvkoq  eindrucke  gestdlt.  Die  übliche  herleitung  aus 
fr.  forge  ist  um  so  weniger  zulässig,  als  der  Venezianer  foia  spricht.  Es 
gibt  freilich  ein  piem.  forgia,  dem  aber  nur  die  bed.  schmiede  beigelegt 
wird;  auch  das  sard.  forgiai  entspricht  in  seinem  gebrauche  nur  dem  fr. 
forger,  und  ein  subst.  forgia  fehlt  hier.  Die  port.  spräche  hat  fojo,  die 
span.  hoyo,  hoya  für  fovea. 

Fogna  (Abzugsgraben,  fognare  das  wasser  ableiten;  von  siphon,  ver- 
muthet  Menage,  gleichsam  siphonia. 

Foja  brunst,  hitze;  von  füria.    Auch  chw.  foia  eifer. 

Fol  ata  etwas,  das  in  menge  kommt  und  schnell  vorübergeht,  folata 
<T  uccelli  schwärm  vögel,  di  venti  windstoß;  vom  gemeinroman.  volata, 
volada,  vol6e  flug,  f  für  v  durch  einmischung  des  it.  foia,  folla  gedrängt, 
fr.  foule. 

Folto  gedrängt;  von  folla  nach  Muratori.  Besser  von  infdltos  voll- 
gestopft, daher  sie.  'nfultu  =  folto. 

Forse,  auch  forsi,  partikel,  dem  italienischen  und  seinen  mundarten 
verblieben ;  von  forsan  (fors-an),  worin  es  der  endung  an  ergieng  wie  der 
endung  am  im  it.  imque.  Dagegen  vermuthet  Pott,  Ztsehr.  f.  vergl. 
sprachf.  XIII,  233,  in  forse,  unter  berufung  auf  das  häufig  vorkommende 
mlat.  forsitan-s,  eine  Zusammensetzung  mit  dmbitativem  si  (wenn).  Kaum 
möchte  es  dieser  erldärung  bedürfen.  Wenn  der  Piemontese  z.  b.  forssi 
schreibt,  so  liegt  in  seinem  ss  nur  eine  ihm  eigne  Verdoppelung  des  8  nach 
r.  Auch  müßte  in  einer  neuen  romanischen  Zusammensetzung  fors-si  der 
accent  doch  wohl  auf  der  zweiten  silbe  liegen. 

Forziere  Jcoffer,  altfr.  forcier,  latinisiert  forsarins  (statt  fortiarius); 
eigentl.  starker  koffer,  um  werthvolle  gegenstände  darin  aufzubewahren, 
neufr.  coffire-fort,  von  forza,  force,  s.  Liebrecht  bei  Oachet  412h.  Nach 
Ferrari  vom  gr.  q>OQxiov  last,  ladung. 

Fra  präposition;  abgekürzt  aus  infra,  vgl.  tra. 

Fr&cido,  umgestellt  fradicio,  auch  wal.  fraget  weich,  morsch,  faul; 
von  fraeidus,  nur  bei  Cato  R.  R.  einmal  vorkommend,  im  itei.  aber  so- 
wohl durch  die  Umstellung  wie  durch  mehrere  ableitungen  als  ein  völis- 
übliches  wort  sich  ausweisend. 

Frana  abstur z,  erdfall,  franare  einstürzen,  herabrotten;  wohl  von 
fragmina  zsgz.  framna,  wie  baleno  von  ßelejuvov. 

Frasca  belaubter  ast,  grüner  zweig,  daher  nach  der  ansieht  der 
akademie  das  sp.  frasca,  welches  dem  Portugiesen  und  Catalanen  fehlt, 
churw.  sfraskar  äste  abhauen;  in  italischen  Urkunden  de  silris,  frascariis 
et  spinetis  HPMon.  I,  n.  85;  terra,  de  qua  videbatur  frascario  das. 
n.  98.    Der  Spanier  nennt  eine  gerte  verd-asca:  sollte  nun  der  Italiener 


u.a.   FRATTA— FUJO.  373 

am  dem  vb.  virere,  das  ihm  jedoch  früh  abhanden  gekommen,  ein  sbst. 
viraaca  vrasca  frasca  abgeleitet  haben  wie  aus  fuggire  das  adj.  fuggiasco? 
Man  denkt  auch  an  fresco:  darf  man  aber  der  spräche  die  unnütze  ent- 
stettung  eines  so  Maren  Stammes  zutrauen?  Flur,  frasche  bedeutet  auch 
possen,  daher  die  franz.  redensart  faire  des  frasques. 

Fratta  zäun;  von  gr.  qtQavteiv  umzäunen,  ngr.  q>Qcmvq  =  q>Qayiia, 
wie  Menage  richtig  bemerkt. 

Frignare  (in  lomb.  mundarten)  weinen,  wimmern,  auch  denmund 
verziehen,  höhnen,  com.  frigna  weinerliches  weib,  cremon.  krittelig  im  essen. 
Vielleicht  für  flignare  vom  dtschen  flennen,  schwed.  flina,  dän.  fline,  engl. 
frine  (mdartl.  s.  HdUiweU),  vgl.  auch  piem.  flina  zorn,  wuth.  Aus  dem 
dtschen  erklärt  sich  auch  ganz  einfach  das  lomb.  frigna  in  der  bed. 
felsenöffhung  d.  i.  grinsendes  maul:  ebenso  entstand  das  altfr.  f  lan  Schieß- 
scharte (Öffnung  in  der  mauer)  aus  dem  mit  flennen  wurzelverwandten 
flans  verzerrtes  maul.  An  frignare  schließt  sich  it.  infrigno,  infrignato 
die  stirne  gerunzelt,  verdrießlich,  dauph.  se  deifrinä  verdrießlich  sein,  vgl. 
fr.  se  refrogner,  se  renfrogner  die  stirne  runzeln,  dessen  herkunft  aus 
firons  sich  nicht  klar  darlegen  läßt,  das  aber,  von  frignare  hergeleitet,  für 
refroigner  (oi  aus  i)  stehen  muß,  altfr.  refroigner  des  narines  DMce.  p.288, 9. 

Frisone,  frosone,  frusone  ein  vogel,  kembeißer;  wird  aus  frendere 
fresus  hergeleitet,  s.  P.  Monti  v.  frisonn. 

Frollo  mürbe  (vom  fleisch).  Man  läßt  es  hervor gehn  aus  friculare, 
es  bietet  sich  aber  eine  bessere  erklärung.  Garo  fluida  lat.  sagt  so  viel 
als  carne  frolla;  aus  dem  dimin.  fluidulus  konnte  flollo,  euphonisch  frollo 
werden,  wie  aus  stridulus  strillo.  Auch  mit  der  bed.  kraftlos  paßt  das 
ital.  zum  lat.  worte. 

Frombo  gesumse,  =  rombo,  s.  d. 

Frnllare  sausen,  rauschen;  unsicherer  herkunft,  vielleicht  von  fluc- 
toare  wallen,  tosen,  dimin.  flnctnlare  flallare  frnllare,  wie  bei  frollo.  Wal. 
flnturit  wäre  alsdann  dasselbe  wort. 

Frusco  dürres  reisig  an  bäumen,  frascolo  Splitter;  woher? 

Frnsto  bissen,  von  frastam  dass.  Fmstare  peitschen  (schon  in 
der  L.  Long.,  al.  frustrare),  eigentlich,  wie  pr.  frustar,  zerfetzen,  auch  ab- 
nutzen, abtragen,  daher  sbst.  frnsta  peitsche;  von  frustare  zer stücken. 

Fucina  schmiede;  von  focus  herd,  mit  Muratori.  Ebenso  ergieng 
es,  was  o  betrifft,  dem  stamme  foc  in  fucile. 

Fujo  nur  bei  Dante  und  zwar,  nach  der  Crusca,  in  drei  verschie- 
denen bedeutungen,  diebisch,  nichtswürdig  und  dunkel  (d.  h.  verborgen) 
vorkommend.  Die  erste  bedeutung  ist  leidlich  klar:  non  ö  ladron  n&  io 
anima  fai*  Inf.  12,  90;  dieses  fuio  ist  eine  nebenform  des  ital.  adj.  furo 
=  lat.  far  (farus  furius  fujus),  wie  crojo  (s.  oben)  nd>en  crudo  besteht. 
Hieran  knüpft  sich  die  zweite  bedeutung,  man  sehe  für  in  den  lat.  wbb. 
Ist  die  dritte  richtig  (Blanc  vermuthet  gleichfalls  far  darin),  so  muß  sie 
eine  andre  quelle  haben,  und  hier  paßt  nur  furvus  farvjus  mit  ungewöhn- 
lichem ausfatt  des  v  vor  j  furjus,  mit  üblichem  des  r. 


374  IIa.   FULVIDO— GARA. 

Fulvido  glänzend;  aus  fulgidus  mit  einmischung  von  falvus,  nicht 
absolut  aus  letzterem,  da  vornan,  ableitungen  mit  idus  kaum,  aus  adjectwen 
gar  nicht,  vorkommen. 

Fummosterno  ein  kraut,  erdrauch;  entstellt  aus  famas  terrae,  fr. 
fameterre. 

Fusaggine  spmddbaum;  von  fasus. 

Fuscello  spänchen;  dimin.  von  fustis,  zsgz.  aus  fasticello. 


G. 

Gaburo  trient.  starker  mann,  auch  schdm,  cremon.  gabeurr  roher 
mensch  (eu  d.  h.  ö  ist  hier  oft  =  it.  u);  vom  ahd.  gabflro  bauer,  chw. 
pur,  auch  in  fremden  sprachen,  serb.  paör,  ungr.  por. 

Gagliuolo  schote  der  höhnen  oder  erbsen,  com.  gajum  nußschaie. 
Von  callum  dicke  haut?  alsdann  müßte  eine  wenig  übliche  erweichung  des 
11  in  gli  angenommen  werden,  galluola  gagliuola.  Oder  etwa  von  dem 
Isidorischen  galgulus  Kbaca,  tzvqtjv*  beere,  kern?  dieselbe  begriff sentxoick- 
lung  zeigt  auch  sp.  baya,  it.  baccello  schote,  von  bacca  beere.  Man 
emendiert  freilich  galgulus  in  galbulus  cypressennuß.  Von  jenem  leitete 
schon  Grandgagnage  I,  252  das  wallon.  gaille,  geie  nuß,  nußkern. 

Gagnolare  winseln;  von  gannire  (Menage). 

Gallare  oben  auf  schwimmen,  den  muth  erheben,  sich  freuen,  wofür 
auch  essere  a  galla  gesagt  wird.  Ferraris  erJdärung  aus  lat.  galla  gaU- 
apfd,  weil  er  im  wasser  nicht  untergehe,  ist  nicht  der  rede  werth,  wenn 
auch  der  Sicilianer  beide  Wörter,  gadda  gailapfel,  und  galla  in  der  eben 
bemerkten  redensart,  nicht  formell  unterschiede.  Aber  woher  das  wort? 
Nahm  man  es  vom  stolzierenden  üppigen  hahn?  Die  span.  redensart 
tener  mucho  gallo  (viel  stolz  haben)  wäre  dieser  herleitung  günstig.  Das 
lat.  vb.  gallare  liegt  mit  seiner  bedeutung  zu  weit  ab,  das  ahd.  kallön 
frohlocken,  übermüthig  sein,  dem  sich  gallöria  jubel  genau  anzuschließen 
scheint,  muß  als  fremdes  wort  zurückstehn.  Stammt  also  gallare  von 
galluß,  so  hat  sich  die  sinnliche  bedeutung  des  obenschwimmens  erst  aus 
der  abstracten  des  Üppigseins  entfaltet. 

Gangamu  sicü.  fischernetz;  vom  gleichbed.  gr.  yayyajuov,  wie 
Pasqualino  anmerkt. 

G&nghero  thürangel,  sard.  cancaru,  maä.  canchen,  pr.  ganguil; 
bei  Hesychius  xaxyako^  s.  Menage:  woher  aber  dies?  Dahin  ferner  U. 
sgangherare  aus  den  angeln  heben,  pg.  escancarar  angelweit  öffnen. 

Gara  Wettstreit;  nach  Muratori  vom  arab.  vb.  ghara  beneiden,  nach- 
eifern (garä  anreizen  Gol.  p.  1704) ;  sehr  verdächtig  bei  einem  worte 
dieser  bedeutung,  das  im  arab.  nicht  einmal  als  subst.  vorhanden  ist.  Weit 
natürlicher  würde  man  an  die  vielgebrauchte  altfr.  interj.  gare !  aufgemerkt! 
aufgepaßt!  denken  dürfen,  die  noch  im  piem.  vorhanden  ist.  Venerom 
kennt  auch  ein  vb.  garare  wetteifern  =  fr.  garer  aufmerken. 


IIa.   GARBO-GHIERA.  375 

Garbo  venez.  trient.,  com.  garb,  gherb,  cimbr.  gerbe  (it.  garbetto 
Venerom)  bitter;  vom  ahd.  harw,  nhd.  herb  (erst  seit  dem  12.  jh.  Graff). 

Gargo  verschlagen,  tückisch,  piem.  gargh  träge;  sicher  vom  ahd. 
karg  listig,  vgl.  altn.  kargr  hartnäckig,  träge. 

Garzo  (garz)  lomb.herz  des  kofdes,  it.  garzuolo  dass.,  maü.  garzoeu 
(jpr.tgarzö)  knospe  des  weinstocks,  ven.  garzölo  flachsbüschel  des  rockens} 
hmb.  garzon  hasenkohl,  gänsedistel.  Das  etymon  von  garzo  findet  Mu- 
ratari  in  Carduus,  und  in  der  that  steht  dem  ital.  vb.  cardare  ein  mund- 
artl.  garzar,  dem  ven.  garzolo  das  parm.  carzoeul,  dem  lomb.  garzon  das 
sie.  cardedda  (hasenkohl)  zur  seile,  so  daß  also  c  und  g,  d  und  z  zu- 
sammentreffen. Die  formen  mit  z  beziehen  sich  ober  auf  ableitungen  wie 
cardeus,  cardeare  (ebenso  z  aus  de  in  orzo,  lat.  hordeum),  indem  man 
mit  bekannter  Unterdrückung  des  derivativen  u  cardus  (it.  cardo)  aus 
Carduus  machte.  Das  herz  des  kohles  vergleicht  sich  mit  seinen  überein- 
ander liegenden  blättern  dem  distetkopf,  auch  das  flachsbündel  ließ  sich 
mit  dessen  wolligem  büschel  vergleichen;  das  fr.  carde  bedeutet  sowohl 
Carduus  wie  garz.    S.  garzoue  I. 

Gasto  (nur  vorhanden  im  comask.  gast)  geliebter,  dsgl.  gatte;  vom 
dtschen  gast  befreundeter  mann. 

Gatt  er  o  und  gattice  (m.)  ein  bäum,  espe. 

Gavigna,  gavina  hedsdrüse,  mandel,  von  den  sprachen  sehr  ver- 
schieden benannt,  z.  b.  gr.  anoyyog  (schwamm  vom  anschwellen),  lat.  ton- 
silla  (woher?),  glandula,  wal.  entsprechend  ghfndure,  fr.  glande,  sp.  agalla 
(gaüapfd),  sard.  ganga,  gangula  (vgl.  gr.  yayyhov,  yayyaUov  geschwulst). 
Des  ital.  wortes  Ursprung  ist  unklar;  sicher  ist,  daß  das  vb.  aggavignare 
anpacken,  beim  halse  packen,  daher  stammt,  vgl.  sard.  leare  a  gangas 
prender  per  la  gola,  also  nicht,  wie  Muratori  wohnt,  vom  deutschen  gafangan. 

Gel  so  maulbeerbaum;  abgekürzt  aus  morogelso,  dies,  wie  man  an- 
nimmt, van  morus  celsa  hoher  maulbeerbaum  im  gegenseitige  zum  niedern, 
der  brambeerstaude,  eine  deutung,  die  durch  das  sie.  ceusu  oder  das 
genues.  sarsa  buchstäblich  =  lat.  celsus,  celsa  (genues.  $  —  lat.  c,  r  =  1) 
gestützt  wird. 

Genfa  gezückte,  sie.  jinia;  leitet  Pasqualino  vom  gr.  yevea  erzeugung. 
Auch  altsp.  ginea  geschlecht  Canc.  de  B.  muß  hieher  gehören. 

Gheppio  ein  raubvogel,  wannenweihe;  vom  gr.  yvxp  yvnog  geier, 
mit  Menage. 

Ghezzo  schwärzlich;  nach  Bedi  von  aegyptius  in  beziehung  auf 
die  färbe  des  volkes,  wozu  Menage  aus  einem  glossar  anmerkt  aeguptium 
qrnov  (schwärzlich).  Die  regelrechte  bildung  wäre  gozzo  oder  gezzo,  doch 
ist  auch  in  gheppio  ghe  =  gy. 

Ghiaja  kies;  von  glarea,  altsp.  glera. 

Ghierap/iü;  vom  ahd.  ger  geschoß.  Merkwürdig  ist  das  piem. 
parm.  gajda,  cremon.  mail.  gheda,  sard.  gaja  eingesetztes  keilförmiges 
stück  am  kleide,  das  mit  dem  longob.  gaida  speer  Haupts  Ztschr.  1, 564,  auch 
in  den  Glass.  PUh,  zusammentrifft,  vgl.  wegen  der  begriffe  gherone  I. 


376  H.a.   GHIOVA-GOZZO. 

Ghiova  erdschoUe;  aus  ghieva,  gleba  vermöge  der  kraß,  welche  das 
it.  v  besitzt,  ein  unmittelbar  vorhergehendes  e  (oder  i)  in  o  zu  verwandeln 
d.  h.  sich  zu  assimilieren,  was  aber  sonst  nur  in  unbetonten  sähen  ge- 
schieht, Rom.  gramm.  I,  175. 

Gire  gehen,  ein  im  präsens  defectives  verbum;  aus  de-ire  entstan- 
den? so  lat.  de-ambulare  neben  ambnlare.  Oder  sollte  es,  wie  gina  aus 
agina,  abgekürzt  sein  aus  agire  =  lat.  agere  in  bewegung  setzen,  agi  in 
bewegung  sein,  gehn,  gire  also  für  girsi?  Man  konnte  aber  de-ire  sagen, 
um  das  einfache  ire  zu  verstärken  und  der  spräche  in  vollständigerer  con- 
jugation  zu  erhalten.  Gire  ist  ein  dickterwort,  aber  doch  den  mundarten 
nicht  ganz  unbekannt :  gir  im  VelÜin  s.  Bumdeüi  68. 

Giumella  zwei  handvoll  d.  h.  so  viel  die  beiden  hohlen  hände, 
Zwillingsschwestern,  gemellae,  aneinander  gefügt  in  sich  fassen,  wie  Menage 
befriedigend  erklärt.    Auch  das  fr.  jumeau  hat  e  mit  u  vertauscht. 

Glaba  ableger,  senker;  von  clava  pfropf  reis,  vgl.  wegen  des  b  die 
lat.  form  clabula. 

Gnaffe  interj.  meiner  treu!  aus  mia  fö. 

Gnoeeo  mehlkloß,  chw.  gnioc,  bair.  nock  dass. 

Goccia  tropfen,  mdartl.  (cremon.)  masc.  gozz,  gouzz.  Unmittelbar 
von  gutta  würde  sich  schwer  rechtfertigen  lassen;  vielleicht  vom  it.  vb. 
gocciare,  zsgz.  aus  dem  unvorhandnen  gotteggiare,  das  dem  vorhandnen 
pr.  goteiar,  pg.  gotejar  ganz  analog  wäre. 

Gogna  pranger,  halseisen;  vom  gr.  a.y%6vrj  strick  zum  hängen,  be- 
hauptet Manage.  Ist  es  nicht  vielmehr  abgekürzt  aus  vergogna  schände, 
da  auch  das  sp.  vergttenza  jener  bedeutung  fähig  ist  und  gogna  auch 
Verlegenheit,  Verwirrung  heißt? 

Gonda,  göndola,  daher  sp.  göndola,  fr.  gondole  eine  art  nachen, 
gondel.  Venedig  nahm  dies  wort  aus  dem  munde  der  Griechen,  denen 
TLovdv  ein  trinkgefäß  bedeutet  wie  noch  das  fr.  gondole.  Manage  beruß 
sich  auf  eine  alte  glosse  gondus  'scyphus,  patera,  und  Huet  dtiert  aus 
einem  scholiasten  des  Juvenal  (sat.  5)  gondeia  *genus  navigix,  es  heißt 
aber  'genus  navis,  quae  gandeia  dicitur*. 

Gonzo  roh,  tölpelhaft.  Vom  gleichbed.  sp.  ganso?  Oder  vom  venez. 
gozzo,  das  dem  it.  ghiozzo  entspricht? 

Gora  (mit  offenem  o)  mühlgraben,  so  in  einer  Urkunde  vom  j.  716 
Brun.  p.  454.  Gewiß  nicht  für  gola  Schlund,  moden.  gora  (mit  geschlos- 
senem o),  wie  auch  Muratori  Ant.  itd.  II,  1096  erinnert;  man  wird 
darin  das  mhd.  wuore  (f.),  Schweiz,  wuor  dämm  zum  ableiten  des  wassers, 
chw.  vuor,  anerkennen  müssen,  so  daß  es  für  guora  steht.  Über  das 
deutsche  wort  s.  Frisch  II,  469",  Stalder  II,  468,  Schmäler  IV,  137, 
Ziemann  669,  Müller  im  Mhd.  wb.  III,  825.    Die  venez.  form  ist  gorna. 

Gozzo  kröpf  der  vögd,  lomb.  goss.  Zwei  etymologien  sind  zu  er- 
wägen. Muratori  ahnet  darin  eine  abkürzung  aus  einem  von  gnrges  ab- 
geleiteten werte  gorg-ozzo,  welches  dicke  gurgel  heißen  kennte,  und  solche 
abkürzungen  sind  üblich  (vgl.  cenno  L),  auch  ist  ein  fem.  gorgozza  vor- 


H.a.   GRANCIPORRO- GRILLO.  377 

banden,  corgozzo  hat  Veneroni.  Andre  verweisen  auf  das  dtsche  gösse 
rinne,  canal,  daher  Schlund,  worin  ss  früh  aus  z  entstand.  Die  erstere 
erklärung  ist  für  die  bedeutung  befriedigender  und  halt  sich  dabei  an  die 
eignen  mittel  der  romanischen  sprachen,  was  immer  empfehlend  ist.  Zu- 
sammensetzungen sind  sorgozzone,  sergozzone  schlag  gegen  die  kehle, 
sab  guttur  pagnas  inflictas  (Ferrari);  gozzoviglia  schwelgerei,  nächt- 
liches gelage  =  veglia  della  gola,  veglia  golosa,  worin  gozzo  die  bed. 
von  gola  ausdrückt  (Muratori).  Trangugiare  gierig  verschlingen  mag 
aus  trangorgiare  entstellt  sein. 

Granciporro  seekrebs;  von  Cancer  und  pagurus,  mit  Menage. 

Grascia  lebensmittel,  auch  obrigkeit  über  die  lebensmittel,  grascino 
marktmeister;  nach  Menage  vom  gr.  dyoQaanxog  zum  einkauf  gehörig 
(besser  von  dyoQaaia  einkauf,  gespr.  agor&sia).  In  der  bed.  fett,  schmale, 
mag  es  das  fr.  graisse  sein. 

Grasta  blumentopf;  ursprüngl.  sicüianiseh,  vom  gr.  yaajqa  bau- 
chichtes  gefäß,  wie  Pasquaiino  richtig  anmerkt. 

Greggio,  grezzo  unbearbeitet,  roh;  woher? 

Grembo  schooß;  offenbar  von  gremium.  Consonattiiertes  i  in 
gremjo  kann  kein  b  erzeugen,  dies  muß  also  eingeschoben  sein:  man  sagte 
erst  grembio,  woher  noch  grembiata  {nicht  grembata)  und  endlich  grembo ; 
eine  solche  einschiebung  des  b  unter  gleichen  umständen  liegt  auch  in 
combiato  aus  commeatns  vor,  im  maä.  scimbia  für  scimmia,  vendembia 
für  vendemmia  u.  dgl. 

Gremire,  ghermire  mit  den  klauen  packen,  gewaltsam  wegraffen; 
vom  ahd.  krimman  mit  Schnabel  oder  krallen  hauen.  Normann.  grimer 
kratzen. 

Greppo,  chw.  grip,  cimbr.  greppe  felsstück;  vielleicht  vom  ahd. 
kl£p  ein  in  das  meer  vorragender  fels,  venez.  grebano  mit  labialmedia 
statt  tenuis,  der  ahd.  form  kleb  entsprechend.  Comask.  hat  man  für  die- 
selbe sache  grip  und  crap,  letzteres  =  chw.  crap,  carp  kies;  aber  auch 
cip,  das  aus  clip  (dtsch  klippe)  entstanden  sein  kann. 

Greto  steiniger  sand  des  ufers;  wohl  vom  ahd.  grioz,  altn.  griot 
grieß.     Vgl.  gros  II.  c. 

Grätola  Stäbchen  des  käfigs;  nach  Menage  von  crates  flechtwerk, 
zunächst  wohl  von  dem  daraus  gebildeten  ahd.  crettili  körbchen.  Gretola 
auch  splitter,  daher  sgretolare  zerschmettern. 

Gricciare  ein  finsteres  gesteht  machen,  dsgl.  nach  etwas  gelüsten, 
comask.  sgrizä  knirschen;  fast  unzweifelhaft  derselben  herkunft  wie  fr. 
grincer  (II.  c)  d.  h.  vom  ahd.  grimizön  knirschen,  verlangen.  Sbst. 
griccio,  gricciolo  fieberschauer,  eigentl.  geknirsche. 

Grillo  wunderlicher  einfall;  ist  kein  anderes  wort  als  der  name  des 
inseetes,  dessen  Sprünge  den  anlaß  zu  dem  bildlichen  ausdrucke  gaben 
(vgl.  Capriccio) ;  ebenso  einigt  chw.  grilla  beide  bedeutungen.  Die  redens- 
art  il  grillo  mi  salta  (ich  werde  wunderlich)  ist  beweisend.  Auch  das 
vb.  grillare  anfangen  zu  sieden  (singen,  zirpen  wie  die  grille)  gehört  hieher. 


378  IIa.   GBIMO— GUITTO. 

Grimo  runzlig;  vom  ahd.  grim  grimmig,  zornig  (mit  gerunzelter 
stirne),  das  im  comask.  und  churw.  seine  alte  bedeutung  bewahrt  hat. 
Entsprechend  stammt  sbst.  grinza  runzd,  grinzo  runzlig,  aggrinzare 
runzeln  vom  ahd.  grimmisön  grimmig  sein. 

Grinta  lomb.  finsteres  unfreundliches  gesicht,  dsgl.  hochmuth,  ven. 
trient.  grinta  grimm,  zorn;  erklärt  sich  leicht  aus  ahd.  grimmida  ftyrannis\ 

Gromma  Weinstein;  vgl.  Schweiz,  gründete  bodensatz,  schwed. 
grums  und  grummel  mit  ders.  bed.  Galvani,  Lezion.  accadem.  1,  88  er- 
blickt darin  das  cdt.  crammen  grind,  das  schon  weiter  abliegt. 

Grongo,  gongro  meeraal;  von  congrus,  yoyyQog,  fr.  congre  u.s.w. 

Grufolare  mit  dem  rüssd  wühlen,  mit  aufgeworfenem  rüssd  grun- 
zen; mtUhmaßlich  vom  it.  grifo  rüssd,  aber,  wegen  des  radicalen  n  für  i, 
mit  einmischung  von  grngnire  grunzen. 

Gruzzo,  grüzzolo  kaufe  zusammengetragener  dinge,  wal.  groetzi; 
wohl  deutscher  herhmft,  vgl.  Schweiz,  grtttz  gemisch  von  allerhand  gesäme, 
mhd.  grüz  u.  dgl. 

G  n  a  1  c  a  r  e  (in  einigen  wbb.,  romagn.  gvalche)  durch  stampfen  be- 
arbeiten; vom  ahd.  walchan,  nhd.  walken.  Abgd.  gnalchiera  Walkmühle. 
Auch  Frankreich  ist  das  wort  nicht  unbekannt:  cdtfr.  gancher,  dauph. 
gouchier  =  gnalcare,  altfr.  ganchoir  =  gnalchiera. 

Gnalcire  zerknittern,  zerknetschen;  vom  ahd.  walzjan  volvere,  vctti- 
care,  nhd.  wälzen  (unvorsichtig  hin-  und  Jwrwenden  und  drehen). 

Gnaldana  streif zug  von  r eitern  auf  feindliches  gebiet  Dante  Inf. 
22,  5,  trupp  Soldaten;  nach  Schindler  IV,  66  vom  mhd.  woldan  kriegs- 
sturm  u.  dgl.  (einen  woldan  rtten).  Über  des  deutschen  Wortes  Ursprung 
s.  Schmeller  l.  c.  und  J.  Grimm  in  Haupts  Ztschr.  V,  498,  vgl.  auch 
Ducange  s.  v.  gnaldana. 

Guana  altit.  (zweisüb.)  sirene,  hexe  Truch.  I,  61. 

Gnancia  wange;  vom  ahd.  wanga,  wanka,  aber  eigentlich  würde 
nur  eine  form  wankja  genügen.  Merkwürdig  ist  das  glewhbed.  neap. 
gnoffola,  vnoffnla:  entstand  es  aus  lat.  offnla  mit  umgekehrter  begriff s- 
entwicklung  wie  bei  bncca  1)  backen  2)  bissen?  oder  ist  es  gleichfalls 
germanischer  herkunft,  ahd.  hiufilft?  Der  anlaut  g  =  h  {s.  unten  gufo) 
spricht  für  letzteres,  die  vocale  scheinen  mehr  für  ersteres  zu  sprechen. 

Gndazzo,  nur  mdartl.  (cremon.  com.  gudazz,  berg.  ghidäs)  tauf- 
zeuge, pathe,  fem.  gndazza;  vom  ahd.  gotti  Voc.  opt,  fem.  gota,  nhd. 
gothe,  cimbr.  gote.  .  Merkwürdig,  weil  es  buchstäblich  an  goth.  gudja 
priester  erinnert^  vgl.  Grimms  Myth.  p.  86,  merkwürdig  auch  schon,  weil 
ein  wort  dieser  bedeutung  aus  dem  deutschen  bezogen  ward. 

Gueia  mdartl.  (bergam.)  große  falkenart;  sichtbarlich  das  ahd.  weho, 
mhd.  wehe,  nhd.  weihe. 

Gnfo  ohreule;  vom  gleichbed.  ahd.  hfif,  hfivo,  wie  schon  Muratori 
meinte,  mit  vertauschung  des  gutturalen  anlautes,  wie  dies  in  garbo  (s. 
oben),  vidleicht  auch  im  neap.  gnoffola  (s.  gnancia)  der  fall  ist. 

Gnitto  schmutzig,  filzig;  von  unbekannter  herhmft. 


H.a.   GÜIZZAEE-IZZA.  379 

Gaizzare,  sguizzare,  ven.  sgoinzare,  maxi,  sguinzi,  fortschlüpfen, 
hin  und  herfahren;  vom  mdartl.  dtschen  witsen,  witschen,  vgl.  die  ndd. 
redensart  wits  was  he  weg  Urem.  Wb.,  Frisch  v.  wits  II,  463. 


i. 

Incettare  waaren  aufkaufen,  sbst.  incetta;  van  inceptare anfangen, 
mit  Übertragung  der  in  accattare  {fr.  acheter)  enthaltenen  bed.  kaufen 
auf  das  itai.  wort,  wogegen  das  pg.  enceitar  die  lat.  bedeutung  festhielt, 
s.  encentar  JT.  b. 

m 

Increscere,  rincrescere  unpers.  verbum,  verdrießen,  chw.  ancre- 
scher ;  nach  Ferrari  und  Muratori  von  ingravescere,  wozu  allerdings  die 
bedeutung  berechtigt,  nach  F.  Pasqualino  noch  besser  von  aegrescere. 
Aber  warum  scU  es  nicht  das  lat.  increscere  sein,  da  es  doch  mit  dem 
einfachen  it.  crescere  gleiche  flexion  hat?  m'incresce,  mi  rincresce  es 
wächst  mir  auf,  wird  mir  zu  viel,  wie  mhd.  mich  bevilt.  Auch  der  altfr. 
spräche  war  dies  verbum  bekannt:  mult  li  encroist  Brt.  II,  215.  Darum 
kommt  es  auch  im  frans,  mlatein  vor:  nomina  concubinarum  .  .  increvit 
huic  chronicae  inseri  Fredegar,  s.  Ducange;  ejus  dissoluta  conversatio 
omnibus  increverat  Act.  SS.  Oct.  t.  I,  468;  reincrescere  findet  sich  Cap. 
Cor.  Ckdv.  tu.  46. 

Indarno,  adverb,  frustra;  ausdemslav.  darmo,  daromdono,  gratis, 
s.  Grimm  III,  107.  108,  vgl.  wal.  in  dare  zum  geschenk,  dUit.  a  dono 
PPS.  II,  79.  Aber  auch  die  altfr.  spräche  hat  etwas  ähnliches,  das  denn 
aus  dem  ited.  herrühren  muß :  en  dar  oder  en  dart  SSag.  p.  68,  TFr. 
p.  61.  96,  Ben.  glossar.  Auffallen  muß  freilich  ein  slav.  adverbium  in 
einer  spräche,  die  sonst  nicht  aus  dieser  quelle  schöpfte. 

Innesto  und  nesto  pfropfreis,  innestare,  nestare  pfropfen;  von 
insitus  eingefügt,  eingepfropft,  daher  it.  insetare,  und  für  ins'tare,  zur 
meidung  der  härte,  inestare,  wie  Castelvetro  einleuchtend  auseinandersetzt. 

Intridere  einreiben;  von  interere,  gebildet  wie  conquidere  aus 
conquirere. 

Intuzzare,  rintuzzare  1)  die  spitze  umschlagen,  stumpf  machen, 
2)  dämpfen,  zähmen.  Herkunft  aus  intundere  intusus  ist  trotz  der  über' 
einstimmenden  bedeutungen  eine  grammatische  Unmöglichkeit,  nur  intusare, 
intugiare  konnte  daraus  entstehen.  Was  hindert  aber,  in  tnzzare  ein  mit 
i  abgeleitetes  partidpialverbum  tut-iare  von  tueri  tutus  anzunehmen,  wie 
es  denn  in  seiner  zweiten,  vielleicht  grade  der  ursprünglichen  bedeutung, 
mä  at-tatare  genau  zusammentrifft?  Doch  dürfte  auch  unser  deutsches 
stutzen  (abstumpfen)  in  erwägung  kommen,  s.  unten  tozzo. 

Ischio,  eschio  hageiche;  von  aesculus. 

Izza  zorn,  unwille;  fügt  sich  zum  ahd.  hiza,  nhd.  hitze.  Aber 
ad-izzare,  a-izzare,  in-izzare,  com.  ezza,  altfr.  hesser,  anreizen,  beson- 
ders die  hunde,  paßt  zum  nhd.  hetzen,  ndd.  hitsen,  wie  auch  ven.  uzzare, 


380  H.a.  LACCA-LESSARE. 

trient.  azzar,  veron.  uzza  eum  mundartl.  hntzen.    S.  Diefenbach,   Goth. 
wb.  II,  511. 

L. 

Lacca  tiefer  grund  (bei  Dante);  nach  Muratori  vom  ahd.  lahhä 
Kleiner  sumpf \  lache,  daher  tiefe,  vgl.  lacuna  ab  grund  und  lache.  Nach 
ihm  hat  auch  lacca  in  der  bed.  kniekehle  als  etwas  vertieftes  denselben 
Ursprung;  eine  passendere  bedeutung  aber  bietet  für  das  letztere  das  gr. 
laxxog  grübe,  loch,  vgl.  hxxtj  das  graben. 

Lamicare  rieseln,  fein  regnen;  wohl  für  lambicare  ein  wenig  be- 
lecken oder  bespühlen,  vgl.  sp.  lainer  (von  lambere)  ein  wenig  waschen. 
Dazu  stimmt  das  bask.  lambroa  Sprühregen,  woneben  kein  sp.  lambro 
stattfindet. 

Lampione,  lampone  himbeere,  piem.  Ampola,  com.  ampöi,  chw. 
ompchia;  ist  das  schweiß,  ombeer,  in  andern  mundarten  hombeere,  him- 
pelbeere. 

Lasca  ein  fisch,  barbe;  entstellt  aus  Xevyuaxog  Weißfisch  (MSnage). 

Lava,  daher  fr.  lave,  eine  geschmolzene  materie,  die  aus  Vulkanen 
strömt;  =  neap.  lava  regehbach,  der  die  Straßen  ifberfluthet,  von  lavare. 

Lavagna  schiefer;  vom  dtschen  leie,  cdts.  leia  SchmeUers  Glossar, 
sax.,  ndl.  lei  (kymr.  llech,  gad.  leac)  mit  gl.  bed.;  lavagna  steht  also 
für  la-agna,  dtsch.  ei  =  rom.  a. 

Laveggio  kohlentopf,  pfanne;  gleichsam  lebetium  von  lebes  hand- 
becken  (Ferrari  u.  a.). 

Lazzo  herb;  nach  Castdvetro  von  acidns  (wie  sozzo  von  sucidus) 
mit  agglutiniertem  artikel,  was  sonst  bei  adjectiven  schwerlich  vorkommt, 
und  doch  ist  dies  leichter  anzunehmen  als  etwa  Umstellung  von  acidulus 
in  lacidnus,  da  hier  kein  anlautender  consonant  das  1  an  sich  ziehen 
konnte.  Merkwürdiger  weise  besitzt  der  Baske  für  denselben  begriff  das 
den  angrenzenden  roman.  mundarten  ganz  unbekannte  latza,  lachä,  s. 
darüber  Astarloa,  Apol.  p.  74. 

Leggiadro  gewandt,  zierlich;  für  leggiardo  von  levis,  gleichsam 
leviardus;  ebenso  bugiadro  neben  bugiardo,  oder  lingnadro  (Veneroni) 
neben  lingnardo. 

Leggio  pult,  mlat.  legivum;  von  legere,  wie  gr.  loyelov  von  Xdyeiv. 

Lercio  schmutzig,  gualercio,  gualerchio  1)  schmutzig ,  2)  schie- 
lend. Im  sard.  bedeutet  lerzu  schief,  verdreht  und  wird  von  Spano  für 
das  it.  lercio  gehalten.  Vermöge  dieser  bedeutung  gesellt  sich  das  wort 
zum  mhd.  lerz  link,  denn  link  ist  verdreht,  und  dazu  paßt  auch  die 
zweite  bed.  von  gua-lercio  (=  guata-lercio?);  für  gualerchio  konnte  man 
sogar  die  mhd.  form  lirc  in  anscMag  bringen.  Aber  wie  erklärt  sich  die 
bed.  schmutzig? 

Lessare  kochen,  sieden;  mlat.  lixare  laugen,  von  lix  lauge.  Zsgs. 
bislessare  wallen. 


IIa.   LETAME-MACARL  381 

Letame  düng  er >  auch  cdtsp.;  van  laetamen,  dies  von  laetare  frucht- 
bar machen.  Isidorus  nennt  es  ein  vulgäres  wart:  fimns  .  .  .  quod  vulgo 
laetamen  vocatar,  es  war  also  wohl  volksüblicher  als  das  erste. 

Lezia,  lezio  Ziererei;  von  delicia  Kostbarkeit.  Lezioso  dttit.  == 
delizioso  Trucch.  I,  69. 

Lezzo  gestank,  lezzare  stinken.  Entstehung  aus  olere  beweist  die 
form  olezzare;  lezzo  muß  also  aus  dem  stamme  ol  in  olor  erwachsen 
sein,  vgl.  dasselbe  suffix  in  rezzo  für  orezzo  von  ora,  aara. 

Lira  eine  münze;  von  libra  pfund,  fr.  livre,  ebenso  bere  aus  bibere. 

Loja  koth,  schlämm;  unmöglich  von  lutnm,  wie  MSnage  meint,  mög- 
lich von  alluvies  (ausgetretenes  w asser),  vgl.  denselben  ausfall  des  v  in 
Bojano  van  Boviannm.  Aber  auffallend  ist  die  buchstäbliche  Übereinstim- 
mung mit  dem  gleichbed.  bask.  loya,  das  der  Spanier  nicht  kennt. 

Lonza  fleischiges  ende  von  köpf  und  pfoten,  das  an  dem  fdle  ge- 
schlachteter thiere  zurückbleibt;  eher  vom  ahd.  lantnssa  fett,  speck,  als 
vom  fr.  longe  lendenstück. 

Lonzo  schlaff;  vgl.  nihd.  lunz  schläfrigkeit,  bair.  lunzet  schläfrig , 
so  wie  mndl.  lompsch  träge,  hd.  ltmtsch  Frisch  I,  628b. 

Loppa,  lomb.  lop  (m.)  hülse  des  kornes,  spreu;  nach  Menage  vom 
gr.  Ion  6g  hülse,  schale,  woher  auch  das  gleichbed.  lolla  für  loppola. 
Das  von  Ferrari  erwähnte  lova  stimmt  besser  zum  lat.  loba.  Diefenbach, 
Goth.  tob.  II,  154  stellt  loppa  zu  obd.  lauf  fruchthülse,  s.  dies  wort  bei 
Weigand  II,  17. 

La  eher  in  o,  ven.  lagarin  zeisig;  lat.  ligurinus,  nach  der  Crusca. 

Luchina  moden.  falsche  er  Zählung;  vom  ahd.  lngina  lüge,  mit 
Muratari. 

LugÄnega  maü.  ven.  trient.  eine  ort  wurste,  piem.  lnganighin; 
lat.  lucanica,  weil  sie  ursprünglich  aus  Lucania  kam.  Das  andenken  der- 
selben hat  sich  auch  im  bask.  lukhainca  bewahrt  Sp.  longaniza  ist  andrer 
herkunft,  s.  H.  b. 

Lnglio  monat  juli;  von  Julias,  etwa  zu  deutlicherer  Scheidung  von 
giagno  (juni)  so  gebildet?  Seltsam  nähert  die  piem.  mundart  die  namen 
beider  monate  wieder  in  ihrem  auslaut,  giagn,  lügn.     Vgl.  jaulet  H.  c. 

La)  Zaunkönig  ohne  kröne.  Ächte  ital.  substantiva  auf  i  kommen 
kaum  vor ;  schwerlich  ist  auch  der  name  des  vogds  nach  seinem  schrei  ge- 
bildet, welcher  'tui?  angegeben  wird. 

Lalla  halbmondförmiges  brettchen  im  boden  des  fasses;  zsgz.  aus 
lnnula. 


M. 

Maeiri,  magari,  magara  (volksmäßig)  interjeetion,  utinam;  vom  gr. 
ficataQiog  glücklich  (neugr.  pcntaQi),  vocat.  pctxaQie.  In  dem  alten  liede 
von  OiuUo  hat  es  die  bed.  einer  einräumenden  partikd:   macara  se   do- 


382  IIa.  MACCHERONE-MAJOLICA. 

lesseti  wenn  du  dich  auch  betrübtest;  und  so  braucht  der  Wälache  macar 
ce,  der  Serbe  makar,  der  Albanese  mäcar.  Dem  Churwälschen  steht  das 
wort  gleichfalls  zu  geböte:  magari  ca  ei  fass  bacca  ver!  wäre  es  nur 
nicht  wahrt  Die  neuprov.  Mundarten  scheinen  es  aus  Italien  eingeführt 
su  haben9  da  es  der  alten  spräche  noch  fremd  war.  Ob  die  attsp.  conces- 
sivpartikel  maguar,  maguer,  maguera  (mager  de  pi£  wenn  auch  au  fuße 
PC.  756)  derselben  Herkunft,  oder,  wie  Sanchez  will,  aus  fr.  malgrö,  mau- 
gr6  entstellt  sei,  mag  noch  erwogen  werden;  ein  pg.  maguer,  aus  dem  12. 
jh.7  bringt  Santa  Rosa  bei. 

Maccherone,  ven.  macarone  (nur  im  plur.  üblich)  geroüte  nudel. 
Man  leitet  es  theüs  aus  dem  it.  macco  bohnenbrei  oder  dem  vb.  maccare 
stampfen,  theüs  aus  einem  späteren  griech.  warte  bei  Hesychius  ftaxaQia 
ßQtopa  h.  £iofiov  aal  aXq>i%iov  speise  aus  brühe  und  gerstengraupen,  eigentl. 
Seligkeit  (daher  höchst  leckere  speise?).  Aus  letzterem  konnte  es  leichter 
erwachsen,  da  es  hier  keines  vermittelnden  gliedes  bedurfte,  übrigens  war 
der  wortstamm  auch  in  Italien  einheimisch  (s.  den  vorigen  artikel);  zwi- 
schen macco  aber  und  maccherone  müßte  man  maccarfa  annehmen,  das 
allerdings  die  neap.  mundart,  wenn  auch  in  anderer  bedeutung,  kennt 
(s.  macco  I). 

Maccu  sard.  thöricht,  einfältig;  vom  gleichbed.  maccus  bei  Apulejus 
Apol.:  isti  .  .  maoci  prorsus  et  buccones  videbuntur,  eigenü.  der  name 
des  narren  in  den  atellanen.  Die  volksntäßigkeit  des  Wortes  in  der  be- 
merkten mundart  bezeugt  seine  mehrfache  anwendung  zu  verschiedenen  deri- 
vatis,    wie  maccocciu  närrisch,   macchisonzu  dass.,  macchinada  thorheit. 

Macina,  macine  mühlstein,  macinare,  wal.  macinä  mahlen;  von 
machina  künstliches  Werkzeug.  Bassa  cum  forno,  macina  et  rota  hat 
schon  eine  Urkunde  v.  j.  660,  macinarius  eine  inschrift,  s.  Muratori.  Von 
macina  kommt  macigno  bruchstein,  gleichsam  machineus. 

Maciulla  hanfbreche;  nicht  von  machina.  Dasselbe  Werkzeug  heißt 
altfr.  maque  (s.  macco  L),  welches,  wenn  man  ammaccare  (zerquetschen) 
erwägt,  it.  macca  lauten  würde,  dimin.  macchi-cinlla  zsgz.  maciulla: 
ebenso  aus  fanti-cello  fanciullo.  Oder  von  mazzo  schlaget?  aber  die  erste 
auslegung  ist  für  die  Sache  bezeichnender. 

Madia  backtrog;  vom  lat.  magis  magidis  mit  gleicher  bedeutung, 
auch  mägida,  fr.  im  Jura  maid,  norm,  met  (m.),  watton.  mai,  pic.  maie, 
auch  alban.  magje.  Aber  aus  ftaxtQa  ist  neap.  matra,  maü.  marna, 
neupr.  mastra,  vb.  wdtton.  mairt  kneten. 

Maggese  brachfeld;  vom  it.  maggio  mai,  weil  in  diesem  monat  das 
fdd  umgebrochen  wird,  maü.  maggengh. 

Magone  moden.  kröpf  der  vögel;  vom  ahd.  mago,  nhd.  magen,  s. 
Muratori  Ant.  ital.  II,  col.  1005.  Das  churw.  magün  hat  die  deutsche 
bedeutung;  das  ven.  piem.  magon  so  wie  das  gen.  magon  ärger,  groU 
nahmen  dieselbe  richtung  wie  das  lat.  stomachus. 

Haj  ölica  unächtes porceUan ;  vom  namen  der  insel Majorca {it.  Majo- 
rica,  auch  Majolica),  wo  es  gefertigt  ward,  man  sehe  Scaliger  bei  Menage. 


H.a.  MALIA-MAREMMA.  383 

Malta  Hexerei,  maliardo  Zauberer;  von  malus  zauberisch,  bei  Virgil. 
Ed.  7,  28  ne  vati  noceat  mala  lingua  futuro. 

Mallo  grüne  nußschdle;  =  fr.  malle  behälter? 

Malta  schlämm,  trient.  kalk,  chw.  maulta,  molta  mörtel;  nach  Fer- 
rari, Gcdvani  u.  a.  =  lat.  maltha  mörtel,  bergtheer.  Auch  der  Lombarde 
hat  molta,  aber  in  der  bed.  von  malta,  und  dies  erklärt  Castiglione,  Goth. 
vers.  fascic.  III,  42,  aus  dem  goth.  mulda,  ahd.  molta.   Vgl.  auch  motta  I. 

Mammone,  eigentl.  gattomammone  meerkatze;  ein  aus  dem  osten 
eingewandertes  wort:  gr.  tufuo,  mittel-  und  ngr.  (.taifiov,  wai.  moim^, 
meimuce,  aiban.  türk.  maünun,  ungr.  majom  äffe* 

Mancia  trinkgdd.  Nicht  unmittelbar  aus  manne,  es  ist  das  mlat. 
manicinm  (von  manica),  plur.  manicia,  Handschuh,  ermel.  Handschuhe 
im  sinne  von  angdd  oder  handgeld  kennen  alle  roman.  sprachen,  it.  guanto, 
paraguanto,  sp.  guantes,  fr.  gante,  vgl.  aMfr.  gang  bei  Roquefort,  so  auch 
pg.  luvas  trinkgdd.  Zu  erinnern  ist  aber  auch,  daß  im  mittelaUer  ermel 
als  geschenke  dienten  oder  geschehke  daran  befestigt  wurden,  s.  Grimm, 
Schenken- und  geben,  vgl.  sp.  mangas  in  der  bed.  gefalle,  sportein.  Abgel. 
manciata  handvoü  (Handschuh  voll). 

Maniato  pron.  s.  v.  a.  medesimo,  stesso;  nach  Alberti's  muthmaßung 
für  miniato  d.  i.  mit  äußerster  Sorgfalt  gemalt,  leibhaftig. 

Manigoldo  Henker  (sp.  manigoldo  bei  Seckendorf).  Richtig  ahnte 
Muratori  deutsche  Herkunft,  ohne  sie  nachweisen  zu  können.  Manigoldo 
trifft  zusammen  mit  dem  ahd.  eigennamen  Manogald,  Managolt  (noch  jetzt 
mangold  eis  pflanze),  worin  das  wort  menn!  (plur.)  Halsband  enthalten 
zu  sein  scheint  Grimm  III,  453,  so  daß  managold,  manigoldo  den  mit 
dem  Halsbande,  schereweise  den  Henker,  bedeuten  würde.  Vielleicht  ist  sogar 
jener  deutsche  eigenname  Manogald  durch  roman.  einfluß  entstellt  aus  Mano- 
-walt  der  des  Halsbandes  waltet.  Italische  mundarten  besitzen  auch  das  ahd. 
menn!:  com.  men,  genues.  menu  Halsband  des  Hundes;  so  wie  das  nhd.  man- 
gold: com.  menegold,  maü.  meregold,  piem.  manigot  lattich.  Für  men 
haben  andre  mundarten  mel,  welches  denn  auf  lat.  maelium  bezogen  wird. 

Mannaja  heil  des  Scharfrichters,  lomb.  manara,  chw.  manera;  vom 
lat.  adj.  manuaria,  weil  es  mit  zwei  Händen  geführt  wird  (Muratori). 
Die  Cassder  glossen  geben  manneiras  für  das  dtsche  partä;  sonst  findet 
sich  im  ndatein  manuaria,  synonym  mit  dextrale. 

Mäntaco  und  mäntice  blasbälg,  vb.  mantacare  bei  Papias:  follis 
'vulgo'  manticum  fabri;  von  mantica  quersack,  ranzen.  Die  cat.  spräche 
kennt  mancha  gleichbedeutend  mit  mantaco. 

Marangone  tauchet,  lomb.  margon;  von  mergns,  das  sich  in  ma- 
ragone  marangone  erweiterte  (vgl.  fagotto,  mit  eingeschobenem  n  fangotto). 
Das  prov.  wort  ist  margnlh,  das  port.  margulhäo. 

Marasca  Sauerkirsche;  neben  amarasca,  von  amarus,  auch  amarina 
genannt. 

Maremma  seelandschaft,  attfr.  marenne,  adj.  it.  maremm&no;  von 
maritima. 


384  H.a.   MAKRONE-MENNO. 

Marrone  eine  ort  größerer  castanien  auf  den  gebirgen  Italiens, 
daher  fr.  marron,  ätsch,  marone.  Barin  ahnt  Muratori  ein  alteinheimi- 
sches wort,  das  sich  vielleicht  noch  in  dem  römischen  zunamen  Maro  er- 
halten habe  (über  diesen  sehe  man  aber  Potts  Forsch.  II,  589).  Bei 
Eustathius  lautet  es  (xctQaov. 

Marza  Pfropfreis;  von  martius,  weü  das  pfropfen  gewöhnlich  im 
märe  geschieht  (Orusca).  Gleicher  abkunft  ist  das  span.  vcrbum  marcear 
die  schafe  scheren,  da  dies  ebenfalls  im  märe  geschieht,  daher  unser  aus- 
märzen. 

Masso  großer  tief  in  der  erde  liegender  stein,  von  massa  Klumpen. 

Matto  thöricht,  närrisch.  Zur  deutung  desselben  hol  man  Wörter 
aus  verschiedenen  sprachen  herangezogen,  hauptsächlich'  folgende.  Gr. 
ttaiaiog  gleichbed.,  jedoch  formell  ungenügend,  da  es  sich  in  m&teo  mazzo 
verwandelt  haben  würde:  man  müßte  uarog  annehmen.  Lot.  mattus  oder 
matus  betrunken,  bei  Petronius  (plane  matus  sum,  vinum  mihi  in  cere- 
brum  abiit  sat.  41),  scheint  der  bedeutung  nicht  eu  genügen.  Bas  van 
Muratori  aufgestellte  deutsche  matz  heißt  ungeschickter  mensch,  tolpd 
Frisch  I,  652c,  und  mag  eher  im  gleichbed.  comask.  mat  seinen  abdruck 
gefunden  haben.  Bas  aus  dem  Schachspiel  genommene  adj.  mat,  das  im 
altprov.  niedergeschlagen,  kraftlos,  im  neuprov.  thöricht  heißt,  würde  mit 
diesem  begriff süber gange  das  gleiche  ereignis  im  üal.  annehmen  lassen, 
wäre  die  identität  des  alt-  und  neuprov.  Wortes  unzweifelhaft.  So  hat 
jenes  mattus  noch  den  Vorzug  als  italisches  wort,  dessen  bedeutung  (be- 
trunken, benebelt,  daher  unvernünftig,  sinnlos)  wenigstens  nicht  weiter  ab- 
liegt als  die  der  beiden  letzteren.  Ob  es  nun  sei  =  madidus  oder  = 
fiarog  ist  hier  nicht  zu  prüfen. 

Matto  (eigentl.  matt)  knabe,  matta  mädchen;  ein  durch  seine  be- 
deutung wichtiges  über  einen  großen  theil  Oberitaliens  und  Rhätiens  ver- 
breitetes, auch  im  sard.  mauglia  kinderschwarm  (für  mattaglia)  sich  ab- 
spiegelndes wort  mit  vielen  derivaten,  ist  noch  genauer  zu  untersuchen. 
Was  skh  unmittelbar  darbietet,  ist  unser  ahd.  magat,  mhd.  maget  (vgl. 
Biefenbach,  Goth.  tob.  II,  2),  wobei  man  wegen  des  it.  tt  eine  härtere 
ausspräche  des  g  annehmen  muß;  roman.  fügte  man  das  geschlechtszeichen 
a  an  und  so  entstand  matta,  hieraus  erst  das  masculin  matt;  eine  an- 
nähme,  die  durch  den  mangel  des  masculins  im  piemontesischen  (nur  das 
dimin.  matet  kommt  vor,  fem.  matta)  unterstützt  wird. 

Meliaca,  muliaca,  umiliaca  aprikose;  von  armeniacum  dasselbe. 

Melma  schlämm,  sard.  molma;  ahd.  melm  staub,  goth.  malma. 

Melo  apfdbaum;  von  malus,  jenes  eine  scheideform  wegen  malum 
(übel),  zufällig  zusammentreffend  mit  gr.  nylov,  übrigens  von  hohem  alter: 
malum  'melum  in  einem  glossar,  hs.  aus  dem  7.  jh.  s.  Glass.  auct.  VI, 
632*  >  dsgl.  bei  den  fddmessern.  Churw.  meil  apfd,  waUon.  mäleie 
apfdbaum. 

Menno  castrat.  Die  herleitung  aus  minimus  für  imminntus  ge- 
schwächt, vermindert  ist  abzulehnen,  da  der  sinn  zu  allgemein,  nicht  dras- 


ILa.   MERCORELLA— MORBIDO.  385 

tisch  genug,  die  gestaUung  des  romanischen  Wortes  (nn  aus  n'm)  nicht 
einmal  regelrecht  wäre.  Bei  weiterer  Untersuchung  müßte  auch  das  gleich- 
bedeutende mundartliche  m&igol  (Brescia)  in  anschlag  kommen. 

Mercorella,  marcorella  bingelkraut;  von  mercurialis,  sp.  mercu- 
rial  (fr.  mercoret  Nemnich). 

Mezzo  (mit  geschlossenem  e  und  scharfem  zz)  weich,  welk;  von 
mltis,  woraus  man  ein  neues  adj.  mltius  (verkürzt  mitjus  mezzo)  abge- 
leitet haben  muß,  vgl.  oben  fujo.  Für  radicales  i  zeugt  auch  das  cremon. 
mizz,  neap.  gen.  nizzo,  mail.  nizz. 

Minchia,  lat.  mentula,  daher  minchione  tolpel,  wie  das  synonyme 
pincone  von  pinco  oder  coglione  von  coglia.  In  althochd.  glossen  wird 
cere  (mentula)  mit  minco  Übersetzt  Graff  V,  707:  soll  dies  mingo  min- 
gonis  sein? 

Minestra  suppe,  minestrare  die  suppe  anrichten;  von  ministrare 
auftragen  bei  tische,  so  daß  minestra  etwas  angerichtetes  heißt:  altit.  deo 
m'a  dao  in  quest  mondo  capon,  salvadhesine  (salvaggine),  formagio  e 
oye  e  pisci  e  specie  oltramarine:  adonca  eo  vojo  (voglio)  usar  de  quelle 
menestre  fine  (speisen,  gerichte)  Bonves.  de  anima  et  corp.  • 

Minugia,  minugio  darm;  eigentl.  klein  gehacktes  eingeweide  (sp. 
raenudo) ;  von  minutia,  mlat.  minutia  porcorum  Polypt.  d'Irminonp.  302, 
auf  menschliches  eingeweide  übertragen  wie  ficatum. 

Mo,  neap.  mone,  com.  ammö,  sard.  moi,  immoi,  wdl.  amü,  partikel 
mü  der  bed.  *eben  jetzt\  von  modo;  ven.  mojä  von  modo  jam.  Eine  glosse 
des  grammatikers  Placidus  sagt:  mu  cadhuc,  consuetudine  est  Class. 
auct.  III,  eine  andre  mon  'in  momentum  VI,  534a,  wofür  A.  Mai  mox 
vermuthet. 

Moccio  sbst.  von  mucus,  muccus,  eigentl.  vom  adj.  mucceus,  daher 
mocceca  und  moccicone  pinsel,  gimpel,  wie  gr.  ftvxog,  ßlewog,  xoQvtäg. 
Unmittelbar  aus  muccus  aber  entsprang  moccolo  lichtstümpfchen,  urspr. 
wohl  nur  lichtschnuppe  (wofür  jetzt  moccolaja),  das  von  der  kerze  abge- 
schnauzte.  Span,  moco  hat  die  bedeutung  von  muccus  und  moccolaja, 
piem.  moch,  neupr.  mouc,  mouquet  die  von  moccolo. 

Moco  eine  pflanze,  wiche,  mochus  in  der  botanik;  unbekannter 
herkunft. 

Mondualdo,  auch  manovaldo  PPS.  I,  202  vormund;  vom  mlat. 
mundualdus  =  ahd.  muntwalt  Graff  I7  813,  vgl.  unser  anwalt.  'Mund- 
wald ist  einer  der  das  mundium  über  andre  halte  Leo's  Gesch.  v.  Italien 
I,  101.  Die  form  manovaldo  für  monovaldo  erklärt  sich  aus  einmischung 
des  rom.  mano  hand,  vgl.  mainbour  IL  c. 

Mongana  saugendes  kalb,  milchkalb;  vom  it.  praes.  mungo  =  lat. 
mulgeo,  also  eigentlich  für  mungana. 

Mörbido,  mörvido  weich,  weichlich.  Nach  Muratori  entweder  vom 
dtschen  mürbe  oder  vom  lat.  morbidus  krank,  indem  kranke  fruchte  sich  weich 
anfühlen.  Die  letztere  eine  vollständigere  form  gewährende  etymölogie  wird 
durch  das  sp.  mörbido,  das  die  lat.  und  itoi.  bedeutung  vereinigt,  unterstützt. 

25 


386  H.a.   MORBIGLIONE— NIMO. 

Morbiglione,  morviglione  maserhkrankheit,  mlat.  morbilli;  von 
morbus  (Menage). 

Morfire  tüchtig  fressen,  schroten,  sbst.  tüotüsl  fresse,  maul,  vb.  altfr. 
morfier  Carp.;  vom  mndl.  morfen,  mhd.  murpfen  abfressen,  s.  über  das 
deutsche  wort  Frisch  I,  667e.  Offo  *murfus  lautet  eine  glosse  des  10  jh., 
Pfeiffers  Germania  I,  116.  Aber  smorfia  Verzerrung  des  gesiebtes,  wel- 
ches derselben  herkunft  sein  dürfte,  erklären  andre  aus  dem  gr.  fioQqri] 
gestalt,  Schönheit. 

Mortella  heidelbeerstrauch;  von  myrtus,  woher  auch  mirtillo 
heidelbeere. 

Moscione,  ven.  musson,  dimin.  romagn.  musslen,  Umous.  monstic 
ein  kleines  geflügeltes  insect;  nicht  von  musca  sondern  von  mustum,  weil 
es  zur  zeit  des  mostes  in  den  Weinkellern  entsteht,  musca  ceUaris  bei  Linne 
(s.  Morri  Voc.  romagn.),  daher  moscione  auch  sauf  er  bedeutet.  Schon 
Isidorus  kennt  das  wort  als  ein  volksübliches:  bibiones  sunt  qui  in  vino 
naseuntur,  quos  cvulgo'  mnstiones  a  musto  appellant  12,  8,  16.  Mit 
bibio  aber  verwandt  ist  das  picard.  biberon  schnake,  mücke. 

Mozzo  nahe  des  rades;  von  modius  für  modiolus,  in  einem  glossar 
muzoius  Graff  II,  995,  vgl.  mozolns  DG  Aus  dem  diminutiv  stammt 
auch  das  fr.  moyeu. 

Mucchio  häufe.  Die  übliche  herleitung  aus  monticulus,  so  daß  es 
für  monchio  stände,  seist  eine  starke  zusammenziehung  voraus,  doch  erlitt 
auch  conebylium  in  cochiglia  einen  ausfall  des  n  vor  einem  guttural, 
freilich  in  unbetonter  sübe.  Zu  erwägen  ist  aber  noch  mptulus  in  der 
L.  Rip.  (erdhaufe  oder  dämm?  s.  Ducange),  worin  mucchio  seinen  mlat. 
ausdruck  gefunden  zu  haben  scheint,  und  sp.  mojon  II  b. 

Mumiar  modenes.  ohne  zahne  kauen;  nhd.  mummeln,  engl,  mumble 
(Muratori). 

Muzzo  sauersüß. 


N. 

Nasso,  eibenbaum;  unbekannter  herkunft. 

Nastro,  comask.  n&stola,  wcdlon.  näle  band,  schleife,  wat.  nastur 
knoten,  knöpf;  vom  ahd.  nestila  schleife  u.  dgl.,  nhd.  nestel,  wie  schon 
Ferrari  aufstellte. 

Neo  muttermal;  von  naevus. 

Nibbio  hühnergeier,  auch  dauph.  nibla;  wird  aus  müvns,  milvius 
gedeutet,  bei  dem  leichten  übergange  des  m  in  n  und  des  v  in  b  nicht 
unpassend,  über  milvius  als  Variante  von  milvus  s.  Schneiders  Lat. 
gramm.  I,  364. 

Nichetto,  niecolino  ein  edelstem;  von  onyx  onychis,  sp.  onique, 
cot.  oniquel. 

Nimo   (in  volksmundurten) ,   sard.  mit   angefügtem  s   (wie  etwa  in 


H.a.  NOCCA-OTTA.  387 

cummegus  =  it.  con  meco)  nemus,  pronomen,  niemand,  auch  wal.  nime, 
nimenea;  von  nemo. 

Nocca  knöchel.  mittleres  gelenk  des  finget s;  nickt  von  nux  nucis, 
augenscheinlich  das  mhd.  knoche,  nhd.  knochen,  mit  abgestoßenem  k,  da 
die  ital.  spräche  kein  anlautendes  cn  duldet.  *  Knoche  mag  mehr  gelenk 
eis  bein  bedeutet  haben  Ghimm,  Über  diphthongep.28.  Vgl.  auch  Grand- 
gagnage  s.  v.  nok&e. 

Nocchio  stein  im  obste,  hnorren;  von  nucleus,  sp.  nucleo. 

Növero  zahl,  vb.  annoverare;  von  numerus,  numerare,  wiewohl  der 
wandel  des  m  in  v  zwischen  voceden  durchaus  unüblich  ist.  Frans. 
nombre  kann  dazu  verleitet  haben,  worin  das  entartete  m  schwand  und  b 
sich  in  v  erweichte. 

o. 

Ogni  pronomen,  alt  onni,  von  omnis.  Das  ssu  gn  erweichte  mn  hat 
vielleicht  in  der  ess.  ogn-uno  =  omni-unus,  wenn  nicht  in  dem  veralteten 
ogna  aus  omnia  bei  Barberino  (s.  Blanc  326)  seinen  grund;  zweisilbiges 
omnia  findet  sich  schon  bei  Virgil  Am.  6,  33  und  anderwärts,  es  konnte 
im  volksmunde  leicht  onja  lauten  und  die  singularform  darnach  einge- 
richtet werden.  Bonvesin  schreibt  omia  persona,  omia  ben,  omi-unca 
mal  jedes  übel. 

Oibö,  com.  aibai  interj.  ei  was!  ei  bewahre!  scheinen  die  Italiener 
den  Griechen  abgelernt  eu  haben,  denen  olßol  ein  ausruf  des  Unwillens 
ist.  Nichts  geht  leichter  von  volk  ssu  volke  als  interjeetionen.  Für  eine 
abküreung  des  tat.  ausrufes  heu  bone  deus  hält  dieses  oibö  Muratori. 

Ont&no  erle.  Sollte  es  aus  dem  collectiv  alnetum,  sp.  alnedo,  fr. 
aunaie  entstanden  sein,  indem,  wie  in  topo  aus  talpa,  al  sich  in  o  um- 
gebildet hätte,  so  daß  es  auf  alnetanus,  welches  sich  in  einer  zweiten  ital. 
form  amedäno  auszusprechen  scheint,  zurückgienge?  auch  das  sp.  helecho 
entsprang  aus  dem  collectiv  filictum.  Das  venez.  wort  ist  on&ro,  das 
mail.  olnizza  nebst  onisc,  offenbar  von  alnus,  das  trient.  ogn. 

Oppio  masholder y  acer  campestre,  buchstäblich  =  opulus  ein  unbe- 
stimmter bäum,  bei  Varro. 

Örafo  goldschmied;  von  aurifex. 

Orbaccä  lorbeere;  für  lorbacca  von  lauri  bacca,  s.  Born,  gramm.  1, 204. 

Ostico  herb  von  geschmack;  von  avotog  trocken,  woher  avoxqoq 
herb  (Manage). 

Otta  zeitpunet,  stunde,  zumal  in  den  vrlt  composvtis  wie  allotta, 
talotta,  auch  moltotta  PPS.  II,  328.  Entstehung  aus  hora,  das  etwa  oda 
geben  konnte,  ist  nicht  annehmbar.  Möglicher  weise  aber  entsprang  es 
aus  dem  goth.  uht  (nur  in  abtt.)  rechte  zeit,  xaiQog,  ahd.  uohta  frühzeit, 
aitn.  ötta  die  zeit  der  drei  ersten  tagesstunden.  Bin  anderes  üal.  wort, 
dotta,  dem  ganz  die  bed.  xaigog  zusteht,  könnte  aus  einem  adverbialen 
d'otta  zusammengesetzt  sein. 


388  H.a.   PADULE— PAZZO. 


P. 

Padule  sumpf;  bereits  in  frühester  zeit  umgestellt  aus  palude:  pa- 
dulis  in  einer  urJcunde  vom  j.  551  Marin,  p.  182",  und  später  noch  oft 
Eine  Span,  form  paül  (sard.  paüli)  erwähnt  Cabrera,  daher  in  derselben 
spräche  das  vrlt.  paular  sumpf  pg.  paül  ist  bekannt,  vgl.  in  padulibus 
Yep.  L  app.  num.  8,  de  illa  padule  n.  30,  in  span.  Urkunden.  Wal. 
padüre  wald  stimmt  buchstäblich  zu  padule.    Prov.  nur  palut. 

Palascio  art  säbd,  altfr.  palache  Roq.;  ist  das  russ.  palasch,  wal. 
palos,  ungr.  palos,  vgl.  bair.  plotzen. 

Paltone  bettler,  landstreicher,  pr.  paltom,  äbgel.  it.  paltoniere,  pr. 
altfr.  pautonier,  daher  mhd.  paltenaere.  Die  versuchten  deutungen  sind 
nicht  stichhaltig;  buchstabe  und  begriff  werden  die  folgende  rechtfertigen. 
Plautus  Bacch.  5,  2,  5  bedient  sich  des  iterativs  palitari  von  palari  um- 
herschweifen, hiervon  it.  palitone  paltone  landstr eicher:  ebenso  aus  dem 
vb.  ciarlare  das  sbst.  ciarlone,  aus  castrare  castrone  u.  s.  f.  Palitari 
wird  also  wohl  ein  volksübliches  wort  gewesen  sein.  In  erwägung  käme 
noch  das  ndd.  palte  läppen  Brem.  wb.,  palt  stück  z.  b.  brot  KU.,  aber 
dem  lat.  stamme  gebührt  auch  hier  der  Vorzug.  - 

Pantalon?  eine  maske  der  itäl.  bühne,  fr.  pantalon  ein  darnach 
benanntes  kleidungsstück;  eigentl.  eine  venezianische  tracht,  die  Venezianer 
aber  hatten  den  Spitznamen  pantaloni,  weil  sie  den  heil.  Pantaleon  be- 
sonders verehrten  und  häufig  mit  seinem  namen  getauft  wurden  (MSnage). 
Der  name  der  maske  wird  also  wohl  eine  beziehung  auf  Venedig  ge- 
habt haben. 

Pape  interjection;  vom  lat.  papae,  gr.  nanai:  so  entspricht  occit. 
babai  dem  gr.  ßaßai,  lat.  babae. 

Papero  junge  gans;  vgl.  sp.  parpär  gänsegeschrei,  gr.  nannatpiv 
gaken,  gackern,  eig.  lallen  (Wackernagel,  Voc.  anim.  p.  80).  Nicht  die 
stimme  des  vogels  soll  papero  nachbilden,  da  diese  eine  andrß  ist,  es  sott 
sich  vielmehr  auf  das  schreien  nach  futter  oder  auf  die  fütterung  beziehen, 
indem  das  gänschen  mit  dem  kinde  verglichen  wird,  s.  papa  I. 

Pargo  io,  pargoletto  Mein;  für  die  gleichfalls  vorhandenen  parvolo, 
parvoietto,  also  nicht  etwa  aus  parcus,  da  gutturales  g  mehrfach  für  v 
eintritt. 

Pastocchia  mährcJien;  vom  it.  pasto,  dar  pasto  einen  mit  Worten 
unterhalten,  kirren  (Menage). 

Pazzo  unsinnig,  toll,  wüthend,  pazziare  unsinnig  sein  u.s.w.  Ver- 
gebens hat  man  dies  wort  auf  lat.  gebiete,  z.  b.  im  verbum  patior,  gesucht, 
es  scheint  deutscher  herkunft.  Ähd.  barzjan,  parzjan  (wenn  nicht  parz§n), 
mhd.  barzen,  heißt  wüthen,  hieraus  konnte  unmittelbar  parziare  pazziare 
entspringen,  während  dem  adjectiv  ein  verlorenes  deutsches  adj.  zu  gründe 
lag.    Der  ausfall  des  r  macht  wenig  bedenken,  da  er  vor  z  und  vor  dem 


IIa.   PECORA-PICCIUOLO.  389 

lautverwandten  s  mehrfach  eintritt  (cucuzza  von  Cucurbita,  gazzo  vom  sp. 
garzo,  pesca  von  persica,  dosso  von  dorsum  u.  dgl.)}  er  kann  sogar  schon 
im  deutsehen  gelegen  haben,  wo  batzig  für  barzig  (adj.  aus  dem  eben  be- 
merkten barzen)  steht,  s.  Weigandl,  111.  Eine  zss.  ist  strapazzare, 
daher  sp.  estrapazar,  fr.  estrapasser,  strapasser,  verhöhnen,  mishandeln, 
eigentl.  übermäßig  narren,  sbst.  strapazzo. 

Pöcora  (f.)  schaf  schon  im  Vocab.  S.  GaUi  sing,  pecure,  dsgl.  in 
einer  Urkunde  vom  j.  757  Murat.  Ant.  ital.  III,  569  inter  pecoras;  ur- 
sprünglich wohl  ein  collediv,  schafvieh,  nachher  auf  das  Individuum  an- 
gewandt.   Im  cremon.  bezeichnet  das  masc.  pägor  den  widder. 

Pendice  abhang;  nach  appendfce t(I  für  T)  von  pendere  gebildet, 
altfr.  pendant  anhohe  LRs.  179. 

P6ntola  topf;  von  pendulus  nach  Menage,  weil  er  über  dem  feuer 
schwebe.  Vgl.  pente  IL  c.  Derselben  herkunft  ist  auch  das  adj.  p6n- 
zolo  schwebend. 

P6rgamo  kantet,  hohes  gerüst;  von  pergamum  anhöhe,  bürg,  mit 
Menage. 

Peritarsi  (präs.  mi  p&ito)  sich  scheuen,  sich  schämen.  In  einigen 
mundarten,  z.  b.  der  venez.  cremon.  und  maü.,  bedeutet  peritare,  peritä 
schätzen,  taxieren,  perito  taxator,  von  peritus;  aber  zwischen  beiden  be- 
griffen fehlt  der  logische  Zusammenhang.  Auch  das  (zweifelhafte)  lat. 
peritare  (zu  gründe  gehn)  gewährt  keinen  passenden  begriff.  Menage 
bringt  pauritare  vor,  iterativ  von  paurire  (in  s-paurire),  worin  au  oder 
av  ganz  regelwidrig  in  e  geschwächt  wäre.  Dürfte  aber  nicht  an  sp. 
apretarse  (s.  prieto  IL  b)  gedacht  werden,  dessen  bed.  c bedrängt  sein' 
die  des  ital.  Wortes  unmittelbar  berührt? 

Persa  major  an,  neugr.  neQoa;  von  nQaoiov,  nQaoovlauch  (Menage). 

P 6 vera,  m  einigen  wbb.  petriola,  maü.  pidria,  romagn.  pfdarja, 
com.  plädria,  ven.  impfria,  bresc.  pedriöl  hölzerner  trichter;  nach  Ferrari 
von  impletorium,  was  den  formen  wenig  genügt. 

Pezzente,  peziente  bettler;  von  petieus  fiir  petens  wie  altit.  cag- 
gente  von  cadiens  für  cadens,  oder  veggente  von  videns.  Das  gleichbed. 
pg.  pedinte  kann  dies  bestätigen. 

Piaila  höbet,  piallare  hobeln;  für  planula,  planulare,  von  planus 
eben,  planare  ebenen,  vgl.  lulla  von  lunula.  Diese  bei  Menage  u.  a.  vor- 
liegende etymologie  wird  durch  das  gleichbed.  sard.  piana  oder  prana  d.  i. 
plana  bestätigt.  In  derselben  spräche  hat  pialla  auch  die  bed.  axt,  ein 
Werkzeug,  das,  wenn  auch  nicht  zum  hobeln,  doch  zum  behauen  dient,  in 
andrer  form  pfola  und  so  comask.  piolet  Man  ist  bei  letzteren  an  das 
alid.  pial,  nhd.  beil,  zu  denken  geneigt,  und  doch  scheint  der  diphthong 
ia  (pialla)  darin  nur  mit  io  vertauscht.  Im  venez.  ist  daher  pialla  und 
piola,  piallare  und  piolare  gleichbedeutend,  hobel  und  hobeln. 

Picciuolo  stiel  am  obste,  wal.  picior  fuß;  von  petiolus  füßchen,  obst- 
stiel, bei  Afranius  nach  Nonius,  auch  bei  Celsus  und  Columella.  Mit  ver- 
ändertem suffix  sagt  der  Spanier  pezon.    Mundarten  aber  zeigen  im 


390  H.a.   PIEVE-PODESTA. 

iritcwt  gutturales  c :  ven.  picölo,  mail.  picöll,  piem.  picöl  =  pediculus  füß- 
chen zsgz.  peculus? 

Pieve  landdechanei,  chio.  pleif  pfarrei,  it.  piovano,  wal.  pleban 
landdechant;  vom  tnlat.  plebes  parochialkirche,  plebanus. 

Pieviale,  gewöhnt,  piviale  vesperniantel;  für  pioviale  =  pluvialis 
regenmantel,  nach  Ferrari  und  Menage.  Es  ist  indessen  nicht  wahr- 
scheinlich, daß  das  radicale  o  in  piova  (pluvia)  in  i  oder  ie  ausgewichen 
sein  sollte,  da  v  vielmehr  ein  solches  o  nicht  selten  hervorruft.  Überdies 
ist  regenmantel  eine  untergeschobene  bedetdung :  die  eigentliche  ist  priester- 
mantel  und  so  kann  seine  abstammung  aus  dem  vorhergehenden  tvorte 
nicht  zweifelhaft  sein. 

Pigia re  pressen;  participialverbum  von  pinsere  pinsus,  gleichsam 
pinsiare,  wie  pertugiare  von  pertusus  pertusiare;  nicht  von  pisare. 

Pigione  miethzins;  von  pesio/ur  pensio,  ebenso  magione  von  mansio. 

Pignatta  topf;  von  pinea,  weil  der  decket  desselben  ehedem  die 
geskalt  eines  fichtenzapfens  hatte,  wie  Muratori  bemerkt.  Daher  entlehnt 
sp.  pinata. 

Piota  braucht  Dante  Inf .  19, 120  für  fuß  oder  sohle:  forte  spingava 
con  ambo  le  piote,  und  so  kommt  es  auch  im  Dittamondo  vor,  bei  andern 
bedeutet  es  ein  stück  rasen.  Ferrari,  Menage  und  andre  etymologen  leiten 
es  auf  das  Umbrüche  plotus,  plautus  zurück,  wovon  Festus  sagt:  plotos 
appellant  Umbri  pedibus  planis  [natos  ..  .  .  unde  et  Maccijus  poeta, 
quia  Umber  Sarsinas  erat,  a  pedum  planitie  initio  Plotus,  postea  Plautus 
coeptus  est  dici.  Es  hieß  also  plattfüßig  und  aus  diesem  adjectiv  oder 
aus  dem  stamme  plot  müßte  das  ital.  Substantiv  genommen  sein.  Die  auf- 
findung  eines  altitalischen  Wortes  oder  Stammes  im  romanischen  hat  etwas 
reizendes  und  vielleicht  ließ  sich  die  kritik  durch  die  schimmernde  rdiquie 
blenden.  Ist  piota  nicht  vielmehr  die  ital.  form  des  pr.  pauta,  altfr.  poe 
=  nhd.  pfote,  mit  eingeschobenem  1  wie  in  andern  Wörtern?  auch  piem. 
piota  und  dauph.  plauta  heißen  pfote,  tatze.  Aber  die  bed.  rasenscholle 
d.  h.  plattes  stück  einigt  sich  schwer  mit  der  von  pauta,  leicht  mit  der 
von  plotus.  Oder  entstand  das  ital.  wort  aus  dem  adj.  piatto  platt?  vgl. 
com.  piöt  fest  getreten,  platt  getreten,  piota  Steinplatte,  mqü.  piöda  dass. 
Eine  solche  entsteUung  von  platta  in  piota  (nicht  einmal  piotta)  ist  aber 
für  die  Schriftsprache  nicht  zu  genehmigen;  ob  für  die  mundarten,  bleibe 
dahin  gestellt. 

Pipistrello,  auch  vipistrello,  vispistrello,  vespistrello  fledermaus; 
durch  Versetzung  des  s  und  r  aus  yespertillus  für  vespertilio. 

Pitocco  bettler;  vom  gr.  mtaxoq  dass.  Oder  etwa  von  pit  gering, 
woher  lonib.  piton  arm;  aber  die  bedetdung  schließt  sich  genau  an  die 
des  griech.  Wortes. 

Podestä  name  einer  obrigkeitlichen  person;  verdient  erwahnung, 
weil  es  deni  natürlichen  geschlechte  zu  gefallen  masculin  geworden;  pr. 
podestat,  poestat  gen.  comm.,  sp.  potestad,  tat.  potestas  (im  persönlichen 
sinne)  feminin. 


H.a.  POGGIA— PURE.  391 

Poggia  seil  am  rechten  ende  der  segdstange,  rechte  seite  des  Schiffes, 
daher  fr.  poge  (m.);  vom  gr.  nodiov,  dimin.  von  novg  seil  an  dem  unteren 
zipfel  des  segeis,  in  Italien  auf  das  seil  zur  reckten  angewandt,  seitdem 
orza  für  das  linke  üblich  geworden;  einer  der  ziemlich  zahlreichen  aus 
dem  griech.  aufgenommenen  schifferausdrücke.  Vgl.  Menage  Orig.  d.  I. 
itci.  s.  v. 

Pollare  keimen,  quellen,  zsgs.  rampollare;  von  pullare  bei  Ckd- 
pumius  Ecl.  5. 

Ponga  venez.  (neap.in  einer  reimchrontk  Mural.  Ant.  ital.  VI,  592) 
kröpf  der  vögd,  wal.  pnnge  beutet;  in  dieser  letzteren  bedeutung  schon 
goth.  puggs,  dltn.  pnngr,  ahd.  fang  cet.,  dsgl.  mittelgr.  7iovyyrj  novyyiov, 
ngr.  novyyi,  aber  aus  welcher  quelle? 

Pontare,  püntare  auf  etwas  dringen,  sich  dagegen  stemmen;  =  fr. 
pointer  die  spitze,  den  schuß  auf  etwas  richten,  vgl.  it.  pontar  la  lancia 
contro  alcuno.    Mail,  pontä  hat  auch  die  bed.  spitzen. 

Pozzolana  verwitterte  lava,  woraus  ein  mörtel  bereitet  wird;  so 
genannt,  weil  man  sie  häufig  im  bezirke  von  Pozzuoli  findet. 

Prace  (aretinisch)  räum  zwischen  zwei  furchen ;  von  nqaaia  garten- 
beet,  nach  Redt,  Etimol.  ital. 

Predella  fußschemel,  fußtritt,  maü.  brella;  gewiß  vom  ahd.  pret 
=  nhd.  brett,  trotz  Ferrari's  Widerspruch.  Gleicher  herkunft  ist  pr. 
bredola  *scabellum  im  Floretus,  aus  welchem  auch  ÜQchegude,  Gloss.  occit., 
es  schöpfte. 

Pretto  lauter,  rein,  unvermischt,  vino  pretto  vinum  merum;  durch 
syneqpe  für  puretto  von  purus.  Muratori  in  der  meinung,  eine  solche 
syncope  sei  im  ital.  ohne  beispid,  zieht  das  wort  lidber  aus  dem  ahd. 
berht,  peraht,  dessen  bedeutung  aber  (hellf  glänzend,  goth.  bafrhts  dijXog, 
deutlich,  offenbar)  minder  genau  zutrifft.  Befremdlich  ist  nur  das  offene 
e  in  pretto  neben  dem  geschlossenen  in  purätto;  die  verkennung  des  ur- 
sprünglichen Suffixes  mag  an  dieser  ausspräche  schuld  sein. 

Pria  adverb,  für  prio  von  prias,  etwa  der  gegenüber  liegenden 
Partikel  poscia  in  seiner  endung  angebildet,  keinesfalls  von  prima  mit 
ausgestoßenem  m. 

Pnla  spreu,  piem.  com.  bula,  berg.  bresc.  böla,  daher  it.  bullaccio 
P.  Monti;  von  unbekannter  herkunft,  nach  Ferrari  vom  lat.  aplnda,  was 
sieh  schwerlich  rechtfertigen  läßt. 

Pu  1  ein  eil  o  person  oder  maske  in  der  neapolitanischen  komödie, 
fr.  polichinelle ;  entstellt  aus  Puccio  d'Aniello,  dem  namen  eines  witzigen 
bauern  aus  der  gegend  von  Acerra  in  der  Campagna  felice,  der  diese 
person  zuerst  spielte.  So  Galiani  im  Vocab.  napol.  Nach  anderer  deu- 
tung  ist  paleinella  ein  kosewort  für  kindchen,  liebchen  (hühnchen)  und 
ward  später  auf  jene  bei  dem  volke  beliebte  maske  übertragen,  s. 
z.  b.  Bolza. 

Pure  partikel,  solum,  tarnen;  vom  adv.  pure  rein  d.  h.  ungemischt, 
schlechtweg.    Auch  im  ältesten  provenzalischen  findet  sich  pur,  man  selie 


392  IL  au   PUSIGNO-  REBBIO. 

Boeth.  v.  6  und  192,  im  waid.  dasselbe  Hahn  p.  572,  im  churwälschen 
pir,  spir. 

Pusigno  mahleeit  nach  dem  abendessen;  von  post-coeninm  (un- 
lateinisch), geformt  nach  ante-coenium. 

Puzzo,  puzza  gestank,  puzzare  gestank  machen,  stinken;  von  pu- 
tidns  mit  aas  gestoßenem  d  putius:  nicht  anders  sozzo  von  sucidus, 
rancio  von  rancidus. 


Q. 

Quattrino  eine  kleine  münze-,  so  genannt,  weil  sie  vier  danari  gut 
(Crusca). 

Quercia,  qüerce  (f.)  eiche;  vom  adj.  querceus,  queroea  wie  faggio 
von  fageus.  Die  bädung  ist  alt:  alia  qnercia  sagt  eine  longob.  Urkunde 
v.  j.  742  Ughell.  III,  671;  duo  quercias  eine  andre  v.j.  760Brun.p.  570. 
Im  sardischen  hat  sich  chercu  =  quercus  erhalten. 

Quinci  ortsadverb;  von  eccu1  hincce.  Ebenso  quindi  von  ecca' 
inde,  quivi  von  eccu'  ibi. 


R. 

Rado  selten;  euphonische  Abänderung  aus  rarns. 

Ragazzo  handlanger,  bube,  ragazza  mädchen;  von  Qaxr]  lumpenrock, 
im  Cod.  Theod.  raga,  daher  ragazzo  einer  der  die  raga  trägt,  kriecht, 
nachher  auch  knabe,  wie  lat.  puer  beide  bedeutungen  einigt;  oder  von 
raca  homo  nihili  im  Ev.  Matth.  So  Muratori.  Regazzo  lautet  das  wort 
im  veron.  dialect. 

Ragia,  chw.  rascha  hare;  aus  einem  unvorhandenen  adj.  rasens, 
rasea  von  rasis  gleichbed. 

Ramarro  eidechse,  romagn.  mar;  von  rame  kupfer,  wegen  der  färbe, 
vgl.  unser  kupfereidechse  (Mahn). 

Ramfo  (nur  vorhanden  im  lomb.  ramf,  ranf)  Spasmus;  vom  tnhd. 
rampf  mit  gl.  bed. 

Ramolaccio  meerrettig;  durch  dissimütxtion  für  ramoraccio  von 
armoracia  mit  ders.  bed.,  bei  Columella  auch  armoracinm. 

Rande  11  o  packstock,  prügele  arrandellare  zusammenknebeln;  vom 
dtschen  rädel  oder  reitel,  die  dasselbe  bedeuten.  Noch  näher  den  dtschen 
liegen  die  comask.  formen  rat  und  reglia. 

Rappa  büschel;  vgl.  mhd.  mndl.  rappe  kämm  der  traube,  welche 
bedeutung  auch  das  piem.  rap  (it.  grappolo)  hat. 

Ratto  adj.  rasch;  von  raptus  hingerissen.  WaHon.  toratt  =  it. 
tutto  ratto. 

Rebbio    sinke  der  gäbet;   von  ungewisser  herhmfi.    Nimmt  man 


H.a.   RECARE-^RIPENTAGLIO.  393 

aber  für  unser  deutsches  riffel  (kämm  mit  eisernen  trinken)  ein  älteres 
ripil  an  (vgl.  ndl.  reppen,  engl,  ripple  =  hd.  riffeln),  so  trifft  dies- zum 
ital.  warte:  die  bedeutung  wird  keine  Schwierigkeit  machen.  Buchstäblich 
dasselbe  wart  ist  sp.  rejo  spute,  Stachel. 

Recare  darreichen;  besser  vom  dhd.  recchen,  nhd.  recken  aus- 
strecken (hinhalten),  als  vom  ahd.  reichan,  nhd.  reichen,  in  welchem  fall 
racare  zu  erwarten  stand.  Honnorat  kennt  auch  ein  veraltetes  occ.  arecar 
herbringen. 

R6cere  speien;  von  reicere  für  rejicere,  zu  Festus  zeit  gebraucht, 
s.  Sehneiders  Lot.  gramm.  I,  581. 

Refe  surirrij  vom  gr.  $aq>i]  naht,  nach  Ferrari  u.  a.,  woneben  aber 
auch  das  ahd.  reif  strick,  band  zu  erwägen  ist.  So  stammt  auch  piem. 
tra,  chw.  trau  bindfaden  aus  dem  dtschen  draht. 

Renso  feiner  flachs;  benannt  nach  der  Stadt  Rheims,  woher  man 
ihn  bezog. 

Reo  schuldig,  dsgl.  böse,  schlimm,  für  welche  letztere  bedeutung  eine 
form  rio  stattfindet,  wal.  reu.  Aber  sp.  reo,  chw.  reus,  nur  im  lat.  sinne 
des  wartes. 

Rezza  eine  ort  spitzen;  von  rete,  plur.  retia. 

Ribaltare  umwerfen,  umstürzen,  z.  b.  nnvaso  di  vino,  construiert 
Muratori  aus  re-ab-altare  von  der  hohe  herabwerfen,  vgl.  lat.  ex-altare 
und  das  einfache  altare  bei  Sidonius.  Ist  dies  richtig,  so  gewährt  es  ein 
weiteres  romanisches  beispiel  von  Zusammensetzung  mit  ab,  wie  in  ab- 
battere  und  einigen  andern,  s.  Born,  gramm.  II,  420. 

Riddare  den  reihen  tanzen,  sich  drehen,  sich  umhertreiben,  ridda 
kreißtanz;  vom  ahd.  ga-ridan,  mhd.  rfden  drehen,  wfoiden. 

Rifiutare  verschmähen,  verweigern;  ganz  unverwandt  mit  fiutare 
beriechen,  durch  einschiebung  entstellt  aus  refatare,  ndat.  s.  v.  a.  respuere, 
mail.  reftidi,  pr.  refudar,  refuidar  (als  ob  es  von  refugitare  komme),  auch 
refiodar  GProv.  32,  vgl.  rifusare  I.  Dieselbe  einschiebung  hinter  f  in 
fiaecola  für  faecola. 

Riga  teile,  streif,  rigo  lineal,  rigoletto  reihentanz,  r eigen;  vom 
ahd.  riga  Knie,  kreißlinie,  mhd.  rlhe  =  nhd.  reihe  (die  wir  uns  eben  so 
wohl  in  gerader  richtung  denken). 

Rimpetto,  di  rimpetto,  a  rimpetto  a  qc.  präposition,  contra,  gegen- 
über; gebildet  von  petto,  lat.  pectus,  wie  rincontra  (re-in-contra)  von 
contra.  Petto  drückt  in  derselben  weise,  das  gegenüberstehen  aus  wie  die 
span.  adverbial  gebrauchten  worter  hdeia  oder  cara  oder  frente.  Dante 
sagt  chiuser  le  porte  nel  petto  al  mio  signor  sie  schlössen  ihm  die  pforte 
vor  der  nase  Inf  8,  115.  An  respectus  ist  nicht  zu  denken.  Auch  ap- 
petto  wird  in  dieser  weise  gebraucht. 

Ripentaglio  gefahr.  Bestimmter  ist  die  bedeutung  des  aÜfr.  repen- 
taille  {von  repentir)  reukauf,  vertragsmäßige  büße:  it.  porre  a  ripentaglio 
kann  also  heißen  'etwas  auf  reue  oder  büße  setzen,  der  reue  oder  büße 
aussetzen. 


394  H.a.   RIPIDO— ROZZO. 

Ripido  steil;  von  ripa  ufer,  steile  höhe,  der  einzige  gewisse  fäll 
einer  romanischen  ableitung  mit  idus,  Rom.  gramm.  II,  321. 

Ripire  klettern;  wird  von  ripa  und  rapidus  her  geleitet,  warum 
nicht  von  repere  mit  übertritt  der  3.  lat.  in  die  3.  rom.  conj.  wie  in 
fugere  fuggire?  Vgl.  die  churw.  form  rever,  bei  welcher  dieser  übertritt 
nicht  stattgefunden  hat.  Die  prov.  spräche  kann  das  partic.  repens  auf- 
weisen, freilich  nur  im  Elucidari. 

Ritroso  hartnäckig,  widerspenstig;  von  retrorsus  rückwärts  gekehrt. 

Ro cchio  block  höh  oder  stein;  nebst  ronchione  vom  it.  toccsl  fe&s? 

Rogo  brombeerstrauch,  wai.  rüg;   von  rübus  (rovo  rogo),  sp.  rabo. 

Rombo  und  frombo  gesumse,  roraba  und  fromba  Schleuder,  rombola 
und  fronibola  dass.,  rombolare  und  frombolare  schleudern,  siehtbarlich 
vom  gr.  Qojußog  kreißet  (daher  die  bed.  gesumse),  Qofißelv  schleudern. 
Das  vorgesetzte  (muß  onomatopoietischer  natur  sein.  Muratori  kennt 
auch  ein  mlat.  rumbulus  geschleuderter  stein  =  it.  frombola  in  der  bed. 
abgerundeter  stein  oder  kiesd. 

Romire  brausen,  lärmen;  regelrecht  gebildet  aus  ahd.  hromjan, 
hruomjan  =  nhd.  rühmen,  eigentl.  lärm  machen,  sbst  hruom  lärm,  geschrei. 

Romfto  einsieetter,  einsam,  sie.  rimitu;  von  eremita. 

Ronca  hippe,  auch  spieß  mit  einer  sichel;  vom  vb.  runcare  ab- 
mähen, ausjäten.    Altfr.  ronsge  spieß  Roquef. 

Ronzare  summen;  vom  ahd.  rünazön,  mhd.  rflnzen  dass.  Auch 
sp.  ronzar,  roznar  mit  geräusch  kauen?  Sbst.  it.  ronzone  große  Schmeißfliege. 

Rospo  kröte;  vielleicht  zusammenhängend  mit  ruspo  rauh,  vgl.  es- 
cuerzo  II.  b.  In  trient.  mundart  rosch,  in  churwalscher  rase,  ruose,  in 
vicentinischer  aber  Aote  aus  dem  deutschen  der  sieben  gemeinden. 

Rosta  1)  hemmung,  Sperrung  (so  bei  Dante  Inf  13,  117  nach  Mu- 
ratori und  noch  mundartl.),  daher  vb.  comask.  rosta  hemmen;  2)  fachet, 
wedel,  vb.  arrostare  wedeln,  hin  und  her  bewegen.  Es  stammt  in  beiden 
bedeutungen  vom  ahd.  nhd.  röst  {ahd.  auch  fem.  röstä),  sofern  dasselbe 
nicht  allein  eine  Sperrung  im  flösse  (mlat.  rosta  bei  Ducange),  sondern 
auch  das  gegitterte  visier  des  helmes  und  den  ebenso  geformten  fächer  be- 
zeichnet, s.  Frisch  II,  128*.  Die  waiach.  spräche  hat  rosteiu  rost,  guter 
=  serb.  rostilj. 

Rovajo  nordwind;  von  ungewisser  herkunft,  nach  Menage  umgestellt 
aus  borearius  {für  borealis),  also  robearius  rovarius. 

Rovello  und  rovella  grimm,  zorn,  arrovellare  erzürnen;  von  ru- 
bellus  roth.    Ira  rubens  sagt  der  Lateiner. 

Rovistare,  ruvistare  herumstöbern;  von  revisitare,  mit  Menage. 

Rozzo  roh;  ist  seinem  begriffe  nach  mit  lat.  rudis  identisch  und  be-  . 
gegnet  mit  seiner  endung  dem  sp.  rudo,  dessen  entstehung  aus  rudis  un- 
zweifelhaft ist;  allein  wie  die  span.  form  ein  lat.  rudus  verlangt,  so  die 
ital.  das  noch  weiter  abliegende  rudius,  vgl.  oben  fujo;  erstere  begegnet  in 
einem  alten  glossar:  rudus  'asperus*  Class.  auet.  VI,  643k,  vgl.  rudus 
'novus*  Gl.  Erford.  371,  43. 


IIa.    RUBBIO-SCAFFALE.  395 

Rubbio  ein  maß  für  körn;  von  rubeus,  weil  die  einiheüung  des- 
selben  innen  roth  gezeichnet  war  wie  bei  der  pinta. 

Ruspare  scharren  =  lat.  ruspari  durchforschen,  dem  z.  b.  Vossius 
die  ersiere  als  die  grundbcdeutung  beilegt. 

Ruspo  1)  neu  gemünzt,  2)  rauh.  Die  letztere  bedeutung  ist  sicher 
voranzustellen :  sie  führt  auf  ahd.  ruspan  starren,  vgl.  ruspil-här  krauses 
haar.  Genues.  rüspu  bezeichnet  einen  menschen  mit  struppigem  haar,  aber 
auch  den  myrtendorn,  es  ward  alsp  mit  ruscum  verwechselt. 

Russare  schnarchen.  Das  glekhbed.  ahd.  mzzon  hätte  it.  rnzzare 
ergeben  müssen,  aber  Herkunft  aus  einer  späteren  form  russen  Schneller 
IU,  138  darf  vermuthet  werden. 

Rüvido  rauh,  uneben.  Mit  rübidus  (roth)  kann  es  keine  gemein- 
schafl  haben,  wiewohl  selbst  rubido  gesagt  wird,  und  nicht  ohne  Jcünstelei 
würde  es  sich  aus  rudis  ableiten  lassen.  Dagegen  braucht  Plmius  H.  N. 
18,  10  (23)  ein  adj.  ruidus,  dem  man  passend  die  bed.  rauh  beilegt  und 
daraus  konnte  mit  bekannter  einschiebung  des  v  (vgl.  fluidus  fluvido)  das 
Hol.  wort  entstehen.  Die  stelle  ist:  major  pars  Italiae  ruido  ntitur  pilo, 
wozu  Harduin  bemerkt:  aspero  et  impolito,  ut  recte  Hermolaus. 

Ruvi8tico,  rovistico  hartriegd,  rainweide;  entstellt  aus  ligustrum, 
das  man  zunächst  mit  ligusticum  (s.  levistico  I.)  verwechselte. 

Rnzzare  schakern;  ungewisser  Herkunft  7  gleichbed.  Schweiz,  rtttzen. 


s. 

Sala  ochse  des  Wagens,  ein  in  keiner  romanischen  noch  auswärtigen 
spräche  zu  entdeckendes  wort.  Lat.  axis  zwar  als  mathematischer  ausdruck 
ist  vorhanden  im  it.  asse,  welches  früher,  wie  noch  jetzt  mundartlich, 
dessen  grundbegriff  erfüllt  haben  muß.  Da  es  aber  auch  assis  und  as 
bedeutet,  so  fühlte  man  sich  veranlaßt,  für  jenen  wichtigen  gegenständ  ein 
klares  wort  einzufuhren.  Einige  mundarten  bedienen  sich  hierzu  der  ab- 
leitung:  die  maüändische  hat  assäa,  die  venezianische  assfl  (s.  Boerio), 
gleichsam  axile.  Man  könnte  sich  statt  axile  auch  axale  denken  und  ein 
it.  assale,  verkürzt  aale,  darauf  bauen,  welches  denn  zur  Unterscheidung 
von  sale  (salz)  in  sala  umgebogen  worden  wäre,  denn  das  in  diesem 
warte  gleichfalls  enthaltene  ursprüngliche  deutsche  sala  war  kein  störendes 
homonym.  Beispiellos  allerdings  Jst  diese  umbiegung  des  Suffixes  alis  in 
ala,  aber  das  aus  ass-ale  abgekürzte  sale  ließ  dieses  suffix  nicht  mehr  fühlen. 

Salassare  zu  ader  lassen;  zsgz.  aus  sangue  lasciare,  vgl.  altpg. 
sanguileixado.  Daneben  auch  segnare  vom  fr.  saigner,  pr.  sangnar, 
sp.  Bangrar,  lat.  sanguinare. 

Sa  Ivan  o  (eigentl.  salvan  maü.)  alp,  der  die  schlafenden  drückt; 
von  Silyanus,  dem  dasselbe  schuld  gegeben  ward,  s.  z.  b.  Schwencks  Rom. 
mythologie.    Dieselbe  entstellung  des  i  in  a  wie  in  salvatico  von  silvaticus. 

Scaffale  gesiell  mit  fächern,  stellbreit;  vom  mhd.  schafe  (schaf- 


396  IL  a.     SCALCO-SCATOLA. 

reite),    bair.  schafen  (f.),   ndl.  schap  dass.     Gleicher  Herkunft  ist  gen. 
scaffo  bettsteUe,  sie.  chw.  scaffa  =  scaffale. 

Seal co  küchenmeister,  vorschneider;  vom  goth.  skalks,  ahd.  seale 
diener,  auch  im  iL  siniscalco  und  mariscalco  enthalten.  Ein  franz.  es- 
calque  bei  Rabelais  bemerkt  Menage. 

Scalfire  ritten,  aufkratzen;  von  scalpere  graben,  scharren,  mit 
demselben  Wechsel  der  lippenlaute  wie  in  soffice  von  supplex.  Aber  so 
ganz  zuverlässig  ist  dieser  Ursprung  nicht.  Woher  nämlich  das  partic. 
scalfitto  für  scalfito?  Hat  man  etwa  scarificare  umgebildet  in  scarificere, 
inf  scarfire  scalfire,  pari.  scalfittQ?  Enger  noch  schmiegt  sich  das  ent- 
sprechende sard.  seräffiri,  das,  wie  alle  stammbetonte  verba  dieser  mundart, 
nur  lateinischer  herkunft  sein  kann,  an  dies  hypothetische  scarificere. 

Scalterire,  scaltrire  fein  abrichten,  scaltrito,  scaltro  (vgl.  finito, 
adj.  fino)  schlau,  listig.  Augenscheinlich  verwandt  ist  calterire  ritzen^ 
die  haut  aufritzen,  dessen  pari,  calterito  der  bed.  von  scaltrito  fähig  ist. 
Die  erklärungen  aus  callidus  oder  aus  calce  terere  u.  dgl.  sind  verwerf- 
lich. Wenn  ferner  Muratori  calterire  aus  cauteriare  brandmarken,  scal- 
trito zugleich  aus  cautus  deutet  und  sich  wegen  des  buchstabens  auf  lalda 
für  lattda,  aldace  für  audace  bezieht,  so  ist  dagegen  zu  erinnern,  daß 
den  mundartlichen  (florentinischen)  formen  mit  1  die  ursprünglichen  mit  u 
zur  Seite  stehen,  cauterire  aber  nicht  vorkommt,  und  daß  es,  selbst  wenn 
es  vorkäme,  kein  derivatum  von  cautus  sein  könnte.  Die  herkunft  beider 
allerdings  schwieriger  Wörter  ist  also  hiermit  nicht  ergründet;  ob  der 
folgende  versuch  besseres  leiste,  mag  zweifelhaft  erscheinen.  Lat.  scalpere 
heißt  1)  kratzen,  2)  eingraben,  aushauen,  schnitzen.  Durch  Vermittlung 
des  sbst.  scalpiura  entstand  scalpturire,  das  ungefähr  dasselbe  sagt  wie 
das  stammverbum;  hieraus  it.  scaltrire  mit  der  zweiten  bedeutung,  die  aber 
auf  die  bildung  oder  Verfeinerung  des  menschen  übertragen  ward :  scaltrire 
definiert  die  Crusca  di  rozzo  e  inesperto  fare  altrui  astuto  e  sagace,  also 
aus  dem  rohen  hervorbilden,  wie  auch  der  plastische  künstler  thut,  fein 
zuschnitzen,  verstand  und  witz  ausbilden.  Scaltro  verhält  sich  also  logisch 
zu  scalpere  wie  ykaq>vQog  zu  ylaq>eiv.  Für  die  erste  bedeutung  von 
scalpturire,  worin  es  bei  Plautus  Aul.  3,  4,  8  vorkommt  (cd.  scalpurire), 
trat  calterire  ein,  das  aber  auch  die  zweite  nicht  ganz  verschmäht.  An- 
lautendes s  fällt  zwar  sonst  im  ital.  nicht  weg9  aber  der  gleiche  werth 
zahlreicher  Wörter  mit  und  ohne  s  impurum  (sguardo,  guardo)  mochte  zu 
dem  fehler  verleiten,  neben  scalterire  jxueh  calterire  zuzulassen.  Man 
merke c  noch  einige  spuren  des  Wortes  in  andern  mundarten:  altsp.  escal- 
drido  =  it.  scaltrito  (jenes  nach  Gayangos  verderbt  aus  esclarecido), 
wedd.  scautriment  Hahn  599  =  scaltrimento. 

Scaraffare  wegraffen;  entspricht  besser  dem  mhd.  schrapfen,  bair. 
schrafen,  ndd.  schrapen  kratzen,  zusammenkratzen  (vgl.  escarbar  II.  b), 
eds  dem  gr.  axaQiqtaod'ai,  da  betontes  a  im  präs.  scaraffö  aus  i  hätte  ent- 
springen müssen,  was  gegen  die  lautgesetze  wäre. 

Scatola,  chw.  scatla  =  hochd.  schachte!.    Schon  Boccaccio  braucht 


IL  a.   SCEGLIERE-SCHIAMAZZARE.  397 

das  wort  mehrmals  und  stets  in  der  bedetdung  eines  behalters  für  confect; 
auch  im  späteren  üai.  miatein  kommt  es  einmal  vor.  Ist  nun  aber  scatola 
aus  schachte!  oder  Schachtel  aus  scatola?  Nach  Weigand  zeigt  sich  das 
deutsche  wort  erst  im  15.  jh.  und  scheint  entstanden  entweder  aus  dem 
deutschen  schaftel,  einem  derivatum  von  Schaft  'repositorium,  und  so  ur- 
theäte  schon  der  alte  Frisch  II,  155c ,  oder  aus  dem  ital.  worte,  dem  es 
auch  Wackernagel,  Umdeutschung  p.  58 \  zuweist;  dieses  aber  wäre  aus 
dem  carolingisch-lat.  scatum  d.  h.  aus  dem  altd.  skatt  lpecunia,  gaza  ab- 
geleitet. Diese  letztere  deutung  genügt  dem  begriffe  kaum,  denn  zu  einer 
gddkasse  eignet  sich  das  schwache  behältnis  wenig;  man  machte  dafür  ein 
neues  wort  Schatulle.  Erwägt  man  die,  buchstaben,  so  konnte  scatola  recht 
wohl  aus  Schachtel  entstehen,  denn  einfaches  t  vertritt  et  (cht)  auch  sonst, 
z.  b.  in  pratica,  etica  (hect.);  schachte!  aber  aus  scatola  würde  eine  un- 
gewöhnliche einschiebung  des  ch  vor  t  erfahren  haben.  Bekennt  man  sich 
zur  ersteren  ansieht  (scatola  aus  schachtet),  so  versteht  es  sich,  daß  man 
dem  deutschen  warte  ein  etwas  höheres  alter  einräumt. 

Scegliere  auswählen.  Herkunft  aus  seligere  ist  etymologisch  mög- 
lich; da  aber  keine  form  segliere  daneben  besteht  und  die  übrigen  sprachen 
nicht  dieses,  sondern  ein  neues  compositum  ex-legere  für  eligere  haben 
(sp.  esleir,  pr.  eslire,  fr.  61ire),  so  ist  das  ital.  verbum  besser  wohl  aus 
ex-eligere  zu  erklären,  worin  die  gemination  der  partikd  nicht  auffallen 
kann,  vgl.  unten  scilingnare. 

Scempio  marter,  Strafgericht;  von  exemplum  gleichbed. 

Scendere  herabsteigen;  verkürzt  aus  descendere  wie  struggere  aus 
destruere,  sp.  descender. 

Scernere,  scernire  untersdveiden,  anzeigen,  auslesen;  von  excernere 
absondern,  pr.  eissernir  auseinandersetzen,  anzeigen,  eissernit  auserlesen, 
ausgezeichnet:  .pr.  eis  beweist  für  ex,  so  daß  an  secernere  oder  discernere 
nicht  gedacht  werden  darf    Dazu  Krit.  anhang  p.  11. 

Scerpare  zerreißen;  /wrscerpere  von diacerpere.  Churw.  scarpar, 
com.  scarpä  von  dis-carpere. 

Scheggia  Splitter,  scheggio  steiler  f eisen;  von  schidia  (o%idiov) 
bei  Vitruv,  in  erster  bedeutung. 

Scherzare  schäkern,  sbst.  scherzo;  deutsches  wort,  mhd.  scherzen 
fröhlich  hüpfen  u.  dgl.,  verwandt  mit  ahd.  skerön  muthmllig  sein?  Vgl. 
Grimm  Reinh.  p.  387,  SchmeUers  Bair.  wb.  Uly  405. 

8 chi&coia,re  quetschen,  knacken,  schiaccia  falle;  vom  ahd.  klackjan 
zerbrechen,  mit  verstärktem  anlaut,  mhd.  zerklecken  z.  b.  ein  ei  (vgl. 
Hahn  zu  Konrads  Otto  v.  145).  Mit  fr.  äcacher  (s.  quatto  I.)  ganz 
unverwandt. 

Schiaffo  maulschelle;  vom  iischen  schlappe,  aber  nach  einer  muth- 
maßlichen  form  schlapfe,  slapfe,  wogegen  der  ersteren  das  ven.  veron. 
Alepa,  maü.  sleppa  gemäß  ist.    Neupr.  vb.  eselaßt  schlagen,  flappen. 

Schiamazzare  schnattern,  lärmen,  sbst.  schiamazzo,  citfr.  escla- 
masse  (daher  nhd.  schlamasse);  von  exclamare. 


398  H.a.  SCHIAKEA-SCIOGLIERE. 

Schiarea  scharlei,  scharlachkraut,  salvia  horminum  L.;  von  unge- 
wisser herkunß,  welche  auch  die  ndatein.  und  altdeutschen  formen  sclare- 
gia,  sclarea,  scaviola,  scareia,  scaralega  nicht  aufzuhellen  vermögen. 

Schiettö  rein,  glatt,  pr.  esclet  QO.,  limous.  esclä  mit  ders.  bed., 
chw.  schlieft;  nichtswürdig;  vom  goth.  slafhts,  ahd.  sieht,  nhd.  schlicht, 
schlecht.  Das  neap.  schitto  hat,  gleich  dem  ndl.  slechts,  die  adverbiale 
bed.  'nur  (schlechthin)  entwickelt,  so  auch  churw.  schiett  (bei  Conradi), 
vgl.  ü.  pure  von  purus. 

Schioppo,  umgestellt  scoppio  krach,  knall,  feuergewehr,  dimm. 
schioppetto,  scoppietto,  daraus  sp.  escopeta,  fr.  escopette  stutzbüchse, 
vb.  scoppiare  knallen,  platzen,  zerspringen,  letzteres  in  der  L.  Sal.:  si 
quis  alternm  de  sagitta  toxicata  perentere  voluerit  et  praeter  sclupa- 
verit  'vorbei  geschossen.  Persius  gebraucht  stloppus,  woneben  auch  eine 
lesart  sclopus  angemerkt  wird,  für  den  schall,  den  ein  schlag  auf  aufge- 
blasene backen  macht:  nee  stloppo  tumidas  intendis  rumpere  buccas: 
hieraus,  bereits  nach  der  ansieht  der  alteren  etymologen,  das  itoi.  wort, 
indem  stl  zu  schi  ward,  vgl.  fisttare  fischiare.  Eine  dritte  ital.  form 
stioppo  ist  nicht  notwendiger  weise  als  unmittelbares  produet  der  lesart 
stloppus  zu  fassen,  da  schi  häufig  in  sti  übergeht  (stiaffo,  stianto,  stinco). 

Schippire  entwischen;  offenbar  ein  deutsches  wort,  für  selippire 
mit  unvermeidlicher  Unterdrückung  des  1,  mhd.  slipfen  {ahd.  slipfjan, 
selipfjan?),  ndl.  slippen,  ags.  slipan,  engl,  slip  gleiten,  schlüpfen,  weg- 
schlüpfen.   Nach  1.  conj.  comask.  slippä  mit  gl.  bed. 

Scialacquare  verprassen,  scialacquarsi  zerfließen;  nach  Menage 
aus  ex-adaquare,  nach  andern  aus  ü.  scialare  und  acqua. 

Scialare  aushauchen;  von  exhalare,  sp.  exhalar,  ital.  auch  entstellt 
in  asolare  keichen,  gleichbed.  mail.  esalä. 

Sciarra  Schlägerei,  sciarrare  zersprengen,  zerstreuen;  unbekannter 
herkunft,  nach  Fr.  Pasqualino  vom  aräb.  scharr  bosheü  Qol.  1265,  dem 
aber  die  bedeutung  des  verbums  widerspricht.  Mit  besserm  rechte  denkt 
man  wohl  an  unser  ahd.  zerran  zerreißen,  mhd.  zar  riß,  woher  it.  ciar- 
rare,  sodann  mit  prothetischem  s,  wie  oft  in  deutschen  Wörtern,  s-ciarrare 
werden  konnte. 

Sciatto  plump,  ungestalt;  zsgs.  aus  negierendem  ex  und  aptus,  wie 
auch  MSnage  erklärt.  Oder  ist  es  vom  sp.  chato  stumpf,  stumpfnasig, 
woher  sicher  das  mail.  sciatt  dick  und  kurz?    S.  piatto  I. 

Scilinguare  stammeln;  zsgs.  aus  ex  und  elinguare  der zunge  berauben. 

Sciocco  unschmackhaft,  albern;  von  exsuecos  safttos. 

Sciogliere,  sciorre  sciolsi  sciolto  losbinden,  lösen;  dsgl.  disciog- 
liere,  disciorre  disciolsi  disciolto  lösen,  schmelzen.  JErsteres  von  exsolvere, 
darum  sard.  isolvere,  letzteres  (oder  auch  beide,  was  sich  grammatisch 
nicht  unterscheiden  läßt)  von  dissolvere.  Asciogliere  lossprechen,  van 
absolvere.  Die  behandlung  des  v  in  dem  lat.  warte  ist  ungewöhnlich,  die 
abänderung  der  conjugationsform,  die  auch  in  risolvere  risolsi,  assolvere 
assolsi  vorliegt,  kann  nicht  auffallen. 


H.a.   SCIOPERARE-SERMOLLINO.  399 

Scioperare  von  der  arbeit  abhalten,  daher  scifpero,  scioperone 
müßig,  Müßiggänger;  von  ex  und  operare. 

Scipare  verwüsten,  verderben;  von  dissipare,  sp.  disipar.  Ebenso 
sciupare  von  dissupare,  einer  in  den  handsckriften  üblichen  vielleicht 
bessern  form,  die  also  im  ital.  forüebt. 

Scipido,  sciapido  fade;  von  in-sipidus,  in-sapidus. 

Sconfiggere  sconfissi  sconfitto  aufs  haupt  schlagen.  Exconfigere 
widerstrebt  der  bedeutung,  dagegen  entspricht  derselben  das  pr.  esconfire 
esconfis  esconfit  von  ex-conficere :  dies  nahm  der  Italiener  herüber,  lieh 
ihm  aber,  da  dessen  flexion  im  übrigen  zu  figgere  stimmte,  auch  den  in- 
fimtiv  dieses  verbums. 

Scornare  demüthigen,  beschimpfen;  dttfr.  escorner  einem  die 
hörner  d.  h.  den  stolz  nehmen,  cornua  saniere,  gleichsam  excornare;  da- 
her sbst.  sconio. 

S  cos  so  (nur  vorhanden  im  lomb.  scoss)  schoß,  gremium;  aus  dem 
deutschen,  ahd.  scöz.   Dasselbe  wort  ist  das  wallon.  hö  für  hot,  ndl.  schoot. 

Scotolare  flachs  schwingen;  vom  ahd.  scutilön  schütteln,  vgl.  weil. 
scuturä  schütteln,  beuteln. 

Scotta  molken;  von  exeoeta,  weil  sie  durch  kochen  von  der  milch 
geschieden  oder  auf  diese  weise  abgeklärt  eu  werden  pflegen,  darum  auch 
ricotta  genannt.  Daß  das  wort  nicht  im  dtschen  schotten  quark,  geron- 
nene mäch,  das  man  von  schütten  herleitet  (die  milch  schüttet  sich,  ge- 
rinnt), seinen  grund  habe,  beweist  die  comask.  form  scocia  =  exeoeta, 
wie  strecia  *=  strieta  u.  dgl. 

Scranna  bank,  auch  richterstuhl;  vom  gleichlaut.  ahd.  wort,  rihd. 
schranne  mit  denselben  bedeutungen,  Schmeller  III,  510.  In  ci-scranna 
sessel  mit  beweglicher  rücklehne  ist  der  erste  theil  der  Zusammensetzung 
dunkel. 

Scriccio,  scricciolo  Zaunkönig;  vgl.  ülyr.  zaritsch,  krain.  stresch 
(bei  Nemnich).  Griech.  xqs§,  ags.  scric,  hd.  schrick,  sind  vogelnamen 
andrer  bedeutung. 

Scure  beü;  durch  syncope  von  securis,  wal.  secure,  sp.  segur, 
sard.  seguri. 

Sdrajarsi  sich  der  länge  nach  hinstrecken;  wahrscheinlich  das  goth. 
stranjan  oder  ahd.  strewjan  ausbreiten:  sd  =  st  wie  in  sdrucciolare. 

Sdrücciolo  schlüpfrig,  gleitend,  vb.  sdrucciolare  gleiten,  stolpern, 
daher  sp.  esdruxulo ;  vom  ahd.  strühhal  strauchelnd  (nicht  zu  belegen), 
vb.  mhd.  strfichelen,  nhd.  straucheln.  Die  normale  bildung  wäre  sdruc- 
colo  gewesen. 

Sägolo  kleine  hacke;  von  secula  sichel. 

Sema,  sem  comask.,  semma  maü.,  adverb  für  it.  ora,  volta,  z.  b. 
l'aot  sem  Valtra  volta,  semma  vun,  semma  Folter  or  Vuno,  or  Vcitro; 
vom  lat.  semel  (P.  Monti). 

Sermollino  quendd,  ein  kraut;  von  serpyllum,  it.  auch  serpillo, 
serpollo,  sp.  pr.  serpol,  fr.  serpolet 


400  U.a.   SERQUA-SIRIMA. 

Serqua  eimdutzend. 

Sezzo,  sezzajo  mit  assimiliertem  anlaute  zezzo  üUimus;  von  secius 
schiechter,  geringer,  in  einem  glossar  des  12.  jh.  secius  lsegnius  lang- 
samer, später,  also  ein  noch  in  da  sezzo,  dem  gegensatze  von  da  prima, 
deutlich  ausgedrücktes  zum  adjectiv  gewordenes  adverb.  Eben  so  wohl 
würde  sich  das  ited.  wort,  mit  berufung  z.  b.  auf  fazzone  aus  factio,  aus 
dem  von  Odlius  angemerkten  sectius  für  secius  erklären  lassen.  Eine 
form  mit  cc  seccio  ist  nicht  vorhanden,  selbst  nicht,  wie  es  scheint,  in  den 
sonst  so  formenreichen  mundarten.  Den  positiv  secus  hat  das  cdtsard. 
assecus  bewahrt,  s.  ainQois  II.  c. 

Sghembo  schief,  gekrümmt,  piem.  mit  i  sglrinbo;  entspricht  in  be- 
tracht  seines  stammvocals  nicht  dem  lat.  scambus  (oxa/Ltßog),  besser  dem 
gr.  axifdßog  kauernd  (zusammengekrümmt?),  aber  das  ahd.  slimb  schief, 
bair.  schlimm,  schlemm,  hat  vermöge  seiner  passenderen  bedeutung  bessere 
ansprüche;  noch  näher  liegt  dem  deutschen  worte  das  bresc.  slemba  schief 
geschnittene  Scheibe.  Das  sie.  scalembru,  wohl  für  sclembru  sclembu 
(romagn.  sgal&nbar),  scheint  gleichfalls  dieses  Ursprungs.  Eine  zs$. 
muß  sein  das  synonyme  schimbescio,  schimbecio  für  sghimb-biescio, 
s.  biais  II.  c. 

Sgherro  schlaget,  rauf  er;  vom  ahd.  scarjo  hauptmann? 

Sgneppa  Waldschnepfe  s.  Ferrari,  com.  sgnep,  auch  wal.  sneap 
(m.);  vom  ahd.  snepfa,  snepfo,  nhd.  Schnepfe. 

Sgomentare  erschrecken,  erschreckt  werden;  von  commentari  nach- 
sinnen, gleichsam  exeommentare  aus  der  besinnung  bringen,  wie  schon 
Muratori  auseinandersetzt. 

Sgu&ncio  Schiefheit,  quere;  augenscheinlich  von  unserm  schwank 
d.  i.  biegsam,  leicJU  ausweichend,  schwed.  sbst.  svank  krümme,  ndl.  zwan- 
ken  drehen,  daher  wohl  auch  scancio  für  sguancfo,  und  durch  einsekie- 
bung  eines  i  =  lschiancfo,  vb.  schiancire.  —  Ein  wort  ähnlichen 
Uanges  ist  sie.  sgainciu,  neap.  sgainzo  quer  (daher  sp.  esguince  aus- 
beugung?),  entweder  eine  ablautform  von  sgaancio  oder  aus  dem  (tischen 
windisch,  winsch  schief,  vgl.  auch  engl,  squint  Zu  diesem  sgainciu  ver- 
hält sich  das  it.  schincio  (cremon.  bes-sebinz),  vb.  schencire,  als  aus- 
artung  wie  scancio  zu  sguancio. 

Sido  strenge  kälte,  assiderarsi  vor  kälte  erstarren;  von  sidus  eine 
krankheit,  er  starrung,  siderari  erstarren,  fühllos  werden. 

Sino  und  insino  präposition,  tenus,  bis;  muthmaßlich  entstellt  aus 
Signum  zeichen,  ziel,  wie  die  präp.  fino  aus  finis  genommen  ward.  Die 
churw.  spräche  besitzt  sin  la  fin  cam  ende. 

Sione  Wirbelwind;  von  olqxav  Wasserhose,  auch  fr.  siphon,  lat. 
siphon.  F  zwischen  voceden  syncopiert  gehört  in  der  itcd.  Schriftsprache 
unter  die  seltnen  ereignisse. 

Sirima  die  letzte  abtheüung  einer  Strophe,  abgesang;  von  syrma 
(ovQfta)  schleppe,  auch  ins  walach  übergegangen,  serm^  faden,  und  ins 
alban.,  sirm^  seide. 


U.a.   SLITTA-SPALANCARE.  401 

Slitta  sckUtten;  vom  ahd.  slito>  kaum  fem.  slitä.  Daher  com. 
slitigä  gleiten. 

Smacco  schimpf,  smaccare  beschimpfen;  vom  ahd.  smäht  schmach, 
smähen  schmähen,  gering  werden,  smähjan  erniedrigen.  Bas  doppelte 
cc  sta#  «wes  einfachen  c  oder  g  rechtfertigt  sich  mit  ricco  t?on  rihhi, 
taceola  von  täha.  Davon  zu  trennen  ist  smaccare  in  der  bed,  matsch 
werden,  s.  macco  I. 

Smalzo  venez.  btdter;  vom  dtschen  schmalz. 

Smänia  tollheit,  smaniare  toben;  von  mama,  gr.  fiavia,  auch  it.  manfa. 

S  Office  weich,  geschmeidig;  von  supplex  demüthig,  so  daß  also 
hier,  was  selten  geschieht,  die  sinnliche  bedeutung  sich  aus  der  abstracten 
entfaltet  hat.  Die  probe  dieser  etymologie  leistet  das  fr.  souple,  dessen 
form  zu  supplex,  dessen  begriff  au  soffice  paßt.  F  aus  p  ist  freilich 
selten,  aber  der  offenbar  lateinische  typus  des  Wortes,  die  tonlose  endung 
Tee,  läßt  keine  andre  wohl  eu. 

Solcio  sulze;  vom  deutschen  wort,  ahd.  sulza.  Auch  pr.  solz,  soutz 
'cames  in  aceto  GProv.  54.  57.  Solcio  ist  ein  fall,  worin  ein  altdtsches 
feminin  auf  at  gegen  die  reget  zum  masculin  geworden  ist;  Graff  hat 
übrigens  auch  sultz  ohne  a. 

Solleticare  kittein;  nach  Ferrari  von  sub-titillicare,  also  umgestellt 
aus  so-tellicare ;  nach  Muratori  umgestellt  aus  sollicitare  sc.  digitis.  Fer- 
rari's  erklärung  gebührt  diesmal  der  vorzug:  sie  wird  durch  das  neap. 
tellecarc  gestützt,  dem  nur  titillicare,  nicht  sollicitare  gemäß  ist.  Aus 
titillicare  ist  auch  dileticare  für  tileticare. 

Sollione  zeit  der  hundstage;  sub  leone,  weil  die  sonne  alsdann  im 
zeichen  des  löwen  steht. 

Sollo  locker.  Der  lat.  ausdruck  dafür  ist  solutus:  hieraus  konnte, 
wie  von  mutus  mutolo,  ein  diminutiv  söltolo  {vgl.  assolto  neben  assoluto) 
zsge.  solt'lo  sollo  entspringen,  auch  spalla  aus  spat'la  zeigt  assimilation 
des  tl  zu  11.    Die  etymölogen  haben  dieses  wort  übergangen. 

Sottecco,  sottecchi  adverb,  verstohlener  weise;  nach  der  Orusca 
von  sott1  occhio,  was  die  venez.  form  sotochio  zu  bestätigen  scheint. 

Sovatto,  soatto  leder  zu  riemen;  vom  lat.  subactum  in  der  be- 
deutung gegerbt 

Spaccare  spalten,  spaccarsi  bersten;  vom  mhd.  spachen  bersten 
machen,  spalten,  bair.  (intrs.)  bersten,  nhd.  spaken  dass.  Das  sbst.  ahd. 
spacha  ast,  scheu  fehlt  dem  Romanen. 

Spago  bindfaden,  ungr.  sparga.  Nach  Ferrari  von  spartum  seil 
oder  schnür  aus  einer  gewissen  pflanze  (sp.  esparto)  gedreht,  woraus 
sparticus  sparcus  spacus  entstehen  mochten.  Beide  letztere  formen 
trifft  man .  in  der  that  im  frühern  mlatein  als  gleichbed.  mit  ahd.  drät 
Graff  V,  239,  doch  muß  sparticus  jenseits  der  roman.  Sprachbildung  liegen, 
da  diese  von  dem  suffix  Tcus  in  seiner  männlichen  form  sonst  keinen  ge- 
brauch macht. 

Spalancare   aufsperren.     Palanca  it.  pfähl,  Stakete,  s.  pianca  L, 

2C 


402  H.a.   SPALDO-SPRAZZARE. 

palancato  pfahlwerk  besonders  zum  sehnte  eines  stadtthores,  daher  spa- 
lancare  das  thor  öffnen,  sp.  espalancar  ausbreiten  z.  b.  die  arme. 

Spaldo,  veron.  ven.  spalto  erker,  plur.  spaldi  vorspringender  gang 
oben  auf  einer  mauer;  ursprüngl.  wohl  rinnen,  einschnitte,  vom  dtschen  spalt? 

Spanu  sicil.  adj.  selten;  vom  gleichbed.  gr.  onavog  mit  Pasqualino. 

Spassarsi  sich  erlustigqn,  spasso  vergnügen,  daher  unser  spassen, 
spaß;  keine  Zusammensetzung  mit  it.  passare,  sondern  frequentativ  des 
lat.  expandere  expassus  sich  ausbreiten,  sieh  auslassen. 

Spegnere  auslöschen.  Starke  (sogenannte  unregelmäßige)  itcA. 
verba  fließen  fast  ohne  ausnähme  nur  aus  starken  lateinischen:  darum 
spegnere  spensi  spento  aus  lat.  expingere  expinxi  expictns  ausmalen, 
in  dem  sinne  von  wegmalen,  ausstreichen.  So  erklärte  es  schon  Muratori; 
jede  andre  deutung  ist  abzuweisen. 

Speme  und  spene  hoffnung;  beide  formen  poetisch  und  spene  schon 
bei  den  ältesten  dichtem  und  nicht  bloß  im  reim.  Es  ist  entweder  eine 
augenscheinliche  accusativform  von  spem,  oder  die  form  spene  gieng  vor- 
aus als  eine  paragogische  aus  spe  wie  piene  aus  pi&,  mene  aus  me,  tene 
aus  te  u.  dgl.,  über  welche  erweiterungen  Castdvetro  zu  Bembo  II,  98  und 
mit  bezug  auf  speme  Blanc  137  nachzusehen  sind.  Die  erstere  erJdärung 
aber  hat  mehr  für  sich,  da  n  vor  einem  vocale  it<ü.  nicht  in  m  übertritt, 
eher  das  umgekehrte  stattfindet  (fornire  für  formire,  sono  von  sum).  Ein 
valenc.  esp£  neben  esper  verzeichnet  Ros  Dicc.  vat. 

Spändere  ausgeben,  von  expendere,  sp.  expender,  woher  auch  unser 
spenden,  schon  ahd.  spentön;  spesa  aufwand,  von  expensa  (fem.  oder 
neutr.  plur.),  mlat.  spensa,  hieraus  unser  speise,  ahi.  splsa,  churw.  spisa; 
spendio  von  dispendium.    Davon  handelt  auch  Schmeller  III,  678. 

Spignere,  spingere  fortstoßen;  gleichsam  expingere,  mit  vertausch- 
ter compositionspartikel  nach  impingere  von  pangere  geformt,  wie  auch 
pr.  espenher  neben  empenher  besteht. 

Spfgolo  ecke  einer  platte;  von  spicnlum  spitze.  Eine  andre  dar- 
Stellung  desselben  wortes  ist  spicchio  knöpf  des  knoblauchs,  viertel  einer 
birne  u.  dgl.,  scheibchen  pomeranze,  Schelfe  der  zwiebel  (etwas  spitzes 
oder  scharfes),  venez.  gleichfalls  spigolo,  neap.  spicolo;  dafür  auch  ven. 
veron.  spigo  =  lat  spicus,  spicum,  vgl.  chw.  spig  bergspitze.  Das 
romagn.  spigul  einigt  die  bedd.  von  spigolo  und  spicchio.  Letzteres 
ist  also  nicht  von  spiccare,  woraus  nur  spicco,  spicca  hätte  entstehen 
können. 

Sponda,  pr.  esponda  brustwehr,  ufer,  rand;  von  sponda,  fußgestett 
des  bettes,  eine  auch  den  roman.  Wörtern  noch  vergönnte  bedeutung. 

Sporto  vor sprung,  erker;  partic.  von  sporgere,  lat.  exporrigere 
hervorstrecken.    Sportello  thürchen  deutet  Menage  aber  aus  porta. 

Spranga  riegel,  querholz,  spange;  vom  ahd.  spanga,  das  dieselben 
bedeutungen  zeigt,  mit  eingeschobenem  r. 

Sprazzare,  sprizzare,  spruzzare,  drei  durch  die  ganze  ab- 
lautscala  gehende  verba,  den  deutschen  verbis  spratzen,  spritzen,  sprützen 


tta.  SPRECARE-STIMARE.  403 

nachgebildet.  So  auch  sbrizzare  benetzen,  zerbröckeln,  chw.  sbrinzlar, 
vgl.  sbrocco  neben  sprocco. 

Sprecare  verschütten,  verschwenden.  Latium  scheint  kein  etymon 
zu  bieten.  Oder  soll  man,  gestützt  auf  gemere  gemicare,  eine  ableitung 
aus  it.  spergere  besprengen,  verschleudern,  daher  spergicare,  SQdann  mit 
der  ziemlich  harten  syncope  spercare  sprecare  annehmen?  Da  es  erlaubt 
ist,  mit  logisch  gleichartigen  beispielen  andrer  sprachen  zu  argumentieren, 
so  könnte  man  das  ags.  sprec  zweig,  engl,  sprig,  heranziehen,  von  welchem 
das  fragliche  verbum  stammen  würde,  wie  das  sp.  derramar  zerstreuen, 
verschwenden  von  ramus  stammt;  ein  ital.  sbst.  spreco  fehlt.  Endlich 
käme  ein  deutsches  verbum  sprecken  besprengen  (d.  i.  ausstreuen)  in  be- 
frachte su  folgern  aus  obd.  sprecklicht  besprengt,  mhd.  spreckel  haut- 
flecken und  andern. 

Squarciare  zer stücken,  zerreißen;  buchstäbl.  viertheilen,  von  ex- 
quartare  (it.  squartare,  fr.  6carteler),  erweitert  in  ex-quartiare.  Neap. 
8quartare  aber  hat  schon  an  und  für  sich  die  bed.  von  squarciare. 

Squittire  zwitschern,  schreien;  vgl.  bcrir.  quitschen. 

Staffa  it.  chw.  Stegreif;  vom  ahd.  staph,  stapho  schritt,  tritt,  woher 
wohl  selbst  das  spätere  lat.  stapia.  Abll.  sind  staffetta,  sp.  estafeta,  fr. 
estafette:  cursor  tabellarius,  cui  pedes  in  stapede  perpetuo  sunt,  nach 
Ferrari;  dsgl.  staffile  bügelriemen,  staffilare  mit  riemen  peitschen,  staffi- 
lata  hieb,  fr.  estafilade  schmarre. 

Staggire  in  beschlag  nehmen,  auspfänden,  dsgl.  anhalten,  hemmen, 
staggina  Sequester.  Nicht  etwa  von  Status  oder  statio,  da  sich  kein  verbum 
statiire  annehmen  läßt.  Es  mag,  wie  viele  ausdrücke  aus  dem  rechts- 
wesen,  deutscher  abstammung  sein,  von  statigön  sistere,  hemmen,  oder  von 
st&tian  (st&tan)  fest  machen,  heften. 

Stambecco,  das  ahd.  stainboc,  g&tfr.  umgekehrt  bouc-estain,  chw. 
stambuoch,  s.  Menage  und  Le  Duchat. 

Stamberga  schlechte  hätte;  aus  seinem  letzten  theile  zu  schließen, 
ein  deutsches  wort. 

Stecco  dorn9  stecea  stdb,  scheit,  stecehire  verdorren;  vom  ahd. 
steccho  stecken,  Stachel,  ndl.  stek  sprosse.     Vgl.  ätiquette  II.  c. 

Stentare  zaudern,  darben,  chw.  stentar  muhe  haben,  it.  stento  noth, 
mühseligheit,  chw.  stenta;  von  äbstentare  für  abstinere  sich  enthalten, 
kunger  leiden.  Dahin  auch  bi stentare,  bistento,  pr.  (von  tentiare) 
bistensar,  bistens,  atifr.  bestancier,  bestans. 

Stesso,  istesso,  pronomen;  von  iste  ipse.  Diese  abkürzung  von 
iste  zeigt  sich  schon  in  den  besten  lat.  handschriften,  worin  man  'sti, 
'ßtorum,  'stoc,  'stunc  liest.    8.  Corssen,  Lat.  ausspräche  II,  82.  83. 

Stia  hühnersteige;  vom  ahd.  stfga  stiege,  steig,  nicht  vom  synonymen 
steiga,  goth.  staiga,  welchem  ein  it.  staga  entsprochen  haben  würde. 

Stimare  wofür  halten;  von  aestimare,  im  präsens  mit  fortge- 
rücktem aecent  stimo,  estimo.  Die  form  stimare  im  altern  mlatein}  s.  Gl. 
Keron.  p.  145*.  \ 


404  u.a.   STINOO-STRUGGERE. 

Stinco,  moden.  ven.  schinco,  mail.  schinca  Schienbein;  vom  ahd. 
skinko  röhre,  flöte,  rrihd.  schinke  bein. 

Stio,  lino  stio  art  lein,  der  im  märe  gesät  wird;  nach  Manage  von 
sativum,  ailso  mit  ausfall  des  ersten  vocals  tote  in  staccio  von  setaceum. 
Besser  von  aestivum  sommerlein. 

Stovigli,  stoviglie  irdenes  geschirr,  hüchengeschirr;  nach  Muratori 
vom  dtschcn  Stabe  d.  i.  küche;  besser  vom  ahd.  stouf  =  altn.  stäup, 
ags.  stedp  becher,  schale,  dimin.  ahd.  stoufili.  Dahin  auch  dttfr.  esteu 
GhevdUet  I,  440. 

Straccare  abmatten,  stracco  für  straccato  erschöpft;  vermuthlich 
vom  ahd.  strecchan  in  der  bed.  hinstrecken,  zu  boden  schlagen.  Auch 
prov.  estracar  scheint  ermüden  eu  bedeuten:  jornadas  grans  e  longas  et 
estracadas  große,  lange  und  ermüdende  (ermüdete)  tagereisen  LR.  s.  v. 
estraguar. 

Strale  (m.)  pfeil;  vom  ahd.  sträla  (f.)  mit  gl.  bed.,  oder  besser, 
denn  sträla  würde  sein  weibliches  a  auch  im  itdt.  nicht  aufgegeben  haben, 
vom  mhd.  str&l  (m.)  =  ags.  strsel  (m.),  diese  nach  Wackernagel  von 
straejen  ausstreuen.    Auch  im  slavischen  heimisch. 

Strappare  ausreißen,  strappata  riß,  ruck,  sp.  estrapada,  fr.  estra- 
pade;  vom  obd.  (Schweiz.)  strapfen  ziehen,  nhd.  straff  fest  angesogen. 
Vgl.  estraper  II.  c. 

Stratto  seltsam,  wunderlich;  für  astratto  (abstractus)  oder  distratto 
(distractus)  in  gedanken  vertieft. 

Straziare  mishandeln,  strazio  mishandtung,  zerfleischung  u.  dgl.; 
von  distractus  zerrissen,  gleichsam  distractiare.  Schon  Muratori  war 
dieser  meinung. 

Strillo  lautes  geschrei,  vb.  strillare;  von  stridulus  rauschend,  sausend. 

Striscia  streif,  strisciare  streifen,  schleichen.  Es  ist  schwer  zu 
sagen,  in  welches  etymon  sich  dies  wort  am  wenigsten  fügt,  in  das  lai. 
strix,  strigis,  da  es  alsdann  eine  beispiellose  nominativform  (strixa)  vor- 
aussetzte,  oder  in  das  dtsche  strich,  da  dtsches  ch  sich  nie  in  it.  sei  wan- 
delt: nur  ein  ahd.  verbum  strichisön  würde  genügen.  Logisch  paßt  striscia 
besser  zu  strich  als  zu  strix:  una  striscia  di  paese  ist  genau  ein  strich 
landes;  man  sehe  auch  Muratori. 

Stronzare  beschneiden;  vom  ahd.  strunzan  abschneiden  (nur strun- 
zere detruncator).  Sbst.  stronzo,  stronzolo  runder  dürrer  koth,  attfr. 
estront,  nfr.  £tron  Jeoth,  nhd.  strunzen,  strunzel  abgeschnittenes  stück  s. 
Schneller  III,  688,  ndl.  stront  dreck,  mist,  eigentl.  abschnitt,  abfaU,  weg- 
wurf  (dunkler  würzet). 

Strozza  kehle,  strozzare  erwürgen;  vom  ahd.  drozzä  gleichbedeutend 
mit  ersterem. 

Struffo,  strufolo  häufe  läppen;  wohl  vom  dtschen  strupf  etwas  aus- 
gerauftes, ahd.  stroufen  rupfen,  abstreifen. 

Struggere  zerstören;  für  distruggere  =  destruere.  Das  einge- 
schobene gg  erklärt  sich  aus  einem  früheren  hiatustilgenden  j  in  destru- 


H.a.   STUZZICARE-TAN4  405 

jere,  statt  dessen  das  mlatein  lieber  das  lautverwandte  g  setzte  (trägere 
für  traere  d.  i.  trahere).  Nicht  anders  verhalt  sich  altpg.  trager  von 
trahere,  daher  npg.  trazer.    S.  Rom.  gramtn.  I,  179. 

Stuzzicare  antreiben,  einfacher  moden.  stussa,  chw.  stuschar;  vom 
dtschen  stutzen  anstoßen.     Veneroni  kennt  überdies  stozzare  einprägen. 

Subbia  meißei;  von  sübula  pfriemen. 

Suc ciliare  saugen;  gleichsam  succulare,  von  sucus,  succus  soft, 
s.  suco  I.  Es  bedeutet  auch  bohren,  weil  der  bohrer,  d.  h.  der  hohlbohrer, 
die  späne  in  sich  sieht,  davon  das  sbst.  succhio,  nicht  von  subula,  wie 
andre  wetten  (bl  nicht  =  cchi),  und  wohl  auch  nicht  von  sueula  eine 
maschine  zum  ziehen,  haspd,  winde. 

Süghero  kork;  für  süvero  von  süber,  indem  v  ausfiel  (su-ero)  und 
gh  später  zur  beseitigung  des  hiatus  eintrat;  ebenso  pavone  pa-one  pa- 
gone  =  lat.  pavo.  Im  ven.  und  cot.  suro  ward  der  hiatus  durch  zu- 
sammenziehung beseitigt. 

Sugna  fett,  schmeer;  von  axungia  wagenschmeer,  vgl.  die  venez. 
form  sonza  (z  =  lat.  gi),  mail.  sonsgia. 

Susina  pflaume;  vielleicht  nach  der  Stadt  Susa  benannt,  woher  sie 
stammen  mochte  (Muratori). 

Sveglia  1)  wecker  in  der  uhr,  2)  ein  nicht  mehr  übliches  blasin- 
strument,  dsgl.  einer  der  es  bläst.  Kommt  in  erster  bedeidung  vom  vb. 
svegliare  wecken  =  lat.  evigilare  (s.  vegliare  L);  in  der  zweiten  leitet 
es  Pott,  Ztschr.  für  vergl.  sjprachf.  XII,  192,  überraschend  vom  goth. 
sviglja  avbjrrjg  pfeifet,  ahd.  suegalä  pfeife,  gegen  welche  deutung  die 
etwaige  emwendung,  man  habe  mit  der  pfeife  geweckt  und  so  habe  für 
wecker  und  pfeifet  dasselbe  wort  üblich  werden  können,  nicht  schlagend 
genug  sein  würde. 

Svellere,  svegliere  ausreißen;  von  exvellere  für  evellere. 


T. 

T&ccola  eist  er,  täccolo  schakerei,  taecolare  plaudern;  vom  ahd. 
täha  cornicula,  wie  schon  Graff  s.  v.  anmerkt,  oder  vom  unvorhandenen 
tahala,  woraus  nhd.  dohle,  vgl.  Grimm  P,  131. 

Tagliuola  f allstrick,  f angeisen;  wie  pedica  von  -pes,  so  dieses 
wort  von  talus  knöchel  (der  thiere),  eine  unzweifelhaft  richtige  deutung 
Muratori1  s. 

Tana  it.  chw.  neupr.  hohle  wilder  thiere.  Es  soll  abgekürzt  sein 
aus  sottana,  lat.  gleichsam  subtana,  subtanea,  dem  man  die  bed.  unter- 
irdisch beilegt,  und  so  könnte  auch  das  entsprechende  comask.  trana 
(wofür  auch  trona)  aus  sotterrana,  subterranea  gedeutet  werden: 
leicht  nämlich  läßt  die  ital.  spräche  eine  unbetonte  ardautssübe  schwin- 
den. Oder  ist  tana  das  auf  ein  scheinbares  primitiv  zurückgebrachte 
fr.  tariere? 


406  r  ILa.   TANFO— TOZZO. 

Tanfo  modergeruch;  wohl  das  ahd.  tamf,  nhd.  dampf.  Derselben 
herkunft  ist  das  champagn.  tanfer  keichen  =  ahd.  tamfjan  ersticken. 

Tarpare  die  flügel  stumpfen;  woher? 

Tättera  gerümpd,  plunder;  vgl.  engl,  tatters,  ndd.  taltern  fetzen, 
dhd.  zatä  zotte. 

Tecchire,  attecchire  zunehmen,  wachsen;  offenbar  vom  goth.  thei- 
han,  alts.  thihan  =  ahd.  dthan,  nhd.  gedeihen:  t  aus  dtschem  th  ist  be- 
kannt, langes  i  aber  fiel  in  eine  tonlose  silbe  und  konnte  also  wie  kurzes 
i  behandelt  d.  h.  durch  e  dargestellt  werden.  Diesem  tecchire  entspricht 
altfr.  tehir  (vgl.  it.  gecchire,  aitfr.  gehir),  das  auch  wachsen  machen 
heißt:  ensi  me  puise  dieus  tehir  Eracl.  2302.  Davon  zu  trennen  ist 
piem.  tec  crassus,  vom  ahd.  thik,  nhd.  dick. 

Tämolo  it.  eine  ort  fordlen;  vom  adj.  thymTnus,  weil  ihr  fleisch 
nach  thymian  riecht.    Ein  sp.  tfmalo  in  einigen  wbb.  (fehlt  pg.  cot.) 

Tempella  (mdartl.  tamperla)  ein  instrumenta  durch  dessen  klap- 
pernde Schwingung  die  manche  zum  kirchendienste  geweckt  wurden;  nach 
Muratori  von  tempus  zeit,  nämlich  zum  aufstehn.  Hieraus  das  vb.  tem- 
pellare  langsam  hin-  und  herbewegen  (wie  jenes  instrufaent),  intr.  schwan- 
ken, auch  in  moralischem  sinne,  tempellone  unentschlossener  mensch.  Ein 
besseres  etymon  gewähren  die  Quellensprachen  nicht. 

Testeso  und  testö  adverb  für  tat.  nuper.  Nach  Ferrari  von  statim, 
nach  Menage  von  isto  isto  ipso  sc.  tempore,  welches  aber  stestesso  er- 
geben hätte,  da  anlautendes  s  nicht  Schwindel.  Es  ist  von  ante  ist1  ipsum, 
antesteeso,  mit  abgefcdlnem  an,  was  keine  Schwierigkeit  macht,  ähnlich 
fante  (infans),  bilico  (nmbilicus).  Der  Wechsel  zwischen  giü  und  giuso, 
su  und  8U80  gewöhnte  aber  daran,  auch  teste,  testeso  für  testesso  zu 
sprechen. 

Ticchio  wunderlicher  einfalle  Ist  dies  nickt  augenscheinlich  aus 
unserm  ahd.  ziki  böckchen  wie  das  mit  ticchio  gleichbed.  Capriccio  aus 
capra  gebildet? 

Tomajo  Oberleder;  ngr.  to/uccqi,  russ.  towär  leder,  s.  Diefenbach, 
Goth.  wb.  I,  207.  ■  $ 

Tondo  rund,  als  sbst.  Scheibe,  tondino  reif,  teuer  (auch  ins  span. 
übergegangen);  von  rotundus  durch  aphärese.  Eine  zss.  ist  bis -tondo 
rundlicht,  worin  bis  das  unvollkommne  der  eigenschaß  ausdrückt,  piem. 
bis-rioncL 

Tönfano  tiefe  stelle  im  wasser,  Strudel;  ist  das  gleichbed.  ahd. 
tumphilo  (gurges  'wag  vel  tumphüo  Gl.  Bhdb.  954b),  mhd.  tümpfel,  nhd. 
dümpfel.  Auch  außerhalb  Italiens  läßt  sich  das  wort  betreffen:  npr. 
toumple,  altpr.  tomplina. 

Topo  rotte,  maus;  =  sp.  topo,  cat.  taup  maulwurf;  von  talpa, 
verändert  in  talpus,  im  Vocdb.  SGall.  talbas  'scero*  (schermaus).  Romagn. 
fem.  topa  in  der  bed.  des  it.  topo. 

Tozzo  dick  und  kurz,  sbst.  tozzo  runken  brot  u.  dgl.  Entweder 
ward  dieses  wort  aus  in-tuzzare  (s.  oben)   gefolgert,   oder   es  entsprang 


H.a.   TRA— TROSCIA.  407 

aus  dem  deutschen  (schwäbischen)  stotz  stamm,  stumpf,  klotz  (Weigernd  II, 
816),  vgl.  auch  hd.  stutz  ein  abgekürztes  ding.  Allerdings  müßte  das  itai. 
wort  eigentlich  stozzo  lauten,  aber  die  möglichkeü  eines  abfalls  des  s  impurum 
ist  einzuräumen,  s.  oben  scalterire  und  vgl.  femer  it.  pasmo  für  spasimo. 
In  dem  verwandten  stuzzicare  hat  ein  solcher  abfaU  nicht  stattgefunden. 

Tra  präposition;  abgekürzt  von  intra  wie  fra  von  infra. 

Tralce,  tralcio  weinranke;  von  tradux  traducis  dass.,  verwandelt 
in  tranicis  (s.  Ducange  tranex)  wie  perdicis  in  pernice,  sodann  in  trance 
tralce,  lomb.  trosa. 

Tramontana  norden,  nordwind,  nordstern  (auch  ins  prov.  span. 
frone,  übergegangen);  von  transmontanus  über  dem  gebirge  (den  Alpen) 
befindlich,  nach  norden  liegend. 

Trampolo  (nur  im plur.  üblich)  stehe;  vom  dtschen  vb.  trampeln, 
nord.  trampa,  dies  vom  goth.  trimpan.  Desselben  Ursprunges  ist  pr. 
trampol  getrappel  GO. 

Trassinare  durchspüren,  auch  mishanddn,  strascinare  und  stra- 
scicare  schleifen,  schleppen,  sbst.  strascino  und  sträscico  schleife;  muthmaß- 
lich  aus  dem  pr.  traissa  schleppe  (schleppnetz),  trassa  spur,  s.  tracciare  I. 

Trastullo  Zeitvertreib,  vb.  trastullare;  vom  ahd.  stulla  zeitpunet, 
stunde,  nach  Mtnage  von  transoblectulare,  nach  Ferrari  von  interlusitare, 
beide  lurwörter  ohne  alle  ähnlichkeit.  Merkwürdig  ist,  daß  auch  unser 
stunde,  ahd.  stunda  'momentum,  hora,  eintjang  ins  romanische  fand:  für 
das  altsard.  istunda  zeitpunet  Spanu  Ortogr.  I,  171  und  das  gleichbed. 
cot.  estona  {vgl.  segona  aus  lat.  seeunda)  wird  sich  schwerlich  ein  anderes 
etymon  aufzeigen  lassen. 

Tregenda  geisterchor,  der  in  langer  reihe  mit  brennenden  herzen 
umherzieht:  che  noi  scontrammo  tanti  lumicini  .  .  ognun  brueo,  ch'  eil' 
era  la  tregenda  Pulci  Morg.,  daher  die  redensart  andare  in  tregenda 
con  le  streghe  mit  den  hexen  fahren;  von  trecenta,  als  ausdruck  einer 
großen  menge,  in  welcher  allgemeinen  bedeutung  das  ital.  wort  gleichfalls 
vorkommt  (Alberti). 

Treggia  Schlitten,  schleife;  nicht  aus  dem  deutschen  verbum  trechen, 
trecken  ziehen,  schieben,  da  deutsches  ch  oder  k  nicht  zu  ital.  g  wird, 
vielmehr  aus  einem  worte  des  romischen  landbaues,  trahea  wagen  ohne 
räder  zum  dreschen  des  getreides:  tribulaque  traheaeque  et  iniquo  pon- 
dere  rastri  Virg.  Georg.  1, 164,  romanisch  ausgesprochen  traja,  mit  einem 
im  ital.  allerdings  seltnen  umlaute  des  a  in  e. 

Troglio  Stotterer;  vom  gleichbed.  gr.  rgavXog. 

Tronfio  aufgeblasen,  hochmüthig,  aufgebracht;  etwa  vom  gr.  tqvqn) 
hoffart,  woher  auch  wal.  trufie  und  vb.  trufi  sich  aufblähen. 

Troscia  rinne,  vom  wasser  gebildet,  mit  vorgesetztem  s  stroscio 
geräusch  von  fallendem  wasser,  strosciare  herabströmen;  buchstäblich  das 
goth.  ga-drausjan  herabstürzen,  nhd.  dreuschen  gleichfalls  von  regengüssen 
gebraucht,  ndd.  drusen,  s.  Diefenbachs  Goth.  wb.  II,  643.  Das  ital. 
wort  setzt  eine  form  mit  anlautender  tenuis  voraus. 


408  H.a.   TRUOGO— VAGO. 

Truogo,  truogolo,  waltroc  tntdde;  ahd.  trog.  Es  findet  sich  auch 
ein  altfr.  troc  Er  ad.  v.4443  u.  4608  (mit  den  Varianten  croc  und  flos), 
noch  jetzt  norm,  treu  und  tros  backtrog. 

Tuffare  eintauchen;  vom  ahd.  toufan,  mhd.  taufen,  vgl.  wegen  u 
aus  ou  rubare  von  roubön. 

Tuorlo,  torlo  dotier;  von  torulus  muskd,  fleischige  stelle  (nähr- 
haßer  theil  des  eies),  bei  bäumen  der  Splint,  piem.  torlo  kleine  geschundst, 
beide. 

u. 

Ubbia  abergläubische  furcht,  dhnung,  schlimme  Vorbedeutung.  Sehr 
su  beachten  ist  bei  diesem  räthselhaßen  worte,  was  Wackernagel  darüber 
vermuthet,  daß  es  nämlich  aus  getrennt  gesprochenem  ob  vfam  herrühre, 
welches  neben  öbviam  bestanden  haben  könnte,  und  somit  dem  mhd.  ane- 
ganc  (bei  antritt  des  weges  entgegenkommendes  Vorzeichen)  entspreche. 
Noch  auf  andre  weise  würde  sich  das  wort  erklären  lassen.  Es  könnte 
aus  den  beiden  interjectionen  uh  und  via  zusammengesetzt  sein  und  fort! 
weg  damit!  bedeuten,  also  eine  abominatio  ausdrücken.  Die  Verwand- 
lung des  v  in  b  ist  bekannt. 

Uggia  schatten  (besonders  in  üblem  sinne),  figürl.  uniust,  widencille, 
gute  oder  schlimme  Vorbedeutung,  aduggiare  nachtheilig  beschatten,  be- 
lästigen. Man  erklärt  es  aus  opacus,  sogar  aus  urere,  aus  udus  oder 
uvidus  (syneopiert  uvius),  und  letzteres  wäre  zwar  formell  tadellos,  aber 
das  ital.  wort  heißt  recht  eigentlich  schatten,  auch  moralisch  verstanden. 
Ist  es  das  kymr.  hudd  schatten,  dämmerung,  huddiad  beschattung?  Es 
wäre  alsdann  vielleicht  das  einzige  partiell  ital.  wört  celtischer  herkunft. 
Weit  besser  empfiehlt  sich  das  lat.  obviam  im  wege  stehend,  hinderlich, 
vgl.  altsp.  uviar  begegnen,  in  guter  und  schlimmer  bedeutung.  Passender 
noch  erscheint  lat.  odium  mit  seinem  ganz  zutreffenden  begriffe  haß  oder 
abneigung:  essere  in  uggia,  venire  in  uggia  ad  alc.  ist  =  lat.  in  odio 
esse,  odio  venire  alicui.  Uggia  ist  der  den  gewachsen  verderbliche,  ver- 
haßte schatten,  hieraus  folgte  schlimme  Vorbedeutung,  endlich  überhaupt 
Vorbedeutung.  Wegen  des  abweichenden  genus  vergleiche  man  noja,  gleich- 
falls aus  odium,  wegen  des  u  für  o  uscio  für  ostium. 

Upiglio  knoblauch;  von  ulpicum,  ulpiculum. 

Utello  irdenes  ölfläschchen;  aus  uter  abgeleitet. 


v. 

Vaglio  sieb;  von  vallus  futterschwinge,  bei  Varro,  dimin.  von 
vannus;  modenes.  richtiger  vallo,  da  sich  11  sonst  nur  vor  i  und  e  erweicht. 
Vb.  vagliare,  dafür  lomb.  vanta  d.  i.  vannitare. 

Vago  1)  unstät,  2)  lüstern,  3)  reizend.    Auch  in  den  letzteren  be- 


H.a.   VAJO-VERUNO.  409 

detäungen  ist  es  von  vagus:  wer  von  einem  zum  andern  mädchen  schweift, 
bei  edlen  sich  einschmeichelt,  der  lüsterne,  verführerische,  konnte  lat.  vagus 
genannt  werden;  ital.  vago  als  subst.  heißt  überhaupt  liebhaber. 

Vajo  art  pelz,  grauwerk;  weder  vom  gr.  <paiog,  wie  Muratori  wül, 
noch  vom  dtschen  fleh :  es  lautet  pr.  vair,  woher  vairador  kürschner,  und 
kann  nur  aus  varius  (bunt  gefleckt)  entstanden  sein,  wenn  es  auch  specieU 
schwarzfleckig  bedeutet. 

Vampo,  vampa  gluth,  vb.  avvampare;  von  vapor  mit  abgestoßenem 
r  wie  in  sarto,  pepe,  cece  u.  a.,  daher  auch  vampore,  wdld.  vanpor 
Bahn  691.  Eine  form  ohne  eingeschobenes  m  ist  vapa  PPS.  II,  32, 
cüban.  vape,  wai.  vepäe  mit  gl.  bed.  Auch  sp.  hampa  prahlerei  kann 
dieser  herkunft  sein,  wiewohl  ein  vermittelndes  fampa  (f  aus  v,  s.  he  IL  b) 
mangelt:  it.  menar  vampo  heißt  prahlen,  aufschneiden.  Das  bürg,  vamböe 
rauchwolke  wird  demselben  stamme  zufallen. 

Varcare,  valcare,  valicare  hinübergehen,  überschreiten,  chw.  vargar 
übertreffen,  sbst.  it.  varco  durchgang.  Ohne  zweifei  von  varicare  die  fuße 
auseinander  sperren,  grätschen,  wie  man  denn,  was  die  form  mit  1  betrifft, 
für  praevaricare  auch  prevalicare  sagt:  man  nahm  varicare  in  der  wei- 
teren bed.  sich  fortbewegen,  vgl.  lat.  passus  schritt,  eigentl.  ausspreizung 
der  beine.  Schon  die  Isid.  glossen  gewähren  varicat  fambulat\  ein  anderes 
altes  glossar  varicat  'divertit  vel  ambulat'  Class.  auct.  VI,  660*. 

Vasca  kufe;  basca  bereits  in  einer  Urkunde  vom  j.  660  bei  Maffei, 
Stör.  dipl.  p.  172.  Cdtisten  werden  an  das  bekannte  bascanda,  germa- 
nisten  an  waschen  erinnern,  Hervas,  Catal.  dette  lingue  p.  207,  zerlegt 
es  in  das  bask.  nicht  vorhandne  u-asca  Wasserbehälter.  Es  kann  aber, 
für  vasica  stehend,  aus  vas  abgeleitet  sein. 

Vedetta  wache,  Wächter,  fr.  vedette.  Man  leitet  es  getrost  aus 
dem  vb.  videre;  da  aber  ableitungen  aus  verbalstämmen  mittelst  des  Suf- 
fixes ett  höchst  selten  oder  zweifelhaft  sind  und  selbst  der  begriff  nicht  zu 
genügen  scheint,  so  darf  man  der  vermuthung  räum  geben,  es  sei  aus  it. 
veletta  (s.  veglia  I.)  entstellt. 

Vjeggia  faß,  fuder;  leitet  Ferrari  passend  von  vehes  führe,  fuder, 
später  gesprochen  veges,  vejes  (s.  Ducange),  durch  unibiegung  nach  der 
1.  declination  veggia.  Vgl.  wegen  des  eingeschobenen  g  oder  j  oben 
struggere.  Noch  kürzer  würde  es  sich  auf  das  sabinische  veia  'plaustrum' 
bei  Festus  zurückleiten  lassen. 

Ventävolo  nordwind;  entstellt  aus  ventus  aquilus? 

Vermäna  Schößling;  von  verbena  zweig,  eigentl.  heiliger  zweig. 

Verona  offener  gang,  erker.  Ungefähr  dieselbe  bedeutung  hat  an- 
drone,  gr.  ovöqiAv  gemach  für  männcr,  von  avrjQ:  artig  wäre  es  nun, 
wenn  man  dies  mit  vir  ins  lotein.  übertragen  hätte,  vir-on  verone. 

Veruno  pronomen,  nuüus.  Dazu  kommt  noch  altit.  venrallo  PPS. 
I,  p.  302,  vgl.  vere  nnllam  finnitatem  non  habemus  Fumag.  p.  491  (v. 
j.  882);  mlat.  auch  verullus,  verhullus  das.  p.  288—290  (v.  j.  853) ; 
sodann  mundartlich  ital.  vergotta,  vergott  aliquid.    Man  deutet  ver-uno 


410  H.a.   VETRICE-VINCIDO. 

aus  vel  unus  (si  vel  unus  exteterit  auch  nur  einer  L.  Sal.  tu.  45),  mit 
beigefügter  negationspartikel  s.  v.  a.  lat.  ne  unus  quidem,  oder  it.  ne  pure 
uno.  Verwandlung  des  \  in  t  zwischen  vocalen  ist  im  ital.  allerdings 
ungewöhnlich,  konnte  aber  durch  das  zusammentreffen  desselben  wortes  mit 
consonanten  in  vel-nullus  oder  vel-gutta  leicht  bewirkt  werden.  Das  da- 
sein der  partikel  vel  auf  nordwestlichem  gebiete  muß  jeden  Zweifel  heben, 
altfr.  vels  an  ist  genau  das  it.  veruno,  s.  veaus  IL  c ;  auch  das  wal.  vre 
in  vre-uü  u.  a.  Zusammensetzungen  scheint  derselben  kerkunft. 

Vötrice  wasserweide;  für  vetice  von  vitex. 

Vetta  1)  gipfel,  wipfel,  kuppe,  spitze,  2)  reis,  gerte.  Nach  einigen 
von  Vertex,  aber  r  scheidet  nicht  aus  vor  t;  nach  Muratori  zusammenge- 
zogen aus  vedetta  €anhöhe,  woher  man  sich  umschaut\  aber  vedetta  hat 
diese  bedeutung  nicht.  Ist  das  wort,  da  sein  anlaut  latein.  herkunft  for- 
dert, =  vitta  köpf  binde  der  priester,  indem  hieraus  die  bedd.  kuppe,  gipfel, 
spitze  (daher  auch  gerte)  erfolgten,  wie  dies  bei  apex  priestermütze  geschah  ? 

Vi cen da  Vergeltung,  abwechselung ;  eigentl.  was  die  stelle  vertreten 
muß,  von  vice,  vece,  lat.  vicis,  mit  anwendung  der  verbalableitung  enda 
(leggenda  u.  dgl.)  auf  ein  Substantiv.  S.  Castelvetro  zu  Bembo  II,  262. 

Vie  und  via  adverb  des  grades  vor  dem  comparativ,  z.  b.  vie  piü 
duro  weit  härter.  Ist  es  vom  sbst.  via  weg,  daher  strecke,  weite,  länge? 
aber  via  kann  nicht  das  maß  des  weges,  noch  weniger  ein  großes  maß 
bezeichnen.  Auch  die  ital.  interjection  via  befriedigt  nicht.  Ansprechender 
ist  Menage9s  deutung  aus  lat.  vis  fülle,  menge  (die  auch  Gcdvani  verficht, 
Archiv,  stör.  ital.  XIV,  364),  nur  müßte  man  in  dem  ital.  warte  nicht, 
wie  er  will,  den  ablativ  (denn  vi  durior  gibt  keinen  passenden  sinn), 
sondern  den  auf  roman.  weise  gebrauchten  accus,  annehmen:  eine  fülle 
härter,  wie  fr.  beaucoup  plus  dur.  Aber  befriedigender  wäre  ein  dem 
roman.  gebiete  bekanntes  wort  (vis  ist  ihm  unbekannt)  in  einer  weniger 
unlateinischen  und  weniger  pretiösen  anwendung,  und  dies  bietet  sich  in 
dem  adv.  vive,  das  leicht  in  vie  syncopiert  werden  und  seinen  auslaut, 
wie  andre  Wörter  dieser  classe  (pria,  senza),  auf  a  bilden  konnte.  Vive' 
durior  wäre  'lebhaft  härter9  oder  'ausnehmend  härter*,  denn  letztere  be- 
deutung hat  das  ital.  adj.  vivo  entwickelt. 

Vigliare  die  spreu  vom  gedroschenen  körn  mit  zweigen  oder  kleinen 
lesen  abkehren,  dsgl.  auslesen,  auswählen;  muthmaßlich  für  vergliare  = 
verriculare,  das  man  aus  verrere  ableitete,  wobei  das  radicale  e,  zur 
Scheidung  von  vegliare,  mit  i  getauscht  ward.  Aus  dem  verbum  entstand 
das  sbst.  viglio,  wofür  aber  nur  vigliuolo  üblich  ward. 

Vinchio  weidenzweig,  von  vinclum;  daher  awinchiare  umwinden, 
vgl.  vinculatus  bei  Cod.  Aurd. 

V  i  n  c  i  do  weich,  mürbe  durch  feuchtigkeit;  wahrscheinlich  für  viscido 
von  viscidus  klebrig,  zäh:  pane  vincido  ist  brot,  das  im  keUer  weich 
oder  zäh  geworden.  Dieselben  bedeutungen  hat  auch  dassard.  bischidu, 
das  handgreiflich  von  viscidus  stammt.  Genauer  trifft  mit  viscidus  das 
wal.  veasted  zusammen,  das  aber  welk  bedeutet. 


H.a.   VINCO-ZANNI.  411 

Vinco  weide,  bindweide.  Da  das  diminutiv  dieses  Wortes  yinchio 
lautet,  Meiner  weidenzweig,  offenbar  das  lat.  vinculnm  (s.  oben),  so  scheint 
vinco  tu  den  fällen  eu  gehören,  worin  ein  derivatum  auf  sein  (vermeint- 
liches) primitiv  zurückgeführt  ward:  vincalum  schien  vincum  vorauszu- 
setzen.    Wie  in  andern  sprachen  nannte  man  die  weide  etwas  bindendes. 

Vizzo  und*guizzo  welk;  muß  im  gleichbed.  vietus  seinen  Ursprung 
haben,  das  aber  behandelt  ward  wie  rudis  u.  a.,  s.  oben  fajo. 

Volgere  neben  volvere  wenden  dankt  sein  g  der  anälogie  andrer 
stark  flectierender  verba,  deren  stamm  auf  diesen  buchstaben  ausgeht: 
ergere  ersi  erto,  tingere  tinsi  tinto,  so  denn  volgere  volßi  volto.  über- 
tritt  des  v  in  pälatedes  g  ist  nicht  romanisch. 

Voto  leer,  hohl,  votare  ausleeren.  Das  ven.  vodo  und  mehr  noch 
das  piem.  void,  lomb.  voeuid  (vöid),  sard.  boidu,  boitu  leiten  auf  das 
aitfr.  vuit  =  nfr.  vide,  aber  das  it.  t  fügt  sich  nicht  hinein.  Sollte 
darum  voto  syncopiert  sein  aus  dem  partic.  volto,  welches  { l  gewölbt,  ge- 
höhlt*  bedeutet  hatte  (s.  volta  L),  d.  h.  sollte  es  aus  dem  neap.  dialecte 
herrühren,  worin  man  vota  für  volta,  votare  für  voltare  sagt?  Für  diese 
ansieht  spricht  etwa,  daß  votare  auch  umwerfen  heißt  wie  voltare,  daß 
ven.  luna  voda  den  abnehmenden  mond  bedeutet,  wie  man  ital.  sagt  la 
ltma  volta  der  mond  nimmt  ab.  Was  aber  die  media  der  oberited.  mundarten 
betrifft,  so  wird  man  einfluß  des  nahe  liegenden  prov.  Wortes  annehmen 
müssen,  da  lt  nicht  wohl  zu  d  werden  kann-  Ältital.  findet  sich  auch 
voitare  PPS.  II,  29.  Das  sard.  vb.  s-buidai  schließt  sich  den  oberitai. 
formen  an. . 

z. 

Zäccaro ,  zäcchero  klunker  von  koth  an  schafen,  ziegen  und  anderm 
vieh;  etwa  das  ahd.  zahar,  mhd.  zäher  tropfen  (nhd.  zäbre),  tropfen  pech, 
harz,  wie  auch  gr.  dentgv?  Venez.  mit  1  zäcola.  Dieselbe  bedeutung  hat 
pilläcchera  (mit  combiniertem  suffix)  von  pillola  püle,  kügelchen. 

Zaino  schäfertasche,  sp.  zaina;  vom  ahd.  zain  röhr  oder  zainä  korb. 

Zana  korb;  vom  ahd.  zainä  dass. 

Zanco  link;  ohne  zwei  fei  für  stanco  matt,  link,  wie  zambeeco  für 
8tambecco.  Es  findet  sich  auch  im  prov.:  sancs  €sinistrariusy  GProv.  43a, 
sanca  Kmanus  sinistra  63b . 

Zanna  hauer,  haken.  Es  könnte  vom  ahd.  zand,  zan,  nhd.  zahn, 
herrühren;  da  aber  auch  sanna  daneben  besteht  und  der  deutsche  anlaut 
z  sich  im  ital.  niemals  in  8,  wohl  aber  das  lat.  s  sich  oft  in  z  verwandelt 
(zambnco,  zavorra,  zezzo,  zolfo,  zuffolare  u.  a.),  so  hat  lat.  sanna  wenig- 
stens eben  so  gute  anspräche:  man  konnte  das  zahnefletschen  concret  für 
den  gefletschten  zahn  selber  nehmen.    Auch  scana  findet  sich. 

Zanni  der  hanswurst  der  komödie  in  der  gestellt  eines  lauern  von 
Bergamo;  mundartl.  für  Gianni  d.  i.  Giovanni,  s.  MSnage  Orig.  ital. 
Vgl.  auch  Malm  p.  123. 


412  H.a.   ZAZZA-ZURLO. 

Zazza,  z&zzera  langes  Haupthaar  der  rnänner;  vom  ahd.za.t&zotte, 
vb.  zotarjan  herabwallen  (vom  haar). 

Zecca  münzstätte,  sp.  zeca,  seca,  abgd.  it.  zecchino  eine  goldmünze; 
vom  arab.  sekkah  prägstock  Freytag  II,  382*. 

Zeppa  keil,  zeppare  voll  pfropfen,  adj.  zeppo  voll  gepfropft.  Von 
cippus  stamm,  pfähl,  säule,  woraus  auch  der  Spanier  ein  feminin  cepa 
zog?  Aber  sowohl  der  begriff  wie  der  buchstabe  (lat.  c  wird  fast  nie  zu 
z,  auch  hat  e  offene  ausspräche)  sind  dagegen,  beide  einigen  sich  besser 
mit  ahd.  zapfo,  mhd.  zepfe  zapfen  d.  i.  pflock,  welches  in  zaffo  noch  einen 
andern  abkömmling  hinterlassen. 

Zibibbo  eine  art  rosinen  aus  Syrien;  vom  arab.  zibtb,  s.  Rödiger 
und  Pott  in  Lassens  Ztschr.  V,  62. 

Zipolo  Zäpfchen  im  höhne  eines  fasses;  vom  hochd.  zipfel?  vgl.  ndl. 
tip  spitze. 

Zirbo  netz  im  leibe,  im  späteren  mitteUatein  cirbus  Dief.  Gloss. 
lat.  gertn.  221b ;  nach  Fr.  Pasqualino  vom  gleichbed.  arab.  tarb  Freyt. 
I,  213h.    Auch  pg.  zirbo,  zerbo. 

Zito  knabe,  zita  mädchen,  auch  citto  citta,  zitello  zitella,  cittolo 
cittola;  ursprüngl.  ein  kosewort,  gleicher  Herkunft  mit  zitta,  also  eigentl. 
zitze:  diesen  doppelten  sinn  drückt  z.  b.  auch  piem.  teta  und  lat.  mamilla  aus. 

Zolla  it.  chw.  erdschotte;  vom  ahd.  scolla.  Trotz  der  ungewöhn- 
lichen behancttung  des  anlautes  würde  sich  doch  ein  wort  dieser  bedeutung 
nicht  fuglich  aus  dem  lautlich  näher  liegenden  nhd.  schölle  herleiten  lassen. 
S.  zanca  7. 

Zotico  bäurisch,  ungeschliffen;  von  exoticus  fremdling,  meint  Me- 
nage.   Einzuwenden  ist,  daß  it.  z  keinem  x  entspricht. 

Zuffa  gerauf e;  vom  dtschen  zupfen,  gezapfe,  wie  ruffa  von  rupfen; 
Schweiz,  zuffe  bündel,  pack. 

Zurlo  lüsternheit,  kitzd,  auch  zurro;  scheint  mit  surire  (in  der 
brunst  sein,  bei  Apulejus)  zusammenzuhängen. 


IIb.  ABABA-ACELGA.  413 


B.    SPANISCHES  GEBIET. 

A. 

Ab&ba,  ababöl  sp.,  pg.  papoula  wilder  mohn,  Jdatschrose;  entstellt 
aus  papaver,  vgl.  pavot  IL  c,  wo  noch  weitere  Variationen  des  wortes 
angemerkt  sind. 

Abarca  sp.  pg.  grober  schuh  von  ungegerbter  ochsenhaut,  bekannt 
als  beiname  eines  koniges  Sancho  von  Navarra;  bask.  abarquia,  von 
abarra  Bartes  hole  oder  zweige,  weil  jene  schuhe  zuerst  daraus  verfertigt 
wurden,  und  quia  Sache,  also  sache  von  zweigen  (Astarloa  Apol.  p.  292). 

Abra  sp,  pg.  bucht,  paß  oder  felsenscUucht,  Öffnung  im  erdboden. 
Vom  fr.  harre  ist  es  durch  das  genus  und  die  bedeutungen  getrennt. 
Sousa  leitet  es  vom  aro&.'&brah  bucht,  t>6/äbara  (j+c)  durchgehen,  über- 
schiffen, die  Wörterbücher  ober  kennen  das  Substantiv  nicht.  Die  grund- 
bedeutung  ist  'etwas  das  sich  öffnet*  und  so  könnte  das  wort,  wie 
selten  auch  nomina  aus  verbis  der  vierten  lat.  conj.  entstehen,  in  abrir, 
lat.  aperire,  seinen  Ursprung  haben. 

Abrego  sp.  südwestwind;  von  africus,  it.  affrico. 

Abrojo  sp.,  abrolho  pg.  distel,  fußangel.  In  diesem  worte  birgt 
sich  bekanntlich  eine  Zusammensetzung:  abre-ojo  thu  die  äugen  auf,  nimm 
dich  in  acht  (da  disteln  und  fußangdn  sich  anhängen). 

Acaecer  sp.  pg.  (ältpg.  auch  qquecer,  zu  unterscheiden  von  aqnecer 
wärmen,  s.  unten  calentar)  sieh  ereignen;  von  accadere  für  accidere, 
gleichsam  accadiscere. 

Acebo  sp.  Stechpalme;  verkürzt  aus  aquifolium  mit  zurückgezogenem 
accent  wie  in  träbol  von  trifolium.  Die  bildung  ist  alt,  vgl.  in  einer  Ur- 
kunde vom  j.  841  in  aceveto  FJsp.  sagr.  XL,  376.  Daher  auch  pg. 
azevinho  judendorn.    Cot.  grävol  ist  von  acrifolium. 

Acechar  sp.,  asseitar  pg.  aufpassen,  spähen;  von  assectari  überall 
hin  begleiten. 

Aceite  sp.pg.  öl;  vom  arab.  az-zait  dass.,  Aeftr.zait  Freyt.  II,  269*. 

Acelga  sp.,  pg.  auch  selga  lauch;  von  beta  sicula  nach  Cabrera, 
mit  einer  im  span.  ziemlich  üblichen  Umstellung  des  1  (buccula  bloca, 
amadlo  amaldo  cet.).  Auch  der  Araber  nennt  die  beete  as-selqa  Freyt. 
II,  344h,  welches  aber  selbst  dem  gr.  ohlsXoq  entnommen  ist,  Dozy 
Gloss.  39. 


4U  n.b.  ACEZAR-ACUCIA. 

Acezar  dUsp.  keichen,  acezo  hauch,  athem;  wohl  vom  bask.  (labort.) 
hatsa  athem,  mit  demselben  suffix  wie  in  bostezar  gähnen. 

Achaque  sp.  pg.  Unpäßlichkeit,  vorwand,  daher  it.  acciacco;  vom 
arab.  asch-schakä  mit  er  steter  bedeutung  Freyt.  II,  445m.  Beide  bedeu- 
tungen  einigt  auch  das  it.  cagione :  krankheit  ist  entschtddigung,  vorwand 
zu  erscheinen.  Altpg.  achaque  anklage  SRos.  Genaueres  darüber  bei 
Engelmann. 

Achar  pg.  finden.  Woher  dieses  seltsame  wort,  das  dem  gleichbed. 
trovare  an  dunkelheit  nicht  nachzustehen  scheint?  Verfolgt  man  seine  ge- 
schickte, so  findet  sich  als  älteste  form  aflar  (in  einem  foral  vom  j.  1166 
SRos.),  ch  =  fl  wie  in  enchar  von  inflare.  Dasselbe  wort  in  derselben 
bedeutung  hat  aber  noch  weitere  Verbreitung:  die  churw.  spräche  besaßt 
gleichfalls  aflar,  die  walach.  aflä,  endlich  die  neapol.  mundart,  welche  sei 
für  fl  setzt  (ßciume  von  flumen)  asciare,  auch  acchiare  (sie.  asciari).  Das 
wort  könnte  im  gleichbed.  gr.  äktpaiveiv  seine  quelle  haben,  allein  die  be- 
zeichnung  eines  solchen  begriffe»  lernte  man  gewiß  nicht  von  den  Griechen, 
die  sich  ihrerseits  des  üblicheren  cvqioiuiv  bis  heute  bedienen.  Vielmehr 
weist  es  schlechthin  auf  das  lat.  afflare  anblasen,  anwehen,  dem  die  Volks- 
sprache vielleicht  —  denn  wer  vermag  der  oft  wunderliehen  begriffsent- 
wicklung  überall  nachzugehen?  —  die  bed.  anrühren,  antreffen  beilegte. 
Auch  lat.  conflare  heißt  nicht  bloß  zusammenblasen,  auch  zusammen- 
bringen, zusammenfügen  und  unser  puffen  ist  aufblasen  und  schlagen, 
treffen,  ja  das  pg.  subst.  ache  bedeutet  Verletzung,  aus  dem  verletzen  aber 
d.  h.  aus  dem  heftigen  berühren  konnte,  wie  in  unserm  treffen  oder  dem 
lat.  offendere,  das  antreffen,  finden  hervorgehen.  Das  älteste  mlatein  ge- 
währt übrigens  schon  beispiele  der  roman.  bedeutung.  Eine  glosse  bei 
Carpentier  lautet  adflavit  'adtegit '  (attigit) ;  eine  andre  adfalavit  (für  ad- 
flavit)  'leviter  tetigif;  das  Keronische  glossar  sagt  gradezu  afflata  *pifun- 
dan  (befunden)  p.  143b;  Papias  hat  afflare  'aspirare,  asper gere,  attingere. 
Die  ital.  spräche  besitzt  in-affiare  besprengen,  offenbar  das  decomponiertc 
afflare  des  Papias,    S.  unten  hallar. 

Aclbar  sp.,  pg.  azevre,  cot.  cever  äloe;  vom  arab.  a$$abir  dass. 
Gol  1335. 

Acicalar  sp.,  pg.  aeiealar,  a$acalar  glätten,  schleifen;  vom  gleich- 
bed. arab.  <jaqala  Freyt.  II,  609,  besser  vom  sbst  a$-fiq&L  pclitur.  S. 
jedoch  Dozy  36. 

Acicate  sp.  pg.  sporn  mit  einem  Stachel  statt  eines  rädchens;  nach 
einigen  vom  arab.  asch-schavkah  (asch-schavkaton)  Stachel  Gol.  1326, 
welcher  deutung  Engelmann  nicht  beitritt,  Dozy  Gloss.  36  nicht  abgeneigt 
ist;  nach  Larramendi  wäre  es  das  bask.  cicatea,  das  dieselbe  bedeutung  hat. 

Acipado  sp.  dicht,  fest  (vom  tuche) ;  leitet  Cabrera  richtig  vom 
lat*  Btipatus  festgestopft. 

Acucia,  encia  altsp.  behendigkeit,  gewandtheit,  hurügkeit,  aeuciar 
betreiben,  eilen;  von  acutus  ^versutus*  Papias,  ndat.  bei  Ekkehard  jun. 
acutia,  s.  Ducange. 


Ü.b.  ADALID— ALABE.  415 

■ 

Adalid  sp.f  vrlt.  adalit,  adalir  Conq.  Ultram.,  pg.  adail  fuhrer  im 
krieg y  heerführer;  vom  arab.  ad-dalil  Wegweiser,  dies  vom  vb.  dalla  den 
weg  zeigen,  s.  Engelmann  (der  in  der  herleitung  von  dala  aus  diesem 
verbum  (hl.  L  ein  misverständnis  erkennt). 

Adarve  sp.  räum  oder  weg  auf  der  mauery  wo  sich  die  sinnen  er- 
heben;  vom  arab.  ad-darb  enger  weg,  s.  das  wort  bei  Freytag  II,  19*. 

Adelfa  sp.  pg.  lorbeerbaum;  vom  arab.  ad-diflä,  dies  vom  gr.  öag>vrj. 

Ade  man  sp.  pg.  hältung,  gdbäräe.  Fast  alle  einheimische  etymolo- 
gen  leiten  es  von  manus;  Larramendi  aber  erkennt  darin,  und  wohl  mit 
besserem  rechte,  ein  bask.  wort  adieman  (aditzera  eman)  €zu  verstehen 
geben,  von  adi,  aditu  verstehen  und  eman  geben;  des -man  wäre  syn- 
copiert  aus  des-ademan.  [Mahn  p.  124  gibt  die  möglichkeit  der  baskischen 
herkunft  zu,  doch  scheint  es  ihm  verdächtig,  daß  das  wort  in  dieser  form 
und  bedeutung  im  baskischen  selbst  nicht  vorhanden  ist.  Er  stimmt  darum 
für  manus,  indem  handbewegung  auf  bewegung  überhaupt  übertragen 
werden  konnte.  Auch  desman  sei  gleichsam  mishand.  Was  indessen  des- 
man  (Unordnung,  unheil)  betrifft,  so  ist  Busammensetzung  mit  mano  wegen 
des  Widerspruches  im  genus  abzulehnen.  Prov.  man  heißt  ordre,  desman 
desordre:  sollte  letzteres  nicht  nach  Spanien  gekommen  sein  und  das  aasige 
desmando  verdrängt  haben?    Jenes  fehlt  port.  und  catal.] 

Adiva,  adive  sp.,  pg.  adibe,  daher  fr.  adive  schakal;  vom  arab. 
ad-dib  wolf  Freyt.  II,  78*  .  (vielmehr  gleichfalls  schakal,  Dozy  Gloss.  45). 

Ad  rede  sp.  pg.  adv.  cmit  vorsatz';  vielleicht  vom  prov.  adv.  adreit 
grade,  richtig,  vgl.  cat.  adretas  1)  richtig,  2)  vorsätzlich. 

Adur,  adnras  altsp.  adverb  für  lat.  vix;  eigentl.  mit  Schwierigkeit, 
von  duins  hart,  schwer. 

Afeitar  sp.  pg.  aufputzen,  schminken,  das  haar  kräuseln;  von  af- 
fectare  künsteln,  das  span.  wort  aus  dem  port.  Enfeitar  in  letzterer 
spräche  wohl  von  infectare,  inficere  färben. 

Ageno  sp.,  pg.  alheo  fremd;  von  alienus,  it.  alieno,  altfr.  alien. 
Auch  der  Sarde  braucht,  wie  der  Spanier,  allenu  für  it.  altrui,  altsard.  azenu. 

Aguinaldo,  aguilando  sp.  weihnachts-  oder  neugahrsgeschenk;  un- 
bekannter herkunft. 

Ajar  sp.  beleidigen,  mishandeln,  durch  betastung  den  glänz  benehmen; 
ist  identisch  mit  dem  veralteten  ajar  finden  =  pg.  achar  =  sp.  hallar, 
vgl.  lat.  offendere  beleidigen,  antreffen,  finden,  pg.  ache  Verletzung. 

Alabar  sp.  pg.  loben,  von  allaudare,  das  nur  Plautus  kennt  (in- 
genium  allaudat  meum  Merc.  prol.,  im  Poema  dd  Cid  336  alaudare), 
auch  pr.  alauzar,  südwal.  alaudare.  Wie  hier  u  nach  ausgetretenem  d 
consonamtiert  ward  (vgl.  Pablo  aus  Paulus),  so  behauptete  es  in  der  form 
loar  von  laudare  seine  vocalische  natur  (o  =  au). 

Älabe  sp.  zweig,  der  bis  auf  den  boden  herabhängt,  auch  schaufei 
des  rades,  dachtraufe;  nach  Larramendi  vom  bask.  alabea  cwas  sich 
nach  unten  neigt*,  nach  Mahn  p.  52  allerdings  baskisch,  aber  von 
adarra   zweig  und  be  unten.     Hieraus  erklärt  sich  auch  das   dunkle 


416  IIb.   ALACRAN— ALBORNOZ. 

pg.  aba  herabhängender  säum,  dachtraufe  u.  dgl,  zsgz.  aus  alaba  wie 
pa<jo  aus  pala^o. 

A 1  a  er a  n  sp.,  alaeräo  pg.  scorpion;  vom  arab.  al-caqrab  dass.  Gel.  1618. 

Alafö,  alahä,  alaö  altsp.  interjeetion  der  er  munterung,  bei  Ruiz; 
nicht  mit  ol&  zusammengesetzt,  sondern  ursprünglich  eine  partikd  der  be- 
theurung,  von  fe  =  fides,  in  welchem  sinne  der  Portugiese  Ribeyro  aiafS, 
QU  Vicente  aber  alahä  gebraucht. 

Älaga  sp.  spdz,  dinkd;  von  allca  feine  art  wetzen. 

Alamo  sp.,  &lamo,  &lemo  pg.  pappd.  Die  Span,  phüologen  halten 
es  für  eine  Umstellung  von  ulmus  mit  vergleichung  des  nord.  almr,  alm, 
engl,  elm,  und  nach  Nemnich  wird  dieser  bäum  im  gemeinen  leben  wohl 
auch  alamo  genannt.  Aber  auch  alnns  ist  zu  beachten:  die  erle  heißt  in 
der  that  alamo  negro  (alamo  blanco  'populus*,  alamo  negrillo  'alnus* 
Anton.  Nebriss.),  und  da  der  Spanier  die  Verbindung  In  meidet,  ana  für 
alna,  jalde  für  jalne  spricht,  so  mochte  er  alnus  in  almo  alamo  verwan- 
deln und  den  namen  von  der  erle  auf  die  schwär*-  und  weißpappd 
übertragen. 

Alarbe  sp.,  alarve  pg.  plumper  mensch,  eigenÜ.  Araber;  vom  arab. 
al-'arab  besser,  nach  Dozy,  von  al-'arabl. 

Alarde  sp.  pg.  musterung,  heer schau;  vom  arab.  al-card  (u».*) 
Gol.  1558,  Freytag  III,  137*  gleichbed. 

Alarido  sp.  pg.  kriegsgeschrei,  überhaupt  geschrei;  nachSousa  vom 
arab.  al-arir  siegesfrotUocken  Gol.  62,  getöse  Freyt.  I,  24*  (Engdmann 
findet  dies  wort  bei  keinem  arab.  Schriftsteller).  Daß  alarir  in  alarido 
verwandelt  ward,  dazu  konnte  das  bd  Wörtern,  die  einen  schall  an- 
zdgen,  häufig  angewandte  suffix  ido  (bramido,  graznido,  ladfido  cd.) 
verführt  haben.  Man  beachte  übrigens  Dozy  Gloss.  120.  In  der  altfr. 
Chanson  d'Antioche  27,  122  rufen  die  Sarazenen  aride !  aride !  worin  der 
herausgeber  dasselbe  wort  erkennt. 

Alazan  sp.,  alazao  pg.  gelbroth  (von  pf erden);  nach  Sousa  und 
Engdmann  vom  arab.  al-'haQan  starkes  schönes  pferd  Freyt.  I,  391*. 
Daher  das  fr.  alezan  gleichbedeutend. 

Albafial,  albanar  sp.  abzugsgraben;  von  alveus  graben,  flußbett. 

Albazano  sp.  hellbraun,  rothbraun;  vielleicht  zsgs.  aus  albo  wdß 
und  bazo  dunkelbraun,  vielleicht  auch  ist  die  erste  sübe  der  arab.  artikd, 
wobd  in  anschlag  kommt,  daß  es  von  der  färbe  der  pf  er  de  gebraucht  wird. 
Das  entsprechende  pg.  alvagäo  gestattet  freilich  diese  Zerlegung  nicht,  da 
hier  bazo  fehlt;  aber  ist  es  acht  portugiesisch?  Man  vermißt  es  in  dem 
wörterbuche  der  dkademie  und  in  der  ersten  ausgäbe  des  Moraes. 

Albedrfo  sp.  freier  witte;  von  arbitrium  mit  fortgerücktem  accent, 
pr.  albire. 

Albädro  sp.,  pg.  ervödo  erdbeerbaum,  von  arbfitus  dass.;  cot.  ar- 
bosser  vom  adj.  arbuteus,  woher  auch  das  mdartl.  sp.  alborzo  s.  CabrerOy 
und  das  fr.  arbousier. 

Albornöz  sp.,  pg.  auch   albemoz   wollener  mantel,   daher  das 


ILb.   ALBOROTO-ALCOR  417 

neue  fr.  bournous;  vom  arab.  al-bornos  Meid  mit  capuze  Freytag 
It  116*. 

Alboroto  sp.,  alvoroto pg.  aufruhr,  ist,  nebst  alborozo  entzücken, 
wie  arabisch  beide  warter  auch  aussehn,  nach  Engelmann  aus  dem  arabi- 
schen nicht  nachweislich.    Man  beachte  überdies  l)ozy  Gloss.  371. 

Albricia  sp.,  alvfgara  pg.  (fast  nur  implur.  gebraucht)  geschenh 
für  eine  gute  nachricht;  vom  arab.  al-basch&rah  gute  nachricht}  vb.  ba- 
schara  Freyt.  I,  124b7  vgl.  Sousa.  In  der  span.  form  ist  r  versetzt ,  nicht 
eingeschoben,  wiewohl  Berceo  einmal  alvicia  schreibt;  alvistra  im  Alex. 
steht  der  port.  form  ganz  nah. 

Alcab&la  sp.,  alcavdla  pg.  abgäbe  von  waaren,  die  man  verkauft; 
nach  Sousa  vom  arab.  al-qabalah  (das  aber  eine  andre  bedeutung  hat, 
Freyt.  HZ,  394a),  dies  vom  vb.  qabala  empfangen,  ein  geschenh  annehmen. 
Engelmann  weist  al-qabälah  in  der  bed.  einer  an  den  fiscus  zu  zahlenden 
faxe  aus  der  arab.  litteratur  nach;  s.  bei  ihm  p.  18.  106. 

Alcahuete  sp.,  pg.  alcayote,  pr.  alcaot,  alcavot  kuppler;  arab. 
al-qauväd  dass.  Freyt.  III,  613*. 

Alcaide  sp.  pg.  befeUshaber  einer  bürg  u.  dgl.;  vom  arab.  al-qäid 
befeJüshaber,  vorgesetzter  Freyt.  III,  513*. 

Alcaide  sp.  schtdtheiß,  richter.  Man  leitet  es  wohl  vom  arab.  al- 
moqallad  fürst  des  volkes,  s.  bei  Covarruvias.  Bessere  ansprüche  hat  al- 
qa'di  richter  Freyt.  HI,  461h,  1  ist  eingemischt,  weil  die  spräche  die  Ver- 
bindung ld  liebt,  die  Alten  schrieben  auch  alcall,  alcalle. 

Alcance  sp.  pg.  Verfolgung,  erreichung,  alcanzar  verfolgen,  er- 
reichen ;  vom  arab.  al-qana<;  beute  des  Jägers,  vb.  qanaga  erjagen  Freyt. 
III,  504*.  Worter  so  dllgemeiner  bedeutung  wurden  nicht  leicht  aus  dem 
arab.  entnommen,  da  die  eigne  spräche  ausreichte:  man  wäre  darum  be- 
rechtigt, in  alcanzar  ein  abgeändertes  encalzar  (s.  incalciare  I.)  anzu- 
nehmen, aber  das  arab.  wort  ist  ein  jagdausdruck  und  dergleichen  hat 
diese  spräche  der  span.  mehrere  geliehen.  —  Gleicher  herkunft  ist  auch 
pg.  al-canfos  fange  der  raubvbgd.  —  [Engelmann  hat  alcanzar  nicht  auf- 
genommen,  Dozy  Gloss.  83  hält  es  für  eine  abänderung  des  erwähnten 
altsp.  encalzar.] 

Alcandära  sp.  stange,  worauf  der  falke  sitzt;  vom  arab.  al-kan- 
darah  stange  Freyt.  IV,  63*. 

Alcarraza  sp.  irdenes  gefäß,  das  wasser  kühl  zu  halten;  vom  arab. 
al-korr&z  krug. 

Alcartaz  sp.düte,  altsp.  umgestellt  alcatraz;  von  chartaceus,  dessen 
suffix  auch  das  it.  cartaccia  zeigt;  ohne  arab.  artikel  pg.  cartaz  anschlag- 
zettel.  Daneben  besteht  arab.  alqartaz,  welches  man  auf  das  gr.  xcqtW 
zurückführt. 

Alcdzar  sp.  pg.  festes  schloß,  auch  hinter castett  des  Schiffes;  vom 
arab.  al-qa^r  Freyt  III}  452b,  das  im  plural  schloß  bedeutet.  Daher  auch 
it.  cdssero. 

AI  cor  sp.  anhohe,  hügel-,  vom  arab.  al-qärah,  pl.  alqür  dass.  Gol.  1979. 

27 


418  IIb.  ALCORNOQUE— ALEDANO. 

Alcornoque  sp.  pg.  (m.)  korkbaum,  daher  #.  alcornoch;  zsgs.  am 
quern-oco  schwammichte  eiche?  oco  =  hueco,  s.  unten. 

Alcorque  sp.  pg.  (m.)  schuh  mit  korksohle  s.  v.  a.  sp.  corche,  da- 
her unser  kork  tote  das  engl.  cork.  Es  muß,  da  es  nicht  arabisch  ist, 
wenigstens  in  dieser  spräche  keine  wureel  hat,  aus  lat.  cortex  entstanden 
und  aus  alcorgue  abgeändert  sein,  vgl.  codigo  von  codex,  pega  von  pix, 
pulga  von   pulex,  alle  mit  g. 

Alcubilla  sp.  Wasserbehälter,  wasserthurm;  vom  sp.  cuba  kübd 
(s.  coppa  L),  dimin.  cubilla  (üblicher  cubillo)  Meiner  hübet,  mit  vorge- 
setztem al  und  durch  die  Araber  bewirkter  abänderung  der  bedeutung. 

Alcüna  altsp.  geschlecht,  gens,  desgl.  mit  eingeschobenem  unberech- 
tigten r  alcurnia,  letzteres  nach  dem  wörterbuche  der.  span.  äkademie  ein 
unedler,  aber  bei  alten  Schriftstellern-  (und  noch  jetzt)  nicht  unüblicher 
ausdruck.  Derselben  bedeutung  ist  das  altval.  alcunya,  welches  der  Wappen- 
dichter  Jaume  Febrer  überall  von  den  adeligen  gesMechtern  gebraucht, 
deren  wappen  er  beschreibt:  sa  alcunya  e  sa  real  sanch  str.  109  u.  dgl. 
Buchstäblich  entspricht  dem  span.  und  valenc.  worte  das  port.  noch  immer 
übliche  alcunha,  heißt  aber  nicht  geschlecht,  welche  bedeutung  ihm  das 
Wörterbuch  der  port.  äkademie  nicht  zuerkennt,  sondern  beinanie,  zuname, 
und  damit  stimmt  das  nun  auch  veraltete  span.  masc.  alcufio  überein. 
Allgemein  leitet  man  diese  Wörter  aus  dem  arab.  al-kuniah  beiname,  bei 
Pedro  von  Alcala  (nach  Engelmann)  auch  €renombre  de  linage,  stamm- 
oder  familienname.  Eine  andre  etymologie  ist  in  den  früheren  ausgaben 
des  vorliegenden  Wörterbuches  versucht,  aber  nicht  mit  entschiedenheit  aus- 
gesprochen worden:  aus  dem  althochd.  bei  Otfried  mehrmals  vorkommenden 
adal-kunni  [goth.  athala-kuni?)  edles  geschlecht.  —  [Wenn  ein  gelehrter 
krüiker  dieser  deutung  mit  der  frage  entgegentritt,  wie  sich  die  silbe  al 
des  span.  Wortes  aus  derselben  erkläre,  so  lag  es  auf  der  hand,  daß  diese 
silbe  im  deutschen  adal  ihren  grund  haben  sollte,  dessen  d  leicht  ausfiel; 
und  wenn  derselbe  kritiker  ferner  einwendet,  daß  das  pg.  alcunha 
nicht  lignage,  sondern  surnotn  bedeute,  dem  deutschen  adal-kunni  also 
nicht  entspreche,  so  ist  diese  einwendung  von  geringem  gewicht,  da  das 
wort  in  zwei  mundarten  der  halbinsel,  und  zwar  in  ältester  zeit,  aller- 
dings die  bedeutung  lignage  hat.  Von  seilen  der  lautlehre  ist  das  gothi- 
sche  wort  so  gut  wie  das  arabische,  denn  selbst  n  findet  sich  im  goth.  nj 
(gen.  ktfnjis,  pl.  kunja)  wieder;  aber  es  kann,  außerhalb  der  grammatik, 
gründe  geben  für  die  ansprüche  des  arabischen,  z.  b.  das  übergewicht 
seines  Sprachstoffes  über  den  germanischen  auf  spanischem  boden.] 

Aldäa  sp.  pg.  cot.  weiter,  dorf.  Mit  recht  findet  Sousa  seinen  Ur- 
sprung im  arab.  ad-'dai'ah  grundstück  s.  Freyt.  III,  34".  Aus  dem 
longob.  aldius,  aldio  (=  mlat.  litus),  woher  es  S.  Rosa  s.  v.  und  Grimm, 
Rechtsalt.  309,  entspringen  lassen,  würde  sich  die  endung  ea  minder 
leicht  erklären. 

Aledafio  sp.  gränze,  adj.  angränzend.  Möglicher  weise  von  limi- 
taneus,  also  für  a-lendaiio  mit  ausgestoßenem  n  vor  d,   was  sonst  nicht 


IIb.   ALERCE— ALGOZ.  419 

spanisch  ist,  sich  aber  als  dissimüation  rechtfertigen  ließe.  Andrer  Mei- 
nung ist  Larramendi,  der  es  aus  dem  bask.  aldedano  herleitet  und  dies 
aus  aldea  nachbarschaft  und  der  präp.  dafio  s.  v.  a.  sp.  hasta  zusammen- 
setzt: da  aber  auch  hier  dissimüation  angenommen  werden  müßte,  so  bleibt 
man  besser  bei  dem  lat.  etymon. 

Alerce  sp.  lerchenbaum;  von  larix,  statt  eines  unvorhandenen  lerce, 
larce  =  it.  lärice,  chto.  larisch,  mit  vorgefügtem  arab.  artikd.  Oder  un- 
mittelbar aus  arab.  al-arzah  pinus  cedrus  Freyt.  1,  25=  pers.  arz 
pinus,  cypressus  Vutters  I,  79*.  Der  catal.  name  ist  cedro  d'olor  wohl- 
riechende ceder. 

Aleve  sp.  treulos,  verrätherisch,  äUsp.  sbst.  aleve,  pg.  aleive  treu- 
hsigkeit,  verrath.  Nach  Govarruvias  vom  lat.  allevare,  so  daß  es  eigentl. 
rebdl  bedeutete,  ober  diese  bedeutung  hat  es  nie  gehabt,  auch  fehlt  dem 
Spanier  das  verbum.  Sollte  es  aus  deutscher  würzet  sein?  Goth.  heißt 
l&yjan  verrathen,  ags.  laeva  verräther. 

Alfa  na  sp.  (fehlt  pg.)  großes,  starkes,  muthiges  pferd,  daher  altfr. 
destrier  aufaine  Sax.  I,  p.  129. 

AI  fange  sp.  pg.  sähet]  vom  arab.  al-changar  dolch  Freyt.  I,  530*. 

Alfaraz  sp.  pg.  leichtes  pferd  der  maurischen  reiterei;  vom  arab. 
al-farag  pferd  Freyt.  III,  331b .  In  einem  schreiben  papst  Johanns  VIII. 
an  Jcönig  Alfons  von  Gallicien  liest  man:  aliquantos  utiles  et  optimos 
Mauriscos  com  armis,  quos  Hispani  cavallos  alpharaces  vocant,  ad  nos 
dirigere  non  omittatis  DG.  v.  farius.  Hier  steht  alpharaces  adjectivisch 
wie  auch  pg.  cavallo  alfaraz  und  altfr.  cheval  auferant. 

AH6rez  sp.  pg.f  altsp.  alförece,  alferce  fähndrich,  früher  aber  auch 
ein  ausdruck  für  höhere  würden,  z.  b.  alferez  del  rey  comes  stabuli,  con- 
netable;  vom  arab.  al-föris  reiter,  ritter  Freyt.  III,  332*. 

Alfiler,  alfilel  sp.,  pg.  alfinete  Stecknadel,  plur.  sp.  alfileres  nadel- 
geld;  arab*  al-chill  spitzes  höhchen  zum  zusammenstecken  der  Kleider 
Freyt.  I,  510*,  bei  andern  auch  Stecknadel. 

Alföcigo,  alföstigo,  alfonsigo  sp.,  pg.  alfostico  pistazienbaum; 
arab.  al-fostoq  dass.  Freyt  III,  346*. 

Alfombra  sp.,  pg.  alfambar  fußteppich;  arab.  al-chomrah  teppich 
zum  beten  Freyt.  I,  524h. 

Alforja  sp.,  zUorge pg.  quersack;  vom  arab.  al-chorg  Freyt.  1,47 2h. 

Alfoz  sp.  pg.  gemarkung,  bezirk;  vom  arab.  al'hauz  gleichbed. 
Freyt.  I,  441*. 

Algara  sp.  pg.  streif eug  auf  feindliches  gebiet  (wie  it.  gualdana); 
vom  arab.  al-garäh  dass.  Freyt.  III,  301b,  daher  auch  vb.  algarear  hurrah 
rufen,  sbst.  algarada  lärm,  geschrei,  fr.  algarade. 

Algez  sp.  gypsstein,  arab.  al-ge$;  von  gypsum,  sp.  auch  yeso,  tl.gesso. 

Algoz  pg.  henker,  Scharfrichter,  algozaria  grausame  that,  unthat. 
Al-gozz  ist  der  name  einer  ursprünglich  türkischen  tribus,  von  welcher 
eine  schaar  nach  Nordafrica  und  in  den  dienst  der  Almohaden  kam 
und  später  zur  Vollstreckung  von  strafen  gebraucht  ward;  daher  das  port. 


420  IIb.   ALGUACIL-ALMENA. 

wort,  s.  Dozy  Gloss.  128.  Wenn  aber  der  Verfasser  in  dem  bekannten 
verse  des  troubadours  Gavaudan  Masmutz,  Maars,  Götz  e  Barbaris  Chx. 
TV,  85  unter  Götz  nicht  Oothen,  wie  sämmtliche  Übersetzer  des  gedicktes 
(Faurid,  Mild  und  noch  ein  anderer)  gethan  haben,  sondern  eben  jene 
mit  algozz  bezeichnete  schaar  versteht,  so  ist  dies,  gegenüber  den  von  Müd 
für  die  bedeutung  Gothen  geltend  gemachten  gesichtspuncten  jedesfaUs  eine 
noch  genauer  zu  prüfende  behauptung. 

Alguacil^  alvacil  sp.,  pg.  alguazil,  alvacil,  alvacir  eine  gerichts- 
person,  pg.  guazil  auch  minister,  gouverneur;  vom  arab.  vazir,  al-vazir 
Verwalter  des  Staates,  vezier,  dies  von  vazara  tragen  Freyt.  IV,  461*. 
Über  die  dbänderung  der  grundbedeutung  des  arab.  Wortes  im  spanischen 
sehe  man  Engelmann  p.  40 — 41.  —  Aus  alguazil,  das  auch  aufseher  be- 
deutet, entstand  sehr  wahrscheinlich  das  fr.  arg ou sin,  das  it.  aguzzino 
sklavenaufseher,  welches  daher  auch  dem  Spanier  fehlt. 

Alguarismo,  guarismo  sp.,  durch  umdeutung  algoritmo,  pg.  al- 
gorismo  rechenkunst,  Ziffer.  In  einer  prov.  stelle  wird  das  wort  zu  dem 
sinnverwandten  abacus  gesellt  (s.  abbaco  II.  a):  l'&bac  e  l'algorisme 
aprezi  L.  Rom.,  und  in  einem  mhochd.  gedieht  tragen  zwei  mcUhematiker 
die  namen  Algorismus  und  Abaguc  Mhd.  wb.  Aber  auch  das  span.  wort 
ist  nichts  anders  als  der  beiname  eines  berühmten  arabischen  tnathematikers. 
S.  Doey  Gloss.  131. 

Algures  pg.  ortsadverb  für  lat.  usquam,  alt  algnr,  alhur;  von  ali- 
cubi,  also  eigentlich  für  algubre,  wie  alubre  für  aliubi.  Vgl.  unten  nenhures. 

Alhaja,  alfaja  sp.  hausgeräthe;  vom  arab.  al-chägah  nöthige  sacke, 
Kleider,  kinderspielzeug,  s.  Engelmann  mit  dem  zusatze  von  Dozy  133. 

Alholba  sp.,  pg.  alforva  eine  pflanze,  foenum  graecum;  vom  gleich- 
bed.  arab.  al-cholbah  Freyt.  I,  415a,  dies  vom  vb.  chalaba.    Bask.  aüorbea. 

Aliento  sp.,  pg.  alento  athem,  vb.  alentar;  von  anhelitus,  mit  Ver- 
setzung des  n  tmd  1  alentus,  vgl.  peligro  aus  periclum. 

Aliso  sp.  erle;  vgl.  die  nhd.form  eise.  Aliso  Steinkraut,  von  alysson. 

Aljaba  sp.,  pg.  aljava  köcher;  vom  arab.  al-gabah  (jujo.)  dass. 
Freyt.  1,  281a. 

Aljöfar  sp.,  pg.  aljofre  kleine  perle;  vom  arab.  al-gauhar  edelstein, 
perle,  ein  urspr.  pers.  wort,  Freyt.  I,  327b. 

Allende  aitsp.,  pg.  alem,  ortsadverb  für  lat.  ultra;  zsgs.  aus  allf 
ende  'von  dort  aus\ 

Almaden  sp.  vrlt.  bergwerk,  erzstufe;  vom  arab.  alma'dan  gleichbecL 
Freyt.  III.  122*. 

Almagra,  almagre  sp.  pg.  bergroth,  eine  erdart;  vom  arab.  alma- 
grah  rothe  erde  Freyt.  IV,  195h. 

Almea  storax,  vom  arab.  al-mafah  dass.,  vgl.  was  die  form  be- 
trifft, aldea. 

Almece  pg.  molken;  vom  arab.  &l-mei$  dass.  (Dozy  Gloss.  162). 

Almena  sp.  zinne,  im  Alex,  amena,  pg.  ameia;  vom  lat.  muia 
(nur  im  plurcd  üblich)  mit  vorgefügtem   arab.  ariikd.    Marina  u.  o.  be- 


II.  b.  ALMEZ-AMAGO.  421 

ziehen  es  aus  dem  arab.  al-menäa  Verhinderung,  befestigung:  das  lat.  wart 
aber  hat  genau  die  bedeutung  des  spanischen. 

Almez  sp.  nessdbaum,  celtis  australis  (Seckendorf);  vom  arab.  al- 
-mais,  s.  Engelmann,  dsgl.  Doey  Gloss.  164. 

Almofar,  almofre  sp.,  almafre  pg. panzerkappe;  vom  arab.  al-mig- 
fer  aus  eisenringen  verfertigter  heim  Freyt.  III,  28  5b. 

Alm  oh a  da  sp.,  almofada  pg.  hassen,  kopßüssen;  vom  arab.  al- 
-mechaddah  Freyt.  I,  464",  vgl.  Sousa. 

Almohaza  sp.,  almofada  pg.  Striegel;  vom  arab.  almehassah  dass. 
Freyt.  I,  377b. 

Almoneda  sp.,  almoeda  pg.  Versteigerung;  vom  arab.  al-monädija 
dass.,  dies  von  näda  schreien,  ausrufen,  s.  Engelmann.  Dazu  ein  berich- 
tigender zusatz  von  Doey  Gloss.  176. 

Almorranas  sp.  (plur.),  pg.  almorreimas,  cot.  morenas  eine  Krank- 
heit; entstellt  aus  haemorrhoides. 

Almoxarife  sp.,  almoxarife pg.  zoUaufseher;  vom  arab.  al-moschrif 
auf seher  Freyt.  II,  414K 

Almud  sp.,  almude  pg.  ein  getreidemaß;  vom  arab.  almod  dass. 
Freyt.  IV,  159*. 

Almuerzo  sp.,  almorgo,  almoQO  pg.  frühstück,  vb.  almorzar  {cot. 
esmorzar);  nicht  notwendiger  weise  mit  Covarruvias  vom  arab.  artikd 
und  dem  lat.  morsus,  sondern  wahrscheinlicher  von  admorsus  bei  Sym- 
maehus,  gleichbedeutend  unser  anbiß. 

Alnado,  andado  sp.,  pg.  enteado  Stiefsohn;  von  ante  natus  der 
vor  der  gegenwärtigen  ehe  geborene,  span.  auch  antenado,  in  den  Isid. 
glossen  antenatus  *privignus;  gr.  nqoyovoq. 

Alquile  sp.  pg.  fniethe,  alquilar  miethen;  vom  arab.  al-kira  mieth- 
preis  Freyt.  IV,  31b. 

Altami sa  sp.  ein  kraut,  beifuß,  cot.  altimira,  entstellt  aus  arte- 
mißia,  fr.  armoise  cet. 

Alubre  altsp.  anderswo,  anderswohin  FJ.,  auch  Bc.  Loor.  114 
(wo  a  iubre  steht)  ortsadverb;  von  altnbi. 

Aluir  pg.  schaukeln,  anstoßen,  dsgl.  aushöhlen  (vom  wasser);  von 
alludere  schäkern,  plätschern,  anschlagen,  begrifflich  passender  als  alluere 
bespülen. 

Ama  sp.  pg.  amme,  pflegerin,  hausfrau,  daher  moviert  amo  Hof- 
meister, Hausherr.  Schon  Isidorus  kennt  amma:  haec  avis  (strix)  (vulgo' 
dicitur  amma  ab  amando  parvulos,  trade  et  lac  praebere  fertur  nas- 
centibus.  Der  vogel  heißt  amma,  weil  er  milch  gibt  Freilich  nicht  aus 
amare  floß  das  wort,  es  ist  ein  alteinheimisches,  bask.  ama,  gael.  am 
mutier,  occit.  ama  großmutter,  ahd.  amma  nutrix. 

Amägo  sp.  altpg.  drohende  gebärde,  vb.  amagar. 

Amago  pg.  herz  oder  mark  eines  dinges,  innerster  theü,  vgl.  cat. 
pr.  amagar  verbergen.  Aber.  sp.  ämago,  cat.  ämag,  imad  bezeichnen  einen 
eigenthümlich   unangenehmen    geschmack    des    honigs,    sp.   ämago   heißt 


422  IIb.   AMAPOLA-ANCO. 

auch  ekel,  Widerwille.  Die  herlcunft  dieses  wie  des  vorigen  Wortes  ist 
unermittelt. 

A map 61a  sp.  eine  pflanze,  tnohn;  nach  Larramendi  durch  Ver- 
setzung aus  dem  basJc.  emalopa  'was  dem  schlafe  unterwirft,  von  ema, 
eman  geben,  und  lopa,  lopea  unter  dem  schlafe;  vgl.  wegen  des  begriff  es 
sp.  adormidera  mohnpflanze.  [Anderer  meinung  ist  Mahn  p.  125.  Nach 
ihm  stammt  das  baskische  eher  aus  dem  spanischen  wortet  welches  in  dem 
veralteten  papola  =  lat.  papaver  seinen  Ursprung  hat.  Dozy  Gloss.  284 
verweist  es,  nebst  andern  spanischen  benennungen  (s.  oben  ababa),  auf  das 
arab.  habba  baura,  welches  eigentl.  samen  des  brachfeldes  bedeutet.] 

Amarillo  sp.,  araarello  pg.  gelb,  amarellus  in  einer  Urkunde  v.  j. 
988  Esp.  sagr.  XXXIV,  455,  dafür  cat.  grog.  Gatte  ist  zugleich  bitter 
und  gelb,  und  so  konnte  das  wort  aus  amarus  entspringen.  Diese  etymo- 
logie  aber,  die  zwei  eigenschaften  logisch  verknüpft,  weil  sie  sich  zufällig 
an  demselben  gegenstände  wahrnehmen  lassen,  ist  gefährlich:  mit  gleichem 
reckte  ließe  sich  süß  und  gelb  durch  honig  vermitteln.  Trefflich  leitet 
Mahn  p.  61  dieses  wort  aus  ambar,  so  daß  ihm  ambarillo  (bernsteinfarbig) 
vorangieng.  Der  ausfall  des  b  hinter  m  ist  unbedenklich,  er  ist  bespro- 
chen Rom.  gramm.  I,  282.  —  [Nichts  scheint  gesichert  auf  dem  felde  der 
etymologischen  forschung.  Neuerlich  hat  Rösler  in  der  abh.  Farbenbe- 
Zeichnungen  im  Roman,  p.  12  diese  deutung  bestritten,  weil  das  aus  dem 
Orient  ins  spanische  eingewanderte  ambar  einen  schwarzen  oder  höchstens 
grauen  korper  bezeichne,  mithin  zum  ausdrucke  einer  gelben  färbe  unpas- 
send gewesen  wäre;  erst  später  sei  das  wort  wegen  gewisser  ähnticUceiten 
beider  Stoffe  auf  den  bernstein  ausgedehnt  worden;  ein  besseres  etymon 
scheine  marum,  name  einer  pflanze  mit  hellgelben  blumen,  sp.  maro.  Aber 
kann  ambarillo  amarillo  nicht  aufgekommen  sein,  nachdem  ambar  die  be- 
merkte erweiterung  seiner  bedeutung  erfahren  hatte?] 

Ambidos,  amidos  altsp.  adv.  ungerne,  wider  toülen  (s.  die  glossare 
bei  Sanchez);  von  invitus,  wie  Cabrera  richtig  sieht,  it.  invito,  aUfr.  envis. 
Neben  amidos,  que  non  de  grado  Gron.  rim.  ed.  Michel  v.  681  steht  auch 
a  miedo,  que  non  de  grado  v.  490T  vermuthlich  durch  umdeutung  (aus 
furcht),  in  Cd.  S  D.  p.  15b  las  tenion  amidos  6  con  miedo  sieht  man 
beide  ausdrücke  zusammen  verbunden. 

Aman  de  sp.  adv.  abgesehen  davon,  ausgenommen,  z,  b.  amen  del 
lecho  todo  lo  demas  se  hallarä  con  mucha  abundancia  DQuix.  1,  2; 
abgekürzt  aus  k  menos,  das  denselben  sinn  ausdrückt  (Cabrera). 

Amito  sp.  ein  kleidungsstück,  altfr.  amit;  von  amictus. 

Amortiguar  aus  mortificare;  s.  santiguar. 

Anafar^.  säubern,  glätten. 

Ancho  sp.  pg.  weit;  von  amplus,  it.  ampio  ff.,  ebenso  henchir  von 
implere.    Zsgs.  ensanchar  erweitern,  gleichsam  ex-amplare. 

Anco  pg.  dlenbogen,  biegung,  vom  gr.  äyxog  bug,  Vertiefung;  sp. 
an  con  (m.)  bucht,  rhede,  von  dyxwv  dass.  Ein  bret.  afik  winket  kennt 
Le  Pelletier.    S.  auch  Ducange  s.  v.  ancos. 


IL  b.   ANDABIO-APEAR.  423 

Alidario  sp.  bachsiehe;  zsgs.  aus  andar  gehen  und  rio  fluß,  $ie 
am  flusse  wandelt. 

An  das  sp.,  pg.  und  bei  Berceo  andes  (nur  im  plur.)  sanfte;  nicht 
von  andar,  es  ist  das  lat.  amites  Stangen;  amites  basternarum  tragstan- 
gen  der  sanften,  sagt  Palladius,  also  im  spanischen  pars  pro  toto  gesetzt. 
Vgl.  haute  IL  c. 

Andrömina  sp.  mahrchen  um  einen  zu  hintergehen;  nach  Larra- 
mendi  das  bask.  andraminac  Unpäßlichkeiten  der  weiber  (die  oft  als  vor- 
wand  gebraucht  werden),  das  sich  leicht  in  andrea  weib  und  mina  schmerz 
zerlegt. 

Angaro  sp.  signalflamme;  vom  bask.  garra  flamme,  an  garra  dort 
flamme,  s.  Larramendi.  —  [Nach  Mahn  p.  128  vielmehr  aus  dem  gleich- 
bedeutenden gr.  ayyagov  nvQ.  Die  ähnlichheit  ist  schlagend.  Man  möchte 
fragen,  ohne  der  deutung  etwas  abzubrechen:  wie  kam  dieser  griechische 
bei  Äschylus  vorkommende  ausdruCk,  der  weder  Gatalonien  noch  Portugal 
berührte,  nach  Spanien?   Aber  die  wege  der  Wörter  sind  zuweilen  seltsam.] 

Angra  sp.  pg.  bucht;  scheint  griechischer  herkunft,  zeigt  sich  aber 
schon  im  mlatein:  ancrae  ayxea,  avXüvtg  Gl.  gr.  lat.,  vgl.  dyxaXrj,  ayxvXi] 
dienbogen. 

Angurrfa  sp.  Wassermelone;  ein  rein  bask.  wort,  s.  Larramendi. 

Ansia  sp.  pg.  cot.,  sard.  ansia,  ansa  angst,  auch  altfr.  ainse  Ben.; 
vom  adj.  anxius,  anxia,  vgl.  asma  II.  a. 

Antojo  sp.,  daher  pg.  antojo  für  antolho  laune,  grille,  lüsternheit; 
von  ante  oculum  'was  einem  vor  die  äugen  kommt*;  dazu  in  sinnlicher 
bedeutung  das  nur  im  plural  übliche  sp.  anteojos,  pg.  antolhos  brüle. 

Ana  dir  sp.  hinzufügen;  von  in-addere,  alt  ennadir  Bc,  altpg.  ema- 
der  SRos.j  auch  wal.  innqdl. 

Afiafil  sp.,  anafil  pg.  trompete;  vom  arab.  an-nafir  eherne  trompete 
Freyt.  IV,  3121,  dies  aus  dem  pers.  nafir,  vgl.  Vütters  s.  v.  karrana  II, 
823*.  Auch  pr.  amafil  'parva  tuba  cum  voce  alta  GProv.  p.  51"  (wohl 
aniafil  zu  lesen). 

Anagaza,  öagaza  sp.,  nega$a  pg.  lockvogel.  Larramendi  zerlegt 
es  in  die  bask.  Wörter  afia  goza  süße  amme,  etwas  zu  poetisch  für  die 
sache.  Ferreira  zu  Las.  1,  86  leitet  es  aus  lat.  illex,  das  etwa  enagaza 
(vgl.  wegen  des  n  encina  aus  ilex),  sodann  anagaza  (vgl.  afiadir  aus 
enadir)  ergeben  konnte.  Grammatisch' leichter  wäre  Umstellung  aus  en- 
gafiaza  (engaöar  anlocken),  doch  empfiehlt  sich  die  vorhergehende  deutung 
durch  das  genaueste  zusammentreffen  der  begriffe. 

Anil,  afiir  sp.,  anil  pg.  indigopflanz e;  vom  arab.  annilah,  Hndigo- 
fera  tinctorid  Freyt.  IV,  359*,  dies  vom  pers.  nila,  welches  dasselbe  bedeutet. 

Afiusgar  sp.  nicht  frei  athmen  können,  vor  zorn  ersticken;  vom 
bask.  anus'ea  Schlund  (Larramendi). 

Apaeigaar  sp.,  aus  paeifieare;  s.  santiguar. 

Apear  sp.  pg.  absteigen  machen,  buchstäblich  auf  den  fuß  stellen; 
von  pes,  sp.  pi& 


424  ILb.   APERO— ARISCO. 

Apero  sp.,  apeiro  pg.  schiff  und  geschirr,  auch  Schäferei,  daher 
aprisco  schaf stall,  vgl.  comask.  aper  verschlag  stoischen  stall  und  heu- 
schober;  erklärt  man  aus  apparare  zurüsten,  so  daß  man  ein  Substantiv 
von  ungewöhnlicher,  aber  doch  nicht  unmöglicher  prägung  apparium  an- 
nehmen muß. 

Aposentar  sp.  pg.  herber  gen,  aposento  herber ge,  simmer;  parti- 
cipialverbum  von  posar  (lat.  pausare),  woraus  eigentlich  aposantar  ent- 
springen mußte,  auf  dessen  form  aber  das  begriffsverwandte  sentar  (setzen) 
eingewirkt  haben  mag. 

Aquende  altsp.,  pg.  aqnem,  ortsadverb,  cüra;  zsgs.  aus  aqui  ende 
(lat.  eccu'  inde)  cvon  hier  aus\   so  daß  es  mit  it.  quindi  zusammentrifft. 

Aqaese  sp.,  altpg.  aqaesse  pronomen:  zsgs.  aus  eccu'  ipse. 

Aragan,  haragan  sp.  träge,  fehlt  pg.;  muthmaßlich  vom  ahd.  arag, 
arg  geisig,  nichtswürdig,  träge.  Ein  verpöntes  Schimpfwort  bei  den  Lan- 
gobarden: si  quis  alium  argam  per  fororem  clamaverit  cet.,  dsgl.  Paulus 
Diac.  6,  24:  memento,  quod  me  esse  inertem  et  inutilem  dixeris  et 
ynlgari  verbo  arga  vocaveris.  Auch  die  alte  heimath.  der  Longobarden 
bewahrt  dieses  wort  mit  demselben  suffix,  comask.  ärgan,  berg.  arghen 
poltrone.  In  das  gr.  aQyog  für  äeQyog  (vgl.  argus  Hardus*  Papias)  paßt 
wenigstens  die  span.  form  minder  leicht. 

Arafiar  sp.  kratzen,  sbst.  arano,  dazu  das  veraltete  oder  populäre 
arunar.  Ihre  herhunft  ist  nicht  ganz  deutlich  Vielleicht  ist  erstere 
form  mit  einmischung  von  rädere  aus  letzterer  abgeändert:  stammt  nun 
diese  von  arare  wie  rasguöar  von  rasgar  ?  oder  vom  sp.  rofia  (pr.  runha) 
kratze?    Die  bedeutung  von  arare  widerstrebt 

Are i IIa  sp.  thonerde;  von  argilla  mit  eigentümlicher  behandlung 
der  kehlmedia  wie  in  arcen  (agger)  und  andern,  Born,  gramm.  I,  269. 

Ar  da,  ardiila  sp.,  harda  pg.  eichhorn.  Larramendi  halt  es  für 
baskisch  und  zerlegt  es  in  die  Wörter  ari  da  ces  bewegt  sich  immer,  aber 
der  bask.  name  ist  anders.  Aus  lat.  nitella  konnte  durch  die  übliche 
prothesis  des  a  anedilla,  wohl  auch  aredilla,  ardiila  entstehen  und  hieraus 
arda  abgezogen  werden.  Vielleicht  aber  findet  sich  eine  zuverlässigere 
herleitung.  —  [Eine  andre  erklärung  des  schwierigen  Wortes,  die  zugleich 
pr.  arda  und  arna  motte  umfaßt,  hat  später  Mahn  p.  127  versucht,  auf 
welche  hier  nur  verwiesen  werden  möge.] 

Ardite  eine  geringe  span.  münze,  in  Guienne  hardi,  limous.  ordi; 
vom  bask.  ardita,  dies  von  ardia  schaf,  vgl.  pecus,  peeunia,  Ucluse 
Gramm,  basque  p.  33.  Nach  Larramendi  s.  v.  dita  ist  es  auf  andre 
weise  zusammengesetzt. 

Argolla  sp.,  argola  pg.  eiserner  ring,  halseisen;  vom  sp.  aro  reif 
tmdjgola  kehle,  hals,  span.  mit  erweichtem  1  wie  in  gollete.  Es  ist  die- 
selbe art  der  Zusammensetzung  wie  in  ferro-pea  eisen  für  den  fuß. 
Nach  Cabrera  aus  lat.  *  arculus,  was  nicht  angeht,  nach  andern  aus  dem 
arabischen. 

Arisco  sp.  pg.  wild,  ungezähmt,  scheu,  nach  Constancio,  der  es  von 


IIb.  ARMADILLA-ARREL.  425 

arena  herleitet,  auch  trocken,  z.  b.  terra  arisca.  Von  rigidas,  zunächst 
riisco,  dann  a-riisco,  arisco?  Aber  prothetisches  a  findet  auf  adjectiva 
leine  anwendung  (a-musco  moschusfarbig  kann  aus  einem  gleichlautenden 
Substantiv  herrühren,  auch  steht  ihm  eine  form  musco  zur  seile,  wogegen 
kein  risco  vorhanden  ist).  Besser  denkt  man  sich  in  arisco  eine  ab- 
kürzung  von  arriscado  kühn,  verwegen,  dies  von  arriscar  in  gefahr  setzen, 
s.  risicare  I. 

Armadilla  sp.  gürtelthier ;  gleichsam  gepanzertes  thier,  von  armado. 

Armnelle  sp.,  pg.  armoles,  armolas  (nur  im  plural  üblich),  auch 
aüfr.  armol  Sq.  ein  kraut,  melde.  Der  lat.  name1  dafür  ist  atriplex 
(s.  arroche  II.  c).  Vielleicht  liegt  in  dem  span.  worte  einer  der  falle 
vor,  worin  zwei  Wörter,  ohne  eine  deutliche  composition  zu  bilden,  in  eins 
zusammengeflossen  sind,  d.  h.  ar  hat  seinen  grund  in  atri  von  atriplex  und 
muelle  in  mollis  oder  emolliens,  insofern  diesem  kraut  erweichende  kraß 
zugeschrieben  ward:  von  atriplex  emolliens  benutzte  also  der  volksmund 
nur  die  betonten  sähen  —  wenn  die  conjectur  nicht  eine  der  verfehlten  ist. 

Aro  sp.  pg.  reif,  ring  von  holz  oder  eisen  u.  dgl.,  altpg.  unikreiß 
einer  stadt,  eines  dorfes  s.  S.  Rosa.    Eine  befriedigende  deutung  fehlt. 

Arrabalde,  arrabal  sp.  pg.  vor  stadt;  vom  gleichbed.  arab.  ar-raba'd 
Fref/t.  II,  IHK 

Arrebol  sp.  pg.  der  rothe  glänz,  den  die  wölken  vor  Sonnenaufgang 
oder  nach  Sonnenuntergang  annehmen,  dsgl.  die  rothe  schminke.  Mahn 
p.  48  zieht  es  aus  dem  arab.  rabab  weiße  wölke.  Vielleicht  aber  läßt 
sich  die  deutung  aus  rabor,  wobei  an  Aurora  rubescit  Virg.  erinnert 
werden  darf,  aufreckt  erhalten.  Baß  nämlich  al  auch  manchem  nicht 
arabischen  worte  vorgesetzt  ward,  ist  gewiß,  und  daß  der  Spanier  aus- 
lautendes r  gerne  in  1  wandelt  (marmol,  arbol,  vergel  cet),  ist  nicht. 
minder  gewiß:  überdies  trat  noch  eine  vertauschung  des  radkalen  o  oder 
u  mit  e  ein  wie  in  arredondar  für  arrodondar.  Ist  dies  f actisch  richtig, 
wie  es  theoretisch  schritt  vor  schritt  bewiesen  ist,  so  entspricht  das  verbum 
arrebolar  (röthen)  dem  it.  arrovellare,  nur  daß  dies  aus  dem  adj.  rubel- 
lns  entstand,  und  man  braucht  nicht  einmal  den  arab.  artikel  in  ansprach 
zu  nehmen,  da  das  Substantiv  aus  dem  verbum  (worin  ar  =  lat.  ad)  ge- 
zogen sein  konnte.  Nach  form  und  begriff  scheint  sich  diese  etymologie 
aus  nationalem  dement  besser  zu  empfehlen  als  die  aus  fremdem.  Krit. 
anhang  p.  22. 

Arrecife  sp.,  pg.  arrecife,  recife,  altsp.  arracife,  altpg.  arracef 
dammstraße,  dsgl.  klippe  des  meeres;  vom  arab.  ar-raclf  dammweg  cm 
einem  flusse,  hohe  fahrstraße.  Daher  wohl  auch  fr.  räcif,  ressif  reihe 
mit  wasser  bedeckter  Hippen  (arab.  arra^af  reihe  steine  im  wasser,  um 
darauf  hinüber  zu  schreiten  Freyt.  II,  155b). 

Arrel,  arrelde  sp.  ein  gewicht  von  4  pfund  castilianisch,  pg.  arra- 
tel»  altsp.  arrate;  vom  arab.  ratt  gewicht  von  12  unzen  Freyt.  II,  160h. 
Das  bask.  erraldea,  wenn  auch  ein  gewicht  von  10  pfund  bedeutend,  wird 
nichts  anders  sein  als  das  sp.  arrelde. 


426  IIb.   ARRIBA-ASCUA. 

Arriba  sp.  pg.  adverb  für  lat.  supra;  von  ripa  ufer,  anhohe,  vgl. 
unten  derribar. 

Arriero  sp.,  arrieiro  pg.  maulthiertr eiber ;  von  dem  an  die  maul' 
thiere  gerichteten  zuruf  arre  (neupr.  it.  arri),  cdtsp.  farre,  der  arabischen 
Ursprunges  sein  soll,  s.  Sousa,  dsgl.  Dozy  Gloss.  202. 

Arripiar  pg.  schaudern;  nach  den portug.  etymologen  von  horripilare. 

Arroba  sp.  pg.  gewicht  von  25  pfund;  vom  arab.  arrob'a  (f*>)  vier- 
ter theil  (des  centners)  Freyt.  II,  113b. 

Arrojar  sp.,  arrojar  pg.  werfen,  auch  duft,  strahlen  verbreiten, 
sprossen,  arrojo  dfeistigkeit,  Verwegenheit.  Möglicher  weise  von  ruar, 
gleich  dem  fr.  ruer  umgebogen  aus  lat  ruere,  mit  hiatustilgendem  j  rnjar 
rojar  arrojar;  wegen  dieses  j  s.  unten  trage.  Die  herleitung  aus  rejicere 
wenigstens  ist  Jcaum  erwähnenswerth. 

Arroyo  sp.,  arroio pg.  bach,  arrojar  überfluthen,  wegspülen,  cdtsp. 
arrogio,  mied,  arrogium  schon  in  einer  Urkunde  vom  j.  775  Esp.  sagr. 
XVIII,  301.  Gewiß  nickt  von  rivus.  Verwandt  scheint  lonib.  rogia  bach 
eum  wässern  der  wiesen,  mlat.  rogium  (9.  jh.),  weshalb  Muratori,  Ant. 
itdl.  II,  1105,  an  gr.  Qorj  von  (>ho  erinnert.  Man  vgl.  auch  wcd.  eruge 
Wassergraben,  ungr.  ürök. 

Artiga  sp.  cat.,  artigua  pr.  frisch  angebautes  fdd.  Nach  Adelung, 
Mithr.  II,  43,  cdtisch,  vgl.  kymr.  aru  pflügen;  wie  aber  abgeleitet  und 
warum  nicht  eben  so  wohl  vom  lat.  arare?  Auch  die  bask.  spräche  kennt 
artica,  artiga,  worin  Larramendi  mit  berufung  auf  den  gebrauch  des- 
selben als  eines  eigennamens  (so  heißt  z.  b.  ein  gericktssprengel  von  8. 
Sebastian)  ein  dieser  spräche  angehöriges  wort  erkennt. 

As co  sp.  pg.,  sard.  ascu  ekd,  abscheu,  ascoso  und  asqneroso,  as- 
coroso  ekelhaft,  letztere  form  auch  im  altmail.,  s.  Bonvesin  disput.  muscae 
v.  226.  Bas  wort  ist  von  unsicherer  Herkunft.  Es  mahnt  an  gr.  ala%og 
schände,  algxQog  häßlich,  aber  naher  stehen,  den  griech.  Wörtern  gleichbe- 
deutend, sbst.  goth.  aiviski,  ags.  sevisc,  adj.  ndd.  aisk,  aisch;  ja  selbst 
die  deutsche  interj.  des  ekels  äks  konnte  verwandt  sein,  wie  denn  auch 
manche  in  dem  roman.  worte  einen  bloßen  naturausdruck  fühlen.  Larra- 
mendi s.  v.  und  unabhängig  von  ihm  Diefenbach,  Goth.  wb.  I,  26,  ver- 
muthen  dagegen  auf  bask.  ascö  (asqui)  <viel,  zu  vieV  d.  h.  satt,  übersatt : 
allein  der  bask.  ausdruck  für  asco  ist  nicht  asca,  sondern  nasca,  weiches 
letztere  zu  vermeiden  die  span.  spräche  keinen  ardaß  hatte.  Man  vgl. 
noch  churw.  ascher  unrein,  aschrfa  unreinigkeit.  Merkwürdig  ist  auch 
die  span.  form  nsgo  für  asco. 

Ascua  sp.  pg.  glühende  kohle;  fügt  sich  trefflich  zum  ahd.  asca, 
goth.  azgö,  nhd.  asche,  ohne  daß  man  darum  mit  Diefenbach  ein  goth. 
asqvö  vorauszusetzen  hätte,  d.  h.  es  fugt  sich  eben  so  wohl  zu  asca  wie 
eslingua  zu  slinga.  Wegen  der  begriffe  vgl.  lat.  it.  favilla  asche  und 
funke.  Hat  etwa  das  bask.  auscua  *stoff  zu  asche,  welclies  Humboldt  als 
ein  achtes  einheimisches  wort  gibt,  dieselbe  quelle?  Larramendi9 s  Zusam- 
mensetzung des  span.  Wortes  aus  dem  bask.  asco  sua  (d.  h.  genug  feuer) 


IIb.   ASEAR-ATRIL.  427 

ist  sicher  verfehlt.  —  [Mahn  p.  128  hält  die  gothische  herkunft  desselben 
für  möglich,  für  sicherer  aber  doch  die  baskische.] 

Asear  sp.,  asseiar  pg.  putzen,  schmücken. 

Asinha  pg.  adverb  für  tat.  statim;  doch  wohl  von  agina  I.  zu  tren- 
nen? etwa  von  ad  Signum  auf  den  wink. 

Asir  sp.  pg.,  dltsp.  azir  ergreifen.  Die  herleitungen  aus  lat.  ansa 
oder  aus  bask.  atsi  (fassen)  sind  abzulehnen,  da  sie  für  das  span.präsens 
asgo  d.  h.  für  das  eingetretene  g,  weiches  sonst  nur  in  lateinischen  Wörtern 
vorkommt,  keinen  grund  hergeben.  Das  wort  entsprang  vielmehr  aus  dem 
gleichbed.  lat.  apiscire  für  apisci,  zsgz.  apsir  asir,  präs.  apiscor  apsco 
asgo,  also  in  diesem  tempus  mit  zurückgesogenem  accent  wie  in  cubro 
von  coop£rio.  Wo  ein  vorhandenes  lat.  wort  genügt,  sind  neubildungen 
nicht  zuzulassen. 

Asurarse  sp.  anbrennen;  für  arsnrarse,  vgl.  iL  pr.  arsura  brand, 
sard.  assura. 

Atar  sp.  pg.  cat.  binden;  von  aptare  anpassen,  anfügen,  daher  zu- 
sammenfügen (wie  gr.  aQixotßiv),  oder  von  arctare  zusammenpressen,  da- 
her zusammenschnüren?  Wiewohl  r  vor  c  ausfallen  kann,  so  empfiehlt 
die  fofm  doch  das  erstere  etymon.  In  den  glossen  des  Placidus  werden 
beide  verba  mit  vincire  als  synonym  zusammengestellt:  abto,  vincio,  arto 
Class.  aud.  VI,  664. 

Atarfe  sp,  vrlt.  ein  Strauch,  tamariske;  vom  arab.  aVtarfah  Frey- 
tag III,  60". 

Ataviar  sp.  pg.  schmücken,  atavio  schmuck.  Sousa  meint  vom  arab. 
aVtfaba  zurüstung,  also  umgestellt  attabia,  aber  diese  Umstellung  des  i 
ist  nicht  spanisch.  Es  paßt  buchstäblich  zum  goth.  ga-tevjan  anordnen, 
bestellen,  täva  Ordnung,  reihe,  oder  eben  so  wohl  zu  dem  verwandten  tau- 
jan  (prät.  tavida),  ags.  tavian,  engl,  taw,  ndl.  touwen,  ahd.  zawjan  machen, 
bereiten,  vgl.  sp.  parar  bereiten,  schmücken.  A  =  lat.  ad  wird  in  spani- 
schen verbis  leicht  vorgesetzt. 

Atisbar  sp.  aufpassen,  lauern;  vom  bask.  atisbeatn,  dies  von  ateis 
verschlossene  thüre,  und  beatu  schauen,  also  durch  thürritzen  schauen 
(Larramendi). 

Atobar  sp.  in  erstaunen  setzen,  betäuben;  von  tuba  trompete,  etwa 
wie  attonare  von  tonus.  Aus  goth.  daubjan  wäre  in  üblicher  weise  ado- 
bir  geworden. 

Atracar  sp.  pg.  ein  schiff  heranziehen.  Von  attrahicare?  Besser, 
da  es  ein  Schifferausdruck  ist,  vom  ndl.  trekken,  aantrekken. 

Atreverse  sp.  pg.,  altsp.  treverse  sich  erdreisten.  Es  soll  von 
tra-vehere  herkommen,  ist  aber  von  sibi  attribuere,  sibi  tribuere  rieh  bei- 
legen, sich  anmaßen.  Das  daneben  vorhandene  atribuir,  tribuir  stört  diese 
herleitung  nicht:  jenes  ist  das  ältere  wort,  in  dessen  präsens  noch  der  lat. 
accent  haftet,  aträvo  =  attrfbuo.  An  das  gleichbed.  bask.  atrebitu  ist  also 
nicht  zu  denken,  dies  ist  selbst  aus  dem  span.  herüber  genommen. 

Atril  sp.  leseptdt;  vielleicht  entstellt   aus   latril,   letril,   gleichsam 


428  IIb.   AUCE-AYO. 

lectorile,  alt  fr.  letrin,  indem  anlautendes  1  in  dem  artikel  aufgieng,  el  latril 
als  el  atril  verstanden  ward.    Letril  in  der  bed.  leuchterstuhl  kommt  vor. 

Auce,  abce  altsp.  (f.)  geschieh,  loos,  z.  b.  con  dios  e  con  la  vnes- 
tra  auce  PC.  2376;  buen'  auce  2379;  abce  mala  Älx.  646;  auce  dura 
Bc.  Mil.  778.  Sanchez  erwähnt  aus  Apulejus  Met.  lib.  9  bona  et  satis 
seeunda  aucilla,  und  eine  mrückfuhrung  von  aucilla  auf  ein  vermeint- 
liches primitiv  auce  ließe  sich  annehmen,  s.  Rom.  gramm.  I,  29 ;  bei  au- 
spicium  aber,  dessen  genus  sich  nach  dem  von  suerte  gerichtet  hätte,  be- 
dürfte es  dieser  annähme  nicht  An  auce,  abce  knüpft  sich  vermitteist 
der  dltvai.  bei  Aus.  March  vorkommenden  form  abziach  das  sp.  adj. 
aciago,  pg.  aziago  Unglück  bringend,  span.  als  sbst.  unglücklicher  zufaU, 
das  mit  seinem  i  die  deutung  aus  auspicium  unterstützt,  doch  müßte  das 
unübliche  sufflx  ago  aus  aco  gedeutet  werden. 

Aullar  sp.  (aiular  Bc.)  heulen;  von  ejulare  wie  ayuno  von  jejunium. 

Autillo  sp.  eine  ort  eulen,  käuzchen;  von  otus  (eozog)  ohreule.  Es 
scheint  für  a-otilla  mit  vorgefugtem  a  zu  stehn. 

Auto  sp.  pg.  Verordnung;  von  actum,  iL  atto.  Daher  sp.  auto  de 
fe,  pg.  auto  da  fö  glaübensbeschluß. 

Ayeriguar  sp.  aus  verificare;  s.  santiguar. 

Av6s,  ab&  altsp.  adverb,  wofür  neusp.  apänas-;  von  ad  rix,  wie 
assaz  von  ad  satis,  churw.  vess.     Verstärkend  ist  die  zss.  mal-avez. 

Avieso  sp.,  avesso  pg.  verkehrt,  unrecht;  von  a versus:  so  auch 
altsp.  envesar  für  enversar;  vgl.  rivescio  I. 

Axedrez  sp.y  xadrez,  enxedrez  pg.  Schachspiel;  vom  arab.  asch- 
scha'treng  Schachbrett,  dies  aus  dem  persischen,  das  aber  indischen  Ur- 
sprungs ist  und  'hundert  (d.  h.  verschiedene)  färben  habend1  bedeutet,  s. 
VuUers  11,  431: 

Axenjo  sp.  wermuth;  von  absinthium.  Die  Alten  schrieben  auch 
enxenso. 

Axuar,  axovar  sp.,  cot.  axobar,  pg.  enxöval  ausstattung  einer  neu- 
vermählten; arab.  asch-schuar  Freyt.  II,  463h. 

Ay  o  sp.  hofmeister,  aya  kinderwärterin,  it.  ajo,  aja.  Nach  den  span. 
etymologen  vom  griech.  vb.  ayeiv  leiten,  erziehen:  dann  aber  hätte  ein  griech. 
Substantiv  dieses  Stammes  schon  vorhanden  sein  müssen,  welches  man  in 
äywyog  nicht  suchen  wird.  Es  konnte  gothischen  Ursprunges  sein:  ahd. 
hagan,  hagjan  schirmen,  pflegen  (ndl.  heghen  erziehen  KU.)  gab  ein 
s&stf/hagjo  pfleget,  auch  kommt  (von  einem  andern  verbum?)  heio  hüter 
und  der  eigenname  Heio  vor  Graff  IV,  761.  710;  daß  hieraus  ayo  wer- 
den konnte,  versteht  sich.  Doch  tritt  hier  ein,  wie  es  scheint,  achtes  bask. 
wort  dem  goth.  in  den  weg.  Larramendi  II,  31b  bemerkt  ayoa  mit  der 
bed.  'einer  der  wartet  und  einer  der  folgt',  daher  auch  zaya  hüter,  seinzaya 
kinderwärter  u.  a.,  vgl.  Hervas,  Catal.  delle  lingue  p.  220.  JEs  kommt 
etwas  darauf  an,  ob  das  ital.  wort  ein  einheimisches  oder  ein  aus  Spanien 
eingeführtes  ist.  —  [Wackernagd  fragt:  aya  von  avia,  ayo  ebenso  von 
einem  avius?] 


IIb.   AZA-BALADI.  429 

Aza  pg.  1)  henkel,  öhr  an  gefäßen  =  sp.  asa,  cot.  ansa  und  nansa, 
lat.  ansa.  2,)  flügd  des  vogels  =  5p.  ala,  das  der  Portugiese  in  diesem 
sinne  kaum  gebraucht ;  vielleicht  wiederum  das  lat.  ansa,  indem  man  den 
flügel,  woran  man  den  vogel  faßt,  als  griff  betrachtete;  oder  führte  man 
etwa  das  nüat.  ascilla  =  axilla  auf  ein  unrichtiges  primitiv  ascia,  aza 
zurück?  Merkwürdig  trifft  das  port.  wort  zusammen  mit  einem  gleichbed. 
latein.:  acia  ala  Ol.  Isid.  (aria  ala  Exe.  Fith.),  aber  wo  hätte  dies  seine 
quelle?  Graevius  liest  dafür  axilla  ala. 

Azafate  sp.pg.  korbchen;  vom  arab.  as-safate  dass.  Freyt.  11,223*. 

Azcona  sp.,  auch  entstellt  in  fascona,  pr.  ascona,  edteat.  escona  Chr. 
d'Fscl.  646b  speer;  vielleicht  vom  ahd.  asc  esche  (eschfner  Schaft  Mb.). 
Dazu  pg.  ascona  mit  der  bed.  körnet,  die  auch  dem  lat.  hasta  zukommt. 

Azöfar  sp.  pg.  messing;  ist  das  arab.  aQ-<jofr  mit  ders.  bedeutung 
Freyt.  U,  504*. 

Azogue  sp.,  azougne  pg.  quecksiXber;  vom  arab.  azzaibaq  dass. 
Gol.  1076,  Freyt.  II,  219",  dies  aus  dem  persischen. 

Azote  sp.,  aQOute  pg.  peitsche,  azotar,  a$outar  und  wohl  auch  it. 
ciottare  geissein;  vom  arab.  as-saut  Freyt.  II,  376b. 

Azucena  sp.  pg.  weiße  lilie;  vom  arab.  as-süsan,  hebr.  zuzan,  gr. 
oovoov,  s.  Gol.  1237,  Freyt.  II,  376b. 

Azufaifa,  azofeifa  sp.,  pg.  a$ofeifa  brustbeere;  arab.  az-zofaizaf 
Gol.  1101. 


B. 

Babazorro  grober  mensch;  buchstäbl.  bohnensack,  Spitzname  der 
Alabesen,  die  viel  höhnen  essen,  vom  bask.  baba  bohne  und  zorro  sack 
(Larramendi). 

Bacia  sp.  pg.  hecken;  nüat.  baccea,  Variante  bei  Isidorus,  vgl. 
bacino  L,  mit  dem  es  gleicher  herkunft  ist. 

Badana  sp.pg.  gegerbtes  schafleder,  dsgl.  gefärbtes  leder  zu  buchet- 
decken;  vom  arab.  bi-ctanah,  s.  Engelmann.  Daher  fr.  basane  dass.  (s 
aus  d  vielleicht  nach  einem  prov.  bazana),  adj.  basanö  von  der  färbe 
dieses  leders. 

Bafo  altsp.  pg.,  neusp.  baho,  cot.  vaf  hauch,  dunst,  sp.  avahar,  pg. 
bafar  durch  den  hauch  erwärmen;  naturausdruck  das  ausstoßen  der  luft 
nachzubilden,  vgl.  mail.  banfä  schnauben,  arab.  bachara  aushauchen 
Freytag  I,  90°. 

Bahari  sp.,  pg.  bafarf  eine  ort  Sperber;  nach  Sousa  s.  v.  a.  über- 
seeisch, vom  arab.  bahr  meer  (ba'hri  marinus  Freyt.  I,  88b),  ein  name, 
der  auch  andern  über  das  meer  fliegenden  raubvögdn  beigelegt  wird. 

Baladi  sp.  werthlos,  gehaltlos;  augenscheinlich  arabischer  herkunft, 
nach  span.  etymologen  s.  v.  a.  städtisch,  von  balad  Stadt  Gol.  314,  weil 
in  der  Stadt  den  landleuten  verfälschte  waaren  verkauft  würden,  s.  Covar- 


430  IIb.   BALADRAR-BARRUECO. 

ruvias.  Balad  bedeutet  auch  hohle  hand,  sternenleere  gegend  des  h&mmds 
u.  dgl.    Genaueres  darüber  bei  Dozy  232. 

Baladrar  sp.  schreien;  vielleicht  eine  Umbildung  des  altsp.  balitar 
blöken,  durch  einmischung  van  ladrar  bellen. 

Balsa  sp.  pg.,  bassa  cat.  pfütze,  dsgl.  floß,  port.  auch  strohgeflecht, 
gestrüppe;  nach  Larramendi  vom  bask.  balsa  ursprüngl.  sammiung,  an- 
Häufung,  was  den  bedeutungen  genügt.  Vgl.  Humboldt,  Urbewohner  Hisp. 
p.  40,  wo  auch  der  städtename  Balsa  in  Baetica  (bei  Plinius)  hieher  ge- 
rechnet wird. 

Bai  uz  altsp.  Meiner  goldklumpen  (Seckendorf  u.  a.);  lat.  balux, 
ballux  goldsand,  bei  Plinius,  bei  späteren  balluca,  mtähmaßlich  ein  altes 
span.  wort.  S.  Vossii  Etymol.  und  Potts  Forsch.  II,  419.  510.  Baluz 
aber,  wofür  Aldrete  p.  26*  baluce  sagt,  ist  kein  volksüblicher  ausdruck, 
sondern  erst  von  den  gelehrten  aus  balux  romanisiert. 

Bandibula  sp.  kinnbacken ;  von  mandibula,  wahrscheinlich  durch 
assimüation,  d.  h.  das  erste  b  durch  das  zweite  hervorgerufen. 

Barbasco  sp.  Wollkraut;  von  verbascum:  so  altsp. bardasca  neben 
verdasca  gerte,  von  viridis. 

Barcar  sp.  pg.  in  abarcar  (sard.  abbarcai)  umarmen,  sobarcar 
unter  dem  arme  tragen.  Nicht  für  ad-brachiare,  sub-brachiare,  denen 
nur  abrazar,  sobrazar  gemäß  wäre,  grammatisch  genügt  allein  eine  form 
brachicare,  durch  Umstellung  des  r  barcar,  gebildet  also  wie  caballicare. 
Sp.  pg.  sobaco  heißt  achsdhöhle,  sard.  suercu:  ist  es,  wie  Cabrera  an- 
merkt, das  Isidorische  subbrachium,  so  muß  es  gleichfalls  einmischung  des 
Suffixes  ic  erfahren  haben. 

Barrag  an  sp.,  pg.  barragäo  gefahrte,  junggesell.  Da  das  nun  ver- 
altete wort  auch  für  einen  tüchtigen,  tapfern  mann  gebraucht  ward  (buen 
barragan  PC),  so  ist  zu  erwägen,  ob  es  nicht  identisch  sein  könne  mit 
barragan,  das  einen  festen  dauerhaften  stoff  bedeutet  (s.  baracane  L),  wie- 
wohl Übertragungen  dieser  art  selten  sein  mögen.  Sonst  sucht  man  es  im 
arab.  (Covarruvias)  oder  baskischen  (Larramendi,  Hervas,  Moraes). 

Barriga  sp.  pg.  bauch.  Nicht  wohl  von  barra,  da  kein  span.  Suf- 
fix iga  für  neue  ableitungen  in  anwendung  gekommen:  man  mißte  also 
für  diesen  einzelnen  fall  eine  ausnähme  gestatten,  indem  man  darin  etwa 
eine  scheideform  von  barrica  tonne,  für  den  begriff  genügend,  erblickte. 
Was  hier  folgt,  nehme  man  als  anspruchslose  vermuthung.  Durfte  ein 
körperiheü  ncuh  einem  ihm  zukommenden  Meidungsstück  benannt  werden, 
wie  fr.  poitrine  eigenÜ.  brustgürtd  bedeutet,  so  konnte  der  bauch  nicht  un- 
passend gurt  heißen.  Diese  bedeutung  aber  hat  das  ahd.  baldrich,  span. 
verändert  in  baldriga  barriga,  vgl.  Rodrich,  sp.  Rodrigo;  die  mittelform 
baldriga  aber  hat  sich  fast  buchstäblich  erhalten  im  parm.  bodriga  bauch 
(o  aus  al).  In  Berry  sagt  man  baudru  für  ventru,  eine  form,  die  gleich- 
falls an  das  deutsche  wort  erinnert;  man  sehe  baudrä  II.  c. 

Barrueco,  berrueco  sp.,  barroco  pg.  ungleiche  nicht  recht  runde 
perle,  pg.  auch  unebener  fels,   daher   das  fr.  adj.  baroque  schiefrund. 


IIb.  BARRUNTAR— BELENO.  431 

Etwa,  mit  vertauschtem  suffix,  von  Verruca  fels,  waree,  da  auch  sp.  ber- 
rueco  beide  bedeutungen  hat  und  Flinius  das  wort  auf  eine  Unebenheit 
der  edelsteine  anwendet?  Oder  aus  dem  *sgs.  bis-roca  schiefer  fels?  s. 
bis  I.  Beide  Wörter,  Verruca  und  roca,  könnten  sich,  wenn  man  die  be- 
deutungen erwägt,  an  dem  rotnan.  warte  betheiligt  haben.  Davon  trennen 
einheimische  eiymologen  wohl  mit  gutem  gründe  das  pg.  fem.  barroca 
unebene  steinichte  gegend,  dessen  Ursprung  sie  im  sinnverwandten  arab. 
borqah  (plur.  boraq)  Freyt.  I,  111*  erkennen. 

Barruntar  sp.  pg.  voraussehen^  errathen,  muthmaßen,  altsp.  bar- 
rnnta  Scharfblick  im  voraussehen,  barrunte  späher,  kundschaften  barruntes 
son  llamados  aquellos  homes  que  andqn  con  los  enemigos  6  saben  su 
fecho  dellos,  porqne  aperciben  ä  aquellos  que  los  embian  Partid.  2, 26, 
11,  Conq.  UUram.;  im  Alex,  findet  sich  auch  die  form  barronta.  Ein 
wart  schwieriger  deutung.  Span,  eiymologen  scheuen  sich  nicht,  es  von 
barrus  dephant,  als  dem  namen  des  verständigsten  thieres,  herzuleiten; 
Larramendi  weist  auf  das  bask.  barruan  'darinnen  (innerlich)  in  bessie- 
hung  auf  die  eindringende  schärfe  des  urtheils.  Folgende  deutung  wird 
besser  begründet  erscheinen.  Barruntar  steht  durch  eine  dem  Spanier  sehr 
geläufige  einschiebung  des  n  für  barutar  (Rom.  gramm.  I,  361),  dieses 
aber  heißt  prov.  mehl  durchsieben,  woraus,  wie  in  cernere  oder  xQiveiv, 
die  figürlichen  bedd.  unterscheiden,  ausspähen,  wahrnehmen  u.  dgl.  hervor gehn 
konnten,  über  den  Ursprung  von  barutar  s.  bluter  II.  c.  Die  neupr. 
Sprache  kennt  ein  vb.  barountä  schaukeln,  sicher  dasselbe  wort,  denn  das 
sieben  gibt  eine  schaukelnde  bewegung,  vgl.  sp.  mecer  mischen,  schütteln, 
schaukeln. 

Basca  sp.,  pg.  vasca  (wie  auch  der  Spanier  ehemals  schrieb)  ekel, 
angst,  pr.  basca  misbehagen  Chx.  II,  266,  M.  I,  p.  217;  vb.  altsp. 
bascar  ekd  haben.  Auch  im  bask.  vorhanden;  seine  Zergliederung  sehe 
man  bei  Larramendi.  Darf  auch  das  mit  sp.  basca  gleichbed.  chw.  ba- 
schizzi  hieher  gestellt  werden? 

Batafalua,  batafaluga  sp.  vrlt,  mit  m  für  b  matala-hua,  -huga, 
-huva,  cot.  sard.  matafaluga  eine  pflanze,  anis;  vom  arab.  chabbat-al-ehalvali 
dass.,  s.  Engelmann. 

Baya  sp.  hülse,  schote,  auch  beere;  von  baca  =  lat.  bacca,  pg.  baga. 

Bazo  sp.,  pg.  mite,  vgl.  neupr.  bescle  hammelsmile,  ältfr.  bascle. 

Becerro  sp.  pg.  kalb,  junger  stier,  becerra  pg.  junge  kuh;  vom 
bask.  beicecorra,  dies  van  beia  kuh  {vgl.  kymr.  biw)  und  cecorra  kalb,  s. 
Larramendi.   Dazu  gesellt  sich  noch  sp.  bicerra  gemse,  bizerra  reh. 

Behetrla  sp.  pg.  freie  ihren  herrn  sich  selbst  wählende  stadt;  nach 
Larramendi  vom  bask.  beret-iria  stadt  für  sich  selbst,  Stadt  ihres  eignen 
willens;  nach  andern  von  benefactoria,  wie  man  um  1020,  benfetria,  wie 
man  um  1129  schrieb,  s.  Covarruvias  und  Cabrera.  Diese  leteteren  müssen 
recht  haben,  da  auch  ein  ganz  entsprechendes  mal-fetrfa  vorhanden  ist,  s. 
Berceo  Müagr.  268. 

Belefio  sp.  büsehkraut;  von  venemim,  it.  veleno?    Die  ähnlichkeit 


432  ILb.   BELLEGUIN-BODA. 

kann  täuschen:  für  solche  dinge  liebt  die  spräche  individuellere  bezeich- 
nungen.  Wort  oder  Wurzel  begegnen  auch,  ohne  Zusammenhang  mit  ve- 
nenum,  auf  andern  gebieten:  ags.  belene,  belone,  belune,  russ.  belenä, 
poln.  bielun,  böhm.  bljn,  ungr.  bel£nd-fu,  ahd.  bilisä;  vollständigere  ver- 
gleichung  bei  Diefenbach,  Orig.  europ.  p.  260. 

Bellegnin  sp.,  belegnim  pg.  häscher;  nach  Sousa  vom  arab.  bale- 
guin  dass.  (Gol.  321  hat  nur  bolaqtna  unheil),  nach  Larramendi  vom 
bask.  bella  nachtwache  (sp.  vela)  und  eguin  thun. 

Bellota  sp.,  pg.  belota,  bolota,  boleta  eichet;  identisch  mü  arab. 
balltft  Gol.  p.  318,  Freyt.  I,  153* ,  das  dem  lat.  balanus  eichd,  castanie 
entspricht.  Auch  it.  ballotta  gesottene  castanie  wird hieher  zunehmen  sein. 

Bäodo  altsp.  betrunken;  von  bibitus,  aber  in  activer  bed/ einer  der 
getrunken  hat\  wie  comido  cder  gegessen  hat\  s.  Born,  gramm.111,  265. 
Die  sübe  beo  aus  bib. 

Berro  sp.  brunnenkresse;  baskisch,  behauptet  Larramendi,  da  es  im 
labort.  dialect  einen  feuchten  ort  bedeute,  die  kressen  aber  am  wasser 
wachsen.  Es  ist  vielmehr  celtisch,  z.  b.  kymr.  berwr,  bret.  b&er  mit  der- 
selben bedeutung;  weitere  vergleichungen  bei  Diefenbach,  Goth.  wb.  I,  330 
und  Orig.  europ.  435. 

Bisojo  sp.  schielend,  eigentl.  doppdaugig,  nach  zwei  seilen  blickend, 
comask.  bisoencc  (bisöc)  von  bia-oculus,  s.  biais  II.  c.  Aber  sard.  bisogu 
ist  in  die  bed.  einäugig  ausgeartet  (umgekehrt  fr.  louche  von  luscus). 

Bizco  sp.,  yesgo  pg.  schielend;  zsgz.  aus  bis-oculns  (woher  sp.  bisojo) 
wäre  hart.  Nach  Larramendi' s  ansieht  ist  es  baskisch  und  heißt  cvon  zweien. 

Bizma  sp.  (f.)  pflaster  als  heümittel,  Umschlag,  epitima  (f.)  magen- 
pftaster;  von  epithema  etwas  aufgelegtes,  it.  epfttima  und  pfttima,  fr. 
öpitheme.     Über  sp.  z  aus  t  s.  Rom.  gramm.  I,  365. 

Bledo  sp.,  pg.  bredo,  cot.  bred,  nach  Covarruvias  ein  küchenkraut 
ohne  geschmack,  nach  dem  wörterbuche  der  akademie  eine  ort  wilder 
brunnenkresse;  von  bITtum  (ßUvov),  das  melde  oder  spinal  heißen  sott. 
Letztere  bedeutung  hat  sp.  bledomora. 

Bobo  sp.  pg.,  sard.  bovu  einfältig;  ohne  zweifei  von  balbus,  it. 
balbo,  pr.  balb  u.  s.  w.,  sonst  ganz  unstatthaft  von  bos  bovis  hergeleitet, 
vgl.  wegen  des  begriffes  sp.  farfulla  Stammler,  bask.  farfuilla  dummkepf, 
wegen  der  form  popar  (palpare).  Auch  ein  prov.  bob  hat  sich  einge- 
funden, gleichbedeutend,  wie  man  annehmen  darf,  mit  dem  Span,  warte: 
no  semblec  pecs  ni  bobs  Arn.  Vid.  ed.  P.  Meyer. 

Bocear  sp.  die  lippen  bewegen  (von  pf erden  beim  fressen),  altsp. 
nebst  pg.  bocejar  gähnen,  dsgl.  mit  seltnem  suffix  (s.  unten  tropezar)  sp. 
boeezar  und  bostezar ;  muthmaßlich  vom  sp.  buz  lippe,  s.  unten. 

Bochorno  sp.  pg.  heißer  nordwind;  von  vnlturnus. 

Boda  sp.  pg.  cot.  hochzeit.  Es  soll  arabisch  sein,  ist  aber  gut 
lateinisch,  vota  plur.  von  votum:  ad  tertia  Vota  migrare  zur  dritten  ehe 
schreiten  Cod.  Just.,  ad  sectmda  vota  ire  L.  Burg.  42,  1.  Eine  altsp. 
form  für  die  bed.  gdübde  ist  vota,  it.  boto. 


IIb.    BODE— BRISCAR.  433 

Bode  sp.pg.  Ziegenbock.  Dieses  wort  scheidet  sich  bestimmt  sowohl 
vom  it.  becco  wie  vom  fr.  bouc,  welches  letztere  aber  an  der  gräme  des 
span.  gebietes  vorhanden  ist,  $.  das  franz.  wort  U.  c.  Vergleichen  läßt 
sich  etwa  comask.  bida  siege. 

Bof  e  sp.  pg.  lunge;  von  bufar  blasen,  schnauben,  wofür  port.  auch 
bofar  gebraucht  wird;  vgl.  gr.  Tcveifimv  lunge  von  nveiv  blasen,  it.  man- 
taco  blasbalg,  lunge.  Daher  sp.  bofena,  bohena  wurst  von  schweinslunge. 

Bof 6  altpg.  adverb;  zsgz.  aus  k  boa  i6  traun,  gewiß. 

Bojar  sp.  eine  insel  oder  ein  vorgebirg  umschiffen;  mahnt  an  ndl. 
bogen  d.  i.  biegen,  beugen;  derselbe  gebrauch  im  lal.  flectere  Promontorium. 

Bonina  sp.  pg.  eine  art  der  kamille.  Ein  liebliches  feldblümchen 
nennt  sie  Moraes  Silva,  und  Camoens  erblickt  darin  ein  bild  der  weiße 
und  Schönheit:  sollte  das  wort  nickt  darum  vom  sp.  bueno,  pg.  bom  (gut, 
hübsch)  abgeleitet  sein? 

Borboleta  pg.  Schmetterling;  von  borbolhar  wallen,  sprudeln,  in 
beziehung  auf  seinen  gaukelnden  flug.  Vielleicht  ist  diese  auffassung  nicht 
die  richtige,  aber  Zusammenhang  zuAschen  Schmetterling  und  wallender 
bewegung  verräth  auch  churw.  bulla  =  borboleta,  vb.  bugliar  =  borbol- 
har, ebenso  lothr.  boublö  name  des  insects,  ndl.  bobbeln  wallen. 

Bostar  sp.,  bostsA  pg.  ochsenstall.  Ein  altbezeugtes  wort:  bostar  locus 
ubi  stant  boves  Gl.  Isid.;  bostar  vel  boviale  scipen  (schoppen)  Älfric; 
bostar  locus  ubi  comburebantur  corpora  boum  vel  statio  boum  Papias, 
welcher  Charisius  stelle  vor  äugen  hatte:  bustar  locus  ubi  concremantur 
mortuorum  corpora.  Man  vergleicht  ßovoTcowv,  aus  dem  es  freilich 
nicht  gebildet  sein  kann. 

Bote  quin  sp.  Meines  boot;  vom  ndl.  bootje,  das  früher  bötkfn  ge- 
heißen haben  mag,  henneg.  botequin,  bodequin. 

Brena  sp.,  brenha  pg.  mit  gesträuch  bedeclcte  Schlucht,  nüat.  brenna 
urk.  v.  781  s.  Ducange.  Ein  ähnliches  wort  ist  das  deutsche  brahne  ge- 
büsch  an  feldr  und  wiesenrändern  Frisch  I,  124a,  Zusammenhang  beider 
aber  nicht  zu  behaupten.  Dagegen  zerlegt  Larramendi  das  entsprechende 
bade,  brena  in  be  ereüa  besäte  tiefe. 

Brico  sp.  sandbank  (bei  Seckendorf);  erinnert  an  nord.  breki  im 
meer  verborgene  Hippe. 

Brincar  sp.  pg.  hüpfen,  springen,  tanzen,  spielen,  scherzen,  sbst. 
brinco  Sprung,  kurzweil  u.  dgl.,  plur.  brincos  Spielsachen,  Schmucksachen, 
jritternadeln,  ohrringe.  Vielleicht  vom  dtschen  blinken  (ahd.  blinchan?) 
schimmern,  demnächst  zittern,  zappeln,  wie  lat.  micare,  coruscare  beide 
bedeutungen  haben. 

Brisa  weintrester,  ein  in  Aragon  und  Catalonien  volksübliches  wort, 
s.  das  wb.  der  span.  akad.;  vom  gleichbedeutenden  brisa  bei  Columella, 
welcher,  ein  Spanier  von  geburt,  uns  das  alter  auch  noch  anderer  Wörter 
der  halbinsel  bezeugt. 

Briscar  sp.  cot.  seide  mit  gold-  oder  süberfäden  durchweben;  etwa 
=  aUifr.  broissier?  Rom.  fr.  p.  64. 

28 


434  II.  b.  BRITAR-BUZ. 

Britar  altpg.  brechen,  z.  b.  as  portas,  a  lan^a,  a  tregoa,  a  verdade. 
Es  gibt  einige  angels.,  engl,  oder  nord.  Wörter,  welche  durch  den  volker- 
verkehr nach  Portugal  gelangten,  ohne  Spanien  zu  erreichen.  Britar  ist 
=  ags.  brittian  serbrechen,  zerbröckeln,  mdartl.  engl,  brit,  vgl.  brittle 
zerbrechlich. 

Brozno  altsp.,  auch  brosno  Cal.  6  D.,  rauh,  barsch  (wie  bronco), 
fehlt  port.  und  catai. 

Bruxa  sp.,  pg.  cot.  bruxa  nachtetde,  hexe,  wie  lat.  striga;  masc 
bruxo  Hexenmeister.  Einem  worte  dieser  bedeutung  ist  nicht  leicht  auf 
die  spur  zu  kommen;  die  folgende  vermuthung  geht  wenigstens  mit  der 
lautlehre.  Bruxa  ist  eine  nebenform  von  bruza  bürste  (wie  uxier  neben 
altsp.  uzier,  usier,  lat.  ostiarius)  und  so  hieß  die  ende  wegen  ihres  strup- 
pigen köpf  es:  umgekehrt  nennt  man  einen  menschen  mit  struppigem  haar 
Schweiz,  huwel  eule.  Der  name  gieng  auf  die  hexen  über,  weil  sie  in 
eulen  verwandelt  (convertidas  en  gallos,  'lechuzas'  o  cuervos  Cervantes 
nov.  10)  den  nächtlichen  teufelsschmaus  besuchen.  Nach  Bord  sagte  man 
in  der  landschaft  Foix  bruesche  Zauberin,  das  sich  aber  mit  dem  Span, 
worte  nicht  einigen  läßt  und  vielleicht  mit  dem  gad.  briosag  (hexe)  zu- 
sammenhängt.   S.  auch  Ducange  v.  broxa. 

Buega  sp,  gränz stein;  vgl.  dtsch.  buk  erhöhte  gränzscheide,  buik 
Frisch  I,  151b ;  buchstäblich  näher  kymr.  bog  (m.)  auf  Schwellung. 

Buho  sp.,  pg.  bufo  (wal.  buh?)  eine  ort  eulen,  uhu;  vom  lat.  bübo, 
aber,  in  erwägung  der  inlautenden  aspirata,  wohl  unter  einwirkung  des 
ahd.  büf  und  hüf  gebildet. 

Buir  altsp.  pg.  glätten,  polieren,  z.  b.  Danza  de  muertos  p.  431. 

Bulto,  vulto  sp.,  pg.  vulto  klumpen,  masse,  beule,  auch  büste,  ge- 
steht. In  letzterer  bed.  sicher  von  vultus  (it.  volto,  pr.  vult,  volt),  in 
ersterer  wahrscheinlich  von  volvere  volutus,  rom.  voltus  (s.  volta  I.),  also 
s.  v.  a.  Volumen.  Dabei  ist  noch  zu  erinnern,  daß  ndl.  bult  mit  sp.  bulto 
in  der  bed.  geschwulst  zusammentrifft,  beide  auch  von  Diefenbach,  Gotik 
wb.  I,  283,  verglichen.     Wal.  bultz  klumpen. 

Burdo  sp.  grob  (von  Stoffen),  burdalla  grobwolliges  schaf.  Eine 
herleitung  aus  dem  arab.  bord,  das  einen  dichten  woUenstoff  bedeutet,  gibt 
Engelmann  als  vermuthung. 

Burga  sp.  warme  Heilquelle;  vom  bask.  bero-ur-ga  warm-wasser- 
stelle,  s.  Larramendi. 

Buz  sp.  pg.  handkuß  (bei  üovarruvias  und  S.  Bosa),  auch  altval. 
buz  JFebr.  31,  pr.  bus  GO.,  in  der  bed.  lippe  wal.  buz$  und  selbst  sp. 
buz.  Ein  weitverbreitetes  wort,  auch  auf  deutschem  gebiet  (Sehmeiler  I, 
211),  auf  celtischem  (Diefenbachs  Goth.  wb.  I,  286)  und  arabischem  (Gol 
348)  heimisch.  Daher  das  span.  adverb  de  buces  mit  dem  gesteht  auf 
dem  boden  (it.  boecone),  auch  de  bruces,  letzteres  von  Larramendi  aus 
dem  bask.  burus  cmit  dem  köpfe  hergeleitet;  vielleicht  auch  bocel  rand 
der  gefäße  (wie  lat.  labrum)  und  bocera  rest  von  speisen  an  den  lippen, 
auf  welche  aber  auch  bucca  anspräche  macht. 


ILb.    CABAL-CALENTAR.  435 


C. 

Cabal  sp.  pg.  pr.  hauptsächlich;  von  cabo,  lat.  caput. 

Cabe  sp.,  alt  cabo,  dsgl.  altpg.  cabe,  cabo  SRos.,  präposition  für 
lat.juxta;  eigentl.  4  cabo,  cdtfr.  ä  chief  am  ende,  an  der  kante,  daher 
sbst.  cabe  das  anstoßen]  vgl.  de  capo  de  illa  Sema,  ad  caput  de  illa 
Serna  Yep.  L  app.  n.  8.  Ein  rnlat  cape  in  cape  me  stans  hält  SchmeUer, 
Lat.  gedickte  des  10.  11.  jh.  p.  230,  für  identisch  mit  dem  span.  worte. 
Daher  das  altsp.  vb.  cabear  anpassen  Alx. 

Cacho  sp.  Meines  stück,  vb.  cachar  serstücken;  vom  nüat.  capulare 
cap'lare  eibhauen?  und  ebenso  cacha  messerstiel  von  capulus  cap'lus? 
vgl.  ancho  von  amplus. 

Gachorro  sp.  das  junge  des  hundes  und  andrer  säugethiere;  nach 
Covarruvias  von  catulus  cat'lus,  datier  denn  auch  cachonda  für  lat. 
catnliens.  Baskisch  chakhurra  heißt  hund,  bei  Saldberry  kleiner  hund, 
chakh  konnte  der  Spanier  umstellen  in  cach:  ist  nun  das  wort  ein  achtes 
baskisches,  so  konnte  cachorra,  dessen  suffox  baskisch  ist,  allerdings  seine 
quelle  darin  haben. 

Gaco  pg.  scherbe;  könnte  durch  ausfdll  des  b  aus  cäcabus,  wie 
etwa  Jago  aus  Jäcobus,  entstanden  sein;  daher  auch  unser  kachel  irdenes 
g eschirr. 

Cadera  sp.  cot.,  cadeira^.  hüfte;  von  cathedra  süss  {fr.  chaire), 
eigentl.  der  theil,  auf  welchem  der  obere  körper  ruht.  Daher  sp.  caderillas 
(plur.)  kleiner  reifrock. 

Gadimo  pg.  listig,  ausgelernt  (im  Übeln  sinne);  wird  auf  aräb. 
kadim  alt  (gealtert  in  einer  kunst,  einem  geschäft)  zurückgeführt.  Das 
port.  wort  hieß  ursprüngl.  geschickt,  betriebsam,  dsgl.  öffentlich,  s.  S.  Rosa. 
Prov.  caYm,  welches  Mahn,  Etym.  unters,  p.  39,  nachweist,  ist  dasselbe 
wort,  s.  Krit.  anhang  p.  23. 

Gäfila  sp.  pg.  unordentlicher  häufe  von  personen  oder  Sachen;  vom 
arab.  qafilah  trupp  reisender  Gol.  1948. 

Gafre  sp.  pg.  roh,  grausam;  vom  arab.  käfir  ungläubig,  ruchlos, 
undankbar  Freyt.  IV,  47*.  Jaume  Febrer  braucht  es  wohl  noch  in  der 
ersten  bedeutung:  ques  veng&  molt  be  de  tots  aquells  cafres  er  rächte 
sich  sehr  an  allen  jenen  ungläubigen,  str.  125.  Daher  fr.  cafard  schein- 
heilig. 

Calambre  sp.,  cambrajpjr.  krampf;  vgl.  ahd.  chlampheren  klammern, 
zusammenhalten.  Dahin  auch  dauph.  ei-calambrä  (=  escalambrd)  die 
beine  auseinanderstrecken,  das  gegentheil  von  klampheren. 

Calafia  sp.  muster,  eigenschaft;  wohl  von  qualis. 

Galavera  sp.,  caveira^.  todtenkopf;  von  calvaria. 
'Calentar  sp.  erwärmen,  participicdverbum  von  calere  calens;  esgs. 
aitsp.  escalentar,  pg.  esquentar,    auch  pg.  acaentar,  aquentar.     Altsp. 
calecer,  tsgs.  escalecer,  dsgl.  pg.  aquecer,  von  calescere. 


436  ILb.  CALHA— CARCAVA. 

Galha,  quelha  pg.  rinne,  canal;  muthmaßUch  von  canalicula  mit 
ausfdtl  des  n  und  ersten  1  caüha,  mit  zurückgezogenem  accent  calha,  vgl. 
letzteren  fall  in  fancho  von  foenfculum. 

Calina  sp.  pr.  hitze  mit  dunst;  von  caligo? 

Cama  sp.pg.  bett,  läget  z.  b.  der  thiere,  streu,  schichte  (letztere  bed. 
hat  auch  das  engl.  bed).  Ein  altes  wort,  schon  bei  Isidorus:  in  camis  i. 
e.  in  stratis  19,  22,  29;  cama  est  brevis  et  circa  terram,  Graeci  enim 
xafiai  breve  dicnnt  20,  11,  2.  Sofern  die  grundbedeutung  streu  zu  sein 
scheint,  darf  man  diese  herleitung  aus  xapal  =  lat.  humi  genehmigen, 
die  auch  durch  das  vb.  acamar  c auf  die  erde  ausstrecken  unterstützt  wird: 
solch  ein  niedriges  bett  oder  lager  nennt  der  Ghieche  mit  einem  compos. 
Xapsvvf]  d.  i.  %or/uai-€i;viJ. 

Cama  sp.  (nur  im  plur.  gebraucht)  stange  am  gebiß  des  pferdes, 
vgl.  camus  mautkorb  der  pferde,  im  kirchenlatein,  gr.  mqfAog,  ahd.  chamo. 

Cambron  sp.,  pg.  cambräo  (nur  im  plur.  cambröes)  wegedom, 
rhamnus,  überh.  dornstrauch ;  nach  einigen  von  camürus  gekrümmt  (camu- 
ris  sub  cornibus  bei  Virgil). 

C  amote  americanische  bctiate;  vom  mexicanischen  camotli,  s.  Cabrera. 

Canasto,  canasta  sp.  neupr.  korb,  sp.  auch  canastro,  daher  fr. 
canastre;  aus  canistrnm,  iL  canestro. 

Candado  sp.  Vorhängeschloß,  altsp.  cadenado;  von  catenatnm  etwas 
angekettetes;  schon  bei  Isidor  in  diesem  sinne,  bemerkt  Cabrera.  Gadnado 
ward  also  in  candado  umgestellt,  volksmäßig  calnado  (nach  Covarr.); 
minder  getreu  ist  das  alte  canado.  Vgl.  wegen  der  bedeutung  auch  it. 
catenaccio,  fr.  cadenas.     Verb,  altsp.  candar  verschließen. 

Cangilon  sp.,  cangiräo  pg.  ein  maß  für  flüssigkeiten  u.  dgl.;  von 
congius  (Govarruvias). 

C&nho  pg.  link,  canhoto  links  d.  h.  die  linke  statt  der  rechten  brauchend, 
sbst.  krummes  holz;  von  cam  krumm  (s.  gamba  L),  gleichsam  cameus? 

Canaherla  sp.,  cot.  canyafera  eine  pflanze,  gertenkraut;  zsgs.  aus 
canna  und  ferula.  Die  span.  nebenform  canaheja  erklärt  sich  etwa  aus 
canna-fericula. 

Garabe  sp.  pg.,  woher  auch  fr.  carabä,  bernstein,  agtstein;  vom 
pers.  kährubä  d.  i.  strohräuber,  wegen  seiner  elektischen  eigenschaß,  & 
Rösler,  Roman,  farbenbezeichnungen  p.  13.  Dieselbe  bedeutung  erfüllt  in 
den  roman.  sprachen  auch  das  gleichfalls  orientalische  wort  ambpa, 
welches  eigentlich  eine  andre,  wachsartige  Substanz  bezeichnet,  fr.  ambre 
gris,  sp.  ambar  gris  grauer  ambra,  s.  ambra  I. 

C &t  cava  sp.  festungsgraben,  lekhen-  und  ausgrübe,  pg.  nur  in 
erster  bed.,  carcavar  pg.  ausgraben,  aushöhlen,  sp.  mit  einem  graben  um- 
geben. Schwerlich  zsgs.  aus  caro  und  cava  fleischgrube,  wie  Covafjuvias 
will,  da  alsdann  der  zweiten  silbe  der  ton  zukommen  müßte:  es  kann 
entstellt  sein  aus  cöncava,  woraus  zuerst  corcava  (vgl.  unten  corcovar), 
sodann  carcava  ward.  Das  masc.  sp.  cärcavo  bedeutet  die  höhlungdes 
bauches  an  einem  thiere. 


IIb.   CARCOMER- CAUDAL.  437 

Garcomersp.  pg.  anfressen  (vom  höh  wurm),  carcoma  Wurmfraß, 
holzwurm ;  zsgs.  aus  caro  fleisch,  innerer  theil  des  baumes,  und  comedere. 
So  schon  Covarruvias. 

Cärdeno  sp.,  cdrdeo  pg.  bläulich,  bleifarbig. 

Carnero  sp.,  carneiro  pg.  hammel,  ndat.  vaccas  et  carneros  et 
porcos  Tep.  m,  n.  32  (aer.  1087);  nach  Covarruvias  von  carne,  weil 
das  thier  die  vornehmste  fleischspeise  gebe  (so  stammt  auch  hoedus  nach 
Isidorus  von  edere  essen).  Leitet  man  es  von  crena  (fr.  cran)  einschnitt, 
carnero  das  eingeschnittene  thier  (vgl.  die  Versetzung  im  altfr.  crenel  und 
carnel),  so  ist  dies  für  die  bedeutung  bezeichnender;  auch  unser  hammel 
heißt  verstümmelt.  Hieher  mag  wohl  auch  camicol  gespaltene  (einge- 
schnittene) Haue  gehören. 

Carrasca  sp.  cot.,  sp.  pg.  carrasco  Steineiche,  immergrüne  eiche, 
nach  Covarruvias  s.  v.  a.  coscojo.  Wenn  es  nicht  nebst  dem  synonymen 
carvallo  ein  alteinfieimisches  wort  ist,  so  darf  man  lat.  cerrus  als  etymon 
heranziehen:  sp.  ca  aus  lat.  ce  ist  zwar  nicht  ohne  bedenken,  aber  es  gibt 
einige  fälle,  worin  e  zu  a  ward,  ohne  dem  vorhergehenden  kehllaute  die 
neue  ausspräche  aufzudrängen:  lagarto,  ursprüngl.  lacarto,  statt  lazarto, 
regalar  statt  rejalar,  so  vielleicht  auch  carrasca  statt  cerrasca. 

Carrizo  sp.  Schwertlilie,  pg.  carrigo  schuf;  von  carex,  it.  cärice. 

Cascabel,  cascabillo  sp.,  pg.  pr.  cascavel,  dauph.  carcavel  schelle, 
glöckchen.  Larramendi  übersetzt  cascabel  mit  lat.  scabellum  und  man  konnte 
es  in  der  that  darauf  gründen,  wäre  die  beschaffenheit  dieses  musicalischen 
Instrumentes  nicht  zu  ungewiß.  Eben  so  wenig  würde  sich  eine  Zusammen- 
setzung mit  dem  deutschen  bei  (s.  b^lier  II.  c)  behaupten  lassen. 

Cascar  sp.  zerbrechen,  pg.  zerschlagen,  sard.  cascai  zerdrücken, 
mishandeln.  Der  Spanier  liebt  das  verbdlsuffix  ic-are  und  so  ertveiterte 
er  lat.  qnassare  in  quassicare  cascar.  Hieraus,  so  scheint  es,  die  sub- 
stantiva  casco  etwas  zerbrochenes,  scherbe,  auch  schadet,  casca  und  cäs- 
cara  hülse,  rinde,  schale,  cascajo  steinabfälle,  kies.  Casco,  in  der  bed. 
Pickelhaube,  woher  it.  casco,  fr.  casque,  leite  man  nicht  aus  cassis,  da 
das  suffix  ic  fast  nur  feminina  gibt,  s.  oca  I. 

Casimiro  sp.  ein  feiner  wollener  stoff,  pg.  casimira  (Constancio, 
fehlt  Moraes  1.  2.  ausg.);  genannt  nach  dem  lande  Kaschmir,  entweder 
weil  er  ursprünglich  von  da  bezogen  ward  oder  wegen  einer  ähnlichkeit 
im  gewebe  mit  den  berühmten  shawls  von  Kaschmir. 

Gaspa  sp.  pg.  schorf,  der  sich  auf  wunden  u.  dgl.  ansetzt;  unbe- 
kannter herkunft. 

Casta  sp.  pg.  race;  buchstäbl.  etwas  unvermischtes,  von  castus  rein, 
vollkommen. 

Catarafia  sp.  ein  wasservogd,  sturzmöwe;  entstellt  aus  cataractes 
ein  vogd,  der  sich  schnell  herabstürzt. 

Gau  dal  sp.  pg.,  auch  pr.  cabdal,  altfr.  chaudel  vorzüglich,  als  sbst. 
vermögen,  Überfluß;  von  capitalis.  Daher  auch  caudaloso  überreich,  ein 
beliebtes  beiwort  großer  ströme. 


438  ILb.   CAYADO-CEBRO. 

Cayado  sp.,  cajado  pg.,  gayato.  tat.  hirtenstab,  krückenstock.  Ist 
es  nicht  augenscheinlich  erweitert  aus  dem  gleichbed.  gr.  %aio$? 

Cayo  sp.  dohle;  vgl.  ahd.  kaha  krähe,  ndl.  kauw. 

Cebada  sp.,  cevada  jpjr.  gerste,  cot.  pr.  civada  hafer;  von  cibare, 
sp.  cebar  füttern.    So  auch  sp.  cibera  getreide,  von  cibaria  (plur.). 

Ceifar  pg.  ernten;  woher? 

Gejar  sp.  (eigentl.  cexar,  wie  die  Alten  schrieben)  zurückgehe, 
zurückweichen;  von  eessare,  dem  im  ital.  die  verwandte  bed.  entweichen 
zusteht. 

Celda  sp.  zeUe,  alt  cella;  vom  lat.  cella,  daher  auch  sp.  cilla  ge- 
treidekeUer,  wie  von  cellarium  sp.  cillero,  pg.  cilleiro. 

Gencerro  schelle;  bask.  cincerria,  cinzarria. 

Cenefa,  zanefo,  vrlt.  azanefa  sp.,  pg.  sanefa  borte  oder  kram  an 
vorhängen  u.  dgl.;  vom  arab.  a^anefah  rand  oder  säum  des  Ideides 
Freytag  II,  627'. 

Ceniza  sp.  asche,  cenizo,  ceniciento,  cenizoso  aschgrau,  cenicero 
aschengrube.  Es  scheint,  eis  habe  man  in  diesen  Wörtern  ein,  nicht  einer 
als  thema  des  lat.  einis  angenommen  und  hieraus  das  adj.  cenizo  =  ei- 
nericiug  (bei  Varro),  demnächst  das  subst.  ceniza  geschaffen.  Die  port. 
formen  sind  einza  (mit  zurückgezogenem  accent,  tote  hier  öfter),  cinzento, 
cinzeiro.  Die  wal.  spräche  hat  etwas  analoges,  bestätigendes,  indem  sie 
einis  durch  cenus^,  d.  h.  gleichfalls  durch  ein  aus  ein  abgeleitetes  wort, 
ausdrückt.  Das  prov.  neben  cendre  vorkommende  eenes  aber  müßte  eine 
nominativform  sein. 

Cenogil  sp.  (m.)  strumpßand;  vom  it.  ginoeehiello  stiefelmancheUe, 
knieband  (mit  Covarruvias). 

Genteno  sp.,  centeio,  senteio  pg.  eine  getreideart,  roggen;  von 
centenns,  weil  er  hundertfältige  frucht  bringen  sott,  s.  Covarruvias. 

Cenzaya  sp.  kinder Wärterin;  vom  bask.  seinzaya,  dies  von  seina 
kind,  und  zaya  wache,  s.  Larramendi. 

Gepillo  sp.,  eepilho  pg.  hobel,  bürste;  von  eepo  sp.  Motz,  lat.  eippas. 

Cerdo  sp.  pg.  schwein;  nach  Larramendi  vom  bask.  cherria  dass., 
läßt  sich  übrigens  grammatisch  untaddhaft  aus  sordidus  (snerdo  serdo, 
vgl.  unten  frente)  erklären.  Daneben  steht  ein  fem.  eerda  häufe  Schweins- 
borsten oder  auch  pferdehaare,  unmöglich  von  seta  oder  setigera,  also 
wohl  aus  cerdo,  indem  man  anfangs  eine  schweinshaut  so  benannte,  später 
aber  den  ausdruck  auf  die  borsten  beschränkte? 

Gernada  sp.  laugenasche;  =  cinerata,  cot.  cendrada,  von  einis. 

Gerquinho  pg.  in  carvalho  cerquinho  Steineiche  (s.  Moraes);  um- 
gestellt aus  quercinho  =  it.  qnereino. 

Gerrion  sp.  eiszapf en;  nicht  mit  Covarruvias  von  eirrus,  noch  mit 
Larramendi  vom  bask.  chirria,  das  selbst  fremd  ist,  sondern  mit  Oabrera 
von  dem  ganz  entsprechenden  lat.  stiria,  worin  st  durch  9,  wie  sonst  ge- 
wöhnlich durch  z  (mozo  von  mnstns  u.  dgl.),  vertreten  wird. 

Gerro  sp.pg .,  pr.  ser  anhöhe,  dsgl.  nacken  oder  rückgrat  der  thiere; 


ILb.    CETRERO-CHAZA.  439 

nach  Larramendi  vom  gleichbed.  bask.  cerra,  welches  freilich  nach  Hum- 
boldt, ürbewohner  Hisp.  p.  52,  auch  aus  dem  span.  entnommen  sein 
konnte;  nach  Covarruvias,  da  es  auch  flachsbüschel  heiß,  vom  lat.  cirms 
Haarbüschel  auf  dem  köpfe  der  vögd,  wozu  man  die  berührung  der  begriffe 
büschd  und  gipfd  (anhohe)  in  top  ags.  und  engl,  anfuhren  darf. 

Cetrero  sp.  falkenjäger;  gleichsam accipitrarius,  vgl.  accertello  IL  a. 

Chabasca  sp.  reis,  gerte;  sicher  von  clava  pfropfreis,  daher  wohl 
auch  chaborra  junges  madchen,  eigentl.  s.  v.  a.  Schößling,  Sprößling, 
vermöge  einer  bekannten  metapher  (gr.  eQvog,  xoqoq,  pt6a%og,  o£og  sproß, 
abkömmling). 

ChAchara  sp.  geschwätz,  geklatsch;  naturausdruck,  sard.  ciäcciara, 
it.  chiäcchiera. 

Chacona  ein  spanischer  nationalt  ans ;  vom  bask.  chocuna  niedlich, 
artig  (Larramendi). 

Chamarasca  sp.  reisbündd;  vom  bask.  chamar-asco  'viel  Meines 
s.  Larramendi. 

Chamberga  sp.  weiter  Überrock;  nach  dem  marschaU  von  Schomberg 
benannt,  der  diese  Meldung  nach  Spanien  brachte  (Seckendorf). 

Chamorro  sp.  pg.  kahl  geschoren,  chamorra  kahikopf;  muthmaß- 
lieh  von  calvus,  umgestellt  clarus,  und  sp.  morra  schädd,  das  adjeetiv 
aus  dem  Substantiv. 

Chamuscar  sp.  pg.  versengen;  von  flamma,  pg.  chama  (Covarru* 
vias).    AJtsp.  xamuscar. 

Chanela,  chinela  sp.  pantoffd;  —  it.  pianella,  von  planus  eben, 
platt,  eime  absatz. 

Ghapa  sp.  pg.  platte,  lederstreif  auf  den  nähten  u.  dgl.,  chapin, 
chapim  pantoffd,  vgl.  norm,  aller  ä  chapin  leise  auftreten;  vb.  chapir 
plattieren;  vom  fr.  chape  mantel  (etwas  deckendes),  mit  chapa  zusammen- 
treffend in  der  bed.  platter  theil  der  schnalle,  womit  man  sie  antieftet. 

Chaparra,  chaparro  sp.  Steineiche;  nach  Larramendi  vom  bask. 
achaparra  kralle,  .womit  sich  allerdings  die  kurzen  zweige  dieses  baumes 
vergleichen  lassen. 

Chapnzar,  zapuzar,  zampuzar  sp.  untertauchen,  vgl.  cot.  pr.  ca- 
bussar,  pr.  accabastar;  das  port.  wort  ist  chafundar.  Woher  aber  diese 
büdungen? 

Charco  sp.pg.pfütze;  vom  bask.  charcoa  schlecht,  verächtlich  (Lar- 
ramendi).   Zu  erinnern  ist  auch  an  bask.  charcea  besudeln,   bei  Lecluse. 

Charro  sp.  pg.  bauertdümmd;  aus  dem  baskischen,  wo  es  schlecht, 
gering  bedeutet  (Larramendi). 

Chasco  sp.  ende  der  peitschenschnur,  womit  man  klatscht,  dsgl. 
possen,  streich,  sard.  ciascu;  vielleicht  nur  ein  schallwort,  buchstäblich 
mit  unserm  klatsche  zusammentreffend;  nach  Larramendi  vom  bask.  che- 
-ascö  sehr  dünn. 

Chaza  sp.  jagd  im  balispiel,  chazar  den  ball  zurücktreiben;  vom 
fr.  chasse,  chasser. 


440  ILb.   CHILLAR-CIGUENA. 

Chillar  sp.  pfeifen,  knistern;  kann  van  sifflare  kommen  wie  sollar 
von  sufflare.     Vgl.  auch  cigolare  IL  a. 

Chine  he  sp.  pg.  wanze;  von  eimex,  it.  eimice. 

Chirivia  sp.,  pg.  eher i via  und  alquirivia,  auch  fr.  chervis,  cki- 
roui  (m.)  zuckerwurzd,  vom  arab.  karivija  dass.  (Dozy).  Gewöhnlich  tom 
lat.  siser  hergeleitet. 

Chisme  sp.,  xisme  cot.  Matscher  ei  um  Zwietracht  zu  erregen;  ent- 
stellt aus  Bchisma?  lat.  seh  wird  nicht  regelrecht  eu  sp.  eh.  Oder  vom 
gr.  oiO(.iog  gezische? 

Chispa  sp.  pg.  funke,  regentröpfchen,  Meiner  diamant;  unbekannter 
herkunft. 

Chocho  pg.  unreif,  matt,  entnervt,  span.  kindischer  greis,  fasel- 
hans;  wahrscheinlich  von  suetus  für  exsuetus  ausgesogen,  saßlos,  vgl.  it. 
scioeco  IL  a. 

C  holla  sp.  schadet,  dsgl.  verstand,  fähigkeit. 

Chorcha,  chocha  sp.  schnepfe. 

Chorlo  sp.  eine  eisenhaltige  steinart;  vom  dtschen  schörl. 

Chorro  sp.,  pg.  chorro  und  jorro  sprudd  einer  flüssigkeit;  von 
susurrus  ?    Nach  Larramendi  vom  bask.  zorrotz  geschärft,  gespitzt. 

Choza  sp.,  choeja  pg.  hütte,  schäferhütte ;  paßt  buchstäblich  eu 
plutea  für  pluteum  Schutzdach.  Wie  genau  aber  auch  die  buchstoben  zu- 
treffen, so  ist  doch,  um  des  Sinnes  willen,  die  herleitung  aus  dem  arab. 
cho<}$  vorzuziehn,  s.  Dozy. 

Chozno  sp.  ururenkel;  woher? 

Chucha  sp.  nachteüle;  von  ihrem  geschrei  so  genannt,  sagt  Govar- 
ruvias  —  wenn  das  wort  nicht  vielmehr  eine  anspidung  auf  das  saugen 
an  hindern  enthält,  das  der  Volksglaube  einer  art  dieser  thiere  schuld  gibt, 
pg.  chuchar  saugen,  piem.  ciueä  dass. 

Chulo  sp.  pg.  spaßhaft;  vgl.  it.  zurlare  schakern. 

C  h  u  m  a  z  o  pg.  kopfküssen ;  von  pluma,  auch  it.  piumaccio  und  pimaccio. 

Chus  altsp.  adverb  der  vergleichung ;  von  plus,  z.  b.  chus  sorrenda 
Bc.  Mill.  370,  vgl.  'mas'  sorienda  JBc.  S.  Or.  93  (und  doch  deutet  es 
Sanchez  aus  chusma,  Cabrera  gar  aus  plebs),  dsgl.  altpg.  chus  und  ehos 
SBos.,  chus  poueo  Trov.  num.  156,  3,  s.  Port,  kunst-  u.  hofp.  123. 

Ghuzo  sp.  pg.  pfeil,  Wurfspieß.  Cabrera  meint  von  teutonus  bei 
lsidor,  was  nichts  für  sich  hat.  Lat.  pilum  aber  konnte  durch  ableitung 
piluzo,  durch  syncope  pluzo  chuzo  geben. 

Ciar  sp.  pg.  rückwärtsgehen,  rückwärts  rudern.  Dieselbebedeutung 
hat  auch  sp.  cejar  (s.  oben),  aber  ciar  muß  andrer  herkunft  sein. 

Giema  sp.  die  blüthe  oder  das  beste  eines  dinges,  pg.  eerne  das 
beste  oder  härteste  im  holze,  vgl.  it.  cerna  auswaJü,  ausschuß ;  von  cernere 
sieben,  sichten,,  sp.  cerner  auch  mit  der  bed.  blühen. 

Gigue  na  sp.,  cegonha  pg.  pumpenstock;  von  ciconia:  hoc  instru- 
mentum  (telon  stange  zum  wasserschöpfen)  'Hispani'  ciconiam  vocant, 
sagt  Isidorus. 


ILb.   CfflBßAB-CORAZON.  441 

Cimbrar  sp.  eine  gerte  schwingen  (eigentl.  biegen),  cimbreöo  bieg- 
sam, geschmeidig;  nach  Larramendi  vom  bask.  cimela  biegsam. 

Ciruela  sp.  pflaume;  twncereola,  bei  Virgil  prunum  cereum  wachs- 
farbige  pflaume. 

Gobija  sp.  decke,  cobijar  bedecken,  zudecken;  von  cooperculum 
(it.  coperchio,  fr.  couvercle)  mit  demselben  euphonischen  ausfalle  des  r 
vor  j  wie  in  sobejo  von  superculus. 

Co$ar  pg.  jucken,  kitzeln;  etwa  von  coquere  brennen,  beunruhigen, 
pari,  coctus,  daher  coctiare.  Weiter  daraus  abgeleitet  sp.  coscar  s.v.  a. 
pg.  co$ar,  sbst.  cosquillas? 

Co  de  so  sp.  eine  pflanze;  von  cytisus. 

Cogollo  sp.  her e  des  hohles;  von  cauliculus  (culuculus),  sofern  man 
Umstellung  aus  cologlo  annehmen  darf. 

Cogujadasp.,  cot.  cogullada  haubenlerche;  von  cucullus  haube, 
itai.  cappelluta  genannt.  Daher  auch  cogujon  ecke  eines  küssens,  weil 
sie  haubenartig  ist. 

Collazo  sp.  müchbruder;  von  collacteus  für  collactaneus. 

Co  Im  e na  sp.,  colmea  pg.  bienenkorb.  Spanische  etymologen  con- 
struieren  dies  wort,  oder  eigentl.  colmenar,  pg.  colmeal  bienenhaus,  aus 
arab.  kuar  men  na  hal  bienenkörbe  von  bienen.  Einfach  deutet  es  Mahn 
aus  dem  celtischen:  bret.  koloen-w^nan  heißt  korb  der  bienen;  man  sehe 
seine  auseinandersetzung  p.  64. 

Colmillo  sp.,  colmilho  pg.  hauzdhn;  von  colnmella,  dens  colu- 
mellaris.  Schon  Isidorus  kennt  die  Span,  form:  hos  (dentes  caninos) 
vulgus  colomellos  vocant. 

Colödra  sp.  melkkübel,  weinkrug,  wasserkrug;  von  ungewisser  her- 
kunft,  vielleicht  zsgs.  mit  uter  schlauch  (doch  nicht  caul-uter  stall-schlauch?) 
Daher  colodrillo  hinterkopf,  von  der  kübelartigen  gestalt  wie  testa  I. 

Comadreja  sp.  wiesei;  eigentl.  Meine  gevatterin,  commatercula, 
als  schmeichelwort,  s.  Ferrari  s.  v.  bellora  und  Grimms  Beinhart  p.  CCXXIV. 

Corner  sp.  pg.  essen;  von  comedere.  Ein  veraltetes  occit.  comer 
verzeichnet  Honnorat. 

Condesa  cdtsp.  häufe  menschen,  condesar  aufhäufen,  aufbewahren; 
von  condensus  dicht  beisammen,  im  ital.  angefüllt  (di  dolorosa  nebbia 
il  cor  condenso  Petr.),  s.  Sanchez  de  las  Brozas  anm.  zu  J.  de  Mena. 
Dahin  auch  condensa  vorrathskammer,  denn  in  dem  hier  beibehaltenen, 
dort  ausgestoßenen  n  vor  s  liegt  kein  Widerspruch,  vgl.  sp.  defesa  defensa. 
Oayangos  verweist  auf  arab.  coddasa  s.  v.  a.  condesar,  was  nicht  noth 
thut,  da  das  lateinische  dement  ausreicht. 

Conhecer  j?£r.  erkennen;  von  cognoscere. 

Conti r  ältsp.  sich  ereignen  Alx.,  cuntir  PC,  bei  den  Alten  auch 
acuntir,  nebst  der  inchoativform  contescer,  neusp.  pg.  acontecer;  durch 
starke  syneope  von  contingere. 

Corazon  sp.,  cora$äo  pg.  herz.  Dem  tat.  cor  entspricht  nur  das 
aitsp.  euer  (ue  aus  ö):  vielleicht  um  jede  Verwechslung  mit  cuero  =  lat. 


442  IIb.   CORCHO-COTOVTA. 

corium  zu  beseitigen,  führte  man  das  derivatum  cor-az-on  ein,   dem  kein 
it.  coraccione  oder  fr.  coura^on  zur  seite  geht. 

Corcho  sp.  korkholz,  corcha  gefäß  von  kork,  corche  sandale;  von 
cortex,  wie  pancho  von  pantex,  d.  h.  c  in  ch  vergröbert. 

Corcbvar  sp.  pg.  krümmen,  corcöva  höcker,  buekel  (port.  sogar 
al-corcovar,  al-corcovo);  von  con-curvare;  bei  Berceo  Sil.  540  concovar 
verdrehen,  vgl.  sp.  cor-cusir  für  concusir.  Merkwürdig  ist  pg.  cor  cos 
=  corcovado. 

.   Cordero  sp.,  cordeiro  pg.,  corder  cot.  lamm;  vom  lat.  agnus  chor- 
dus  spät  geborenes  lamm,  bei  Varro  und  Flinius.  So  schon  Aldrete  u.  a. 

Coriscar  pg.  blitzen,  corisco  blitz;  lassen  sich  nur  von  coruscare 
herleiten,  wenn  auch  i  für  u  gegen  alle  regd  ist.  In  der  sicil.  mundari 
findet  sich  surruscu  s.  v.  a.  pg.  corisco. 

Gorma  sp.  fußklotz;  erinnert  an  gr.  xoqpoq  Motz. 

Corro  sp.  kreiß  von  personen,  kreißtanz,  pg.  circus  für  Stiergefechte, 
auch  kreiß  von  Zuschauern;  scheint  nicht  das  lat.  currus,  sondern  ein 
neues  product  aus  dem  vb.  currere,  vgl.  sp.  correr  toros  ein  stiergefecht 
halten.  Abgel.  sp.  pg.  cot.  corral  Schauspielhaus,  Schauplatz,  gehege,  hof. 

Corzo,  corza  sp.  pg.  reh;  etwa  umgestellt  aus  gr.  £o$£  £oQ*6g, 
nebenform  von  öoqI;  doQxog  reh  oder  gazelle?  Auch  der  span.  name  eines 
andern  säugethieres,  gazapo,  ist  ja  aus  dem  griechischen.  Doch  ist  zu 
erwägen:  lat.  caprea  konnte  sich  in  caurea  corea,  mit  consonantiertem  e 
(vgl.  granea  granja)  in  corja,  mit  schärfung  des  j  zu  z  (s.  oben  arcilla) 
in  corza  verwandeln. 

Goscojo  sp.,  cot.  coscoll  Scharlachbeere  an  der  stecheiche,  lat.  cus- 
culium  bei  Plinius  H.  N.  16,  8  (16,  12).  Der  bäum  selbst  heißt  span. 
coscoja,  cot.  coscolla,  bask.  coscolla,  cusculla.  Man  hält  das  wort  für 
ein  altes  hispanisches. 

Cosecha  sp.  ernte;  wahrscheinlich  gebildet  aus  consecare  consectus. 
Dafür  ältsp.  cogecha  =  pg.  colheita,  lat.  collecta. 

Goso  sp.  kämpf  platz;  für  corso  von  cursus,  it.  corso.  Daher  aUsp. 
coser  schlachtroß  =  it.  corsiere,  vb.  nsp.  acosar  verfolgen. 

Gostra  sp.  rinde;  durch  Umstellung  aus  crusta. 

Cote  pg.  in  a  cote,  de  cote,  adverb,  täglich,  z.  b.  vestido  de  cote 
ein  Meid,  das  man  täglich  trägt;  wird  von  quotidie  hergeleitet.  Desselben 
Ursprunges  ist  auch  cotio  alltäglich,  gemein,  sp.  dia  de  cutfo  Werktag. 

Coto  sp.  einhegung,  gränzstein,  pg.  couto  asyl,  freistätte,  vb.  sp. 
acotar,  pg.  acoutar  einzäunen,  schützen.  Es  ist  vom  lat.  cautum  Verord- 
nung, in  welcher  bedeutung  es  noch  Berceo  kennt,  z.  b.  Loor  37  un  coto 
malo  puso  (Herodes)  gab  eine  schlimme  Verordnung;  demnächst  heißt  es 
festsetzung,  gränze,  mlat.  infra  cautos,  infra  cautum,  lapis  cauti,  s.  Du- 
cange.     Urkunden  des  9.  jh.  gewähren  schon  die  form  coto. 

CotoY i& pg.  ein  vogel,  lerche,  für  edle  arten  derselben  gebraucht.  Es 
ist  ungewiß,  woher  dem  Portugiesen,  welcher  alauda  nicht  kennt,  dieses 
wort  gekommen  oder   aus  welchen   mittein   er  es  sich  geschaffen.    Der 


Hb.   COZ-CURTIR.  443 

Spanier  spricht  dafür  totovia,  versteht  aber  nur  darunter  die  haubenlerche; 
auch  wird  ein  mdartl.  üal.  tottovilla  bemerkt.  Gewöhnlich  vergleicht  man 
fr.  cochevis,  aber  auch  die  gleichfalls  mundarü.  ausdrücke  coutelou,  co- 
trelus,  coutriaux  sind  zu  erwägen;  man  sehe  bei  Nemnich.  —  [Mahn  p. 
25  hält  cotovia  cet.  für  celtisch,  bret.  kodioch.] 

Coz  sp.  (f.)  fußtritt,  cocear  treten;  von  calx  ferse,  it.  calcio. 

Crena,  querena  pg.  kiel  des  Schiffes;  van  carina,  it.  sp.  carena, 
fr.  car&ne. 

Crencha  sp.  pg.,  cot.  clenxa  scheitet  im  haar;  von  criniculus 
nach  Cabrera.  Vielleicht  aber  wohl  mit  crena  (einschnitt)  zusammen- 
hängend, crenicula? 

Criado  sp.  pg.  dienet  {weniger  üblich  it.  creato);  von  criar  er- 
nähren, erziehen,  lat.  creare,  also  zögUng,  kost  ganger,  oder  der  in  einem 
hause  erzogene,  olmhyg,  eine  bedeutung,  die  ihm  noch  im  altspan.  (s.  Ruiz) 
und  nach  S.  Rosa  im  altport.  zusteht.     Vgl.  jfö  II.  c. 

Cx\%  pg.  (m.)  sonnen-  oder  mondfinsternis,  auch  adj.  einer  endung 
cris;  abgekürzt  aus  eclipsis. 

Crisuelo  altsp.  lampe7  crisuela  unteres  gefäß  derselben;  vom  bask. 
criselua,  cruselua  mit  ersterer  bed.  (Larramendi).  Dahin  auch  crisol 
Schmelztiegel. 

Ca  dir  sp.  pg.  in  acudir  zu  hülfe  eäen  (daher  nach  Muratori  it. 
accudire)  und  recudir  zurückspringen,  erwiedem,  beistehen,  im  Alex,  re- 
codir  zurückkehren.  Accurrere  und  recurrere  passen  wohl  mit  dem  be- 
griff, nicht  mit  der  form.  Recudir,  recodir  erinnert  an  reentere  zurück- 
schlagen, in  reflexivem  sinne  zurückspringen,  vgl.  saeudir  von  suecutere, 
pr.  secodre;  altpg.  preeudir  SRos.  ist  offenbar  von  perentere.  Acudir 
wäre  also  wohl  eine  neue  büdung  aus  dem  in  recudir,  preeudir  herausge- 
fühlten stamme  entere;  wenigstens  ist  es  nicht  von  acendere,  da  es  im 
port.  mit  o  flectiert,  aeudo,  acodes,  acode.  ' 

Cnerdo  sp.,  cordo  pg.  ldug;  verkürzt  aus  cordado,  lat.  cordatus 
mit  gl.  bed.  bei  Ennius,  Plautus  und  ganz  späten  Schriftstellern;  vgl.  die- 
selbe Verkürzung  in  pago  aus  pagado,  manso  aus  mansuetns. 

Cuesco  sp.,  coscoj>£.  obstkern,  coscorron,  coscorrao  beule  am  köpf 
durch  einen  slhlag,  kqpfnuß,  dsgl.  brotrinde  (wie  fr.  grignon  von  granum 
kern).    Darf  man  vergleichen  bask.  coskha  stoß  des  Widders? 

Cnlantro  sp.  ein  kraut;  von  coriandrum. 

Cundir  sp.  cot.  sich  verbreiten,  sich  fortpflanzen,  Sprößlinge  treiben. 
Dieses  wort,  das  die  span.  etymologen  sich  aus  ennetim  ire  zusammen- 
setzen, ist  weder  lateinisch  noch  baskisch  noch  celtisch  noch  arabisch:  es 
verräth  eine  germanische  würzet:  goth.  kuni  geschlecht,  erzeugnis,  yevog, 
yiryrjpa,  adj.  kunds,  sbst.  altn.  kyn,  ags.  ge-eynd,  engl,  kind  =  kuni. 
Dem  span.  warte  würde  zunächst  ein  vb.  kundjan  entsprechen. 

C  urtir  sp.,  cortirp^.  gerben.  Es  wird  von  condire  oder  von  cortex  her- 
geleitet, ist  aber  in  der  (hat  von  conterere  mürbe  machen,  co-terere,  mit  ver- 
setztem r  corter  cortir.  Derselbe  stamm  findet  sich  auch  in  derretir,  s.  unten. 


444  II.  b.  CUSPIR-DESCER. 

Cuspir,  cospir  pg.  speien7  spucken;  von  conspuere. 

Cutir  sp.  eine  sache  verfechten,  dsgl.  schlagen,  anschlagen.  Wie  aus 
conterere  cuterir  eutrir,  so  mochte  auch  aus  competere  cnmptir  captir, 
endlich  cntir  werden;  eine  starke,  aber  nicht  beispiellose  syneope. 


i>. 

Dadiva  sp.  pg.  geschenk;  dativa  für  donativa  in  den  Isid.  glossen. 

Danar  sp.,  danar  pg.  beschädigen;  von  damnare,  dessen  bedeutung 
durch  damnum  bestimmt  ward.  Dieselbe  bedeutung  hat  condemnare  in 
der  L.  Sal.  emend.:  si  quis  terram  alienam  condemnaverit  tit.  71,  und 
altfr.  condemner  in  einem  der  ältesten  denkmäler,  Leodegar  str.  28. 

Dechado  sp.  Vorschrift;  von  dictatum,  woher  auch  pr.  dechat,  altfr. 
ditiö  eine  galtung  von  gedichten,  pr.  dechar  =  lat  dictare. 

D ehe sa  sp.,  alt  defesa,  cot.  devesa  Viehweide;  mlat.  defensa,  de- 
fensum,  altfr.  defois  verbotener  plate,  wiese,  weide. 

Dengue  sp.  pg.  cot.  (m.),  sard.  denghi  eiererei,  pg.  auch  ad$.  ge- 
eiert; von  denegare  verweigern,  abschlagen,  vgl.  die  redensart  hacer  den- 
gues  sich  sträuben,  sich  eieren.  Das  itäl.  sbst.  diniego  ist  also  dasselbe  wort. 

Denuedo  sp.,  denodo  pg.  unerschrockenheit ,  denodarse  sich  er- 
kühnen; von  nodus  knoten,  bindung,  daher  ungebundenheit. 

Denuesto  sp.,  doesto  pg.  beschimpfung,  vb.  sp.  denostar,  pg.  does- 
tar,  alt  deostar  SBos.;  von  dehonestum,  dehonestare  mit  versetztem  n  im 
span.    Prov.  desnot  Verspottung,  für  denost?  s.  Lex.  rom. 

Derramar  sp.  pg.  in  der  bed.  ausgießen,  ausbreiten;  eigentl.  des- 
-ramar  in  äste  auseinandergehen  lassen,  theilen;  it.  disramare,  pr.  des- 
ramar,  derramar,  wal.  deremä  ausästen,  altfr.  deramer  eerreißen  (ser~ 
theilen)  Pass.  de  J.  Chr.  68,  Alx.  29,  desrasmer  Ben.  III,  80.  Das 
gegentheil  ist  das  comask.  ramä  sammeln. 

Derretir  sp.,  Aerreter  pg.  schmelzen,  figürl.  aufeehren.  Ein  unge- 
löstes, aber  nicht  unlösbares  wort.  Da  es  sich  im  port.  eur  2.  conj.  be- 
kennt, so  muß  es  der  lat.  2.  oder  3.  angehören,  kann  also  nur  lat.  Ur- 
sprunges sein,  und  so  kommt  es  von  deterere  oder  disterere,  mit  Verset- 
zung der  bmhstaben  t  und  r.  Sbst.  derretimiento  trifft  also  eusammen 
mit  detriraentum,  ist  aber  neu  abgeleitet.     Vgl.  oben  curtir. 

Derribar  sp.  pg.  umstürzen;  von  ripa  ufer,  üal.  auch  steile  an- 
höhe,  absture  (daher  traripare  herdbstüreen),  sp.  ribazo  abhang;  also  wie 
derrocar. 

Descer  pg.  herabsteigen.  Die  herkömmliche  deutung  aus  descen- 
dere  ist  entschieden  abzuweisen,  da  nd  nicht  syncopiert  wird.  Trote  der 
Schreibung  mit  sc  stammt  das  port.  verbum  von  desidere  sich  niederlassen, 
sich  senken.  In  "der  form  decir  besitzt  es  auch  die  oltsp.  spräche:  dice 
de  una  Sierra  PC.  974  Jan.;  deeido  es  Mynaya  1391;  esto  dixo  myo 
Cid  diciendo  del  cavallo  dies  sagte  mein  Cid  vom  pferde  steigend  1768; 


ILb.  DESOLLAR-EMPECER.  445 

perf.  desciö  Conq.  ültram.,  decieron  Alf  onceno.  Keine  der  Schwester- 
sprachen  kennt  dies  verbum. 

Desollar  sp.,  altsp.  desfollar,  pg.  esfolar  abhäuten;  von  follis  balg. 

Despedir  sp.pg.von  sich  entfernen,  entlassen,  despedirse  abschied 
nehmen;  von  de-expedire.  Als  eine  scheideform  von  despedir  darf  man 
nehmen  pg.  despir  entkleiden,  ausstehen,  eigentl.  losmachen,  bloßmachen, 
entblößen. 

Dexar  sp.,  deixar  pg.  lassen;  gleichsam  desitare  des'tare  von  de- 
siliere  desitus.    Derselbe  Ursprung  des  x  unten  in  quexar. 

Dicha  sp.,  dita  pg.  glück;  von  dictum,  plur.  dicta  ausgesprochenes, 
bestimmtes,  wie  lat.  fatum  von  fari.  Auch  it.  detta  kann  in  dieser  bedeur 
hing  angewandt  werden.    An  %v%r\  ist  also  nicht  ssu  denken. 

Donaire  sp,  pg.  anmuth,  gewandtheit,  ursprüngl.  schone  naturgabe, 
z.  b.  palabra  es  donaire  que  hau  los  omes  tan  solamente  Partid.  2.  tit.  1, 
altsp.  auch  donario;  von  donarium  gäbe.  Adj.  donoso  anmuthigl  von  don 
=  lat.  donum  s.  v.  a.  donaire. 

Doudo  pg.  einfältig,  närrisch.  Dies  dem  Spanier  unbekannte  wort 
kam  aus  England:  dold  (in  Devonshire)  hat  dieselbe  bedeutung,  engl,  dolt, 
ags.  dol  u.  s.  w.,  vgl.  Halliwell  und  E.  Müller. 

Du  endo  sp.,  pg.  (mundartl.)  dondo,  pr.  domde  eahm,  zum  hause 
gehörig,  vb.  pr.  domtar,  dondar,  dltfr.  donter,  nfr.  dompter;  von  domitus, 
domitare.  Mit  recht  erklärt  Grimm,  Mythol.  468,  auch  sp.  pg.  duende 
kobold  aus  duendo,  so  daß  es  hausgeist  (sp.  auch  duende  de  casa)  be- 
deutet, nicht  mit  recht  aber  erklärt  er  duendo  aus  domus. 

Durazno  sp.  art  pfir siehe;  von  persica  duracina,  vgl.  it.  duracine 
adj.  fest,  hart  (von  fruchten). 

Dureta  sp.  badebank,  badesttM.  Dies  von  Augustus  gebrauchte 
wort  (insidens  ligneo  solio,  quod  ipse  hispanico  verbo  duretam  vocabat 
Sueton.  in  Aug.  82)  hat  man  aus  dem  lat.  wörterbuche  in  das  spanische 
eingetragen.  Larramendi  s.  v.  und  Astarloar  Apol.  p.  261,  deuten  es  aus 
dem  bask.  ura  wasser. 


E. 

Eito  pg.  Ordnung,  reihenfolge. 

Eiy &  pg.  ansäte  von  fäulnis,  gebrechen,  Sprung  im  glase,  eivar-se 
anfangen  zu  faulen. 

Elche  sp.  pg.  apostat;  vom  arab.  elg  proselyt  Freyt.  IU,  206b. 

Embargar  sp.  pg.  pr.  hindern,  aufhalten,  sbst.  embargo,  embare 
hindemis;  von  barra  riegel  (s.  thl.  L),  daher  imbarricare. 

Embutir  sp.  pg.  cot.  (s.  bottare  I.),  einschlagen,  eindrücken;  wohl 
aus  derselben  deutschen  wursel  wie  botar,  vgl.  auch  mhd.  bflz  schlag. 

Empecer  altsp.  pg.  schaden  thun,  beschädigen,  hindern,  mit  dat. 
oder  acc.,  daher  empiezo,  empeeimento  hindernis.    Für  empedecer,   wie 


446  H.b.  EMPEINE-ENTON. 

noch  Bereeo  sehreibt,  von  impedire  ?  Oder  sott,  was  dem  begriffe  besser  zu- 
sagt, dies  empedecer  für  emperdecer  (von  perda  vertust)  gelten? 

Empeine  sp.  kratze,  flechte;  von  impetigo,  it.  empetiggine,  wal. 
pecingine.    Empeine  wnterleib  s.  pettine  I. 

Encentar  sp.,  enceitar,  encetar  pg.  anschneiden  zum  essen;  von 
inceptare  anfangen,  bei  Plautus.  Dahin  auch  sp.  decentar.  Vgl.  en- 
tamer  IL  c. 

Enclenque  sp.,  cot.  enclenc  kränklich,  schwächlich;  von  clinicus 
bettlägerig,  mit  vorgesetztem  en  wie  in  endeble  von  debilis. 

Encono  sp.,  alt  enconfa  zorn,  erbitterung,  enconar  erbittern.  Es 
kann  vereinfacht  sein  aus  sp.  malenconia  zorn,  wuth  (melancholia),  worin 
man  ein  compositum  mit  mal  fühlte  (mal-enconia).  Da  enconar  aber 
auch  bedeutet,  eine  wunde  zum  schwären  bringen,  enconado  entzündet  (von 
wunden),  giftig  De.  MM.  36,  so  verweist  Cahrera  duf  aconitum  ein  gif' 
tiges  kraut,  sp.  aeönito,  welches  gleichfalls  berechtigt  scheint. 

Endilgar  sp.  auf  den  weg  bringen,  leiten,  überreden;  von  in-dele- 
gare  hinschicken,  Hinweisen,  zu  etwas  anweisen.  Die  bekannte  herleitung 
aus  in-dirigere  befriedigt  den  buchstaben  nicht  besser  und  setzt  eine  Störung 
der  conjugationsform  voraus,  die  der  Spanier  nicht  liebt. 

Eneldo  sp.  eine  pflanze,  ditl;  von  anethum  mit  eingemischtem  1, 
wie  dies  vor  d  im  spanischen  zuweilen  geschieht,  vgl.  oben  alcalde,  arra- 
balde.  Die  port  form  ist  endro,  entstanden,  wie  es  scheint,  aus  endlo. 
Ital.  aneto  cet. 

Engreir  sp.  stolz  machen;  wahrscheinlich  von  ingredi  einherschrei- 
ten,  (trans.)  einherschreiten  machen,  wie  sp.  escurrir  auslaufen,  auslaufen 
machen  u.  a. 

Enho  pg.  einjähriges  hirschkaXb;  von  hinnuleus,  für  enlho?  Oder 
sollte  es  aus  bi-ennius  mit  abgeworfenem  numeraladverb  entstanden  sein? 
etwas  ähnliches  sehe  man  unter  cobrar  1. 

Enlear  pg.  fesseln,  hindern,  beirren,  ältfr.  enloier;  von  in-ligare, 
zunächst  wohl  aus  der  altfr.  form  enlaier,  da  ligare  port.  nur  ligar, 
liar  gibt. 

Ennödio  altsp.  junger  hirsch,  spießer;  ohne  zweifei  von  enödis  ast- 
los, weil  ihm  das  geweih  noch  fehlt. 

Ensalmar  sp.,  enzaim&rpg.  durch  Segenssprüche  heilen;  von  psalmus, 

Ensenada  sp.,  enseada  pg.  bucht,  boi;  von  sinus,  insinuare,  sp. 
ensenar  in  den  busen  bringen. 

Ente co  sp.  kränklich,  schwächlich;  von  hecticus,  altpg.  etego,  it. 
etico.  Wie  tat.  c  am  ende  einer  silbe  durch  sp.  n  ausgedrückt  wird,  dar- 
über  s.  anche  L,  Rom.  gramm.  I,  246  note. 

Entejar  pg.  ekel  empfinden,  entejo  ekd;  von  taedium. 

Entibo  sp.  stütze,  entibar  stützen;  von  stipes  (m.) pfähl,  bask.  estiba, 
das  auch  ein  altsp.  estibo  vermuthen  läßt. 

Enton  altsp.  Alx.,  pg.  entäo  adverb  für  tat.  tum,  von  in  tum;  dsgl. 
sp.  entoirces,  alt  estonze,  estonzas,  von  in  tunece,  ex  tnnece. 


IIb.  ENTREGAR-ESCALIO.  447 

Entregar  sp.  pg.  cot.  übergeben,  überlief erny  sp.  entrego,  pg.  en- 
tregne  Überliefert,  entrega  Überlieferung.  Man  leitet  es  gewohnlieh  von 
tradere.  Bedenkt  man  aber,  daß  für  das  sp.  entero,  pg.  inteiro  =  lat. 
integer  eine  dltspan.  form  entrego,  altpg.  entregue  stattfand,  daß  Berceo 
entergarse  (d.  t.  entregarse)  für  neusp.  enterarse  =  integrare  gebraucht, 
so  sieht  man  sich  auf  die  genannten  lat.  Wörter  angewiesen,  wenn  auch 
das  neue  verbum  in  einen  andern  sinn  ausgewichen  ist.  Entregar  alguno 
de  alg.  cosa  mochte  heißen  einen  mit  etwas  versehen,  eigentl.  ergangen, 
denn  noch  jetzt  heißt  entregarse  de  alg.  cosa  sich  in  den  besitz  einer 
Sache  setzen;  hieraus  erfolgte  mit  veränderter  construction  die  erweiterte 
bed.  einem  etwas  übergeben.  Entrega  heißt  altsp.  ergänzung,  ersatz, 
neusp.  Übergabe. 

Entremes  sp.  Zwischenspiel;  vom  it.  inter-mezzo  =  inter-medium, 
*  verschieden  vom  fr.  entre-mets. 

Entroido,  antraido  altsp.,  nsp.  antruejo,  altpg.  entroydo,  npg.  en- 
trudo  carnevcdszeit;  leiten  die  einheimischen  philologen  von  introitus  ein- 
gang  zu  den  fasten. 

Enxeco  altsp.,  enxeco,  eyxeco  altpg.  Schwierigkeit,  schade,  strafe; 
vom  arab.  asch-scheqq  Schwierigkeit  Freyt.  II,  433b. 

Enxerir  sp.,  enxerir  pg.  einfügen,  pfropfen;  von  inserere.  Ebenso 
enxertar  von  insertare. 

Enxuagar  sp.  ausspülen;  von  ex-aquare  mit  versetztem  u,  it. 
seiacqnare. 

Enxundia  sp.  fett;  von  axungia  wagenschmeer,  fr.  axonge,  vgl. 
sngna  II.  a. 

Ergo  altpg.  partikd  mit  der  bed.  außer,  ausgenommen,  z.  b.  nnnca  ' 
sonbe  ren  amar  ergo  vos  'nie  wußte  ich  jemand  zu  lieben  außer  euchy 
Trov.  n.  149,  1;  nnnca  pud'  eu  en  outra  ren  aver  sabor  ergu*  en  coidar 
en  vos  162,  1,  u.  dgl.  oft,  schon  in  einem  foral  v.  1192  SRos.  (eigo  v.j. 
1408  scheint  entstellt).  Wie  die  spräche  dem  lat.  ergo  diese  bedeutung 
abgewonnen  hätte,  wäre  schwer  zu  begreifen.  Man  vermuthet  darin  erga, 
so  daß  ein  gegensatz  in  den  sinn  einer  ausschließung  übergegangen  wäre: 
€nie  liebte  ich  jemand  euch  gegenüber  =  nie  liebte  ich  jemand  euch  aus- 
genommen. Der  Lateiner  sagt  praetärqnod  * außer  daß' :  sollte  ergo  dar- 
aus abgekürzt  sein?  vgl.  algo  aus  aliquod.  Aber  die  abkürzung  wäre 
keine  gewöhnliche. 

Ergnir  sp.,  ergner  pg.  aufrichten;  von  erigere  mit  seltner  behand- 
lung  des  gutturc&s.  Eine  andre  form  ist  sp.  ercer,  §  aus  g  wie  in  arcilla 
und  andern. 

Erial,  erio  sp.  unangebaut;  von  era,  lat.  area,  also  tennenartig, 
wie  eine  tenne  beschaffen. 

Escada  pg.  treppe;  entstellt  aus  escala,  lat.  scala?  Oder  ist  es  aus 
escalada  syncopiert^  um  das  in  die  bed.  Seehafen  ausgewichene  escala  zu 
ersetzen? 

Escalio  sp.  brachacker;  von  sqnalidus  sc.  ager,  s.Isidorus  15,13, 


448  ILb.   ESCAMONDAR-ESCRAMO. 

also  rauher  acker,  wie  spa/n.  etymologen  richtig  erklären.  Vgl.  terras  de 
scalido  ejeci  Yep.  IV,  n.  28;  squalidavit  et  fecit  vineas  Esp.  sagr. 
XL,  n.  18. 

Escamondar  sp.  einen  bäum  pulsen,  seine  äste  beschneiden;  viel- 
leicht für  escami-mondar  abschuppen,  reinigen,  vgl.  mani-atar,  perni- 
quebrar,  eine  seltnere  art  der  Zusammensetzung. 

Escarapelarse  sp.  pg.  sich  zausen;  nach  Covarruvias  von  cara 
und  pelar,  ist  aber  wohl  nur  das  it.  scarpellare  zerkratzen,  von  scarpello 
==  lat.  scalpellum. 

Escarba  sp.  zusammenfügung  zweier  planken  u.  dgl.;  nach  Lar- 
ramendi  vom  bash.  elcarbea  'unten  vereinigt*. 

Escarbar  sp.,  escarvar  pg.,  wohl  auch  cat.  esgarrapar  kratzen, 
scharren;  vgl.  ndl.  schrapen,  mhd.  schrapfen  dass. 

Escarcha  sp.  pg.  etwas  krauses,  reif  (pruina),  escarchar  kräuseln, 
bereifen;  nach  Larramendi  vom  bask.  ecachea  feiner  regen. 

Es  Carmen  tar  sp.  pg.hart  zurechtweisen,  vor  gefahr  warnen,  sbst. 
escarmiento.  Von  zweifelhaftem  Ursprung:  nach  einigen  von  escarmenar 
=  lat.  ex-carminare  krämpeln,  zupfen  (also  für  escarmenantar!);  nach 
andern  vom  it.  schermo  d.  h.  vom  dtschen  schirmen  (schützen,  wahren, 
warnen),  das  aber  sp.  esgrimir  lautet.  Ist  escarmiento  etwa  =  it.  scar- 
namento  aufritzung  der  haut,  Züchtigung? 

Escarzar  sp.  die  bienenstöcke  schneiden;  von  ex-castrare,  durch 
Versetzung  excarstare  escarzar.  Eine  solche  Versetzung  scheint  schon  vor- 
zuliegen in  carsattis  'castratus*  Ol.  Paris,  ed.  Hildebr. 

EscAtima  sp.  pg.mangd,  abbruch,  escatimar  abbrechen,  verkürzen. 
Bask.  (labort.)  escatima  bedeutet  hader,  von  escatu  fordern,  eman  geben, 
hader  ist  aber  kränkung  und  Verkürzung.  So  Larramendi.  Berceo  SU. 
146  hat  estemado,  vermtdhlich  für  escatemado.  S.  über  das  wort  auch 
S.  Rosa. 

Escodar  sp.  pg.  steine  behauen;  erklärt  sich  einfach  Otts  sp.  codo 
ellenbogen  d.  i.  ecke,  winket,  vgl.  codillo  stumpf  eines  abgehauenen  astes 
am  baumstamm,  heißt  also  eigenü.  alles  vorragende  wegschaffen.  Daher 
sbst.  escoda  hammer  der  steinhauer. 

Escolimoso  sp.  hart,  rauh,  störrig;  von  scolymus  (axolv/iog)  art 
eßbarer  distel,  wegen  ihrer  stacheligen  blauer  (Covarruvias). 

Esconso  J3#.,  esconzado  sp.  ungleich,  eckig,  stumpfwinkelig. 

Escoplo  sp.,  pg.  escopro  (estoupro  SRos.),  vol.  escapre,  cdtfr. 
eschalpre  meißel,  schabmesser;  von  scalprum.  Span,  escarpelo,  it.  scar- 
pello, von  scalpellum. 

Escote  sp.  runder  ausschnitt  an  einem  kleide,  escotar  einen  solchen 
ausschnitt  machen.  Schwerlich,  wie  Covarruvias  will,  von  ex-curtare,  da 
r  vor  t  nicht  ausfällt;  richtiger  wohl  von  unserm  schote,  goth.  skaut-s 
u.  s.  w.,  indem  das  auszuschneidende  einen  busen  bildet  und  deshalb  weg- 
genommen wird. 

Escramo  altsp.  Wurfspieß.    Dies,  wie  man  annehmen  darf,  nie  ge- 


IIb.  ESCüDRlNAR-ESQÜlKZAß.  44Ö 

braucJUe,  aus  dem  mittetlatein  in  das  span.  lexicon  eingeschaltete  wart 
liegt  vor  in  der  L.  Wisig.  9,  2,  1:  scutis,  spatis,  scramis,  lanceis,  sa- 
gittis;  eine  zss.  mit  sahs  (messet)  bei  Gregor  v.  T.  cum  cultris  validis, 
quos  'vulgus*  scramasaxos  vocant  Vgl.  Biefenbach,  Goth.  tob.  II,  257, 
Orig.  europ.  p.  418. 

Escudriöar  sp.,  neupr.  escudrinhä  durchforschen;  umgestellt  aus 
escrudinar,  it.  scrutinare,  von  scrutinium. 

Escuerzo,  escorzon  sp.  kröte,  auch  it.  scorzone  art  giftiger 
schlangen;  eigentl.  rinde,  baumrinde,  it.  scorza,  wegen  der  rauhen  narbigen 
haut  der  hröte?    In  JBrescia  heißt  sie  rapatü,  von  rapa  runzd. 

Esparcir  sp.,  eßparzir  pg.  zerstreuen,  altsp.  pg.  espargir;  von 
spargere,  pr.  esparser.     Vgl.  wegen  q  aus  g  oben  arcilla. 

Esparrancar  sp.  die  beine  auseinander  sperren.  Wohl  erinnert 
es  an  das  ahd.  ar-sparran  'distendere',  woraus  sich  aber  die  silbe  anc 
nicht  erklären  würde.  Besser  darum  nimmt  man  es  für  eine  Variante  von 
espalancar,  s.  spalancare  IL  a. 

Espeque  sp.  pg.(m.)  hebebaum,  Schwengel  der  schiffspumpe  u.  dgl.; 
vom  ndl.  spaak,  speek  (f.)  Speiche,  hebebaum  =  ags.  spaca  (m.),  engl. 
spoke,  ahd.  speihhä  mit  ersterer  bedeutung. 

Espertar  altsp.  (Sanchez  glossare)  pg.pr.  wecken;  von  expergitus. 
Zsgs.  sp.  despierto,  pg.  desperto  wach,  wachsam,  vb.  despertar,  auch 
wallon.  dispierter. 

Espich  e  sp.  langer  degen,  pg.  espicho  kr  ahn  an  einem  fasse,  vb. 
sp.  pg.  espichar  stechen;  von  spiculum  spiclum,  spiculare,  wie  hacha  von 
facula  facla. 

Eeplinque  sp.  falle  oder  schlinge  zum  Vogelfang;  für  esprinque, 
ahd.  springä  fessel.  Derselben  herkunft  scheint  occ.  esperenc  und  wohl 
auch  com.  sparangon  Sprenkel. 

Espurrir  sp.  die  beine  auseinander  sperren;  von  exporrigere,  it. 
sporgere. 

Esquecer  pg.  vergessen  maclhen,  esquecerse  vergessen;  richtiger 
altpg.  escaecer,  gleichsam  excadescere  entfallen,  factitiv  entfallen  machen. 

E  s  qu  i  n  a  sp.  pg.  ecke,  felsstück ;  muthmaßlich  scheideform  von  esquena 
rückgrat,  eigentl.  spitze,  wie  it.  spigolo  (lat.  spiculum)  ecke  bedeutet. 

Esquinzar  sp.,  cat.pr.  esquinsar,  pr.  auch  esquissar  zerreißen,  zer- 
schneiden (kleider  oder  läppen);  vom  gr.  a%üjeiv  zerspalten,  zersplittern, 
zerschneiden,  mit  eingeschobenem  n?  Aber  die  bedeutung  befriedigt  nicht: 
das  sbst.  o%iCp  z.  b.  heißt  vornehmlich  Mein  gespaltenes  holz,  im  mittet- 
latein  gleichfalls  in  diesem  sinne  vorkommend.  Auch  der  hier  folgende 
deutungsversuch  ist  unsicher.  Erwägt  man  nämlich  das  synonyme  it. 
squarciare,  neben  welchem  auch  squartare  besteht,  von  quartus  (s.  IL  a), 
so  kann  man  der  Versuchung  nicht  toiderstehn,  das  vorliegende  westroma- 
nische  wort,  neben  welchem  gleichfalls  eine  Variante  mit-  t,  pr.  esquintar, 
vorkommt,  auf  quintus  zurückzuleiten,  welches  hier,  wie  quartus  dort,  nur 
eine  unbestimmte  mehrheit  von  theilen  auszudrücken  berufen  wäre. 

'      20 


450  ILb.   ESTACHA-FAKO. 

Estach a  sp.  harpunenlau;  vom  bask.  est-archa  harpunen-halter 
(Larramendi). 

Estiar  altsp.  stille  stehen,  bleiben  wo  man  ist;  von  aestivare  den 
sommer  wo  zubringen,  mit  erweiterter  bedeutung.  Pg.  estiar  hell  werden, 
aufhören  eu  regnen,  überh.  nachlassen. 

Estrago  sp.  pg.  Verheerung,  Zerrüttung,  auch  ausschweifung,  lieder- 
lichheit, estragar  verheeren  u.  s.  w.  Man  leitet  es  von  strages  (f.),  und 
wirklich  gibt  es  einige  fälle,  worin  die  media  unaspiriert  geblieben,  vgl. 
gorga  von  gurges. 

Estriga  pg.  abtheüung  von  flachs,  die  jedesmal  an  dem  rocken  be- 
festigt wird,  um  gesponnen  zu  werden ;  vom  lat.  striga  strich  oder  Schwaden 
des  geschnittenen  getreides. 

Estrinque,  estrenque  sp.,  estrinque,  estrinca  pg.  seil,  tau,  pg. 
estrincar  drehen;  vom  dtschen  strick,  stricken  mit  eingeschobenem  n,  vgl. 
venez.  strica  schnür,  comask.  stricca  schnüren,  und  tricoter  II.  c. 

Estruendo  sp.,  estrondo  pg.  getose,  geprassel;  nach  Covarruvias 
von  8trepitus,  näher  aber  liegt  tönitrus  mit  verstärkendem  ex  und  ver- 
setztem r  extronitus,  vgl.  fr.  estonner  von  extonare.  Altsp.  atrnendo 
würde  sich  noch  weniger  in  strepitus  fügen. 

Evay,  plur.  evad,  evades  cdtsp.  PC,  Conq.  Ultram.  sieh  da!  seht 
da!  von  unsidierem  Ursprung,  nach  einigen  von  videas,  videatis.  S.  Rosa 
führt  auch,  aber  ohne  beleg,  ein  vollständiges  port.  verbum  evar  an.  Eine 
andre  verbalinterjection  ist  ab 4  (avä),  aba-te,  plur.  abad,  aba-os  platz 
da!  welche  Cdbrera  aus  apage  deutet. 

F. 

Fagüeno  (in  Aragon)  Westwind;  von  fjjvonius,  cast.  it.  favonio, 
dtsch.  föhn. 

Faldriquera,  faltriquera  sp.rocktasche;  abgeleitet  aus  falda weiter 
sack  (s.  thl.  L),  wobei  ein  dimin.  faldfca  vorauszusetzen  ist,  daher  mit  zu- 
gefügtem r  (wie  in  faltrero  taschendieb)  faldr-iqu-era. 

Fanar,  fanar  altsp.  einein  (hier  die  ohren  stutzen,  pg.  fanar  be- 
schneiden; von  unbekannter  herkunft. 

Farändnla  sp.  pg.  cat.  gewerbe  des  Schauspielers,  auch  umher- 
ziehende schauspielertruppe.  So  alt  also  ist  der  deutsche  ausdruck  fahrende 
d.  i.  wandernde  leute,  spielleute,  daß  die  Spanier  ihn  nicht  etwa  dem 
mhdeutschen,  sondern  einer  weit  älteren  mundart  entnehmen  konnten.  Denn 
farändula  führt  auf  ein  primitiv  faranda  wie  lav&ndula  auf  lavanda,  gi- 
rändnla  auf  giranda.  Oder  ist  es  rathsamer,  dieses  wort,  oder  eigentlich 
das  entsprechende  neupr.  farandolo  reihentanz,  aus  gr.  q>ahxy^  und  öovlog, 
weil  die  tanzenden  gewissermaßen  aneinander  gefesselt  sind,  zusammen- 
zusetzen?   S.  diese  seltsame  etymologie  bei  Honnorat. 

Faro  pg.  geruch,  Witterung  (der  Kunde),  fährte,  dunst  des  fleisches; 
soll  arabisch  sein,  fehlt  jedoch  bei  Engelmann  und  Dozy. 


IIb.   FARROUPO-FONIL.  451 

Farroupo  pg.  einjähriges  schweift,  ferkd,  nach  S.  Rosa  verschnittenes 
schwein,  eitpg.  auch  hammel.     Woher? 

Fechar  pg.  schliefen,  verschliefen,  daher  fecho  Hegel;  eigentl.  eine 
Urkunde,  einen  trief  schließen,  von  factum  datutn,  sp.  fechar  datieren. 

Feligres  sp.  pfarrkind;  von  filius  gregis. 

Feo  sp.  pg.  häßlich;  von  foedas,  bei  Ruiz  hedo.  Da  dieses  hedo 
auch  muffig  bedeutet  (pan  duro  e  hedo),  so  möchte  es  Pidal  auf  foetidus 
verweisen,  s.  Canc.  de  B.  glossar. 

Ferropea,  herropea,  arropea  sp.,  pg.  ferropea  fußschellen;  von 
ferrum  und  pes. 

Feßto  citpg.  höhe,  gipfel,  em  festo  s.  v.  a.  a  cima,  enfesta  berg- 
abhang,  sp.  enhiesto  adj.  aufgerichtet,  enhestar,  alt  enfestar  aufrichten; 
von  fastigium,  altfr.  fauste  und  mit  zurückgezogenem  accent  fäiste,  nfr. 
falte  (m.)  gipfel,  giebel. 

Filhar  pg.  vrlt.  nehmen  (in  verschiedenem  sinne)  z.  b.  filhar  (fillar) 
consello  einen  rathschluß  fassen,  senhor  eine  dame  wählen,  sabor  behagen 
empfangen  (s.  auch  S.  Rosa);  scheint  kein  anderes  wort  als  filhar  in  die 
familie  aufnehmen,  von  filius,  mit  erweiterter  bedeutung.  Auch  altsp.  fyllar 
guerra  krieg  unternehmen,  im  Canc.  de  B. 

F  in  dar  pg.  beschließen,  endigen;  von  finitus,  pg.  findo,  nicht  von 
finem  dare,  wie  es  denn  auch  den  accus,  tegiert. 

Fisga  sp.  pg.  dreizack  zum  fischen,  vb.  fisgar;  vgl.  goth.  fiskön 
fischen,  ahd.  fisker  (fisk-gßr?)  dreizack. 

Fiücia  altsp.,  zsgz.  fucia,  hucia  vertrauen;  von  fiducia.  Daher 
Zusammensetzungen  wie  afiuciar,  ahuciar,  desfiuzar,  deshuciar,  desahuciar 
(sämmtlich  veraltet),  mlat.  affiduciare. 

Fleco,  flueco  sp.  franse,  troddel;  von  floccus,  s.  wegen  des  stamm- 
vocals  unten  freute. 

Fofo  sp.  pg.  schwammig,  weich.  Derselbe  stamm  ist  auch  in  ital. 
mundarten  einheimisch:  ven.  fofio  engbrüstig  (aufgeblasen),  athemlos,  dsgl. 
weich,  schlaff,  sbst.  fufa,  lomb.  fofa  schrecken  (athemlosigkeit,  anhalten  des 
athems),  com.  fofa  etwas  schwammartiges,  neupr.  refoufä  aufgetrieben  sein, 
vgl.  henneg.  champ.  foufe  lumpen.  Dieser  stamm  mag  identisch  sein  mit 
ndl.  pof  aufgeblasen,  schwammig,  vb.  poffen,  nhd.  puffen,  norm,  pouffe  = 
ndl.  pof,  f  für  p  durch  assimilation.  Zu  bemerken  ist  auch  pg.  esfalfar 
athemlos  machen. 

Fona  pg.  fliegender  funke.  Merkwürdig  stimmt  dazu  goth.  tön,  gen. 
funins,  feuer,  dltn.  funi  glühasche,  woher  auch  funke.  Festus  sagt:  fomites  . . 
alii  vocari  putant  scintiilas,  quae  ex  ferro  candenti  malleis  excutiuntur. 
Aus  fomes  (m.)  konnte  sich  eine  nominativform  foma  bilden  wie  aus 
fustis  (m.)  fusta,  übertritt  des  m  in  n  ist  freilich  unüblich. 

Fonda  sp.  mrthshaus,  kaffeehaus,  altsp.  sclüeuder  =  nsp.  honda; 
vom  lat.  funda  g eidbeut  el,  im  mlatein  Sammelplatz  der  kaufleute  {altfr. 
fonde),  wie  auch  bursa,  borsa  beide  bedeutungen  in  sich  begreift. 

Fonil  sp.,  fimil  pg.  trichter,   bask.  unila;   entstellt  aus  fundibulum 


452  IIb.   FONSADO-GAITA. 

Gl.  Philox.,  lat.  infundibulum,  limous.  enfoanil.  Dasselbe  wort  ist  engl. 
funnel,  bret.  founil;  wahrscheinlich  war  es  auch  im  franz.  vorhanden. 

Föns  ad o  altsp.  heer;  für  fosado,  wie  es  auch  altpg.  heißt,  partic. 
von  fosar  mit  einem  graben  umgeben,  ursprünglich  also  befestigtes  lager. 
Ein  troubadour  sagt:  Tost  qu'es  tot  entorn  claus  de  fossatz  das  heer, 
das  ganz  mit  graben  eingeschlossen  ist  Chx.  11,  211. 

Foxa  sp.  ente  mit  dem  halsband,  anas  torquata;  ungewisser  herlei- 
tung. Nach  Covarruvias  vom  gr.  gpwi'f  ein  unbestimmter  sumpf-  oder 
tcasservogel,  also  aus  einer  nominativform. 

Fraga  pg.  holperiger  boden,  Steuer  felsen^  sp.  pg.  fragura  uneben- 
hext,  Steilheit.  Wer  vermuthet  nicht  hierin  den  stamm  des  lat.  fräg-osus 
uneben,  rauh,  woraus  sich  der  Portugiese  ein  einfaches  Substantiv  abzog? 
Das  sp.  fraga  heißt  brombeerstrauch  (von  frägum  erdbeere),  nach  S.  Rosa 
auch  gebüsch,  vgl.  pg.  fragoso  wild,  vwwachsen:  hält  man  nun  das  pg. 
fraga  für  dasselbe  wort,  so  muß  es  in  seiner  bedeutung  wenigstens  durch 
fragosus  bestimmt  worden  sein.    Man  sehe  dazu  fraga  bei  Ducange. 

Fraire,  freire  altsp.,  pg.  freire,  nsp.  durch  dissimilation  fraile, 
freile  Ordensbruder,  abgekürzt  sp.  fray  (it.  frk),  pg.  frei,  hieraus  moviert 
fem.  sp.  fraila  u.  s.  w.  Ordensschwester;  von  i rater,  doch  sind  die  formen 
unspanisch  und  müssen  aus  dem  prov.  gebiete  eingeführt  sein,  wo  fraire 
sprachgemäß  ist. 

Frente  sp.  stirne;  euphonische  Verkürzung  aus  dem  altsp.  fruente, 
lat.  frons.    Auch  Portugal  ließ  neben  fronte  die  form  frente  zu. 

Frisol,  frisuelo,  frejol  sp.  art  höhnen;  von  phaseolus  nach  Cabrera, 
welches  aber  fasol  gibt.  Zu  erwägen  ist  das  mlat.  fresa:  defresum  *de- 
tritum,  unde  adhuc  fresa  faba,  quae  obtrita  frangitur  Gloss.  Placid.; 
faba  fresa  dicta,  quod  eam  frendant  i.  e.  frangant  Papias. 

Fücar  sp.  reicher  mann,  wallon.  foukeur;  vom  deutschen  geschlechts- 
namen  Fugger,  s.  Schneller  I,  516,  Grandgagnage  1,  212.  352. 

Fulano  sp.,  altsp.  fulan,  pg.  fulano,  fuäo,  sard.  fulanu,  unbestimm- 
tes pronomen,  quidam;  vom  arab.  fölan  mit  ders.  bed.  Freyt.  III,  372*. 
Vgl.  Sanchez  glossar  zu  Berceo. 

Fulo  pg.  braungelb;  von  fulvus,  mit  einem  wenig  üblichen  ausfalle 
des  v,  Born,  gramm.  I,  286. 

Furo  drag.  adj.  wild,  leutescheu,  sp.  hurafio  dass.;  wie  it.  furo  von 
für  und  heißt  eigentl.  diebisch,  verstohlen,  scheu,  vgl.  die  redensart  hacer 
furo  etwas  listig  verbergen  (diebisch  handeln). 


G. 

Gaita  sp.  pg.  cot.  Meine  flöte  oder  pfeife,  auch  sackpfeife.  Buch- 
stäblich dasselbe  wort  findet  sich  auch  im  prov.,  wo  es  wache,  Wächter 
heißt  (s.  guatare  I).  Sollte  man  die  pfeife,  womit  der  Wächter  das  zeichen 
gab,   nach   ihm  genannt  haben?  vgl.  pg.  na  primeira  gaita   beim  ersten 


IIb.   GAJO-GAKABATO.  453 

Hahnenschrei,  der  hahn  aber  hat  die  bedeutung  des  Wächters.  Span,  estar 
de  gaita  heißt  munter,  fröhlich  sein,  eine  auch  in  einer  oberital.  mundart, 
der  trientinischen,  vorhandene  redensart. 

Gajo  sp.,  pg.  gäiho,  vol.  gallo  abgeschnittener  zweig  mit  fruchten, 
vgl.  comask.  gai  keim  von  fruchten,  zwiebeln  u.  dgl.  Das  etymon  ist  noch 
zu  finden. 

Gal&pago  sp.  Schildkröte,  cot.  caläpat  Jcröte,  pg.  cägado  Meine 
flußschüdkröte;  unbekannter  Herkunft 

Galdre  sp.  kurzer  Überrock;  eine  von  den  Franzosen,  die  aus 
Geldern  kamen,  eingeführte  tracht,  s.  Seckcndorf. 

Galgo  sp.  pg.  Windspiel;  von  canis  gallicus:  Ut  canis  in  vacuo 
leporem  cum  gallicus  arvo  vidit,  et  hie  praedam  pedibus  petit,  ille  sa- 
lutem  Ovid.  Met.  1,  633,  auch  bei  Martiäl.  Daher  galga  ausschlug  am 
halse,  wie  bei  diesen  hunden  vom  halsbande,  nach  Covarruvias  meinung. 

Galima  altsp.  Meiner  diebstahl,  dsgl.  die  den  Christen  von  den 
Sarazenen  abgenommene  beute  (umgekehrt  bei  J.  Febrer  str.  183);  vom 
arab.  ganimah  beute  (Engelmann), 

Gamarra  sp.pg.  Sprungriemen;  auch  im  bask.  vorhanden  und  wohl, 
wie  die  meisten  Wörter  der  endung  arra,  daher  entlehnt,  obschon  sich  auch 
das  ahd.  gamarjan  hindern,  ags.  gemearra  Hindernis,  dazu  anführen  ließe. 

Gamo  sp.  pg.  damhirsch,  fem.  gama,  in  einem  port.  fored  v.j.  1186 
de  corio  de  cervovel  de  gamo  SBos.  II,  126.  Wenn  man  sp.  gazapo 
aus  dasypus,  golfin  aus  delphinus,  gragea  aus  dragäe  vergleicht,  so  ist 
gamo  aus  lat.  dama  als  ein  vollkommen  möglicher  fall  anzuerkennen. 

Ganado  sp.,  gado  pg.  Herde,  mlat.  ganatus  Yep.  I,  num.  8  (v.  j. 
972),  partic.  von  ganar,  also  das  erworbene,  errungene  (ganatus  überh. 
bewegliches  vermögen  Esp.  sagr.  XIX,  395),  vgl.  cdtfr.  proie  raub,  oft 
für  Herde  gebraucht.  Die  gleiche  bedeutung  übertrug  der  Franzose  auf 
avoir  FC.  IV,  18,  der  Provenzale  auf  aver  (habe),  bask.  aberea,  aber 
neupr.  aver  (fem.!)  schaf.  Vgl.  auch  bask.  ateienda  stück  vieh,  vom  sp. 
hacienda  vermögen. 

Gangnear  sp.  durch  die  nase   reden,  näseln,   gangoso  näselnd; 

naturausdruck,   wenn  nicht  vielmehr,  wie  auch  Larramendi  erinnert,  vom 

bask.  ganga  Zäpfchen  im  halse,   da  dies  beim  näseln  mit  im  spiele  ist; 

vgl.  auch  it.  gangola  mandeln   im  halse,   nach  gr.  ydyyhov  geschwülst. 

t  Eine  andere  form  ist  altsp.  pg.  gago  s.  v.  a.  gangoso. 

Ganzua  sp.,  gazna  pg.  nachschlüssel,  dieterich;  vom  bask.  gaco- 
itsua  blinder  Schlüssel  (geheimer  Schlüssel,  diebsschlüssel?),  mit  Larramendi. 

Ganon,  gaüote  sp.  luftröhr e;  von  canna  röhr  (Cabrera). 

Garab&to  sp.,  garaväto  pg.  Harpune,  auch  vorragende  eisenstange 
einen  balken  zu  tragen;  wird  für  eine  zss.  mit  garra  (kralle)  gehalten, 
wobei  das  zweite  wort  (bato)  dunkel  bleibt.  Ist  es  arabisch?  Hier  be- 
deutet garb  (auch  girab)  den  gekrümmten  theil  eines  Schwertes,  dsgl.  etwas 
vorragendes  Freyt.  III,  266".  266b;  was  das  suffix  at  betrifft,  so  wäre 
etwa  horcate  gabelförmiges  holz,  vom  sp.  horca,  zu  vergleichen. 


454  II.  b.    GARBANZO-GAZAPO. 

Garbanzo  sp.  kichererbse;  vom  bash  garbantzua,  zsgs.  aus  garau 
Jcorn  und  antzua  trocken,  s.  Larramendi.  Die  deutung  aus  gr.  igeßiv&og 
kann  nicht  in  betracht  kommen. 

Garbillo  sp.  sieb  von  weidenzweigen,  garbillar  sieben;  gleichbed. 
ist  arab.  gerbäl  sbst.,  gerbala  vb.  Freyt.  III,  267b  (vgl.  Engelmann  s.  v.), 
allein  man  darf  das  wort  mit  Cabrera  getrost  aus  dem  lat.  cribellum 
herleiten,  da  die  span.  spräche  in  vielen  fällen  (wie  farnetico  von  phre- 
neticus)  r  vom  anlaute  entfernt.  Doch  könnte  das  arab.  wort  nach  Dozy 
Gloss.  einfluß  auf  die  span.  form  geübt  haben.  Auch  garbin  haarnetz 
von  cribrum? 

Garduna  sp.  wiesei,  wohl  auch  altpg.  gardunha,  das  S.  Rosa  mit 
dachs  übersetzt. 

Garlar  sp.  plaudern;  von  garrulus. 

Garraina  sp.pg.  abgäbe,  raub,  erpressung;  arab.  garämah  Gol.  1704. 

Garrido  sp.  pg.  zierlich,  artig,  reizend;  vom  arab.  gartr  edles  an- 
genehmes wesen  Gol.  1695;  oder  besser  wohl  von  gar!  schön,  artig  Gol. 
1704,  mit  roman.  suffix  wie  in  florido. 

Garulla  ausgekernte  traube;  vom  bask.  garau-illa  todtes  körn,  nach 
Larramendi. 

Garzo  sp.  pg.  blauäugig;  leitet  man  von  garza  reiher,  weil  er  blaue 
äugen  habe,  daher  in  einem  Hede  lindos  ojos  &  la  garza.  Die  gleichnisse 
der  dichter  läßt  der  etymologe  an  sich  vorübergehen  und  schaut  nach  dem 
buchstaben:  garzo  ist  nichts  anders  als  das  umgestellte  zarco  (s.  unten), 
steht  also  für  carzo,  so  gavasa  für  bagasa  u.  a.  Ein  gleichbed.  it.  gazzo 
erwähnt  Ferrari. 

Garzo  sp.  baumschwamm;  entstellt  aus  agaricus. 

Gavilan  sp.,  gaviao  pg.  sperber.  Im  frühesten  mlatein  bildete  sich 
für  die  bedeutung  eines  raubvogds  capus  von  capere  wie  unser  habicht 
von  haben  d.  h.  fassen.  Darüber  sagt  Isidorus:  capus  (al.  capys)  Italica 
lingua  dicitur;  hunc  nostri  falconem  dicunt,  und  Servius  in  Aen.  I,  20: 
falco,  qui  tusca  lingua  capys  dicitur.  Auch  die  mlat.  glossare  bringen 
das  wort  häufig.  Ein  neuerer  forscher  (Steub  über  die  urbewohner  Rhä- 
tiens  p.  21)  hält  es,  auf  des  scholiasten  zeugnis  gestützt,  für  acht  etruskisch 
(rasenisch)  und  glaubt  es  in  dem  deutschtyrol.  tschaffit  (fdüce)  wieder  zu 
erkennen.  Wohl  konnte  sp.  cap-el-an  gav-il-an,  pg.  gav-i-äo  daraus  er- 
wachsen, indem  11  im  dimin.  cap-ellus  (kleiner  habicht)  span.  sich  in  1 
vereinfachte,  port.  gänzlich  schwand,  wie  dies  mit  gemellus  in  gemelo,  ge- 
meo  geschah;  der  stamm  cap  aber  fügte  sich  derselben  behandlung  wie 
in  gav-ela  von  cap-ulus.  Auch  die  italische  spräche  kennt  dies  wort: 
maxi.  com.  gavinel,  umgestellt  ganivel,  bedeutet  sperber;  pr.  gavanh  ist 
jedenfalls  ein  raubvogel. 

Gazäpo  sp.,  cat.  catxap,  sard.  gacciapu*  pg.  ca<japo  junges  kanin- 
chen.  Die  span.  etymologen  halten  es  für  eine  entstdlung  aus  dem  von 
Plinius  oft  erwähnten  dasypus  (daohrovg),  das  einen  hosen  oder  ein 
kaninchen  bezeichnen  soll,  und  eine  solche  entsteUung  ist  recJti  wohl  mög- 


IL  b.   GAZMONO— GOIVO.  455 

lieh:  d  konnte  anlautend  mit  g  vertauscht  werden  (Rom.  gramm.  I,  369) 
und  gasepo  war  leicht  in  gasapo  verwandelt,  da  der  ausgang  ap  weit 
üblicher  ist  als  ep.  Dkfenbach  (Hall.  L.  Z.  1844  p.  1056)  vermuthet  Ver- 
wandtschaft mit  bret.  gad  hase,  darin  würde  aber  der  bemerkte  ausgang 
des  span.  wertes^  keine  befriedigung  finden. 

Gazmono  sp.  scheinheilig;  vom  bask.  gazmufia,  gazmuüaria  einer 
der  küßt,  wie  der  scheinheilige  büder  und  reliquien  küßt  (Larramendi). 

Gazuza  sp.  großer  hunger;  vom  bask.  gose-utsa  lauter  hunger,  s. 
Larramendi. 

Geira  pg.  ein  ackermaß:  so  vid  land  ein  pßug  in  einem  tage  um- 
ackert; für  jugeira,  lat.  adj.  jugarius  bei  den  feldmessern. 

Geitopg.  haltung  deskörpers,  gestalt,  weise;  von  fatan  schmmg,  tvurf. 

Germania  sp.  gauner spräche,  rothwälsch  {zu  unterscheiden  von 
Germania  für  Alemania).  Die  grundbedeutung  ist  brüderschaft,  von  ger- 
manus;  so  hieß  ein  rebellenbund  in  Valencia  la  germanfa,  so  die  gauner 
und  Zigeuner,  die  sich  unter  sich  selbst  brüder,  germanos,  nennen,  so 
endlich  ihre  spräche,  wie  mit  demselben  suffix  ia  auch  die  arabische  ara- 
bfa,  algarabfa  genannt  ward.  Es  ist  ein  misverständnis,  wenn  man  ger- 
manfa von  dem  völkernamen  Germanus  leitet,  weil  die  spräche  der  Zi- 
geuner eine  anzdhl  gothischer  Wörter  enthalte:  wer  so  viel  gothisch  oder 
germanisch  verstand,  um  es  in  jener  spräche  herauszufühlen,  der  hätte 
weil  mehr  Ursache  gehabt,  jene  Benennung  auf  die  span.  spräche  selbst 
überzutragen.  Die  veraltete  form  hermanfa  legt  aber  klar  zu  tage,  was 
sich  der  Spanier  unter  germanfa  dachte :  sie  kann  nur  von  hermano  (bruder) 
stammen,  welches  nie  für  den  völkernamen  Germanas  gesetzt  ward. 

Ginete  sp.  leichtbewaffneter  reiter,  auch  geschickter  reiter,  dsgl. 
leichtes  feines  cavalleriepferd  (daher  it.  ginnetto,  giannetto,  fr.  genet  span. 
pferd),  gineta  ort  zu  reiten  (mit  kurzen  bügeln),  ort  spieße  {wie  die 
leichten  reiter  sie  führten,  it.  giannetta);  entsprechend  pg.  ginete,  gineta. 
Vollständig  paßt  das  von  mehreren  aufgestellte  gr.  yvfivrjrrjg  leichter  krieger, 
erinnernd  an  griechische  herrschaft  in  Spanien.  Andrer  meinung  ist 
May  ans  y  Siscar,  Orig.  I,  102:  Cinetes  hießen  die  bewohner  des  Striches 
zwischen  dem  Vorgebirge  S.  Vincent  und  dem  Guadiana,  ihre  reiter  waren 
nur  mit  spieß  und  tartsche  bewaffnet,  und  von  ihnen  übertrug  man  den 
namen  auf  die  zum  schütze  der  span.  seeküste  gegen  maurische  piraten 
errichtete  reiterei:  das  sei  eine  historische  thatsache  (auf  die  wir  aber  nicht 
eingehn  können).  Diefenbach,  Orig.  europ.  p.  356,  ist  geneigt,  das  wort 
aus  ginnus  (yivvog)  herzuleiten,  das  aber  dem  begriff  wenig  zusagt.  Wenn 
er  dabei  'leichtes  pfer£  unbedenklich  für  die  erste  bedeutung  von  ginete 
erklärt,  so  ist  er  mit  den  span.  philologen  durchaus  im  Widerspruch,  die 
überall  den  reiter  voranstellen,  ja  selbst,  wie  Antonius  Nebrissensis  oder 
die  freilich  nicht  wortreiche  erste  ausgäbe  der  akademie,  die  bed.  pferd 
nickt  einmal  kennen. 

Giro  sp.  schön,  vollkommen  in  seiner  ort. 

Goivo  pg.  eine  blume;  nach  Nunes  de  Liäo  cap.  9  abgekürzt  aus 


456  ILb.   GOLDRE— GUILLA. 

leucoion  (levxmov)  weißes  Veilchen,  zusammentreffend  mit  altpg.  goivo 
s.  v.  a.  gozo,  aber  schwerlich  damit  identisch;  sonst  auch  mit  einem  worte 
arabischer  herkunft  alelf  genannt 

Goldre  sp.,  coldre  pg.  Jcöcher;  von  dem  gleichbed.  corytus,  wie 
Covarruvias  will. 

Gollizo  sp.  kehle;  von  gula,  sp.  gola. 

Gomia  sp.  (f.)  fresset;  von  gümia  mit  gl.  bed.  bei  Lucilius  und 
Aptdejus. 

Gorgojo  sp.  Jcornwurm;  von  curcnlio. 

Goto  pg.  Schlund;  von  guttur,  begrifflich  näher  liegend  als  guttus. 

Gozo  sp.  pg.  vergnügen,  vb.  gozar  (mit  de,  auch  mit  accus,  con- 
struiert)  genießen.  Die  übliche  herleittmg  ist  aus  gavisus  gavißare;  bes- 
sere anspräche  haben  gaudium  und  gustus.  Für  ersteres  redet  das  gleich- 
bed. cot.  gotj,  vb.  altval.  gotjar  (so  mitj  von  medius,  ratj  von  radius), 
für  letzteres  die  port.  form,  sofern  sie  o,  nicht  ou  setzt,  und  dieser  grund 
scheint  stärker,  auch  kann  das  veraltete  gostar  vermittelnd  eintreten.  Mit 
sp.  gozar  stellt  man  darum  besser  das  altval.  gozar,  cot.  gosar,  neupr. 
gausÄ,  maü.  golzä  zusammen,  welche  die  bed.  sich  erkühnen  (d.  h.  fröh- 
lich, üppig  sein)  entwickelt  haben,  also  mit  osar  zusammentreffen.  Eine 
ableitung  ist  sp.  rejocijo  lustbarkeit. 

Grietar  sp.,  gretar  pg.  sich  spalten,  aufreißen,  grieta,  greisk  spalte, 
riß,  lomb.  cretto  Jagemanns  wb.;  von  crepitare  bersten. 

Grillo  sp.,  cot.  grill,  pg.  grelo  Schößling  aus  dem  Samenkorn,  vb. 
sp.  grillar  ff.  sprossen.  Auch  altfr.  findet  sich  ein  gleichbed.  sbst.  grel, 
das  von  gracilis  herzustammen  scheint:  hieraus  könnte  das  port.  und  die 
übrigen  Wörter  entlehnt  sein,  eine  schon  von  andern  ausgesprochene  ver- 
muthung. 

Grima  sp.  cot.  grausen,  schauder  (nach  Covarruvias  das  entsetzen, 
das  man  bekommt,  wenn  man  etwas  schreckliches  sieht),  pg.  abneigung, 
Widerwille.  Muthmaßlich  aus  deutscher  quelle,  Ursache  für  Wirkung  gesetzt: 
ags.  grima  larve,  gespenst.  Spanische  etymologen  verweisen  auf  gr.  xQvpog 
frost.  Vielleicht  darf  man  hieher  nehmen  fr.  grimace  (f.),  sp.  grimazo, 
pg.  engrimaiiQO  Verzerrung,  verzerrte  oder  verzogene  figur. 

Grulla  sp.  kranich;  erklärt  sich  aus  gruicula. 

Guanir  sp.  grunzen;  ags.  v&njan,  ahd.  weinön  lacrimare,  vgl. 
comask.  s-guagni  wehklagen. 

Guarismo  sp.,  s.  oben  alguarismo. 

Gnedeja  sp.,  s.  unten  vedija. 

Guijo  sp.  kiesd,  kieselhauf%  gnija  kiesel,  viereckige  erbse,  guijarro 
kiesdstein.  Etwa  von  cubus  cubiculus  cuiclus  würfelchen?  Aber  ein- 
facher entspringt  es  aus  bask.  egniya  ecke,  kante,  wie  guijarro  aus  eguij- 
-arria,  egui-arria  eckstein,  s.  Larramendi.    Altsp.  für  guija  auch  grija. 

Guilefia  sp.  eine  pflanze,  aglei;  von  aquilina  bei  den  botanikern. 

Guilla  sp.,  gailha  pg.  reiche  ernte;  vom  arab.  gallah  einkünße  von 
einem  lande  oder  hause  (Engelmann). 


n.b.    GUINCHO— HALLAR.  457 

Guincho  sp.  stächet,  guinchar  stechen;  vgl.  guizgar  anspornen. 

Guita  sp.  pg.  starker  bindfaden,  schnür;  vgl.  ahd.  wita  haarband, 
dies  von  lat.  vitta. 

G  u  i  t  o  arag.,  cot.  guit  fehlerhaft,  ungelehrig,  boshaft  (von  lastthieren) ; 
unbekannter  herhunft. 

Game  pg.  (m.)  schärfe;  von  acumen. 

Gumia  sp.,  pg.  gomia,  agomia  doleh,  waidmesser;  schwerlich  von 
acumen,  weiches  regelrecht  agumbre  erzeugt  haben  würde. 

Gurrumina  sp.  übertriebene  unterwürfigheit  des  ehemannes;  bas- 
kischer herkunfl,  gur-mina  c  zuneigungs-übeV,  s.  Larramendi. 

Gusano  sp.  pg.  wurm;  von  cossus  holzwurm,  woher  auch  churw. 
C08S  engerling. 


H. 

Hacino  sp.  vrlt.  traurig;  unglücklich;  vom  arab.  (hazin  dass.  Frey- 
tag  I,  376b. 

Halagar  sp.,  früher  falagar,  afolagar,  ebenso  vol.  falagar  bei  A. 
Mareh,  aber  sclion  vor  ihm  bei  J.  Febrer  z.  b.  str.  130  halagar,  cat. 
a&legar,  pg.  syncopiert  afagar  liebkosen,  schmeicheln,  sbst.  halägo  u.  s.  w. 
Fal  läßt  sich  nicht  als  stamm  annehmen,  da  kein  span.  suffix  ag  vor- 
kommt, das  suffix  ic  aber  falcar  oder  folgar  erzeugt  hätte.  Darum  ist  es 
bedenklich,  das  wort  z.  b.  aus  der  interjeäion  hälo  Rz.  1334  abzuleiten, 
die  allerdings  eine  liebkosung  auszudrücken  scheint:  quando  eramancebo, 
desianme  halo!  halo!  agora  que  so  viejo,  disen  que  poco  valo.  Man 
wird  also  falag  als  stamm  setzen  müssen,  der  ober  nur  vermöge  einer  im 
span.  üblichen  einschiebung  aus  flag  oder  folg  erweitert  sein  kann.  Biesen 
stamm  mit  passendem  begriff  gewährt  unter  den  Quellensprachen  nur  die 
gothische  in  thlaihan  liebkosen,  trösten,  ivayxali&o&ai,  nagccxaletv,  sofern 
sich  dafür  eine  mdartl.  form  flaihan  annehmen  läßt  (denn  aus  jener  wäre 
sp.  tragar  geworden),  oder  die  hochdeutsche  in  flehön  schtneichdn,  bitten. 
—  Baß  das  bask.  palacatu,  balacatu  nicht  das  original,  sondern  der  ab- 
druck  des  span.  Wortes  sei,  bedarf  kaum  der  bemerkung.  —  Menage,  Orig. 
ital.  s.  v.  lusinga,  weist  auf  fallax,  aber  es  liegt  in  dem  wesen  der  aus 
adjectiven  geleiteten  transitiva,  eine  eigenschaft  auf  das  object  zu  über- 
tragen:  falagar  müßte  bedeuten  'betrügerisch  machen.  —  Endlich  ließe 
sich  das  span.  wort  auch  als  compositum  fa-lagar  fassen,  aber  nur  der 
zweite  theil  desselben  gäbe  einen  sinn,  vgl.  lagot  II.  c. 

Hallar  sp.  finden,  alt  fallar  {dieses  noch  üblich  in  der  bed.  ein 
urtheä  finden  =  äUfr.  trouver).  Vom  it.  follare  scheidet  es  sich  durch 
den  begriff.  Sollte  es  aus  ahd.  fallä  'decipula  gebildet  sein,  so  daß  es 
eigentl.  ertappen  bedeutete?  Aber  warum  dem  Südwesten  zwei  verschie- 
dene Wörter  für  denselben  begriff  zumuthen,  so  lange  sich  beide  noch  vor- 
einigen  lassen?    Bas  veraltete  falar,  wie  man  schrieb  und  vielleicht  auch 


458  IL  b.  HAMBRE— HEDRAR. 

sprach,  kann  nämlich  recht  wohl  umgestellt  sein  aus  pg.  aflar,  altsp.  ajar 
(s.  oben  achar);  .sind  auch  solche  den  anlaut  verändernde  Umstellungen 
selten,  so  kennt  doch  grade  die  span.  spräche  manche  beispiele,  Born, 
gramm.l,  295-6.  Ohne  Umstellung  der  Buchstaben  entstand  aus  aflar  die 
span.  form  ajar  beschimpfen,  mishandeln,  vgl.  die  Bedeutungen  des  lat. 
offendere  treffen,  finden,  beleidigen. 

Hambre  sp.  hunger;  von  fernes,  dem  man  den  genit.  faminis  bei- 
legte, altsp.  ferne,  sard.  famini.  Merkwürdiger  noch  ist  pg.  fome,  das 
mit  comask.  fom,  wal.  foame  übereinkommt. 

Ha r bar  altsp.  pfuschen,  sudeln. 

Harija  sp.  staubmehl;  nach  Larramendi  umgestellt  aus  bask.  jaria 
€etwas  das  sich  sertreu?  —  oder  sollte  es  aus  lat.  far  (farriculum)  ab- 
geleitet sein? 

Haron  sp.  faul,  träge,  altsp.  feron  *.  b.  caballo  Bz.  615;  buch- 
stäblich das  arab.  harön  halsstarrig. 

Harto  sp.,  altsp.  pg.  farto  gesättigt,  adv.  sp.  harto,  ältpg.  farte  ge- 
nug, daher  hartar,  fertar  sättigen;  von  farcire  fartus  vollstopfen. 

Hase  äs,  fescÄs  altsp.  adverb.  s.  v.  a.  paene,  ferme;  wohl  zsgs.  aus 
sp.  hasta-casi  bis  fast,  fast  sogar. 

Hasta  sp.,  altsp.  altpg.  fasta,  präposition  s.  v.  a.  tenus  usque  ad; 
zsgs.  aus  häcia  gegen  und  ata  bis?  über  letzteres  s.  unten  t&  Abgd.  vb. 
hastar  ausdehnen. 

Hastial  sp.  frontispiz  eines  gebäudes  u.  dgl.;  von  fastigium. 

Hato  sp.,  fato  pg.  kleidervorrath,  hausgeräthe,  überh.  habseligkeiten, 
auch  herde,  häufe;  entspricht  dem  ahd.  fezza  bündel  oder  formell  besser 
dem  neutr.  faz,  das  in  seiner  citn.  form  fat  Meid,  tasche,  fessd  bedeutet, 
vgl.  schwed.  fate-bur  vorrathskammer  für  kleidet  und  geräthschaften. 

Haz  altsp.  cdtpg.  (f.)  Schlachtordnung  PC.  708.715  u.  oft;  von  acies. 

Haza,  aza  sp.,  alt  faza  garbenfeld,  stück  bauland;  buchstäblich  das 
pr.  faissa  streifen  land,  wie  Raynouard  übersetzt,  also  lat.  feseia,  wiewohl 
der  logische  Zusammenhang  zwischen  streifen  land  und  dem  specialen  be- 
griff garbenfdd  nicht  Mar  hervortritt.  In  rhätischen  dialecten  ist  feseia, 
fäscia  ein  langer  schmaler  wiesenstreifen,  s.  Steubs  Bhät.  ethnologie  p.  89. 
Mit  Diefenbachs  herleitung  von  faza  aus  facies  erdoberfläche  (Goth.  wb. 
I,  74)  läßt  sich  das  prov.  wort  kaum  vereinigen,  da  facies  in  dieser 
spräche  die  bestimmte  form  fassa  bekennt ;  auch  ist  für  den  begriff  nichts 
damit  gewonnen.  Wie  verhält  sich  dazu  das  bask.  azaoa  garbe?  ist  es 
aus  heimischer  würzet? 

He  in  he-me,  he-te,  he-lo,  he-la,  sp.  adverb,  sich,  ecce;  statt  fe-me 
u.  s.  f.  und  dies  aus  ve-me  =  lat.  vide  me,  also  helo  =  iL  vello.  Andre 
beispiele  der  Verhärtung  des  v  zu  f  Rom.  gramm.  I,  288. 

Heb i IIa  sp,  schnalle,  gallic.  febilla;  dimin.  von  fibula,  pr.  fivela. 

Hebra  sp.  faden;  von  fibra,  ital.  wie  lat. 

Hediondo  sp.  stinkend;  gleichsam  foetebundus. 

Hedrar  sp.  zum  zweiten  male  umhacken;  von  iterare. 


IL  b.  HENCIIIR-HONTEM.  459 

Henchir  sp.,  pg.  encher,  altpg.  emprir  füllen,  anfüllen,  sbst.  altsp. 
encha  entschädigung,  genugthuung  (erfüllung);  von  implere,  it.  ömpiere. 

Henir  sp.  teig  kneten;  von  fingere  lüden,  zubereiten,  it.  fingere  ff. 

Hermano  sp.,  irmäo  pg.,  germä,  cat.  bruder,  fem.  hermana  ff.,  ab- 
gekürzt pg.  mano,  mana;  von  germanus  bereits  in  den  ältesten  Urkunden 
für  frater  (fraile),  das  dem  Ordensbruder  überlassen  ward  (fradre  leiblicher 
bruder  Apol.  591) ;  hermana  in  einer  Urkunde  v.  j.  998  Esp.  sagr.  XL, 
406.  Durch  die  einfiihrung  von  hermano,  hermana  beraubte  sich  die 
span.  spräche  der  wurzelverschiedenen  ausdrücke  frater  und  soror.  In 
der  venez.  mundart  ist  zerman  vetter,  eugino,  cousin  germain,  zermana 
base.  Eine  zss.  ist  sp.  cor  mano,  pg.  coirmäo  Stiefbruder  =  con-germanus. 

Herrn 080  sp.,  pg.  altsp.  fermoso  und  fremoso,  wal.  frumos  schon; 
von  formosus  (fuermoso  fermoso). 

Herpe  sp.  pg.  cat.  flechte  auf  der  haut;  vom  gr.  $Q7rfjg  um  sich 
greifender  schade,  hautgeschivür. 

Herrin  sp.  rost;  von  ferrngo  ferrnginis.  So  herrumbre  von 
ferrumen. 

,  Her yer o  sp.  Schlund,  kette;  vom  bask.  erbera,  dies  von  erachi  bera 
hinabsteigen  machen  (Larramendi). 

Hidalgo  sp.,  altsp.  pg.  fidalgo  edelmann;  zsgs.  aus  hijo  de  algo, 
daher  auch  hijodalgo,  pl.  hijosdalgo  gesagt  werden  kann.  Es  heißt  also 
der  söhn  oder  erbe  von  stand  oder  vermögen,  denn  beides  kann  algo,  lat. 
aliquod,  bedeuten:  almas,  cuerpos  et  algos  seelen,  leiber  und  vermögen 
Bz.  390.  Nach  S.  Bosa  hätte  schon  das  einfache  algo  persönliche  be- 
deutung  gehabt  (einer  der  etwas  ist),  daher  fijo  d'algo  söhn  eines  solchen 
mannes;  was  jedoch  unerweislich  scheint. 

Hilvan  sp.  heftnaht;  wird  mit  hilo  vano  (unnützer  faden)  erklärt. 

Hinchar  sp.,  inchar  pg.  aufblasen;  von  inflare,  it.  enfiare.  Daher 
sbst.  hincha,  incha  haß,  eigentl.  auf  getriebenheit  durch  leidenschaft. 

Hiniesta  sp.  ginster;  von  genista,  it.  ginestra. 

Hipo  sp.  der  schluchzen;  ein  Schattwort,  wie  es  wenige  gibt;  pg. 
8olu$o,  cat.  singlut,  vol.  changlöt. 

Hisca  sp.  vogelleim  (altsp.  fisca?);  von  viscum,  pl.  visca,  pg.  it. 
visco,  anlautendes  v,  wie  in  andern  fällen,  in  f,  sodann  in  h  verwandelt. 

Hito  sp.  schwarz. 

Hol  gar  sp.,  pg.  cat.  folgar  sich  ausruhen,  feiern;  vom  späteren  lat. 
follicare  ein-  und  ausathmen  wie  ein  blasbalg  (follis),  daher  ausschnaufen, 
sich  erholen,  sbst.  pg.  folego  athemholen.  Ein  ähnlicher  begriffsübergang 
im  it.  scialare  ausdünsten,  sich  wohl  sein  lassen. 

Hollejo  sp.  dünne  haut  der  fruchte;  von  folliculus  balg,  it.  follicolo. 

Ho  11  in  sp.  ruß;  von  fuligo  fuliginis,  it.  fuliggine. 

Hontem,  ontem  port.  adverb  für  lat.  heri.  Die  von  einheimischen 
etymologen  versuchte'  herleitung  aus  hodie  ante  entbehrt  jeder  stütze.  Sein 
Ursprung  scheint  in  ante-diem  zu  liegen,  welches  der  Spanier  in  der  form 
antedia  für  pridxe  gebrauchte:   denselben  sinn  drückte  auch  das  mlat. 


460  IL  b.  HORMAZO-IJAR. 

antedie  aus,  man  sehe  bei  Ducange.  Part,  ooyte  SRos.,  aus  einem  docu- 
ment  van  1743,  ist  vielleicht  ein  anderes  wort. 

Hormazo  sp.  mauer  van  trockenen  steinen;  schon  bei Plinius  IL  N. 
36,  14  parietes,  quos  appellant  (in  Hispania)  formaeeos,  quoniam  in 
forma  circumdatis  utrimque  duabus  tabulis  inferciuntur,  s.  Aldrete 
fol.  26* b. 

Hornabeqae  sp.  homwerk;  aus  dem  deutschen. 

Horro  sp.,  forro  pg.  frei,  alforria  freiheit  u.  a.;  vom  aräb.  'horr 
frei,  sbst.  al-'horrtjah  Freytag  I,  360«.  361*. 

Hostigar  sp.  nichtigen,  pg.  pr.  fustigar,  von  fustis. 

Hoto  altsp.,  foto  ältpg.  Sicherheit,  pg.  fouto,  afouto  sicher,  dreist, 
afoutar  dreist  machen,  altsp.  ahotado,  enhotado;  besser  von  fotus  gepflegt, 
unterstützt,  sbst.  fotus,  als  mit  Moraes  vom  unlat.  partieip  fautus. 

Hoya,  hoyo  sp.,  pg.  fojo  grübe;  von  fovea,  vgl.  foggia  IL  a. 

Hoz  sp.,  fouce  pg.  sichel;  von  falx,  fr.  faux  u.  s.f,  daher  das  (von 
Cabrera  erwähnte)  altsp.  vb.  hozar  abschneiden. 

Hoz  sp.,  foz  pg.  bergpaß,  mündung  eines  flusses;  von  faux,  it.  foce. 
Daher  auch  sp.  hozar,  pg.  fo$ar  in  der  erde  wühlen  (von  Schweinen), 
wenigstens  bedeutet  faux  in  der  span.  abl.  hocico,  pg.  focinho,  den  rüssd 
oder  die  schnauze  der  thiere. 

Huebra  sp.  (scheideform  von  obra)  morgen  land;  buchstäblich  werk, 
daher  tagewerk,  arbeit  eines  tages,  von  opera,  welches  der  Spanier  Colu- 
mdla  mehrfach  in  diesem  sinne  anwendet.  Concrete  bedeutung  zeigt  auch 
comask.  ovra,  bürg,  oeuvre  abgang  vom  flachs  oder  hanf,  werg,  werk, 
vielleicht  aus  dem  letzteren  deutschen  worte  übersetzt. 

Hueco  sp.,  oueo,  6co  pg.  hohl,  leer,  sbst.  sp.  hueco  höhlung,  loch, 
vb.  abuecar  aushöhlen,  dsgl.  die  erdschöllen  zerschlagen,  in  letzterem  sinne 
gewiß  von  occare.  Wäre  aber  die  von  J.  Grimm  und  Maßmann  für  das 
gothische  balk  dürftig,  mcoxog  aufgestellte  grundbed.  vaeuus  eine  thatsache, 
so  dürfte  man  in  oueo  einen  Sprößling  desselben  annehmen,  vgl.  z.  b.  pg- 
poupar  aus  palpare. 

Huero  sp.  unbefruchtet  (von  eiern);  nach  Cabrera  das  lat.  ürinus, 
gr.  ovQivog,  in  ovum  urinum  windet,  besser  das  gr.  ovgiog  =  ovQtvog, 
mit  Versetzung  des  i  uiro  uero  huero,  vielleicht  auch  güero  (wie  huerto 
und  güerto),  woraus  die  port.  form  goro,  vgl.  enguerar  FJ.  =  enhuerar. 

Hu  milde  sp.  pg.  demüthig;   von  humilis,  s.  Rom.  gramm.  I,  363. 

Huraco  sp.  loch,  horacar  nebst  horadar  durchlöchern;  von  forare 
(Covarruvias). 


i.  j. 

Ijar  sp.  (m.)  weiche,  pg.  ilhal  seite,  dttfr.  iliers  Ren.  IV;  von  lat. 
Ile,  ilia,  pr.  ilha.  Daher  auch  sp.  ijada,  dem  der  Portugiese  das  merk- 
würdige ilharga  zur  seite  stellte. 


IIb.   INDA-LACIO.  461 

Inda,  ainda^.  adverb  für  lat.  adhuc,  etiamnum  {altsp.  inde),  von 
inde  ad,  ab  inde  ad;  ainda  agora  von  ab  inde  ad  hanc  horam.  In  der 
bed.  'selbst,  sogar*  vergleicht  es  sich  dem  sinnverwandten  fr.  jusqu'ä. 

Izaga  sp.  binsenreicher  ort:  auch  bask.  izaga,  von  Ya  binse  und 
aga,  das  eine  fülle  bedeutet.    Man  sehe  Larramendi. 

Izquierdo  und  esquerro  sp.,  pg.  esquerdo,  cot.  pr.  esquer  (fem. 
eßquerra)  link.  Man  erklärt  es  aus  dem  gleichbed.  bask.  ezquerra,  dessen 
ursprünglichkeit  in  dieser  spräche  übrigens  nicht  durch  escua  (hand)  zu 
erweisen  ist,  da  dies  wort  in  keiner  Zusammensetzung  in  ezqn  (mit  stummem 
u)  ausartet.  Salaberry  gibt  eskuer  link,  esku-esker  linke  hand  (also  mit 
beigefügtem  esku  hand),  eskuin  rechte  seite.  Wie  rechtfertigt  sich  aber 
d  in  izquierdo?  Dieser  dental  wird  im  span.  hinter  1  oft  eingeschoben, 
niemals  hinter  r:  hat  er  also  seinen  grund  schon  im  baskischen,  aus 
welcher  spräche  Larramendi  in  der  that  ezquerdo  nebst  dem  vb.  ezquer- 
datu  anführt?  Vergleicht  man  bask.  lerr  neben  lerd  =  sp.  lerdo,  so 
könnte  man  sielt  versucht  fühlen,  in  ezquerr  eine  aus  ezquerd  geschwächte 
form  anzunehmen.  Aber  wir  gehen  auf  diese  frage  baskischer  philologie 
nicht  ein  und  verweisen  deshalb  auf  Mohns  Zergliederung  des  Wortes  p.  75. 
Was  jedoch  noch  den  arüaut  i  für  e  in  izquierdo  betrifft,  so  erklärt  er 
sich  aus  der  neigung  des  Spaniers,  den  vocci  e,  wenn  die  folgende  silbe 
den  diphthong  ie  enthält,  euphonisch  in  i  zu  verwandeln,  wie  in  simiente 
(sementis)  u.  a.,  Born,  gramm.  I,  176. 

Jabali  sp.,  pg.  javalf  (fehlt  cot.)  eber,  keiler,  sp.  jabalina  bache, 
lehne.  Arab.  chinztr  gabali  ist  bei  Pedro  von  Alcala  =  sp.  puerco 
montös  berg-  oder  Wildschwein:  der  Spanier  begnügte  sich  mit  dem  zweiten 
arab.  wort  =  montäs  (wild)  zur  bezekhnung  des  thieres,  s.  Engelmann. 

Jaez  sp.,  jaez  pg.  Pferdedecke,  Meid,  rock;  vom  arab.  gahaz,  gehaz 
geräthe  Freytag  I,  318a.  318h. 

Jorgina,  jorguina  sp.  hexe;  vom  gleichbed.  bask.  sorguiüa,  sorguina, 
dies  nach  Larramendi  von  sorr  unempfindlich  (warum  nicht  vom  lat.  sors, 
sp.  suerte,  bask.  zortea?)  und  guina  machend.  Daher  enjorguinar  rußig 
metchen  wie  die  durch  den  Schornstein  fatirenden  hexen  thun,  s.  Govarruvias, 
der  auch  das  gleichbed.  holgina,  holgin  aus  jorgina  entstehen  läßt. 


L. 

Labareda,  lavareda  pg.  flamme;  ist  mit  Moraes  herzuleiten  aus 
labarum  fahne,  wegen  ihrer  wällenden  bewegung.  Die  umgekehrte  begriff s- 
entwicklung  in  flamma,  flammula  s.  oriflamme  27.  c.  Eine  gelehrte  unter- 
suckung  über  labarum  aber  findet  sich  bei  Mahn  p.  66  ff. 

Labriego  sp.,  labrego  pg.  feldarbeiter,  bauet;  von  labor  in  der 
bed.  feldarbeit,  s.  Ducange. 

Ldcio  sp.  welk;  von  flaeeidus,  wie  die  Schreibung  lhacio  =  llacio 
bei  Berceo  beweist,  vgl.  llama  von  flamma,  Lainez,   Llainez  von  Flainiz. 


4G2  IIb.   LACRA-LECHON. 

Lacra  sp.  narbe,  mangel,  gebrechen,  vb.  lacrar  Schaden;  vergleichen 
darf  man  mndl.  laecke,  altengl.  lake,  neuengl.  lack  fehler. 

Ladrillo  sp.,  ladrilho  pg.  lackstein;  von  laterculus  dasselbe. 

Lagar  sp.  pg.  heiter,  weinpresse;  von  lacus  kufe  für  den  gepreßten 
wein,  woher  auch  bask.  lacoa  in  erster  bedeutung. 

L aiv  o  pg.  Schmutzfleck;  etwa  von  labes,  woraus  man  ein  adj.  labeus 
leitete. 

Lambrija  sp.,  lombriga  pg.  wurm  in  den  eingeweiden;  von  lum- 
bricus,  it.  lombrio.    Span,  auch  lombriz. 

Lampo  pg.  frühreif. 

Lande  sp.  pg.  eichet,  landre  (f.)  drüsengeschtoulst;  von  glans, 
glandula,  vgl.  liron  von  glis. 

Lapa  pg.  höhle  an  der  Seite  eines  berges;  wird  aus  dem  gr.  Xana&ov 
(grübe)  gedeutet. 

Lapa  sp.  dünne  haut  auf  flüssigkeiten,  kahm;  vom  gleichbed.  gr.  Xanr}, 
Xa(.mi).     Vgl.  auch  bask.  lapa  weinhefe. 

Lasca  sp.  platte,  dünner  flacher  stein,  lederstreif;  umgestellt  aus 
laxus,  laxa  schlaff,  demnächst  lappenartig,  denn  auch  sp.  laxa  (laja)  ist 
dafür  üblich.  Port,  sagt  man  lasca  de  prestmto  schnitte  Schinken.  Sinn- 
verwandt, aber  nicht  daher  zu  leiten,  ist  das  deutsche  lasche  einge- 
setztes zeug-  oder  lederstück,  worüber  Weigand  s.  v.  Span,  lancha  s. 
v.  a.  laxa. 

Lastar  sp.  pg.  für  einen  andern  zahlen  unter  vorbehält  der  rück- 
Zahlung,  auch  fremde  schuld  büßen,  sbst.  lasto.  Ein  gerichtlicher  ausdruck : 
um  so  eher  darf  man  deutsche  herkunft  vertnuthen,  goth.  laistjan  folgen, 
besser  ahd.  leistjan,  leisten  s.  v.  a.  nhd.  Vielleicht  aber  ist  das  span. 
wort  nur  abgekürzt  aus  dem  passenderen  ahd.  fol-leisten  beistand  gewähren. 

Lau  na  sp.  metallplatte,  degenklinge,  art  ziegelerde.  Nicht  von  la- 
mina,  woher  es  geleitet  wird,  sondern  von  l&ganum  platter  kuchen,  g  in  u 
verwandelt  wie  in  sagma  salma  sauma  (soma). 

Lavanco  sp.  pg.  wilde  erde;  vogel,  der  sich  badet,  von  lavare,  wie 
engl,  duck  ente  eigentlich  taucher  heißt. 

Laya  sp.  pg.  art,  beschaffenheil.  Es  trifft  äußerlich  mit  dem  dltn. 
ags.  lag,  engl,  law,  mhd.  leye  Ordnung,  gesetz,  art  zusammen,  ist  aber 
anderes  Ursprunges.  Es  bedeutet  eigentlich,  wie  auch  im  basischen,  ein 
ackerwerkzeug,  mit  welchem  immer  mehrere  nebeneinander  stehende  leute 
arbeiten,  daher  die  redensart  son  de  la  misma  laya  sie  sind  eines  gdich- 
ters.  So  W.  v.  Humboldt  im  Mithridates  IV,  298  und  schon  Larramendi 
s.  v.  Damit  ist  freilich  die  bask.  herkunft  des  Wortes  noch  nicht  ausge- 
macht. —  [Mahn  p.  9  erkennt  es  dieser  spräche  zu.] 

Lebrillo  sp.  ein  gefäß;  von  labrum  (Cabrera). 

Lech  in o  sp.,  lichino  pg.  wieke,  charpie;  bei  Vegetius  De  arte  vet. 
licinium,  von  licium. 

Lechon  sp.  schwein;  nach  Cabrera  ursprüngl.  Spanferkel,  vom  sp. 
leche  milch.    Daher  auch  lechuzo  noch  saugendes  maulthier. 


„  IIb;   LEGAMO— LLEGAR.  463 

L£gamo  sp.  schlämm,  lehmboden,  alt  lägano;  von  uligo  uliginis 
feuchtigkeit  der  erde,  wie  Cabrera  richtig  anmerkt,  nicht  vom  bask.  legamia 
Sauerteig,  das  übrigens  selbst  ein  roman.  wort  ist,  fr.  levain. 

Leira  pg.  beet.  Ist  es  von  lira  furche,  so  muß  man  ihm  zunächst 
ein  adj.  lirea  unterlegen.  Aber  das  dttpg.  laira  de  terra  stück  land  SBos. 
macht  diese  herleitung  verdächtig,   da  ai  nicht  aus  i  oder  i-e  hervorgeht. 

Lelo  sp,  einfältig,  dumm;  nach  Larramendi  vom  bask.  lela  oder 
loloa  'ohne  sah\    S.  darüber  Mahn  p.  68. 

Lerne  sp.  pg.  (fehlt  cot.)  Steuerruder.  Als  eine  ableitung  darf  man, 
wegen  der  ahnlichkeit  beider  dinge,  betrachten  sp.  limon,  fr.  limon, 
daher  ndl.  lamoen,  deichsei,  eigenü.  eine  der  beiden  Stangen  einer  gabd- 
deichsd.  Dieselbe  begriffsberührung  im  chw.  tiraun  deichsei,  Steuerruder, 
pg.  temäo,  timäo,  deichsei,  timoneiro  Steuermann,  dlban.  timoni  rüder, 
alle  vom  lat.  temo.  Lerne,  limon  nehmen  ein  Stammwort  lim  in  ansprach ; 
ein  solcJtes  mit  der  bed.  glied  gewährt  die  ags.  und  altnord.  spräche: 
Steuer  und  deichsei  eis  glied  oder  gelenk  des  Schiffes  und  wagens  aufgefaßt 
wäre  passend  genug  und  jeder  zweifei  würde  schwinden,  wenn  das  roman. 
wort  eine  spur  jener  grundbedeutung  zu  erkennen  gäbe.  Mlat.  limo  im 
Vocab.  opt.  p.  30b,  wo  es  aber  den  naget  an  der  nahe  bedeutet.  Das 
watton.  limon  balken  ist  wohl  von  limen  schwelle. 

Levantar  sp.  pg.  aufheben;  participialverbum  von  levare  levans. 

Leve  pg.  lunge  (nur  im  plur.  üblich),  ebenso  eilt-  und  neupr.  leu, 
chw.  lev;  pr.  levada  gelänge;  von  levis,  weil  sie  wegen  ihrer  schwam- 
michten  Beschaffenheit  leichter  ist  als  andre  eingetoeide,  daher  auch  sp. 
livianos  (pl.),  engl,  lights. 

Lex os  sp.  adverbium  für  lat.  lange,  auch  adjeetiv  in  den  plural- 
formen lexos,  lexas;  nicht  von  longus,  es  erklärt  sich  ohne  zwang  aus 
laxns  weit.  Die  alte  spräche  brauchte  noch  luefie  =  longe,  im  Canc.  de 
Baena  findet  sich  selbst  lengos,  das  für  lifengos  stehen  muß. 

Linde  sp.  altpg.  (m.  f.),  neupg.  linda  gränze,  von  limes  limitis, 
pr.  limit  ff.;  vb.  lindar  sp.  pg.  angränzen,  von  limitare;  pr.  lindar 
schwelle,  von  limitaris.  Dahin  auch  das  mit  letzterem  gleichbed.  sp.  lintel 
und  dintel. 

Lirondo  sp.  rein,  unvermischt. 

Lisiar  sp.  verstümmeln,  cat.  lesiar,  pg.  lesar;  participialverbum  von 
laedere  laesus;  altsp.  lision  =  lat.  laesio. 

Llanten  sp.  ein  kraut,  wegerich;  von  plantago,  it.  piantaggine. 

Lleco  sp.  adj.  noch  nie  angebaut;  unbekannter  Herkunft. 

LI e gar  sp.,  chegar  pg.  1)  nähern,  2)  intrans.  ankommen,  daher 
sieü.  ghicari,  das  Pasqualino  vom  gr.  *i%tu)  herleitet.  Von  plicare  biegen, 
wohin  biegen  d.  i.  nähern,  eine  auch  dem  it.  piegare  vergönnte  bedeutung: 
come  il  vento  a  noi  gli  piega  =  sp.  llega  Inf.  6,  79.  Die  etymologie 
ist  unzweifelhaft,  da  im  altspan.  die  form  plegar  für  llegar  vorkommt: 
los  companneros  plegaron  a  Guiraldo  (kamen  an  bei  G.)  Bc.  Mtl.  194, 
vgl.  Apol.  91,  wo  plegar  vereinigen  bedeutet.     Vielleicht  aber  gieng  diese 


464  IIb.  LLOSA-LUGAR.     . 

bedeutung  erst  von  dem  zsgs.  allegar,  achegar,  lat.  applicare  (anfügen, 
wohin  neigen)  auf  das  einfache  wort  über.  Man  leite  es  also  nicht  von 
ligare  binden,  verbinden,  wie  lockend  auch  das  gleichbed.  it.  giugnere,  von 
jüngere,  dasteht;  noch  von  legare  senden,  da  lat.  1  im  port.  nie  eis  ch 
auftritt.  Auch  die  altsp.  Schreibung  legar  beweist  nicht  für  ligare,  man 
drückte  anlautendes  11  gewöhnlich  durch  einfaches  1  aus. 

Llosa  sp.  geschlossener  kämpf  platz,  pg.  chousa  kleiner  eingehegter 
platt;  vom  lat.  part.  clausa  (it.  chiusa). 

Loba  sp.pg.  ermelloser  leibrock  derpriester;  vom  fr.  Taube  chorhemd. 

Löbrego  sp.pg.  traurig,  dunkel;  umgestellt  aus  lugubris,  ü.  lugubre. 

Logro  sp.pg.  gewinn,  besitz,  auch  pr.  logre,  vb.  lograr;  twnlucrum, 
lucrari.  Zsgs.  mit  malo  sp.  malogro,  pg.  mallogro  schlechter  erfolg,  vb. 
malograr,  mallograr  vereiteln. 

Lomo  sp.,  auch  pr.  lom,  der  untere  theil  des  rückens,  kreuz,  dsgl. 
loma  bergrücken;  von  lumbus  mit  bekanntem  ausfalle  des  b  nach  m,  it. 
aber  lombo. 

Longaniza  sp.  eine  art  wurste;  vom  lat.  longäno  mastdarm,  bei 
Coelius  Aurel.,  vgl.  longabo  in  der  bed.  wurst  bei  Apicius.  Mit  unrecht 
also  leiten  es  Govarruvias  und  Cabrera  aus  lucanica. 

Loro  sp.,  louro  pg.  gelb,  goldgelb  (von  der  reifen  saat),  auch  bräun- 
lich. Von  luridus  blaß,  gelblich,  meint  Nunes  de  Liäo  cap.  7.  Dieses 
hat  seinen  ausdruck  im  sp.  pg.  lerdo  gefunden.  Der  port.  diphthong  ou 
=  sp.  o  des  gegenwärtigen  wortes  weist  auf  lat.  aureus,  welchem  der  ar- 
tikel  lo  vorgesetzt  sein  müßte,  tvas  bei  einem  adjeetiv  fast  ohne  beispid 
ist.     Von  aureolus,  mit  versetjsung  des  1  wäre  noch  kühner.  Vgl.  lazzo  L 

Lo  ur  &  pg.  kaninchenholde;  wird  von  laurex  (junges  kaninchen)  her- 
geleitet, womit  sich  allerdings  auch  eine  noch  vorhandene  zweite  form 
lousa  (s  aus  9  in  lauricem)  wohl  verträgt. 

Loza  sp.  irdenes  geschirr;  von  Intens,  woher  auch  churw.  com.  lozza, 
romagn.  lozz  leiten,  schlämm  u.  dgl. 

Lozano  sp.,  louzao  pg.  fröhlich,  munter,  zierlich;  erinnert  an  goth 
laus,  ahd.  lös  leer,  leicht,  anmuthig,  lieblich  (pg.  ou  =  goth.  au).  Das 
picard.  und  tvallon.  bieten  auch  das  einfache  loss  mit  der  bed.  spaßhaß, 
muthwillig;  dsgl.  scheint  in  lotnb.  (bresc.)  lösiti  eitdkeit  das  deutsche  lös 
durchzuringen  (Rosa,  nach  andern  lözita). 

Lua  altsp.,  luga  vol.,  besser  pg.  luva  handschuh;  offenbar  vom  goth. 
löfa  (m.),  dUn.  löfi  flache  hand,  ags.  glöfa  (m.),  engl,  glove  handschuh. 

Lncillo  sp.  steinernes  grab,  altsp.  auch  locilo,  dltfr.  luseau;  von 
locellus  kästchen,  loculus  sarg,  im  mlatein. 

Lugär  sp.  pg.,  vrlt.  logar,  ort;  an  die  stelle  des  zum  adverbium 
gewordenen  luego  (locus)  getreten;  von  localis,  das  suffix  al  mit  ar  ver- 
tauscht, wie  oft  auf  diesem  gebiete,  wobei  jedoch  das  gemeinroman.  local 
nicht  aufgegeben  ward. 


IIb.   MACHO-MANCEBO.  465 


M. 

Mac  ho  sp.pg.mann,  männlich.  Es  ist  vergebliche  mühe,  dieses  wort 
aus  masculus  zu  ziehen,  da  s  vor  c  nicht  austritt:  altspan.  sagte  man 
masclo  (vgl.  mesclar  und  ohne  ausfall  des  vocals  discolo,  muscolo  u.  a.), 
ja  das  alte  maslo  Bc,  SPart.  und  muslo  zeigen,  daß  eher  c  als  s  in 
dieser  Verbindung  schwindet.  Mit  macho  bezeichnet  der  Spanier  einen 
hammer,  daher  machar,  machacar,  machucar  stampfen,  machado  (für 
machardo?)  holzaxt,  maohete  kurzer  breiter  säbel.  Für  das  wort  in  dieser 
zweiten  bedeutung  läßt  sich  jedesfalls  ein  befriedigendes  etymon  aufzeigen : 
wie  sacho  aus  sarculum,  ebenso  entstand  mit  unterdrücktem  r  macho  aus 
marculus,  dessen  primitiv  marcus  tmalleus  major  bei  Isidorus  vorkommt, 
altit.  marco  PPS.  II,  17.  In  der  ersteren  bed.  mann  wird  macho  das- 
selbe  wort  sein:  auch  it.  marcone  ehemann  (bei  Veneroni)  scheint  aus 
marcus  abgeleitet.    Das  vb.  marclar  hämmern  besitzt  die  churw.  mundart. 

Macf  o  pg.  geschmeidig;  nach  Sousa  vom  arab.  masfh  dass.  Freyt. 
IV,  177K 

Madera  und  madero  sp.,  madeira  pg.  Zimmerholz;  von  materia, 
materies  mit  gl.  bed. 

Madrugar  sp.  pg.  früh  aufstehn,  altsp.  madurgar;  s.  v.  a.  maturi- 
care,  von  maturas  zeitig. 

Maiz  sp.  türkisches  körn;  amerikanisches  wort,  aus  Haiti. 

Majada  sp^  malhada  pg.  schafstall,  auch  herber ge;  leitet  man  von 
magalia  zelte  (magaliata  magliata).     Vgl.  unten  naguela. 

Majo  sp.  zierlich,  geputzt,  daher  wohl  cot.  maco. 

Maisin  sp.,  malsim  pg.  angebet,  aufhetzet )  malsinar  angäben,  ver- 
leumden u.  dgl.  Letzteres  soll  aus  male  signare  entstanden  sein :  da  je- 
doch die  namen  handelnder  personen  nicht,  oder  wenigstens  überaus  selten, 
ohne  suffix  aus  verbis  abgeleitet  werden  (s.  vorrede),  so  ist  zu  bedenken, 
ob  maisin  nicht  aus  mal-vecino.  (böser  nachbar)  gebildet  sein  könne,  um 
so  mehr,  da  auch  die  ital.  und  altfr.  spräche  eine  zss.  malvicino,  mal- 
voisin  besitzen. 

Malvar  altsp.  böse  machen,  nsp.  malvado,  pr.  malvat  boshaft,  mal- 
vadesa  bosheit.  Malvar  ist  ohne  zweifei  zusammengeschmolzen  aus  mal- 
lerar  (vgl.  malograr  für  mal-lograr)  und  bedeutet  also  eigentl.  übel  er- 
ziehen, Übel  anleiten. 

Mamparar  altsp.  attpg.  schützen;  von  manu  parare  mit  der  hand 
bewahren,  s.  parare  I.    Zsgs.  altsp.  desmamparar  s.  v.  a.  desamparar. 

Mancebo  sp.,  pr.  altfr.  mancip,  massip  junger  bursche,  fem.  man- 
ceba,  mancipa;  vom  lat.  mancipium  eigenthum,  sJdave,  so  daß  also  mas- 
culin  und  feminin  aus  einem  neutrum  moviert  wurden,  wie  z.  b.  aitn. 
thyr  (m.)  servus  aus  thy  (n.)  mancipium,  s.  Grrimm  III,  332  note.  Das 
masc.  mancipius  L.  Sei.  tit.  82,  und  im  späteren  ndatein. 

80 


466  IIb.   MANDIL— MARCHITO. 

Mandil  sp.  pg.  schürze,  auch  pf erdedecke,  pr.  mandil  tdleriuch 
Flam.,  Arn.  Vid.,  vom  arab.  mandil  tuch  zum  abwischen,  dies  vom  byzant. 
fiavd-rjfoov,  entlehnt  vom  tat.  mantile  (Dozy  Gloss.). 

Mandria  sp.  (f.)  feige  memme;  nach  Larramendi  das  bask.  eman- 
drea  schwaches  weib,  vgl.  pg.  mandriäo  ein  hauskleid  der  weiber. 

Mangla  dltsp.,  mangra pg.mehlthau;  entstellt  aus  melligera  honigthau? 

Mangual  sp.,  mangoal  pg.  streitkolben,  dreschflegd;  von  manualis 
was  mit  beiden  händen  geführt  wird;  s.  Über  das  eingeschobene  g  me- 
novare  I. 

Manir  sp.  das  fleisch  mürbe  werden  lassen,  ehe  man  es  genießt;  von 
manere  bleiben,  warten,  daher  warten  lassen,  liegen  lassen  (Covarruvias). 

Manojo  sp.,  manolho,  molho  pg.  handvoll;  von  mannpulus  für 
manipulus,  it.  manipolo  ff. 

Man s  er  sp.  Tdnd  einer  öffentlichen  dirne,  schon  bei  Sedulius;  vom 
rdbbinischen  mamser  Buxtorf  p.  1184.    Näheres  bei  Ducange  v.  manzer. 

Manteca  sp.,  pg.  manteiga,  cat.  mantega  butter,  schmalz,  daher 
wohl  erst  neap.  manteca  butter  von  Schafmilch,  sicä.  fetter  theü  des  käses, 
ital.  pommade.  Batyrum  fehlt  dem  Südwesten,  nur  butirada  butterweck 
kennt  S.  Rosa,  manteiga  findet  sich  schon  in  einer  Urkunde  vom  j.  1200 
Elucid.  I,  308.  Dieses  wichtige  dem  Araber  sowohl  wie  dem  Basken  un- 
bekannte wort  {letzterer  sagt  burra  oder  guria)  darf  nicht  ohne  den  ver- 
such einer  deutung  dastehen.  Die  Araber  bedienten  sich  der  schlauche  eur 
bereitung  der  butter,  für  welche  butterscMäuche  sie  mehrere  ausdrücke 
haben  (kerbäh,  na  ht  u.  s.  w.).  Dieser  gebrauch  läßt  sich  auch  bei  den 
Spaniern  voraussetzen.  Hieß  ihnen  der  dazu  bestimmte  schlauch  etwa 
mantica  (mit  verschobenem  accent  mantäca),  so  konnte  das,  worin  die 
butter  zubereitet  ward,  der  butter  selbst  den  namen  geben,  wie  in  der 
sicil.  mundart  forma  den  in  einer  form  bereiteten  käse  bedeutet.  Man  er- 
wäge und  sehe  sich  weiter  um. 

Manzana  sp.,  alt  mazana  Alx.,  Cal.  e  D.,  pg.  mazäa  apfd;  tat. 
malum  Matianum  nach  einer  person  benannte  sorte  äpfel;  s.  auch  Isidor. 
17,  7,  3. 

Mafia  sp.,  manha  pg.,  maina  bask.  fertigkeit,  arglist.  Sott  aus 
manus  entsprungen  sein,  aber  wie?  Es  konnte  sich  vielmehr  ganz  regd- 
recht  bilden  aus  lat.  machina  mach'na  list,  kunstgriff.  Daher  wohl  auch 
das  unerklärtiche  it.  magna  no  (cat.  manyä,  fr.  mdart l.  magnan,  magnier, 
wallon.  sogar  mignon)  Schlosser,  eigenü.  artifex.  Aber  anderes  Ursprunges 
ist  doch  wohl  das  it.  man  na,  sp.  mana  bündel  z.  b.  flachs,  reiser,  vb. 
it.  ammannare,  ammannire  in  büschel  theilen,  überhaupt  zusammentragen, 
ordnen,  an  das  gael.  mam  handvoll  (plur.  maim)  erinnernd,  womit  schon 
P.  Monti  das  com.  man  zusammenstdlt. 

Maravedf  sp.  pg.,  pr.  marabotin,  eine  spanische  münze;  vom  arab. 
völkemamen  mor&bftin  (Sousa  u.  a.),  s.  auch  Sarmiento,  Obras  postumas 
p.  131,  und  S.  Rosa  s.  v.  maravidil. 

Marchito  sp.  welk,  daher  marchitar   welk  machen;  muthmafAich 


IL  b.  MARFIL— MATA.  467 

dimintäivform  eines  verlorenen  adj.  marcho,  entsprechend  dem  it.  marcio, 
pr.  marcit,  -ida,  von  marcidus.  Eine  andre  deuiung  scheint  das  sufßx 
it  nicht  zu  gestatten.    Das  port.  wort  ist  murcho,  s.  unten. 

Marfil  sp.  (auch  franz.),  marfim  pg.dfenbein;  wird  hergeleitet  aus 
einer  Verbindung  der  arab.  Wörter  näb  zahn,  fil  elephant,  woraus  aber 
das  romanische  wort  nicht  wohl  entstehen  konnte,  s.  das  nähere  bei  Enget- 
mann-Dozy  p.  302.  Das  älteste  beispiel  dieses  Wortes  findet  sich  im  span. 
mütetlatein  (aer.  930),  worin  es  al-mafil  lautet  DG. 

Mariposa  sp.  pg.  cot.,  sard.  maniposa  Schmetterling.  Die  von 
.  Mahn  p.  9  gegebene  erldärung  dieses  wertes  aus  mar  y  posa  meer  und 
ruhe  =  bewegung  und  ruhe  ist  schön,  leidet  aber  daran,  daß  meer  und 
ruhe  "keine  gegensätze  sind  und  das  bild  überhaupt  für  das  flattern  des 
Schmetterlings  zu  erhaben  ist.  Der  Portugiese  besitzt  für  das  wenig  übliche 
dem  span.  entnommene  mariposa  ein  gleichfalls  mit  posa  gebadetes  wort 
pousa-lousa.  Dieses  gestattet  eine  (vielleicht  eu  gewagte)  deutung:  es  ist 
=  pou8'  &  lousa  d.  i.  Ksetz  dich  auf  den  grabstein,  in  beziehung  auf  die 
sitte,  Schmetterlinge  als  Sinnbilder  der  seele  auf  grdbsteinen  abzubilden. 

Marrano  sp.  (daher  das  gleichlaut.  ital.  wort)  verflucht,  verbannt, 
ursprüngl.  getaufter  Jude  von  verdächtiger  bekehrung  (anders  S.  Rosa  s.  v.). 
Nach  einigen  vom  hebr.  marah  sich  auflehnen,  nach  Govarruvias  vom  sp. 
vb.  marrar  fehlschlagen,  abirren,  doch  pflegt  sich  das  suffix  ano  nicht  mit 
verbis  zu  verbinden.  Das  fem.  marrana  wird  auch  auf  die  sau  angewandt, 
das  im  sinne  der  Juden  verfluchte  thier? 

Marras  sp.  cot.  adverb  für  tat.  olim;  ist  das  arab.  marrah  semel 
Gol.  2209. 

Marron  sp.  (bei  Cabrera,  der  maron  schreibt),  cat.  marrä  widder, 
gleichbed.  occit.  marra  und  mar-mouton,  bask.  marroa;  vb.pg.  marrar  mit 
den  hörnern  stoßen  (von  bocken  gebraucht).  Lateinischer,  nicht  etwa 
iberischer  herhmft,  von  mas  maris:  Isidorus  12,  1,  11  nämlich  bemerkt, 
daß  der  widder  oder  bock  in  Spanien  mas  (männchen)  genannt  werde: 
apud  nos  in  gregibus  mares  dicuntur;  grex  aber  ist  ihm  nur  die  schaf- 
oder  ziegenherde  s.  12,  1,  8.  Auch  der  Sarde  nennt  den  widder  mascu 
(masculus).  Der  nämlichen  herkunß  ist  auch  sp.pg.  marra  hanmer,  vgl. 
die  berührung  dieses  begriffes  mit  'mann  oben  unter  macho.  Für  marron 
ist  der  übliche  span.  ausdruck  moruecO,  muthmaßlich  abgeändert  aus 
maraeco,  um  es  vom  geograph.  namen  Marruecos  zu  scheiden  —  oder 
sollte,  da  das  veraltete  murneco  auch  mauerbrecher  heißt,  dies  die  Urbe- 
deutung gewesen  und  das  wort  aus  mnrus  abgeleitet  sein?  allein  das 
suffix  würde  diesen  sinn  nicht  ausdrücken  können. 

Mastranto,  mastranzo  sp.  eine  pflanze,  wilde  münze;  durch  Ver- 
setzung entstellt  aus  mentastrum,  it.  mentastro. 

Mata  sp.  1)  gesträuch,  gebüsch,  baumstück,  2)  Strauch,  busch,  staude; 
pg.  mata,  mato  nur  in  ersterer  bed.  Bereits  in  einer  Urkunde  aus  Spanien 
vom  j.  876  mata,  nach  Ducange  ein  ackermaß,  vgl.  aber  ipsum  forest 
Tel  ipsam  matam,   qnae  dicitur  silva  S.  Romani,  also  wohl  gebüsch. 


468  IIb.  MATAR— MERENCORIO. 

Vielleicht  ein  goth.  wort,  von  maitan  abhauen,  bair.  maife  Sekundier  II, 
627  abgetriebener  platz  im  waide  (wo  buschwerk  entsteht),  mhd.  meiz 
Wb.  II,  132. 

Matar  sp.  pg.  pr.  schlachten,  tödten,  auslöschen;  von  maetare.  Zsgs. 
rematar  enden,  remate  ende? 

Matiz  sp.  (m.)  Schattierung,  abstufung  der  färben,  vb.  mati^ar. 
Die  bei  SecJcendorf  bemerkte  deutung  aus  sp.  mata  (buschwerk)  bestätigt 
sich  durch  das  it.  macchia  1)  buschwerk,  2)  Schattierung.  Man  nahm 
also  den  ausdruck  von  dem  übergange  des  heiteren  in  dunkleres  grün,  wie 
dies  eine  mit  gebüsch  bewachsene  atihohe  darbietet. 

Matraca  sp.  pg.,  daher  it.  matracca,  klapper;  vom  ardb.  mftraqah 
hammer  Freyt.  III,  63b. 

Mayota  sp.  erdbeere;  eigentl.  maifrucht,  von  majus;  so  auch  maü. 
magiostra,  occit.  majoufo. 

Mazmorra  sp.  pg.  unterirdischer  kerker;  vom  arab.  ma'tmörah 
keUer  u.  s.  w.  Freyt.  III,  71*. 

Mear  sp.,  pg.  mijar;  von  mejere  mit  einer  in  diesen  sprachen  selte- 
nen umbiegung  in  die  1.  coryugation.  S.  Born,  gramrn.  I,  20.  In  spä- 
terem ndatein  meiare,  meigare  Dief.  Gloss.  lat.  germ.  364*. 

Mecer  sp.  schütteln,  ein  kind  wiegen;  von  miscere  mischen,  um- 
rühren, pg.  mexer,  it.  mesoere. 

Media  sp.,  meia  pg.  strumpf;  eigentl.  media  calza  halbes  beinkleid. 

Med  rar  sp.  pg.  gedeihen;  von  meliorare,  eigentl.  für  meldrar.  Ähn- 
lich ist  die  einschiebung  des  d  vor  r  mit  unterdrücktem  h  =  j  im  pg. 
pindra  aus  pinhora. 

Mego  sp.,  meigo  pg.  sanft,  gefällig  z.  b.  im  umgange.  An  gr. 
jualcniog  ist  nicht  zu  denken.  Man  erinnert  an  engl,  meek,  dies  ist  aber 
=  goth.  nraks,  dltn.  miukr  (Grimm  P,  386),  die  einen  eu  dem  roman. 
worte  nicht  passenden  vocal  haben.  Die  lösung  liegt  nahe:  es  ist  vom 
gleichbed.  mitifiens,  oder  besser,  da  die  zusammenziehung  hart  wäre,  här- 
ter als  in  santiguar  aus  sanetificare  (s.  unten),  von  mitigatns,  welches  be- 
handelt ward  wie  cordatus  in  cuerdo.  Zu  mego  paßt  ein  prov.  adj.  mec 
PO.  364,  dessen  bedeutung  aber  unsicher  ist. 

Mella  sp.  scharte,  lücke. 

Mellizo  sp.  zwilling;  von  gemellus,  gleichsam  gemellicius. 

Membrillo  sp.,  besser  pg.  marmelo  quitte,  daher  quittenmus;  von 
melimelum  ort  süßer  äpfd,  eigentl.  honigapfd,  weU  man  die  quiüen  mit 
honig  kochte,  wie  später  mit  zucker.    S.  Ferrari  s.  v.  marmellada. 

Menear  sp.  pg.  handhaben,  rühren,  gesclwfte  führen;  scheint  nicht 
von  minare,  it.  menare,  theils  weil  verba  mit  dem  suffixe  ea  denominativ 
sind,  theils  weil  keine  der  andern  sprachen  ein  solches  verbum  besitzt; 
sondern  von  manus,  also  eine  nebenform  von  manear,  it.  maneggiare,  fr. 
manier,  möglicher  weise  mit  einmischung  des  altsp.  menar;  wegen  e  für 
a  vgl.  pelear  für  palear. 

Merencorio  pg.  Cam.  Lus.,  menencoreo  Bibeir.  Brist,  verdrießlich; 


IIb.  MERGANSAR-MONTERO.  469 

entstellt  aus  melancolico.  Eine  sinnvollere  entstdlung  oder  umdetUung 
von  melancholia  in  mal-enconia  ward  oben  unter  encono  berührt. 

Merg&nsar  sp.  taucher,  ein  vogel;  zerlegt  sich  leicht  in  die  Wörter 
mergus  anser. 

Merino  sp.,  meirinho^.  bezirksrichter;  von  majorinus,  s.  Ducange, 
vgl.  S.  Rosa  v.  maiorino. 

Mesar  sp.,  altsp.  messar,  fehlt  catal.,  die  haare  ausraufen;  mit 
Cabrera  von  metere  messus:  barbam  forcipe  meiere,  sagt  Juvenal. 

Mielga  sp.  eine  pflanze,  luzerne,  von  medica,  ebenso  cdtsp.  julgar 
von  judicare. 

Milagro  sp.,  milagre  jpt?.  wunder;  umgestellt  aus  miraculum. 

Milano  und  vilano  sp.  wolle  der  distdbläthe;  von  villus  zotte. 
M  aus  anlautendem  v  auch  in  mimbre. 

Milgrana,  mingrana  cdtsp.  granatapfd;  nach  seinen  vielen  hörnern 
benannt. 

Milmandro  sp.  (bei  Cabrera),  meimendro  pg.  bilsenhraut.  Hanc 
(herbam)  sagt  Isidor  17,  9,  4  Vulgus'  milimindrnm  -dicit,  propter  quod 
alienationem  mentis  inducit.  Ungeachtet  dieses  alten  Zeugnisses  ist  der 
Ursprung  des  wortes  unbekannt;  eine  vermuthung  darüber  sehe  man  bei 
Diefenbach,  Orig.  europ.  p.  260.  Der  Baske  hat  für  diese  pflanze  einen 
ganz  verschiedenen  namen,  erabelarra. 

Mi  mar  5p.  pg.  hätschdn,  liebkosen,  mimo  liebkosung,  mimoso  ver- 
zärtelt; wohl  von  minimu8  kleines  wesen,  kleiner  liebling,  woher  auch  it. 
mimma  püppchen  und  pg.  meiminho  kleiner  finger. 

Mimbre  und  vimbre  sp.  bachweide;  von  vimen. 

Modorra  sp.  pg.  tiefer  betäubender  schlaf,  adj.  modorro  in  einem 
solchen  schlafe  liegend,  einfältig,  dumm  (daher  sie.  mudurru  mit  letzterer 
bed.),  vb.  modorrar  betäuben,  auch  sbst.  modurrfa  Stumpfheit,  dummheit. 
JBask.  modorra  heißt  der  stumpf  eines  baumes,  dem,  wie  Larramendi  an- 
merkt, ein  in  dumpfem  schiefe  liegender  (modorro)  wohl  verglichen  wer- 
den konnte.  Die  sinnliche  bedeutung  erhielt  sich  nur  im  cdtpg.  modorra 
häufe  d.  h.  etwas  rundes,  stumpfes,  s.  S.  Rosa. 

Mofa  sp.  pg.  cot.  Verhöhnung,  vb.  mofar;  stimmt  zu  mhd.  mupfen 
den  mund  verziehen,  spötteln  Frisch  I,  67 5b,  Mhd.  wb.  II,  274  =  ndl. 
moppen,  engl.  mop. 

Mogo  ältpg.  gränzstein,  sp.  mogote  einzdn  stehender  berg;  vom 
bask.  muga  gränze,  oder  ist  dies  vom  sp.  bnega?  (bask.  anlautend  m  oft 
=  sp.  b).  Mogotes  spieße  des  hirsches  leitet  Larramendi  dagegen  vom 
bask.  mocoa  spitze. 

Mo jon  sp.,  altpg.  moiom  SRos.,  sard.  mullone  gränzstein,  häufe: 
etwa  von  mutilus  etwas  abgestumpftes,  abgerundetes? 

Molle ra  sp.  vorderhaupt,  pg.  molleira  Scheitel  am  köpfe  der  Säug- 
linge; von  mollis,  weil  diese  stelle  offen  und  weich  ist.  • 

Monte ro  sp.,  monteiro  pg.  Jäger,  der  im  gebirge  schwarz-  oder 
rothwild  jagt:  von  mons. 


470  IIb.   MORANGO-MULATO. 

Morango  sp.  erdbeere. 

Morcon  sp.  Utäwurst;  vom  bask.  morcoa  dicker  dorm,  nach  Lar- 
ramendi. 

Moron  sp.  hü  gel ;  wohl  vom  bask.  murua  hügel,  häufe,  vb.  moratu, 
marratu  aufhäufen,  woher  auch  nach  Humboldt,  Urbewohner  Hisp.  p.  48. 
49,  der  alte  städtename  Moron  stammen  soll. 

Morondo  sp.  geschoren  (von  menschen);  buchstäbl.  mohrenmäßig, 
weil  die  Mohren  das  haupthaar  abschnitten.  Über  das  suffix  ondo  an 
Substantiven  s.  Rom.  gramm.  II,  379. 

Morro  sp.  überh.  ein  runder  körper,  Meiner  runder  fds  oder  kiesd 
(pg.  morro  kleiner  runder  hügel,  aus  dem  span.),  dsgl.  dicklippiges  oder 
vorstehendes  maul,  für  welche  bedeutung  sich  bask.  muturra  findet,  vgl. 
auch  oben  moron.    Dahin  pr.  mor,  morre,  altfr.  mourre  schnauze. 

Mostrenco,  mostrenca  sp.  herrenloses  gut;  von  monstrare,  weil  der 
findet,  um  es  zu  erwerben,  es  öffentlich  ausrufen  und  vorneigen  mußte. 

Mouco  pg.  harthörig;  woher? 

Mozo  sp.  pg.  jung,  sbst.  junge,  bursclie  {hieraus  it.  mozzo,  fr. 
mousse) ;  von  mustus  jung,  frisch,  mit  Verwandlung  des  st  in  z,  s.  Sanchez 
zu  Berceo  p.  627,  daher  auch  stibst.  moza  bei  Buiz  =  lat.  mastum  most. 

Muchacho  sp.  kleines  kind,  knabe;  für  mochacho  von  mocho  (s. 
mozzo  L),  eigentl.  also  ein  kleiner  stümmel,  vgl.  chicote  endchen  tau  und 
junger  mensch,  in  deutschen  mundarten  bützel,  eigentl.  etwas  kleines,  ab- 
gestumpftes. 

Mucho  sp.y  muito  pg.,  mach  bearn.  viel;  von  maltus,  it.  molto 
u.  s.  f.;  abgekürzt  muy. 

Muesca  sp.  fuge,  einschnitt;  unbekannter  Herkunft. 

M  u  g  r  e  sp.  (f.)  fettiger  schmutz  auf  den  Ueidern ;  doch  wohl  von 
mücor  Jcahm,  Schimmel? 

Magron  sp.  senker,  pfropfreis.  Man  sucht  es  im  arabischen,  wie- 
wohl das  lat.  macro  (spitze)  ihm  genügt:  auch  paa  heißt  spitze  und  senker. 
Cot.  mugrö  stiel  des  obstes. 

Maladar  sp.,  richtiger  pg.  maradal  miststätte;  nach  Covarruvias 
so  genannt,  weil  sie  an  der  Stadtmauer  angebracht  werden. 

Mulato  sp.  pg.  adj.,  daher  fr.  mulätre  von  einem  neger  und  einer 
weißen  oder  von  einem  weißen  und  einer  negerin  erzeugt.  Die  grundbe- 
deutung  ist  junges  maulthier,  denn  das  suffix  at  drückt  junges  oder  kleines 
aus,  und  so  wird  es  auch  im  altspan.  altport.  (hier  z.  b.  in  einem  gesetz 
v.  j.  1638  s.  S.  Rosa)  genommen.  In  der  neuen  weit  übertrug  man  den 
namen  des  bastards  von  esel  und  pferd  auf  das  aus  zwei  menschenracen 
hervorgegangene  kind:  man  nannte  es  matiUhierchen,  und  diese  benennung 
war  um  so  passender,  als  sie  zugleich  die  Verachtung  ausdrückte,  die  man 
vor  dem  mischling  empfand.  Engelmann  gibt  eine  andre,  überraschende 
auslegung:  mulato  ist  das  arab.  mowallad  d.  h.  von  einem  arabischen 
vater  und  einer  fremden  mutter  geboren  (Freyt.  IV,  604* );  sie  findet  ober 
darin  ihre  Schwierigkeit,   daß  die  entsprechende  bedeutung  des  sp.  Wortes 


Hb.  MULETA-NAEPE.  471 

• 

eine  erst  in  neueren  Seiten  hineingelegte  ist.  Entweder  also  blieb  das 
arab.  wort  im  spanischen  Jahrhunderte  lang  unbeachtet,  oder  es  drang  gar 
nicht  ein  und  sein  zusammentreffen  mit  dem  span.  worte  ist  zufällig. 
[Gegen  diese  deutung  aus  dem  arabischen  s.  Dozy  Gloss.  384.] 

Muleta  sp.  pg.  (auch  sicil.  comask.)  krücke,  eigentl.  maülthier,  vgl. 
bordone  I. 

Mufiir  sp.  einladen;  von  monere,  pg.  monir. 

Murcho  pg.  schlaff,  welk.  Dies  dem  Spanier  unbekannte  adjectiv 
findet  sich  wieder  in  dem  seltnen  lat.  murcidus  träge,  welches  Augustinus 
Oiv.  Dei  in  einer  stelle  des  Pomponius  aufbewahrt  hat.  Aus  dem  mhd. 
murc  morsch,  sumpfig  Wb.  II,  274  ist  es  wenigstens  nicht  herzuleiten. 

Murciego  altsp.,  neu  murciegalo,  pg.  morcego  fledermaus;  von 
mus  caecus,  raus  caeculus  blinde  maus,  weil  sie  bei  tage  blind  zu  sein 
seheint,  indem  sie  erst  abends  ausfliegt.  Cabrera  findet  den  ausdruck 
schon  bei  Vegetius  De  ort.  vet.,  aber  dessen  muß  caecus  wird  für  caecilia 
(blindschleiche)  genommen. 

Mürrio  sp.  schwermüthig,  mürria  schwere  im  köpfe;  von  morus 
(fiwQoc)  dumpf,  dumm,  nach  Covarruvias  u.  a.  Woher  es  auch  sei,  das 
it.  mogio  dumm,  damisch  scheint  dasselbe  wort,  aus  murrio  ward  morjo 
mojo  mogio. 

Masco,  amasco  sp.  dunkelbraun;  buchstäbl.  moschusfarbig,  von 
muscus. 


N. 

Na  da  sp.  pg.,  occit.  nado,  pronomen  für  lat.  nihil.  Man  hat  seinen 
Ursprung  theüs  in  der  cdt.  negation  na,  theils  im  altlat.  ne  hetta  (s.  ette 
IL  a)  gefunden.  Es  ist  eine  abkürzung  aus  res  nada  (lat.  res  nata), 
cdtfr.' riens  n£e,  wie  it.  nulla  aus  nulla  cosa  abgekürzt  ist;  wörtlich  etwas 
geborenes,  vorhandenes,  irgend  etwas,  in  Verbindung  mit  non  nichts.  Dsgl. 
sp.  nadie,  alt  nadi,  für  lat.  nemo,  gebildet  aus  nado  d.  h.  altsp.  ome  nado 
(homo  natus),  wie  altsp.  essi  aus  esso,  indem  man  mit  der  endung  i  die 
persönliche  bedeutung  des  pronomens  ausdrückte,  also  keineswegs,  wie 
Monlau  Dicc.  etimol.  p.  340  die  sache  ansieht,  eine  uralte  pluralform  auf 
i,  die  nachher  zum  Singular  herabgesunken  sein  müßte.  Als  adjectiv  für 
lat.  nidlus  braucht  die  gase,  mundart  nat,  fem.  nadji.  S.  Rom.  gramm. 
III,  421,  428,  431.  Zsgs.  ist  sp.  pg.  nonada  (f.)  Jdeinigkeit,  wie  lat. 
non-nihil. 

Naguela  altsp.  hütte;  von  den  einheimischen  etymologen  aus  dem 
arabischen  oder  baskischen  hergeleitet,  ist  handgreiflich  das  lat.  magalia, 
mit  versetztem  i  magaila  maguela;  anlautend  n  aus  m  ist  bekannt. 

Naipe  sp.  pg.  (m.)  Spielkarte,  it.  naxbi  (pl.  m.),  letzteres  zuerst  er- 
wähnt 1393,  s.  über  seine  bedeutung  Mahns  gelehrte  erörterungen.  Ein 
juego  de  naypes  wird  beschrieben  in  einem  spanischen  cancionero  aus  der 


472  IIb.  NARRIA-NOVIO. 

ersten  häifle  des  16.  jh.  bei  Ferd.  Wolf  zu  Tichnor  p.  41  (besonderer  db- 
druck).  Nach  einer  span.  sage  stammt  das  wort  von  der  darauf  gezeich- 
neten chiffre  N.  P.,  Nicoiao  Pepin,  dem  namen  des  erfinders;  nach  andern 
aus  dem  arabischen,  worin  allerdings  ein  wort  nä'ib  (mit  der  bed.  Stell- 
vertreter) vorkommt.  Indessen  haben  Merlins  Untersuchungen  in  der 
Revue  archeologique  1859  p.  193.  280.  747  den  orientalischen  Ursprung 
der  Spielkarten  hinlänglich  widerlegt  und  deren  erfindung  in  Italien  sicher 
gestellt,  s.  Engelmann  p.  88.  Daß  naibi  keinen  itcd.  Hang  hat,  ist  leicht 
su  bemerken,  das  etymon  wird  sich  nicht  so  leicht  darbieten. 

Narria  sp.  schleife,  Schlitten;  vom  bash.  narra  dass.  (Larramendi). 

Nata  sp.  pg.  cot.  rahm;  von  natare,  sp.  nadar,  also  das  schwim- 
mende, wie  Plinius  sagt  H.  N.  28,  9:  ibi  quod  supernatat,  butyrum  est 
Die  richtige  büdung  wäre  mit  d  gewesen;  nata  rechtfertigt  sich  aber  als 
scheideform  von  nada  nichts.  Dasselbe  wort  ist  wohl  neap.  natta  schäum, 
also  zu  trennen  von  lomb.  natta?  s.  mattone  I. 

Nava  sp.  pg.  ebene;  gleichbed.  bask.  nava,  nach  Humboldt,  Urbew. 
Htsp.  p.  16,  ein  achtes  wort  dieser  spräche,  woher  der  name  Nav-arra. 

Nava  ja  sp.,  navalhajpp.  schermesser;  von  novacula. 

Navio  sp.  pg.  großes  schiff;  von  navigium,  pr.  navigi,  navei.  In 
der  span.  Zigeunersprache  bedeutet  es  korper  und  ist  nach  einigen  ein 
anderes  wort,  das  goth.  naus  todler  körper  (pl.  naveis),  was  sich  nur  mit 
der  betonung  n&vio  vertragen  würde;  die  bed.  korper  kann  aber  aus  der 
bed.  schiff  abgeleitet  sein,  man  vgl.  it.  cassero  gerippe  des  Schiffes  und 
hohler  leib. 

Nema  sp.  sieget  des  briefes;  vom  gr.  vtjfia  faden,  weil  man  die 
briefe  früher  mit  einem  faden  umwand,  worauf  das  sieget  gesetzt  ward. 

Nemon  sp.  zeiger  der  Sonnenuhr;  von  gnomon. 

Nenhureg  pg.  ortsadverb  für  tat.  nusquam;  von  nee  ubi  wie  nen- 
hum  von  nee  nnus.     Vgl.  oben  algures. 

Nervi o  sp.,  cot.  nirvi,  pr.  nervi  nerv,  sehne,  sp.  nervioso,  cot.  nir- 
vios,  pr.  nervioß  nervig;  von  nervium  (vsvqIov)  bei  Varro  und  Petronius, 
nicht  von  nervus. 

Nesga  sp.  pg.  keil  oder  zwickel  im  Meide  (eingesetzter  dreieckiger 
läppen);  nach  einigen  von  nexus,  annexus. 

Ninguem  pg.  pronomen  für  lat.  nemo;  von  nee  quem,  n  für  nc 
Rom.  gramm.  I,  246. 

Nombre  sp.  name,  altsp.  nomne;  von  nomen. 

Növio  sp.,  pg.  noivo,  cat.pr.  novi  neuvermählter,  fem.  novia,  noiva; 
von  novns,  nova  (nova  nupta),  nicht  etwa  vom  vb.  nnbere.  Daher  auch 
sbst.  pr.  novias,  ndat.  nobiae  hochzeit,  nur  im  plural  üblich  nach  dem 
muster  von  nuptiae. 


ILb.   OLLA-OXALA.  473 


0. 

011a  sp.  fleischtopf,  daher  fr.  oille;  vom  lat.  olla,  pr.  ola  ff.,  dem- 
nächst  ein  gericht  von  verschiedenen  fleischsorten  mit  zwiebeln  und  knob- 
lauch,  eigentl.  olla  podrida  genannt  (für  pudrida  morsch,  mürbe  nach 
Covarruvias)7  fr.  pot-pourri. 

Oqueruela  sp.  knoten,  der  sich  beim  nähen  im  faden  bildet;  vom 
bask.  oqnertzea  sich  verdrehen  (Larramendi). 

Ordenar  sp.,  ordenhar  pg.  melken;  zu  unterscheiden  von  ordenar 
anordnen.  Man  hat  darin  das  gr.  OQog  (molken)  vermuthet;  es  ist  dies 
aber  einer  der  fälle,  worin  die  vergleichung  der  mundarten  gute  dienste 
thut.  Melken  heißt  limous.  odzustä  =  fr.  ajuster  in  Ordnung  bringen, 
woraus  denn  hervorleuchtet,  daß  ordenar  identisch  ist  mit  ordenar,  sich 
aber  durch  paronomasie  davon  lossagte.  Ordenar  una  vaca  heißt  also 
buchstäblich  eine  kuh  in  Ordnung  bringen,  damit  sie  von  neuem  müch  an- 
setzen könne.  Ein  andrer  ausdruck  für  melken  ist  altpg.  enxugar  trocken 
machen,  S.  Rosa. 

Orondado  sp.  wellenförmig;  von  undulatus  ondorado  mit  silben- 
versetzung?    Oder  für  ol-ondado  (sp.  ola  welle)? 

Orvalho  j?£.  thau;  nach  den  einheimischen  etymologen  von  rorale, 
pl.  roralia,  was  der  buchstabe  schwerlich  gestattet.  Dasselbe  wort  ist  das 
gallic.  astur,  orbayo  kalter  Staubregen. 

0  8  o  sp.  bar;  für  orso  von  ursus,  cot.  ob,  pg.  urso. 

Ostugo  sp.  1)  spur,  2)  unnkel,  versteck;  nach  Larramendi  wegen 
letzterer  bed.  vom  bask.  ostuquia  etwas  gestohlenes. 

Otar  aÜsp.,  otear  alt-  und  neusp.  von  einer  anhohe  herab  beob- 
achten, fehlt  port.  und  catal.  Die  angegebene  bedeutung  ist  indessen  nicht 
die  ursprüngliche  und  könnte  sogar  durch  einmischung  von  otero,  welches 
auch  Covarruvias  mit  otear  in  Verbindung  bringt,  veranlaßt  worden  sein. 
Vielmehr  heißt  es  bei  den  Alten  schlechthin  'ansehen,  betrachten,  z.  b. 
quando  61  habia  grant  pesar  6  oteaba  &  Helbed  cd.  Cal.  e  D.  p.  61h, 
wo  von  einer  anhohe  keine  rede  ist.  Spanische  etymologen  leiten  es  von 
omofiai,  statt  dessen  aber  nur  oooo/uai  üblich  war.  Besser  berechtigt 
ist  lat.  optare  wünschen,  wählen:  wie  nahe  aber  dem  wählen  das  sehen 
liegt,  bezeugt,  wenn  man  ein  beispiel  verlangt,  das  pr.  chausir  oder  das 
mhd.  kiesen. 

Otero  sp.,  outeiro  pg.  hügel;  in  Urkunden  des  9.  undlO.jh.  oterum, 
anterum  u.  dgl.,  von  altus,  buchstäblich  das  lat.  altarium  erhöhung,  auf- 
salz,  vgl.  das  ital.  adj.  altiero. 

Oxalä  sp.,  pg.  oxalä  partikd  für  lat.  utinam;  gleichhed.  arab. 
enschä  allah  (en  wenn,  schä  wollte,  allah  gott):  n  fiel  aus  und  e  ward, 
um  ihm  die  bedeutung  eines  ausrufs  zu  geben,  in  o  abgeändert.  Ins 
Gatalanische  ist  diese  partikel  nicht  eingedrungen. 


474  ILb.  PADA-PARDO. 


P. 

Pada  pg.  ein  Meines  brot;  syncopiert  aus  panada,  daher  padeiro 
backet  =  sp.  panadero. 

Pairar  pg.  aushalten  z.  b.  stürm,  drangsale,  (intrans.)  sich  bedenken, 
unentschlossen  sein,  temporisicren,  als  Schifferausdruck  (auch  span.)  la- 
vieren, beilegen.  Ist  es  abgeändert  aus  parar  aufhalten,  sich  aufhalten? 
einige  port.  Wörter  geben  ai  für  a,  so  plaina,  mainel,  esfaimar;  auch  kann 
reparar  in  allen  bedeutungen  (herstellen,  überlegen,  sich  bedenken)  mit 
repairar  vertauscht  werden.  Doch  ist  mit  Larramendi  noch  eine  andre 
quelle  eu  erwägen,  die  dem  buchstaben  und  dem  begriffe  sehr  wohl  genügt, 
bask.  pairatu  leiden:  man  leidet  drangsale,  indem  man  sie  aushalt,  ihnen 
widerstand  entgegensetzt,  man  verhalt  sich  leidend,  wenn  man  nicht  mm 
handeln  gelangt,  wenn  man  temporisiert  oder  mit  dem  schiffe  nicht  vor- 
wärts kommt.  Das  wort  scheint  auch  in  Oberitalien  heimisch:  comask. 
pairä,  piem.  pairö,  apairfe,  gen.  apajä,  altmaü.  apairar,  Bornes.  Laud. 
V.  Mar.  v.  419  muße  haben,  eigentl.  unthätig  sein,  nicht  handeln. 

Paladino  sp.  altpg.  öffentlich,  offenbar,  deutlich,  dUsp.  espaladinar 
erklären,  auseinandersetzen  FJ.  Lat.  palam  liegt  mit  seiner  bedeutung 
nähe  genug,  doch  ist  die  ort  der  ableitung  ohne  beispiel.  Ital.  paladino 
offen,  redlich,  bei  Ciullo  v.  Alcamo,  PPS.  I,  13:  amoti  di  core  paladino. 

Paleto  sp.  datnhirsch.  Cervns  palmatus  hirsch  mit  flachem  hand- 
ahnlichem  geweih  kommt  bei  den  Alten  vor:  hieraus  nach  Cabrera  das 
span.  wort,  dessen  form  aber  doch  durch  paleta  =  tat.  pala  bestimmt 
worden  sein  muß,  da  das  geweih  des  thieres  eben  so  wohl  schaufelartxg 
genannt  werden  kann. 

Pantorrilla  sp.,  panturilha  pg.  wade;  eigentl.  bäuchlein,  durch 
eine  ungewöhnliche  freiheit  für  pantig-orra  von  pant-ex.  Genauer  drückt 
sich  der  Catalane  aus,  der  diesen  theil  ventrell  de  la  cama  bauch  des 
beines  nennt,  lat.  venter  cruris,  gr.  yaoxQO-%vr)iiiov,  churw.  schlechtweg 
vantrigl. 

Pardiez  span.  interjeetion,  dem  altfr.  par  diex  =  nfr.  par  dien 
nachgesprochen,  altsp.  aber  auch  halbfr.  par  dios  Conq.  UUr.;  vgl.  mhd. 
ohteiz  aus  altfr.  oh  diex,  dessen  x  gleichfalls  mit  z  ausgedrückt  toard. 
Nur  als  ein  beispiel  entlehnter  intetjeetionen  durfte  das  span.  wort  hier 
eine  stelle  finden. 

Pardo  sp.  pg.  grau,  dunkel.  Von  lat.  pullus,  meint  Cabrera,  allein 
so  nachgiebig  sind  die  Sprachgesetze  nicht.  Es  ist  von  pallidus  zsgz. 
paldns  pardus  {wie  escarpelo  von  scalpellum,  surco  von  sulcus):  bleich 
ist  schmutzigweiß  und  geht  in  dunkle  färbe  über,  vgl.  ahd.  bleib  pallidus, 
ags.  bläc  pallidus,  niger,  gr.  Ttellog  fuscus,  canus,  ebenso  noXiog  u.  dgl.  m. 
Von  pardo  ist  pardal  Sperling,  grauer  vogel,  wie  churw.  grischan  von 
grisch  grau. 


IIb.   PAKIAS-PELLIZCAK.  475 

Parias  sp.,  p&reas  pg.  (f.)  tribut  eines  für  stein  oder  Staates;  ist 
plur.  num.  und  buchstäblich  das  tat.  paria  {von  par)  erunederung,  Zahlung, 
vgl.  par  pari  respondere  s.  v.  a.  pariare  besohlen,  in  span.  Urkunden 
tribut  zahlen. 

Parra  sp.  pg.  cot.  rebengdänder,  parrar  die  zweige  ausbreiten.  Für 
die  bekannte  herleitung  aus  pergula  bieten  sich  keine  analogen  falle. 

Pasa  sp.,  passa  jp£.  getrocknete  Weintraube;  uva  passa. 

Pata  t  a  und  batata  sp.pg.  erdapfd;  american.  wort,  s.  Äldretefol.  26". 

Pateca  pg.  wassermdone;  vom  arab.  bftichah  Gol.  286,  pg.  auch 
albudieca,  cot.  albudeca  genannt.  Derselben  herkunft  ist  ferner  sp.  pg. 
badea  gleichbed. 

P&tio  5p.  pg*,  cot.  neupr.  päti  hof  am  hause,  in  letzterer  spräche 
auch  vorhatte,  Hausflur  (attpr.  pati  übersetzt  Raynouard  mit  pays).  Nach 
Sousa  u.  a.  ein  africanisches  wort,  pathaton. 

Patrana  sp.,  patranha  pg.  fdbdhafte  erzählung  zur  Unterhaltung, 
mährchen;  für  patarrana  vom  gleichbed.  cot.  patarra,  dies  wohl  von  pata 
gans  (gänsegeschichte).    Ruiz  schreibt  pastrana. 

P&laro  sp.,  pg.  passaro,  wal.  pasere  vogd;  von  passer  Sperling. 
Die  urüat.  endung  ar  berührt  schon  der  Appendix  ad  Prolfttm:  passer, 
non  passar.  So  auch  anser,  non  ansar,  sp.  ansar;  camera,  non  cammara, 
sp.  camara. 

Pechina  sp.  art  muschdn;  von  pecten  dass. 

Pecho,  pecha  sp.,  pg.  peito,  peita  vertragsmäßige  abgäbe,  zins, 
pechar,  peitar  abgäbe  zahlen;  von  pactum,  wie  auch  das  deutsche  pocht. 

Pedazo  sp.  pg.  stück;  von  pittacium  stück  papier,  lappchen,  mlat. 
pitacium.  Auch  andre  mundarten  kennen  es:  pr.  pedäs  flickwort,  occ. 
petas  läppen,  vb.  pr.  petazar  flicken  GProv.  32,  fr.  rapetasser. 

Pejo  pg.hindernis,  auch  beschämung,  pejar  hindern,  pejada  schwan- 
ger (ebenso  sp.  embarazada  gehindert  und  schwanger) ;  von  pedica  fessd, 
denn  man  darf  wohl  annehmen,  daß,  wie  de  im  span.  (mege  von  med'cus), 
so  auch  im  port.  zu  j  werden  kann.  Das  veränderte  genus  in  pejo  wird 
auffallen,  aber  auch  fr.  pi6ge  schlinge,  handgreiflich  von  pedica,  ist  masculin. 

Pelear  sp.,  pelejar  pg.,  peleiar  pr.  streiten,  pelea  ff.  streit.  Viel- 
leicht eine  griech.  reliquie,  von  Ttalaieiv  kämpfen,  wenn  nicht  vom  lat. 
palus  Übungspfahl  der  Soldaten,  vgl.  ältfr.  paleter  Scharmützeln. 

Pella  sp.,  pella  pg.  ball,  knäuel;  von  plla,  welches  die  schwester- 
sprachen nicht  anerkennen.  Aber  sp.  pila,  pg.  pilha  (nebst  fr.  pile) 
häufe  aufgestapelter  dinge  erklärt  sich  buchstäblich  besser  aus  \>ll&  pfeüer. 

Pelleja  sp.  öffentliche  dirne;  leitet  Covarruvias  von  pellicula  feil 
(also  Schimpfwort)  mit  berufung  auf  scortum,  das  beide  bedeutungen  einigt, 
wogegen  Cabrera  sich  an  pellex  hält,  woraus  man  gleichfalls  ein  dimin. 
pellicula  formen  konnte.  Da  aber  das  dimin.  von  pellis  ein  vorhandenes 
lat.  wort  ist  und  keine  roman.  spräche  pellex  kennt,  so  verdient  die  erstere 
herleitung  den  Vorzug. 

Pellizcar  sp.  kneipen,  auch  pecilgar;  nach  Covarruvias  von  pellis 


476  IIb.   PELMAZO— P1EKNA. 

haut,  freilich  mit  dem  seltnen  suffix  izcar,  aber  auch  altfr.  pelicer,  offen- 
bar von  pellis  (vgl.  peli$on),  bedeutet  zupfen,  rupfen  JRuteb.  I,  16.  Die 
port.  form  ist  bellizcar. 

Pelmazo  sp.  schwerfällig,  sbst.  platt  gedrückte  masse;  nach  den 
span.  etymologen  vom  gr.  ntXfia  fußsohle,  gleichsam  damit  platt  getreten. 
Läßt  man  das  etymon  zu,  so  faßt  man  das  adj.  besser  auf  als  breitfüßig, 
schwer  auftretend,  wie  fr.  pataud  schwerfällig,  von  patte. 

Penca  sp.  pg.  cot.  stacheliges  blatt,  auch  peitsche;  cdtisches  wort, 
hymr.  pinc  (pingc)  Schößling,  spitze,  auch  engl,  pink,  vgl.  mlat.  pinca, 
pincns  Dief.  Gloss.  lat.  germ. 

Perol  sp.  pfanne,  pr.  pairol;  von  patina,  abgeleitet  patinol  patnol 
patrol,  endlich  pairol  mit  bekannter  auflösung  des  t.  Dem  bask.  perolea 
(etwas  wärmendes),  worauf  Larramendi  verweist,  widerspricht  der  prov. 
diphthong. 

Perro  sp.  hund  (als  adj.  halsstarrig),  daher  sard.  perra.  Altspan. 
'  ist  can  ziemlich  üblich,  wie  auch  noch  jetzt  in  Ästurien  und  Gallicien, 
man  sehe  es  z.  b.  Cal.  e  D.  p.  67h,  D.  J.  Man.  ed.  G.  p.  248h.  In  Por- 
tugal ist  cäo  der  eigentliche  ausdruck,  perro  weit  weniger  gebräuchlich. 
Letzteres  isfrnoch  eins  der  sahireichen  probleme  romanischer  etymdogie. 
Vielleicht  führt  der  canis  petronculus  der  L.  Burg,  oder  der  canis  pe- 
tronius  (s.  Ducange  und  Diefenbachs  Orig.  europ.  332)  auf  die  spur. 
Man  merke  dazu  das  cot.  gos  peter  eine  kleinere  ort  hunde,  sp.  gozque, 
worin  peter  das  sp.  perro  bedeuten  muß.  Man  kann  nicht  umhin,  hierbei 
noch  einiger  anderer  vielleicht  unverwandter  roman.  Wörter  zu  gedenken, 
wie  des  bürg.  p6tra  grober  bauer  (Mignard  116)  und  des  wal.  petrunchiös 
bäurisch,  welches  letztere  auf  peatrf  =  petra  (stein)  zurückgehen  muß. 
Auch  in  Piemont  kommt  perro  vor,  bedeutet  aber  hier  eine  art  kaninchen. 

Pescuezo  sp.,  pesco$o  pg.  nacken,  genick,  auch  hals;  zsgs.  aus 
post  (s.  unten  pestorejo)  und  cuezo  kübel  (s.  cocca  L),  also  hinterkübd, 
ein  grober  amdruck  für  hinterkqpf,  man  sehe  testa  I.  Diese  ansprechende 
etymologie  gehört  Menage,  s.  Orig.  ital.  v.  coccare. 

Pestillo  sp.,  pesteil  cot.  riegel  an  einem  schloß.  Aus  pessulus 
konnte  mit  vertauschung  des  diminutivsuffixes  leicht  pesillo  werden,  pestillo 
kann  sich  nur  aus  pes-it-illo  erklären,  gebildet  wie  cabr-it-illo,  eine  form, 
welche  die  spräche  vielleicht  zur  Unterscheidung  von  pesillo  (kleine  wage) 
ergriff. 

Pestorejo  nacken;  buchstabl.  was  hinter  dem  ohr  ist,  von  post 
(puest  pest)  und  oreja. 

Pesufia  sp.  klaue  der  thiere,  pedis  ungula. 

Petaca  sp.  reisekoffer;  aus  dem  mexican.  petlacalli  (Cdbrera). 

Petate  sp.  binsenmatt e;  aus  dem  mexican.  petlatl  (derselbe). 

Peto  sp.  brüst  hämisch;  vom  gleichbed.  it.  petto,  lat.  pectus. 

Piara  sp.  her  de;  von  pecuaria  (Gabrera). 

Pierna  sp.,  perna  pg.  bein;  von  perna  bein  von  der  hüfle  bis  zum 
fuße,  nur  bei  Ennius,  sonst  ketde,  Schinken.  Daher  auch  perno,  pernio,  pernil. 


IIb.  PIHUELA— PORFIA.  477 

Pihnela  sp.  fußschellen;  dimin.von  pedica  nach  den  einheimischen 
etymologen.  Die  susammensiehung  wäre  hart:  besser,  nebst  piola  (vgl. 
vihuela  viola),  unmittelbar  van  pes  pedis,  wie  auch  pi-ojo  von  ped-iculus, 
d.  h.  pi  aus  ped. 

Pimpollo  sp.  sehößling,  knospe,  pg.  pimpolho  Schößling  am  wein- 
stock; für  pampinollo,  dimin.  von  pampinus,  vgl.  denselben  voccdwechsel 
in  pimpinella  und  pampinella  I. 

Pino  pg.  naget,  zweck;  muthmaßlich  (wie  priego,  s.  unten)  aus 
einer  der  nord.  sprachen,  dem  Spanier  unbekannt:  ndl.  engl.  kymr.  pin, 
gael.  pinne,  dttn.  pinni,  hd.  pinne  u.  dgl. 

Pino  pg.  höhepunct,  pör  a  pino  grade  aufrichten;  soll  von  pinus 
(fichte)  herkommen,  was  durch  das  vb.  pg.  sp.  empinarse  sich  bäumen  = 
arbolarse  (von  arbol  bäum)  einige  Wahrscheinlichkeit  gewinnt. 

Pintacilgo  sp.,  pintasirgo  pg.  distelfink;  von  pictus  passerculus 
(Cdbrera). 

Piorno  sp.  pg.  ginster;  vielleicht  für  picorno  von  pico  spieß,  weil 
diese  pflanze  lange  dünne  Stengel  treibt,  daher  wir  sie  pfriemenkraut 
nennen.    Ausfall  des  c  auch  in  pia  für  pica. 

Pito  sp. pfeife,  pitar  pfeifen;  naturausdruck,  vgl.  \>\\&  ruf  die  kühner 
bu  locken. 

Pizarra  sp,  pg.,  pisarra  cot.  schiefer.  Wohl  von  pieza  stück, 
namentlich  plattes  stück,  läppen,  wie  auch  unser  schiefer  bruchstück  be- 
deutet, suffigiert  arra.  Nach  Larramendi  ein  compositum,  vom  bask.  puzca 
oder  pizca  stück,  und  arria  stein;  aber  der  ausfall  des  c  hinter  z  wäre 
ungewöhnlich.  Mahn  p.  87  hält  pizarra  gleichfalls  für  baskisch,  aber 
entstanden  aus'ipiz  schwäre,  welche  bedeutung  zwar  eigentlich  baltza,  beltza 
habe,  wofür  jedoch  in  compositis  baz,  bez,  auch  paz  vorkomme. 

Plegäria  sp.  gebet;  von  precarius. 

Pleita  sp.  binsenflechte;  von  plectere. 

Pöcima  sp.  arzneitrank;  vom  gr.  7toxiof.ia  trank,  umgestellt  potcima. 

Po  den co  sp.,  podengo  pg.  kaninchenhund ;  unbekannter  herkunft. 

Podre  sp.  euer;  von  püter  faul,  morsch,  nicht  von  pus  püris,  vgl. 
pg*  adj.  podre  =  lat.  puter. 

Polilla  sp.,  polilha  pg.  Kleidermotte;  nach  den  einheimischen  ety- 
mologen eigenÜ.  staubthierchen,  von  pulvis,  also  mit  unterdrücktem  v. 

Poncho  sp.  schlaff,  träge. 

Popar  sp.  liebkosen,  pg.  poupar  schonen,  sparen;  von  palpare 
streicheln,  üal.  wie  lat. 

Porende,  poren  altsp.  altpg.  partikd,  aus  dem  gründe,  darum; 
von  proinde.  Neupg.  porem  ist  in  adversativen  sinn  übergegangen,  ver- 
kürst aus  nao  porem  (nicht  darum,  ßleichwofd)  wie  fr.  pourtant  aus  non 
pourtant. 

Porffa  sp.  pg.  cot.  hartnäckigheit,  porfiar  hartnäckig  streiten.  Für 
porfia  trifft  man  altpg.  perfia,  altsp.  porfidia,  volksmäßig  prohidia  (s.  Co- 
varruvias),  und  so  haben  wir  das  lat.  perfidia  vor  uns,  das  auch  im  ital. 


478  IIb.   PORIDAD-PRINGUE. 

die  angegebene  bedeutung  zeigt.  Wegen  dieser  bedeutung  vergleiche  man 
gr.  amaxia  treulosigkeit,  unfolgsamkeit  (beide  verwandt,  weil  sie  nicht  er- 
füllen, was  sie  sotten),  wegen  der  form  sp.  hastfo  aus  fastidimn.  Im  F. 
juzgo  heißt  porfidia  Unbilligkeit,  dem  sinne  des  tat.  Wortes  näher  verwandt. 

Poridad  altsp.,  altpg.  puridade  geheimnis  =  nsp.  puridad,  lat. 
puritas,  eigenü.das  wahre  Verhältnis  einer  sache,  alt  fr.  purtä  z.  b.RFlor.p.48. 

Porra  sp.  pg.  cot.  heule  mit  dickem  ende.  Nach  Covarruvias  von 
porrum  knoblauch,  weil  sie  die  form  dieser  pflanze  habe;  nach  Larra- 
mendi  vom  bask.  cemporra  stück  von  einem  baumstamme.  Man  wird  sich 
leicht  für  das  römische- wort  entscheiden,  dessen  bedeutung  auch  befriedi- 
gender ist.    Dahin  ferner  adj.  porro  schwerfällig,  dumm. 

Postilla  sp.  schorf,  grind  (auch  Matter,  nach  Seckendorf);  von 
pustula,  pr.  pnstella. 

Preguntar  sp.,  perguntar  pg.  fragen;  von  percontari. 

Prensar  sp.,  cot.  prempsar  drücken;  von  pressare. 

Priego  altsp.,  j>rego  pg.  nagel;  vgl.  ags.  prica,  engl,  prick,  ndl. 
prik,  kymr.  pric  Stachel,  spitze. 

Prieto  sp.  gedrängt,  altpg.  preto  D;  Din.  p.  29,  npg.  perto  dicht 
daran,  sp.  apretar,  pg.  apertar,  sie.  appritari  drängen.  Auch  die  waUon. 
spräche  kennt  dies  wort,  adj.  pret  nahe,  das  nicht  aus  dem  lat.  praesto, 
wohl  aber  aus  dem  span.  herrühren  kann.  Desgleichen  fuhrt  Honnorat 
ein  veraltetes  oeeit.  apertä  an,  das  er  dempg.  apertar  vergleicht.  Apretar 
ist  buchstäblich  =  adpectorare  an  die  brüst  drücken,  demnächst  wohl 
drängen,  pressen,  indem  die  speciale  bedeutung  schwand  wie  im  it.  rim- 
petto,  bei  dem  an  brüst  nickt  mehr  gedacht  wird;  r  attraMert  wie  in 
pretina  für  petrina,  pectorina.  Apretar  al  pecho,  apertar*  ao  peito  wäre 
also  ein  durch  die  verdunkelte  grundbedeutung  des  verbums  veranlagter 
pleonasmus.  Prietor  wenn  die  herleitung  richtig  ist,  kürzte  man  aus  apre- 
tado,  wie  cuerdo  aus  cordatus,  um  ihm  den  verbalen  sinn  zu  nehmen; 
oder  bildete  es  aus  pectore  =  it.  nel  petto  (dicht  daran).  Expectorare 
ist  lateinisch,  adpectorare  freilich  nicht,  aber  es  ist  bereits  in  Isidor's 
glossar  vorhanden  (=  applicare  adpectus),  was  bei  einem  span.  werte 
in  anschlag  kotnmt. 

Prieto  sp.,  preto  pg.  schwärzlich;  scheint  identisch  mit  dem  vorher- 
gehenden worte :  was  dicht  ist,  wie  staub,  nebet  und  andre  dinge,  erscheint 
schwärzer,  dunkler  (Morüau  Dicc.  379). 

Primo  sp.  pg.,  primo  hermano  sp.  vetter,  söhn  des  oheims  oder 
der  tante,  erster  bruder  in  der  Verwandtschaft  nächst  dem  leiblichen, 
wal.  primaria  mit  derselben  bedeutung,  vgl.  bask.  primua  erbe.  Die 
Provenzalen  gierigen  in  der  benennung  der  verwandten  mit  zahlen  noch 
weiter:  sie  kannten  zwar  gleichfalls  einen  prim,  aber  auch  einen  segon, 
einen  qnart  (den  nach  römischer  berechnung  im  vierten  grade  verwandten). 

Pringue  sp.,  sard.  pingu  schmalz,  fett,  vb.  pringar  mit  fett  be- 
streichen; doch  wohl  von  pinguis,  wie  auch  Cabrera  meint.  Einschiebung 
des  r  nach  einem  consonantanlaut  ist  im  spanischen  nicht  unhäufig. 


.  IIb.   PUCHES-QUIZA.  479 

Puches  sp.  (tn.pl.)  brei;  von  puls  pultis,  it.  polta.  Daher  pnchero 
kochtopf. 

Pular  pg.  hüpfen,  klopfen,  auch  keimen;  von  pnllare  oder  pullulare 
keimen  (sprudeln). 

Puya,  pua  sp.,  pg.  pna  spitze,  Stachel,  dorn,  pfrqpfreis;  wahr- 
scheinlich von  pugio  pugionis,  wie  buba  von  ßovßiov.  In  betreff  der 
leisten  bedeutung  ist  an  sp.  mugron  ableger,  senker,  eigentl.  dolch  zu  erinnern. 


Q. 

Qu  an  sp.,  pg,  quäo,  pr.  can  adverb;  von  quam. 

Qaeda  pg*  fall,  stürz  =  sp.  caida  von  caer  (lat.  cadere),  it.  caduta. 

Quemar  sp.,  queimar  pg.  brennen.  Larramendi  vermuthet  seinen 
Ursprung  im  bask.  quo  eman  d.  i.  rauch  geben,  und  auch  Humboldt, 
Urbew.  Hisp.  p.  156,  leitet  es  von  quea  rauch,  wiewohl  ein  vb.  quematu 
nicht  vorkommt.  Lat.  cremare  dagegen  ist  über  das  ganze  prov.  gebiet 
bis  Valencia  verbreitet,  und  da  der  Spanier  das  den  anlatU  begleitende 
r  zuweilen  entfernt,  indem  er  es  versetzt  (quebrar)  oder  ausstößt  (templar), 
so  darf  man  quemar  mit  fug  aus  dem  lat.  worte  erklären.  Cremado  hat 
das  glossar  zum  F.  juzgo. 

Quexar  (quejar)  sp.,  queixar  pg.  klagen;  gleichsam  questare,  fre- 
quentativ  von  qneri  questus. 

Quexfgo  sp.  grüne  eiche;  nicht  aus  qaercns  abgeleitet,  da  dem 
Spanier  kein  suffix  igo  zu  geböte  steht. 

Quicio  sp.  sp.  thürangel,  haspe,  resqaicio  Öffnung,  loch;  uner- 
mittdter  herkunfl.  Die  deutung  der  span.  etymologen  aus  dem  vb.  quiesci, 
weil  die  thürangel  sich  nicht  drehe,  ist  kaum  der  anfuhrung  werth. 

Quien  sp.,  quem  pg.,  pronomen,  vom  lat.  acc.  quem.  Zsgs.  al- 
guien,  alguem,  von  aliquem;  dsgl.  für  quilibet  quienquiera,  quem- 
quer,  dessen  zweites  wort  dm  conjunctiv  von  querer  (wollen)  enthält. 

Quilma  sp.  (mundartl.  s.  Monlau  387)  getreidesack,  mehlsack,  zsgs. 
esquilmo  ertrag  von  herden  oder  grundstücken,  esquilmar  ernten;  unbe- 
kannter herkunfl. 

Quinta  sp.  pg.  landhaus  mit  grundstücken,  vüla;  nach  den  ein- 
heimischen  etymologen  so  benannt,  weü  die  pächter  solcher  landgüter  ein 
fünftel  des  ertrages  an  die  eigenthümer  abzugeben  hatten.  Altfr.  quinte 
dagegen  bedeutete  so  viel  als  burgfriede,  s.  Ducange,  M&nage. 

Quiz 4,  quizas  sp.,  pg.  qui$a,  alt  quizais,  sard.  chisä,  chisas,  sie. 
cusä,  adverb  für  lat.  fortasse;  zsgs.  aus  qui  sabe  (nsp.  quien  sabe)  d.  i. 
wer  weiß,  im  Poem.  d.  Cid  2509  qui  sab,  Alex.  632  quizab. 


480  II.  b.  RABANO— RANGER. 


E. 

Räbano  sp.,  rabäo  pg.  weiße  rübe;  von  raphanus  rettig,  it.  rafano. 

Rabo  sp.  pg.  schwane,  überh.  etwas  hinten  herabhangendes,  daher 
raboso  zottelig,  rabear  schwänzeln  u.  dgl.  Es  wird  von  repere  herge- 
leitet: warum  nicht  lieber  von  dem  buchstäblich  notier  liegenden  rapere 
schleppen?  vgl.  unter  andern  ahd.  zaskön  raffen,  rauben,  nhd.  zeschen 
schleppen  (wie  rapere),  sbst.  zesche  schleppe  oder  schweif  des  Jdeides,  s. 
tasca  I.  Desselben  Ursprunges  ist  wohl  auch  piem.  rabel  schleppe,  ge- 
folge,  rablä  schleppen,  schleifen.  —  [Nicht  zu  Übersehen  ist,  daß  Mahn  (p.  46) 
rabo  von  rapum  leitet  *  wobei  er  auf  unser  schwanz-r\lbe  (fleischiger  theü 
des  pferdeschweifes)  verweist.  Die  sprachen  benennen  diesen  körpertheü 
gewöhnlich  darnach  daß  er  nachgeschleppt  wird  oder  daß  er  sich  hin  und 
her  bewegt,  und  dies  ist  ein  bezeichnenderes  merkmal  als  die  ähnlichkeit 
mit  einer  rube,  die  sich  im  deutschen  auch  nur  auf  einen  theü  des  Schweifes 
bezieht.  Für  letztere  auffassung  wären  jedesfäUs  noch  andre  beispiele  er- 
wünscht gewesen.    Krit.  anhang  p.  23.) 

Radio  altsp.,  pg.  arredfo  verirrt;  gleichsam  errativus? 

Rafez,  rahez  altsp.,  refece  altpg.  leicht,  gering,  schiecht;  arab. 
rachiQ  leicht,  gelinde,  sbst  roch$  wohlfeilkeit  Gol.  962. 

Rajar  sp. spalten,  raja  spcdt,  spahn,  gleichbed.  pg.  rachar,  racha, 
ch  aus  j  entstellt,  was  übrigens  selten,  z.  b.  in  grancha  für  granja  SRos., 
geschah.    Ein  altsp.  racha  in  der  Gonq.  Ultram.    Aber  woher  rajar? 

Ralea  sp.,  pg.  rate,  relö  stamm,  race;  unbekannter  herkunfl.  Auch 
der  vogd,  den  der  falke  vorzugsweise  jagt,  wird  so  genannt. 

Ralo  sp.  pg.  dünn.  Von  rarulus?  aber  wozu  ein  unvorhandenes 
diminutiv  annehmen,  wenn  die  römische  litteratur  das  einfache  wort  ge- 
währt? Plautus  sagt  vestis  ralla,  worin  das  adjectiv,  wie  zu  vermuthen 
ist,  'dünn  bedeutet,  sei  es  nun  aus  rarulus  oder  aus  ravulus  (s.  Freund) 
zusammengezogen.  Der  Spanier  wählte  hier,  wie  in  andern  fällen  (novela, 
apelar),  einfaches  1  statt  11.  Das  wort  reicht  über  das  südwestliche  gebiet 
hinaus:  limous.  und  henneg.  rale,  fläm.  raelJEZ.,  selbst  ciban.  rale:  sollte 
die  letztere  spräche  auch  erst  rarulus  gebildet  haben  ?  sie  kennt  das  suffix 
ulus  nicht  einmal.  Hätte  man  es  bloß  mit  dem  spanischen  zu  thun,  so 
könnte  man  übertritt  des  tat.  r  in  1  annehmen,  rarus  ralo,  aber  der  franz. 
Sprache  ist  dieser  übertritt  zwischen  vocalen  schwerlich  bekannt. 

Rambla  sp.  cot.  sandfläche;  vom  arab.  ramla  dass.  (Dozy). 

Ranger  pg.  einen  rauhen  ton  von  sich  geben,  knarren,  knurren. 
Die  grammatik  lehrt,  daß  die  roman.  verba  zweiter  cory.  lateinischen  Ur- 
sprung haben  und  daß  sie  fast  ohne  ausnähme  (pg.  tosser  von  tussire) 
von  lat.  verUs  zweiter  oder  dritter  herkommen;  ranger  aber  ist  unlateinisch 
und  erinnert  nur  von  fern  an  gr.  ^yxsiv,  (toyxaCpiv  schnarchen,  schnarren. 
Es  scheint  eine  freie,  onomatopoietische  büdung,   worin  die  littera  canina 


IIb.   RAPAZ— REAL.  481 

die  hauptrotte  spielt     Viele  dergleichen  kommen  in  Wackernagels  Voces 
animantium  vor. 

Rapaz  5p.  pg.  (rapazo  Apol.  567)  junger  bursche,  rapaza  junges 
madchen.  Covarruvias  vermuihet  vom  lat.  rapax,  weü  kinder  nach  allem 
greifen.  Wir  nennen  kleine  kinder  wohl  krabben,  weil  sie  auf  dem  boden 
herumkriechen,  s.  Frisch.  Die  grundbedeutung  kind  läßt  sich  mit  rapaceria 
kinderei  belegen,  und  was  denbuchstaben  anlangt,  so  weist  das  abgeleitete 
rapagon  unicidersprcchlich  auf  rapax  wie  perdigon  auf  perdix,  raigon 
auf  radix.  Dieses  buchstabenverhaUnis  zeugt  gegen  arabischen  Ursprung, 
wäre  auch  das  von  Mayans  vorgebrachte  rabaz  'diener  wirklich  ein  arab. 
wort  (soll  es  sein  rabacd  domesticus  Gol.  931?). 

Raposa  sp.  pg.  fuchs,  selten  masc.  raposo.  Es  nimmt  nebst  zorra 
die  stelle  des  aus  der  hcdbinsel  verschwundenen  lat.  vulpes  ein,  wovon  sich 
aber  doch  die  diminutivform  vulpeja  erhalten  hat.  Leitet  man  es  von 
rapax,  so  müßte  es  sein  suffix  getauscht  haben,  überdies  wäre  der  ausdruck 
besser  auf  den  wolf  als  auf  den  listigen  Reineke  angewandt.  Am  ein- 
fachsten fließt  es  aus  sp.  rabo  schwänz,  wie  auch  Covarruvias  deutet: 
häufig  nämlich  findet  sich  tenuis  bei  fortgerücktem  accent  wieder  ein,  vgl. 
lobo  lupino,  cabra  capruuo;  die  cot.  form  mit  b  rabosa  kommt  dabei 
kaum  in  ansMag,  da  diese  spräche  die  media  begünstigt.  Hiernach  wäre 
der  fuchs  der  stark  geschwänzte,  eine  individuellere  von  einem  wesentlichen 
Merkmal  entnommene  bezeichnung,  wie  die  spräche  sie  liebt,  wobei  man 
noch  erinnern  darf,  daß  in  fabeln  und  Sprichwörtern  von  dem  schweife  des 
thieres  mehrfach  die  rede  ist.  Eine  gewisse  ähnlichkeit  mit  dem  span. 
werte  hat  allerdings  das  gleichbed.  altn.  ref-r;  jenem  aber  könnte  nur  ein 
primitiv  zukommen,  welches  die  bedeutung  fuchs  nicht  enthielte,  d.  h.  wenn 
dieses  nordische  nichts  weniger  als  gemeindeutsche  wort  wirklich  nach 
Spanien  gelangt  wäre,  so  würde  es  sicher  nicht  mit  dem  suffix  oso  aus- 
gestattet worden  sein,  eben  so  wenig  wie  man  aus  vulpes  ein  gleichbedeu- 
tendes derivatum  vulposa  gebildet  haben  würde;  jenes  aber  ist  offenbares 
adjectiv,  in  dessen  primitiv  die  bedeutung  fuchs  nicht  enthalten  sein  kann. 

Rato  sp.  Zeitraum,  weile,  eigentl.  augenblick;  von  raptus  riß,  ruck. 

Raudo  sp.  reißend,  altfr.  pic.  rade  (z.  b.  von  flüssenEracl.  5367), 
daher  auch  sp.  pg.  raudal  gießbach;  von  rabidus. 

Ransar  {auch  rauxar,  rousar,  roixar)  altpg.  weiberraub  begehen, 
nach  S.  Rosa  einem  weihe  gewalt  anthun,  sbst.  rouQom,  mlat.  in  span. 
Urkunden  rausus  DG.  Die  latägesetze  gestatten  herleitung  aus  raptiare 
für  raptare,  welches  letztere  im  port.  die  gleiche  bedeutung  hat. 

Real  sp.  pg.  eine  münze,  port.  mit  dem  plur.  reaes  und  üblicher 
r&s;  von  regalis  königliche  münze;  altfr.  royal. 

Real  sp.  pg.  lager  eines  heeres,  hauptquartier  eines  königs  oder 
oberfddherrn,  im  port.  zumal  das  königliche  zeit ;  von  regalis.  Desgleichen 
ist  dieses  wort  ein  begrüßungsruf  für  den  könig  von  Portugal,  so  Lusiad. 
3,  46  dicendo  em  alta  voz:  real,  real,  por  Afonso,  alto  rei  de  Portugal, 
aber  auch  unter  Spaniern  und  Franzosen  üblich,  indem  es  z.  b.  in  einem 

81 


482  ILb.   REBATAR-REHEN. 

dUfranz.  gedieht  der  Schlachtruf  Karls  genannt  wird:  crier  royal,  l'en- 
seigne  Karle  Hol.  ed.  Mich.  p.  XXII;  van  regalis.  8.  über  diesen  aus- 
ruf  Liebrecht  im  Jahrb.  II,  119,  Mild  Trov.  79.  Für  real  hat  die  port. 
mundart  noch  das}  wie  man  glaubt,  daraus  entstandene  arraial. 

Rebatar  sp.  pg.,  gew.  arrebatar  entreißen,  rasch  ergreifen;  wird 
als  eine  aus  raptare,  arreptare  erweiterte  form  aufgefaßt,  was,  wenn  man 
ähnliche  einsehiebungen  erwägt  (Born,  gramm.  I,  303),  nicht  gegen  den 
sprachgeist  verstößt. 

Rebentar,  reventar  sp.  pg.  bersten;  von  ventus. 

Recaudar  sp.,  pg.  recadar,  arrecadar  steuern  erheben,  dltsp.  dttpg. 
recabdar  erlangen,  erreichen  Alx.,  SRos.,  sp.  recaudo  Steuererhebung,  re- 
cado  {wofür  auch  recaudo)  botschaft,  grüß,  übersandtes  geschenk,  für  sorge, 
vorrath,  ebenso  pg.  recado.  Span,  etymologen  lassen  das  wort  theils  aus 
recaptare,  theils  aus  cantus  entstehen:  jenes  aber  hätte  recatar,  recautar, 
dieses  sp.  recotar,  pg.  recoutar  geben  müssen.  Recaudar  (altpg:  recabe- 
dar,  sbst.  recabedo,  recabito)  ist  vielmehr  identisch  mit  it.  ricapitare  aus- 
richten, bestellen,  sbst.  ricapito  (ebenso  cat.  recapte  =  recado)  besteUung, 
von  capitare  (IL  a.)  ssu  ende  führen,  vollbringen,  woraus  sich  die  formen 
recaudar  und  recadar  leicht  erklären:  nicht  anders  entstanden  caudiüo 
und  (bei  Berceo)  cadiello  aus  capitellus.  Alle  bedeutungen  von  recado 
aber  lassen  sich  auf  besteUung  zurückführen. 

R6cio  sp.  kräftig,  störrig;  mit  Cabrera  von  ngidus,  wiewohl  g  sonst 
nur  nach  consonanten  die  gestali  von  $  annimmt,  vgl.  oben  arcilla.  Die 
kürze  des  radicalen  i  spricht  sich  bereits  aus  im  mlat.  regidus  für  rigidus 
Gl.  Paris,  ed.  Hildebr.  271.  Dahin  auch  arrecirse  vor  kälte  erstarren, 
rigescere. 

R6cna  sp.  cat.,  röcova  pg.  koppel  lastthiere;  vom  ardb.  rekb  zug 
von  reisenden  auf  lastthieren  (Bozy). 

Redil  sp.  pg.  pferch,  schafstall;  eigentl.  flechtwerk,  von  rete  netz, 
sp.  red  guter,  käfig.     Vgl.  t6  IL  c. 

Redor  sp.  umkreiß,  eigentl.  rund  geschnittner  teppich,  präposüional 
redor  de  im  kreiße  Alx.,  aderredor,  nsp.  alrededor,  pg.  ao  redor  u.  s.  w. 
Redor  etwa  für  ruedor,  ruedol  (lat.  rotulus  rad)  mit  Verwandlung  des  1 
in  r  wie  in  ruisenor  aus  lusciniolus? 

Redruna  sp.  linke  hand;  buchstäbl.  die  aus-  oder  zurückweichende 
im  gegensatze  zur  rechten,  der  stracken,  von  retro,  sp.  redro,  gleichsam 
retronea  wie  ultronea.     Vb.  .redrar  ausbeugen  Alx.  990. 

Regazo  sp.  pg.  schoß,  regazar  schürzen.  Ist  es  ein  compositum,  so 
darf  man  vielleicht  an  das  gleichbed.  bask.  sbst.  galzarra  denken. 

Regoldar  sp.  rülpsen;  nicht  von  ruetare  (cat. rotar),  ebenso  wenig 
ein  Schaltwort,  wofür  Monlau  es  hält,  besser  ein  begriffswort,  von  gola, 
lat.  gula,  aus  der  kehle  zurückstoßen,  mit  bekannter  Verstärkung  des  1 
durch  d. 

Rehen  sp.,  Tefem,  arrefem  pg.  geisel,  bürge;  vom  ardb.  rahn,  ar- 
rahn  pfand,  pl.  reh&n  Freytag  II,  203b. 


ILb.   REJA-RO.  483 

Reja  sp.,  pg.  relha  in  der  bed.  eisernes  guter;  von  reticnlnm  netz. 
Vgl.  relha  I. 

Rel  YSipg.  kurzes  gras,  relvar  sich  damit  bedecken,  (trans.)  es  schneiden. 

Remedar,  arremedar  sp.  pg.  nachahmen;  von  re-imitari. 

Remir  pg.  auslösen;  von  redimere,  sp.  redimir  u.  s.  w. 

Remolacha  sp.  rothe  rtibe;  =  it.  ramolaccio,  lat.  armoracia,  die 
aber  ein  anderes  Wurzelgewächs,  meerrettig,  bedeuten;  vgl.  wegen  einer 
ähnlichen  Verwechselung  oben  rabano. 

Rendija  sp.  kleine  spalte;  zsgz.  aus  altsp.  rehendija,  dimin.  von 
fenda  spalte.    Neusp.  auch  hendrija  mit  versetztem  r. 

Renir  sp.,  renhirpg.,  renyir  cot.  zanken,  sp.  rifia  zank,  dimin.  ren- 
cilla;  vom  lat.  ringi  sich  verdrießlich  benehmen. 

Repollo  sp.,  repolho  pg.  köpf  kohl;  doch  wohl  von  repullnlare,  weil 
er  im  urinter  neue  sprossen  treibt?    Das  span.  wort  heißt  auch  knospe. 

Res  sp.,  pg.  rez  stück  scJUachtvieh;  vom  ardb.  ras  köpf  Freyt.  II, 
103*,  vgl.  lat.  caput  köpf  oder  stück,  gewöhnlich  einer  her  de. 

Retama  sp.  pg.  ginster;  vom  ardb.  ratam,  ratamah  dass.  Freytag 
II,  120*. 

Retono  sp.  neuer  Schößling,  retonar  wieder  ausschlagen,  wieder 
sprossen.  Man  kann  sich  aus  tumidus  ein  span.  verbum  re-tumiar  (lim- 
pidus,  limpiar),  besser  romanisiert  retonar,  denken,  dem  man  die  neutrale 
bed.  schwellen  für  geschwollen  machen  beilegte  (ebenso  quedar  ruhen  für 
ruhig  machen).  Gemma  turnet  die  knospe  schwillt,  ist  lateinisch.  Cellisten 
werden  vielleicht  lieber  an  kymr.  tun  c etwas  durchstoßendes  erinnern. 

Rezar  sp.  pg.,  caf.  resar  hersagen,  beten;  von  recitare  zsgz. re$'tare. 

Rezno  sp.  ein  insect;  von  ricinus,  it.  ricino. 

Ria  sp.  pg.  cot.  mündung  eines  flusses;  für  riba,  lat.  ripa  ufer,  it. 
riva  auch  ziel,  also  ziel  des  flusses,  wo  er,  wie  Dante  sagt,  ruhe  findet, 
vgl.  arrivare  das  ufer  oder  ziel  erreichen. 

Riel  sp.  (m.)  barre,  metattslange;  =  regellus  von  lat.  regula  st  ab. 

Rilhar  j?</.  benagen;  woher? 

Rincon  sp.,  alt  rancon,  rencon,  cot.  racö  winket.  Man  leite  es 
nicht  mit  Cabrera  von  ancon  etlenbogen,  da  der  spräche  das  prothetische 
r  fremd  ist.  Vermuthlich  ist  es  gleicher  herkunft  mit  dem  gemeinrom. 
ranco,   renco  und  bezeichnet  etwas  eingekrümmtes,   goth.  vraiqvs  krumm. 

Ringla  sp.,  rengla  cot.,  daher  sp.  renglon  seile,  reihe,  ringlero 
linie  zum  gradschreiben;  von  regula  richtschnur. 

Ripio  sp.  pg.  vol.  (nicht  cot.)  kleine  steine  zum  ausfüllen  zwischen 
grösseren,  dsgl.  abfoil  von  steinen,  sp.  ripia,  pg.  ripa  futterbrett,  latte,  vb. 
sp.  ripiar  mit  schult  ausfüllen;  etwa  entstellt  aus  dem  bei  Vitruv  vor- 
kommenden replum  fiUlung  in  einer  thüre,  oder  rahmen  einer  solchen? 

Ro  sp.,  rou  pg.  ein  ausruf  stillschweigen  zu  gebieten  oder  kinder 
einzuschläfern,  daher  sp.  rorro  wiegenkind.  Gü  Vicente  in  einem  Schlum- 
merlied 1,  57:  ro,  ro,  ro,  nuestro  dios  y  redentor  no  Uoreis  que  dais 
dolor!    Desgl.  II,  26  (portug.)  ru,  ru,  menino,  ru,  ru!    Auch  als  sub- 


484  IIb.   ROBRA-RUIN. 

stantiv  wird  es  gebraucht  (ä  la  ro!).  Wir  heißen  das  trauliche  wörtchen 
willkommen,  denn  es  mahnt  an  unser  ruhe,  ahd.  röa,  röwa,  ruowa,  altn. 
ro;  es  wäre  möglich,  daß  es  daher  stammte:  empfindungswörter  und  aus- 
rufungen  gehen  leicht  von  volk  zu  volke.  Im  spanischen  und  lateinischen 
scheint  es  keine  verwandte  zu  haben. 

Kobra  sp.  Urkunde  zur  Beglaubigung  eines  Verkaufes;  von  roborare. 
Port,  röbora  (rövora),  nüat.  robora  mannbarkeit;  von  robur. 

Rodrigon  sp.  weinpfatU;  von  ridica  dass.  (Cabrera),  aber  mit  selt- 
samer anlehnung  an  den  eigennamen  Rodrigo,  die  auch  in  dem  pflanzen- 
namen  rui-ponce  für  riponce  vorliegt. 

Rombo  pg.7  romo  sp.,  rom  cot.  adj.  stumpf;  wohl  vom  dtschen  sbst. 
rümpf,  ndl.  romp  truncus,  stumpf.  Der  Portugiese  hat  auch  ein  sbst. 
rombo  Öffnung,  loch,  ursprüngl.  wohl  stumpf,  vgl.  buco  I.  Etwas  ent- 
fernter dem  vornan,  worte  liegt  kymr.  rhummen  bauch. 

Roncar  sp.  pg.  cot.  schnarchen,  auch  verhöhnen;  von  rhonchare, 
erst  bei  Sidonius,  vgl.  sbst.  rhonchus  (Qoyxog)  geschnarche,  Spötterei. 

Roncear  sp.,  roncejar  cot.  zaudern,  mit  Widerwillen  arbeiten,  sich 
mürrisch  benehmen,  sp.  roncero,  pg.  ronceiro  langsam,  träge;  wohl  des- 
selben Ursprunges  wie  it.  ronzare  summen,  brummen  II.  a. 

Ron  co  sp.  altpg.,  ronc  cat.  heiser,  schnarrend  u.  dgl.;  für  roco  von 
raucus  mit  einmischung  des  verbums  roncar  =  lat.  rhonchare.  Daher 
fehlt  dem  Spanier  und  Catalanen  das  ursprüngliche  roco,  roc,  nur  der 
Portugiese  bewahrt  rouco. 

Rosca  sp.  pg.  cat.  schraube;  unbekannter  herkunft. 

Rostro  sp.,  rosto  pg.  in  der  bed.  antlitz,  vgl.  wal.  rost  mund. 
Schon  lat.  rostrum  für  os  bei  Plautus,  Lucilius,  Varfo,  Petronius,  also 
wohl  ein  volksüblicher,  aber,  da  auch  die  Pandecten  ihn  brauchen,  nicht 
unedler  ausdruck.  Man  sehe  Winkelmanns  abh.  über  die  Umgangssprache 
der  Römer  (Jahrbb.  für  philol.  sppl.  II,  502).  Zu  vergleichen  wäre  ags. 
neb  os,  engl,  neb  rostrum;  ahd.  snabul  rostrum,  altfries.  snavel  os.  Den 
übrigen  roman.  sprachen  fehlt  rostrum. 

Rozar  sp.  pg.  abweiden,  ausjäten,  auch  an  etwas  hinstreifen;  fre- 
quentativ  von  rodere  rosus  nagen,  abkratzen,  also  für  rosar;  oder  etwa 
von  einem  iterativ  rositare.  Aus  der  nämlichen  würzet  ist  wohl  auch 
das  pg.  rojar  den  boden  streifen  (z.  b.  a  capa  roja  der  mantel 
schleift  nach),  wofür  man  rodicare  annehmen  muß,  sbst.  rojao  das  kratzen 
auf  der  geige. 

Rücio  sp.,  ruQO  pg.  graulich  (oder  röthlich  nach  Cabrera);  von 
russens. 

Ruido  sp.  pg.  lärm;  von  rugitus  gebriUl;  vgl.  rut  II.  c. 

Ruin  sp.,  ruim,  roim  pg.  elend,  erbärmlich;  von  ruina  verderben. 


II.b.  SACHO-SAPO.  485 


s. 

Sacho  sp.  pg.  jäthaue,  vb.  sachar  und  sallar;  von  sarculum,  sar- 
culare,  it.  sarchiare  u.  s.  w. 

Sadfo  pg.  heilsam,  gesund;  muthmaßlich  entstellt  aus  saudio  (von 
Saude,  lat.  salus),  vgl.  pr.  salutatiu. 

Säfara,  safra  pg.  steinichte  wüste,  adj.  säfaro  wild,  rauh,  scheu, 
sp.  zahareno  dass.;  vom  arab.  Qa'hrä  wüste  Freyt.  II,  482*. 

Sahir  pg.  ausgehn,  her  ausgehn,  alt  salir;  von  salire,  fr.  saillir  u. 
s.  w.    L  fiel  aus  und  h  trat  ein  zur  Währung  des  hiatus. 

Sahumar  sp.  räuchern;  für  suhumar,  lat.  suffamicare. 

Salitre  sp.  pg.  Salpeter,  ebenso  wal.  salitru,  dtsch.  volksübl.  sali- 
ter,  russ.  selitra;  von  sal  nitrum,  it.  salnitro. 

Salpicar  sp.  pg.  pr.  besprengen;  buchstäbl.  mit  salz,  wie  fr.  sau- 
poudrer,  von  picar  punctieren. 

Sancochar  sp.  halb  gar  kochen;  von  subcoctus  (Gabrera). 

Sandio  sp.,  (sendlo.Bc.,  FJ.),  pg.  sandeu  närrisch,  einfältig.  Um- 
gestellt aus  sanido  =  it.  insanito  von  insanire?  Oder  von  sanna  höhn, 
sannio  narr,  mit  einschiebung  eines  d  nach  n  wie  in  pendola  von  pennula? 
Aber  die  letzten  vocale  des  Wortes  sind  hier  nicht  zu  übersehen,  ihre  Ver- 
schiedenheit in  beiden  schwestersprachen  muß  einen  etymologischen  grund 
haben.  Sand-fo  und  sand-6u  verleiten  sich  offenbar  wie  sp.  jud-fo  und 
pg.  jud-6u  von  jud-aeus,  fuhren  also  auf  lat.  aeus  oder  eus:  sollten  diese 
formen  etwa  aus  dem  ausntf  sanete  deus  entstanden  sein  und  eigentlich 
einen  menschen  anzeigen,  dem  alles  unbegreiflich  vorkommt  und  der  darum 
jenen  ausruf  der  Verwunderung  stets  im  munde  führt?  sanetiguärse  (sich 
bekreuzen)  bedeutet  darum  bei  Berceo  eben  so  viel  wie  admirarse.  Ein 
ähnlicher  fall  wäre  das  wallon.  doüdiew  scheinheiliger,  entstanden  aus 
dem  ausrufe  doux  dieu. 

Santiguar  sp.  das  zeichen  des  kreuzes  machen;  von  sanetificare 
wie  amortiguar  von  mortificare,  apaciguar  von  paeificare,  atestiguar  von 
testificare,  averiguar  von  verificare.  Da  sich  in  allen  diesen  fällen  u 
hinter  g  einfindet,  so  läßt  es  sich  kaum  für  eine  bedeutungslose  einschie- 
bung halten,  es  scheint  Vielmehr  aus  einer  Umstellung  herzurühren,  nach- 
dem sich  f,  wie  öfters  in  dieser  spräche,  in  v  erweicht  hatte,  also  santi- 
guar aus  santigvar,  dies  aus  santivigar,  vgl.  fruytevigar  aus  fruetificare 
in  einer  portugiesischen  Urkunde  v.  j.  1317,  S.  Rosa  append.  p.  7a.  Der- 
selben Umstellung  und  voeälisierung  eines  lippenlautes  dankt  auch  fragua 
aus  fabrica  seine  form.    Port,  nur  santiguar,  averiguar. 

Sana  sp.,  sanha  pg.  wuth;  abgekürzt  aus  insania,  oder  ist  es  sanna 
zähnefletschen? 

Sapo  sp.  p'g.  kröte;  nach  span.  etymologen  vom  gr.  otjijj  oyiog  art 
giftiger  schlangen  oder  eidechsen,  auch  lat.  seps.  Identisch  mit  dem  span. 
worie  ist  bask.  apoa,  zapoa. 


486  ILb.   SARAIVA-SENDOS. 

Saraiva^.  hagd,  saraivar  hageln. 

Sarilho,  serilho  pg.  haspd,  vgl.  sp.  zarja  rad  zum  drehen  der  seide. 

Sarna  sp.  pg.  cot.  räude.  Darüber  gibt  es  ein  sehr  altes  Zeugnis: 
impetigo  est  sicca  Scabies  .  .  hanc  Vulgus*  sarnam  appellant  Isidor.  4, 
8,  6.  Man  darf  es  für  iberisch  halten,  bask.  sarra  und  zaragarra  be- 
deuten dasselbe,  vgl.  kymr.  sarn  (f.)  cstrich7  sarnaidh  krustig.  Ob  auch 
sp.  pg.  sarro  schleim,  Weinstein  dahin  gehört? 

Sarracina  sp.  blutiger  streit;  vom  bask.  asserrecina  ernsthafter 
streit,  s.  Larramendi. 

Sarrafar  pg.  aufritzen,  schröpfen;  wahrscheinlich  entstellt  aus 
scarificare,  woraus  sich  auch  eine  andre  form  sp.  sarjar  (scarfcar  scar- 
car,  lat.  rc  =  sp.  rj),  noch  mehr  verkürzt  sp.  pg.  sajar,  erklären  muß. 
Man  möchte  arab.  Ursprung  vermuthen,  da  die  median  in  den  händen  der 
Araber  war:  ihr  kunstausdruck  für  scarificieren  aber  ist  taracha  Freyt. 
I,  189°,  welches  pg.  tarafar  ergeben  hätte.   Das  bask.  wort  lautet  sarciatu. 

Sarraja  sp.,  serralha  pg.  hasenkoM:  lactnca  agrestis  est,  quam 
sarraliam  nominamns  eo  quod  dorsum  ejus  in  modum  serrae  est  Isidor. 
17,  10,  11. 

Särria  sp.  pr.  cot.  netz  oder  gefleckte  von  binsen,  altfr.  sarrie 
Roquef.,  bask.  sarrea;  dsgl.  sp.  sera,  pg.  seira  binsenkraut.  Die  Wörter 
erinnern  an  ahä.  sahar  ried,  binse,  mlat.  sarex  'carex  {woher  auch  it. 
sala?  denn  leicht  entsteht  in  dieser  spräche  1  aus  r),  aber  sie  könnten 
auch  aus  der  berbersprache  herübergekommen  sein  (Dozy  Gloss.  358  note). 
Schwende,  D.  wb.  542  note,  verweist  noch  auf  gr.  a^i%og  korb  und  ver- 
wandte Wörter  dieser  spräche. 

Sarta  sp.  schnür  aneinander  gereihter  dinge,  z.  b.  perlen,  von  serta 
kränz,  schnür. 

S arten  sp.,  pg.  sartagem  und  sarta,  pr.  sartan,  vgl.  sie.  sartania, 
tiegel;  von  sartago  dass. 

Sastre  sp.  Schneider;  euphonisch  für  sartre  von  sartor,  it.  sartore. 
Pott,  L.  Sal.  p.  146,  zieht  herleitung  aus  mlat.  sarcitor  vor. 

Saudade  pg.  (viersilb.)  schmerzliche  Sehnsucht,  saudoso  sehnsuchts- 
voll. Diesen  lieblingen  der  dichter  giengen  die  formen  sol'dade,  soYdoso 
voraus  für  soledade,  soledoso.  Saudade  bezeichnet  also  eigentlich  die  ab- 
geschiedenheit  von  einem  geliebten  gegenstände;  vgl.  disio  L  König  Dionys 
braucht  soydade  viersilbig  p.  58,  Gil.  Vicente  spricht  saudade,  saudoso 
dreisilbig,  Carmens  immer  viersilbig. 

Sayon  altsp.,  saiäo  altpg.  gerichtsdiener;  vom  ahd.  sago  d.  i.  sager, 
mlat.  saio,  sagio  L.  Wisig.  und  span.  Urkunden.  S.  über  das  deutsche 
wort  Grimms  Rechtsalt.  p.  765.  781,  Richthofen  s.  v.  asega. 

Sencillo  sp.  einfach;  dimin.  von  simplex  =  it.  semplicello. 

Send os  sp.,  senhos  pg.,  alt  selhos  SRos.,  das  einzige  distributiv, 
das  den  neuen  sprachen,  aber  auch  hier  nur  den  südwestlichen,  in  alter 
bedeutung  verblieben  ist,  von  singuli,  singulos,  Rom.  gramm.  III,  17. 
Altsp.  seüero  von  singularius. 


IIb.   SERBA-SISA.  487 

Serba  sp.  eisbeere;  für  suerba  von  sorbum,  it.  sorba. 

Serrin  sp.  (m.)  Sägemehl;  von  serrago  serraginis,  wie  orin  von 
aerugo. 

Sesgo  sp.  pg.  schräg,  sesgar  schräg  schneiden  oder  drehen;  von 
unbekannter  herJcunß. 

Seso  sp.y  siso  pg.  verstand,  hirn;  von  sensus. 

Seto  sp.  gehege;  von  septum. 

Sicrano  pg.  pronomen  für  lat.  quidam;  abgeleitet  von  secnrus  im 
sinne  von  certus.   Aach  der  Provenedle  hat  die  entsprechende  abl.  seguran. 

Sien  sp.  (f.)  schlaf  am  haupte.  Dies  dem  Portugiesen  und  Cata- 
lanen  unbekannte  wort  leitet  Cabrera  gane  unpassend  von  sinus.  Roman, 
mundarien  nennen  diese  gegend  des  hauptes  somnus  (vgl.  tempia  L),  dies 
thut  auch  der  Baske  (loa  vnvog,  pl.  loac  xQOTayoi):  aus  somn  konnte 
suen  werden,  in  sien  läge  eine  ganz  ungewöhnliche  entstellung  des  sprach- 
richtigen  diphthongs,  die  sich  höchstens  als  scheideform  von  sueöo  würde 
begreifen  lassen,  wie  man  etwa  mlat.  timpora  (schlafe)  für  tempora  sprach. 
Die  vertauschung  des  genus  wäre  minder  auffällend.  Noch  eine  andre 
ertdärung  dürfte  hier  angeregt  werden.  Tempus  von  der  würzet  T€/u  be- 
deutet nach  einigen  ursprünglich  eine  abtheilung  oder  gegend  am  haupte 
(Potts  Forsch.  II,  64):  wer  diese  auffassung  theilt,  der  tvird  gegen  eine 
erMärung  von  sien  aus  segmen  schwerlich  etwas  einwenden,  sien  aus 
segm  segn-  wäre  wie  des-den  aus  dignus. 

Siesta  sp.,  sesta  pg.  mittagsruhe;  von  sexta  die  sechste  stunde 
nach  Sonnenaufgang,  die  mittagsstunde,  d.  h.  von  einer  weicheren  form 
der  Ordnungszahl  (s  statt  x),  entsprechend  der  cardinalzahl  seis;  verb 
sestear  mittagsruhe  halten. 

Silo  sp.,  bask.  siloa,  ciloa  getreidegrube,  fehlt  pg.  cot.,  aber  neupr. 
8Ü6.  Die  spanischen  etymologen  erblicken  darin  das  den  Römern  bekannte 
slrus,  gr.  oeigog,  gegen  welches  bei  dem  häufigen  Übertritte  des  r  in  1 
(auch  im  bask.)  nichts  zu  erinnern  ist. 

Sima  sp.  höhle,  grübe;  unermittelter  herkunft. 

Singälo  pg.  einzeln;  lat.  gleichsam  singillus,  woher  singillarius 
bei  TertülUan. 

Siquiera  sp., pg.  sequer,  adverb  für  lat.  saltem,  zsgs.  aus  si  und 
quiera  conjunctiv  von  querer,  so  daß  es  bedeutet  cwenn  man  will,  wenn 
auch  nur. 

Sir  gar  sp.  pg.  cot.  bugsieren,  sbst.  sirga  handlung  des  bugsierens, 
auch  dazu  dienendes  seil;  nach  den  span.  etymologen  vom  gr.  osiQqv  mit 
dem  seile  ziehen,  wovon  es  also  mittelst  des  Suffixes  ic  abgeleitet  sein 
müßte,  siricare. 

Sisa  sp.  pg.  aufläge,  auch  Schwänzelpfennig  der  dienstboten,  sp. 
sisar,  pg.  scisar  abschneiden,  zurückbehalten.  Nach  Ducange  identisch 
mit  fr.  assise,  wenn  es  nicht  vielmehr,  da  der  Spanier  nicht  leicht  den 
antiaut  a  abstößt,  aus  pr.  sensa  aufläge  =  lat.  census,  wie  jpg.  siso  aus  sen- 
sus, entstanden  ist. 


488  ILb.   SITIO-SOMBRA. 

Sftio  sp.  pg.,  cot.  siti  stelle,  belagerung,  sitiar  belagern;  wohl  vom 
ahd.  sizan,  alte,  sittian  sitzen,  vgl.  bisittian  belagern.  Herleitung  aus 
sedes  oder  obsidium  wäre  unrichtig,  da  sich  d  keinem  solchen  wandet 
hingibt,  vgl.  sedio  I. 

So  bar  sp.,  sovar  pg.  lernten;  vom  gleichbed.  subigere,  auf  roman. 
weise  in  subagere  {daher  auch  sobajar)  umgebildet  und  in  sobar  zusam- 
mengezogen wie  exporrigere  in  espurrir.  Auch  der  Baske  sagt  sobatu, 
nach  Larramendi  für  jobatu,  von  jo  klopfen  und  batn  sammeln,  welche 
deutung  aber  gegenüber  dem  lat.  etymon  zurückzuweisen  ist. 

Socarrar  sp.  cot.  versengen;  baskisches  wort,  sucartu,  von  Larra- 
mendi zerlegt  in  sua  feuer,  und  carra  flamme.  In  dem  ersteren  aber 
mochte  der  Spanier  seine  präpos.  so  fühlen  wie  in  dem  synonymen  so- 
Uamar,  daher  socarrar  für  sucarrar.  Sbst.  socarra,  sofern  es  Verschmitzt- 
heit bedeutet,  leitet  man  von  soga,  bask.  soca,  strick,  verschmitzter  mensch, 
aber  auffallend  hat  auch  soflama  hinterlistiges  wesen  (subflammare)  in 
einem  mit  dem  bask.  carra  gleichbed.  worte  seinen  grund. 

Sohez,  soez  sp.  schmutzig  (in  jedem  sinne),  niederträchtig.  Nach 
den  etymologen  von  sub  und  faex,  worin  sub  als  präposition  zu  verstehen 
sein  müßte  wie  in  so-color  vorwand  (sub  colore)  t*.  a.,  hombre  soez  wäre 
also  homo  sab  faece  populi  tiefer  als  die  hefe  des  Volkes.  Das  gekünstelte 
dieser  deutung  wird  niemand  entgehen.  Darf  man  annehmen,  daß  die 
von  dem  Spanier  Prudentius  (adv.  Symmach.  II,  813)  gebrauchte  form 
suis  für  süs  (spurca  suis  nostro  amne  natat ;  cd.  sordida  sus)  etwas  mehr 
sei  als  eine  grammatische  Ziererei,  daß  sie  ihren  grund  hatte  in  der 
Volkssprache,  so  braucht  man  nach  keinem  andern  etymon  zu  forschen, 
zumal  da  der  Spanier  nominativformen  auf  s,  das  sich  diesmal  als  z  dar- 
stellte, liebt  (diös,  Garlos):  der  ton  zog  sich  nur  auf  die  zweite  sübe  wie 
in  ju6z.    Auch  porcus  ward  zum  adj.  puerco. 

Sollar  citsp.  blasen,  nsp.  resoflar;  von  sufflare. 

Sollo  sp.,  solho  pg.  ein  Seefisch;  von  suillus:  porci  marini  Vulgo* 
yocantur  suilli  Isidor.  12,  6  (Cdbrera). 

Soltar  sp.  pg.  loslassen;  frequentativ  von  solvere  solutus,  also 
für  solutar. 

Sombra  sp.  pg.  cat.  schatten.  Es  weist  mit  seiner  ganzen  bildung 
und  seinen  derivaten  (sombrage  =  it.  ombraggio  u.  s.  w.)  so  bestimmt 
auf  das  gemeinrom.  ombra,  daß  das  anlautende  s  nicht  irre  machen  darf. 
Muthmaßlich  sagte  man  anfangs  so-ombrar  =  sub-umbrare  unter  schatten 
setzen,  demnächst  durch  contractUm  sombrar,  sbst.  sombra:  dasvorhandne 
prov.  sotz-umbrar  beschatten  Jfr.  95b  bringt  diese  muthmaßung  der  ge- 
wißheit  nah.  Merkwürdig  ist  noch  die  altspan.  form  solombra  schatten 
s.  Alx.  und  Teatr.  ed.  Bohl  p.  83,  altpg.  soombra,  vb.  pr.  dauph.  solom- 
brar  beschatten  (neupr.  souloumbrous  schattig),  vielleicht  nur  aus  sotzom- 
brar  entstellt;  oder  hat  sich  hier  der  artikel  eingemischt  (so  l'ombra)  wie 
im  lothr.  ailaurbe  s.  v.  a.  ombre,  eigentl.  s.  v.  a.  ä  l'ombre?  an  solis 
utnbra  wird  man  nicht  mit  Covarruvias  und  Cabrera  denken  wollen.   Die 


ILb.   SOMOBGUJO— TABA.  489 

frone,  spräche  hat  ein  adj.  sombre  düster  {daher  ndl.  somber),  welches 
dasselbe  wort  sein  kann;  altfr.  essombre  Ruteb.  II,  40  schattiger  ort? 
Abgel.  sombrero  hui,  im  Alx.  solombrero. 

Somorgujo  sp.taucher,  somorgujar  untertauchen;  von  submergere, 
mit  seltnem  suffix,  auch  in  gran-ujo  und  burb-uja. 

Sortija  sp.,  sortilha  pg.  fingerring.  Man  leitet  es  gewöhnlich  von 
circes  circitis  kreiß,  bei  Sidonius,  dimin.  circiticula,  ivelches  sertija  und 
mit  einem  dem  Spanier  wenig  geläufigen  vocalwechsel  sortija  gegeben  habe. 
Es  ist  aber  buchstäblich  das  lat.  sorticula  und  bedeutet  hiernach  etwas 
schicksalbestimmendes,  einen  zauberring,  dessen  steinen  magische  Kräfte 
augetraut  wurden.  In  einem  testamente  v.  j.  1258  z.  b.  liest  man:  que 
as  suas  sortelas  das  vertudes  as  gardem  para  as  enfermas  die  ringe  mit 
Zauberkräften  soll  man  für  die  kranken  bewahren  SBos.  p.  331b.  In  der 
französischen  poesie  behielt  der  zauberring  den  einfachen  namen  anel, 
s.  b.  im  Renata  von  Montauban:  Maugis  vos  saura  anchanter,  bien  saura 
des  aniaus  p.  275.  Aus  (unvorhandnem)  sortilha  entstand  auch  das  pr. 
sortilhier  Zauberer. 

Sosanar  altsp.  verspotten,  verachten,  s.  Sanchez  glossare  und  das 
zum  Game,  de  Borna,  sbst.  sosano,  altpg.  sosano  Verachtung;  unzweifel- 
haft von  subsannare  verhöhnen,  bei  spätem  Lateinern,  zsgs.  mit  sanna. 
Dasselbe  wort,  wiewohl  ein  solcher  ausfall  des  sauselautes  fast  nur  mund- 
artlich vorkommt,  scheint  pr.  soanar,  altfr.  sooner  Ruteb.  II,  480  mit  gl. 
bed.}  sbst.  soan,  soana.  Wie  erklärt  sich  aber  das  prov.  in  einigen  stellen 
vorkommende  sofanar?  Fer.  1401,  Kathar.  rituale  p.  30,  Legs  II,  356. 

Sosegar  (präs.  sosiego)  sp.,  soeegar  pg.  beruhigen,  besänftigen, 
sich  beruhigen,  sosiego,  soeego  stille,  ruhe,  daher  it.  sussiego  ernste 
haitun  g.  Etwa  für  sos-eguar  sachte  ausgleichen,  lat.  gleicJisam  sub-ae- 
qnare?  Eine  span.  form  iguar  von  aequare  braucht  das  Alexanderlied, 
eguar  die  Conguista  de  Ultramar,  eine  port.  igar  bemerkt  S.  Rosa. 

So  so  sp.  geschmacklos,  richtiger  pg.  insosso;  von  insulsus.  Das 
synonyme  sp.  zonzo  muß  dasselbe  wort  sein. 

Soto  sp.,  souto  pg.  gehölz;  von  saltus,  altpg.  noch  salto  SRos.  wie 
ital.,  in  Urkunden  sautus  z.  b.  Esp.  sagr.  XVI,  p.  448  (vom  j.  1021). 

Suero  sp.,  soro  pg.,  soru  sard.  molken;  von  serum.  Diese  Verwand- 
lung des  betonten  e  in  0  vor  einfachem  consonanten  ist  im  span.  beispiel- 
los und  läßt  fast  ein  flu  ß  eines  verlorenen  franz.  soir  vermuthen.  Nicht 
einmal  ein  homonym  nöthigte  zu  dieser  abänderung  des  tonvocals. 

T. 

Ta,  ta,  auch  täte,  täte,  sp.  und  pg.  interjeetion,  schweigen  zu  ge- 
bieten; wohl  von  tace. 

Taba  sp.  beinchen,  knöchlein;  vom  aräb.  rtabaq  dünner  knocken 
zwischen  den  rückenwirbeln  Freyt.  III,  39*  ?  Nach  Dozy  Gloss.  341  aber 
vom  gleichbed.  araU  ka'bah,  t  für  k  gesetzt. 


490  IIb.   TABIQUE-TEA. 

Tabique  sp.  pg.  Zwischenwand  von  steinen  und  lehn;  vom  aräb. 
ctab!q  etwas  aneinander  passendes  Freyt.  III,  40*  nach  Sousa.  Für  tabi- 
que findet  sich  im  Cancionero  de  Baena  taxbique,  genau  das  arab.  tasch- 
bik,  wie  schon  Pedro  von  Alcala  zeigte,  s.  Mohns  Untersuch,  p.  71. 

Tagarote  sp.  pg.  ägyptischer  falk;  so  genannt  von  dem  flusse 
Tagarros  in  Africa,  weil  dieser  vogel  in  den  f eisen  seines  ufers  nistet 
(Covarruvias). 

Taimado  sp.,  taimad  cot.  listig,  verschmitzt,  sbst.  sp.  taimonla, 
cot.  taimarfa. 

Tala  sp.pg.  cot.  pr.  ausrottung  der  bäume,  Verwüstung,  talar  bäume 
abhauen  u.  s.  w.,  vgl.  den  franz.  Ortsnamen  Boistallä  Vocab.  du  Berry 
p.  103.  Sicher  nicht  identisch  mit  dem  synonymen  tallar  schneiden.  Ein 
handschriftliches  bask.  glossar  übersetzt  tala  'ezcidium  sylvarum,  was 
freilich  die  iberische  herkunft  des  wortes  noch  nicht  beweist,  allein  es 
scheint  sich  auch  in  hispan.  Ortsnamen,  wie  Tala-briga,  Tala-mina,  Tal- 
on, wiederzufinden,  worin  es  das  ausrotten  der  wälder  zu  neuen  ansiede- 
lungen  bedeuten  könnte,  s.  Humboldt,  Urbew.  Hisp.  p.  63.  Daneben  ist 
allerdings  noch  zu  erwägen  ahd.  zälön  diripere  =  ndat.  talare  in  der 
L.  Alam.,  theils  weil  das  wort  auch  in  Frankreich  heimisch  war,  theüs 
weil  das  rothwäische  talar  grade  diese  specielle  bed.  (fortnehmen,  fort- 
reißen) ausdrückt. 

Talega  sp.,  pg.  taleiga,  pr.  taleca  sack,  beutet;  nach  den  span. 
etymologen  vom  gleichbefi.  gr.  d-ulaxog,  wohin  auch  wäl.  tileAgt;  gehört. 

Tambo  pg.  brautbett;  von  thalamus  mit  eingeschobenem  b,  attpg. 
tamo  hochzeitsfest. 

Tan  sp.,  pg.  täo,  adverbium,  aus  tantus,  s..  Rom.  gramm.  11,  477. 

Tapia  sp.,  pg.  taipa,  sard.  masc.  tapiu  lehmwand,  vgl.  lomb.  (bresc.) 
tabia  elende  hütte. 

Tarde  sp.  pg.  (f.),  cat.  tarde  und  tarda  abend,  eigentl.  die  zeit 
von  mittag  bis  nacht;  vom  adv.  tarde  langsam,  daher  spät.  Man  ver- 
gleicht gr.  ßQadvg  langsam,  neupr.  ßQadv  abend. 

Tarima  sp.,  pg.  auch  tarimba  schemel;  vom  arab.  'tarimah,  welches 
bettstelle  bedeuten  soll. 

Tasajo  sp.,  tassalho  pg.  stück  geräuchert  fleisch;  etwa  vom  gaUi- 
■  sehen  taxea  speck,  das  Isidorus  aus  Afranius  anführt?  Oder,  urie  Cabrera 
meint,  von  tessella  würfelchen?  Unter  diesen  beiden  spricht  das  cat. 
tasco,  umgestellt  aus  taxo,  für  ersteres. 

Tascar  sp.  pg.  zupfen,  hecheln;  ahd.  zaskön  raffen,  bair.  zaschen 
ziehen,  schleifen,  womit  das  rom.  tasca  zusammenhängt,  s.  (hl.  I. 

T  6 ,  bX6,  bei  den  Alten  atem,  port.  präposition,  offenbar  von  tenus, 
ad-tenu8,  oitsp.  atänes.  Die  Alien  schrieben  auch  hactä,  als  stamme  das 
wort  von  hactenus,  aber  sowohl  der  accent  wie  die  bedeutung  sind  da- 
gegen. Das  synonyme  otUsp.  altpg.  fata  und  ata  erklärt  man  mit  recht 
aus  dem  gleichbed.  arab.  'hatta. 

Tea  sp.  pg.  fache!,  atear  anzünden;  von  taeda. 


n.b.    TECLA— TOBILLO.  491 

Teela  sp.  pg.  cot.  sard.  taste  der  orgd  u.  dgl.;  wird  aus  tegula 
wegen  der  siegelartigen  form  erklärt.  '  Die  schlechte  romanisierung  (es 
müßte  sp.  teja,  pg.  telha  lauten)  verräth  den  später  geschaffenen  kunst- 
ausdruck. 

Teiga,  teigula  pg.  binsenkorb;  zweifelhaft,  ob  von  theca  oder  von 
teges  (f.)  binsenmatte. 

Tema  sp.  Hartnäckigkeit ,  eigentl.  in  der  behauptung  eines  saizes 
(thema),  daher  tematico  thematisch  und  hartnäckig,  vb.  bask.  thematu  be- 
haupten. Der  Portugiese  hat  sich,  neben  tema  in  alter  bedeutung,  die 
scheideform  teima  gebildet.  Eine  ähnliche  berührung  der  begriffe  im  it. 
prova  beweis,  Wettstreit,  provano  hartnäckig. 

Tepe  sp.  pg.  stück  rasen,  auch  piem.  com.  tepa  moos,  erdscholle, 
in  Brescia  topa. 

Terciopelo  sp.  pg.  sammet;  zsgs.  aus  tercio  und  pelo  haar,  seiden- 
faden,  weil  er  ursprünglich  aus  dreidrähtiger  seide  gewirkt  ward. 

Ter  co  sp.  hartnäckig,  hart.  Covarruvias  leitet  es  von  altercari: 
wie  nahe  aber  lag  ihm  tetricus  unfreundlich,  streng,  dem  sich  wohl  auch 
das  synonyme  it.  terchio  anschließen  wird. 

Testigo  sp.  eeuge ;  gleichsam  testificus,  wie  testignar  von  testi- 
ficare.    S.  oben  santiguar. 

Tez  sp.  (f.)  glatte  Oberfläche,  frische  gesichtsfarbe,  pg.  tez,  tes,  tex 
äußerste  garte  haut,  auch  des  obstes,  vb.  sp.  atezar  glätten.  Von  tersuB 
glatt,  vb.  tersare,  oder  (mittelst  der  form  tertus)  von  tertiäre. 

Tierno  sp.,  terno  pg.  zart;  von  tener,  fr.  tendre  ff. 

Tieso  sp.,  teso  pg.  hart;  von  tensus  gespannt,  it.  teso,  vgl.  das 
glossem  tensus,  tesus  Class.  auct.  VI,  548*. 

Tilde  sp.,  til  pg.  (m.)  Meiner  strich,  accent,  cat.  titlla;  von  titulus 
kennzeichen,  nach  Covarruvias:  dieselbe  Umstellung  in  cabildo  aus  capi- 
tulum.  Das  wäl.  title  circumflex,  das  occ.  titule  punct  über  dem  i,  sieht- 
barlich  von  titulus,  kommen  dieser  herleitung  zu  statten. 

Timpe  bei  A.  March  in  der  ausg.  v.  1560  mit  montana,  bei  Figuera 
Diec.  malhrq.  mit  cuesta,  subida  erklärt,  ist  noch  au  untersuchen. 

Tino  sp.  pg.  richtiges  urtheil,  Ortssinn,  Scharfsinn,  auch  atino,  vb. 
atinar  ins  siel  treffen,  das  rechte  treffen.  Von  Ungewisser  herkunß,  sicher 
nicht  von  attingere,  vielleicht  entstanden  aus  der  dem  Portugiesen  wohl- 
bekannten präpos.  tenus,  ad  tenus  (s.  oben),  die' das  siel  bezeichnet,  wie 
auch  ahd.  zil,  ags.  til  mit  der  gleichbed.  präp.  til  zusammenfallen.  Aus 
dem  vb.  atinar  wäre  hiernach  erst  das  sbst.  atino,  endlich  tino  entstanden. 

Tiritaöa  sp.  ein  dünner  Seidenstoff,  pg.  tiritana  mantel  der  bäuerin- 
nen,  auch  fr.  tiretaine  ein  halbwollener  stoff. 

Toba  sp.  stengel  der  distel;  von  tuba  röhre,  npr.  touve  dass.,  vgl. 
fr.  tige  röhre  und  stengel. 

Tobillo  sp.  knöchel  am  fuße;  von  tuberculum  kleiner  höcker, 
oder  unmittelbar '  aus  tuber  abgeleitet,  da  tuberculum  eher  tobejo  er- 
geben  hätte. 


492  ILb.   TOCHO— TORRAR. 

Tocho  sp.  grob,  plump,  dumm;  verwandt  mit  den  it.  tozzo  dick 
und  hure?  s.  dasselbe  IL  a. 

Tocino  sp.  eingepökeltes  Schweinefleisch.  Die  etymologen  schwanken 
stoischen  tucetum  gericht  aus  gehacktem  fleisch  (?)  und  tomacma  art  wurste. 

Toldo  sp.  pg.zelt;  vom  lat.  tholus  kuppeldach,  mit  eingeschobenem 
d  auf  spanische  weise.  Vb.  pg.  toldar  decken,  tapezieren,  daher  tolda 
schimmel,  eine  deckende,  überziehende  materie. 

Tolo  pg.  dumm,  einfältig,  augm.  toleiräo.  Nach  Moraes  vom  deut- 
schen toll,  mit  dem  es  allerdings  äußerlich  zusammentrifft.  Aber  der 
hochd.  anlaut  t  =  ndd.  d  (alts.  dol,  altn.  dul,  goth.  dvals)  gibt  kein 
span.  t,  das  wort  verlangt  eine  andre  erklärung.  D.  Diniz  braucht  toi- 
heyto  als  synonym  von  louco  (que  hüa  que  deos  maldiga,  volo  ten  louco 
e  tolheyto  p.  181.  182),  es  mag  stumpf  von  sinnen  bedeuten  und  ist  das 
pg.  tolhido,  alt  tolido  gelähmt  (s.  unten  tullir),  bask.  tholdo  erstarrt. 
Hieraus  kann  tolo,  das  auch  erstarrt,  betäubt  heißt,  abgekürzt  sein  wie 
manso  aus  mansueto  u.  a. 

Tomar  sp.pg.  nehmen,  wegnehmen,  auch  fühlen,  leiden  (hinnehmen?) 
und  nur  in  dieser  bed.  kennt  es  der  QUalane.  Es  scheint  von  goth.  her- 
kunft,  vgl.  alts.  tömian  ledig  oder  frei  machen,  woraus  die  bed.  losmaclien, 
wegnehmen  erfolgen  konnte,  so  sp.  quito  ledig,  los,  quitar  wegnehmen. 
Griech.  to/uog,  xof.it]  stimmen  nur  mit  dem  buchstaben. 

Tomate  sp.  pg.,  tomitec,  tomaco  cat.  eine  fruckt  aus  Neuspanien, 
liebesapfel,  goldapfel;  vom  mexkan.  tomatl  (Cabrera). 

Toraiza  sp.,  tami^a  pg.  binsenstrick;  von  tomix  dass. 

Tomo  sp.  pg.  körperlicher  umfang,  dicke,  große,  dsgl.  gewicht  d.  i. 
Wichtigkeit;  wohl  von  tomus  buch,  band,  das  man  dein  synonymen  volumen 
auch  in  dieser  anwendung  gleich  stellte. 

Tona  pg.  dünne  rinde  oder  schale  von  bäumen  und  fruchten.  Von 
tunica?  aber  der  Portugiese  wirft  die  endung  Yc  nicht  ab.  Vielleicht  ein 
alteinheimisches  wort.  Im  kymrischen  findet  sich  tonn  (m.)  kruste,  schale, 
haut. 

Tonto  sp.pg.  dumm;  von  attonitus,  daher  auch  sp.  atontar  betäuben. 

Toria  cat.  senket,  ableget.  In  diesem  worte  scheint  sich  das  von 
dem  Spanier  Golumella  gebrauchte  turio  {schößling)  mit  geringer  Verän- 
derung erhalten  zu  haben.  JSs  wäre  also  mit  kurzem  u  turio  anzunehmen, 
da  langes  u  nicht  zu  o  wird. 

Tormo  sp.  hoher  einzeln  stehender  felsen;  für  torao,  vom  alts.  altn. 
mhd.  turn  (lat.  turris),  um  es  von  torno  drehscheibe  u.  dgl.  zu  unter- 
scheiden, pr.  aber  torn,  nach  Raynouard  crempart\  Oder  läßt  sich  ein 
passendes  etymon  aus  einer  näher  liegenden  spräche  aufweisen? 

Torezon  sp.,  alt  torzon  bauchgrimmen ;  von  torsio  (Cabrera),  it. 
torzione. 

Torrar  5p.  pg.  cat.,  sp.  auch  turrar  und  esturar  rösten,  sengen; 
von  torrere,  extorrere.  Man  fühlt  sich,  versucht,  an  das  dtsehe  dorren 
(adj.  ahd.  durri,  goth.  thaürsus)  zu  denken,  da  die  umbiegung  der  2.  coty. 


ILb.   TORVISCO-TRASTO.  493 

in  die  1.  im  span.  so  selten  vorkommt.  Aber  sie  kommt  vor  (s.  oben  mear) 
und  somit  muß  dem  lat.  etymon  jedes  andre  weichen.  Die  3.  conjugations- 
form  im  occit.  estourrir  hat  weniger  befremdliches.  Das  churw.  torrer 
blieb  der  lat.  form  getreu. 

Torvisco  sp.,  pg.  trovisco  ein  südeuropäischer  Strauch,  daphne 
gnidium  L.;  von  turbiscus  bei  Isidorus,  quod  de  nno  cespite  ejus  multa 
virgulta  surgant  quasi  turba. 

Tosco  sp.  pg.  grob,  rauh  (von  Sachen  und  personen);  unbekannter 
entstehung.  J.  Febrer  braucht  es  auch  in  gutem  sinne,  wenn  er  eine 
Jcriegerschaar  gent  valenta  e  tosoa  nennt  str.  97. 

Toura  pg.  unfruchtbare  kuh.  Tauras  vaccas  steriles  appellari  ait 
Verrius.  So  sagt  Festus  und  auch  bei  Varro  und  Columetta  bemerkt  man 
das  wort.  Eine  abl.  davon  ist  das  prov.  adj.  törija  zsgz.  turga  un- 
fruchtbar (von  fr auen  gebraucht) ,  neupr.  turgea,  piem.  targia,  dsgl.  norm. 
torliere  (von  taurula)  s.  v.  a.  pg.  toura. 

Touräo  pg.  wiesei;  woher? 

Toxo  (tojo)  sp.ginster,  pg.  tojo  dorngestrüpp ;  unbekannter  herkunß. 

Tozo  arag.  winzig,  zwergmäßig,  toza  stumpf  stümmel,  tozar  stoßen, 
anstoßen;  von  tunsus  klein  gestoßen. 

Tozuelo  sp.  nacken.  Nach  Covarruvias  bezeichnet  es  den  fleischi- 
gen nacken  zumal  der  thiere,  und  steht  für  torzuelo  von  torus  muskel, 
umist;  grammatisch  unverwerflich. 

Tragar  sp.  pg.  verschlingen,  hinunterschlucken,  auch  sard.  tragare. 
Lat.  trahere  heißt  ziehen,  in  sich  ziehen,  daher  auch  trinken;  hieraus 
konnte  mit  erweiterter  bedeutung  sp.  trahicare  traigar  tragar  abgeleitet 
werden,  ebenso  ward  aus  volvere  volvicare  volcar. 

Trage  sp.,  trajo  pg.  art  sich  zu  Meiden,  iracht;  vom  sp.  traer  tra- 
gen (ein  kleid),  lat.  trahere,  im  mlatein  zur  beseitigung  des  hiatus  trägere 
geschrieben  und  gesprochen,  s.  struggere  IL  a. 

Trailla  sp.  eine  walze  die  erde  zu  ebenen;  von  traha  schleife 
{Cabrera). 

Trapiche  sp.  pg.  zuckermüMe;  von  trapetnm  Ölpresse  (derselbe). 

Trasegar  sp.,  pg.  aber  trasfegar,  cot.  tra&gar  aus  einem  gefäß 
in  das  andre  gießen,  umgießen,  umkehren,  sbst.  trasiego,  trasfögo,  tr&fag. 
Etwa  von  trans-aequare  aus  dem  gleichen  bringen,  umkehren,  ausgießen, 
wie  fr.  verser  beide  letztere  bedeutungen  zeigt?  Allein  eine  so  müßige 
einschiebung  des  f  ist  gegen  alle  erfahrung.  Vielleicht  ist  dieser  buch- 
stabe  nur  ein  geschärftes  oder  aspiriertes  v  und  trasfegar  steht  für  tras- 
vegar,  gleichsam  trans-vicare  von  vicis  Wechsel,  woher  auch  sp.  vegada 
und  mit  gleicher  aspiration  fr.  fois.  Die  grundbedeutung  wäre  hiernach 
umwechseln,  umtauschen. 

Trasgo  sp.  pg.  pöltergeist,  der  das  küchengeschirr  durcheinander- 
wirft (s.  Covarruvias) ;  von  trasegar  umkehren,  vermuthet  J.  Grimm  Myth. 
473,  vgl.  die  vorrede  dieses  Wörterbuches. 

Trasto  sp.  pg.  alter  hausrath;  wohl  von  transtrum  batik,  a  potiori. 


494  IIb.   TRAVIESO-TUERO. 

Zu  trasto  paßt  formell  altfr.  traste  querbalken,  sichtbarlich  von  transtrnm, 
dem  auch  diese  bedeutung  ansteht. 

Travieso  sp.,  travesso  pg.  quer,  trav£s  sbst.  quere,  schiefe,  atra- 
yesar  quer  legen;  von  transversus,  fr.  travers  u.  s.  w. 

Trefe  sp.  schlaff,  unächt,  auch  schwindsüchtig,  pg.  trefo,  trefego 
verschmitzt,  arglistig,  fehlt  cat.,  abgel.  pr.  trefä  treulos  (trafan  GAlb.  1381), 
vb.  trefanar,  sbst.  trefart.  Seckendorf  im  Span.  wb.  verweist  auf  das  hebr. 
trefe  krank;  er  meint  wohl  terefa  das  von  wilden  thieren  zerrissene  fleisch, 
das  deshalb  zu  essen  verboten  ist,  dsgl.  (später)  die  verdorbene  speise,  im 
judendeutsch  schlecht,  ungerecht,  woran  sich  die  roman.  bedeutungen  knüpfen 
lassen. 

Trepar  sp.  pg.  cat.  klettern;  ursprüngl.  wohl  nur  hinaufsteigen, 
vom  dtschen  treppe,  wie  schon  Moraes  meinte,  mhd.  trappe,  ndl.  trap,  altn. 
trappa  stufe,  wurzelverwandt  mit  pr.  troper  IL  c;  vgl.  occit.  escalo  treppe, 
escalä  klettern;  lat.  gradus  stufe,  fr.  gravir.  Aber  cat.  trepar  bohren 
erinnert  an  gr.  xqinsiv,  lat.  trepit  l  vertu'  Paul,  ex  Festo. 

Treva  pg.  (nur  im  plur.  üblich)  dunkelheit;  von  tenebrae,  sp. 
tinieblas  u.  s.  w. 

Tri  gar  altpg.  antreiben,  beschleunigen,  z.  b.  trigar  os  cavallos, 
trigar  a  sua  jornada  S.  Ros.,  daher  sbst.  trigan$a  eile.  Bedeutet  also  das 
geqentheü  des  pr.  trigar  hemmen,  von  tricari:  ist  es  etwa  von  extricari 
entwirren  d.  i.  losmachen,  fördern?  aber  Wegfall  der  compositiofispartikel 
ist  ein  im  spanischen  unerhörtes  ereignis.  In  trigar  muß  man,  sofern  die 
lautgesetze  zu  folgerungen  berechtigen,  eine  gothische  reliquie  anerkennen: 
threihan  drängen,  pressen  =  ags.  alts.  thringan,  ahd.  dringan,  nhd. 
dringen,  konnte  sich  romanisch  kaum  anders  aussprechen.  Das  port.  wort 
ist  um  so  willkommener,  als  es  die  einmischung  des  n  noch  nicht  verräth. 

Trigo  sp.  pg.  weizen;  von  triticum  mit  euphonischem  ausfall  der 
zweiten  silbe.  Die  andern  sprachen  bedienen  sich  dafür  des  lat.  frumen- 
tum,  dessen  bedeutung  sie  auf  diese  getreideart  einschränkten,  und  dem 
gemäß  übersetzen  es  bereits  althochdeutsche  glossare  mit  weizi. 

Trinca  sp.  pg.  cat.  dreiheit,  drei  dinge;  muthmaßlich  von  trinitas, 
das  man  aber  aus  scheu  vor  seiner  heiligen  bedeutung  absichtlich  entstellte, 
s.  ähnliche  falle  Rom.  gramm.  II,  492.  Oder  hat  man  nach  dem  muster 
von  unus  unicus,  aus  trinus  trinicus  geformt? 

Trocir  altsp.  hindurchgehen,  sterben;  von  traducere,  s.  Sanchez 
glossar  zum  Cid. 

Tropezar  sp.  pg.  stolpern,  sbst.  tropiezo,  trope^o;  dsgl.  pg.  tro- 
picar,  sp.  mit  eingeschobenem  m  trompicar.  Wie  das  begriffsverwandte 
tropellar  aus  tropel  (häufe)  entstand,  so  das  gegenwärtige  verbum  aus 
dem  primitiv  tropa:  altsp.  findet  sich  auch  en-tropezar  Älx.  und  en* 
trompezar.  Befremdlich  ist  hier  das  suffix  ez,  das  übrigens  auch  in 
bostezar  {aber  präs.  nicht  bostiezo  wie  tropiezo)  und  acezar  vorliegt. 

Trujal  sp.  Ölmühle;  von  torcular  presse,  wie  Cabrera  richtig  erklärt. 

Tuero  sp.  scheu  holz,  pg.  toro  entzweigter  baumstamm>  rümpf  des 


IIb.   TULLIRSE-USTED.  495 

korpers,  lomb.  toeur  (tör)  Motz;  von  torus  muskel,  wie  sp.  mufion  muskel 
und  stümmel  heißt;  minder  nah  liegt  lat.  torris.  Dahin  auch  sp.  atorar 
stecken  bleiben  (wie  ein  block  oder  wtdst),  das  nicht  von  obtürare  her- 
rühren kann. 

Tullirse  sp.,  tulirse  cot.  gliederlahm  werden  =  pg.  tolherse  de 
membros,  von  tollere  wegnehmen,  zu  gründe  richten,  altsp.  toller. 

Tu  reo  altsp.  schnöde,  unbescheiden,  bei  Santülana  proverb.  p.  36 
(Madr.  1799);  von  dem  völkernamen  Turco.  So  auch  sie.  turcu,  piem. 
turch  starr,  unbeugsam  u.  dgl. 

T  u s ar  und  atusar  sp.  das  haar  glatt  scheren;  von  attondere  attonsus. 

Tütano  sp.  pg.,  tuetano  sp.  mark  der  knocken. 

u. 

Uneir  sp.,  alt  juncir  ochsen  anspannen;  von  jüngere,  vgl.  ercef 
von  erigere. 

Ufia  sp.,  unha  pg.  nagel,  kraue;  von  ungula,  it.  unghia. 

Upa,  aüpa  sp.,  cot.  vai.  upa,  fehlt  pg.,  ermunterungsruf  besonders 
für  die  kinder,  aufgestanden!  munter!  vb.  sp.  upar  sich  anstrengen  um 
sich  zu  erheben.  Das  zusammentreffen  mit  goth.  Yup,  iupa  avej,  alts.  up, 
dp,  upa  ist  überraschend,  zumal  da  auch  ein  verbum,  z.  b.  ags.  uppian 
sich  erheben,  oitn.  yppa  erheben  =  sp.  upar,  stattfindet.  Die  interjeetion 
steht  auch  dem  Basken  zu  geböte,  s.  Larramendi  s.  v.  und  Astarloa  Apol. 
p.  260,  das  verbum  scheint  ihm  zu  fehlen. 

Urea  sp.  pg.  ein  fahr  zeug;  nach  Aldrete  p.  65°  vom  gr.  obeag:  da 
aber  urca  auch  sturmfisch  heißt,  lat.  orca,  und  letzterem  auch  die  bed. 
tonne  zusteht,  so*ist  lat.  Ursprung  wahrscheinlicher. 

Urce  sp.  pg.  heidekraut;  von  erlce  dass.  (Cabrera). 

Urraca  sp.  pg.  eistet.  Covarruvias  räth  auf  furax  diebisch  und 
Seckendorf  bringt  ein  altsp.  farraca,  dem  jedoch  die  port.  form  wider- 
spricht. Schwerlich  ist  der  edle  span.  frauenname  Urraca  (tu  den  Ur- 
kunden Hurraca  und  Orraca)  daher  entnommen,  leichter  fand  das  umge- 
kehrte statt:  heißt  ja  doch  derselbe  vogel  auch  marica  Mariechen,  dsgl. 
bask.  urraca,  nach  Mahn  p.  38  von  urra  Jiaselnuß. 

Usted  sp.,  plur.  ustedes,  persönl.  pronomen  der  ehrerbietung,  ab- 
gekürzt aus  vuestra  merced,  entsprechend  dem  it.  vossignoria,  dem  deut- 
schen euer  gnaden.  Die  abkürzung  ist  stark,  wird  aber  durch  die  ähn- 
lichen falle  usencia  aus  vuestra  reverencia  oder  usenoria  aus  vuestra 
sefioria  so  wie  durch  die  catal.  formen  mit  anlautendem  v  vostä,  vosencia, 
vosenyoria  bewiesen ;  auch  sagt  man  im  gemeinen  Üben  vosastä  für  usted. 
Andre,  selbst  J.  v.  Hammer,  erkennen  in  letzterem  das  arab.  ustäd  herr, 
meister,  ohne  zu  bedenken,  daß  sie  für  vosencia  oder  vosenyoria  alsdann 
keinen  rath  haben,  daß  ferner  usted  feminin  ist  und  daß  endlich,  als 
dieser  ehrentitel  aufkam,  es  mit  dem  einfluß  arabischer  sitten  auf  die 
spanische  bevölkerung  zu  ende  war. 


496  IIb.    UVIAR- VELAR. 

Uviar,  ubiar,  hubiar,  huyar  ältsp.  helfen  PG.  1189.  1192.  1217, 
hinzukommen  3331,  begegnen,  widerfahren  Bc.  Mü.  96  u.  s.  w.,  nicht, 
wie  Gayangos  meint,  Conq.  ültram.,  gleichbedeutend  mit  haber.  Die 
Schreibung  mit  h  ist  eben  so  inrthümlich  wie  die  herleitung  aus  irgend 
einem  andern  worte  als  dem  nachclassischen  obviare  entgegen  kommen,  ab- 
helfen. Ubiar  ist  gewiß  älter  eis  das  erst  aus  dem  latein  wieder  einge- 
führte obviar,  it.  owiare  hindern.  Zsgs.  ant-uviar  zuvorkommen,  be- 
schleunigen, sbst.  antuvio. 


v. 

Vacfo  sp.,  vasfo  pg.  leer,  sp.  vaciar,  pg.  vasar  ausleeren;  von  va- 
civus  bei  Plautus  und  Terenz. 

Vä  guido  sp.,  vdgado,  väguedo  pg.  Schwindel,  adj.  sp.  väguido 
schwindlig.  Wurzel  und  büdung  können  deutsch  sein:  goth.  vagjan,  ahd. 
wegjan  schütteln,  schwingen,  ags.  vagian,  engl,  wave  wollen,  wogen,  daher 
sbst.  ahd.  wagida,  wegida  Schwingung;  vaguido. stände  also  euphonisch 
für  guagnido,  s.  darüber  vague  II,  c,  ein  aus  derselben  würzet  stammen- 
des wort. 

Vaiven  sp.,  vaivem^.  Schwankung;  zsgs.  aus  vaviene  otfervay 
viene  geh  und  komm,  geh  hin  und  her. 

V&stago  sp.  Schößling  eines  baumes,  fehlt  port.?  von  ungewisser 
herkunft.    Man  erinnert  an  gr.  ßXctavoq  Schößling,  adj.  ßlacTixog. 

Veado  pg.  hirsch;  von  venatus  wüdpret,  mit  ausgestoßenem  n  nach 
port.  brauch,  sp.  venado,  wal.  vunat. 

Vedija  sp.  wollflocke,  schöpf  von  verwickeltem  haar,  vgl.  chw.  va- 
deglia,  comask.  vedeglia  flocke;  dazu  (denn  gu  kann  aus  v  entstanden 
sein)  sp.  guedeja  haarlocke,  löwenmähne,  pg.  guedelha,  gadelha  langes 
haar,  felbel.  Nicht  wohl  vom  ahd.  wadal,  wedil,  nhd.  wedel,  da  die 
regelrechte  form  guallo  oder  guadel  gewesen  wäre.  Die  span.  etymologen 
leiten  beide  Wörter  vom  lat.  vellus  her:  dieser  übertritt  des  1  in  d  ist 
freilich  ungewöhnlich  und  läßt  sich  nur  aus  dissimilation,  um  das  wieder- 
holte 1  in  velilla  oder  vellilla  =  vellicula  zu  vermeiden,  rechtfertigen. 

Vega  sp.  cot.  sard.,  veiga  pg.  fruchtbare  ebene;  schon  in  den  früh- 
sten Urkunden  vorhanden,  z.  b.  in  einer  gallicischen  vom  j.  757  Esp.  sagr. 
XL,  362.  Es  soü  baskisch  sein,  nach  Larramendi  entweder  von  bera 
tiefes  land,  oder  von  be-guea  ohne  höhlen  d.  i.  fläche.  Merkwürdig  ist 
die  altpg.  form  varga  SRos.,  wenn  sie  als  eine  solche  genommen  werden  darf. 

Velar  sp.  pg.  trauen,  priesterlich  einsegnen  zur  ehe;  eigenÜ.  ver- 
schleiern, weil  die  braut  mit  einem  schleier  erscheint  (oder  erschien, 
Moraes),  daher  die  neuvermählte  velada,  aber  auch  der  gatte  velado  heißt. 
Es  hat  sich  also  in  diesem  span.  worte  das  wiederholt,  was  sich  im  lat. 
nubere  und  (nach  Grimm,  vorrede  zu  Schutzes  Goth.  wb.  p.  XIII)  auch 
im  goth.  liugan  (verhüllen,  heiräthen)  ereignet  hat. 


IIb.   VENCEJO-VISLUMBRE.  497 

Vencejo  sp.  band  zum  festbinden;  von  vinculum,  gleichsam  vin- 
ciculum. 

Venta  sp.  einsam  an  der  landstraße  Hegende  herber ge.  Dasselbe 
wort  heißt  auch  einkauf  =  it.  vendita,  wogegen  altfr.  vente  auch  den 
ort  des  einkaufes,  markt,  /lalle  bedeutet,  und  hiermit  muß  die  erstere  be- 
deutung  des  sp.  venta  zusammenhängen,  vgl.  sp.  fonda  wirthshaus  und 
ndat.  funda  Sammelplatz  der  kaufleute.    Hacer  venta  heißt  einkehren. 

Ventana  sp.  fenster;  ursprüngl.  wind-  oder  luftloch,  von  ventus: 
so  cdtn.  vind-auga,  dän.  vindne  windbffnung.  Mittelst  desselben  Suffixes 
entsprang  Solana  sonniger  platz  aus  sol.  Das  port.  wort  ist  janella, 
das  man  aus  janua  ableitet.     Veraltet  ist  finiestra,  hiniestra. 

Verdugo  sp.  frisches  reis,  von  verde,  viridis;  dsgl.  degen  mit  sehr 
schmaler  klinge,  it.  verduco ;  auch  ein  name  des  henkers,  insofern  er  ruthen- 
streiche  zu  geben  hat.  Nach  Gabrera  entstellt  aus  virgultum,  aber  das 
suffix  ug  ist  unbestreitbar.  Die  zweite  bedeutung  zeigt  auch  das  fr.  ver- 
dun  bei  Marot  und  Babelais,  das  aber  aus  dem  städtenamen  Verdun,  wo 
man  dergleichen  degen  verfertigt  haben  soll,  erklärt  wird,  man  sehe  z.  b. 
Heiffenberg1  Bull,  de  Vacad.  de  Bruxdles  VIy  num.  4.  Amadis  hieß  fr. 
le  Chevalier  de  la  verte  6p6e;  was  hat  verte  hier  zu  bedeuten? 

Vereda  sp.  pg.  pfad;  via,  per  quam  veredi  vadunt,  erklärt  Du- 
cange  h.  v.,  vgl.  fr.  vräder  IL  c.  Man  trifft  es  schon  in  einer  Urkunde 
von  767  Esp.  sagr.  XL,  363:  postea  vadit  ad  illa  vereda,  quae  venit 
de  Rovera. 

Vericueto  sp.  rauher,  unebener  weg;  vom  bask.  biregueta,  eigentl. 
bide-gue-ta  d.  i.  wegloser  ort,  s.  Larramendi. 

Veta  sp.,  pg.  beta  oder  im  holze  u.  dgl.,  streif  im  zeuge,  band,  pr. 
veta  in  letzterer  bed.;  von  vitta  binde. 

Viga  sp.  pg.  balken.  Die  prov.  und  cot.  form  ist  biga,  die  kaum 
ein  ursprüngliches  v  annehmen  läßt.  Nach  Govarruvias  bezeichnet  viga 
den  horizontalen  balken,  auf  dem  die  dachsparren  ruhen :  sollte  man  ihn 
benannt  haben  nach  lat.  biga  wagen,  in  so  fem  dieser  ähnliche  sparren 
trägt?  Columella  kennt  vibia  querholz:  es  hätte  sp.  vija  gegeben,  nicht  viga. 
-  Villancicosp.  kirchenlied  mit  musicalischer  begleitung   besonders 

für  das  weihnachts-  und  frohnleichnamsfest,  s.  Rengifo  Art.  poet.  und  Co- 
varruvias;  ursprüngl.  Volkslied,  ländliches  lied,  von  villano,  welche  bedeu- 
tung auch  das  pg.  villancete,  das  sp.  villanesca  hat. 

Vinco  pg.  falte,  dsgl.  geleise  des  wagens. 

Virtos  (pl.  masc.)  Streitkräfte  nur  im  Poema  del  Cid,  zweimal: 
crecen  estos  virtos,  ca  gentes  son  soberanas  663;  virtos  del  campeador 
&  nos  vienen  bnscar  1606.  Nach  Sanchez  von  lat.  virtus  mit  hinweisung 
auf  dessen  mittell.  bed.  copia,  vis  hostilis  (?).  Hieraus  entsprungen  wäre 
das  wort  ein  unding:  ihm  widersprächen  accent,  declination  und  genus. 
Es  muß  eine  andre  bewandtnis  damit  haben. 

Vislumbre  sp.  pg.  falsches  oder  schwaches  licht;  eigentl.  bis-lumbre, 
s.  bis  1. 

32 


498  IIb.  VOLCAR-ZAFIO. 

Volcar  sp.  umkehren,  cot.  bolcar  und  embolicar  einwickeln,  limos. 
boulcä.  ausschütten;  für  volvicar  van  volvere.  Wohl  auchpg.  emborcar 
umkehren  für  embolear. 


x. 

Xabeca,  xabega  sp.  großes  fischernetz;  vom  arab.  schabaka  netz. 
Man  vergleiche  über  dieses  wort  mit  rücksicht  auf  chaveco  /.,  Dozy 
Gloss.  352. 

Xaqueca  sp.,  xaqueca  pg.  einseitiges  köpf  weh;  vom  arab.  schaqt- 
-qah  dass.  Frey  tag  U,  437b. 

Xara  5p.,  xara  pg.  ein  Strauch,  wilder  rosmarin,  xaral  ein  mit 
solchem  Strauchwerk  bewachsener  platz,  adj.  xaro  sp.  wildschweinartig  von 
borsten;  vom  arab.  scha'rä,  welches  P.  v.  Alcala  mit  mala,  breha  übersetzt. 
Aus  dem  span.  ist  das  bask.  chara,  nicht  umgekehrt.  —  Eine  Urkunde 
era  684  hat  ad  ixaralem  de  Postello  .  .  .  ipsa  karral  (l.  xarral)  Tep. 
II,  n.  13:  ist  sie  unverdächtig,  so  kann  das  wort  kein  arabisches  sein.  — 
Ein  mit  xara  gleichbedeutendes  wort  (ob  aber  auch  ein  volksübliches  und 
altes?)  ist  sp.  ladon  vom  lat.  lada,  leda  (Aj^og)  cistus  creticus,  das  nur 
in  dieser  roman.  mundart  vorzukommen  scheint. 

Xarifo  sp.  schön,  schön  gekleidet;  vom  arab.  scharif  edel  Freytag 
II,  414*,  wohlbekannt  aus  dem  türkischen  hatti  scherif  edle  handzeichnung 
d.  i.  kaiserliches  decret. 

Xato,  xata  sp.  kalb;  vom  arab.  scha't  junger  zweig,  Setzling  Freyt. 
II,  421b  bildlich  genommen?  aber  das  arabische  wort  kennt  diese  bild- 
liche anwendung  nicht. 

Xfcara  sp.  tasse,  chocolattasse,  daher  pg.  chfcara,  it.  chfcchera; 
aus  dem  mexicanischen,  s.  Mahn  p.  18. 


Y. 

Yantar  altsp.,  jantar  pg.  frühstücken,  chw.  ientar;  von  dem  seltnen 
lat.  jentare,  in  alten  glossen  bereits  jantare. 

Yerno  sp.  eidam;  von  gener,  pg.  genro,  fr.  gendre. 

Yerto  sp.  struppig;  von  hirtus,  pg.  hirto,  it.  irto.  JJUfr.  en-herdir 
sich  sträuben  (vom  haar)  LJ.  483* . 


z. 

Zabullir  'sp.  untertauchen;  eigentl.  brudeln,  blasen  werfen  auf  der 
Wasserfläche,  von  sub-bnllire  (Covarruvias). 

Zafio  sp.,  safio  pg.  plump,  ungeschliffen;  vom  arab.  g&fi  gleichbed. 
(Dozy  358). 


IIb.   ZAFO-ZARAGUELLES.  499 

Zafo  sp.,  safo  pg.  frei  von  Hindernissen,  ledig,  quitt,  zafar,  safer 
frei  machen  von  etwas,  putzen,  schmücken;  muthmaßlich  vom  arab.  saha 
abrinden,  abhäuten,  abschaben  d.  h.  putzen  Freyt.  II,  294*.  Morüau 
Dicc.  etym.  466  verweist  dagegen  auf  lat.  salvus,  engl.  safe. 

Zaga  sp.  attpg.  gepäck  hinten  auf  dem  wagen,  hinterer  iheil  eines 
dinges,  altsp.  zaga  adv.  hinten;  zsgs.  sp.  rezaga  nachtrab,  welche  bedeu- 
tung  im  Poema  del  Cid  auch  zaga  einnimmt.  Die  span.  etymologen  er- 
klären das  wort  für  ein  arabisches,  bei  Engelmann  säqah  nachtrab.  Zu 
erwähnen  ist  auch  Larramendi9s  deutung  aus  bask.  atzaga  ende,  von  atzea 
hinterer  theil  eines  dinges. 

Zagal  sp.  pg.  schäfer,  im  span.  auch  kräftiger  junger  mann.  Leute, 
die  der  Witterung  ausgesetzt  waren,  zumal  Hirten,  trugen  das  sagum,  da- 
her sagal,  zagal?  Engelmann  dagegen  zeigt  arabischen  Ursprung:  zagal, 
den  wbb.  dieser  spräche  fehlend,  heißt  bei  Pedro  von  Media  muthig,  tapfer 
(vgl.  die  zweite  span.  bed.)  und  ist  auch  sonst  nachweislich. 

Zaherir  sp.  einem  etwas  vorwerfen  (einen  fehler  oder  selbst  eine 
wohlthat),  fehlt  port.  cat.;  nach  einem  altern  span.  etymologen  (s.  bei 
Morüau  466)  von  *sub-ferire  arglistiger  weise  verletzen;  um  so  annehm- 
barer, als  dem  Catdtanen  das  klare  lat.  ferire  in  dieser  bedeutung  genügt. 

Zaino  sp.  pg.  dunkelbraun  ohne  helle  flecken  (von  pf erden);  soll 
arabisch  sein,  doch  fehlt  ein  sicheres  etymon  (Bozy  Gloss.  362).  Daher 
das  gleichlaut.  ital.  wort. 

Zalagarda  sp.  Hinterhalt;  ein  ganz  deutsches  wort,  zsgs.  aus  zälä 
verderben  und  warta  lauer,  und  doch  dürfte  für  ersteres  passender  das  lat. 
celare  angenommen  werden. 

Zalea  sp.  Schafpelz  mit  der  ganzen  wolle;  vom  bask.  osa  ulea  die 
ganze  wolle  (Larramendi). 

Zamarro  sp.  Schafpelz,  zamarra,  chamarra,  sard.  acciamarra  daraus 
gefertigter  weiter  rock,  it.  zimarra,  pr.  samarra  Flam.,  daher  auch  fr. 
chamarrer  verbrämen;  eigentl.  Hausrock,  vom  bask.  echamarra  zeichen 
des  Hauses,  nach  Larramendi,  der  aber  zamarra  von  chamarra  etymologisch 
trennt. 

Zambo  sp.  krummbeinig;  leitet  man  richtig  vom  gleichbed.  scambus. 

Zanahoria  sp.,  pg.  cenoura  pastinake;  erklärt  Larramendi  aus 
dem  baskischen,  worin  es  gelbe  würzet  bedeute.  Nach  der  färbe  nennt  sie 
auch  der  Catdtane  safranaria. 

Zangano  sp.,  pg.  zangäo  dröhne  (brutbiene),  faulenzer,  der  auf 
fremde  kosten  lebt;  ist  das  it.  zingano  zigeuner  d.  i.  landstreicher. 

Zaque  sp.  weinschlauch;  vom  bask.  zaguia,  zaquia,  zsgz.  aus  zato- 
quia  lederschlauch  (Larramendi). 

Zarag Helles  sp.  (m.plur.)  eine  ort  altmodischer  Hosen  mit  falten, 
ndat.  (plur.)  saraballa,  sarabella,  sarabara  u.  a.  formen  s.  Lief.  Gloss. 
lat.  germ.  612*  eine  weite  beinbekleidung ,  fluxa  et  sinuosa  vestimenta 
Ugutio,  miUdgr.  aagaßoQa,  arab.  serval  (serual),  woher  auch  pg.  ceroulas 
Unterhosen. 


500  II.  b.   ZARANDA-ZURRAR. 

Zar  an  da  sp.,  ciranda  pg.  kornsieb,  sandsieb;  vom  ardb.  sarandah, 
dies  vom  vi.  sarada  verketten,  verweben  (Sousa).  Das  ardb.  wort  aber 
hat  bei  Golius  1165  nur  die  bed.  'wohl  zusammengefügt'.  Das  etymon  ist 
noch  zu  finden. 

Zarcillo  sp.,  alt  cercillo  ohrring;  von  circellus  ringet,  beiApicius, 
bask.  circillua. 

Zar co  sp.  pg.  hellblau,  von  äugen,  sie.  zarcu  blaß;  vom  arab.  zarqä 
(fem.)  gleichbedeutend. 

Zarria  sp.  schmutz,  der  sich  unten  an  die  Kleider  hängt;  vom  bask. 
zarria,  charria  schwein  (Larramendi). 

Zato  sp.  stück  brot;  vom  bask.  zatoa  stück  (Larramendi),  labort. 
zathia. 

Zirigana  sp.  übertriebene  Schmeichelei;  vom  bask.  zurigana,  churi- 
gana  (wofür  auch  umgekehrt  gainchuritu)  der  oben  geweißte  (verschönerte) 
theil,  s.  Larramendi. 

Zor  ra  sp.  pg.,  altsp.  zurra  fuchs,  daher  pg.  zorro,  bask.  zurra  listig, 
verschlagen.  Muthmaßlich  vom  vb.  zarrar  das  haar  abschaben,  da,  wie 
auch  Covarruvias  anmerkt,  der  fuchs  im  sommer  das  haar  verliert,  vgl. 
gr.  älco7t€xia  das  ausfallen  der  haare,  von  dXci7tr)£  fuchs.  Zorra  wäre 
also  ein  Schimpfname  des  thieres,  schäbiges  feil,  der  auch  in  der  bed. 
öffentliche  dvrne  =  lat.  scortum  fühlbar  ist:  nur  zufällig  trifft  damit  das 
ahd.  zaturrä,  aus  dem  es  allerdings  grammatisch  entstehen  konnte,  zu- 
sammen. Anzumerken  ist  hier  auch  das  pr.  zoira  cvetus  cemis  GPrav. 
65a,  das  wenigstens  dem  ahd.  zoha  (zauke,  hündin)  nicht  entstammen  kann. 

Zorzal  sp.  pg.  ein  vogel,'  drossd;  vom  arab.  zorzäl,  einer  andern 
form  von  zorzur  staar,  aber  auch  drossd  (Dozy  369). 

Zozobrar  sp.  stürm  oder  Schiffbruch  erleiden;  von  so  unter  und 
sobre  über,  das  unterste  zu  oberst  kehren. 

Zumaya,  zumacaya  ein  vogel,  käuzchen;  nach  Larramendi  baskisch, 
zumba-caya  fähig  zu  spotten  (nach  seiner  stimme).  Oder  ist  es  aus  sp. 
zumba-cayo  spottende  dohle,  von  caya  mit  vertauschtem  genus,  was  in 
compositis  öfter  vorkommt? 

Zum  bar  sp.  sumsen,  summen;  naturausdrucJc. 

Zumo  sp.  saß;  vgl.  gr.  ^wf.i6g  brühe. 

Zupia  sp.  sauer  gewordener  wein,  ausschuß,  wegwurf;  vom  bask. 
zupea,  zurpea  bodensatz  der  kufe  (Larramendi). 

Zura,  zuro,  zurana,  zurita,  zorita  die  in  f eisen  nistende  taube, 
Holztaube. 

Zurcir  sp.,  pg.  cirzir,  serzir,  cat.  snrgir  mit  weiten  Stichen  nahen; 
wohl  von  sarcire  flicken,  dem  sich  wenigstens  das  pg.  serzir  zuneigt. 

Zurdo  sp.  link,  links;  von  surdus  taub.  Wer  nicht  gut  hört,  ist 
also  links;  in  den  mhd.  lerz  und  lere  begegnen  sich  auch  die  begriffe 
links  und  stammelnd. 

Zur  rar  sp.,  surrar  pg.  gerben,  durchprügdn,  durchpeitschen;  Un- 
gewisser herkunft.    Die  grundbedeutung  ist  'haar  abschaben,   wie  auch 


II.  b.   ZURRIAGA-ZUTANO.  501 

das  port.  Wörterbuch  aussagt,  also  vielleicht  aus  surradere  zusammen- 
gezogen. 

Zurriaga  sp.  peitsche;  vom  bask.  zurriaga,  wofür  auch  azurria  ge- 
sagt wird,  s.  Larramendi  und  vgl.  scuriada  I.,  dem  sein  anlaut  nicht 
widerstrebt  (z  aus  sc  in  zambo  u.  a.). 

Zurrir,  znrriar  sp.  summen;  naturausdruck,  lat.  susurrare. 

Zarron  sp.,  surrao  pg.  schäfertasche,  lederner  beutet;  vom  arab. 
(orrah  geldbeutel,  vb.  $orra  Freyt.  II,  490a?  Das  catal.  wort  ist  sarrö, 
das  bask.  zorroa. 

Zutano,  citano  sp.,  cot.  sutano  pronomen  mit  lat.  quidam  gleich- 
bedeutend; unbekannter  herkunft.  Vermuthungen  darüber  s.  Krit.  anhang 
p.  23.  Zu  beachten  ist  etwa  lat.  scitus  der  gewußte,  bewußte,  dem  man 
dasselbe  sufftx  beifügte,  das  man  in  cert-ano  und  sicr-ano  pg.  wahrnimmt, 
denn  citano  ist  mit  zutano  etymologisch  gleichberechtigt. 


502  II.  c.   AATIR— ABONNER. 


C.    FRANZÖSISCHES  GEBIET. 


A. 

Aatir  (ahatir)  altfr.  anreizen,  besonders  zum  kämpf;  sbst.  aatie 
anreizung,  hitzige  feindschaft  (prendre  aatie  encontre  qqun,  faire  aatie 
k  qqun),  dsgl.  aatine  (auch  astine  geschr.),  aatin  A.  d'  Av.  86,  mlat. 
astia.  Diese  Wörter  beschränken  sich  auf  das  franz.  gebiet,  ihr  Ursprung 
ist  also  vor  allem  im  nordischen  au  suchen.  Hier  findet  sich  das  vb.  etja, 
präL  atta,  part.  att,  gleichbed.  mit  aatir;  sbst.  at,  auch  etja,  eta.*  Das 
anl.  a  der  frans,  nachbildungen  ist  die  roman.  präposition,  die  sich  auch 
in  dem  begriffsverwandten  a-tiser  eingefunden  hat.  Das  it.  astio  hat  mit 
aatie  keine  Verwandtschaft. 

Abait,  abah.  Im  prov.  Gir.  de  Boss.  3603  ff.  heißt  es:  anem  al 
plah  qu'aura  lo  reis  en  Fransa  aquest  mieh  mah,  e  seran  i  siei  eomte 
e  siei  abah  que  jutgaran  lo  tort  'gehen  wir  zur  gerichtssitzung,  die  der 
könig  in  Frankreich  in  der  mitte  des  maimonats  halten  wird,  wo  seine 
grafen  und  seine  beamten  (?)  sein  und  über  das  unrecht  urtheilen  werden* 
Läßt  sich  abah  anders  erklären  als  aus  dem  bekannten  ambactus  oder 
dem  deutschen  am  bäht?  Ab  aus  amb  auch  in  abdos,  ah  aus  act  ist  eine 
bekannte  eigenheit  dieses  gedicktes.  Die  franz.  abfassung  bei  Michel  114, 1 
hat  entsprechend  abait.  Ähnlich  verwandelte  sich  das  ältgaüische  wort 
in  das  kymrische  amaith. 

Able  fr.  Weißfisch,  mied,  abula;  von  albulus,  also  euphonisch  für 
alble  (wie  foible  für  floible),  Schweiz,  albele,  östr.  albel,  trierisch  al£  der 
bedeutung  nach  das  lat.  albunras  bei  Ausonius,  s.  Böcking  zur  MoseUa 
126;  span.  albur. 

Abomä  und  abosmö  niedergeschlagen,  niedergedrückt  in  moralischem 
sinne,  ein  übliches  altfr.  adjeetiv.  Die  Schreibung  mit  s  kann  auf  ein- 
Schiebung  beruhen,  die  ohne  s  ist  keine  jüngere,  sie  findet  sich  schon  im 
Psalter  des  Trin.  coli.  Von  abominatus  mit  abscheu  oder  Widerwillen 
erfüllt,  eins  der  partieipien,  worin  passive  Vergangenheit  in  active  gegen- 
wart  umschlug:  abominare  abscheu  haben,  abominatus  einer  der  abscheu 
hat,  s.  Rom.  gramm.  III,  264.  Auch  embosmä  sagte  man,  DMce. 
p.  133,  15. 

Abonner  fr.  auf  ein  unbestimmtes  einkommen  einen  bestimmten 
preis  setzen,   s' abonner  sich  als  theilhdber  an  etwas  unterschreiben;  von 


ILo.   ABOYER-AGLAN.  503 

bonus  gut,  bürgend,  vgl.  sp.  abonar  bürgen,  gut  heißen,  versichern.  Man 
leitet  es  ohne  noth  van  bonne  gränze. 

Aboyer  fr.  anbellen,  altfr.  abayer;  von  ad-baubari,  das  einfache 
verbum  bei  Lucrez.  Daher  sbst.  abois  (plur.)  die  leisten  cUhemzüge, 
eigentl.  des  erliegenden  hirsches,  den  die  hunde  umbetten. 

Achamer  fr.  gierig  machen;  von  caro  fleisch,  also  ein  (hier  auf 
das  fleisch  hetzen,  part.  acharnä  eingebissen,  erbittert,  it.  accarnare  ins 
K   fleisch  dringen,  vgl.  pg.  encarni$ar  reuen,  erbittern. 

Ache  fr.  (f.)  eppich;  von  apium,  it.  appio,  pg.  aipo. 

Acre  (f.)  ein  flächenmaß;  vom  deutschen  acker,  in  der  älteren 
spräche  sowohl  pflugland  als  auch  ein  langenmaß:  ackers  lanc,  ackere 
breit;  schon  goth.  akrs.  Die  herleitung  aus  dem  von  Golumeüa  gebrauch- 
ten acnua  (axaiva)  hat  zwar  den  buchstaben  nicht  gegen  sich;  daß  aber 
die  schwestersprachen  sich  dieses  wort  nicht  angeeignet,  hat  für  die  deutsche 
herleitung  einiges  gewicht,  welches  durch  das  abweichende  genus  nicht  ver- 
mindert wird. 

Adelenc  pr.  von  hoher  gehurt  (nur  im  G.  de  Boss.),  zsgz.  altfr. 
elin  Boq.;  vom  ahd.  adalinc,  ediling,  ags.  ädheling,  mlat.  adaliDgus. 

Ad  es  er,  adaiser  altfr.,  adesar  pr.  sich  anhängen,  dsgl.  anrühren, 
anfassen;  frequentativ  von  adhaerere  adhaesus,  s.  unten  aerdre. 

A durer  altfr.  woilon.,  pr.  abdurar  verhärten,  aushalten,  wie  fr. 
endurer,  part.  adnrä,  abdurat  hartnäckig,  dauerhaft,  ein  häufiger  beiname 
der  hdden;  von  obdurare  mit  vertauschter  partikel. 

Aerdre,  aderdre  altfr.  pr.  anheften,  verbinden,  ergreifen;  von  ad- 
baerere,  gespr.  adhärere  adher're  mit  eingeschobenem  d,  anhangen,  franz. 
in  factitiver  bed.  anhangen  machen,  it.  aderire. 

Affa'ler  fr.  herablassen  (schiff er ausdruck);  leitet  man  passend  vom 
ndl.  afbalen  herabholen,  herabziehen. 

Affubier  fr.  vermummen;  für  afßbler,  mlat.  se  affibulare  sich  ein- 
hüllen, ursprünglich  den  mantd  mit  der  fibula  befestigen,  it.  affibbiare; 
u  für  radicäles  i  auch  im  pr.  fuvella  GO.  und  afublalh,  romagn.  afiube. 

Afre  altfr.  (noch  itzt  pl.  affres,  bürg.  sg.  afre)  schrecken,  grauen, 
adj.  nfr.  affreux  gräulich;  entspricht  mit  buchstaben  und  begriff  genau 
dem  ahd.  adj.  eiver,  eipar  acer7  horridus,  immanis,  Grimm  III,  510, 
Graff  I,  100.  Auch  das  it.  afro  (herb)  scheint  daraus  entstanden.  Piem. 
afr  wie  franz. 

Äge  fr.  aller,  altfr.  edage  Hol.,  eage,  aage;  gleichsam  aetaticum 
von  aetas.  Zur  erklärung  des  anlautenden  a  (für  ae)  im  dreisilbigen 
aage  vgl.  das  synonyme  altfr.  a-6  aus  ae-tatem  und  zur  erklärung  des 
suffizes  age  das  gleichfalls  synonyme  pr.  antig-atge  d.  i.  antiqu-aticum. 
In  der  nfr.  form  ist  seltsamer  weise  nur  das  suffix  stehen  geblieben,  der 
stamm  ed,  freilich  im  lat.  nicht  einmal  ein  stamm  (aetas  aus  aevitas), 
ist  verschwunden,  aber  nicht  ohne  eine  dehnung  des  a  zu  bewirken. 

Aglan  pr.,  cat.  agl6,  altfr.  agland  (so  noch  in  Berry,  lothr. 
aiguiand)  eichd.    Vom  lat.  glans,  aber  vielleicht  unter  cinwirkung  des  gr. 


504  ILe.   AGRES-AIME. 

axvlog  oder,  was  buchstäblich  näher  liegt,  des  goth.  akran  frucht  (ecket) 
entstanden,  da  der  Proveneale  dem  prothetischen  a  nicht  hold  ist. 

Agr&s  fr.  (m.  pl.)  takelwerk,  vb.  agr£er  mit  tdkelwerk  versehen. 
Altfr.  agrei  hieß  überhaupt  ausrüstung,  vorrath,  agreier  ausrüsten  z.  b. 
curres  wagen  rüsten  LRs.  27;  mit  vorgesetzter  partikel  a  vom  ndl.  ge- 
reide,  gerei  apparatus,  gereeden  parare  KU.  =  goth.  garaidjau,  mhd. 
gereiten,  vgl.  redo  I. 

Aib  pr.  (m.),  mit  abgeplattetem  diphthong  ab,  eigenschaft  Chx.  IV, 
398,  sitte,  gebrauch  III,  153,  zumal  gute,  feine  sitte,  bos  aibs,  adj.  aibit 
*morigeratus  d.  i.  gesittet  GFrov.  52a,  gent  abit  fein  gesittet  GAIb.  3250, 
aber  auch  mals  aibs  M.  1048,  5.  1075,  2.  Ein  merkwürdiges  bloß  der 
ältprov.  spräche  bekanntes  wort:  um  so  eher  darf  tnan  vermuthen,  daß  es 
aus  fremder  quelle  geschöpft  ist,  denn  habitus  (beschaff enheit),  das  sich 
aus  der  grundsprache  darbietet,  hätte  doch  wohl  ante  ergeben,  wie  debitum 
deute  ergab.  In  er  wägung  kommt  zunächst  goth.  aibr  öioqov:  gäbe  konnte 
sehr  wohl  als  naturgalte  aufgefaßt  und  auf  sitte,  gute  sitte  übertragen 
werden;  auch  sp.  donaire  {von  donum)  ist  zur  bed.  artigkeit,  feine  sitte 
gelangt.  Aber  die  richtige  prov.  form  wäre  aibre  gewesen  und  dieser  im 
prov.  kaum  vorkommende  Wegfall  des  auslautenden  r  ist  dem  bemerkten 
etymon  höchst  ungünstig.  Schlimmer  noch  ist,  daß  das  nur  einmal  vor- 
kommende goth.  wort  selbst  nicht  sicher  steht,  wenn  auch  Leo  Meyer  (Die 
goth  spräche  1869)  nichts  dagegen  erinnert.  Unter  diesen  umständen 
verweist  Mahn  p.  41  auf  ein  bask.  wort:  aipua  ruf,  aipatu  von  jemand 
reden:  der  ruf  stütze  sich  auf  die  (Eigenschaften  des  menschen  und  so  sei 
es  geschehen,  daß  man  im  prov.  rückwärts  schließend  von  der  Wirkung  auf 
die  Ursache  gekommen.  Das  fortschreiten  von  der  Ursache  zur  Wirkung 
ist  in  den  sprachen  nichts  seltenes,  aber  auch  der  umgekehrte  Vorgang  ist 
gedenkbar.  —  [Doch  möchte  noch  ein  arabisches  wort  rücksicht  verdienen: 
aub  'celeritas,  consuetudo,  mos3  Freyt.  I,  68b,  dazu  aus  derselben  würzet 
aibah,  wobei  aber  nur  die  bed.  celeritas  angemerkt  ist.  Aber  das  erstere 
genügt,  da  au  im  prov.  leicht  in  ai  übergeht.] 

AYeul  fr.  großvater;  dimin.  von  avus,  pr.  aviol,  it.  ävolo,  sp.  abuelo, 
pg.  avö.  *Auf  das  wiederum  verkleinernde  und  kindisch  machende  oder 
auch  auf  das  ehrwürdige  hohe  alter  wird  die  diminutive  oder  kosende  form 
passend  übertragen'.  Grimm  III,  677,  wo  ähnliehe  altdeutsche  verkleine- 
rungen  bemerkt  sind. 

Aiglent  altfr.  z.  b.  Rom.  fr.  p.  33,  pr.  aguilen  Hagebutte;  abgel. 
pr.  aguilancier,  aiglentina,  fr.  ^glantier  dornstrauch;  aiguille,  aguilha 
mit  dem  suffixe  ent,  lat.  gleichsam  aeuculentus  stachelig. 

Aigu  fr.  spitz;  von  acutus. 

Ailleurs  fr.,  alhors  pr.  adverb;  von  lat.  aliorsum,  das  nach  Goto 
und  den  komikern  veraltete  und  ins  mlatein  aus  der  Volkssprache  wieder 
aufgenommen  ward;  s.  0.  Müller  zum  Festus. 

Aime  altfr.  ein  weinfaß  Carp.  s.  v.  ama;  von  hama  (apit}),  im 
mlatein  häufig  und  in  verschiedenen  bedeutungen  ama,   daher  mhd.  äme, 


IL  c.   AIN-ALIZE.  505 

ome,  nhd.  ohm,  altn.  äma  u.  s.  w.  In  der  bed.  Schätzung  nach  dem 
augenmaß  ist  aime  =  esme,  s.  esmar  L 

Ain  altfr.  fischangel;  von  hamus,  it.  amo,  5.  auch  ancino  7. 

AinQois  altfr.,  anceis  pr.  adverb,  vorher,  eher}  prius.  Etwa  zsgs. 
aus  rem.  ans-eis  =  lat.  ante  ipsum  d.  i.  vor-dem,  vor  dieser  zeit  In- 
dessen  sind  noch  andre  mögliche  quellen  dieses  Wortes  zu  berücksichtigen. 
Ein  griechisch-lat.  glossar  übersetzt  ttmQoaQ'Sv  (vorher,  vormals)  mit 
anti-secus  DG.,  worin  secns  auf  lateinische  weise  fast  müßig  steht :  dies 
Jconnte  sich  romanisch  zusammenziehen  in  antsecs  anceis  (c  aus  ts),  also 
nach  form  und  begriff  vollständig  zutreffend.  Ein  anderes  beispid  roma- 
nischer Zusammensetzung  mit  secns  ist  das  alte  sard.  assecns  (nachher, 
hinterdrein)  von  ad-secus  nach  Ddius,  Sard.  dialekt  des  13.  jh.  p.  18. 
Ferner  würde  sich  das  für  anzi  (s.  thl.  I.)  aufgestellte  antins  sehr  wohl 
auf  anceis  anwenden  lassen.    Darüber  wäre  also  zu  entscheiden. 

Ain 6  fr.  adj.  älter,  sonst  ains-n£  geschrieben,  von  ante  natus.  Vgl. 
alnado  II.  b. 

Ais  fr.  breit,  von  axis,  assis,  it.  asse;  dimin.  aisseau  schindel,  von 
axiceUus,  assicellns,  iL  assicella. 

Aisil,  aissil  altfr.  essig;  entstellt  aus  acetum,  it.  aceto,  wal.  otzet, 
chw.  aschaid,  ischen.  Dasselbe  wort  ist  engl,  eise],  älter  aisyl  Halliw., 
schon  ags.  aisil,  eisile,  statt  des  üblichen  eced,  goth.  akeit  (ahd.  ezih  um- 
gestellt für  ehiz).  Gemeinrom.  ist  nur  der  zusammengesetzte  ausdruck 
vinura  acre,  fr.  vinaigre  u.  s.  f. 

Aisne  altfr.  Weinbeere  Voc.  duac;  von  acinus,  it.  acino,  vgl.  Du- 
cange  s.  v.  esna. 

A16rion  altfr.  ein  raubvogel:  faucons  ne  aigle  ne  alerions  ne 
p&rasent  veoir  si  cler  FC.  II,  330;  ein  ross  braust  daher  wie  ein  alerion 
GNant.  p.  67;  daher  auch  pferdename  Alex.  28,  9.  Als  heraldischer 
ausdruck  gut  es  noch  immer  für  einen  adler  ohne  schnabd  und  fuße. 
Bord  verzeichnet  aus  BibU  historial  ein  synonym  ai liier:  si  comme 
aigles,  ailliers  et  escoufles,  und  läßt  alerion  daraus  entspringen.  Was 
aber  die  Herkunft  von  aillier  betrifft,  so  ist  wenigstens  an  aquil-arins  nicht 
zu  denken,  weil  es  der  beruf  des  Suffixes  arius  nicht  ist,  nebenbestimmun- 
gen  des  primüivs  auszudrücken,  wie  dies  in  aquila  adler,  aqnilarins  ort 
adler  der  fall  sein  würde,  sondern  einen  selbständigen  begriff  einzuführen, 
wie  im  franz.  die  thiernamen  b^l-ier,  lim-ier,  pluv-ier,  verd-ier  lehren. 
Dagegen  konnte  das  wort,  wie  6pervier  aus  sperber,  aus  dem  gleichfalls 
deutschen  adler,  adelär,  geschaffen  werden,  um,  wir  wissen  nicht  welchen 
raubvogel  zu  benennen. 

Algier,  algeir  altfr.  speer  Böl.;  erinnert  an  das  synonyme  ahd.  azg&r, 
ags.  ätgär,  altn.  atgeirr,  s.  darüber  Grimm  II,  717,  Mhd.  wb.  I,  498. 

Alhondre  prov.  ortsadverb;  von  aliunde. 

Alize  (alise)  fr.  (f.)  die  frucht  des  alizier  d.  i.  des  Crataegus  tor- 
minalisy  auffallend  mit  unserm  e\se>-beerc  übereinstimmend.  Für  dieselbe 
frucht  und  densdben  bäum  halt  man  altfr.  alie   (oft  als  Verstärkung  der 


506  II.  c.  ALLOUER— AMBORE. 

negation  gebraucht)  und  alier,  e.  b.  SSag.  ed.  Le  Boux  d.  L.  p.  22  un 
alier  .  .  bien  chargiez  d'alies  meüres,  neupr.  aligo,  aliguier.  Bei  dem 
ungemein  seltnen  ausfall  des  s  /zwischen  vocalen  ist  in  alie  kaum  eine 
form  von  alise  anzunehmen. 

Allouer  fr.  gelten  lassen,  zugeben;  am  natürlichsten  von  louer  = 
tat.  laudare,  das  die  bedd.  rathen,  billigen  entwickelt  hatte.  Sbst.  allouä 
Sachwalter,  verweser  führt  mit  seiner  bedeutung  unmittelbar  auf  louer  = 
locare,  it.  allogare  hinstellen,  anstellen,  wiewohl  es  auch  von  dem  ersteren 
verbum  einen  zugelassenen,  gutgeheißenen  ausdrücken  konnte. 

Altärer  fr.  1)  verändern,  2)'  verderben,  verfälschen;  von  alter,  da 
ein  lat.  alterare  fehlt.  Die  zweite  auch  im  prov.  vorhandene  bedeutung 
erinnert  an  Festus  bemerkung:  alter  et  pro  non  bono  ponitur,  womit 
0.  Müller  das  gr.  tiregog  vergleicht.  Die  schwestersprachen  haben  das- 
selbe verbum  mit  denselben  bedeutungen.  Sofern  aber  altärer  3)  durst 
machen  heißt  (schon  B.  Stephanus  hat  alt&ä  'siticulosusj,  so  wird  man 
Egger  beipflichten  müssen  (Inscript  XXIV,  2,  339),  der  eine  entstettung 
aus  artärier  darin  vermuthet.  Arteriatus  nämlich  bedeutet  im  mittdlatein 
einen, ' cujus  fauces  rheumcUizant\  also  entzündet  sind  und  durst  leiden,  DC. 
In  alten  deutschen  glossaren  wird  arteria  schlechthin  mit  halsader  übersetzt. 

Alaine  fr.  wermuth;  von  aloe,  dem  namen  einer  gleichfalls  bitteren 
pflanze,  mit  dem  sufftx  ine,  das  häufig  pflanzennamen  bildet  (amarantine, 
argentine,  avelline,  balsamine,  äglantine  cet.),  ui  für  oi  wie  auch  sonst, 
z.  b.  muid  aus  modius.  Überdies  findet  sich  mit  erweichtem  n  altfr. 
alogne,  dafür  auch  aloisne  Roq.  suppl.  195* ,  Alex.  279,14,  sp.pg.  alosna, 
losna,  mlat.  aloxinum,  s.  Altrom.  glossare  40;  und  dieses  wort  macht 
die  gegebene  deutung  von  aluine  zweifelhaft.  Andre  deuten  es  aus  ahovy- 
yta  (fj  xeXzixrj  vagdog),  einer  Variante  von  oaliovyyux,  dem  namen  eines 
andern  krautes,  bei  Dioscorides. 

Amadouer  fr.  anlocken,  liebkosen,  daher  das  spätere  in  der  1.  ausg. 
der  Akademie  noch  nicht  aufgeführte  sbst.  amadou  zunder  ßoekspeise,  vgl. 
esca  I.)y  zsgs.  vb.  ramadouer.  Die  vorgebrachten  deutungen,  z.  b.  die 
aus  amatus,  befriedigen  nicht.  Das  wort  sieht  schwierig  aus,  an  seiner 
lösung  ist  aber  nicht  zu  verzweifeln.  Das  altn.  vb.  mata,  dän.  made,  heißt 
atzen  z.  b.  junge  vögel  (goth.  matjan  essen),  daraus  a-mad-ou-er  (wie 
baf-ou-er,  s.  beffa  I.)  eigenfl.  mit  speisen  anlocken,  it.  ad-escare.  Zu  er- 
warten  war  freilich  amatouer,  daß  aber  goth.  t  mitunter  zu  d  herabsteigt, 
darüber  sehe  man  Rom.  gramm.  I,  312.    Die  pic.  form  ist  amidouler. 

Ambore,  ambure  altfr.  s.  v.  a.  ambo,  meist  neutral,  aber  auch  als 
unflectiertes  adjeetiv  gebraucht.  Bsp.  ambur  en  terre  et  en  mer  (wie 
engl,  both-and)  Ben.  III,  p.  603;  e  si  dient  ambore  e  saver  e  folage 
Chart,  p.  27;  Chevaliers  et  serganz  ambore  Ben.  I,  p.  276;  ambur  ocit, 
ambure  cravente  Bei.  p.  264.  Man  hat  dabei  an  den  genitiv  amborum 
gedacht,  aber  dieser  casus  kann  sich  hier  mit  nichts  rechtfertigen.  Ein 
neuer  deutungsversuch  war  der  folgende  (Born,  gramm.  II,  416,  2.  ausg.). 
1  Wie  ambo  mit  duo  verbunden  ward,  so  dürfte  eine  Verbindung  mit  uter, 


ILo.   AMENDER-ANCETRES.  507 

utrum  als  ein  möglicher  fall  angenommen  werden :  amb-utmm  Konnte  nach 
den  lautgesetzen  allerdings  ambure  ergeben.  Liegt  nun  auch  in  der  form 
keine  Schwierigkeit,  so  konnte  eine  solche  in  der  Bedeutung  liegen,  da  sich 
uter  auf  eins  von  zweien,  nicht  auf  zwei  besieht.  Aber  es  war  leicht,  von 
eins  auf  zwei  überzugehn,  da  man  bei  diesem  worte  die  zweizahl  immer 
im  sinne  haben  mußte:  auch  alteruter  schritt  fort  von  der  bed.  eins  von 
beiden  zur  bed.  beide,  uterque/  Von  dieser  weicht  eine  spätere  etymologie 
(des  verf.)  beträchtlich  ab.  Man  hat  bei  diesem  worte  übersehen,  daß  es 
über  Frankreichs  grunzen  hinausgeht,  denn  auch  Italien  besitzt  es  in  dem 
veralteten  indeclinabdn  ambaro,  z.  b.  facea  tremare  amburo  le  sponde 
bei  Buti  (14.  jh.).  Da  es  nun  ausschließlich,  wie  es  scheint,  in  Italien 
und  in  der  Normandie,  nickt  zwischen  beiden  gebieten,  heimisch  ist,  so 
muß  es  von  dem  einen  auf  das  andre  gebiet  verpflanzt  sein,  was  bei  dem 
verkehr  zwischen  Normandie  und  Süditalien  leicht  geschehen  konnte.  Nimmt 
man  an,  es  sei  in  letzterem  lande  entstanden,  und  schlägt  man  den  da- 
selbst fühlbaren  griechischen  ein  flu  ß  an,  so  scheint  äjttyoTeQOv  ein  berech- 
tigtes etymon,  um  so  mehr  als  afifpoTeQov-xal,  ganz  wie  ambure-et,  auch 
conjunctional  gebraucht  wird.  Das  richtige  product  des  griechischen  Wor- 
tes wäre  allerdings  amforo  gewesen;  es  war  aber  ganz  natürlich,  daß  man 
es  dem  tat.  ambo  annäherte.    S.  Jahrb.  für  roman.  litt.  V,  413. 

Arne nd er,  amende,  amendement,  eine  schon  um  die  mitte  des  12. 
jh.  vorkommende,  im  prov.  Boethiuslied,  welches  v.  12  emendament,  v. 
260  aber  mit  anlautendem  a  amendament  schreibt,  noch  hoher  hinauf- 
reichende entstellung  aus  emender,  die  auch  ins  ital.  eingegriffen  hat. 

Ampleis  altfr.  adverb  für  lat.  amplius,  im  Psaut.  Bodl.  (p.  50. 
61.  73.  87.  89.  102),  sonst  nirgends?  Bei  Boquefort  steht  noch  ein  un- 
belegtes amplus.  Prov.  und  altfr anz.  finden  sich  mehrere  neutrale  com- 
parative  auf  eis  oder  ois,  wie  sordeis  (sordidius),  forceis  (fortius),  gen- 
ceis,  gences  (gentius  für  genitius),  longeis  (longius).  Für  diese,  wenig- 
stens für  die  drei  letzteren,  läßt  sich  nur  eine  abnorme  Umbildung  oder 
umbiegung  aus  den  beigefügten  lateinischen  originalen  annehmen,  indem 
der  accent  auf  i  fortrückte,  welches  nach  romanischem  brauche  in  e  über- 
trat und  sich  dann  in  ei  dehnte.  In  sordeis  gieng  dieser  wandet  leichter 
vor  sich  und  es  wäre  möglich,  daß  sich  die  andern  nach  diesem  beispiele 
ausgebildet  hätten.  Ohne  accentverschiebung  war  die  einführung  dieser 
neutra  eine  Unmöglichkeit,  denn  die  auf  legale  weise  zusammengezogenen 
formen  forz,  genz,  lonhs  würden  sielt  von  ihren  positiven  nicht  unter- 
schieden haben.  Die  spräche  aber  mochte  sich  diese  neutra  nicht  versagen, 
da  die  übrigen  organischen  comparative  dergleichen  besaßen  (melher  meUs, 
belaire  belais  ed.).  Jenen  neutris  auf  eis  aber  scheint  man  auch  unser 
amplius  angepaßt  zu  haben.  —  Dieser  conjeetur  stellt  sich  eine  andre 
gegenüber,  aus  dem  partic.  ampliatius  oder  amplatius.  Aber  warum  als- 
dann  nicht  ampliais,  amplais,  wie  bellatius,  belais? 

Anc&tres  fr.  vorältern,  altfr.  ancestres  (acc.  ancessors),  lat.  ante- 
eessores.    Daher  altfr.  ancesserie  abkunft.- 


508  IL  c.   ANCOLIE— ARAIGNEE. 

Ancolie  fr.  aglei;  von  aquileja  (im  class.  latein  nickt  bekannt),  it. 
aquilegia» 

Andouille  fr.  blutwurst,  neap.  nnoglia,  chw.  andachiel,  hask.  an- 
doilla.  In  alten  deutschen  glossaren  wird  scnbiling  (ort  wurste)  mit 
inductili8  übersetzt  s.  Graff  VI,  409,  Schindler  III,  313,  und  wie  sich 
das  deutsche  wart  aus  dem  einschieben  in  den  darm  (ahd.  skioban)  er- 
klärt, so  auch  jenes  lai.  inductilis,  welchem  andouille  (für  endouille) 
buchstäblich  gleich  ist.  Was  Genin,  Beer.  phü.  I9  80,  2.  ed.,  darüber 
vorbringt,  sehe  wer  lust  hat,  selbst. 

An  gar,  hangar  (mit  und  ohne  aspiration)  wagenschoppen,  remise. 
Wie  dies  wort  mit  dem  lai.  angarfa  (frohndienst)  zusammenhänge,  ist 
nicht  wohl  einzusehen.  Ursprünglich  bedeutet  es  Schutzdach,  matte  zum 
zudecken,  und  ist  zumal  im  wallonischen  (angär)  zu  hause,  aber  es  kommt 
selbst  im  celtischen,  wenigstens  im  gael.  diaiecte  vor. 

Angarde,  engarde  altfr.,  pr.  angarda  vorhut,  auch  warte;  von  ante 
und  garde,  wie  fr.  avant-garde. 

Ange  fr.  enget.  Die  spräche  versuchte  verschiedene  formen,  bis  sie 
bei  dieser  abgekürzten  stehen  blieb.  Die  älteste  muß  sein  angele  3  süb., 
z.  b.  Antioch.  I,  93,  Dolop.  p.  402,  in  letzterem  gedieht  413  und  ander- 
wärts auch  2  silb.  gesprochen;  ferner  angle  HBord.,  Fier.  und  anderwärts 
oft;  endlich  angre  z.  b.  DMce.,  GBourg.,  schon  seltner.  Die  heilige  be- 
deutung  des  Wortes  mag  der  grund  gewesen  sein,  daß  man  so  lange  am 
buchstoben  festhielt:  dasselbe  geschah  auch  bei  vierge,  welchem  virgine 
zur  seile  gieng,  s.  unten. 

Anglar  pr.  stein,  fels;  eigentl.  etwas  eckiges,  von  angularis. 

Antienne/r.  vorgesang;  vom  mlat.  antiphona,  also  geformt  wie 
fitienne  von  Stephanus. 

Antif  altfr.  alt:  antifs  humes  'senioribus*  LRs.  p.  57,  viäs  sentier 
anti  alter  pfad  FC.  I,  399,  une  vi<5s  voie  antie  Ren.  IV,  21.  Es  ist 
von  antiquus,  wie  altfr.  eve  von  aqua,  indem  q  austrat.  Das  neufr.  an- 
tique  folgte  dem  it.  antico  und  pr.  antic.  —  Sofern  antif  die  (allerdings 
bestrittene)  bed.  'hocti  hat,  muß  es  aus  altif  =  pr.  altiu,  sp.  altivo  abge- 
ändert sein  (n  aus  1  Rom.  gramm.  I,  204),  wiewohl  letztere  nicht,  gleich 
dem  franz.  worte,  im  physischen  sinne  gebraucht  werden.  S.  Raynouard 
im  Journal  des  savants  1834  p.  108,  Henschel  und  Gachet  s.  v.,  Genin, 
RScr.  phü.  I,  155,  Jahrb.  für  rom.  litt.  III,  109. 

Aon  dar  pr.  helfen,  frommen,  aon  hülfe,  von  abundare. 

Appaner  altfr.,  apanar  pr.  nähren,  versorgen,  daher  fr.  apanage 
leibgedinge;  von  panis. 

Appeau  fr.  lockvogel,  lockpfeife,  wallon.  apell;  von  appellare.  * 

Araignäe  fr.  spinne,  urspr.  Spinnwebe  (irainede  Psaut.),  da  man 
für  spinne  araigne  besaß,  das  in  derselben  bedeutung  noch  in  mundarten, 
z.  b.  lothr.  arögne,  fortdauert;  auch  aranea  und  aqa%vr)  heißen  beides, 
doch  gieng  das  lateinische  gleich  dem  französischen  worte  mit  der  bed. 
spinnwebe  voraus.    Auffallend  ist  nur,  daß  die  schwestersprachen  die  ab- 


ILc.   ARAMIR— ARGUE.  509 

leitung  araneata  =  araignäe  für  das  von  der  aranea  gewirkte  nickt  her- 
vorgebracht haben.    Die  churwalsche  sagt  ultra,  filient  d.  i.  Spinner. 

Aramir,  arramir  altfr.,  aramir  pr.,  aremir  ältcat.  (letzteres  bei 
Ducange)  gerichtlich  zusichern,  überh.  zusichern,  zusagen,  bestimmen,  z.  b. 
aramir  an  sairement  die  leistung  eines  eides  gerichtlich  zusagen,  aramir 
ou  jurer  (eine  phrase)  geloben  oder  schwören,  besonders  aramir  bataille 
kämpf  ansagen  in  beziehung  auf  zeit  und  ort,  daher  sbst.  aramie  ange- 
sagter kämpf,  noch  jetzt  norm,  in  der  bed.  arrangement.  Vgl.  die  bei- 
spiele  bei  Ducange,  Raynouard,  Henschel  und  Gachet.  Ebenso  mlat. 
arramire  sacramentuin,  bellum.  In  den  hss.  der  L.  Sah  lautet  das  wort 
sehr  verschieden :  adrhamire,  adchramire,  adcramire,  aehramire,  agramire 
u.  dgl.,  in  denen  der  Lex  reform,  auch  adframire,  s.  die  ausg.  von  Merkel 
p.  19;  diese  Schreibungen  verrathen  ein  deutsches  mit  hr  anlautendes,  aber 
mit  der  lat.  partikel  ad  zusammengesetztes  wort.  Seine  herkunft  ist  nicht 
ganz  gesichert.  Grimm,  Rechtsalt  p.  844.  184,  erklärt  sich  für  goth. 
hramjan  ans  kreuz  heften,  daher  anheften,  demnächst  bestimmen,  ver- 
sichern, verwandt  mit  ahd.  rämen  zielen,  trachten'  Nach  Müllenhoff  zur 
L.  Sal.  p.  277  aber  heißt  das  saiische  adhramire  arripere,  raptare.  An- 
heften und  bestimmen  sind  übrigens  nah  verwandt,  sie  begegnen  sich  z.  b. 
in  affigere  mlat.:  quod  Luitprandus  rex  in  suo  capitulari  sie  affixit:  si 
qnilibet  Longobardus  cet.  s.  TJghell.  VI,  1278.  Dem  Provenzalen  ist 
auch  das  einfache  ramir  noch  vergönnt,  wenigstens  liest  man  bei  G.  v.  Tudeta 
3298  lo  senhor  qu'en  la  crotz  fo  ramitz  (fora  mitz  Faur),  das  dem  goth. 
hramiths  du  galgin  €an  das  kreuz  geheftet*  zu  entsprechen  scheint;  v. 
8630  steht  dafür  aramir.     Vgl.  auch  Diefenbachs  Goth.  wb.  II,  589. 

Arbalete  fr.,  arbalesta  pr.armbrust;  von  arcuballista  bei  Vegetius, 
woher  auch  das  deutsche  wort. 

Areas se  fr.  vrlt.  castell  im  hintertheäe  des  Schiffes;  zusammen- 
treffend mit  it.  arcaeeia,  sp.  areaza  kästen,  von  area;  also  nicht  von  arx 
herzuleiten. 

Ardoise  schiefer,  daher  it.  ardesia  in  einigen  wbb.  und  pg.  ardosia; 
von  unbekannter  herkunft,  nach  Adelung,  Mithr.  II,  43,  celtisch,  ohne 
beweis;  nach  Vergy  (s.  Menage,  3.  ausg.)  von  Ar  des  in  Irland  benannt. 
—  [Mahn  p.  85  hält  es  für  abgekürzt  aus  ardenoise,  aus  den  Ardennen, 
was  wir  auf  sich  beruhen  lassen.] 

Argot  fr.  gaunersprache,  von  unermittdter  herkunft.  Eine  Zusam- 
menstellung der  deutungen  bei  Fr.  Michel  sur  Vargot  p.  III.  ff.  Man 
liest  GBourg.  14,  13.  52,  18  en  areage  grezois  in  griech.  mundart,  arc- 
age  geformt  nach  langage,  aber  are? 

Argot,  ergot  fr.  spitze  eines  abgestorbenen  zweiges,  sporn  des  feder- 
viehs;  gleichfalls  unaufgeklärt.     Champ.  artot. 

Argue  fr.  (f.)  ein  Werkzeug  gold-  oder  süberdraht  zu  ziehen,  vb. 
arguer,  s.  Compilern,  du  dict.  de  VAc.  Man  erinnert  an  gr.  eoyov.  Die 
herkunft  aus  dem  dunkeln  ahd.  arahön  mit  künstlichem  gewebe  bedecken 
(Rom.  gramm.  I,  299,  2.  ausg.)  ist  mehr  als  zweifelhaft. 


510  II.  c.  ARMOIRE-ASSISES. 

Armoire  fr.  (f.)  schrank;  abgeändert  aus  dem  tüten  armaire, 
aumaire  (m.)  =pr.  armari,  it.  sp.  armario,  kymr.  armari,  bret.  armel,  dtsch. 
almer,  lat.  armarium.  Von  arma  ist  ferner  armoiries  (f.  pl.)  wappen, 
eigentl.  Zusammenstellung  von  waffen. 

Armoise  fr.  (f.)  ein  kraut,  artemisia. 

Ar  na  pr.  cot.  schabe,  motte  (im  Elucidari  arda),  npr.  darna,  vb. 
amar  benagen;  von  unbekannter  herkunft.  Auch  die  sard.nmndart  kennt 
arna  in  gl.  bed.  Das  churw.  wort  ist  tarna,  das  aber  mit  ü.  tarma  zu- 
sammentrifft. 

Arpent  fr.  (t  angefügt  Rom.  gramm.  1,  462),  pr.  arpen,  auch 
altsp.  arapende,  ein  f eidmaß,  lat.  arepennis  als  gallisch  angeführt :  Galli . . . 
semijugerum  quoque  arepennem  voeant  Columella  5, 1,  6;  dagegen:  hunc 
Baetici  arapennem  dieunt  ab  arando  Isid.  Aber  nicht  daher,  sondern 
aus  einer  Gallien  und  Uispanien  gemeinsamen,  wahrscheinlich  einer  ceUi- 
sehen  spräche  kommt  das  lat.  wort,  man  sehe  Diefenbachs  Orig.  europ.p.  233. 

Arracher  fr.,  pr.  araigar,  eradicar,  esraigar  herausreißen;  von 
eradicare,  exradicare  bei  Plautus,  Terenz  und  Varro,  it.  eradicare,  sra- 
dicare.  Wegen  der  verschiedenen  behandlung  des  c  in  arracher  und 
araigar  ist  an  fr.  pencher,  pr.  pengar  für  pendicare  zu  erinnern. 

Arriser  fr.  fallen  lassen,  herablassen;  vom  ahd.  arrisan  zusammen- 
fallen. 

Ar  röche  fr.  (f.)  ein  kraut,  melde,  wallon.  aripp  (f.);  entstellt  aus 
atriplex  (n.),  it.  atrepice. 

Ars  altfr.  (plur.)  die  Schulterblätter  oder  der  vorderbug  des  pf er  des; 
von  armus,  womit  es  auch  Nicot  übersetzt.  M  nämlich  zwischen  r  und 
einem  dental  erlaubt  sich  der  Franzose  ausfallen  zu  lassen:  so  in  dors, 
dort,  fertö  aus  dorm's,  dorm't,  firm'tas,  nicht  anders  ars  aus  arm's.  Auch 
der  Sarde  sagt  arma  de  caddu  =  armus  caballi,  versteht  aber  darunter 
ein  geschwür  am  bug;  wcd.  ärmur  drückt  ganz  das  lat.  wort  aus.  Noch 
jetzt  sagt  man  fr.  saigner  un  cheval  des  qnatre  ars,  wo  also  auch  der 
hinterbug  mitbegriffen  ist.  Es  ist  ein  irrthum,  wenn  Oachet  unter  les  ars 
die  brüst  versteht  und  dies  vom  fem.  arca  (behalter)  herleitet:  welchen 
sinn  hätte  alsdann  der  auf  das  einzelne  (hier  angewandte  plur  cd? 

Ar  tonn  neupr.  brot,  ein  it.  artone  kennt  Veneroni;  dazu  kommt 
noch  sp.  artalejo  oder  artalete  pastetchen,  und  arteda,  pg.  arte<ja 
backtrog.  Man  vermuthet  darin  das  gr.  agzog,  aber  nähere  anspräche 
hat  wohl  das  bask.  artoa  maisbrot  s.  Larramendi,  Diceion.  I,  p.  XVI, 
nach  Humboldt,  Urbew.  Hisp.  p.  165,  urspr.  eichdbrot,  von  artea  ort 
eichen.    P.  Monti  rechnet  auch  das  comask.  adro-basto  (brot)  hieher. 

Assen  er  fr.  einen  schlag  versetzen,  überh.  treffen,  altfr.  einem  etwas 
bestimmen  oder  zuweisen;  für  assigner  =  it.  assegnare. 

Assises  fr.  (plur.)  außerordentliche  gerichtssitzung,  in  engerer  be- 
deutung  gerichtssitzung  an  vorher  bestimmten  tagen,  altfr.  auch  sing,  assise, 
pr.  asiza,  womit  überdies  eine  in  einer  solchen  Sitzung  beschlossene  Ver- 
ordnung,  z.  b.  eine  steuerverordnung  oder  schlechtweg  eine  Steuer  LBs. 


ILc.   ASSOAGER- AUFAGE.  511 

p.  390.  393,  bezeichnet  ward,  daher  levare  assisiam  eine  Steuer  erheben, 
it.  assisa  abgäbe,  accise,  neap.  assisa  taxe  der  lebensmittd.  Es  ist  ein 
partidp  vom  aUfr.  pr.  assire  setzen,  sich  setzen,  tot.  adsidere,  und  be- 
deutet also  eine  gesetzte  sache,  im  frans,  ganz  concret  eine  schichte  steine 
d.  h.  etwas  aufgesetztes,  im  prov.  läge,  zustand,  posüio;  in  dieser  Sprache 
findet  sich  auch  cizias  (plur.).  Im  gegenwärtigen  falle  kann  es,  gramma- 
tisch betrachtet,  sowohl  den  festgesetzten  gerichtstag  als  auch  das  darauf 
festgesetzte  bedeuten,  nicht  eigentlich  die  Sitzung  oder  Session  selbst.  — 
Eine  abänderung  von  assise  und  im  franz.  eigentlich  ein  fremdwort  ist 
accise,  dtsch.  auch  ziese  abgäbe  von  eingeführten  lebensmittdn,  wobei 
man  an  accldere  (abschneiden)  gedacht  haben  muß;  im  englischen  sagt 
man  excise  phonetisch  =  accise. 

Assoager,  assouagier  altfr.,  pr.  assuaviar  mildern;  von  suavis, 
mit  bcobdchtung  des  ableitungsvocales  i  wie  in  levi-are,  molli-are  u.  a. 
roman.  fortbildungen. 

Assourir  fr.  ganz  satt  machen,  den  heißhunger  stillen:  assouvir 
qqun.,  assourir  une  faim  canine.  Es  läßt  sich  buchstäblich  construieren 
aus  dem  nur  im  gothischen  vorhandenen  ga-söthjan  xoqt&Qiv,  wenn  man 
th  ausstößt  und  v  dafür  einschiebt:  so  entstand  pouvoir  aus  uraltem  po- 
doir,  pr.  poder.  Allein  größeres  recht  hat  überall  das  tat.  dement,  hier 
besonders,  wo  sich  das  deutsche  wort  auf  einen  entlegneren  dialect  be- 
schränkt; und  darum  ist  suffieere,  wiewohl  sich  ff  sonst  nicht  in  v  er- 
weicht, in  betracht  zu  ziehen,  s.  Gachet  31b,  der  ein  aUfr.  asouffir  in  der 
bed.  satis faire  anführt;  assouvir  'satis  alicui  facere  bei  Nicot.  Sopire 
genügt  nur  mit  dem  buchstaben.  Auffallend  ist  altfr.  assouvir  bataiile 
ein  treffen  liefern,  z.  b.  Aye  SAv.  p.  125. 

Atelier  fr.  werkstätte  =  pr.  astelier,  sp.  astillero  (von  hasta)  ge- 
steU  zum  aufbewahren  der  lanzen,  zunächst  wohl  gestdl  für  das  hand- 
werksgeräthe,  daher  werkstätte.  RaynouarcPs  Übersetzung  von  astelier 
*amas  de  lances*  LR.  ist  ungenau:  die  reihe  der  krieger  wird  in  der  an- 
gezogenen stelle  (aqui  yiratz  far  d'astas  tant  astelier  ORoss.)  offenbar 
mit  einer  lanzenraufe  verglichen.  Neupr.  astelier,  astier  feuerbock  d.  i. 
gestdl  zum  auflegen  des  holzes. 

Aubain  fr.  fremdling,  mlat.  albanus.  Die  erUärung  aus  alibi 
natus  ist  abzuweisen.  Zu  erwägen  wäre  ahd.  elibenzo,  früher  ali-banto 
caus  einer  andern  gegend  %  allein  müßte  das  mlat.  wort  dann  nicht  alban- 
tus  oder  doch  albamras  lauten?  Häufig  verbindet  sich  das  suffix  an  mit 
adverbien,  und  so  konnte,  wie  aus  proche  prochain,  aus  loin  lointain, 
oder  aus  ante  ancien,  auch  aus  alibi  aubain  abgeleitet  werden. 

Aubier  fr.,  albar  pr.  splint,  das  weiße  zarte  holz  unter  der  rinde; 
von  albus  (albarius),  woher  auch  tot.  alburnum,  aUfr.  aubour,  lim.  ooubun. 

Aufage  altfr.  pferd  (ausländisches?),  z.  b.  Maugis  s'en  vait  l'am- 
blettre  pensant  sor  son  aufage  QFAym.  Mone ;  brocher  l'alfage  de  Nnbie 
(Hin.  p.  34.  Das  vorgezeigte  al  weist  auf  arabische  herkunft,  kaum  jedoch 
darf  man  der  vermuthung  räum  geben,   es  sei  aus  dem  nüat.  farius  = 


512  II.  c.   AUFERRANT-AVACHIR. 

• 

arab.  faras  (bei  Raim  v.  Agiles  um  1100)  mit  ausgefallenem  r  geformt, 
noch  weniger,  aus  dem  mhd.  phage,  ndd.  page,  welches  selbst  fremd  ist. 
—  Sofern  es  ein  Oberhaupt  der  Sarazenen  bedeutet,  z.  b.  in  der  stelle 
amirant,  roys,  aufages  ChCyg.  v.  5226,  erinnert  Gachet  p.  36  an  das 
gr.  (pdyog  s.  v.  a.  glouton,  letzteres  ein  Übliches  Schimpfwort  für  einen 
Sarazenen.  Wozu  aber  eine  solche  Übersetzung  ins  griechische?  Einen 
Vorwurf  gegen  die  anhänget  des  propheten  zu  übertünchen,  lag  gewiß  nicht 
in  der  Stimmung  der  zeit. 

Auferrant  s.  ferrant. 

Auge  fr.  (f.)  trog;  vom  tat.  alveus  wanne,  it.  alveo,  genues.  argio  u.s.f. 

Aumaille  fr.  (f.,  nur  im  plur.  üblich)  hornvieh;  von  animalia,  in 
den  Cass.  glossen  animalia  %rindir\  So  auch  churw.  armal,  wcdlon.  amä 
rind,  aber  piem.  parm.  animal  schwein,  romagn.  animela  sau,  kuh,  stute, 
hündin  u.  dgl.    S.  Pott  über  die  Lex  Sal.  161. 

Aurone  fr.  (f.)  eine  pflanze,  stabwurz,  aberraute;  von  abrotonum, 
it.  abrotano. 

Aus  neupr.  (m.)  vlies,  feU  des  schafes,  s.  Honnorat  und  glossar  zu 
Ooudelin;  aou  schreibt  Sauvages,  die  champ.  mundart  kennt  ause  Tarbe 
II,  152,  altfr.  findet  sich  heus  de  mouton  Roq.  suppl.  Ist  es  das  goth. 
au-s  Grimm  I,  64,  III,  327,  ahd.  awi,  an  sclwf?  Aber  bessere  ansprüehe 
hat  ein  latein.  wenig  bekanntes  wort,  hapsus  bei  Celsus,  worüber  Gaper 
bemerkt  (Putsch  p.  2249)  hapsum  'vellera  lanae ,  non  hapsus ;  vgl.  hapsnm 
'vellus  lanae  Gl.  Isid.  Hieraus  ward  mit  auflosung  des  p  in  u  prov.  aus 
(vgl.  ne-ipsum  neus,  malaptus  malaut).  Man  leitet  das  lat.  wort  aus  gr. 
aipog,  die  bemerkung  des  grammatikers  Caper  zeigt  wenigstens,  daß  es 
ein  übliches,  sein  dasein  im  romanischen,  daß  es  ein  volksübliches  wort 
war.    Griech.  awrov  (vlies)  liegt  fern  ab. 

Aussi  franz.  partikd  (ebenso,  auch),  altfr.  slsi,  ausinc,  auch  florent. 
alsi;  von  aliud  sie. 

Autant  franz.  pronomen;  von  aliud  tantum;  auch  altsp.  autan. 

Autel  altfr.  pronomen;  von  alius  talis. 

Auvent  fr.  schirmdach.  Die  deutung  aus  6te-vent  cwas  den  wind 
abhält7  ist  gegen  laut  und  begriff.  Auvent  ist  sichtbarlich  das  pr.  anvan, 
amban,  das  einen  vorsprung  oder  erker  zum  schütz  eines  einganges  der 
bürg  zu  bedeuten  scheint,  s.  FaurieVs  glossar  zu  G.  v.  Tudela:  aus  an 
ward  au  wie  in  erraument  für  erranment.  Anvan  aber  kann  eine  Zu- 
sammensetzung sein  aus  ante  (so  angarda  aus  ante-g.)  und,  wegen  irgend 
einer  ähnlichkeit,  aus  vannus;  Ducange  erklärt  auvent,  auvant  aus  altus 
vannus.  Was  hier  fehlt,  ist  die  anschauung  der  sache.  Griech.  außtov 
bergvorsprung  u.  dgl.,  daher  nüat.  ambo,  altfr.  ambon  bühne,  weil,  amvön, 
russ.  ambön  gerüste,  kanzd,  ist  kaum  zu  nennen,  da  sich  b,  wenn  m  vor- 
hergeht, schwerlich  in  v  erweicht. 

Avachir  fr.  (nur  reflexiv  s'avachir)  erschlaffen-,  vom  ahd.  weichjan 
oder  arweichjan  erweichen.  Wallen,  s'avacht  bedeutet  sich  senken.  Nach 
dem  Dict.  de  Trevoux  ist  s'avachir  ein  kunstausdruck   der  Schuhmacher 


IL  c.  AVAISSA-AVIRON.  513 

für  schleckt  gewordenes  leder  und  kommt  vom  fr.  vache  kuh.  Dies  würde 
sich  hören  lassen,  wenn  vache  schlechtes  oder  weiches  kuhleder  bedeutete, 
was  nicht  der  fall  ist.  Wenn  man  ein  verbum  aus  einem  Substantiv  bil- 
det, so  wird  die  Substanz  dadurch  nicht  geändert,  aus  leder  kann  kein 
schlechtes  leder  gemacht  werden;  es  fehlt  also  der  logische  Zusammenhang 
stoischen  vache  und  s'avachir. 

Avaissa  und  avais  pr.  name  eines  Strauches:  frag  d'avaissa, 
pruna  d'avais,  im  Lex.  rom.  mit  avaisse  übersetzt.  Hieraus  abgekürzt 
scheint  vaissa  wilde  rebe  nach  Lex.  rom.  (razims  de  vaissa  Deud.  de 
Prad.),  in  einer  Urkunde  v.  j.  1332  de  vaychiis  et  aliis  arboribus  viri- 
dibus;  in  einer  v.  j.  1341  cum  quibusdam  vayshis  et  aliis  minutis  ar- 
boribus s.  DG.  ed.  JH.;  im  neuprov.  nicht  nachgewiesen.  Das  dunkle  wort 
wäre  einer  Untersuchung  werth:  pflanzennamen  steigen  zuweilen  bis  in 
die  Ursprachen  eines  landes  hinauf. 

Avalange,  avalanche  (wie  altfr.  fresenge  neben  fresenche),  datier 
it.  valanga  lawine;  von  avaler  hinabsteigen,  vgl.  das  ebenfalls  daraus  ab- 
geleitete avalaison  gießbach.  Eine  andre  form  ist  fr.  lavange,  lavanche, 
pr.  lavanca,  entweder  umgestellt  aus  avalange  oder  erweitert  aus  nüat. 
labina  bei  lsidorus,  der  es  von  labi  abstammen  läßt  (labina  eo  quod 
ambulantibus  lapsum  inferat  16,  1),  churw.  lavina.  Eine  erklärung  aus 
dem  dtschen  lauen  (aufthauen)  sehe  man  bei  Schmeller  II,  405. 

Av Qospeciell  franz.  präposition  dem  it.  sp.  con  entsprechend,  altfr. 
adv.  avoc,  avuec,  avec;  zsgs.  aus  altfr.  ab  =  lat.  apud  und  oc  =  lat. 
hoc  'bei  dem,  mit  dem;  ebenso  altfr.  por-uec  'wegen  dessen.  Eine  para- 
gogische  form  ist  avecques.     Vgl.  appo  L  und  o  II.  c. 

Aveindre  fr.  hervorlangen,  occ.  avedre.  Woher  dies  seltsame  in 
seiner  endung  mit  peindre  (pingere),  empreindre  (imprimere),  geindre 
(gemere)  zusammenfallende  wort?  Gewiß  nicht  von  advenire  oder  ad- 
vincire.  Es  gab  ein  lat.  abemere  wegnehmen,  von  Festus  aufbewahrt: 
abemito  significat  demito,  auferto,  dies  mußte  fr.  aveindre  lauten;  mlat. 
abemere  Dief.  Gloss.  lat.  germ.  Es  läßt  sich  freilich  auch  ohne  zwang 
aus  dem  Üblicheren  adimere  leiten  wie  altfr.  avoultre  aus  adulter,  aber 
da  dies  keine  roman.  spräche  anerkennt,  so  ist  kein  grund  da,  von  dem 
etymologisch  noch  näher  liegenden  abemere  abzugehn:  besitzen  ja  doch 
die  jüngeren  sprachen  der  verschollenen  lat.  Wörter  so  manche.  Die 
champ.  mundart  hol  das  wort  zur   1.  conj.  gezwungen,  avainder. 

Avel  altfr.  champ.  (plur.  aviaux)  inbegriff  alles  wünschenswerthen. 
Nicht  von  velle,  es  erklärt  sich  einfach  aus  lapillus  perle,  edelstein,  it. 
lapillo,  wie  es  denn  auch  toirklich  mit  bijou  (kleinod)  übersetzt  wird,  s. 
Soquef.  Man  glaubte  in  lavel  den  artikel  zu  fühlen  und  sprach  drum 
avel;  genau  so  ergieng  es  dem  lat.  labellum  im  it.  avello. 

Avenant  fr.,  pr.  avinen  (daher  it.  avvenante,  avvenente)  anständig, 
artig;  von  adveniens  ankommend,  zukommend,  wie  unser  bequem  d.  i. 
passend,  von  biqueman  zukommen. 

Aviron  fr.  rüder  für  kleine  fahrzeuge,   mlat.  abiro.    Nach  Frisch 

33 


514  ILe.  AVOI-AVOUER. 

von  ad  gyrum,  weil  es  sich  im  kreiße  bewege.  Setzt  man  statt  gyrum 
nur  viron,  so  hat  diese  erklärung  nichts  unwahrscheinliches  und  es  läßt 
sich  noch  beifügen,  daß  das  lothr.  aiviron  auch  traubenbohrer  heißt,  ein 
Werkzeug,  das  einen  kreiß  beschreibt.  Nach  andern  ist  es  vom  iL  alberone 
großer  bäum,  aber  diesem  worte,  dem  sich  die  lothr.  nebenform  auburon 
anzunähern  scheint,  ist  die  bed.  rüder  fremd. 

Avoi  altfr.  interjection,  die  eine  unmuthige  Verwunderung  ausdruckt, 
daher  unser  mhd.  avoi.  Den  Ursprung  derselben,  der  sonst  in  ah  voie  = 
it.  eh  via  oder  im  classischen  evoe  gesucht  ward,  hat  man  neuerlich  in 
einem  kirchlichen  refrän  evovae  gefunden,  der  die  vocäle  aus  den  Wörtern 
seculorum  amen  zusammenfaßt  (s.  besonders  Wolf  über  die  lais  p.  189), 
hat  sich  aber  die  buchstäbliche  entwicklung  nicht  klar  gemacht.  Evovae 
konnte  allenfalls  ein  dreisilbiges  evofe",  nimmer  das  auf  moi  reimende  avoi 
erzeugen.  Dieses  letztere  zerlegt  sich  von  selbst  in  die  beiden  interjectionen 
ah  und  voi  (ha  sieti,  und  diese  ungekünstelte  deutung  bestätigt  sich  durch 
die  buchstäblich  identische  Span,  interjection  af£  PC.  1326,  worin  v,  wie 
öfter,  sich  in  f  verwandelte,  also  =  sp.  ah  ve  =  fr.  ah  voi.  Als  refrän 
trifft  man  auch  aoi  und  a£,  vgl.  dasselbe  verhüten  des  vocals  in  voi-ci  und 
ve-ci  altfranz.  —  Ob  der  refrän  der  Chanson  de  Roland  aoi  identisch  sei  mit 
unserm  avoi,  ist  eine  frage  der  litteraturgeschichte,  doch  darf  auf  Magnin's 
bemerkungen  darüber  im  Journ.  d.  Sav.  1852  p.  768  ff.  verwiesen  werden. 

Avoi  pr.  (adj.  einer  endung)  schlecht,  elend,  sbst.  avoleza,  altit. 
avolezza  s.  Galvani,  Lezioni  accad.  II,  264.  Auch  im  attcat.,  altspan. 
und  altpg.  kommt  das  wort  vor,  ist*  aber  so  selt&n,  daß  die  angaben  seiner 
bedeutung  schwanken.  Sanchez  übersetzt  avoi  ome  bei  Berceo  zweifelnd 
mit  ladron,  indem  er  auf  volare,  das  ihm  stehlen  bedeutet,  verweist.  Moraes 
übersetzt  das  port.  wort  im  Nobiliario  (wofür  er  auch  eine  Variante  avil 
vorbringt)  mit  mao;  das  bask.  (navarr.)  ahul  (gering  von  werth)  wird 
dasselbe  wort  sein.  Im  prov.  ist  avoi  sehr  üblich,  aber  jetzt  gleichfalls 
erstorben,  und  bedeutet  das  gegentheil  von  pros,  fr.  preux.  Daß  die  erste 
sübe  den  ton  hat,  beweist  das  zsgz.  pr.  Aul,  das  sich  zu  dvol  verhält 
wie  fröul  zu  fr6vol:  mit  unrecht  also  accentuiert  Seckendorf  av6L  Was 
seine  herkunß  betrifft,  so  räth  man  auf  gr.  aßovltjg  unangenehm,  lästig, 
das  aber  der  bedeutung  nicht  genügt  Ducange  bemerkt  aus  einem  urtheil 
vom  j.  1411  advölus  =  advena,  buchstäblich  das  roman.  wort.  Wie  man 
sp.  cuerdo  abkürzte  aus  cordatus,  pr.  clin  aus  clinatus,  so  konnte  man 
advolus,  avoi  aus  advolatus,  avolö  abkürzen.  Die  grundbedeutung  war 
Khergefiogeri  d.  i.  heimathlos,  fremd  und  so  wird  das  vollständige  wort 
öfters  gebraucht:  ceux  qui  estoient  ainsi  bannis  .  .  .  les  appelloit-on 
avolez  Ducange  v.  advoli ;  garce  avol6e  TFr.  449.  Aus  dieser  bedeutung 
konnte  leicht  die  oben  bemerkte  hervortreten  wie  in  unserm  elend  1)  pere- 
grinus,  2)  miser.  Allerdings  war  alsdann  ein  adjectiv  zweier  endungen 
zu  erwarten,  es  ergieng  ihm  aber  une  frövol  =  frivolua,  frivola. 

Avouer  fr.,  avoar  pr.  bekennen,  anerkennen;  nicht  von  votare  (wie 
noch  Rom.  gramm.  I,  148,  2.  ausg.  angenommen  ward),  sondern  von  ad- 


ILc.   AVOUTRE-BAFKE.  515 

vocare,  wie  auch  avou6  sbst.  von  adrocatus.  Prov.  port.  avocar  heißt 
anrufen,  zu  sich  rufen,  woraus  die  bedd.  annehmen,  anerkennen  erfolgten, 
mlat.  advocare  ut  filium  suum  einen  als  söhn  annehmen,  ihn  als  solchen 
anerkennen.  Daher  sbst.  aveu  bekenntnis  (mit  dem  üblichen  durch  die 
stelfang  des  vocales  bedingten  Wechsel,  wie  in  jouer  jeu,  notier  ndeud, 
louer  neu,  fouage  feu).    S.  Gachet  46". 

Avoutre  ältfr.  pr.bastard,  bret.  avoultr;  von  adulter  unächt,  auch 
it.  ayöltero  ehebrecher,  wcd.  yotru  kuppler.  Über  den  Ursprung  des  v 
in  diesem  worte  s.  Rom.  gramm.  I,  189.  Das  watton.  avotron,  avutron, 
welches  Qrandgagnage  addit.  ohne  noth  aus  dem  flämischen  leitet,  hat  auch 
die  bed.  Schößling  entwickelt. 

Aye  franz.  interjection;  vom  alten  imperativ  aYe  hilf  s.  Genin  Variat. 
d.  I.  I  frang.  p.  333  ff.,  Gachet  p.  11". 

Azaut,  adaut  pr.  erfreulich,  lieblich,  azautar  erfreuen,  gefallen;  von 
ad-aptus,  adaptare,  wie  malaut  von  malaptus,  also  =  it.  adatto  passend, 
daher  anständig,  gefällig.  Man  leite  es  nicht  etwa  von  ad-altus,  denn 
nie  voird  adalt  gesagt.  Der  span.  Alexander  bietet  dasselbe  wort  1979: 
todos  tenien  que  era  mui  adapto  nobleza.  Gleicher  herkunft  ist  altfr. 
a-ate,  einfach  ate  tauglich,  kräftig,  fähig. 


B. 

Bafreurre  fr.  buttermilch;  für  bat-beurre:  battre  le  beurre  butter 
machen. 

Babil  fr.  geplauder,  babiller  plaudern,  engl,  babble,  dtsch.  babbeln ; 
naturausdruck,  ^  zurückgehend  auf  die  laute  ba  ba  (papa?),  womit  das 
früheste  sprechen  und  plaudern  des  kindes  beginnt*  (Weigand). 

Bäbord  fr.  linke  seile  des  Schiffes;  vom  ndl.  bak-boord  d.  i.  rücken- 
bord,  weil  der  Steuermann  bei  der  führung  des  ruders  der  linken  seile 
den  rücken  zukehrt. 

Babouches  fr.  (fpl.)  türkische  pantoffeln,  daher  wohl  erst  sp. 
babuchas;  vom  aräb.  bäbusch,  dies  aus  dem  pers.  päpusch  d.  i.  fuß- 
bedeckung  (Engelmann). 

Bac  fr.  fähre,  henneg.  trog;  vgl.  ndl.  bak  mulde,  trog,  bret.  bag, 
bak  barke.  Diminutiva  sind  baquet  und  baille  (bac-ula),  aus  letzterem 
ndl.  balie,  schwed.  balja,  dtsch.  balge. 

Bäcler  fr.,  baclar  pr.  sperren  mit  einer  querstange;   von  bacnlns. 

Bacon  altfr.  pr.  Speckseite;  vom  ahd.  bacho,  ndd.bak  rücken,  mnctt. 
baec  Schinken.  Die  dauphinesische  mundart  nennt  bacon  {entsprechend 
mlat.  baco)  das  ganze  (zubereitete?)  schwein. 

Bäfre  fr.  (f.)  fetter  schmaus,  piem.  bafra  voller  bauch,  fr.  bäfrer, 
npr.  braffä,  piem.  bafr&  schwelgen,  henneg.  bafreux,  piem.  bafron  fresser. 
Ungewisser  herleitung,  um  so  ungewisser,  als  Roquefort  auch  bauffrer 
und  das  piem.  Wörterbuch   auch  balafre  verzeichnen.    Man  darf  etwa  er- 


516  ILc.   BAGUE— BALME. 

innern  an  bave  geifer,  so  daß  bäfrer  eigentl.  hieße  den  mund  wässerig 
haben  ftat.  salivam  eiere  den  mund  wässerig  machen,  appetü  erregen), 
vgl.  pic.  bafe  leckermaui,  baflier  geiferer  u.  s.  w.:  r  wäre  hinzugetreten 
wie  im  it.  b&raro,  ven.  bavarolo  geifertuch. 

Bague  fr.  ring  mit  einem  edelstem,  auch  ring  wonach  man  rennt; 
von  bacca  perle,  gelenk  der  kette.  Boja  et  baga  unum  sunt  Gl.  Isoms. 
Ebenso  von  baca,  bacca  ist  fr.  b  a  i  e  beere,  pr.  baga,  baca,  sp.  baca,  pg. 
baga,  it.  bacca. 

BaYonnette  fr.  eine  waffe;  sicher  nach  der  Stadt  Bajonne  benannt, 
nach  einigen,  weil  jene  bei  dem  stürm  auf  diese  Stadt  (1665)  zuerst  ange- 
wandt ward.  Ist  dies  richtig? 

Balafre  fr.  (f.)  lange  schnarre  oder  wunde  im  gesteht,  henneg. 
berlafe,  maü.  barleffi,  it.  sberleffe,  vb.  fr.  balafrer.  Es  ist  wahrschein- 
lich eine  Zusammensetzung  aus  der  partikel  bis  schief,  übel,  und  labrnm, 
oder  buchstäblicher,  da  dies  in  levre  übergieng,  dem  ahd.  leffur  lippe, 
so  daß  es  üble  lippe  bedeutete,  lippe  nämlich  für  eine  klaffende  wunde 
wie  gr.  xelkog.  Im  champ.  berlafre  ein  übel  an  der  lippe,  böse  lippe, 
liegt  die  grunäbedeutung  am  tage. 

Balai  fr.  besen,  balayer  auskehren.  Die  grunäbedeutung  des  Wortes 
ist  eine  andre:  pr.  balai  halm,  gerte,  so  auch  aitfr.  balais  (balai?),  bei 
Matth.  Paris  baleys  virga,  altengl.  baieis,  vb.  pr.  balaiar  schwanken, 
flattern,  peitschen.  Man  darf  nach  der  bed.  gerte  oder  reis  celtischen  Ur- 
sprung vermuthen:  kymr.  bala  heißt  ausbrach  (bei  Owen),  pl.  balaon 
knospen  der  bäume  (bei  Boxhorn),  balant  das  ausschlagen  oder  sprossen 
derselben,  bret.  balaen  besen,  das  sich  im  dtifr.  balain  <flagellum  LRs.  282 
wiederfindet,  bret.  balan  ginster.  Doch  ist  in  dem  roman.  worte  kein 
sufjix  ai  anzunehmen,  da  ein  solches  für  substantiva  nicht  vorkommt:  die 
ganze  bildung  muß  eingeführt  sein,  kymr.  balai  aber  heißt  nur  dorn  der  schnalle. 

Balc  pr.,  fem.  balca,  nur  einmal  vorkommend,  feucht,  wie  Raynouard 
übersetzt.  Es  heißt  hier:  una  terra  trop  balca,  arenosa  cet.  Gälisch 
balc  heißt  die  krustige  Oberfläche  der  erde:  krustig  würde  sich  mit  sandig 
besser  vertragen  als  feucht. 

Bai 6 vre  fr.  Unterlippe;  für  basse-tevre. 

Balme  alt  fr.,  balma  pr.  cat.,  in  neuern  mundarten  baumo,  grotte 
durch  einen  überragenden  felsen  gebildet  (Honnorat),  Schweiz,  balm,  so 
auch  öberitaiisch;  barme  in  roman.  mündarten  kennt  Schott,  Deutsche 
spräche  in  Piemont  242.  271.  Man  hat  dies  wort  für  cdtisch  gehalten 
(Schneller  s.  v.  halfen),  in  seiner  vorliegenden  ausprägung  aber  fehlt  es 
den  sprachen  dieses  Stammes,  s.  Dief.  Gelt.  I,  192,  Orig.  europ.  p.  239. 
Steub,  Ehät.  ethnologie  86.  198,  gibt  als  urform  das  rhätische  palva  an, 
wovon  derivata  in  vielen  Ortsnamen  vorhanden :  hieraus  sowohl  das  bairische 
und  tirolische  halfen  wie  das  rom.  balma,  desgl.  das  churw.  bova  erd- 
schlipf.  Balma  muß  hiernach  sehr  bei  seit  in  diese  form  ausgewichen 
sein,  da  es  als  geographischer  name  in  den  frühesten  Urkunden,  s.  b. 
Breq.  J,  p.  428"  (v.  j.  721),  vorliegt. 


ILc.  BAN— BAUD.  517 

Ban,  bana  pr.,  banya  cot.  hörn,  Hirschgeweih;  wohl  vom  kymr.  b&n 
mit  ders.  bed.  s.  Dief.  Goth.  wb.  I,  257,  vgl.  aber  auch  ahd.  bain,  bair. 
hirschbain  Schneller  I,  178.  Daher  occ.  banarut  gehörnt,  banar(d)  Hirsch- 
käfer. 

Banlieue  fr.  weichbild,  wörtlich  meilen-bann,  von  ban  gerichtsbar- 
Jceit  und  lieue  meile,  fdd,  gebiet,  also  das  zu  derselben  gerichtsbarkeit  ge- 
hörige gebiet.  So  auch  altfr.  banmolin  mühlenbmn,  müMengereehtigkeit. 
S.  Ducange  s.  v.  bannuin  leucae. 

Baragouin  fr.  kauderwälsch;  vom  bret.  bara  brot  und  gwln  wein, 
welche  werte  die  Franzosen  häufig  im  munde  der  Bretonen  horten,  denn 
ihrer  spräche  galt  der  ausdruck  zuerst  und  kommt  daher  in  spottliedern 
vor;  so  ViUemarqui,  Biet,  frang.  bret.  p.  XXXIX.  Dazu  Krit.  anhang 
p.  6.  Diefenbach  verweist  dagegen  auf  sp.  bara-hunda,  it.  bara-buffa 
Verwirrung,  lärm. 

Barioler  fr.  bunt,  aber  ohne  Jeunst  und  geschmack  malen  (ältere 
wbb.  kennen  nur  das  adj.  bariolä).  Variare,  variolare  bietet  sich  leicM 
dar.  Allein  der  Franzose  tauscht  anlautendes  lat.  v  nicht  mit  b  (brebis 
ruht  auf  einer  lat.  form  berbex),  und  warum  sollte  er  dieses  wort  seiner 
ifamilie  ohne  grund  entfremdet  haben?  warum  nickt  varioler  wie  varier, 
vairon  u.  s.  w.?  Entweder  liegt  in  bar  eine  umdeutung  mit  der  gleich- 
namigen partikd,  um  dem  ungehörigen  der  maierei  einen  ausdruck  zu 
geben,  oder  varius  ist  gar  nicht  in  dem  worte  enthalten,  es  ist  eine  zss. 
aus  der  genannten  partikd  bar  und  riol6  gestreift,  vgl.  die  redensart  riol6 
et  piolä  buntscheckig. 

Barlong  fr.,  alt  berlong  ungleich  länglich;  für  beslong  =  it.  bis- 
lungo,  zsgs.  mit  bis,  das  etwas  ungehöriges  ausdrückt,  s.  bis  I. 

Base  nie  fr.  gegengeuncht  an  einem  brunnenschwengel,  einem  schlag- 
bäum  oder  einer  Zugbrücke,  dsgl.  brett  zum  schaukeln.  Man  fühlt  Zu- 
sammensetzung mit  bas  und  cul  (Frisch,  Scheler),  aber  der  gedanke  ist 
nicht  ganz  Mar.  Deutlicher  spricht  der  neuprov.  ausdruck  leva-coua  hebe 
den  schweif  d.  h.  den  längeren  theil  des  bdlkens. 

Basquiner  altfr.  bezaubern;  vom  gr.  ßaoxalvetv  dass.  (Frisch), 
wal.  boßconi. 

Bau  fr.  (m.)  querbalken  zwischen  beiden-  Seiten  des  Schiffes  hoch 
über  dem  boden  (Nicot);  nach  Frisch  u.  a.  vom  ndl.  balk  trabs. 

Bauche  fr.  vrlt.  nach  Nicot  tünchwerk  der  wand,  nach  Menage 
werkstätte,  von  apotheca,  nach  Genin  schindet,  von  bois,  von  welchen 
Wörtern  es  aber  nicht  stammen  kann.  Zss.  sind  öbaucher  aus  dem  rohen 
arbeiten,  flüchtig  entwerfen,  embaucher  einen  gesellen  annehmen,  dsgl. 
listig  werben,  döbaucher  verführen,  eigentl.  aus  der  werkstätte  locken. 
Wegen  des  Ursprunges  von  bauche  vgl.  sowohl  das  vorhin  schon  ange- 
zogene gael.  balc  erdkrusie  ipie  altn.  bälk-r  Zwischenwand. 

Baud  fr.  eine  art  Windhunde  aus  der  Berberei  stammend,  auch 
chiens  muets  genannt;  man  sehe  die  beschreibung  bei  Nicot.  Soll  baud 
denselben  sinn  ausdrücken  wie  muet,  so  führt  es  auf  gael.  baoth  taub, 


518  II.c.   BAUDET-BEDON. 

auch  dumm,  tkörickt  cet.,  goth.  bauth  taub,  stumm,  xatyng  (Dief.  Goth. 
wb.  7,  280),  wobei  noch  auf  norm,  baude  erstarrt  oder  taub  von  gliedern 
(Du  Meril)  zu  verweisen  ist. 

Baudet  fr.  esel,  henneg.  auch  fem.  baude  eselin,  altfr.  Boudouin 
in  der  thierfabel;  von  baud  fröhlich  (s.  baldo  I),  nach  Orimm,  Reinh. 
p.  CCXLIV,  das  zufriedene  vor  fröhlichkeit  jauchsende  thier. 

Baudr6  altfr.,  baudrat  pr.,  ab  gel.  fr.  baudrier,  daher  entlehnt  pg. 
boldri£,  it.  budriere,  gürtet,  degengehehk.  Lot.  balteus  würde  it.  balzo, 
pr.  balz  erzeugen,  die  obigen  formen  danken  also  wohl  ihr  dasein  zunächst 
dem  ags.  belt,  altn.  belti  (über  dessen  Verhältnis  zu  balteus  s.  Dief.  Orig. 
europ.  p.  240),  oder  noch  unmittelbarer  dem  ahd.  balderich,  altengl. 
baldrick,  baudrick  (mlat.  baldringus),  wenn  auch  die  abschweifung  in 
baldrat  seltsam  erscheinen  muß.  Eine  zss.  ist  altfr.  esbaudrä  mitte  des 
leibes  Fer.  p.  17 4a  (auch  einfach  baudrö  Gaufrey  p.  46,  8),  ursprüngl. 
wohl  der  von  dem  gürtet  umfaßte  theil,  eine  bedeutung,  die  nach  W. 
Grimms  ansprechender  vermuthung  auch  das  rom.  cinge  (cingulum)  des 
Casseler  glossars  gewährt.     Vgl.'  barriga  II.  b. 

Beau  fr.  in  beau-pere,  beau-fils,  beau-frere,  belle-m&re,  belle-fille, 
belle-soeur,  daher  neupr.  beou-pero,  bela-mera  schwieget-  oder  Stiefvater  ff .  .» 
Die  Alten  hatten  dafür  einfache  zum  theil  noch  jetzt  übliche  Wörter,  für 
schwägerschaft  sogre  oder  soivre,  sogredame,  gendre,  bru  oder  nore, 
serorge  (m.f);  für  stiefverwandtschaft  parastre,  marastre,  filiastre  (m.  f.), 
frerastre,  sorastre  (noch  occ.  sourastre).  Früh  aber  schlugen  die  bildun- 
gen  mit  aster,  die  ursprünglich  nur  annäherung  ausdrücken  sollten  (un- 
ächter  vater),  in  üblen  sinn  um  und  im  gegensatz  zur  bösen  Stiefmutter 
nannte  man  die  gute  hypokoristisch  belle  m&re  d.  h.  im  altern  sinne  des 
adjeetivs  'liebe  mutter  und  so  beau  pfcre  ff.,  ausdrücke,  die  auch  auf,  ver- 
schwägerte übertragen  wurden.  Dasselbe  Verhältnis  bezeichnet  der  Nieder- 
länder mit  schoon,  der  Bretone  mit  kaer  (schön),  vermuthlich  nach  franz. 
vorgange.  In  italischen  mundarten  heißt  der  Schwiegervater  herr  (maü. 
messee,  ven.  missier),  die  Schwiegermutter  herrin  (madonna),  gleichfalls 
ehrentitel. 

Beaucoup  fr.,  daher  it.  belcolpo,  für  lat.multum;  von  beau  schon, 
groß  (z.  b.  beau  mangeur  für  grand  m.)  und  coup  streich,  wurf,  also  ein 
großer  wurf,  häufe,  vgl.  sp.  golpe  ebenso  streich  und  menge.  Altfr.  findet 
sich  auch  grandeoup,  pr.  mancolp  GO: 

Beauprß  fr.  segelstange  am  bug  des  schiff  es;  vom  ndl.  boegspriet, 
engl,  bowsprit. 

Bedon  fr.  kleine  trommel,  dsgl.  dicker  bauch,  bedaine  und  bedon- 
daiue  mit  letzterer  bed.,  dahin  wahrscheinlich  auch  altfr.  bedoneau,  be- 
douan,  bedouau  (letzteres  z.  b.  bei  Nicot),  norm.  bedOu  dachs,  eigenÜ. 
dickbauch,  vielfraß.  Bedon  und  bedaine  stehen  in  einem  ablautverhältnis 
wie  miton,  mitaine,  ribon  ribaine,  ihr  stamm  aber  harrt  noch  etymologi- 
scher aufklärung.  Don  kann  nicht  dafür  gelten,  da  be  keinen  befriedi- 
genden sinn  geben  würde.     Vgl.  dondon. 


ILc.   BEGUE— BELLEZOUR.  519 

Begue  fr.,  beique,  bieque  pic.  stammelnd,  daher  altsp.  vegue  Ganc. 
de  B.,  vb.  pic.  bürg.  norm,  böguer,  fr.  Mgayer  stammeln,  letzteres  ein 
nomen  begai  voraussetzend.  Von  bec  (schnabel)  scheint  logisch  unstatt- 
Jutfty  nicht  einmal  dem  wallon.  b&queter  möchte  Grandgagnage  diesen  Ur- 
sprung zugestehn.  Möglicher  weise  zsgz.  aus  pr.  bavec  alberner  Schwätzer, 
8p.  babieca  pinsel,  daher  altfr.  begaud,  norm,  begas  mit  letzterer  bed.; 
wegen  der  Verkürzung  der  form  vgl.  pr.  sageta,  altfr.  sette.  Behaupten 
aber  läßt  sich  diese  deutung  nicht. 

Bögueule  maul  äffe;  eigentl.  wer  das  maul  aufsperrt,  von  b£er  und 
gneule. 

,  B  e  1  e  altfr.  wiesei  (cherals  e  dras  e  beles  rosse,  tücher  und  tviesel- 
felle  Rou  I.  p.  332),  nfr.  dimin.  belette,  sp.  beleta  (in  einigen  wbb.), 
mail.  bellora,  sard.  beddula,  com.  bärola,  pcfrm.  benla,  gen.  b611ua,  sie. 
baddottula  (für  ballottula,  bellottula);  stimmt  buchstäblich  zum  Jeymr. 
bele  mar  der,  so  wie  zum  hochd.  bille  Frisch  I,  97* ,  ahd.  bil-ih  büchmaus. 
Vielleicht  aber  ist  bele  nichts  anders  als  das  lat.  bella  schön:  auch  bei- 
lora  paßt  zu  bellula,  ebenso  heißt  es  bair.  schönthierlein,  schöndinglein, 
dän.  den  kjönne  ptdchra,  ein  schmeichelwort  für  das  thier,  dem  man  ge- 
heimnisvolle kräfte  zutraute,  altengl.  fairy  Halliw.  S.  Schmeller  IV,  183, 
Grimms  Myth.  p.  1081.  Diefenbach,  Orig.  europ.  p.  259,  gibt  nur  an- 
lehnung  an  bellus  zu,  nicht  herkunft  aus  demselben.  Das  thier  heißt  norm. 
roselet  roth,  lothr.  moteile  (mustela),  norm,  bacoulette. 

B61ier  fr.  widder,  leithammel,  in  der  thierfabel  Beim,  daher  norm. 
blin;  vom  ndl.  bei  glöckchen,  weil  er  ein  solches  zu  tragen  pflegt,  ndl. 
bel-hamel,  engl,  bell-wether,  fr.  auch  clocheman  (glöckner)  und  mouton 
ä  la  sonnette,  nüat.  aries  squilatus  genannt.  Derselben  herkunft  ist  auch 
fr.  biliäre  glockenring. 

B61!tre  fr.  bettler,  lump,  daher  nach  Covarruvias  das  sp.  belitre, 
pg.  biltre;  abgel.  it.  belitrone  Ferrari  u.  a.  Unter  den  vorgebrachten 
zählreichen  deutungen,  z.  b.  aus  balatro  oder  ballistrarius  oder  blitum 
(man  sehe  bei  Menage),  oder  gar  von  b§ler  blöken  (Genin,  Beer.  phil.  I, 
169),  denn  das  gewerbe  des  betflers  gestattet  sehr  verschiedene  auffassun- 
gen,  ist  die  von  Nicot  aus  dem  dtschen  bettler,  umgestellt  bleter  bliter, 
hervorzuheben,  da  sie  auf  einem  gleichbed.  werte  fußt;  die  altfr.  Schreibung 
beliötre  ist  bei  der  häufigen  einschiebung  des  s  vor  t  kein  hindernis.  Doch 
möchte  die  von  Atzler  aus  benedietor,  d.  h.  der  den  geber  segnende,  nicht 
minder  zu  beachten  sein:  ähnlich  von  Seiten  des  begriff  es  ist  das  sp.  por- 
-dios-ero,  einer  der  die  beschwörung  lum  gottes  willen  im  munde  führt, 
ein  bettler.  Vgl.  Pott  Zigeunersprache  I,  29.  Über  ein  loml).  blicter 
sehe  man  bei  Cherubini  und  Monti. 

Bellezour  altfr.,  pr.  bellazor,  comparativ  von  bei,  mit  der  nomina- 
tivform pr.  bellazer[s]  Flam.,  GProv.  80,  üblicher  bellaire.  Wackernagel 
(s.  Altroman,  sprachd.  p.  22)  gründet  diesen  comparativ  auf  lat.  bellatior 
von  bellatus,  wovon  Plautus  das  dimin.  bellatulus  gebraucht.  Solcher  ab- 
leitungen  mit  atus  aus  adjeetiven  finden  sich  noch   andre  und  nicht  bloß 


520  II.  c.   BELLUGUE-BERCER. 

bei  Plautus:  ebriolatus  von  ebriolus,  pullatus  von  pullus,  bifidatas  von 
bifidus,  vgl.  Dünteers  Wortbildung  p.  63.  La  Ravalliere  (gloss.  zu  Thibaut) 
und  Roquefort  kennen  auch  den  positiv  belä,  fem.  beläe,  bellte;  hätten 
sie  belege  beigefügt,  so  stände  die  bemerkte  deutung  ganz  sicher,  denn 
bel6  kann  nur  von  bellatus  herkommen.  Merkwürdig  ist  auch,  eis  die 
einzige  in  ihrer  art,  die  dltsp.  abl.  belido,  d.  i.  bellitus:  sonrisos1  el  rey, 
tan  belido  (1  für  11)  fablö  PC.  1376,  auch  altpg.:  levantou  s'a  velida, 
levantou  s'alva  D.  Din.  p.  142.  Der  neap.  Superlativ  belledissemo  (bei 
Gdliani)  scheint  damit  zusammenzuhängen. 

Bellugue  ältfr.  Roquef.,  pr.  beluga,  daher  norm,  beluette,  fr. 
bluette  funke,  vb.  pr.  belugeiar  (belugueiar?),  fr.  bluetter  funken  sprü- 
hen. Es  scheint  zusammengesetzt  aus  der  roman.  partikd  bis  und  lux, 
so  daß  es  eigentl.  schwaches  licht  heißt,  wie  das  mit  derselben  partikel 
zsgs.  it.  bar-lume,  sp.  vis-lumbre;  dahin  weist  auch  eine  zweite  norm, 
form  berluette.  Also  be-luga  für  bes-luga  wie  ältfr.  be-loi  neben  bes-loi. 
Für  dasselbe  wort  ist  zu  halten,  mit  einer  geringen  abänderung  der  be- 
deutung,  fr.  b  er  lue  funken  oder  blitze  vor  den  äugen,  blendung  des  ge- 
sichtes,  in  Berry  diminutivisch  öberluette,  vb.  pr.  a-bellucar,  piem.  s-ba- 
-luche,  in  Berry  6-berluter,  champ.  a-berluder  (t  und  d  eingeschoben) 
blenden.  Dem  fr.  berlue  entspricht  übrigens  buchstäblich  das  gleichbed. 
maxi,  barluss  (vb.  barlusi,  piem.  berlusö),  nur  daß  lux  hier  nicht  in  luca 
umgebildet  erscheint. 

Benc  pr.  (m.):  descendion  d'aqui  aval  per  us*desrancs,  per  us 
belencs,  per  uuas  rochas,  per  us  bencs  B.  226,  33.  Man  sieht,  daß 
von  einer  fdsengegend  die  rede  ist.  Honnorat  führt  bene  auch  als  neu- 
prov.  an  und  mit  den  bedd.  zinke  einer  gabel,  starker  dorn,  zacke;  es 
könnte  in  der  citierten  stelle  klippe  heißen;  dabei  verweist  er  auf  bec 
Schnabel.  Das  Gloss.  occ.  citiert  lo  cor  trair'  ab  un  benc  das  herz  her- 
ausziehn  mit  einem  dorn?  Auch  belenc  (vgl.  B.  249,  25)  ist  beach- 
tenswerte 

Bercer  {gewöhnlich  berser)  ältfr.  mit  dem  bolzen  oder  pfeil  er- 
schießen (Willam  fu  berc£  Ben.  III,  363,  vgl.  Antioch.  1,  35),  dsgl.  da- 
mit jagen;  bersail,  it.  bersaglio,  berzaglio  ziel,  bersailler,  berseiller 
treffen.  Ducange  führt  ein  in  englischen  Urkunden  gebrauchtes  sbst.  bersa 
(umzäunung)  an,  worin  Garpentier  das  bret.  berz,  berc'h  (hinderung,  ver- 
bot) zu  erkennen  glaubt,  und  so  behauptet  man,  bercer  heiße  Hm  park 
jagen.  Allein  theils  wäre  eine  solche  begriff sübertragung,  wenn  vielleicht 
nicht  unmöglich,  aber  doch  sehr  unwahrscheinlich,  denn  bercefr  von  bersa 
verlangt  die  bed.  umzäunen  oder  schützen,  die  auch  das  bret.  vb.  berza 
ausdrückt;  theils  bezieht  es  sich,  wie  zahlreiche  stellen  lehren,  nicht  ein- 
mal ausschließlich  auf  die  ausübung  der  jagd  innerhalb  der  gehege.  Es 
muß  eine  andre  deutung  versucht  werden.  Eine  italische  chronik  inMur. 
Scriptt.  rer.  ital  VI,  1041  (dazu  Ant.  itäl.  II,  479)  enthält  die  stelle 
trabs  ferrata,  quam  bercellum  appellabant,  d.  h.  mauerbrecher,  widder, 
sturmbock,  offenbar  von  berbex,  vervex  {eine  andre  hs.  gibt  barbizellum); 


II.  c.  BERCER— BERRUIER.  521 

4 

aus  berbex  ward  ein  ital.  vb.  berciare  (imberciare  'kommt  vor),  fr.  bereer, 
dem  man  die  bed.  durchbohren  beilegte,  vgl.  wäl.  berbecä,  inberbecä  stoßen. 

Bereer  fr.,  bressar  pr.,  auch  altsp.  brizar  wiegen;  altfr.  bers 
(woher  das  pic.  ber),  pr.  bers,  bres,  auch  altpg.  bre«jo,  npg.  ber$o,  altsp. 
brizo,  abgel.  fr.  berceau,  wiege,  in  frühem  mlatein  berciolum,  'quod 
honesto  sermone  philosophi  cunabulum  voeant',  s.  Ducange.  Muthmaß- 
lich  ist  bereer  mit  dem  eben  besproclienen  verbum  identisch,  indem  man 
eine  andre  thätigJceit  des  sturmbockes,  das  hin-  und  herschaukeln  desselben 
im  äuge  hatte:  ähnlich  nannte  man  die  wiege  rrüat.  agitarium.  Da  fr. 
berceau  auch  laubgewölbe  heißt,  von  der  Überdachung  der  wiege,  so  ver- 
muthen  andre  seinen  Ursprung  in  dem  angeblich  celt.  bersa  umhegung 
(s.  den  vorigen  artikel),  womit  aber  kein  wesentliches  merkmal  der  wiege 
ausgedrückt  würde.  Außer  brizo  hat  der  Spanier  auch  brezo  und  blezo 
mit  der  bed.  bett  auf  einem  weidengeftechte,  zsgs.  eombleza  coneubine. 

Berle  fr.  (f.)  ein  kraut,  bachbunge.  Marcellus  Empiricus  gibt  als 
lateinisch  ein  vor  seiner  zeit  nicht  vorkommendes  wort,  berula  kr  esse:  her* 
bam,  quam  latine  berulam,  graece  eardaminen  voeant,  edit.  Basti.  248. 
Man  darf  es  als  das  etymon  von  berle  annehmen,  wiewohl  die  bedeuten- 
gen  nicht  stimmen,  aber  pflanzennamen  werden  häufig  verwechselt;  übri- 
gens wachsen  beide  kräuter  an  buchen  und  dienen  wenigstens  gegenwärtig 
zum  sedat.  Ein  mhd.  glossar  hat  berule  'bembunge*  Hoffm.  Sumerlaten 
54,  80,  was  sich  der  franz.  bedeutung  schon  zu  nähern  scheint.  Eine 
abweichende  form,  wenn  nicht  ein  andres  wort,  ist  neupr.  berria  für  eine 
species  der  berle.    Man  sehe  dazu  Dief.  Orig.  europ.  p.  435. 

Berlin e  fr.  eine  art  kutschen  aus  Berlin  nach  Paris  gekommen, 
das  wort  auch  ins  ital.  und  span.  übergegangen. 

Berme  fr.  rand  am  festungsgraben,  daher  sp.  berma;  vom  ndl. 
breme,  engl,  brim,  ags.  bryinme  rand,  säum  (nhd.  bräme),  vgl.  ndl.  berm 
dämm  KU. 

Berner  fr.  prellen,  in  die  höhe  schnellen.  Die  Römer,  sagt  Oujacius, 
prellten  mit  dem  sagum,  gleichbedeutend  aber  mit  sagum  ist  altfr.  berne 
(s.  bernia  I),  daher  das  vb.  berner.  Das  neap.  bernare  sich  erlustigen, 
spaß  treiben,  soll  französischer  herkunft  sein. 

Berruier  altfr.,  pr.  berrovier  plänkler,  kämpf  er  des  vortrabs:  et 
en  la  ost  veirem  solatz  e  laigna  eis  berroviers  soven  correr  la  plaigna 
LR.  s.  v.  Muratori,  Ant.  ital.  II,  530,  hält  die  berruiers  für  die  hommes 
perdus  des  heeres,  wenig  verschieden  von  den  ribaldis.  Ihre  tapferkeit  war 
sprichwörtlich:  Elyas  se  deffent  ä  loy  de  berruier,  oder  et  Bauduin  che- 
yauche  ä  loy  de  berruier  GhOyg.  I,  p.  110.  Audi  zum  waidwerk  gehörige 
leute  führten  diesen  namen:  ses  veneors  et  ses  berruiers  MFr.  I,  54. 
Eigentlich  bedeutete  das  wort  einen  einwohner  von  Berry,  wie  noch  jetzt 
(s.  Jaubert),  und  findet  sich  daher  mit  andern  völkernamen  zusammenge- 
stellt (Flamenc  ou  Berruier  Mones  Anzeiger  VI,  331) :  aus  welchem  gründe 
es  aber  zum  appeüativ  geworden,  darüber  gibt  es  eben  so  wenig  gewißheit 
wie  bei  chaorcin.    Man  höre  auch  Fallot  612,   und  namentlich  über  die 


522  ILc.   BESAIGRE-BETER. 

bedeutungen  Gachet  61b.  Aus  Frankreich  eingeführt  ist  it.  berroviere 
straßenräuber,  häscher,  in  einem  alten  genues.  gedieht  berruel  Archiv,  stör, 
ital.  app.  nutn.  18,  p.  51.    S.  auch  Bucange  v.  berroerii. 

Besaigre  fr.  säuerlich;  von  dem  rom.  adv.  bis  und  dem  lat.  adj.  acer. 

Beser  fr.  (norm.  Menage,  bezer  Nicot)  hin  und  herrennen,  von 
kühen,  die  ein  inseöt  gestochen;  ist  das  gieicJibcd.  mlid.  bisen,  auch  pison 
(mit  kurzem  i,  daher  das.  fr.  e).     Vgl.  Chevallet  I,  346. 

Besi  fr.  (in  den  westl.  gegenden)  wilde  birne;  nach  der  akademie 
ein  celt.  wort,  vgl.  aber  ndl.  bes,  besie  beere. 

Besicle  fr.  (f.,  nur  im  plur-  üblich)  briüe.  Die  gewöhnliche  her- 
leitung ist  von  bis-cyclus  doppelkreiß,  das  etwa  von  einem  mechanicus  er- 
funden sein  könnte.  Nach  Menage  aber  ist  besicle  das  altfr.  (undprov.) 
bericle  =  beryllus  mit  vertauschtem  suffix,  letzteres  wort  im  mittdalter 
für  brille  gebraucht  (woher  auch  das  deutsche  wort);  im  occit.  hat  raericle 
die  bed.  besicle,  im  genfer  dialect  bericle,  im  watton.  berik.  Die  form 
kann  in  Paris  entstanden  sein,  wo  man  fr&se  für  fr&re,  misesese  für 
miserere  sagte,  s.  Bouille,  Diff.  vulg.  ling.  p.  36,  und  vgl.  Rom.  gramm. 
I,  454.  Diese  deutung  ist  minder  künstlich  als  die  erstere,  aber  auch  sie 
erlaubt  nicht,  in  dem  worte  ein  acht  französisches  d.  h.  ein  von  dem  volke 
geprägtes  anzuerkennen,  in  welchem  fälle  es  berille  hätte  lauten  müssen: 
bericle  mag  unter  den  leuten  vom  fache  entstanden  sein  wie  auch  väricle  s.  n. 

Beter  altfr.,  z.  b.  ung  ours  quant  il  est  bien  betez  R.  de  la  rose 
v.  10619  (ed.  d9Amst.);  comme  un  ours  batre  et  beter  bei  Carpentier; 
ors  beter  Ben.  III,  p.  529,  NFC.  II,  59.  Es  muß  heißen  'gebiß  oder 
maulkorb  anlegen  wie  es  auch  Carpentier  mit  cmmuscler  übersetzt,  und 
so  ist  es  das  ags.  bsetan,  mndl.  beeten,  mhd.  beizen  beißen  machen  (in 
den  zügel),  aber  auch  hetzen,  wie  mhd.  erbeizen,  z.  b.  sur  moi  betera 
bille  Wrights  Polit.  songs  p.  231.  Eine  zss.  ist  mlat.  abettum,  engl. 
abet  anstiftung,  altfr.  pr.  abet  trug,  list,  pr.  abetar,  altsp.  dass.  Alz., 
altfr.  abeter  hinter  gelten,  zum  besten  haben,  pr.  abetar  ldecipere  verbis* 
GProv.  28,  noch  jetzt  norm,  abet  köder,  aböter  ködern;  forbeter  findrt 
sich  S.  Graal  v.  3702.  —  Merkwürdig  ist  das  participiäladj.  altfr.  bet6, 
pr.  betat,  besonders  auf  ein  gewisses  entferntes  meer  angewandt:  dusc'  a 
la  mer  betee  s.  Ferabr.  p.  182a,  C.  de  Poit.  p.  53,  Ren.  III,  309,  pr. 
jusc'  a  la  mar  betada  Fer.  v.  2747.  Eine  prov.  stelle  sagt:  la  mars 
betada  sela  que  esvirona  la  terra  LR.  II,  216.  IV,  153.  Was  heißt 
aber  dies  bet6?  Es  erklärt  sich  aus  Brandaine  p.  132  ausi  com  ele 
(la  mer)  fast  bietöe,  im  original  p.  26  coagulatum.  Mer  betöe  ist  also 
das  geronnene  meer  (concretum  mare  bei  Plinius  H.  N.  4,  16, 30),  mhd. 
das  lebermer  von  liberen  gerinnen  (Wb.  II,  138),  darum  auch  Fer.  681 
sanc  vermelh  betatz  geronnenes  blut,  sanc  trestout  bete  DMce.  p.  295 
u.  oft.  Man  könnte  hierzu  anführen  gael.  binndich  gerinnen,  läge  es 
buchstäblich  nicht  zu  entfernt:  auch  dieses  bet6  kann  von  unserm  beizen 
herrühren,  da  man  die  müch  durch  säuren  zum  gerinnen  bringt.  —  [Dazu 
Dief.  Orig.  europ.  p.  388.] 


ILc.   BEUGLER— BIGLE.  523 

Bengier  fr.,  vrlt.  bugler  brüllen  wie  ein  rind;  van  buculus,  das 
auch  die  form  des  altfr.  bügle  =  neufr.  büffle  (bubalus)  bestimmt  zu 
haben  scheint. 

B6vue  fr.  versehen;  zsgs.  mit  bis,  s.  dies  wort  thl.  I. 

Biche  fr.  hindin,  altfr.  im  norden  und  England  bisse,  wallon.  bih, 
ncupr.  bicho,  piem.  becia.  Man  hält  es  theils  für  eine  nebenfortn  von 
bique  siege,  neupr.  bico,  womit  sich  aber  bisse  nicht  verträgt;  theils  für 
das  tat.  ibex  Steinbock  oder  gemse,  altfr.  ibiche  Ben.  IV,  und  hieraus 
würde  sich  allerdings  die  doppelßrmigkeit  des  Wortes,  ss  neben  ch,  sehr 
befriedigend  erklären.  Es  wäre  also  dem  durch  chamois  verdrängten 
ibiche  eine  andre  bestimmung  zu  theil  geworden;  aber  die  Übertragung 
ist  stark. 

Biche  altfr.  kleine  hündin;  vom  ags.  bicce,  engl,  bitch,  nord. 
bikkia  dass.,  vgl.  hd.  betze ;  nach  Frisch  aber  abgekürzt  aus  babiche, 
dies  aus  barbiche  zottiger  kund,  von  barbe  bart,  wozu  man  auch  noch 
it.  barbone,  gen.  barbin  anführen  könnte.  Von  biche  kommt  bichon  kleiner 
langhaariger  hund. 

Bidet  fr.  kleines  pferd,  klepper,  auch  sackpuff  er,  daher  wohl  it. 
bidetto  mit  ersterer  bed.  Der  stamm  ist  im  celtischen  zu  suchen,  wo  er 
etwas  Meines  bedeutet:  gael.  bideach  winzig,  bfdein  kleines  geschöpf,  vgl. 
kymr.  bidan  Schwächling,  bidogan  kleine  waffe.  Dahin  auch  benennungen 
des  Meinen  viehes  tvie  comask.  bide  ziege,  in  Berry  bide  altes  schaf, 
henneg.  b6do  schaf  (in  der  kindet spräche),  occ.  bedfgo  einjähriges  schaf, 
doch  erinnern  diese  producte  der  Volkssprache  auch  an  lat.  bidens. 

Bied  cdt fr.  flußbett:  que  tute  la  graut  ewe  fait  isir  de  sun  bied 
Chart,  p.  32,  vgl.  Og.  6874,  daher  norm,  bedifere  (wie  von  lit  litiere) 
bett;  vom  ags.  bed,  cdtn.  bedr  =  ahd.  betti;  doch  ist  die  franz.  bedeutung 
unsern  alten  mundarten  nicht  bekannt.  Auf  die  form  betti  gründet  sich 
vielleicht  das  neufr.  biez  mühlgang  =  mlat.  bietium,  biezium;  an  bed 
aber  schließt  sich  bürg,  bief,  norm,  bieu,  piem.  bial,  genues.  beo,  tnlat. 
bedum  u.  dgl.    S.  auch  Dief.  Goth.  wb.  I,  254. 

Biffer  fr.  ausstreichen;  unbekannter  herkunß. 

Bigarrer  fr.  buntscheckig  machen,  cat.  bigarrar,  sp.  abigarrar  (aus 
dem  franz.?  fehlt  port.).  Nach  Caseneuve  von  bigerica  vestis;  besser  nach 
Menage  von  bis-variare.  Eine  andre  dem  buchstaben  sich  genauer  an- 
schließende auslegung  wäre  die  folgende.  Bi-garrer  steht  für  bi-carrer, 
wie  bi-gorne  für  bi-come  (s.  unten),  von  carr6  Viereck,  und  heißt  eigentl. 
quadratartig  zeichnen,  wie  unser  scheclcig  eigentl.  heißt  'nach  art  des 
Schachbrettes3;  bis  (s.  (hl.  I.)  drückt  das  unregelmäßige  dieser  Zeich- 
nung aus. 

Bigle  fr.  schielend,  bigler  schielen.  Ist  bigle  =  it.  bieco  von  ob- 
liquus?  dann  wäre  1  umgestellt,  was  der  Franzose  nicht  liebt.  Oder  = 
sp.  bisojo  von  bis-oculus?  es  stände  dann  für  bis-igle  zsgz.  bisgle,  vgl. 
icle  tn  born-icle,  boum-icler  aus  der  mundart  des  Jura,  und  diese  deutung 
ist  vorzuziehen. 


524  ILc.   BIGORNE-BUOU. 

Bigorne  fr.  hornamboß;  von  bicornis  zweihornig,  iL  bicornia,  sp. 
bigornia. 

Bigot  fr.  frömmelnd  und  abergläubisch,  auch  als  Substantiv  üblich, 
fem.  bigote.  Die  althergebrachte  deutung  ist  aus  der  deutschen  betheu- 
rungsformel  bei  got,  bt  gote,  weil  der  bigotte  den  narrten  gottes  im  munde 
zu  führen  pflöge,  und  diese  auslegung  hat  alle  Wahrscheinlichkeit  für  sich. 
Wie  aus  anrufungen  gottes  auch  andre,  begriffsverwandte  nomina  entstan- 
den  sind,  darüber  seJie  man  sandio  II.  b.  und  füge  noch  sp.  pordiosero 
bei  (s.  oben  b&ltre).  Got  oder  god  ward  zwar  sonst  franz.  zu  goi 
(unten  s.  v.),  allein  es  lag  nahe,  das  suffix  ot  auf  das  neue  wort  anzu- 
wenden, das  man  auch  in  dem  synonymen  cagot  (s.  unten)  fühlen  mochte. 
Dagegen  hält  Wedgwood  bigot  für  eine  form  des  bekannten  beguina,  wo- 
für auch  begutta,  masc.  begardus,  it.  bighiotto  aufgekommen  sei,  und 
leitet  diese  Wörter  vom  it.  bigio  in  beziehung  auf  die  graue  Meidung  der 
beguinen:  allein  das  unserm  worte  allerdings  sehr  nahe  liegende  beg-utta 
ist  eine,  wie  es  scheint,  erst  im  15.  jh.  entstandene  ungeschickte  latinisie- 
rung desselben  (es  findet  sich  in  einem  lat.  deutschen  glossar  so  wie  in 
ReucMins  Breviloquus  und  in  den  Epist.  obscur.  virorum),  und  auch  bi- 
ghiotto ist  dieses  gepräges;  und  was  bigio  betrifft,  so  ist  es  ein  unmög- 
liches etymon.  Wie  alt  das  franz.  wort  in  der  angegebenen  bedeutung 
sei,  ist  noch  aufzusuchen;  so  findet  es  sich  bei  Pasquier,  bei  Bob.  Stepha- 
nies (1539)  par  bigotie  <superstitiose\  Aber  es  steigt  weit  höher  hinauf 7 
kommt  jedoch  anfangs  nur  in  einer  eigentümlichen  anwendung,  als  Spitz- 
name der  franz.  Normannen  vor,  worüber  man  den  dichter  Wace  hören 
muß:  mult  out  Franceis  Normanz  laidiz  e  de  mefaiz  e  de  mediz,  sovent 
lor  dient  reproviers  et  claiment  bigoz  et  draschiers  Rou  II,  71.  Ver- 
anlassung und  sinn  des  Wortes  berührt  eine  bis  zum  j.  1137  laufende 
chronik  (Duchesne  III,  360,  Bouquet  VIII,  316):  herzog  Rollo  habe 
konig  Karls  fuß  zu  küssen  mit  den  englischen  warten  ne  se  bi  god  'nimmer 
bei  goti  verweigert,  woraus  jener  Spitzname  bigot  entstanden  sei.  Man 
konnte  um  seiner  deutung  willen  die  aneedote  erdichtet  haben,  in  sich 
selbst  aber  ist  sie  nicht  unwahrscheinlich.  Am  einfachsten  ist  es  anzu- 
nehmen, die  Normannen  hatten  sich  dieser  schwurformel  häufig  bedient 
und  seien  darnach  benannt  worden;  solcher  Spottnamen  für  ganze  Völker 
gab  es  im  mittdalter  mehrere.  Das  wort  jedoch,  weil  es  in  dichtungen 
als  der  name  eines  südlichen  Volkes  vorkommt,  aus  Visigothus  zu  erklären 
und  diesen  namen  auf  die  Normannen  als  ein  volk  germanischen  Ursprun- 
ges ausdehnen  zu  lassen,  wie  Michel  thut  (Hist.  des  races  maudites  I,  359), 
ist  offenbar  zu  künstlich.  —  Sehr  bemerkenswert  ist  noch,  daß  das  thema 
bigot  überdies  im  altfr.  bigote,  bigotelle,  bigotere  börse,  die  man  am 
gürtel  trug  Roq.,  vb.  bigoter  reizen,  erzürnen,  und  auch  auf  andern  ge- 
bieten vorkommt,  pr.  bigote  knebdbart,  bigotera  futteral  für  denselben, 
it.  sbigottire  aus  der  fassung  bringen,  muthlos  machen.  Ob  sich  eile  diese 
Wörter  unter  einen  hut  bringen  lassen,  ist  die  frage. 

Bijou  fr.  Meine  kostbare  oder  künstliche  arbeit,  kleinod;   wird  aus 


ILc.   BIOC-BLAIREAU.  525 

einer  zss.  bis-jocare,  bi-jouer  gedeutet  und  sott  hiernach  etwas  auf  meh- 
reren seüen  spielendes  oder  glänzendes  ausdrücken.  Man  möcJrfe  fragen: 
warum  blieb  die  spräche  alsdann  nicht  bei  dem  deutlichen  bijeu  stehen? 
ein  vb.  bijtmer,  worauf  es  sich  beziehen  könnte,  ist  nicht  vorhanden.  In- 
dessen gewährt  die  celt.  spräche  ein  entsprechendes  wort:  das  alte  cornische 
glossar  (nicht  vor  dem  12.  jh.)  hat  bisou  'anulus',  bret.  bizou,  bizeu, 
welche  Zeuß  II,  1109  dem  gleichbed.  kymr.  byson  (von  bys  finger?)  ver- 
gleicht: hieraus  leitet  Chevattet  das  frans,  wort. 

Bioc  ein  ausdruch  der  provenzdUschen  und  catalanischen  metrih, 
um  einen  kürzeren  mit  längeren  verknüpften  vers  zu  bezeichnen:  pies 
truncados,  que  nosotros  llamamos  medios  pies,  e  los  Lemosis,  Fran- 
ceses  e  atm  Catalanes  bioqs,  sagt  Santillana  (Sanchez  I,  LV).  Dazu 
ein  verbum  biocar  lcurtare  GProv.  63b,  wohl  auch  nur  vom  verswesen 
gebraucht.  Im  mitteUatein  kommt  vor  biochus  stamm,  dicker  ast  z.  b. 
Statut  genuens.  Carp.  Ist  nun  mit  rücksicht  hierauf  etwa  truncus  die 
grundbedeutung  von  bioc,  so  daß  es  in  einer  bildlichen  beziehung  stände 
zu  bordon,  welches  langer  stab  und  vers  heißt?  Aber  auch  dies  zuge- 
geben, bleibt  seine  herkunft  dunkel.  Das  pg.  bioco  ist  ganz  verschiedener 
bedeiäung  und  also  wohl  unverwandt. 

Bismut  h  fr.  (m.)  ein  halbmetall;  das  wort,  wie  andre  mineralogische, 
aus  dem  deutschen. 

Bissetre,  bissestre  altfr.,  nvrm.  bisieutre,  piem.  bisest  unheil; 
eigenU.  schälttag,  von  bissextus,  der  schon  im  alten  Rom  und  später  in 
Frankreich  für  heillos  galt:  bissextus  super  regem,  et  populum  cecidit 
Order.  Vital,  s.  Ducange  s.  v. 

Bivac,  bivouac  fr.  (m.)  feldwache,  vb.  bivouaquer;  ein  späteres 
wort,  schon  nach  Menage  aus  dem  dtschen  biwacht  für  beiwacht,  eine 
nebenwache  oder  außerordentliche  wache;  sp.  vivac,  vivaque. 

Blafard  bleich;  nicht  vom  nhd.  bleifarb,  wie  Menage  vermuthet, 
es  ist  offenbar  das  ahd.  bleih-faro,  zu  folgern  aus  dem  mhd.  bleich- var 
von  bleicher  färbe,  d  zugefügt  wie  in  homard.  —  [Aus  bleichfarb  läßt  es 
auch  Jault  entstehen.] 

Blaireau  fr.  dachs.  Mlat.  bladarius,  it.  biadajuolo  bedeuten  ge- 
treidehändler,  das  diminutiv  wäre  bladarellus,  biadarello  und  dies  stimmt 
genau  zum  fr.  bläreau  (von  bl6),  wie  man  ehemals  schrieb,  vgl.  wegen  der 
form  auch  altfr.  blairie  =  pr.  bladaria.  Daß  man  das  thier  den  kleinen 
getreidehändler  nannte,  kann  in  einer  uns  unbekannten  anschauung  seinen  . 
grund  haben,  denn  es  speichert  kein  getreue  auf:  aber  auch  im  englischen 
ist  badger  kornhändler  und  dachs.  Diefenbach  Celt.  I,  223  erklärt  sich 
das  franz.  wort  aus  dem  kymr.  adj.  blawr  eisengrau  und  vergleicht  engl, 
grsj  grau  und  dachs  (wozu  auch  noch  pic.  grisard  anzuführen  wäre) ;  da 
aber  ein  franz.  adj.  blair  nicht  vorhanden  ist  und  jedesfalls  Übergang  des 
Jcymr.  aw  in  fr.  ai,  indem  es  sonst  dem  o,  eu  oder  au  entspricht,  gegen 
die  lautgesetze  streitet,  so  ist  diese  erklärung  kaum  zuzulassen.  An  das 
engl,  gray  erinnert  äußerlich  das  it.  grajo   (in  einigen  wbb.),  das  aber 


526  II.  c.   BLASER-BLOC. 

nicht  von  grau  herstammen  Jcann:  der  buchstabe  leitet  eher  auf  agrarius 
feldarbeiter,  wie  man  den  dachs  scherzhaft  nennen  konnte.  —  [Hierzu 
Mohns  randglosse,  daß  der  dachs  allerdings  getreide  (buchweizen)  auf- 
speicJiere,  Etym.  untersuch,  p.  32.] 

Blaser  die  sinne  abstumpfen  durch  den  misbrauch  geistiger  getränke, 
pic.  blasö  wer  ein  durch  trinken  geschwollenes  gesicht  hat,  s.  Escaüier 
p.  24,  occit.  blasd  den  geruch  abstumpfen.  Da  die  grundbedeutung  dieses 
den  alten  quellen,  wie  es  scheint,  unbekannten  Wortes  sich  nicht  bestimmen 
läßt,  so  ist  es  schwer  Über  seine  herkunft  ein  urtheil  auszusprechen.  — 
[Mahn  p.  109  erkennt  nunmehr  in  blaser,  welches  mundartlich  austrocknen, 
verbrennen  heißen  soll,  unser  deutsches  blasen,  besonders  mit  besiehung 
auf  die  bedeutungen  des  altn.  bläsa  und  engl,  to  blaze  schmelzen,  aus- 
trocknen cet.] 

Bißche  fr.  weich,  weichlich,  norm,  bleque  morsch;  wird  vom  gr. 
ßlag  ßkaxdg  (schlaff,  weichlich,  einfältig)  hergeleitet,  wogegen  die  gramma- 
tik  nichts  zu  erinnern  hat,  um  so  weniger  als  in  rrdat.  glossaren  blax 
*stultus  wirklich  vorkommt,  s.  Class.  auct.  VI,  611b,  vgl.  wegen  des  fr. 
ch  moustache  von  ftvova^.  Andrer  meinung  ist  Grandgagnage,  der  es 
aus  dem  deutschen  bleich  erklärt,  s.  v.  bleque. 

B lerne  fr.  blaß,  bleich,  bl£mir  erblassen,  daher  engl,  blemish  nach 
Wedgwood.  Altfr.  schrieb  man  sowohl  bleme  tote  blesme,  woraus  man 
fast  mit  Sicherheit  schließen  kann,  daß  s  eingeschoben  ist.  Hin  ahd.  adj. 
bleihh-umo,  wäre  es  vorhanden,  gäbe  ein  treffliches  etymon:  statt  dessen 
bietet  sich  das  altn.  sbst.  blämi  bläuliche  färbe  (von  blä  blau),  wobei  an- 
zumerken ist,  daß  altfr.  blemir  eigenll.  schlagen  (blaue  flecken  machen) 
RCam.  p.  273,  oder  auch  beschmutzen  heißt.  In  Berry  ist  d£plamy  blaß 
von  gesicht. 

Blesser  fr.  verwunden,  verletzen,  bei  den  Alten  auch  beschädigen: 
quant  li  quatre  angles  sont  bleciet  LJ.  503m;  escuz  bleciez  zerhauener 
schild  Ghev.  au  Hon  (L.  Guest.  I,  206b)  u.  oft.  Bas  altfr.  $  ist  häufig 
der  ausdruck  eines  dtschen  z,  und  so  darf  man  erinnern  an  mhd.  bletzen 
flicken,  bletz  (ahd.  pletz)  Stückchen  leder  und  dgl.,  daher  blesser  zer- 
fetzen, mlid.  zebletzen  in  stücke  hauen.  Von  unserm  letzen  kann  (tos 
franz.  verbum  nicht  herrühren,  da  neben  ver-letzen  kein  be-letzen  statt- 
findet. 

Biet  fr.  morsch,  nur  noch  in  poire  blette  morsche  birne,  piem.  biet, 
vb.  henneg.  bl£tir  morsch  werden;  vgl.  ahd.  bleizza  blauer  flecken  durch 
Quetschung.  In  Berry  sagt  man  blosse  für  blette,  was  an  das  ndl. 
blutsen,  hd.  blotzen  quetschen  (die  äpfel  sind  geblotzt)  erinnert. 

Blinder  fr.  verdecken,  unsichtbar  machen;  ein  deutsches  wort:  goth. 
blindjan,  ahd.  blendan,  nhd.  blenden.  Davon  das  sbst.  blindes  (plur.) 
deckwerk,  it.  blinde. 

B 1 0  c  fr.  Motz,  häufe,  vb.  bioquer,  daher  entlehnt  it.  bloccare,  sp. 
bloquear  einen  platz  einschließen;  vom  ahd.  bloc,  bloch,  nhd.  block,  dies 
nach  Grimm  II,  23  für  bi-loh  schloß,  riegel,  vom  goth.  lukan  schließen; 


n.c.   BLOIS-BOITE.  527 

bioquer  ist  also  eigentl.  die  Zugänge  eines  ortes  verstopfen.    Fr.  blocus 
(mit  hörbarem  s)  vom  (tischen  bloc-hüs,  blockhaus. 

Blois  altfr.,  bles  pr.  stammelnd;  von  blaesus. 

Blostre  altfr.  kleiner  hübet  auf  dem  erdboden  NFC.  II,  81;  vom 
ndl.  bluyster  KU.,  engl,  blister  hübd  auf  der  haut. 

Blottir  fr.,  nur  reflexiv  se  blottir  sich  zusammenschmiegen,  kauern, 
sich  ducken;  muthmaßlich  für  ballotir  von  ballot  pack,  ballen,  gleichsam 
sich  in  einen  ballen  oder  klumpen  zusammenziehen.  Man  vergesse  nicht, 
daß  11  in  ballot  nur-  den  werth  eines  einfachen  1  hat,  womit  auch  die 
Alten  es  schrieben.  Der  ausfall  des  vocals  hinter  dem  consonantanlaut 
ist  wie  in  frette  für  ferrette  oder  altfr.  gline  für  galline,  Rom.  gramm. 
I,  197.  Noch  eine  andre  herkunft  ist  gedenkbar.  Wir  haben  oben  bei 
biet  das  deutsche  vb.  Motzen  (quetschen)  wahrgenommen;  dieses  gestattet 
die  annähme  eines  ndd.  blotten:  sich  quetschen  ist  sich  zusammendrücken, 
auch  se  cacher  sagt  eigentlich  nichts  anders. 

Bluter  fr.  meJü  in  der  mühte  sieben,  bluteau,  blutoir  mehlsieb. 
Ferraris  etymon  aplüda  (kleie)  fügt  sich  nicht  in  die  form,  Menage' s 
Yolutare  nur  mühsam  in  den  begriff.  Unser  beuteln,  mhd.  biuteln,  drückt 
genau  dieselbe  Handlung  aus  wie  bluter  und  steht  auch  buchstäblich  so 
nahe,  daß  Identität  beider  Wörter  angenommen  werden  darf,  wenn  auch 
die  franz.  spräche  von  einer  so  starken  Versetzung  des  1  kaum  gebrauch 
macht.  Aber  die  sache  läßt  sich  auch  anders  und  wohl  richtiger  auffassen: 
bluter  ist  aus  bruter  abgeändert;  ein  gleichbed.  sp.  brutar  kennt  Berceo. 
Zunächst  weist  bluteau  nämlich  auf  mlat.  buletellum  bei  Math.  Paris, 
vb.  bnletare,  altfr.  buleter  Fier.  p.  101,  23,  woraus  sowohl  bluter  tvie 
henneg.  bulter  zusammengezogen  sein  kann.  Jteiner  ist  die  altfr.  form 
buretel  FC.  II,  382,  bürg,  burteau,  denn  sie  stimmt  genau  zum  it.  bu- 
rattello  von  buratto  mefdbeutel,  eigentl.  ein  dünner  stoff,  vom  altfr.  bure 
(s.  bujo  thl.  L).  Der  Provenzale  entstellte  buratel  seltsam  in  barutel,  dem 
das  dauph.  bäritel  ganz  nahe  steht,  der  Bretone  in  buratel.  Die  grundbed. 
von  buretel,  buletel,  blutel,  bluteau  ist  also  ein  lockerer  zum  sieben  ge- 
eigneter stoff  wie  fr.  Stamme.  Occit.  formen  sind  barutd,  barutelä.  Woher 
aber  chw.  biat  beutet,  biatar  beuteln? 

Bobine  fr.  spule,  piem.  bobina.  Nach  Salmasius  von  bomb jx,  weil 
sie  einer  eingesponnenen  Seidenraupe  gleiche.  Von  bombus,  weil  sie  ein 
summendes  geräusch  macht,  wäre  grammatisch  besser.  Wie  verhält  sich 
dazu  das  pic.  norm,  bobinette  Klinke? 

Boisson  fr.  (f.)  getränke;  von  boire,  lat.  bibere,  gleichsam  bibitio, 
verwandelt  in  beisson,  boisson. 

Botte  fr.,  pr.  bostia,  boissa,  mit  einschiebung  brostia,  brustia 
büchse.  Aus  pyxis  gestaltet  sich  mlat.  buxis  bei  Paulus  Diac.,  woher  die 
prov.  form  boissa,  im*  10.  jh.  bemerkt  man  buxida  vom  acc.  pyxida' 
(nv};ida),  umgestellt  in  buxdia,  bustia,  welches  letztere  im  11.  jh.  begegnet, 
pr.  bostia,  altfr.  boiste,  bret.  bo6st.  Die  Erfurter  glossen  (9.  jh.)  haben 
die  bemerkenswerthe  stelle:  pixides  cvasa  modica  argentea  vet  lignea,  quae 


528  ILc.  BOMERIE— BOU. 

vtdgo  poxides  apellanf  367,  28.  Daher  fr.  däbotter  verrenken,  aus  der 
pfanne  (boite)  bringen,  einfach  boiter  hinken,  henneg.  botier  mit  Ursprung- 
Heiter  Stellung  des  i.  Eine  ableitung  muß  sein  boisseau  scheffd,  engl. 
bushel,  da  es  mundartl.  boisteau,  mlat.  bustellus  (vomj.  1214)  landet, 
verschieden  vom  altfr.  boucel,  bouchiau,  pr.  bossel  gefäß  für  flüssigkeiten 
=  iL  botticello,  von  botte  I. 

Bomerie  norm.  Vorschuß  auf  den  gewinn  eines  Schiffes  (Trev.);  vom 
ndl.  bodemerij,  hd.  bodmerei,  engl,  bottomry,  dies  von  bodem,  bottom 
kiel  des  Schiffes,  d.  h.  das  schiff  selbst 

Bonde  fr.  schleuße,  zapfen,  bondon  Spund,  letzteres  auch  prov.  Es 
stammt  aus  dem  deutschen,  worin  es  nur  noch  mundartlich  vorhanden  ist: 
Schweiz,  punt,  Schwab,  bunte  u.  a.  (s.  Stalder  und  Schmid),  verstärkt  ahd. 
s-punt,  vgl.  phundloch  Graff  III,  342.  Die  form  ohne  s  aber  scheint  im 
deutschen  die  altere  (Weigand  II,  776). 

Bondir  fr.  abprallen,  bond  prall,  Sprung.  Das  altfr.  und  prov. 
verbum  bedeutet  dröhnen,  schmettern,  aucli  transit.  schmettern  lassen,  z.  b. 
Tolifans  soit  bondis  werde  geblasen  Fier.  p.  168,  und  kommt  ohne  zweifd 
vom  lat.  bombitare  summen,  zsgz.  bondar,  aber  nach  der  3.  roman.  conj. 
geformt,  wie  dies  zuweilen  mit  intransitiven  geschieht,  vgl.  das  synonyme 
tentir,  retentir  von  tinnitare.  Ficard.  lautet  es  noch  nach  erster  bonder, 
auch  neupr.  boundä.  Wäre  aber  im  franz.  die  organisch  richtige  form 
nicht  mit  t  bonter,  wie  conter  aus  comp'tare,  douter  aus  dub'tare? 
Aber  man  sagt  auch  mit  d  coude  aus  cub'tus,  auf  gleiche  weise  konnte 
sich  t  in  bomb'tare  wegen  der  vorausgehenden  media  in  d  erweichen. 
Mlat.  bunda  'sonus  tympani    s.  Ducange  und  Class.  auct.  VI,  512*. 

Borne  fr.  (f.)  gränzstein,  bei  Dante  Inf.  26,  14  borni  ecksteine, 
vb.  fr.  borner  begränzen.  Gleichbedeutend  ist  mlat.  bonna  (11.  Jh.),  altfr. 
bonne,  boune,  bousne,  neupr.  bouino  und  das  weit  ältere  mlat.  bödina, 
bödena  (diesen  accent  fordert  die  zwischen  e  und  i  schwankende  endung 
ena,  ina),  altfr.  bodne  Ben.  I,  376.  An  die  älteste  form  hat  man  sich, 
wie  überall,  zu  halten:  aus  bodina  konnte  sich  recht  wohl  bonne,  aus  dem 
zsgz.  bodna  bei  der  Verwandtschaft  zwischen  d  und  r  wohl  auch  borne 
gestalten;  legt  man  aber  bonna  zu  gründe,  so  bleibt  das  in  borne  ent- 
haltene r  ohne  erklär  ung.  Mit  auf  Stellung  der  urform  bodina  fällt  die  her- 
leitimg  aus  ßovvog  (hügel)  so  wie  die  aus  dem  bret.  born  (Potts  Forsch. 
II,  212,  bonn  Le  Gon.)  weg:  hier  bleibt  nur  übrig  dem  stamme  bod 
nachzuspüren,  dessen  Vorhandensein  auch  das  pr.  bozola  (=  borne)  zsgs. 
bola,  mlat.  bodula,  bestätigt;  s.  unten  bouder.  Vermuthungen  über  das 
unsichere  wort  bei  Diefenbach,  Goth.  wb.  I,  300,  so  wie  bei  Grimm, 
Deutsche  grenzalterth.  (Berl.  äkad.  1843),  welchem  bonna,  bonda,  bondula, 
bosula  auf  die  botones,  bosones  der  agrimensoren  zurückzugehen  scheinen. 

BoBseman  fr.,  vom  ndl.  bootsman,  ndd.  boosmann. 

Boa  altfr.  armring:  la  bou  de  8un  braz  carmillam  de  brachw  LBs. 
121;  armilles  qu'om  bons  apele  Ben.  I,  341;  vom  ahd.  bong  {dies 
von  biogan),  altn.  baugr  ring,  spange,  kette.    Die  prov.  form  wäre  baue 


ILc.   BOUC— BOUE.  529 

Bouc  fr.,  pr.  boc  das  männliche  thier  des  Ziegengeschlechtes.  Das 
wort  kommt  auch  um  die  grämen  von  Frankreich  vor:  churw.  bück, 
comask.  bocch,  cat.  boc,  arag.  boque;  altsp.  buco  scheint  gradezu  aus 
dem  franz.  Es  ist  im  celtiichen  und  deutschen  einheimisch,  nach  Grimm, 
Gesch.  d.  d.  spr.  I}  42,  aber  erst  aus  dem  roman.  ins  deutsche  verpflanzt. 
An  seiner  statt  braucht  der  Italiener  becco,  der  Spanier  bode.  Abgeleitet 
ist  fr.  boucher,  pr.  bochier  metzger,  eigentlich  bocksMächter,  fr.  bou- 
cherie,  pr.  bocaria  metzig.  So  hatte  man  brecaria  metzig  für  schafe, 
cabreria  für  ziegen,  ein  dllgemeinerer  ausdruch  war  carniceria.  Die 
meisten  leiten  boucher  von  bouche:  der  fleischer  sei  einer  der  für  den 
mund  arbeite.  Dem  widerspricht  schon  das  sufßx  arius,  fr.  ier,  er,  da 
es  personen  bezeichnet,  die  sich  mit  dem  primitiv  beschäftigen  oder  damit 
in  berührung  sind,  nicht  solche  die  dafür  arbeiten  (barbier,  ouvrier, 
Chevalier  cet.).  Überdies  wird  die  herleitung  aus  bouc  durch  das  it.  bec- 
caro  =  boucher,  von  becco  =  bouc,  nicht  wenig  unterstützt.  Das  ur- 
sprüngliche franz.  wort  für  fleischer  muß  maiselier  =  macellarius  ge- 
wesen sein;  warum  es  dem  speciellen  boucher  weichen  mußte,  ist  schwer 
zu  sagen;  vielleicht  weil  es  zu  sehr  an  mesel  (aussätzig)  erinnerte.  Weiteres 
über  boucher  im  Erit.  anh.  p.  6. 

Boucher  fr.  zustopfen,  bouchon  stopfen.  Die  deutung  dieser  Wör- 
ter ist  so  verzweifelt  nicht,  wie  sie  den  etymologen  scheint.  Bouchon  ist 
=  pr.  boco,  it.  boccone  und  heißt  eigentl.  mundvoll,  das  was  den  mund 
füllt,  specieU  was  den  mund  der  flasche  füllt;  darnach  das  vb.  boucher, 
das  keine  andre  roman.  spräche  kennt. 

Boucle  fr.  (f.)  ring,  auch  haarlocke,  hieraus  sp.  bucle  mit  letzterer 
bed.;  aber  altfr.  bocle,  blouque,  pr.  bocla,  bloca,  jdtsp.  bloca  PC.  mit 
der  bed.  erzbeschlag  in  der  mitte  des  Schildes,  nüai.  bucula  scuti  Gl.  Isid., 
mhd.  buckel;  abgd.  fr.  bouclier,  pr.  bloquier,  it.  brocchiere,  ahd.  buckeler 
schild  mit  einem  buckel,  wal.  boglariu  spange;  sämmtlich  von  buccula 
backen,  nach  der  ähnlichkeit  benannt. 

Bouder  fr.  schmollen,  boudin  (comask.  bodin)  blutwurst,  boudine 
knöpfchen,  altfr.  nabel,  npr.  boudöli  bützd,  boudougno  buckel,  geschtoulst, 
piem.  bodero  dick,  untersetzt;  zsgs.  mit  inflare,  npr.  boud-enflä,  boud-ouflä, 
boud-ifla  aufblasen;  mit  sufflare  fr.  bour-souffler  (für  boud-souffler), 
assimiliert  borroffler,  doch  wäre  hier,  das  wal.  bos-unflä  verglichen,  auch 
Zusammensetzung  mit  borsa  geschtoulst  und  inflare  gedenkbar.  Diese  bil- 
dungen  führen  auf  einen  stamm  bod,  der  etwas  aufgetriebenes  bezeichnen 
muß,  denn  selbst  bouder  heißt  das  maul  hängen,  die  Unterlippe  als  wtdst 
hervortreten  lassen  (piem.  fö'l  bodou),  oder  es  heißt,  wie  das  henneg. 
boder,  schlechtweg  aufschwellen.  Zu  demselben  stamme  gehört  auch  bod- 
ina  gränze  (s.  borne),  eigentl.  etwas  vorragendes  wie  unser  schwelle  von 
schwellen.  Ist  dieser  stamm  lateinisch,  so  findet  er  sich  unzweifelhaft  in 
bot-ulus  wieder';  goth.  bauth-s  stumpf  liegt  in  seiner  bedeutung  schon 
entfernter;  engl,  bud  knospe  fehlt  der  ags.  spräche.      • 

Boue  fr.  koth,   dreck,   alt  boe.    Dem  süden  Frankreichs  fehlt  es 

34 


530  II.  c.  BOUGER-BOUQUIN. 

und  seine  steile  vertritt  pauta,  womit  es  aber  nichts  gemein  haben  kann. 
Man  merke  dazu  lothr.  bod&e  gleichbed.  und  pic.  bändelt  adj.,  welche, 
da  sie  schwerlich  anderes  Ursprunges  sind,  einen  dental  als  stammauslaut 
des  etymons  annehmen  lassen.  Gleichwohl  ist  die  von  Frisch  vermuthete 
Herkunft  des  Wortes  aus  dem  hd.  bocht  oder  bäht  nicht  wahrscheinlich,  da 
cht  ein  festes  frans,  t,  also  auch  mdartl.  botäre,  botel6  verlangen  würde. 
Besser  genügt  kymr.  baw  (m.)  schlämm,  wobei  auch  budyr  schlammig  *u 
berücksichtigen  ist;  man  beachte  Bief.  Ceti.  I,  183.  Zu  erwähnen  ist  noch 
das  wahrscheinlich  aus  boue  (pr.  boa?)  entstandene  lomb.  boga. 

Bouger  fr.,  bojar  pr.  sich  von  der  stelle  rühren,  vgl.  watton.  bog! 
wegrücken.  Mit  Leibnite  und  Frisch  vom  ahd.  biogan,  nhd.  biegen  nach- 
geben, weichen,  oder  vom  ahd.  bogen,  ndl.  bogen,  schweb,  bojen,  altn. 
buga  beugen,  krümmen.  Biese  herleitung  scheint  genügend,  gleichwohl 
ist  etwas  dabei  zu  erinnern,  was  sie  mehr  als  zweifelhaft  macht.  Bas 
eigentl.  prov.  wort  ist  nicht  bojar,  das  erst  in  dem  prosaischen  Albigenser- 
krieg  vorkommt  und  aus  dem  frans,  stammen  kann,  sondern  bolegar 
=  it.  bülicare,  offenbar  abgeleitet  aus  bulir,  bolir  sieden,  wallen,  wimmeln, 
sp.  bullir  in  steter  unruhe  sein,  pg.  bulir  etwas  von  seiner  stelle  weg- 
rücken, und  mit  diesem  wort  trifft  bouger  buchstäblich  zusammen. 

Bougre  fr.  ein  Schimpfwort.  In  der  älteren  Sprache  ist  es  s.  v.  a. 
Bulgarus,  völkername,  bedeutet  aber  demnächst  jeden  keteer,  weit  die  Bul- 
garen dem  manichäismus  besonders  ergeben  waren  und  der  höchste  priester 
dieser  secte  in  ihrem  lande  seinen  sitz  hatte,  daher  bougrerie  ketzeret.  Bei 
Nicot  hat  bougre  die  bed.  paedico,  die,  wie  Menage  vermuthet,  dem  worte 
darum  beigelegt  ward,  weil  der  paedico  derselben  strafe  verfiel  wie  der  keteer. 
S.  Bucange  s.  v.  bujgarus,  vgl.  auch  Böcking  zur  Notitia  dign.  p.  *1084. 

Boulanger  fr.bäcker.  Vergleicht  man  sp.  bo\\o  müchbrot,  comask. 
bulet  eine  brotsorte,  so  darf  man  es  mit  Bucange  von  boule  (s.  bolla  I.) 
herleiten,  woraus  zunächst  ein  unvorhandenes  boulange  (kugelförmiges 
backwerk?)  entstand.    Bulengarius  findet  sich  im  12..  jh. 

Boulevard,  boulevart  fr.  (boulever  bei  Nicot)  wäll,  festungswerk, 
hieraus  entlehnt  pr.  balloar  erst  %n  der  Chron.  albig.,  it.  baluardo,  sp. 
baluarte;  vom  dtschen  bollwerk  wie  altfr.  Estrabort  von  Sträzburc ;  jenes 
nach  Frisch  I,  118  ssgs.  aus  bohl- werk,  vgl.  aber  auch  Schmäler  IV,  141 
und  J.  Grimm  im  Wb.    Roquefort  hat  bollewerque. 

Bouleverser  fr.  über  den  häufen  werfen;  eigentl.  umkehren  wie  eine 
kugel  (boule).  Bie  limous.  mundart  änderte  dies  in  polo-versd  (polo  clunis). 

B online  fr.  seitentau  eines  segeis,  altfr.  boline  Trist.  II,  76,  botiline 
Brt.  11,  141 ;  vom  ndl.  boe-lijn,  engl,  bow-line,  schwed.  bog-lina,  bo-lina, 
hd.  bo-leine. 

B  o  u  q  u  e  r  fr.  sich  fügen ;  vom  nord.  bucka  niederdrücken,  nhd.  blicken. 

Bonquin  in  der  bed.  schlechtes  buch;  von  einem  mndl.  boeckln 
büchlein,  nndl.  boekje.  Man  sehe  über  diese  ndl.  diminutiva,  sofern  sie 
ins  frans,  übergegangen  sind,  Nicot  s.  v.  mannequin,  Menage  v.  brodequin 
und  Rom.  gramm.  U,  309. 


II.  c.   BOURBE-BRAIMAN.  531 

Bo  ur  b  e  fr.  (f.)  schlämm,  wallon.  borbou ;  man  vergleicht  gr.  ßoQßoqog. 

Bourde  fr.,  borda  pr.  lüge,  vb.  boarder;  dahin  mndl.  boert,  boerde. 
Die  alte  bed.  spaß,  belustigung,  aufschneiderei  führt  auf  die  herkunft  des 
Wortes,   das  aus  pr.  bort  für  biort  ritterspiel  (s.  bagordo  I.)  entstand:   . 
altfr.  behorder  zeigt  schon  die  abgeleitete  bed.  scherzen,  spaß  treiben.  Aus 
behord  in  diesem  sinne  ward  das  engl,  boord  und  gael.  bürd. 

Bourgeon/r.  knospe,  sprosse.  Ducange  vermuthet  vom  lat.  turio 
(q.  v.);  ganz  verwerflich.  Grammatisch  möglich  ist  entstehung  aus  dem 
ahd.  burjan  heben,  so  daß  bourgeon  (ahd.  burjo?)  etwas  sich  hebendes, 
hervorbrechendes  bedeutete.  Die  occit.  mundart  kennt  für  äuge  des  zweiges 
das  einfachere  boure,  die  lomb.  für  brustwarze  =  knospe  borin. 

Bourreau  fr.,  borel  pr.  henker,  Scharfrichter.  Nach MSnage  zsgz. 
aus  bouchereau  von  boucher  metzger.  Ist  auch  gegen  die  begriffe  nichts 
einzuwenden,  da  z.  b.  sp.  boya  beide  bedeutungen  in  sich  schließt,  so  scheint 
die  zusamtnenziehung  doch  etwas  gewaltsam.  Borel  kann  aus  boja  (s. 
dies  wort  (hl.  I.)  abgeleitet  sein  und  vermitteilst  des  dqppelsuffixes  er-ell, 
wovon  auch  die  franz.  spräche  beispiele  besitzt  (mät,  m&t-er-eau),  es  ent- 
spräche also  einem  hypothetischen  it.  boj-er-ello,  vgl.  chw.  bqjer,  altsp. 
borrero.  Von  bourreau  ist  auch  das  vb.  bourreler  peinigen.  — -  [Schon 
Huet  vermuthete  Zusammenhang  zwischen  boja  und  bourreau.] 

Bouse  fr.,  pr.  boza,  buza  kuhdünger.  Churw.  bovatecha,  com. 
boascia,  parm.  boazza  mit  ders.  bed.  lassen  ein  fr.  bouasse  annehmen; 
ob  aber  auch  bousse,  bouse,  ist  sehr  zweifelhaft,  da  sich  von  einer  Ver- 
legung des  tones  von  dem  ableitungssuffix  auf  den  stamm  im  franz.  kein 
ganz  zuverlässiges  beispiel  findet.  Sicherer  ist  herleitung  aus  mhd.  butze 
klumpen,  der  abgeschnitten,  weggeworfen  wird,  nach  Müller,  Wb.  I,  187, 
schon  von  Frisch  geltend  gemacht;  dieselbe  au/fassung  in  ätron,  s.  stron- 
zare  II.  a. 

Brac  pr.  (f.  braca)  cvil,  seile,  abyect*  nach  LR.  I,  246,  nur  inrima 
braca,  vida  braca.  Unter  brac  schlämm  (oben  brago  I.)  läßt  es  sich 
nicht  ordnen,  weil  sein  c  radical  ist.  Unser,  brak  'corruptus,  vilior 
Frisch  I,  124b  empfiehlt  sich  der  erwägung. 

Brague  altfr.  lustbarkeit,%  braguer  (noch  nfr.)  lustig  leben,  neupr. 
bragä.  prangen,  stolzieren,  altfr.  bragard  geputzter  mensch,  stutzet,  mndl. 
braggaerd.  Muthmaßlich,  da  es  der  alten  prov.  spräche  fehlt,  vom  altn. 
brak  geräusch,  braka  prangen,  übermüthig  sein.  Celtische  beziehungen 
bei  Diefenbach,  Goth.  wb.  I,  268. 

Braiman^r.  freibeuter;  völkername,  Brabänter,  altsp.  entstellt  in 
breimante  Jlx.  (von  Sanchez  unrichtig  erklärt).  S.  Ducange  v.  brabau- 
ciones.  Ein  appdlativ  andrer  bedeutung  gab  der  völkername  Flamänder : 
dteat.  flamenc  frisch  von  geeicht  Chr.  cCEscl.  682b,  vgl.  Cervantes 
Num.  1,  1 :  en  las  teces  de  rostros  tan  lustrosos  . .  pareeeis  . .  de  padres 
flamencoö  engendxados ;  aber  piem.  fiamengh  prächtig,  herrlich,  mhd. 
ylaeminc  ein  mensch  von  feiner  rede  und  büdung  s.  Wackernagels  Altfr. 
Ueder  p.  194. 


532  ILc.  BRAIRE— BREHAIGNE. 

Braire  fr.  schreien  (vom  esel),  altfr.  pic:  norm.  pr.  braire  Überh. 
schreien,  weinen,  auch  schmetternd  singen  (lo  rossinhols  brai),  pari,  brait, 
daher  sbst.  brait  geschrei;  churw.  bragir,  bargir.  Achtet  man  auf  die 
sinnverwandten  verba  altfr.  muire  aus  mngire,  braire  aus  bragire  (nUat.), 
so  läßt  braire  auf  ein  älteres  bragire  schließen,  das  auch  im  nüatein  vor- 
kommt.  Ihm  könnte  engl,  brag,  kymr.  bragal  prahlen,  lärm  machen,  ver- 
wandt sein,  läge  nicht  eine  Verstärkung  von  raire  durch  malerisches  b 
(vgl  b-ruire  aus  rugire)  ganz  nah.  Vom  sbst.  brait  ist  pr.  braidar, 
pg.  bradar,  daher  adj.  pr.  braidin,  altfr.  braidif  e.  b.  Brt  II,  202  hitzig, 
stürmisch,  urspr.  wiehernd;  vielleicht  auch  pr.  altfr.  braidir,  altit.  bradire 
PPS.  I,  243.  Auch  fr.  brailler,  pr.  braillar  plärren  (für  braaiUer?), 
piem.  braje  konnten  aus  brai-re  abgeleitet  sein  wie  etwa  cri-ailler  aus 
cri-er,  pi-ailler  aus  dem  unvorhandenen  pi-er,  it.  piare. 

Brande  fr.,  neupr.  brando  kleines  gesträuch,  in  Berry  brande  heide 
ßu  besen. 

Braqner  fr.  biegen,  lenken;  vom  altn.  bräka  unterwerfen,  eigentl. 
brechen  =  mhd.  brächen,  daher  langsam  machen,  vgl.  engl,  to  break,  lat. 
frangere  brechen,  bezwingen,  beugen,  altfr.  briser  son  corps  seinen  korper 
biegen. 

Bras  altfr.  malz,  nilat.  bracium  (unde  cerevisia  fit  Papias),  vb. 
brasser,  auch  altsp.  brasar  brauen,  nilat.  braciare,  braxare  ed.;  vom 
gallischen  brace  bei  Plinius,  ein  getreide,  woraus  malz  bereitet  ward, 
unserm  brauen  nach  Grimm  Wb.  nahe  liegend,  gad.  braich  (f.),  kymr. 
brag  (m.,  sing,  bregyn),  vb.  gad.  brach,  kymr.  bragu.  Abweichend  vom 
franz.  ist  das  wci.  brahe,  wofür  aber  Diefetibach  slavische  herkunft  ver- 
muthet.  Näheres  bei  Grandgagnage  s.  v.  brä  und  Diefenbach,  Orig.  europ. 
p.  265. 

Breche  fr.  bruch,  lücke,  scharte,  wohl  auch  pr.  berca  kerbe  GO., 
aus  dem  fr.  entlehnt  it.  breccia,  sp.  brecha  bruch  der  mauer,  in  dieser 
bedeidung  bereits  bei  J.  Febrer  str.  229  rompre  una  bretja;  t*.  pr. 
bercar  und  enbercar,  pic.  überquer,  fr.  ^bracher  schartig  machen.  Das 
wort  stimtnt  mit  ahd.  brecha,  mhd.  breche  etwas  brechendes,  Werkzeug 
zum  brechen,  mndl.  breke  bruch,  schwz.  breche  stürz  von  losgerissenem 
gesteine.  Man  vergleicht  auch  kymr.  breg  (m.)  bruch.  Dem  mhd.  bröchel 
(brecher)  entspricht  it.  briecola,  sp.  brigola,  fr.  bricole  Steinschleuder, 
mauerbrecher. 

Bredouiller  stottern;  muthmaßlich  vom  altfr.  bredir,  pr.  braidir 
singen,  schmettern  (von  vögeln),  vgl.  oben  braire. 

Brähaigne  fr.  unfruchtbar  (von  menschen  und  thieren).  JSs  gibt 
verschiedene  formen.  Eine  uralte  ist  in  den  Livr.  d.  rois  p.  6.  360 
baraigne,  vom  weihe  oder  auch  von  Sachen  gebraucht :  la  baraigne  plusurs 
enfantad  'sterüis  peperit  plurimosy;  hiernach  wäre  brähaigne  umgestellt 
aus  beraigne  und  h  nur  eingeschoben,  um  den  hiatus  zu  wahren.  Wallon. 
lautet  es  brouhagne,  metzisch  bereigne,  pic.  zsgz.  breine,  bürg,  braime 
u.  dgl.,  altengl.  barrayne,  neu  barren;  span.  Urkunden  späterer  zeit  haben 


II.  c.   BRELAN— BRISER.  533 

brana.  Die  itäl.  spräche  besitzt  bretto  unfruchtbar,  muthmaßich  ganz 
verschiedenes  Ursprungs.  Hält  man  sich  an  die  älteste  form  baraigne,  so 
kann  das  wart  abgeleitet  sein  aus  dem  alten  bar  mann  im  gegensatz  zum 
weibe,  im  frühsten  mlatein  barns  neben  baro:  baraigne  wäre  alsdann  ein 
mannweib,  ein  unfruchtbares  weib.  Dieselbe  auffassung  begegnet  im 
gleichbed.  sp.  machorra  von  macho  mann,  im  pr.  toriga  von  taur  stier, 
vgl.  lat.  taura.  Gewöhnlich  erkennt  man  darin  das  bret.  br^c'han,  das 
den  übrigen  celt.  mundarten  abgeht  und  um  so  eher  ein  fremdling  sein 
kann.—  Was  bedeutet  flauste  bröhaigne  bei  Roquefort  Poes,  frang.  p.  106  ? 

Brei  an  fr.  ein  hartenspid,  vb.  breiander.  Die  ältfr.  form  ist 
brelenc,  berlenc  und  bedeutet  das  brett  zum  Würfelspiel:  nn  berlenc 
aporte  et  trois  dez  FC.  III,  286,  troi  d6s  et  un  brelenc  IV,  44,  später 
auch  den  ort  des  Würfelspiels,  s.  Nicot  und  Menage.  Es  ist  vom  dtschen 
bretlfn  brettchen,  oder  (besser)  bretling,  wie  J.  Grimm  bemerkt  (Haupts 
Ztschr.  I,  677).    Daher  sp.  berlanga  ein  glücksspid. 

Breme  fr.  ein  dem  karpfen  ähnlicher  fisch;  für  bresme,  vom  dtschen 
brachsme,  in  Sheims  bräme,  neupr.  bramo. 

Br essin  fr.  seil  am  ende  der  segelstange,  um  sie  zu  richten;  ndl. 
sehwed.  bras,  engl,  brace,  nhd.  brasse,  aber  nicht  daher,  sondern  von  dem 
in  gleichem  sinne  gebrauchten  fr.  bras  arm,  da  diese  taue  gleich  armen 
herabhangen.  Bressin  tauschte  a  mit  e  vielleicht  zum  unterschiede  von 
brassin  gebräude. 

Bret  pr.  'horno  linguae  impeditae*  GFrov.  p.  50,  fr.  parier  bret 
oder  bretonner  stammeln,  eigentl.  bretonisch  d.  h.  für  einen  Franzosen 
unverständlich  reden:  ieu  ai  lengua  bretona  qne  negus  hom  no  m'enten 
LH  I,  440.  So  ist  dem  Spanier  vascuence  und  algarabia  verworrene 
rede,  und  ähnliches  findet  sich  auch  anderwärts. 

Brette  fr.  (f.)  hieber,  vb.  bretailler;  vgl.nord.  bredda  kurzes  messet 
oder  säbel. 

Breuvage/r.  trank;  umgestellt  aus  beuvrage  =  pr.  beuratge,  it. 
beveraggio,  von  boire,  lat.  bibere;  vb.  abrenver  für  abeuvrer  =  pr. 
abeurar.  Das  r  in  beurage  rechtfertigt  sich  aus  einer  vorausgegangenen 
Substantivbildung,  wie  etwa  pr.  biver  schenk,  beveria  zecherei. 

Brimborion  fr.  lappalie;  nach  Frisch  von  brimber  betteln  (s. 
bribe  L),  also  mit  anwendung  einer  halb  latein.  endung  (brimborium). 

Brin  ältfr.  gebrause,  lärm:  demainent  grant  brin  Sax.  II,  65,  vgl. 
I,  210,  Fer.  185b.  186a;  wohl  vom  altn.  brim  brandung,  meeresbraus, 
wogegen  Gachct  auf  bruin,  brnine  verweist. 

Brin  d'estoc  fr.  springstock;  aus  dem  deutschen  worte. 

Briser  fr.,  pr.  brisar,  brizar  brechen,  zerbrechen  (trans.y  auch  in- 
trans.  für  se  briser,  se  brizar),  sbst.  fr.  bris  (m.)  bruch,  Schiffbruch, 
schiffstrümmer,  pr.  briza,  lomb.  brisa  (piacent.  bris)  brosam,  brotJcrümchen ; 
ssgs.  ältfr.  däbriser,  pr.  desbrizar,  abrizar,  desabrizar  zertrümmern,  sbst. 
fr.  d 6 bris  (m.)  trümmer;  abgel.  fr.  br&iller,  pr.  brezilhar  zerbröckeln, 
sbst.  fr.  in  Berry  br&illes  holzstückchen.    Dieser  stamm  bris  erinnert  an 


534  IL  c.  BRIVE— BBOUÜE. 

unser  deutsches  brästan  (präs.  bristu),  altn.  bresta,  schwed.  brista  aus- 
einander brechen,  bersten;  aber  ihm  würde  eher  brisser  als  briser  ent- 
sprechen. Man  darf  ein  selbständiges  wort  darin  annehmen,  das  sich  e.  b. 
auch  im  gael.  bris  brechen,  sbst  bris  bruch,  im  ndl.  brijzen  KU.  und 
brijzelen  zertrümmern  ausspricht.  Genau  mit  dem  buchstaben,  minder 
genau  mit  dem  begriffe,  stimmt  das  bereits  von  den  SUem  etymclogen 
hiereu  angeführte  hispanische,  schwerlich  aus  dem  allerdings  gleichbed. 
gr.  ßgvrea  geformte  brisa  weintrester,  s.  II.  b,  dem  sich  das  nüat.  bei 
dem  scholiasten  Cornutus  vorkommende  brisare  auspressen  anhängt;  doch 
vermittelt  das  bret.  bresa  zerknittern,  pressen,  stampfen  einigermaßen  die 
bedeutungen  von  briser  und  brisare  (s.  Diefenbachs  Orig.  europ.  p.  273). 
Sollte  dieses  span.  brisa  das  urwort  sein,  so  ist  es  bemerkenswert?^  daß  es 
der  Südwesten  nicht  zu  weiteren  büdungen  benutzt  hat:  das  sp.  brizna 
splitter  z.  b.  ist  schwerlich  dahin  zu  rechnen.  Im  it.  bricia,  briciola, 
briciolo  darf  bei  der  nicht  ganz  seltenen  ausartung  des  s  in  c  (cncire 
für  cusire  cet)  eine  abweichung  vom  lomb.  brisa  angenommen  werden: 
das  altn.  britia  zerstückeln  wäre  ein  zu  weit  hergeholtes  etymon.  Prov. 
briga,  lomb.  brica  s.  v.  a.  briza,  vb.  npr.  esbrigä,  s.v.  a.  brizar  scheinen 
zum  deutschen  brechen  zu  gehören,  vgl.  thl.  I.  bricco  (1). 

Brive  fr.  wird  in  einigen  franz.  Wörterbüchern  als  ein  aus  dem 
celtischen  gekommenes  wort  mit  der  beä.  brücke  aufgeführt,  das  cdt.  briva, 
bria  aber  in  verschiedenen  städtenamen,  z.  b.  in  dem  alten  namen  von 
Amiens  Samaro-briva  (Sommebrücke),  nachgewiesen.  Aus  der  mundart 
vonDauphine  hat  man  ein  gleichlautendes  briva  mit  der  bed.  weg,  straße, 
wofür  auch  brio  gesagt  wird,  angemerkt:  dies  könnte  allerdings  cdtisch 
sein,  kymr.  briw  bruch,  vgl.  die  bedd.  bruch  und  straße  im  altfr.  brisöe 
und  neufr.  route. 

Brochet  fr.  hecht;  eigentl.  kleiner  spieß,  von  broche  (s.  brocco  I) 
wegen  seines  spitzen  maules,  ebenso  heißt  engl,  pike  spieß  und  hecht,  fr. 
bequet  schnabel  und  hecht,  vgl.  auch  fr.  lanceroii  junger  hecht,  von  lance. 
Buchstäblich  dasselbe  wort  ist  it.  brocchetto  kleiner  ast. 

Broigne,  brunie  altfr.,  bronha  pr.  panzer,  broyna  noch  in  einem 
gedieht  vom  j.  1433  s.  Jogas  dd  gai  saber  p.  268,  mlat.  brugna  in  einer 
Urkunde  vom  j.  813 ;  vom  gleichbed.  goth.  brunjö,  ahd.  brunjä,  altn.  brynja, 
dies  von  brinnan  brennen,  glänzen  Grimm  III,  446.  Die  roman.  nach- 
bildung  ist  so  genau,  daß  sie  selbst  das  ableitende  j  der  ausspräche  nach 
(phonetisch)  bewahrt  hat:  tei  cuvenist  helme  e  brunie  a  porter  Alexs.  83. 
Das  schöne  wort  hat  sich  nur  im  nordischen  erhalten. 

Bronde  altfr.,  piem.  bronda  zweig,  occit.  broundo  reisholz,  daher 
pr.  brondel,  brondill  zweiglein. 

Bronailles  fr.  eingeweide  der  fische  und  vögel,  buchstäblich  das 
wort  der  Isid.  glossen  burbalia  'intestina',  seinem  Ursprünge  nach  schwer 
zu  beurtheilen.  8.  Diefenbachs  Gelt  I,  200.  Nicht  zu  übersehen  ist  dabei 
das  mit  brouailles  gleichbedeutende  altfr.  brenilles  (zweisüb.). 

Brouäe  fr.  nebel;  eine  participiälbüdung  wie  guilöe,  gelte  oder  sp. 


J 


ILc.   BROUIR— BRUINE.  535 

nevada,  von  unentschiedener  Herkunft,  doch  weder  aus  latein.  noch  celt. 
wurzel.  Die  picard.  tnundart  leitete  aus  demselben  stamme  brouache 
feiner  regen,  die  von  Berry  brouasser  fein  regnen,  rieseln;  statt  brouöe 
aber  spricht  die  letztere  tnundart,  vielleicht  nur  durch  einschiebung,  ber- 
rouäe.  Fon  bruine  scheidet  es  sich  durch  seinen  stammvocal,  stimmt  aber 
in  dieser  rücksicht  zum  synonymen  brouillard.  Man  darf  erinnern  an 
ags.  brodh  {für  bradh)  duft,  und  an  mhd.  brod-em  (für  bradem); 
brouillard  würde  alsdann  zu  brodel,  brudel  aufsteigender  dampf  Frisch 
I)  141b  gestellt  werden  dürfen. 

Brouir  fr.  verbrennen,  von  der  sonne,  dltfr.  auch  vom  feuer,  le  feu 
i  boutent  e  trestout  Font  bru*  Gar.  I,  210;  vom  mhd.  brttejen,  ndl. 
broeijen  erhitzen,  anbrennen,  nhd.  brühen.  Dasselbe  bedeutet  piem.  bro&, 
broYÖ,  ven.  broare,  mail.  sbröjä.  Merkwürdig  ist  das  gleichbed.  neupr. 
braouzf  =  brauzir,  das  sich  zu  brouir  zu  verhalten  scheint  wie  auzir  zu 
ouir,  jauzir  zu  jouir,  blauzir  zu  blouir,  und  also  einen  stamm  braud  oder 
braut  in  anspruch  nimmt. 

Brouques  pic.  hosen;  vom  ndl.  broek  =  ahd.  bruoch.  Von  der 
zss.  theoh-bruoch  Graff  111,  278  bewahren  nur  die  Cass.  glossen  eine 
roman.  nachbüdung,  s.  Altromanische  glossare  107. 

Bru  pr.  heidekraut  (nur  der  nom.  brus  ist  vorhanden),  occit.  mail. 
brug,  gen.  brugo ;  von  kymr.  brwg  wo&d,  strauch,  bret.  brfig  so  wie  Schweiz. 
brüch  heidekraut.  Meher  auch  broia  'ulva  marina  in  den  Isid.  glossen  ? 
Abgeleitet  fr.  bruyfere,  das  sich  im  cot.  bruguera,  mail.  brughiera  wieder- 
holt,  dltfr.  brueroi.     Vgl.  Diefenbachs  Cdt.  I,  216. 

Bru  fr.,  in  der  alten  spräche  bruy,  Schwiegertochter,  bdle-ßle.  Es 
ist  deutscher  herkunft:  goth.  bruthg,  ahd.  mhd.  brät,  nhd.  braut,  alts. 
brfid,  ndl.  bruid,  ags.  bryd,  engl,  bride,  aXtn.  brfidhr,  schwed.  brud,  die 
verlobte  kurz  vor  der  hochzeit  oder  die  neuvermählte.  Im  goth.  jedoch 
hat  das  (nur  in  einer  stelle  begegnende)  wort  dieselbe  bedeutung  wie  im 
franz.,  wobei  es  unentschieden  bleibt,  ob  sich  letztere  daraus  herleite  oder 
ob  sie  sich  unabhängig  aus  der  gemeindeutschen  entwickelt  habe.  Bemerkens- 
tcerih  ist  dabei,  daß  auch  dem  churw.  brtitt  nur  der  goth.  begriff  zusteht. 
Bru  ist  übrigens  das  einzige  deutsche  verwandtschaftswort,  das  in  einer 
roman.  Schriftsprache  platz  gefunden.  Die  norm,  und  champ.  tnundart 
bewahren  auch  noch  die  zss.  bru-man  neuvermählter,  aus  dem  altn.  brüdh- 
mannr  (üblich  brüdh-madhr)  hochzeitsgast,  schwed.  brud-man  brautführer, 
die  also  ungefähr  in  den  sinn  von  brüdh-gumi  =  bräutigam  ausge- 
wichen sind. 

Bruc  pr.  rümpf:  aqui  lor  an  las  testas  del  bruc  cebradas  Gitoss.  ; 
stimmt  zum  ahd.  brüh,  nhd.  bruch  fragmen.  Gleichbed.  ist  brut:  ac  long 
e  plenier  lo  brut  Fer.  980,  welches,  wenn  es  nicht  eine  kleine  abweichung 
ist  von  bruc,  auf  das  ahd.  brüht  fractio  zurückgeführt  werden  dürfte. 

Bru  ine  fr.,  bruina  pr.  feiner  kalter  regen,  vb.  fr.  bruiner.  Wie 
nah  auch  lat.  pruina  (reif)  zu  liegen  scheint,  so  ist  doch  der  übertritt  der 
anlautenden  lippentenuis  in  die  media  im  franz.  etwas  so  ungewöhnliches, 


/ 


536  n.c.   BRUISER-CABELIAU. 

daß  man,  auch  wenn  die  begriffe  noch  besser  stimmten,  auf  diese  etymo- 
logie  verzichten  muß.  Das  wort  ist  ein  achtes  product  der  nordwestlichen 
spräche,  die  das  suffix  ina  mehrfach  auf  naturereignisse  anwendet:  so 
pr.  calina  hitze,  plovina  regen  u.  dgl.,  die  würzet  aber  ist  uns  verborgen, 
denn  auf  brugir,  bruir  (rauschen,  sumsen)  kann  nur  eine  entfernte  ver- 
muthung  fallen,  wiewohl  die  pr.  formen  brazina  und  bruzir  zusammen- 
treffen  und  champ.  bruire  die  doppelte  bed.  hat  brausen  und  nebeln.  Vgl. 
auch  Grandgagnage  v.  brouh&ne. 

Bruiser,  bruser  altfr.  zerschmettern,  zeHrümmern  z.  b.  lanzenBen. 
I,  159.  214.  II,  33,  G.  Gaimar  p.  26;  zsgs.  combruisser  s.Livr.  d.  rois 
p.CXVlll,  debruisier  TFr.  33',  LR.  II,  261a,  wo  auch  ein  altsp.  abrusar 
verzeichnet  steht.  In  diesem  sehr  üblichen  auch  zu  Zusammensetzungen 
benutzten  worte  ist  vielleicht  das  gleichbed.  ahd.  brochisön  anzunehmen; 
man  vgl.  auch  engl,  bruise,  das  auf  ags.  brysan  zurückgeleitet  wird. 
Geltische  verwandte  s.  bei  Diefenbach,  Goth.  wb.  I,  321. 

Buquer  fr.  vrlt.  anklopfen;  vom  ndl.  beulten. 

Bar  norm,  wohnung,  altfr.  buron  hütte;  vom  ahd.  bfir  haus,  wohn- 
stätte,  rihd.  bauer.    8.  Grandgagnage  v.  banr. 

*  Buse  fr.  (f.)  eine  geringe  falkenart,  auch  busart,  pr.  buzac,  it. 
bozzago,  abnzzago  =  lat.  buteo.  Daher  auch  die  deutschen  worter 
buse,  bufshart. 

Busse,  buse,  buce  altfr.  ein  größeres  fahr  zeug,  nüat.  (um  1080) 
bucia,  (um  1110)  buza,  masc.  pr.  bus,  altsp.  buzo  ein  ruderschiff,  vgl. 
ags.  butse  in  butse-carlas  schiffleide  (bei  Lye,  s.  auch  Ducange  v.  bus- 
carla),  engl,  bufe,  ndl.  buise  fischerboot,  <ütn.  bfissa;  von  bntta,  buttis, 
nach  Ducange  u.  a. 


c. 

Gaab  le7  chaable  altfr.  ein  schweres  wurfgcschütz  steine  zu  schleudern 
Hol.  u.  s.  w.,  syncopiert  aus  cadable,  in  späterem  nüatein  chadabula. 
Dieselbe  sache  heißt  pr.  calabre,  worin  d  mit  1  vertauscht  ward,  so 
auch  altsp.  calabre  Conq.  ültram.  Das  altfr.  wort  bedeutet  auch  das 
niederwerfen  auf  den  boden  so  wie  den  niedergeworfenen  bäum,  die  ab- 
geschlagenen äste,  vgl.  cables  ou  arbres  abbatus  (vom  j.  1402),  le  bois 
nommä  caables  qui  chiet  par  avanture  (1411),  s.  Garpentier.  Daher 
sowohl  neufr.  accabler  zu  boden  schlagen  oder  drücken,  wie  chablis 
Windbruch  in  Wäldern.  Form  und  begriff  von  caable  leiten  auf  gr.  xara- 
ßoty  niederwerf ung,  Zerstörung. 

Cabeliau  fr.  ein  fisch  der  nördlichen  meere;  zunächst  vom  ndl. 
kabeljaauw,  woraus  auch  durch  Umstellung,  vielleicht  mit  rücksicht  auf 
baculus  stock,  das  sp.  bacalao,  bask.  bacailaba,  venez.  piem.  bacala 
Stockfisch  (getrockneter  kabliau)  hervorgegangen  scheint,  doch  ist  die  form 
auch  nddeutsch  (bakkeljau). 


IL*   CABESTAN-CAHIER.  537 

Gabestan  fr.  (in.)  schiff swinde  das  ankertau  auf-  und  abzuwickeln, 
engl,  capstan;  aus  dem  sp.  cabr-estante  d.  i.  stehendes  hebczeug  (Wedg- 
wood,  vgl.  E.  Müller). 

Cabrer  fr.,  eabrd  neupr.  (nur  reflexiv  se  cabrer  cet.)  sich  bäumen; 
van  caper  bock,  einer  üblichen  Stellung  dieses  thieres  entnommen. 

Cabus  fr.  in  chou-cabus  köpf  kohl;  =  it.  capuccio  kopfchen,  von 
capnt,  nhd.  kappes,  russ.  kapnsta  cet. 

Gadeau  fr.  Schnörkel  der  schönschreiber,  zierath,  vb.  cadeler  vrlt. 
Schnörkeln;  von  catellus  dimin.  von  catena,  vgl.  it.  catenella  kettenförmige 
Stickerei. 

Gadet  fr.  adj.  der  jüngste  unter  geschwistern;  von  capitettum, 
roman.  dimin.  von  caput,  also  häuptchen,  junges  haupt. 

Ca  dran  fr.,  quadran  pr.  Sonnenuhr;  von  quadrans,  it.  sp.  qua- 
drante  astronomisches  instrumenta 

Cagot  fr.  scheinheilig.  Dieses  wort,  das  in  der  bemerkten  bedeu- 
tung  nicht  vor  dem  16.  jh.  vorkommen  soll,  wird  mit  dem  gleichlautenden 
natnen  einer  in  Bearn  und  angränzenden  landestheilen  zerstreuten  race 
oder  caste  für  identisch  gehalten.  Nach  Aquitanien  geflüchtete  Gothen 
und  Araber  erhielten  von  Karl  Martell  und  dessen  nachfolgem  sehnte 
und  freiheüen,  galten  aber  bei  den  einwohnern  für  Arianer  und  aussätzige 
und  wurden  von  ihnen  mit  dem  Schimpfnamen  cagots  d.  i.  canes  Gothi 
belegt.  S.  Michel,  Bist,  des  races  maudites  I,  284.  Etymologisch  ist 
gegen  diese  ziemlich  alte  erklärung  nichts  einzuwenden:  pr.  c&hund,  Got 
Gothe.  Die  neue  bedeutung  würde  sich  also  wohl  in  der  ort  aus  der 
alten  entwickelt  haben,  daß  man  sich  unter  cagot  einen  menschen  dachte, 
der  gegen  seine  Überzeugung  die  katholischen  kirchengebräuche  mitmachte; 
ebenso  ist  cafard  eigentl.  ungläubig,  demnächst  scheinheilig  (s.  cafre  IL  b). 
Wie  man  übrigens  in  Südfrankreich  die  von  dem  Spanier  so  hoch  geach- 
teten Gothen  mit  den  Sarazenen  vermengte,  zeigt  der  schon  oben  s.  420 
angeführte  vers  eines  troubadours:  Masmutz,  Maurs,  Götz  e  Barbaris. 
Frisch  I,  362°  deutet  das  wort  aus  dem  pr.  cap  und  dem  dtschen  gott: 
cap-got,  ca-got  wäre  eine  betheurung  €bei  dem  haupte  gottes\  womit  man 
die  heuMer  benannt  habe. 

Cahier  fr.  heft  papier.  Denkt,  man  sich  cayer  (so  schrieb  man 
ehemals)  aus  pic.  coyer  (quoyer  HScart)  abgeändert  wie  frayeur  aus 
froyeur,  so  kann  es  aus  codicarium,  von  codex,  zusammengezogen  sein, 
und  dieses  wort  kennt  selbst  der  Lateiner,  wenn  auch  in  anderer  bedeu- 
tung. Schon  Nicot  bemerkt:  cayer  semble  qu'il  vienne  de  codex, 
pourtant  les  Picards  dient  coyed,  et  semble  que  le  Francis  debvroit 
dire  cayed.  Aber  besser  deutet  Mahn  (p.  122):  cahier,  in  älterer 
Schreibung  quayer,  ist  das  pr.  cazern  d.  h.  cadern  =  it.  quaderno:  d 
schwand  und  in  die  lücke  trat  y  (i)  ein,  ebenso  schwand  das  auslautende 
n,  wie  dies  nach  r  zu  geschehen  pflegt.  —  Ducange  und  andre  erklärten 
cahier  aus  quaternio,  das  im  nüatein  vier  zusammengehörige  blätter  be- 
deutet, allein  quaternio  hätte,  wie  der  Erit.  anhang  p.  8  berechnet,  hoch- 


538  II.  e.   CAHUTE-CALANDRE. 

stens  cargnon  geben  können.  Dies  war  ungefähr  getroffen,  es  heißt  car- 
rignon,  der  anhang  zu  Roquefort  kennt  es  (s.  carreignon),  übersetzt  es 
aber  mit  scel  (sieget),  dagegen  liest  man  Gar.  II,  124  furent  li  carignon 
escrit  et  seelez  die  bogen  wurden  geschrieben  und  gesiegelt",  quaregnon 
steht  Alex.  64,  17. 

C ah ute  fr.  barackey  cdtfr.  chahute  und  cahuette.  Das  wort  hat 
das  ansehen  einer  Zusammensetzung.  Ihr  erster  theil  ist  nicht  ganz  sicher, 
wahrscheinlich  aber  das  deutsche  kaue  d.  i.  käfig,  behältnis;  der  zweite 
offenbar  das  im  franz.  vorhandene  deutsche  htitte,  zusammengenommen  eine 
enge,  schlechte  hätte.  Da  kaue  (vom  lat.  cavea)  im  franz.,  worin  es  etwa 
choe  oder  choue  gelautet  haben  würde,  nicht  vorkommt,  so  darf  man  an- 
nehmen, daß  das  compositum  im  deutsclien  bereits  vorlag.  Cahuette  muß 
eine  diminutivform  sein  für  cahutette  und  sich  verhalten  wie  servierte  für 
servitette.    Das  fr.  cajute  stammt  aus  dem  ndl.  cajuit 

Caillou  fr.,  altfr.  caiUau  Fier.  95,  7,  noch  jetzt  pic.  caliau,  dsgl. 
caliel  ChCyg.  s.  Gachet,  cailleu  Fier.  157,  10  und  so  caillex  DMce. 
216, 14.  304,  29,  pr.  calhau,  occit.  caiau  (cafeou)  kiesel,  daher  pg.  calhäo. 
Die  endung  schwankt  zwischen  ou,  au,  el,  eu.  In  solchen  fallen  gibt  die 
prov.  mundart  gewöhnlich  den  ausschlag:  das  suffix  au  =  fr.  ou  ist  = 
lat.  av,  wie  in  Anjau  Anjou,  Peitau  Poitou,  allein  das  pr.  ealhau  (im 
Elucid.)  ist  wenig  üblich  und  scheint  entlehnt,  der  eigentlich  prov.  noch 
jetzt  gültige  ausdruck  ist  codol.  Ganz  Mar  und  verständlich  ist  das 
suffix  ou  in  der  form  caillou:  es  muß  dasselbe  sein  wie  in  genou,  verrou 
=  cdtfr.  genoil,  verroil,  das  abgefallene  1  erhielt  sich  im  diminutiv  cail- 
loul-et  (-ez  DMce.  11,  1).  Als  primitiv  zu  allen  bemerkten  bildungen  ist 
cail  anzuerkennen,  caille  gleichbed.  besitzt  Berry.  Die  form  betrachtet, 
leitet  ersteres  auf  coagulum  wie  cailler  auf  coagulare:  stützt  man  sich  auf 
Grimms  deutung  von  kiesel  aus  einem  unvorhandenen  vb.  kisan  gerinnen, 
so  daß  der  kiesel  ein  aus  sand  oder  kies  zusammengeronnener  oder  geba- 
deter stein  wäre  (Haupts  Ztschr.  VII,  469),  so  hat  man  einen  analogen 
fall.  Aber  wenn  die  darin  waltende  naturanschauung  auch  für  das  deutsche 
angenommen  werden  dürfte,  so  ist  dies  für  eine  neuere  spräche,  welcher 
andre  quellen  zu  geböte  standen,  weit  gewagter.  Das  franz.  wort  laufet 
wallon.  caiau,  dimin.  caiewai,  bei  welchem  Grandgagnage  I,  93  auf  das 
gleichbed.  ndl.  kai,  kei  hinweist;  was  aber  diesem  etymon  fehlt,  ist  der 
dem  erweicUen  1  des  abbildes  genügende  buehstabe.  Ein  lat.  wort  von 
ähnlichem  klänge  ist  calculus  calc'lus  steinchen:  hieraus,  freilich  mit  einem 
den  franz.  bildungsgesetzen  wenig  entsprechenden  verschwinden  des  l, 
caclus,  endlich  cail,  wofür  chail  au  erwarten  war,  doch  steJU  chaillo  Bert, 
p.  48,  chaillou  Gayd.  p.  151,  chaillot  Chev.  au  lyon  p.  137.  Die  natio- 
nalität  dieses  etymons  muß  das  mangelhafte  der  form  aufwiegen.  Aber 
hier  noch  die  frage:  wie  ist  das  mit  caillou  ganz  gleichbed.  kymr.  cellt 
nebst  callestr  zu  beurtheüen? 

Calandre  fr.  walze;  von  cylindrus  (xvXivÖQog).  Da  nämlich  y 
nicht  selten  wie  u  oder  etwa  ü  lautete,  so  konnte  auch  das  vorhergehende 


ILc   CALUC— CAROLE.  539 

c  seine  gutturale  ausspräche  behaupten,  wie  dies  in  coing  xvdwviov  ge- 
schah: calandre  ist  also  im  gründe  aus  colandre  abgeändert. 

Caluc  pr.  'curtum  habens  visum  GProv.  p.  57,  auch  Br.  Am.  1, 173. 
Es  ist  vom  it.  caluco  zu  trennen,  und  könnte  eine  Zusammensetzung  sein 
ca-luc.  Dieses  ca  zeigt  nämlich  auch  calorgne  in  der  mundart  von  Haut- 
Maine,  das  der  bedeutung  von  borgne  entspricJit,  aber  wie  erklärt  es  sich? 

Gambrer  fr.,  neupr.  cambrA  bogenßrmig  krümmen:  von  camerare 
wölben,  einen  bogen  f atmen. 

Ganapsa  fr.  ranzen  für  speisen  (kein  altes  wort);  vom  dtschen 
knappsack,  dies  von  knappen  essen,  kauen. 

Cane  äUfr.  (f.)  schiff,  nfr.  eanot  kleines  fahr  zeug;  dsgl.  nfr.  cane 
(f.),  altfr.  canote  ente,  nfr.  canard  enterich,  auch  wasserhund.  Man  sieht, 
daß  schiff  und  ente,  beide  als  Schwimmer  gedacht,  in  derselben  bezekhnung 
zusammenfallen.  Die  Urbedeutung  aber  ist  die  erstere,  denn  das  wort 
weist  nicht  auf  lat.  canna  röhr,  gondd,  das  mit  canne  (dim.  canette  kann- 
chen)  ausgedrückt  wird,  sondern  auf  ndl.  kaan  (f.)  =  nhd.  kahn. 

Ganif  fr.  federmesser;  vom  altn.  knlfr,  ags.  cnlf  =  nhd.  kneip, 
kneil  Dimin.  ganivet  (vrlt.),  altfr.  cnivet  Trist.  II,  127,  pr.  canivet, 
daher  entlehnt  altsp.  canivete,  pg.  canivete. 

Gapre  fr.  freibeuter,  freibeuterschiff.  Aus  cap  vor  gebirg,  weil  sich 
solche  schiffe  dahinter  versteckten  (Frisch  I,  164c),  kann  es  nicht  abge- 
leitet sein.  Es  ist  das  ndl.  kaper,  vom  vb.  kapen  rauben,  entwenden, 
freibeuter  ei  treiben;  dies  aus  dem  lat.  capere? 

Caquer/r.  heringe  ausweiden  und  einpökeln,  caqne  heringstonne; 
vom  ndl.  vb.  kaecken  eigentl.  die  kiefern  (kaecken)  ausschneiden,  s.  Kilian. 

Garcan  fr.  pr.  halsband,  halseisen,  engl,  earcanet  Hdlliw.  Es  hat 
seine  quelle  weder  im  gr.  tuxqxivoq  krebs,  zange,  noch  im  dtschen  kragen, 
welches  altfr.  eher  craon,  nfr.  cran  ergeben  haben  würde.  Besser  stimmt 
dazu  ahd.  querca,  altn.  qverk  gurgel,  hals.  Das  suffix  ist  ant,  daher  die 
altfr.  formen  charchant,  cherchant,  ndl.  karkant,  seine  anwendung  aber 
auf  ein  wort  wie  das  gegenwärtige  ist  ungewöhnlich. 

Carillon  fr.  glockenspiel ;  nach  Menage  ehemals  aus  vier  glocken 
bestehend,  gleichsam  quadrilio. 

Carne  fr.  (f.)  winket,  ecke.  Altfr.  carne  bedeutet  thürangel,  von 
cardo  cardinis,  daher  nfr.  charniere  geurinde,  gewerbe,  beide  bedeutun- 
gen  z.  b.  auch  im  gr.  yiyykvfiog. 

Carole,  querole  altfr.  eine  art  des  tanzes,  etwa  reihentanz,  caroler 
den  reihen  tanzen,  pr.  carolar  GO.  Man  faßte  sich  dabei  an  den  bänden, 
z.  b.  as  mains  se  tiennent  li  baron  alos6  tout  autresi  cum  aient  carolä 
Gayd.  p.  58,  7.  Fratfkreich  war  die  eigentliche  heimath  dieser  belustigung, 
deren  die  poesie  häufig  erwähnt  und  ihr  selbst  eine  eigne  liedergattung, 
chanson  de  carole,  dankte  oder  widmete;  man  sehe  Ferd.  Wolf  Lais 
p.  186.  Nach  Italien  und  England  gieng  sache  und  wort  über:  it.  earola, 
carolare,  engl,  carol  gesang,  ursprüngl.  tanz  (so  goth.  laiks  tanz,  ahd. 
leib  spiel,  gesang),  kymr.  carol   (nach  Owen  von  cär  freund).    Die  hier 


540  ILc.  CARREFOUB— CEBCEAÜ. 

in  erwägung  'kommenden  Stammwörter  lauten  sämmtlich  mit  co  statt  mit 
ca  an,  doch  ist  ein  tausch  des  o  gegen  a  in  tonloser  silbe  einzuräumen 
(entsprechende  fälle  sind  unter  cammeo  I.  namhaft  gemacht  worden);  auch 
scheint  auf  eine  ältere  geschwundene  form  corole  das  bret.  koralla  tanzen, 
Jcymr.  coroli,  vielleicht  auch  gael.  coirioll  zu  weisen,  ja  ein  troubadour 
hat  corola  (qu'ieu  fui  ja  de  lor  corola,  var.  escola)  M.  782,  2,  und  Uc 
Faidit  corolar  vel  coreiar  ccoreas  ducere  GProv.  29.  Diese  worter  sind 
corolla,  chonis,  Chorea,  choraula.  Corolla  paßt  von  seilen  der  form,  nicht 
des  begriff  es:  kränze  trugen  wohl  die  Bömer  bei  lustbarkeiten,  aber  einen 
reigen  darum  einen  kränz  zu  nennen,  wäre  eine  starke  Übertragung.  Auch 
in  der  bed.  kreiß  von  menschen  paßt  es  schlecht,  da  hierunter  nur  Zu- 
schauer oder  zuhörer  verstanden  sind.  Die  bedeutung  der  beiden  folgen- 
den Wörter,  tanz  mit  gesang,  trifft  genau  zu;  nur  müßte  sich  in  chorulns 
das  genas  geändert  und  in  choreola  das  ableitende  e  verwischt  haben. 
Am  sichersten  geht  man,  was  die  form  anlangt,  mit  Wackernagel,  der  in 
caroler  ein  aus  choraula  gebildetes  verbum  annimmt  (coraulare  lconctd- 
care  treten,  daher  tanzen,  bei  Ugutio),  aus  diesem  verbum  das  sbst.  co- 
raula,  Carole  tanz,  saüenspiel  Dief.  Gloss.  lat.  germ.  150h. 

Carp  pr.  (fem.  carpa)  porös,  schwammicht,  nur  im  Elucidari,  auch 
neuprov.  nicht  vorhanden. 

Carrefour  fr.,  carreforc  pr.  kreuzweg;  gleichsam  quadrifurcum 
was  viermal  eine  gäbet  bildet. 

Casnard  altfr.  Schmeichler  Roquef.  Sollte  das  wort  in  der  that, 
wie  Meyer,  Orot,  roman.  fragm.  ed.  II.p.  530,  meint,  das  von  Quintüian 
aufbehaltene  gallische  casnar  sein?  in  oratione  Labieni  (sive  illa  Cornelii 
Galli  est)  in  Pollionem  casnar  assectator  e  Gallia  ductum  est  1,  5,  8. 
Unzweifelhaft  wenigstens  ist  die  herleitung  nicht.  Die  altfr  anz.  spräche 
hat  die  neigung,  s  vor  n  oder  gn  einzuschieben,  so  daß  casnard  für  ca- 
nard  oder  cagnard  gelten  darf,  cagnard  ist  neuprov.  und  burgundisch, 
aber  auch  in  die  Akademie  aufgenommen,  und  heißt  tagedieb,  memme,  pic. 
cagne  träge,  schlaff,  in  Eheims  heißt  cagner  feige  sein.  Mit  anderm 
suffix  sagt  man  in  Berry  cagnaud  s.  v.  a.  casnard  und  diese  modification 
läßt  auf  einen  stamm  cagn,  lat.  canis  (vgl.  pr.  canha  hündin)  schließen. 
Der  name  des  hundes  wird  auch  sonst  zur  bezeichnung  übler  eigenschaften 
benutzt.  Uebrigens  erblickt  Aufrecht  in  casnar  eine  ableüung  aus  lat.  casnus 
d.  i.  canus  vermittelst  des  sufßxes  äri,  Zeitschr.  f  vergl.  sprachf.  II,  152. 

Ceindre  fr.  gürten;  von  cingere. 

Cöladon  fr.  eine  meergrüne  färbe;  so  genannt  mit  dem  namen 
eines  schäfers  in  UUrfe's  Asträa  (1610):  die  schäfer  nämlich  dachte  man 
sich  grün  gekleidet.  * 

Cenelle  fr.  beere  der  Stechpalme;  abgekürzt  aus  coccinella  von 
coccina  für  coccum  Scharlachbeere,  wegen  der  ähnlichheit  beider  fruchte.  So 
Menage  und  man  darf  beistimmen. 

Cerceau  fr.  reif,  ring,  altfr.  recercete,  pr.  recercelat  geringelt;  von 
circulus,  circellus. 


ILc.   CERCUEIL-CHALAND.  541 

Cercueil  fr.  (spr.  cerkeuil)  sarg.  Sarcophagulus,  stark  contrahiert, 
ergäbe  immer  nur  sarfail,  darum  ist  die  herleitung  aus  dem  ahd.  sarc 
(von  sarcophagus)  richtiger,  das  mit  dem  suffix  el  die  altfr.  formen  sar- 
qu-el,  sarqu-eu  AUxs.  117,  sarc-u  ergeben  konnte. 

Gers  pr.  cot.,  sp.  cierzo  nordwind,  nordostwind;  vom  tat.  cercius, 
circius  nordwestwind,  einem  im  narbonensischen  Gallien  gebrauchten  worte. 
S.  auch  Potts  Forsch.  II,  499,  Diefenbachs  Orig.  europ.  p.  290.  Ur- 
kunden aus  Südfrankreich  brauchen  es  genau  für  occident,  z.  b.  de  parte 
orientis,  meridiei,  contra  circio,  contra  aquüone,  d.  i.  gegen  ost,  süd, 
toest,  nord  HLang.  II,  num.  21  (v.  j.  898).  Covarruvias  leitet  auch  sp. 
cecfna  gedorrtes  fleisch  und  cecial  Stockfisch  (für  cercina,  cercial)  da- 
her, weil  beides  an  diesem  trocknen  winde  gedörrt  werde:  aus  siccus  konnte 
wenigstens  das  letztere  nicht  entstehen. 

Chabot  fr.  ein  fisch,  kaulkopf,  pg.  caboz;  von  caput  wegen  des 
dicken  kopfes,  vgl.  lat.  oapito,  gr.  xiqxxlog  großkopf  ein  fisch. 

Chabraque  fr.  Pferdedecke;  ein  neueres  wort,  nebst  dem  deutschen 
Schabracke  aus  dem  türk.  tschäpräk  (Dozy  Oosterlingen). 

Chacal  fr.,  auch  jachal,  sp.  chacal  (üblicher  adiva  IL  b)  goldwolf, 
canis  aureus;  aus  pers.  schigala. 

Chagrin  fr.  gram,  kummer.  Dieses  wort,  das  dem  12.  und  13.  jh. 
noch  fremd  scheint,  ist  sicher  identisch  mit  chagrin  d.  i.  ein  rauhes  mit 
Senfkörnern  gepreßtes  leder,  it.  zigrino,  ven.  romagn.  sagrin,  ndl.  segrein, 
schon  tnhd.  zager  s.  Müller  im  wb.  III,  840;  mit  Menage  vom  türk. 
zagri  rücken  oder  kreuz,  weil  es  von  dem  kreuze  des  esels  oder  maülthieres 
genommen  werde,  dies  aus  pers.  sägarf  gleichbed.;  die  Araber  nennen  es 
zargab  Freyt.  II,  232*.  Da  man  nun  diese  oder  eigentlich  die  ähnlich 
beschaffene  haut  eines  seethieres  auch  zu  reibeisen  oder  feilen  benutzte,  so 
ward  chagrin  ein  nicht  unpassender  ausdruck  für  nagenden  kummer,  wie 
das  it.  lima  (feile)  ähnlichen  sinn  vertritt.  Daher  bedeutet  in  der  genues. 
mundart  sagrinä  nagen,  sagrinäse  sich  verzehren  vor  zorn  u.  dgl. 

Chaire  fr.  lehrstuM,  kanzä,  pr.  cadeira,  altfr.  chayere  überh.  stuhl, 
sessel,  und  so  in  den  mundart en;  von  cathedra,  daher  auch  altsp.  cot* 
bask.  cadira,  piem.  comask.  cadröga  in  der  dUfr.  bedeutung. 

Chaise  fr.  stuhl,  halbkutsche.  Die  ältesten  gedruckten  Wörterbücher 
kennen  chaise  noch  nicht,  und  so  muß  man  es  mit  Menage  für  eine  etwa 
im  pariser  dialecte  vor  sich  gegangene  äbänderung  von  chaire  halten,  s. 
oben  besicle;  auch  die  älteste  franz.  grammatik,  von  Palsgrave  1530,  rügt 
cheze  für  chaere  als  einen  fehler  der  pariser  ausspräche,  man  sehe  Weg, 
Bist,  des  revd.  du  langage  p.  264,  Littre,  Eist.  d.  I.  I.  fr.  II,  115.  Besäße 
es  die  alte  spräche,  so  wäre  freilich  das  lat.  capsa  kutschkasten  (Paulus  aus 
Festus)  in  erwägung  zu  ziehen. 

Ghaland  fr.  plattes  boot  zum  waarentransport,  früher  auch  ein 
kriegsfahrzeug,  altfr.  kaland,  chalandre,  dUcat.  xelandrin  Chr.  cCEscl. 
589*,  nüat.  chelandiam,  cheljnda,  zalandria,  mgr.  xelavdiov.  Diese  art 
van  schiffen  war  besonders  bei  den  Byzantinern  üblich  (Ducange  s.  v.  che- 


542  ILc.   CHALONGE-CHAORCIN. 

landium),  vielleicht  entstellt  aus  %ih)ÖQog  Wasserschildkröte,  wasserschlange. 
Sofern  unter  chaland,  sp.  calan,  eine  person,  der  künde  des  kaufmannes, 
verstanden  wird,  ist  es  schwerlich  ein  anderes  wart:  man  verglich  ihn  mit 
dem  die  waaren  abholenden  boot,  vgl.  barguigner  von  barca.  Dagegen 
leitet  es  Gaseneuve  aus  calo  packknecht,  in  besiehung  auf  eine  steile  bei 
Papias  calones  'negotiatores,  naviculae. 

Chalonge,  chalenge  altfr.,  calonja  pr.  läugnung,  bestreitung  eines 
anspruchs,  vb.  chalongier,  calonjar,  gleichbed.  alisp.  calofia,  calonar  (pora 
caloniar  el  tuerto  Cal.  e  D.  p.  31*),  engl,  challenge ;  von  calumnia  falsche 
beschüldigung,  ctiicane. 

Chaloupe  fr.,  daher  sp.  chalupa,  it.  scialuppa,  ein  kleines  fahr- 
zeug  zum  rudern,  das  gewöhnlich  einem  großen  schiffe  anhängt.  Gleicher 
bedeutung  ist  ndl.  sloep  (f.),  engl,  sloop,  schwed.  slup  (m.),  und  hieraus 
könnte  das  franz.  wort  entstellt  sein,  dessen  regelrechte  form  seloupe  oder 
auch  saloupe  wäre;  das  engl,  shallop  leiten  die  einheimischen  etymologen 
selbst,  und  wohl  mit  recht,  aus  chaloupe.  Zu  "vergleichen  ist  für  das 
letztere  auch  ältfr.  escalope  Schneckenhaus  Buteb.  II,  215,  nach  ChevdUä 
1,  423  vom  ndl.  scholp  tnuschclschale:  daß  sich  die  bedd.  muschd  und  schiff 
berühren,  ist  bekannt. 

Chalumeau  für  chalemeau,  alt  chalemel,  pr.  caramel,  sp.  cara- 
millo  rohrpfeife,  Schalmei;  von  calamus,  schon  in  den  Gasseier  glossen 
mit  1  calamel. 

Chamade  fr.  zeichen  durch  trommd  oder  trompete  zur  Übergabe 
einer  festung  an  den  feind;  vom  pg.  chamada  ruf,  dies  von  chamar  = 
lat.  clamare. 

Champignon  fr.  ein  eßbarer  schwamm;  eigentl.  feldschwamm,  von 
campus,  agaricus  campestris  Linne,  it.  campignuolo. 

Chance  fr.  Würfelspiel,  glücksfaU,  altfr.  cheance,  vom  vb.  cheoir,  lat. 
cadere,  fallen  (mit  beziehung  auf  dm  würfet),  mhd.  schanze,  ital.  cadenza/f. 

Chancir  fr.  schimmeln;  von  canescere,  sp.  canecer.  Norm,  chanir 
von  canere.   Altfr.  canuir  grau  werden  DMce.  224, 15  gleichsam  canutire. 

Chantepleure  fr',  trichter  zum  durchseihen,  früher  gießkanne;  von 
fr.  chanter  und  pleurer:  sie  singt  und  weint,  sie  macht,  tropfen  sprühend, 
ein  geräusch  (Menage).  Daß  die  gießkanne  singen  soll,  ist  etwas  wunder- 
lich und  es  liegt  in  chante  wahrscheinlich  eine  umdeutung;  man  sehe  bei 
Frisch  und  Scheler.  Darnach  gebildet  it.  sp.  cant-implora  kühlgefäß 
(plorare  fehlt  hier). 

Chaorcin  pr.  Wucherer,  nUat.  caorsinus,  caturcinue,  cawarsinus, 
dtsch.  kawartsch,  gawertsch,  kauwerz.  Die  hcrleitung  aus  dem  dtschen 
gau-täuscher  s.  v.  a.  landbetrüger  (Frisch  I,  505*)  oder  aus  campsor 
Wechsler  (Hüllmanns  Städtewesen  II,  44)  ist  ohne  dien  etymologischen 
werth:  das  wort  paßt  nur  zu  dem  völkernamen  cadurcinus,  pr.  caoref, 
chaoref  einwohner  von  CaJiors,  und  so  verstand  es  bekanntlich  schon  Dante, 
indem  er  diese  stadt  zum  sitz  des  wuchers  machte :  e  perö  lo  minor  giron 
ßuggella  del  segno  suo  e  Sodoma  e  Caorsa  Inf.  11,  49.  Nach  Ducange 


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ILc.   CHAPLER— CHARIVARI.  543 

aber  waren  die  eadnreini  italienische  kaufleute  zu  Cahors,  später  nach 
Montpellier  und  Nimes  versetzt.  Watsch  Tyrol  kennt  noch  jetzt  den  aus- 
druck  siori  (signori)  dal  caorz  arme  krämer  (bei  Azzolini). 

Chapler,  chapeler,  chaploier  altfr.,  pr.  chaplar  Fer.  4146  einhauen, 
sbst.  pr.  chaple,  daher  altfr.  chapleYs,  pr.  chapladis  niederhauung;  von 
capnlns  degengriff,  degen,  mlat.  capulare  abschneiden  L.  Sai.  und  Burg. 
Oder  ist  es  gleicher  herhunft  mit  dem  folgenden  worte? 

Chapuiser  altfr.,  capuzar  pr.  abhauen,  zerhauen;  sbst.  chapuis 
Zimmermann,  von  Nicot  ofe  mundartlich  erwähnt.  Das  etymon  liegt  zur 
hand:  es  ist  capus,  capo  verschnittener  hahn,  daher  das  nur  im  Südwesten 
vorhandene  vb.  capar  verschneiden,  tnhd.  kappen.  In  seiner  ableitung  aber 
entspricht  das  franz.  wort  dem  it.  tagli-uzzare  und  scheint  dem  synony- 
men men-ui8er  angebildet.  Eine  ähnliche  ableitung  chant-user  aus  chanter 
Bau  II,  p.  122. 

Ghaque  fr.,  cac  pr.  pronomen.  Es  trifft  in  seiner  bedeutung  mit 
quisque  zusammen;  da  aber  betontes  i  nicht  zu  a  wird,  so  darf  man  an- 
nehmen, daß  es  von  der  zss.  chac-un  =  quisque  unus  abgetrennt  und 
selbstständig  ward  wie  das  span.  cada  sich  von  cada-uno  trennte,  oder 
wenigstens  daß  chacun  auf  seine  form  einwirkte.  Diese  form  findet  sich 
im  pr.  quec-s  für  das  harte  quesc-s,  worin  der  erste  sauselaut  behandelt 
ward  wie  in  tristis  trits,  d.  h.  austreten  mußte;  im  comask.  ciasche  be- 
hauptete sich  8.  Dem  buchstaben  nach  stimmt  cac  allerdings  genauer  zum 
gleichbed.  ir.  cäch,  altgael.  ceach,  die  form  quecs  aber  entschieden  zu 
quisque,  und  wer  möchte  in  solchen  berührungen  den  Vorzug  der  lat. 
Sprache,  zumal  in  grammatischen  Wörtern,  bestreiten?  auch  steht  in  cäch 
c  für  p,  vgl.  altkymr.  paup,  com.  peb,  bret.  pep  Zeuß  1,  279.  S.  auch 
ciascuno  und  cadauno  I. 

Ohara  de  fr.  silbenräthsel.  Der  endung  nach  fremdes  Ursprungs, 
und  doch  fehlt  es  im  ital  und  span.  Neupr.  charado  =  it.  ciarlata  heißt 
geplauder,  im  franz.  vielleicht  in  cwortgetändeV  übergegangen,  woraus  die 
gegenwärtige  bedeutung.  Aber  genauer  trifft  den  sinn  Hofmanns  herlei- 
tung  aus  dUfr.  charaie  Zauberspruch  (anm.zu  Jourdain),  etwas  in  dunkel 
gehülltes:  wegen  der  endung  in  char-ade  wäre  alsdann  noch  das  verbum 
en-char-auder  zu  vergleichen. 

Charivari  fr.  polterabend,  katzenmusik,  mlat.  charivarium,  chal- 
varicum,  altfr.  caribari,  chalivali,  pie.  queriboiry,  dauph.  chanavari, 
neupr.  taribari  u.  a.  formen  (etwa  seit  dem  14.  jh.).  Ursprünglich  galt 
das  charivari  dem  der  zur  zweiten  ehe  schritt :  wie  der  eintritt  des  paar  es 
in  das  brautgemach  sonst  mit  den  tönen  der  harfe  begleitet  ward  (quae 
clamorem  Virginia  possent  impedire  Ältd.  Matt.  II,  276),  so  hier  mit 
unharmonischem  geklirr  und  geJdapper.  Denselben  gebrauch  drückt  der 
Spanier  mit  cencerrada,  von  cencerro  schelle,  der  Gatedane  mit  dem 
gleichbed.  esquellotada  aus.  Die  etymologie  ist  schwer  zu  ergründen,  das 
wort  scheint  ober  zusammengesetzt,  der  erste  (heil  dem  zweiten  durch  den 
reim  angebildet,  denn  dieser  zweite  tritt  auch  in  andern  Zusammensetzung 


544  ILc.   CHARMA-CHATOUILLER. 

gen  a/uf,  z.  b.  in  dem  jagdruf  ourvari,  hourvari,  in  dem  pic.  norm,  champ. 
genf.  boulevari  verworrenes  geschrei,  getöse,  in  dem  piem.  zanzivari  ge- 
gurgelt in  dem  norm,  varivara,  in  dem  bürg,  virvaris  od&r  chw.  virivari 
(das  freilich  an  unser  Wirrwarr  erinnert,  it.  biribara,  maü.  tiribara). 
Der  prov.  ausdruck  ist  caravil,  der  norm,  mit  einer  andern  Zusammen- 
setzung carimallot.  Zu  erwägen  ist  das  gleichbed.  wallon.  pailtege,  eigenÜ. 
pfannengeklirr,  von  paill  =  fr.  poele,  entsprechend  champ.  houlevari,  von 
houle  topf  woraus  hourvari  entstellt  scheint.  Diese  letzteren  beispiele 
berechtigen  vielleicht  in  dem  ersten  worte  von  chari-vari  das  tot.  calix 
zu  vermuthen,  wobei  die  form  chali-vali  in  anschlag  kommt.  Das  glossar 
von  Lille  p.  10h  (24)  übersetzt  chalivali  einmal  mit  morganicum  morgengabe, 
was  keiner  erUärung  bedarf,  dann  mit  larnacium  von  laQval;  kapsei, 
urne  u.  dgl.:  sollte  die  letztere  bildung  das  geklirr  mit  gefäßen  aus- 
drücken? Eine  Zusammenstellung  der  verschiedenen  deutungen  s.  bei  Menage, 
vgl.  auch  Huydecoper  zu  M.  Stoke  II,  143—147,  besonders  aberPhiUipps 
über  die  katzenmusiken  1849,  worin  eine  große  menge  formen  gesammelt 
und  mehrere  deutungen  versucht  sind.  Auch  Dante9 s  earibo  Purg.  31, 132 
ist  aus  charivarium  gedeutet  worden,  s.  die  ausgäbe  von  Costa  und  Bianchi. 
Charme  dltfr.  (m.)  zauberlied,  Zauberformel  (il  dit  un  charme  que 
il  avoit  aprins  Gar.  II,  104),  nfr.  zauber,  charmer  bezaubern,  dltfr. 
charmeresse  zauberin;  von  Carmen  lied,  Zauberformel,  carminare  ein  lied 
dichten,  bei  Sidonius,  bei  späteren  wie  Hincmar  s.  v.  a.  charmer.  Dem 
mlat.  carminare  entspricht  unser  ahd.  garminön,  germenon  'incantare* 
und  aus  letzterer  form  ist  das  maxi,  in-germä  für  ingerminä  (wie  nomare 
von  nominare).  Hier  drängen  sich  uns  noch  einige  andre  mit  char  an- 
hebende Wörter  derselben  begriffssphäre  auf,  wie  charraie,  charaie,  char- 
roie  Zauberei,  charroieresse  zauberin,  encharauder,  norm.  enquärauder 
bezaubern.  Sie  deuten  zunächst  auf  carrus  und  man  erinnert  an  einen 
Volksglauben  vomm  wagen  des  königs  Artus  u.  dgl.  Prosaischer  genommen 
können  sie  gleichfalls  in  Carmen  ihren  Ursprung  haben,  wenn  man  an- 
nimmt, daß  sich  ein  ausfall  des  m  nach  r  ereignet  hätte,  wie  dies  in 
dortoir  oder  fertä  unzweifelhaft  vorliegt.  Sie  bedürfen  indessen  noch 
einer  umfassenden  Untersuchung,  in  welche  auch  das  spättot.  caragius,  die 
rom.  carait,  carin  u.  a.  hineingezogen  werden  dürften. 

Charme  fr.  (m.)  Weißbuche,  in  Berry  charne,  henneg.  carne;  von 
carplnus,  gewöhnlich  carplnus  bezeichnet,  mlat.  c&rpenus  Gloss.  bei  Hat- 
temer  1,  292,  Gloss.  seiest.  39,  240,  Sumerlaten  4a.  65b,  it.  cirpino, 
wal.  cArpin,  sp.  carpe. 

Charpie  fr.  gezupfte  leinwand;  particip  des  dltfr.  vb.  charpir,  üb- 
licher in  escharpir,  descharpir,  tot.  carpere.    Auch  it.  carpia. 
Charte,  chartre  fr.  (f.)  Urkunde;  von  Charta,  chartula. 
Chart re  cdtfr.  (f.)  gefängnis;  von  carcer  (m.),  sp.  carcel  (f.),  U. 
carcere  (c). 

Chätier  fr.  züchtigen;  von  castigare,  it.  gastigare  ff. 
Chatouiller  fr.  kitzeln,  neupr.  gatilhar;   von  catulire  kitzel  em- 


IL  c.   CHAUFFER-CHEF.  545 

pfinden  (eigentl.  brünstig  sein,  von  jungen  thieren,  catulis,  gebraucht), 
umgebildet  in  catuliare  {vgl.  cambire,  cambiare)  und  vielleicht  eben  durch 
diese  Umbildung  faetitiv  geworden.  Grandgagnage  s.  v.  catt  stimmt  für 
das  formdl  entferntere  ags.  citelan,  ndl.  kittelen;  aber  auch  andre  formen, 
wie  sicä.  gattigghiari,  wal.  gedili,  bürg,  im  Jura  gatailli,  lothr.  gattiä, 
piem.  gatie,  vertragen  sich  besser  mit  dem  lat.  worte.  Bemerkenswerth 
ist  noch  pr.  castiglar  *  digitum  ponere  sub  ascella  alterius  ad  provocandum 
ludum  G.  Frov.  29. 

Chauffer  fr.,  calfar  pr.  heizen,  erhitzen,  zsgs.  öchauffer,  escalfar, 
letzteres  auch  cot.;  von  caifacere,  excalfecere,  welche  man  zur  1.  conjug. 
zog,  wozu  das  pr.  far  =  facere  den  weg  zeigte:  dasselbe  Schicksal  hatte 
unter  andern,  selbst  im  ital.  und  span.,  restare.  Calfar  beschränkt  sich 
auf  das  nordwestlidie  gebiet:  gemeinromanisch  ward  das  seltene  lat.  ex- 
caldare,  it.  scaldare,  sp.  cot.  escaldar,  churw.  scaldar,  pr.  escaudar, 
fr.  ächauder,  wal.  sceldä.  —  [Es  liegt  kein  dringender  grund  vor  zur  er- 
Märung  von  calfar  ein  neues  erst  von  einem  deutschen  Schriftsteller  des 
12.  jh.  gebrauchtes  calificare  zu  citieren,  welches  übrigens  califier  ergeben 
haben  würde.] 

Chaume/r.  (m.)  Stoppel,  Stoppelfeld,  daher  chaumiere,  chaumine 
strohhütte;  von  calamus.  Man  merke  aus  einem  alten  deutschen  glossar 
die  form  cauma  *rdr  Sumerlaten  66°.  Derselben  herkunft  ist  mlat.  calma, 
schon  in  einer  Urkunde  von  627 :  vineas  deplan tassent  aut  calmas  ru- 
pissent;  es  ist  aber  hier  in  ein  anderes  genus  ausgewichen  gleich  dem 
venez.  calma  pfropfreis. 

Chaupir,  caupir  pr.  sich  eines  dinges  bemächtigen,  es  ergreifen; 
vom  goth.  kaupön,  ahd.  chaufan,  nhd.  kaufen.  Die  Verwandtschaft  von 
nehmen  und  kaufen  zeigen  auch  emere  und  acheter. 

Chauve-ßouris  fr.  fledermaus,  eigentl.  kahle  maus,  weil  das  thier 
unbefiederte  flügd  hat.  Aber  Grandgagnage  1,  154  vermuthet  darin  eine 
umdeutung  von  choue-souris  s.  v.  a.  souris-hibou  maus-eule,  da  die  wallon. 
formen  chawe-sori,  chau-sori,  chehau-sori  auf  diese  Zusammensetzung 
führen,  was  allerdings  beachtung  verdient-;  auch  die  pic.  formen  cas-seuris 
und  cate-seuris  lassen  sich  in  cave-seuris,  cavette-seuris  zerlegen,  s.  unten 
choe.  Der  lothr.  ausdruck  ist  bo-volant  fliegende  kröte,  der  prov.  soritz- 
pennada,  rata-pennada,  auch  sard.  ratä-pignata  =  /fe<fer-wtaws,  derlimous. 
pisso-rato  (f.). 

Chavirer  fr.  umschlagen  (von  schiffen);  zsgs.  aus  caput  und  virare 
mit  dem  köpf  untenhin  kommen.  Der  Italiener,  dem  virare  fehlt,  sagt 
dafür  capo-volgere,  capo-voltare. 

Chef  fr.  haupt,  Oberhaupt,  sp.  xefe;  von  caput.  Daher  vi.  chevir 
(chavir  s.  Gachet  88*),  pr.  chabir  zum  ziele  kommen,  altfr.  venir  ä  chief : 
denn  chief^  pr.  cap,  bedeutet  endpunet  sowohl  wie  anfangspunet,  de  chief 
en  chief  von  anfang  bis  zu  ende,  rechief,  rechap  Wiederanfang.  Von 
chevir  ist  chevance  nutzen;  aus  dem  franz.  eingeführt  scheint  it.  civire 
beendigen,  besorgen,  civanza.    Hieher  auch  fr.  chevet  kopfküssen  u.  a.  m. 

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546  ILc.   CHELME— CHIEN. 

C heim e  (geheime)  altfr.  Unruhstifter,  rebell;  vom  dtschen  sehelm, 
so  Dict.  de  TrSv.,  Roquef. 

Chenapan  fr.,  später  aufgenommenes  wort,  das  deutsche  schnapp- 
hahn,  welches  zuerst  1494  vorzukommen  scheint. 

Chene  fr.  (m.)  eiche,  alt  ehesne,  mundartl.  quesne,  prov.  mit  a 
easser  (m.)  für  easne  wie  Roser  für  Rosne  von  Rhodanus,  gase,  easso 
(m.),  bearn.  cassourra,  mlcti.  casnns.  Adelung  u.  a.  halten  das  wort  für 
celtisch,  ohne  ein  passendes  etymon  aus  dieser  spräche  nachzuweisen. 
Vielleicht  läßt  sich  aber  auch  dieses  wort,  wie  so  manches  vermeintlich 
cdtische,  dem  latein.  demente  zuführen.  Das  it.  quercia  mit  ders.  bed. 
(II.  a)  ist  vom  adj.  quereeus.  Ein  zweites  adjeetiv  von  quercus  ist 
quernus,  ein  früheres  quercinus  =  it.  quercino  voraussetzend,  das,  in 
quercus  und  durch  üblichen  ausfall  des  r  vor  Sibilanten  in  quesnus  ver- 
kürzt, das  altfr.  quesne,  ehesne,  das  pr.  easne  oder  easser  ergab :  die- 
selbe darstellung  des  lai.  qu  vor  e  oder  i  durch  fr.  eh  zeigt  chaseun  von 
quisque. 

Chäneau  fr.  dachrinne;  von  canalis. 

Chenet  fr.  feuerbock  zum  auflegen  des  hohes  im  iamin;  voncanis, 
weil  er,  so  sagt  man,  hundefüße  hat;  so  occit.  cha-fuec  feuerhund? 

Chenille  fr.  raupe,  pr.  eanilha  *unus  (l.  vermis  mit  dem  herausg.) 
comedens  dura'  GProv.  63* ,  also  wohl  holzwurm.  Man  dürfte  catenula 
oder  eigentlich  catenicula  geltend  machen  wegen  des  aus  einzelnen  ringen 
zusammengesetzten  körpers,  wäre  diese  anschauung  nicht  zu  anatomisch; 
und  so  ist  die  deutung  aus  canicula,  in  so  fern  manche  raupenköpfe 
eine  ahnlichkeit  mit  hundeköpfen  haben,  vorzuziehen,  wobei  man  sich  auf 
das  tnail.  ean  oder  cagnon  Seidenraupe  (hund)  berufen  kann.  In  lombard. 
mundarten  heißt  die  raupe  gatta,  g&ttola,  was  doch  wohl  kotze  bedeuten 
soll,  im  port.  heißt  sie  lagarta  eidechse,  also  verschiedene  anschauungen. 

Chevetre  fr.  (m.)  halfter;  von  capistrum,  it.  capestro. 

Chevron  fr.,  pr.  cabrio,  cabiro  spätren,  auch  sp.  cabrion,  eaviron 
holzblock;  eigentl.  bock,  worauf  etwas  ruht,  eapreolus,  von  caper,  wal. 
eafer  in  derselben  anwendung.  Ein  sehr  altes  Zeugnis  für  das  franz.  wort 
ist  eapriuns  Gl.  cass. 

Ghez  fr.  präposition  für  lat.  apud,  abgekürzt  aus  en  ehez  =  altsp. 
en  eas  cim  hause'  (qui  en  chiäs  li  ira  Ruteb.  I,  32);  von  lat.  easa,  dem 
die  declinationsendung  als  überflüssig,  wie  dem  lat.  gutta  im  lomb.  nagott, 
entzogen  ward.  Aus  derselben  anschauung  gieng  hervor  die  gleichbed. 
altn.  präp.  hiä  von  h!  wohnung,  so  wie  die  dän.  hos  zusammenhängend 
mit  hüs  haus,  s.  Grimm  II,  756,  III,  178.  268,  und  in  Haupts  Ztschr. 
VII,  467.  Das  prov.  wort  ist  ab,  doch  findet  sich  chaz  auch  als  gällicismus. 

Ghien  fr.  hund,  ehienne  hündin;  von  canis.  Die  lat.  sähe  an  er- 
gibt regelmäßig  fr.  ain  (panis  pain,  manus  main) :  wie  gelangte  man  hier 
zum  diphthong  ie?  In  mundartlichen  formen  desselben  Wortes,  wie  wall. 
chein,  lothr.  chei,  auch  pr.  eben,  ehin  fand  er  sich  nicht  ein.  Die  ital. 
Wörter  sind  masc.  cane,  fem.  aber  eagna,  und  dieses  gn  geben  auch  die 


II.  c.  CHIFFE-CHOE.  547 

meisten  neübildungen  dieser  spräche  zu  erkennen,  wie  cagnaccio,  cagnazzo, 
cagnesco,  cagnotto,  cagnuccio,  cagneggiare  u.  s.  f.  Auch  im  prov.  lautet 
das  masc.  gewöhnlich  can,  das  fem.  canha,  überdies  kommt  ein  adj.  canh, 
canha  vor  in  la  gen  canha  (schwerlich  für  la  gen  de  canha).  Dem  prov. 
subst.  canha  entspricht  ferner  auf  franz.  boden  ein  picard.  sbst.  caigne 
(e.  b.  Aye  d9  Av.  p.  63).  Dieses  die  stelle  des  reinen  n  einnehmende  er- 
weichte n  läßt  sich  nur  mit  einem  lat.  ne  oder  ni  vergleichen,  so  daß 
canha  auf  ein  unvorhandenes  canea  zurückzuführen  wäre,  wobei  man  an 
caper  caprea  erinnern  dürfte.  Es  ist  ein  ähnlicher  Vorgang,  wenn  der 
Provenzcüe  aus  plan  sbst.  ein  fem.  planha  ableitete.  Man  erzwang  also 
eine  bequeme  weibliche  form,  weil  man  derselben  bedurfte.  Der  Franzose 
schlug  einen  andern  weg  ein,  um  eine  solche  zu  gewinnen:  er  übertrug 
sein  suffix  ien  ienne  auf  den  ursprünglichen  namen  chan,  dessen  radiccde 
endung  er  in  dem  suffix  aufgehn  ließ. 

Chiffe  fr.  schlechtes  dünnes  tueh,  chiffon  lumpen,  pic.  chifer,  fr. 
chiffonner,  champ.  chifouiller  zerknüllen;  piem.  cifogn  =  chiffe,  cifognfe 
=  chiffonner,  Grandgagnage  vermuthet  Identität  von  chiffonner  mit 
wdllon.  cafongnt,  das  dieselbe  bedeutung  hat,  dsgl.  von  chiffon  mit  wallon. 
cafu  wertMose  sache  (champ.  cafut),  vom  ndl.  (undmhd.)  kaf  spreu:  nur 
würde  man  die  franz.  form  besser  zum  ahd.  kevä  Graff  IV,  370  ordnen, 
da  e  leichter  zu  i  wird  als  a.  Hiermit  lassen  sich  sinnverwandte  zum 
theil  nicht  mehr  übliche  Wörter  mit  p  für  f  verbinden,  wie  chippe  s.  v.  a. 
chiffon  G.  Guiart  p.  28,  chipe  (auch  chife  norm.)  runken  brot,  chipper 
in  stücke  schneiden  =  engl,  chip,  chipot  kleinigkeit,  chipoter  sich  mit 
kleinigkeiten  abgeben,  chipault  lumpenkerl  u.  dgl.  m. 

Chignon  fr.  genick,  altfr.  chaaignon,  chaignon  für  chaignon,  das 
sowohl  glied  einer  kette  wie  genick  bedeutet ;  von  chaine  (altfr.),  lat.  catena. 
Noch  Nicot  kennt  chainon  d'une  chaine  ring  einer  kette  und  chainon  du 
col  wirbelbein  des  halses  d.  h.  genick,  occit.  cadena  daou  col.  —  Gleich- 
bedeutend mit  chaignon  ist  altfr.  chaon,  caon  z.b.  pendre  par  le  chaon 
Oayd.  p.  141;  nicht  etwa  aus  ersterem  syncopiert,  sondern  von  cavus,  die 
hohlung  unter  dem  hinterhaupte,  die  nackengrübe. 

Chippe  =  chiffe,  s.  oben. 

Choe  altfr.  Bert.  (Seh.  v.840),  pic.  cave,  pr.  cau,  chau  'bübo*  LR. 
Vl>  9  uhu.  Daher  fr.  chouette,  pic.  cavette  kauz  (kleiner  uhu),  hieraus  ent- 
lehnt it.  ciovetta,  civetta,  venez.  zovetta,  wal.  ciovfce;  dsgl. pic.  cawan, 
in  Anjou  chouan,  in  Berry  chavant,  pr.  chauana,  bret.  kaonan,  schon 
dem  früheren  mlatein  bekannt:  cauani  €ululae  aves>  Gl.  erford.  p.  283b, 
strix  vel  cauanna  Gl.  Älfrici,  noctua  corvus  nocturnus  vel  cauannus  Gl. 
aug.  Bz.  Franz.  chat-huant  eule  (höhnende  kotze)  ist  vielleicht  nur 
eine  umdeutung  von  chouan,  doch  kommt  auch  das  einfache  huant  vor: 
les  leua  oy  ulier  et  li  huans  hua  Bert.  p.  41  (Seh.  v.  705).  Desselben  Stam- 
mes scheint  der  name  eines  andern  vogels,  pr.  caucala,  fr.  choucas 
nebeücrahe,  auch  sp.  chova,  das  ganz  zu  altfr.  choe  stimmt,  dsgl.  sp. 
choya,  engl,  chowgh,  vgl.  in  einem  lat.-dtschen  glossar  Hattemer  I,  290h 


548  II.c.   CHOISIR— CLAP. 

chuvue  Hacha  (dohle).  Der  stamm  mag  deutsch  sein:  mhd.  chouh  ende 
s.  Grimm  P,  178,  ein  vogel  cauha  findet  sich  L.  Alam.  99,  13;  vgl.  ndl. 
kauw  krähe,  engl,  kaw  krächzen. 

Choisir  fr.,  pr.  causir,  chausir,  daher  entlehnt  altit.  ciausire,  alipg. 
cousir  Trov.  p.  268.  303,  altsp.  cosido  adj.,  altpg.  cousimento  =  pr. 
causimen,  esgs.  pr.  escausir,  cdtcat.  scosir  Chr.  d'Escl.  717b  wählen,  unter- 
scheiden, sbst.  fr.  choix,  pr.  causit  wohl;  vom  goth.  kausjan  prüfen, 
dmufiatyiv,  vgl.  wegen  des  lautüberganges  fr.  Choisy  aus  Causiacum.  Oder 
entsprang  causir  nicht  vielmehr  vom  goth.  kiusan,  das  auch  im  hochd. 
vorhanden  ist  (kiosan,  kiesen)?  die  dem  iu  oder  io  verwandten  diph- 
thonge  eu,  eo  gestalten  sich  auch  sonst  prov.  zu  au,  *.  b.  lat.  rheuma  eu 
rauma,  leopardus  eu  laupart;  allein  die  regelrechte  form  wäre  in  diesem 
falle  eher  causar  als  causir  gewesen,  s.  Rom.  gramm.  II,  393. 

Chopine  fr.  ein  maß  für  flüssigkeiten,  hauptsächlich  wein,  schon 
bei  Oliv.  Basselin,  kenne g.  chope;  vom  dtscJien  Schoppen.  Daher  chopiner 
schoppdn. 

Cierge  fr.  (m.),  pr.  ciri  Wachskerze,  auch  sp.  cirio;  vom  gleichbed. 
cereus,  gesprochen  cerius,  fr.  g  aus  i.  Auch  unser  kerze  kommt  von 
cera,  zunächst  wohl  von  cerata. 

C  in  gl  er  fr.  geissein;  nach  Huet  von  cingulum  gürtel  als  Werkzeug 
des  geisselns  verstanden.  Die  form  müßte  picardisch  sein,  in  welcher  mund- 
art  singler  für  sangler  gilt.  In  Berry  ist  sillon  die  UUe  an  der  peitsche. 

Gisemus  altfr.  Chev.  au  Hon  in  Romvart  p.  661;  ist  unverändert 
das  ahd.  zisi-müs,  ags.  sise-müs,  nilat.  cisimus,  nhd.  ziselmaus.  Ebenso 
das  feil  derselben:  un  cort  mantel  ot  desus  d'escarlate  et  de  cisemus 
Chev.  de  la  charr.  v.  4682. 

Ci?e,  ciyette  fr.  Schnittlauch;  von  caepa  ewiebd. 

Civifere  fr.  tragbahre  e.  b.  für  steine  oder  mist,  aber  selbst  für 
heilige  bilder,  rdiquien  oder  das  geweihte  brot  (R.  Stephanus,  Nicot, 
Menage),  venee.  civiera,  maü.  scivera  in  ersterer  bed.;  dsgl.  it.  civöo 
und  civäa  schleife  oder  Schlitten  mit  einer  flechte.  Das  spätere  mlatein  gab 
diesen  Wörtern  in  dem  esgs.  coeno-vehum  mist-fuhre  ihre  deutung.  Sie 
sind  noch  näher  eu  untersuchen. 

Claie  fr.,  alt  cloie,  pr.  cleda  flechtwerk,  hürde,  mlat.  clida  L. 
Bajuv.,  Capit.  ad  L.  Alam.  etc.,  clia  Gl.  Jlfr.,  dimin.  cletella  Greg. 
Tur.  Dem  werte  wird  mit  recht  celtischer  Ursprung  euerkannt.  Buch- 
stäblich identisch  mit  der  vorauseuseteenden  form  cleta  ist  das  gleichbed. 
altirische  cliath,  kymr.  clwyd  (ir.  ia  =  kymr.  wy  =  urspr.  e)  und  auch 
die  roman.  formen  fügen  sich  in  langes  e,  s.  Zeuß  I,  21.  114.  186,  Dief. 
Goth.  wb.  II,  636,  wo  auch  die  weite  Verzweigung  dieses  wortstammes 
verfolgt  wird. 

Clamp  fr.  (m.)  klammer  fTrev.),  wcdlon.  clamm  (f.)  norm,  ac- 
clamper  anheften;  vom  altn.  klampi,  mhd.  klampfe  klammer. 

Clap  pr.  häufe,  masse,  clapiera,  altfr.  clapier  dass.,  aclapar  auf- 
häufen; nach  laut  und  begriff  das  kymr.  clap,  clamp  masse. 


ILc.   CLAPIR -CLOCHE.  549 

Clapir  fr.  (nur  reflexiv  se  clapir)sicÄ  verkriechen  (von  kaninchen); 
stimmt  eum  lat.  clepere  stehlen,  se  clepere  sich  verbergen,  wird  aber 
von  Ducange  auf  ntlat.  clappa  (falle)  zurückgeführt.  Daher  clapier 
kaninchengang. 

Claque  fr,  klaps  mit  der  hand,  vb.  ciaquer;  schallwort,  tnhd.  klac 
kroch,  ndl.  klakken  klatschen,  vgl.  cot.  claca  geschwätzt  norm,  claquard 
plauderhaft. 

C ligner  fr.  blinzen,  pic.  altfr.  cliner,  clinner Ren.  I,  68,  sbst.  clin 
Fer.  p.  174* ,  nfr.  clin  d'oeil;  von  clinare  neigen.  Das  neufr.  wort  ver- 
räih  eine  auch  sonst  bemerkbare  formverstärkung :  altfr.  crigne  für  crine, 
nfr.  harpigner  von  harpin.  Aber  altfr.  clin  gier  verlangt  eine  abl. 
clinicare. 

Clinche  fr.  (Triv.),  norm,  clanche,  champ.  wallon.  cliche,  altfr. 
clenque  Ruteb.  I,  341,  pic.  cliquet  Hegel,  der  sich  hebt  und  senkt,  vb. 
pic.  acliquer;  vom  nhd.  klinke,  ndl.  klink. 

Clinquant  fr.  rauschgold,  clincaille  metallner  hausrath,  entstellt 
tnquincaille  kurze  waaren,  vb.  requinquer  aufputzen;  vom  ndl.  klinken 
klingen.  Doch  nähert  sich  clinquant,  welches  lothr.  clinclant,  neupr. 
clinclan  lautet,  mehr  unserm  klingklang. 

Clique  pic.  klaps,  klatsch,  cliquer  Maischen,  vgl.  NFC.  J,  309, 
nfr.  cliquet,  cliquette  (wofür  wallon.  clakett  von  claque)  klapper,  cliqueter 
klappern.  Schallwörter  wie  unser  klick  Frisch  I,  523*,  ndl.  klikken  u.  dgl. 
Wie  kam  aber  clique  zur  eigentlich  franz.  bed.  rotte?  Oder  sollte  es  in 
diesem  sinne  wirklich  das  ahd.  gilthho  (min  gilihho  meines  gleichen),  ndl. 
gelijk  vorstellen?  Vgl.  auch  wallon.  quilike,  quilite  reihe,  worin  aber 
Grandgagnage  das  ndl.  gelid,  nhd.  glied  erkennt. 

Clisse  fr.  nebst  Melisse,  altfr.  clice,  eselice  schiene,  gespaltener 
zweig  u.  dgl.;  vom  ahd.  kliozan  spalten,  i  aus  io  wie  in  quille  aus  kiol 
—  oder  unmittelbar  von  dem  subst.  klitz  spieß  (stange?)  Frisch  I,  624*, 
altfries.  kleteie? 

Cliver  fr.  spalten,  ein  wort  der  steinschneidekunst;  vom  deutschen 
klieben  oder  engl,  cleave. 

Cloche,  der  franz.  ausdruck  für  das  südliche  weit  ältere  campana, 
pr.  cloca,  clocha,  selbst  piem.  com.  cioca,  wlat.  clocca,  cloca  (8.  jh.); 
vb.  altfr.  clocher,  pr.  clocar  läuten.  Auch  außerhalb  des  roman.  gebietes: 
ags.  cluege  (f.,  8.  jh.),  nord.  klucka,  ahd.  clocca  (9.  jh.),  gewöhnlich  mit 
anlautender  media  glocca  {vgl.  in  derselben  mundart  glagön  für  klagdn, 
globo  für  klobo),  auch  glogga;  dsgl.  ir.  clog  (m.),  kymr.  doch.  Von 
seiner  ähnlichkeit  mit  einer  glocke  hieß  ein  reiserock  oder  mantd  mlat. 
clocca,  altfr.  cloche,  woher  engl,  cloak  (Ducange).  Die  herkunft  des 
Wortes  ist  unsicher.  Die  ags.  form  scheint  ein  radikales  u  zu  verlangen, 
aber  oft  entsteht  ags.  u  aus  lat.  oder  rom.  o.  Man  leitet  cloche  z.  b. 
vom  fr.  clocher  hinken  (s.folg.  artikel)  in  beziehung  auf  ihr  hin-  und  her- 
schwanken.  Vom  ags.  cloccan,  engl,  cluck  glucken,  glucksen,  was  der  be- 
deutung  nicht  zusagt.     Vom  ahd.  klochön  schlagen;  besser  wäre  vielleicht 


550  ILc.    CLOP— CODOL. 

kloppen,  auf  roman.  weise  abgd.  cloppicare,  da  der  Walache  clöpot  sagt, 
der  Serbe  klopötar  glockenträger  z.  b.  widder.  Oder  vom  russ.  kölokol' 
gleichbed.  (Rapps  Gramm.  II,  136).  Die  zahlreichen  mit  kl  anhebenden 
schällwörter  deuten  darauf  hin,  daß  es  in  dieselbe  classe  gehört.  Schon 
NotJcer  machte  die  (von  Wackernagel,  Voces  animantium  91  angeführte) 
bemerkung:  rotta  a  sono  vocis,  quod  grammatici  facticium  vocant,  ut 
tintinabulum  et  clocca. 

Clop  aitfr.  pr.  hinkend  {daher  kymr.  cloff),  sbst.  altfr.  clopin, 
clopinel,  engl,  cloping  Halliw.,  vb.  cloper,  clopiner,  nfr.  £clop&  Das 
wort  kommt  früh  vor:  cloppus  %iolbq  Gl.  lat.  gr.,  ut  cloppus  permaneat 
in  einer  hs.  der  L.  Alam.  für  claudus.  Ist  es  von  unserm  klopfen, 
kloppen,  so  daß  es  etwa  das  anstoßen  an  den  boden  ausdrückt?  aber 
klopfen  heißt  mit  einem  stumpfen  Werkzeuge  schlagen,  was  mit  hinken 
nicMs  gemein  hat.  Claudipes,  clodipes,  woran  man  gedacht  hat,  drückt 
die  bedeutung  genau  aus,  aber  besser  als  dies  unvorhandene  empfiehlt  sich 
das  vorhandene  gr.  xwloirrovg,  worauf  Menage  verweist:  es  wäre  nicht  das 
einzige  grieeh.  wort,  welches  Frankreich  erreicht  hätte,  ohne  Itcdien  au 
berühren.  Gleichbed.  mit  cloper  ist  clocher,  pic.  cloquer,  pr. clopchar, 
entweder  zsgz.  aus  cloppicare,  welches  sich  mit  it.  zoppicare  vergleichen 
könnte,  oder  vom  lat.  claudicare,  das  sich  auch  in  dieser  form  im  prov. 
erhielt:  die  Schreibung  clopchar  nähert  das  wort  mehr  dem  ersteren  etymon. 

Co  che  fr.  sau,  daher  cochon  und  wohl  auch  sp.  cochino,  cochastro, 
cochambre.  Goche  soll  früher  das  verschnittene  thier  bedeutet  haben: 
hiernach  wäre  es  identisch  mit  coche  einschnitt,  wie  sich  sp.  carnero  aus 
crena  erklärt,  ja  vielleicht  ist  auch  das  piem.  crina  (sau)  aus  crena  su 
deuten.  Die  herleitung  aus  kymr.  hwch  bei  Wächter  u.  a.  läßt  sich  mit 
nichts  rechtfertigen.  Zu  bemerken  ist  noch  das  wal.  cocfne  saustall,  welches 
nicht  wohl  aus  dem  franz.  abgeleitet  sein  kann,  vgl.  ungr.  kotza,  ittyr. 
kutsitza  sau. 

Co  che  vi  s  fr.  (m.)  haübenlerche,  gleichbed.  pic.  coviot;  ein  wort 
schwieriger  herleitung.  Bemerkungen  darüber  bei  Van  den  Helm  Woord- 
gronding  I,  53.  117,  II,  15;  deutungsversuche  bei  Grandgagnage  v.  co- 
klivi,  Mahn  p.  25  (der  es  für  celtisch  halt).  Vgl.  cotovia  IL  b. 

Coderc  pr.  adj.  angebaut,  bearbeitet,  als  subst.  angebautes  land, 
z.b.  quan  reverdeion  li  conderc;  terras  ermas  e  condrechas  LR.  Über 
dieses  speciell  prov.  wort,  welches  die  franz.  abfassung  des  G.  de  Boss, 
mit  colderc  wiedergibt,  kann  kein  zweifei  sein.  Schon  unter  Karl  d.  gr. 
ist  es  häufig  im  gebrauch^  z.  b.  in  einem  capitular  von  807:  qui  suum 
beneficium  habeat  condrictum  aut  destructum  entweder  bearbeitet  oder 
zu  gründe  gerichtet,  und  später  in  occitanischen  Urkunden.  Es  ist  par- 
ticip  des  gleichfalls  mlat.  con-dirigere  einrichten,  in  Ordnung  bringen, 
daher  bearbeiten,  s.  DC,  so  daß  also  coderc  steht  für  codrec.  An  codeta 
bei  Festus  ist  nicht  zu  denken;  auch  ein  vb.  condergar  *  faire  germer 
LR.  für  conderger  ist  nicht  anzunehmen. 

Cödol  pr.  cot.,   auch  parmes.  creman.  codol,   npr.  codou   harter 


ILc.   COHUE-CONCIERGE.  551 

stein;  besser  von  cos  cotis  als  von  cautes,  da  au  im  prov.  seine  diph- 
thongische gestalt  zu  behaupten  pflegt. 

Cohue  fr.  lärm,  getoühl  (Markthalle  DG.  v.  cohua);  etwa  zsgs.  am 
der  präp.  con  und  dem  vb.  huer  schreien?  Die  mundart  von  Berry  hat 
cahaer  für  haer.  —  [Mahn  p.  124  vermuthet  celtische  herkunft,  bret. 
kochi,  kohuy  cet.  hatte,  man  sehe  das  nähere  bei  ihm  selbst] 

Coiller  altfr.  beerdigen:  ilec  sont  sepelis  et  bellement  coilliäs 
AAvign.  p.  89.  Nicht  identisch  mit  goiler  =  lat.  celare,  welches  weder 
der  Römer  noch  der  Romane  in  diesem  sinne  anwendet,  sondern  vielleicht 
aus  dem  ndl.  kuilen  eingraben,  begraben,  dazu  kuil  grab,  mhd.  kfile, 
niederrh.  kaul  grübe. 

Co  in  fr.  ecke,  winkd,  keil  z.  b.  zum  holzspalten;  von  cnneus,  it. 
conio  ff.,  altfr.  quin.  Abgel.  cogn6e  axt,  bereits  im  CapituL  de  villis 
cap.  42:  unaquaeque  villa  .  .  habeat  .  .  catenas,  cramaculos,  delaturas, 
secures  i.  e.  cuniadas.  Dsgl.  qnignon  ruhken  brot,  für  cuignon,  daher 
sp.  quiäon,  pg.  quinhao  ration,  antheil. 

Golporter  fr.  hausieren;  zsgs.aus  col  porter  die  waaren  am  halse 
herumtragen. 

Gombrer  altfr.  packen,  fassen.  Von  commorari  aliquem  einen  auf- 
halten, hemmen,  daher  festhalten,  wäre  grammatisch  vollkommen  zulässig. 
Besser  aber  leitet  man  es,  unter  Voraussetzung  der  gleichen  begriffsentwick- 
lungf  aus  dem  gemeinrom.  combrus,  womit  ein  in  den  weg  gelegtes  hin- 
dentis,  eine  Hemmung  ausgedrückt  wird,  so  daß  es  derselben  herkunft  wäre 
wie  encombrer;  s.  colmo  I. 

Complot  fr.  heimlicher  böser  anscHag  unter  mehreren  personen,  bei 
Bob.  Stephanus  (1539)  und  Nicot  überh.  Verabredung,  Übereinkunft,  par 
complot  'ex  composito,  compacto,  vb.  comploter  z.  b.  avec  un  tel.  Frisch 
legt  dem  subst.  die  sinnliche  bed.  knäuel  als  die  ursprüngliche  und  als 
eine  noch  übliche  bei  und  erTdärt  es  aus  pelote,  von  pila:  complot  wäre 
hiernach  etwas  zusammengeballtes,  zusammengewickeltes.  Der  ausfall  des 
e  macht  kein  bedenken,  jene  grundbedeutung  aber  ist  nicht  nachweislich. 
Fassender  scheint  ein  anderes  worti  complicitum  complic'tum  s.  v.  a. 
complicatio  Verwicklung,  theilnahtne  (an  einer  bösen  that),  vgl.  das 
spättat.  complex  theilnehmer.  Complot  stände  für  comploit  wie  frotter 
für  froiter. 

Gompote  fr.  eingemachtes  obst;  für  compöte,  it.  composta  d.  i. 
composita,  ndl.  kompost,  mhd.  gompost. 

Ooncierge  fr.  burgvogt,  thürhüter,  kerkermeister,  conchierge  ccon- 
servator  Gl.  de  Lüle  21b  (ed.  Seh.  47),  in  späterem  nüatein  consergius. 
Aus  conservare,  woraus  es  Menage  gewinnt,  konnte  nimmer  conservius 
entstehen,  weil  es  nicht  üblich  ist,  das  suffix  ius  zur  ableitung  aus  verbis 
eu  benutzen.  Labbffs  lat.-dtsches  con-skarjo  (mitscher ge)  aber  verfehlt 
den  sinn  gänzlich.  Rob.  Stephanus  übersetzt  concierge  equi  ha  la  charge 
du  lieu  de  Vexercice  mit  gymnasiarchus  und  hiermit  gab  er  unbewußt 
zugleich  das  etymon  des  franz.  Wortes,   welches  nur  die  erste  silbe  gon, 


552  ILc.   CONGE-COQUIN. 

vielleicht  unter  einwirhing  von  conservare,  mit  con  vertauschte;   $  für  s 
so  wie  rg  aws  rc  oder  rch  sind  bekannt. 

Gong 6  fr.,  pr.  comjat  urlaub,  vb.  altfr.  congier,  von  commeatus; 
nfr.  congödier  vom  it.  congedo,  dies  von  der  altfr.  form  conget 

Consoude/r.  (f.)  wallwurz,  beinwell;  von  consolida,  sp.  consuelda/f. 

Copeau  fr.  span.;  von  coupe  schnitt ,  dies  von  couper.  Oder  ist 
copeau  das  an  cuspiß  mahnende  altfr.  cospel  (auch  coispiau  geschr.)  dorn 
und  dgl.  ?  s.  Trist,  gloss.,  Jongl.  et  trouv.  p.  66,  Ben.  I,  352. 

Coq  fr.  hahn;  naturausdruck  von  der  stimme  des  vogels  entlehnt, 
ags.  coc,  engl,  cock,  wal.  alban.  coctfs,  chw.  cot,  vgl.  die  verba  coqueri- 
quer,  coqueliner,  ndl.  kokelen,  gr.  xoxxvtciv  (mit  dem  perf.  xexoxxviuv 
Aristoph.),  worin  sich  dasselbe  bestreben  ausdrückt,  das  geschrei  oder  die 
stimme  des  hahnes  wiederzugeben;  s.  z.  b.  Weigands  Wb.  s.  v.  gükkel, 
Wackernagels  Voc.  animantium  40,  51.  Der  name  der  henne  ist  poule 
=  pulla.  Von  coq  abgel.  ist  adj.  coquet  gefallsüchtig  (sich  brüstend 
um  der  hahn),  cocarde  hutschleife  (dem  hahnenkamm  ä/inlich),  altfr. 
cocart  eitel  (quoquart  NF.  Jub.).  —  Die  schwestersprachen  sind  bei  gallus 
und  gallina  stehen  geblieben,  it.  gallo,  gallina  ff.,  wal.  gal  (in  einigen  wbb.), 
g^ine.  So  auch  pr.  gal,  galh,  jal,  jau,  galina;  in  der  Charte  de  Gridlou 
(v.  j.  1293,  erst  in  abschriften  des  15.  jh.  überliefert)  gale  0  coqs  cap.  22, 
letzteres  sicher  ein  späterer  zusatz.  Aber  auch  altfr.  gal,  geline,  letzteres 
fortdauernd  in  dem  pflanzennamen  morgeline  =  morsus  gallinae 
hühnerbiß,  noch  jetzt  norm.  berr.  jau,  dimin.  jollet,  lothr.  jau,  dim.  jall6, 
champ.  gau. 

Goquelicot  fr.  Matschrose,  wilder  mohn,  der  im  körn  wächst.  Es 
ist  nur  formverschieden  von  coquericot,  womit  das  geschrei  des  hahnes 
ausgedrückt  wird,  und  mundartlich  damit  gleichbedeutend,  s.  coquelicoq 
Frisch.  Leicht  konnte  man  nach  seinem  schrei  den  hahn  selbst  coquelicot 
nennen,  wie  der  Grieche  ihn  xiyufäog  oder  wie  der  Franzose  den  wiedhopf 
putput  nennt,  und  wegen  seines  purpurrothen  kammes  den  namen  des 
hahnes  auf  die  blume  übertragen.  Ebenso  bedeutet  cacaracä  sowohl 
hahnenschrei  wie  klatschrose,  und  pic.  cocriacot  einigt  die  bedd.  hahn  und 
Matschrose  in  sich.  Nach  Sauvages  wird  mit  dem  gleichfalls  occit.  caca- 
lacä  der  schrei  des  hahnes  und  eine  andre  purpurrothe  blume,  löwenmaul, 
benannt.  —  Das  wort  verdiente  diese  rücksicht,  weil  ihm  celtischer  Ursprung 
zugesprochen  worden,  irisch  codlainean,  gael.  codalan  5.  J.  Grimm  über 
Marcellus  Burdig. 

Coquin  fr.  hungerleider,  betUer,  schelm  (petax,  mendicus  bei  Nicot, 
altfr.  Gar.  J,  269),  vb.  altfr.  coquiner.  Nkot  leitet  coquin  von  coquina, 
weil  die  hungerleider  nach  den  Überresten  in  der  küche  zu  haschen  pflegen. 
Andre  erblicken  darin  das  bei  Plautus  vorhandene  adj.  coquinus  (forum 
coquinum  qui  vocant,  stulte  vocant,  nam  non  coquinum,  verum  furinum 
est  forum),  erMären  übrigens  ebenso  wie  die  ersteren.  Beide  bedenken 
nicht,  daß  einem  lat.  coquinus  nur  ein  fr.  cuisin  gerecht  wäre.  SoU  etwas 
von  der  küche  darin  stecken,   so  kann  das  wort  nur  ein  diminutiv  des 


ILc.   CORBEILLE-CORON.  553 

dÜfr.  cocs,  gewöhnt,  queux,  sein  und  etwa  küchenjunge,  demnächst  einen 
menschen  bedeuten,  der  die  buchen  aufsucht  Es  erinnert  aber  auch  an 
altn.  kok  Schlund,  vermöge  einer  leichten  metapher  hungerleider,  und  man 
konnte  einiges  gewicht  auf  dieses  nordische  etymon  legen,  weil  sich  coquin 
ganz  auf  Frankreich  beschränkt. 

Corbeille  fr.  korb;  von  corbicula  bei  Palladius. 

Cor  Heu  altfr.  pr.  lauf  er,  curlieu  'praecursor  LRs.p.  27;  zsgs.  aus 
corre  laufen,  und  Heu  leicht.  Dasselbe  wort  ist  neufr.  courlieu,  courlis 
name  eines  langbeinigen  vogds,  scölopax  arquata,  brachvogel,  engl,  curlew. 

Corme  fr.  (m.)  eine  f ruckt,  spierling,  cormier  spierlingsbaum,  auch 
pg.  und  altengl.  corme;  nach  Frisch  u.  a.  von  cornum  korneüdrsche,  was 
nicht  zu  billigen  ist. 

Cormoran  fr.  ein  vogel,  seerabe;  vom  bret.  m6r-vran  (m6r  meer, 
bran  rabe),  mit  vorgesetztem  corb  =  corvus,  also  eine  pleonastische 
bildung  wie  loupgarou.  Frov.  heißt  derselbe  vogel  corp-mari  =  corvus 
marinus. 

Cornard  fr.  hahnrei  (hörnerträger).  Man  hat  die  spuren  dieses 
ausdrucks  bis  in  das  alterthum  hinauf  verfolgt  (s.  außer  Menage  und 
Ferrari  auch  Weigands  Synom.  wb.  II,  12),  der  etymologe  hat  dabei 
kaum  etwas  zu  bemerken.  Cornard  ist  speciell  französisch,  der  Italiener 
sagt  dafür  beeco  cornuto  gehörnter  bock  oder  schlechtweg  beeco,  der 
Spanier  cabron  Ziegenbock.  Was  auch  die  grundvorstdlung  gewesen  sein 
mag,  dem  Provenzalen  ist  cornut  ein  armer  wicht,  der  sich  aües  bieten 
läßt,  eine  bestia  corimda,  wobei  das  symbol  des  hörnerschmucks  gar  nicht 
in  ansehlag  kommt;  es  ist  sinnverwandt  mit  suffr£n,  das  überdies  auch  für 
haJmrei  gebraucht  wird.  Ein  troubadour  z.  b.  sagt:  fahre  ich  fort  einer 
dorne  den  hof  zu  machen,  die  jetzt  einen  andern  buhlen  hat,  so  gelte  ich 
per  cornut  e  per  soffren  für  einen  der  sich  foppen  läßt,  s.  Ghx.  III,  89. 
Auch  it.  bozzo  roher  stein  (daher  unempfindlicher  mensch)  und  fr.  sot 
alberner  mensch  haben  diese  bedeutung,  wie  Menage  unter  ersterem  worte 
anmerkt. 

Goron  aüfr.  (m.),  ein  den  schwestersprachen  unbekanntes  wort,  dessen 
sinn  sich  am  besten  mit  dem  von  bout  vergleichen  läßt,  so  daß  es  ende, 
äußerstes  bedeutet.  Bsp.  Fun  des  corons  laist  defors  pendre  einen  der 
ßipfd  (des  mantels)  MFr.  II,  233;  comme  eile  seoit  ou  coron  devant 
de  la  nef  (nach  dem  lat.  summitas  prorae)  Brand.  70;  coron  ou  sarge 
du  lit  RFlor.  26;  coron  de  la  robe,  coron  du  monde,  venir  ä  coron 
ä  bout,  ä  bon  coron,  k  un  coron  tout  Sun  bout,  par  nul  coron  par  aueun 
bout,  s.  Gachet,  der  dies  wort  genau  untersucht  hat.  Es  lebt  in  Mund- 
arten fort:  pic.  und  wallon.  coron  ist  das  ende  eines  Stoffes  oder  fadens. 
Neben  coron  findet  sich  auch  cor:  Tun  cor  de  la  cambre  Fier.p.66,16, 
namentlich  in  der  redensart  de  chief  en  cor  vom  anfang  bis  zum  ende, 
tcallon.  coir.  Ein  compositum  scheint  acor  (m.)  zipfel  eines  kleides, 
s.  Wolfs  Lais  361.  352.  Woher  nun  diese  Wörter?  Bei  cor  könnte  man 
Gachet  's  deutung  aus  cornu  schon  gelten  lassen,  aber  eine  ableitung  cor-on 


554  ILc.    CORSET-COUTER. 

statt  corn-on  ist  gegen  die  Sprachgesetze.  Hätte  man  es  dagegen  nur  mit 
coron  zu  thun,  so  dürfte  man  trotz  dem  abweichenden  genas  an  coronis, 
xoQcovig  (ende,  äußerstesj  denken.  Grandgagnage  s.  v.  coir  tnistraui  der 
herleitung  aus  cornu  gleichfalls  und  erinnert  an  das  altfr.  quar  nebst 
quaron  ecke,  daher  zipfel  eines  mantels,  dann  das  ende  eines  dinges, 
eigenil.  viereck  von  quadrum,  iL  quadro,  quadrone,  pr.  caire,  cairö.  In 
den  formen  cor,  coron  könnte  o,  freilich  ganz  unüblicher  weise,  aus  na 
zusammengezogen  sein,  wie  dies  im  deutschen  mehrfach  (quartar,  chortar 
ahd.),  aber  auch  im  mittellat.  und  mittelgriech.  und  hier  grade  an  dem- 
selben worte  vorkommt:  xoÖQa  codra,  quadra  Gl.  gr.  lat.  DG.,  attgr.  xo- 
ÖQavzijg  aus  quadrans. 

Corset  fr.  leibchen,  schnürleib;  abgel.  von  fr.  cors  =  lat.  corpus, 
also  mit  benutzung  des  flexivischen  s,  wie  dies  auch  in  cors-age  geschah. 
Richtiger  gebildet  ist  das  it.  corpetto  neben  dem  entlehnten  corsetto. 

Corv6e  fr.  frohndienst,  mlat.  corvada  im  Capitularc  de  viUis.  Die 
deutung  aus  curvus,  weil  man  sich  bücke  bei  dergleichen  arbeiten,  ist 
lächerlich;  die  ans  corpus,  gleichsam  corp6e  körperliche  arbeit,  verstößt 
gegen  den  buehstaben.  Grade  die  von  den  etymologen  verworfene  ist  die 
richtige:  corv6e  entstand  aus  corrogata  wie  enterver  aus  interrogare,  in- 
dem in  beiden  fällen  das  radicale  o  schwand;  im  henneg.  courow£e,  im 
occit.  courroe  erhielt  es  sich,  mlat.  corrogata  kommt  selbst  vor.  Die  bedeu- 
tung  ist  auf  gebot,  denn  altfr.  rover  =  lat.  rogare  heißt  begehren,  befehlen. 

Cosse  und  6 cosse  fr.  (f.)  hülse  der  bohnen,  erbsen,  linsen  u.  dgl., 
öcosser  auskernen.  Nach  Menage  vom  partic.  excussa,  was  keinen  ange- 
messenen sinn  gibt.  Nach  Frisch  II,  222a  vom  ndd.  schote  gleichbed. 
mit  den  franz.  Substantiven,  insofern  dies  ein  M.  schösse  voraussetzt:  ein 
ndl.  schösse  verzeichnet  Kilian;  fr.  cosse  müßte  aber  aus  6cosse  abgekürzt 
sein.  Oder  ist  das  wort  lateinischer  herkunft?  Cutis  gäbe  ein  vb.  ex- 
cutiare  abhäuten,  schalen  =  äcosser,  hieraus  öcosse  schale.  Aber  die 
herleitung  aus  dem  deutschen  scheint  einfacher.  Mit  beiden  deutungen 
verträgt  sich  das  aufradicales  t  führende  limous.  escoutilliä  s.v.  a.  äcosser, 
wogegen  das  pic.  öcosse  radicales  s  verlangt. 

Co sso n  fr.  kornwurm;  abgeleitet  aus  cossus  holzwurm,  bret.  kos. 

Coudre  fr.  (m.)  hasel;  von  corylus,  umgestellt  in  colrus  coldrus, 
comask.  cöler,  it.  cörilo. 

Couire  alt  fr.  kochet  Rou  II,  184,  cuevre,  cuivre  Antioch.  I,  237, 
daher  engl,  quiver,  mlat.  im  Capit.  de  vill.  cücurum,  mittelgr.  xovxovqov; 
vom  ahd.  kohhar,  ags.  cocer,  nicM  von  corytus.  Die  herkunft  des  deut- 
schen wortes  ist  unklar. 

Couler  fr.  fließen,  gleiten;  von  colare  durchseihen,  factitiv  ange- 
wandt; ital.  wie  lat.  Daher  adj.  coulis,  pr.  coladitz,  gleichsam  colaticius, 
sbst.  fr.  coulisse  schiebwand,  altfr.  coleYce  failgatter  (etwas  gleitendes). 

Cousin  schnake;  dimin.  von  culex,  gleichsam  culicinus. 

Coüter  fr.  kosten,  coüt  preis;  von  constare  zu  stehen  kommen,  it. 
costare  ff.    Daher  auch  altfr.  coste  ein  gewürz,    mhd.  koste  speise,  wie 


IL  c.   COUTRE-CRAPAUD.  555 

auch  unser  sptsa  eigentlich  ausgäbe  bedeutet;  dsgl.  mit  seltnem  äbleitungs- 
suffix  ältfr.  wallon.  costenge  (coustenghe  JEracl.  v.  764)  aufwand. 

Coutre  fr.  pflugeisen;  van  culter,  it.  coltro;  comask.  coltra,  contra 
pflüg,  pars  pro  toto. 

Crabe  fr.  (m.)  eine  art  Meiner  seekrebse;  vom  ndl.  krab  (f.)%  ags. 
crabba  (f).,  aitn.  krabbi  (m.),  aus  lat.  carabus  (xctQaßog). 

Crac  fr.,  vb.  craquer;  vgl.  ahd.  krac,  nhd.  krach,  engl,  crack,  gael. 
crac.    Craquelin  ein  krachendes  backwerk,  ndl.  krakeling. 

Craie  fr.  kreide,  crayon  stück  kreide;  von  creta,  sp.  greda  u.  s.  f. 

Craindre  fr.  fürchten.  Da  das  wort  starke  fiexion  zeigt,  so  muß 
es  der  lat.  2.  oder  3.  conj.  angehören;  die  verba,  die  hier  in  betracht 
kommen,  sind  tremere  und  timere.  Beide  sind  romanisch:  aitsp.  tremer 
Alx.,  pr.  äUfr.  tremir;  pr.  temör,  altcat.  t6mbre  Chr.  ff  Esel.,  neucat.  t&ner. 
Für  die  herkunft  von  craindre  aus  timere  konnte  man  seinen  transitiven 
gebrauch  anfuhren,  aber  auch  tremere  ist  dieses  gebrauches  fähig,  lat. 
tremere  aliquid  und  selbst  it.  tremare  nno.  Für  tremere  zeugt  überwie- 
gend der  naher  liegende  anlaut  er,  vielleicht  euphonisch  für  tr,  und  die 
vergleichung  von  empreindre  aus  imprimere,  geindre  aus  gemere,  raembre 
(vgl.  ältfr.  crembre  für  craindre)  aus  redimere,  die  also  alle  auf  die  3. 
lat.  conj.  weisen.  8.  das  verbum  Rom.  gramm.  II,  248.  Im  prov.  ist 
craindre  nicht  heimisch  geworden,  wenn  auch  der  nach  seltnen  Wörtern 
jagende  A.  Daniel  das  paart,  crems  einigemal  gebraucht. 

Cran  fr.  (m.)  einschnitt,  kerbe,  henneg.  eräner  einschneiden,  spalten, 
abgd.fr.  er ene au,  altfr.pr.  carnel  zinne,  zacke  der  mauer,  nfr.  carneler 
kerben.  Das  wort  ist  fast  ein  gemeinromanisches:  chw.  crenna,  lomb. 
crena,  piem.  cran,  vgl.  sp.  carnero  II.  b.  Gleichbedeutend  ist  crena  beim 
älteren  Plinius,  sonst  nicht  vorhanden:  sieht  es  sicher  (Rom.  gramm.  1, 14), 
so  sind  die  roman.  Wörter  darauf  angewiesen.  Es  begegnet  mit  derselben 
bed.  auch  im  deutschen,  wo  es  aber  keine  würzet  hat:  mhd.  krinne,  bair. 
krinnen  (f.),  dsgl.  ndd.  karn  (verschieden  von  karve  =  hd.  kerbe),  vb. 
kamen,  s.  Brem.  tob. 

Graneqnin  ältfr.  ein  Werkzeug  die  armbrust  zu  spannen,  crane- 
qninier  ein  armbrustschütze.  Menage  hält  das  wort  für  deutsch  (nieder- 
ländisch) und  in  der  that  berechtigt  die  endung  quin  zu  dieser  vermtUhung, 
s.  beispiele  Rom.  gramm.  II,  309.  Doch  ist  kein  ndl.  kränekin,  welches 
eine  kleine  winde  bedeuten  könnte,  nachweislich,  nur  kräneke  kommt  vor, 
s.  KU.,  bedeutet  aber  die  ganze  armbrust,  was  wenig  unterschied  macht. 
Der  dazu  gehörige  Spanner  hieß  ältfr  anz.  auch  tour  (daher  arc-ä-tour), 
it.  torno;  mhd.  wird  antwerk  (maschine)  dafür  gebraucht.   S.  auch  crone. 

Crapaud  fr.,  pr.  crapaut,  grapaut,  cat.  gripau,  lim.  gropal  (für 
grapal)  kröte.  Von  crepare,  das  berstende  d.  h.  zum  bersten  sich  blähende 
thier?  allein  warum  alsdann  nicht  deutlich  crevaud?  Richtiger  leiten  es 
andre  vom  engl,  creep  kriechen  =  ags.  creöpan,  ndl.  kruipen,  vgl.  obd. 
kriefen,  ahd.  krifan  Graff  IV,  598.  Zu  erwähnen  ist  auch  pic.  crapeux 
kröte,   als  adj.  schmutzig,  von  crape  schuppen  auf  der  haut,   so  daß  das 


556  II.  c.   CRAU-CRIQUET. 

thier  das  grindige  heißen  könnte,  vgl.  seinen  prov.  namen  graissant  van 
graissa  =  fr.  graisse,  crasse;  aber  das  engl,  creeper  kriechendes .  Un- 
geziefer knüpft  crapaud  augenscheinlich  an  creep. 

Crau  pr.  (f.)  name  eines  berühmten  hieselfddes  in  der  nähe  van 
Arles,  kommt  bei  den  troubadours  nicht  als  appellativ  vor:  tan  de  marcs 
cum  ha  codols  en  Gran  so  viel  mark  als  kiesel  auf  der  Crau  liegen  LR. 
I,  294;  wohl  aber  findet  sich  das  adj.  crauc  steinig:  en  ta  sec  ni  en 
tant  crauc  loc  GO.  78;  crauc  €sterilis'  GProv.  43;  norm,  crau  ein  satter 
stein,  auch  in  Savoyen  Üblich  (Adelungs  Mithr.  II,  54).  Es  ist  eins  der- 
jenigen Wörter,  welchen  man  unbedenklich  celtische  herkunft  zugesteht, 
kymr.  craig  (f.)f  bret.  krag  (m.),  gael.  creag,  crag  (f.)  fels,  stein,  creagan 
fdsengegend,  daher  engl.  crag.  Wie  sclag  mit  esclau,  fag  mit  fau,  so 
konnte  allerdings  auch  crag  mit  crau  gegeben  werden.  Vgl.  MSnage  s.  v. 

Greanter  oitfr.  versichern,  daher  sbst.  creant  bürgschaft;  gleichsam 
credentare  glauben  machen,  vom  pari,  credens.  Andre  formen  sind  cra- 
anter,  cranter,  mit  media  graanter,  greanter  und  granter,  letzteres  schon  in 
den  Livr.  d.  rois,  engl,  grant. 

Grämaillon,  cr&naill£re  fr.,  daher  sp.  gramallera,  kesselhaken, 
einfacher  bürg,  cramail,  walhn.  cramä,  champ.  cramaille,  in  ältester  form 
cramaila(s)  Gl.  cass.,  mlat.  cramaculus  Capit.  de  vülis,  cramacula  "höh- 
heda"  Gl.  lindenbr.,  vgl.  Ditf.  Gloss.  lat.  germ.  v.  cremacula.  Wie  dieses 
hahhala  aus  hangen  (hähhan),  so  könnte  man  sich  cr6maillere  aus  gr. 
Y.qif.tao&ai  abgeleitet  denken,  hätte  die  griechische  spräche  tiefer  in  die 
romanischen  eingegriffen.  Näher  berechtigt  ist  darum  gewiß  das  ndl. 
kram  eiserner  haken.  —  [Gachet  p.  103b  dachte  diese  deutung  zu  ver- 
bessern, indem  er  ein  compos.  kramhahila  annahm,  welches  also  aus  zwei 
ungefähr  dasselbe  aussagenden  Wörtern  gebildet,  übrigens  im  deutschen 
unbekannt  ist.  Man  bedarf  keines  zweiten  Wortes,  das  suffix  aeul  ist  hier 
"ganz  an  seiner  stelle.] 

Cr&pe  fr.  flor,  krepp;  von  crispus. 

Creux  fr.  hohl,  sbst.  creux,  pr.  cros  höhle,  grübe,  vb.  fr.  creuser 
aushöhlen,  vgl.  comask.  croeuss.  Von  corrosus,  corrosum,  woraus  sich 
sowohl  das  adjeetiv  wie  das  Substantiv  erklären  würde?  Zufällig  paßt 
eine  prov.  stelle:  pan  on  raton  fan  cros  brot  in  das  die  rotten  löcher 
machen,  corrodunt. 

Crevette  fr.  ort  kleiner  seekrebse;  von  carabus,  oder,  was  etwas 
näher  liegt,  vom  dtschen  krabbe,  woher  auch  henneg.  crape.  Ghey rette 
heißt  ein  nah  verwandtes  insect,  von  chevre,  wie  auch  dtsch.  böckle,  meer- 
geiß,  s.  Nemnich  I,  804. 

Crique  fr.  (f.)  kleine  von  der  natur  gebildete  bucht;  vom  ndl. 
kreek,  engl,  creek,  schon  ags.  crecca  dass. 

Criquet  norm.,  neupr.  cricot,  engl,  cricket,  pic.  cräqueillon  und 
crinchon,  ndl.  krekel,  kymr.  cricell  ein  insect,  heimchen;  naturausdrücke, 
und  so  fr.  criquer,  ndl.  krieken,  gr.  xQixeiv,  xqi&iv  u.  dgl.  schritten, 
zirpen. 


IL  c.   CRIQUET— CUSCHE.  557 

Criquet  fr.  Meines  pferd;  vom  dtschen  kracke  (Frisch).  Daher 
engl,  cricket  scheinet. 

Croc  fr.  pr.  chw.  haken,  daher  fr.  crochet,  crochu,  accrocher;  in 
german.  und  cdt.  mundarten  einJieimisch:  altn.  krökr,  engl,  crook,  ndl. 
krooke  Eil.,  kymr.  crög;  dazu  ein  verbum  in  der  L.  8dl.  incrocare,  dltfr. 
encrouer  an  einem  haken  aufhängen,  wie  noch  normannisch.  Crochet  gab 
dem  Spanier  corchete,  dem  Portugiesen  colchete. 

Grone  fr.  (m.)  hebezeug  für  waaren  in  "den  häfen;  vom  ndd.  kr&n 
=  hd.  kranich,  der  name  des  vogels  auf  die  maschine  übertragen  wie  fr. 
grue  und  gr.  ytQavog.  Ein  diminutiv  dassu  ist  das  vrlt.  cranequin 
(s.  oben),  Werkzeug  die  armbrust  zu  spannen,  wallon.  crönekin  armbrust, 
s.  Huydecoper  eu  Stoke  III,  318. 

C rotte  fr.,  crota  pr.  gassenhoth  aus  staub  und  regen,  mist  der 
schafe,  siegen,  kaninchen,  mause  u.  a.  thiere,  daher  nach  Kutan  das 
gleichbed.  fläm.  krotte.  Die  bekannte  herleitung  aus  crusta  verträgt  sich 
nicht  mit  der  prov.  form.  Vielleicht  entstand  es  aus  dem  ndd.  schwed. 
klöt,  hd.  klofe  kugelförmige  masse,  wobei  man  an  die,  freilich  probte- 
matiscte,  herkunft  von  bouse  aus  butze  (s.  oben)  erinnern  dürfte. 

Cruche  fr.,  eilt  cruye,  gase,  cruga,  pr.  crugö,  fr.  cruchon  krug; 
vom  kymr.  erwe  eimer  (eigentl.  ein  gerundetes  gefäß).  Entfernter  steht 
ahd.  cruoc,  crög,  aÜfrs.  kröcha,  ags.  crocca,  chw.  cruog,  hruog. 

Cuire  fr.  kochen,  von  coquere,  pr.  eozer;  cuisson  schmerz,  von 
coctio;  cuistre  pfaffenkoch,  gleichsam  coquaster,  vgl.  pr.  coguaströ,  mlat. 
cocistro  Gl.  Isid.;  dsgl.  pr.  cosenza  pein,  gleichsam  coquentia,  daher 
dltfr.  cusenQon;  auch  it.  cociore,  sp.  eseozor  u.  a.  m. 

Cuivre  fr.  kupfer;  von  cuprum,  oder,  streng  genommen,  vom  adj. 
cupreum. 

Oulbute  fr.  burzelbaum,  vb.  culbuter:  zsgs.  aus  eul  bürzel  und 
bäte  etwas  aufgeworfenes,  also  stürz  mit  dem  bürzel  zu  oberst. 

Culvert,  cuivert  dltfr.,  pr.  culvert  spitzbübisch,  gottlos;  es  wird 
häufig  auf  die  ungläubigen  angewandt  und  gesellt  sich  gerne  zu  felon. 
Die  herleitung  aus  eulum  vertens,  was  doch  nur  feige  heißen  kann,  ist 
wegen  dieses  dem  werte  fremden  sinnes  unzulässig  und  selbst  schon  wegen 
der  starken  abkürzung  bedenklich.  Manage  halt  es  richtig  für  collibertus, 
wie  in  Frankreich  ein  dienender  genannt  ward,  der  dem  Sklaven  näher 
stand  als  dem  freien,  so  daß  er  von  seinem  herrn  verschenkt  und  verkauft 
werden  konnte.  Diese  bedeutung  hat,  wie  es  scheint,  das  romanisierte 
culvertuß  in  einer  Urkunde  vom  j.  1106  und  offenbar  bei  Helinand  cuivert: 
morz  fait  franc  homme  de  cuivert,  vgl.  bei  Matth.  Par.  sub  nomine 
eulvertagii  et  perpetuae  servitutis;  daher  das  vb.  aculvertir  zum  Sklaven 
machen,  Antioch.  I,  95.  Die  ausartung  des  begriffes  bedarf  keiner  er- 
läuterung.  S.  Menage  w.  couillauts,  couvert,  Ducange  w.  collibertus, 
eulvertagium,  ed.  Bened.  v.  cuiverta. 

Cusche  dltfr.  zu  folgern  aus  dem  adv.  cuschement,  nur  in  der 
Passion  Christi  88:  a  grand  honor  de  ces  pimenc  l'aromatizen  cusche- 


558  ILc.  DA-DAINTIE. 

ment  (den  leib  Christi).  Die  prov.  form  würde  cusc  sein:  eine  solche 
findet  sich  LR.  J,  533:  una  gen  ques  fai  cusca,  aber  ihr  sinn  ist  in 
dem  kleinen  bruchstücJc  unsicher.  Dagegen  braucht  Auslas  March  cant. 
d9am.  60  dasselbe  wort  in  der  ziemltbh  klar  vorliegenden  bed.  blöde,  oder 
schüchtern,  und  diese  führt  auf  unser  keusch,  ahd.  kfiski,  während  das 
entsprechende  dtts.  cüsco  adv.  mit  seinen  bedd.  geziemend,  ehrerbietig 
der  stelle  aus  der  Passion  vollständig  genügt. 


D. 

Da  franz.  partikd  in  oui-da,  nenni-da.  Die  älteste  form  derselben 
ist  divd,  demnächst  abgekürzt  in  das  einsilb.  deä,  ihre  bedeuiung  eine 
dringende  auff orderung,  wo  nicht  ein  Vorwurf:  diva,  ne  me  celer!  diva 
tu  m'as  honi !  Die  deutungen  aus  gr.  vrj  %6v  Jia  oder  vfj  dt]  (bei  Menage), 
aus  lat.  Diva  matter  gottes  (Michel  im  Chartern.),  aus  fr.  dis  valet  cdic 
puer  (P.  Paris  im  Garin  I,  296,  II,  23),  aus  lat.  vae  (Gar.  I,  156) 
scheinen  sämmtlich  unhaltbar.  Man  bemerke,  daß  schon  das  einfache  va, 
ohne  zweifei  imperativ  von  aller,  häufig  und  in  früher  zeit  denselben  dienst 
thut:  va,  car  me  di!  Cheo.  au  lion  ed.  L.  Guest  p.  138* ;  lesse,  va, 
tost  les  chiens  alerl  so  laß  doch  geschwind  die  hunde  los!  Ren.  I,  47; 
qui  es  tu,  va?  Ruteb.  II,  101;  or  va,  de  par  dieu  va!  wohlan  in  gottes 
namen!  ChOyg.  I,  1242;  noch  neuprov.  au  farai  pas  vai  ich  thu  es  durch- 
aus nicht.  Dies  wortchen  verstärkte  man  mit  dem  gleichfalls  auffordernden 
di,  imper.  von  dire,  z.  b.  diva  sag  an  Alex.  61,  6.  73,  20,  das  zuweilen 
auch  wiederholt  ward:  et  tu,  diva  di,  faz  noienz  Ruteb.  I,  335.  —  [Wenn 
E.  Du  Merü  (Floire  p.  261)  die  hier  anerkannte  partikd  va  schon  bei 
Gregor  v.  T.  4,  21  findet,  welcher  sagt:  cum  (Chlothocarius)  graviter 
vexaretur  a  febre,  ajebat:  wal  quid  putatis,  qualis  est  ille  rex  coelestis, 
qui  sie  tarn  magnos  reges  interficit,  so  scheint  er  damit  die  deutsche 
interjeetio  dolentis  zu  verwechseln,  auf  welche  sinn  und  Schreibung  hinweisen] 

Dagorne  fr.  kuh,  die  ein  hörn  verloren  hat;  zsgs.  aus  dague  dokh 
und  come,  vgl.  bigorne  für  bicorne. 

Da  im  fr.  damhirsch,  fem.  daine,  dltfr.  masc.  dain,  daher  ü.  daino, 
piem.  dan,  altsp.  dayne  Canc.  de  B.,  ndl.  deyn  KU.;  von  dama  (it.  damma), 
woraus  ein  masc.  damus  moviert  ward. 

Daintiä  cdtfr.  (m.),  auch  daintier  leckere  speise,  daher  das  gleichbed. 
engl,  dainty.  Statt  des  masc.  dainti6  hat  der  prov.  Gir.  de  Ross.  das 
fem.  dentat:  no  falhit  al  menjar  nulha  dentatz  beim  essen  fehlte  kein 
leckerbissen  v.  1303,  vgl.  1077, 7791;  im  Ms.  Hart.  Mich.  p.  334  steht  daintaz, 
gleichfalls  weiblich,  bei  einem  troubadour  dintat  B.  Denkm.  p.  163.  Die 
etymologie  betreffend,  hält  Gachet,  mit  beziehung  auf  das  schon  bei  Roche- 
gude  vorkommende  dentat  'ragoüt,  mets\  für  die  grundbedeutung  'das 
zwischen  die  zahne  gesteckte  ;  aber  dentat  (von  dens)  könnte  doch  nur 
heißen  gezähnt,  und  überdies  wäre  der  ausdruck  für  die  sache  übel  ge- 


ILc.  DAIS-DARTRE.  559 

wählt.  Dainttä  läßt  sich  buchstäblich  auf  kein  anderes  lat.  wart  zurück- 
führen  als  auf  dignitas  und  dessen  bedeutung  scheint  ihm  noch  in  der 
Chanson  de  Roland  v.  48  au  gebühren,  wo  es  heißt:  que  nus  perduns 
l'onur  ne  la  deintet  daß  wir  die  ehre  und  würde  verlieren.  Man  konnte 
das  im  prov.  ihm  zukommende  weibliche  geschlecht,  verführt  von  der  par- 
ticipialen  gestalt  des  Wortes  (daher  auch  das  altfr.  dantäe  GBourg.p.  68) 
mit  dem  männlichen  vertauscht  haben.  Die  grundbedeutung  mag  kostbar- 
keit,  schmuck  gewesen  sein,  vgl.  Bari.  150,  2 :  tez  cors  est  molt  en  grant 
daintiä  dein  leib  ist  in  sehr  großem  schmuck :  schmuck  aber  und  anstand, 
dignitas,  sind  begriffe,  die  sich  nahe  berühren.  Auch  das  mundartl.  engl. 
daintee  bedeutet  etwas  werthvoües,  s.  Hattiwell. 

Dais  fr.  thronhimmel.  Altfr.  bedeutet  dois,  pr.  deis,  die  tafel,  woran 
man  speist,  von  discus,  it.  desco,  dtsch.  tisch.  Für  dois  galt  mundartlich 
dais  *.  b.  MGar.  p.  11,  vgl.  espois  neben  6pais  und  dgl.,  daher  die  neufr. 
form.  Solche  speisetische  sotten  oben  mit  einem  tuche  überspannt  gewesen 
sein,  damit  nichts  von  der  decke  herabfiele,  und  so  kam  es,  daß  das  wort 
auch  die  bed.  thronhimmel  annahm,  s.  Menage.  Aus  dorsum  dossium, 
worauf  andre  verweisen,  läßt  sich  die  Urform  deis  nicht  herleiten;  sp. 
dosel,  it.  dossiere  können  aus  dem  alten  dois  geformt  sein. 

Dame  fr.  interjedion  s.  v.  a.  potztausend;  nach  Nodier  von  dien 
me  damne ;  nach  andern  von  dame  als  namen  der  heil.  Jungfrau.  Es 
ist  aber  nichts  als  das  auch  dem  Italiener  bekannte  domine,  vocativ  von 
dominus,  der  vocoi  a  auch  im  altfr.  dame-dieu  =  domine  dens. 

Dandin  fr.  alberner  mensch,  dandiner  sich  hin  und  herwiegen,  bei 
Nicot  ineptire ;  vgl.  mhd.  tant  possen,  nhd.  tand,  vb.  mndl.  danten  in- 
eptireKü.,  nhd.  tändeln,  obd.  dantern,  engl,  dandle.  Die  wal.  spräche  hat 
tend&le  Meinigkeit,  aber  wohl  von  tantillnm. 

Danger  fr.  gefahr.  Es  bedeutete  in  der  alten  spräche  das  strenge 
recht  des  oberherrn  in  beziehung  auf  den  besitz  seines  untergebenen:  fief 
de  danger  *.  b.  ist  ein  an  vielerlei  bedingungen  gebundenes  lehen,  das 
leicht  eingezogen  werden  konnte.  So  heißt  danger  überhaupt  wülkür,  ge- 
weilt (wie  noch  jetzt  das  norm,  wort),  se  mettre  en  danger  de  qqnn  sich 
dem  belieben  eines  andern  unterwerfen,  dsgl.  Weigerung,  Schwierigkeit  (auch 
pr.  dangier):  faire  danger  de  dire  qch.  sich  weigern  etwas  zu  sagen, 
limous.  dondziä  äbneigung,  Widerwille.  Aus  damnum  (einbüße)  leitete 
man  damnarium,  fr.  damnier,  gespr.  danger;  letzteres  wort  vertrat  auch 
damnum  in  seiner  mlat.  bed.  beschädigung,  vgl.  Ducange.  —  [Über  eine 
herleitung  aus  dominium  sehe  man  Krit.  anhang  p.  16  und  besonders 
Gachet  p.  llla,  der  die  bedeutungen  des  wortes  gründlich  auseinandersetzt 
und  sich  gleichfalls  für  damnum  entscheidet.] 

Dame  fr.,  darno  neupr.  (f.)  schnitte  von  einem  fisch;  vom  kymr. 
und  bret.  dam  (f.)  stück,  bissen,  nach  Pictet  p.  107  identisch  mit  dem 
sanskr.  darana  theilung. 

Dartre  fr.,  mundartl.  dertre  flechte,  schwinde.  Zu  verwerfen  ist  die 
deutung  aus  gr.  daQzog  (abgehäutet),   da  die  ärzte  den  eigentlichen  aus- 


560  II.c.  DAUPHIN-DEPIT. 

druck  Xsixrjv  nicht  verfehlt  haben  würden.  Fielet,  Ztschr.  für  vergl.  sprachf. 
V,  339,  vermuthet  abstamtnung  von  einer  aUceltischen  form,  jetzt  bret. 
darouöden,  dervo&len,  kymr.  darwden  (tarwden)  =  skr.  dardru,  agsm 
teter,  engl,  tetter,  nhd.  zitter,  alle  mit  dartre  gleichbedeutend.  S.  auch 
Chevallet  I,  246. 

Dauphin  fr.,  dalfin  pr.  ein  fisch;  von  delphinus.  'Was  dem  älte- 
sten söhne  des  königs  von  Frankreich,  früher  dem  grafen  von  Vienne,  als 
titel  zukam,  ist  dasselbe  wort. 

D6bit  fr.  verkauf,  vertrieb,  d^biter  waaren  absetzen.  Da  das  ver- 
bum  auch  'ins,  schuldbuch  schreiben  bedeutet,  so  erklärt  es  sich  aus  dem 
kaufmännischen  ausdrucke  debet  schuld,  rückstand,  buchstäblich  genauer 
aus  debitum. 

Dec,  dech  pr.  1)  gebot,  befehl,  2)  gebiet,  gränze,  3)  abgäbe, 
4)  büße,  gebrechen,  mangel ;  dsgl.  fem.  d  e  c  a  (neupr.  deco)  und  decha  in 
der  4.  bed.;  vb.  npr.  deed  abbrechen,  altpr.  dechar  täuschen?  LR.  Für 
diese  Wörter  findet  sich  kein  andrer  rath  als  in  edictum  Verordnung, 
welches  das  mitteldlter  aber  auch  für  bannum  (aufläge,  büße,  Jurisdiction) 
gebrauchte.  Die  büdung  deca  aus  dec  (richtiger  dech)  ist  unorganisch. 
Aus  indictum  (mlat.  aufläge,  abgäbe)  ist  pr.  endäc  abbruch,  mangel, 
endechat  mangelhaft,  und  gewiß  auch  sp.  pg.  endecha  Tdagdied  über 
einen  todten,  wozu  noch  mlat.  indietare  anklagen  =  oitfr.  enditier  zu 
vergleichen  ist.    S.  auch  Mahn  p.  43. 

D6ciller,  dessiller  fr.  die  äugen  öffnen;  von  cilium,  it.  discigliare. 

D6erne  fr.  cßle,  servante'  bei  Borel  687,  handgreiflich  das  ndl. 
deerne,  hd.  dirne.  Steht  aber  das  franz.  wort  so  sicher,  wie  Chevaüet 
1,  407  es  hinstellt?  Bord  bringt  es  in  seinem  zweiten  arihang,  worin  er 
nach  eigner  aussage  viele  deutsche  Wörter  aufgenommen  hat. 

Degrö  fr.,  degrat  (degrä)  pr.,  auch  pg.  degr&o  stufe;  für  gr6  = 
gradus,  gebildet  aus  degradare,  als  scheideform  von  gr6  =  gratum. 

Degun  prov.  pronomen  für  lat.  nuüus,  noch  jetzt  bis  Nizza  üblich, 
auch  altsp.  degun  im  F.juzgo;  dem  ahd.  dihein  nachgebildet,  wie  Grimm 
III,  40  bemerkt.  Kein  wunder:  noch  ein  anderes  pron.,  maint,  ist  ja 
unlateinischer  herkunft. 

D61ai  fr.  auf  schuh,  frist;  von  dilatum,  ital.  fem.  dilata.  Daher  vb. 
dilayer,  vrlt.  delayer,  aufschieben,  hieraus  it.  dilajare. 

Doli 6  fr.,  in  älterer  form  deugiö  zart,  fein;  von  delicatus  wie  pli6 
von  plicatus,  pr.  delguat,  sp.  delgado. 

Demanois  cdtfr.,  demanes  pr.,  partikd  für  lat.  statim;  von  de 
manu  mit  angefügtem  ipsum  'von  der  hand  weg,  kurzer  hand'  gr.  ex  x€lQ°S> 
mhd.  zehant.    Für  demanois  wird  auch  fr.  manois,  pr.  manes  gesagt. 

Dopen s  (m.plur.),  döpense  fr.  aufwand,  ausgaben;  von  dispendere 
dispensus. 

D6pit/r.,  despieg pr.unwille;  von  despectus  Verachtung,  it.  dispetto, 
sp.  despecho.  Adj.  attfr.  despit  Chev.  d.  I.  cliarr.  p.  168,  Ruteb.  I,  104, 
vom  part.  despectus,  it.  dispetto.     Vgl.  räpit. 


ILc.   DESVER-D1E.  561 

Desver  und  derver  altfr.  von  sinnen  sein,  rasen,  selten  dever  z.  b. 
PDuch.  p.  36,  aber  nfr.  endSver  toben;  subst.  altfr.  desverie,  derverie 
raserei.  Ein  altes  Zeugnis  ist  se  d&ved  efurerety  LRs.  86;  ohne  se  z.  b. 
Og.  I7  123  a  poi  qu'il  ne  d&ve.  Häufig  begegnet  das  adj.  desv6,  derv6 
unsinnig;  sehr  üblich  ist  auch  die  redensart  le  sens  cuide  derver  er  glaubt 
den  verstand  zu  verlieren,  wo  also  das  verbum  transitive  kraft  hat;  zu- 
weilen du  sens  cuide  derver  z.  b.  Fier.  p.  33.  Man  hat  es  aus  de-ex- 
viare  construiert,  woraus  richtig  desvoyer  ward,  desver  nicht  werden 
konnte.  Es  gibt  andre,  besser  berechtigte  Wörter,  z.  b.  diruere,  umgeformt 
nach  der  1.  conj.  wie  das  einfache  ruar,  aus  ruere,  also  diruar,  endlich 
dervar,  mit  verstärktem  präfix  desvar,  desver.  Auch  sp.  derribar  (um- 
werfen, zerstören)  dürfte  genannt  werden.  Bei  dissipare,  das  im  pr. 
disipar  und  it.  scipare  zu  gründe  richten,  verwüsten  bedeutet,  wäre  das 
bedenken,  daß  sich  p  schwerlich  in  v  erweicht  haben  würde,  da  dies  im 
prov.  auch  nicht  geschah.  Die  herleitung  aus  derogare  genügt  dem  buch- 
stoben  vollständig,  wenn  man  altfr.  enterver  von  interrogare  vergleicht, 
aber  seine  bedeutung  liegt  zu  weit  ab.  Folgendes  ist  ein  weiterer  beitrag 
zur  auslegung  des  vielbesprochenen  wertes.  Nimmt  man  die  älteste  franz. 
form  däsved  und  berechnet  jeden  buchstaben,  so  kommt  man  auf  dösipit, 
was  dem  begriffe  genau  zusagt;  p  wird  auch  in  dem  einfachen  savoir  {von 
sapere)  zu  v.  Die  1.  person  desipio  würde  freilich  eine  andre  form  ge- 
geben haben,  aber  sie  ward  im  leben  selten  gehört,  da  niemand  unsinnig 
sein  wül,  und  hat  darum  keinen  einfluß  auf  das  roman.  wort  gehabt.  Streng 
genommen,  wäre  aber  auch  desipit  nicht  desve,  sondern  d6sv  geworden: 
man  fügte  e  an,  um  die  ausspräche  möglich  zu  machen,  und  da  das 
wort  hierdurch  den  schein  der  1.  coryug.  bekam,  so  ist  der  infin.  desver 
leicht  zu  erklären. 

D6tresse  fr.,  destressa,  detreissa  pr.  beklemmung;  vom  pari,  de- 
strictus,  pr.  destreit  gepreßt,  beengt,  gleichsam  destrictia:  da  aber  ab- 
leitungen  mit  einfachem  suffix  Ta  kaum  vorhanden  sind,  so  scheint  dem 
Substantiv  ein  vbm  destreissar,  gleichsam  destrictiare,  vorausgegangen  zu 
sein.  Der  Italiener  hat  dafür  das  regelrechte  distrettezza,  kein  distreccia, 
aber  im  altspan.  findet  sich  destricia  noth,  bedrängnis. 

Dette  fr.  schuld;  vom  plur.  debita,  sp.  deuda. 

Diantre  fr.  interjection,  entstellt  aus  diable  um  den  namen  des 
bösen  nicht  in  den  mund  zu  nehmen;  churw.  dianser. 

Die  altfr.,  dia  pr.,  beide  nur  im  Gir.  de  Boss.:  ja  no  sera  mos 
sira  ni  ieu  seus  dia  2368;  in  der  franz.  abfassung  Bodl.  ja  ne  sera  mos 
seindre  ne  eu  siens  die  M.  II,  p.  96;  dagegen  Karl,  ja  ne  sera  mis 
sires  jor  de  ma  vie  Mich.  p.  289,  wo  also  das  wort  vermieden  ist.  Die 
bed.  dienstmann,  lehensmann  liegt  im  zusammenhange.  Knecht,  olxtTtjg, 
heißt  goth.  thiu-s,  ags.  theöv,  theöva,  ahd.  in  abll.  und  zss.  thio,  theo, 
deo,  aber  nur  auf  die  ahd.  form  mit  anlautender  media  ist  das  prov. 
wort  zu  gründen,  da  thiu  den  anlatU  t  gefordert  haben  würde.  Deo  oder 
dio  hätte  freilich  deu,  dieu  oder  diu  geben  sollen;  man  konnte  jedoch  das 

36 


562  ILo.  DINDE-DORELOT. 

m 

wort  in  dia  umbiegen,  damit  es  nicht  mit  deus  zusammentraf:  solcher 
masctdina  auf  a  mit  personlicher  bedeutung  besaß  die  spräche  mehrere, 
wie  bada,  crida,  uca  und  zumal  sira,  dessen  gegensatz  dia  bildete.  Ein 
gleichfalls  aus  einer  german.  spräche  geschöpftes  synonym  von  dia  (f£) 
werden  wir  unten  kennen  lernen. 

Di n de  fr.  trtUhenne,  dindon  truthahn;  abgekürzt  aus  coq  d'Inde 
indischer  (americanischer)  hahnt  cot.  gall  dindi,  indiot. 

Disette  fr.  rnangel;  von  desecta  abgeschnittene  Sache,  abgeschnitten- 
heit,  nicht  von  däsita,  wie  die  etymologen  wollen,  das  eher  desto,  dette 
hinterlassen  hätte. 

Dolequin  altfr.  kurzer  zweischneidiger  degen;  vom  mndl.  dolckin, 
dimin.  von  dolk,  nhd.  dolch,  dies  aus  dem  slavischen,  böhm.  z.  b.  tulich, 
s.  J.  u.  W.  Grimms  Wb. 

Dommage  fr.  schade,  altsp.  domage  Bc.f  altfr.  waUon.  richtiger 
damage,  pr.  dampnatge;  von  damnum. 

Dondon  fr.  (f.)  dickes  rothbackiges  weih  (dicke  kurze  Weibsperson 
Frisch).  Es  scheint  eine  sinnverstärkende  reduplication  und  das  einfache 
don  aus  dem  mundartlichen  engl,  dump  in  dump-y  kurz  und  dick,  dump- 
ling  Meine  fette  person,  kleiner  Mos,  wozu  man  ein  isländ.  doomp  vergleicht 
(s.  Anonym,  dialect  of  Oraven,  Lond.  1828).  Ein  adjectiv  zu  dondon 
ist  das  altfr.  dondä  dick,  beleibt  =  mundartl.  engl,  dunty,  dumpty 
(dump-et-y  ?)  kurze,  dicke  person.  Dondon  berührt  sich  mit  bedon  (s.  eben): 
altfr.  dondaine  z.  b.  (ein  wurfgeschütz)  ist  =  bedondaine.  Ob  auch  dodu 
(dick  und  fett)  hieher  zu  stellen  sei,  ist  unsicher,  da  der  Franzose  die 
nasalität  nicht  leicht  aufgibt;  vermuthungen  bei  Schder. 

Dongeön  fr.,  donjo  pr.,  mit  erweichtem  n  altfr.  doignon,  pr. 
dompnhon,  im  mlatein  domgio  (1025),  dungio,  domnio,  höchstes  befestigtes 
gebäude  in  einer  bürg;  man  lese  die  beschreibungLex.rom.nl,  71.  Zwei 
beachtenswerthe  deutungen  liegen  vor:  aus  dominium  beiMSnage,  und  aus 
dem  celtischen  dfin  befestigter  ort  (vgl.  dnna  I.)  bei  Ducange;  in  beiden 
fällen  ist  eine  ableitung  vermittelst  des  Suffixes  ion  anzunehmen;  dominio 
dominionis  müßte  etwa  das  beherrschende  gebäude  (nicht  das  herrenhaus, 
denn  das  war  es  nicht)  ausdrücken.  Nicht  günstig  für  die  cdtische  her- 
kunft  ist  das  späte  auftreten  des  Wortes  im  mittdlatein,  wiewohl  zu  seinem 
gebrauche  gdegenheit  genug  gegeben  war.  Zeuß  J,  30  hält  das  von  Or- 
dericus  im  Widerspruche  mit  allen  andern  quellen  gebrauchte  dangio  für 
die  bessere  form  und  erkennt  darin  das  ir.  daingean  befestigung.  8.  auch 
Muratori's  Ant.  ital.  II,  500,  Grandgagnage's  Mem.  sur  les  noms  de 
lieux  77  und  Diefenbachs  Orig.  europ.p.  327,  der  sich  der  lat.  herkunfl 
des  wortes  zuneigt.  —  [Ein  neues  Zeugnis  für  dieselbe  bringt  Mussafia, 
Darstellung  der  altmailändischen  mundart  (1868)  p.  37,  nämlich  das  bei 
Bonvesin  vorkommende  dominion,  *  wodurch  die  bestrittene  ableitung  dieses 
Wortes  (dongeon)  aus  dominium  beinahe  unzweifelhaft  wird.*] 

Dorca  und  dorc  pr.  krug;  von  orca  mit  vorgesetztem  <L 

Dorelot  altfr.  zärüing,  liebling,  nfr.  doreloter,  dorloter  verzärteln, 


ILc.  DORENAVANT-DRASCHE.  563 

hätscheln.  Nach  Frisch  von  dorer  vergolden,  woraus  ober  dorelot  nicht 
abgeleitet  werden  konnte.  Überdies,  wollte  man  etwas  von  gold  darin 
ausdrücken,  so  gab.  das  subst.  or  die  passendste  grundlage  des  neuen 
Wortes.  Besser  jedoch  vom  ags.  deörling  liebling,  die  endunglng  vertauscht 
mit  dem  diminutivsuffix  ot.  Andre  verweisen  auf  das  mit  dorloter  gleich- 
bed.  bret.  kymr.  dorlota,  welches  allerdings  aus  dem  französischen  entlehnt 
sein  könnte,  aber  in  dem  einfacheren  bret.  dorlöi,  dorlö  (dem  auch  die 
bed.  behandeln,  handhaben,  kneten  zusteht)  eine  statte  zu  haben  scheint. 
Derselben  herkunft  sind  auch  wohl  die  liebesinterjectionen  der  altfranz. 
vdkslyrik  o  dorlotinl  o  dorenlot!  dorenleu!  validoriax! 

Dor 6 na van t  (mit  falsch  angewandtem  accent,  s.  Qenins  Variat.  de 
la  l.  f.)  franz.  adverb  für  lat.  dehinc:  von  de  hora  in  ab  ante. 

Dorna  pr.  topf,  npr.  dourno;  von  urna  mit  vorgesetztem  d  wie  in 
dorca.    Daher  sp.  dornajo,  dornilla  trog. 

Douer  fr.  begaben,  von  dotare;  ältfr.  douöe  verlobte,  mit  einer  dos 
begabte;  douaire  (m.),  pr.  doari  witthum,  mlat.  dotarium;  douairiere /Vau 
die  ein  witthum  bezieht. 

Don ille,  doille  altfr.  weich  NFC.  I,  113;  von  ductilis,  pr.  ductil 
u.  s.  f.;  aus  derselben  quelle  dimin.  fr.  douillet  (nicht  von  dulcis,  dulci- 
cnlettus). 

Donille  fr.  (f.)  zapfen,  düle,  mlat.  dnctile  rinne,  eigenÜ.  etwas 
geleitetes;  vgl.  comask.  indoja  hülse  eines  Stieles,  von  indnctile,  s.  oben 
andonille.     Von  ducere  ist  auch  das  fr.  doüsil. 

Dour,  dor  altfr.,  pr.  dorn,  in  späterem  nüatein  daraus  ein  kleines 
längen/maß.  Veneroni  hat  auch  ein  it.  dorone,  das  ober  nicht  dazu  paßt, 
und  dem  gr.  düqov  nachgeformt  ist.  Die  genaue  bedeutung  ergibt  sich 
aus  dem  prov.  Reimbuch,  worin  es  heißt:  dorns  cmensura  manus  clausae* 
67* ,  also  faustbreit,  handbreit,  vgl.  die  altfr.  stelle:  graindre  demi  pi6  et 
piain  dor  einen  halben  fuß  und  eine  handbreit  größer  Guill.  d'Or.,  s.  Hof- 
mann  zum  Jourd.  de  Blaiv.  v.  3859.  Cdtisches  wort:  gad.  dorn,  kymr. 
dwrn,  bret.  dorn  hand,  faust.  —  Daß  schon  der  ältere  Plinius  di-doron 
als  gallisch  bezeichne,  ist  ein  von  Adelung  in  die  litteratur  eingeführter, 
von  Diefenbach,  Orig.  europ.  p.  310,  aufgedeckter  irrthum. 

Doyen  fr.  declwnt,  decan;  von  decanus. 

Drageon  fr.  Schößling.  Vom  deutschen  trieb  gleichbed.,  auf  welches 
man  die  endung  der  sinnverwandten  bourgeon  und  surgeon  übertrug:  nur 
setze  man  stoß  des  nhd.  trieb  das  mhd.  treib,  entsprechend  dem  ahd.  vb. 
treibjan,  goth.  draibjan,  denn  deutsches  ai  wird  fr.  a. 

Drague  fr.  ausgebrautes  mälz,  träber;  ist  das  attn.  dregg,  engl. 
dreg  hefe,  bodensatz. 

Dragne  fr.  hoMschaufel  um  sand  u.  dgl.  aus  dem  wasser  zu  ziehen; 
vom  ags.  dräge,  engl,  drag  haken,  zugnetz. 

Dräsche  altfr.  hülsen,  schoten,  mlat.  drascus  oder  drascum Matth. 
Paris;  muthmaßlich  vom  ahd.  drescan  dreschen,  also  ausgedroschenes,  nhd. 
drasch  tritura,  s.  Orandgagnage  v.  drfthe. 


564  IL  c.  DRILLE-DUVET. 

Drille  fr.  (m.,  mit  erweichtem  11)  Jcamerad;  buchstäblich  das  ahd. 
drigil  bursche,  diener,  altn.  thraell,   vgl.  Grimm  III,  321,  Graff  V7  600. 

Drille  fr.  (f.)  läppen;  vom  nord.  dril  wegwurf?  Nach  andern  von 
kymr.  dryll  (m.)  stück,  theü. 

Dröle  fr.  possierlich;  lustig.  Die  lexica  des  16.  jh.,  wenigstens  die 
von  Bob.  Stephanus  1539  und  Nicot  1673,  enthalten  dieses  wart  nach 
nicht,  und  da  es  auch  in  der  altfr.  und  prov.  spräche  nicht  vorhanden 
scheint,  so  ist  über  seine  ursprünglichere  form,-  d.  h.  ob  dem  drcumflectierten 
6  eine  etymologische  bedeutung  zukomme,  nichts  zu  sagen.  Menage  er- 
innert an  trossulus  stutzet,  das  aber  eher  trosle,  tröle  ergeben  hatte.  Es 
ist  sicher  desselben  Ursprunges  wie  unser  drollig  (erst  gegen  ende  des  17. 
jh.  Grimm),  engl,  droll,  vgl.  auch  ndl.  drol,  altn.  drioli,  gael.  droll  plum- 
per ungeschickter  mensch. 

Dromon  altfr.  größeres  kriegsschiff,  altn.  drömandr,  mhd.  tragmimt, 
dragmant;  von  dromo  {ögoficov)  cgenus  navicdlae  vdocissimae  nach  Fvl- 
gentius  Plane.,  vgl.  Isidor  19,  1.  Prov.  dromo  plattform  ist  dasselbe  wort. 
Wal.  drom  straße,  bahn,  von  ögo/iog  laufbahn. 

Dllire  altfr.  pr.  anleiten  zu  etwas,  unterrichten,  abrichten,  im  Leo- 
degar  str.  4  perf.  doist,  im  Boeth.  v.  166  pari.  präs.  dozen  (s.  die  anm. 
dazu),  als  adj.  altfr.  pr.  duit  geschickt,  gewöhnt,  geübt,  sbst.  altfr.  duison 
'  artigkeit  NF.  Jub.  I,  106;  nicht  etwa  von  docere,  sondern  von  dneere, 
mit  dem  seine  flexion  zusammentrifft  (doist  =  duxit,  nicht  =  docait), 
ebenso  sp.  ducir  in  der  bed.  von  duire,  ducho  in  der  bed.  von  duit,  vgl 
auch  unser  ziehen  educere,  educare.  —  [Die  prov.  form  dozer  in  dem 
später  bekannt  gewordenen  alten  prosadenhnal  läßt  neben  dem  angeführten 
dozen  wenigstens  eine  mischung  der  verba  docere  und  dacere  annehmen. 
Das  prov.  Reimbuch  hol  dohtz  *doctus   56*.] 

Dupe  fr.  (f.)  schwachkopf,  der  sich  leicht  hinter gehn  läßt,  duper 
hintergehn,  bethören.  Frisch  I,  212*  stellt  dnpe  zum  schwäb.  düppel 
dummkopf,  vgl.  Schweiz,  täuppen  irre  reden,  täabelen  zu  bethören  suchen. 
Weitere  sich  annähernde  Wörter  sammelt  Atzler. 

Dar  fett  altfr.,  umgestellt  drafett  Ignaur.  p.  16,  elend,  erbärmlich. 
Rom.  gramm.  II,  291  (1.  ausg.)  ward  dies  wort  den  ableitungen  mit  atns 
zugesellt  und  dabei  an  das  gleichbed.  isl.  thurfi  erinnert,  worauf  es  auch 
Du  Meril  Form.  d.  I.  I.  fr.  zurückführte.  In  diesem  falle  aber  hätte  das 
franz.  wort  tarfett  lauten  müssen.  Vergleicht  man  mal-feü,  fem.  mal-feüde 
Alexs.  89,  so  hat  man  grund,  in  unserm  worte  ein  compositum  dur-feü 
zu  erkennen.  Malfett  aber  entspricht  dem  pr.  malfadat  Fer.  1861  und 
dem  sp.  malfadado:  darf  eil  ist  dare  fatatas  d.  h.  von  hartem  Schicksal 
betroffen;  in  beiden  aber  ward  das  suffix  atas  mit  dem  sufßx  atas  ver- 
tauscht wie  etwa  in  letru  für  leträ  u.  a.  (Auch  das  einfache  fett  ist  vor- 
handen, ChLy.  p.  212.) 

Davet  fr.  flaumfeder.  Das  altfr.  dam  (nom.  dans,  s.  Henschd)  so 
wie  das  von  Menage  angeführte  norm,  damet  (bei  Du  Meril  deamet),  ndat. 
duma,  gehen  auf  das  altn.  dün  (daune)  zurück;  aber  davet? 


ILc.  EAU-ECHANTILLON.  565 


B. 

Eau  fr.  (f.)  wasser;  von  aqua  mittelst  einer  starken  Umbildung:  zu- 
erst eve  (vgl.  yve  aus  equa),  daher  6 vi  er  gußstein  (aquarium),  diph- 
thongiert ieve,  iave,  eaue,  eau  (ebenso  bei,  biel,  bial,  beau).  Diese  und 
andre  formen  gehen  in  einer  und  derselben  handschrift  nebeneinander,  im 
Fierabras  z.  b.  aigue,  augue,  iaugue,  yawe,  iaue.  Noch  im  16.  jh.  konnte 
man  mit  der  Schreibung  des  wichtigen  Wortes  nicht  ins  reine  kommen:  R. 
Stephanus  z.  b.  schreibt  nur  eaue,  Nicot  eaue  und  eau,  bis  man  sich 
endlich  entschloß,  das  weibliche  e  fallen  eu  lassen. 

febaubi  fr.  erstaunt,  erschreckt,  particip  des  unüblichen  inf  6baubir, 
alt  auch  abaubir;  eigentl.  stammeln  machen,  von  balbus,  altfr.  baube.  8. 
dam  Gachet  p.  2*. 

Äbe  fr.  (f.)  das  fällen  des  meerwassers  nach  der  fluth;  vom  ndl.  ebbe. 

ßblouir  fr.  blenden,  pr.  esbalauzir  für  esblauzir  betäuben,  em- 
blauzir  blenden.  Was  sich  zuerst  darbietet,  ist  unser  blau,  das  rom. 
verbum  könnte  heißen  'einem  blau  machen  vor  den  äugen,  blauzir  wäre 
nämlich  für  blau-ir.  Indessen  wird  das  prov.  z  kaum  zur  hiatustügung 
verwandt,  wozu  auch  in  dem  regelrechten  blavir  (vgl.  blavenc,  blaveza, 
blaveiar,  nicht  blauzenc  ff.)  kein  anlaß  war.  Man  muß  darum  Grand- 
gagnage  beitreten,  der  auf  ahd.  blödi  zaghaft,  schwach,  stumpf  (sbst.  blöd! 
hebetudo)  verweist,  auch  unser  blödsichtig  ist  schwachsichtig,  sttmipf sichtig. 
Das  ahd.  verbum  lautet  blödan;  zum  verwandten  goth.  blauthjan  würde 
das  pr.  blauzir  buchstäblich  besser  stimmen,  aber  die.  uns  überlieferte  be- 
deutung  des  ersteren  (wegschaffen  mvQovv)  liegt  den  romanischen  nicht 
nahe  genug. 

fic arver  fr.  (im  Schiffbau)  zwei  planken  an  den  enden  ineinander 
falzen;  vom  engl,  to  scarf,  schwed.  skarfva  dass.,  eigentl.  zuschneiden,  zu- 
spitzen, ahd.  8carb6n  'concidere3,  s.  Atzler.  Dahin  auch  das  span.  sbst. 
escarba,  gleichfalls  im  Schiffbau. 

tichalas  fr.  weinpfahl,  altfr.  mit  r  escaras,  und  so  pic.  äcarats, 
berr.  charisson,  piem.  scaras.  Nach  einigen  von  scala  leiter;  besser  vom 
gleichbed.  mlat.  carratium  L.  Long,  mit  vorgesetztem  es,  dies  vom  gr. 
%aQa£  (wai.  hqr&c),  s.  Caseneuve  und  Ducange. 

ßchalier /r.  zäun  von  pfählen  oder  ästen.  Trotz  seiner  begriff s- 
verwandtschaft  nicht  aus  ächalas.  Man  läßt  es  aus  scala  entstehen,  weil 
es  eigentlich  eine  ort  doppelter  als  zäun  dienender  leiter  bedeute,  s.  Roquef. 
v.  eschallier. 

fechandole/r.  schindel;  von  scdndula  dass.,  lothr.  mit  ursprüng- 
lichem accent  chondre,  lomb.  (brescian.)  scandola,  wäl.  scundure. 

fechantillon  fr.  probe,  muster,  henneg.  6cantillon  lineal  (muster, 
richtschnur?),  entlehnt  sp.  escantillon,  descantiljon.  Es  wird  aus  altfr. 
cant,   chant  (ecke,  winket,  stück)  geleitet,   und  in  der  that  zeigt  das  mit 


566  IL  c.  ECHASSE-ECOUFLE. 

chant  gleichbed.  eschantelet  dieselbe  Zusammensetzung  mit  es,  beide  scheinen 
also  aus  demselben  primitiv  abgeleitet. 

Schasse  fr.  stelze,  'alt  eschace,  henneg.  6cache;  fläm.  schaets  iass., 
holt,  schaats,  engl,  skate  Schlittschuh, 

ßchauguette  fr.  warte,  bei  den  Alten  auch  eschargaite,  eschirgaite 
Späher,.  Wächter,  oder,  wie  Gachet  516*  nachweist,  ein  zum  beobachten 
bestimmter  trupp,  vb.  eschargaitier;  vom  dtschen  schaarwacht,  worauf  die 
altfr.  formen  weisen.  Das  neufr.  wort  ist  aus  eschargnete,  eschalguete 
entstellt. 

ficheveau  sträng  zwirn  oder  garn;  wird  gewöhnlich,  dem  begriffe 
ganz  ungenügend,  von  capillns  hergeleitet.  Sollte  es  nicht  aus  scapus 
entstanden  sein,  sofern  dies  für  den  cylinder  der  papierrollen  gebraucht  wird, 
und  etwa  r Stichen  bedeutet  haben?  Daß  man  etwas  rund  gewickeltes  dar- 
unter verstand,  scheint  ausNicot  hervorzugehn,  der  es  * spira  fUacea,  orbis 
füaeeus  übersetzt,  auch  heißt  das  veraltete  eschevete  nach  Roquefort 
knäuel.  Derselbe  hat  auch  eschavoir  mit  der  bed.  haspel,  also  etwas 
abwickelndes. 

tichoppe  fr.  (f.)  Meine  bude;  vom  ahd.  schupfa,  nhd.  masc.  schup- 
pen, woher  auch  weil,  sopru. 

Schoner  fr.  stranden  d.h. auf  den  Strand  gerathen,  dsgl. scheitern, 
döchouer  wieder  flott  machen;  etwa  von  cautes  die  den  schiffen  gefährliche 
Wippe?  (naves  nihil  cautes  timebant  Caesar).  Cautes  ist  freilich  ein 
unrom.  wort,  gleichwohl  ist  diese  herleitung  besser  als  die  von  Menage 
aus  scopolus,  da  lat.  c  vor  o  nicht  in  ch  übergeht. 

Eclair  fr.  blitz;  von  öclairer,  lat.  exclarare  erleuchten,  also  wie 
fulmen  und  fulgor  von  folgere  glänzen,  oder  champ.  lumer  blitzen,  von 
lumen.  Es  begegnen  noch  andre  ausdrücke  für  blitz:  altfr.  espart  Ruteb. 
II,  481;  esclistre  s.  unten;  bürg,  älaide,  blende  Mignard,  lothr.  alande, 
auloide  Mim.  de  Vigneulles. 

6  c  o  p  e  fr.  schöpf kanne ;  vom  schwed.  skopa  dass. 

Ecore  fr.  jähe  stelle  am  meeresufer;  vom  ahd.  scorro  klippe,  ags. 
score,  engl,  shore,  ndl.  schorre,  schore  KU,  vgl.  gael.  sgör. 

ßcornifler  fr.  schmarotzen.  Es  ist  dies  ein  begriff,  der  dem  witze 
die  verschiedensten  auffassungen  erlaubt,  daher  ist  seine  deutung  keine 
leichte:  auch  das  entsprechende  deutsche  wort  harrt  noch  der  aufklarung. 
Auffallend  trifft  £cornifler  mit  unserm  karniffeln  zusammen,  wiewohl  letz- 
teres etwas*  anderes  (puffen,  knuffen)  aussagt.  Frisch  i,  601c  bemerkt: 
'karniffeln,  franz.  äcornifler  einen  eis  Schmarotzer  tradieren,  vom  itaL 
scorno  schimpf,  spott\  Auch  jetzt  noch  vermuthet  man  darin  eine  aller- 
dings unregelmäßige  ableitung  aus  6corner  beschimpfen  =  it.  scornare, 
wiewohl  man  eher  eine  Zusammensetzung  darin  vermuthen  sollte. 

ficoufle  fr.  (m.)  hühnergeier,  cdtsp.  eseofle  Conq.  ÜUram.  Nannte 
man  wurfgeschütze  nach  raubvögeln  (s.  terzuolo  I.),  warum  sollte  man 
nicht  einen  raubvogd  nach  einem  wurfgeschütz  genannt  haben?  Schupfer 
(von  schnpfen  fortstoßen)  hieß   ein  wurfzeug  Frisch  II,  234*,   ihm  ent- 


ILc.  ECOÜVILLON-ELAGUER.  567 

spricht  mit  einer  leichten  abänderung  (vgl.  crible  für  cribre,  alt  temple 
für  tempre)  das  atifr.  escofle.  Chevallet  I,  253  erkennt  darin  das  gleiehbed. 
bret.  skoul,  schon  cornisch  acoul:  dieses  etymon  wäre  sicher  besser  be- 
rechtigt als  das  andre,  wenn  sich  die  formen  einigen  ließen. 

fecouvillon  Wischer  zum  abputzen,  sp.  escovillon;  dimin.  von 
scopa  besen. 

fecran  fr.  f euer  schirm;  vom  dtschen  schrägen  gestett,  vgl.  flan  von 
fladen.  Nach  andern  floß  es  aus  dem  ahd.  scranna  batik,  oder  gar  aus 
dem  gad.  srian  zügd  =  kymr.  ffrwyn  =  tat.  frenum. 

£craser  zerquetschen;  special  franz.  den  Normannen  abgeborgtes 
wort,  attn.  krassa  Beweiben,  schwed.  krasa  zerschlagen. 

ficrevisse  fr.  krebs,  dUfr.  escrevisse  auch  hämisch;  vom  ahd. 
krebiz  mit  vorgesetztem  s,  worin  Wackernagel  einfluß  von  scarabaeus 
(gr.  xdgaßog,  axaQaßog)  vermuthet,  henneg.  einfach  graviche,  wailon.  grevess. 
Der  Provenzale  hat  dafür  cranc  von  Cancer  (s.  granchio  tfd.  I),  die  neue 
spräche  aber  auch  escrabissa,  escrevici. 

ficrou  fr.  (m.)  Schraubenmutter;  von  scrobis  (m.  f.)  grübe,  vgl.  it. 
cavo  mit  beiden  bedd.  Unser  schraube  hätte  franz.  kaum  anders  als 
6crue  oder  6cru  lauten  können;  im  churw.  scrov,  scruv,  im  wal.  sirof, 
im  ungr.  srof  aber  fand  es  nachbüdung. 

Ecrouelle  fr.  (nur  implural  üblich)  drüsengeschwulst ;  von  scrofella 
für  scrofala  hdLsgeschwulst. 

fecu  fr.  schüd,  schüdthaier ;  von  scutnm,  U.  scudo  ff.,  daher  auch 
Icnyer,  pr.  escudier  ff.  Schildknappe,  fr.  6<fusson  Wappenschild  {gleichsam 
scut-io  wie  von  arcns  arc-io  argon). 

fecuelle  fr.,  pr.  escudela  ein  gefäß;  von  scutella,  it.  scodella,  ahd. 
scnzilft,  nhd.  Schüssel. 

fecurie  fr.,  escuria,  escurajpr.  stall;  vom  ahd.  scüra,  skiura,  mlat. 
scuria,  nhd.  scheuer,  woher  denn  auch  wal.  ßur^,  ungr.  tsttr. 

Effarer  fr.  bestürzt  machen,  s' effarer  bestürzt  werden;  scheint,  wenn 
man  pr.  es-ferar  scheuchen  vergleicht,  nicht  von  efferare  wild  machen, 
sondern  neue  büdung  aus  ferne,  welches,  wie  ferox  in  farouche  (auch  hier 
a  aus  e),  die  bed.  scheu  annahm. 

feg  out  fr.  dachrinne;  nicht  mit  Jault  vom  fläm.  goot  gösse,  oder 
mit  andern  von  aquae  ductus ;  es  ist  einfach  vom  franz.  vb.  ögoutter  ab- 
tröpfeln, pr.  esgotar,  vgl.  pr.  goteira,  fr.  gouttifere  =  6gout. 

Plaguer  fr.  einen  bäum  ausschneiden  oder  lichten.  Nach  Frisch 
von  ablaqueare  (auch  oblaqneare)  die  erde  um  die  weinstöcke  auflockern, 
um  das  unkraut  zu  vertilgen,  eine  herleitung,  für  welche,  da  ablaqueare 
nur  61acer  erzeugen  konnte,  vorerst  eine  form  ablaquare  angenommen 
werden  müßte.  Es  wird  sich  fragen,  ob  das  wort  nicht  deutscher  herkunft 
sei,  ob  das  ahd.  Iah  incisio  arborum  Qraff  IL  100,  oder  das  rnndl.  laecken 
vermindern,  verdünnen  nicht  darin  enthalten  sein  könne,  über  Iah  s. 
Grimms  Rechtsalt  p.  644,  wo  auf  nhd.  leck  verwiesen  wird.  —  [Auch 
Grandgagnage  ist  auf  diese  etymologie  gekommen  v.  liguer.] 


568  II.  c.   ELAN-EMPLETTE. 

ßlan  elen-thier;  ungewiß  ob  vom  ahd.  elaho,  acc.  elahon,  zsge. 
elan  (ähnlich  häron  von  heigir-on)  oder  vom  späteren  deutschen  elen, 
elend,  slawischer  herkunfl. 

Embler  aft/r.,  emblar  stehlen,  in  hss.  der  L.  Sah  bereits  imbulare, 
florent.  imbolare,  chw.  ingular,  angular ;  von  involare  wegnehmen :  remitte 
pallium  mihi  meum,  quod  involasti  Catuih,  so  noch  ital.  Lateinische 
grammatiker  haben  zu  entscheiden,  ob  involare  in  dem  angegebenen  sinne 
identisch  sei  mit  involare  hineinfliegen,  desgl.  sich  auf  etwas  losstürzen, 
wofür  sich  anführen  ließe,  daß  es  verba  gibt,  die  einen  fortschritt  in  ihren 
bedeutungen  zu  erkennen  geben,  wie  in  verfolgen  und  erreichen,  suchen  und 
finden;  oder  ob  es  mit  vola  zusammengesetzt  sei  und  eigentlich  heiße  'in 
die  hand  stecken,  wobei  an  manuari  stehlen  (von  manus)  bei  Gdlius  aus 
Laberius  erinnert  werden  dürfte.  Abgekürzt  aus  involare  ist  das  neufr.  voler. 

Embronc  altfr.  pr.  geneigt,  gebeugt,  z.  b.  ara  vau  embroncs  et 
enclins  LR.  II,  262,  embronc  contra  la  terra  GÄlb.  2164;  fr.  paien  i 
bassent  lur  chefs  e  lur  mentun,  lor  belmes  clers  i  suzclinent  enbrnnc 
Roh  p-  127,  daher  auch  gedankenvoll,  traurig;  ebenso  vah  enbronch  ge- 
krümmt A.  March,  pic.  embron  linkisch  (verdreht?),  vb.  embroncher  Ni- 
cot,  bürg,  rembroncher,  altsp.  broncar  beugen,  krümmen.  Die*  herkunfl 
des  Wortes  ist  noch  naher  zu  untersuchen.  Möglich  wäre,  da  embronc 
eigenth  vorwärts  gebeugt  heißt,  ableitung  aus  pronus :  impronicare,  woraus 
embronc  als  verkürztes  particip,  wäre  ein  gegenstück  zu  clinicare,  auch 
dürfte  noch  das  altpg.  ambrom  'vorwärts*  verglichen  werden,  aber  diese 
möglichkeit  liegt  nichts  weniger  als  nah.  Wie  verhält  sich  dazu  pr.  em- 
broncar,  altfr.  embroncher  in  der  bed.  einhüllen,  bedeclien?  pr.  sotz  son 
elme  s'embronca  e  son  espeut  brandig  GAlb.;  en  son  chaperon  enbrun- 
ahi6  Ren.  II,  129;  li  amiralz  en  ad  le  helme  enclin  e  en  apres  si'n  en- 
brunket  son  vis  Roh  p.  135.  S.  Menage  v.  embruncher,  und  vgl.  pic. 
embrugner  bedecken  (Gorbiet),  kenne g.  embrunqu^,  berr.  embrunchä  m 
schlimme  händel  verwickelt.  Auch  das  adjectiv  entspricht  dieser  bedeutung, 
z.  b.  e  eil  s'en  sunt  parti  joiant,  embrons  e  enchaperonez  eingewickelt 
und  eingemummt?  Ben.  II,  186.  —  [Eine  genaue  Untersuchung  der  ver- 
schiedenen bedeutungen  der  fraglichen  Wörter  bei  Gachet  p.  139,  der  auch 
das  it.  broncio  hieher  rechnet,  darüber  s.  oben  II.  a.  Handelte  es  sich 
hier  bloß  um  die  bed.  kummervoll,  so  könnte  man  an  das  gleichbed.  gaeh 
brönach  denken,  aber  der  sinnliche  begriff  hat  den  Vorzug.] 

Empeltar  pr.  cat.  pfropfen,  sbst.  cot.  empelt,  pr.  empeut,  altfr. 
empeau  pfropfreis;  von  pellis  (haut  des  baumes,  rinde)  oder  besser  von 
dem  prov.  dimin.  peleta,  woher  auch  engl,  pelt,  fr.  pelletier,  also  eigent- 
lich em-peletar  in  die  rinde  einsenken,  dtsch.  pelzen. 

Emplette  fr.  einkauf;  für  altfr.  emploite,  norm,  empleite,  von  im- 
plicitus  implic'tus,  dies  von  implicare  (in  roman.  sinne),  verwenden,  an- 
legen. Altfr.  war  auch  emploiter,  pr.  empleitar  vorhanden,  unmittelbar 
das  Icd.  implicitare.  Unrichtig  ist  sowohl  Menage 's  deutung  aus  impleta 
wie  die  von  Frisch  aus  employ-ette.     Vgl.  unten  exploit. 


ILc.  ENARME-ENIC.  569 

Enarme  dltfr.  riemen  den  Schild  zu  fassen,  ahd.  skilt-riemo.  En- 
armer  heißt  den  schüd  mit  einem  solchen  riemen  versehen,  eigentL  wohl 
zum  gebrauche  fertig  machen,  von  armare  mit  etwas  versehen;  daher  das 
sbst.  enarme.  Die  Zusammensetzung  mit  en  ist  für  unser  gefuJü  über- 
flüssig  und  scheint  durch  andre  auf  ausrüstung  bezügliche  verba,  embas- 
toner,  empenner,  enaster,  enfrener,  veranlaßt.  Den  unterschied  zwischen 
diesem  wort  und  guige  sucht  Gachet  zu  ermitteln  142b. 

Eil  fr  um,  enfrun  altfr.y%  enfrun  pr.  gierig,  unersättlich,  s'enfrunar 
gierig  essen,  sich  voll  stopfen  Chx.  IV,  453;  ohne  zweifei  von  frümen 
gurgely  Schlund,  wodurch  sich  auch  das  schwanken  zwischen  anlautendem  m 
und  n  erklärt.  En  ist  hier  präposition,  en  frum  heißt  Undiegurgel  hinein. 

Enger  fr.  belästigen:  qui  m'a  eng6  de  cet  animal?  Dict.  de  Vacad., 
dsgl.  anfüllen,  überfüllen:  Nicot  a  eng6  la  France  de  l'herbe  nicotiane. 
Es  fügt  sich  buchstäblich  zu  enecare  plagen,  zsgz.  en'care,  vgl.  vindicare 
vin'care  venger.  Dasselbe  wort  ist  augenscheinlich  daspg.  engar  heftig 
dringen,  feindlich  zusetzen,  das  Moraes  unstatthaft  vom  dtschen  eng  her- 
leitet. AÜfr.  heißt  enger  auch  sich  vermehren,  überhand  nehmen  (beson- 
ders von  schädlichen  dingen),  z.  b.  cette  dartre  enge  grandement;  la 
peste  enge  fort;  daher  engeance  brut;  nach  Menage  von  ingignere,  dessen 
zweites  n  aber  nicht  schwinden  konnte.  Hieraus  pg.  incjar  (a  coelha  em 
poncos  mezes  in$ou  a  terra  heckte  das  land  voll),  limous.  s'endzi  sich 
erzeugen  (vom  Ungeziefer)  und  wohl  auch  sard.  angiai  hecken,  junge  werfen. 

Engrant  dltfr.  gierig,  z.  b.  tant  fast  engrant  de  nule  ferne  LR. 
III,  494;  ce  soir  fu  moult  Pitiez  engranz  Ruteb.  II,  54;  dsgl.  engrande: 
li  priex  ki  estoit  engrande  FG.  IV,  53 ;  de  servir  fu  la  dame  engrande 
NFC.  I,  294;  del  revenir  sont  ja  engrande  Parton.  II,  188.  Beide 
formen  sind  also  für  masc.  und  fem.  sg.  und  plur.  gültig.  Im  prov.  ist 
das  wort  selten;  Raynouard  verzeichnet  nur  ein  beispiel:  ieu  m'en  sui 
mes  tos  temps  engrans  B.  Born.  Im  lothring.  findet  sich  s'agransi  gierig 
verlangen.  Chevallet  hält  grant  für  ein  Substantiv  und  erblickt  darin  das 
deutsche  gram:  d  wäre  alsdann  zugetreten  wie  wBertran-d;  Gachet  räth 
auf  das  altn.  partic.  angradhr  beunruhigt,  das  zweite  n  wäre  also  einge- 
schoben. In  grant  und  grande  ein  Substantiv  anzunehmen,  scheint .  richtig, 
theüs  weil  das  volle  wort  niemals  attributiv  gebraucht  wird,  theüs  weil  es 
nicht  adjectivisch  flecttert. 

Engres  dltfr.,  auch  engrais,  engrois  (fem.  engresse),  pr.  engres 
hitzig,  heftig,  leidenschaftlich;  sbst.  engrestö  TCant.  p.  72,  Brt.  II,  198, 
vb.  g'engresser  das.  106.  Etwa  von  agrestis  rauh,  wild?  vgl.  wegen  n 
engrot  von  aegrotus.  Nach  Villemarque,  Chans,  bret.  I,  132  (2.  ed.), 
vom  bret.  sbst.  enkrez,  inkrez  kummer,  unruhe.  Andre  ziehen  diese  Wör- 
ter aus  gravis,  Carpentier  aus  ingravare,  aber  weder  dieses  noch  in- 
gravescere  erklärt  die  formen.  An  der  spitze  derselben  kann  nur  das 
adj.  engrte  stehn  (wofür  agrestis  allerdings  ein  wenig  zuverlässiges  etymon 
ist):  hieraus  das  subst.  engrestö  für  engresse t6  so  wie  das  verbum. 

Enifrpr.  unwillig,  aufgebracht;  von  iniqnus. 


1 


570  II.  c.  ENNE-ENTE. 

Enne  attfr.  partikd  für  frage  und  ausruf:  enne  porroit  bien  avenir? 
G.  SAngl.  p.  128,  vgl.  MicheVs  gloss.  zum  Tristan  und  zur  Chron.  de 
Ben.,  Oreüi  p.  319;  offenbar  zsgs.  mit  dem  fragewori  et  (Rom.  gramm. 
III,  403)  und  der  negationspdrtikd,  noch  lothr.  enne  (Oberlin).  Mit  dem 
mndl.  fragewort  ene,  eno  Hoffm.  Hör.  belg.  VII  p.  8  trifft  das  frans, 
also  nur  zufallig  zusammen. 

Enqnar  pr.  anfangen:  enqueth  'coepit'  im  Ev.  Joh.  ed.  Hofm., 
häufig  im  Gir.  de  Boss.;  offenbar  von  inchoare,  einem  der  wenigen  tat. 
Wörter,  die  dem  prov.  gebiete  ausschließlich  eigen  sind,  denn  der  Italiener 
besitzt  nur  das  pari,  incoato,  welches  auch  die  Lex.  Long,  gebraucht: 
quod  ipsum  malum  per  ipsnm  fiet  inquoatum.   Näheres  bei  Mahnp.  44. 

Enron  er  fr.  heiser  werden;  von  rancns. 

Ens  attfr.,  ins  pr.  partikel,  von  intus;  zsgs.  eilt  fr.  dens,  nfr.  dans, 
dedans,  pr.  dins,  dedins,  von  de  intus,  de  de  intus ;  dsgl.  attfr.  saiens, 
laiens,  pr.  saYns,  laYns,  deren  erste  häufte  die  rom.  Partikeln  sai  und  lai 
sind,  neufr.  cäans  und  läans. 

En  tarn  er  fr.,  entamenar  pr.,  dsgl.  piem.  antamnä  verlebten,  ritten, 
leicht  verwunden,  auch  anschneiden.  Wie  sehr  sich  auch  gr.  ivziuvetv 
durch  seine  bedeutung  empfiehlt,  so  scheint  doch  das  lat.  taminare,  weiches 
Festus'mit  violare  erklärt,  durch  seine  heimath  wie  durch  seine  form 
(denn  mn  dehnt  sich  romanisch  nicht  in  men)  besser  berechtigt.  Es  ver- 
steht sich,  daß  das  rom.  en-tamenar  anders  zusammengesetzt  ist  als  das 
lat.  in-taminatus.  Man  deutet  jenes  wohl  auch  aus  cdtischen  Wörtern 
wie  tarn  bissen,  taman  rümpf;  was  läßt  sieh  aber  für  den  latein.  Ursprung 
eines  Wortes  mehr  verlangen,  als  daß  es  nach  form  und  inhalt  mit  einem  werte 
dieser  spräche  zusammentreffe?  Auch  anfangen  bedeutet  entamer,  und  unge- 
fähr denselben  schritt  vom  schneiden  zum  anfangen  that  unser  tifecAes  beginnen, 
dessen  primitiv  ginnen  die  bed.  spalten,  schneiden  hat :  brot  oder  fleisch  schnei- 
den oder  geschnitten  haben  ist  anfangen  zu  essen,  und  so  ward  schneiden  bald 
überhaupt  für  anfangen  gebraucht  (J.  Grimm  in  Haupts  Ztschr.  VIII,  18). 
Die  umgekehrte  begriffsentwicMung  zeigt  das  pg.  encentar  17.  b. 

Ente  fr .' pfropfreis ,  gepfropfter  bäum,  piem.  parm.  enta,  moden. 
entin  (Muratori),  vb.  fr.  enter  pfropfen.  Buchstäblich  paßt  ente  zu  gr. 
e'nq>vTov  eingepflanzt,  enter  zu  if.tq>vrevBivf  woher  auch  ähd.  impitön,  mhd. 
impfeten,  nhd.  impfen,  ndl.  enten  geleitet  wird.  Schon  in  der  L.  Sai. 
findet  sich  impotus,  das  sich  in  betreff  seines  p  zu  e^qwrov  verhalt  wie 
coiapus  zu  colaphus  und  auch  mit  seinem  o  zum  gr.  v  stimmt.  Andre 
erkennen  in  dem  werte  ein  compositum  aus  in  und  dem  ndl.  poot  pfote, 
auch  satzstamm,  daher  im-pötus,  bret.  em-bouden,  s.  besonders  Dief.  Goth 
wb.  I,  415,  vgl.  II,  762;  zu  diesem  etymon  aber  paßt  die  franz.  form 
nur  mit  knapper  noth,  indem  sich  der  accent  auf  die  partikd  zurückge- 
zogen haben  müßte,  die  dhd.  gar  nicht,  und  könnte  das  bret.  wort  nicht 
dem  attfr.  emboter  (einfügen)  nachgesprochen  sein?  Dem  von  Pott  (s. 
Dief.  I,  442)  vorgebrachten  im-putare  steht  grammatisch  nichts  im  wege, 
seine  bed.  einschneiden  aber  scheint  wenig  gesichert. 


ILc.  ENTERCIER-ENVIS.  571 

Entercier  dttfr.  wiedererkennen,  anerkennen  0.  b.  pur  ivre  Ten- 
ter$ad  'aestimapit  eam  temuleniatn  LRs.  3;  vom  mtat.  in-tertiare  in  die 
dritte  hand  legen,  in  einer  hs.  der  L.  Sah  cap.  47  und  an  andern  stellen, 
s.  Waita,  Recht  der  salischen  Franken  p.  156.  Wer  eine  ihm  gestohlene 
sache  in  fremdem  besitz  entdeckte,  hatte  das  recht,  sie  mit  besehlag  zu  be- 
legen und  einem  dritten  tu  überantworten,  worauf  der  besitzer  seinen 
auctor  stellen  mußte.  So  ward  'mit  bescMag  belegen  gleichbedeutend  mit 
* wiedererkennen,  aber  auch  die  juristische  bedeutung  ist  dem  dttfr.  werte 
nicht  fremd,  s.  beispide  bei  Ducange. 

Enticher  fr.  anstecken  mit  einer  krankheit  und  dgl.;  vom  dtschen 
wort,  wie  schon  Frisch  annahm. 

Entrailles  fr.,  intralias  pr.  eingeweide.  Lot.  interaneum,  pl.  in- 
teranea,  ergab  it.  entragno,  sp.  entranas,  dttfr.  entraigne  (bei  Boquef.  en- 
treingne),  in  der  L.  Säl.  intrania,  in  den  Cassder  glossen  intrange 
(spr.  intragne).  Auf  die  fron*,  form  ward  offenbar  das  suffix  aille,  wo- 
mit man  collediva  schuf,  angewandt,  vielleicht  gab  das  begriffsverwandte 
tripaille  den  nächsten  atUaß.  Das  churw.  wort  ist  endadens  =  fr.  en 
dedans. 

Entrechat  fr.  kreuzsprung ;  vom  it.  intrecciato  ineinander  geschlun- 
gen; abgekürzt  aus  capriuola  intrecciata  (Manage). 

Entresait  dttfr.,  noch  jetzt  norm,  antresiais,  adverb  mit  der  bed. 
€ohne  umstände,  jedesfalls\  0.  b.  Hues,  fait  il,  tout  entresait  eheste  reube 
que  senefie?  FC.  I,  65;  c'est  gaaing  entreset  das  ist,  jedesfalls  gewinn 
Jubin.  Jongl.  et  trouv.  p.  161.  Die  prov.  form  ist  atrasait,  atrasag, 
s.  b.  bestia  es  intrada  per  atrasaig  en  son  vergier  Jfr.  p.  81b;  car  atra- 
saitz  an  que  manjar  p.  108*;  abgeleitet  daher  ist  ein  zweites  adverb  atra- 
saiadament  s.  Poes,  relig.  publ.  p.  P.  Meyer.  Trennt  man  die  Präposi- 
tionen en  und  a,  so  gewinnt  man  tresait,  trasait,  das  auf  transactus 
deutet;  a  totz  trazagz  braucht  ein  troubadour.  Im  altitai.  trifft  man  tra- 
satto:  dunqae  ben  &  ragione  che'l  nostro  amore  si  parta  in  trasatto  ohne 
umstände  sich  scheide  PPS.  I,  322;  Salvini  übersetzt  'rinunzia  dipossesso*. 
Dasselbe  adverb  findet  sich  bereits  im  frühem  mlatein:  habeat  eos  in 
transactum  Liutpr.  Leg.  6,  94;  in  finitum  et  in  transaetnm  HPMon.  I, 
num.  53  (v.  j.  896);  num.  55  (v.  j.  899)  und  oft.  Transactum  kann 
hier  nicht  vergleich  bedeuten,  es  geht  vielmehr  auf  fransigere  durchstoßen, 
durchführen,  abthun  zurück  und  drückt  das  gegentheü  von  rücksichten  oder 
umständen  aus,  unbedingtheit,  daher  auch  it.  trasattarsi  sich  etwas  an- 
maßen, sich  ohne  umstände  etwas  zueignen. 

Enyahir  fr.  mit  gewalt  an  sich  reißen;  von  invadere  anfallen,  mit 
ausgestoßenem  d  und  eingeführtem  h  zur  Währung  des  hiatus,  pr.  envazir 
mit  schärfung  des  A  zu  z  nach  der  sitte  dieser  mundart.  Es  ist  also  nicht 
an  inyehere  zu  denken. 

Envis  altfr.  adverb  mit  der  bed.  wider  wülen,  z.  b.  enyis  ou  vo- 
lontiere (oft),  prov.  nur  im  Oir.  de  Boss.r  wdtton.  eviss,  bürg,  anvi;  vom 
adj.  invitus  für  invite  (nihil  faciat  invituß),   aber  in  dieser  mascutinen 


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572  ILc.   ENVOUTER— EPAVE. 

form  gleich  dem  sp.  ambidos  11.  b,  mit  beobachtung  des  flexions-s,  zum 
adverbium  erstarrt,  wenn  nickt  dieses  8,  welches  auch  der  gegensatz  volen- 
tiers  an  sich  trägt,  der  bekannte  paragogische  buchstabe  der  adverbien  ist 
(Rom.  gramm.  11,  456).  Später  setzte  man  ä  vor  (k  envis)  wie  bei  andern 
adverbien;  das  span.  wort  hat  sich  dessen  enthalten.  Endlich  legte  man 
auf  das  schließende  s  keinen  werth  mehr  und  sagte  z.  b.  ouYr  envi  quel- 
que  chose,  wie  noch  Nicot.  —  Andrer  herkunft  ist  der  neufr.  ausdruck 
ä  l'envi  um  die  wette,  avec  Emulation:  ils  travaillent  ä  1'envi  Tun  de 
l'autre.  Es  ist  von  envie  =  invidia,  indem  das  weibliche  e,  wie  in  ad- 
verbien, als  bedeutungslos  gewordener  vocal  (vgl.  das  adv.  or  für  ore)  weg- 
fiel; die  Wörterbücher  des  16.  jh.  aber  setzen  noch  ä  Tenvie  Tun  de  Tau- 
tre. Dieses  envi  für  identisch  mit  dem  ersterwähnten  envis  zu  halten, 
verbietet  der  sinn.  Widerstreben  und  Wetteifer  berühren  sich  nicht,  wohl 
aber  neid  und  Wetteifer,  vgl.  gr.  UjXog,  lat.  aeraulatio,  mhd.  nft  (feind- 
licher Wettstreit  aus  haß  oder  neid).  Das  nun  veraltete  subst.  envi  'die 
summe,  die  ein  Spieler  setzt,  um  seinen  mitspieler  zu  überbieten*  scheint 
man  aus  der  adverbialen  redensart  herausgezogen  zu  haben. 

Envoüter/r.  vermittelst  eines  Wachsbildes  verwünschen:  devovet 
abseiites  simnlachraque  cerea  fingit  et  misernm  tenues  in  jecur  urget 
acus  Ovid.  Für  devovere  braucht  Aptdejus  devotare,  welchem  angelehnt 
das  fr.  envoüter  eigentl.  einwünschen,  in  einen  gewissen  zustand  wünschen 
bedeutet,  denn  was  dem  abbilde  angethan  ward,  sollte  auch  dem  urbüde 
geschehen.  Wenn  man  im  spätem  mlatein  invultare  schrieb,  so  dachte 
man  an  vultns,  so  daß  es  abbilden,  in  ein  bild  bringen  hieß,  was  gleich- 
falls bezeichnend  wäre;  aber  der  in  Frankreich  fortlebende  römische  ge- 
brauch sollte  er  nicht  auch  für  abstammung  des  franz.  aus  dem  dafür 
üblichen  lat.  worte  reden? 

äpancher  fr.  ausschütten;  gleichbed.  it.  spandere  von  expandere, 
woraus  der  Franzose  expandicare  ableitete  wie  aus  pendere  pendicare 
pencher. 

fipanouir  fr.  entfalten;  erweitert  aus  dem  alten  espanir  (venez. 
spanire)  für  espandir,  nebenform  von  espandre,  lat.  expandere,  wie  z.  b. 
tolir  neben  tolre  steht;  doch  scheiden  sich  jene  beiden  formen  auch  einiger- 
maßen in  der  bedeutung.  Zu  dieser  erweiterung  mag  das  beispiel  von 
ävanouir  für  ävanir  (s.  unten)  verleitet  haben.  Die  entsprechende  prov.  oder 
eigentlich  poitevinische  form  ist  espanausir  ONev.  p.  20,  eine  form,  die 
ihren  grund  in  dem  analogen  Verhältnis  gewisser  prov.  und  franz.  verba 
haben  muß.  Da  fr.  ouYr,  jouir,  äblotrir  pr.  auzir,  jauzir,  esbalauzir  lauten, 
so  führte  man  in  dem  halb  franz.  Poitou  auch  espanoir  auf  espananzir 
hinaus.  Selbst  bei  brauzir  =  brouir  (wo  die  bemerkten  fälle  schon  wr- 
glichen  wurden)  konnte  diese  eigentümliche  umprägung  statt  gefunden 
haben. 

Epave  fr.  verlaufen,  herrenlos.  Man  findet  seinen  Ursprung  in  ex- 
pavidus,  so  daß  es  eigentl.  'scheu  geworden  bedeutete,  erst  von  thieren, 
nachher  von  aller  fahrenden  habe  gebraucht. 


ILc.  EPEICHE-ESCHEVL  573 

Äp  eiche  fr.  (Trev.),  altfr.  espeche  Buteb.  I,  65,  pic.  6p£que, 
weitton.  spoi  ein  vogd;  vom  ahd.  speh  speckt. 

Äpeler  fr.  buchstabieren,  altfr.  espeler  sagen,  bedeuten:  volt  saveir 
qned  espelt  will  wissen  was.  (der  brief)  aussagt  Alexs.  70;  qne  speit? 
was  bedeutet  das?  LRs.  162,  pr.  espelar  erklären,  minder  gut  espelhar; 
vom  goth.  spillön,  ahd.  spellön  erzählen. 

Eperlan  fr.,  daher  sp.  eperlano,  eperlan?  ein  fisch,  stint;  nhd. 
spierling,  ndl.  spiering,  über  dessen  muthmaßliche  herkunft  aus  lat.  spira 
s.   Weigernd. 

£pieu  fr.  spieß,  f angeisen;  von  spiculum  wie  essieu  von  axiculus, 
darum  altfr.  auch  espieil.    Man  scheide  es  von  espiei 

Ergoter  fr.  über  Kleinigkeiten  disputieren;  mit  Menage  aus  lat. 
ergo,  der  in  den  disputationen  stets  wiederkehrenden  folgerungspartikel, 
su  erklären,  daher  auch  sp.  ergoteo  das  disputieren,  gleichfalls  mit  ein- 
geschobenem t.  Dieses  ergo  gab  in  bürg,  mundart  ferner  ein  sbst.  erigö 
chicane.  Die  von  Ducange  angenommene  entstehung  von  ergoter  aus  ar- 
gütari  ist  nicht  der  rede  werth:  letzteres  konnte  nur  argüer  (3  silb.)  er- 
geben, wofür  die  andern  sprachen  argüire,  argflir  gebrauchen. 

Erre  altfr.  (f.)  reise,  weg,  errer  reisen,  auch  handeln,  sich  benehmen 
(mes-errer  übel  handeln),  daher  Chevalier  errant  fahrender  (nicht  *  irren- 
der)  rittet,  Juif  errant  wandernder  Jude,  adv.  errant,  erranment  sogleich, 
auf  der  stelle.  Die  älteste  form  ist  edrar  SLeg.  12.  19  und  diese  weist 
auf  lat.  Her,  iterare,  letzteres  in  der  roman.  bedeutung  bei  Venant.  Fort. 
u.  a.  Auch  im  altmail.  läßt  sich  das  wort  wahrnehmen:  Bonvesin  depass. 
S.  Job  v.  208  (vgl.  vita  Alex.  v.  63)  sagt:  so  edro  Uli  han  apiliao  sie 
haben  ihre  reise  angetreten.    Prov.  errar  aber  ist  lat.  errare. 

Escai  link,  veraltetes  prov.  wort  bei  Honnorat,  der  das  gr.  cxaiog 
darin  erkennt. 

Escamoter  fr.  verstohlen  auf  die  seile  bringen,  daher*  wohl  erst 
sp.  escamotar,  das  im  port.  und  catal.  fehlt.  Zweifelhaften  Ursprungs, 
aber  gewiß  nicht  von  commutare,  wie  Menage  glaubt,  oder  vtfin  ahd.  sca- 
mara  rauher \  dieb  Oraff  VI,  497,  woran  Ihre  denkt.  Gieng  es  etwa  aus 
derselben  anschauung  hervor  wie  unser  wegputzen,  indem  es  von  sqnama 
stammte  und  eigentl.  abschuppen,  abputzen  bedeutete?  vgl.  pg.  escamar  ab- 
schuppen, säubern,  velhaco  escamado  durchtriebener  scheint  (bei  Moraes). 
Oder  darf  man  das  kymr.  und  gad.  cam  tauschung,  kunstgriff  darin  er- 
blicken? dies  würde  aber  eher  ein  frans,  ächamoter  voraussetzen  lassen, 
vgl.  chemin  von  caman. 

Escantir  pr.  auslöschen;  von  candere  glühen,  also  für  escandir, 
welches  die  Legs  d'amors  kennen;  das  einfache  can  glühend,  von  Candidas. 
Oder  ist  eifie  deutsche  wursel  darin  enthalten?  oberd.  kenten,  aitn.  kinda 
heißen,  kindir  feuer,  s.  Höfer  v.  kenten,  Schneller  v.  kenden. 

Escargot/r.  Schnecke  mit  gehäus;  wahrscheinlich  gleiches  Stammes 
mit  caraeol,  dem  ein  verstärkendes  8  vorgesetzt  ward. 

Eschevi,   eseavi  altfr.,    escafit  pr.  fein  oder  schlank  gewachsen: 


574  ILc.   ESCHIRER-ESCREGNE. 

heingre  out  le  cors  et  graisle  e  eschewid  Rcl.  p.  148;  Maus,  eschevis 
et  mol£s  Gar.  I,  85;  la  bele,  blonde,  l'escavie  GNev.  p.  31;  noch  jetzt 
bedeutet  cot.  escafida  die  ein  enggefaltetes  leibchen  trägt.  Ein  wort  von 
deutschem  klang,  ahd.  scafjan  bilden,  ordnen,  pari,  gascafit  in  prägnantem 
sinne  für  wola  gascafit,  wie  altfr.  mol£  für  bien  mol£,  forma  für  bien 
forma,  geant  für  bien  seant,  lat.  compositus  für  bene  compositus.  Das 
vb.  escafir  hat  Gir.  de  Boss.  2294:  drehs  aura  jntgetz  e  escafitz,  ahd. 
reht  scafan.    Auch  die  churto.  Sprache  besitzt  scaffir  erschaffen. 

Eschirer  altfr.,  wailon.  hirö,  pr.  esquirar  zerkratzen;  stimmt  zum 
ahd.  skBrran  kratzen.    Zsgs.  ist  fr.  dach  ir  er,  pic.  dekirer  zerreißen. 

Eschiter  altfr.  besudeln  Ren.  IV;  vom  ahd.  sktzan,  ags.  scttan, 
woher  die  watton.  form  hiter.  Auch  auf  die  gestalt  des  fr.  chier  muß 
das  deutsche  wort  eingewirkt  haben,  da  es  rein  aus  dem  latein  entstanden 
unzweifelhaft  chayer  {wie  payer  von  pacare)  gelautet  hätte.  Erwähnen 
läßt  sich  hier  auch  venez.  schito,  com.  schit  mist. 

Esclandre  fr.  (m.)  lärm;  von  scandalum,  altfr.  richtiger  eschandre. 

Esclenque  altfr,  linke  hand  Ruteb.  I,  341,  esclenge  Ren.  H,  p. 
171  (lies  escienche  reimend  auf  gnenche),  wailon.  hleing;  vom  ahd.  slinc, 
ndl.  slink  d.  i.  link  mit  vorgesetztem  s,  vb.  Blinken  dünn  oder  schwach 
werden.    Vgl.  Qrandgagnage  s.  v.  clinche. 

Esclier  dUfr.  zersplittern  Ben.;,  vom  ahd.  scltzan  für  slizan,  nhd. 
schlei&en,  ags.  slftan  zerbrechen,  zerreißen.  Mail,  slisä  (verschleißen) 
gibt  die  hochd.  form  getreu  wieder  (s  =  z). 

Esclistre  altfr.  (f.)  blitz  Ocy.  2429,  äcliste  Bert.  p.  125  (v.  2217 
ed.  Seh.),  noch  henneg.  äclitre;  vom  altn.  glitra  zurückstrahlen,  oder  vom 
engl,  glisten,  glister  glänzen. 

Esclo  dUfr.,  besser  pr.  esclau  huf schlag:  a  pena  an  hom  son  es- 
clau  kaum  hört  man  seinen  huf  schlag  Jfr.  133",  edteat.  esclau  del  cavall 
RMunt.  p.'  164;  überhaupt  spur;  vom  ahd.  slag,  verderbt  in  sclag,  auch 
mhd.  slac,  fußstapfe,  eingeschlagene  spur,  vgl.  wegen  der  form  pr.  fau  von 
fag-us,  wegen  des  begriff  es  altsp.  batada  spur  des  wildes,  eigentl.  schlag. 

Escondire  altfr.  pr.  entschuldigen;  mlat.  ex-con-dicere,  wie  ixlo- 
yelo&ai. 

Escraper  altfr.  abkratzen  Roq.  suppl.;  vom  ndl.  schrapen,  engl. 
shrape  gleichbed.  Auch  altfr.  escraf  e  fischgräte  LJ.  473m,  escreffe  NFC. 
II,  104  scheint  dieses  Stammes,  mhd.  schrapfen  kratzen,  fläm.  schraeffen 
KU.,  vgl.  occ.  escrafä  auskratzen,  tilgen. 

Escregne,  escriegne,  escrienne  altfr.  unterirdisches  gemach,  Sam- 
melplatz der  weiber  und  kinder  für  die  abendzeit,  noch  jetzt  pic.  bürg. 
äcraigne  (Corblet,  FertiauU,  vgl.  Garpentier).  Man  knüpft  dieses  wort 
an  screuna,  screona  erdgemach  L.  Sal.,  screunia  L.  Burg.,  hinter  welchen, 
wie  Wackernagel,  Spr.  der  Burg.  p.  5,  bemerkt,  ags.  seräf  grübe,  mhd. 
schrove  gruft  liegt.  Grimm  hatte  es  aus  lat.  scriniom  geleitet.  Wegen 
dieser  gemacher  verweist  Bignon  auf  Tacitus  Germania  cap.  16.  Man 
beachte  auch  Pott  in  der  abh.  Plattlatein  p.  314,  MüUenhoff  zur  L.  Sal. 


He.  ESCRILER-ESSAKT.  575 

Es  er  i  ler  altfr.  ausgleiten;  schwed.  skrilla  dass.  (ChevaUet). 

Esgrumer  altfr.  Hut  eh.  I,  78,  cot.  esgrumar,  dsgl.  dttfr.  esgrunier, 
esgruner,  pr.  cot.  esgrumar  zerbröckeln,  zerreiben;  vom  ndl.  kruim, 
nhd.  krume. 

Eslider  altfr.,  norm,  blinder  gleiten,  hingleiten;  vom  ags.  slidan, 
engl,  slide,  mndl.  slidden  dass.  Norm,  lider  =  ags.  glfdan,  engl. 
glide  u.  s.  w. 

Esneque,  esneche  atifr.  geschnäbeltes  schiff;  vom  altn.  sneekia, 
dän.  snekke,  ndd.  snik,  ahd.  snagä,  mhd.  sneeke,  wahrscheinlich  mit 
schneeke  verwandt,  s.  Grimm  III,  437,  Ducange  s.  v.  naea. 

Espanir  'ablactare  Voc.  duac.  (altpic.),  neupic.  äpanir,  6p6nir; 
deutsches  wort,  ndl.  spanen,  spenen,  ahd.  ant-spenjan  ein  Und  entwöhnen. 

Espautarj»*.  ängstigen,  watton.  espawter,  pic.  äpauter,  sbst.  pr. 
espaut  angst;  vom  gleichbed.  pavitare  mit  vorgesetztem  ex  wie  in  expavere. 

Esperir  atifr.  pr.  erwecken,  s'esperir  erwachen,  pr.  resperir;  von 
expergere,  re-expergere,  mit  ungewöhnlichem  ausfatt  des  g,  als  ob  man 
zuvor  experrigere  gesprochen  habe,  vgl.  lire  von  legere. 

Espier  altfr.  spieß,  e.  b.  GBourg.  p.  18,  OtinA  71;  buchstäblich 
besser  vom  ahd.  aper,  nhd.  speer,  als  vom  lat.  spanim,  das  auch  die 
übrigen  sprachen  nicht  benutzt  haben.  Ob  dahin  it.  spiedo  gehöre, 
s.  spito  I. 

E spiet,  espiä  altfr.,  espieut,  espiaut  pr. speer,  jagdspieß,  den  man 
schleuderte  (lancer  espiez  Ben.  I,  2  79,  Aubery  p.  54),  aber  auch  sum 
hauen  brauchte  RMunt.  321,  18;  vom  ahd.  spioz,  speoz.  Die  ursprüng- 
lichste form  scheint  espieut,  worin  deutsches  e  oder  i  diphthongiert  ward. 
Man  beachte,  was  Oachet  179*  über  dieses  und  verwandte  Wörter  anmerkt. 

Esprelle  und  prele  fr.  ein  kraut  mit  rauhem  stiel,  scheuerkraut% 
it.  asperella;  von  asper. 

Esprequer  altfr.  stechen,  stacheln  Ben.  IV,  p.  199;  vom  ndl. 
prikken  dass.    So  Henschd  s.  v. 

Esproher  atifr.  besprengen  FC.  III,  408;  vom  ahd.  spruejen 
Grimm  II,  240,  oder  mhd.  spr&wen  spritzen  Wack.  Wbuch.  Gleichbed. 
ist  sp.  espurriar,  das  aus  espruyar  umgestellt  sein  und  gleichfalls  aus 
spraejen  herrühren  kann. 

Esproh on  altfr.,  henneg.  äproon,  wcilon.  sprew  ein  vogel,  staar; 
vom  ahd.  sprä,  nhd.  sprehe,  ndl.  spreawe. 

Esqaille  fr.  knochensplitter ;  dimin.  von  o%idri  scheu,  Span  (schi- 
dula),  oder  von  oxidiov,  daher  plur.  schidiae  bei  Vitruv.  Vgl.  scheggia  II.  a. 

Essart  altfr.,  eissart  pr.  gereute,  essarter,  eissartar  ausreuten;  von 
ex-saritum  das  ausgehackte,  vb.  ex-saritare.  Das  wort  findet  sich  schon 
häufig  in  den  deutschen  volksrechten:  si  quis  .  .  in  sylva  communi  ex- 
artam  fecerit  L.  Burg.;  nemine  oontradieente  exartavi  L.  Bajuv.  — 
[Gachet,  darauf  gestützt,  daß  neben  essart  auch  sart  vorkommt,  leitet  beide 
lieber  von  sarculum  hacke,  das  heißt  doch  wohl  vom  vb.  sarculare  be- 
hacken.   Dadurch  wird  für  die  bedeutung  nicht  mehr  gewonnen  als  mit 


576  ILc.   ESSIEU— ESTERS. 

saritare.  Allerdings  ist  dieses  letstere  nicht  vorhanden,  aber  der  •  trieb, 
frequentativa  zu  schaffen,  wirkt  ja  in  den  tochtersprachen  mächtig  genug, 
um  die  annähme  einer  solchen  bildung  zu  gestatten.  Nach  Gachet  soll 
sich  dagegen  die  Umwandlung  des  c  in  t  (sarculus  sart)  mit  mustiaus 
aus  musculus  d.  h.  mit  einem  vereinzelten,  unregelmäßigen,  der  prov. 
mundart  überdies  fremden  falle  rechtfertigen  lassen.] 

Essieu  fr.  ochse;  für  aissieu  von  axiculus,  vgl.  6pieu  von  spi- 
culum;  auch  it.  assiculo  Zäpfchen,  um  das  sich  etwas  dreht,  also  ein 
diminutiv. 

Est  fr.  (le  hest  LRs.  248),  daher  sp.  este,  altsp,  leste,  osten;  vom 
ags.  edst,  engl,  east  oriens. 

Estalbi  j?r.,  estalvi  cat.  Schonung,  Sparsamkeit,  estalbiar,  estalviar, 
wdld.  stalbiar  Hahn  p.  572.  575,  noch  jetzt  occ.  estaouviä  schonen. 
Neufr.  würde  es  ätauger  lauten,  und  dies  findet  sich  (neben  ätonger)  in 
Berry.  Woher  dieses  räthsdhafte  wort?  Auch  baskisch  bedeutet  estalpea 
schütz,  estalpetcea  schützen  (p  =  pr.  b  auch  in  zuperna  =*pr.  suberna). 

Estalvar  pr.  geschehen,  sich  ereignen  (von  den  lyrischen  dichtem 
nicht  gebraucht);  unbekannter  herkunß. 

Estampie  altfr.,  estampida  pr.  eine  liedergattung,  gewöhnlich  zur 
fiedel  gesungen,  daher  it.  stampita  (alcuna  stampita  e  una  ballatetta  fu- 
rono  cantate  Bocc.  Dec.  giorn.  5.  proem.),  mndl.  stampie  (in  Ostflandern 
noch  üblich),  mhd.  stampenfe,  vgl.  bair.  stampelliedel  singstück  zur  tanz- 
musik  Schmäle**  III,  638.  Das  prov.  wort  heißt  auch  zank,  lärm  (?), 
das  itcU.  langes  verdrießliches  gerede;  dazu  kommt  sp.  estampida,  pg. 
estampido  krachen  des  donners  cet.  Man  hat  an  stampare  gedacht  und 
unter  dem  stampfen  das  tanzen  oder  tactschlagen  verstanden;  aber  warum 
alsdann  nicht  estampada?  Das  vb.  estampir,  woher  das  wort  kommen 
muß,  findet  sich  allerdings  im  prov.,  wo  es  ertönen  oder  rauschen  zu  be- 
deuten scheint:  del  salter i  faras  detz  cordas  estampir  (al.  estrangir)  B. 
95.  An  das  hier  in  betracht  kommende  ahd.  stamph  knüpfen  sich  zwei 
verba  dieser  spräche:  stamphön  ccomminuere\  woraus  das  pr.  estanjpar; 
und  stemphan  (ursprünglicher  stamphjan)  'cadare,  woraus  nach  form 
und  begriff  zutreffend  (denn  die  deutschen  verba  erster  conj.  geben  vor- 
nehmlich romanische  dritter)  das  cat.  estampir  bosseln,  getriebene  arbeit 
machen.  Im  pr.  estampir  aber,  von  dem  wir  nur  die  bemerkte  bedeutung 
kennen,  scheint  das  sbst.  stamph  (stoßet)  zu  wirken,  es  scheint  ein  lautes 
getose  auszudrücken,  wie  es  der  Stößel  im  mörser  macht,  wobei  die  bedeu- 
tung der  span.  und  port.  Wörter  zu  beachten  ist.  Wie  hypothetisch  dies 
auch  sein  mag,  so  ist  es  doch  schwerlich  erlaubt,  für  estampir  einen  an- 
dern stamm  anzunehmen  als  für  estampar.  ttampir  kennen  übrigens  auch 
franz.  mundarten  in  verschiedenen  bedeutungen. 

Es  teil  altfr.  pfähl  Roquef;  wohl  vom  ahd.  stihhil  dass. 

Estern  pr.  spur,  weg,  fem.  esterna  dass.  M.  752,  1,  esternar  ver- 
folgen; vom  ags.  stearn,  engl,  stern  schweif,  schleppe? 

Esters,   estiers  altfr.  pr.  partikel   mit  der  grundbed.  'außerhalb \ 


ILc.   ESTONC-ESTOVOIR  577 

daher  'ausgenommen,  hei  seile  gesetzt*,  z.  b.  pr.  de  totz  bos  aips  esters 
außerhalb  aller  guten  sitten  d.  h.  nicht  im  besitze  derselben;  estiers  mon 
grat  außerhalb  meines  unllens,  ohne  m.  w.;  estiers  no  us  ans  pregar 
außerhalb  dessen  d.  h.  ohne  das  wage  ich  euch  nicht  zu  bitten.  Aus  dem 
gleichbed.  extra  läßt  es  sich  nicht  ableiten}  aber  ein  genügendes  etymon 
ist  exterius  *von  außen ,  mit  versetztem  i  extierus  estiers.  Die  waldens. 
form  ist  stier  Hahn  605°.  611-. 

Es  ton  c  pr.  Tcnittel?  oder  stoß?  s.  LR.  III,  221;  vgl.  unser  stock 
und  ahd.  stung  'punctum,  mhd.  Stangen  stechen. 

Estorer  cdtfr.  errichten,  bauen,  schaffen,  einrichten,  mit  etwas  ver- 
sehen; von  instaurare  in  stand  setzen.  Daher  denn  auch  estoräe,  estore- 
ment  zurüstung,  mlat.  instanrum  und  staurum  vorrath  (in  Urkunden  aus 
England),  engl,  störe,  gael.  stör,  kymr.  ystör.  Das  cdtfr.  sbst.  estoire, 
wiewohl  es  im  spätem  nüaiein  instaurum,  apparatus,  classis  übersetzt 
wird,  scheint  aber  zu  stuolo  (thl.  I.)  zu  gehören;  s.  dagegen  Guessard  in 
der  tkole  des  chartes,  2.  sirie  II,  315  ff. 

E stout  pr.  altfr.  übermüthig,  kühn;  schließt  sich  vermöge  seiner  be- 
deutung  an  das  dtsche  stolz,  it.  stolto  aber  an  lat.  stultus.  Von  estont 
ist  wohl  altfr.  estotoier  mishandeln  Brt.  I,  147,  vgl.  die  prov.  form  estot 
für  estont. 

Estoyoir  cdtfr.  verb.  impers.  geziemen,  nothwendig  sein.  Es  flectiert 
stark  (präs.  m'estuet,  pf.  m'estnt),  weist  also  auf  ein  lat.  verbum  zweiter 
oder  dritter  cottj.  Allein  die  lat.  spräche  scheint  kein  passendes  darzu- 
bieten. Dagegen  hatte  das  franz.  vb.  ester  =  stare  im  perf.  3.  ps.  estut 
van  stetit,  wie  auch  arestat  von  arester  vorhanden  ist:  aus  diesem  perfect 
folgerte  der  sprachsinn  ein  präs.  estnet,  inf.  estovoir,  nach  muet,  mut, 
movoir;  ein  neues  verbum,  dem  man  eine  nebenbedeutung  von  stare  oder 
ester  beilegte,  anstehen,  geziemen.  Diese  deutung  wird  dadurch  unter- 
stützt, daß  dem  Provenzcden,  dem  die  form  estut  von  estar  unbekannt  ist, 
auch  das  verbum  abgeht;  nur  der  nicht  rein  prov.  Gir.  de  Boss,  hat  estut 
in  der  bemerkten  bedeutung,  s.  Lex.  rom.  v.  estever.  Der  inf.  estovoir 
ward  auch  als  sbst.  benutzt  mit  der  bed.  nothwendigkeit,  lebensbedarf,  wo- 
von engl,  stover  futter,  mlat.  estoverium  {ebenso  von  manoir  manerium). 
Außer  der  cdtfr.  besitzt  dieses  verbum  auch  die  churw.  spräche  in  der 
form  stovör,  stuvär  'müssen',  aber  mit  persönlicher  kraft  (el  sto  er  muß, 
perf.  stuv&,  conj.  stuvess)  und  man  darf  sich  nicht  verhehlen,  daß  hier 
die  angedeutete  entwicklung  aus  heimischem  dement  (perf.  von  star  lautet 
stet)  nicht  stattfinden  konnte,  einführung  aus  Frankreich  aber  bei  einem 
worte  dieser  ort  nicht  glaubhaft  ist.  Das  einzige  lat.  Oerbum,  welches  in 
anschlag  kommt,  ist  studere,  von  seiner  formellen  seite  ganz  tadellos  (vgl. 
stuvet,  altfr.  estut  =  studuit;  stuvess,  altfr.  esteust  =  studuisset):  man 
konnte  das  wollen  oder  streben  als  innere  nothwendigkeit,  als  bedürfnis 
auffassen,  so  daß  studeo  scire  den  sinn  cich  muß  wissen  ausdrückte;  verba 
des  modus  sind  ja  in  ihren  bedeutungen  sehr  veränderlich,  s.  Rom.  gramm. 
HI,  226.     Keine  Schwierigkeit  macht    der   unpersönliche  gebrauch  des 

87 


578  ILc.   ESTRAC-ETAL 

franz.  Wortes,  theüs  weil  persönliche  verba  nicht  selten  in  unpersönliche 
übergehen  (dltfr.  il  me  doit  =  je  dois  ganz  analog),  iheils  weil,  wie 
bemerkt,  die  churw.  spräche  den  persönlichen  gebrauch  fortwährend  zeigt. 
Es  darf  vielleicht  noch  in  ansehlag  gebracht  werden,  daß  carolingische 
Urkunden  studere  mit  Vorliebe,  und  öfters  da  gebrauchen,  wo  andre  debere 
setzen  würden,  z.  b.  ut  hoc  reddere  studiat  (zurückgeben  müsse)  Breq. 
n.  229;  luminaria  tantum  in  ecclesia  ministrare  stodeat  (nur  muß  er 
kerzen  liefern)  n.  250,  p.  363e,  vgl  p.  412d.  447*.  487*. 

Estrac  fr.  (vrlt.)  hager,  schmal  (von  pf er  den);  vomdtschen  strack  d.  i. 
gestreckt,  ahd.  strac  strictus. 

Estraguar  pr.  abschweifen,  ausschweifen  (in  figürl.  sinne);  von 
extra- vagare ,  it.  stravagare,  wie  auch  Baynouard  bemerkt.  —  [Dem 
worte  schien  ein  dltfr.  vb.  estraier  zu  entsprechen,  man  sehe  Du  Merü 
im  glossar  zu  Fhire  und  Paul  Meyers  kritik  des  Wortes  (Revue  german. 
XVII,  432).  Da  es  indessen  die  kennzeichen  eines  nomens  trägt  (nonu 
estraiers,  acc.  estraier,  fem.  estraiere),  so  läßt  es  sich  als  die  franz.  form 
des  pr.  estradier  (s.  ^rada  I.)  auffassen.] 

Estraper  dltfr.  stoppeln  abhauen,  daher  nfr.  ätrape  die  dazu 
dienende  sichel;  nebenform  von  estreper,  pr.  estrepar  vertilgen  =  lat. 
exstirpare?  Allein  nach  form  und  begriff  liegt  näher  Schweiz,  strapen 
abstreifen,   bair.  straffen  behauen,  beschneiden.     Vgl.  it.  strappare  JX  a. 

Eströer  dltfr.  herausgeben,  überliefern  s.  Roquef.;  vom  pr.  tradar, 
gebildet  aus  tra-dare,   ex-tra-dare.     Vgl.  Altrom.  Sprachdenkmale  p.  48. 

Estros  dltfr.  pr.,  stets  mit  vorgesetztem  ad,  ad  estros,  a  estros, 
adverb  mit  der  bed.  'ohne  umstände\  'auf  der  stelle'.  Von  extrüsus  kann 
keine  rede  sein.  Die  spräche  hat  mit  dem  neuen  worte  extrorsum  einen 
gegensatz  zu  introrsum  ausdrücken  wollen,  'nach  außen  heraus9  d.  h.  'ohne 
rückhcdt\  Man  muß  auch  par  estros  gesagt  haben,  da  sich  das  sbst.  la 
parestrusse  das  äußerste,  das  ende  LRs.  57,  vgl.  MicheVs  glossar  zur  Chr. 
de  Ben.,  vorfindet. 

Estrun  pr.  trotzig,  ungestüm,  auch  sbst.;  dsghpart.  estrunat  hitzig. 

Esturlenc  pr.  im  Gir.  de  Boss,  kämpf  er;  vom  ahd.  sturilinc  junger 
krieger:  aqui  moro  a  glai  tant  esturlenc  e  tan  noble  vassal  i  adelenc 
2183,  eine  stelle,  die  zwei  merkwürdige  deutsche  Wörter  durch  den  reim 
verbindet  (edelenc  das.  1165). 

Esturman  alt  fr.  Steuermann  Ignaur.  p.  65  (estrumant  Fl.  Bl.  1365, 
estirman  Brt.  II,  226,  stieresman  GGaim.  p.  33) ;  vom  ndl.  stuurman, 
ags.  steörman,  engl,  steersman.  Vgl.  Fr.  Michel  zum  Ger.  de  Nev.  p.  14. 
Des  einfachen  estiere  Steuerruder,  ags.  steöre,  bedient  sich  Mar.  de 
France  I,  462. 

fitablir  fr.  festsetzen,  errichten;  von  stabilire,  itoi.  wie  lat. 

fitai  fr.  starkes  tau  den  mast  zu  halten,  auch  sp.  estay,  dsgl.  fr. 
6taie  stütze  (wolier  pg.  esteio),  vb.  ätayer  stützen;  vom  mncU.  staede, 
staye  stütze,  hülfe,  engl,  stay  stütze,  tau,  buchstäblich  =  ags.  stede,  ahd. 
stata,  mhd.  State  gelegenheit,  vb.  mndl  staeden,  engl,  stay  befestigen,  stützen. 


IL  c.   ETAPE-EXPLOIT.  579 

fetape  fr.  waarenniederlage,  alt  estaple  s.  CarpenHer;  vom  ndl. 
Stapel,  engl,  staple  dass. 

Eteindre  fr.  löschen;  von  exstingnere,  it.  stinguere. 

tt in  celle  fr.  funke;  durch  Umstellung  von  scintilla,  altfr.  noch 
escintele,  doch  LRs.  168  stencele. 

Etiquette/r.  aufgeheftetes  zettelchen,  henneg.  estiqnete  zugespitztes 
hölzchen,  neap.  sticchetto  zeichen  eines  verbotenen  weges;  ohne  zweifei 
gleiches  Ursprunges  mit  it.  stecco  stächet,  s.  IL  a.  Henneg.  stiqae  degen, 
vom  ndd.  stikke  stiftchen,  stikken  anstecken,  vgl.  altfr.  estiquer,  estequer, 
esticher  stecken,  stechen,  champ.  stiqaer  einstecken  Tarbe  I,  162. 

rätonner  fr.  in  Verwunderung  setzen,  erschüttern,  altfr.  estoner  be- 
täuben (betäubt  werden  Hol.  p.  133),  engl,  astonish ;  von  attonare,  ver- 
stärkt in  extonare.  Der  alten  prov.  spräche  fehlt  estonar:  dafür  findet 
sich  Fer.  1143  estornar,  wahrscheinlich  umgestellt  aus  estronar,  identisch 
also  mit  ätonner,  da  auch  tronar  und  tonner  eins  und  dasselbe  sind 
Henschd  s.  v.  estoner  erinnert  dagegen  an  das  gleichbed.  ahd.  stornSn. 

fitrain  pic.  seeküste  (Trev.);  vom  ndl.  nhd.  Strand. 

Etreindre  fr.  zusammendrücken,  von  stringere;  so  astreindre, 
restreindre  von  adstringere,  restringere,  contraindre  von  constringere. 

fitroit  fr.  schmal,  enge;  von  strictns,  pr.  estreit,  it.  stretto.  Daher 
6tr6cir  verengern,  r6tr6cir  einziehen,  verba  inchoativer  form  und  factitiver 
bedeutung,  lat.  gleichsam  strictescere,  vgl.  sp.  estrechecer.  Altfr.  hatte 
man  noch  estrecier  RCam.  p.  122,  das  einem  lat.  strictiare  entsprechen 
würde.  Zsgs.  dätroit  engpaß,  vompart.  destrictus  in  der  bed.  zusammen- 
gezogen, vgl.  oben  d&resse. 

fivanouir  fr.  (nur  reflexiv),  pr.  esvanuir  verschwinden,  vergehen. 
Es  entspricht  dem  it.  svanire  (neben  vanire),  chw.  svanir,  pg.  esvair, 
präs.  it.  svanisco  =  lat.  evanesco  d.  i.  exvanesco,  welche  form  die  roman. 
spräche  in  sich  aufnahm;  es  trennt  sich  aber  von  dem  ital.  worte  durch 
eingeschobenes  on,  wiewohl  auch  pr.  altfr.  envanir  =  it.  invanire  vor- 
handen  ist.  Hier  hat  merkwürdiger  weise,  wie  Gachet  und  Tobler  erkannt 
haben,  die  lat.  form  des  perfects  evanui  über  die  des  ganzen  verbums  ent- 
schieden und  dieser  Vorgang  hat  sich  im  veralteten  engenouir  von  ingignere 
wiederholt. 

Evaser  fr.  eine  Öffnung  erweitern;  von  vas  gefäß  (Frisch).  Oder 
hat  man  das  gegentheil  von  convasare  (zusammenpacken)  damit  ausdrücken 
wollen,  da  ävaser  nn  arbre  einen  bäum  sich  ausbreiten  lassen  bedeutet? 

Exploit  fr.,  pr.  espleit  und  fem.  esplecha  vorthcil,  vb.  exploiter, 
espleitar  benutzen,  bearbeiten,  vollstrecken;  von  explicitum  explic'tum 
ausgeführtes,  gewonnenes.  Wegen  der  form  vgl.  altfr.  ploite  falte  Bert, 
p.  182  (Seh.  v.  3319)  von  plicita  so  wie  plait  von  placitum.  Derselben 
herkunfl  ist  pg.  espreitar  auskundschaften,  schließt  sich  aber  an  eine 
andre  bedeutung  von  explicare:  ausfindig  machen,  eigentl.  auseinanderfalten. 


580  II.  c  -FAgON— FAON. 


F. 

FaQon  fr.,  faisso  pr.  gestaut;  von  fectio  das  machen,  passiv  das 
gemachte,  geschaffene,  vgl.  toison  das  geschorene,  von  tonsio.  Die  ücd. 
spräche  hat  fezione;  man  denke  also  nicht  an  face  gesieht  =  it.  feccia. 

Faide  altfr.  feindschaft,  räche,  daher  faidiu  feindlich,  pr.  faidir 
verfolgen,  verbannen;  vom  ndat.  faida  in  altdeutschen  gesetzen,  ags.  fsehdhe, 
ahd.  gafehida,  nhd.  fehde. 

Faint  altfr.  nachlässig,  träge  z.  b.  Chart.  d'Orlians  ed.  1809,  p.  139 
(davon  das  engl,  feint),  partic.  von  se  feindre  de  qch  Brt.  I,  p.  24,  pr. 
se  fenher  de  Flam.  p.  18.  62  etwas  vernachlässigen;  eigentl.  sich  ver- 
stellen, von  fingere.  Daher  auch  das  volksmäßige  feignant  arbeitsscheu, 
nach  Genin,  Variat.  p.  371  ff.,  mundartl.  feindant  s.  EscaUier  sur  le 
patois  p.  94.  Man  vgl.  noch  it.  infingardo  1)  verstellt,  2)  langsam,  wozu 
Muratori  bemerkt:  Uli  proprie  infingardi  appellantur,  qui  facere  quid- 
quam  possunt,  sed  ant  nolnnt  aut  cum  pigritia  id  faciunt  simulantes 
sibi  vires  deesse.  Die  bürg,  mundart  sagt  foindre  nachlassen,  part.  foint 

Faire  altfr.,  fax  pr.  in  der  bed.  sagen  pflegt  man  aus  denn  lat.  fori 
zu  erklären.  Gewöhnlich  kommt  es  im  präs.  und  perf.  vor  und  neigt  als- 
dann dieselbe  form  wie  die  gleichen  tempora  von  faire  =  facere:  das 
seltne  imperf.  fesoient  (sie  sagten)  Ruteb.  II,  165  macht  seine  Identität 
mit  diesem  verbum  unzweifelhaft  und  facere  steht  für  verba  facere.  Aus 
altfr.  feit  erklärt  sich  wohl  auch  die  glosse  fatit  'loquitur'  Class.  auct.  VI,  524h. 

Falaise  fr.  Wippe,  dsgl.  name  einer  Stadt  in  der  Normandie,  altfr. 
felise;  vom  ahd.  felisä  (f.),  fels  (m.). 

Falourde  fr.  (f.)  last  höh;  scheint  zsgs.  aus  faixlourd,  wie  schon 
Nicot  meinte,  freilich  mit  abgeändertem  genus. 

Faner  fr.  zu  heu  machen,  eine  pflanze  welken  lassen,  z.  b.  faner 
l'herbe  d'un  pro;  le  grand  häle  fane  les  fleurs;  altfr.  fener  und  fanir 
welken,  pic.  fener,  mlat.  affenare,  auch  pr.  fanar  (aus  dem  franz.  ?),  chte. 
fenar,  fenar.  Man  leitet  es  von  feenum,  foenum,  und  in  der  that  findet 
sich  im  altfr.  fanoul  für  fenouil  derselbe  Übergang  des  e  in  a,  und,  was 
besser  trifft,  lothr.  fouon  ist  =  fr.  foin,  lothr.  fouannd  =  fr.  ferner; 
ebenso  limous.  sbst.  fe,  vb.  fend. 

Fanon  altfr.  läppen,  handtuch  Ren.  I,  128,  binde  am  arme  des 
priesters  Ben.  III,  479,  nfr.  fanon  und  fanion;  vom  ahd.  fano,  gotk 
fena  stück  tuch,  ahd.  hantfeno  handtuch. 

Fantome  fr.  gcspenst;  von  phantasma,  it.  fentasima,  pr.  fantauma, 
zuerst  wohl  fentalma,  wie  das  cot.  fantarma  andeutet.  Zsgs.  altfr.  en- 
fantosmer  behexen.    Dahin  auch  occ.  fantasti  kobold,  phantasticus. 

Faon  fr.  {spr.  fan)  hirschkalb,  faoner  hirschkälber  setzen.  Altfr. 
faon,  feon  (zweisüb.)  hieß  das  junge  überhaupt  z.  b.  des  löwen,  des  baren, 
des  drachen,  s.  Ben.  II,  p.  62,  Bog.  I,  587*,  feoner,  feoner  junge  werfen, 


ILc.   FARD— FAUBOUBG.  581 

eier  legen,  ganz  allgemein  von  der  fortpflanzung  gebraucht.  Die  deutung 
aus  infans  ist  unzulässig:  aber  aus  fetus  frucht,  leibesfrucht  ward  das 
abgeleitete  feon,  vermöge  der  bekannten  Vorliebe  für  a,  faon.  Das  wort 
gehört  also  zum  pr.  feda  (s.  unten)  und  setzt  eine  alte  form  fedon  voraus, 
die,  wi6~feda  in  fea,  leicht  in  feon  syncopiert  werden  konnte. 

Fard  fr.  schminke,  farder  schminken;  etwa  vom  altn.  fö  glänz,  po- 
litur  (vb.  fa  malen),  mit  angefügtem  rotnan.  suffix  ard?  dann  wäre  die 
altfr.  form  fyard,  feard  gewesen.  Fard  istf  synonym  mit  teinte,  lat. 
tincta:  letzteres  in  ahd.  Übersetzung  lautet  gi-farwit,  gi-farit  fron  f&rwjan 
färben),  das  ScMätstädter  glossar  z.  b.  sagt  givarida  cfucata  6,  246: 
hieraus  das  franz.  wort. 

Farouche  fr.  wild,  scheu,  effaroucher  verscheuchen;  von  ferox 
ferocis  trotz  der  ungewöhnlichen,  aber  doch  auch  in  mordache  vorliegen- 
den behandlung  des  lat.  c,  das  sich  im  pr.  cot.  ferotge  wieder  auf  andre 
weise  ausspricht.    Neben  farouche  altfr.  zuweilen  harouche  übermüthig. 

Fat,  fem.  fada  pr.,  fr.  fade  (m.  f.)m  unschmackhaft  (z.  b.  si  la  sal 
es  fada  (si  sal  insulsum  fuerit'),  daher  it.  fado;  dsgl.  pr.  fat,  fada,  fr. 
fat  (nur  masc.)  albern,  thöricht;  das  wort  in  beiden  bedeutungen  von 
fotuus  unschmackhaft,  dsgl.  albern,  uu  vereinfacht  in  u  wie  im  pr.  vacs 
€ms  vacuus:  dieselbe  einigung  materieller  und  geistiger  matthext  auch  in 
insipidus  und  insulsus.  —  Dies  ist  die  althergebrachte  deutung  des  wertes. 
Eine  neue,  scharfsinnige  prüfung  derselben  von  Gaston  Paris  (Mim.  de 
la  soc.  de  ling.  de  Par.  I,  90)  bringt  ein  andres  resultat.  Man  müsse 
etymologisch  unterscheiden  zwischen  fr.  fat  albern  und  fade  unschmackhaft. 
Nur  jenes  stamme  von  fatuus,  dieses  nicht,  weil  die  combination  uu,  ua 
cet.  im  franz.  den  vorhergehenden  consonanten  schütze,  so  daß  sich  t  be- 
hauptet haben  würde;  es  stamme  vielmehr  von  vapidus  (verdorben,  -ver- 
rochen).  Die  ausartung  des  lat.  v  in  fr.  f  läßt  sich  zugeben;  ist  aber  der 
schütz  des  consonanten  vor  uu  unbeschränkt? 

Fatras  fr.  plunder;  für  fartas,  von  fartus  füllsel  (Menage). 

Faubourg  fr.  vorstadt.  Gut  es  für  for-bourg  =  foris-burgus 
außen-stadt,  oder  für  faux-bourg  =  felsus-burgus  unrechte,  uneigentliche 
Stadt,  nebenstadt,  wie  man  faux-frais  nebenkosten,  faux-bois  nebenzweig, 
fausse-clef  nachscMüssel  sagt?  Für  beide  erklärungen  fehlt  es  nicht  an 
gründen.  Man  findet  in  der  älteren  litteratur  einigemal  forborg,  fors- 
bourg,  ja  Roquefort  hat  horsborc,  offenbar  von  hors  =  foris,  selbst  das 
ahd.  fari-burg  dürfte  angeschlagen  werden.  Für  fauxbourg  spricht  z.  b. 
das  wallon.  fa-bor,  indem  fr.  faux  in  dieser  spräche  mit  f&,  for  aber 
mit  fofi  oder  gleichfalls  mit  for  ausgedrückt  wird;  die  nahe  liegende 
picard.  mundart  hat  sich  dagegen  für  forbourg  entschieden.  Beide 
auffassungen  können  stattgefunden  haben;  daß  aber  das  neufr.  fau  aus 
for  entstellt  sei,  ist  kaum  zu  glauben,  da  die  spräche  keinen  anlaß 
hatte,  das  seinem  sinne  nach  ganz  deutliche  forbourg  zu  verdunkeln, 
und  r  auch  in  forban  u.  %a.  nicht  ausstieß:  eher  scheint  forbourg  eine 
mundartliche  umdeutung  der  andern  ihrem  sinne  nach  minder  klaren  form. 


582  II.  c.  FAUDE— FERRANT. 

Faude  altfr.  schaf stall;  vom  gleichbed.  ags.  fald,  falud,  engl,  fold, 
alts.  faled,  vgl.  kymr.  ffald  pferch. 

F6  (ph6)  a^/V.  Jeneckt,  nur  in  den  Liv.  d.  rois:  uns  ph6  fad  de  la 
maignäeSaul  'erat  autem  de  domo  Satd  servus'  p.149,  dagegen  truverent 
un  f6  de  Egypte  cinvenertmt  virum  aegyptium  p.  115.  Es  ist  das  altn, 
faedd-r  ernährt,  auferzogen,  und  verhalt  sich  also  begrifflich  wie  das  sp. 
criado. 

Fe  da  pr.  comask.,  piem.  altwald.  fea,  dauph.  feia  schaf;  vom  adj. 
feta  "was  geboren  hat*  z.  b.  lupa,  ursa,  vulpes,  zumal  ovis,  wo  denn  das 
adj.  den  ganzen  begriff  vertreten  konnte  wie  im  sp.  cordero :  non  insueta 
graves  tentabunt  pabula  fetas  Virg.  Ecl.  1}  50.  Im  bearnesischen  dialect 
wird  heda  auch  vom  weibe  gebraucht  gleich  dem  lat.  feta;  wal.  fefc  heißt 
kind,  fat§  tochter,  vom  sbst.  fetus,  vb.  feti  gebären,  lat.  fetare;  sard.  fedu 
proles.    Auch  faule  im  Jura  (fetula)  bedeutet  lamm  und  tochter. 

Fßler  fr.  spalten,  für  fesler;  offenbar  das  nur  bei  Apulejus  vor- 
findliche  fissiculare,  dem  dieselbe  bedeutung  beigelegt  wird. 

Feme  .pr.  adj.  weiblich,  z.  b.  l'efan  mascle  o  ferne  LR.  Entweder 
von  femina  unmittelbar  zum  adjeetiv  gestempelt  (s.  solche  fälle  Born, 
gramm.  II,  288),  oder,  da  der  Provenzale  für  femina  überall  femna  (mit 
n)  setzt,  vom  adj.  femineus,  abgekürzt  in  f&minus:  ein,  freilich  spates, 
glossar  (s.  Dief.)  schreibt  gradezu  feminus  (in  femina  turba  bei  Prqperz 
erkennt  man  nur  das  Substantiv  an).  Wichtiger  als  die  herkunß  des  ad- 
jeetivs  ist  das  zu  ihm  gehörige  männliche  Substantiv  ferne  mit  der  bed. 
weibliches  geschöpf,  zumal  Weibchen  der  thiere,  welches  einem  lat.  neutrum 
femineum  animal  entspricht,  z.  b.  l'amor  de  mascle  e  ferne  Brev.  d'am. 
I,  34,  li  ferne  son  desiron  R.,  statt  dessen  auch,  aber  nicht  in  ganz 
gleichem  sinne,  las  femnas  son  desirondas  gesagt  werden  konnte.  Es  ist, 
als  wenn  der  Franzose  le  femeau  statt  la  femelle  in  seine  spräche  ein- 
geführt hätte. 

F  e  r  m  e  fr.  (f)  pachtgut,  meierhof,  wie  it.  ferma  und  sp.  firma,  Un- 
terschrift, abschließung  eines  Vertrags,  fermare,  firmar  festsetzen,  unterzeich- 
nen; von  firmus,  firmare.  Sbst  altfr.  fert6  festung,  für  fermetö,  fenntä, 
wie  dortoir  für  dorm'toir. 

Fermillon,  fremilon  äUfr.,  fremilo  pr.,  letzteres  nur  im  Cur.  de 
Ross.,  ein  wort,  das  in  Verbindung  mit  haubert  erscheint;  von  mailles 
de  fer,  vermuthet  Ilenschel,  also  =  fer-maillon.  Die  vermuthung  ist  nicht 
ungeschickt,  denn  ai  =  lat.  a  vereinfacht  sich  vor  einer  erweichten  liquida 
manchmal  in  i,  z.  b.  grille  für  graille,  provigner  für  provaigner,  s.  Rom. 
gramm.  I,  423.  Wackemagd  frhgt:  fermaillon  von  fermail,  firmaculum? 
S.  auch  Gachet  225a. 

Fer  ran  t  und  auferrant  altfr.,  ferran,  alferan  pr.,  ein  adjeetiv, 
das  eine  helle  färbe  ausdrückt ;  Thibaut  II,  202  nennt  der  geliebten  antlitz 
auferrant.  Gewöhnlich  wird  es  vom  haar  der  greise,  mehr  noch  von 
pferden  gebraucht,  s.  Michel  zum  Ger.  de  Nev.  p.  126.  Daher  könnt*  G. 
Guiart  vom  grafen  Ferrant  sagen:   Ferrant   portent   dui   auferrant  qui 


IL  c.   FESSE.  583 

toas  deux  sont  de  poil  ferrant  DC.  v.  ferrandus.  Die  form  al-feran 
scheint  arab.  Ursprung  in  anspruch  zu  nehmen,  auch  "kommt  die  endung 
ant  häufig  orientalischen  Wörtern  zu,  so  in  Aufricant,  Persant,  Jerusalant, 
Beauliant  Ducange  deutet  es  daher  aus  dem  arab.  faras  edles  pferd, 
mütelgr.  q>agag,  sp.  alfaraz:  von  der  färbe  dieser  pferde  habe  man  das 
adjectiv  entlehnt.  Wollte  man  diese  Voraussetzung  auch  gelten  lassen,  so 
wäre  doch  ableitung  von  ferrant  (nicht  einmal  farant!)  aus  faras  gegen 
die  grammatik.  Die  ganze  form  des  Wortes  weist  auf  lat.  ferrum,  daher 
it.  ferretto  eisengrau,  halbgrau  (vom  menschlichen  haar),  wofür  auch  fer- 
rigno,  und  diesem  letzteren  entspricht  genau  das  pr.  ferrenc,  welches  dttfr. 
ferrant  lauten  mußte  {vgl.  flamenc,  flamant);  aus  ferrant  aber  entstand 
wieder  das  pr.  ferran.  In  al-ferran  steckt  kein  arab.artikel:  wie  man  blanc- 
ferrant,  chenu-ferrant  sagte,  so  auch  alb-ferrant  al-ferrant  (umgedeutet 
haut-ferrant  Fier.  168,  7).  —  [Einen  lesenswerthen  artikel  über  auferrant 
hat  Gachet  36b  ff.  geliefert,  dessen  wesentlicher  Inhalt  der  folgende  ist. 
Jltfr.  ferrant  ist  allerdings  ein  adjectiv  mit  der*bed.  eisengrau.  Prov. 
alferan  aber  drückt  keine  färbe  aus;  es  wird  stets  als  Substantiv  gebraucht 
und  heißt  scMachtross,  renner.  Als  adjectiv  zeigt  es  sich  im  altfranz., 
aber  auch  hier  nur  selten,  wie  in  destriers  auferrans  et  crenus,  cheval 
auferrant  ou  gascon,  in  welcher  letzteren  stelle  es  sich  nicht  auf  die  färbe, 
sondern  die  Herkunft  des  pferdes  bezieht.  Es  muß  der  name  einer  race 
sein,  gebildet  aus  arab.  al-frs,  sp.  alfaraz.  Die  Franzosen  brauchten  ihr 
aus  dem  Süden  eingebrachtes  auferant  auch  adjectivisch,  weil  sie  eine  ahn- 
lichkeit  mit  ihrem  adj.  ferrant  darin  bemerkten  und  weil  bei  den  berber- 
pf erden  grau  die  vorherrschende  färbe  ist.  Statt  auferrant  sagte  man  zu- 
weilen kurz  ferrant,  was  also  nicht  eben  ein  graues  pferd  bedeuten  muß: 
ferrant  li  traient,  ä  Gadres  (Cadix)  fu  norris  Gar.  I,  168,  aber  doch 
auch  un  roncin  ferrant  ds.  158.  227.  Eine  zss.  alb-ferrant  ist  nicht 
anzunehmen.  —  In  dieser  erörterung  ist  der  hauptpunkt,  nämlich  die  art 
des  Überganges  von  alferes  in  alferan,  außer  acht  gelassen.  Indessen  muß 
man  gestehn,  daß  der  Provenzale  alferan  (pferd)  von  ferran  (grau)  durch 
einfaches  und  doppeltes  r  sehr  sauber  scheidet,  wodurch  ersteres  von  ferrum 
etymologisch  getrennt  und  auf  einen  fremden  stamm  verwiesen  wird.  Man 
kann  also  wohl  annehmen,  der  Provenzale  habe  im  Widerspruche  mit  dem 
Spanier  in  alferes  das  schließende  8  als  einen  flexionsbuchstaben  und  fer  als 
den  stamm  aufgefaßt  und  diesem  das  suffix  an  =  ant  wie  in  den  genann- 
ten aufricant,  persant  ff.  angefügt.  Die  summe  wäre  nun:  pr.  alferan 
ist  =  sp.  alfaraz,  daher  cdtfr.  auferrant,  das  doppelte  r,  wo  es  vorkommt, 
durch  das  adj.  ferrant  veranlaßt,  von  diesem  ferrant  das  pr.  ferran.  Die 
Bedeutung  des  Substantivs  ist  leichtes  pferd  =  sp.  alfaraz,  und  zwar  nicht 
bloß  ein  von  dem  ritter,  sondern  auch  von  dem  Jenecht  gerittenes.] 

Fesse  fr.  (f.)  natis;  von  fissus,  fissa,  woher  auch  vb. fesser  —oder 
ist  letzteres,  da  die  aus  Substantiven  abgeleiteten  verba  keine  einwirkung 
auf  ihre  primitiva  ausdrücken  können,  vom  dtschen  fitzen  hauen,  peitschen? 
Eine  picard.  form  fecher  könnte  dies  entscheiden. 


584  ILc.  FI— FILOU. 

F  i  altfr.  pr.  sicher,  zuverlässig,  z.  b.  de  la  mort  fis  des  todes  sicher, 
versichert  Roncev.  p.  34,  fis  de  sa  vida  LR.  III,  332,  adv.  fiement  ge- 
trost SB.  p.  548* ;  von  fidus,  dem  das  ndatein  die  gleiche  bedeutung  bei- 
legte: fidus  ab  hominibus  sicher,  gesichert  vor  den  menschen,  sagt  Greg. 
Tur.  7,  8;  it.  fido;  adv.  de  fi  wahrhaftig.  Für  fi  war  es  aber  üblich, 
fis  zu  sprechen  auch  im  cos.  obl.,  daher  das  altpg.  fius  Trov.  177,  1, 
npg.  fido. 

Fiacre  fr.  miethkutsche ;  sogenannt,  weil  der  Unternehmer  meinem 
hause  zu  Paris  ä  1' engeigne  de  St.  Fiacre  wohnte,  ein  erst  eu  Menage* s 
zeit  entstandenes  wort. 

Fiancer  fr.  verloben,  pr.  fiansar  geloben,  it.  fidanzare;  von  fides 
treue,  wort. 

Ficelle  fr.  bind  faden;  dimin.  von  filum,  gleichsam  filicellum  mit 
verändertem  genus  wie  in  ceryelle  aus  cerebellum.  Wegen  des  versclmun- 
denen  1  vgl.  pucelle  für  pulcelle. 

Fiente  fr.,  fenta  pr.  mist.  Sonderbare  bildung,  welche  eigentlich 
fimita  verlangt,  wie  altfr.  friente  auf  fremitus  führt:  dieses  fimita  aber 
scheint  aus  fimetum  entstellt,  welches  fr.  femaie  hätte  ergeben  müssen. 
Die  cot.  form  ist  fempta,  die  neupr.  femto,  fiendo,  die  altsp.  hienda. 

Fierce,  fierche,  fierge  altfr.,  pr.  fersa,  ndat.  fercia  (Carpeniier) 
Jcönigin  im  schach;  vom  pers.  ferz  feldherr.  Fierge  entstellt  in  rierge 
zog  die  benennungen  dame,  reine,  sp.  reyna,  nach  sich. 

Figer  fr.  gerinnen  machen,  wohl  ein  späteres,  aber  nicht  neues  wort, 
z.  b.  bei  Hob.  Stephanus  1539  und  Nicot;  von  figere. 

Filou  (fr.)  gauner,  schelm,  daher  filouter  vb.,  filouterie.  Daß  in 
den  abll.  t  eingeschoben  sein  kann,  versteht  sich.  Aber  wie  hoch  steigt 
das  wort  hinauf  in  der  geschickte  der  franz.  spräche?  Menage  erzählt, 
ohne  einen  beleg  beizubringen,  es  habe  ursprünglich  ein  Meines  stabchen 
mit  numerierten  Seitenflächen  bedeutet,  womit  man  gespielt  und  oft  betrü- 
gerisch gespielt  habe,  daher  filou  oder  filoutier  vor  etwa  70—80  jähren 
zuerst  für  einen  falschen  Spieler  aufgekommen  sei.  Das  umgekehrte  wäre 
glaublicher.  Wahr  ist  es  indessen,  daß  die  ältesten  Wörterbücher  und, 
wie  es  scheint,  auch  die  frühesten  quellen  das  wort  noch  nicht  haben,  ^war 
kommt  in  Gottfrieds  Tristan  ein  riese  Urgan  li  filüs  oder  li  vilüs  vor 
und  so  nennt  er  sich  selbst,  aber  es  kann  sein  =  li  velus  der  zottige 
(vgl.  Urgan  le  velu  Tristan  II,  100):  dazu,  und  nicht  zu  filou,  stimmt 
der  daselbst  gebrauchte  aecusativ  viliu,  denn  mhd.  iu  ist  der  übliche  aus- 
druck  des  fr.  u,  nicht  des  ou.  Es  lassen  sich,  was  die  etymologie  betrifft, 
einige  hieher  passende  stamme  citjeren.  So  filo  filonis  im  älteren  mlatein 
s.  v.  a.  nebulo,  jenes  aber  vielleicht  nur  eine  andre  form  für  felo,  it.  fel- 
lone.  Ferner  das  ahd.  verbum  filon  feilen,  wobei  an  fourbe,  fripon,  po- 
lisson,  gebildet  aus  verbis,  welche  glätten  oder  reiben  bedeuten,  zu  erinnern 
wäre;  entsprechend  bedeutet  altehgl.  file  einen  taugenichts  oder  betrüget: 
sorful  bicom  that  fals  file  and  thoght  how  he  moght  man  biwille  (be- 
guile)  Halliw.  v.  file.    Selbst  fr.  affiler  (schleifen,  verwandt  mit  glätten) 


IL  c.    FLAGORNEK— FLECHE.  585 

wäre  zu  nennen:  lothring.  aiffilei  heißt  sowohl  schleifen  wie  hintergeht, 
und  aiffilou  ist  ganz  =  filou.  Aber  die  Schwierigkeit  des  Wortes  liegt 
weniger  in  dem  stamme  als  in  der  endung.  Ist  on  =  ucul  wie  in  genou 
=  genuculum?  Allein  das  suffix  etil  wird  im  roman.  zur  bildung  von 
Wörtern  persönlicher  bedeutung  nicht  gebraucht,  und  eine  andere,  ältere 
scheint  hier  nicht  erweislich.  In  leziehung  auf  jene  endung  und  in  der 
Voraussetzung,  daß  unser  wort  späterer  entstehung  sei  (Littre  setzt  seine 
einfuhrung  ins  französische  ungefähr  in  das  17.  jh.),  ist  auch  auf  engl. 
fellow  kamerad,  in  einer  der  südlichen  provinzen  Englands  ein  Schimpf- 
wort (HaUiw.),  aufmerksam  zu  machen. 

Flagomer  fr.  angeben,  hinterbringen  (Nicot),  niedrig  schmeicheln 
(Acad.);  von  flatter  und  corner  (aux  oreilles)  in  die  ohren  blasen  (Le 
Duchat),  aber  diese  art  der  Zusammensetzung  ist  unüblich.  IAttre  ver- 
muthet  darin  eine  Variation  von  flageoler  durch  Vermittlung  von  flagot 
oder  flagol  flöte. 

Flambe.  fr.  Schwertlilie,  altfr.  pic.  auch  in  der  bed.  flamme;  muth- 
maßlich,  da  b  vor  voeälen  im  franz.  nicht  wohl  eingeschoben  wird,  von 
flammula  flamble  flambe.    Datier  flamber,  flambeau  u.  a.  dbll. 

Flamberge  fr.  schwert,  nur  üblich  in  der  redensart  mettre  flam- 
berge  au  vent  das  schwert  ziehen,  s.  z.  b.  Furetiere  und  Landais;  bei 
neuern  deutschen  dichtem  flamberg  (m.),  bei  Frisch  I,  86*  flamberge, 
zusammengesetzt,  wie  er  im  Biet,  des  passag.  bemerkt,  aus  flanc  und 
berge  die  seile  deckend.  Vgl.  den  schwertnamen  froberge  im  Garin  (fro- 
bierge  MGar.  p.  62),  nach  Grimm  Myth.  p.  196  die  den  herrn,  ahd. 
frö,  bergende  waffe  oder  eine  erinnerung '  an  das  schwert  des  gottes  Fro, 
nord.  Freyr;  s.  Hoffmann,  Hör.  belg.  V,  115.  116,  und  Reiffenberg  im 
Ph.  Mousket  II,  CI,  welcher  flamberge  und  froberge  für  identisch  hält. 

Fl&ner  fr.  sich  müßig  umhertreiben,  bummeln;  ein  erst  in  nettester 
zeit  aus  den  mundarten  (der  norm.  bürg,  lothr.  cet.)  aufgenommenes  wort, 
bei  welchem  man  etwa  auf  das  isländ.  flana  blindlings  hinlaufen  verweisen 
darf.    Im  norm,  heißt  es  auch  neuigkeiten  zurecht  tragen. 

Flaque  fr.  pfütze,  lache;  vom  mndl.  vlacke  niedrige  stelle  am 
meere,  wo  sich  lachen  bilden  durch  die  fluth,  aestuarium.  Vgl.  Ducange 
w.  flaco  und  flactra. 

Flatter  fr.,  pr.  flatar  {zu  folgern  aus  dem  sbst.  flataire),  dsgl.  altfr. 
afflater,  pr.  aflatar  streicheln,  schmeicheln;  vom  ags.  altn.  flat,  ahd.  flaz 
flach.  Dahin  auch  altfr.  flat  schlag,  flatir  zu  boden  schlagen  d.  h.  platt 
hinstrecken,  altn.  fletia  flach  machen,  detta  flatr  platt  fallen  u.  a. 

Flayelle  altfr.  Schmeichelei;  von  flabellum  fächer,  wedd. 

Fläau  fr.  geissei,  alt  flael;  von  flagellum.  Die  vertauschung  des  fl 
mit  fr,  wovor  ein  grammatiker  warnt  fflagellum,  non  fragellum  App.  ad 
Probum,  gr.  (fQayeXhov)  hat  das  franz.  wort  nicht  ergriffen,  dagegen  it. 
fragello,  kymr.  ffrowyll,  ältir.  srogell  Zeuß  I,  194. 

Fleche  de  lard  fr.  (f.)  speckseile,  altfr.  flique,  flec  DG,  Carp.,  pr. 
fleca?  GO.;  deutsches  wort,  in  Leidener  glossen  (Haupts  Ztschr.  V,  197, 


586  ILc.   FLECHIK-FOLC. 

9.  jh.  bei  Nyerup  380)  perna  flicci,  ags.  flicce,  altengl.  flick  HaUiw., 
neuengl.  flitch  =  nhd.  flick,  fleck  läppen.  Es  ist  also  anderer  Herkunft 
als  flöche  pfeil,  wiewohl  dessen  begriff  nicht  widerspräche,  da  z.  b.  auch 
das  synonyme  altfr.  haste  einen  fetzen  fleisch  bedeutet  GNev.  p.  300. 

Flöchir  fr.  pr.  biegen,  pic.  flekir.  Seinen  Ursprung  aus  flectere 
beweist  reflächir  =  reflectere,  sonst  ist  übertritt  des  et  in  frans,  ch  wenig 
üblich.  Das  it.  flettere  ist  latinismus,  aber  fiettere  PPS.  II,  218  muß 
als  eine  itäl.  form  anerkannt  werden.  Auf  flexus  sbst.  und  flexare,  nicht 
auf  flectiare  Gachet  215* ,  da  kein  flectus  vorhanden,  ist  das  seltne  pr. 
fleis  nachgiebigkeit,  vb.  fleissar  loslassen  (vgl.  flächir  nachgeben)  zurück- 
zuführen. B.  229,  8  muß  flieys  aber  in  der  sinnlichen  bedeutung  von 
flexus  gebraucht  sein. 

Flete,  flette  fr.  ein  fahr  zeug  auf  flüssen  zum  übersetzen,  fahre; 
etwa  vom  ndl.  vleet  das  obere  gesteU  eines  schiffes,  oder  (mit  Jault),  von 
seilen  des  begriffes  passender,  vom  engl,  flat  flach  (flat-boat). 

Flätrir  fr.  weihen,  weih  machen,  beschimpfen,  in  Berry  flatrir,  alt 
flaistrir.  Nicht  aus  flaccescere,  es  floß  zunächst  aus  dem  altfr.  adj. 
flaistre,  flestre  welk,  farblos  s.  Eoquef.  s.  v.,  Brt.  1,  132,  welches  sich 
ohne  bedenken  auf  flaccaster  zurückführen  läßt. 

Flibot  fr.  ein  Meines  Seeschiff;  vom  engl,  fly-boat.  Daher  auch  sp. 
flibote,  filibote. 

Fl  in  fr.  donnerheil,  Wetzstein  (Trev.);  vom  ahd.  flins,  ags.  flint 
kiesel. 

Flou  fr.  fnatt,  altfr.  floi  (fem.  floiye  durch  epenthesis),  attpic.  flau 
Servent.  p.  p.  Hecart  p.  81,  noch  jetzt  henneg.  Diese  letztere  form  muß 
den  weg  zeigen,  aus  ihr  konnte  floi  und  flou  entstehen  wie  aus  pau  altfr. 
poi  und  po,  pou:  darum  ist  herleitung  aus  fluidus  abzulehnen.  Da  die 
franz.  spräche  den  vocal  der  lat.  endung  us  oder  um  zuweilen  in  den 
stamm  hineinzieht  (suif  für  suev  aus  sevu-m),  so  ist  entstehung  aus  Sac- 
cus, umgestellt  flauc-s,  möglich,  bei  der  großen  Seltenheit  dieser  ort  von 
ufnstellung  aber  wenig  wahrscheinlich.  Flou  ist  entschieden  das  ndl.  flauw, 
welches  Grimm  i8,  224  mit  dem  hd.  lau,  Wackernagel  mit  dem  goth. 
thlaqvus  identisch  scheint.  Von  flou  ist  das  adj.  flu  et  für  flouet  — 
[Dazu  sehe  man  Weigand  I,  347,  welcher  umgekehrt  flauw  für  undeutscli 
hält  und  seine  quelle  im  rom.  flau  vermuthet.] 

Foin  fr.  heu;  von  foenum,  faenum.  Das  regelrechte  fien  =  it. 
fieno  wäre  mit  altfr.  fien  =  lat.  fimus  zusammengetroffen:  darum  ward 
foin  als  scheideform  gewählt,  nicht  einmal  gegen  die  lautgesetze,  da  aus 
ae  doch  mitunter  der  diphthong  oi  entsteht,  vgl.  oben  blois.  Eine  andre 
Wendung  nahm  das  wort  im  altfr.  pic.  fein,  das  eigentl.  fenum  verlangt. 

Foire  fr.  durchlauf,  pr.  foira,  churw.  fuira;  von  foria. 

Foison  fr.,  foiso  pr.  Überfluß;  von  fusio  ergießung,  it.  fusione  ff. 

Folc,  fouc  altfr.,  pr.  folc  herde,  auch  heer  SLeg.  22,  comask.  folco 
menge;  vom  ahd.  ags.  folc,  attn.  folk  häufe,  schaar;  wogegen  floc  (flou) 
NFC.  I,  108,  Chx.  IV,  87  dem  ags.  floc,  altn.  flockr  zu  folgen  scheint. 


ILc.  FONDEFLE-FKAMBOISE.  587 

Fondefle  altfr.  (f.)  ein  wurfgeräthe;  vom  spätem  lat.  fundibalum, 
fandibulum  Vtdg.,  Isidor.,  sp.  fundibulo. 

Force  altfr.  (neufr.  nur  pl  forces),  pr.  forsa  große  scheere;  von 
forpex  forpicis.  Das  alter  der  vornan,  lüdung  bezeugt  die  glosse  forcia 
'scäri'  Hattemer  I,  309b. 

Foudre  fr.,  pr.  foldre,  folzer  blitz,  altfr.  verstärkt  esfoldre  Og. 
3622;  von  fulgur  fol're  foldre,  it.  fölgore,  wdl.  fulger. 

Foudre  fr.  (m.)  ein  weinmaß;  vom  dtschen  fader. 

Fouet  (spr.  wie  foit)  fr.,  auch  mail.  foett,  cot.  fuet  peitsche,  vb. 
fouetter;  nach  Huet  von  fou  =  lat.  fagus  und  wirklich  bedeutet  das 
henneg.  fouet  reisbündel,  woraus  die  bedd.  ruthe,  peitsche. 

Fouger  fr.  aufwühlen;  von  fodicare,  romagn.  fudghfe.  Abgel. 
fouiller,  pr.  fozilhar,  gleichsam  fodiculare,  woher  waUon.  foyan  maul- 
tourf.  Auch  far- fouiller  umwühlen,  nach  Menage  für  par-fouiller,  also 
durch  assimilation?  Das  gleichbed.  occ.  fourfouliä.  scheint  mit  furca  zu- 
sammengesetzt, vgl.  frugare  L 

Fourgon  fr.  in  der  bed.  karren;  von  furca  gabel,  it.  forcone,  sp. 
hurgon,  eigentl.  gabelwagen. 

Fourmiller  fr.  wimmeln;  vom  durcheinanderlaufen  der  ameisen, 
gleichsam  formiculare,  altfr.  auch  formier  =  formicare.  Das  sp.  gusa- 
near,  von  gusano  wurm,  hat  dieselbe  bedeutung,  so  auch  das  mhd.  wibelen 
von  wibel  käfer,  kornwurm. 

Foyer  fr.,  foguier  pr.  herd;  vom  adj.  focarius,  sp.  hogar. 

Fraidi tz  nebst  fraidel,  fradel  pr.  (auch  altfr.  fradous  Brt.  II,  274?) 
ruchlos }  gottlos;  erinnern  an  ahd.  freidi,  freidtc  Kprofanus,  apostata,  pro- 
fugus\  mhd.  vreidec  treulos,  übermüthig. 

Fraindre  altfr.  brechen,  von  frangere;  nfr.  enfreindre  von  in- 
friugere. 

Frairin,  frarin  altfr.,  pr.  frairf  arm,  elend,  verächtlich  u.  dgl.; 
nach  Gachet  381a  von  frater  mönch,  indem  die  bed.  arm  vorausgieng. 

Frais  fr.  (plur.)  Unkosten,  ausgaben;  soll  aus  dem  mlat.  fredum, 
worunter  man  gewisse  Zahlungen,  ursprünglich  als  büße  für  friedensbruch 
(ahd.  fridu),  verstand,  gebildet  sein;  mit  fret  hat  es  keine  gemeinschaft. 
Vb.  däfrayer. 

Fraise  fr.  (altfr.  freze  geschr.),  pr.  fraisa  (aus  fraisier  zu  folgern) 
erdbeere,  daher  das  gleichbed.  sp.  fresa?  Vielleicht  erweitert  aus  fragum, 
das  noch  im  wallon.  frev,  parm.  fro  vorliegt.  Dergleichen  fortbildungen, 
theils  die  frucht,  theils  das  kraut  betreffend,  sind  mlat.  fragea,  fragula 
{it.  fragola),  fragaria,  fraguria,  fracium  (aus  fraise),  fraxina  (dem  franz. 
worte  nah  liegend),  s.  Dief.  Gloss.  lat.  germ.  und  Nov.  gloss.;  doch  würde 
ein  adj.  fragea  dem  franz.  worte  nicht  genügen,  auch  ist  es  mit  it.  frasca 
nicht  zu  vermengen. 

Framboise  fr.  himbeere;  vom  ndl.  braambezie,  ahd.  brämberi  d.  i. 
dornstrauchbeere,  mit  Verwandlung  des  b  in  f  vielleicht  durch  einwirkung 
von  fraise.    Neupr.  framboiso,  sp.  frambuesa,  cotn.  fambrosa,  piem.  flau- 


588  II.  c.  FRAPPER-FRESAIE. 

boesa  mögen  aus  dem  frans,  sein.    Das  alter   des  Wortes  bezeugt  fram- 
boses  'hintperi'  (Himbeeren)  Gl.  Emmeram. 

F rapper  fr.,  pr.  frapar  (in  einer  chronik)  schlagen,  treffen.  Dieses 
special  franz.  wort  hat  vielleicht  nordischen.  Ursprung,  von  hrappa  schelten, 
einen  anfahren,  adj.  hrappr  gewaltsam:  denn  daß  frapper  früher  die 
nord.  bedeutung  hatte,  verräth  uns  das  mdartl.  engl,  frape  schelten  Halliw., 
das  nur  aus  dem  franz.  herrühren  kann;  und  wie  increpare  geräusch 
machen  heißt,  so  auch  engl,  fraple,  daher  frape  gesellschaft,  häufe  menschen, 
altfr.  frapin  LRs.  436  und  frapaille.  Immerhin  mag  auch  das  ndd. 
flappen,  engl.  Aap  (klatschen)  erwogen  werden,  da  wenigstens  das  mdartl. 
frapouille  läppen  (in  Oheims)  mit  seiner  bedeutung  an  engl.  Aap  und 
ähnliche  erinnert. 

Frayeur  fr.  (froior  Agol.  537),  pr.  freior  schrecken;  dazu  fr. 
effroi,  alt  esfroi,  pr.  esfrei  gleichbed.,  vb.  effrayer,  pr.  esfreyar,  esfrei- 
dar  in  schrecken  setzen.  Die  prov.  form  mit  d  führt  hier  so  deutlich  auf 
die  spur,  daß  man  weder  an  fragor  knall,  noch  friare  zerbröckeln  zu 
denken  braucht:  die  bildungen  sind  von  frigidus,  freior  ist  wie  lat.  frigus 
oder  gelu  eigentlich  schauer,  effrayer  durchschauern.  Zwar  steht  flagor 
(l.  fragor)  teJdsoy  (schrecken)  Gl.  Ker.  175*,  allein  wie  hätte  das  vb.  effrayer 
hieraus  sich  hervorbilden  können?    [Hiezu  Krit.  anhang  p.  16.] 

Fredon  trüler  im  singen,  vb.  fredonner;  wohl  von  dem  stamme  frit 
im  lat.  fritinnire  zwitschern.  Caseneuve  vermuthet  darin  das  barbarische 
frigdora  des  Notker  Bälbulus,  worüber  Ducange  nachzusehen  ist. 

Frelater  le  vin  fr.  den  wein  verfälschen;  vom  ndl.  wyn  vertaten 
wein  in  ein  anderes  gefäß  gießen. 

Fr  Sie  fr.  gebrechlich;  von  fragilis,  it.  fraile. 

Fr  elon  fr.  horniß;  muthmaßlich  von  freie,  das  altfr.  auch  schmächtig, 
dünn  bedeutet,  in  beziehung  auf  den  schlanken  bau  des  thierchens,  s.  Menage. 
Die  form  froilon  bei  Nicot  steht  dieser  etymologie  nicht  im  wege,  oi  findet 
sich  öfters  ein  für  ai  (altfr.  fraile  =  firäle).  Eben  so  scheint  das  glcichbed. 
grelon  (in  Berry)  aus  grSle  d.  i.  gracilis  (schlank)  entstanden,  wiewohl 
Sauvages  das  occit.  graule  von  crabro  herleitet.  Der  deutsche  name  be- 
zieht sich  auf  das  dem  tone  eines  hornes  ähnliche  sumsen  des  itisectes, 
s.  Weigand  I,  618. 

Frelore  altfr.  zu  gründe  gerichtet,  verdorben:  nostre  fait  seroit 
toiit  frelore  cet.  Pathelin  bei  Bog.,  noch  mundartlich,  z.  b.  in  Genf;  vom 
deutschen  verloren.  Forelores  leere  worte  Ben.  I,  107  sdmnt  sich  da- 
gegen dem  engl,  forlorn  =  ags.  forloren  anzuschließen;  zunächst  aber  aus 
dem  franz.  ist  das  altengl.  forlore,  da  ihm  das  schließende  n  fehlt. 

Fr6ne  fr.  (f.)  esche,  alt  fresne,  fraisne;  von  fraxinus,  pg.  freixo  u.  s.f 

Fresaie  fr.  eine  art  etilen,  käuzchen;  nach  Menage,  mit  berufung 
auf  die  poitevin.  form  presaie,  gase,  bresague,  von  praesaga,  weil  der 
vogel  nach  dem  franz.  (wie  nach  dem  deutschen)  Volksglauben  unheil,  zu- 
mal todesfälle  verkündigt,  daher  auch  effraie  und  oiseau  de  la  mort, 
deutsch  todtenvogel,  leichhuhn  genannt. 


IIa  FKESANGE-FRINGUER  589 

Fresange,  fresanche,  fraissengue  altfr.  junges  sehwein,  npr.  auch 
fraysse;  vom  ahd.  frisking,  nhd.  frischling.  Das  it.  frassugno  fett, 
schmeer  erinnert  gleichfalls  an  frisking,  friskung,  seine  Bedeutung  aber 
führt  auf  sugna  (11.  a),  das  also  wohl  mit  fraysse  zusammengesetzt  sein 
konnte  (fras-sugno  schweine-fett).  Der  Sicüianer  mag  sein  frisinga  aus 
dem  franz.  haben. 

Freste  altfr.  (m.),  pr.  frest  giebel;  vom  ahd.  first  (n.J  gipfd,  sinne, 
nhd.  giebel  des  daches. 

Fr  es  tele  altfr.  pfeife,  flöte,  vb.  fresteler,  pr.  frestelar;  von  fistella 
für  fistula  mit  eingemischtem  r. 

Frätiller  fr.,  pr.  frezilhar  hüpfen  und  springen.  Darf  man  mit 
Salmasius  nach  dem  lat.  fritillus  ein  vb.  fritillare  mit  der  bed.  'hin  und 
her  schütteln  voraussetzen,  so  könnte  dies  das  vornan,  wort  sein,  wiewohl 
auf  die  franz.  form  das  von  Frisch  aufgestellte  frictillare  bessere  anwen- 
dung  fände;  fritillare  gäbe  regelrecht  frediller. 

Fretin  fr.  abschabsei,  ausschuß,  fischbrut;  von  fricare  frictnm 
(Frisch). 

Frette  fr.  eisernes  band,  plur.  frettes  guter,  daher  sp.  fretes  guter 
im  wappen;  für  ferrette  von  ferrum. 

Freux  fr.  Saatkrähe;  von  frugilegus,  sagt  Menage,  das  aber  formell 
nicht  damit  zu  einigen  ist.  Derselbe  vogel  heißt  ahd.  hruoch,  ags.  hröc, 
dlin.  hrökr  (bei  Biörn  seerabe),  dän.  roge,  ndd.  rook,  obd.  ruech;  aus 
der  nord.  form  aber  (vgl.  frimas,  friper)  entstand  mit  übertritt  des  h  in 
f  das  fr.  freux  wie  aus  cocus  queux. 

F riebe  fr.  (f.)  brache,  brachfdd;  vom  dtschen  frisch  wie  lat.  novale 
von  novus,  meint  Ducange,  vgl.  im  spätem  mlcUein  friscum,  altfr.  frische. 
Aber  war  alsdann  nicht  fratche  zu  erwarten?  Bezeichnender  ist  Grimms 
herleitung,  Gesch.  d.  d.  spr.  p.  61,  aus  fractitium  (vgl.  occ.  roumpudo 
frisch  gebrochenes  land,  norm,  briser  einen  acker  bearbeiten)  und  auch  von 
seüen  der  form  unverwerflich,  da  die  endung  itins  (icius)  zuweilen  iche 
wird.    Ein  prov.  fresca  würde  entscheiden. 

Friente  altfr.  z.  b.  des  chevaux  Ben.  II,  p.  146;  von  fremitus 
it.  fremito.    Le  Duchat  schreibt  frainte  und  leitet  es  von  frangere. 

Frileux  fr.  frostig;  gleichsam  frigidulosus,  vom  classischen  fri- 
gidalas. 

Frimas  fr.  reif,  gefrorener  (hau,  vb.pic.  frimer;  unzweifelhaft  vom 
gleichbed.  altn.  hrfm,  da  der  anlaut  hr  dieser  spräche  sich  auch  sonst  in 
fr.  fr  umwandelt,  ags.  gleichfalls  hrfm,  engl,  rime,  ndl.  rijm,  bair.  reim 
(auch  pfreim).    Im  pic.  rimäe  blieb  der  nord.  anlaut  weg. 

Fringuer  fr.  sich  rasch  hin  und  her  bewegen,  bret.  fringa  dass., 
vgl.  occ.  fringä  schön  thun,  liebhosen.  Muthmaßlich  aus  einer  tourzel,  die 
auch  im  lat.  fringntire  zwitschern,  fringuilla,  fringilla  fink,  so  wie  in 
frigutire  und  frigulare  enthalten  ist,  welchen  sich  Jcymr.  ffreg  (geplauder) 
anzuschließen  scheint.  Sich  hüpfend  bewegen  und  zwitschern  sind  nah 
verwandt:  das  bret.  fringol  tritter  ist  desselben  Stammes  und  das  abge- 


500  IL  c.  FßlPER-FROISSER. 

leitete  fr.  fringoter  (Trev.)  zuntschern,  it.  fringottare,  weist  gebieterisch 
auf  fringuer  zurück,  die  nebenfonn  frigoter  erinnert  an  frigutire.  Stark 
entstellt  aus  fringnilla  ist  it.  filunguello,  a  für  i  im  parm.  crem,  frängol, 
piem.  franguel,  frangoi. 

Friper  fr.  abnutzen,  verbrauchen,  gierig  verzehren,  fripon  Spitz- 
bube, friperie  trödelei  (abgenutzte  Sachen).  In  diesem  ausschließlich  franz. 
stamme  scheint  einer  der  fälle  vorzuliegen,  worin,  wie  in  frimas,  nordisch 
hr  zu  fr  geworden,  indem  sich  das  franz.  verbum  dem  isländ.  hripa  ctumul- 
tuarie  agere  Biörn  logisch  recht  wohl  anschließt. 

Frique  altfr.,  pr.  fric,  npr.  fricaud  munter,  lebhaft,  dauph.  frican- 
dela  lebhaftes  madchen.  Die  lat.  spräche  gewährt  keinen  tauglichen  stamm: 
fncare  hätte  wenigstens  freque  gegeben,  wenn  die  grammatik  solche  adjec- 
tivbüdungen  erlaubte.  Auch  an  unser  frisch  ist  nicht  zu  denken,  da  weder 
fresc  noch  selbst  freque  irgendwo  vorhanden  ist.  Wohl  aber  fügen  sich 
die  Wörter  zu  goth.  friks,  ahd.  fr£h  gierig,  mhd.  vrßch,  ags.  free  kühn, 
keck,  altengl.  frek  lebhaß  Hattiw.:  wie  sich  kühnheit  und  munterkeit  be- 
rühren, zeigt  auch  gaillard.  Demselben  stamme  kommt  noch  eine  andre 
bedeutung  zu:  npr.  fricaud  heißt  auch  lecker,  köstlich,  sbst.  fricot  (auch 
pic.  norm.)  leckeres  gericht,  nfr.  fricandeau  dass.,  fricasser  eigenü. 
lecker  zubereiten.  Sie  scheinen  sich  an  die  deutsche  bed.  gierig  zu  knüpfen, 
woraus  die  bedd.  leckerhaft  und  endlich  lecker  erfolgen  konnten:  beide 
letztere  einigt  z.  b.  das  fr.  friancL  Formverschieden  davon  ist  das  er- 
wähnte  friand,  vb.  norm,  frioler  lüstern  sein,  henneg.  sprudeln,  zischen 
(von  speisen  auf  dem  feuer),  fr.  affrioler  anlocken,  anreizen;  schwerlich 
von  frik,  nach  Menage  u.  a.  von  frigere  rösten,  vgl.  altfr.  frieul  brat- 
pfanne.  —  [Eine  geschickt  begründete  herleitung  von  fricasser  aus  frictus 
(von  frigere),  woraus  fricare  für  frietare  entstand,  hat  Mahn  p.  47  mit- 
getheilt,  dazu  sehe  man  den  Krit.  anhang  p.  23.] 

Frire  fr.  braten;  von  frigere,  it.  friggere. 

Frisson  fr.  frost,  schauder.  Schon  Gregor  v.  T.  bedient  sich  dieses 
Wortes:  quas  'rulgo*  frictiones  vocant,  und  Ducange  erklärt  es  richtig 
aus  dem  unlat.  frigitio  zsgz.  frictio  fripon,  von  frigere,  altfr.  pr.  frire. 

Froc  fr.  mönchskutte;  eigentl.  flockiger  stoff,  vom  lat.  floecus  flocke, 
pr.  floc  in  lat.  und  franz.  bed.,  mied,  floecus,  froecus,  mit  fr  schon  in 
den  Schlettst.  glossen  39,  147  froecum  Krok\  Wackernagel  (in  Haupts 
Ztschr.  II,  560)  leitet  das  franz.  wort  aus  der  ahd.  (neben  roch  kaum 
vorkommenden)  form  hroch  mit  Übergang  des  hr  in  fr,  allein  jene  für  das 
romanische  organ  allerdings  harte  Verbindung  wird  theüs  durch  wegfatt 
des  h,  theils  durch  einschiebung  (har)  gemildert;  nur  das  der  Sprachbildung 
erst  später  gebotene  altn.  hr  wird  franz.  fr  {vgl.  frimas,  friper),  ein  altn. 
hrockr  ist  aber  nicht  vorhanden.  Übrigens  ist  auch  die  prov.  form  floc 
(niemals  froc)  nicht  außer  acht  zu  lassen,  bei  welcher  man  zu  gunsten 
des  deutschen  Wortes  eine  doppelte  änderung  jener  lautverbindung  an- 
nehmen müßte. 

Froisser  fr.  zerquetschen,  zerreiben;  entweder  van  frendere  fressus 


II.c.  FRONCHER-GAIF.  591 

oder  von  fricare  frictus  (s.  frizzare  I),  von  letzterem,  wenn  sich  eine 
piccard.  form  froicher  aufzeigen  läßt;  die  alten  denkmaler  dieser  mundart 
scheinen  nur  froisser  zu  kennen. 

Froncher  altfr.  schnarchen,  schnauben  FG.  II.  III.,  pic.  fronker: 
li  destriers  fronke  du  nes  Fier.  126.  127;  wohl  von  rhonchare  bei 
Sidonius,  mit  verstärktem  anlaut,  s.  roncar  II.  b. 

Frunir.pr.y  eigentlich  nur  part.  frunit  und  fronit  gebrochen:  asta 
fronia  GAlb.,  figürl.  von  menschen  GRoss.  6822,  LR.  1,  393.  Lat.  fru- 
ni8ci  liegt  der  bedeutung  ferne.  Darf  man  zermalmen  als  grundbegriff 
annehmen,  so  nähert  sich  das  prov.  wort  dem  mlat.  frnnire  lohe  bereiten 
d.  i.  baumrinde  zerreiben,  aber  auch  dessen  herkunft  scheint  unbekannt. 

Furnier  fr.  mist,  richtiger  altfr.  femier,  woneben  freilich  schon  die 
erster -e  form;  von  fimus,  u  aus  e  ebenso  im  altfr.  pic.  champ.  fumelle  für 
femelle,  cdtfr.  frumer  für  fermer.    S.  Rom.  gramm.  I,  175. 

Furolles  fr.  (fem.  plur.)  feurige  dünste,  irrlicht;  für  furoles  von 
feu  feuer,  abgel.  wie  it.  focajuolo  feurig,  vgl.  fr.  flammerole  eine  ähnliche 
erscheinung  auf  der  see. 


G. 

Gable  fr.  (f.)  giebel  des  hauses.  Es  erinnert  an  das  eilte  lat.  ga- 
balus  kreuz  (gabalum  crucem  dici  veteres  volunt  Varro  beiNonius),  der 
giebel  konnte  seinen  namen  daher  haben,  weil  die  bälken  an  der  spitze 
des  daches  sich  kreuzen,  auch  ist  das  norm,  gable  gen.  masc.  Da  indessen 
das  wort  den  übrigen  mundarten  fehlt,  so  wird  es  rathsamer  sein,  es  auf 
das  ahd.  gabala  gabel  (vgl.  altn.  gafl  m.)  als  seine  nächste  quelle  zurück- 
zuleiten;  auch  lat.  furca  heißt  die  gabelförmige  spitze  an  gebäuden. 

Gächer  fr.  rudern,  rühren,  gäche  ruhrstock,  rüder;  vom  ahd.  was- 
kan,  nhd.  waschen.  Daher  gächis  pfütze,  vgl.  engl,  wash  Spülwasser, 
sumpf;  altfr.  waschier  auch  besudeln. 

.  Gagnon,  selten  wagnon,  hofhund,  Schäferhund  u.  dgl.  Das  ehmals 
ziemlich  übliche  wort  ist  veraltet  und  selbst,  wie  es  scheint,  in  den  mund- 
arten erloschen,  seine  herkunft  nicht  ganz  frei  von  zweifei.  Gachetp.  22  7a 
halt  es  für  einen  sprößing  des  auf  den  ackerbau  angewandten  Wortes 
gaaing.  Man  konnte  dabei  an  die  herkunft  des  synonymen  m&tin,  das 
zum  haushält  gehörige  thier9  erinnern.  Besser  jedoch  würde  es  sein,  wenn 
sich  gagnon  auf  canis  gründen  ließe:  viele  thiernamen  nehmen  ja  das 
suffix  on  zu  sich.  Roquefort  hat  in  der  (hat  cagnon  I,  655,  aber  unbe- 
legt. Sicherer  steht  das  feminin  cagne  (s.  oben  chien),  welches  die  com- 
bincUion  gn  in  unserm  worte  rechtfertigt;  der  anlaut  w  freilich  in  der 
nebenform,  an  der  stelle  einer  auf  c  zurückweisenden  Vorstufe  g,  ist  selten, 
aber  möglich.  Ital.  gagnolare  scheint  einem  andern  Stamme  anzugehören, 
s.  IL  a. 

Gaif,  chose  gaive  altfr.  eine  im  stich  gelassene  von  niemand  zurück- 


592  ILc.   GAIMENTER-GALE. 

geforderte  sacke,  vb.  gnever  im  stich  lassen;  tnlat.  wayfium,  res  vaivae, 
vb.  wayviare.  Ursprünglich  bedeutet  gaif  =  engl,  waif  ein  verlaufenes 
stück  vieh,  animal  errang  oder  vagans  in  german.  gesetzen,  und  wird  er- 
Märt  aus  engl,  waive,  wave,  ags.  vafian  sich  hin  und  her  bewegen, 
schwanken.    S.  E.  Müller  s.  v.  wave  2. 

Gaimenter,  waimenter  altfr.,  pr.  gaymentar  (noch  jetzt  daupk 
gueimenti)  klagen,  jammern,  sbst.  wald.  gayment  Hahn  p.  569.  695. 
Da  sich  kein  vb.  gaimer  findet,  wovon  es  eine  participialableitung 
sein  könnte,  so  ist  darin  eine  Umbildung  von  lamenter  vermittelst  der 
interj.  gnai  anzunehmen.  Nicht  minder  merkwürdig  ist  das  gleichbed. 
gnermenter,  worin  sieh  eine  celt.  würzet  zu  verstecken  scheint,  gael. 
gairm,  kymr.  garmio,  bret.  garmi  geschrei  ausstoßen,  vgl.  mndl.  caermen 
Grimms  Eeinh.  v.  2715,  nndl.  kennen.  Aber  auch  se  gramenter  sich 
beklagen  kommt  vor  Ben.  I,  346,  was  wieder  an  einen  deutschen  stamm, 
gram  (betrübt),  erinnert. 

6a  1  altfr.  ein  stein:  des  cailliex  lor  ont  tant  contreval  rnä  et  tante 
gres  cornne  et  tant  gal  encostö  DMce.  304,  29,  dbgel.  nfr.  galet  ein 
von  dem  mecre  ausgeworfener  platter  und  glatter  stein,  galette,  pr.  gaJeta 
ein  platter  kuchen,  it.  galetta,  sp.  galleta  Zwieback;  in  franz.  mundarten 
mehrfach  abgeleitet,  z.  b.  henneg.  galier  =  galet,  berr.  galine  Hemer 
stein,  pic.  galer  rollen  wie  ein  stein  (Corblet).  Ein  wort  so  wichtiger 
bedeutung,  welches  weder  die  lateinischen  noch  die  deutschen  sprachen 
kennen,  muß  ein  alteinheimisches  sein,  und  da  die  anlautende  kehltenuis 
im  franz.  mehrmals  als  media  auftritt,  so  wird  es  gestattet  sein,  das  kymr. 
calen  (f.)  Wetzstein  zu  vergleichen. 

Galaub ia,  galanbey  pr.  pracht,  aufwand;  ein  allen  andern 
mundarten  unbekanntes  nun  veraltetes  wort,  kann  seine  herkunß  aus  dem 
goth.  galaubs  (kostbar)  nicht  verläugnen.  Dahin  auch  der  name  Gua- 
laubet  Chx.  V,  220. 

Galbe  fr.  (m.)  was  sich  an  gebäuden  oder  geräthen  zierlich  nach 
oben  ausbreitet;  vom  mhd.  walbe  (m.)  =  nhd.  walm  einb  legung  des  daches 
an  der  giebelseite  Schmäler  IV,  61;  daher  unser  gewölbe.  Bei  Roquefort 
ist  galbe  auch  der  vordere  theü  des  wamses  und  mhd.  walbe  sott  das  ge- 
wölbte blatt  der  schuhe  bedeuten  (gezieret  was  der  vordere  walbe  Mhd. 
wb.).  Das  franz.  wort  ist  schlecht  assimiliert,  denn  lb  hinter  dem  ton- 
vocal  duldet  diese  spräche  nicht;  es  bezeugt  hiermit  seine  spätere  einfüh- 
rung.  Käme  es  von  dem  allerdings  begriffsverwandten  it.  garbo,  so  würde 
es  das  genehme  rb  nicht  für  lb  aufgeopfert  haben. 

Gale  fr.  kratze,  se  galer  sich  kratzen.  Schon  Nicot  leitet  es  von 
callus  schwiele,  daher  mlat.  callosus  =  galenx.  Der  ardaut  ca  wird  auch 
in  einigen  andern  fällen  (gamelle,  altfr.  gajol)  zu  ga,  so  daß  gegen  den 
buchstaben  wenig  einzuwenden  ist.  Gleichwohl  scheint  die  herleitung  un- 
sicher, da  auch  das  dtsche  galle  schadhafte  stelle,  engl,  gall  schramme, 
to  gall  wund  reiben,  in  betracht  kommen.  Fictet  (Zeitschr.  f.  vergh 
sprachf.  V,  338J  vermuthet  seine  quelle  im  ir.  galar,    galradh  krankheit. 


ILc.   GALIMATIAS-GAUCHE.  5Ö3 

Itdl.  galla,  sp.  agalla   geschundst,  beule  führen  aber  auf  lat.  galla  ^raZZ- 
apfd,  welche  bedeutung  dem  roman.  worte  gleichfalls  vergönnt  ist.  % 

Galimatias  fr.  verworrenes  gerede;  eins  der  späteren  Wörter  von 
zufälliger  entstehung  (fehlt  z.  b.  bei  Nicot  1573),  über  welche  die  etymo- 
logie  •  nichts  vermag.  Eine  anecdote  zu  seiner  entzifferung  in  Höfers 
Oberd.  wb.  II,  121.  Man  merke  dazu  das  altengl.  gallimawfrey  ein  ge- 
richt  von  allerlei  Mein  gehackten  speisen,  dsgl.  ein  verworrener  mischmasch 
von  dingen,  s.  Hdttiwell,  dsgl.  Dief.  Gloss.  lat.  germ.  s.  v.  balimathia. 

Ganchir,  guenchir  pr.  altfr.,  chw.  guinchir  ausweichen;  vom 
ahd.  wankjan,  wenkjan  weichen,  wanken.  Vom  sbst.  wank  ist  das  comask. 
guanch  fehler. 

G  an  dir  altfr.,  guandir  pr.  ausweichen,  sich  raten,  ganditz  cdesti- 
nans  timare  (l.  dedinans)  GProv.  52*,  altfr.  auch  gandiller  NFC.  I, 
417;  vom  goth.  vandjan,  ahd.  wantjan,  wentjan,  nhd.  wenden. 

Garance  fr.,  daher  wohl  sp.  granza,  pic.  entsprechend  waranche 
eine  pflanze  zum  rothfärben,  im  frühsten  mlatein  garantia,  später  waren- 
tia.  Die  scharlachfarbe  hieß  dem  Griechen  älfj&ivov  die  ächte  färbe;  dem 
entspricht  das  aus  verus  oder  dem  vb.  verare  geschaffene  verantia,  ent- 
stellt varantia.    So  Salmasius  und  Vossius. 

Garenne  fr.  kaninchengehege,  fischweide,  dsgl.  varenne  jagdgehege, 
letzteres  für  warenne,  ndat.  (besonders  in  England)  warenna,  mhd.  ge- 
-frenne  Wb.  III,  399.  Ist  es  vom  altfr.  garer,  warer  behüten,  wie  sinn 
und  buchstabe  vermuthen  lassen,  so  muß  das  suffix  entstellt  worden  sein, 
garene  vielleicht  für  garine  stehen^  vgl.  gastine,  guerpine,  haYne  aus 
deutschen  wurzeln.    Die  ndl.  spräche  bildete  warande. 

Garer  fr.,  garar  pr.  acht  haben,  behüten;  vom  ahd.  warön  in  acht 
nehmen.  Zsgs.  pr.  esgarar  s.  v.  a.  garar,  dagegen  fr.  6garer  {woher  it. 
sgarrare)  mit  der  bed.  außer  acht  lassen,  irre  führen,  altfr.  pr.  esgarä 
verirrt,  betrübt:  dolente  et  eguarethe  Jlexs.  94. 

Gargote,  gargotte  fr.  garküche.  Weder  an  das  dtsche  wort  noch 
an  lat.  gurgustium  ist  zu  denken.  Sein  Ursprung  liegt  im  altfr.  pic.  gar- 
goter  sieden,  brausen,  das  einen  onomatqpoietischen  anstrich  hat. 

Garricjjr.,  garrig  cot.,  jarris  altfr.  Gayd.  p.  346  (jaurris  170) 
Steineiche,  pr.  cot.  garriga  Steineichenwald.  Von  garra  kralle?  vgl.  wegen 
dieser  anschäuung  chaparra  II.  b.  Auch  comask.  gar-öla  eichet,  nußkern 
erinnert  an  einen  solchen  stamm. 

Gaspiller  fr.  vergeuden,  pr.  gnespillar,  waUon.  caspoui;  vom  ags. 
gespillan,  ahd.  gaspildan  verzehren,  ausgeben. 

Gate  henneg.  watton.,  gaie  lothr.,  gaiette  champ.,  gaise  im  Jura; 
deutsches  wort,  goth.  gaitei,  ndl.  geit,  ahd.  geiz,  nhd.  geifSs.  S.  Hecart 
8.  v.  gate. 

Gäteau  fr.,  alt  gastel  (daher  sicü.  guasteddu),  pr.  gastal  kucken; 
vom  mhd.  wastel,  nach  Grimm  II,  26  zusammenhängend  mit  wist  speise; 
mhd.  gastel  aus  dem  romanischen. 

Gauche  fr.  links,  altengl.  gauk«     Der   anlaut  muß   deutschem  w 

88 


594  ILc.   GAUFRE— GAVE. 

entsprechen,  das  sich  im  henneg.  erhielt:  fräre  wauquier  linker  bruder, 
Stiefbruder  z.  b.  ist  s.  v.  a.  fr.  fröre  gaucher:  es  stammt  also  schwerlich 
vom  lair.  gäbisch  (verkehrt),  wie  Schmeller  lermuthet.  Kommt  es  von 
ganchir  atisweichen?  aber  adjectiva  entstehen  nicht  unmittelbar  aus  verbis, 
auch  war  zum  Übertritte  von  an  in  an  kein  euphonischer  grund,  und  wo 
ein  solcher  übertritt  vorkommt,  pflegt  die  erste  form  wenigstens  neben  der 
zweiten  fortzuleben.  Wohl  aber  paßt  das  wort  zum  ahd.  welk  schwach, 
matt,  wie  man  sich  die  linke  hand  gegen  die  rechte}  die  kräftige,  dachte, 
vgl.  it.  stanca  die  müde,  die  linke,  manca  die  schadhafte,  sp.  zurda  die 
taube,  redrufia  die  zurückweichende,  neuprov.  sogar  man  seneco  die  alte 
d.  h.  die  welke,  kraftlose.  Ähnlich  vergleicht  sich  mit  dem  mhd.  tenc 
link  das  schwz.  tehngg  träge,  welk,  s.  Dief.  Goth.  wb.  II,  326.  Beachtens- 
wert ist  noch  das  mdartl.  engl,  gaulic  hand  linke  hand  HaUiw.,  insofern 
ihm  ein  altfr.  galc  die  form  gewiesen  haben  muß,  denn  gallica  manus 
wäre  doch  zu  seltsam.  Span,  gaucho  schief,  von  ganche?  über  rechts 
und  links  überhaupt  s.  Potts  Zahlmethode  p.  268. 

Gaufre  fr.  (f.)  honigwabe,  dsgV.  ein  backwerk,  pic.  waufe,  auch 
altsp.  gnafla,  mlat.  gafrnm;  vom  dtschen  waffel,  verwandt  mit  wabe, 
eigentl.  zellenförmiges  backwerk,  vom  vb.  weben,  ndd.  weven. 

Gauge  altfr.  in  nois  gange  watsche  nuß  FC.  1,  393;  vom  ahd. 
walah  fremd,  undeutsch,  welches,  erst  walc  gesprochen,  m  gauge  über- 
gierig  wie  del'catus  in  deug£.  Der  name  ist  uralt :  ags.  veal-hnut,  altn. 
val-hnot,  nhd.  wallnufs.  Aus  einer  andern  ausspräche  entstand  die  pic 
form  gangne  nebst  ganguer  nußbaum. 

Gaule  fr.,  henneg.  wanle  große  stange,  auch  reitgerte.  Ansprüche 
auf  dieses  wort  erheben  lat.  vallus  pfähl  und  goth.  valus  stock,  gerte, 
Qaßdog,  fries.  walu,  altn.  völr  dass.  s.  Grimm  II,  487°.  Weniger  die 
bedeutung  als  der  umstand,  daß  sich  nur  Nordfrankreich  dieses  wort  zu 
eigen  gemacht  (Provence  kennt  es  bis  jetzt  nicht),  entscheidet  für  deutsche 
herkunft,  die  auch  durch  die  gestält  des  anlautes  unterstützt  wird.  Au 
hat  in  dem  doppelten  1,  denn  valus  lautet  wie  vallus,  seinen  grund. 

Gaupe  fr.,  bürg,  gaupitre  ungestaltes  schmutziges  weib,  altfr.  waupe; 
vermuthlich  das  altengl.  wallop  stück  fett,  klumpen.  Das  ahd.  wnlp& 
(wölfin)  hätte  goupe  erzeugt.  Das  bürg,  ganpe  übersetzt  Mignard  ßle 
folätre. 

Gauss  er/r.  (nur  reflexiv  se  gausser  de  qch.)  sich  lustig  machen 
über  etwas;  den  alten  Wörterbüchern  noch  unbekannt,  nach  Frisch  das 
it.  gavazzare  schwatzen,  besser  das  gleichbed.  eben  so  wohl  reflexiv  ge- 
brauchte sp.  gozarse  de  — . 

Gaut,  gualt,  gal  altfr.,  pic.  norm.  chw.  gault,  pr.  gau,  gaut  00. 
buschholz ;  vom  dtschen  wald.    Daher  altfr. .  gaudine,  pr.  gaudina  geholz. 

Gave  pic,  wallon.  gaf,  champ.  gueffe  kröpf  der  vögd,  vb.  pic.  se 
gaver,  neupr.  se  gavä,  champ.  se  gueffer,  fr.  s'engouer  sich  voll  stopfen, 
pic.  engaver  geflügel  stopfen  oder  mästen,  fr.  gavion  Schlund,  vgl.  auch 
occ.  engavachä  würgen,  maü.  gavasgia,    com.  gavazza  großes  maul  u.  o. 


IL  c.   GAZE— GESE.  595 

Nimmt  man  an,  daß  die  würzet  gav  etwas  aufgetriebenes  oder  ausgehöhltes 
bedeute,  so  darf  man  auf  lat.  cavus  und  cavea  verweisen,  indem  durch 
letzteres  sich  das  fr.  gavion  (das  gleiche  span.  wort  heißt  korb  wie  it. 
gabbia  aus  cavea)  am  leichtesten  erklärt. 

Gaze  fr.,  sp.  gasa  ein  durchsichtiges  gewebe;  genannt  nach  der 
stadt  Gaza  in  Palästina,  woher  es  bezogen  ward  (Pihan  Gloss.). 

Gazon  fr.  rasen,  arag.  cremon.  gason;  vom  aAd.  waso,  nhd.  wasen. 
Das  ags.  vase,  ndl.  wase  heißt  auch  schlämm,  daher  das  gleichbed.  fr. 
vase  (f.),  pg.  vasa,  vermuthlich  erst  später  aus  dem  niederl.  eingeführt, 
da  w  nicht,  der  lautregd  gemäß,  mit  gn  umschrieben  ward;  doch  findet 
sich  norm,  gase  für  vase,  engaser  für  envaser  mit  schlämm  bedecken. 
Vgl.  Diefenbachs  Goth.  wb.  I,  244. 

Gäant  fr.  riese,  pr.  jayan;  von  gigas  gigantis. 

Geindre  ächzen,  winseln;  von  gemere. 

Gene  fr.  (f)  folter,  zwang,  altfr.  gehene,  vb.  glner;  von  dem  ur- 
sprünglich hebr.  gehenna  hölle,  bei  kirchenschriftstellcm. 

G6nisse/h,  pr.  junega  GO.  junge  kuh;  von  junix  junlcis  dass. 
Auch  in  geni&vre  ward  tonloses  u  nach  ursprünglichem  j  in  e  geschwächt. 
Im  Jura  sagt  man  für  gänisse  einfach  gegna,  welches  mit  junega  zu- 
sammenhängen muß.  Andre  formen  sind  comask.  gioniscia,  chw.  gianitsoha. 

Gens,  ges  pr.,  altfr.  gens,  giens,  eine  dem  nordwestl.  gebiete  eigne 
noch  im  neupr.  ges  oder  gis  und  cot.  gents  fortlebende  negation  s.  v.  a. 
fr.  point.  Ihr  Ursprung  ist  nicht  ganz  sicher.  Der  Römer  pflegte  gewisse 
artsadverbia  mit  beigefügtem  gentium  zu  verstärken  (ubi  gentium,  nus- 
quam  gentium)  und  trug  diese  Verstärkung  auch  auf  minime  über,  und 
so  könnte  das  rem.  gens  (von  gentium  wie  pretz  von  pretium)  eine  weitere 
foribildung  dieser  redeweise  sein:  non  gens  =  non  gentium  s.  v.  a.  mi- 
nime gentium.  Daneben  wäre  auch  noch  genus  zsgz.  gens  zu  erwägen: 
non  genus  nicht  die  art,  nicht  der  schatten  eines  dinges.  S.  Altrom. 
sprachdenkm.  p.  53.  A.  W.  Schlegel,  Observ.  sur  la  litt.  prov.  anm.  35, 
dachte  an  das  deutsche  ganz,  was  weder  die  form  noch  den  begriff  für 
sich  hat.  Nicht  minder  fehlerhaft  ist  die  deutung  von  Onofrio,  Essai  d9un 
glossaire  cet.  p.  243,  aus  dem  pr.  nien,  weiches,  da  es  zweisilbig  ist, 
nimmer  die  ausspräche  gen  erzeugen  konnte. 

Gerbe  fr.,  altfr.  garbe,  pr.  cot.  arag.  garba  getreidebündd,  vb.  fr. 
gerber,  arag.  garbar;  identisch  mit  ahd.  garba,  nhd.  garbe,  ndl.  garve, 
das  den  übrigen  mundarten  fehlt  (engl,  gerbe  kann  aus  dem  altfr.  sein) 
und  sich  durch  den  buchstaben  vom  ahd.  garawan  (s.  garbo  I.)  scheidet. 

Gercer  fr.,  mundartl.  jarcer  NFC.  I,  376  aufritzen,  spalten,  gerce 
bücherwurm.  Nach  Menage  vom  hypothetischen  carpiscare,  dies  von  car- 
pere  zertheilen,  zerreißen.  Darf  aber  hier  eine  auch  sonst  nicht  unerhörte 
dar  Stellung  des  lat.  ca  durch  fr.  ge  (caveola  geole)  angenommen  werden, 
so  muß  man  eher  auf  das  buchstäblich  zutreffende  carptiare,  von  carptus, 
vermuthen,  das  sich  durch  zahlreiche  ableitungen  dieser  art  rechtfertigen  kann. 

G&se  fr.  (f)  pike,  unübliches  in  einige  Wörterbücher  aufgenommenes 


596  ILc.   GESIER— GIVRE. 

wart,  nachgebildet  dem  nüat.  gaesa,  *.  b.  gesa  'asta,  jaculum  (al.  gessam 
<hasta  vd  jaculum)  Gl.  Md.,  gesa  casta  Gallorum  Gl.  erford.  p.  334, 
dies  aus  dem  lat.  ursprünglich  gallischen  gaesnm,  worüber  auf  Diefen- 
bachs  gelehrte  erörterung,  Orig.  europ.  p.  360  ff.,  zu  verweisen  ist.  —  In 
der  Chans,  de  Roland  st.  CLII  findet  sich  am  Schlüsse  eines  überlangen 
männlich  reimenden  verses  der  waffenname  gieß  er  (e  wigres  e  darz  e 
maseras  e  agiez  e  gieser);  ein  ähnlicher  steht  bei  Papias:  gessaris  'lanceis*, 
der  nom.  sg.  davon  in  den  Gloss.  sangerm.:  gesara  'lancca;  es  versteht 
sich,  daß  nur  ges&rum  (-us)  das  franz.  wort  befriedigen  würde. 

66 s i er  fr.  kröpf  des  geßügds,  altfr.  auch  jusier  'jecur  Gl.  de 
Litt.  7  (13);  geformt  durch  dissimilarem  aus  gigeria  plur.  eingeweide  des 
geflügels  Lucil.,  Petron.,  Apic.,  den  schwestersprachen  unbekannt.  Schder 
bemerkt  hiereu  die  picard.  form  giger,  gigier.  Das  Vocab.  d'Evreux 
p.  43  schreibt  dagegen  guisier. 

G 6 bit  fr.,  bei  den  Alten  auch  gire,  präs.  3.sg.  gft,  vrÜ.  gißt;  selt- 
same mit  nichts  gleichem  eu  unterstützende,  sicher  uralte  abweichung  vom 
normalen  pr.  jazer  (lat.  jacere),  zsgz.  neupr.  jaire,  präs.  jatz,  wofür  kein 
dUfranz.  oder  auch  nur  mundartliches  jaisir,  jaire,  jaißt  nachweislich  ist. 
Daher  sbst.  gtte  (m.)  nachtlag  er y  spätndat.  gistum  und  gista,  prov.  aber 
jatz,  noch  jetzt  jas;    dsgl.  gäsine  kindbett,  pr.  jasina. 

Gibier  altfr.  in  aler  gibier,  aler  oder  etre  en  gibier  (s.  Gachet239h) 
vögel  jagen,  beißen,  überhaupt  jagen  z.  b.  HBord.  p.  42,  6,  Ben.  I,  p.  662, 
GhCyg.  I,  v.  1563,  nfr.  giboyer,  sbst.  gibier,  altfr.  gibelet  wüdpret,  nfr. 
gibeciere  waidtasche;  von  unentschiedener  herkunft.  Ist  es  richtig,  daß 
gibet  (geigen)  eigentlich  den  strick  um  den  hals  bedeutet  (thl.  J,  166), 
so  konnte  sich  gibier,  ursprünglich  ein  verbum,  auf  den  Vogelfang  mit 
der  schlinge  beziehen;  aber  es  bleibt  dies  immer  nur  eine  schwach  be- 
gründete vermuthung.  [Sehr  zu  beachten,  wenn  auch  kein  sicheres  resuUat 
gewährend,  sind  die  späteren  deutungsversuche  und  bemerkungen  von 
Gachet,  Scheler  und  Littre.] 

Gier,  gieres,  giers  conclusive  conjunetion  in  einigen  der  ältesten 
franz.  denkmäler;  enfweder  von  igitur  oder  von  ergo.  Ersteres  scheint 
buchstäblich  näher  zu  liegen,  man  vergleiche  erre  von  iter;  da  aber  ergo 
für  die  logische  folgerung  der  übliche  ausdruck  war,  so  ist  es  rathsam, 
das, rom.  wort  daraus  entstehen  zu  lassen:  aus  erg  ierg  konnte  sieh  mit 
consonantierung  des  i  ger  gier  bilden  wie  aus  ego  ieo  jeo  gie. 

Giler  norm.  u.  s.  w.,  neupr.  gilhd  forteilen;  ein  wort,  für  das  sich 
schwerlich  ein  anderes  etymon  wird  aufzeigen  lassen  als  das  ahd.  gflan, 
giljan  {prov.  h  =  j)  für  gi-ilan  fortstreben,  eilen.  Dasselbe  wort  verbirgt 
sich  auch  im  gleichbed.  comask.  zeit,  dem  aber  die  form  gillan  (rom.  e  =T) 
genehmer  ist,  vgl.  comask.  zerlo,  zoja  =  it.  gerlo,  gioja.  Oder  will  man 
letzteres  von  zilon  'sich  beeilen  herleiten? 

Givre  fr.  (f)  schlänge  in  wappen,  altfr.  givre  überh.  schlänge 
Trist.  I,  60;  entstanden  aus  guivre,  dies  aus  lat.  yipera  vielleicht  unter 
Einmischung  des  ahd.  wipera,  daher  auch  altfr.  wivre,  kymr.  gwiber,  bret. 


II.  c.   GIVKE- GLAIRE.       •  597 

wiber.  Das  wort  bedeutet  überdies  ein  Wurfgeschoß  die  losfahrende 
schlänge  Antioch.  I,  267,  Boncev.  p.  p.  Monin  p.  35.  37  (JBourdillon 
schreibt  gujure!),  Ph.  Mousk.  II,  XV,  gewiß  nickt  von  dem  barbarischen 
bebra  bei  Vegetius,  man  erwäge  vielmehr  das  synonyme  ags.  vifer,  viber, 
wofür  Grimm  III,  444  fifer  vermuthet. 

Givre  fr.  (m.),  bürg,  ggvre,  pr.  givre,  gibre,  cot.  gebre  gefrorner 
thau,  an  den  zweigen  hängender  reif,  vb.pr.  gibrar,  cot.  gebrar.  Sauvages 
im  Biet,  langued.  bemerkt,  das  occ  givre  bezeichne  auch  die  von  bäumen 
und  dachrinnen  herabhängenden  eiszapf en:  da  diese  die  gestalt  von  schlan- 
gen haben,  so  scheint  das  wort  trotz  seines  abweichenden  geschlechtes 
identisch  mit  dem  vorigen.  In  derselben  mundart  heißt  der  rauhe  reif 
barbasto,  weil  er  die  gewächse  wie  mit  einem  barte  überzieht,  norm.  pic. 
geläe  barbeläe.    Das  occ.  jalibre  glatteis  mahnt  an  lat.  gelu. 

Glacier,  glafoier  altfr.  gleiten.  An  ein  ahd.  glatjan  =  nhd.  glätten 
ist  nicht  zu  denken,  nur  ein  vb.  glazjan  würde  genügen.  Das  wort  muß 
aus  glacies  geformt  sein,  so  daß  es  eigentlich  bedeutet  glitschen  wie  eis. 
Denn  nicht  selten  drückt  das  verbum  eine  thätigkeit  aus  in  der  weise  des 
Substantivs,  von  dem  es  stammt:  so  brillare  glänzen  wie  beryll,  corbare 
schreien  wie  ein  rabe,  formicare  wimmeln  wie  ameisen,  eigentl.  thun  wie 
beryll,  rohen,  ameisen.  Von  glacier  stammt  das  neufr.  sübst.  glacis 
sanfte  abdachung  der  äußersten  brustwehr  in  den  festungen,  ursprüngl. 
gleitende  fläche;  altfr anz.  wäre  glaceYs:  so  gab  couler  das  sbst.  coulefs, 
coulis  u.  s.  w.  Von  glacier  ist  zu  trennen  glacer  in  eis  verwandeln, 
überzuckern,  glasieren,  lat.  glaciare. 

Glaire  fr,,  glara  pr.  (glarea  im  Elucidari  ist  latinismus)  schleimi- 
ger stoff,  besonders  üblich  in  glaire  d'qeuf  eiweiß,  engl,  glair  of  an  egg, 
prov.  auch  mit  tenuis  statt  media  clara  (Tun  hueu,  und  so  it.  chiara,  sp. 
clara,  mhd.  eierkl&r.  Von  clarus,  indem  man  vom  eiweiß  ausgieng  eis 
einem  hellen  fast  farblosen  stoff  im  gegensalze  zum  eigetb?  Glaire  für 
claire  geht  leicht.  Aber  warum  alsdann  fem.  la  glaire,  da  man  doch 
masc.  le  blanc,  le  jaune  d'oeuf  sagt?  Nur  der  Elucidari  kennt  das 
masc.  clar  de  uou.  —  Buchstäblich  ist  glaire  =  lat.  glarea  kies  (und 
diese  bedeutung  legt,  ihm  noch  Nicot  bei);  aber  im  Glossar,  vet.  525  liest 
man  glarea  *strida  glutino  res  vel  res  glutinatiosa  Glass.  auet.  VI,  525b, 
in  andern  wird  es  mit  lehm,  leim,  lett  u.  s.  w.  übersetzt,  s.  Dief.  Gloss. 
lat.  germ.  Merkwürdig  ist,  daß  it.  chiara  außer  eiweiß  auch  Sandbank 
heißt,  in  welchem  sinne  die  venez.  mundart  nur  giara  =  it.  ghiara  =  lat. 
glarea  gebraucht.  Möglich  wäre  es  nun,  daß,  wie  glarea  hier  in  der 
form  clara  auftritt  (g  steigt  sonst  nicht  zur  tenuis  empor),  man  auch  um- 
gekehrt darum  ovi  mit  der  form  glarea  bekleidete,  ohne  die  bedeutungen 
genau  zu  wägen,  die  höchstens  darin  übereinkommen,  daß  der  kies  glänzend 
ist  (gleißender  sand,  in  einem  glossar  bei  Dief.)  und  das  eiweiß  zum 
glänzendmachen  dient.  —  Bekanntlich  hielt  Grimm  P,  58  das  erwähnte 
engl,  glair  für  identisch  mit  ags.  glsere  bernstein,  welches  wieder  auf 
glesam  zurückgeht  (den  eiweiß  stoff ,  das  älbumin,   nennt  die  chemie  matt 


598  •        IL  c.   GLAISE-GLETON. 

bernsteinfarbig).  —  Endlich  Mahn  p.  51  führt  uns  auf  cdtisches  gebiet: 
bret.  glaour  (f.)  heißt  speichd,  auch  klebrige  feuchtigkeü,  Jcymr.  glyfoer 
(tn.)  geifer  cet.:  sind  die  buchstabenverhältnisse  dabei  wohl  erwogen? 

Glaise  fr.,  gleza  pr.  thonerde;  vom  miat.  schon  in  den Isid.  glossen 
vorfindlichen  glis  glitis  'humus  tenax\  adj.  gliteus  'de  creda  Gl.  lat.  ited., 
dsgl.  gliceus  ^cretaceus,  s.  Garpentier  und  Dief.  Gloss.  lat.  germ.  Den 
Ursprung  von  glis  sucht  man  im  gr.  ylia  leim,  ylio%Qog  Klebrig;  andre 
verwandte  stellt  Atzler  zusammen. 

Glaive  fr.  (m.J,  glavi  pr.  schwert,  it.  glave  Schwertfisch.  Gladius 
setzte  im  prov.  die  formen  glazi  (pr.  z  =  lat.  d),  sodann  mit  ausfeilt  des 
d  gla-i,  endlich  gla-v-i  ab;  gladi  steht  nach  im  Leodegar  23.  So  ge- 
stalteten sich  z.  b.  aus  adulterium  die  drei  Varianten  azulteri,  aülteri, 
avulteri,  oder  aus  vidua  sowohl  veuza  wie  veuva.  Dem  pr.  glazi  ent- 
spricht kein  fr.  gladi,  weil  hier  d  zwischen  vocalen  nicht  geduldet  wird, 
glaive  aber  mit  bekannter  Versetzung  des  i  (vgl.  ältfr.  saive,  pr.  savi) 
ist  =  pr.  glavi,  so  wie  das  vrlt.  glai  (daher  glal'eul)  =  pr.  glai.  Es 
ist  also  nicht  der  schatten  eines  grundes  vorhanden,  den  Ursprung  des 
franz.  Wortes  im  gael.  claidheamh  schwert  (altir.  claideb  Zeuß  I,  72, 
kymr.  cledyf,  bret.  clezef)  zu  suchen,  wie  einige  in  die  roman.  etymologie 
hineintappende  celtisten  gethan  haben.  Im  altfr.  hatte  es  die  bed.  speer: 
glaive  lancer  den  speer  schleudern  Ben.  J,  215*;  im  Gloss.  de  Lille  p.  9 
(Seh.  p.  20)  aber  steht  schon  gladius  'glave  ou  espie;  erstere  bedeutung 
ist  auch  die  des  entlehnten  mhd.  glaevin  (f.),  mndl.  glavie.  Umgekehrt 
hieß  framea  bei  den  alten  Schriftstellern  speer,  bei  den  späteren  schwert. 

Gl  an  er  fr.,  pic.  champ.  glöner,  pr.  glenar  und  grenar  GProv.  31 
ähren  stoppeln,  fr.  glane  handvofi  gestoppelter  Öhren,  glane  de  poires 
mit  kleinen  birnen  besetzter  zweig,  glane  d'oignons  bund  zwiebeln.  Ein  sehr 
altes  wort,  worin  a  aus  radicaiem  e  entstanden  scheint:  si  quis  in  messem 
alienam  glenaverit  Capit.  pacto  leg.  sal.  addit.  s.  Pertz  IV,  p.  12  (v.  j. 
561 — 584).  Leibnitz  nimmt  celtischen  Ursprung  an:  kymr.  glain,  glän 
rein,  glanhan  reinigen,  scheuern,  vgl.  nord.  glana  aufklären,  so  daß  die 
eigentliche  bed.  wäre  creine  arbeit  machen.  —  Neben  glane  oder  glena 
wäre  noch  ein  ähnliches  synonymes  im  mlatein  sehr  übliches  wort  zu  un- 
tersuchen: gelima  i.  e.  garba  Joh.  Jan.,  gelima  'sänge  (d.  i.  garbe)  Graff 
VI,  254  (8—9.  jh.),  gelima  'garba'  Gloss.  tornac.,  'garbe9  Gl.  de  Lille 
p.  15  (36).  Eberhardus  de  graecismo  betont  gllima  und  so  scheint  es 
identisch  mit  dem  gleichbed.  ags.  gilm,  gelm  (m.),  engl,  yelm  und  daraus 
latinisiert,  unverwandt  mit  glena,  welches  aber  doch  im  altfr.  galeyne 
'manipülus3  Bibl.  s.  Bog.,  wenn  das  wort  richtig  ist,  enthalten  sein 
könnte. 

Glapir  kläffen;  ndl.  klappen,  mhd.  klaffen  plaudern,  ahd.  klafön. 
Dahin  auch  fr.  ciaband  kläff  er,  vgl.  ndl.  klabbaerd  klapper. 

Gl e ton  altfr.  Gl.  de  IAH.  18  (Seh.  42),  Voc.  duac,  in  einem  lat. 
glossar  Diütiska  11,  71:  glis  vocatur  herba,  quam  vulgus  gleton  vocatur; 
dsgl.  gletteron,  nfr.  glouteron  Mette;  vom  ahd.  chletta,  oder  besser  von 


ILc.   GLETTE— GODA.  599 

chletto,  acc.  chlettun,  chletton,  gleichbed.    Anlautende  tenuis  geigt  cleton 
*lappa   Voc.  tffivreux. 

Glette  fr.  silber-glätte ;  aus  dem  deutschen. 

Gl  isser  fr.  gleiten;  vom  hd.  glit-sen,  glit-schen,  ndl.  glit-sen  KU., 
auch  glissen,  van  welcher  form  es  aber  nicht  wohl  Jcommen  kann,  da  das 
pic.  ch  in  glicher  nicht  mit  88  Übereinstimmt.  In  ital.  mundarten  trifft 
man  glisciare,  im  aitfr.  glinser,  neupr.  linsä,  bürg,  linzer.  Das  übliche 
altfr.  wort  ist  glacier  (s.  oben)  und  man  könnte  versucht  sein  glisser  da- 
her eu  leiten,  wie  chignon  von  chaignon,  grille  von  graille;  dllein  ai 
scheint  nur  vor  erweichtem  n  oder  1  in  i  überzutreten,  Rom.  gramm.  I,  423. 

Gloriette  gartenlaube,  sp.  glorieta.  Ältfr.  hieß  es  ein  zierlich 
geschmücktes  gemach  (woher  auch  wohl  der  name),  z.  b.  auf  einem  schiffe: 
en  lor  nef  ot  une  maison,  une  moult  bien  painte  cambrete  c'Urrake 
nome  gloriete  Parton.  II,  64.  In  Wolframs  Wilhelm  führt  ein  'palas 
diesen  namen:  des  wart  Glorjet  in  angest  bräht,  ze  Oransche  der  liehte 
palas  232,  16.  In  mailänd.  Statuten  bedeutet  das  noch  jetzt  übliche 
glorieta  ungefähr  was  wir  belvedere  nennen,  s.  Ducange;  vgl.  auch  Menage. 

Glu  fr.  (f.),  pr.  glut,  wohl  auch  pg.  grude  vogelleim;  nicht  von 
gluten,  sondern  offenbar  von  dem  zuerst  bei  Ausonius  vorkommenden  glas 
glntis.    Zsgs.  pic.  englui,  pr.  englut,  sp.  engrudo,  vb.  engludar,  engrndar. 

Glni  fr.  (m.),  glueg  pr.  grobes  roggenstroh  zum  dachdecken,  früher 
auch  garbe  (neuf  gluys  ou  jarbes  de  seigle,  v.  j.  1405  Carp.) ;  nach 
ChevaUet  cdtisch,  z.  b.  kymr.  cloig  bündel  weizenstroh  zum  dachdecken, 
vgl.  den  anlaut  im  neupr.  clui ;  nach  Ducange  vom  fläm.  geluy e,  gluye  KU. 

Gobbe  fr.  vergifteter  bissen,  norm,  gobet  bissen,  gobine  maMzeit, 
fr.  gober  gierig  verschlingen,  engl,  gob  mundvoll,  vb.  gobble.  Zusammen- 
stellung mit  celt.  Wörtern,  gael.  gob,  kymr.  gwp  schnöbet,  sehe  man  bei 
Diefenbach,  Goth.  wb.  1,  169. 

Gobelin,  gobiin  fr.,  engl,  gobiin,  hob-goblin  poltergeist;  vom  gr. 
xoßaXog  schalk,  woher  auch  unser  kobold?  Man  sehe  Grimms  Myth. 
p.  470.  Diefenbach,  Goth.  wb.  I,  160,  erinnert  an  bret.  gobilin  irrlicht. 
Verwandt  scheint  cotnask.  s-gorböl.  Schon  Ordericus  Vitalis  kennt  den 
gobelinus  als  einen  zu  Evreux  in  der  Normandie  einheimischen  ziemlich 
harmlosen  geist,  der  sich  in  verschiedenen  gestalten  zeige,  s.  darüber  Ducange. 

Goda  npr.  (auch  godo  geschr.)  faule  dirne,  aitfr.  godon  lüstling 
Servent.  p.  p.  Hecart,  nfr.  g  o  u  i  n  e  öffentliche  dirne,  für  godine ;  weder 
vom  ahd.  quenä  oder  engl,  queen,  wie  Frisch  meint,  noch  vom  altgael. 
coinne  weib,  wofür  sich  Armstrong  entscheidet;  dimin.  bürg,  godineta  = 
gouine,  henneg.  godinete  vergnügungssüchtiges  mädchen,  bürg,  gaudrille 
metze,  altfr.  gouderois?  Trist.  1,  32  (vgl.  altengl.  gaudery  munterkeit 
HaJliw);  godemine  lustbarkeit  NFC.  77,  93;  vb.  altfr.  goder  Ren.  IV, 
p.  435,  neu  fr.  godailler,  inBerry  gouailler  zechen,  schwelgen,  sich  be- 
lustigen, nebst  andern  mundartl.  Wörtern.  Derselbe  stamm  scheint  auch 
außerhalb  des  franz.  gebietes  zu  touchern:  man  vergleiche  auß  der  span. 
gaunersprache  godo,  godefio,  godizo  leckerhaft,   die  man  sonst  auf  den 


600  IL  c.   GODENDAC- GOITKE. 

volksnamen  Godo  mit  der  bed.  vornehm,  reich  zurückleitet;  ferner  goderia 
gelage;  piem.  gaudineta  dass.;  wohl  auch  pg.  engodar  ködern,  dazu 
henneg.  godan  köder,  lockspeise.  Bask.  godaria  chocolate  (leckerer  trank) 
mag  aus  dem  roman.  eingeführt  sein.  Wem  fallt  hier  nicht  das  lat. 
gaudere  ein?  Aber  freilich,  lassen  sich  auch  mehrere  der  bemerkten  er- 
zeugnisse  damit  einigen,  so  würde  dies  bei  andern,  zumal  bei  dem  per- 
sönlichen subst.  goda  oder  bei  dem  adj.  godo,  mislingen,  für  welche  nur 
das  kymr.  god  Üppigkeit,  ehebruch  ein  genügendes  etymon  darleiht;  godailler 
aber  erklären  einige  aus  dem  engl,  good  ale,  indem  auch  ein  subst.  godale 
vorkommt,  s.  besonders  Gachet  243b.  Hieher  vermtähiich  auch  fr.  goinfre 
schwelger,  dessen  endung  mit  der  von  gouliafre  zusammentrifft,  vb.  goinfrer 
schwelgen,  goinfrade  schwelgerei. 

Godendac  ältfr.  eine  art  hellebarde  der  Flamänder,  beschrieben 
von  G.  Guiart:  ä  grans  bastons  pesanz  ferrez,  ä  an  lonc  fer  aga  devant, 
voiit  ceus  de  France  reoevant.  Tiex  baston,  qn'il  portent  en  guerre, 
ont  nom  godendac  en  la  terre.  Godendac  c'est  bon  jonr  ä  dire,  qui  en 
franQois  le  veut  descrire.  S.  Ducange.  Die  benennung  war  also  schere- 
haft,  wie  öfters  bei  waffen.  Das  wort  würde  kein  recht  haben  hier  zu 
stehn,  wenn  es  nicht  in  einem  theüe  von  Frankreich  im  gebrauche  wäre, 
s.  Du  Meril  Fatois  normand  118. 

God  et  fr.  art  becher;  von  guttus,  it.  gotto?  D  zeugt  freilich  nur 
für  einfaches  t,  nicht  tt,  allein  der  fortgerückte  accent  konnte  letzteres  ver- 
einfachen, gotät  'god&  aus  gottät  bilden. 

Goßland/r.  eine  art  der  mowe;  buchstäblich  aus  dem  celtischen 
übernommen:  bret.  gwelan,  kymr.  gwylan,  gael.  foilenn,  mtäJmaßlich  vom 
vb.  gwela  bret.,  gwylaw  kymr.  weinen  (Dief.  Orig.  europ.  p.  221). 

Gogne  altfr.  scherz,  kurzweü,  se  goguer  sich  belustigen,  nfr.  go- 
gnettes  (pl.)possen,  anzügliche  reden,  gogaille  lustiges  gelage,  goguenard 
(aus  einem  verlorenen  goguin?)  lustig,  possenhaft  u.  a.  ableitungen.  Nicht 
vom  mhd.  gonkel  Zauberei,  närrisches  wesen,  possen,  da  es  auf  ein  ein- 
facheres urwort  ankommt.  Wir  scheinen  auf  celtisches  gebiet  angewiesen, 
bret.  göguäa  tauschen,  spotten,  kritisieren  (schon  nachHuet),  kymr.  gogan 
satire  (spott  und  scherz  liegen  nah  zusammen).  Zugleich  mahnt  fr.  gogue 
in  der  bed.  fülle  im  kochwerk,  ä  gogo  herrlich,  köstlich,  gogueln  im  Über- 
fluß lebend  und  darum  übermüthig  an  kymr.  gog  Überfluß. 

Goi  altfr.  in  der  betheurung  vertu-goi  =  vertu  de  dieu,  neupr.  in 
tron  de  goi;  vom  dtschen  god,  got.  Die  nebenform  vertu-guieu  lehnt 
sich  an  vertu-dieu.  Auch  mort-goi,  sang-goi,  jarni-goi  (je  renie  dieu) 
wurden  gebraucht. 

Goltre  fr.  (m.)  kröpf  als  krankheit,  altfr.  pr.  goitron;  vom  gleich- 
bed.  guttur,  mit  geschwächter  endung  gutter  (vgl.  gutter  cstrumcm  Graff 
IV,  176),  durch  Umstellung  goetr  goitre.  Ein  seltsames  wort  ist  in  den 
Isid.  glossen  gutturina  €gutturis  inflatw,  vermtähiich  für  gutturnea,  ge- 
bildet aus  guttur  wie  roburneus  aus  robur,  daher  das  mlat.  adj.  guttur* 
nosus,  pr.  gutrinos.   Dazu  Diefenbach,  Ztschr.  für  vergl.  sprachf.  XII,  80. 


II  c.   GOLIART-GRAAL.  601 

Goliart  altfr.  pr.,  dUpg.  goliardo  SRos.,  rrüat.  goliardus  possen- 
spider,  s.  Th.  Wright  zu  W.  Mapes  p.  X.  Eigentlich  wohl  ein  Schimpf- 
wort für  dergleichen  leute,  hungerleider  (guliardus  Dief.  Gloss.  lat.  germ.)y 
von  einem  nur  im  altital.  vorhandenen  vb.  goliare  gierig  verlangen  FPS. 
I,  69.  182,  dies  vom  lat.  gula.  Im  fr.  gouliafre  gierig,  sp.  golafre, 
erkennt  man  denselben  stamm,  der  zweite  theil  des  Wortes  aber  ist  minder 
deutlich. 

Gorre,  göret  altfr.  mager,  arm  Roq.;  mundartl.  gourrin  armer 
schlucker  s.  Onofrio,  Essai  (Tun  gloss.  cet.  p.  237 ',  altfr.  gourrer  bestehlen, 
betrügen,  mlat  gorrinare  cdecipere,  surripere  DG.  vgl.  goth.  gaür-s  betrübt 
oder  ndl.  gorre  geizig;  auch  ahd.  görag  arm,  elend  hat  ansprach  darauf, 
wiewohl  Grimm  P,  99  dessen  Verwandtschaft  mit  dem  goth.  warte  bezweifelt. 

Gorre  altfr.  sau,  daher  gorron,  gorreau  und  n/r.  göret  ferkel,  auch 
bürg,  lothr.  gouri,  neupr.  sp.  gorrin  {cot.  aber  garri);  vgl.  das  dtsche  vb. 
gurren,  gorren  den  laut  gurr  machen,  grunzen,  gorre  stute,  auch  schlechte 
mähre  Frisch  I,  361h.  384a. 

Gonge  fr.  dirne,  neupr.  gougeo  magd,  daher  fr.  goujat  troßbube; 
vom  jüdischen  goje  christliche  dienerin,  Jubr.  goj  volk. 

Goujon  fr.  ein  fisch,  gründling;  von  cobio,  gobio,  auch  ital.  span. 
Vgl.  Böcking  zur  Mosella  132. 

Gourme  fr.  (f.)  unreinigkeit  aus  den  nüstern  junger  pferde,  pg. 
gosma  dass.,  vb.  pg.  gosmar  und  gormar  diese  unreinigkeit  von  sich 
geben,  dsgl.  sich  erbrechen,  sp.  gormar,  bask.  gormatu  in  letzterer  bed. 
Dazu  läßt  sich  anfuhren  altn.  gorm-r  schlämm,  mdartl.  engl,  to  gorm, 
to  grom  verunreinigen,  besudeln,  zu  welchen  auch  berr.  eau  gourmie  stock- 
endes wasser  zu  gehören  scheint.  Das  Tcymr.  gor  eiter  oder  auchdas  mdartl. 
engl,  göre  schlämm  reichen  zur  erklärung  des  franz.  Wortes  nicht  aus. 

Gourme  fr.  nickt  vorhanden,  aber  zu  folgern  aus  dem  bret.  gromm 
und  dem  fr.  gourmette  kinnkette  der  pferde,  vb.  gourmer,  bret.  gromma 
die  kinnkette  anlegen,  dsgl.  jemand  puffen  (gewaltsam  behandeln,  zahm 
machen  wie  ein  pferd),  gourmander  ausschimpfen.  Chevallet  verweist 
dieses  gourme  niclti  unpassend  auf  das  kymr.  crom  (crwmm)  gebogen,  mit 
berufung  auf  engl,  curb  kinnkette,  vom  fr.  courbe  =  ctirvus,  vgl.  unser 
kinnreit 

Gourmer  henneg.  wein  oder  andre  getränke  kosten,  gourmet  fr. 
weinkenner,  gourmand  schtemmer,  norm,  gourmacher  unsauber  essen.  Das 
Verhältnis  dieser  Wörter  zu  denen  der  beiden  letzten  artikel  ist  unklar. 

Graal,  greal,  grasal  altfr.,  pr.  grazal,  attcat.  gresal  ein  gefäß, 
hecken  oder  napf,  von  holz,  erde  oder  metaU,  wie  Carpentier  angibt;  noch 
jetzt  braucht  man  in  Südfrankreich  grazal,  grazau,  grial,  grau  für  ver- 
schiedene gefäße;  auch  fr.  grassale  napf  (Trev.)  ist  hieher  zu  stellen. 
Aus  greal  ist  altsp.  grial  (greal  in  Sanchez  glossar  zu  tom.  IV,  der  text 
hat  garral,  auch  bei  Janer),  pg.  gral,  das  aber  mörser  bedeutet;  sicherer 
aUmaä.  graellino  Bonves.  de  50  curialitatibus,  v.  178.  über  form  und  ge- 
brauch dieses  gefäßes  sagt  Udinand  (etwa  anfang  des  13.  jh.) :   gradalis 


602  ILc.   GRABUGE-GRAMMAIRE. 

vel  gradale  dicitur  gallice  scatella  lata  et  aliquantulam  profunda,  in 
qua  pretiosae  dapes  cum  suo  jure  divitibus  solent  apponi,  et  dicitur 
nomine  graal,  s.  VülemarquS,  Gont.  pop.  i,  193;  die  stellen  geigen  aber, 
daß  es  den  verschiedensten  zwecken  diente.  Saint  graal,  dessen  entstehung 
aus  sang  royal  durch  die  prov.  formen  widerlegt  wird,  ist  in  den  epopöen 
die  Schüssel,  woraus  Christus  mit  seinen  Jüngern  das  abendmal  genoß, 
tnhd.  zsgz.  gr&l.  Im  mlat.  gradalis  ward  das  prov.  z  regelrecht  durch  d 
ausgedrückt:  es  scheint  daher  die  reinste  form.  Des  Wortes  herkunft  ist 
zweifelhaft.  Wollte  man,  was  an  und  für  sich  nicht  rathsam  wäre,  die 
eben  erwähnte  mythische  bedeutung  für  die  ursprüngliche  nehmen  und 
grazal  aus  gratialis,  von  gratia  mlat.  heil,  abendmal',  deuten,  so  würde 
die  franz.  form  graal  nicht  zustimmen.  Botel  Recherch.  p.  242  sagt: 
ce  mot  vient  de  grais,  parce  que  ces  vaisseaux  sont  faits  de  grais  cuit, 
auch  heißt  vaisseau  de  gros  ein  hart  gebranntes  irdenes  geschirr;  aber  auch 
hier  widerstrebt  die  franz.  form,  worin  radicales  s  nicht  hätte  untergehen 
können,  wie  es  denn  auch  in  gräsiller  nicht  untergieng.  Mit  besserm  rechte 
dürfte  man  an  crater  erinnern,  das  der  bed.  becken  nicht  zuwider  ist: 
mlat.  brauchte  man  cratus  dafür  (Lot.  ged.  herausg.  von  Grimm  und 
Schmäler  p.  319),  woraus  die  abl.  cratalis,  pr.  grazal,  fr.  graal  bequem 
erwachsen  konnte.  An  celtischen  Ursprung  ist  am  wenigsten  zu  denken: 
jenes  magische  gefäß  hieß  dem  Brüten  per  becken,  wovon  graal  nur  die 
franz.  Übersetzung  ist,  Vülemarque  l.  c.  Die  alten  dichter  dachten  an 
das  vb.  agräer:  car  nus  le  graal  ne  verra,  ce  croi  je,  qu'il  ne  li  agrfe 
S.  Graal  p.  p.  Michel  p.  112; 

Grabuge  fr.  (m.)  hader,  zank,  Verwirrung ,  henneg.  mit  ch  grabuche, 
ältfr.  grabeüge  (viersüb.  Roq.  ohne  beleg).  Ihm  scheint  verwandt  alt  fr. 
grelise,  noch  jetzt  im  Jura  greuse,  pr.  grahusa,  masc.  grahus  'quereüe, 
dispute  LRom.  Menage  und  Frisch  halten  grabuge  für  einen  abkomm- 
ling  des  ü.  garbuglio  Verwirrung,  Zwietracht  (s.  thl.  I),  welches  aber, 
durch  altfr.  garbouil  vollständig  vertreten,  außerJw&b  der  frage  liegt. 
Eher  dürfte  man  es  für  einen  abkömmling  von  grattabugia  kratzbürste 
halten,  woher  auch  als  Variante  greüse  stammen  könnte,  denn  dem  it.  g 
entspricht  oft  das  fr.  s.  Wegen  der  bedeutung  konnte  man  sich  auf  fr. 
chagrin  berufen  1)  kratzendes  Werkzeug,  2)  kummer,  ärger;  es  ist  nur 
schade,  daß  das  ital.  wort  die  angegebene  (auch  in  grattugia  enthaltene) 
bedeutung  nicht  überschreitet.  Zum  behufe  einer  weiteren,  eindringenden 
prüfung  wäre  Schelers  artikel,  worin  auf  das  deutsche  graben  und  krabbeln 
verwiesen  wird,  so  wie  das  von  Diefenbach  zu  dem  worte  gelieferte  material, 
Ztschr.  f.  vergl.  sprachf.  XII,  77,  zu  rathe  zu  ziehen. 

Grammaire  fr.,  gramaira,  gramäiria  pr.  grammatik;  gebildet  aus 
dem  pr.  gramadi  d.  i.  grammaticus  (Altrom.  sprachdenkm.  p.  109),  also 
ursprüngl.  gramadäria  zsgz.  gramdiria.  Masc.  pr.  gramaire  GAlb.  233, 
altfr.  dass.  sprach-  oder  schriftgelehrter  =  grammaticus,  eigenÜ.  gram- 
maticarius,  welcher  letzteren  form  das  noch  übliche  bask.  gramaticaria  so 
wie  das  ahd.  gramatichare  bestätigung  bringt;  hieraus  ist  weiter  abgeleitet 


i 


ILc.   GRAVER— GREN0U1LLE.  603 

fr.  grammairien.  Vgl.  wegen  dieser  bildung  lat.  barbaricarius  von  bar- 
baricus,  ndat.  judicarius  von  judex. 

Gray  er  fr.  eingraben,  einprägen,  daher  entlehnt  sp.  grabar;  eher 
vom  dtschen  graben  als  vom  gr.  yQ<xq>eiv,  da  cp  in  yQayiov  franz.  zu  ff 
wird  (greife). 

Gravir  fr.  klettern;  vgl.  kymr.  grabin  packend,  kletternd,  dsgl.  ndl. 
grabbelen  raffen.  Indessen  läßt  sich  dies  wort  besser  aus  dem  lat.  sprach- 
stoffe  schöpfen.  Aus  gradus  stufe  ward  it.  gradire  stufenweise  hinauf- 
steigen, fr.  gra-ir  und  mit  eingesetztem  v  gravir,  ein  Vorgang,  den  man 
in  mehreren  Wörtern  bemerkt:  emblaver,  parvis,  pouvoir.  —  [Diese  ety- 
mologie  trägt  auch  Menage  vor,  .ohne  sie  zu  genehmigen^ 

Greffe  fr.  (m.)  Schreibstube;  von  graphium  (yga(piov,  yoayelov) 
griffeil  später  auf  schreibtafd,  Schreibtisch,  Schreibstube  übertragen,  indem 
man  sich  edles  zum  schreiben  gehörige  darunter  dachte:  graphium  'scrip- 
torium  d.  i.  im  nüatein  Schreibzimmer  der  manche  Pap.,  graphium  cscrip- 
torium  vd  officium  scripturae  Dief.  Gloss.  lat.  germ.,  mndl.  greffie,  neundl. 
griffie  (f.)  landschr eiberei:  eine  ähnliche  begriffserweiterung  erfuhr  bureau. 
Prov.  grafi,  aitfr.  grafe  bewahren  noch  die  grundbedeutung,  wie  auch  ahd. 
graf,  gräf.  Abgel.  pr.  grafinar  ritzen,  npr.  esgraffd,  dttfr.  esgraffer  aus- 
kratzen, ausradieren,  fr.  ögraffigner  suddn. 

Greffe  fr.  (f.)  pfropf  reis,  greffer  pfropfen,  so  engl.  sbst.  und 
vb.  graff,  mndl.  sbst.  grafie,  vb.  grafien;  mlat.  bei  Venantius  Fort,  graffio- 
lum.  Greffe  in  der  bemerkten  bedeutung  kann  mit  dem  eben  behanddten 
greffe  griff d,  trotz  dem  verschiedenen  genus,  identisch  sein,  da  aus  neutris 
oftfeminina  werden:  auch  ndl.  griffet,  griffie  hat  beide  bedeutungen.  Näher 
liegt  die  von  Ducange  erwähnte  neupr.  form  grafiou,  umgestdlt  pg.  garfo. 
Der  griffd  ist  etwas  spitziges  und  daß  spitze  auf  Schößling  übertragen 
werden  konnte,  beweist  z.  b.  das  sp.  mugron.  GaseneuvQ  denkt  lieber  an 
gr.  xagyiov  halm,  das  in  alten  glossaren  mit  surculus  übersetzt  sein  soll 
(auch  lat.  calamus  halm  und  pfropfreis):  Südfrankreich  müßte  alsdann 
das  wort  von  den  Griechen  empfangen  haben,  bei  welchen  es  die  franz. 
bedeutung  aber  nicht  hatte. 

Gregues  fr.  (plur.)  hosen;  vom  kymr.  gwregys  gürtel  (Huet). 
Burg,  gargaisses. 

Grele  fr.,  graile  pr.  schlank,  dünn,  dsgl.  grelltönend;  von  gracilis. 
Daher  sbst.  cdtfr.  graisle,  grelle,  pr.  graile  ein  grelltönendes  blasinstrument; 
ähnlich  clairon  art  trompete,  von  clair. 

Grelot  fr.  schelle;  nach  einigen  von  grelle  (s.  den  vorigen  artikel), 
nach  andern  von  crotalum  Mapper:  letzterem  scheint  von  Seiten  des  be- 
griffes  das  vb.  grelotter  mit  den  zahnen  klappern  mehr  gemäß. 

Grenouille  fr.,  granolha  pr.  frosch  =  it.  ranocchia,  lat.  gleich- 
sam ranueula.  Der  vorgesetzte  kehllatd,  wogegen  ohne  denselben  aitfr. 
renoille  M Fr.  fabl.  3  vorkommt  (das  im  Jura  noch  fortlebt),  ist  um  so 
merkwürdiger,  als  sich  diese  form  nicht  einmal  als  naturausdruck  recht- 
fertigt; auch  der  pßanzenna/me  grenouillette  (ranunculus)  zeigt  sie  und 


604  IL  c.   GRES-GRIGOU. 

dies  ist  entscheidend.  Damit  nicht  zufrieden  leitete  Erich  in  seiner 
^Av&QtjitnyXvmxoyovia  75,  14  das  wort  aus  dem  gr.  yvQivog  froschbrut, 
kaulquabbe,  daher  gyrinula,  grinula.  Das  primitiv  rane,  raine  ist  noch 
vielen  mundarten  geläufig. 

Gr&s  fr.  (m.)  Sandstein,  npr.  gres  grobkörniger  sand,  daher  pr. 
greza,  gressa  (graissa  00.)}  fr.  grfele  grober  hagel,  schloßen,  vb.  grSler; 
dim.  fr.  gr^sil  (mit  erweichtem  1),  pr.  grazil  feiner  hagd,  vb.  gr&iller, 
grazilhar.  Den  Übergang  vermittelt  das  neupr.  grezo  grieß,  Weinstein  = 
dem  bemerkten  altpr.  greza  hagel,  vgl.  in  dtschen  mundarten  kiesein  (von 
kies)  für  hageln.  Vom  celt.  crag  (fds)  kann  gr&s  nicht  herkommen,  wohl 
vom  ahd.  griez,  grioz,  nhd.  grieß,  so  wie  grele  (gresle)  vom  mhd.  griezel 
körnchen. 

Gr 6 si Hon  aitfr.  ein  insect,  grille;  für  gr£-cillon,  diminutiv  von 
gryllus,  vgl.  oi-sillon  von  avis  oder  wegen  des  ausgefallenen  11  pu-celle 
von  pulla. 

Gr&ve  fr.  (f.)  sandiges  flaches  ufer,  pr.  cot.  grava  kies,  chw.  grava, 
greva  sandfläche,  venez.  grava  bett  der  bergströme,  daher  fr.  gravelle 
(engl,  gravel),  gravier,  gravois.  Cdtisches  wort.  Com.  grou  *arena  setzt 
ein  älteres  gran  voraus,  daher  rom.  grava.  Die  kymr.  form  ist  gro,  pl. 
gravel  grober  sand;  der  Bretone  hat  graö,  gröa. 

Grif  dttfr.  (m.)  DMce.  p.  48,  1,  nfr.  griffe  (f.)  kralle,  griffer, 
pr.  grifar  Arn.  Vidäl  packen;  vom  ahd.  grffan,  nhd.  greifen,  sbstl  grif 
fang,  mhd.  klaue  (vgl.  gripper).  Auch  oberitalische  mundarten  besitzen 
das  wort:  piem.  gri£  com.  grif,  sgrif  kralle,  dsgl.  chw.  grifla;  vielleicht 
ist  es  auch  im  it.  grifo  rüssd  enthalten.  Dagegen  it.  griffo,  grifone, 
sp.  grifo,  pr.  grifö,  fr.  griffon  vogel  greif,  vom  lat.  gryphus,  woraus  das 
fr.  vb.  griffer,  da  die  andern  sprachen  es  nicht  entwickelt  haben,  scJiwer- 
lich  abgeleitet  ward.  Zu  erwähnen  ist  auch  it.  grifagno,  aitfr.  gri- 
faigne, das  wenigstens  nicht  in  letzterer  spräche  räuberisch,  sondern  etwa 
bösartig  oder  bedrohlich  heißt:  gent  grifaigne  Antioch.  I,  68;  Charte  ä 
la  barbe  grifaigne  Hol.  p.  XL  VI;  montaigne  griffaigne  Ben.  I,  p.  13. 

Grignon  fr.  kruste  des  brotes,  wo  es  am  besten  ausgebacken  ist, 
norm,  einfach  grigne,  pic.  grignette.  Neupr.  grignoun  bedeutet  kern  der 
traubenbeere,  der  birne  cet.,  demnächst  konnte  man  den  harten  spröden 
theil  der  rinde  ihren  kern  nennen.  Grignon  aber  ist  weder  vom  lat.  ringi 
noch  vom  dtschen  rinde  oder  grind,  es  ist  abgeleitet  von  grannm  kern  und 
steht  für  greignon  (aitfr.  greignaille  kennt  Boquef.)  oder  graignon,  wie 
chignon  für  chaignon,  barguigner  für  bargaigner.  Vb.  grignoter  an  etwas 
nagen,  langsam  daran  kauen. 

Grigou  fr.  armer  schlucker,  dsgl.  hnauser.  Es  gibt  einige  worter 
der  endung  ou,  welche  personen  bezeichnen  und  eine  üble  bedeutung  haben: 
außer  grigou  auch  cagou  schmutzkittel,  filon  (s.  das.),  loupgaron  (s.  das.). 
Im  letzleren  steckt  unzweifelhaft  das  deutsche  wolf  (olf,  ulf)  und  in  vielen 
Personennamen  hat  es  dieselbe  abkürzung  erfahren  (Arn-ou,  Far-ou,  Marc-ou 
ed.).   Mit  gutem  gründe,  was  den  letzten  theil  unseres  Wortes  betrifft,  er- 


IL  c.   GRIM-GROUILLER  605 

klärt  es  daher  Menage  durch  graec-nlfag,  wobei  der  erste,  der  eigentlich 
träger  des  begriffes,  nickt  befriedigend  gelöst  scheint,  denn  nicht  als  hunger- 
leider  waren  die  Griechen  im  mittelalter  verrufen.  Auch  cagou  und,  wie 
wir  wissen,  filou  sind  dunkel. 

Grim  pr.  betrübt,  grima  betrubnis,  grimar  sich  betrüben;  vom  ahd. 
grim  wüthend,  grimmig,  mit  ähnlichem  Übergang  der  bedeutung  wie  bei 
gram,  s.  gramo  L,  dsgl.  grima  II.  a. 

Grimoire  fr.  (m.)  Stauberbuch  um  geister  zu  beschwören,  auch  un- 
verständliche rede  oder  schrifl.  Verläßt  man  den  buchstdben  nicht,  so 
geräth  man  auf  altn.  grima  larve,  auch  na/me  für  eine  Zauberin,  ags. 
grima  larve,  gespenst,  grimoire  wäre  gespensterbuch,  gebildet  nach  ex6- 
cntoire,  monitoire  u.  dgl.  Auch  andre  Wörter  der  nordischen  mythologie, 
wie  cauchemar,  loupgarou,  truiller,  besitzt  das  frans.  Aber  vielleicht  ist 
grimoire  ein  wort  späterer  zeit.  Ginin,  Recriat.  phü.  I,  113.  123,  weist 
aus  Bauduin  von  Sebourg  (14.  jh.)  gramare  in  der  bed.  von  grimoire  nach 
und  halt  beide  für  entstellungen  aus  grammaire  (grammatik  d.  i.  lateini- 
sche spräche):  selbst  in  diesem  falle  müßte  man  die  zurückführung  unseres 
Wortes  auf  eine  deutsche  würzet  anerkennen,  denn  nicht  ohne  grund  würde 
man  gram  in  grim  abgeändert  haben.  Doch  ist  nicht  zu  Übersehen,  daß 
dieses  gramaire,  wie  RMont.  p.  300  geschrieben  steht,  ein  mascülin  ist. 
Le  Duchat  denkt  sich  dasselbe  mit  vorgesetztem  g  aus  rime  entstanden, 
denn  die  beschwörungsformeln  waren  gereimt;  man  sehe  die  aus  erdichteten 
Wörtern  zusammengesetzte  bei  Rutebeuf  II,  85.  Vgl.  auch  LittrS,  Eist, 
de  la  langue  frang.  I,  62. 

Grimper  fr.  Tdettern;  vom  ahd.  klimban  =  nhd.  klimmen,  wenn 
nicht,  mit  einer  freilich  seltenen  einschiebung,  vom  ndl.  grijpen  (greifen), 
wozu  das  norm,  wällon.  griper  =  grimper  passen  würde.  S.  Grandgagnage. 

Grincer  fr.,  grincher  pic.  knirschen;  vom  gleichbed.  ahd.  gremizön 
=  ags.  grimetan,  nicht  von  gremisön  wüthen,  wozu  die  pic.  form  schlecht 
stimmen  würde.     Vgl.  it.  gricciare  II.  a. 

Gripp  er  fr.  ergreifen;  ist  das  goth.  greipan,  altn.  grlpa,  ndl.  grijpen 
=  ahd.  grifan,  nhd.  greifen.  Daher  auch  lonib.  grippä  wegschnappen, 
auch  it.  grippo  raubschiff?  aber  sp.  gripo  heißt  kau/fahrer. 

Grive  fr.  ein  vogel,  drossel,  cot.  griva;  vielleicht  onomatqpöie  (Mi- 
nage).  Hieher  gehört  vielleicht  aus  dem  Donat.  prov.  61*  das  masc.  grins 
€quaedam  avis. 

Grolle  fr.  (f.)  Saatkrähe.  Wüwohl  das  sufßx  &cnl  regelrecht  nur 
zu  acle  oder  ail  wird,  gracnlus,  gracnla  zu  graille  (s.  gracco  I.)%  so 
darf  doch,  wenn  man  altfr.  senle  aus  saecnlnm  vergleicht,  aus  demselben 
etymon  auoA  graule,  grole  als  mundartliche  Variante  angenommen  werden; 
man  sehe  ähnliches  unter  menle.  Ital.  grola  (in  einigen  wbb.),  mndl.  grol 
KU.  aus  dem  franz. 

Grommeler  fr. murmeln,  watton.  einfacher  gronml ;  dtsch.  grumeln, 
gramen  Frisch  I,  378*,  engl,  gmmble. 

Grouiller  fr.  krabbeln,  wimmeln,  sich  rühren,  sich  regen;  vom  ahd* 


606  IL  c.   GRUAU-GÜETRE. 

grubilön,  ndd.  grübeln  wühlen,  jucken  (nhd.  grübeln),  vgl.  <ütn.  grufla 
betappeln.  Nahe  liegt  auch  ahd.  crewelön,  ndl.  krevelen  tcimmeln,  jucken; 
aber  die  frans,  form  fügt  sich  besser  in  das  erstere  wort,  das  mundartl. 
gravouiller  (in  Berry)  vielleicht  in  das  letztere. 

Gm  an  fr.  grütze,  henneg.  feinste  Tdeie;  zsgz.  aus  grueau  =  altfr. 
gruel  Jubin.  Jongl.  et  trouv.  p.  106,  gruel  aber  für  grutel  ist  vom  ags. 
grut,  ahd.  gruzf,  nhd.  grütze,  daher  auch  engl,  gruel,  kymr.  grual  Hafer- 
schleim. Das  einfache  gru  Tdeie  besitzt  die  champagn.  mundart,  pr.  grutz 
€farrum  GProv.  68,  neupr.  grucf  grütze  machen. 

Grnger  fr.  etwas  hartes  zerkauen  {engl,  gradge),  ägruger  klein 
stoßen.  Gestützt  auf  das  gleickbed.  wallon.  gruzf,  in  Natnur  greugf,  er- 
kennt Grandgagnage  darin  das  ndd.  grasen  (ndl.  graizen)  zermalmen. 

Gruyer  fr.  forstmeister,  forstrichter.  Wie  das  synonyme  verdier 
von  viridis,  so  gruyer  nach  Ducange  vom  dtschen  grün.  Statt  des  letz- 
teren setze  man  das  mhd.  grao  viridis,  als  subst.  pratum. 

Gnaliar,  galiar  pr.  (dreisilb.)  hintergehen,  daher  z.  b.  gualiart 
höhnisch?  Chx.  IV,  300,  nicht  zu  verwechseln  mit  goliart.  Es  stammt 
augenscheinlich  von  einem  durch  alle  germanische  sprachen  verbreiteten 
worte,  dessen  bedeutungen  aber  im  goth.  dval-s  thöricht,  ags.  dvala  irrthum, 
dvelian,  dveligan  irren,  ftrans.)  irr  machen,  täuschen,  ndl.  dwalen  irr 
gehn,  am  besten  zur  prov.  passen.  Daß  in  der  roman.  aneignung  d  vor 
v  abfallen  mußte,  versteht  sich,  man  sehe  denselben  fall  unter  guercio  L 

Guäder  fr.  sättigen  (nur  im  part.  gu6d6);  vom  ahd.  weidön  pas- 
cere,  woher  auch  wallon.  waidl  mit  ders.  bed. 

Gnenille  fr.  lumpen,  lumpenrock;  nach  Frisch  vom  flätn.  qnene 
wollenes  ÜberMeid  KU.,  nach  andern,  nebst  souquenille  (woher  mhd.  sug- 
genie  Wb.  II.  b.  219)  von  gonna  I. 

Guenipe  fr.  liederliches  schmutziges  weibsbild,  vettel,  dauph.  ga- 
nippa;  wohl  vom  mnctt.  knijpe  falle,  in  die  man  geräth,  vgl.  mndl.  knip 
borädl,  nhd.  kneipe.    E  ist  eingeschoben  wie  a  in  canif. 

Guenon  fr.  affin,  in  den  Wörterbüchern  des  16.  jh.  meerkatze;  nach 
Frisch  vom  ahd.  quenä  weib%  engl,  queen;  buchstäblich  naher  läge  ahd. 
winjä  freundin,  gattin.  Vgl.  wegen  der  bedeutungen  it.  monna  affin,  von 
madonna  dorne. 

Guepe  fr.  ein  insect;  von  vespa  mit  einmischung  des  ahd.  wefsa, 
nhd.  wespe,  vgl.  lothr.  voisse  (vo  =  ahd.  w),  champ.  gou£pe,  in  Berry  gepe. 

Gnerpir  altfr.  pr.,  auch  gnrpir  (letztere  form  die  ausschließliche 
in  der  Pass.  Christi)  aufgeben,  im  stich  lassen,  nfr.  däguerpir ;  vom  goth 
vafrpan,  ahd.  werfan,  und  was  gurpir  betrifft,  von  wurfjan.  Die  bed. 
von  gnerpir  bezieht  sich  auf  einen  altdeutschen  rechtsgebrauch,  wornach 
unter  dem  werfen  eines  halmes  in  den  busen  eines  andern  eine  erbein- 
Setzung  (eine  abtretung)  verstanden  ward.  S.  Ducange  v.  gnerpire  und 
Grimms  Rechtsalt  122. 

Guetre  fr.  (f.)  kamasche,  ohne  r  occit.  gueto,  wallon.  guett,  champ. 
guete,  piem.  gheta,  sard.  ghetta,   henneg.  guetton,   aber  bret.  gweltren; 


ILc.   GUEUSE— GUILE.  607 

zweifelhaft,  ob  auch  altpg.  gutedra,  s.  Constaneio.  Ursprüngl.  läppen, 
lumpen?  vgl,  das  buchstäblich  stimmende  it.  gu&ttera  scheuermajfd  (scheuer- 
tappen?),  dsgl.  venez.  guaterone  fetzen  tuch  (bei  Ferrari),  dltfr.  gaitreux 
bettelhaft. 

Gueuse  fr.  großes  dreieckiges  stück  geschmolzenes  eisen;  entspricht 
dem  schwed.  gös  (welches  Ihre  aus  dem  franz.  worte  leitet)  und  hd.  gans ; 
im  mailänd.  heißt  es  ghisa  (für  gtisa?),  im  trientin.  ghiza.  Daß  man  an 
unser  gufs  erinnert,  läßt  sich  denken. 

G  u  e  u  x  fr.,  fem.  gueuse,  bettelhaft,  schuftig,  gueuser  betteln,  schwz. 
gösen.  Man  vermuthet  Zusammenhang  mit  dem  dltfr.  gueuse  gurgel 
(geuse  Greg.,  wie  geule  öfters  für  gueule,  gile  für  guile),  so  daß  es 
Hungerleider  bedeutete.  Ob  nun  dieses  gueuse  aus  it.  gozzo,  ob  auch  fr. 
gosier  Schlund  (ms  gozzaja  =  gozzaria  entstanden  sei,  bleibt  zu  bedenken. 
—  Fallot  p.  644  hält  gueux  für  identisch  mit  queux,  und  Gachet  274a 
bemerkt  aus  dem  15.  jh.  le  duc  a  trois  gueux  pour  sa  bouche  cet.  Man 
könnte  wegen  der  bedeutung  coquin  vergleichen,  wenn  dies  in  der  (hat 
aus  coquus  abgeleitet  ist;  s  in  gueuse  und  gueuser  wäre  aber  nur  aus 
dem  zum  stamme  gezogenen  x  (für  s)  zu  rechtfertigen,  bekanntlich  ein 
höchst  seltener  Vorgang. 

Gui  fr.  eine  pflanze,  mistd.  Franz.  gu  vertritt  in  einigen  fällen 
lat.  y,  drum  von  viscus,  viscum,  wiewohl  sc  unausgedrückt  blieb;  allein 
pflanzennamen  unterliegen  einer  größeren  entst eilung.  JlaZ.  visco,  vischio, 
sp.  visco,  cat.  vesc,  neupr.  visc. 

Guiche  und  guige  altfr.  band)  vornehmlich  den  schüd  um  den 
hals  zu  hängen,  mhd.  schildevezel :  (la  guiche)  quant  il  l'a  au  col  DMce. 
p.  185;  il  prant  sa  targe,  s'ait  la  guiche  saisie  GVian.  2773 ;  la  guige 
en  est  d'un  bon  palie  roet  Rol.  p.  122;  it.  guiggia.  Das  schweben 
zwischen  ch  und  g  setzt  etwa  ein  ursprüngliches  tc  oder  de  voraus  (vgl. 
nache,  nage  von  natica  so  wie  precher  v.  praed'care,  juger  v.  jud'care). 
In  dieser  hinsieht  würde  ein  wort  des  Casseler  glossars  windicas  plur. 
vom  ahd.  wintinc,  womit  es  zugleich  übersetzt  ist  (vgl.  fasciola  'vindinca 
Gl.  schlettst.),  genügen;  nur  der  im  franz.  unübliche  ausfall  des  n  vor  d 
wirft  einen  kleinen  schatten  auf  diese  deutung.  [Das  später  erschienene 
guinche  Aye  ä'Av.  p.  85  hat  diesen  schatten  beseitigt]  Zu  windica 
scheint  auch  das  mundartl.  s'aguincher  sich  schmücken  (mit  bändern)  zu 
gehören,  s.  Saübinet  Vocab.  remois. 

Guichet  fr.  Meiner e  thüre  in  einer  größeren,  dltfr.  wiket Trist.  II, 
101  und  guischet  mit  eingeschobenem  s,  daher  pr.  guisquet;  vom  dltn. 
vik  Schlupfwinkel  ags.  vio.  Engl,  wicket,  ndl.  winket  sind  aus  dem 
romanischen.    Hierzu  Dieferibachs  Goth.  wb.  I,  139. 

Guile  altfr.,  pr.  guila  und  masc.  guil  trug,  spott,  tücke,  altfr. 
guiler,  wiler,  pr.  gnilar  hintergehen,  foppen,  daher  engl,  beguile ;  vom  ags. 
vile,  engl,  wile,  gleichbed.  mit  dem  vornan.  Substantiv.  Man  schrieb  auch 
11  für  %  aber  der  reim  (z.  b.  guille :  evangille)  zeigt,  daß  dies  kein  er- 
weichtes 11  sein  kann,  was  für  die  äymologie  nicht  gleichgültig  ist;   das 


608  II.  c   GUILEE-HAILLON. 

limous.  guiliä,  und  das  pg.  subst.  guilha  sind  entweder  aus  guila  entstellt 
oder  andrer  Herkunft,  etwa  vom  ndd.  wigelen,  ags.  viglian  Zauberei 
treiben,  oder  vom  altn.  vigla  verwirren.  Diefenbach,  Goth.  wb.  I,  186, 
stellt  hieher  auch  kymr.  gwill,  bret.  gwil  dieb. 

Guiläe  fr.  regenschauer ;  nach  Frisch  von  unserm  weile,  weil  er 
nur  eine  weite  dauere.  Es  steckt  ein  seltenes  uns  längst  verlorenes  deut- 
sches wort  in  dem  französischen:  ahd.  wasal  regen,  guiläe  aber  geformt 
nach  ondäe  und  ähnlichen.  Naher  rückt  uns  das  etymon  die  wdtton. 
form  walaie  für  waslaie. 

Guilledin  fr.  Wallach;  vom  engl,  gelding  dass.,  vb.  geld  verschnei- 
den.   Die  apocope  des  g  ist  regelrecht,  Rom.  gramm.  1,  319. 

Guimple  dttfr.  guimpe  nfr.  (f.)  ein  kopfschmuck  der  frauen  (auch 
der  manner  Antioch.  1,  p.  130,  turban?),  dsgl.  fahnchen  der  lanze,  vb. 
guimpler,  z.  b.  bei  se  guimplad,  €ornavü  caput  suutn  LRs.  378;  vom 
ahd.  wimpal  theristrum,  mhd.  wimpel  wie  romanisch.  Bedenklich  ist  sp. 
grimpola  schiffstcimpel,  pg.  grimpa  Wetterfahne,  da  sich  eingeschobenes  r 
hinter  anlautenden  gutturalen  sonst  nicht  betreffen  läßt.  Auf  sp.  impla 
Schleier  (bei  Berceo  und  im  span.  latein,  s.  Ducange)  kann  sowohl  wimpal 
wie  tat.  infula  anspruch  machen:  der  wegfäll  des  w  würde  sich  wie  in 
Andalucfa  aus  Vandalitia,  die  vertauschung  der  labiattatde  wie  in  colpo 
aus  colaphus,  soplar  aus  sufflare  erklären;  doch  stimmt  es  in  seiner  be- 
deutung  genau  au  guimple. 

Guiiigois  fr.  Ungleichheit,  Schiefheit;  doch  wohl  vom  dltn.  king-r, 
keng-r  biegung,  winket,  durch  assimilation  für  quingois.  Kc.  guingoin 
erinnert  an  coin,  aber  was  wäre  dann  die  erste  silbe? 

Gniper  cdtfr.  überspinnen,  wirken,  daher  guipure  ort  spitzen;  vom 
goth.  veipan  bekränzen  =  mhd.  wifen,  nhd.  weifen,  detn  sinne  nach  besser 
vom  ahd.  wfe'ban  (wfe'pan),  nhd.  weben,  subst.  ahd.  wgppi,  mhd.  wöbbe, 
wßppe,  nhd.  gewebe.     Vgl.  aggueffare  IL  a. 

Guiscart,  guichard  citfr.,  guiscos  pr.  scharfsinnig;  vom  altn. 
visk-r  dass. 


H. 

Hagard  fr.  (h  asp.)  störrig,  zumal  vom  wilden  falken  gebraucht, 
engl,  haggard,  dtsch.  hagart  Frisch  I,  394e ;  ein  wort,  das  die  franz. 
Normannen  aus  dem  oitengl.  hauke,  neuengl.  hawk,  vermittelst  des  ver- 
schlimmernden suffixes  ard  (wie  in  busart)  sich  schufen,  wiewohl  das  altn. 
häk-r  hitzkopf  dem  buchstaben  nach  etwas  näher  liegt.  Raynouard  findet 
das  franz.  wort  im  pr.  aguer  wieder. 

Haie  fr.  (asp.)  hecke;  vom  mndl.  haeghe,  nndl.  haag,  mhd.  hege 
(f.)  gehege,  zäun.  Vb.  attfr.  hayer  einzäunen  =  ahd.  hagan,  mhd. 
nhd.  hegen. 

Haillon  fr.  (asp.)  lumpen;  vom  mhd.  hadel  dass.,  üblicher  hader, 


ILc.  HAIR -HALLE.  609 

ahd.  hadara.  Das  erweichte  11  muß  seinen  grund  in  dl  haben,  das  man 
wie  in  tl  (in  vetalus  yieil)  behandelte. 

HaYr  fr.  (asp.)  hassen,  älteste  form  hadir  Alexs.  87;  vom  goth. 
hatan  mit  gl.  bed.,  oder  besser  wegen  des  ableitenden  i  vom  ags.  hatian 
altfrs.  hatia,  alts.  hetian.  Sbst.  dltfr.  h6  Ben.  gloss.,  vom  goth.  hatis, 
alte,  heti;  abgeleitet  haior  und  haYne,  m/t.  haine.  Dem  Provenealm  ist 
das  wort  fast  fremd,  er  hat  dafür  azirar,  aYrar  (adirare),  sbst.  azir,  afr; 
erst  den  neueren  mundarten  ist  ai  j=  ha'ir  geläufig  geworden. 

Haire  /r.  ^osp.^  härenes  gewandt  in  dieser  form  schon  in  dem 
fragment  von  Vaienciennes:  vom  ahd.  h&ra,  altn.  h»ra  haarfilz,  haar- 
teppich  Der  Normanne  besitzt  auch  hair  fro.^  in  der  bed.  haupthaar, 
altn.  ahd.  här. 

Haise,  hese  aZ#r.  (asp.,)  FC.  TV,  21,  Ren.  I,  34  u.  s.  w.,  mlat. 
hesia  DG.  v.  aisantia,  norm,  haiset,  henneg.  asiau  gatterthüre  an  bauern- 
hofen  oder  gärten  (nicht  von  reisern,  wie  Hecart  v.  hasiau  gegen  Roque- 
fort bemerkt) ,mnorm.  haisier  wagenleiter,  bask.  hesia  eaun.  Vielleicht  mit 
ausgestoßenem  r  von  hirpex  ege,  das  auch  im  fr.  herse  aspiriertes  h  zeigt, 
vgl.  crates  mit  den  bedd.  flechte  und  ege.    Ahd.  harst  liegt  weiter  ab. 

Hait  altfr.  (asp.)  vergnügen,  haitier  aufmuntern,  erfreuen:  sil  cun- 
fortad  et  haitad  LRs.  91;  esgs.  dehait  niedergeschlagenhext,  hrankheit, 
vb.  dehaitier,  nfr.  souhait  wünsch,  vb.  souhaiter  u.  a.  Es  findet  sich 
kein  etymon  als  goth  gahait,  ahd.  ga-heiz,  besser  altn.  heit  versprechen, 
gelübde,  woraus  sich,  wie  beim  lat.  votum,  die  bed.  wünsch  ergeben  konnte: 
ä  hait  heißt  nach  wünsch,   nach  verlangen,   souhait  heimliches  verlangen. 

Halb  ran  fr.  (asp.),  auch  albran  (ebenso  span.)  junge  wüde  ente. 
Die  älteren  etymologen  sahen  darin  das  gr.  ßQivd-og  name  eines  vogels, 
esgs.  alißQev&og  seevogel,  und  schrieben  daher  albrent,  halbrent;  theils 
aber  ist  dieses  compositum  im  griech.  nicht  vorhanden,  theils  widerstrebt 
der  begriff.  Das  wort  ist  doch  wohl  aus  dem  deutschen.  In  frone,  mund- 
arten nämlich  bedeutet  halbran,  halebrand  cet.  den  vogel,  den  wir  wegen 
seiner  kleinheit  halb-ente,  die  Niederländer  middel  end  nennen,  anas 
querquedula  Nemnich  I,  281:  statt  der  ess.  halb-ent  mochte  wohl  auch 
halber  ent  (mhd.  ant  masc.)  wie  halber  ampfer  gesagt  werden,  daher  fr. 
halbrent,  halbran.  Das  adj.  halbrenä  'mit  gebrochenen  federn  (vom 
fdücen)  tpird  andrer  herkunft  sein. 

H&le  fr.  (asp.)  Sonnenbrand,  Sommerhitze,  häler  verbrennen,  dorren 
(den  hanf).  Das  circumflectierte  a  eeigt,  nach  dem  altfr.  halle  eu  urthei- 
len,  kein  ausgefallenes  s  an:  um  so  besser  stimmt  das  frone,  wort  eum 
ndl.  hael  trocken,  dürr  KU.  Aber  auch  das  gleichbed.  altfr.  harte,  vb. 
harter,  wdUon.  aurler,  ist  nicht  unerwogen  eu  lassen.  Jedenfalls  abzulehnen 
ist  das  kymr.  haul  sonne,  älter  heul,  com.  houl,  bret.  heol,  da  das  fr. 
a  keinem  der  cdtischen  diphthonge  entspricht. 

Haligote,  hariigote  altfr.  (asp.)  lumpen,  feteen,  haligoter,  hari- 
goter  MOar.  p.  62  zerfetzen;  vgl.  engl,  harl  faser,   ahd.  harluf  licium. 

Halle  fr.  (asp.)   bedeckter  marktplate,  forum   venalium   (Nicot), 

89 


610  II.c.   HALLIER— HANTE. 

altfr.  festlicher  saal,  it.  alla  Versammlungsort  für  öffentliche  angelegenheiten; 
vom  ahd.  halla  tempel  (seltenes  wort)  dtts.  halla,  ags.  heal  u.  dgl.  über 
das  deutsche  wort  s.  Diefenbaeh,  Goth.  wb.  II,  620,  Weigernd  s.  v. 

Hallier  fr.  (h  asp.)  busch,  gesträuch,  hecke,  engl,  ballier,  pic.  hallo. 
Die  etymologen  verweisen  auf  hallns  oder  halla  in  der  L.  Seil.  41,  4:  aut 
de  ramis  aut  de  hallis  super  cooperuerit,  wofür  aber  die  mehrzahl  der 
hss.  callis  (=  'siccis  ramis'  in  einer  glosse)  liest.  Nahe  liegt  hasla  der 
L.  Bip.:  in  hasla  h.  e.  in  ramo. 

Halot  fr.  (asp.)  Schlupfwinkel  der  kaninchen;  muthmaßlich  vom 
ahd.  hol  höhle,  mit  Verwandlung  des  o  in  a,  die  auch  im  ags.  hal  = 
hol  vorliegt.  Vgl.  hulotte. 

Halt  altfr.  (asp.)  auf  enthalt,  wohnung:  il  est  venuz  61  halt  des 
hors  (ors)  et  des  lions  Tarton.  II,  26,  nfr.  halte  (f.)  stillstand  auf  dem 
marsch,  auch  interj.,  it.  sp.  alto;  vom  dtschen  halt  festigheü,  feste  stütze, 
vgl.  allengl.  hold  festung  Halliw.,  mhd.  be-halt  sicherer  platz,  fem.  ahd. 
halta  hemmung,  hindernis. 

Harne  au  fr.  (asp.)  kleines  dorf,  altfr.  pic.  harn;  vom  goth.  haims 
(f.)  flecken,  ahd.  heim  wohnung. 

Hampe  fr.  (asp.)  griff  einer  waffe;  konnte  leicht  aus  aAd„Tianthab& 
zusammengezogen  werden,  wie  auch  schon  andre  vermuthet  haben. 

Hanafat  vrlt.  ein  maß  für  honig  (TrSvoux);  vom  ndl.  honig-vat, 
naher  cüts.  hanig-fat. 

Hanebane,  henebane  fr.  (asp.)  bilsenkraut;  vom  engl,  hen-bane 
d.  i.  hühner-tod,  fr.  mort  aux  potdes. 

Hanneton  fr.  (asp.)  maikäfer;  vielleicht  diminutiv  vom  dtschen 
hahn,  abgekürzt  aus  weiden-hahn,  wie  das  insect  mundartlich  genannt 
wird,  Nemnich  11,  1237.  Grimm,  Myth.  1222  (3.  ausg.),  leitet  es  von 
dem  vrlt.  hanne  pferd,  also  pferdchen,  welcher  name  vielleicht  dem  schroter 
gebührt  habe.  Andre  zum  theil  auf  das  summen  des  insectes  bezogene 
franz.  namen  sind:  lothr.  hurlat  (Mem.  de  Vigneülles),  in  Metz  heulo, 
pic.  hourlon  oder  urlon,  auch  bruant,  champ.  äquergnot,  wallon.  bi&e- 
ä-balowe.  —  [Treffend  unterstützt  Mahn  p.  79  die  deutung  aus  hahn 
mit  einem  englischen  namen  des  insectes,  cock-ehafer  d.  i.  hahnkäfer. 
Genin,  Recreat.  phil.  I,  136,  schneidet  die  aspiration  ab  und  verweist 
anneton  auf  altfr.  ane  erde,  in  beziehung  auf  eine  ähnlichkeit  beider  thiere, 
die  man  wahrgenommen  zu  haben  glaubte.] 

Hansacs  altfr.  (asp.)  messen  fist  de  hansacs  desmembrer  'dwisit 
cv&tris  LRs.  162.  Es  ist  das  ags.  handseax  handmesser.  Franz.  han- 
sart  gartenmesser  (in  einigen  wbb.)  muß  daraus  entstellt  sein. 

Hanse  fr.  (asp.)  handelsgesdlschaft,  daher  marchand  hansä  Gloss. 
du  droit  frang.  in  Inst,  de  Loysel  (Par.  1846);  vom  ahd.  hansa  schaar. 

Hante  altfr.  (ohne  aspir.)  schaft  der  lanze,  auch  banste  geschrie- 
ben; entspringt  leichter  aus  ames  amitis,  das  auch  im  span.  vorhanden 
ist  (s.  andas  27.  b),  als  aus  hasta,  altfr.  gleichfalls  haste,  it.  sp.  asta. 
Die  etymologie  ist  von  Menage. 


II.  c.  HANTER-HARER.  611 

Hanter  fr.  (asp.)  oft  besuchen,  hantise  vertrauter  um  gang,  altfr. 
auch  hant  e.  b.  hant  de  femme  LBs.  83;  daher  engl,  haunt,  dtsch.  han- 
tieren [letzteres  nach  Weigernd  von  hand].  Es  ist  ein  erst  von  den  Nor- 
mannen eingebrachtes  auf  das  frone,  gebiet  beschränktes  wort:  altn.  heimta 
(von  heim  nach  hause)  einen  verlorenen  oder  abwesenden  gegenständ  zu- 
rück verlangen  oder  aufnehmen,  dän.  hente;  bair.  heimfsen  heimführen 
ist  dasselbe.  Es  drückt  also  eine  innige  Zuneigung  aus:  servire  immun- 
ditiis  wird  darum  in  den  Liv.  d.  rois  p.  422  mit  hanter  les  ordeez  über- 
setzt.  Intransitiv  bedeutet  es  hausen,  wohnen,  und  erinnert  unmittelbar 
an  seinen  Ursprung  von  heim:  les  seraines  en  la  mer  hantent  Brt.  I,p.37. 
Man  leitet  es  sonst  von  habitare,  oder  vom  deutschen  hand. 

H  a  p  p  e  fr.  (asp.)  halbkreiß  von  eisen,  krampe,  happer  packen ;  vom 
ahd.  happa  sichd,  vb.  nhd.  happen. 

Haras  fr.  (asp.)  stuterei,  im  spätem  mlat.  haracinm.  Das  lat. 
hara  (koben)  paßt  schlecht  zu  dem  begriffe.  Ahd.  hari  heer,  trupp,  worauf 
Jault  verweist,  ist  zu  allgemeiner  bedeutung.  Treffender  wäre  das  long  ob. 
fara  bei  Paulus  Diac.  2,  9,  das  er  selbst  cgeneratio  vel  linea  übersetzt, 
wenn  man  annimmt,  daß  es  auch  der  fränk.  mundart  geläufig  war,  denn 
anlautendes  f  kann  in  h  geschwächt  werden  (hors,  haronce,  hausart). 
Noch  bezeichnender  ist  wohl  das  arab.  faras  pferd,  woher  auch  sp.  alfaraz, 
s.  oben  II.  b.  Die  arab.  pferde,  farii  equi  DG.,  waren  auch  im  mittel- 
alter  sehr  geschätzt;  daß  sie  zur  zucht  dienten,  ist  nicht  zu  bezweifeln: 
dem  fremden  worte  aber  konnte  man  leicht  collectiven  sinn  aufdrücken, 
wie  ja  auch  das  neupr.  ego  (lat.  equa)  die  bed.  von  haras  erfüllen  muß. 
Beide  letztere  etymologien  haben  nur  das  anstößige,  daß  eine  altfr.  form 
faras,  eine  mlat.  faracium  nicht  vorhanden  ist. 

Harasse  altfr.  (asp.)  großer  schild,  der  den  ganzen  mann  deckt. 

Hard,  hart  fr.  (f.,  h  asp.),  daher  pr.  art  Arn.  Vid.,  wiede,  sträng, 
harde  koppelseil,  auch  rudel  thiere,  plur.  hardes  Kleidungsstücke,  geräth- 
schaflen;  abgel.  harcelle  weidengerte  zum  binden.  Von  ungewisser  her- 
kunft.  Hardes  erinnert  einigermaßen  an  sp.  pg.  fardas  und  fr.  fardeau, 
wofür  sich  altfr.  hardel  findet  Ben.  I,  32.  139,  dem  auch  die  bedeutung 
von  hard  zusteht:  nn  grand  hardel  de  soie  aras  on  col  no6s  Fier. 
p.  79,  8. 

Hardier  altfr.  (asp.)  reizen,  necken;  von  demselben  dtschen  stamme 
wie  hardi  (s.  ardire  L),  vgl.  ndd.  anharden  anreizen,  und  den  picard. 
ausruf  hardi  um  zwei  kämpf  er  gegeneinander  anzureizen,  eigentl.  muthigl 

Harer,  harier  altfr.  (asp.)  aufreizen,  drängen,  ersteres  noch  jetzt 
normannisch,  daher  aÜengl.  to  hare  und  to  harie  treiben,  drängen,  plagen; 
von  har,  haro  dem  hülferuf,  vgl.  ahd.  hären  schreien,  rufen,  nicht  wohl 
vom  ags.  herian,  hergian  verwüsten,  zerstören  (plagen,  s.  Bouterweks 
Glossar),  da  sich  nirgends  im  franz.  radicales  e  zeigt.  Ganz  deutlich 
hängt  mit  jenem  nothgeschrei  zusammen  altfr.  hara  ler  (asp.)  beunruhigen: 
sonef  l'apele,  n'avoit  son  de  crier  charele3  er  ruft  leise,  will  ihn  nicht 
aufschreien  Trist.  I,  p.  119;  subst.  harele  aufstand,    empörung.   —    Ein 


612  ILc.  HARGNE-HASCHIEBE. 

neuerer  philologe  leitet  harer,  harier  nebst  harasser  u.  a.  aus  dUfr.  har 
weidenruthe,  das  auch  peitsche  bedeuten  soll.  Aber  dieses  har  ist  schwer- 
lich eine  eigne  form,  sondern  nur  eine  schlechte  Schreibung  für  hard  oder 
hart  (s.  Nicot,  Bord,  Roquefort)  und  duldet  keine  ableitung  ohne  zutritt 
des  ihm  gebührenden  dentcds.  Fände  es  sich  gereimt  auf  char  u.  dgl., 
so  wäre  die  sacke  anders. 

Hargne  cdtfr.  Verdrießlichkeit  Roq.,  hergne  verdrießlich  id.,  lothr. 
har6gne  hader,  meist,  nfr.  hargneux  (a$p.)  zänkisch,  norm,  harigneux 
störrig,  vb.  dttfr.  hargner  hadern,  sanken,  picard.  höhnen,  dsgl.  hergner 
sich  beklagen  Roq.  Dazu  gesellen  sich  noch  norm.  Wörter  wie  hargag- 
neux  für  hargneux  und  harguigner  für  hargner.  Einige  der  verzeich- 
neten Wörter  deckt  das  ahd.  harmjan  cobjurgare\  andre  weder  dieses  hoch 
etwa  hader.  —  Man  bemerke  den  formellen  Zwiespalt  zwischen  hargneux 
und  harigneux.  Die  franz.  spräche  duldet,  was  die  erstere  form  betrifft, 
die  combination  rgn  unbedenklich:  Auvergne,  borgne,  äpargner,  hergne 
für  hernie,  lorgner;  die  itat.  kaum:  fargna  für  farnia.  Im  span.  kommt 
das  gleichbedeutende  rfi  schwerlich  vor:  eine  Variante  von  aleuna  mit  ein- 
geschobenem r  wird  alcurnia  geschrieben,  nicht  alcurna. 

Haricot  fr.  (asp.)  bunte  bohne  (pflanze  oder  frucht),  auch  ragout, 
pic.  haricotier  Kleinhändler.  Wie  Genin,  RScr.  phil.  I,  46  ff.,  ausein- 
ander setzt,  gieng  die  bed.  cragout  von  klein  geschnittenem  hammelfleisch\ 
haricot  de  mouton,  voran,  auf  die  bohnen  habe  man  das  wort  erst  im 
17.  jh.  übertragen;  gebildet  sei  es  aus  aliquot,  woher  auch  haligote  (fetzen 
cdtfr.).  Hiernach  käme  dem  volke,  das  von  aliquot  nichts  wußte,  kein 
theil  an  der  entstehung  beider  Wörter  zu;  von  den  gebildeten  aber  sollte 
man  denken,  daß  sie  ein  solches  gemengsei  lieber  ein  quodlibet  als  ein 
aliquot  genannt  hätten. 

Haridelle  fr.  (asp.)  elendes  mageres  pferd,  henneg.  hardele,  engl. 
harridan,  vgl.  wallon.  harott,  norm,  harin  dass.  Trotz  dieser  Varianten 
ist  seine  herkunft  nicht  klar. 

Haro  (asp.)  Zetergeschrei,  besonders  in  der  Normandie  Üblich.  Man 
deutet  es  unter  andern  aus  der  interj.  ha  und  dem  namen  des  ersten  her- 
zogs  Rollo,  daher  es  sich  zuweilen  harol  geschrieben  findet:  es  sollte  einen 
an  diesen  fürsten  gerichteten  hülferuf  ausdrücken.  Abgesehen  jedoch  von 
der  in  der  sache  liegenden  Unschicklichkeit  eines  solchen  Ursprungs  wäre 
auch  die  interj.  ha  hier  am  unrechten  orte.  Die  ahd.  spräche  bietet  hera 
und  hara,  dsgl.  herot,  cdts.  herod  s.  v.  a.  lat.  huc,  und  aus  letzterer  form 
würde  sich  nicht  eillein  haro,  sondern  auch  das  alte  vb.  haroder  zeter 
schreien  buchstäblich  erMären,  so  wie  aus  der  einfachen  form  die  zss. 
harloup,  harlevrier.  Die  bedeutung  von  haro  wäre  also  die  dem  begriffe 
des  Zetergeschreies  zukommende  'hieher!  herbei!*  harou,  harou!  k  l'ors! 
hieher!  auf  den  baren! 

Haschiere  altfr.  (asp.)  strafe,  pein;  vom  gleichbed.  ahd.  härm- 
scara  eigentl.  schmerztheil;  mlat.  zsgz.  hascaria,  altcat.  aliscara.  Selbst 
das  bekannte  altfr.  haschie  könnte,   wie  schon  Ducange  vermuthet,  aus 


ILc.   HASE-HAVIR.  613 

haschiere  abgekürzt  sein;  es  aus  dem  vb.  hacher  herzuleiten,  verwehrt  die 
pic.  form  haskie. 

Hase  fr.  (asp.)  toeibchen  des  hosen];  vom  ahd.  haso,  wozu  aber  ein 
fem.  hasä  fehlt    Norm,  heri  hose,  vom  altn.  heri,  nach  Du  Merü. 

H&te  fr.  (asp.)  für  haste  eile,  häter  beschleunigen,  adj.  hätif,  pr. 
astiu,  aUü.  adv.  astivamente;  vom  aUfries.  hast,  nord.  hastr  eüe,  vb. 
hasta,  mnd.  hasten  etfen. 

Haterel  afl/r.  (Vup.J  genick,  nacken,  auch  hasterei  (jenes  in  den 
ältesten  werken),  noch  jetzt  pic.  hatereau,  wallon.  hatrai.  Man  leite  es 
getrost  von  dem  ganz  gleichbed.  ahd.  halsädara,  mhd.  halsäder,  woraus 
halster-el  halterei  haterel  und  mit  zurückgerufenem  s  hasterei  werden 
konnte:  auch  in  contraindre,  pr.  contraigner,  fiel  s  zwischen  liquida  und 
t  schon  in  ältester  zeit  aus,  vgl.  auch  it.  poltro  aus  polster.  —  [Gachet 
gibt  daneben  das  tat  hasta  zu  erwägen,  woraus  norm,  hatel  scheu,  welcher 
bedeutung  die  des  rückgrates  oder  des  genickes  als  gipfel  des  rumpfes 
nahe  liege,  was  sehr  gekünstelt  aussieht.] 

Hau  bans  fr.  (masc.pl.,  asp.),  alt  hobencs  taue  zur  befestigung  des 
mastes;  vom  altn.  höfadbendur  (fem.  pl.)  dass.  Mndl.  sagte  man  hobant 
für  hoofdband  (Hoffmanns  Hör.  belg.  V,  105).  Es  wäre  also  besser 
hobans  zu  schreiben.     Vom  ndl.  raa-band  aber  ist  fr.  raban. 

Haut  fr.  (asp.)  hoch,  altfr.  halt,  hault;  vom  last,  altus  mit  vorge- 
setzter aspirata,  was  sonst  kaum  begegnet  und  aus  einfluß  des  nord.  hä 
oder  ahd.  hoch  erklärt  zu  werden  pflegt.  GSnin,  Variat.  de  la  lang.  fr. 
p.  61,  lehrt,  haut  sei  zur  zeit  Franz  I.  (1516—47)  noch  nicht  aspiriert 
worden;  Bouüle,  Differ.  vulg.  ling.  1533  p.  62,  muß  sich  also  verhört 
haben,  wenn  er  sagt:  hault  ab  alto,  sed  vulgus  eam  aspirat  Oder  meint 
jener  die  spräche  des  hofes? 

Hautbois  fr.  (asp.)  ein  blasinstrument,  welches  hoch  geht,  buch- 
stäblich hochholz. 

Have  fr.  (asp.)  mager  und  bleich;  vom  gr.  atog,  avog  trocken, 
meint  Minage,  vom  engl,  heavy  Frisch.  Die  aspiration  spricht  auch  hier 
für  ein  deutsches  wort,  aber  nicht  für  das  logisch  wenig  passende  heavy, 
sondern  für  das  ags.  hasva  trocken,  bleich,  das  nach  Grimm  P,  422  auch 
in  einem  mhd.  heswe  vorhanden  ist. 

Haver  äUfr.  (asp.)  an  sich  ziehen;  wohl  vom  ahd.  haben,  engl,  to 
have  cet.  in  der  bed.  halten,  fassen.  Desselben  Stammes  ist  fr.  havet 
haken,  entweder  aus  dem  sbst.  habä  {vgl.  hant-habä),  oder  besser,  wie 
Grandgagnage  wiU,  aus  haft  fessel,  mit  anbüdung  an  das  fr.  suffix  et, 
wie  auch  wallon.  haveter  von  haften  heften. 

Haveron,  havron,  averon  fr.  wilder  hafer  (Triv.  u.  HScart);  vom 
ahd.  habaro,  oder  richtiger,  da  h  stumm  ist  und  auch  aveneron  vorkommt, 
von  avena. 

Ha  vir  fr.  (asp.)  versengen;  vom  ahd.  heiSn  brennen  (woher  unser 
nhd.  hei-rauch):  ei  d.  i.  ai  ward  regelrecht  zu  a,  und.  v  setzte  maniein, 
um  den  Malus  zu  beseitigen  oder  um  das  wort  von  haYr  zu  unterscheiden. 


614  II.c  HAVRE-HEESE. 

s 

Havre  fr.  (m.,  asp.J,  alt  havene,  havle,  hable  portiis  marüimus; 
unmittelbar  vom  ags.  hälfen,  altn.  höfh. 

Havresac  fr.  (asp.)  tornister;  vom  (tischen  habersack,  van  den 
fuhrleuten  zu  den  kriegsleuten  übergegangen. 

H6  fr.  in  h61as;  entsprictd,  da  h  ein  stummes  zeichen  ist,  eher  dem 
lat.  klagelaute  ai  (at)  als  dem  dtschen  ha  oder  hei;  pr.  ailas. 

Heingre  alt  fr.,  wallon.  hink  schmächtig:  heingre  ont  le  cors  e 
graisle  Rol.  p.  148,  norm,  haingre  schwächlich,  kränklich;  von  aeger  mit 
eingeschobenem  n.  Zsgs.  nfr.  malingre  kränklich,  piem.mail.  malingher, 
wohl  auch  durch  Umstellung  altfr.  norm,  mingrelin,  it.  mingherlino. 
Dahin  ferner  altfr.  engrot  krankhext  Brt.  I,  101,  engrotö  krank  I,  363, 
eine  gleichfalls  rhinistische  form  von  aegrotus. 

Haler  un  navire  fr.  (asp.)  ein  schiff  anrufen;  vom  engl,  to  hail  a 
ship  ihm  heil  zurufen,  ndd.  anhalen. 

Helle  quin  altfr.  (asp.),  auchneupr.,  eine  geister er  scheinung,  geister- 
kämpf,  wilder  Jäger,  s.  Carpentier  (daher  Dante's  teufdsname  Alichino 
Inf.  21,  118?).  Vom  deutschen  helle  (hotte),  dimin.  ndl.  helleken,  helle- 
ktn,  persönlich  aufgefaßt,  vermuthet  Grimm  Mythol.  894,  vgl.  Simrocks 
Mythol.  199,  6.  ausg. 

Hendure  altfr.  (asp.)  degengriff  RCam.  p.  19,  adj.  hendö  mit 
einem  griff  versehen:  esp6e  qui  de  fin  or  estoithendäe  G.  dePoit.  p.34; 
vom  altn.  henda  ergreifen.  —  [Aber  Gachet  p.  387b  vermuthet  nicht  ohne 
grund  heudure  cet.,  zu  helt  (s.  elsa  II.  a)  gehörig.] 

Herde  altfr.  (asp.),  pic.  herde  (ohne  asp.),  alticallon.  hierde  rudd 
wild,  überh.  herde:  domini  gregem  durch  herde  nostre  signor  übersetzt 
FC.  I,  43;  vom  ahd.  herta,  goth.  hairda.  Altfr.  herdier,  champ.  hairdi 
Tarbe  I,  161  hirt,  kuhhirt,  ndl.  herder,  mhd.  hertaere. 

Here  fr.  (asp.)  in  der  Verbindung  pauvre  höre  unbedeutender  mensch; 
kein  altes  wort,  vom  nhd.  herr  oder  ndl.  heer.  La  Fontaine  1,  5  braucht 
es  auch  ohne  adjectiv. 

Herp6  fr.  (asp.)  mit  nebenklauen  versehen,  wenn  von  künden  die 
rede  ist  (Trevoux);  ohne  zweifei  für  harp6  von  harpe,  pr.  arpa  klaue. 
Vb.  norm,  herper  ergreifen,  packen. 

Herse  fr.  (f.,  asp.)  ege,  richtiger  altfr.  herce,  mlat.  erptia,  hercia, 
von  hirpex  hirpicis,  it.  erpice,  neupr.  erpi,  lothr.  erpe;  vb.  fr.  herser/2r 
hercer  egen.  In  zweiter  bedeutung  ist  herse  eine  ort  candelaber,  weil  er 
ähnlichkeit  mit  einer  ege  hat  (DC):  inachina  illa  ferrea,  quae  vulgo 
cerzaJ  vocatur  Statut,  cluniac.  Dieses  erza  lautet  pg.  e$a  und  heißt  cata- 
falk,  der  gleichfalls  mit  kerzen  geschmückt  ist  (fehlt  Span.).  Nach  form 
und  bedeutung  entspricht  den  roman.  Wörtern  aber  auch  engl,  hearse  grab- 
gerüst,  ags.  hersta,  ahd.  harsta  rost,  scheiterhaufe.  —  Ein  diminutiv  von 
hercer  ist  altfr.  herceler  (asp.),  nfr.  harceler  (vgl.  harce  für  herce  noch 
bei  Nicot)  einen  bis  zur  peinigung  reizen,  denn  die  zahne  der  ege  peinigen 
den  erdboden.  Nach  Genin  freilich  von  harcelle,  aber  eine  bindweide 
wäre  ein  schlecht  gewähltes  reiz-  oder  peinigungsmittel.    Eine  schlagende 


ILc.    HERUPE— HOBEE.  615 

parallele  für  die  gegebene  etymologie  ist  das  engl,  to  harrow  1)  egen} 
2)  peinigen. 

Herupä  und  hnrepä  ältfr.  u.  nach  norm,  (asp.)  struppig  von  haar, 
zottig,  letztere  form  z.  b.  LBs.  345,  wo  villosns  mit  hurepez  übersetzt 
taird.  Die  herleitung  aus  dem  bei  Apulejus  vorkommenden  horripilare 
ist  abzuweisen.  Das  wort  verräth  einen  deutschen  anlaut  hr  und  mahnt 
an  ags.  hriöpan  pflücken,  zupfen:  ein  ahd.  hrupfan  wäre  ihm  vollkommen 
gerecht. 

H6taudeau,  hestaudeau  altfr.  (asp.)  junger  kapaun;  dimin.  vom 
ahd.  hagastalt  cadebs,  tiro,  nüat.  haistaldus.  Andere  schreiben  estaudeau, 
aber  noch  Beza  aspiriert  den  anlaut.  Nach  Ducange  nannte  man  jene 
thiere  so,  weil  sie  von  den  haistaldis  d.  i.  colonis  gefuttert  würden ;  es  ist 
aber  vielmehr  eine  scherzhafte  Übertragung  menschlicher  auf  thierische 
zustände,  der  h&aadeau  wird  als  ein  zum  cölibat  bestimmtes  thier  auf- 
gefaßt. Vermöge  einer  ahnlichen  Übertragung  bedeutet  unser  deutsches 
mönch  ein  verschnittenes  thier,  mönchen  verschneiden. 

Hätre  fr.  (m.,  asp.)  buche;  vom  ndl.  heester,  heister  stände,  ndd. 
hester  junge  buche,  nhd.  heister,  s.  Grimms  Rechtsalt.  p.  106. 

Hibou  fr.  (asp.)  uhu;  naturausdruck  vom  geschrei  des  vogels,  ältfr. 
auch  houpi,  vgl.  Schweiz,  hibuchen  keichen.  • 

Hide  und  hisde  altfr.  (f.,  asp.)  schrecken,  grauen,  hideur,  hisdeur 
dass.,  hideux,  hisdeux  (ersteres  auch  neufr.)  schrecklich,  gräulich,  z.  b. 
la  forfes  estoit  hisdouse  et  fa6e  der  wald  war  grauenvoll  und  gefeit 
Tarton.  1,  p.  18.  Ein  mittdfranz.  verbum  enhider  verzeichnet  Monnarä. 
Ist  hisdeux  etwa  von  hispidosus  rauh  (in  einigen  ausgaben  des  Catull) 
und  ist  hieraus  das  subst.  hisde  abgezogen?  Die  Seltenheit  eines  solchen 
Vorganges  ist  ein  geringeres  hindernis  als  die  altfr.  Schreibung,  die  eher 
auf  eine  ursprüngliche  form  hid  als  auf  hisd  schließen  läßt.  Vielleicht 
hat  das  wort  in  dem  von  Seiten  des  begriffes  genau  zutreffenden  ahd. 
£gidl  <horror  seine  quelle:  aus  egidt  konnte  eide,  und  da  dem  Franzosen 
ei  oft  zu  i  wird  (Rom.  gramm.  I,  423),  ide  entstehen;  hegidt  aber  wäre 
eine  aspirierte  nebenform  wie  heber  für  eber,  heigan  für  eigan,  hüz  für 
flz.  Diese  prothesis  ist  besonders  in  der  fränkischen  mundart  häufig  und 
kommt  z.  b.  in  dem  aus  demselben  stamme  gebildeten  eigennamen  Hegisher 
vor,  s.  Forstemanns  Namenbuch,  Pfeiffers  Forschung  auf  dem  gebiet  d.  d. 
alterth.  2,  6. 

Hie  altfr.  (asp.)  gewalt,  nachdruck;  vom  ndl.  hijgen  streben,  keichen, 
ags.  hige,  hyge  eifer,  vb.  higan,  engl.  hie.  Das  nfr.  hie  ramme,  stampfe 
muß  dasselbe  wort  sein;  auch  ndl.  heijen  rammen  scheint  nur  ein  um- 
geformtes hijgen. 

Hillot  diener,  bei  Marot;  /wr  fillot,  im  bearn.  dialect,  wo  auch  hils 
für  fils  gilt.    S.  Nodier  Exam.  crit. 

Hob  er  altfr.  (obier  Og.  6796\  sich  rühren,  seine  stelle  verlassen. 
Celtisch?  vgl.  kymr.  ob  das  weggehen;  altn.  hopa  weichen  hätte  houper 
(mit  asp.  h)  erzeugen  müssen,  doch  aspiriert  Palsgrave. 


616  ILc.  HOBIN— HOUBLON. 

Hob  in  attfr.  (asp.)  zdter,  daher  entlehnt  it.  ubino;  vom  engl. 
hobby  kleine  ort  pferde,  Klepper  (dän.  hoppe  stute),  dsgl.  kleine  ort 
habichte.  Abgd.  attengl.  hobeler  der  einen  Klepper  reitet,  fr.  hobereau 
(h  asp.)  landjunker,  auch  lerchenfcdk,  mlat.  hobellarius,  hoberarius,  vgl. 
dieselbe  begriffsverbindung  im  sp.  tagarote  geringer  falk,  armer  eddmann, 
8.  Covarruvias. 

Hoc  attfr.  pic.,  hoquet  (h  asp.)  haken,  vb.  hoquer,  ahoquer  an  den 
haken  hängen;  vom  ags.  hoc,  engl,  hook,  ndl.  hoek  (m.)  haken,  winket, 
ecke  (kymr.  hwca  etwas  gekrümmtesj,  nicht  vom  deutschen  haken.  Das 
neufr.  fem.  ho  che  (asp.)  kerbe,  einschnitt  mag  eben  daher  stammen:  dtifr. 
broc  und  broche,  croc  und  croche  zeigen  die  nämliche  ort  der  Wortbil- 
dung. Span,  hneca  stimmt  zu  hoche  nach  form  und  begriff:  es  ist  au 
trennen  von  hueco  IL  b.? 

Hoche  attfr.  (asp.)  langes  gewand;  vom  mndl.  hoieke,  fries.  hokke 
mantd,  capuze,  s.  Richthofen;  die  kymr.  spräche  hat  hug  (tu  letzterem 
stellt  Diefenbach,  Orig.  europ.  246,  das  mundartlich  fr.  huque,  sächs.  hfike). 

Hocher  fr.  (asp.)  schütteln;  zusammenhängend  mit  dem  gleichbed. 
ndl.  hotsen,  huteen,  tcallon.  hossf. 

Hogner  fr.  (ohne  asp.,  picard.  mit  asp.)  brummen,  murren.  Gleich- 
bed. ist  hd.  hummen,  engl,  hum,  nord.  hnmma:  hogner  könnte  einem 
ahd.  hnmjan  oder  nord.  humja  entstammen. 

Hogue  norm,  (m.f.)  hügd,  nur  in  Ortsnamen,  in  späterem  mkttein 
hoga,  hogum,  attfr.  mit  palatcdem  g  hoge  (f.  asp.)  hügel,  auch  grabhügd 
LRs.  127;  vom  aÜn.  haug-r  (m.)  gleichfalls  hügel,  grabhügd,  ahd.  höht 
(f.)  hohe  u.  dgl.  Dasselbe  wort  scheint  augue  Agol.  v.  36,  vgl.  Fattot  p.  506. 

Homard  fr.  (asp.)  seekrebs;  vom  schwed.  hummer,  das  dem  lat. 
cammarus  entspricht. 

Hoquet  fr.  (asp.)  der  schluchzen;  naturausdruck,  vgl.  tcallon.  hik&tt, 
bret.  hak,  hfk,  engl,  hiecough,  hickup. 

Horde  attfr.  (asp.)  schranke,  horder  schützen,  nfr.  honrder  grob 
übertünchen;  vom  ahd.  hurt,  nhd.  hürde. 

Höre,  vieille  höre  norm.  Schimpfwort  für  ein  altes  weib,  s.  Manage, 
daher  auch  hourier,  houriöre  bei  Garpentier;  vom  ahd.  hörä,  huora  me- 
retrix,  huorari  scortcUor. 

Horion  fr.  (asp.)  derber  schlag  auf  köpf  oder  schütter  (z.  b.  mit 
einem  prügd :  sy  Ten  donray  ou  cief  ung  si  grant  horion  GhOyg.  v.  1189), 
attfr.  norm,  auch  krankheit,  norm,  horgne  in  erster  bed.,  horique  (f.)  in 
letzterer,  vb.  lothr.  hörte  prügeln.  Menage' s  deutung  aus  dem  seltenen 
oreillon  schlag  auf  das  ohr  (orillon  faustschlag  Gayd.  p.  244)  hat  etwas 
empfehlendes,  aber  das  aspirierte  h  und  der  in  der  Schriftsprache  wohl 
kaum  vorkommende  ausfatt  des  erweichten  1  machen  es  wünschenswert, 
nach  einem  andern  etymon  zu  forschen. 

Hotte  fr.  (asp.)  tragkorb;  vom  Schweiz,  hatte  dass.,  oder  hd.  hotze 
wiege,  bei  Frisch  I,  471*. 

Houblon  fr.  (asp.)  hopfen.    Aus  dem  gleichbed.  ndl.  hop  entstand 


ILc.   HOUE-HU.  617 

das  altwallon.  hubillon,  hieraus  erklärt  sich  das  franz.  wort.  So  Qrand- 
gagnage;  doch  wird  man  houblon  besser  in  houb-el-on  zerlegen,  wie  auch 
noch  Nicot  schreibt,  da  sich  houbillon  nicht  ohne  härte  in  houblon  zu- 
sammenziehen würde.  Mlat.  humlo  findet  sich  schon  beim  h.  Adhalard, 
es  ist  das  mndl.  hommel,  altn.  humall:  daraus  hätte  fr.  houmblon,  schwer- 
lich houblon  werden  können,  da  diese  spräche  die  Verbindung  mbl  liebt, 
nicht  meidet. 

Houe  und  hoyau  fr.  (asp.)  haue,  vb.  houer,  henn.  hauwer  aufhauen; 
vom  ahd.  houwä,  houwan. 

Houille  fr.  (asp.)  lütticher  Steinkohle,  wallon.  hoie,  im  spätem 
mlat.  hulla,  auch  sp.  hulla ;  gewiß  ein  uraltes  locäles  wort,  dessen  herkunft 
schwer  zu  ergründen  sein  mochte.  Frisch  erkennt  darin  ein  nds.  hüllen. 
—  [Später  hat  Schder  seinen  Ursprung  im  deutschen  kohle  vermuthet, 
Atzler  mit  besserem  gründe,  wie  es  scheint,  im  deutschen  schölle,  ahd. 
skolla,  vgl.  dieselbe  behandlung  des  anlautes  im  wall,  hale  vom  lat.  scala. 
Darf  man  ein  älteres  skolja  zu  gründe  legen,  so  rückt  das  rom.  wort  dem 
deutschen  noch  näher:  skolja,  altwall,  hoille  (?),  fr.  houille. 

Houle  altfr.  (asp.)  kochtopf;  vom  lat.  olla,  sp.  olla,  woherm  auch 
ahd.  ula. 

Houle  altfr.  bordeU  (en  la  taverne  ou  en  houle  FG.  III,  283), 
holier,  houlier  besucher  der  houle  oder  =  bret.  houlier  kuppler?  Daher 
auch  alt  engl,  holard  liederlicher  geselle,  altfr.  holerie  Roq.  Ist  houle 
identisch  mit  dem  vorigen  und  bedeutete  es  eigentl.  garküche,  demnächst 
liederlicher  ort?  Aber  passender  scheint  ahd.  holl  (f.),  altn.  hola,  engl. 
hole,  hhd.  höhle,  ganz  unpassend  Ducange's  herleitung  aus  houille  kohlen- 
gröber,  s.  v.  hullae. 

Houpäe  fr.  (asp.)  das  aufsteigen  einer  welle;  vom  ags.  hoppan, 
ahd.  hupfan  hüpfen? 

Houppe  fr.  (asp.)  quaste,  troddel;  vermuthlich  vom  ndl.  hoppe  (f.) 
hopfen,  wegen  seiner  kugelförmigen  schuppichten  blumendecke.  Dazu 
scheint  auch  sp.  hopo  wollichter  schweif  der  thiere  zu  passen. 

Houspiller  fr.  (asp.)  einen  zerren  oder  auch  mit  Worten  mis- 
handdn;  wird  durch  Zerlegung  in  hous-piller  nicht  deutlicher  und  setieint 
eher  eine  ableitung,  etwa  aus  ags.  hyspan  verspotten,  verhöhnen.  [Eine 
plausible  auf  Zusammensetzung  gegründete  erUärung  hat  später  Littre 
gegeben.  Das  wort  hat  seinen  Ursprung  in  einem  altfr.  houce-pigner 
(houce  rock,  pigner  auskämmen),  demnächst  housse-piller  einen  am  rock 
packen  (bei  Roq.),  ihn  quälen.] 

Housse  fr.  (asp.)  Satteldecke;  vom  ahd.  hülst,  hulft  mit  gl.  bed., 
ndat.  hulcia,  hulcitum. 

Houx  fr.  (asp.)  Stechpalme;  vom  ahd.  hulis  ruscum,  ndd.  hülse, 
ndl.  hülst.  Daher  houssoir  Staubbesen  (aus  zweigen  von  houx),  housser 
kehren,  houssine  gerte. 

Hu  altfr.  ausruf  zum  höhnen  oder  scheuchen,  huer  hinter  einem  her 
schreien,  huard  schreier,  huette  eule,  norm,  huant  dass.  (alle  asp.).  Hu 


618  ILc.   HUCHE-HUVET. 

scheint  naturausdruck,  der  auch  in  dem  gleichbed.  bret.  hü  und  dem  kymr. 
zeterschrei  hw  begegnet,  aber  auch  dem  deutschen  gebiete  nickt  fremd  ist, 
z.  b.  ahd.  hüwo  eide,  woraus  vielleicht  huette  unmitelbar  abgeleitet  ward. 

Huch|e  fr.  (asp.)  hasten,  mehlkasten,  daher  wohl  sp.  altpg.  hucha 
nebst  bask.  ucha  (s.  Humboldts  Verzeichnis).  Da  man  altfr.  auch  huge 
schrieb,  so  passen  beide  formen  zu  dem  mlat.  hutica  wie  nfr.  nache  und 
altfr.  nage  zu  natica,  d.  h.  hutica  wird  durch  die  franz.  doppelform  be- 
stätigt Hängt  dies  letztere  nun  mit  unserm  hütte  oder  hotte  zusammen? 
Aus  hnche  oder  hutica  ist  engl,  hutch  kästen,  trog,  worin  andre  das  ags. 
hväcce  büchse,  lade  erkennen,  s.  darüber  E.  Müller. 

Hu  eher  fr.  (asp.),  pr.  uchar  mit  lauter  stimme  zurufen.  Daß 
hucher  aus  hucar  entstand,  beweist  auch  das  pr.  ucar,  pic.  huquer,  piem. 
uche,  vgl.  mlat.  qui  ad  ipsos  huecos  cueurrerunt  Form.  Sirm.  num.  30. 
Das  offenbar  an  lat.  huc  erinnernde  wort  ist  weit  verbreitet:  mndi.  huue 
Huydecoper  zu  Stoke  I,  382,  kymr.  hwchw,  serb.  uka.  Von  hucher  ist 
huchet  jägerhorn.  Anzumerken  ist  auch  norm,  houter,  henneg.  hutier, 
vgl.  engl*  hoot,  mhd.  hiuzen  schreien. 

Jlultre  fr.  auster;  von  ostrea,  sp.  ostra,  ü.  östrica. 

Hulotte  de  lapin  fr.  (asp.)  kaninchenhöhle;  vom  ahd.  holt  hohle, 
aber  nach  einer  älteren  form  mit  radicalem  u  wie  im  mhd.  hüle. 

Humer  fr.,  pic.  heumer  (asp.)  schlürfen,  naturausdruck? 

Hüne  fr.  (asp.)  mastkorb,  daher  sp.  huna;  vom  altn.  hün  (m.)  mit 
gl.  bed.,  mndl.  hüne. 

Hure  fr.  (asp.)  struppiges  haar,  dsgl.  wüdschweinskopf,  altfr.  grant 
fu  la  hure  qui  sor  les  ex  li  pent,  die  dem  wilden  schwein  über  die  äugen 
hängt,  Aubery  p.  64;  la  hure  abati  er  hieb  den  haarigen  theä  (von  dem 
haupte  des  erzbischofs)  herab  TCant.  p.  150.  In  der  alten  spräche  be- 
zeichnet es  auch,  wie  im  mniederl.  (s.  Glignetts  bydragen  p.  222)  die 
schnauze  des  wolfes  oder  löwen  u.  a.  thiere,  daher  altsp.  hura  Cane.  de  B. 
(nsp.  hura  heißt  geschwür  am  köpfe),  altengl.  hure  HdUiw.  Das  wort 
scheint  aus  den  nördlichen  provinzen  gekommen:  man  findet  la  gent  barbae 
et  ahurie  Rob.  le  diable  E.  III*.  col.  1  (nfr.  ahurir  bestürzt  machen), 
norm.  hur6  struppig,  henn.  hur6e  rauh  aufgeworfenes  erdreich.  Schweiz. 
huwel  (ahd.  hiuwila)  heißt  ohreide  und  mit  hinsieht  auf  das  rauhe  ge- 
fieder  ihres  köpf  es  wird  auch  ein  mensch  mit  struppigem  haar  so  genannt 
(Stälder),  im  Rom.  de  la  rose  steht  (nach  Le  Duchat):  le  huon  (uku) 
avec  sa  grant  hure.  Sollte  hure  nun  verderbt  sein  aus  hule  =  huwel, 
wie  altfr.  mure  aus  mule  (lat.  mula),  navire  aus  navile?  Frisch  I,  478* 
verzeichnet  hürru  eine  eüle.  Was  das  nfr.  ahurir  betrifft,  so  hat  das 
ahd.  un-hiur,  un-hiuri  schrecklich  (ungeheuer)  gewiß  nähere  ansprüehe 
und  selbst  bei  dem  sbst.  hure  ist  dieser  Ursprung  zu  bedenken. 

Hütte  fr.  (asp.)  tugurium,  sp.  huta;  vom  ahd.  hutta. 

Huvet  altfr.  (asp.)  mitra;  vom  ahd.  hüba,  altn.  hfifa. 


II.c.  ILÜEC— JALE.  619 


I.   J. 

Iluec,  ilueques  altfr. ortsadverb1  von  illoc, pt'c.  ilo;  zsgs.  icilec,  cilec. 

Isanbrun  altfr.  pr.  ein  stoff  von  brauner  oder  schwärzlicher  färbe 
z.  b.  für  Überkleider:  noires  chapes  d'isanbrun,  en  cels  a  dou  noir  et 
dn  brun  Bibl.  Guiot  1618;  desus  les  altres  dras  out  d'isebrun  mantel 
TCant.  p.  166;  clerici  poterunt  habere  cappas  de  ysembruno  DG,  vgl. 
P.  Meyer  zu  Flam.  p.  343.  Auf  dieses  wort  darf  man  einigen  werth 
legen  als  eins  der  wenigen  germanischen,  welche  die  einheimische  litteratur 
nicht  kennt:  eisenfarb,  eisengrau  hat  sie,  nicht  eisenbraun.  Auch  mit 
bruneta,  brunetta,  mhd.  brunft,  bezeichnete  man  einen  dunkelfarbigen  stoff. 
Ein  verwandter  tuchname  ist  pr.  altfr.  galabrun,  galebrun,  mfarf.gala- 
brunum,  in  welcher  Zusammensetzung  das  erste  wort  noch  zu  bedenken  bleibt. 

Isard  occit.,  cat.  isart  und  sicart  eine  art  gemsen;  nach  Salmasius 
vom  gr.  l'^akog,  einem  beiwort  der  gemse;  sehr  zweifelhaft. 

Iserna  pr.  eiche  GO.  Ist  das  wort  richtig,  so  darf  an  eine  ab- 
leitung  ilic-erna  für  ilicea,  nach  dem  muster  von  quer-na  und  acer-na, 
worin  man  erna  für  das  suffix  nahm,  gedacht  werden. 

Jabot  fr.  kröpf  der  vögel,  jaboter  murren,  brummen.  Menage  be- 
müht sich  es  aus  dem  unvorhandenen  capus  behältnis,  woher  capulus,  zu 
leiten.  Einfacher  nimmt  man  jabot  für  gibot,  wie  jaloux  für  geloux, 
altfr.  jaläe  für  gel6e  stehn,  und  so  entspringt  es  aus  gibba  buckd.  Ebenso 
heißt  unser  kröpf  ursprüngl.  etwas  aufgetriebenes,  geschwollenes,  ahd.  eine 
blase,  lvesicula\ 

Jachere  fr.  brachfeld,  alt  gachiere,  gaschi&re,  pic.  gaqui&re,  ghes- 
quiere,  auch  garqui&re  Gl.  de  Lille  15  (35),  mlat.  gascaria  (12.  jh.).  Wo- 
her? Man  hat  vacaria  dafür  aufgestellt,  vom  lat.  vacare,  also  müßig 
liegendes  fdd,  aber  läßt  sich  fr.  j  so  leicht  auf  lat.  v  zurückleiten  ?  über- 
dies scheint  s  kein  bloßer  einschtd).  Auch  die  celtischen  sprachen,  worin 
man  das  wort  zunächst  sucht,  verweigern  es. 

Jadis  franz.  partikel;  erklärt  sich  aus  jamdiu  wie  tandis  aus  tam- 
diu,  pr.  tandius.  Das  Vorhandensein  eines  einfachen  rom.  diu  wird  durch 
das  churw.  gig  (vgl.  gi  aus  dies)  bezeugt. 

Jaillir  fr.  hervorsprudeln;  nach  Mtnage  für  jailler  von  jaculari 
schleudern  (oder  von  ejaculari  z.  b.  aquaß),  was  grammatisch  möglich  ist; 
vgl.  oben  bondir.  Es  findet  sich  überdies  ein  altfr anz.  wohl  nur  der  pi- 
cardischen  mundart  angehöriges  vb.  galir  (nicht  gaillir)  springen,  fort- 
springen, z.  b.  des  lanches  sunt  li  trons  encontre  mont  gali  DMce. 
p.  161;  la  lanche  hors  des  poins  li  gali  Gaufr.  p.  191;  welches  sich  nicht 
auf  jaculari  zurückführen  läßt,  eher  auf  unser  wallen  sprudeln,  eine 
nebenform  walir  würde  entscheiden. 

Jale  fr.  großer  kübel  das  mehl  zu  messen,  mulde  für  den  wein; 
dsgl.  altfr.  jalon,   galon  getreidemaß  (mlat.  galo,  galetus),  henneg.  galot 


620  ILc.   JANGLER-JARS. 

Joanne  und  andre  büdungen.  Die  etymologen  verweisen  auf  gaulas  trink- 
geschirr,  eimer,  aber  betontes  au  verflacht  sich  schwerlich  in  a;  oder  auf 
das  nhd.  schale,  welches  wenigstens  ein  fr.  chale  verlangt  Neben  jale 
bemerkt  man  noch  ein  synon.  cdtfr.  jaille  (Ducange  v.  galo),  buchstäblich 
das  lat.  galea  heim,  dessen  diminutiv  galeola  ein  vertieftes  geschirr  be- 
deutet. Aber  für  die  vorher  erwähnten  Wörter  ohne  erweichtes  1  ist  dieses 
etymon  nicht  tauglich. 

Jan  gl  er  cdtfr.,  pr.  janglar  klaffen,  klatschen,  spotten,  altfr.  jangle, 
pr.  jangla  gehlatsch,  Spötterei.  Welcher  herkunft  janglar  auch  sein  mag, 
sicher  ist,  daß  die  prov.  mundart,  welche  die  ursprünglichen  formen  ge- 
wöhnlich besser  wiedergibt  als  die  franz.,  die  in  diesem  werte  und  in 
joglar  oder  Jongleur  vorhandenen  stamme  rein  von  einander  scheidet  und 
eben  so  wenig  die  bedeutungen  mischt.  Eine  bloß  modificierte  ausspräche 
von  joglar  konnte  etwa  nebenformen  dieses  und  der  dazu  gehörigen  Wörter 
erzeugen,  aber  in  jangla,  janglar,  janglador,  janglaria,  janglos,  jangluelh 
cet.  erkennt  man  einen  reich  wuchernden  stamm,  dem  der  andre  an  frucht- 
barkeit  bei  weitem  nicht  gleich  kommt.  Italien  und  Spanien  kennen  ihn 
nicht,  um  so  mehr  wird  man  auf  Deutschland  verwiesen.  Ndd.  ndl. 
janken,  jangeln  heißt  bellen,  belfern,  keifen  (KU.):  daß  dies  an  klatschen 
gränet,  ist  an  und  für  sich  Mar,  man  kann  sich  dazu  auf  die  bedeutun- 
gen des  pr.  glatir  berufen  LB.  III,  474.  Aber  nicht  zu  übersehen  ist, 
daß  auch  janglar  vom  hunde  gebraucht  wird:  cas  non  pot  layrar  ni 
japar  ni  jangolar,  welcher  gebrauch  im  neuprov.  fortdauert,  s.  Honnorat. 
Vgl.  übrigens  engl,  jangle  und  jingle  bei  E.  Müller. 

Jante  fr.  (f.)  feige  d.  i.  eins  der  krummen  stücke  des  radkreißes. 
Die  älteren  etymologen  leiten  es  von  canthus  (xav&og)  eiserner  reifen  um 
das  ganze  des  radkreißes,  was  sich  von  seilen  der  bedeutung  nicht  em- 
pfiehlt; die  (Abweichung  im  genus  wäre  kein  entscheidender  einwand.  Es 
bietet  sich  indessen  ein  anderes  etymon  dar.  Die  Flor,  und  IAndenbr. 
glossen  haben  camites  vel  canti  'felga.  Gegen  canthus  haben  wir  bereits 
ein  bedenken  erhoben,  cames  oder  camis  camitis  aber  kann  ein  vorroma- 
nisches aus  der  würzet  cam  krumm  (s.  darüber  gamba  I.J  geformtes  wort 
sein,  und  wie  jambe  aus  camba,  so  konnte  jante  aus  dem  wurzelverwandten 
camitem  entspringen,  ja  vielleicht  ist  das  wallon.  chame  (feige)  nickt  aus 
chambe  =  pg.  camba  (gleichfalls  fdge)  entstanden,  sondern  nichts  anderes 
als  die  nominativform  cames.  [Hierzu  ein  erschöpfender  artikel  von 
Diefenbach,  Orig.  europ.  p.  268,  welcher  in  dem  bemerkten  mlat.  camit 
das  gleichbed.  bret.  cammed  (f.),  mit  anderem  suffix  kymr.  cammog  erkennt^ 

Jars  fr.  gänserich.  Das  pic.  gars  (Gloss.  de  Lille  13  [31]  ancer 
cgart*  lies  gars),  daher  bret.  garz  (welches  bietet  aus  sanskr.  värata  ent- 
springen läßt,  Ztschr.  f.  vergl.  sprachf.  IV,  127)  zeugt  mit  ziemlicher 
Sicherheit  für  den  anlaut  g  als  den  älteren.  Der  auslaul  s  sieht  zweifel- 
hafter aus,  da  häufig  auch  jar  geschrieben  wird;  so  schreibt  auch  Nicet, 
der  aber  auch  sonst  den  verstummenden  consonanten  unterdrückt.  Menage 
kennt  sogar  ein   mundarfl.  vb.  jargauder  sich  paaren  (vom  gänserich), 


ILc.   JASER-JUC.  621 

woraus  man  auf  ein  subst.  jarg,  jarg-s  schließen  könnte.  Die  etymologie 
ist  nicht  gerne  sicher.  Das  van  Gachet  41*  verglichene  com.  yar  €gattina\ 
wozu  Zeuß  II,  1114  bret.  kymr.  iar  citiert,  hat  von  Seiten  des  begriffes 
die  doppelte  unähnlichkeit  mit  jars,  daß  es  einen  sehr  verschiedenen  vogel 
und  diesen  im  entgegengesetzten  geschlechte  bedeutet.  Muthmaßlich  enthält 
das  wort  ein  merkmal  des  männlichen  thieres  (das  weibliche  heißt  oie). 
Altnord,  ist  gassi  gänserich  und  schnatterer  (s.  den  folg.  artikd):  daraus 
kann  es  durch  einmischung  von  garire  entstanden  sein,  denn  der  gänserich 
schnattert,  die  gans  'dattert',  der  gänserich  schreit  heftig,  wenn  man  ihn 
festhält,  die  gans  nicht  (Krünitzens  Encycl.).  Nach  dem  engl.  vb.  jar 
scheuen,  schnattern  eu  schließen  scheint  selbst  ein  fr.  jarrir  für  garrir, 
stattgefunden  au  haben. 

Jas  er  fr.,  alt  gaser,  pr.  gasar  schwatzen.  Da  diepicard.  mundart 
gleichfalls  jaser,  nicht  jacher  spricht,  so  kann  das  wort  nicht  von  unserm 
gagzen  oder  gatzen  herstammen,  wohl  aber  vom  nord.  gassi  schnatterer, 
eigentl.  gänserich,  vgl.  bair.  g&nseln  plaudern.  (Hieeu  eine  bemerkung 
von  Diefenbach,  Orig.  europ.  p.  349.)  Le  Duchat  leitet  jaser  aus  dem 
it.  gazza  dster,  aber  theils  fehlt  dem  Italiener  selbst  das  vb.  gazzare,  theils 
wäre  alsdann  die  altfr.  form  gacer,  nicht  gaser.  Desselben  Ursprunges 
ist  vielleicht  auch  gazouiller,  alt  gaziller  zwitschern,  plaudern,  welches 
sich  andre  aus  dem  synonymen  bret.  geiza  gebildet  denken. 

Janger  fr.  visieren,  eichen,  jange  visiermaß,  maßstab.  Gaseneuve 
verweist  auf  altfr.  jalaie,  Ducange  auf  mlat.  galo,  welche  beide  viel  zu 
dllgemein  ursprünglich  nur  gefäße  von  unbestimmtem  maße  bedeuten,  übri- 
gens auch  formell  unfügsam  sind.  Denkt  man  sich  dagegen  aus  aeqnalis 
ein  rom.  verbum  aequalificare  gleichmachen,  auf  ein  und  dasselbe  maß 
bringen,  so  ergibt  dies  fr.  ägalger  (vgl.  altfr.  niger  von  nidificare),  zu- 
nächst egauger,  mit  abgestoßenem  anlaut  (s.  unten  mine)  ganger,  wie  es 
aitwallon.  lautete,  engl,  gange.  Die  henneg.  formen  cauqne  und  ganqne 
=  jange  sind  für  einen  stamm  calc,  der  sehr  wohl  aus  qualfc  syncopiert 
sein  kann,  beweisend.  Aus  aeqnalis  würde  sich  denn  auch  jalon  visier- 
Stange  erklären  lassen.  Fast  noch  näher  liegt  qualificare  die  eigenschaften 
einer  sache  bestimmen;  nur  müßte  alsdann  jalon  die  Stammgenossenschaft 
mit  janger  abgesprochen  werden. 

Joindre  fr.  verbinden;  von  jnngere,  it.  giugnere. 

Jon  er  fr.  spielen,  von  jocari;  jen  von  joens. 

Jnc  fr.  vrlt.  hühnerstange,  watlon.  joc,  vb.  fr.  jncher  sich  auf  die 
.  stange  setzen  um  zu  schlafen  (von  hühnern),  pic.  jnqner,  wallon.  joquer, 
neupr.  s'ajoncä,  engl,  to  jnke.  In  Berry  sagt  man  sbst.  gnenche,  vb. 
gnencher.  Die  Herkunft  dieses  speciell  franz.  Wortes  ist  uns  bis  jetzt  noch 
verschlossen.  Einige  ansprüche  hat  ndl.  hnkken,  hd.  hocken  d.  i.  kauern, 
wie  die  kühner  thun,  namentlich  auch  von  der  brütenden  henne  gebraucht 
Frisch  I,  469b,  sofern  man  nämlich  um  des  roman.  anlautes  j  willen  eine 
deutsche  Zusammensetzung  mit  ge  annehmen  darf.  Normannisch  sagt 
man  hncher,  und  diese  form  würde  das  einfache  hnkken  ausdrücken. 


622  ILc.  JUGE-JUSQUE. 

Juge  fr.,  pr.cat.  jutge  richter,  daher  altsp.  juge  und  bask.  (labort.) 
yuyea.  Judex,  woher  es  geleitet  wird,  wäre  fr.  jus  geworden:  um  dieser 
unpassenden  form  auszuweichen,  zog  man  juge  aus  dem  vb.  juger  =judi- 
care,  in  den  roman.  Schriftsprachen  vielleicht  das  einzige  Substantiv  per- 
sönliclier  bedeutung,  das  unmittelbar  (ohne  ableüungssuffix)  aus  einem 
verbum  gezogen  ward. 

Juillet  jtdi.  Ein  diminutiv,  allein  was  soll  hier  die  diminution? 
Ist  es  ein  schmeichelwort?  Man  bemerke,  daß  der  altfr.  name  desselben 
monats  juinet  war,  z.  b.  al  setme  meis  de  1'an,  juinet  l'apele  Tun  im 
siebenten  monat  des  Jahres,  den  man  juinet  nennt  TGant.  p.  161,  vgl. 
Ben.l,  347,  III,  278;  der  jtdi  war  also  der  kleine,  vielleicht  der  jüngere 
oder  zweite  juni  und  diese  ansieht  kann  aus  England  stammen,  wo  der 
junius  der  erste  gelinde,  der  Julius  der  zweite  gelinde  (monat)  genannt 
ward,  aerra  lidha,  äftera  lidha  (Grimms  Gramm.  II,  360,  Gesch.  d.  d. 
spr.  I,  81).  Später  verwandelte  man  juinet  in  juillet,  um  es  mit  dem 
lat.  Julius  wieder  in  einklang  zu  bringen.  Dieselbe  anschauung  begegnet 
in  der  sicil.  mundart,  wird  aber  wohl  durch  die  Normannen  hineingebracht 
sein:  giugno  heißt  der  sechste  monat,  giugnetto  der  siebente.  In  einer 
neap.  reimchronik,  Mur.  Antiqq.  ital.  VI,  711,  dagegen  wird,  zur  Unter- 
scheidung so  ähnlicher  namen,*  der  juni  jon  cerasiaro,£irscAew;iwt,  der 
jtdi  julo  messoro  emtejuli  gemannt,  str.  724.  747.  749.  772.  861.  Im 
sardischen  fehlt  der  name  Julius  (luglio  ist  aus  dem  ital.  eingeführt),  man 
sagt  dafür  mesi  de  treulas  dreschmonat.  Der  Churwälsche  nennt  den 
juni  zarcladur  jätemonat,  den  juli  fenadur  heumonat,  beschränkt  sich  aber 
bei  den  übrigen,  wie  es  scheint,  auf  ihre  herkömmlichen  namen.  Gleich- 
falls um  der  deutlichkeit  willen  nennen  Provenzalen  und  Catalanen  den 
juli  juliol,  den  juni  einfach  junh.  Der  Baske  hat  für  den  juni  und  juli 
ein  und  dasselbe  wort,  garagarilla  gerstenmonat,  s.  Astarloa  p.  396,  nach 
Larramendi  ist  dies  der  name  des  juni,  der  juli  heißt  garilla. 

Jumart  fr.  bastard  aus  dem pf erde-  und  rindergeschlecht ;  vielleicht 
eine  dbänderung  von  jumentum,  doch  ist  das  occit.  wort  gimere,  gimerou, 
was  etwas  an  chimaera  mahnt.    Das  geschöpf  übrigens  problematisch. 

Jumeau  fr.  zwilling;  entstellt  aus  gemellus,  pr.  gemel,  vgl.  wegen 
des  radikalen  u  Juintege  von  Gemmeticum,  furnier  von  fimus. 

Jusant  fr.  (m.)  ebbe,  flux  et  jusant  fluth  und  ebbe;  vom  dltfr.adv. 
jus  d.  i.  herab,  also  abnähme,  vielleicht  nach  courant  (ström)  geformt. 

Jusque  franz.  partikel,  von  de-usque,  der  ausspräche  nach  s.  v.  a. 
diusque  {vgl.  jus  von  deosum),  altfr.  einfach  usque  nur  in  den  ältesten  . 
denkmälern,  Pass.  de  J.  C.  96,  Alexs.  58,  doch  auch  usquo  in  der  prov. 
Charte  de  Grealou  p.  92;  üblicJier  dusque,  pr.  duesc'a,  auch  juscas. 
Daß  die  präp.  de  der  richtung  nach  einem  ziele  nicht  gradezu  wider- 
spricht, bewüst  fr.  devers  versus.  Eine  zss.  ist  pr.  truesc'a,  altfr. 
trosqu'a  von  intro  usque  ad,  chw.  troqua,  antroqua.  Die  altfr.  formen 
jesque,  tresque  werden  sich  wohl  aus  juesque,  truesque  erklären.  Über 
truesc'a  sehe  man  etwa  den  Kritischen  anhang  p.  36  und  Gachet  p.  160*. 


II.  c.  LAGOT-LAISSE.  623 


Lagot  pr.  Schmeichelei,  sp.  lagotear  schmeicheln;  vgl.  goth.  bi-laigön 

belecken. 

Lague  altfr.  gesetz  (fremder  ausdruck) ;  vom  ags.  lag,  engl.  law. 
Daher  utlague,  ullage  geächteter,  ags.  üt-lag,  engl,  out-law  tote  lat.  ex-lex. 

Lai,  lais  altfr.,  pr.  lais  (lay  LR.  I,  573),  itcd.  nur  im  plur.  lai 
vorhanden,  heißt  im  allgemeinen  klang,  sang,  speciell  eine  liedergattung, 
in  dem  prov.  Reimbuch  41*  wird  es  mit  'dtdcis  cantus  übersetzt.  Erwägt 
man  nur  die  form,  so  trifft  lai  mit  dem  dttn.  lag  gesetz,  melodie  buch- 
stäblich zusammen,  nicht  mit  dem  cdtn.  leik-r  spiel,  das  sich  in  die  form 
leque,  legue  gekleidet  haben  möchte,  besser  schon  mit  ahd.  leih,  mhd. 
leich  (womit  das  fr.  lai  übersetzt  wird:  er  vant  ouch  ze  der  selben  zit 
den  edelen  leich  Tristanden  =  fr.  le  lai  de  Tristan  Gott  fr.  v.  Str.); 
allein  das  wort  ist  von  der  Normandie  ausgegangen.  Da  die  altfranz. 
dichter  aber  das  lai  ausdrücklich  den  Rretonen  beilegen,  so  ist  seine  deu- 
tung  aus  dem  cdtischen  gegen  die  aus  einer  der  german.  sprachen  in 
schütz  zu  nehmen.  Kymr.  Hais  heißt  stimme,  schall,  lärm,  und  dieses 
toort  empfiehlt  sich  litterärhistorisch  wie  philologisch:  auch  lai  ist  klang, 
z.  b.  schellenklang  LR.,  die  accusativform  lais  aber  beweist,  trotz  der  sehr 
natürlichen  verirrung  in  lai,  daß  das  fremde  wort  auf  s  ausgieng;  bei 
leich  würde  die  spräche  ein  radicales  s  beigefügt  haben,  was  schon  kühner 
gewesen  wäre.  Man  beachte  auch  was  Wolf  Lais  p.  155.  156,  Diefen- 
baeh,  Orig.  europ.  p.  306,  Mild  y  Fontanals,  Jahrb.  V,  166,  über  das 
franz.  wort  bemerken. 

Laie  fr.  backe,  wilde  sau.  Es  nähert  sich  dem  gleichbed.  mhd. 
liehe,  paßt  aber  nicht  genau  dazu,  noch  weniger  zu  liene  d.  i.  nhd.  lehne, 
s.  Mhd.  wb.  1,  984.  Ducange  vergleicht  das  im  Capitidare  de  villis 
cap.  40  vorkommende  leha:  nt  unasquisque  judex  per  villas  nostras 
'singulares  et  lehas'  (etlehas  ms.),  pavones,  fasianos  .  .  semper  habeant 
'keiler  und  backen  cet.  Nach  neuer  auffassung  aber  muß,  da  hier  nur 
von  geflügel  die  rede  ist,  singularis  als  das  gewöhnliche  adjectiv  genommen 
werden;  etlehas  freilich  ist  schwierig,  Querard  vermuthet  alites  dafür, 
s.  Bibl.  de  Vecole  des  chartes,  3.  sir.  IV,  323. 

Laie  fr.  durch  den  wäld  gehauener  weg  (ältpg.  lada?  SRos.), 
vb.  layer  un  bois;  vom  altn.  leidh,  ags.  lad  (f.)  mit  gl.  bed.,  mlat.  leda 
(über  cits.  leia  s.  Schmellers  Gloss.  sax.).  Daher  der  Ortsname  S.  Ger- 
main en  Laye. 

Lai  ss e,  lesse  fr.  koppelseil,  hutschnur.  Die  erste  bedeutung  drückt 
das  ndl.  leise,  die  zweite  das  ndl.  lits,  nhd.  litze  aus;  jene  mahnt  an 
ahd.  lezjan  zurückhalten  (woher  auch  it.  allazzare),  vgl.  fr.  rene  zügel, 
von  retinere.  Da  indessen  der  Italiener  für  die  erste  bedeutung  lascio 
gebraucht,  so  darf  man  allerdings  lat.  laxns  oder  laxare  als  etymon  auf- 


624  II.  c.   LAM— LAPIN. 

stellen:  das  koppelseü  ist  kein  straff  angesogenes,  es  ist  ein  loslassendes  etwa 
wie  ahd.  läz  schwungrieme  des  wurfspers  {von  läzan)  eigenll.  etwas  zum 
loslassen  oder  schleudern  bestimmtes  ist,  vgl.  laxamina  'habenae  Gl.  Isid. 
Nachzulesen  wäre  Grandgagnage  v.  Iahe. 

Lam  pr.  hinkend,  auch  einarmig  GO.;  ahd.  lam,  nhd.  lahm.  Auch 
die  piem,  mdart  kennt  lam,  aber  mit  der  bed.  schlaff. 

Lambeau  fr.  herabhangender  fetzen  oder  läppen,  comask.  lampel 
dass.,  sp.  lambel  turnierkragen,  in  Berry  lambriche  fransen,  ohne  m 
mlat.  labellas,  altfr.  labeau  Boq.,  engl,  label  herabhangende  streifen  als 
zieraihu.  dgl.;  vb.fr.  dälabrer  zerfetzen,  das  für  d61abler  stehen  könnte. 
Die  form  mit  reinem  b  scheint  die  ursprüngliche:  leicht  wird  m  vor  diesem 
buchstaben  eingeschoben, .  schwer  fällt  es  aus,  drum  ist  die  herleitung  (ms 
dem  muthmaßlich  wurzelverwandten  tat.  lamberare,  woraus  überdies,  streng 
genommen,  das  sbst.  lambeau  nicht  entspringen  konnte,  anstößig.  Besser 
trifft  Frischs  deutung  von  dälabrer  aus  labrum  lippe,  rand,  säum,  daher 
troddel,  fetzen,  wenn  auch  die  form  levre  zu  widersprechen  scheint  (vgl 
aber  cabrer  neben  chevre),  und  so  wäre  denn  label  von  labellum.  Da- 
gegen nähert  sich  die  oben  bemerkte  comask.  form  wieder  dem  dtschen 
läppen  und  es  fehlt  auch  nicht  an  celtischen  verwandten,  z.  b.  gael.  leab, 
kymr.  Uabed,  bret.  labaaken.  Franz.  lambrequin  helmdecke  am  Wappen- 
schild floß  aber  nicht  unmittelbar  aus  lambeau,  .es  setzt  ein  ndl.  ditnin. 
lamperkfn  von  lamper,  lamfer  (schleier)  voraus,  wie  mannequin  ein  ndl. 
mannekfn  voraussetzt.  Vgl.  Grandgagnage  v.  lamekene.  —  [Als  etymon 
von  lambeau  cet.  hat  Ascoli  neuerlich  ein  aÜlat.  lamber  (fetzen)  ange- 
nommen, Ztschr.  für  vergl.  sprachf.  XVI,  was  auf  sich  beruhen  möge.] 

Lambre  altfr.  getäfel  (Mones  Anzeiger  VIII,  599*);  von  lamina 
brett,  ähnlich  marbre  von  marm'r.  Abgel.  nfr.  lambris  (m.)  mit  ders.  bed., 
für  welches  Dacier's  erklärung  aus  ambrex  bei  Festus  nicht  haltbar  ist. 

Laudier  fr.  feuerbock  zum  auflegen  des  hohes;  bask.  landera.  Nach 
Frisch  vom  dtschen  ge-länder,  vgl.  bair.  lander  laue.  Indessen  findet  sich 
für  dieselbe  sache  ein  altes  mlat.  wort  von  unbekannter  herkunfl,  andena, 
wcdlon.  andi,  woraus  landier  entstanden  sein  könnte,  da  auch  die  altfr. 
form  andier  ist,  s.  z.  b.  DMce.  p.  209,  17,  Gloss.  de  Lille  23  (50), 
engl,  andiron. 

Lange  fr.  (m.)  windet,  altfr.  wollenes  Meid;  vom  adj.  laneus. 

Lanquan,  prov.  partikel  für  fr.lorsque,  eigentl.Yan  quan,  wo  denn 
an  (lat.  annus)  einen  unbestimmten  zeitpunct  ausdrückt  wie  in  ogan,  antan. 

Lapin  fr.  kaninchen,  dim.  lapereau,  vgl.  ndl.  lampreel  junges  Jca- 
ninchen.  Der  bekannten  herleitung  aus  lepus  widerspricht  die  franz. 
tenuis,  für  welche  v  eintreten  mußte;  die  Verkürzung  des  primüivs  lepor 
in  lep  ist  stark,  aber  einzuräumen,  da  einige  falle  dieser  ort  nicht  zu 
läugnen  sind.  Man  thut  indessen  dem  Sprachgefühl  mindere  gewalt  an, 
wenn  man  lapin  nimmt  für  clapin,  aus  dem  stamme  clap,  woher  auch  se 
clapir  sich  verkriechen  (von  kaninchen),  clapi&re  kaninchenhöhle  (s.  oben): 
ähnliche  Vereinfachung  eines  combinierten  atUautes  in  loir  für  gloir. 


IL  c.   LARCIN— LEUDE.  625 

Larcin  fr.  diebstahl;  von  latrocinium,  umgestellt  pr.  laironici,  sp. 
ladronicio,  it.  ladroneccio. 

Larigot  und  arigot  fr.  eine  art  Heiner  flöten;  nach  Frisch  aus 
dem  musicalischen  ausdrucke  largo,  von  Seiten  der  form  untaddhaft,  da 
für  ergo  auch  erigot  gesprochen  ward,  s.  oben  ergoter. 

Lärme  fr.  thräne;  von  lacrima.  Keine  schlechtere  büdung  ist 
das  alte  lairme  Älexs.  119,  lerme  117  (noch  norm.),  worin  sich  g  in 
i  auflöste. 

Larris  altfr.  pic.  ungebautes  feld,  vgl.  an  larris  sauvage  piain  de 
fosses  pres  de  boscage  DG. ;  par  raus  et  par  larris  Gar.  I,  p.  92,  ndat. 
larricium ;  nach  Kilian  das  gleichbed.  ndl.  laer  (mndl.  laar  offener  platz 
im  walde),  s.  Diefenbachs  Goth.  wörterb.  II,  129,  Grandgagnage's  An- 
ciens  noms  de  lieux  (1856)  p.  79. 

Layette  fr.  lade,  Schublade;  vom  ndl.  laeye  KU.  =  nhd.  lade. 

L6ge  fr.  adj.  ohne  ladung  (von  schiffen);  von  dem  in  gleichem  sinne 
üblichen  ndl.  leeg  für  ledig,  mit  Chevcdlet. 

Lendit  fr.  Jahrmarkt  zu  S.  Denis;  ursprüngl.  l'endit,  von  indic- 
tum,  weil  er  öffentlich  verkündigt  ward. 

Lendore  fr.  (m.  f.)  träge  Schlafmütze,  vb.  norm,  lendorer.  Eine 
reinere  form  scheint  bret.  landar  träge,  landrea  träge  sein,  landreafit 
faulenzer  (wozu  Monti  das.  com.  landrian  stellt);  hieraus  durch  umdeu- 
tung  mit  il  endort,  aber  nickt  daraus  entstanden,  lendore,  richtiger  altfr. 
landreux.  Vom  mhd.  lentern  langsam  gehn,  schlendern,  ndl.  lenteren, 
sbst.  lenterer.  Die  umdeutung  mit  endort  hat  etwas  entsprechendes  im 
pic.  lendormi  (mit  agglutiniertem  artikel)  s.  v.  a.  lendore. 

L6ri  pr.  munter,  fröhlich  (nach  Raynouard  und  P.  Meyer  Flam.), 
auch  neupr.  leri  (fem.  leria)  leicht,  funk,  hübsch,  blühend,  üppig  (Bironie, 
Honnorat).  Von  hilaris,  erweitert  in  hilarius,  das  auch  als  taufname 
vorkommt;  die  aphärese  des  i  {geschr.  hi)  ist  leicht  zuzugeben.  Richtiger 
freilich  wäre  lari  oder  lair,  vgl.  contrari  und  vair  (varius),  aber  beide 
lagen  dem  bösen  warte  laire  (latro)  zu  nahe. 

L6s  altfr.,  pr.  latz,  präposition  mit  der  bed.  juxta;  von  latus  seile, 
it.  allato;  nfr.  in  Passy-lez-Paris,  Plessis-lez-Tours;  tnlat.  de  intus  carte 
aut  latus  curte  L.  Sal. 

Leu  de  altfr.,  pr.  leuda,  leida,  ledda,  selbst  le&dn,,  altsp.  lezda,  arag. 
leuda,  wird  für  jede  art  von  abgaben  gebraucht,  besonders  bei  verkaufen, 
auch  für  wegegeld;  occ.  ledo  havage.  Ducange  u.  a.  erkennen  darin  das 
german.  leudis  geldbuße  für  einen  getödteten  menschen,  wergeld,  allein  so 
leicht  ist  dies  nicht  hinzunehmen:  sowohl  die  bedeutung  widerspricht  wie 
die  form,  der  dtsche  diphthong  eu  hätte  sich  anders  dargestellt  Leuda 
entsprang  aus  dem  vb.  levare  in  tributum  levare,  lever  des  impöts,  wo- 
von man  einpartic.  lävitus,  wie  von  cubare  cubitus  u.  dgl.,  ableitete;  die 
regelrechte  büdung  aber  aus  levita  war  leuda  und  selbst  leida,  leda,  das 
also  etwas  erhobenes  ausdrückt.  Den  beweis  für  diese  unlat.  participial- 
büdung  liefert  der  artikel  lievito  I. 

40 


626  IL  c-  LEVAIN-LIGE. 

Levain  fr.,  levam  pr.  Sauerteig;  von  levamen  also  hebemittd.  Vgl. 
lievito  I. 

Liaison  fr.}  liazo  pr.  band;  von  ligatio  bei  Scribonius  Largus. 

Liart  oitfr.  (f.  liarde),  pr.  liar,  lear  hell  von  färbe,  weiß  oder  hell- 
grau, wird  von  pf erden,  wohl  auch  vom  menschlichen  haar  gebraucht, 
s.  Lex.  rem.,  daher  it.  cavallo  leardo  weites  pferd,  schimtnel.  Menage 
syncopiert  es  aus  leucardus;  alsdann  hätte  Frankreich  allein  das  gr. 
levxog  besessen  und  es  Italien,  dem  lande  der  griech.  Wörter,  zugeführt, 
denn  hier  entstanden  würde  es  sein  x  nicht  eingebüßt  haben.  Naher  liegt 
kymr.  lläi  dunkelgrau;  nicht  minder  nah  altfr.  Ii6  fröhlich  (laetus),  denn 
fröhlich  und  hellfarbig,  hell  und  fröhlich  gehen  leicht  in  einander  über, 
wie  z.  b.  it.  gajo,  fr.  gai,  gr.  qmÖQog  lehren.  —  Was  neufr.  liard, 
name  einer  Meinen  kupfermünze,  betrifft,  so  verträgt  sich  seine  herkunfl 
aus  dem  adj.  liart  nicht  mit  dessen  begriff  und  es  ist  noch  besser  das 
wort,  wie  man  gethan  hat,  aus  einem  südfr.  li  hardi  =  sp.  ardite  U.  b. 
zu  construieren. 

Lice  fr.,  alt  leisse,  pic.  liehe,  pr.  leissa  jagdhündin  zur  sucht; 
nach  Caseneuve  von  dem  antiken  hundenamen  lycisca,  genauer  von  der 
form  lycisce,  da  sich  aus  ersterer  pr.  leisca,  pic.  lique  gestaltet  hätte. 
Auch  deutsche  glossare  übersetzen  lycisca  mit  cz6ha  hündin,  oder  mit 
Kbr achin  weiblicher  brache. 

Licou  fr.  halßer;  aus  lie-cou  binde-hals. 

Lie  fr.  fröhlich,  in  der  redensart  faire  chere  lie;  von  laetus,  altfr. 
U6  (fem.  Ii6e  und  lie),  it.  lieto. 

Li6ge  fr.  (m.)  hark;  primitiv  von  läger  bedeutet  es  eigentlich  etwas 
leichtes  und  würde  prov.  leuge  heißen  (oedt.  leuge  bei  Gouddin). 

Lige  fr.,  litge  pr.,  daher  it.  ligio,  engl,  liege,  im  spätem  mtat. 
ligius,  sbst.  altfr.  Iige6,  ligesse.  Erwägt  man  lige  in  seinen  verschiede- 
nen anwendungen  (man  sehe  bei  Ducange),  so  muß  ihm  die  bed.  'unbe- 
dingt, vollständig'  zustehen.  Der  homme  lige,  mag  er  nun  ein  lehen  be- 
sitzen oder  nicht,  ist  seinem  oberherrn  gegen  jeden  dienste  zu  leisten  ver- 
pflichtet, der  seignenr  lige  sie  ebenso  zu  fordern  berechtigt;  und  so  sagte 
man  ligia  potestas,  ligia  voluntas,  unbedingte  gewalt,  unbeschränkter 
wille,  adv.  ligement  et  franchement,  purement  et  ligement.  Vossius  hält 
ligius  für  eine  ableitung  aus  dem  rom.  liga  band  oder  bund,  so  daß  aus 
der  bed.  strenger  verpflicfitung  die  der  unbedingthext  sich  entfaltet  haben 
müßte.  Dagegen  ist  nur  zu  erinnern,  daß  unlat.  adjeetiva  mit  dem  suffixe 
ius  oder  eus  schlechthin  unfranzösisch  sind.  Eher  noch  dürfte  man  an 
das  altn.  lidi  (geführte)  erinnern,  woraus  sich  ein  adj.  lidi-us,  franz.  ge- 
sprochen lige,  entwickeln  konnte;  aber  hier  genügt  die  bedeutung  nicht. 
Huydecoper  zu  M.  Stocke  II,  p.  163  citiert  eine  stdle  aus  einer  Urkunde 
des  13.  jh.  ligius  homo,  quod  teutonice  dicitur  ledigman  d.  i.  frei  von 
allen  Verbindlichkeiten  gegen  andre.  Für  ledig  entscheidet  sich  auch 
Chrandgagnage  v.  lige.  Ob  es  sachlich  passend  sei,  bleibe  den  rechtsge- 
lehrten überlassen. 


IL  c.   LIM ANDE -LÖCHER.  627 

Limande  fr.  ein  platt  fisch;  nach  Le  Duchat  von  lima  feile,  wegen 
seiner  rauhen  haut,  und  allerdings  wird  derselbe  fisch  üal.  einfach  lima 
genannt.  Das  suffix  anda  drückt  hier,  wie  auch  anderwärts,  zweck  oder 
bestimmung  aus  (zum  feilen  bestimmt). 

Limier  /r.  Spürhund,  leithund.  Von  liminarius,  behauptet  man, 
weil  er  die  jagd  eröffne;  ganz  unhaltbar.  Die  altfr.  form  ist  liemier 
(dreisilb.)  Gar.  11,  225,  Romv.  p.  581,  11,  loiemier,  loiemer  Rob.  le  diabl. 
B.  lllla.  col.  b,  Er  ad.  3047,  noch  bret.  liamer,  die  prov.  liamier;  dies 
führt  auf  fr.  lien,  alt  loien,  lat.  ligainen:  der  hund  ward  so  genannt, 
weil  er  an  einem  seile  nachgeführt  ward:  li  liemiers  s'en  vient  avant, 
son  lien  el  col  Parton.  I,  63;  li  dus  demande  Brochart  son  liemier, 
pardevant  lui  li  amaine  uns  breniers,  li  dus  le  prent  et  si  l'a  desloiä 
Gar.  I.  c,  vgl.  Aubery  p.  44.  Mhd.  einen  leithunt  er  begreif,  an  ein 
seil  er  in  sweif  Wb.  1,  728.  Ligamen  war  der  eigentliche  ausdruck  für 
das  seil,  womit  man  den  hund  anlegte:  si  quis  canem,  qui  legamine 
novit  etc.    L.  Sal.  tu.  6. 

Linge  fr.  (m.),  auch  pr.  linge,  bask.  linia  leinwand;  vom  adj. 
lineus  leinen,  wie  lange  von  laneus.    Altfr.  linge  auch  adj.  LRs.  141. 

Lingot  fr.  Nach  dem  Dict.  de  Trev.  1)  gold-  oder  silberbarre, 
2)  gegossener  metallklumpen.  Menage  erklärt  es  aus  lingna,  was  zur 
ersten  bedeutung  gut  paßt,  denn  lingna  nebst  ligula  neigen  sich  zu  ver- 
wandten bedeutungen,  auclh  ist  trotz  langue  mit  radicalem  a  in  lingnet 
i  geblieben.  Die  zweite  bedeutung  wäre  denn  eine  ausartung  der  ersten. 
Aber  nun  gibt  es  ein  engl,  ingot,  welches  gleichfalls  tnetallmasse  heißt  und 
allerdings  aus  lingot,  worin  man  1  als  artikel  auffaßte,  übernommen,  aber 
auch  ein  einheimisches  wort  sein  könnte:  in-got  =  ein-guß  d.  h.  etwas  in 
eine  form  gegossenes,  bei  Chaucer  eine  solche  form  selbst  (s.  Johnson)  und 
dieses  englische  könnte  sich  im  franz.  worte  verbergen.  Es  findet  sich 
ein  mhd.  inguz  in  der  äbstracten  bei.  einfluß,  sonst  aber  scheint  es  nicht 
vorhanden. 

Li  not,  linotte  fr.  hänfling.  Dem  entsprechen  seine  deutschen  namen 
leinfinke,  flachsfinke. 

Lippe  fr.  (f.)  dicke  Unterlippe  (lepe  Ren.  IV,  39),  henneg.  liper 
behaglich  speisen;  vom  ndd.  lippe,  ags.  lippa  cet.  (gael.  lip,  liop  f.),  da- 
gegen comask.  leff  lippe,  liffia  mund,  von  der  ahd.  form  lefs,  leffur. 

Lobe  altfr.  spott,  lober  spotten;  vom  ahd.  lob  =  nhd.  lob,  vb. 
loben,  vgl.  die  bedd.  im  pr.  gabar  spotten,  pg.  loben.  Ronsard  nennt 
lobbe  ein  altes  wort  und  räth  den  dichtem,  ein  verbum  lobber  daraus  zu 
bilden,  das  aber  längst  im  gebrauche  gewesen. 

Loc  altfr.  klinke,  schloß  TGant.  p.  145,  abgel.  nfr.  loquet,  it.  luc- 
chetto,  ülyr.  lokot;  vom  ags.  loc,  engl,  lock,  ahd.  bi-loh  (bloch)  riegel, 
goth.  ga-lukan  verschließen. 

Loche  fr.  (f.)  ein  fisch,  Schmerle,  sp.  loja,  engl,  loach.  Herkunft 
unbekannt. 

Locher  fr.  vrti.  schütteln,   schlenkern,  zsgs.  eslochier   losmachen 


628  ILc.  LOCMAN-LOQUE. 

(z.  b.  les  denz  die  sahne  einschlagen  Trist.  II,  184),  s'eslocier  sich  auf- 
machen SB.  432",  kenne g.  arlocher  (für  relocher)  stark  schütteln;  vom 
■    mhd.  lücke  locker  (vb.  lücken  lockern?). 

Locman  fr.  lootse,  pilot;  vom  ndl.  loods-man,  engl,  loads-man, 
altengl.  auch  lode-man  neben  lodes-man.  Stark  entstellt  hieraus  ist  fr. 
lamaneur,  mit  anbüdung  an  gouverneur  Steuermann.  Eine  andre  auf- 
fassung  bei  Scheler  unter  dem  letzteren  worte. 

Lodier  fr.  wollene  bettdecke;  vgl.  dhd.  lodo,  Indo,  mhd.  lode  grobes 
woUenzeug,  dsgl.  zotte,  ags.  lodha  bettdecke  (Somn.),  auch  lat.  lodix,  dessen 
suffix  jedoch  in  dem  franz.  worte  vermißt  wird.  ÄUfr.  lodier,  loudier, 
fem.  lodiere,  könnte,  wenn  faulenzer  als  seine  grundbedeutung  feststände, 
wie  unter  poltro  I.  angenommen  worden,  als  eine  personification  des  eben 
genannten  lodier  aufgefaßt  werden,  allein  nur  die  bed.  taugenichts  kommt 
ihm  mit  Sicherheit  zu.  Es  möchte  darum  identisch  sein  mit  aitn.  loddari, 
mnctt.  lodder,  die  dieselbe  bedeutung  haben,  mhd.  loter  possenreißer,  nhd. 
lotter-bube. 

Lot  fr.  die  gegen  den  wind,  liegende  seile  des  Schiffes;  vom  ndl. 
loef,  engl.  loof.  Daher  das  vb.  louvoyer  (und  von  diesem  unser  la- 
vieren) im  fahren  abwechselnd  die  eine  und  die  andre  seile  des  Schiffes 
gegen  den  wind  kehren.  So  entstand  auch  das  synonyme  bordayer  = 
!  sp.  bordear,  it.  bordeggiare  von  bord  rechte   oder  linke  seile  des  schiffes. 

Loisir  fr.  muße;  ursprüngl.  infinitiv,  lat.  licere  erlaubt  sein,  er- 
|  laubnis.    Ebenso  verhält  sich  das  sbst.  plaisir  zu  placere. 

Lombard  fr.  leihhaus,  ndl.  lombaerd,  dsgl.  altfr.  adj.  lombart 
!  wucherisch  TCant.  p.  41,  vgl.  sicil.  lumbardu  schenkwirth;  von  dem  völker- 

namen  Lombard,  indem  häufig  die  Lombarden  in  Frankreich  handel  und 
I  wucher  trieben:  hier  aber  verstand  man  unter  Lombarden  überhaupt  Ita- 

liener, worauf  auch  Dante  Purg.  16,  126  anspielt:  che  me'  si  noma 
'francescamente'  il  semplice  Lombardo  =  Italiano. 

Lona  pr.  lache,  sumpf,  nur  in  einem  prosaischen  denknuü,  aber 
I  noch  im  Süden  fortdauernd,  Onofrio  p.  261.    Lacuna,   syncopiert  la-una, 

hätte  streng  provenzdlisch  höchstens  Unna  ergeben.  Gleichwohl  ist  diese 
entstehung  leichter  hinzunehmen  als  die  aus  dem  altn.  16n  (n.),  das  die- 
I  selbe  sache  bedeutet. 

Longe  fr.  lenäenstück,  altfr.  wallon.  logne  s.  Grandgagnage,  auch 
sp.  lonja  stück  Schinken;  von  dem  unlat.  adj.  lumbea,  sbst.  lombns  lende. 

Longe  fr.  (f.)  strick  an  der  halfter;  s.  v.  a.  alonge  Verlängerung; 
l'alonge  =  la  longe. 

Lop  in  fr.  stück  oder  bissen  fleisch  u.  dgl.;  mit  Frisch  vom  dtschen 
läppen  fetzen,  aber  mit  abgeändertem  wureelvocal,  vielleicht  um  es  von 
lapin  kaninchen  zu  scheiden.    Norm,  lobet. 

Loque  fr.  fetzen,  läppen.  Es  könnte  von  unserm  locke  stammen, 
woher  auch  Frisch  es  erklärt;  passender  aber  deutet  man  es  aus  altn. 
lök-r  etwas  herabhangendes.  Damit  zsgs.  scheint  fr.  bre loque,  henneg. 
berloque,  npr.  barlocco  (f.)  zierliche  Meinigkeit,  anhängsei,  chw.  bargliocca 


i 


ILc.    LORGNER-LUCAKNE.  629 

(hangendes)  lampchen,  haarlocke;  vb.  henneg.  berloquer,  in  Rheims  ballo- 
qaer,  chw.  balucar  schlottern,  schlenkern  —  wiewohl  sich  über  den  ersten 
theü  der  zss.  nichts  befriedigendes  sagen  läßt;  s.  auch  Diefenbachs  Orig. 
eur.  262.  Das  wort  erinnert  sogar  an  das  it.  badalucco  Spielerei.  Deut- 
licher ist  die  zss.  in  pendeloque  anhanger  am  ohrring,  vom  adj.  pen- 
dulus,  daher  mit  üblicher  Verwandlung  des  1  in  r  henneg.  pendreloque : 
das  vb.  pendere  hätte  eher  penloque  gegeben. 

Lorgner  fr.  heimlich  betrachten,  lorgnette  fern  glas.  Nach  Frisch 
vom  dtschen  lauern,  schweiß,  loren,  luren  (ahd.  Würfen?),  um  so  wahr- 
scheinlicher,  als  nach  Menage  die  norm,  form  loriner  ist,  die  durch  ein 
nomen  lorin  vermittelt  sein  könnte. 

Loriot  fr.  goldammer.  Frov.  sagt  man  auriol,  sp.  oriol,  von  au- 
reolus,  daraus  mit  agglutiniertem  artikel  loriol,  entstellt  altfr.  lorion, 
nfr.  loriot  Das  altfr.  orionz  OVian.  3293  und  das  pic.  uriot  entbehren 
noch  des  artikels. 

Loa  er  fr.  loben;  von  laudare. 

Louer  fr.  miethen,  von  locare;  loyer  eins,  lohn,  von  locarium 
gleichbed.  bei  Varro,  pr.  loguier. 

Loupe  kreißformige  geschwulst  unter  der  haut,  dsgl.  glaslinse;  von 
lapa  wolfin,  nach  diesem  gierigen  thiere  vielleicht  von  ihrem  Umsichgreifen 
genannt,  sp.  lupia  und  lobanillo,  chw.  luppa,  vgl.  dtsch.  wolfegeBchwulst, 
bask.  oko  wolf  und  geschwulst.  Altfr.  lope  bedeutet  auch  grimasse  Ren. 
IIj  43,  eigentl.  wohl  dicke  lippe. 

Loup-garou  fr.  mensch,  der  wolfsgestaU  annehmen  kann.  cQuod 
hominum  genus,  sagt  Gervasius  TiUib.,  gerulphos  Galli  nominant,  Angli 
vero  verewolf'  wörtlich  mannwolf,  kvxav&Qco7tog,  pg.  lobis-homem.  Das 
latinisierte  aus  dem  angels.  entstandene  gerulphus  aber  lautete  altfr.  ga- 
roul,  garou,  warou  (so  -Raoul,  Raou  aus  Radulphus),  bei  Marie  de  Fr. 
J,  178  etwas  abweichend  garwall.  Das  neufr.  loup-garou  ist  also  ein 
pleonasmus,  den  aber  auch  der  Bretone  begeht  in  dem  gleichbed.  bleiz-garö, 
worin  bleiz  dem  fr.  loup  entspricht.  S.  Grimms  Myth.  p.  1048,  vgl. 
einen  ähnlichen  fall  im  fr.  cor-moran  (s.  oben)  und  it.  Mon-gibello,  dessen 
zweiter  (arab.)  theü  schon  berg  bedeutet.  Es  mag  zufällig  sein,  daß  sich 
das  bret.  wort  auch  in  bleiz  wolf  und  garö  grimmig  zerlegen  läßt,  womit 
aber  der  begriff  nicht  ausgedrückt  wäre.  Andre  provinzen  bieten  andre 
ausdrücke,  Provence  leberoun,  leberou  (BSronie  p.  67.  126,  attfr.  loup- 
beroux),  Berry  marloup,  louara,  auch  birette.  Normandie  lubin,  Roque- 
fort bemerkt  auch  ein  altfr.  millegroux,  dsgl.  leu-wast£  u.  a.;  ital.  heißt 
er  lupo  mannaro.  Von  garou  ist  das  norm,  varouage  nächtliches  umher- 
schweifen.   Pic.  garou  hat  die  bed.  hexenmeister  angenommen. 

Loure  altfr.  sackpfeife,  nfr.  ein  tanz;  vom  altn.  Ifidr,  dän.  luur 
hirtenflöte,  vgL  Ihre  II,  101. 

Lucarne  fr.  kleines  dachfenster;  von  lucerna,  worin  sich  e  frühe 
in  a  verwandelt  haben  muß,  wie  auch  goth.  lukarn  (n.),  ir.  luacharn, 
kymr.  Uygorn  (m.)  bezeugen.  Ein  occit.  luzerna  kennt  Uonnorat.  Vgl. 
ßief.  Goth.  wb.  II,  163. 


630  IL  c.   LUETTE-LUZERNE. 

L nette  fr.  Zäpfchen  im  hals;  dimin.  des  gleichbed.  lat.  uva  mit 
vorgesetztem  artikel;  it.  ügola  für  uvola  drückt  dasselbe  aus,  vgl.  comask. 
uga  für  uva.  Eine  odtprov.  form  ist  leula  Flam.,  eine  neuprov.  nivouleto, 
vielleicht  für  lavouletto. 

Lueur  fr.9  pr.  lugor,  cdtit.  lucore  schein,  Schimmer;  von  lucere, 
aber,  was  den  guttural  des  Stammes  betrifft,  unter  einwirkung  von  lucanus, 
luculentus,  wenn  auch  nicht  vom  dUlat.  lucus  =  lux ;  rein  auf  lucere 
gebaut,  wäre  pr.  luzor,  iL  luciore,  wie  cociore  von  cuocere,  entstanden. 
Der  gleiche  stammauslaut  auch  im  pr.  lug-ana  licht,  lug-art  morgenstem, 
alncar,  citfr.  alucher  anzünden. 

La  nette  fr.  augenglas,  ebenso  it.  lanetta  Öffnung  in  einem  gewölbe, 
wodurch  licht  hereinfällt ;  von  luna. 

Luquer  norm.,  lonqut  wailon.,  fr.  reluqner  seitwärts  beobachten; 
wohl  vom  ahd.  luogen,  nach  härterer  ausspräche  luoken  d.  i.  aus  einem 
verstecke  hervorsehen,  ags.  löcian,  engl,  to  look.  Ob  auch  it.  luchära 
blick,  tniene,  lucherare  scheel  ansehen,  hieher  gehören,  ist  die  frage. 
Lomb.  lnghera  funke  führt  dagegen  auf  ahd.  long  flamme. 

Lutin  fr.  ein  poltergeist  wie  esprit  follet,  lntiner  poltern,  (trans.) 
plagen,  beunruhigen.  Eine  andre  form  ist  altfr.  Initon,  e.  b.  diable  semble 
on  Initons  on  manfez  Guiü.  d'Or.  (s.  Menage).  Neben  lnton  findet  sich 
im  norden,  namentlich  in  Belgien,  auch  nuiton,  schon  bei  Ph.  Mousket 
II,  47 8 }  dem  das  verschwinden  dieses  kobolds  ein  bild  darleiht;  noch  jetzt 
in  einem  großen  (heile  des  Wallonenlandes  nuton  kobold,  der  in  grollen 
wohnt.  Frisch  deutet  lntin  aus  dem  dtschen  laut  (alt  hlüt),  das  aber 
etwas  zu  (allgemeines  aussagt;  Grimm,  Myth.  476,  aus  dem  lat.  luctas 
trauet,  so  daß  es  weihklagender  geist  hieße,  was  aber  dem  wesen  dieses 
koboldes  fremd  scheint,  dessen  gäbe  vornehmlich  die  der  Selbstverwandlung 
war:  qnant  il  veut,  est  cheval,  qnant  il  veut,  est  monton,  oisel  on 
pomme  on  poire  on  arbre  on  poisson  Gaufr.  p.  161.  Von  einem 
klageton  ist  nicht  die  rede.  Mit  anbruch  des  tages  verschwindet  er.  Ch. 
Grandgagnage  erklärt  es  aus  dem  altfläm.  luttil  klein,  weil  man  sich 
unter  Intins  zwerghafte  wesen  denke.  Gegen  die  bekannte  herleitung  des 
altbezeugten  nniton  aus  fr.  nnit  (nachtgeist)  ist  von  Seiten  des  begriffes 
wie  der  form  nichts  erhebliches  einzuwenden.  Denkt  man  sich  aber  luiton 
daraus  entstellt,  so  bleibt  es  räthselhaft,  wie  die  spräche  dem  klaren  wortc 
ausweichen  mochte.  Man  sehe  die  anziehende  monographie  von  J.  Grand- 
gagnage: Sur  les  mystSrieux  habitants  des  großes,  Lüge  1853,  dazu 
Gachet  p.  289*. 

Lntrin  fr.  lesepult,  für  l&rin,  lectrinum,  ahd.  lectar:  vom  mlat. 
lectrnm  lancHogium,  super  quo  legitur  Gl.  Isid.  Die  genues.  mundart 
sagt  ebenso  letterin  für  it.  leggfo. 

Luzerne  (fr.)  eine  art  klee,  schneckenUee,  von  Littre  aus  dem  16. 
jh.  nachgewiesen,  unbekannter  Herkunft.  Mit  andern  suffixen  champ. 
Inzette  'ivraie*  (Scheler),  in  Langres  Inzote  dass.,  in  Berry  lnzet  *gesse 
sans  feuilles',  neupr.  lanzerdo. 


ILc.  MACABRE— MAINBOUR.  631 


M. 

Macabre,  danse  macabre  fr.  todtentanz;  toird  hergeleitet  theüs  aus 
dem  nennen  S.  Macarius,  theüs  aus  dem  arab.  magabir  todtenhof,  theüs 
und  am  besten  aus  Chorea  Machabaeorum.  Näheres  darüber  bei  Grimm, 
Myth.  810,  desgleichen  bei  Wackernagel  in  Haupts  Ztschr.  IX,  314, 
welcher  bemerkt:  €es  scheint,  daß  ursprünglich  auch  die  in  der  legende  so 
genannten  Maccabäer  d.  h.  die  sieben  brüder  sammt  der  matter  und  Eleasar, 
die  unter  Antiochus  Epiphanes  den  märtyrertod  gelitten,  eine  rolle  in 
den  todtentänjsen  gespielt  haben,  falls  man  nicht  bloß  die  aufführung  zu- 
erst auf  deren  fest  verlegte'.  Man  merke  dazu  noch  lothr.  maicaibrö 
phantastisches  wolkengebüde  Diel,  pat.  app. 

Ma^on  frn  masso  pr.  steinhauer,  maurer.  Dieses  wort  trifft  zu- 
sammen mit  unserm  metz,  ahd.  mfe'zzo,  besser  noch,  wegen  des  wurzd- 
vocals,  mit  ahd.  meizzo,  von  meizan  einschneiden,  goth.  maitan  abhauen, 
nhd.  meißeln.  Doch  liegt  gegen  seine  herkunft  aus  dem  deutschen  ein 
bedenken  vor.  Auffallend  ist  es  nämlich,  daß  schon  Isidorus,  der  nur 
wenige  deutsche  Wörter  hat,  es  kennt:  machiones  dicti  a  machinis,  quibus 
insistant  propter  altitudinem  parietum  19,  8.  Machio  schreibt  er  seiner 
etymologie  zu  gefallen  für  maeio,  denn  ch  und  c  waren  damals  phone- 
tisch gleichbedeutend.  Aus  einem  goth.  subst.  maita  ließ  sich  eine  solche 
form  nicht  gewinnen,  wohl  aber  konnte  aus  marcus  Schlägel  ein  person- 
liches marcio  *  einer  der  den  schlaget  fuhrt,  steinarbeiter*,  wie  tabellio  aus 
tabella,  abgeleitet  werden:  r  fiel  aus  wie  im  span.  macho  vom  dimin.  des- 
selben lat.  icortes,  marculus.  S.  über  eine  form  marcio  Ducange  v.  macio. 
Das  sbst.  mazon  =  fr.  ma$on  kam  dem  Spanier  abhanden,  aber  in  dem 
nun  veralteten  mazonar  lebte  es  fort.  Diese  herleitung  wird  vielleicht 
geringe  Zustimmung  finden,  gleichwohl  ist  die  thatsaehe  nicht  wegzüläugnen : 
maQon  ist  buchstäblich  =  machio  wie  z.  b.,  was  ch  betrifft,  bracel-et  = 
brachiale,  machio  aber  kann  aus  keiner  goth.  oder  german.  quelle  ge- 
flossen sein.  Eine  andre  herleitung  wäre  aus  dem  lat.  matea  (s.  mazüa), 
aber  würde  Isidorus  t  durch  ch  ausgedrückt  haben?  Vgl.  noch  Dief. 
Goth.  wb.  II,  23,  Pott  zu  den  longob.  gesetzen  (Ztschr.  für  vergl.  sprachf. 
XIII,  90).      . 

Madr6  fr.  fleckig,  sbst.  norm,  maire  flecken  auf  der  haut,  altfr. 
masre,  madre  eine  Holzart  (hanap  de  mazre  Trist,  glossar),  ndat.  scyphi 
maserini,  altfr.  mazelin  adj.,  madelin,  maderin  sbst.  trinkgefäß ;  vom  ahd. 
masar  knorren  im  holz,  nhd.  maser,  maser-holz. 

Main  altfr.  in  main  menne  geringes  volk,  arme  leide,  auch  basse 
main  Parton.  I,  87,  bone  main  I,  91;  sicher  nicht  von  minus,  sondern 
von  manns  menge,  häufe,  anzahl. 

Mainbour,  mambourg  altfr.  beschützet,  Vormund  (s.  pr.  manbor 
LB.),   mainbonrnir  schützen,   daher  mainbonrnie  schütz,  Vormundschaft. 


632  ILc.   MAINT-MALTOTE. 

Aus  dem  deutschen:  in  frühem  mlatein  mundiburdus,  ahd.  muntboro, 
ags.  mundbora,  ndl.  momboor  tutor,  patronus,  eig.  schutzbringer,  ndat. 
mundiburdis,  mundiburdum,  alte,  mundburd  cet.  tut  da;  zsgs.  aus  mnnt 
urspr.  hand,  sodann  schütz,  beran  tragen,  ähnlich  rom.  main-tenir.  Man 
sieht  leicht,  daß  mnnt  in  das  rom.  niain  (hand)  umgedeutet  oder  übersetzt 
ist,  wie  dies  auch  im  it.  manovaldo  geschah,  burd  aber  ist  in  bournir 
verderbt;  mundiburnium  wird,  schon  aus  einer  Urkunde  des  10.  jh.  ange- 
führt.    Vgl  Diefenbachs  Goth.  wb.  II,  86. 

Maint  fr.,  pr.  maint,  mant  (neupr.  mant-un),  daher  das  it.  manto, 
pronomen  für  lat.  muttus.  Ist  es  von  hymr.  maint  große,  menge,  adjecti- 
visch  angewandt  wie  truppus  im  ü.  troppo?  Oder  ist  es  vom  ahd.  sbst. 
managöti,  ndl.  menigte  menge,  oder  vom  ahd.  adj.  manag,  nhd.  manch, 
in  welchem  falle  man  es  aber  auf  ein  neutrum  managaz,  managat  zurück- 
fuhren  müßte?  Auch  hier  ist  Diefenbachs  Goth.  wb.  nachzulesen,  II,  34. 
Ein  compositum  ta-maint,  dem  sp.  ta-mano  ähnlich,  braucht  Froissart 
(Ordli  p.  131),  daher  it.  tamanto. 

Maire  fr.  name  eines  beamten;  vom  compar.  major  größer,  ange- 
sehener, in  altfr.  form  maire  (woher  auch  unser  meier),  bekannt  zumal  in 
major  domus.  Die  vergleichung  der  comparativform  seigneur  bietet  sich 
leicht  dar. 

Mais,  fem.  maise,  altfr.  adjectiv,  das  gegentheil  von  bon  (il  en  y 
ot  des  maix  et  s'en  y  ot  des  bons  Gaehet  29 5a),  adv.  maisement,  sbst. 
maisetet.  Man  nimmt  in  diesem  dem  norden  des  gebietes  angehörigen 
worte  wohl  eine  contraction  aus  manvais  an,  indem  hieraus  zuerst  das 
allerdings  vorhandene  mavais,  dann  maais,  endlich  mais  geworden  wäre. 
Aber  diese  contraction  scheint  gegen  dengeist  der  aUfranz. Sprachbildung, 
weicher  chaaignon,  gaaigner,  raan$on  und  ähnliche  fälle  des  hiatus  voür 
kommen  zusagten;  und  wenn  sich  auch  ein  contrahiertes  chaignon,  gaigner, 
ran$on  schon  einfand,  so  dauerte  die  volle  form  daneben  doch  noch  fort, 
von  maais  aber  scheint  man  nichts  zu  wissen.  Überdies  zeigen  die  werke, 
welche  mais  gebrauchen,  wie-  der  Chevalier  au  cygne,  das  ungeschwächte 
manvais  daneben.  Vielleicht  hat  mlser  anspräche  auf  das  fragliche  wort: 
maisetet  wäre  alsdann  das  it.  miserti.  Gegen  ai  aus  i  ist  nichts  einzuwen- 
den: aus  misellns  entstand  ja  auch  maisiaus.  Aber  von  mesre,  wie  das 
lat.  misera  noch  im  alten  Alexius  lautet  (geschr.  mezre),  mußte  endlich 
entweder  s  oder  r  austreten,  denn  mere  war  nicht  zu  brauchen,  weil  es 
mit  mere  (mutter)  collidierte,  und  so  konnte  durch  syncope  mais  entstehen. 

Malart  fr.  mannchen  der  wilden  ente,  altfr.  und  noch  norm,  und 
pic.  enterich  überhaupt;  von  male,  lat.  mascnlns  (Menage).  Eine  pic. 
form  ist  maillard. 

Mall- public  altfr.  öffentliche  rechtsverhandlung;  mlat.  malin m 
publicum,  ersteres  vom  goth.  mathl,  ahd.  mahal  gericht. 

Malt  fr.  (m.)  zum  bierbrauen  bereitete  gerste;  deutsches  wort:  engl. 
malt,  ahd.  nhd.  malz. 

Maltöte  fr.(f.)gelderpressung;  vom  altfr.  tonte,  tolte  Steuererhebung 


ILc.   MANAIER— MAQUEREAU.  633 

(partic.  von  tollir,  lat.  tollere)  mit  vorgefügtem  mal,  it.  maltolto,  mala- 
tolta:  guarda  ben  la  mal  tolta  moneta  Inf.  19,  98;  altpg.  mallatosta, 
maltosta  abgäbe  vom  wein.    S.  darüber  Ducange  v.  tolta. 

Manaier  altfr.  schützen,  schonen  Rou  J7,  268,  sbst.  manaie,  pr. 
(selten)  manaya  schütz,  Schonung,  nachsieht,  gnade;  von  mann  adjutare 
mit  der  hand  unterstützen,  darum  auch  eine  form  mit  d  manaide  ChGyg. 
I,  v.  82,  menaide  Gar.  I,  286.  Es  ist  also  eine  Zusammensetzung  wie 
mantenere,  mallevare,  mamparar. 

Manant  fr.  eingeborner,  bauer;  pari.  präs.  vom  alten  manoir,  maindre 
wohnen,  lat.  manere,  z.  b.  in  cujus  pago  manet  wohnt  L.Sal.;  adj.  altfr. 
manant,  pr.  man&i  wohlhabend,  manantie  reichthum;  mlat.  ad  villas  ma- 
nentium  sunt  regressi  Greg.  Tur.  (DG).  Noch  jetzt  bedeutet  dem  Ge- 
nuesen manente  aekersmann.    S.  auch  mag  I. 

Manage  fr.  (m.)  reUschde;  aus  dem  it.  maneggio,  dies  von  man- 
eggiare  handhaben  =  fr.  manier. 

Manevir  in  amanevir  altfr.,  pr.  amanoYr,  amanavir,  amarvir,  ein- 
fach marvir,  bereit  sein  (auch  cat.  amanir  bereit  machen?),  daher  das 
übliche  particip  altfr.  manevis,  amanevis,  pr.  amanol'tz,  amarvitz  bereit, 
hitzig,  occit.  amarbit  munter  Gloss.  zu  Goudelin.  Vgl.  besonders  Paul 
Meyer  zum  Guill.  de  la  Barre  p.  39.  ManoYr  stimmt  so  buchstäblich 
zum  goth.  den  übrigen  deutschen  sprachen  unbekannten  manvjan  bereit 
machen  (v  in  o  aufgelöst),  daß  seine  deutsche  dbkunft  kaum  zweifelhaft 
erscheint.  Ferner  adv.  pr.  mar v es  unbedenklich,  adj.  marvier  bereit, 
vom  gleichbed.  goth.  adj.  manvus.  Dieses  adverb  und  dieses  adjectiv 
müssen  jeden  versuch,  das  wort  aus  mane  oder  manus  oder  ad  mannm 
ire  (vgl.  Gachet  16")  herzuleiten,  niederschlagen. 

Manigance  fr.  kunstgriff;  von  manus,  zunächst  wohl  von  manica, 
weil  sich  die  taschenspieler  bei  ihren  künsten  des  ermels  bedienen; 
Papias  hat  maniculare  'dolum  vel  strophas  excogitare.  Span,  manganilla 
gleichbed. 

Manne  fr.  korb,  jnc.  mande;  vom  ndl.  mand,  mande  (/*.,),  ags.  mond, 
engl,  maund  mit  gl.bed.;  so  auch  mannequin  tragkorb,  vom  mndl.  mande- 
kin.  Ist  dies  letztere  sichtbarlich  deutscher  herkunft,  so  ist  kein  grund, 
für  manne  ein  celtisches  etymon  heran  zu  ziehen. 

Mannequin  fr.,  daher  sp.  maniquf,  gliedermann;  vom  mndl.  man- 
nektn  männchen.    Der  Wallone  hat  maniket  zwerg. 

Mansarde  fr. gebrochenes  dach;  so  genannt  nach  dem  namen  eines 
baumeisters  Fr.  Mansard  f  1666. 

Maquereau  fr.  name  eines  fisches,  daher  ndl.  makreel,  engl. 
mackerell,  kymr.  macrell;  wird  aus  macula  (fleck)  erklärt,  da  der  fisch 
über  den  rücken  gestreift  ist:  es  wäre  also  aus  maclereau  verderbt.  In 
Champagne  maquet. 

Maquereau  fr.  kuppler.  Die  herleitung  von  Hob.  Stephanus  aus 
macula  fleck,  in  beziehung  darauf  daß  die  kuppler  der  römischen  komödie 
sieh  eines  scheckigen  Kleides  bedient  hätten  (leno  pallio  varii  coloris  utitur 


634  II.  c.  MARAUD-MARCHER. 

Donat),  ist  zwar  nicht  ungeschickt,  fußt  aber  auf  der  seiht  gewagten  Vor- 
aussetzung, daß  Frankreich  ein  andenken  an  die  romische  buhne  verblie- 
ben sei,  wovon  die  andern  provineen  keine  spur  besitzen.  Besser  trifft 
die  deutung  aus  dem  ndl.  makelaar,  hd.  mäkler,  oder  ndl.  maker  von 
maken  unierhandeln  (s.  maecken  KU.),  ahd.  mahhari  von  mahhön  machi- 
nari,  huor-mahhari  leno;  vgl.  besonders  Schwenck  v.  mäkeln.  Ein  allfrics. 
mekere  Unterhändler  in  ehesachen  stellt  Bichthofen  lieber  zum  ndl.  makker 
geführte,  verschieden  von  maker. 

Mar  and  fr.  bettler,  taugenichfs,  maraude  liederliches  weibsbild, 
marauder  plündernd  umherstreifen.  'Dieses  wort  verhalt  sich,  unbefangen 
betrachtet,  wie  badaud,  ciaband,  nigaud,  riband,  richaud,  d.  h.  es  ist  mit 
dem  suffix  and  abgeleitet,  welches  hät/ßg  Übeln  sinn  ausdrückt.  Den  ur- 
sprünglichen diphthong  an  verbürgt  noch  das  limous.  maraou,  fem.  ma- 
raonde  (Honnorat)  und  das  wallon.  marauder.  Aus  maraud  fließt  ma- 
rauder und  maraudenr  wie  aus  elabaud  clabander  und  clabaudenr.  Der 
stamm  ist  freilich  nicht  ganz  gewiß ;  am  passendsten  scheint  marrir  be- 
trüben, sich  verirren  u.  dgl.,  daher  sbst.  marance,  marison  kummer: 
maraud  könnte  einen  dürftigen  oder  einen  umherirrenden  bedeuten.  Daß 
diese  ableitungen  mit  aud  meist  aus  deutschen  stammen  hervorgehn,  ist 
bekannt.  Hai  es  also  mit  dem  diphthong  au  seine  richtigkeit,  so  ist 
Mahns  übrigens  geschickte  und  überraschende  deutung  von  marodenr  aus 
lat.  morator  abzulehnen/    Krit.  anhang. 

Marc  fr.  trester,  pic.  merc;  nach  Menage  von  amurca  öhlsatz.  Fast 
möchte  man  auf  das  buchstäblich  besser  zutreffende  bei  Plinius  und  Golu- 
mella  vorfindliche  gallische  emarcum  vermuthen,  das  eine  geringe  ort 
reben  bedeutet  (e  abgestoßen  wie  in  mina  von  hemina).  Der  herleitung 
aus  dem  deutschen  mark  (medulla)  widerspricht  entscheidend  der  begriff 
dieses  Wortes,  welches  gleich  dem  lat.  den  kern,  das  beste  eines  dinges, 
nicht  den  schalenrest  desselben  bedeutet.  Vgl.  überdies  Dief.  Orig.  eur.  333 
und  unten  marcher. 

Marcassin  fr.  frischling,  wildes  schwein  im  ersten  jähr;  unbekann- 
ter herkunft.  Man  darf  etwa  vergleichen  norm,  margas,  margasse  schlam- 
mige pfütze,  se  margasser  sich  darin  besudeln. 

Marc  h  6  fr.  markt,  von  mercatus;  marchand  kauf  mann,  zsgz.  aus 
alifr.  marcheant  (marchedant  Pass.  de  J.  C.)  =  it.  mercatante  {weher 
unser  marketender),  partic.  von  mercatare,  pr.  mercadar,  nüat.  necutian- 
tes  vel  mercadante8  (DG.);  doch  findet  sich  ältfr.  auch  schon  marchand, 
markand  =  it.  mercante  vom  lat.  mercari. 

Marcher  fr.  sich  vorwärts  bewegen  (besonders  von  truppen),  sbst. 
marche  gang,  tritt,  auch  stufe;  speciell  franz.,  daher  entlehnt  it.  mar- 
ciare,  marcia,  sp.  pg.  marchar,  marcha.  Sonderromanische  Wörter  sind 
oft  schwerer  zu  entziffern  als  gesammtr omanische,  da  ihnen  die  in 
der  nationalen  Verschiedenheit  der  formen  enthaltene  aufklärung  abgeht; 
so  auch  hier.  Ist  marcher,  wie  viele  geglaubt  haben,  aus  dem  cdtisclun 
oder  germanischen  march  entstanden,  etwa  wie  chevaucher  aus  cabaüus, 


II.  c.   MAKE— MARNE.  635 

und  hieß  es  früher  sich  zu  pferde  fortbewegen?  Allein  march  war  längst 
vom  französischen  boden  verschwunden,  als  marcher  in  der  bemerkten  be- 
detäung  daselbst  aufkam.  Wäre  ein  dem  it.  mercare  oder  mercatare 
(Handel  treiben)  entsprechendes  altfr.  vb.  marcher,  marchäer  vorhanden, 
statt  dessen  nur  ein  sbst.  marchant,  marchöant  vorhanden  ist,  so  könnte 
man  annehmen,  dieses  habe  in  seiner  bedeutung  eine  andre  richtung  ge- 
nommen, handel  treiben  sei  mit  umherwandern  vertauscht  worden,  und 
auch  diese  auffassung  hat  ungeachtet  der  bemerkten  Schwierigkeit  anhän- 
ger  gefunden.  Besser  vielleicht  würde  man  das  ursprünglich  deutsche 
marqae  darin  anerkennen,  zeichen,  spur,  in  weiterem  sinne  etwa  fußstapfe, 
tritt.  Einige  Unterstützung  fände  diese  auslegung  im  venez.  marchiare 
buchstäblich  =  it.  marchiare  =  fr.  marquer,  begrifflich  =  it.  marciare 
=  fr.  marcher,  so  daß  man  auch  hier  vom  zeichenmachen  auf  das  schritte- 
machen  gekommen  sein  könnte.  —  In  diese  dämmerung  hat  endlich  Aug. 
Schder,  Dict.  etym.  und  Revue  de  Vinstr.  pübl.  en  Belg.,  1863,  licht  ge- 
bracht. Die  älteste  bedeutung  von  marcher  ist  den  fuß  auf  etwas  setzen, 
mit  dem  fuße  pressen,  treten,  wie  noch  jetzt  in  marcher  l'&offe  u.  dgl.; 
hieran  knüpft  sich  die  fortbewegung.  Aus  marcher  treten  scheint  marc 
ausgepreßte  hülsen,  bodensatz  hervorgegangen  zu  sein,  jedesfalls  haben 
beide  ihre  quelle  im  lat.  marcus,  marculus  hammer  (marcare  hämmern?). 
In  einem  gleichen  Verwandtschaftsverhältnisse  befinden  sich  die  deutschen 
Wörter  traben  =  marcher  und  träber  =  marc,  oder  treten  und  trester 
(was  unsere  germanisten  nicht  übersehen  mögen). 

Mare  'ineubus*  Vocab.  duac,  zsgs.  neufr.  cauchemar  (m.);  vom 
gleichbed.  cdtn.  mara,  ahd.  marä,  mhd.  mare  (alle  fem.),  nhd.  mahr  (m.), 
engl,  night-mare  (Grimms  Myth.  p.  433)  und  dem  franz.  nicht  mehr  vor- 
handenen vb.  caucher,  pic.  cauquer,  bürg,  cöquai  =  it.  calcare  pressen. 
Die  occit.  mundart  sagt  chaouche-vielio  drückende  alte  (hexe,  die  durch 
den  Schornstein  fährt,  Ghampollion  Sur  les  patois  125),  dsgl.  pesant, 
peant,  peen,  auch  greou  oder  ploumb,  überhaupt  etwas  drückendes,  so 
auch  sp.  pesadilla,  altsp.  mampesada.  Im  henneg.  findet  sich  neben  cau- 
quemar  auch  die  entstellung  oder  umdeutung  coquenoir,  im  wallon.  das 
einfache  marke,  s.  darüber  Grandgagnage. 

Marguillier  fr.  kirchenvorsteher,  altfr.  marreglier;  von  matricu- 
larius,  weil  er  das  armenregister  führt. 

Marionnette  fr.  puppe;  eigentl.  Mariechen  (kleines  madchen),  fr. 
Marion.  Dahin  auch  marotte  (für  mariotte)  narrenseepter  mit  einem 
puppenkopf,  Steckenpferd  (fig.). 

Marmotter  fr.  murmeln,  auch  comask.  marmota;  naturausdruck? 
Wackemagd  knüpft  es  lieber  an  das  sbst.  marmotte  und  vergleicht  unser 
an  murmeln  gelehntes  murmelthier,  was  sehr  zu  beachten  ist. 

Marne  fr.,  altfr.  marle,  merle,  noch  pic.  marle  eine  fette  dünger- 
erde, mergel,  marner,  marler  mit  solcher  erde  düngen;  von  marga,  nach 
Plinius  U.  N.  17,  7  gallisch:  quod  genus  (terrae)  vocant  margam  (Galli 
et  Britanni).     Eine  abl.  aus  marga   (neben   welchem   bei  Plinius  noch 


636  II.  c.   MARON— MATRAS. 

eine  Variante  marla  bemerkt  werden  muß)  ist  mlat.  margila,  ahd.  mergil, 
daher  auch  durch  zusammenziehung  die  franz.  formen,  vgl.  wegen  marne : 
posterle  poterne.  Die  ursprüngliche  form  erhielt  sich  im  it.  sp.  marga 
so  wie  im  bret.  marg  (m.),  während  die  andern  celt.  sprachen  nur  das 
abgeleitete  wort  kennen,  kymr.  mar],  gael.  m&rla.  S.  Grandgagnage  II,  58, 
Diefenbachs  Orig.  europ.  380. 

Maron,  marron  fr.  ein  führ  er  durch  die  Alpen  (Furetiere,  Trivoux), 
niarones  appellantur  viarum  praemonstratores  (in  Alpibue)  Chron.  S. 
Trudonis  DG.  Woher  dies  wort,  eigentl.  ein  völkername,  auch  stammen 
möge  (R.  de  Bdloguet  n.  297  halt  es  für  cdtisch,  s.  dagegen  Dief.  Orig. 
europ.  381),  das  altfr.  maronier  seemann,  matrose  ist  nicht  daher,  denn 
das  suffix  on  mit  persönlicher  bedeutung  vorträgt  im  franz.  kein  zweites 
gleichbed.  suffix:  aus  foulon  e.  b.  wird  nicht  noch  einmal  foulonnier,  oder 
es  ist,  wenn  es  vorkommt,  ein  grober  solöcismus.  Maronier  (noch  bei 
Nicot)  ist  nichts  als  eine  andre  form  von  marinier  (vgl.  vilenie,  vilonie, 
cardinal  cardonal). 

Marraine  fr.  paihin;  mlat.  matrina,  pr.  mairina,  it.  sp.  madrina, 
das  frane.  wort  also  wohl  entstellt  aus  marrine  durch  anbildung  an  das 
masc.  parrain,  $.  daselbst. 

Marsouin  fr.  ein  fisch;  von  maris  ans  Bouille  p.  14,  ahd. 
meri- suin  delphin,  nhd.  meerschwein.  Champ.  marsouin  schmutziger 
mensch. 

Massacre/r.,  pic.  machacre  niedermetzelung,  blutbad;  vb.  massacrer; 
mlat  mazacrium  aus  dem  13.  jh.  Des  Wortes  stamm  erklärt  sich  leicht 
aus  masse  heule  oder  dem  ahd.  meizan  schneiden,  hauen,  aber  das  suffix 
acre  ist  ungewöhnlich;  das  buchstäblich  zutreffende  it.  mazzdchera  bedeutet 
etwas  anders.  Nicht  unwahrscheinlich  entstand  es  aus  dem  ndd.  mateken 
zerhauen  Brem.  wb.,  zumal  wenn  man  eine  form  matseken,  matsekern 
annehmen  darf;  auch  unser  hd.  metzger  liegt  nahe,  vgl.  piem.  massacra 
verstummter,  pfuschet  fZalli,  fehlt  Ponza).    [Dazu  Mahn  p.  69.] 

Matelot  fr.  matrose.  Gegen  Nicot' s  deutung  aus  m&t,  so  daß  ur- 
sprünglich ein  am  mastbaume  arbeitender  so  genannt  worden  wäre,  ist 
das  kurze  a  zwar  kein  entscheidender,  aber  doch  ein  nicht  ungewichtiger 
zeuge;  in  einer  stelle  des  13.  jh.  (beiLittrS)  steht  mathelot,  nicht  mastelot 
Man  wird  es  also  auf  matta  zurückführen  müssen:  einer  der  auf  der 
matte  schläft,  mattarius,  und  vielleicht  ist  matelot  (für  materot)  gradesu 
aus  mattarius  geformt,  wozu  matelas  für  materas  eine  schickliche  ver- 
gleichung  bietet.  Weniger  empfiehlt  sich  die  deutung  aus  ndl.  maat  Ka- 
merad, da  das  einfache  wort  keinen  eingang  in  das  franz.  fand.  Die 
bret.  form  ist  martölod. 

Matois  schlau,  verschmitzt.  Dasselbe  sagt  enfant  de  la  mate:  die 
Mate  aber  war  ein  platz  in  Paris,  wo  die  diebe  zusammenkamen  (de 
Brieux,  Orig.  de  coutumes  p.  16,  Du  Meril,  Dict.  norm.  152). 

Matras  altfr.,  pr.  matratz,  matrat  Wurfspeer  mit  dickem  knöpf  (?), 
altfr.  matrasser,  pr.  matrasseiar  zerquetschen,  zerstoßen;  vom  gallisch-Uä. 


IL  c.    MAUCA-MEGIR.  637 

matara  Caesar  (mataris  Livius,  materis  Auct.  ad  Her.)  mit  dem  suffix  as 
abgeleitet,  vgl.  Zeuß  I,  97,  Dief.  Orig.  europ.  p.  383. 

Mauca  pr.,  moca  cal.  bauch,  'venter  grossus*  GFrov.  64;  wohl  aus 
dem  dtschen,  indem  es  mit  dem  gleichbed.  ndl.  moocke  KU.,  welches  hochd. 
manche  lauten  würde,  zusammentrifft. 

Mauf£  altfr.  name  des  teuf  eis;  von  male  factus,  it.  malfatto  unge- 
stalt,  vgl.  neap.  bruttofatto  der  häßliche,  der  teufet.  Die  Wallonen  nennen 
ihn  den  geschwänzten,  cow& 

Mau  vis  fr.  (m.,  altfr.  f.)  weindrossd,  turdus  iUacus.  Früher  war 
die  bedeutung  weniger  bestimmt.  Nicot  z.  b.  belegt  drei  arten  des  turdus 
mit  diesem  namen;  Furetiere  u.  a.  erkennen  ihn  auch  der  möve  eu.  Die 
äUen  dichter  gesellen  den  unmusicalischen  vogel,  der  nur  zip  zip  ruft, 
häufig  zur  nachtigäll,  z.  b.  car  les  rossignols  et  mauvis  sceurent  si  haulte- 
ment  chanter  Rom.  de  la  rose;  dies  ist  aber  noch  kein  grund,  die  lerche 
darunter  zu  verstehn  (MicheVs  gloss.  zu  Ben.),  da  es  dem  drosselgeschlechie 
nicht  an  sängern  fehlt  (turdus  musicus,  turdus  viseivorus).  Aus  Frank- 
reich scheint  das  im  port.  und  catal.  unvorhandene  sp.  malviz  (m.)  ein- 
geführt; die  neap.  mundart  besitzt  marvizzo.  Man  deutet  das  wort  aus 
malus,  da  der  vogel  dem  weinstocke  schädlich  ist  und  darum  auch  grive 
de  vendange,  dtsch.  weingartsvogel  heißt;  grammatisch  besser  wäre  malum 
yitis  unheil  des  rebstocks.  Der  breton.  name  ist  milfid,  milvid,  in  Vannes 
milc'honid;  com.  melhuez  heißt  lerche  (mel  huez  süßer  hauch,  nach 
Pryce) ;  und  auch  hieraus  wird  das  franz.  wort  und  sicher  mit  besserem 
rechte  geleitet,  s.  Dief.  Orig.  europ.  221.  Ein  dimin.  von  mauvis  (mauvit-s?) 
ist  mauviette  (für  mauvitette?)  kleine  drosselart  (Furetiere  u.  a.),  in 
Paris  die  gemeine  lerche  (Nemnich);  dazu  henneg.  mauviar(d)  amsel, 
turdus  mertda. 

Mazette  fr.  elende  mähre,  auch  ungeschickter  Spieler;  nach  Frisch 
I,  652c  vom  dtschen  matz  ungeschickt,  klotz,  ein  matzicht  pferd,  ein 
matziger  kerl. 

Mächant  fr.  elend,  boshaft,  altfr.  mes-cheant,  partic.  von  mes- 
cheoir  übel  fallen,  übel  ausschlagen,  buchstäblich  minus  cadere,  sbst.  altfr. 
mescheance  unheil.  Ebenso  ist  das  aitsp.  malcaido  unglücklich,  arm 
FJ.  zu  beurtheilen, 

M£gir  fr.  weißgerben,  mägie  weißgerberhandwerk,  m£gis,  bei  Roque- 
fort mesgins  (?),  mesgis  weiß  gegerbtes  feil,  mägissier  weißgerber.  Die 
herkunß  des  wortes  ist  ungewiß.  Menage  gewinnt  mägissier  aus  mergere, 
denn  die  feile  werden  eingeweicht,  und  diese  deutung  ist  nicht  ungeschickt. 
Frisch  erinnert  an  engl,  meek  sanft,  aber  daraus  läßt  sich  mägie  nicht 
bilden;  auch  nicht  aus  ndl.  meuk  er  weichung,  das  franz.  wort  müßte  denn 
verderbt  sein  aus  mäguie,  wofür  man  pic.  möguichier  =  fr.  mögissier 
anführen  könnte.  Littre  vermuthet  den  Ursprung  des  Wortes  in  einer  regel- 
losen Verwandlung  des  deutschen  weißgerben.  Die  schwestersprachen 
haben  keine  spur  desselben:  Provenzalen  und  Spanier  z.  b.  nennen  den 
weißgerber,  wie  wir,  blanquier,  blanquero. 


638  II.  c.   MEGUE-METS. 

M£gue  fr.  (f.)  molken;  nach  einigen  für  maigre  (pic.  m&gre  kommt 
vor)  das  magere  der  milch,  dem  aber  das  genus  zu  widersprechen  scheint ; 
nach  Pictet  p.  173  ein  celt.  wort,  gael.  meog,  kymr.  maidh.  Man  erwäge 
aber  noch  ndat.  mesga  und  neupr.  mergue  (masc.  nach  Honnorat)  molken, 
und  das  wal.  mesge  saß.  Auch  ein  dtsches  meghe  ist  bekannt,  s.  Kilian, 
watton.  makaie  heißt  weißer  käse.  Die  picard.  mundart  kennt  für  megue 
auch  mingle. 

Mäleze  fr.  (m.)  lerchenbaum;  muthmaßlich  zusammengesetzt  aus 
mel  und  larix  (lerce  mit  ausfaU  des  r  wie  in  chene  für  cher<jne),  also 
honiglerche,  das  harz  oder  manna  des  baumes  honig  genannt.  Neuprov. 
schlechtweg  mele. 

Manage  fr.  haushält,  Sparsamkeit,  daher  m&iager  sparen;  für 
niesnage,  ndat.  mansionaticam. 

Mönil  fr.  bauernhaus;  für  maisnil,  ndat.  manöionile. 

Menottes  fr.  handschdlen ;  von  manus,  main,  it.  manette. 

Merir  altfr.  prov.  lohnen,  vergelten  (mit  dem  dat.  der  person  und 
acc.  der  sache),  eine  bedeutung,  die  das  wort  früh  angenommen:  säum 
seryitium  .  .  debite  et  rationabiliter  vult  Uli  merere  Gap.  Gar.  Calv. 
(DG).  In  der  bekannten  altfr.  formet  diex  le  vos  mire  "gott  lohn  es 
eucJi  muß  sich  mire  durch  häufigen  gebrauch  aus  miere  vereinfacht  haben: 
in  dem  entsprechenden  pr.  dieus  vos  o  meira  geschah  dem  worte 
keine  gewatt. 

Merlan  fr.  ein  Seefisch,  gadus  merlangus,  wiüing,  altfr.  merlenc, 
mellenc,  henneg.  merlen,  merlin,  bret.  marlouan.  Es  hat  deutschen  klang, 
aber  ein  wort  wie  merling  fehlt  dieser  spräche:  Schmerling,  mhd.  smer- 
ling,  ist  ein  fisch  des  süßen  wassers,  cobitis  barbattda. 

Merlin  fr.  eine  ort  dünner  stricke  auf  den  schiffen;  =  ndl. 
marlijn,  meerling,  engl,  marline  dass.,  vb.  ndl.  marlen  mit  dünnen  seilen 
annähen. 

Merrain  fr.,  pr.  mairam  stabholz  u.  dgl.,  mediran  'cimpar  (Zim- 
merholz) Gl.  cass.;  von  materiamen  L.  Sal.,  lat.  materia.  S.  Pott  über 
die  L.  Sal.  163. 

M 6 sänge  fr.  (f.)  ein  vogel,  meise.  Das  wort  ist  aus  dem  deutschen 
mit  einem  suffix,  das  gewöhnlich  abstracten,  wie  louauge,  laidenge,  zu- 
kommt; es  ist  entstellt  aus  dem  ndd.  dimin.  meeseke,  wie  schon  Menage 
vermuthete,  pic.  masaingue.  Ein  vocabtdarius  vom  j.  1490  übersetzt  mese 
mit  meseüca  Hoffm.  Hör.  belg.  VII,  12. 

Mesel  altfr.  aussätzig,  altsp.  mesyllo  Canc.  de  B.;  von  misellas, 
dem  das  rrnttelalter  dieselbe  bedeutung  beilegte;  daher  auch  unser  miselsacht 

Mest,  prov.  präposition  für  lat.  inier;  von  mixtum,  vgl.  dän. 
i-blandt  von  bland  mischung,  oder  engl,  a-mong. 

Mäteil  fr.  mangkorn;  =  mixticulum,  dimin.  von  mixtum  ge- 
mischtes getreide. 

Mets  fr.  (altfr.  mes  geschrieben)  gericht,  speise;  von  missum  das 
aufgetragene,  wie  das  glekhbed.  ital.  sbst.  messo  beweist.    Die  ziemlich 


ILo.   MEULE-MIEN.  639 

alte  Schreibung  meto  ist  eine  etymologische,  um  das  wort  an  das  vb. 
mettre  zu  knüpfen,  nachdem  das  alte  noch  im  sbst.  messe  fortdauernde 
partic.  mes  (jetzt  mis)  dem  Sprachgefühle  fremd  geworden.  Wächters 
deutung  aus  dem  goth.  mats,  atid.  maz  speise,  ist  demnach  bei  seife 
bu  setzen. 

Meule  fr.,  mdarÜ.  mule,  heu-,  "kern-  oder  misthaufe,  ab  gel.  mulon, 
mkU.  mullo  Order.  Vit.,  vb.  henneg.  muler  heuhaufen  bilden.  Lot.  möles 
masse,  klumpen  befriedigt  den  buchstoben,  schwerlich  den  begriff;  möla 
gesdirotenes,  von  molere,  verträgt  sich,  abgesehen  von  dem  begriffe,  nicht 
mit  der  form  male.  Man  erinnert  an  metula  von  mets.  pyramidenförmige 
figur,  und  wiewohl  daraus  nach  allgemeiner  regel  meille  hätte  werden 
sollen,  so  ist  doch,  wenn  man  altfr.  seule  aus  saeculum,  reule,  rale  aus 
regula  anschlägt,  wohl  auch  meule  mit  syncopiertem  t  zuzulassen.  Aber 
das  pr.  molö  scheint  aus  dem  franz.  zu  stammen.  Der  Picarde  besitzt 
auch  das  primitiv  moie,  dessen  herleitung  aus  meta  keine  Schwierigkeit  macht. 

Meurtre  fr.,  alt  auch  meurdre,  mordre  mordthat,  vb.  meurtrir  zer- 
quetschen, altfr.  mordrir  u.  dgl.  ermorden;  vom  goth.  maürthr,  ahd.  nhd. 
mord,  vb.  goth.  maürthrjan,  ahd.  murdjan. %  Das  französische  stimmt  also 
in  der  anwendung  des  zweiten  (derivativen)  r  zum  gothischen,  nicht  zu 
dem  weit  späteren  hochdeutschen  dialect.  Murtre  si  est  d'home  et  de  fame, 
quand  en  (on)  les  tue  en  leur  lict  ou  en  aueune  maniöre  pour  que  ce 
ne  soit  en  mesl6e  Estabi.  de  Louis  IX.,  chap.  25.  Der  alten  prov.  spraclie 
fehlt  das  wort,  die  comask.  aber  besitzt  mördar  böse,  gottlos,  und  so  be- 
deutet auch  ahd.  murdreo  dieb,  mord  frevelthat  (letzteres  in  Muspilli), 
churw.  morder  mörder,  raubet. 

Meute  altfr.  aufstand,  erhebung  besonders  zum  kriege,  weshalb  z.  b. 
die  kreuzzüge  meutes  genannt  wurden,  nfr.  meute  koppel  Jagdhunde, 
eigentl.  jagdzug,  daher  unser  meute.  Daß  es  in  movere  seine  quelle  habe, 
beweist  außer  der  bedeutung  (aufregung,  motus)  auch  das  dem  vb.  ämou- 
voir  parallel  laufende  Erneute  aufruhr  (prop.  auch  remota),  und  es  thut 
nicht  noth,  nach  dem  ags.  möt  begegnung  zu  greifen.  Es  scheint  sich 
aber  im  roman.  ein  partic.  movitus  festgesetzt  zu  haben,  wofür  nicht  allein 
das  nüat.  movita  in  den  Sirm.  formein,  sondern  auch  das  altsp.  muebda 
Bc,  Apol.  267  und  das  noch  fortlebende  sard.  dem  ital.  mossa  gleich" 
bedeutende  mövida  zeugt.  Von  meute  ist  fr.  mutin  aufwieglet  (für 
motin,  moutin?),  sp.  motin  aufruhr,  vb.  fr.  mutiner,  sp.  amotinar,  it. 
ammutinare  aufwiegeln. 

Micmac  fr.  Spitzbüberei;  vom  deutschen  mischmasch,  engl,  mistr- 
mash  u.  s.  w. 

Mie  fr.  in  ma  mie,  wie  die  kinder  noch  in  neuerer  zeit  ihre  hof- 
meisterinnen  nannten;  für  m'amie  aus  der  alten  spräche,  welche  sich  das 
possessiv  ma  noch  zu  apostrophieren  erlaubte.  Daß  aber  auch  sie  in  mie 
schon  eine  verkürzte  form  fühlte,  beweisen  Verbindungen  wie  une  mie 
(eine  geliebte)  für  un'  amie  FG.  IV,  7. 

Mien,  tien,  sien  neufr.  absolutes  possessiv.    Entstehung  aus  dem 


640  ILc.   MIES -MIKE. 

acc.  meum  cet.  ist  nicht  anzunehmen,  da,  eis  jenes  sich  bildete,  kein  altfr. 
meon  für  mon  stattfand.  Die  formen  erwuchsen  vielmehr  aus  dem  üb- 
lichen possessiv  mi,  ti,  si  mit  dem  suffix  ien  =  dem  lat.  suffix  anus  wie 
ancien  aus  anz,  haben  also  mit  dem  gleichfalls  spätem  dtschen  meinig 
von  mein  etwas  analoges. 

Mies,  miez  altfr.,  ndat.  mezium  ein  getränk,  meth;  ahd.  ags.  medo, 
engl,  mead,  gr.  pid-v  cet,  s.  Dief.  Goth.  wb.  II>  72.  Dieses  mUxt.  mezium 
erinnert  in  seiner  bildung  an  biezium,  s.  oben  bied.  Der  prov.  Eluci- 
dari  hat  medo  gewiß  aus  dem  ndat.  medo  medonis. 

Mievre  fr.muthwillig.  Menage,  auf  die  norm,  form  nievre  gestützt, 
leitet  es  von  nebulus  für  nebulo.  Anlautendes  n  aus  m  ist  in  der  Ord- 
nung, nicht  das  umgekehrte.  Vgl.  in  der  mundart  von  Berry  maffion 
munteres  hind. 

Mignon  fr.  niedlich,  als  sbst.  liebling,  daher  it.  mignone;  fr.  mig- 
nard,  vb.  mignoter  liebkosen  und  andre  ableitungen.  Dieser  stamm  mit 
erweichtem  n  erklärt  sich  richtiger  aus  dem  ahd.  minja  liebe,  als  aus  dem 
gad.  min,  s.  mina  L  Im  mhd.  und  mndL  war  minne  eine  liebkosende 
anrede;  so  singt  eine  mutter  ihrem  kinde  zu:  minne,  minne,  träte  minne, 
swik,  ich  will  dich  wagen  ("wiegen)  Hoffm.  Hör.  bdg.  III,  116;  diese 
bedeutung  paßt  zur  französischen. 

Milien  fr.  mitte;  von  medius  locus,  auch  it.  miluogo,  wal.  mizloc. 

Milsoudor,  missoudor  altfr.,  pr.  milsoldor,  gewöhnlich  caval  mil- 
soldor  preiswürdiges  schlachtroß;  von  caballus  mille  solidorum,  wie  schon 
ein  troubaäour  erklärt:  ieu  ai  vist  caval  milsoldor  a  pretz  de  trenta 
sols  tornar  Chx.  V,  362.  Es  ist  derselbe  fall,  wenn  man  ein  kleines 
pferd  bidet  de  quatre-vingt  sous  nennt,  s.  Le  Duchat  v.  bidet.  Eine 
ganz  entsprechende  zss.  eines  Zahlwortes  mit  dem  genitiv  eines  Substantivs 
ist  altfr.  quartenor  =  quatuor  annorum.  Aus  mille  sous  formte  der 
Normanne  ein  adj.  milsoudier  steinreich. 

Mi  nee  fr.  dünn,  gering,  vb.  norm.  berr.  und  noch  bei  Nicot  mincer 
zerstückeln.  Wohl  konnte  das  verbum,  indem  der  accent  des  inßnitivs 
vorwaltete,  aus  minutiare  (woher  menuiser)  entstehen,  aber  das  adjeetiv 
weder  hieraus  noch  aus  minütus,  minütius.  Da  das  wort  ein  ausschließend 
französisches  ist,  so  darf  man  auf  ein  german.  etymon  vermuthen,  altn. 
minst,  ahd.  minnist  'minimus,  tenuissimus\  $  aus  st  wie  im  altfr.  broce 
aus  börste,  bürste. 

Mine  fr.,  mina  pr.  ein  getreidemaß,  gewöhnlich  von  medimnus  her- 
geleitet, paßt  buchstäblich  nur  zu  hemlna  maß  für  flüssigkeiten,  ndat.  aber 
auch  f ruckt-  und  langenmaß  wiepr.  emina,  altfr.  emine,  sp.  hemina. 

Mire,  zuweilen  miere  RMont.  432,  37,  ein  sehr  üblicher  altfr.  aus- 
druck  für  arzt,  wundarzt,  noch  jetzt  in  der  norm,  mundart:  qui  court 
aprös  le  miöre,  court  apres  la  biere  (Du  Meril),  vb.  mirer  heäen,  s. 
Carpentier  v.  miro.  Herkunft  desselben  von  medicus  ist  unmöglich,  dar- 
aus entsprang  mege.  Man  hol  es  wohl  aus  emir  herr  d.  h.  aus  einem 
durch  die  Araber  zu  Salern  aufgekommenen   ehrentüd  für  ärzte  erklärt 


ILc.   MIROffi— MOIRE.  641 

(s.  Gar.  II,  89,  vgl.  Antioch.  II,  378):  sollte  es  aber  alsdann  der  Hol. 
spräche  entgangen  sein?  Aach  an  myropola  dürfte  man  denken,  hätte 
es  das  mittelaUer  nur  in  diesem  sinne  angewandt  Vom  vb.  mirer  endlich 
war  mireor  zu  erwarten,  nicht  mire.  Sidonius  braucht  medicator,  welches 
in  miere,  kaum  in  mire,  zusammenschwinden  konnte:  letzterem  liegt  das 
urUat.  meditor  zsgz.  meire  mire  gewiß  näher,  entbehrt  aber  jedes  beleges; 
auch  würde  in  beiden  fällen  der  accus,  meor  lauten  müssen.  Aber  so 
tvie  man  grammaticus  in  grammaticarins  erweiterte,  warum  sollte  man 
medicns  nickt  in  medicarius  erweitert  haben?  Wie  aus  jenem  warte  mit 
syncopiertem  ca  grammaire  ward,  so  aus  diesem  mit  derselben  syncope 
meire  mire.  Dadurch  erklärt  sich  auch  die  alte  form  mirie  LRs.  304, 
indem  ie  hier  die  endung  ins  vertritt,  wie  sie  auch  ia  vertreten  muß 
(miserie,  glorie,  pecunie).  Die  abl.  medic-arius  ist  in  der  that  weniger 
auffallend  als  medic-ianas,  woher  altfr.  medecien,  nfr.  m6decin.  Ital. 
medicaria  für  medicina  kennt  Veneroni. 

Miroir  fr.  Spiegel,  altfr.  mireor,  pr.  mirador;  gleichsam  miratorium, 
vgl.  sp.  mirador,  wartthurm,  iL  miradore  Spiegel.  Eine  andre  form  ist 
pr.  miralh,  iL  miraglio,  bask.  miraila,  zufällig  mit  lat.  miraculum  zu- 
sammentreffend. 

Mitraille  fr.,  daher  sp.  metralla,  Meine  metallstücke,  besonders 
kupfer  oder  messing;  wohl  vom  altfr.  (flämischen)  mite  kleine  kupfer- 
münze,  tnndl.  mijte,  nndl.  mijt  in  ders.  bed.,  ursprüngl.  etwas  kleines, 
winziges,  auch  eine  mübe,  s.  mita  I.  Mitraille  stände  also  für  mitaille 
vermöge  einer  nach  t  nicht  seltenen  einschiebung  von  r.  Ein  ähnliches 
wort  ist  das  norm,  mindraille  JUeine  münze,  vielleicht  identisch  mit 
mitraille,  aber  dem  comparativ  mindre  (d.  i.  moindre)  assimiliert. 

Mo  eile  fr.  mark;  für  meolle,  pr.  meola,  it.  midolla,  lat.  medulla. 

Mo  ine  au  fr.  Sperling.  So  artig  die  herleitung  aus  fr.  moine  ist, 
wornach  es  mönchlein  heißen  würde  in  beziehung  auf  die  bibelstelle  passer 
fsolitariu8>  in  tecto,  otQov&iov  fiovatyv  Psalm  101,  und  wiewohl  auch  das 
it.  monaco,  das  sp.  fraile,  das  fr.  nonnette  so  wie  unser  dompfaffe  cds 
namen  von  vögeln  gebraucht  werden,  so  zeugen  doch  überwiegende  etymo- 
logische gründe  für  einen  ganz  andern  Ursprung.  Die  norm,  form  nämlich 
ist  moisson  Brt.  II,  244  (noch  jetzt  üblich),  in  Lille  mousson  Gloss. 
p.  13  (31),  wallon.  mohon  (so  lothr.  mohha),  cot.  moxö,  welche  sich  als 
(Ableitungen  aus  lat  musca  zu  erkennen  geben  (mnscio) :  ein  kleiner  vogd 
ward  mücke  genannt  wie  in  unserm  grasmücke,  das  henneg.  mouchon  und 
das  npr.  mousquet  bedeuten  überhaupt  einen  kleinen  vogd,  norm,  mois- 
seron  finke;  pr.  moizeta,  cot.  moxeta  ist  ein  raubvogel,  der  kleine  vögel 
fängt  (menutz  anzels  prendent  Elucid.),  nicht  =  mouette,  wie  Raynouard 
übersetzt.  Aus  moisson  aber  entstand  moisonel  moisnel,  nfr.  moineau; 
vgl.  mndl.  musche  Hoffm.  Hör.  belg.  VI,  256a,  VII,  6,  ndl.  mosch.  Es 
gibt  ein  ahd.  mez  sperling  Grimm  III,  362,  dem  sich  aber  die  roman. 
Wörter  nicht  anschließen.    Man  sehe  Grandgagnage  s.  v.  mohon. 

Moire  fr.  (f.),  früher  mohfcre,  mouaire  ein  fest  geschlagener  seidener 

41 


642  ILc.   MOISIR-MONJOIE. 

oder  halbseidener  stoff,  mohr;  nach  M&nage  zunächst  aus  dem  engt  mohair 
haartuch,  dies  nach  Scaliger  aus  moYacar  (angelehnt  an  hair?)  ein  in  der 
Levante  aus  Ziegenhaar  verfertigter  Stoff;  eine  deutung,  welcher  auch  die 
englischen  etymologen  beistimmen.     Vgl.  Weigand  IL  184. 

Moisir  fr.,  mozir  pr.  schimmeln;  von  mucere  oder  maeescere. 

Mo i s  on  dltfr.  maß;  von  mensio. 

Moisson  fr.,  meisso  pr.  ernte;  von  -messio  abmähung. 

Moite  fr.  feucht,  dltfr.  moiste,  daher  engl,  moist.  Nicht  von  ma- 
didus;  besser  berechtigt  wäre  humeetus  mit  eingeschobenem  s,  aber  die 
englische  form,  worin  dies  s  hörbar  ist,  scheint  der  einschiebung  zu  wider- 
sprechen.  Die  begriffe  zart,  weich,  saftig,  feucht  gränzen  aneinander, 
z.  b.  im  lat.  udus,  gr.  vyQog,  it.  molle:  tat.  musteus  jung,  neu  dürfte 
also  in  betracht  kommen,  engl,  moist  heißt  nicht  bloß  äußerlich  feucht, 
sondern  auch  innerlich  saftig.  Die  unter  moscio  I.  erwähnten  warter  mit 
der  bed.  feucht  sind  vielleicht  dem  gegenwärtigen  anzureihen. 

Molle  ton  fr.  ein  sehr  weicher  wollener  stoff,  dtsch.  molton;  vom 
adj.  mol,  mollet. 

Momer  dltfr.  maskerade  spielen,  nfr.  momerie  masker  ade,  norm. 
momon  possenreißer;  vom  dtschen  mummen,  mumnierei,  eigentl.  nach- 
ahmung  des  vom  dumpfen  laute  so  benannten  gespenstes  mumel,  Grritnms 
Myth.  p.  473.  Nach  Ducange  momerie  für  mahomerie  moschee,  daher 
lächerliche  sache. 

Mon  altfr.  partikel  mit  der  bed.  'allerdings,  wirklicti,  z.  b.  c'est 
mon  das  ist  so,  ce  fait  mon  das  thut  er  allerdings,  bei  Moliere  Qa-mon 
ma  foi  Med.  imag.  1,  2;  andre  bspp.  §relli  343,  Burguy  IL,  306.  Sollte 
das  altn.  fragewort  man,  schwed.  monne,  dän.  mon  (Grimm  LH,  762) 
oder  das  gr.  /naiv  darin  stecken,  da  es  sich  häufig  an  savoir  hängt  (pour 
savoir  mon)?  Allein  dem  widerspricht  der  sinn  des  Wortes,  worin  kein 
zweifei,  vielmehr  bestimmtheit  liegt.  Besser  schon  verträgt  es  sich  mit  lat. 
admodum,  ließe  sich  die  form  damit  in  einklang  bringen.  Auch  von  dem 
ital.  zeitadverb  mö  =  lat.  modo  ist  es  fern  zu  halten.  Recht  wohl  aber 
nach  form  und  begriff  paßt  es  zum  lat.  adv.  munde,  so  daß  es  für  mond 
steht,  denn  das*  fehlende  orthographische  d  kann  in  dem  dunkeln  warte 
nicht  in  betracht  kommen.  Das  dltfr.  adj.  monde,  ursprünglich  gewiß 
masc.  mon,  mond  wie  improv.,  war  ganz  volksüblich.  Hiernach  war  die 
grundbedeutung  ungefähr  die  des  it.  pure:  pour  savoir  mon  heißt  'um  es 
rein  heraus  zu  erfahren,  vgl.  henneg.  h6-mon?  nicht  wahr?  [Man  sehe 
die  weitere  rechtfertigung  dieser  deutung  bei  Gachet  318*.] 

Monjoäe  altfr.  (f.)  höhe,  gebirg:  noz  gens  furent  enclos  del& 
une  monjoie;  für  mongiu  aus  mons  Jovis  dlpengebirg,  wenn  es  auch  lat. 
durch  mons  gaudii  ausgedrückt  ward.  Einen  andern  Ursprung  hat  mon- 
joie als  kriegsgeschrei  der  Franzosen,  nach  Ducange  von  mons  gaudii, 
weil  der  heil.  Dionysius,  denn  oft  wird  S.  Denis  beigefügt,  auf  einer  an- 
höhe  gemartet  worden  sei.  Ein  richtigeres  etymon  aber  ist  meum  gau- 
dium,    wie  schon   Ordericus   Vitalis  schreibt,    der    name  des    Schwertes 


J 


IL  c.  MOQÜER-MORTAILLE.  643 

Karls  d.  gr.,  welches  in  seinem  griffe  eine  reUquie  barg.  So  lehrt  Gachet 
318b  in  betreff  beider  bedeatungen.  Man  kann  indessen  das  bedenken  nicht 
überwinden,  daß,  was  das  erste  wort  betrifft,  mons  Jovis  wohl  monjoi, 
aber  nicht  monjoie  erzeugen  konnte,  und  in  betreff  des  zweiten,  daß  das 
pronomen  mon  sich  nicht  mit  dem  fem.  joie  verbunden  haben  würde,  denn 
Gachet's  erklärung,  letzteres  sei  im  provenzalischen  masculin,  ist  unrichtig: 
bekanntlich  gibt  es  hier  ein  masc.  joi  und  ein  fem.  joia,  das  zweite 
namentlich  in  dem  kriegsgeschrei  monjoia  angewandt.  Grammatisch  be- 
trachtet kann  also  kein  meum  gaudium,  allerdings  aber  ein  mons  gaudii 
darin  enthalten  sein. 

Moquer  altfr.  verspotten  z.  b.  RFlor.  p.  14,  nfr.  se  moquer  de 
qquD,  pr.  mochar.  Dieses  letztere  beweist,  daß  die  streng  franz.  form 
mocher  oder  moucher  wäre,  der  man  aber,  wie  es  scheint,  zur  Unter- 
scheidung von  moucher  (schneuzen)  das  pic.  moquer  vorzog.  Desselben 
Ursprunges  ist  das  $p.  mueca  grimasse,  Verspottung,  altsp.  moca.  über 
ein  wort  wie  das  vorliegende  ist  es  nicht  leicht  ins  reine  zu  kommen,  da 
der  stamm  moc  mit  ähnlicJier  bedeutung  in  verschiedenen  sprachen  vor- 
kommt. So  gr.  fiit)Y.<fv  verhöhnen,  besonders  mit  grimassen,  ein  allerdings 
entlegenes  wort;  kymr.  moccio,  engl,  mock  spotten  (aus  dem  franz.?); 
ndl.  mocken,  ndd.  mucken  den  mund  verziehen  (vgl.  it.  beffare  spotten, 
eig.  wohl  die  lippen  spitzen);  nhd.  mucken,  sich  mucken  s.  v.  a.  lat. 
inutire,  woher  it.  motteggiare  einen  aufziehen,  vexieren.  Eine  ganz  ver- 
schiedene deutung  sehe  man  bei  Schder,  vgl.  auch  Dief.  Celtica  I,  82. 

Morbleu  fr.,  früher  morbieu,  ein  schwur;  euphemistisch  für  mort 
dieu  gotts  tod. 

Morceau  fr.  bissen,  amorce  köder,  amorcer  ködern;  von  morsus,  it. 
morsello,  mlat.  morsellos  *offas  Nyerup  p.  385,  s  mit  g  vertauscht  wie  in 
percer,  rincer,  sauce  u.  a.,  daher  die  picard.  formen  morchel  und  amorche. 

Mordache  fr.  zange;  vom  adj.  mordax  mordacis  beißend,  sp. 
mordacilla,  dtsch.  beißzange. 

Morfondre  fr.  erkälten,  eigentl.  den  schnupfen  machen;  von morve 
fondre,  s.  mormo  /. 

Morgue  fr.  trotziges  gesicht,  morguer  einen  trotzig  ansehen.  Woher? 

Mo  rille  fr.,  pic.  merouiile,  meroule  ein  eßbarer  schwamm,  ndl. 
morilje,  engl,  morel,  ahd.  morhila,  nhd.  morchel,  schwed.  murkla;  nach 
Salmasüts  so  genannt  von  der  schwarzen  färbe,  die  dieser  schwamm  abge- 
kocht annehme,  s.  Menage. 

Morne  fr.,  morn  pr.  niedergeschlagen,  düster;  vom  goth.  maiirnan, 
ahd.  mornen  trauern;  eigentlich  von  einem  unvorhandenen  adjectiv  dieses 
Stammes.  Ein  verbum  morner  verzeichnen  Roquefort  und  Monnard. 
Andrer  bedeutung  ist  pg.  morno  lau,  kraftlos,  matt. 

Mortaille  altfr.  das  erbreclit  des  herrn  an  das  vermögen  seines 
ohne  erben  verstorbenen  leibeigenen;  für  mort-taille  todtenabgabe,  mortui 
tallia,  wie  Ducange  erklärt,  sonst  auch  manus  mortua.  Daher  neufr. 
mortaillable  leibeigen. 


644  II.  c.   MORUE-MOYEU. 

Morue  fr.  Stockfisch,  gadus  morhua  L.,  mundartl.  auch  molue.  Es 
kann  auf  franz.  weise  syncopiert  sein  aus  moruda,  wie  der  name  eines 
andern  fisches  barbue  aus  barbuda,  barbuta:  pr.  morut  (fem.  moruda), 
sp.  morrudo  aber  heißt  dicklippig;  allein  dies  ist  kein  bezeichnendes  merk- 
mal  des  thieres}  das  nur  eine  vorstehende  obere  kintüade  zeigt.  Moruda 
ist  also  wohl  in  anderm  sinne  zu  nehmen.  Der  Spanier  nennt  die  ein- 
geweide  dieses  fisches,  die  man  einsalzt  und  versendet,  morros,  das 
überhaupt  für  abgerundete  körper,  Ideine  klumpen,  auch  dicke  tippen  ge- 
braucht wird,  daher  morue  ein  fisch,  welcher  dergleichen  klumpen  in 
sich  enthält. 

Mou  fr.  ochsen-,  kalbs-  oder  schafslunge;  eigentt.  weicher  theü, 
weiches  eingeweide,  von  mollig,  im  gegensatz  zu  herz  und  lebet,  die  man 
mundartl.,  z.  b.  in  Rheims  und  Normandie,  le  dur  nennt.  AUfr.  mol  = 
mollet  weicher  theil  des  beines,  wade. 

Mou  eher  fr.  schneuzen,  mlat.  si  nasum  excusserit,  ut  muccare 
(mucare)  non  possit  L.  Rip.;  von  mueus,  muecus.  Daher  auch  mouchoir 
schnupftuch  u.  a.  m. 

Moue  fr.  verzogenes  maul.  Nicht  vom  gleichbed.  engl,  mow,  welches 
im  angels.  in  dieser  bed.  unvorhandene  wort  (Somner  verzeichnet  move 
acervus  =  engl,  mow  heap)  Johnson  nicht  befriedigend  aus  engl,  mouth 
erklärt;  sondern  eher  mow  von  moue,  wie  vow  von  vouer.  Es  scheint 
das  ndl.  mouwe  KU.  p.  404  oder  das  hd.  mauwe  pulpa  Frisch  I,  65Ü, 
und  konnte  die  vorgestreckte  Unterlippe  bedeuten,  wie  henneg.  faire  la 
lippe  so  viel  heißt  wie  faire  la  moue,  ndl.  mouwe  maken  Hoffm.  Hör. 
bdg.  VI,  254h,  vgl.  auch  schwz.  mau  wen  kauen,  mäuel  verdrießliches  ge- 
steht.    Vielleicht  ist  das  neupr.  moio  laune,  grille,  dasselbe  wort. 

Mouette  fr.,  pic.  mauwe  möwe.  Von  moue,  weil  der  vogel  einen 
knollen  an  der  unteren  kinnlade  hat?  Allein  es  kann  seine  Verwandt- 
schaft mit  dem  deutschen  möwe,  mewe,  ahd.  meu,  ags.  mäv,  dUengl.  mow, 
neuengl.  mew,  schwer  verläugnen. 

Mousse  fr.,  mossa  pr.  moos,  schwamm;  vom  ahd.  mos,  nhd.  moos 
(it.  sp.  musco,  wal.  muschiu  vom  lat.  muscus).  Daher  vb.  mousser,  maU. 
mossa  schäumen,  ämousser  abmoosen,  so  wie  sbst.  mousseron  ein  im  moos 
wachsender  erdschwamm. 

Moutier  fr.  pfarrkirche,  kloster,  dttfr.  moustier;  von  monasterium 
münster.    Noch  in  Lothringen  ist  mot6  das  übliche  wort  für  kirche. 

Moyeu  fr.,  pr.  muiol  und  molh  nahe  des  rades;  vom  gleichbed. 
modiolus,  vgl.  mozzo  IL  a. 

Moyeu  fr.,  alt  moieul  d'  oef  Gl.  de  Lille  26  (56),  pr.  muiol, 
mugol,  moiol  dotter,  eigelb.  Die  bekannte  herleitung  des  franz.  wertes 
aus  medium  ovi  ist  den  prov.  formen  gegenüber,  trotz  der  früheren  auf 
etymologischer  ansieht  beruhenden  Schreibung  moyeuf,  nicht  so  leicht  hin- 
zunehmen. Die  ben&mung  des  dotters  als  mitte  des  eies  wäre  ohnehin 
pedantisch :  meist  nennt  man  ihn  nach  der  färbe;  sonst  heißt  er  lat.  käOh 
cJwn  (yitellus),  ital.  muskel  (tuorlo),  span.  knospe  (yema),  dUnord.  Uume 


ILc.   MUER— NAIF.  645 

(eggia-blomi).  Aus  medulla,  begrifflich  nicht  unpassend,  sind  wenigstens 
die  prov.  formen  nicht  zu  construieren;  aber  mytilus,  besser  mutulus,  läßt 
sich  mit  einiger  aussieht  auf  Zustimmung  geltend  machen.  *Die  gemeine 
eßbare  muschd  hat  die  färbe,  ungefähr  auch  die  große  des  dotters  und 
befindet  sich,  wie  dieser,  in  einer  schale:  leicht  konnte  man  ihren  namen 
auf  ihn  übertragen.  Mutulus,  mit  mehr  roman.  endung  mutölus  (so  scan- 
dula,  6chandole),  konnte  pr.  muiol,  fr.  moyeul,  vgl.  dieselbe  entwicHung 
des  y  in  crayon  aus  creton,  ergeben. 

Muer  fr.  sich  maußen,  altfr.  verändern,  sbst.  mue  mauße,  altfr.  auch 
Jcäfig,  kerker;  von  mutare,  pr.  mudar  ff.  Zsgs.  fr.  remuer,  pr.  remudar 
rühren,  bewegen,  nie  derselbe  bleiben ;  ungeachtet  der  altfr.  bed.  wegschaffen, 
entfernen  nicht  von  removere.  Mlat.  ut  nullus  de  istis  convenientiis  se 
rerautare  non  posset  Breq.  num.  39  (v.  j.  572). 

Mufle  fr.  (m.)  schnauze,  dazu  norm,  moufler  maulen,  pic.  moufeter 
die  lippen  bewegen;  vom  deutschen  moffel  wer  dicke  herabhangende 
lippen  hat 

Mugue  neupr.  eine  blume,  hyacinthe,  daher  fr.  muguet,  it.  mu- 
ghetto  und  mugherino  maiblume,  altfr.  mit  s  musguet  TFr.p.36a.  Nach 
Salmasius  von  muscus  moschus,  überhaupt  wohlgeruch,  darum  muguet 
auch  ein  von  salben  duftender  liebhaber,  und,  was  entscheidend  ist,  das 
veraltete  noix  muguette  muscatnuß  (noch  bei  Nicot),  vgl.  auch  sp.  mus- 
carf  hyacinthe.   Die  ital.  Wörter  müssen  aber  aus  dem  franz.  eingeführt  sein. 

Mulot  fr.  große  f eidmaus;  vom  ndl.  mul,  ags.  myl  staub  (ein  thier, 
das  im  staube  lebt?),  vgl.  auch  ndl.  mol,  engl,  mole  maulwurf. 

Mür  fr.  adj.  reif,  alt  mettr  (mattr  LBs.  370) ;  von  maturus,  pr. 
madur  ff. 

Musser  fr.  verstecken,  besser  mucer  =  pic.  mucher,  daher  sie. 
aramucciari;  dasselbe  wort  ist  churw.  micciar  entwischen.  Gewöhnlich 
braucht  man  es  reflexiv  se  musser:  ist  es  nun  das  mhd.  sich  mflzen  sich 
maußen  d.  h.  sich  ins  dunkle  zurückziehen,  da  die  maußekäfige  verdunkelt 
waren?     Wenigstens  ist  ein  deutscher  stamm  müz  dem  worte  analog. 


N. 

Nabot  fr.  knirps.  Napus  (rübe)  ließ  navot,  wie  navet  erwarten: 
drum  geht  man  besser,  und  um  so  besser  weil  nabot  speciell  franz.  ist, 
auf  alfn.  nabbi  knorren  zurück.  Norm,  uapin  bübchen  erinnert  zugleich 
an  das  deutsche  knappe. 

Nacelle  fr.  nachen;  von  navicella  in  den  Pandecten. 

Nager  fr.  schwimmen,  altfr.  auch  schiffen;  von  navigare  mit  beiden 
bedd.,  waUon.  naiv!,  it.  navicare  u.  navigare. 

Naie  altfr.  partikcl  der  Verneinung;  vom  altn.  nei  =  goth.  nS. 

NaTtf  fr.  naturgetreu,  natürlich,  unbefangen,  natif  gebürtig;  von 
oativus,  sp.  nativo,  it.  nativo,    natio  angeboren,   natürlich,    ursprünglich. 


646  ILc.  NANS— NEIS. 

Natürliche  einfachheit  wird  leicht  als  Unverstand  aufgefaßt,  daher  bedeutet 
altfr.  und  noch  jetzt  henneg.  naYf  einfältig,  albern:  fols  et  nalfs  FC.  IV, 
180,  auch  pr.  foudat  nadiva. 

Nans  (plur.)  altfr.  pf ander,  möbel  Ruteb.  I,  121;  später  namps 
geschr.j  nüat.  namium,  daher  nantir  pfand  geben;  wahrscheinlich  vom  altn. 
näm  (n.)  wegnähme,  mhd.  näme,  wie  sp.  pg.  prenda  pfand,  mobel,  vom 
vb*  prender  nehmen.    S.  Grimms  Rechtsalt,  p.  618. 

Nappe  fr.  tischtuch;  von  mappa,  wallon.  mapp.  Das  lat.  wort  hat 
sich  in  dieser  anwendung  nur  im  franz.  behauptet :  die  span.  spräche  hat 
dafür  manteles,  die  Ual.  das  unlat.  tovaglia;  doch  findet  sidi  piem.  mapa, 
neap.  mappina  Wischlappen,  bei  Ferrari  auch  nappa,  das  sonst,  gleich 
dem  lomb.  mappa,  nur  die  bed.  quaste  oder  büschel  hat. 

Narguer  fr.  spotten;  gleichsam  narieare  die  nase  verziehen.  Die 
Isid.  glossen  enthalten  das  sbst.  nario  'subsannans3,  daher  ahd.  narro,  nhd. 
narr,  comask.  nar,  vgl.  bask.  narra  närrisch  (bei  Humboldt).  Auch  henneg- 
naquer  beriechen  steht  wohl  für  narquer.  Narquois  verschmitzt  (ver- 
höhnend) leitete  schon  Frisch  aus  derselben  quelle,  aber  sicher  läßt  sich 
auch  das  sbst.  narquois  gaunersprache  hieher  rechnen,  näselnde  oder  höh- 
nische spräche,  vgl.  dasselbe  suffix  in  pat-ois  und  im  altfr.  clerqu-ois 
gelehrte  spräche,  latein. 

Natte  fr.  matte,  altfr.  nate  schon  imAlexiuslied;  von  matta,  dessen 
m  sehr  früh  in  n  übertrat:  illud  quod  intextis  junci  virgulis  fieri  solet, 
quas  cvulgo'  nattas  vocant  Greg.  Tur.  Daher  auch  mnctt.  natte  EH.,  vgl. 
Hoffm.  Hör.  belg.  VII,  30.    Itcd.  matta. 

Naut^r.  hoch,  sbst.  nauteza;  von  in  alto  in  der  höhe,  woi.  nalt 
neben  inalt,  woher  auch  das  alb.  nalte. 

Navet  fr.  Steckrübe;  von  napus,  auch  it.  navone. 

Ne  franz.  zum  verbum  construierte  negationspartikel;  geschwächt  aus 
altfr.  non  (nun),  der  ausschließlichen  form  in  den  Eiden  und  im  Lied 
auf  Eulalia,  nur  daß  letzteres  in  der  Verbindung  no-8  (=  non  se)  n  ab- 
stößt. Zuerst  zeigt  sich  die  geschwächte  form  neben  der  ungeschwächten 
im  Leodegar.  Zsgs.  ist  nenni  nein,  altfr.  nen-il  =  pr.  non  il  =  lat. 
non  illud,  bei  R.  Stephanus,  Gramm,  gall  p.  77,  nani  u.  nanin;  nach 
Raynouard  von  non  nihil,  nach  Ampere  vom  altlat.  nenu  bei  Lucrez. 

Nee  pr.  (fem.  nega?)  unwissend,  albern,  z.  b.  B.  172,  20,  nic)d 
1 stammelnd',  wie  Rochegude  meint;  wahrscheinlich  vom  sp.niego  nestting, 
s.  nido  I.    Abgeleitet  von  nee  ist  das  gleichbed.  fr.  nigaud. 

Neige  fr.schnee,  vom  adj.  niveus,  nivea  wie  cage  von  cavea;  altfr. 
neif  =  pr.  neu,  von  nix  nivis. 

Neis  altfr.,  zuweilen  neYs,  auch  nis,  pr.  neis,  selten  neus  adv.sdbst, 
sogar,  z.  b.  neis  quan  soi  iratz,  ieu  ehant  'selbst  wenn  ich  betrübt  bin, 
singe  ich\  Muthmaßlieh  entstand  diese  partikd  aus  ne  ipsum  und  sollte 
eigentlich  verneinen,  allein  der  negative  sinn  schlug  in  positiven  um,  wie 
dies  annäherungsweise  auch  bei  pr.  ne  (lat.  nee)  der  fall  war.  überdies 
ist  nicht  zu  übersehen,  daß  die  prov.  nebenform  negu-eis,   welche  zusam- 


IL  c.   NELEIT— NOROIS.  647 

mengesetzt  ist  wie  neg-un  d.  h.  neque-unus,  gleichfalls  positiven  sinn  aus- 
spricht. Andre  deutungen  sind :  aus  in  ipso  und  aus  nae  ipsum,  lästere 
von  Littre. 

Neleit,  neleg  pr.  nachlässigkeit,  fehler;  vom  sbst.  neglectus. 

Nemps  prov.  adverb,  vom  lat.  nimis,  nachgewiesen  von  Raynouard 
LR.  s.  v.j  z.  b.  tatz,  boca,  nemps  potz  lenguejar  schweig,  mund,  nur  zu 
sehr  kannst  du  plaudern;  nai  dich  nems  M.  823,  2.  Über  eine  com- 
parativbüdung  nemäs  s.  Altrom.  glossare  s.  63  note. 

Nice  fr.  aU>ern;  von  nescius,  pr.  nesci,  sp.  necio. 

N  ich  er  fr.  nisten,  alt  niger,  nigier  Brt  II,  60;  von  nidificare, 
indem  de  (nidfeare  nidcare)  sowohl  zu  ch  wie  zu  g  werden  kann.  Merk- 
würdig ist  npr.  nisd  von  nis  =  nidus,  dessen  flexivisches  s,  wie  in  einigen 
andern  fallen,  als  ein  radicales  verstanden  ward  —  oder  sollten  beide 
Wörter  aus  unserm  nisten  und  nest  entstanden  sein?  Aber  das  latein  genügt. 

Niece  fr.  nichte.  Keine  der  roman.  sprachen  hat  sich  mit  lat. 
neptis  begnügt,  welches  it.  nette,  fr.  net  hätte  geben  müssen.  Man  bog 
es,  vielleicht  um  seine  weibliche  bedeutung  besser  fühlen  zu  lassen,  in  die 
erste  declination  um,  nepta,  das  im  früheren  mlatein  begegnet,  pr.  nepta, 
sp.  nieta,  pg.  cat.  neta.  Der  Franzose  verschaffte  sich  mit  hülfe  des  ab- 
leitenden i  in  nept-i-s  die  ganz  ungewöhnliche  form  neptia,  ni&ce,  pr. 
netsa  (it.  nezza  wenig  üblich).  Aber  auch  dem  masc.  nepos  entlockte 
man  ein  unmittelbares  fem.  nepota,  pr.  cat.  neboda,  wal.  nepoat^. 

Nippe  fr.  (f.)  kleidung,  mobel  und  alles  was  zur  einrichtung  und 
zum  putz  gehört  (Acad.),  pr.  nipa  de  seda  putz  von  seide  GÄlib.  1267, 
vb.  fr.  nipper  mit  dergleichen  geräthe  versehen;  mit  Chevdllet  vom  altn. 
hnippi,  hneppi,  auch  knippi,  schwed.  dän.  knippe  bündel  (habseligkeiten?). 

Nique  fr.  (f.)  spöttisches  nicken,  bloß  in  der  redensart  faire  la 
nique;  vom  ahd.  hnicchan,  nhd.  nicken.  Dahin  henneg.  faire  un  niquet 
einnicken,  schlummern,  im  Jura  niquet  mittagsscMäfchen.  Auch  niche 
schalkheit  (faire  une  niche  ä  qqun)  wird  von  nicken  hergeleitet,  s.  Ampere, 
Form,  de  la  l.  fr.  p.  213. 

Noel  fr.  Weihnachten;  von  natalis,  pr.  altsp.  nadal,  also  euphonisch 
für  nael  wie  po61e  für  pagle. 

Noise  fr.,  pr.  nausa,  cat.  nosa  zank,  Störung,  lärm.  Man  denkt 
an  noxa  und  niederländische  phäologen  übersetzen  so  ihr  dem  franz.  ab- 
geborgtes noyse,  noose  s.  Clignett  II,  132;  allein  die  prov.  form  ent- 
scheidet für  nansea  ekel,  demnächst  wohl  ärger,  widerwärtige  sache;  noxa 
hätte  auch  in  dieser  mundart  nur  noisa  hervorbringen  können. 

Nomble  fr.  (f.)  hirschziemer;  von  lumbnlus.  Man  sehe  Potts 
Forsch.  II,  100. 

Nord  fr.  (bereits  in  den  Liv.  d.  rois  le  nord  p.  250),  daher  it. 
sp.  norte  eine  weltgegend;  vom  ags.  nordh,  engl,  north  septentrio. 

Norois  altfr.  norwegisch,  vom  nordischen  ländernamen  Norvegr, 
bedeutet  demnächst  stolz,  übermüthig  Ren.  IV,  68,  vgl.  RCam.  p.  30,  ein 
von  der  eigenschaft  des  erobernden  volkes  abgezogener  begriff.    Fast  in 


648  IL  c.    NOSCHE-OINDRE. 

umgekehrtem  sinne  drückt  jetzt  der  als  appellativ  gebrauchte  name  der 
frans.  Normannen  etwas  zweideutiges  aus:  räponse  normande  ist  so  viel 
als  r£ponse  ambiguö. 

Nosche  altfr.  (nusche  Rol.  p.  25),  pr.  nosca  Flam.,  noscla  GO. 
schnalle;  ist  das  ahd.  nusca  mit  gl.  bed.,  abgel.  nuskil.  S.  auch  Ducange 
v.  nusca,  nosca. 

Nouilles  fr.  (nur  im  plur.),  das  deutsche  nudeln. 

Nourrain  fr.  brut;  für  nourrin,  pr.  noirim,  von  nutrimen. 

Noyau  fr.  kern  im  obste;  von  nucalis  nußartig,  daher  auch  pr. 
nogalh  kern  der  nuß. 

Nualh  pr.  nichtswürdig,  wovon  aber  nur  der  compar.  nualhor,  altfr. 
neutr.  nualz,  überdies  mehrere  ableitungen,  wie  nuallos,  altfr.  nueillos, 
pr.  nualheza,  vb.  nualhar,  vorhanden  sind.  Raynouard  dachte  an  non 
Valens,  es  hat  vielmehr  seine  quelle  in  nugalis  bei  Gellius,  compar.  nuga- 
lior,  nugalius;  s.  Altrom.  sprachdenkm.  p.  69. 

Nu  er  fr.  schattieren;  von  nue,  lat.  nubes,  gewölk,  daher  nuance 
Schattierung,  eigentl.  bewölkung. 

Nuitantre  altfr.  adv.  eur  nachteeit  (entstellt  nuitancre  Assis,  de 
Jerusalem  p.  Beugnot  gloss.),  mlat.  mit  noctanter  ausgedrückt  nach  dem 
muster  von  cunctanter.  Etwa  entstanden  aus  noctis  tempore  =  it.  notte- 
tempore?  Aber  wie  soventre  aus  sequente,  so  konnte  nuitantre  aus  dem 
ablat.  noctante  entstehen:  das  gleichbed.  nuitamment  läßt  sich  nur  aus 
noctante  mente  erklären.  Das  vb.  nottare,  annottare  kennt  die  ital., 
anuitier  die  altfr.  spräche. 


o. 

0  altfr.  pr.  pronomen,  zuerst  in  den  Eiden  vorkommend  in  o  quid, 
vom  lat.  hoc;  esgs.  altfr.  avoc  damit  (s.  oben  avec),  poroc  dadurch, 
sinoc  ohne  das. 

Obier  fr.  (zu  unterscheiden  von  aubier  s.  oben)  ein  Strauch,  vibur- 
num  opülus  L.  (mm  it.  oppio  II.  a). 

Obseques  fr.,  pr.  altsp.  obsequias  leichenbegängnis;  umgedeutet 
aus  exsequiae  vermittelst  obsequium,  indem  man  an  das  willfährige  ge- 
folge  der  freunde  und  diener  dachte:  in  obsequium  divitis,  sagt  Petr. 
Ghrysologus  (t  449),  migrat  hie  tota  civitas,  cum  funus  effertur  (DG). 

Obus  fr.  (m.)  ein  grobes  geschütz,  daher  sp.  obuz;  vom  dtschen 
haubitze,  im  15.  jh.  haufnitz  aus  dem  böhm.  haufnice  ursprüngl.  Stein- 
schleuder, nach  Schmeller,  s.  Weigand  s.  v.  Die  herleitung  aus  lat.  obba 
(ein  trinkgeschirr)  ist  verfehlt":  der  Franzose  kennt  weder  das  primitiv 
noch  das  suffix. 

Oeillet  fr.  ndke;  dimin.  von  oeil,  also  äuglein. 

Oignon  fr.,  uignon  pr.  zwiebel;  von  unio  bei  Cotumetta. 

Oindre  fr.  salben;  von  ungere. 


ILc   0IS1F-0RIFLAMME.  649 

Oisif  fr.  müßig;  aus  otium  abgeleitet. 

Ol i fant  altfr.  1)  elephant,  2)  elfenbein,  3)  ein  blase-instrutnent,  bei 
Turpin  tuba  eburnea,  pr.  olifan  in  erster  bei.  (elephant  nur  imElucidari); 
entsprechend  niederrhein.  olyfant,  ndl.  olfant  Gl.  bat.  saec.  14,  s.  Dief. 
Gloss.  last,  germ.,  noch  jetzt  olifant  name  des  thieres,  bret.  olifant,  com. 
oliphans,  kymr.  oliffant  name  des  thieres  und  seines  zahnes.  Die  ab- 
weichung  von  elephantus  ist  seltsam,  ihr  anlaß  dunkel;  Wackernagel  ver- 
gleicht den  anlaut  des  goth.  ulbandus,  ahd.  olpenta  kameel,  ebenfalls  um- 
gebildet aus  H4q>ag.  Noch  das  glossar  von  Bouai  (14.  jh.)  hat  oilifans, 
das  von  Lille  (15.  jh.)  schon  elephant  Auch  it.  liofante  und  lionfante 
sind  abnorm.  Sonderbar  ist  das  cdtport.von  S.  Rosa  verzeichnete  ol-mafl 
für  das  übliche  marfim  elfenbein:  es  ist,  als  hätte  sich  olifant  auch  hier 
eingemischt  d.  h.  eine  sonst  nicht  vorkommende  abänderung  des  arab.  ar- 
tikels  hervorgebracht.     Vgl.  W.  Grimm  zum  Rolandslied  233,  4. 

Oncle  fr.  pr.  oheim  (weil,  unchiu,  alban.  unki);  eher  durch  ausfall 
des  v  aus  a'unculns,  das  bereits  auf  einer  neapolitanischen  inschrift  vor- 
kommt (Corssen  I,  138),  als  durch  abfäll  des  av  aus  unculus  entstanden, 
da  die  franz.  spräche  die  aphärese  wenig  begünstigt.  Avunculns  für  pa- 
truns  hat  schon  die  L.  Sal.;  nicht  anders  ward  unser  oheim,  früher 
mutterbruder,  auch  auf  den  vatersbruder  übertragen,  vgl.  Richthofen  v.  em. 

Ordalie  fr.  (f.)  gottesurtheil;  vom  mlat.  ordalium,  dies  vom  ags. 
ord&l  (n.)  =  nJhd.  nrtheil.  AUfr.  ordel,  s.  Gloss.  du  droit  fr.  in  Instit. 
de  Loysel,  ed.  de  Par.  1846. 

-Ordonner  fr.  ordnen,  befehlen;  von  ordinäre  mit  ungewöhnlichem 
vielleicht  durch  die  phrase  donner  Vordre  veranlaßten  übertritt  des  i  mo; 
auch  altcat.  ordonar  bei  R.  Muntaner,  aber  altfr.  ordener,  neucat.  pr.  sp. 
pg.  ordenar. 

Orendroit  altfr.,  orendrei  pr.,  zeitadverb;  zsgs.  aus  or  en  droit, 
wörtlich  'jetzt  grade  fort\  Ähnlicher  art  ist  ahd.  in  girihti  immerfort, 
reht  =  fr.  droit. 

Orfraie  fr.  (f.)  meeradler;  von  ossifraga,  it.  ossifrago,  s  in  r  ge- 
schwächt, engl,  aber  mit  vertauschtem  labial  osprey. 

Orfroi  fr.,  richtiger  orfrois,  altfr.  auch  orfrais,  pr.  anrfres,  altsp. 
orofreß  mit  gold  durchwirkter  Stoff,  goldborte,  dimin.  altfr.  orfrisiel  Ren. 
IV,  vb.  orfroiseler.  Das  mittelalter  machte  aus  diesem  wort  auriphrigium, 
indem  ihm  die  phrygiae  vestes  der  Alten  vorschwebten,  z.  b.  aurifrigium 
'gcldbordo  Gl.  lindenbr.  (10.  jh.) ;  aber  der  auslaut  s  steJti  so  gesichert, 
daß  an  phrygius  nicht  zu  denken  ist.  Auch  in  anrum  fractum,  welches 
geschlagenes  gold  d.  h.  goldfaden  heißen  soll  (z.  b.  Du  Meril  Fl.  El.  gloss.), 
will  es  sich  nicht  fügen.  Der  zweite  (heil  der  zss.  muß  vielmehr  fraise 
sein  (fregio  1.)  und  das  ganze  goldkräuselung,  goldverzierung  bedeuten; 
fraise  aber,  sofern  man  nicht  eine  ableitung  aus  dem  nom.  Phryx  zuläßt 
(woher  das  zweifelhafte  phryxianus),  scheint  deutscher  herkunft. 

Orif lamme  fr.,  früher  auch  oriflambe  (orie  flambe  Rol.)  und  ori- 
flant,  pr.  auriflan,  ursprüngl.  fahne  des  klosters  S.  Denis,  von  rother  seide 


650  II.  c.   OEME-OTER. 

an  vergoldeter  lanee  getragen,  in  weiterem  sinne  hauptbanner  eines  heeres, 
s.  R.  de  Cambr.  p.  331,  Dueange  v.  auriflamma,  vgl.  Genin,  Chans,  de 
Hol.  p.  CXIII;  zsgs.  aus  aurum  und  flamma  wimpd,  wegen  seiner  zadäckten 
gestdlt  so  genannt,  bei  Vegetius  flammula.  Seltsam  ist  das  gleichbed.  aiUfr. 
oriflour,  pr.  auriflor,  dessen  eigentlicher  sinn  nur  goldblume  sein  kann. 

Orme  fr.  (m.)  tdme;  von  ulmus,  pr.  olme  ff. 

Orne  dttfr.  in  dem  adv.  a  orne  'sammt  und  sonders' ,  gewöhnlich 
mit  tout  verbunden:  li  rois  Artus  cele  part  tonie  et  li  autre  trfestot  ä 
orne  Trist.  I,  188;  trestoz  les  chiens  mordent  ä  orne  Ren.  I,  48;  vgl. 
Trist.  I,  161,  Ren.  I,  244,  Brt.  II,  215,  Ben.  I,  113,  a  ourne  TFr.  469; 
von  ad  ordinem  =  ex  ordine  nach  der  reihe,  s.  Michel  zu  Ben.;  ordne 
für  ordre  LJ.  466. 

Orni&re  fr.  geleise  des  wagens;  mit  seltener  Verwandlung  des  d  in 
n  aus  altfr.  pic.  ordtere,  gleichsam  orbitaria  von  orbita,  dessen  dasein  auf 
frone,  gebiete  auch  das  wailon.  ourbtre  bezeugt. 

Osche,  oche  altfr.,  neupr.  housco,  houesco,  cot.  osca  kerbe,  vb.  altfr. 
oscher,  öcher,  pr.  cot.  oscar  einschneiden;  von  ungewisser  herkunft.  Mary- 
Lafon  p.  38  führt  auch  ein  bask.  osca  an;  das  bret.  wort  ist  ask,  vb. 
aska.  Sollte  letzteres  die  ursprüngliche  form  darstellen,  so  dürfte  viel- 
leicht an  lat.  exsecare  zsgz.  escare  gedacht  werden.  Aber  zu  der  bed. 
einschneiden  kommt  im  altfr.  noch  die  bed.  brechen  Ben.  I,  166,  Trist, 
gloss.,  pic.  ocher  schütteln  (einen  bäum).  Andre  composita  sind  entreoscher 
Chart,  p.  23,  Trist.,  aocher  unterdrücken  LRs.  236,  desocher  losmachen. 

Oscle  altfr.  pr.  Schenkung ;  mlat.  osculum  donatio  propter  nuptias, 
quam  solet  sponsus  interveniere  osculo  dare  sponsae  Dueange.  Noch 
bürg,  ocle,  oclage. 

Oseille  fr.  Sauerampfer.  Für  dieses  kraut  haben  die  andern 
sprachen  andre  ausdrücke  gewählt,  die  span.  z.  b.  acedera,  die  port.  aze- 
dinha,  die  churw.  aschiella,  die  ital.  acetosa,  agretto,  die  neupr.  aigreto, 
die  catal.  agrella  (von  aeidus,  acetus,  acer);  das  spätere  mitteÜatein 
schrieb  gewöhnlich  aeidula,  acedula  (so  Gloss.  de  Lille).  Dieses  diminutiv, 
entsprechend  unserm  Säuerling,  konnte  franz.  kaum  anders  lauten  als 
aceille  (genau  das  angeführte  churw.  aschiella)  oder  höchstens  mit  s  aseille, 
nicht  oseille:  hat  hier  nun,  in  betracht  des  anlautes,  das  lateinische  dem 
griechischen  entnommene,  vielleicht  nicht  einmal  volksübliche  oxalis  ein- 
gewirkt, oder  hat  der  zufaU  diesen  auch  in  orteil  vorhandenen  latdwechsd, 
oseille  aus  aceille,  herbeigeführt?    Das  ist  die  frage. 

Osier  fr.  bachweide,  weidenruthe,  mdartl.  (in  Berry)  oisis,  bret. 
aozil;  stimmt  zum  gr.  oloog  weidenartiger  strauch,  dessen  zweige  zum 
flechten  dienen.    Altfr.  auch  vime,  pr.  vim  u.  s.  w. 

Oter  fr.,  alt  oster,  pr.  ostar  wegnehmen,  daher  engl,  onst  Dueange 
u.  a.  erklären  es  aus  ohstare,  das  auch  die  schwestersprachen,  aber  m 
lat.  bedeutung  haben :  si  quis  baroni  viam  suam  obstaverit  L.  Sal.  emend. 
31,  1,  worin  obstare  viam  so  viel  heiße  wie  6ter  le  chemin  den  weg  be- 
nehmen; und  so  sage  man  auch  oter  le  soleil  ä  qqun,  so  daß  diegrmd- 


IL  c.    0UA1CHE— OUCHE.  651 

bedeutung  hemmen,  abheilten  wäre,  endlich  auch  öter  le  pain  de  la  main. 
Aber  die  besten  und  ältesten  hss.  lesen  si  quis  baronem  de  via  sua  osta- 
verit,  was  diese  erklärung  sehr  verdächtigt  Hier  eine  andre,  übrigens 
schon  von  Menage,  aber  ohne  rechtfertigung  ausgesprochene.  Lot.  haurirc 
hei  fit,  wie  unsre  lexicographen  übersetzen,  schöpfen,  verschlingen,  desgleichen 
herausnehmen,  wegnehmen,  z.  b.  sumptum  ex  aerario,  und  so  konnte  das 
roman.  wort,  da  es  offenbar  die  letzteren  bedeutungen  zeigt,  aus  einem 
frequentativ  haustare  gleichbed.  mit  haurire  entstanden  sein,  welches  neuer- 
lich von  Wagener  in  dem  glossem  exhaustant  'efferunt*  bei  Festus  (Paul.) 
nachgewiesen  worden  ist.  Die  franz.  form  oster  ist  sprachrichtig,  die 
strenge  prov.  wäre  allerdings  austar;  ostar  könnte  aus  Frankreich  ge- 
kommen sein,  dem  Gatalanen  ist  es  nicht  bekannt.  Zwar  nennt  uns  Hon- 
norat  ein  veraltetes  pr.  austd,  das  er  mit  hausser  übersetzt,  die  bedd.  auf- 
heben und  wegnehmen  aber  liegen  nahe  zusammen,  wie  die  lat.  verba 
tollere  und  levare  lehren,  doch  fehlt  jede  genauere  angäbe  über  ein  solches 
verbum.  Die  prov.  form  von  obstare  würde  mit  der  latein.  zusammen- 
treffen, wenn  man  obs,  observar,  obstinar,  obstant  vergleicht.  Eine  be- 
stätigung  der  hier  angenommenen  deutung  liegt  in  dem  mit  oster  gleich- 
bed. altfr.  doster,  in  Berry  döter,  pr.  (15.  jh.)  dostar  s.  Jogas  p.  141 
(donar  e  dostar  geben  und  nehmen),  limous.  doustä:  wie  auf  haurire 
oster,  so  geht  auf  das  gleichfalls  vorhandene  dehaurire  doster  zurück, 
deobstare  wäre  ein  unsinn.  Selbst  das  churw.  dustar  bewahren  (bei  seite 
thun)  wird  dieser  herkunft  sein.  —  Eine  sehr  aufmerksame  Untersuchung 
des  Wortes  von  Scheler  findet  sich  Revue  de  Vinstr.  pübl.  en  Belgique  1863 
jetnv.  et  mai. 

Ouaiche  fr.  (m.)  spur,  die  ein  schiff  auf  seiner  fahrt  im  wasser 
zurückläßt.  Das  deutsche  sbst.  weg  ist  fern  zu  halten.  Als  nebenform 
gibt  Trevoux  ouage,  und  dies  erklärt  sich  vermittelst  des  span.  aguage 
Strömung  im  meere,  denn  das  schiff  bringt  in  seinem  laufe  eine  Strömung 
liervor,  indem  es  das  wasser  nach  sich  zieht;  aguage  aber  ist  =  aquagiura 
Pandect.    Auch  das  genus  paßt. 

Ouaille  fr.  schaf;  von  ovicula,  sp.  oveja,  pr.  ovelha,  oelha.  Das 
f>rimitiv  ovis  findet  sich  im  aUfr.  oue  wieder  Ben.  II,  79,  ebenso  im  wal. 
oae;  die  dimintUivform  aber  ist  acht  romanisch:  ovicula  setzt  daher  z.  b. 
der  Vocab.  S.  Galli  für  das  dtsche  keine  Verkleinerung  ausdrückende  au 
(=  lat.  ovis).  Übrigens  urird  ouaille  nur  in  bildlichem  sinne  gebraucht, 
für  den  eigentlicJien  gilt  brebis,  in  der  ital.  spräche  pecora. 

Oublie  ein  back  werk,  hippe;  von  oblata  wegen  seiner  ähnlichkeit 
mit  dem  so  benannten  abendnuübrot;  die  richtige  form  wäre,  wie  schon 
Menage  erinnert,  oublaie. 

Ouche,  ousche  altfr.  zum  pflügen  taugliches  land,  terra  arabilis, 
nach  Ducange;  vom  ndat.  olea,  einem  uralten  worte:  campus  tellure  foe- 
candus,  tales  enim  incolae  oleas  vocant  Greg.  Tur.,  daher  der  Ortsname 
Disouche  (Duae  oleae  Quicherat  Noms  de  lieu  58);  vgl.  gr.  whia,  ioXa^ 
furche. 


652  ILc.    OUEST— OUVRIR. 

Ouest  fr.  (alt  le  west  LRs.  248),  daher  sp.  ovest,  eine  der  weit- 
gegenden;  vom  ags.  vest,  engl,  west  occidens. 

Oui  fr.,  oc  pr.  partikel  der  bejahung.  Aus  lat.  hoc  floß  die  prov. 
form,  die  also,  entsprechend  dem  gr.  ravxa,  'das  ist  es*  bedeutet,  altfr. 
abgekürzt  in  o  und  sodann  erweitert  in  oll  =  lat.  hoc  illud,  woher  das 
nfr.  oui,  von  Moliere  oft  noch  zweisilbig  gebraucht,  in  alten  denkmalern 
auch  oie  -Rom.  gramm.  II,  479,  in  der  wallon.  mundart  awoi  mit  vorge- 
schlagenem a.  Dem  bejahenden  oYl  analog  ward  auch  das  verneinende 
nenil  zusammengesetzt,  s.  oben  ne.  Dies  ist  einfach  der  Sachverhalt.  Die 
übrigen  deutungen,  wie  die  von  oc  aus  deutschem  auch  oder  mhd.  j&  ich, 
die  von  oui  aus  dem  partic.  ouY  fgehört\  das  hier  den  sinn  von  'zugege- 
ben aussprechen  soll,  oder  gar  von  voil  für  je  veux,  kann  man  getrost 
bei  seite  setzen.    8.  dazu  den  Krit.  anhang  p.  30  ff. 

Outil  fr.  (mit  stummem,  ursprüngl.  aber  mit  hörbarem  erweichtem 
\,  wegen  outiller)  Werkzeug,  handwerksgeräthe,  altfr.  ostil,  ustil  mit  radi- 
calem,  nicht  auf  einschiebung  beruhendem  s,  wie  das  wallon.  usteie  be- 
zeugt, welchem  buchstäblich  ein  fr.  outille  entsprechen  würde.  Man  hat 
an  utänsile  gedacht,  das  der  Franzose  utensile  utsile,  endlich  wohl  aucli 
ousil,  nimmer  aber  outil  sprechen  konnte.  Das  wort  ist  allerdings  zweifel- 
hafter herkunft,  vielleicht  aber  können  oberital.  mundarten  licht  schaffen. 
Küchengeräthe  heißt  comask.  usedel,  mail.  usadej  (plur.),  die  sich  nur 
aus  usare,  zunächst  aus  dem  itei.  sbst.  usato  erklären  lassen  und,  wie 
utensilia,  dinge  zum  handgebrauche  bedeuten:  aus  diesem  usatellum 
konnte,  mit  anderm  suffix,  das  altfr.  ustil  werden,  pic.  mit  demselben  Suf- 
fix (ieu  =  eil)  otieu.  Littre  leitet  das  wort  zwar  gleichfalls  von  usus, 
aber  in  andrer  weise.  Er  legt  ihm  ein  seltenes  nüat.  usibilis  zu  gründe, 
welches  man  wahrscheinlich  in  usitilis  abgeändert  habe,  woraus  alsdann 
ustil  hervorgegangen.  Läßt  man  auch  ein  solches  usibilis  als  eine  volks- 
mäßige bildung  zu,  so  ist  es  doch  kaum  glaublich,  daß  die  Sprache  das 
ihr  geläufige  suffix  bilis  mit  tilis  vertauscht  haben  sollte.  —  In  der  hewneg. 
mundart  heißt  otil  Strumpfwirkerei:  ist  dies  aus  opus  textile  zusammen- 
gezogen ? 

Ouvrir  fr.,  pr.  obrir,  ubrir  öffnen,  auch  altit.  oprire.  über  dieses 
wort  sollte  man  nicht  so  leicht  hinweggleiten.  Die  ital.  form  ist  aprire, 
die  span.  abrir,  von  aperire:  welchen  anlaß  hatte  die  nordwestliche  spräche 
dies  in  obrir  abzuändern?  Der  her  gang  ist  der  folgende.  Ovrir  ward 
zusammengezogen  aus  altfr.  a-ovrir  (dreisilb.  Antioch.  I,  87),  a-uvrir  LBs., 
SB.;  dies  entstand  durch  syncope  aus  adubrir  Flam.  p.  30,  LR.  II,  104; 
adubrir  aber  mit  bedeutungslos  vorgesetztem  a  (wie  z.  b.  in  ablasmar, 
afranher)  aus  de-operir*  aufdecken,  öffnen,  bei  Cdsus.  Letzteres  liegt 
deutlich  vor  im  neupr.  durbir,  piem.  durvi,  wallon.  drovi,  lothr.  deurvi. 
Das  mail.  com.  dervi  so  wie  das  cremen,  därver  (part.  davert  =  aperto) 
führen  auf  eine  zss.  deaperire.  —  [Andrer  meinung  ist  Littre.  Die  spräche 
habe  entweder  die  beiden  lat.  Wörter,  aperire  und  operire  miteinander 
verwechselt,   oder  sie   habe,   wie  auch  sonst,   lat.  a  in  o  (ou)  verwandelt 


ILc.    OVE-PALLETOT.  653 

und  dies  dem  prov.  und  catal.  tnitgetheiti.  Die  formen  mit  d  könne  man 
auf  deoperire  zurückführen,  man  könne  auch  ouvrir  darin  erblicken,  zu- 
sammengesetzt mit  augmentcdivem  de.  Wichtig  ist  die  bemerkung,  daß 
neben  ovrir  im  altfr.  auch  avrir  vorhanden  war:  wenigstens  findet  sich 
im  Lib.  psalm.  ed.  Michel  p.  XVIII  sepulcre  avranz  =  tat.  sepulcrum 
patens.] 

0  ve  fr,  (m.)  eierath  an  gebäuden;  von  ovum,  it.  uovolo,  sp.  oviüo. 


p. 

Pairar  pr.  (fehlt  Lex.  rom.)  in  der  stelle  qu'om  lor  o  paire  Chrest. 
prov.  302,  26  scheint  bezahlen  zu  bedeuten,  wie  lat.  pariare  Pandect., 
eigentl.  gleichmachen,  ausgleichen  (Bartsch  übersetzt  gestalten).  In  einer 
zweiten  bed.  gleichsein  (pariari  deo)  bedient  sich  dessen  öfter  Tertullian, 
in  ähnlicher  bedeutung  muß  es  auch  im  prov.  bei  Gruir.  Riquier  p.  64  zu 
rühmen  sein:  dieus  don  nons  podem  pairar  *gott,  dessen  gleichen  wir 
nicht  sein  können.  Im  altfranz.  findet  sich  kein  pairer,  wohl  aber  parier 
zugesellen,  einigen,  auch  pr.  pariar  (dreisilb.);  neufr.  parier  wetten,  eigentl. 
gleiches  gegen  gleiches  setzen. 

Paisseau  fr.  weinpfcM;  von  paxillus. 

Palais  fr.  gaumen.  Daß  es  nicht  aus  palatum  entspringen  konnte, 
versteht  sich;  welche  anschauung  aber  dazu  verleitete,  palatum  auf  pa- 
latiom  zurückzuführen,  denn  dieses  letztere  etymon  verlangt  das  franz. 
wort,  ist  unschwer  zu  ergründen.  Altfr.  palais  bedeutete  ein  großes  zu 
festlichkeiten  bestimmtes  gemach,  das,  wie  der  sacd  (sale),  gewöhnlich  für 
sich  allein  ein  gebäude  ausmachte.  Die  decke  desselben  war  gewölbt,  was 
man  auch  unbezeugt  glauben  könnte,  wenn  man  pales  volu,  palais 
voutis,  sale  voutie  nicht  so  oft  fände  (DMce.  270,  22,  GBourg.  p.  77, 
Aubery  p.  17, 18,  Alex.  69,  32,  Bert.  4  cet.):  so  konnte  denn  der  gaumen 
nicht  unschicklich  das  gewölbe  des  mundes,  palais  de  la  bouche,  genannt 
werden,  wie  umgekehrt  Ennius  das  gewölbe  des  himmels  coeli  palatum 
nennt.  Im  ital.  heißt  der  gaumen  il  cielo  della  bocca  (Ferrari  und  Cheru- 
bim), entsprechend  im  span.  el  cielo  de  la  boca,  im  neupr.  lou  ciel  de 
la  bouco,  im  walach.  ceriul  gurii  (coelum  gulae),  im  ndl.  het  gehemelte 
des  monds,  gr.  ovqclvioxoq,  die  gewölbte  decke  des  mundes.  In  Brescia 
heißt  silter  gleichfalls  gaumen  und  gewölbe.  Die  celt.  sprachen  theilen 
diese  anschauung  nicht,  wohl  aber  die  slavischen,  serb.  nöbo  himmd  und 
gaumen,  russ.  nebo  himmel,  nebo  gaumen.  Feine  bemerkungen  über  die 
benennung  des  gaumens  von  J.  Grimm  in  Haupts  Ztschr.  VI,  541,  vgl. 
auch  Höfers  Oberd.  wb.  I,  261. 

Paleron  fr.  vorderbug;  von  pala  Schulterblatt,  durch  Vermittlung 
eines  adj.  palarius,  so  daß  ihm  ein  pr.  palairo  entsprechen  würde. 

P  alle  tot  a  pallio  et  est  breve  vestimentum,  sagtBouüle  über  dies 
veraltete  wort,   das  man  leicht  als  diminutiv  von  palla  (langes  oberUeid) 


654  ILc.   PAMPRE-PAPIER. 

verstehen  könnte  wie  das  altfr.  palletel.  Aber  vorsichtiger  ist  eine  andre 
auslegung.  Neben  palletot  galt  palletoc  Roquef.  (noch  bei  Nicot),  woraus 
die  erstere  form  entstand  (auslautend  t  aus  c  ist  häufig);  der  Spanier 
sagt  ebenso  paletoque,  der  Bretone  paltök,  bürg,  paltoquai  heißt  bauer 
(daher  fr.  paltoquet),  so  daß  eine  zss.  palle-toque  (kaputzrock)  anzu- 
nehmen ist.  So  construiert  schon  Le  Gonidec  das  bret.  wort,  woraus  aber 
das  franz.  nicht  geflossen  sein  kann,  es  hätte  pautoc  oder  pautot  lauten 
müssen.   Das  neufr.  schreibt  paletot. 

Pampre  fr.,  pampol  pr.  weiniaub;  von  pampinus. 

Pan  altfr.  pr.  tuch}  stück  tuch,  fetzen  {lat.  pannus,  it.  panno,  sp. 
pafio)  erscheint  im  altfr  anz.  auch  in  der  bed.  weggenommene  sacke,  vb. 
paner,  pr.  panar,  sp.  apanar  wegnehmen,  und  hieraus  ist  engl,  pawn  und 
mit  angefügtem  dental  ahd.  phant,  altfries.  pant  wegnähme  wider  willen 
des  eigenthümers,  vb.  penta  pfänden,  an  geld  strafen,  mndl.  pant  schade, 
vertust  (Huydecoper  zu  Stoke  7,  460),  welches  letztere  dem  franz.  worte 
auch  begrifflich  ganz  nahe  tritt.  (Pfand  aus  lat.  panctum  für  pactum  s. 
Pott,  Beiträge  zur  vgl.  sprachf.  II,  49.)  Das  span.  verbum,  das  auch 
flicken  und  einwickeln  heißt,  verbindet  pan  klar  mit  pannus,  pafio,  daher 
auch  altfr.  despaner  zerreißen.  —  Zu  trennen  sind  buchstäblich  nah  lie- 
gende verba  %mit  der  bed.  büßen,  von  poenitere,  wie  espeneYr,  espanoir, 
auch  espenir,  espanir,  wie  Tobler  zeigt,  Jahrb.  VIII,  345. 

Panache  (m.)  federbusch;  von  penna,  sp.  penacho,  it.  pennacchio. 

Panne  fr.,  daher  sp.  pana,  felbel,  altfr.  aber  pene,  pr.  penna,  pena, 
altsp.  pefia  (belege  bei  Cabrera)  und  pena  (mucha  pena  va  e  grisa 
Apol.  349,  lies  var  e  grisa)  pelzwerk,  z.  b.  hermdin;  von  penna,  mhd. 
federe  d.  i.  feder,  weil  es  flaumartig  ist?  allein  lat.  penna  bedeutete  nie- 
mals  flaum,  pannus  aber  ist  pr.  pan :  das  roman.  wort  wird  also  wohl 
aus  dem  dtschen  Übersetzt  sein,  das  sowohl  pluma  wie  penna  heißt.  NaeJi 
Littre  ist  es  eher  eine  weibliche  form  des  lat.  pannus,  nicht  ohne  emfluß 
von  panus  büschel  wolle. 

Pantois  fr.  athemlos,  sbst.  pr.  pantais,  val.  pantaix,  cot.  pantex 
athemlosigkeit,  prov.  auch  noth,  Verwirrung,  vb.  altfr.  panteiser  Ben. 
II,  28,  pr.  pantaisar,  panteiar,  neupr.  pantaigei,  val.  pantaixar,  cot. 
pantexar  athemlos  sein,  verwirrt  sein,  fr.  pantoiement  engbrüstigkeü,  dsgl. 
p ante ler  keichen.  Diese  Wörter  führen  zunächst  auf  das  engl,  pant 
gleichbed.  mit  fr.  panteler,  das  sich  aus  dem  kymr.  pantu  niederdrücken, 
pant  druck  erklärt.  Auch  im  altital.  kommt  ein  vermutlich  aus  dem  prov. 
genomtnenes  vb.  pantasare  vor:  di  e  notte  pantasa,  das  Salvini  durch 
griechischen  anklang  verführt  mit  dem  adj.  tutta  erklärt,  Poet.  d.  pr.  sec. 
7,  10;  die  veron.  mundart  bewahrt  pantesar,  die  venez.  pantezare,  die 
cremon.  panselaa  (für  pantaselaa)  keichen.  —  Eine  beachtenswerthe  her- 
leitung aus  dem  von  Plautus  gebrauchten  pandiculari  sich  ausdehnen,  s.  b. 
beim  gähnen,  findet  sich  bei  Ed.  Müller  s.  v.  pant. 

Papier  fr.  nicht  wohl  unmittelbar  von  papyrus,  vielmehr  vom  adj. 
papyrius  durch  Versetzung  des  i  und  Verwandlung  desselben  in  e  (papiir 


II.  c.   PAR-PATOIS.  655 

papier):  dafür  zeugt  das  pr.  papiri.  Span,  papel  mag  vom  subst.  ab- 
stammen. 

Par  franz.  präposition,  in  den  Eidschwüren  und  in  spätem  denk- 
malen  noch  per  lautend,  aber  par  schon  im  gedieht  auf  Eulalia;  von  per, 
it.  altsp.  alipg.  pr.  gleichfalls  per  (altpg.  par  aus  dem  franz.),  wal.  pre. 
Dasselbe  wort  ist  das  begriffsverstärkende  altfr.  adv.  par,  das  aber  immer 
getrennt  steht,  wiewohl  es  dem  lat.  per  in  perdoctus  gleich  ist:  trop  par 
li  estes  dure  (allzu  hart),  vgl.  wegen  der  getrennten  Stellung  Terent.  Andr. 
3,  2,  6  per  ecastor  scitus  statt  perscitus. 

Par  fr.  in  der  formet  de  par  le  roi  im  namen  des  hönigs,  entstellt 
aus  part,  wie  man  altfr.  noch  schrieb,  also  'von  Seiten  des  hönigs*,  s.  Ray- 
nouard  ^Chx.  VI,  352. 

Parafe  fr.  (ni.)  federzug;  entstellt  aus  dem  gr.  naQayQayog,  7ictQa- 
YQctq>T)  beigeschriebenes  zeichen. 

Parbleu  franz.  interjeetion  der  bethewrung,  eilt  parbieu,  abgeändert 
aus  par  dien,  da*  unnütze  aussprechen  des  göttlichen  namens  zu  umgehen. 
Ähnlich  sagt  der  Spanier  par  diobre  für  par  dios. 

Parchemin  fr.  pergament;  von  pergamenum,  charta  pergamena 
(aus  Pergamus),  pr.  parguamina  u.  s.  w.,  altfr.  parcamin  Alexs.  57,  mit 
einer  seltenen  Steigerung  des  g  zu  c,  woraus  das  spätere  parchemin. 

Par  eile  fr.  ein  kraut,  rumex,  Xana&ov,  sp.  paradela;  von  pratum, 
weil  es  die  wiesen  liebt:  lapathi  prata  amantis  Horat.    S.  Menage. 

Parier,  die  franz.  dem  prov.  pairar  (s.  oben)  entsprechende  form. 

Parrain  fr.  pathe,  pr.  pairi,  sp.  padrino  ff.,  mlat.  patrinus  von 
pater,  so  daß  also  die  bUdung  oder  Schreibung  parrin  richtiger  wäre 
(parins  Voc.  duac.). 

Part  prov.  präpos.  für  lat.  trans,  ultra;  von  pars  in  der  bed. 
gegend,  seite. 

Parven  pr.  (al  jorn  parven  GRoss.  6335),  altit.  parvente  sichtbar, 
sbst.  pr.  parven,  parvensa,  it.  parvenza  schein;  von  parere,  parens,  mit 
eingefugtem  v  zum  unterschiede  von  parens  vater.  S.  auch  Zannoni  zu 
Brun.  Latini  p.  15. 

Parvis  fr.vorhof  der  hirche;  von  paradisus  (para'is  paravis  paryis), 
map.  paraviso,  it.  paradiso  in  ders.  bed.,  gr.  TtaQaöeiaog  park,  bask. 
(labort.)  gleichfalls  mit  ausgestoßenem  d  parabisua. 

Pas  fr.  als  ergänzung  der  negation,  von  passus  schritt;  je  ne  vois 
paß  eigentlich  =  non  video  passum  ich  sehe  keinen  schritt  weit.  Audi 
dem  Ftovenzalen  und  Catalanen  ist  pas  bekannt,  der  Fiemontese  nahm 
pa  aus  dem  franz.  herüber. 

Patois  fr.  volksmundart,  bauernsprache,  schon  im  Rom.  de  la  rose, 
hält  Menage  für  eine  entstellung  aus  patrois  von  patrius  sc.  sermo.  Bei 
Brunetto  Latini  wird  in  der  stelle  selonc  le  patois  de  France  tvirklich 
als  Variante  patrois  oder  auch  pratois  bemerkt,  was  indessen  einer  um- 
deutung  nicht  unähnlich  sieht  und  sonst  nicht  vorkommt.  Der  gebildete 
sieht  mit  germgschätzung  auf  die  mundarten  des  platten  landes  herab  und 


656  ILc.   PAUM1ER-PENTE. 

betrachtet  sie  leicht  als  kauderwälsch.  Frisch  meint  darum,  das  wart  sei 
'aus  dem  laute  einer  undeutlichen  spräche  pati  patapan*  entstanden,  dem 
man  das  henneg.  pati  pata  geschneiter  beifügen  kann.  Littre  erklärt  sich 
für  patrois. 

Paumier,  paumoier  altfr.  anfassen,  festhalten;  von  palma  hand. 
Besser  entspricht  der  bedeutung  des  lat.  Wortes  sp.  palmear  beklatschen, 
fr.  paumer,  mlat.  palmare  beohrfeigen. 

Paver  fr.  pflastern;  von  pavire  mit  vertauschter  conjugation  tote  in 
tousser  u.  a.,  mlat.  pavare. 

Pavot  fr.  mohn.  Möglich  ist  herkunft  aus  papaver,  indem  die 
vermeintliche  reduplication,  wie  in  andern  Wörtern,  vereinfacht  (daher  die 
prov.  form  paver),  die  endung  er  unterdrückt  ward;  vgl.  auch  ags.  papig, 
popig,  engl,  poppy,  kymr.  pabi,  norm.  papi.  Den  wilden  mohn  nennt 
der  Normanne  mahon,  worin  sich  das  ahd.  mägo,  mhd.  mähen  deutlich 
ausspricht. 

Peason  altfr.,  peazo  pr.  Ghx.  IV,  112  grundlage,  mlat.  pedatio; 
von  pedare  stützen. 

P  e  c  altfr.,  fem.  peque,  pr.  pec,  pega,  auch  pg.  peco,  bask.  peca, 
dumm,  einfältig;  von  pecus,  welches  auch  das  classische  latein  in  diesem 
sinne  anwandte.    Noch  Moliere  hat  das  fem.  pecque. 

Peindre  fr.  malen;  von  pingere,,  it.  pignere,  aber  sp.  pintar  = 
*pictare. 

Pele-mele  fr.  adv.  untereinander,  durcheinander.  Altfranz,  findet 
sich  umgekehrt  mesle-pesle  Ben.  I,  237,  und  dies  ist  vielleicht  richtiger, 
da  in  compositis  das  verbum  vorauszugehen  pflegt.  M£le  ist  klar;  das 
zweite  glied  aber  in  solchen  gereimten  doppelwörtern  kann,  wenn  nicht 
eben  fingiert,  doch  dem  ersten  so  angebildet  werden,  daß  es  schwer  zu 
erkennen  ist  (dahin  gehört  z.  b.  tire-lire  Sparbüchse);  man  denkt  theils 
an  altfr.  paesle  pfanne  (worin  verschiedene  dinge  durcheinander  gerührt 
werden),  theils  an  pelle  schaufei  (womit  die  erde  aufeinander  geworfen 
wird);  bürg,  paule- maule  sbst.  ist  erdattfwurf.  Auch  mesle-mesle  sagten 
die  Alten  ChLy.  p.  22. 

Pelfre  altfr.  beute  LRs.  212  (nicht  pelfrä  zu  schreiben),  pelfrer 
plündern,  norm,  peuffre,  peuffe  trödel;  =  engl,  pelf  hatf  und  gut,  pilfer 
entwenden,  beide,  wie  Johnson  sagt,  von  unbekannter  herkunft.  S.  auclt 
Ed.  Müller  v.  pelf. 

Pelle  fr.  schaufei;  von  pala  dass.,  it.  sp.  pr.  pala.  Daher  it.  pa- 
le tta  ff.  spatel. 

Peluche  fr.  (f.)  ein  gewebe  von  leinen  und  kameelhaar,  plüsch; 
vom  gleichbed.  it.  peluccio,  üblicher  peluzzo,  dies  von  pilus.  Span,  pelusa 
das  wollichte  an  fruchten  =  aUsp.  peluza,  cot.  pelussa,  ist  das  nämliche 
wort.    Aus  gleichem  stamme  ist  auch  fr.  pelouse  rasenplatz. 

Pen  eher  fr.  neigen,  hangen,  pr.  penjar,  pengar,  altsp.  pinjar;  von 
pendicare,  das  man  aus  pendere  ableitete. 

Pente  fr.  (f.)  abhang,  soupente  hangriemen;  von  pendere,  also 


ILc.   PEPIN-PIROUETTE.  657 

für  pende  wie  tente  für  tende.  Selbst  im  it.  pentola  (IL  a)  ward  d  mit  t 
vertauscht. 

Pepin  fr.  kern  des  kernobstes,  pöpiniöre  baumschule.  Nach  Frisch 
von  pepo  (altfr.  pepon,  iL  popone),  denn  es  habe  früher  pfeben-  oder 
gurkenkern  bedeutet;  das  entsprechende  sp.  pepino  heißt  nur  gurke.  Son- 
derbar  ist  die  berührung  stoischen  keim  oder  kern  undpfips  (kleine  schuppe 
an  der  Zungenspitze  des  federviehs)  sowohl  im  it.  pipita  wie  im  sp.  pepita; 
wcilon.  pepin  hat  sich  ganz  der  letzteren  bedeutung  hingegeben.  Eine 
originelle  herleitung  von  pepin  aus  pipinna  hat  Menage  in  seinem  werke 
niedergelegt. 

Perche  fr.  (f.)  stange;  von  pertica,  auch  sp.  pg.  percha.  Abgd. 
altfr.  perchant,  percant  dicker  prügel. 

Pätrir  fr.,  pr.  pestrir  kneten;  gleichsam  pisturire  von  pistura,  dies 
von  pinsere,  vgl.  cintrer  von  cinctura,  oder  besser7  da  es  derselben  con- 
jugation  folgt,  it.  scaltrire  von  scalptura. 

Pen  fr.  adverb,  bei  den  Alten,  wenn  auch  sehr  selten,  noch  adjectiv : 
poies  choses  LJ.  488m,  est  poie  sa  vie  Ben.  II,  37  u.  a,;  von  paucus, 
pr.  pauc,  it.  sp.  poco. 

Peur  fr.  furcht,  alt  paour  u.  a.  formen:  von  pavor,  ital.  nach  1.  decl. 
paura.  Ein  älter  grammatiker  bemerkt  pavor,  non  paor  App.  ad  Probum. 

Phiole  fr.  gläserne  flasche;  entstellt  aus  phiala,  it.  fiala,  piem.  fiola, 
auch  mUxt.  fiola  e.  b.  Gl.  erford.  p.  330,  lindenbr.  95*. 

Picorer/r.  auf s  .  plündern  ausgehen;  eigentl.  auf  vieh  ausgehen, 
von  pecus.   Das  sp.  subst.  pecoräa  legt  die  etymologie  deutlicher  zu  tage. 

Pi6ge  fr.  (m.)  schlinge;  von  pedica,  it.  piedica,  wol.  peadece,  aber 
masc.  auch  pg.  pejo. 

Pier  (pyer)  fr.  stechen  Test,  de  Pathelin,  s.  auch  Wrightfs  Anecd. 
p.  63m;  ein  nach  dem  gr.  itteiv  schereweise  gebildetes  wort,  wie  auch  der 
Spanier  empinar  aus  e^iniveiv  oder  der  Franzose  trinquer  aus  dem  dtschen 
trinken  bildete.  Daher  piot  trunk  weines,  vb.  norm,  pioter,  wobei  doch 
wohl  nicht  an  pivot  (zapfen)  zu  denken  ist. 

Pieu  fr.  pfähl;  von  palus,  auf  eine  freilich  fast  illegitime  weise, 
wobei  sich  nur  das  den  neufranz.  bildungsgesetzen  wenig  entsprechende 
altfr.  tel,  tiel,  tieu  =  talis  vergleichen  läßt.  Fände  sich  ein  altfr.  pieil, 
so  würde  dies  auf  piculus  piclus  =  piquet  etwas  zugespitztes  führen, 
woher  auch  it.  picchio. 

Pilori  fr.  (m.)  pranger,  engl,  pillory,  pr.  espitlori,  pg.  pelourinho. 
Ducange  verweist  das  franz.  wort  auf  pilier,  Grimm,  Rechtsalt.  p.  725, 
auf  das  mhd.  pfilaere.  In  beiden  fällen  hat  es  etwas  anomales,  nur  das 
ndat.  pilarlcum  wäre  eine  normale  ableitung.  Andre  mlat.  zum  theil  in 
das  13.  jh.  hinaufreichende  bildungen  sind  pilloricum,  pellericum  (aus 
Aragon),  pellorium,  piliorium,  spilorium. 

Pirouette  fr.  drehrädchen,  pirouetter  sich  im  kreiße  drehen;  zsgs. 
<ms  pivot  zapfen,  eigentlich  aus  dessen  nicht  vorhandenem  primitiv  pive 
=  it.  piva,  weil  es  auf  einem  zapfen  steht,  und  roue  rad. 

42 


658  ILc.   PIS— PLIE. 

Piß  fr.  euter,  altfr.  brüst,  von  pectus,  pr.  peitz.  Die  andern  spra- 
chen verschmähen  diese  bedeutung,  doch  hat  auch  das  lomb.  pecc,  das 
limous.  piei  (f)  sie  entwickelt. 

Pitaud  fr.  grober  bauet;  dg  mtl.  fußgänger,  von  pedes  peditis,  vgl. 
pi&on  (Le  Duchat). 

Pivoine  eine  bhme,  pfingstrose;  von  paeonia,  it.  peönia,  sp.  peonfa. 

Plafond  fr.  decke  des  zimmers;  esgs.  aus  plat  fond  platter  grund, 
glatte  ausfüüung  zwischen  den  balken.    Daher  sp.  paflon. 

Piain dre  klagen;  von  plangere, pr.  planher,  it.  piagnere,  sp.  planir. 

Plais,  plaissa  pr.  hecke,  Umzäunung,  vb.  altfr.  plaissier,  plessier 
umzäunen,  partic.  als  sbst  pr.  plaissat,  altfr.  plesstä,  dsgl.  pr.  plaissaditz, 
dttfr.  plessels  park,  nfr.  Plessis  als  Ortsname;  von  plexus  geflochten,  plais 
also  flechtwerk,  ineinander  geflochtene  zweige. 

Plaque  fr.  (f.)  platte,  plaqner  plattieren,  placard  anschlagzettd; 
besser,  da  diese  Wörter  speciell  franz.  sind,  vom  ndl.  plak  (f.)  flaches  holz, 
Scheibe,  plakken  aufhieben,  als  vom  gr.  nlxx}*  (f.)  platte. 

Plevir  pr.  altfr.  versichern,  verbürgen,  pr.  plieu,  fr.  pleige  bürg- 
schaft  {daher  venez.  plezo,  sie.  preggin);  dsgl.  plevina,  plevine,  plevizö. 
Wächter  verweist  auf  das  ahd.  pflegan,  dem  er  die  bed.  verbürgen  bei- 
legt, es  heißt  aber  besorgen,  verwalten,  und  bei  diesen  juristischen  Wörtern 
ist  die  bedeutung  etwas  strenger  zu  wägen.  Rücksicht  verdient  die  her- 
leitung  aus  lat.  praes  praedis  bürge:  hieraus  konnte  sich  zur  noth 
ein  inf.  plevir  für  ple-ir  gestalten,  nimmer  aber  ein  präs.  pleu,  pliu, 
dessen  auslaut  auf  radicales  b  oder  v  hinweist,  wie  in  beu  (bibit),  den 
(debet),  escriu  (scribit),  mou  (movet).  Für  das  sbst  pleige  aus  prae- 
dem  wäre  noch  weniger  rath:  erst  praedium,  dessen  bedeutung  aber  wenig 
zusagt,  konnte  eine  solche  form  erzeugen.  Man  erwäge  folgenden  erklä- 
rungsversuch.  Plevir  ist  =  praebere,  vgl.  wegen  1  für  r  temple  aus  tem- 
pora,  Planchais  aus  Prancatius,  Pancratius:  der  eigentliche  ausdruck  für 
bürgen  nämlich  ist  plevir  la  fe  d.  h.  praebere  fidem,  abgekürzt  plevir, 
und  so  war  auch  praebere  sacramentnm  (z.  KL.  Wisig.,  Longob.)  üblich. 
Das  sbst.  pleige  paßt  trefflich  zu  praebinm  gegenmittd,  Sicherheit  (was 
man  vor  sich  trägt,  prae-hibet,  praebet,  schütz,  amuletj;  plevizo  aber  ist 
buchstäblich  praebitio.  —  [Gachet  hat  diese  etymologie  erwogen,  ist  aber 
nicht  beigetreten.  Gewiß  entspricht  praes  dem  begriffe  besser  als  prae- 
bere, seine  grammatische  Unvereinbarkeit  aber  mit  plevir  so  wie  die  logische 
von  praedium  ist  oben  ausgesprochen.  Darum  vermuihet  er  ein  aus  prae- 
ditus  entstandenes  verbum  praedire  =  plevir.  Diese  unform,  die  doch 
nur  begaben  heißen  könnte,  würde  indessen  keinen  bessern  sinn  gewahren 
als  praebere,  ja  einen  schlechteren,  denn  was  sollte  'sein  wort  begaben 
heißen?] 

Plie  fr.  ein  fisch,  platteis,  engl,  plaice;  nach  der  bedeutung,  ober 
nicht  nach  dem  buchstaben,  das  lat.  platessa  bei  Ausonius,  sp.  platija, 
pg.  patru^a.  Plie  steht  für  plaie,  das  aus  plate,  femin.  von  plat  flach, 
entstand  und  zum  unterschiede  von  plaie  =  plaga  so  gestaltet  ward,  wozu 


ILc.   PLISSER-POITRINE.  659 

sich  oublie  für  oublaie  aus  oblata  vergleichen  läßt;  nachNemnich  II,  1011 
heißt  derselbe  fisch  auch  plane.    Piaig  "plie    Vocab.  opt.  4ßb. 

Plisser  fr.  falten;  participialverbum,  von  plioare  plicitus  plic'tus 
plictiare. 

Plusieurs  fr.,  pr.  plusor,  altit.  plusori,  camparativ  für  lat.  plures, 
welches  die  spräche  verschmähte,  weil  ihm  das  kenneeichen  des  comparativs 
abgieng;  sie  wählte  dafür  eine  neue  ableitung  aus  dem  neutrum  plus,  die 
sich  dem  alttat.  von  Varro  bemerkten  superl.  plusimus  vergleicht.  Das 
fast  übel  lautende  mlat.  pluriores  (bereits  bei  Fulgentius  Plane.,  nach 
Fuchs  Roman,  spr.  p.  337)  fand  bei  ihr  keine  aufnähme.  8.  Roman, 
gramm.  II,  73. 

Poche,  mundartl.  poqae,  pouque  tasche,  ein  special  frans,  wort, 
wie  es  scheint  aus  England  eingeführt:  ags.  pocca,  engl,  poke,  nord.  poki 
tasche,  beutet,  vgl.  ndd.  pokke  Matter  d.  i.  blase,  engl.  pock.  Mit  ponga 
II.  a  ist  es  gewiß  unverwandt. 

Poe  altfr.,  pr.  pauta,  cat.  pota;  vom  ndl.  poot  =  hd.  pfote.  Daher 
bürg,  potiche  handvoll? 

Po  Sie  fr.  (f.)  pfanne,  bei  den  Alten  paiele  Fier.  p.  68,  14,  paele, 
paesle;  vom  lat.  patella,  it.  padella,  sp.  padilla.  Aber  aus  dem  frans. 
paiele  ist  sp.  payla,  pg.  pella. 

Po  feie  fr.  (m.)  thronhimmel,  altfr.  poesle;  vermutlich  vonnhalov 
etwas  ausgebreitetes,  dolde,  nüat.  petalum  goldblech  auf  dem  haupte  des 
papstes.  In  der  bed.  Schleier  leitet  man  es  von  pallium,  das  aber  nur 
paile  geben  konnte,  pr.  pali;  man  sehe  indessen  auch  den  Krit.  anhangp.  17. 

Po  Sie  fr.  (m.)  heizbare  wohnstubef  auch  ofen,  altfr.  poisle.  Mlat. 
formen  sind  pfsele  Edict.  Roth.,  pfselis  (803),  piselum  8.  Adal.,  pisalis : 
den  accent  der  ersten  beweist  der  unsichere  vocal  der  zweiten  silbe  (falsch 
pisälis  geschr.  Gl.  präg.  ed.  HoffmO;  <&*#"  kommt  noch  bisle  (für  pisle) 
Gl.  cass.,  ahd.  phesal  das.,  mhd.  phisel,  phiesel,  fries.  pysel.  Eckhart 
leitet  das. wort  vom  gr.  nvq,  weil  im  späteren  mlatein  eine  geschwächte 
form  pyralis  vorkommt.  Formell  weist  es  auf  lat.  pänsile,  syncopiert 
pesile,  allein  der  logische  Zusammenhang  ist  nicht  deutlich:  Ducange's  er- 
klärung  aus  pensum  (a  mnlieribus,  quae  pensa  trahunt,  daher  ihr  aar- 
beitseimmer  pönsile)  verstößt  gegen  die  granmotik,  die  kein  rom.  suffix 
Tle  kennt.  Das  alterthum  redet  von  horreum  pensile,  das  mittdalter  von 
domus  pensilis,  camera  pendens;  dies  bleibt  zu  erwägen. 

Poindre  fr.  stechen,  altfr.  auch  das  ross  antreiben,  daher  sbst. 
poindre  das  anrennen  im  kämpf  (espoindre  Gar.  II,  165),  mhd.  poinder; 
von  pungere,  pr.  ponher,  it.  pungere. 

Poisson  fr.  fisch;  abgel.  von  piscis,  pr.  peis,  bereits  im  Fragment 
von  Valenciennes  pescion,  iL  pescione. 

Poitrine  fr.,  pr.  peitrina  brüst,  gleichsam  pectorina,  noch  dauph. 
peituriDa;  urspr.  wohl  bruststück  oder  brustriemen  =  sp.  petrina,  pretina 
gürtet,  alisp.  petrina  aber  auch  für  peoho  Mar.  Egipc.  Altfr.  hatte  man 
noch  das  oben  erwähnte  einfache  pis  =  pectus. 


660  ILc.   POLISSON-POUDRE. 

Po liß soii  fr.  gassenjunge,  daher  sp.  polizon;  von  polir  wie  bouffon 
von  bouffer,  eigentlich  einer  der  die  straßen  glatt  macht,  sich  auf  ihnen 
herumtreibt,  vgl.  nourriQon  pflegling  von  dem  gleichfalls  abstracten  nutritio. 
Bestätigung  gewährt  das  henneg.  polisso  bügdeisen  (etwas  glättendes). 

•  Ponce  fr.,  in  der  Verbindung  pierre  ponce  bims  stein;  von  pumex, 
it.  pomice,  sp.  pömez.    Daher  sbst.  poncis,  vb.  poncer. 

Ponceau  fr.  hochroth;  von  puniceas,  punicellus  dass.,  pr.  mit  ver- 
tauschtem suffix  punicenc.  Das  lat.  puoiceus  geht  auf  phoenicens,  q>oi- 
vUeog  zurück  und  bezeichnete  zuerst  die  färbe  der  dattdpalmfVüchte  in 
ihren  Stadien  der  röthung  und  man  unterschied  davon  purpareug  als  eine 
dem  schwarzen  näher  liegende  Schattierung,  bemerkt  Röster,  Etym.  der 
farbenbezeichnungen.  Auffallend  ist,  daß  die  schwestersprachen  dieses  wort 
nicht  aufgenommen  haben. 

Pondre  fr.,  pr.  pondre,  cot.  pöndrer  eier  legen;  von  ponere,  allen 
drei  sprachen  nur  in  diesem  sinne  bekannt. 

Por,  puer  altfr.,  pr.  por,  pore,  partikel  mit  gewissen  verbis  wie 
gitar,  traire,  volar  verbunden,  z.  b.  por  gitar  wegwerfen;  von  porro. 

Pore- 6p ic  fr.  Stachelschwein.  In  6pic  konnte  sich  eine  alte  form 
von  6pi  =  pr.  espic  fortgepflanzt  haben,  die  stacheln  des  thieres  hätte 
man  mit  einer  kornahre  verglichen.  Bob.  Stephanus  (1639)  und  Nicot 
schrieben  noch  porc-espi,  was  aber  für  die  etymohgie  nichts  bedeutet. 
Ital.  heißt  es  porco  spino  dornbusch-schwein,  auch  porco  spinoso,  sp. 
puerco  espin  oder  schlechtweg  espin,  neupr.  porc-espin,  engl,  porenpine. 
Das  thier  ist  in  Frankreich  nicht  einheimisch,  um  so  wahrscheinlicher  ist 
es,  daß  man  mit  dem  fremden  worte  eine  dbänderung  vornahm,  denn 
porc-6pin  hätte  keinen  sinn  gegeben. 

Po  rohe  fr.  (m.),  pr.  porge  vorhof;  von  porticus,  it.  portico. 

Posnöe  altfr.  gepränge,  übermuth  (kraft  Gaufr.  p.  116.  118),  pod- 
n£e  in  den  Livr.  d.  rois  (wie  hier  adne  für  asne),  ein  übliches  dem  Pro- 
venzalen  unbekanntes  wort  verborgener  herkunft. 

Possa,  poussa  pr.  brustwarze;  eigentl.  wohl  knospe  =  fr.  ponsse 
von  pousser  treiben,  ausschlagen. 

Potasse  fr.  ein  aus  pflanzenasche  ausgelaugtes  alkalisches  salz;  vom 
dtschen  pott-asche,  auch  kessel-asche  genannt,  s.  Adelung. 

Poteau  fr.,  postel  pr.  pfähl;  von  postis,  norm,  pot 

Potence  fr.  krücke,  kniestütze  u.  dgl.;  rrüat.  potentia  s.  MSnage, 
also  macht,  stütze,  in  concreter  bedeutung. 

Poterne  fr.  hinterthüre,  heimliche  thüre;  entstellt  aus  aA/r.  posterle, 
pr.  posterlla,  auch  it.  postierla,  von  posterula  Seitenweg. 

Pouacre  fr.  unflätig;  freie  bildung  aus  der  interj.  pouah  pfui. 
Synonym  ist  bürg.  norm,  polacre,  pic.  polaque,  npr.  poul&cre. 

Poudre  fr.  (f.)  staub,  von  pulvis  pulverig  (pol're  poldre).  Wie 
aber  ist  poussiere  Staubwolke  zu  verstehen,  wofür  man  altfr.  porriere 
sagte,  noch  im  16.  jh.  pouldriere  schrieb  ?  Die  prov.  spräche  hat  pols 
von  pulvis,  eitle  solche  nominativform  aber  zeugt  nur  höchst  selten  ablei- 


ILc.  POUILLE-PUIRIER.  661 

hingen:  es  ist  darum  in  poussiire  für  pourrifcre  ein  eigentümlich  franz. 
übertritt  des  r  in  s  vor  sich  gegangen,  worüber  oben  besicle  zu  ver- 
gleichen ist. 

Pouill6  fr.  register  der  geistlichen  Stiftungen,  früher  in  weiterem 
sinne  genommen,  muß  allerdings  in  polyptychum  (vielblätteriges  heft  oder 
buch)  seinen  grund  haben,  mlat.  polecticum,  poleticum,  woraus  man  sich 
zunächst  mit  Salmasius  (s.  Menage)  ein  derivatum  polyptycarium  denken 
muß,  hiecon  fr.  pouiller,  geschrieben  pouill6.  Die  zusammenziehung  wäre 
nicht  stärker  als  die  in  grammaire  aus  grammaticaria;  ein  altes  Zeugnis 
für  das  genannte  derivatum  würde  jeden  zweifd  niederschlagen. 

Poulain  fr.  füllen;  von  pullus,  pr.  polin. 

Poulier  fr.  aufwinden,  poulie  rolle,  Jdoben,  daher  sp.  poläa,  pg. 
pol£ ;  vom  ags.  pallian  =  engl,  pull  ziehen,  pull  up  aufwinden,  engl,  polley 
aber  aus  fr.  poulie.  Nach  Le  Duchat  vom  dtschen  spule,  nicht  wahr- 
scheinlich, weil  der  abfall  des  anlautenden  s  ein  seltener  Vorgang  ist. 

Pourpoint  fr.,  perponh  pr.,  auch  sp.  perpunte,  pespunte,  pg. 
pesponto,  gestepptes  wams;  mlat.  perpunctum,  weil  es  durchstochen,  durch- 
näht war.    Franz.  pour  für  per  s.  Rom.  granrn.  U,  429. 

Po u 88 in  fr.,  pouzi pr.  junges  hühnehen;  von  pullicenus  bei  Lam- 
pridius,  vgl.  puloini  'hanchli'  (hühnehen)  Gloss.  cassell. 

Prgcher  fr. predigen,  pg.  pregar  ff.,  sbst.  fr.  pr&che  (m.),  pr.  prezfc 
predigt;  von  praedicare  bekannt  machen,  öffentlich  reden. 

Preindre  altfr.  pressen  (präs.  3.  plur.  priement  LRs.  178,  Ben. 
I,  p.  213),  pr.  premer;  von  premere.  Zsgs.  nfr.  6preindre  =  exprimere, 
empreindre  =  imprimere,  alt  depreindre  =  deprimere.  Vgl.  imprenta  I. 

Prince  fr.,  pr.  prince,  prinsi,  daher  it.  prenze  fürst;  von  dem  im 
prov.  noch  vorkommenden  prineeps,  vermöge  einer  starken  abkürzung, 
womit  sich  etwa  die  von  £veque  aus  episcopus  vergleicht.  Altfr.  prinoier 
von  primiceriu8. 

Prinsautier  altfr.  rasch,  behende,  noch  bei  Montaigne  (der  es  aber 
nicht  geschaffen  hat,  wie  Monnard  sagt)  esprit  prime-sautier;  vom  adv. 
de  prinsaut  =  primo  saltu  im  ersten  Sprung,  sogleich. 

Pro  che  fr.,  propi  pr.  nahe;  von  propius,  dies  letztere  auch  in 
propiare  sich  nähern,  bei  Paulinus  Nolanus  (6.  jh.),  appropiare  Vulg. 
Ev.  Luc.  10,  34  (nach  Funccius),  auch  wal.  apropYä;  daher  fr.  appro- 
cher,  pr.  apropchar,  cdtit.  approcciare.     Vgl.  unten  reprocher. 

Pröne  fr.  (m.)  predigt,  proner  predigen,  preisen;  von  praeconium 
lobrede  (preone  prone). 

Prüde  fr.  geziert;  ein  allen  schwestersprachen  fehlendes  adjeetiv, 
abgezogen  aus  der  zss.  prud'homme,  alte  form  für  preud'homme  (wie 
auch  preude  femme,  prode  femme),  pr.  prozom,  sp.  prohombre,  it.  pro- 
duomo  wackerer  mann,  ehrenmann,  denn  prüde  hieß  ursprüngl.  sittsam. 
Andre  denken  an  prudens,  oder  an  eine  unvorhandene  form  prudns  für 
proyidus. 

Puirier   altfr.   darreichen  z.  b.   de  main  en  main   Gayd.  p.  7. 


662  He.   PUNAIS-RABASTA. 

Aus  porrigere,  das  auch  die  itad.  spräche  besitzt,  kannte  frans,  zuerst 
puirir,  demnächst  mit  ausweichung  in  die  erste  conjugation,  ein  bei  den 
Alten  seltener  Vorgang,  puirier  werden.  Roquefort  hat  ohne  beleg  puire 
foffrir,  presenter';  es  wird  eine  präsensform  sein. 

Pnnais  fr.,  putnais  pr.  stinkend,  daher  sbst.  fr.  pnnaise,  engl. 
punice  warne  (bürg,  schlechtweg  puant);  vom  adj.  put  =  putidns,  mit 
einem  suffixe,  dem,  wie  es  scheint,  ein  it.  putt-on-azzo  entsprechen  würde 
(attmail.  nur  pnnax  Bonves.,  piem.  punas),  vgl.  palais,  palazzo;  der 
Picarde  sagt  vielleicht  richtiger  punasse.  Stützt  sich  die  heutige  bedeu- 
tung  des  franz.  Wortes  etwa  auf  die  falsche  Zerlegung  desselben  in  pn-nez? 
aber  ai  und  e  sind  verschiedener  ausspräche.  Bei  den  Alten  bedeutet  es 
überhaupt  putidus,  pr.  putnais  fuec  d'infern  stinkendes  feuer  der  holle; 
in  der  thierfabel  führt  daher  der  ütis  den  namen  Pasnais. 

Pupitre  fr.  (m.)  pult;  von  pulpitum,  it.  pulpito. 


Q. 

Quandius  prov.  partikd,  Bth.  v.  1,  SLeg.  9. 12. 19;  von  quamdiu, 
vgl.  Altrom.  sprachdenkm.  p.  46. 

Queux  fr.  (f.)  Wetzstein;  von  cos  cotis,  pr.  cot,  it.  cote. 

Queux  altfr.  koch;  von  coquus,  it.  cuoco. 

Quin,  quinh,  fem.  quina,  quinha,  alt-  und  neupr.  fragpronomen, 
wald.  fem.  quena  Hahn  567;  etwa  von  qninam?  wal.  eine. 

Quivrer  altfr.  wecken,  ermuntern  TCant.  p.  31;  vom  engl,  quiver 
hurtig,  thaiig  HaUiw.,  ags.  eviferlike  unruhig,  vb.  engl,  quiver  zittern. 

Quora,  quoras,  quor  pr.,  noch  jetzt  curo,  churw.  cura,  cor,  zeit- 
partikd;  von  qna  hora  oder  rom.  que  ora. 


R. 

Rabächer  fr.  seine  reden  oft  und  unnütz  wiederholen,  bei  Roquefort 
rabacher,  nicht  rabascher.  Etwa  gleicher  herkunft  mit  it.  abbacare  alberne 
reden  führen,  aber  dieses  wort  selbst  ist  noch  ungelöst,  da  die  deutungen 
aus  abacus,  äßaxelv,  evagari  seinen  begriff  nicht  befriedigen.  Übrigens 
fehlt  es  auch  dem  franz.  worte  nicht  an  älteren  und  neueren  erklärungen, 
die  eben  so  wenig  genügen.  Ravacher  wird  aus  dem  14.  jh.  nachgewiesen. 

Rabasta  pr.,  nur  in  einer  stelle  vorhanden  (entrels  desleials  baros 
mi  plai  rabasta)  und  etwa  zank,  gezerre  bedeutend,  daher  das  neupr.  vb. 
rabastejä  zanken,  stören,  altfr.  rab&ter  poltern  u.  dgl.,  noch  jetzt  unter 
dem  volke.  Sicher  nicht  von  (Kxßarteiv,  Qaßdooeiv,  dem  man  mit  besserem 
rechte  das  it.  arrabbatarsi  zuweist;  es  erinnert  an  rapere  raufen,  aber 
ein  suffix  ast  ist  nicht  mit  Sicherheit  anzunehmen.  Schwäbisch  robosteln 
zerzausen  (SchmidJ  mag  daraus  entstellt  sein. 


ILo.   RABLE— RAIRE.  663 

Räble  fr.  (m.),  alt  roable,  occ.  redable  ofenkrücke;  von  rutabulum 
mit  ders.  bed. 

Raboter  fr.  hobeln,  die  gartenwege  ebenen,  daher  rabot  höbet,  garten- 
schaufei;  trifft  zusammen  mit  dem  pr.  rebotar,  it.  ributtare  zurückstoßen 
(zu  bottare  I.J,  ist  also  eine  der  spräche  verbliebene  alterthünüiche  form 
für  rabouter,  wozu  sich  das  veraltete  abouter  gesellt.  Die  grundbedeutung 
tritt  besser  hervor  im  adj.  raboteux  holperig  d.  h.  zurückstoßend,  vgl. 
mndl.  rabot  hmdernis. 

Rabongrir  fr.  verkrüppeln,  verhütten;  nach  Frisch  vom  dtsch. 
buckel;  muh  Scheler  durch  Umstellung  vom  dtsch.  krup,  krüppel;  nach 
Littre  vom  fr.  bougre  ketter,  später  ein  Schimpfwort,  auf  etwas  misgestal- 
tetes  übertragen.  Beiderlei  ansichten  lassen  sich  einigen:  ein  wort  wie 
krüppel  konnte  zu  gründe  liegen,  welches  man  später  nach  bougre  um- 
formte, um  eine  Verwünschung  hineinzutragen:  ähnlich  z.  b.  sprach  der 
Provenzäle  Bafomet  für  Mahomet  (bafa  lüge). 

Raca,  racca  pr.  schlechtes  pferd,  mähre,  fr.  racaille  hefe  des  Volkes; 
vielleicht  vom  nord.  racki,  engl,  rack  hund  (ndl.  nhd.  rekel);  ebenso  Ca- 
naille von  canis. 

Rache  fr.  (f.)  bodensatz  des  theers;  scheint  entstanden  aus  einer 
abl.  rasica  von  rasis  harz,  vgl.  ragia  IL  a,  also  verschieden  von  rasche 
grind,  s.  rascar  I. 

Räch  er  c&tfr.,  wallon.  recht,  pic.  raquer,  pr.  racar,  comask.  racä, 
reca  ausspeien;  vom  altn.  hräki  speichel,  hrsekia  speien,  ags.  hrokan. 
Das  neufr.  er  ach  er  scheint  Verstärkung  desselben  wertes;  zsgs.  pr.  es- 
cracar  (sbst.  crai),  sie.  scraccari,  chw.  scracchiar. 

Racine  fr.,  pr.  razina  würzet;  gleichsam  radicina  von  radix,  eine 
seitsamer  weise  auch  im  wal.  redecine  entwickelte  form. 

Radeau  fr.,  radelh  pr.  floß;  von  ratis. 

Radoter  fr.,  alt  redoter  aberwitzig  schwatzen,  besonders  wie  alte 
leute  thun:  il  enveillissent  et  redotent  FC.  II,  336.  Man  könnte  unser 
reden  zu  gründe  legen,  wenn  dessen  bedeutung  geeigneter  wäre.  Besser 
befriedigt  das  bereits  von  Frisch  und  Jault  vorgebrachte  engl,  to  dote 
kindisch  werden  =  ndl.  doten  KU.,  jetzt  dutten  schlummern,  träumen, 
kindisch  sein,  mhd.  totzen  schlummern,  vertuzen  ausser  fassung  kominen, 
pari.  nhd.  verdutzt.  Das  im  franz.  vorgesetzte  re  oder  ra  dient,  die 
Handlung  als  eine  immer  wiederkehrende  auszudrücken. 

Rago fiter  fr.  die  eßlust  reizen,  daher  ragofit  reizendes  würziges 
gericht;  von  re-ad-gustare,  vgl.  it.  torna-gusto  s.  v.  a.  ragofit.  So  be- 
deutet auch  fricandeau  eigentl.  ein  leckeres  gericht. 

Raguer  fr.  verreiben;  nord.  raka  reiben. 

Raifort  fr.  meerretlig;  von  radix  fortis  starke,  kräftige  würzet. 
Radis  (m.),  it.  radice  (f.)  monatrettig,  von  radix  radicis. 

Rain  fr.  in  rain  de  bois  waldgränze  (Trev.);  vom  ahd.  rain  rand, 
nhd.  gleichlautend,  ndl.  reyn,  reen  KU. 

Raire  fr.  schreien  (vom  hirsch).    Die  lat.  verba  mugire,   rugire, 


664  ILc.    RAISE— RANC. 

vagire  gaben  mit  ihrem  stammauslaut  g  anlaß  zur  bildung  des  natur- 
ausdruckes  ragire,  der  sich  franz.  in  räire  zusammenzog,  ital.  sich  in 
ragghiare  erweiterte:  ebenso  ward  aus  mugire  altfr.  müire,  ital.  maggbiare. 
Das  ahd.  reran  kann  nicht  darin  enthalten  sein. 

Raise  altfr.  kriegszug  (wenig  üblich,  auch  r&se  geschr),  s.Ducange 
s.  v.  reisa;  vom* ahd.  reisa,  mhd.  reise  mit  ders.  bed.,  nhd.  reise  nur  mit 
der  bed.  iter,  voyage. 

Raisin  fr.}  razim  pr.  traube;  von  racemus,  sp.  raeimo  ff.,  vgl.  ra- 
cimns  Gl.  erford.  372,  9.  Altfr.  pic.  auch  rosin  s.  Hecart  {daher  unser 
rosine). 

Raissar  pr.  reizen?  (die  bedeutung  ist  nicht  sicher),  adj.  raissos 
eifrig?  für  reissar,  reissos  von  rixari  (transit.  genommen),  rixosus?  Der 
wechsd  zwischen  ei  und  ai  ist  in  dieser  mundart  nicht  unüblich. 

Räler  fr.  röcheln;  deutschen  Ursprungs:  engl,  rattle  gleichbed.,  ndl. 
nds.  ratelen,  nhd.  rasseln.  Dahin  der  name  eines  vogels,  riüe,  der  neu- 
prov.  mit  dem  synonymen  ronfle,  vom  vb.  rouflA  d.  i.  fr.  ronfler,  bezeichnet 
wird,  womit  auch  das  pic.  rousselet,  von  unserm  mdarü.  rossein  (röcheln), 
zusammentrifft;  gleicher  bedeutung  ist  der  span.  name  ronca  und  unser 
wiesenschnarcher;  unser  ralle  aber  ist  aus  räle  (Weigand). 

Ralingnes  fr.  (m.  pl.)  seile,  womit  man  die  segel  einfaßt;  zsgs. 
aus  ndl.  raa,  schwed.  ra  segelstange,  und  ndl.  leik,  schwed.  llk  saumtau, 
daher  das  deutsche  raa-leik  derjenige  theU  des  leiks,  womit  die  obere 
kante  eines  raasegels  befestigt  ist  (Campe),  im  franz.  etwas  verschieden 
genommen.  In  raalingues,  raelingues  Brt.  II,  140  spricht  sich  noch  eine 
alte  zweisilbige  form  von  raa  (mhd.  rahe)  aus;  mit  der  endung  ingue  für 
ique  wollte  man  dem  wort,  wie  es  scheint,  ein  recht  deutsches  gepräge 
geben.    Die  etymologie  ist  übrigens  von  Jod,  s.  Brt.  I.  c. 

Rame  fr.  (f.)  rüder;  buchstäblich  das  it.  sp.  pr.  rama  ast,  in  seiner 
bedeutung  aber  durch  remns  bestimmt,  das  der  franz.  spräche  ursprünglich 
gewiß  nicht  fehlte,  ihr  jedoch  als  eine  zu  ausdruckslose  form,  denn  es 
halte  rein  lauten  müssen,  misfiel.  Aus  demselben  gründe  ward  das  gleich- 
lautende rain  (lat.  ramus)  später  mit  rameau  vertauscht.  Merkwürdig 
trifft  damit  das  gael.  ramh  (m.)  zusammen,  das  sowohl  ast  wie  rüder  oder 
rühr  stock  bedeutet,  aÜir.  ramse  =  lat.  remi  Zeuß  I,  20.  Die  henneg. 
form  ist  r&ne  (f.),  die  neupr.  remo  (für  rema). 

Rame,  ramette  fr.  rahmen  der  buchdrucker  (auch  sp.  rama,  und. 
rame);  aus  dem  deutschen. 

Ramequin  fr.  käsegebackenes;  vom  dtschen  rahm,  wie  schon  Menage 
anmerkt. 

Ramon  fr.  stumpfer  besen;  ramoner  den  Schornstein  fegen;  von 
ramus,  vgl.  sp.  ramon  laubwerk. 

Ran  picard.  widder;  vom  ahd.  ndl.  ram  mit  gl.  bed.  Champ.  aran 
Tarbe  II,  177. 

Ranc  pr.,  ran  occ.  Jdippe,  csaxum  eminens  super  aquas*  GFrov.  41. 
Dieses  special  prov.  wort  würde  sich  etwa  mit  gr.  ^a%ag  riff  oder  selbst 


II.  c.   RANCHE-RAUSA.  665 

mit  Qcnwg  ranzet  (denn  fdsen  haben  risse)  in  ein/dang  bringen  lassen. 
Besser  aber  faßt  man  es  als  das  primitiv  zum  altsp.  rancon  winkel  (s. 
rincon  IL  b),  indem  man  wegen  der  bedeutung  pr.  anglar  (s.  oben) 
vergleicht. 

Ran  che  fr.  (f.)  sprossen  einer  Stangenleiter;  von  ramex  ast,  Stange, 
s.  Potts  Forsch.  II,  21. 

RanQon  fr.,  vrU.  raan$on  lösegeld;  von  redemtio. 

Rang  fr.,  pr.  renc,  arrenc  reihe,  vb.  fr.  Tanger,  arranger,  pr.  rengar, 
arrengar  in  die  reihe  stellen.  Das  wort  hat  weite  Verbreitung  gefunden: 
nhd.  ndl.  schwed.  rang,  engl,  rank,  hymr.  rhengc,  bret.  refik,  auch  piem. 
ren  u.  ran.  Sein  Ursprung  läßt  sich  füglich  auf  ein  dtsches  wort  zurück- 
leiten,  das  dem  "Romanen  noch  eine  andre  büdung  dargeliehen  (s.  aringo  L), 
nämlich  ahd.  bring,  mhd.  ring  kreiß,  insbesondere  kreiß  zu  einem  be- 
stimmten zwecke  aufgestellter  personen,  also  eigentl.  hreißformige  reihe, 
wobei  aber  die  kreißform,  wie  beim  ahd.  riga  (s.  riga  IL  a),  zur  neben- 
sache  ward;  vb.  ahd.  hringön  einen  kreiß  machen,  in  einen  kreiß  stellen 
—  Von  ranger  wird  sp.  rancho  kameradschaft,  arrancharse  zusammen- 
wohnen,  hergeleitet.  , 

Rapiere  fr.  alter  langer  degen  (verächtlich) ;  etwa  für  r&piere  von 
räpe  raspel  s.  v.  a.  schartige  abgenutzte  klinge? 

Rasse,  raise  dltfr.,  rasa  pr.  lauf,  rinne ;  vom  aUn.  ras,  ags.  ras, 
engl,  race  mit  gl.  bed. 

Rate  fr.  (f.)  milz;  nach  Frisch,  dem  man  beipflichten  darf,  vom 
ndl.  rate  hont  große,  insofern  jenes  eingeweide  ein  lockeres  zelliges  gewebe 
vorstellt :  melsa  es  carpa  e  spongioza  fdie  milz  ist  zellig  und  schwammig', 
sagt  der  Elucidari  LR.  II,  432k.  Vgl.  raggio  I,  wo  die  vermuthung 
ausgesprochen  ist,  das  ndl.  wort  habe  dem  fr.  raie  (strahl),  sofern  es 
honigroße  heiße,  diese  bedeutung  mitgetheilt.  Daher  d&ratö  munter, 
eigenÜ.  ohne  milz,  frei  von  milzsucht.  Desselben  Ursprunges  ist  raton 
ort  kuchen. 

Ratis,  ratin  altfr.  farrenkraut.  Marcetlus  Empir.  cap.  25  kennt 
ein  gallisches  wort  dieses  Monges:  herbae  pteridis  i.  e.  filiculae,  quae 
ratis  gallice  dieitur.  Es  ist  das  kymr.  rhedyn,  com.  reden  (Zeuß  1117), 
bret.  raden  cet.  gleichbedeutend.  Indessen  steht  das  franz.  wort  sehr  un- 
sicher. CheväUet  I,  p.  291  nahm  es  aus  TrSvoux,  dies  aus  Borel.  Letzterer 
beruft  sich  wegen  ratis  auf  den  Niederländer  (Gerh.)  Mercator  (f  1594), 
der  offenbar  nichts  anders  damit  meinte  als  das  wort  des  Marcellus;  ratin 
aber  bringt  er  in  seinem  zweiten  anhang  mit  beigesetztem  Sternchen, 
icdches  unfranzösische  Wörter  anzeigt:  er  scheint  es  aus  dem  bretonischen 
genommen  zu  haben.  Auch  erschallt  aus  keiner  franz.  mundart  eine 
künde  dieses  Wortes. 

Raus  pr.  röhr  (auch  bret.  raoz,  norm,  ros),  daher  rauzel,  fr.  ro- 
se an;  genau  das  goth.  rans,  woher  ahd.  rör;  aus  letzterem  das  chw.  ror. 
•  Ransa  (ranza)  pr.,  lim.  roouso  hefe,  auch  Weinstein  d.  i.  kruste  am 
faß,   romagn.  rosa  (mit  offenem  o)  kruste  des  backwerks;  vgl.  ahd.  rosa 


666  II.  c.  RAUST— RECHE. 

ccrusta,  glacies',  dessen  wurzelvocal  von  ungewisser  quantität  ist,  während 
pr.  au  ahd.  6  verlangt. 

Ran  st,  a,  pr.  rauh  (so  qu'es  raust,  aplana  was  rauh  ist,  ebnet  er 
LR.),  vol.  bei  A.  March  roßt  'lloch  pendent*,  wie  ein  herausgeber  erklärt. 
Unser  rauh  ist  1)  asper ,  2)  raucus:  darf  man  umgekehrt  annehmen,  daß 
das  was  rauh  ist  für  das  ohr,  auf  das  was  rauh  ist  für  das  äuge  oder 
das  gefühl  übertragen  ward,  so  konnte  das  prov.  wort  aus  raucidus,  zu 
folgern  aus  raucidulus  Hieron.,  entstehen,  aber  Sicherheit  ist  hier  keine. 

Rantar  pr.  'subito  de  manu  auferre3  OProv.  32.  Daß  es  lat.  rap- 
tare  ist,  versteht  sich;  zu  verwundern  ist  nur,  daß  die  schwestersprachen 
dieses  verbum  der  provenaalischen  allein  überlassen  haben. 

Ravauder  fr.  ausbessern,  flicken;  nach  Pithoeus  und  andern  ton 
re-validare,  re-ad-validare  wieder  stark  machen.  Es  bedeutet  auch  einem 
etwas  vorplaudern,  ravauderie  albernes  geplauder,  altfr.  ravaut  auf- 
Schneiderei,  possen,  wie  die  flickerinnen  bei  der  arbeit  zu  erzählen  pflegen, 
s.  Oachet  p.  406K 

Ravir  fr.  rauben,  hinreißen;  von  rapere,  it.  rapire.  Aus  demselben 
stamme  ravin,  ravine,  ravage. 

R6  altfr,  scheüerhaufe  als  peinliche  strafe,  gewöhnt,  ardoir  en  re 
(mhd.  verbrennen  üf  der  hürde),  vgl.  esprendre  im  rä  einen  heizstoß  an- 
zünden Fl.  El.  2924.  Die  nahe  liegende  herleitung  aus  rogus  ist  gegen 
die  lautlehre,  auch  das  gleichbed.  ags.  hreäc  =  altn.  hraukr  würde  sich 
nicht  damit  einigen.  Wohl  aber  das  lat.  auch  in  der  altfr.  form  reiz 
vorhandene  rete  netz,  sp.  red  guter }  käfig  für  gefangene,  so  daß  fr.  re 
urspr.  wohl  ein  gebäude  von  scheitern  oder  hürden  ist,  auf  welchen  oder 
in  welchen  die  missethäter  verbrannt  wurden,  denn  man  trifft  auch  altfr. 
qrdoir  cdedenz*  un  t6  Trist,  ed.  Hagen  v.  881.  Merkwürdig  ist  eine 
glosse  der  Isid.  Sammlung  rednlus  'strues  lignorum  ardentium:  ist  dies 
red-ulus  nicht  offenbar  eine  ableitung  aus  dem  rom.  red  oder  r£? 

Rebondre  altfr.  pr.  verbergen,  begraben,  partic.  pr.  rebost  'Pass. 
de  J.  Chr.  21,  LB.  IV,  615",  altfr.  reboz  Ben.;  ein  starkes  verbum,  das 
mithin  von  reponere  kommen  muß,  wie  sich  denn  auch  das  zwischen  vo- 
calen  zu  b  herabgestimmte  p  zuweilen  wieder  einfindet,  prov.  s.  Lex.  rom.. 
altfr.  repuns  61  sepulcre  LJ.  p.  468°;  mlat.  ut  usque  in  Septem  noctes 
non  reponatur  beerdigt  werde  CModow.  Capit.  9,  s.  Pertz  Leg.  II,  p.  4; 
und  selbst  im  classischen  latein.  Die  herleitung  aus  recondere  Beronie, 
Dict.  limous.  231°,  ist  also  abzuweisen.  Das  bürg,  rebotre  'remettre 
scheint  dasselbe  wort. 

Rfeche,  reqne  pic.  herb,  daher  fr.  rechin,  fem.  rechigne,  comask. 
reschign,  it.  arcigno  (aus  dem  franz.)  herb,  sauer,  unfreundlich,  vb.fr. 
rechigner  mürrisch  aussehn,  die  stirne  runzeln,  comask.  reschignäs  sie/* 
zusammenziehen  (ven.  rancignare  aus  dem  franz.).  Attfr.  rechigner,  rc- 
chiner,  pr.  rechignar  haben  auch  die  bed.  knurren,  knuttem,  sp.  pg.  re- 
chinar  knarren  (aus  dem  franz.?).  R&che  für  resche,  resque  stamint 
aus  dem  dtschen  resche,  rösche  harsch,  rauh,  spröde,  vgl.  über  das  dtsche 


IL  c.  RECRU- RELIEF.  667 

wort  Schindler  III,  140.  —  Gleiche  bedeutung  mit  rechigner  hat  da&  it. 
rincagnarsi,  vielleicht  aus  einer  umdeutung  (cane  hund)  so  geformt,  vgl. 
cmck  die  ital.  redensart  stare  in  cagnesco  mürrisch  aussehn. 

Recru  fr.  nachwuchs,  recrne  ersatzmannschaft,  vb.  recruter:  vom 
fr.  recroltre. 

Redingote  fr,  überroch,  reiserock;  vom  engl,  ridingcoat  reitrock. 

Regimber  mit  den  hufen  ausschlagen;  quasi  rejamber,  jecter  la 
jambe  riere  ou  derriere,  sagt  Nicot.  Man  könnte  dabei  an  das  spätere 
lat.  gamba  huf  (bei  Vegetius)  denken,  gleichwohl  ist  die  deutung  nicht 
ganz  unverdächtig.  Warum  nicht  rejamber,  und  wenn  jene  herabstimmung 
des  vocdls  auch  angeht,  wie  kommt  es,  daß  man  altfranz.  auch  regiber 
sagte  und  noch  bürg,  regippai  sagt?  m  wird  vor  b  eingeschoben,  nicht 
ausgestoßen.  Scheler  erinnert  an  das  einfache  altfr.  giber  Kse  debattre  des 
pieds  et  des  mains  Boq.,  dessen  herkunft  aber  nicht  minder  unklar  ist. 

Regretter  fr.  bedauern,  sbst.  regret.  Altfr.  bemerkt  man  es  auch 
in  der  bed.  anrufen,  zu  hülfe  rufen,  z.  b.  fu  l'amirans  Balans  huctäs  et 
regretäs:  sire,  c'or  venös  tost  et  si  nons  secouräs!  Fier.  152,  12.  Als 
intransitiv  heißt  es  schmerzlich  klagen  Alexs.  88,  2,  vgl.  Gaufr.  p.  237. 
256.  Im  prov.  ist  es  nicht  heimisch;  regretar  findet  sich  nur  in  der 
haibprov.  abfassung  des  Qir.  de  Boss.  Mich.  p.  294.  Fast  allgemein  an- 
genommen ist  seine  abkunft  aus  queritari  klagen,  verstärkt  re-qniritari, 
und  in  der  that,  daß  qu  vor  e  odir  i  sich  in  g  erweichen  konnte,  zeigt 
uns  Guienne  aus  Aquitania,  aigle  aus  aqnila.  Auch  das  bestdien  des  t 
im  Widerspruche  mit  dessen  ausfall  in  crier  aus  quirltari  läßt  sich  hin- 
nehmen: gab  doch  z.  b.  fugita  sowohl  fuite  wie  fctfe.  Da  das  wort  in- 
dessen eilen  schwestersprachen,  selbst  der  prov.,  unbekannt  ist,  so  scheint 
das  cdtn.  grata",  ags.  grotan,  engl,  grate  Halliw.  weinen,  klagen,  trauern 
bessere  ansprüche  auf  dasselbe  zu  haben.  Eine  andre  deutung  gibt  Mahn 
p.  36 :  das  franz.  verbum  stamme  von  gratns  und  heiße  eigentlich  wieder 
gern  haben,  mit  dank %  wieder  aufnehmen,  s.  darüber  Krit.  anhang  p.  24. 
Eine  andre,  von  re-gradus,  denn  die  grundbedeutung  liege  in  der  Wieder- 
holung eines  leides,  gibt  Littre:  t  für  lat.  d  finde  sich  auch  in  convoitise 
von  cupidus  und  pi&on  von  pes  pedis.  Genau  betrachtet,  kann,  was  das 
erste  beispiel  betrifft,  das  auf  romanische  weise  aus  dem  part.  cupltus 
entstandene  convoiter  einfluß  auf  die  form  des  bemerkten  franz.  Substan- 
tivs gehabt  haben;  pi&on  aber  rechtfertigt  sein  t  mit  pedes  peditis. 

Reinette  fr.  eine  sorte  äpfel;  von  regina,  also  königin  der  äpfet, 
oder  (glaublicher)  vom  vrlt.  raine  =  lat.  rana,  weil  dieser  apfel  gefleckt 
ist  wie  ein  frosch. 

Relayer  fr.  die  pferde  wechseln,  jemand  in  der  arbeit  ablösen,  sbst. 
relais  umspann,  frische  pferde ;  nur  formverschieden  von  relaisser  auf  ent- 
halt nehmen. 

Relief  fr.  in  der  bed.  Überrest  vom  essen  stammt  nach  einigen  ety- 
mologen,  die  sich  auf  altfr.  antif  von  antiqnns  berufen,  von  reliquus ;  eine 
herleitung,   mit  welcher  das  buchstäblich  und  begrifflich  zutreffende  aus 


668  ILc.   RENARD-RETROENGE. 

lat.  relevare  (aufheben,  wegheben)  gesogene  it.  rilevo,   sp.  relieve  sich  in 
klarem  Widerspruche  befindet.    Hiernach  entspricht  es  unserm  abhüb. 

Renard  fr.  fuchs,  altfr.  renardie  Verschlagenheit,  noch  pic.  renarde 
verschlagen.  Vom  ahd.  Reginhart,  Reinhart  rathgeber,  natne  des  fuchses 
in  der  thierfabel,  der  endlich  im  frans,  zum  appdlativ  ward  und  das 
alte  volpil  =  vulpecula  aus  der  spräche  verdrängte.  S.  Grimms  Bein- 
hart p.  CCXL.  Auch  der  nordosten  von  Spanien  hatte  sich  das  wort  in 
der  form  ranart  angeeignet 

Renge  ältfr.  gürtet  den  degen  hineinzustecken,  nUat.  rinca;  vom 
ahd.  hringa  schnalle,  haken,  s.  Gar.  II,  94,  woher  auch  churw.  rincla  in 
erster  bed. 

Renou  pr.  wucher,  eigentl.  Schößling,  welche  bedeutung  auch  das 
entsprechende  sp.  renuevo,  von  renovare,  entwickelt  hat,  vgl.  noch  lat. 
fenu8,  gr.  toxog,  dtsch.  wucher,  erzeugtes,  zins.  Daher  renovier  Wucherer, 
bürg,  renevei,  chw.  ranv6r,  sp.  renovero. 

Repairer  altfr.,  repairar  pr.  heimkehren,  sbst.  repaire  heimath,  be- 
hausung,  nfr.  höhle  wilder  thiere;  von  repatriare  Solin,  Gl.  Isid.  u.  s.f., 
it.  ripatriare. 

Räpit  fr.,  pr.  respieit,  auch  it.  rispitto  auf  schuh,  frist;  von  re- 
spectus  rücksicht,  daher  nachsieht,  nachlaß,  in  der  roman.  bedeutung  schon 
in  einem  capitular  Ludwigs  des  frommen  (819):  detur  ei  spatinm  ad 
respectum  ad  Septem  noctes.  So  denn  auch  altfr.  respiter  frist  oder 
nachlaß  vergönnen,  von  respectare. 

Reprocher  fr.,  repropchar  pr.  vorwerfen,  reproche,  repropche  Vor- 
wurf, daher  sp.  reproche.  NicoVs  und  Caseneuve's  deutung  aus  recipro- 
care  verträgt  sich  nicht  mit  pr.  repropchar,  das  nie  in  der  form  reprocar 
auftritt.  Soll  es  von  opprobrium  stammen,  so  mußte  es  die  compositions- 
Partikel  (ob  mit  re)  tauschen  und  von  einem  solchen  tausch  der  Partikeln 
lassen  sich  mehrere  fälle  nachweisen:  das  zweite  r  konnte  schwinden  wie 
im  it.  brobbio;  nimmer  jedoch  konnte  b  zu  p  hinaufsteigen,  indem  re- 
proche die  form  repropium  verlangen  würde;  reprobium  hätte  reproge 
gegeben.  Aber  warum  nicht,  wie  approcher  für  appropiare,  so  auch  re- 
procher für  repropiare  in  der  figürl.  bed.  näher  rücken,  vorrücken,  eigenü. 
wiederholt  vorrücken?  Derselben  herkunft  ist  denn  auch  pr.  reprochier 
Vorwurf,  dsgl.  Sprichwort,  denn  in  dem  Sprichworte  liegt  eine  Zurecht- 
weisung, eine  lehre;  castiar  tadeln  und  belehren  bietet  sich  zur  vergleichmg 
dar.  Das  gleichbed.  pr.  und  altfr.  reprovier  läßt  sich  buchstäblich  aüer- 
dings  auch  auf  reprobare  zurückfuhren,  was  bei  reprochier  nicht  angehn 
würde. 

Requin  fr.  eine  art  haißsche,  auch  chien  de  mer,  wegen  seiner  ge- 
fährlichkeit  von  den  normannischen  matrosen  requiem  (seelenmesse)  ge- 
nannt, entstellt  in  requin  (Acad.  frang.J.  Das  Dict.  de  Trevoux  schreibt 
requiem. 

Reöeau  fr.  Meines  netz;  gleichsam  reticellum,  it.  reticella. 

Retroenge,  retrowange  altfr.,  weit  üblicher  mit  o  rotruange  *.  b. 


IL  c.   REUPER— RIDER.  669 

JBrt.  II,  p.  111,  rotruenge  Ren.  I,  270,  rotruhenge  FC.  III,  117,  auch 
rotuenge  Bau  I,  167,  pr.  retroencha  LR.  I,  16,  PO.  347,  Chx. 
V,  171,  retroenza  Chx.  V,  40.  Es  bedeutet  eine  liedergattung,  bei  den 
troubadours  mit  refrän,  flach  Wachernagels  vermuthung  (Altfr.  lied. 
p.  183.  234)  ein  tanzlied,  von  retroientia,  wenn  man  die  prov.  form 
retroensa  zu  gründe  legt.  Allerdings  konnte  retroensa  mundartlich  in 
retroencha  (vgl.  conoisser,  conoicher),  fr.  retroenche,  retroenge  ausarten. 

Ren  per  'eructare*  Voc.  duac.  (ältpic.)  =  aits.  rop-izön,  ahd.  rof- 
azön,  nhd.  reup-sen  bei  Frisch. 

RSve  fr.  träum,  rSver  träumen,  irre  reden,  lothr.  r&ve,  räver.  Der 
circumflex  deutet  auf  resve,  resver,  und  so  schrieben  die  Alten  auch  meist. 
Da  aber  der  Provenzale,  dem  das  wort  übrigens  ein  fremdes  war,  reva 
{reimend  auf  leva)  Flam.  p.  18,  nicht  resva  schrieb,  so  muß  s  ein  stum- 
mes aeichen  gewesen  sein  wie  in  esve  für  eve  (aqua):  es  kann  darum 
nickt  mit  desver  eines  Stammes  sein,  worauf  noch  Ampere,  Form,  de  la 
langue  fr.  p.  207  (219)  besteht.  Henr.  Stephanus  verwies  auf  gr.  Qe/ußeiv  (ur- 
sprüngl  feßeiv)  umherirren,  andre  auf  gael.  rabhd  gefasel ;  warum  denkt 
man  nicht  lieber  an  lat.  evare,  zsgs.  re-evare  begeistert  sein?  Indessen 
erklärt  sich  rßve,  dem  früher  auch  die  bed.  Wahnwitz  zu  geböte  stand, 
einfach  als  eine  mundartl.  form  für  rage  aus  rabies,  wie  etwa  cage  und 
caive  (lat  cavea)  nebeneinander  bestanden;  das  dem  franz.  entnommene 
engl,  rave  schließt  sich  der  grundbedeutung  unmittelbar  an.  Mit  rabia, 
raiva,  rßve  rechtfertigt  sich  auch  die  länge  der  Stammsilbe.  Von  r&ver 
ist  ndl.  reven,  revelen  (ravelen  KU.),  mhd.  reben  mit  gl.  bed.  Abgeleitet 
fr.  rßvasser  unruhig  träumen,    bürg,  mit  ursprünglichem  vocal  ravasser. 

Revel  altfr.  (rivel  Wack.  75)  lustigkeit,  jübel,  engl,  revel,  revelry; 
fäUt  zusammen  mit  pr.  revel  auflehnung,  vom  vb.  revellar,  altfr.  reveler, 
lat.  rebellare,  und  bedeutet  also  zuerst  aufregung.  Das  begriffsverwandte 
reveiller  hätte  reveil  ergeben  müssen.  [Zu  beachten  aber  ist  die  herleitung 
von  Schder  aus  röver,  s.  Dict.  etym.  s.  v.  rßve.] 

Rez  fr.  sbst.  ebene,  fläche,  vom  alten  partic.  r6s,  j?r.  ras,  lat  rasns; 
dsgl.  präposüionaler  ausdruck,  früher  von  unbeschränkterer  anwendung, 
jetzt  noch  üblich  in  gewissen  Verbindungen  wie  rez  terre,  eigentl.  zum 
streifen  nahe,  vgl.  lat.  rädere  litus;  verdoppelt  rez  ä  rez,  pr.  ras  e  ras, 
pg.  rez  e  rez  mit  der  bed.  genau,  knapp,  bei  Gil  Vicente.  Desselben  ge- 
brauche* ist  auch  das  part.  präs.  pr.  rasän  (rasen  lo  talo  dicht  am 
knöchel  Jfr.  62*),  daher  entlehnt  it.  rasente.  Dem  entspricht  die  ndd. 
präp.  rör  von  rören  rühren,  anstoßen  Brem.  wb.;  so  wie  die  maü.  arent, 
neap.  pg.  rente,  von  haerens  anhängend ;  dUsp.  pegante,  von  pegar  an- 
kleben ;  pic.  tout  serant,  von  serrer  drängen. 

Rhume  fr.  (f.)  schnupfen;  von  rhenma,  pr.  ranma,  it.  rema  u.s.  w. 

Rider  fr.  runzeln,  kräuseln,  altsp.  enridar  dass.,  fr.  ride  runzel, 
krause  (im  krepp  u.  dgl.J,  ridean  Vorhang  (weil  er  falten  wirft,  nach 
Caseneuve) ;  vom  ahd.  ga-rldan  drehen,  verdrehen  (oder  ags.  vrfdhan,  engl. 
wrtthe),   daher  auch  das  ahd.  adj.  reid  kraus,  vgl.  riddare  IL  a.     Vom 


670  II.  c.   RIEN-RIVER. 

fr.  ridfer  aber  ist  das  mhd.  ridieren  f Süden.  Perion,  Ling.  galt.  67* , 
erklärt  es  aus  dem  gr.  Qi-vig  Qvzidog  runseh 

Rien  fr.  Verneinung  für  lat.  nihil,  vom  acc.  rem:  je  ne  vois  rien  = 
non  video  rem,  nihil  video.  Die  prov.  form  ist  ren  (re)  für  lat.  aliquid, 
quidquam,  die  catal.  res,  auch  altport.  sagte  man  tum  rem  SRos.,  algun 
rem  und  volksmäßig  algorrem  GVic.  I,  139;  andre  zss.  pr.  ganren 
neben  gran  reu  viel,  grand9  chose,  npr.  quauquarren  qudque  chose,  altpr. 
aldres  autre  chose. 

Rigole  fr.  rinne,  canal,  alt  rigot.  'Der  stamm  ist  eher  ceUisch  eis 
deutsch:  kymr.  rhig  einschnitt,  rhigol  furche,  kleiner  graben,  ndd.  rige 
hoch  Brem.  wb.  (Benecke  mm  Wigalois  p.  689  leitet  rigot  daher),  vgl. 
Dief.  Gelt.  I,  p.  54.    Ital.  rfgoro  bach  kann  aus  lat.  rivulus  entstellt  sein. 

Rigot  pr.  krauses  haar,  rigotar  kräuseln,  daher  it.  rigottato  kraus; 
vom  ahd.  rtga  kreißlinie,  'circuli  linea,  *spira. 

Rin  altfr.  (m.)  quelle  Brand,  p.  72,  dsgl.  comask.  rin  bäcklein, 
wallon.  arene  canal;  cdto-german.  wort,  kymr.  rhfn  (f.)  canal,  goth.  rinno 
gießbach,  ahd.  rinnä,  nhd.  rinne. 

Rinceau  fr.  laubwerk;  für  raincean  =  it.  ramicello,  von  ramns. 

Rincer  fr.  spülen;  offenbar  für  rinser,  da  auch  der  Picarde  rinser, 
nicht  rincher  sprüht,  in  den  alten  Wörterbüchern  reinser.  Es  ist  das 
cdtn.  hreinsa  (sprich  hrejnsa)  reinigen.  —  Davon  trenne  man  das  synonyme 
pr.  recensar,  $p.  vrU.  recentar,  cot.  rentar  d.  i.  reeentiare,  recentare 
erneuern  (durch  reinigen). 

Riolö  altfr.  adj.  gestreift;  vom  dtschen  riege  reihe,  wie  Frisch  wiU, 
und  diese  ansieht  läßt  sich  mit  dem  gleichbed.  it.  rigato  (eu  riga  IL  a) 
unterstützen. 

Riote  altfr.  (noch  bei  Nicot),  pr.  riota  hader,  streit,  daher  engl. 
riot  und  nach  Muratori's  vermuthung  it.  riotta;  vb.  rioter  streuen,  it. 
riottare.  Zweifelhafter  herkunft,  vielleicht  für  rivoter  vom  ahd.  riban 
reiben,  darum  auch  ndl.  revot,  ravot  KU.,  vgl.  sp.  refiriega  streit  von 
fricare  reiben.  Zu  trennen  davon  ist.  cot.  riota  gelackter,  nfr.  rioter  lächeln. 

Riper  fr.  abkratzen,  ripe  Schabeisen;  vom  ahd.  riban,  oder  besser, 
da  b  sonst  nicht  zu  p  wird,  vom  volksmäßigen  rippen,  ribben  d.  i.  reiben, 
vgl.  ndl.  rijf  (f.)  reibeisen. 

Rissoler  fr.  braun  braten.  Mahn  p.  48  vermuthet  darin  eine  ab- 
änderung  aus  roussoler  von  roux.  Es  möchte  hier,  wo  das  primitiv  ronx 
die  richtige  form  schützen  mußte,  eine  solche  entstellung  nickt  anzunehmen 
sein.  Das  radicäle  i  in  rissoler  steht  wohl  nickt  bedeutungslos  da;  viel- 
mehr scheint  darin  ein  neues  und  merkenswerthes  beispiel  von  dem  einftusse 
der  nordischen  spräche  auf  die  französische  vorzuliegen:  dän.  risfe  ent- 
spricht unserm  rösten,  isl.  schwed.  rist  unserm  rost,  daher  das  dimin. 
rissoler,  gleichsam  röstein;  ss  aus  st  ist  bekannt.  Im  it.  rosolare  erhielt 
sich  der  hochd.  vocäl. 

River  fr.,  ribar^r.  einen  nagel  umschlagen;  wohl  vom  ndl.  rijven 
oder  altn.  rifa,  dän.  rive  harken,  rechen  d.  h.  alles  vorragende  wegschaffe*, 


IL  c.  RODER-RONCE.  671 

ahd.  rfban,  nhd.  reiben,  vgl.  sehnst,  ryben  quetschen,  drehen  Stalder  II, 
267.  In  Berry  sagt  man  auch  river  le  lit  die  bettdecke  einbiegen,  ihren 
rand  unter  die  mairatze  stecken.  Das  neupr.  riblo  (f.)  handramme  ist 
deutlich  das  ahd.  ribil  stempfei  (van  rfban),  daher  vb.  riblä  s.  v.  a.  fr. 
river.  Woher  aber  it.  ribadire  und  pg.  rebitar,  die  gleichfalls  den 
sinn  van  river  ausdrücken? 

Rode  r  fr.  umher  streifen;  wird  van  Nicot  aus  dem  hebr.  rod  'migravit*, 
von  andern  aus  dem  kymr.  rhodio  einhergehen,  wandern  geleitet,  es  scheint 
aber  aus  reiner  lat.  quelle  geflossen.  Rotare  heißt  hier  sich  im  kreiße 
umdrehen,  daher  sp.  cat.  pr.  rodar  rollen,  sodann  gleich  dem  fr.  rouler 
angewandt  auf  das  herumschweifen  der  menschen  und  selbst  mit  transitiver 
kraft:  sp.  rodar  mundo  die  weit  durchschweifen  (durchrotten),  pg.  rodar 
o  mundo,  rodar  o  mar,  wie  andar  tierras.  Diesem  rodar  scheint  das  fr. 
roder  entnommen,  an  dessen  stelle  als  einheimisches  wort  rouer  zu  erwarten 
war,  welches  nur  in  mundarten  (s.  Le  Duchat  und  .vgl.  henneg.  rouier) 
vorhanden  ist.  Wie  der  Spanier  rodar  la  tierra,  so  sagte  auch  der  Fran- 
zose sonst  röder  le  pays  Bob.  Steph.,  heut  zu  tage  röder  par  le  pays, 
par  le  monde. 

Rogner  fr.  beschneiden,  abschneiden,  altfr.  rooigner  (dreisilb.)  häufig 
vom  abscheren  des  haupthaares  gebraucht,  pr.  redonhar,  rezoynar,  sp. 
(in  Murcia)  des-roüar.  Man  verweist  auf  rädere  oder  rodere,  die  weder 
dem  begriffe  noch  der  büdung  d.  h.  der  prov.  endung  onhar  genügen. 
Die  reinste  form  redonhar  leitet  auf  rotundus,  wovon  das  sp.  redondear 
abrunden,  das  sich  in  das  eben  genannte  prov.  wort  zusammenziehen 
konnte,  vgl.  Bergonha  aus  Burgundia.  Dieselbe  begriff sentwicUung,  be- 
schneiden aus  runden,  zeigt  auch  das  sp.  cercenar,  s.  cercine  L,  so  wie 
das  bret.  krenna. 

Rognie  picard.  bäumst  amm;  vom  aiui.  rono,  mhd.  rone  (m.),  nhd. 
rahne  (f.)  umgefallener  baumstanm. 

Rogue  fr.  übermüthig;  ein  von  den  Normannen  entlehntes  wort, 
oitn.  hrök-r  anmaßend,  engl,  rogue  schelm,  woher  gael.  rög.  Die  wallon. 
spräche  hat  aroguer  hochmüthig  anreden. 

Roide  fr.  starr;  von  rigidus,  it.  rigido. 

Roitelet  fr.  einvogd,  goldhähnchcn,  auch  vom  Zaunkönig  gebraucht, 
eine  althergebrachte  scher zlwfte  benennung  des  winzigen  mit  goldner  kröne 
oder  haube  geschmückten  vogels,  lat.  regulus,  regaliolus,  gr.  ßaoilevg, 
ßaoilioxog,  Ttgawog,  it.  reattino,  sp.  reyezuelo,  pg.  ave  rei;  individueller: 
norm.  r6-pepin  (Menage  v.  pepin),  in  Berry  roi-bertaud,  in  Saintonge 
roi-b^delet,  it.  re  di  siepe.  Roitelet  (für  roi-et-ei-et)  ist  übrigens  wegen 
der  gehäuften  diminutivsuffixe  zu  bemerken. 

Ronce  fr.  (f.),  pr.  ronser  dornbusch.  Die  formen  beider  sprachen 
sind  hier  wohl  zu  wägen :  wie  fr.  ponce,  pr.  pomser  GO.  auf  pumex,  wie 
fr.  pouce,  pr.  polzer  auf  pollex,  ebenso  leiten  ronce  und  ronser  offenbar 
auf  rumex,  welches  den  Römern  für  ein  geschoß,  vielleicht  ein  mit  Wider- 
haken versehenes  galt  (it.  ronciglio  haken,  gleichfalls  von  rumex?),  vgl. 


672  IIa  RONGER- ROVER. 

fr.  chardon  distel  und  eisenspitze.  Diese  deutung  bestätigt  sich  durch  das 
occ.  roumec  =  fr.  ronce  s.  G'oudelin.  Von  rumex  ist  wohl  auch  das  pr. 
ronsar  schleudern,  schütteln. 

Ron  g er  fr.  benagen.  Menage  erklärt  es  aus  rodicare,  also  mit 
eingeschobenem  n,  was  aber  vor  palatallauten  im  franz.  kaum  vorkommt. 
Besser  erkennt  man  darin  ein  gemeinrom.  wort,  sp.  pg.  rumiar,  pr.  romiar, 
it.  rugumare,  maü.  rumega,  wal.  rumega,  von  rumigare  wiederkäuen,  eine 
bedeutung,  die  dem  dltfr.  ronger  entschieden  zukommt:  les  chamoz  ki 
l'ongle  ont  fendue,  mais  ne  rungent  mie  die  kameele,  die  gespaltene  klauen 
haben,  aber  nicht  wiederkäuen  LJ.  p.  495m. 

Rosset  fr.  derb  prügeln,  pr.  a-rossar  nach  Baynouard.  Man  leitet 
es  wohl  aus  rosse,  so  daß  die  grundbed.  wäre:  prügeln,  wie  man  eine 
mähre  prügelt;  dies  überschreitet  aber  die  logische  gränze  der  ableitung 
von  vcrbis  aus  Substantiven.  Besser  würde  man  erinnern  an  ndl.  rossen 
striegeln,  dsgl.  jemand  durchbläuen,  welches  aus  ros-kammen  (ein  roß 
kämmen)  abgekürzt  sein  könnte.  Oder  ist  das  fr.  verbum  aus  lat.  russus 
entstanden,  vgl.  rubere  flagellis?  warum  aber  alsdann  nicht  rousser?  Ist 
es  von  rnmpere  ruptus  raptiare  ?  dann  müßte  dem  ss  ein  picard.  eh  ent- 
sprechen. Hängt  es  zusammen  mit  dem  gleichbed.  oberital.  orzare?  Mahn 
hält  es  für  das  pr.  ronsar  herumwerfen;  s.  dagegen  Krit.  anhang  p.  26. 
—  Ein  bemerkenswerthes  synonym  ist  pr.  dorssar,  altfr.  dorser  crompre 
le  dos  =  nüat.  edorsare  'dorsum  scindere  s.  Dueange. 

Rat  fr.  cot.  rülps;  von  ractus,  it.  rutto. 

Rote  altfr.,  pr.  rota,  auch  altsp.  Sanchez  II.  III.  IV.  ein  Saiten- 
instrument, das  mit  der  hand  gespielt  ward.  Unsre  Alten  hielten  das 
wort  für  ein  deutsches  (nomine  barbarico  rottam  appellantes,  Graff  II, 
488,  Hoffm.  Hör.  belg.  VI,  198),  noch  mhd.  rotte;  da  aber  Venantius 
Fort,  die  chrotta  als  britanna  bezeichnet,  so  scheint  sie  den  Celten  zu  ge- 
hören^ die  das  wort  in  der  that  besitzen:  altirisch  crot  cither,  gad.  croit 
(f.),  kymr.  crwth  (m.),  s.  Zeuß  1,  171,  Dief.  Gelt.  I,  125,  Orig.  europ. 
p.  303.  Hierzu  kommt,  daß  die  sache  unter  den  romanischen  vollem 
eigentlich  nur  bei  den  Franzosen  einheimisch  war,  die  der  rote  häufig  er- 
wähnen, Provenzalen  und  Spaniern  war  kaum  der  name  bekannt.  Nur 
wird  man  unmittelbare  herkunft  von  rote  aus  crot  nicht  annehmen  dürfen : 
vielleicht  gieng,  wie  Graff  auch  schon  vermuthet,  ein  ahd.  hrota  voraus. 
S.  auch  Grimms  Gesch.  d.  d.  spr.  p.  206,  Mhd.  wb.  IIm.  774. 

Rouir  fr.  flachs  oder  hanf  im  wasser  mürbe  machen,  dsgl.  mürbe 
werden ;  vom  ndd.  ndl.  roten,  rotten  mit  ders.  bedeutung.  überdies  bringt 
Garpentier  s.  v.  roissia  noch  ein  gleichbed.  vb.  en-roiser  nebst  sbst.  roise 
(en  mettant  le  dit  lin  en  la  roise  .  .  .  lui  dist  qa'il  n'enroisait  point 
le  dit  lin  ou  dit  vivier,  v.  j.  1397),  welche  offenbar  der  ahd.  mhd.  form 
rozzen,  sbst.  bair.  röß  entnommen  sind,  die  wir  mit  zusatz  des  nnd.  t  in 
rösten,  röste  verwandelt  haben. 

Rover  altfr.  begehren  (diese  form  und  bedeutung  bereits  in  S.Eukl. 
Pass.  de  J.  Chr.,   S.  Leger);  von  rogare   (ro'ar  ro-v-er)   sich  ausbitten, 


II.  c.    RU-RUSTE.  673 

verordnen,  ndat.  überh.  befehlen.  Das  wort  fehlt  dem  Provenzalen,  der 
Italiener  kennt  rogare  nur  als  juristischen  ausdruck;  ganz  üblich  ist  sp. 
pg.  cot.  rogar,  wal.  ruga  mit  der  bed.  bitten  wie  um  eine  gnade.  Aber 
altfr.  royer  heißt  etwas  begehren,  wozu  man  befugt  zu  sein  glaubt,  nicht, 
tote  im  span.,  flehentlich  bitten,  daher  wohl  nie  royer  (ä)  dieu  wie  sp. 
rogar  &  dios,  häufig  dex  le  nous  rueve  Gott  begehrt  es  von  un&;  man 
vergleiche  -das  mhd.  biten,  welches  aus  der  bed.  bitten  in  die  bed.  befehlen 
übergehn  kann.  Eine  zss.  ist  altfr.  enter-ver,  pr.  enter-var,  entre-var 
fragen,  erkunden,  verstehen  DMce.  p.  8, 18,  walach.  ganz  ähnlich  intrebä; 
von  interrogare.     Vgl.  oben  corväe. 

Ru,  altfr.  rui  rinne,  ström;  umgestellt  aus  rivus,  wie  tuüe  aus  teula 
tegula,  henneg.  aber  rieu,  pr.  riu,  sp.  rio,  it.  rivo,  mlat.  rio  tw  einer  Ur- 
kunde aus  Limoges  Breq.  n.  73  (v.  j.  681).  Dimin.  ruisseau,  gleich- 
sam rivicellus  für  rivulus,  it.  ruscello  aus  dem  franz.  Ruisseau  aber 
gab  anlaß,  daß  man  altfr.  auch  ruis  im  cos.  obl.  schrieb,  z.  b.  HBord. 
p.  166,  3. 

Ruban  band,  besonders  zum  putz.  Die  bekannte  herleitung  aus 
dem  particip  rubens,  so  daß  es  rolhes  band  hieße,  scheitert  an  der  uner- 
weislichkeit  dieser  bedeutung.  Wie  in  hau- b an  und  ra-ban  scheint  das 
deutsche  band  darin  enthalten.  Aber  was  bedeutet  die  erste  sübe?  Hier 
ist  zu  beachten,  daß  dem  üblichen  ruban  ein  mundartliches  riban  zur 
seite  steht,  so  in  Lothringen,  Berry,  Normandie,  woher  auch  engl,  riband, 
ribbon.  Noch  Ronsard  sagte:  je  voudrais  §tre  le  riban  qui  aerre  ta 
belle  poitrine.  Riban  lcann  man  sich  auf  verschiedene  weise  zusammen- 
gesetzt denken,  am  besten  aber  hält  man  sich  an  eine  vorhandene  Zusam- 
mensetzung, und  eine  solche  ist  das  ndl.  ring-band  halsband. 

Ruche  fr.,  norm,  ruque  bienenkorb  (ehedem  aus  baumrinde  ver- 
fertigt, Adelungs  Mithr.  II,  69,  vgl.  sp.  corcho  korkrinde  und  bienenkorb), 
dsgl.  rümpf  des  schiffes  {mit  dieser  bedeutung  auch  in  der  form  rouche), 
altfr.  rasche,  rusque,  pr.  rusca,  ruscha,  piem.  lomb.  rusca  rinde,  dauph. 
ruchi  lohe,  vb.  comask.  rusca  abrinden;  ein  celt.  wort,  altir.  rüsc  Zeuß 
I,  33,  gael.  rüsg,  bret.  rusk,  kymr.  rhisg  rinde,  bret.  rusken  bienenkorb. 
Ahd.  glossen  enthalten  rusca  in  der  bed.  korb,  s.  Schmeller  III,  249, 
Graff  VI,  224. 

Ruer  fr.  schleudern,  se  ruer  sich  stürzen,  ndl.  ruyen  KU.;  von 
ruere,  das  zur  ersten  conjugation  gezogen  ward,  wie  dies  auch  andern 
verbis  zweiter  und  dritter,  besonders  denen  auf  üere,  schon  in  der  altern 
spräche  geschah,  argtter,  minüer  u.  dgl. 

Runer  flüstern,  seltenes  altfr.  wort:  eil  qui  rune  parolet  priveie- 
ment  LT  478m,  susurrare  dinier*  (l.  runer)  Vocab.  d'Evreux  p.  33;  da- 
her sbst.  runement  susurrus  477",  vgl.  Bob.  le  diable  C.  Ila  col.  2.  Es 
ist  das  ahd.  rünen,  nhd.  raunen.  Auch  das  altsp.  ad-runar  errathen 
(Sanchez  gloss.  zu  Berceo),  vgl.  goth.  runa  geheimnis,  berathscJUagung, 
wird  hieher  zu  rechnen  sein. 

Rüste  altfr.  pr.  derb,   heftig  (z.  b.  rüste  dolour  Alex.  p.  6,  12), 

43 


G74  II.  c.   RUT-SAISON. 

rauh  (miste  pendant  DMce.  p.  380,  20),  sbst.  altfr.  rustte,  pr.  rustat; 
von  rusticus,  rnsticitas  mit  unterdrückter  ableitung  ic;  nord.  rusti  bauer. 
Dasselbe  wärt  oder  vielleicht  rurestris  ist  nfr.  rustre  lümmel. 

Rut  fr.,  alt  mit  brunst  des  hirsches  (cerf  de  ruit  Chev.  au  Hon  L. 
Guest  p.  143b);  von  ragitus,  wegen  des  geschreis,  das  er  erhebt,  ndat. 
rugire-  gleichfalls  vom  hirsch.    So  mit  recht  Menage. 

Ruzer  j>r.  grunzen  (nur  rutz  3.  pers.  präs.  ind.  ist  vorhanden); 
von  rudere  schreien,  brüllen,  vom  esd,  hirsch  und  andern  thieren,  iL 
rudere  (Latinismus). 


s. 

Sabot  fr.  kreißet,  holzschuh,  saboter  kreißein,  pr.  sabotar  schütteln. 
Für  sabot  gilt  henneg.  chabot.  Aber  woher  das  wort?  Mahn  p.  16  halt 
es  eines  Stammes  mit  savate,  von  dem  es  freilich  nur  der  buchstabe  b 
trennt  (s.  ciabatta  1.).  Weitere  bemerkungen  über  sabot  in  seinen  ver- 
schiedenen bedeutungen  sehe  man  bei  Scheler. 

Sade  altfr.  süß;  von  sapidus  schmackhaft,  vgl.  das  prov.  fem.  sabeza 
für  sabeda.    Zsgs.  maussade  garstig,  für  mal-sade. 

Safre  fr.  gefräßig,  nach  dem  Biet,  de  TrSv.  leckermavi,  nach  Reh. 
Stephanus  muthwillig,  petülans,  nach  Nicot,  der  auch  ein  fem.  saffrette 
kennt,  petülans,  laseivus;  norm,  sapre.  Stellt  man' die  begriffsverwandten 
bäfre  (vb.  bäfrer),  goinfre,  gouliafre  und  dieses  safre  zusammen,  so  scheint 
die  endung  fre  leckerei,  Schlemmerei  auszudrücken  und  man  denkt  natür- 
lich an  lat.  -vörus,  aber  der  erste  theü  dieser  Wörter  gibt  keinen  deut- 
lichen sinn.  Betrachtet  man  safre  außer  diesem  zusammenhange,  so  paßt 
es  trefflich  zu  dem  von  Grimm  (Haupts  Ztschr.  VI,  6)  angenommenen 
goth.  safjan  schmecken,  safareis  schmecker.  Ferner,  ndl.  schaffer  ist  einer 
der  das  essen  aufträgt,  aber  auch  ein  fresset ■;  hier  kommt  es  darauf  an 
zu  wissen,  ob  das  lautlich  nah  liegende  franz.  wort  dem  niederl.  nicht 
diese  bedeutung  geliehen  hat,  doch  heißt  auch  das  vb.  schaffen  auftragen 
und  essen. 

Sais  pr.  (fem.  saissa)  grau  von  haar.  Merkwürdig  wäre  es,  wenn 
sich  in  diesem  dem  Provenzalen  ausschließlich  eigenen  adjeetiv  das  seltene 
lat.  caesius  (graulich  von  äugen)  erhalten  hätte.  Die  richtige  form  wäre 
freilich  ceis,  seis,  aber  ais  für  eis  ist  nicht  ohne  beispiel,  wie  plais  für 
pleis  (lat.  plexuiu)  bezeugt;  überdies  konnte  das  zusammentreffen  mit  dem 
zahlworte  seis  zu  dieser  abweichung  verleiten. 

Saison  fr.  Jahreszeit,  rechte  zeit.  t  In  dem  artikel  stagione  L  sind 
beide  Wörter  aus  verschiedenen  stammen  hergeleitet  worden,  it.  stagione 
aus  statio,  fr.  saison  nebst  sp.  sazon  ff.  aus  satio.  In  einer  gründlichen 
(dort  überseJienen)  Untersuchung  von  Aug.  Scheler  (Revue  de  Vinstr.  publ. 
en  Belgique  1863)  wird  dagegen  die  ansieht  vertheidigt,  beiden  wortern 
liege  ein  und  dasselbe  Stammwort  zu  gründe,   statio,  t  nach  8  sei  also 


IL*   SALOPE— SAVAI.  675 


ausgefallen.  Der  Verfasser  gibt  nun  beispiele  dieses  ausfalles,  von  welchen 
aber,  wenn  man  nur  den  franz.  und  prov.  anlaut  s  =  st  anerkennt  und 
die,  etymologisch  zweifelhaften  fälle  abrechnet,  wenig  übrig  bleibt.  Übri- 
gens ist  es  nicht  die  meinung  des  verf.,  daß  die  frage  hiermit  abgethan 
seit  sie  solle  nur  angeregt  werden:  er  verneint  die  ansprüche  von  satio 
nicht  und  unterstützt  sie  selbst  mit  hinweisung  auf  die  bedetdungen  des 
gr.  üjqcc.  [Es  dürfte  sogar  als  ein  grammatisch  mögliches  ereignis  ange- 
nommen werden,  daß  auch  in  Italien  eine  form  sagione,  fortdauernd  in 
den  mundartlichen  sason,  sazü  u.  s.  w.7  vorangegangen  und  durch  ein- 
Wirkung  der  klaren  würzet  sta-re  abgeändert  worden  sei.] 

Salope  fr.,  als  subst.  nur  im  fem.  üblich.  A  kann  eingeschoben 
sein  wie  e  in  semaque  s.  u.;  gleichwohl  läßt  sich  das  wort  nicht  aus  dem 
gleichbed.  ndd.  slumpe,  ndl.  slompe  herleiten,  da  m  vor  p  nicht  ausge- 
fallen sein  würde;  besser  vom  engl,  sloppy  schlammig,  in  mundarten  auch 
schlumpig,  s.  HdUiwell. 

Salpetre  fr.  (m.)  ein  mittelsalz;  von  sal  petrae,  weil  die  steine 
es  zum  theil  ausschwitzen.  Ein  vrlt.  sp.  salpedrez  (m.)  führt  Secken- 
dorf  an. 

Sambue  alt f r.  pf erdedecke  zum  gebrauch  vornehmer  frauen,  s.  P. 
Paris  zum  Garin  I,  298,  in  späterem  nüatein  sambuca.  Es  ist  das  ahd. 
samboh,  sambuoh,  sambuh  sanfte,  dessen  Ursprung  aber  noch  nicht  aufge- 
hellt scheint. 

Samedi  fr.  samstag;  zsgz.  aus  sabbati  dies,  pr.  dissapte,  it.  sä,- 
bato,  wcd.  sembetq  u.  s.  f. 

S^nsonnet  fr.  staar;  von  dem  eigennamen  Samson,  also  Simson- 
chen,  zum  scherz. 

Sap  altfr.  tanne  LRs.  241,  im  glossar  von  Tournai  'abies  arbor 
.».  sap,  pr.  wie  fr.,  daher  sapine  tannenwald  Sax.  II,  p.  11;  von  sappinus, 
einer  der  falle,  worin  die  neue  spräche  eine  lat.  ableitung  auf  ein  primitiv 
zurückführte,  denn  auch  mit  dem  synonymen  sapium  kann  es  nicht  iden- 
tisch sein,  da  dies  pr.  sapi  lauten  müßte.    Neufr.  sapin. 

Sargotar  jpr.  kauderwälschen?  Chx.  IV,  198;  für  sartagotar  von 
sartago  mischmasch  von  warten?  Man  vergleiche  auch  sard.  sarragar 
heiser  sein,  norm,  saccouter  flüstern.  Auch  bürg,  sargoter  ist  s.  v.  a. 
cahoter. 

Sauge  fr.  salbei;  von  salvia,  it.  sp.  pr.  gleichfalls  salvia,  wal. 
salvie,  salie,  zale. 

Saale  fr.  (m.)  weidenbaum.  Dafür  steht  bürg,  lothr.  sausse,  pr. 
sauze,  sautz,  it.  salcio,  wal.  salce,  sp.  salce,  sauce,  sauz,  saz,  bask.  saliga, 
alle  von  salix  Salicis,  woher  auch  fr.  saussaie  =  salicetum.  Aber  diesen 
formen  ist  saule  fremd  und  hat  also  wohl  seinen  Ursprung  in  dem  gleich- 
bed. ahd.  sälaha,  verkürzt  säla,  gespr.  salla:  ebenso  hat  gaule  in  välu 
seinen  Ursprung. 

Savai  pr.  schlecht,  böse,  das  gegentheil  von  pros.  Wie  die  ad- 
jectiva  ibri-ai  und  ver-ai  von  ebrius  und  verus  stammen,    so  savai  von 


676  II.  c.   SCIER--SERPE. 

saevus  wild,  arg,  boshaft:  e  in  der  tonlosen  Stammsilbe  ward,  wie  oft, 
durch  a  verdrängt. 

Sei  er  fr.  sägen,  scie  säge,  it.  sega;  von  secare  schneiden,  pr.  se- 
gar  ff.;  früher  sier,  nachJier  mit  rücksicht  auf  die  etymologie  scier  ge- 
schrieben. Eine  andre  form  ist  altfr.  soier,  vgl.  plier  und  ployer  aus 
plicare.  Dsgl.  scion  Schößling  z.  b.  zum  setzen,  für  sicion  von  Sectio 
abschnitt,  wie  wir  sagen  schnittling. 

Se  pr.  in  den  zss.  anesä,  des6  und  jassä  s.  v.  a.  die  gleichbed.  anc 
sempre,  de  sempre  und  ja  sempre;  auch  mit  präpos.  en  jassä  und  per 
jassä.  Abkürzung  von  se  aws  sempre  wäre  stfari  und  nwY  keinem  ent- 
sprechenden falle  zu  unterstützen.  Cherubini  verzeichnet  auch  ein  maü. 
puss£e,  das  er  aus  piü  assai  erklärt. 

Seine  fr.  fischergarn;  zsgz.  aus  seYne  von  sagena,  itol.  wie  lat. 

Selon  fr.  partikd;  aus  dem  veralteten  selonc  von  seeundnm,  ge- 
mischt mit  longum,  fr.  long,  das  die  räumliche  bed.  von  seeundnm  (längs) 
ausdrückt.  Altfr.  sagte  man  auch  solonc,  nicht  etwa  von  sublongnm 
(Orelli  p.  338),  denn  was  sollte  dies  heißen?  sondern  weil  sich  das  ohr 
an  den  Wechsel  zwischen  der  silbe  se  und  so  in  sejorner  und  sojorner, 
semondre  und  somondre  u.  a.  gewöhnt  hatte. 

Semaqne  fr.  (f.)  ein  flußschiff;  vom  ndl.  smak,  engl,  smack.  So 
auch  senau  (m.)  eine  art  kleiner  Seeschiffe,  vom  ndl.  snanw,  ndd.  snau, 
engl.  snow. 

Simulant  fr.  lebhaft,  unruhig.  Aus  einer  celt.  würzet  geformt: 
kymr.  sim  voll  bewegung,  leicht,  lose. 

Semondre  fr.,  pr.  somondre,  semondre  einladen,  partic.  „semons, 
daher  sbst.  semonce,  somonsa  einladung;  von  summonere.  Aus  demselben 
verbum,  nach  der  1.  conjugation  geformt,  leitet  man  auch  den  gertcht- 
liclten  ausdruck  sommer:  bei  den  Alten  scheint  nur  semoner  (woraus  tifr. 
semonneur),  nicht  somoner  vorzukommen. 

Seran  fr.  hechel,  vb.  serancer,  leitet  Frisch  befriedigend  vom  mndd. 
schrantsen  zerreißen,  zerkauen,  mhd.  schrenzen,  sbst.  mndl.  schrantse, 
mlid.  ahd.  schranz  riß  u.  dgl.  Daß  die  regelrechte  büdung  öcrancer  ge- 
wesen wäre,  liegt  auf  der  hand;  diesmal  aber  fiel  das  gurgelnde  ndl.  ch 
aus  und  der  anlaut  sr  ward  durch  einschiebung  gemildert,  aber  merk- 
würdig ist  doch  auch  das  mhd.  sranz  für  schranz. 

Serin  fr.  zeisig;  vom  gr.  oeigtjv,  das  bei  Hesychius  einen  Meinen 
vogel  bedeutet,  eigentl.  Sirene,  wegen  seines  gesanges. 

Serment  fr.  schwur;  von  sacramentum,  altfr.  sairement,  pr.  sagra- 
men  ff.,  Soldateneid,  durch  die  Soldaten  in  den  provinzen  verbreitetes  wort, 
sagt  Pott,  s.  dessen  abhandl.  Plattlateinisch  348. 

Serorge  altfr.  schwager;  vom  adj.  sororius. 

Serpe  fr.,  vrlt.  sarpe,  gartenmesser  die  bäume  zu  reinigen.  Die 
bekannte  herleitung  desselben  aus  dem  verschollenen  lat.  vb.  sarpere,  wo- 
von Festus  sagt:  sarpere  antiqui  pro  purgare  dicebant,  ist  die  einzige, 
die  dem  bucJistabcn  genügt.    Den    übrigen  sprachen  ist  dies  wort  fremd, 


II  c.    SERTIR-SI.  677 

nur  der  Italiener  Ugutio  hat  sarpa  csarculum  (hacke),  quod  et  sirpa 
invenitur,  vgl.  sarpa  'getisen  (jät-eisen)  Vocab.  opt.  p.  22b.  Ein  ab- 
kömnding  van  scalprum  kann  es  nicht  sein,  dem  widerstrebt  der  buch- 
stdbe.  Nimmt  man  sarpa  in  passivem  sinne,  so  muß  es,  toie  sarmentum 
für  sarpmentum,  den  abgeschnittenen  zweig  bedeuten,  und  dazu  paßt  das 
sp.  serpa  ableger,  senker:  kommt  radicales  e  für  a  in  dieser  spräche 
auch  nur  selten  vor  (alerce,  lexos  IL  b),  so  wird  es  hier  durch  die  franz. 
form  unterstützt. 

Sertir  fr.  einen  edelstein  fassen;  muthmaßlich  von  sertum  kränz, 
daher  auch  mlat  sertare  kränzen,  einschließen,  cigentl.  mit  einer  einfas- 
sung  umgeben?  Die  neupr.  form  ist  sartir.  —  Schder  vermuthet  in  sertir 
ein  abgekürztes  ensertir,  von  insörere,  sup.  insertum :  aber  würde  alsdann 
das  neugeschaffene  verbum  nicM  der  ersten  conjug.  gefolgt  sein? 

Serviette  fr.  tellertuch.  Servir  une  table  heißt  die  tafel  mit  tellern 
u.  dgl.  besetzen  {wie  lat.  ministrare),  Service  tafelgeräthe  (ministerium), 
it.  servito  tracht  oder  gang  von  speisen,  pr.  servit  überh.  dienstleistung: 
aus  diesem  partieipiahsbst.  muß  serviette  (für  servitette,  vgl.  sp.  servilleta) 
entstanden  sein,  nicht  aus  dem  vb.  servire,  was  gegen  die  grammatik  wäre. 
Die  speisen  abtragen  heißt  desservir,  daher  dessert  nachtisch. 

Sescha,  cesca  pr.  röhr,  schilf,  auch  sp.  xisca,  in  Murcia  cisca, 
bask.  sesca,  mlat.  sisca  'snid-stroe  (ags.)  in  einem  glossar  s.  Mones  An- 
zeiger VII,  151.  Es  ist  celtischer  herkunft,  ir.  gael.  seisg,  kymr.  h6sg, 
wozu  auch  ags.  sege,  secg,  engl,  sedge  gehören.  Man  sehe  Armstrong 
so  wie  Diefenbaeh  Celt.  1,  97.  Abgel.  von  sescha  scheint  altfr.  seschon 
gesträuch  Roq. 

Setiar  pr.  (dreisilb.)  setzen:  la  comtessa  vas  (=  va  se)  setiar  Arn. 
Vid.  gloss.;  zsgs.  assetiar  und  assitiar  (viersüb.)  mit  ders.  bed.  (Gehört 
zu  sitio  IL  b.) 

Seve  fr.  pflanzensaft;  von  sapa,  pg.  seve  ff. 

Sevrer  fr.  ein  kind  entwöhnen;  von  separare,  it.  sceverare. 

S  i  altfr.  partikel  für  den  zielpunct  im  räum  und  in  der  zeit,  unserm 
'bis*  entsprechend.  Als  conjunetion:  jamez  la  moie  bouche  de  pain  ne 
mengera  si  seront  tuit  pendu  DMce.  p.  315,  29;  mes  ne  serai  lie  si 
arai  le  traYtre  trouv6  180,  18.  Combiniert:  si  la  que  als  conj.:  nos  ne 
poomes  si  lä  que  toutes  les  bestes  soient  assembläes,  s.  Orelli  415; 
si  que  als  adverb  in  Verbindung  mit  einer  präposition:  li  porfent  si 
qu'en  la  ventaille  ds.  377.  Dsgl.  desi,  dessi  adv. :  desi  es  dens  bis  in 
die  zahne  DMce.  128,  23;  dessi  el  pis  bis  in  die  brüst;  desi  que  conj.: 
de  si  ke  en  Bretaine  sont  bis  sie  in  B.  sind  Rou  v.  427;  adv.  de  si 
que  Abelgrant  cusque  ad  Abelmagnum  LRs.  23;  del  menton  deci  qu'an 
Toreille  NF.  I,  297.  Ferner  tressi  und  tressique,  z.b.  tresiques 
au  poing  bis  auf  die  faust  DMce.  251,  16  u.  dgl.  Endlich  noch  en- 
tressi  und  entressi  que  adverbial,  z.  b.  antreei  qu'ä  la  porte PDuch. 
p.  69;  oft  auch  enfressi,  von  infra.  Wie  erklärt  sich  nun  das  mit  der 
bedeutung  von  usque  ad  oder  donec  ausgestattete   theils  für  sich  allein, 


678  lLc.   SIFFLER-  SILLER. 

theUs  in  Verbindung  mit  andern  parttkdn  vorkommende  si?  Hat  es  seinen 
grund  im  s  des  lat.  usque,  indem  man  die  daraus  entstandenen  desque, 
tresque,  entresque  in  desique,  tresique,  entresiqae  erweiterte  und  dann 
si  als  selbständiges  wort  herauszog?  Allein  von  einem  vorgange  dieser 
art  würde  sich  kein  zweites  beispiel  aufzeigen  lassen.  Liebrecht  (bei 
Gachet  423a)  ist  geneigt,  unser  si  mit  ainsi  zu  erklären:  dies  würde  zu- 
weilen angehn,  meist  aber  nicht,  durchaus  nicht  in  den  combinationen  de 
si,  si  que  u.  s.  w.  Für  si  setzen  manche  Handschriften  auch  ci.  Diese 
Schreibung  hält  Gachet  118*  für  die  richtige  und  erkennt  darin  das  orts- 
adverb  ci  =  neufr.  ici:  de  ci  qu'ä  ist  elliptisch  für  de  ci  oder  d'ici 
jusqu'ä  lvon  hier  bis  an.  Auch  diese  bedeutung  wäre  auf  viele  fälle  un- 
anwendbar, wie  schon  die  obigen  beispiele  lehren:  desci  jusque  en  Espaigne 
iriemes  Fier.  140, 1  wäre  richtig,  jel  porfendroie  desci  jusque  al  poumon 
145 ,  7  gäbe  einen  schlechten  sinn:  die  bedeutung  von  de  ci  müßte  sich  ver- 
dunkelt haben  und  der  von  jusque  gewichen  sein.  Auffallend  ist  freilich,  daß 
diejenigen  texte,  welche  stets  chi  für  ci  =  ici  setzen,  dieses  chi  niemals, 
wie  es  scheint,  für  unsre  partikd,  sondern  statt  dessen  ci  oder  si  ge- 
brauchen; doch  gibt  Burguy  II,  371  deschi  für  desci.  Man  hat  über- 
sehen, daß  ein  finales  si  auch  im  älteren  ital.  vorhanden  ist.  Dante  sagt 
z.  b.  Inf  29,  30:  non  guardasti  in  lä,  si  fu  partito;  Boccaccio  Dec.  3,9: 
ne  mai  ristette,  si  fu  in  Firenze.  Dieses  si  läßt  sich  ohne  mühe  aus 
den  mittein  der  ital.  spräche  selbst,  nämlich  aus  der  partikd  sin  (vgl.  no 
aus  non)  erklären,  sin  aber  vertritt  sin  che,  und  so  ist  es  auch  von  ein- 
heimischen grammatikem  z.  b.  Cinnonio  1,  p.  239  (Ven.  1739)  erklärt 
worden.  Sollte  das  wörtchen  nach  Frankreich  gewandert  sein,  wo  es  den- 
selben dienst  thut?  Dies  wäre  möglich,  es  wäre  aber  auch  möglich,  daß 
die.  franz.  spräche  sich  dasselbe  unabhängig  aus  dem  nämlichen  etymon 
(signum  ziel)  verschafft  hätte  wie  die  ital.  Zwischen  den  beiden  letzteren 
auslegungen  wird  man  zu  wählen  haben. 

Siffler  fr.  pfeifen.  Diese  form,  wofür  altfr.  auch  sibler,  bezieht 
sich,  da  im  franz.  der  übertritt  des  b  in  f  höchst  selten  ist,  auf  das  ver- 
altete lat.  sifilare,  dessen  Nonius  gedenkt,  s.  Schneiders  Lat.  gr.  I,  226, 
vgl.  sibilus,  non  sifilus  App.  ad  Probum.  Prov.  siblar,  siular,  aber  auch 
chiflar,  sp.  silbar  und  chiflar;  man  sehe  ciufolo  I. 

Silhouette  fr.  Schattenriß;  eigentl.  name  eines  finanzministers 
unter  Ludwig  XV.,  dessen  Operationen  leer  waren  wie  diese  bäder. 
Man  sehe  darüber  z.  b.  Sismondi  Hist.  des  Frangais  XXIX,  94.  95. 
Es  ist  also  ein  aus  dem  material  historischer  eigennamen  geschöpftes 
schlechthin  unetymologisches  wort,  deren  die  sprachen  nicht  wenige  auf- 
genommen. 

Silier  fr.  (vb.  intr.)  das  meer  durchschneiden,  sbst.  sillon  furche; 
vom  nord.  sila  furchen,  einschneiden  (Biörn)  mit  erweichung  des  1  wie  in 
piller  von  pilare.  Das  wort  muß  weiterhin  verbreitet  gewesen  sein,  da 
sich  das  mail.  sciloira  pflüg,  piem.  zsgz.  sloira,  daraus  herzuleiten  scheint, 
s.  aratro  I. 


IL  c.   SILLER-SOC.  679 

Silier  fr.  (vb.  trans.)  einem  falken  die  augerdieder  zusammen- 
nähen, damit  er  stül  sitzen  lerne ;  für  ciller  von  cilium. 

Sinople  fr.  (m.)  grüne  färbe  in  wappen,  ein  früh  in  Spanien  ein- 
geführtes  wart,  da  schon  J.  Febrer  z.  b.  str.  205  es  braucht,  pg.  sinople 
grüner  Jaspis.  Daneben  it.  senopia,  pg.  sinopla,  engl,  sinoper  röthd, 
rothe  färbe,  vom  tat.  sinopis  rother  eisenocker,  benannt  nach  der  Stadt 
Sinope  am  Schwarzen  Meere.  Beiderlei  Wörter  für  rothe  und  für  grüne 
färbe  müssen  eins  sein:  so  wenigstens  sah  man  die  sache  vorlängst  schon 
an,  wie  Menestrier,  Orig.  des  arm.  p.  339,  aus  einer  handschrift  vom 
j.  1400  bezeugt:  sicut  et  in  urbe  Sinopoli  rubicundum  invenitur  et  viride 
dictum  sinoplum  .  .  synoplum  utrumque  venit  de  urbe  Sinopoli;  der  stoff 
aber,  woraus  man  die  grüne  färbe  zog,  wird  nicht  näher  angegeben.  S. 
Bernds  Wappenwissenschaft  II,  44. 

Sirvente  fr.  (m.),  aitfr.  serventois,  pr.  sirventös,  sirventesc,  auch 
fem.  sirventesca,  daher  it.  serventese,  sp.  serventesio,  eine  liedergattung 
von  unbestimmter  form,  lob-  und  rügelied  im  gegensatz  zum  minnelied; 
wortlich  dienstgedicht  d.  h.  ein  gedieht,  ursprünglich  im  dienste  oder  zu 
ehren  eines  herrn  abgefaßt,  vom  pr.  sirven  =  serviens.  Auf  diese  her- 
Jcunft  spielen  schon  die  troübadours  an,  wenn  sie  sagen:  un  sirventes  en 
servizi  dels  fals  clergatz  Chx.  IV,  307  (ironisch  zu  verstehnj,  oder  de 
sirventes  suelh  servir  LR.  I,  400.  S.  Poesie  der  troub.  p.  111,  Wolfs 
Lais  p.  306,  Schlegels  Essais  litt.  328.  Baynouard  leitet  das  wort  nicht 
aus  servire. 

Sisclar,  cisclar  pr.,  xisclar  cot. pfeifen;  von  fistulare  (it.  fischiare) 
gemischt  mit  sibilare? 

Sitot  prov.  conjunetion  für  lat.  etsi;  zsgs.  aus  si  tot  'wenn  aU,  wenn 
schon,  vgl.  it.  tuttoche. 

Sobriquet /r.  Spottname,  sonst  auch  sotbriquet  geschr.,  so  daß  es 
aus  80t  einfältig  und  dem  sinnverwandten  altfr.  briquet  (vgl.  it.  bricchetto 
kleiner  esd)  zusammengesetzt  sein  könnte:  donner  un  sobriquet  ä  qqun 
jemand  einen  einfaMspinsel  anhängen.  Nur  formell  paßt  dazu  piem. 
subrichet  adj.  eigensinnig,  ärgerlich.  Das  picard.  wort  ist  surpiquet  — 
Schelers  vermuthung,  sobriquet  komme  von  supricus  (s.  v.  a.  surajoute), 
dies  von  supra,  scheint  noch  weniger  zulässig  als  die  vorstehende,  da  das 
suffix  Tcus  nicht  zu  neubüdungen  verwendet  wird. 

Soc  fr.,  bei  Rob.  Stephanus  vomer,  also  pflugschaar,  im  Gloss.  de 
Lille  p.  9  (21)  coutre  ou  soc  de  carue  *  vomer  vel  vomis\  mlat.  in  den 
Glossis  flor.  (9.— 10.  jh.)  socus,  ligo  'sech\  mgr.  %6xog  =  soc,  gael.  soc, 
kymr.  sweh  sowohl  pflugschaar  wie  auch  schnabd,  schnauze.  Mit  andrer 
bedeutung  it.  zoeco  (in  Ravenna,  s.  DC.  v.  zoecus),  pr.  soc,  fem.  pr.  cat. 
soca,  fr.  souche  baumstamm,  vb.  cat.  socar  einen  bäum  unten  abhauen. 
Die  Wörter  der  zweiten  bedeutung  gründen  sich  auf  das  dem  Romanen 
wohlbekannte  soecus,  das  bei  ihm  aber  meist  in  der  bed.  holzschuh,  auch 
Untersatz  oder  schaft  (daher  stamm)  erscheint  und  den  anlaut  s  fast 
überall  mit  z  getauscht  luü:  it.  zöccolo,  sp.  zöcalo,  zoclo,  zueco,  pr.  zocs 


680  IL  c.   S01F— SORNETTE. 

*pes  ligneus  propter  ludum  (l.  lutum)  GProv.  53,  fr.  zocle,  socle.  Zocco 
mahnt  zwar  auch  an  das  begrifflich  nähere  deutsche  stock  stipes,  truncus, 
aber  it.  sp.  z  entsteht  noch  leichter  aus  lat.  s  denn  aus  deutschem  st.  Ob 
auch  das  fr.  soc  nebst  den  celtischen  verwandten  in  soccus  seinen  grund 
habe,  ist  nicht  deutlich:  man  könnte  sich  auf  eine  unverkennbare  ähnlich' 
keit  zwischen  schuh  und  pftugschaar  berufen,  da  diese  ein  vorn  zugespitztes, 
hinten  breites,  in  der  mitte  offenes  und  zugerundetes  eisen  ist.  Dazu  kommt 
noch  das  russ.  sochä  hakenpflug. 

Soif  fr.  durst,  altfr.  richtiger  soit,  soi,  pr.  set:  von  sitis.  Da  in- 
dessen der  dental  t  sonst  niemals  in  den  labial  f  ausartet  und  dieser 
eben  so  wenig  ein  bedeutungsloser  zusatz  sein  kann,  so  ist  schwerlich  eine 
andre  erJdärung  übrig,  als  daß  das  schon  ganz  fertige  wort  (soi)  dem 
deutschen  saufen  d.  h.  wein  oder  bier  trinken  angebildet  ward.  Schon 
Frisch  dachte  daran,  doch  müßte  man  anstand  nehmen  ihm  zu  folgen, 
wären  nicht  auch  andre  das  trinken  betreffende  Wörter  oder  redensarten 
durch  die  deutschen  landsknechte  in  fremden  ländern  in  umlauf  gekommen, 
vgl.  trincare  I.  Hieran  schließe  sich  ein  veraltetes  und  auch  im  alter- 
thume  seltenes  wort  für  lat.  sitire,  sezeler  Lib.  psalm.  62,  2.  106,  5, 
welches  Littre  aus  *siticulare  (buchstäblich  genauer  wäre  *siticellare),  prov. 
findet  sich  cedejar  und  cedelar. 

So  live  fr.  querbalken  unter  dem  boden  eines  zimmers.  Frisch  halt 
es  für  eine  ableitung  aus  solum  boden,  Ducange  für  eine  aus  dem  ags. 
syl  säule,  allein  die  mit  ive  abgeleiteten  sind  immer  verbalia.  Kann  es 
kein  derivatum  sein,  so  ist  es  vielleicht  ein  cotnpositum,  bestehend  aus  dem 
genannten  solum,  fr.  soi  in  der  bed.  des  it.  suolo,  sp.  suelo  boden  des 
zimmers,  oder  hauses,  und  dem  altfr.  ive  =  lat.  equa  mit  beziehung  dar- 
auf, daß  neufr.  poutre  stute  und  querbalken  bedeutet;  zunächst  müßte  frei- 
lich diese  letztere  bedeutung  in  ive  nachgewiesen  werden.  Isaac  Vossius 
denkt  an  sublica  pfähl:  allerdings  konnte  man  sublfca  sprechen  und  v 
konnte  die  stelle  des  ausgestoßenen  c  einnehmen,  wofür  das  altfr.  mendive 
=  lat.  mendica  ein  passendes  beispid  gewährt ;  aber  die  bedeutung  be- 
friedigt nicht.  Aus  sublevare  läßt  sich  ein  sbst.  sublevium  ableiten,  wo- 
her sp.  solivio,  it.  sollievo  hebung,  Unterstützung:  daraus  konnte  auch  das 
freilich  weibliche  solive  gebildet  sein;  warum  aber  nicht  wenigstens  mit  ou 
soulive  wie  soulever  und  soulager? 

So  mm  eil  fr.,  sonelh  pr.  schlaf,  dimin.  von  somnus,  gleichsam  som- 
niculus  schläfchen,  eine  ableitung,  wozu  die  spräche  genöthigt  war,  um 
som  (somnus)  von  son  (sonuö)  zu  scheiden,  in  mundarten  aber,  z.  b.  in 
denen  von  Lothringen  und  Berry,  hat  sich  som  erhalten.  Daher  altfr. 
someilleux,  pr.  somelhos,  it.  sonnacchioso,  lat.  somniculosus  u.  a. 

Sorcier  fr.  zauberer,  fem.  sorciere,  altfr.  sorcerie  Zauberei;  von 
dem  lesen  der  schicksalsloose  (pr.  legir  sort  Chx.  III,  193),  daher  sort 
(lat.  sors)  auch  Zauberkunst  bedeutet.  Sorcier  erkläre  man  sich  aus  sor- 
tiarius,  wie  it.  sortiere,  sp.  sortero,  alban.  ^ortari  aus  sortarius.  * 

Sornette  fr.  posse,   albernheit;   vom  kymr.  swrn  Jdeinigkeit,   oder, 


ILc.   SOUBRETTE-SUBERNA.  681 

toie  Huet  meint,  vom  bret.  sorc'hen  gefasel?  Auch  ein  dUfr.  vb.  sorner 
wird  erwähnt. 

Soubrette  fr.  kammerjungfer  (im  Schauspiel);  woher? 

Souci  fr.  bekümmernis,  vom  adj.  sollicitum,  mit  fortgerücktem  accent 
sollicitum  bekümmert,  oder  vom  vb.  se  soucier,  neupr.  se  soucidA,  von  se 
sollicitare. 

Soudain  fr.,  pr.  sobtan  adj.  und  adv.  schnell,  plötzlich;  von  su- 
bitaneus. 

Soudre  fr.  lösen;  von  solvere  solv're  wie  poudre  von  pulvis 
pulv'ris. 

So  uil  tmdsouille  fr.  sauschwemme,  pr.solh  schmutz,  snlho,  schwein, 
sulhon  meerschwein,  fr.  souillon  schmutzkittel,  vb.  fr.  souiller,  engl,  soil, 
pr.  sulhar,  venez.  sogiare  beschmutzen;  auch  it.  sugliardo,  wohl  auch 
sp.  sollastre  schmutzig.  Prov.  sulha  ist  nebst  sulhon  offenbar  von  sucula 
schwein;  fr.  souil  kann  logisch  nicht  von  suculus,  wohl  aber  vom  adj. 
snillus  herrühren,  so  daß  es  ursprünglich  etwas  dem  Schweine  angehöriges 
bedeutete;  hieraus  denn  auch  das  vb.  souiller  eigentl.  schweinisch  machen, 
welches  also  der  herleitung  aus  einem  fremden  demente  (goth.  bi-sauljan 
oder  hd.  sudeln)  nicht  nothwendig  bedarf. 

Soul  fr.  ganz  satt;  von  satullus,  altfr.  saoul,  pr.  sadöl,  it.  satollo, 
chw.  saduls,  wal.  setül. 

Soulager  erleichtem;  nicht  =  altfr.  soulacier,  von  solatium,  son- 
dern =  sp.  soliviar  d.  i.  *sub-leviare,  also  für  soul6ger  durch  eine  un- 
gewöhnliche Umbildung  des  e  in  a;  souleger  noch  in  der  alten  spräche, 
e.  b.  DMce.  p.  177. 

S  o  u  p  <}  o  n  fr.  (m.),  altfr.  souspe^on  (f.)  verdacht ;  von  suspicio,  pr. 
sospeissö.    Altfr.  vb.  su scher  LRs.  338,   Ben.  I,  p.  11,  von  suspicari. 

Sourdre  fr.  quellen;  von  surgere  aufsteigen,  pr.  sorzer,  it.  sorgere, 
sp.  surgir.  Von  dem  veralteten  partic.  sors  ist  das  sbst.  source  statt 
sourse  (f.)  quelle,  wofür  die  alte  spräche  auch  sorjon  (nfr.  surgeon 
sprossendes  reis),  sordance,  die  ital.  sorgente  (f.),  die  sicil.  surgiva  be- 
sitzt, ebenso  von  resordre  resors  das  sbst.  ressource  (f.)  hülfsqudle. 

Soventre  altfr.  partikel  für  lat.  secundum  und  aus  demselben 
stamme,  vom  ablat.  sequente,  pr.  seguentre,  chw.  suenter. 

Stribord  fr.  rechte  seite  des  schiff  es,  daher  sp.  estribord;  ist  das 
ags.  steörbord,  engl,  starboard  steuerbord. 

Suberna  u.  sobern  pr.  in  einigen  stellen,  wie  nadar  contra  suberna 
LR,  lo  cors  (cursus)  de  suberna  das.,  lo  sobern  de  la  marina  Chrest. 
prov.,  muß  heißen  Strömung,  ström;  das  in  einige  Wörterbücher  aufge- 
nommene in  seiner  gestalt  etwas  abweichende  fr.  souberme  (m.J  wird  mit 
debordement  erklärt.  Ausdrücke  für  naturereignisse  interessieren  vor 
vielen  andern,  da  man  stets  geneigt  ist,  vorrömisches  dement  darin  zu 
vermuthen.  Unser  suberna  aber,  richtiger  soberna,  scheint  nichts  anders 
als  das  lat.  superna  (sc.  aqua)  hochwasser,  engl,  highwater,  zumal,  gleich 
sobern,  von  dem  fluihen  des  meeres  gebraucht. 


682  IL  c.   SUD— TABUST. 

Sud  fr.  (le  sud  LRs.  107),  daher  sp.  sud,  pg.  sul  {wie  sp.  ardid, 
pg.  ardil);  vom  ags.  sfidh,  engl,  south  meridies. 

Suie  fr.,  pr.  suia,  sueia,  suga,  cot.  sutje  fm.,)  ruß.  Die  theoretisch 
ursprünglichste  form  suga  führt  auf  ags.  sötig  {zsgz.  sotg),  cw^Z.  sooty 
rw/it^,  vorn  sbst.  söt,  f^o^r  awcA  gael.  sfiith.  Iftwe  t/Zo&e  suia  *fidigo 
hat  Graff  in  das  deutsche  Wörterbuch  aufgenommen. 

Suinter  fr.  ausschwitzen;  vom  ahd.  suizan,  ursprünglich  suitanm*/ 
derselben  darstellung  des  anlautes  wie  in  Suisse  aus  Schweiz.  Die  ein- 
Schiebung  des  n  ist  im  franz.  freilich  wenig  üblich,  sie  wird  aber  auch  in 
Menage  s  etymon  suditare  angenommen  werden  müssen,  das  sich  bei  der 
Seltenheit  neuer  frequentativa  auf  itare  weniger  empfiehlt  als  das  dtsche  wort. 

Suivre  fr.  folgen;  von  sequi,  pr.  seguir  und  segre,  im  franz. 
mlatein  severe  mit  getilgtem  q,   altfr.  sevre,  sivre,  suire,   endlich  suivre. 

Sumsir  sumpsir,  somsir  sompsir  pr.  versenken,  ertränken,  somsimen 
Versenkung,  wohl  auch  somsis  abgrund  Bth.  182  (sossic  B.  250,  16) ; 
stark  abgeändert  aus  summergere,  pr.  auch  somergir,  indem  g  hinter  r 
zu  s  ward  wie  in  esparser  (spargere)  oder  terser  (tergere),  also  surareir 
sumsir.  Auch  oitsp.  pg.  sumir  hat  die  bed.  von  summergere,  z.  b.  pg. 
sumir  un  navio  ein  schiff  versenken:  g  könnte  geschwunden  sein  wie  in 
espurrir  (exporrigere)  oder  sobar  (sub-agere);  oder  soll  das  wart  von 
sumere  kommen?  —  Aus  somsir  ist  wahrscheinlich  auch  das  fr.  intran- 
sitive sancir  (le  vaisseau  a  sanci  ist  gesunken):  pr.  sameimen  für  sura- 
simen  hat  eine  Handschrift  s.  B.  250,  17. 

Sur  franz.  präpos.;  von  super,  sp,  pg.  pr.  sobre,  cdtit.  sor.  Altfr. 
sore,  seure  aber  von  supra,  jene  form  bereits  im  fragm.  von  Vcdenciennes. 

Sur  fr.  sauer;  vom  ahd.  ags.  altn.  sür  u.  s.  f.,  dsgl.  kymr.  sur. 
Daher  henneg.  suriele,  wallon.  sural  Sauerampfer,  ndl.  zuuring. 

Sür  fr.  sicher,  aftseür,  im Liv.de  Job  segur^  von  securus,  pr.  segur. 

Sure  au  fr.  holunder.  Sabucus  lautet  sp.  saueo,  wed.  soc,  pr.  saüc, 
bask.  (navarr.)  sauca,  altfr.  pic.  seü;  da  aber  der  Franzose  für  namen 
der  bäume  die  ableitung  mit  arius,  dimin.  arellus,  liebt,  so  erwuchs 
ihm  aus  seu  die  form  sureau.  Wie  verträgt  sich  aber  damit  eine  zweite 
altfr.  bildung  setir  (:meür  NF.  Jub.)?  entstand  sie  durch  abkürzung  aus 
seiir-eau,  indem  man  das  diminutivsuffix  wegwarf? 

Surgia  pr.  umndarzneikunst;  für  srurgia  aus  cirurgia  chirurgia, 
daher  altfr.  surgien,  mndl.  surgijn,  engl,  surgeon  wundarzt. 

Suzerain  fr.  adj.,  verbunden  mit  seigneur,  oberlehnsherr;  nachdem 
muster  von  souverain  aus  fr.  sus  (lat.  susum)  geformt?    S.  Menage. 


T. 

Tabarin  fr.hanswurst;  name  eines  marktschreiers,  der  um  den  an- 
fang  des  17.  jh.  lebte  (Roquefort). 

Tabust,  tabut  altfr.  pr.  lärm,  Verwirrung,  tabuster,  tabuter,  tabustar, 


X        11.  c.   TACHE-TAN.  683 

• 

tabassar,  tustar,  turtar  klopfen,  beunruhigen,  it.  tambussare  ausprügeln; 
so  auch  pr.  sbst.  taburla  LR.  1,  556h,  vb.  tabornar.  Es  scheinen  schall- 
nachahmende auf  tabor,  tambor  (trommel)  gegründete  producta,  wohin 
wohl  auch  pr.  talabust,  fr.  tarabuster  gehören;  vgl.  ndal.  taburcium,  ta- 
burlum  für  tabor. 

Täche  fr.  (f.)  das  auferlegte  tagewerk,  tächer  sich  beeifern.  Daß 
tache  für  tasche  gelte,  beweist  das  gleichbed.  engl,  task,  cot.  ven.  tasca, 
so  wie  das  pr.  tasca,  tascha  zins  oder  einkünfte;  das  nämliche  wort  ist 
auch  rnlai.  tasca  praestatio  agraria  DG.  Auch  die  celtischen  mundarten 
kennen  es:  Itymr.  tasg  heißt  etwas  bestimmtes  oder  auferlegtes,  gael.  taisg 
bütgschaft.  Gleichwohl  ist  es  lateinisch:  wie  fr.  lache,  pr.  läse  aus  laxus, 
so  entstand  täche,  tasca  aus  taxa  (miat.  für  taxatio)  und  bedeutet  das 
einem  augeschätzte,  eugemuthete:  klar  zeigt  diese  Umstellung  das  henneg. 
tasque  =  fr.  taxe. 

Tai  altfr.  schlämm  Boq.,  vgl.  entaiar  GProv.  p.  41;  offenbar  votn 
ndl.  taai  klebrig,  ahd.  zähl,  das  als  beiname  des  leimes  oder  lettens  ge- 
braucht wird  (Graff),  nhd.  zähe,  chw.  zais.  Dasselbe  wort  ist  sicil.  taja 
lehnt  zum  bauen. 

Taie  fr.  küssenüberzug ;  von  theca  hülle,  futteral,  wobei  man  jedoch 
toie  Aubery  p.  41  (auch  henneg.  und  bürg.)  als  die  ursprünglichere  form 
annehmen  muß,  vgl.  noyer  von  necare.  Die  herleitung  wird  bestätigt 
durch  das  churw.  teija  (teigia),  welches  futteral  und  bettzieche  bedeutet, 
von  theca,  vgl.  speija  von  spica.  Auch  ahd.  ziechä,  nhd.  zieche  wird 
von  theca  stammen  wie  ziegal  von  tegula. 

Talnar  pr.  zögern,  säumen,  z.  b.  non  tai'nar  redre  tnon  tardabis 
offerre  GO.  299,  trans.  verzögern,  aufschieben  (si  o  tainas,  es  pechaz), 
imperson.  me  tal'na  mich  verlanget,  wie  il  me  tarde,  ahd.  mih  langet, 
sbst.  taYna  aufschub.  Dazu  pr.  atainar,  altfr.  ataTner  verzögern,  z.  b.  los 
atainaz  tormens  'tarda  supplicia  GO.  27,  dsgl.  reizen,  beunruhigen,  cht- 
canieren,  welche  letztere  Bedeutungen  das  bret.  (auf  die  mundart  von 
Vdnnes  eingeschränkte,  unceltische)  atahinein  bewahrt;  sbst.  atal'na,  atai'ne, 
noch  bürg,  ataine,  bret.  atahin  (m.).  Entstand  dies  wort  etwa,  mit  aus- 
gestoßenem d  und  romanisierter  endung,  aus  dem  alten  dtschen  teidingen 
anberaumen,  gerichtlich  verhandeln,  teidinc  d.  i.  taga-dinc  'indutiae  frist, 
auch  gerichtsverhandlung?  Die  Verwischung  des  Wortes  dinc  wäre  nicht 
stärker  als  in  unserm  vertheidigen  für  vertheidingen.  Von  taquiner  fr. 
(hadern)  ist  es  jedesfalls  zu  trennen:  dies  floß  aus  dem  adj.  taquin,  wo- 
neben  keine  form  tahin  stattfindet,  eben  so  wenig  ein  ataquiner  neben 
atainer. 

Taleva 8  altfr.  eine  ort  Schilde;  nach  Le  Duchat  umgestellt  aus 
dem  it.  tavolaccio  hölzerner  schild,  von  tabula,  also  für  tavelas;  eine  be- 
friedigende deutung. 

Tan  fr.  lohe,  tanner  roth  gerben,  henn.  tener,  mndl.  tanen,  teynen; 
daher  tannä  lohfarbig,  lohfarbe,  it.  tane,  sard.  tanau,  mndl.  taneyt,  letz- 
teres =  altfr.  taneit  partieip.    Nach  Frisch  vom  dtschen  tanne,  weil  man 


684  lLc.   TANCHE-TAPIR 

die  lohe  ehemals  aus  der  rinde  dieses  baumes  bereitet  habe  (und  noch  be- 
reitet, Krünüzens  Encyd.  LXVIII,  335);  nach  andern  (Dief.  Gdt.  I, 142 j 
vom  bret.  tann  eiche,  aber  tann  ist  den  celt.  sprachen  und  selbst  der  bret. 
mit  ausnähme  der  mundart  von  Leon  unbekannt.  Die  Isid.  glossen  haben 
alia  'tranata*,  wofür  aluta  tanata  zu  lesen  vorgeschlagen  wird  (Jahrb.  für 
phil.  XIIIj  suppl.  p.  233) ,  die  Erfurter  glossen  aluta  'locus,  ubi  pellcs 
in  calce  pilantur  et  tanantur  (das.  p.  273" );  das  wort  kann  also  ein 
ziemlich  hohes  älter  aufweisen. 

Tan  che  fr.  ein  fisch,  schleie;  lat.  it.  tinca. 

Tandis  fr.  Partikel;  von  tantos  dies  oder  von  tamdiu?  Für  letz- 
teres  zeugt  die  prov.  form  tandius,  vgl.  oben  qnandius. 

Tangoner  altfr.  antreiben,  drängen;  offenbar  das  mlat.  tanganare 
mahnen,  anhalten  L.  Sal.,  L.  Rip.,  sbst.  tanganum,  dem  auch  in  betracld 
des  Suffixes  n  zunächst  steht  kymr.  tengyn  zäh,  festhaltend,  vgl.  Leo  Halb, 
glosse  II,  148  und  wegen  seines  etwaigen  dtschen  Ursprunges  Grimms 
Rechtsalt,  p.  5.  Das  damit  zusammenhangende  altfr.  adj.  tangre  hart- 
näckig worauf  bestehend  (z.  b.  tu  es  si  tangres  ke  ma  fille  fust  mariee 
RFlor.  p.  13)  stimmt  buchstäblich  zum  tnhd.  zanger  scharf  von  geschmack, 
munter  Wb.  III,  849,  hartnäckig,  ausdauernd  Frisch  II,  149°,  mndl 
tangher  scharf  Eil.,  dazu  noch  it.  tanghero,  com.  tängan  grob,  plump. 

Taniere  fr.  höhle  wilder  thiere;  wahrscheinlich,  da  man  altfr.  tais- 
niere,  tesniere  schrieb  (s.  die  glossare  zum  Renard),  zsgz.  aus  taissoniere 
dachshöhle.    Die  erweiterte  bedeutung  macht  keine  Schwierigkeit. 

Tante  fr.muhme,  altfr.  ante  (nebst  der  accusativform  antain),  engl. 
aunt,  pr.  amda,  lat.  amita.  Das  noch  im  16.  jh.  vorkommende  und  mund- 
artlich fortlebende  ante  (auch  lomb.  ameta,  amida,  in  Brescia  meda,  cre- 
men, medda,  chw.  onda)  ward  durch  das  euphonische  tante  aus  der 
Schriftsprache  verdrängt,  als  es  nicht  mehr  gestattet  war,  m'ante  für  ma 
ante  zu  sagen,  und  auch  mon  ante  nicht  gewagt  ward,  das  aber  doch  die 
nördlichen  mundarten  in  der  form  men  ante  durchgeführt  haben,  s.  Hecart 
und  besonders  Gachet.  Das  anlautende  t  hat  also  in  diesem  werte  keinen 
etymologischen  grund,  es  beruht  so  gut  auf  einschiebung  wie  in  voilä-t-il, 
cafetier  u.  a.  Wallon.  antin  bedeutet  großoheim,  großtante,  s.  Grand- 
gagnage  addit. 

Tape  fr.  schlag  mit  der  hand,  vb.  taper,  tapoter  klapsen;  vom 
ndd.  tappe  pfote,  engl,  tap  klaps.  Eine  von  Seiten  des  anlautes  mehr 
hochd.  form  desselben  Wortes  ist  it.  zampa,  ciampa  (wie  zufolare,  ciufo- 
lare)  pfote,  zampare  mit  der  pfote  hauen,  ciampare,  inciampare  stolpern. 

Tapir  fr.  (nur  reflexiv)  sich  zusammenducken  um  nicht  gesehen  zu 
werden,  zsgs.  altfr.  s'atapir  sich  verstecken  (auch  bildlich:  quel  semblance 
s'atapissoit  souz  le  pain  et  le  vin  s.  Roquef),  adj.  altfr.  tap  in,  pr.  tapi 
versteckt,  a  tapi,  altfr.  en  tapin  LRs.  vermummt,  besonders  von  pilgern 
gebraucht,  daher  altfr.  tapin  pilger  (vermummter)  Antioch.  11,  53,  vb. 
tapiner  verstecken,  vermummen  Gar.  I,  269,  nfr.  en  tapinois  heimlicher 
weise,  altfr.  en  tapinage    (qu'ils  s'en  yront  en  tapinage  ainsi  comme  en 


ILc.    TARGER— TARIN.  685 

pelerinage  Rom.  d.  I.  rose  II,  p.67  ed.  d'Amst.),  nüat.  tapinatio.  Frisch 
fühlt  in  diesen  Wörtern  einen  deutschen  auch  sonst  im  roman.  vielfach  be- 
nutzten stamm  zapf  (s.  tape  L),  der  ein  kurzes  stück  hole,  einen  keil 
u.  dgl.,  in  dem  abgel.  fr.  tapon  einen  klumpen  oder  pack  bedeutet,  vgl. 
schiced.  tapp  bündel:  se  tapir  wäre  sich  zu  einem  klumpen  machen,  zu- 
sammenkauern, sich  verstecken:  ähnlich  heißt  fr.  cacher  platt  drücken, 
verbergen.  Ducange  denkt  an  talpa:  se  tapir  bedeutet  sich  verkriechen 
tcie  der  maulwurf.  Solcher  gleichnisse  bedient  sich  die  spräche  zwar  häufig, 
überall  aber  behauptet  der  buchstabe  sein  recht  und  so  ist  auch  hier  ein- 
zuwenden,  daß  im  franz.  die  gänzliche  Verwischung  des  1  bei  vorhergehen- 
dem a  etwas  ungewöhnliches  ist.  Das  champ.  taupin  'heimlich'  gibt  sich 
leicht  als  eine  anlehnung  an  taupe  (talpa)  zu  erkennen.  Ital.  tapino 
niedrig,  armselig,  daher  typioare  elend  leben,  ist  vielleicht  aus  dem  gr. 
raicuvog  niedrig,  demüthig;  aber  auch  hier  bemerkt  man  eine  auf  talpa 
bezogene  form  mit  1  oder  u  talpino,  taupino,  attaapinarsi  PPS.  I,  458, 
617  u.  s.  w. 

Targer  altfr.  norm,  zögern,  pic.  atarger  und  terger.  Unpassend 
deutet  es  Ducange  aus  targe  schild,  in  beziehung  auf  seine  hinderliche 
schwere.  Wenn  die  spräche,  die  lateinische  oder  romanische,  aus  einem 
Substantiv,  das  eine  sache,  namentlich  ein  geräthe  oder  Werkzeug  bedeutet, 
durch  bloße  anfügung  der  biegungssüben  ein  verbum  formt,  so  will  sie 
damit  die  anwendung  der  sache  ausdrücken:  targer  von  targe  müßte  also 
etwa  heißen  mit  der  tartsche  decken,  schirmen,  wie  it.  scudare  mit  dem 
schüde  decken.  Von  da  bis  zur  bedeutung  mit  der  tartsche  belasten,  end- 
lich schwerfällig  machen,  aufhalten  ist  noch  ein  weiter  schritt.  Dagegen 
bietet  die  lat.  spräche  ihr  verbum  tardare.  Der  Provenzale  spricht  tardar 
und  tarzar  und  auch  im  alt  franz.  bemerkt  man  tarzer  oder  tarser.  Sollte 
targer  aus  tarzar  entstanden  sein?  Es  wäre  möglich;  indessen  fehlt  es 
von  dieser  franz.  ausspräche  des  pr.  z  an  weiteren  beispielen.  Aber  g 
läßt  sich  noch  auf  andre  weise  gewinnen.  Aus  tardare  konnte  tardicare 
geleitet  werden,  woraus  targer  wie  aus  judicare  jager:  nicht  anders  ent- 
stand aus  clinare  clinicare,  aus  pendere  pendicare.  Vermittelst  anderer 
suffixe  schuf  sich  der  Churwälsche  die  abll.  tardinar  und  tardivar.  Hier- 
nach würde  sich  das  altfr.  targer  zum  neufr.  tarder  wie  das  altfr.  en- 
i'erger  zum  neufr.  enferrer  verhalten.  In  den  Erfurter  glossen  p.  267* 
steht  über  tricari  geschrieben  tarcor,  vielleicht  das  roman.  wort  in  älterer 
geskdt,  indem  aus  tardicare  zunächst  tarcare  werden  mußte,  das  der 
Schreiber  als  deponens,  wie  tricari,  darstellen  mochte.  Dieselbe  bedeutung 
hat  kymr.  tario,  engl,  tarry;  es  thut  aber  nicht  noth,  dem  franz.  wort 
diesen  Ursprung  anzuweisen,  wenn  auch  die  lautlehre  nichts  dagegen  ein- 
zuwenden hat. 

Tarier  altfr.  reizen,  quälen;  vom  ndd.  targen,  ndl.  tergen  mit  gl. 
bed.,  mhd.  zergen  reißen,  vgl.  ahd.  zerjan. 

Tarin  fr.  zeisig;  vielleicht,  da  es  in  Paris  die  form  t6rin  hat  (s.  bei 
Menage),  aus  dem  picard.  t£re  =  tendre    (vgl.  terons  =  tiendrons),   so 


686  II.  c.   TARIR-TELER. 

daß  es  zart,  schmächtig  bedeutet  Ebenso  bedeutet  altn.  tita  etwas  zartes 
und  einen  dem  zeisig  nah  verwandten  vogel,  fringüla  montana. 

Tarir  fr.  pr.  trocknen  (trans.  und  intrans.);  vom  ahd.  tharrjan, 
darrjan  dörren. 

Tartarassapr.  von Rochegude  und  Raynouard  mit  milan  (kühner- 
geier)  übersetzt,  nur  einmal  bei  Peire  Cardinal,  in  einer  donnernden 
Strafpredigt  gegen  den  clerus,  vorkommend  (tartarassa  ni  voutor  no  sent 
plus  leu  carn  puden  cet.).  Noch  neupr.  tardarassa,  wie  Honnorat  schreibt, 
der  dies  wort  mit  caprimulgus  (nachtrabe)  Übersetzt  und  es  aus  tardus 
erklärt,  weil  der  vogel  spät  ausfliegt.  Wahrscheinlicher  ist,  daß  sein 
name  von  seiner  'schnurrenden  stimme  herkommt,  wie  sich  Blumenbach 
ausdrückt.    Raynouard  vergleicht  das  port.  tartaranha. 

Tas  fr.,  fatz  pr.  häufe,  schickt,  vb.  tasser^  vom  ags.  tas  (bei  Somner), 
engl,  tass,  ndl.  tas  (f.)  kortüiaufe,  womit  Ettmüller,  Lex.  anglos.  p.  517, 
das  goth.  un-ga-tass  (ungeordnet)  vergleicht;  dasselbe  wort  ist  gael.  dais, 
kymr.  das.* 

Tau  dir  altfr.  decken,  nfr.  taudis  hätte,  früher  auch  schutzgerüste, 
pic.  taudion ;  vielleicht  germanischer  abstammung,  altn.  tialld,  mndl.  telde, 
ahd.  nhd.  zeit,  vb.  altn.  tiallda  zelte  aufschlagen. 

Taveler  fr.  scheckig  machen;  von  table,  alt  tavele,  brettspid,  also 
einem  dinge  das  ansehn  eines  Wettspiels  geben. 

Tax  er  fr.,  pr.  taxar  schätzen,  eine  Schätzung  auflegen,  it.  tassare/f., 
lat.  taxare ;  sbst.  fr.  taxe  (f.),  pr.  taxa,  it.  tassa  ff.  Davon  zu  trennen 
ist  ein  zweites,  speciell  franz.  subst  taux  (m.)}  welches  mit  taxare  gar 
nicht  verwandt  ist,  sondern  eine  altfr.  nominativform  des  sbst.  tau  =  it. 
taglio  Steuer  (s.  taglia  I.)  sein  muß,  vgl.  wegen  der  buchstaben  altfr. 
consaux,  acc.  consail.  Altfr.  findet  sich  auch  ein  aus  taux  geleitetes  vb. 
tausser,  z.  b.  in  einer  Urkunde  v.  j.  1288,  dsgl.  tauxer  v.  j.  1371  Garp., 
auch  bei  Nicot.    Daher  das  vrlt.  pg.  tousar. 

Teiller  fr.  hanf  brechen;  von  tiliae  (pl.)  lindenbast,  gleichbed. 
altfr.  tille  FC.  1,  404,  henneg.  tile,  wogegen  it.  tiglio  auf  die  rinde  des 
hanf  es  übergegangen. 

Teindre  färben;  von  tingere,  it.  tignere,  sp.  tefiir. 

Tel  er  fr.  in  atteler  anspannen  (an  den  wagen),  d&eler  abspannen, 
losspannen,  im  alten  prov.  nicht  vorfindlich,  aber  im  bask.  (navarr.),  wo 
außer  dem  vb.  athelatu  auch  ein  subst.  athela  vorkommt  in  der  bei.  pflock 
um  die  deichsei  an  das  joch  zu  befestigen.  Atteler  heißt  auch  den  wagen 
bespannen,  schon  bei  den  Alten,  z.  b.  les  chars  ont  fait  estruire  et  malt 
bien  ateler  GBourg.  p.  50,  12.  Gewöhnlich  hält  man  sich  an  protelum 
das  anziehen  des  Zugviehes,  protelare  in  die  länge  ziehen,  aber  davon  ist 
anspannen  oder  anschirren  sehr  verschieden.  Für  ateler  kommt  bei  den 
Alten  auch  esteler  vor,  z.  b.  GBourg.  p.  98,  7,  doch  wohl  unser  stellen, 
entsprechend  dem  in  gleicher  bedeutung  anwendbaren  fr.  mettre,  sp.  poner, 
engl,  to  put,  wobei  noch  zu  bemerken  ist,  daß  ahd.  gi-stellan  affigere  heißt 
Graff  VI,  665.    Es  kommen  im  franz.  einige  beispiele  von  dem  abfalle 


II.  c.   TENCER— TIERE.  687 

des  anlautenden  s  impurum  vor,  so  daß  die  ausspräche  atteler  für  asteler 
und  däteler  für  desteler  als  möglich  anzunehmen  ist :  äteler  hätte  man  in 
atteler  abgeändert,  um  die  partikd  ad  damit  zu  gewinnen^  In  jedem  falle 
ist  esteler  von  gewicht  für  die  beurtheilung  des  wortes,  und  schon  Frisch 
hat  es  geltend  gemacht.  Eine  dritte,  für  die  bedeutung,  wenn  man  den 
diminutivsinn  nicht  zu  hoch  anschlägt,  sehr  befriedigende  auslegung  (von 
Langensiepen)  ist:  atteler  von  aptulare  für  aptare;  nur  setze  man  für 
aptulare  aptillare,  da  sich  jenes  anders  gestaltet  haben  würde.  Aber  auch 
hier  liegt  in  der  Behandlung  der  pfäposition  etwas  unregelmäßiges,  da 
entweder  d&-atteler  oder  datteler  zu  erwarten  war ;  vielleicht  gab  attacher 
und  d&acher  dieser  büdung  das  muster. 

Tencer  altfr.,  tensar^pr.  streiten,  bestreiten,  nfr.  tancer  ausschelten; 
participiaiverbum  von  tenere  tentus  in  der  bed.  einen  satz  behaupten, 
gleichsam  tentiare,  aitfr.  auch  vertheidigen,  schützen.  Daher  altfr.  tence, 
ten<jon,  pr.  tensa,  tenson,  it.  tenza,  tenzone.  Zsgs.  altfr.  bestand  er, 
s.  stentare  IL  a. 

Tenere  pr.  adj.  finster,  dunkel,  mehrmals  im  Gir.  de  Boss.  (712. 
2239.  3919)  und  bei  einigen  lyrijeern,  scheint  im  altfranz.  nicht  vorhan- 
den. Daß  wir  in  ihm  das  lat.  tenebricus  besitzen,  ist  klar;  es  verdiente 
aber  hier  eine  stelle,  weil  es  im  lateinischen  höchst  selten  ist,  indem  es 
nur  einmal  bei  Cicero  und  später  erst  wieder  bei  Tertullian  vorkommt, 
seine  volksüblichkeit  aber  durch  sein  dasein  im  prov.  verbürgt  wird. 

Terne  fr.  trüb,  ternir  trüben,  den  glänz  benehmen;  vom  ahd.  tarni 
verhüllt,  tarnjan,  mhd.  ternen  verhüllen,  daher  verdunkeln,  trüben,  ein 
aus  Siegfrieds  tarnkappe  bekanntes  wort.  Das  kymr.  tarnu  abwischen 
hat  keine  anspräche,  theils  weil  aus  verbis  keine  adjeetiva  entstehen  ($.  vor- 
rede),  theils  weil  dem  abwischen  das  glänzendmachen  näher  liegt  als  das 
trübmachen. 

Tertre  fr.  pr.  (m.)  anhöhe,  in  dem  Wb.von  Evreux  p.  36  c Vertex, 
altfr.  auch  teltre,  in  den  Dial.  de  S.  Greg,  ter,  wallon.  tier  hoch  auf- 
springende masse  von  erde  oder  stein,  beide  letztere  formen  wohl  nur  ab- 
gekürzt. H.  Stephanus  leitet  es  vom  gr.  ztQ&Qov  das  höchste.  Sollte  es 
nicht  eine  zss.sein:  terrae-torus  erd-wtdst,  erd-anhöhe?  Zwar  haben  com- 
posita  den  ton  auf  dem  zweiten  worte,  aber  es  fehlt  nicht  an  ausnahmen: 
trefle  z.  b.  von  trifölium  wäre  dem  gegenwärtigen  falle  ganz  analog. 
[Hierzu  fügt  Schder  die  willkommene  vergleichung  des  gr.  yrj-locpog.] 

Ti&de  fr.  lau;  von  tepidus,  pr.  tebe,  fem.  tebeza,  cat.  tebi,  sp. 
tibio  ff. 

Tiere  altfr.,  tieira  pr.  (noch  itzt  tieiro)  reihe,  gefölge;  vom  ags. 
tier  reihe,  Ordnung,  ahd.  ziari  schmuck,  zier.  Die  letztere  bedeutung  ist 
anzunehmen  in:  fon  bella  domna  de  teira  Flam.  1914;  sos  rics  cors  de 
tan  bella  tieira  LRom.  Ital.  tiera  findet  sich  bei  Iiarberino,  tera  in  der 
mundart  von  Brescia.  Wallon.  tir  gattung,  race  (geschlechtsreihe,  vgl. 
razza  I.)  scheint  dasselbe  wort:  ebenso  entspricht  wall,  plr  dem  fr.  pierre. 
Pr.  tira,  fr.  tire  (zug)  scheint  zu  tirar  zu  gehören. 


688  ILc.  TIFER-TISSERAND. 

Tifer  altfr.,  attifer  nfrmJ  auch  piern.  tifte,  altengl.  tife  Heiliw. 
schmücken,  den  köpf  putz  machen.  Menage  s  deutung  aus  aptum  facere 
(im  älteren  nüat.  aptificare  für  passend  erklären)  tviderspricht  hinläng- 
lich das  einfache  tifer.  Besser  vom  ndl.  tippen  die  haarspitzen  schneiden, 
sofern  man  ein  hochd.  zipfen  in  dieser  bed.  annehmen  datf;  vgl.  comask. 
zifä  via  Teure  abschneiden.  Man  bemerke  noch  champ.  eifer,  chiffer  s. 
v.  a.  tifer. 

Tige  fr.  (f.)  stengd,  röhre;  von  tibia  pfeife,  it.  sp.  gleichlaut.,  wci. 
tzeavej  (serb.  tzev). 

Tillac  fr.  verdeck  eines  Schiffes,  daher  sp.  tilla,  pg.  tilhä;  vom  dUn. 
thilia,  schwed.  tilja,  ags.  thille,  ahd.  dili  getäfel,  boden  =  nhd.  diele, 
vgl.  ahd.  thil  ima  pars  navis.  Woher  aber  das  suffix  ac?  Erklärt  es 
sich  etwa  aus  einer  anbädung  an  das  sinnverwandte  nüat.  astracuin 
estrich?  —  [Eine  andre  auslegung  des  Wortes  tillac  gibt  J.  Grimm  im 
Wb.  v.  diele.] 

Timbre  altfr.  eine  art  pauken:  li  tymbres  est  uns  estromenz  de 
musique  qui  est  couverz  d'un  cuir  sec  de  bestes,  Iteißt  es  in  einem  com- 
mentar  zu  den  psätmen  Roquef.  Poes,  franq.  p.  127,  vgl.  tymbris  DC. 
Es  ist  also  s.  v.  a.  tympanum,  und  muß,  wiewohl  p  nach  m  sich  sonst 
nicht  in  b  erweicht,  davon  herrühren,  weshalb  auch  die  Allen  oft  tymbre 
schrieben.  Die  neufr.  bedeutung  ist  glocke  ohne  Schwengel,  die,  teie  die 
pauke,  von  außen  angeschlagen  wird,  ndl.  timber.  Dsgl.  heim  (auf  dem 
Wappenschild),  nach  Ducange  von  der  ähnlichkeit  der  form  oder  des 
klanges  beim  anschlagen,  vgl.  Bernds  Wappenwissenschaft  II,  349;  ndl. 
ebenso  timber,  sp.  timbre.  Sofern  es  eine  aneähl  hermdin-,  marder-  oder 
anderer  feile  bedeutet  (nüat.  timbrium),  sclieint  es  aus  einer  nordischen 
spräche  eingeführt:  schwed.  engl,  timber,  mhd.  zimber,  zimmer. 

Tin  altfr.  Bog.,  pr.  tin  und  ten  scMaf  am  Haupte.  In  der  limous. 
mundart  tim,  dessen  m  sich  prov.  in  n  verwandeln  konnte:  also  von  tem- 
pas,  wofür  das  nüatein  timpus,  zum  unterschiede  von  tempus  zeit,  vor- 
zog, z.  b.  timpus  in  bibelglossen  Grajf  I,  895,  dsgl.  bei  Nyerup  261, 
Sumerlaten  ed.  Hoffm.  46,  timpora  in  einem  Erfurter  glossar  (Haupts 
Ztschr.  II,  20b),  timporibus  in  den  Cass.  glossen,  vgl.  Voss.  Etym.  P 
fiel  ab  wie  in  lam  von  lampas.  Es  wäre  Überflüssig,  sich  von  tempus  & 
entfernen  und  tenuis  als  urwort  anzunehmen,  dessen  bedeutung  allerdings 
das  afid.  dunna-pahhun  (dünne  backen  =  tempora)  entspricht.  Über  das 
dem  rom.  tin  formell  begegnende  mhd.  tinne  (n.)  s.  Grimm  Uly  402. 

Tinel  altfr.,  tinal  pr.  Stange  die  weinbütten  damit  zu  tragen,  überk 
prügel,  in  allem  mlatein  tinalum;  von  tina.    S.  Altrom.  glossare  p.  63. 

Tire  dllfr.,  tyrium  mlat.  ein  stoff:  tires  ne  siglaton  GBourg.p.93 
cet. ;  benannt  nach  der  purpurberühmten  Stadt,  deren  gewöhnlicher  name 
im  franz.  aber  doch  Sur  war. 

Tisserand  fr.  webet,  daher  it.  tesserandolo;  von  textor  tmt  dem 
suffixe  and  =  ahd.  ing,  ine,  wozu  der  franz.  geschlechtsname  Teisser-enc 
stimmt.    Ältfr.  und  mdartl.  sagt  man  tissier. 


II.  c.   TOCSIN-TOUFFE.  689 

Tocsin  fr.  zeichen  mit  der  Sturmglocke;  zsgs.  aus  altfr.  toquer  = 
toucher  rühren,  anschlagen,  und  sein  oder  seint  glocke,  s.  segno  I.  Die 
prov.  form  wäre  toca-senh,  wie  die  limous.  toco-sen  ist,  toquacen  schrei- 
ben die  Joyas  del  gai  saber  149. 

Toilette  fr.  putetisch,  auch  das  dazu  bestimmte  tiscJUuch;  von 
toile,  lat.  tela. 

Toise  fr.  (f.)  ein  längenmaß;  eigentl.  die  länge  der  ausgespannten 
arme,  von  tendere  tensus,  it.  tesa  ausspannung,  vgl.  unser  klafter  von 
klaffen  auseinander  stehen.     Vb.  altfr.  teser,  toiser  spannen,  richten. 

Toivre  dUfr.  vieh,  z.  b.  oisiel  et  toivre  Alex.  233,  27,  auch  atoi- 
vre  ds.  282,  28,  Ben.  I,  44.  Nach  Grimm,  Reinh.  p.  LIV,  Myth.  36, 
vom  ags.  tiber,  ahd.  zepar  opferthier,  woher  nhd.  Ungeziefer  d.  h.  nicht 
zum  opfer  taugliches  (hier,  unthier.  Denselben  lautübergang  zeigt  altfr. 
Toivre  vom  lat.  Tiber.  Aber  .welche  bedeutung  hat  a  in  a- toi  vre?  Und 
was  ist  toivre  de  la  nef  Parton.  I,  27?  In  seiner  hochd.  gesialt  mit 
anlautendem  %  hat  sich  das  wort  sogar  nach  Portugal  verirrt,  wo  zevro, 
fem.  zevra,  ein  stück  vieh  bedeutete,  ochse,  kuh,  kalb,  wenn  S.  Rosa  richtig 
übersetzt,  z.  b.  in  einem  lat.  foral  von  Lissabon  vom  j.  1179:  dent  de 
foro  de  vaca  1.  denarium  et  de  zevro  unum  denarium;  de  coriis  boum 
vel  zevrarum  dent  etc. 

Töle  fr.  (f.)  eisenblech;  kann  von  tabula  platte,  nordfranz.  taule 
Jier stammen;  piem.  com.  ebenso  tola,  maü.  tolla,   vgl.  it.  fola  von  fabula. 

Tondre  dUfr.  norm,  (m.)  zunder  Roq.,  Brt.  II,  245;  vom  attn. 
tundr,  ags.  tynder,  engl,  tinder,  hd.  zunder.  Dahin  auch  pr.  tondres 
läppen  GO. 

Tonte  fr.  Schafschur;  von  tondere,  ebenso  zu  beurtheilen  wie  pente, 
s.  daselbst. 

Top  in,  tupin  fr.  (mdarfl.),  topi  pr.  gefäß  zum  kochen;  mhd^nhd. 
topf,  ndl.  dop  schale,  nach  Grimm  II,  48  gleiches  Stammes  mit  tief. 

T ordre  fr.  drehen;  von  torquere,  it.  törcere,  pr.  torser,  also  für 
torg're  torsdre.    Zsgs.  altfr.  bestordre  verdrehen,  bestors  schief. 

T  o  u  e  r  fr.  ein  schiff  am  seile  ziehen,  bugsieren,  daher  wohl  sp.  pg. 
atoar;  vom  gleichbed.  engl,  tow,  sbst.  tow  seil  =  ags.  tov,  tav  werg. 
Von  touer  ist  das  sbst.  toue  nachen,  der  als  fahre  dient. 

Touffe  fr.  busch  gleichartiger  dinge  z.  b.  federn,  blumen,  haare, 
daher  engl,  tuff  Halliw.,  tuft  (zunächst  aus  pic.  touffette),  kymr.  twf. 
Dem  ags.  thüfe  (f.)  keim,  laub,  oder  dem  ndl.  tuif  (f.)  schöpf  wäre  nur 
ein  fr.  tufe  oder  tuffe  gemäß ;  letzteres  zwar  führt  Roquefort  an,  aber 
nur  die  neufranz.  form  kann  hier  maßgebend  sein.  Das  wort  ist  dller- 
dings  deutsch,  von  demselben  stamme,  dem  auch  unser  zopf  d.  i.  haar- 
büschel,  attn.  toppr  angehört:  ein  ahd.  zupfa  ist  zwar  unnachweislich 
(vgl.  heriszuph  'colleetd  Graff  V,  641),  aber  das  Schweiz,  zuffe  pack  (was 
man  mit  der  hand  zusammenfaßt)  kann  dessen  stelle  vertreten.  Hiernach 
ist  touffe  eine  halb  hochdeutsche  form  für  touppe,  buchstäblich  das  it. 
zuffa  (II.  a).  Merkwürdig  besitzt  auch  der  Walache  so  wie  der  Albanese  ein 

44 


690  IL  c.   TRABAN-TREF. 

wort  tufe  busch,  Strauch,   wohl  nur  das  gr.  Tiyrt  s.  v.  a.  av&rjXrj  büschd 
an  pflanzen. 

Trab  an  fr.,  auch  draban,  soldat  der  kaiserlichen  garde  in  Deutsch- 
land; ist  das  deutsche  trabant,  gewöhnlich  hergeleitet  vom  vb.  traben  mit 
romanischer  endung. 

Trac,  ein  in  nicJti  wenigen  zum  theil  unfranz.  Wörtern  vorliegender 
stamm,  ist  .vielleicht  in  verschiedene  wurzeln  au  zertheilen.  Die  Wörter 
sind  hauptsächlich  folgende.  Frans,  trac  spur  des  wildes,  gang  des  pfer- 
des,  geräusch  eines  federstrichs,  engl,  track  spur,  geleise,  sp.  traque  lauf- 
feuer,  comask.  trach  klaps  wie  von  einer  totschlagenden  feile,  fr.  traquer 
einen  wald  umstellen  um  das  wild  in  die  netze  zu  treiben  (traquer  an 
loup),  dätraquer  aus  dem  gange  bringen,  verrücken,  traquet  fallstrick, 
dsgl.  mühlklapper,  sp.  traquear  klappern,  schütteln,  it.  traccheggiare 
(buchstäblich  dasselbe  wort)  trödeln,  tändeln,  occ.  tracane  Schlendrian,  fr. 
traquenard  gang  des  zeiters,  dsgl.  ein  tanz,  tracas  unruhige  bewegung, 
tracasser  hin  und  herlaufen  (kein  compositum  mit  trans,  es  würde  als- 
dann eher  tracasser  lauten).  Zu  den  meisten  dieser  Wörter  paßt  logisch 
das  ndl.  treck  zug,  strich,  feder strich,  fang,  an  dessen  stelle  man  sich  aber 
besser  ein  hochd.  trach  denkt  (vb.  mhd.  trechen,  prät.  trach  Grimm 
P,  939),  namentlich  fügt  sich  dätraquer  gut  zu  ndl.  vertrekken  ver- 
rücken, verschieben,  woher  unser  nhd.  vertrackt.  Zu  vergleichen  ist  auch 
das  wurzelverschiedene  nord.  tradk  häufige  spur  der  füße>  tradka  auf 
etwas  treten. 

Traille  fr.  fliegende  brücke.  Die  übliche  erklärung  aus  tiraille 
wird  weder  durch  ein  it.  tiraglia,  sp.  tiraja  unterstützt,  noch  durch  eine 
form  trailler  für  tirailler  bestätigt.  Ein  formell  tauglicheres  etymon  ist 
das  von  Varro  in  der  bed.  von  traha  bemerkte  tragula.  Die  Provenzdefi 
besitzen  tralh  mit  der  bedeutung  des  fr.  trafne.     Vgl.  trailla  IL  b. 

Träle  fr.  ein  vogd,  drossel  (Trev.),  alt  trasle  Roq.;  vom  ahd.  thros- 
celä,  ags.  throsle,  engl,  throstle,  altn.  thröstr,  obd.  draschel.  Dassdbe 
helfet  maü.  dress,  vgl.  ags.  thrisc. 

Trape  fr.  (bei  Nicot  u.  a.),  dsgl.  trapu  untersetzt,  dick  und  kurz. 
Vielleicht  darf  man  bei  der  im  franz.  sehr  gewöhnlichen  Umstellung  des 
r  an  ir.  gad.  tarp  klumpen,  kymr.  talp,  erinnern,  aber  ein  adjeetw  wäre 
willkommener.  Und  so  erklärt  es  sich  besser  aus  ahd.  taphar,  in  älterer 
form  tapar,  schwer  von  gewicht,  ansehnlich,  nhd.  tapfer,  vgl.  taphar! 
klumpen,  zumal  da  auch  dem  vb.  tapfem  'maturare  (in  einem  wb.  von 
1482  Schneller  I,  461)  ein  fr.  traper  egregie  suecrescere  (Trev.),  gleich- 
falls von  fruchten  gebraucht,  entspricht.  Trape  von  tapar  ist  wie  tremper 
von  temperare. 

Tref  altfr.,  trap  pr.  hütte,  zeit;  von  trabs  balken,  pars  pro  toto, 
vgl.  Papias  tenda,  quae  'rustice'  trabis  dicitnr.  Für  die  bed.  balken 
gilt  altfr.  gleichfalls  tref,  pr.  trau.  Daher  altfr.  atraver  mit  der  bed. 
von  loger  (löge  zeit)  Aubery  p.  98,  Sax.  II,  p.  42  (vgl  travar  L),  pr. 
destrapar  abspannen,  wofür  tnan  destrabar  erwartet  hätte.   Die  ital.  spräche 


ILc.   TREFONDS-TREVAR.  601 

Aaltrabs  in  trabacca  erweitert,  im  späteren  mlatein  trabacca  'tentorium 
cum  trabibus,  ut  fit  in  diutina  obsidione  Nyerup  297. 

TräfoncU  fr,  grund  und  boden;  von  terrae  fandus  nach  Nicot.  Die 
allere  Schreibung  tresfond  wäre  also  unrichtig. 

Treille  fr.,  trelha  pr.  weingeländer,  daher  treillis  guter  (vgl.  tra- 
liccio  L);  von  trichTla  mit  ersterer  bedeutung. 

Trämousser  fr.  sich  lebhaft  hin  und  her  bewegen;  participialverbum, 
van  transmovere  transmotus,  gleichsam  transmotiare.  Die  partikel  ist  hier 
ausdruck  des  Übermaßes  wie  in  tressaillir. 

Tremper  fr.,  trempar  pr.  einweichen;  für  temprer,  temprar  von 
temperare  mildern.  Altfr.  tremper  une  harpe  eine  harfe  stimmen,  wie  it. 
temperare. 

Treper,  triper  altfr.,  trepar  pr.  hüpfen,  springen;  ein  mehreren 
sprachen  eigenes  wort:  ndl.  trippen,  nhd.  trippeln,  engl.  trip,,  kymr.  tripio, 
bret.  tripa.  Daher  nfr.  träpigner  trappeln,  das  aber  ein  nomen  tr6pin 
voraussetzt  (s.  cligner  IL  c),  altfr.  trepeiller  hin  und  herlaufen,  unruhig 
sein,  trepeil  unruhe,  pr.  trepeiar  zappeln. 

Tr6sor  fr.  schätz,  von  thesaurus,  it.  sp.  tesoro,  pr.  thesaur,  aber 
altsp.  auch  tresoro  Apol.  130  und  oft,  wald.  tresor  Hahn  664.  Diese 
form  mit  eingemischtem  r,  zu  welcher  sich  auch  das  neap.  trasoro  bekennt, 
ist  alt,  da  sie  in  dem  aus  dem  romanischen  eingeführten  ags.  tresor  und 
ahd.  treso,  triso  vorliegt.  Aber  vielleicht  ist  r  nicht  einmal  von  außen 
hereingezogen,  sondern  hat  seinen  guten  etymologischen  grund.  In  den 
hss.  des  Plautus  begegnet  man  der  form  then-saurus  (s.  Plaut,  rec.  Ritschi 
I,  p.  CHI),  dieselbe  bietet  auch  eine  römische  inschrift,  offenbar  eine  im 
latein.  ganz  übliche  form,  denn  auch  Flav.  Caper  (Putsch  p.  2239)  sagt 
thesaurus  sine  n  scribendum.  Diese  form  setzte  sich  in  Frankreich  fest, 
man  bemerkt  sie  z.  b.  in  einer  sehr  alten  messe  (ed.  Monep.  47),  ja  noch 
das  heutige  bretonische  kennt  tensaour,  s.  Barzas  Breiz  I,  38  (2.  ed.). 
Aus  tensaur  aber  ward  tresaur,  indem  t  das  n  an  sich  zog,  welches  zu- 
gleich  in  das  bequemere  r  übertrat,  vgl.  frestra  für  fnestra  fenestra  Gl. 
Placid.  u.  Papias,  ähnlich  trotter  aus  tlutare  tolutare. 

Träte  au  fr.  ein  gerüst  oder  gesteil,  bock,  alt  trestel,  engl,  trestle; 
vom  ndl.  drie-stal  dreifüßiger  sitz  (ahd.  drt gistelli  ?).  Daneben .  darf  noch 
ein  tat.  wort  in  erwägung  kommen.  Tr&eau  lautet  mlat.  trestellum  'eine 
art  dreifuß  einen  tisch  zu  tragen  DC,  dies  ist  lat.  trastillum  querbänk- 
chen,  von  transtrum,  welches  letztere  sich  bereits  im  altfr.  traste  vorfindet; 
aber  das  deutsche  etymon  stimmt  genauer  zu  dem  angegebenen  begriff. 
Tragstuhl  endlich  würde,  wenn  man  fauteuil  vergleicht,  nothwendig  tr6teuil 
ergeben  haben. 

Trevar  pr.  verkehren,  Umgang  haben,  ein  seltenes  wort.  Der  Donatus 
prov.  33b  übersetzt  es  tnit  frequentare;  die  andern  beispielc  sind :  val  ben 
tan  totz  hom  qu'  ab  ellas  treva  LRom.  V,  410;  per  cella  via  soen  treva 
treibt  sich  herum  Flam.  4752.  Auf  die  etymologie  führt  der  Donat  in 
der  darauf  folgenden  zeüe:  en-trevar  ctreuguas  facere:   es  ist  von  tregua 


692  II.  c.  TRICOISES-TRIFOIRE. 

friede,  Sicherheit  thl.  I,   wo  auch   ein   altfr.  atriver  =  pr.  entrevar  er- 
wähnt ist. 

Tricoises  (pl.)  fr.zange  der  hu f schmiede ;  stimmt  zu  ndl.  trek-ijzer 
zug-eisen.     Vgl.  treccare  I. 

Tricoter  fr.  stricken,  tricot  gestrickte  arbeit.  Nicht  wohl  paßt  dazu 
mit  seiner  bedeutung  das  tat.  trica,  pl.  tricae,  Verwirrung,  wenn  man  auch 
neben  d&rier  und  intriguer  eine  dritte  form  mit  c  zuläßt,  die  im  sp, 
estricote  (Verwirrung)  anerkannt  werden  mag.  Vielleicht  ist  hier  einer 
der  seltenen  falle  anzunehmen,  worin  s  impurum  anlautend  schwand  (so 
tain  für  £tain,  pämer  für  6pämer),  indem  das  wort  aus  dem  ndl.  strik 
schleife,  masche,  strikken  knüpfen,  abgeleitet  ward,  welche  annähme  durch 
die  unverkürzte  büdung  ötriquet  fischergarn,  die  das  Vorhandensein 
dieses  deutschen  Stammes  im  franz.  darthut,  noch  besonders  gestützt  wird. 
Wie  verhält  sich  nun  dazu  trique,  tricot  knüttd,  mundartl.  triquer, 
tricoter  prügeln?  Haben  diese  ihren  grund  in  dem  ndl.  strijken  palpare 
=  ahd.  strichen  linere,  caedere?  Altfr.  estrique  in  der  mundart  von 
Douai  ist  Streichholz,  mhd.  striche. 

Trier  fr.,  pr.  cot.  triar  auslesen,  auswählen,  daher  engl,  try,  aUU. 
triare  Brun.  Lot.  ed.  Zannoni  p.  63 ;  sbst.  trie,  tria.  Frisch  sieht  darin 
Umstellung  von  tirer,  es  wäre  also  eine  nebenform  für  eine  bestimmte  be- 
deutung. Unzweifelhaft  läßt  sich  aber  auch  dieses  wort  dem  lat.  sprach- 
stoffe  zuwenden.  Granura  terere  heißt  körn  ausdrescheti:  dem  entspricht 
pr.  triar  lo  gra  de  la  palha  das  körn  von  dem  halme  absondern,  triar  lo 
grau  de  la  flor  LB.,  cot.  triar  el  arroz  reis  auslesen:  aus  dem  neu  ge- 
formten frequentativ  trltare  also,  welches  der  Italiener  besitzt  und  ihm  die 
bed.  zerreiben,  figürl.  genau  untersuchen,  beilegt,  entsprang  triar.  Bestäti- 
gung bringt  das  auf  tritulare  weisende  norm,  triller,  henneg.  trilier  s.  v.  a. 
fr.  trier.  Das  piem.  trie  hat  franz.  form  und  ital.  bedeutung.  In  der 
mundart  von  Berry  ist  die  bed.  absondern  sogar  in  die  bed.  ein  kind  ent- 
wöhnen (so  sevrer  von  separare)  übergegangen.  Wegen  des  ausgefallenen 
t  vgl.  man  noch  tria  via  Gl.  paris.  für  trita  via  Oraff  III,  4. 

Trieu  i?r.  (m.)  weg,  straße,  bahn:  segre  lo  trieu,  tenir  lo  trieu 
LB.,  fr.  zu  Douai  triou  geebneter  weg  s.  Escallier  p.  62,  chw.  truig.  Vom 
partic.  tritus  betreten,  also  für  triuV  kaum  erlaubt  dies  der  buchstabe. 
Besser  würde  gr.  tQißog  stimmen,  vgl.  beu  aus  bib-it.  Stellt  man  indessen 
das  altfr.  triege  daneben,  z.  b.  el  bois  n'avoit  seilte  ne  triege  Ben.  L 
p.  320,  s.  auch  Ben.  III,  p.  581,  so  wird  man  inne,  daß  sich  beide  in 
tri vium  dreiweg,  aber  auch  straße,  gösse,  einigen :  im  prov.  warte  entstand 
u  aus  v,  im  franz.  g  aus  palatalem  i  wie  in  neige  von  nivea  nivja. 

Trifoire  altfr.  (f.)  kunstreiche  einfassung  in  gestalt  eines  porticus; 
mlat.  triforium  von  tri  und  fores  dreithürig  DG  Beispiele  sind:  un  lit 
dunt  li  pecun  e  li  limun  furent  al  overe  Salemun  tailliäs  k  or  et  ä  tri- 
foire Mir.  I,  62;  cele  piere  .  .  de  tres  fin  marbre  feit1  estoit  .  .  si  fu 
entaillie  euviron  de  la  trifoire  Salemon  BFlor.  566;  triphorle  Antxoch. 
II,  61.    Auch  auf  sättel,  kleider,   tücher  wandte  man  diese  Verzierungen 


ILc.    TRIMER-TRON.  693 

an:  arQons  doraz  qui  sont  trifor  fadjectivisch  gebraucht)  GRoss.  Michel  388. 
Über  die  opera  Salomonis,  altsp.  salmoniegos,  s.  Ducange  v.  Salomon. 

Tr  i  mer  pk.  eifrig  gehn  oder  arbeiten  (Hecart),  so  auch  wallonisch, 
in  Berry  sich  sehr  ermüden,  neupr.  trimar  schnell  gehn.  Chevallet  I,  p.  306 
besieht  dies  in  einem  großen  (heile  von  Frankreich  bekannte  wort  aus  dem 
bret.  tremeni  =  kymr.  tramwy  hin  und  her  gehn.  Man  bemerkt  es  aber 
auch  anderwärts:  altsp.  trymar  Canc.  de  B.  mit  der  cdtischen  bedeutung, 
t>ask.  trimatu  sich  ermüden,  letzteres  romanischer  herkunft.  Genau  mit 
dem  buchstaben,  weniger  mit  dem  begriffe  paßt  tnhd.  trimen  wackeln,  oder 
auch  engl,  trim  schwanken  HaUiw.  Man  merke  noch  norm,  tramer  s.  v.  a. 
trimer. 

Tri 8 aar,  trisar  pr.  verreiben,  zerstoßen;  participioiverbum ,  von 
terere  tritus  (tritiare)  wie  aussar  von  altus.  Im  ital.  findet  sich  nur 
tritare,  nicht  trizzare;  lotnb.  triza  ein  Werkzeug  die  geronnene  milch  ge- 
schmeidig eu  machen,  so  wie  sp.  triza  krümchen  deuten  aber  auf  ein  ver- 
schwundenes trizar. 

Tro,  prov.  partikel  für  lat.  tenus,  vollständiger  entro;  von  intro 
'in  das  innere'.  In  gleicher  bei.  kennt  die  comask.  mundart  tro,  die  alt- 
span.  entro.    S.  oben  jusque. 

Trogne  fr.  (f.)  drolliges  oder  häßliches  gesicht,  piem.  masc.  trogno, 
trugno.  Man  hat  darin  das  kymr.  trwyn  (m),  com.  tron  schnauze  (s. 
besonders  Dief.  Ce&t.  I,  144)  erkannt;  als  etymon  liegt  fast  noch  näher 
das  mit  den  celtischen  formen  identische  altn.  triona  (f.),  dän.  tryne  rüssel, 
verwandt  mit  mhd.  triel  mund,  schnauze  Grimm  P,  481;  ndl.  tronie  mag 
aus  dem  franz.  sein,  wie  ndd.  troonje  Brem.  wb.  Hat  denn  niemand  bei 
diesem  worte  an  lat.  truo  truonis  gedacht  ?  Es  heißt  seerabe  und  wird 
von  Caecüius  für  einen  großnasigen  menschen  gebraucht.  Daß  daraus 
trogno,  trogne  werden  konnte,  ist  keine  frage;  eine  andre  frage  ist,  ob 
die  anwendung  auf  das  menschliche  gesicht  eine  volksübliche  war. 

Trognon  fr.  kohlstrunk,  butzen  im  obste.  Für  tronc  =  truncus 
hat  sich  im  altfranz.  eine  vielleicht  aus  tron^-on,  wofür  man  sich  tron-<jon 
dachte,  abgezogene  form  tron  festgesetzt:  hieraus  trognon  wie  aus  rein 
roignon.    Die  bed.  kohlstrunk  hat  z.  b.  auch  das  sard.  truncu. 

Tr 61  .er  fr.  sich  herumtreiben,  (transit.)  herumschleppen.  Vollkommen 
das  dtsche  trollen,  engl,  troll,  trowel,  kymr.  trölio,  drehen,  rollen,  welchen 
man  vielleicht  eine  celt.  würzet  (tro  Wendung)  unterlegen  darf,  doch  ist 
dabei  der  diphthong  des  alteren  fr.  trauler  und  des  occit  s'entrauld  'sich 
fortmachen  nicht  außer  acht  zu  lassen,  das  an  lat.  it.  travolare  (vorüber 
fliegen,  vorbei  laufen)  mahnt.  Zu  bemerken  ist  noch,  daß  Weigand  unser 
trollen  auf  tröler  zurückführt,  so  wie  daß  Schder  trauler  von  letzterem 
zu  trennen  geneigt  ist. 

Tron  altfr.  pr.  firmament,  himmel,  z.  b.  fr.  tant  com  li  trosnes 
avironne  alles  was  das  firmament  umgibt  C.  de  Poit  p.  62;  pr.  estela 
qne  lhutz  el  tro  stern  der  am  himmel  leuchtet  GRoss.  1916;  eu  prec  ne 
Jezu  del  tron  fihrest.  31;  ebenso  mndl.  troon,  z.  b.  dat  men  sterren  sach 


694  IL  c.   TR0U-TURQU01S. 

an  den  trone  Steenwinkel  zu  Maerlant  II,  31;  onder  shemels  throon 
Rein.  v.  5470  und  Clignetts  Bydr.  gloss.  =  altfr.  desos  le  tron  Parton. 
I,  59,  pr.  sotz  lo  tro;  mhd.  tron:  got  in  sinem  trone;  der  trön  so  höhe 
umbe  geit  (dreht  sich  um)  s.  Wb.  Abzusondern  ist  tron  in  der  bed. 
donner,  s.  trono  I.  Anspruch  auf  das  rom.  wort  hat  thronus,  insofern 
der  himmel  in  der  spräche  der  Bibel  der  thron  gottes  genannt  toird.  Wohl 
durfte  man  auch  an  celt.  tro  kreiß,  rundung,  erinnern,'  aber  das  auch  auf 
fremdem  gebiete  einheimische  wort  scheint  für  die  erstere  erklärungzu  sprechen. 

Trou  fr.,  traue  pr.,  trau  cot.  loch,  trouer,  traucar  durchlöchern. 
Die  prov.  form,  die  sich  auch  schon  im  mied,  traugus  der  L.  Bip.  vor- 
findet, läßt  die  herleitungen  aus  gr.  tqvuv,  aus  goth.  thafrkö  oder  aus 
kymr.  trwyd  nicht  aufkommen,  wiewohl  sich  kaum  besseres  wird  vorbringen 
lassen.  Die  folgende  geht  wenigstens  mit  den  Sprachgesetzen.  Prov.  tra- 
bucar  heißt  stürzen,  von  bue  rümpf;  hatte  dies  subst.  auch  die  allerdings 
nicht  erweisliche  bedeutung  des  entsprechenden  it.  bueo  loch,  so  konnte 
trabuear  durchbohren  heißen  (vgl.  it.  traforare)  und  diese  bedeutung  konnte 
sich  durch  eine  besondere  form,  das  zsgz.  trauear  (vgl.  das  einsilbige  aal 
aus  avol)  aussprechen. 

Tro  üble  fr.  (m.)  unruhe,  Verwirrung,  vb.  troubler,  aüfr.  auch 
tourbler  z.  b.  C.  de  Poit.  p.  51;  von  turbula  schwärm. 

Truiller  altfr.  bezaubern,  besprechen  FC.  II,  83:  le  sain  oeil  me 
laissiez  charmer  .  .  tant  le  truilla  et  le  charma;  vom  gleichbed.  aUn. 
trölla,  sbst.  troll,  mhd.  trolle  zauberhaftes  wesen. 

Trumeau  fr.  1)  ochscnkeule,  altfr.  Schenkel  oder  bein  des  menschen: 
li  sans  li  muet  dou  cief  jusqu'au  trumel  Aubery  p.  44,  daher  trume- 
liere  beinharnisch;  2)  fensterpfeiler,  Zwischenraum  zweier  fenster.  In 
beziehung  auf  die  letztere  bedeutung  darf  man  das  deutsche  trumm  an- 
führen, kurzes  dickes  stück  eines  ganzen,  besonders  wegen  des  bair.  wertes 
fti^eZ-trümmer  (ph),  balken  die  von  einem  fenster  zum  andern  gehn,  s. 
Schmeller  1,  490. 

Trusar,  truisar,  trussar  pr.,  ebenso  lomb.  trusä,  trussä,  zsgs.  pr, 
atruissar  (atriusar  GO.)  stoßen;  lat.  trusare,  trusitare. 

Turbot  fr.  ein  Seefisch,  Steinbutte;  so  auch  engl,  turbot,  kymr.  torbwt, 
gad.  turbaid,  mndl.  turbot,  nndl.  tarbot.  Wie  der  Grieche  sein  Qdfißoi; 
wirbel,  kreißet,  spüle,  wegen  einer  ähnlichkeit  der  form  auf  einen  fisch 
aus  der  gattung  der  butten  übertrug,  so  that,  nach  Huet's  ansprechender 
vermuthung,  das  mittelcdter  mit  dem  gleichbed.  lat.  turbo,  dem  es  nur  das 
rom.  suffix  ot  anfügte. 

Turlupin  fr.  alberner  witzling;  name  eines  possenreißers  unter 
Ludwig  XIII.  (Menage). 

Turquois  altfr.  köcher,  mhd.  tärkis  bei  Wolfram;  eigentlich  tür- 
kisch, in  beziehung  auf  die  bewa/fnung  der  gefürchteten  bogenschützen 
dieses  volkes.  Türkische  bogen  erwähnen  die  dichter  häufig.  Aus  tureois 
scheint  mit  anbüdung  an  eareasso  das  gleichbed.  it.  turcasso  ent- 
standen. 


IL  c.   VACARME-VABECH.  695 


V.    W. 

Vacarme  fr.  (rn.)  geschrei,  lärm;  von  der  mndl.  interj.  wach-arme 
d.  i.  weh  armer,  s.  Ferguut  p.  290,  Qrimm  III,  296.  Die  franz.  spräche 
kennt  diesen  ausruf  nicht:  wo  er  vorkommt,  nämlich  bei  G.  Guiart,  wird 
er  als  belgisch  angeführt:  en  criant  wacarrae  qui  vaut  autant  com  dire 
helas,  s.  Garpentier  v.  wacarme,  vgl  Ren.  IV,  p.  239  flament  seut  si 
cria:  waskarme,  hiere  Benart  goude  kenape!  er  verstand  flämisch  und 
rief  cet.  Die  form  vacarme  erklärt  sich  übrigens  als  dissimilation  für 
gacarme,  vgl.  den  folg.  artikel. 

Vague  fr.  (f.)  woge,  vb.  vaguer  dttfr.  wogen:  la  mer  si  commenche 
ä  vaguier  DMce.p.  42,  14;  sicher  vomahd.wfLc,  goth.yegs,  mndl.  waghe, 
dessen  streng  franz.  gestaMung  gague  durch  dissimilation^  zur  Vermeidung 
des  mislauies,  in  vague  abgeändert  ward,  in  dem  mundartlichen  wague 
aber  noch  au  erkennen  ist.  Aus  Frankreich  eingeführt  scheint  aitpg.  vagua 
Canc.  ger.,  npg.  vaga.  —  Vaguer  hin  und  her  laufen,   vom  lat.  vagari. 

Vanne  fr.  Meine  schleuse  in  mühlgräben  u.  dgl.  Venna  in  fränki- 
schen und  andern  Urkunden  bedeutet  eine  ver zäunung  in  flüssen  oder 
teichen  um  die  fische  abzusperren,  e.b.  unter  einem  könig  Chüdebert :  cum 
piscatoria  (fischfang),  quae  appellatur  venna,  cum  piscatoriis  omnibus, 
quae  sunt  in  alveo  Sequanae.  Unter  Childerich :  Aviaco,  ubiGara  lacus 
vennam  habuit.  In  einer  späteren  aus  Deutschland:  concessit . . .  unam 
vennam  pro  capiendis  salmonibus  .  .  .  quas  ipse  testis  reparavit  cum 
perticis  et  virgultis.  Dalier  der  name  eines  ortes  an  der  Seine  Caroli- 
venna,  jetzt  Chalevanne.  S.  DG  und  Graff  III,  126.  Das  wort  ist 
noch  ungelösten  urprunges  und  scheint  weder  der  celtischen  noch  der 
deutschen  spraclie  zu  entstammen.  Graff,  der  es  für  einen  korb  zum 
fischen  halt,  was  es  offenbar  nicht  ist,  verweist  auf  benna  oder  gar,  wie 
auch  Ducange,  auf  fenna  sumpf.  Aber  der  franz.  anlaut  v  läßt  sich  aus 
keinem  andern  labial  ableiten:  er  weist  entschieden  auf  den  gleichen  lat. 
anlaut.  Hier  scheint  einige  anspräche  zu  haben  viminea  (etwas  gefloch- 
tenes), denn  diese  absperrtmgen  bestanden  gewöhnlich  aus  flechtwerk,  welches 
dem  wasser  den  durchgang  erlaubte.  Da  der  Franzose  das  suffix  eus 
nickt  anerkennt,  so  zog  er  viminea  in  vfmna  zusammen,  wie  er  z.  b.  auch 
faginea  in  fägina  (faine),  der  Provenzale  femineus  in  ferne  zusammenzog, 
indem  der  accent  auf  die  Stammsilbe  zurückwich.  Auch  vinne  begegnet  im 
mittellatein. 

Varangue  fr.  (f.)  das  erste  der  im  kiel  befestigten  Seitenstücke  eines 
schiffes;  vom  schwed.  vränger  (plur.)  tippen  des  fahrzeuges,  nach  Diefen- 
bach,  Goth.wb.  II,  590.  Daher  auch  sp.  varenga  das  bauchstück  eines 
schiffes. 

Varech  fr.  meergras,  dsgl.  gesunkenes  schiff,  pr.  varec  in  erster  bed.; 
aus  dem  engl,  wrack  schiff strümmer,  ags.  vräc  etwas  ausgestoßenes. 


rt%  ILo.  VARLOPE-VEIT. 

Varlope  fr.  (f.)  Schlichthobel;  von  einem  unnachtoeislichen  ndl.  ndd. 
weerloop,  weil  er  auch  zurückläuft?  Die  limous.  form  ist  garlopo,  ihr 
entspricht  sp.  pg.  garlopa. 

Vas  prov.  präposition,  entstellt  aus  ves,  vers  =  lat.  versus;  ebenso 
de  vas,  davas  aus  de  versus.  Aus  der  letzteren  roman.  form  muß  sieh 
(nach  Raynouard  und  Bartsch)  vermöge  eines  seltenen  Vorganges,  durch 
Zurückziehung  des  accentes  auf  das  unbedeutsame  da  und  syncope  des  ra- 
dicalen  vocedes  (ddvas  davs),  die  das  ausgehn  von  einem  punäe  bezeich- 
nende partikel  daus  gestaltet  haben,  wofür  auch  das,  dous  und  deus 
(d6vas)  gefunden  werden. 

Vaudeville  fr.  Volkslied,  liederspiel;  entstellt  aus  Vaude-vire 
gegend  in  der  Normariäie}  wo  Olivier  Basselin  am  ende  des  14.  jh.  die 
so  benannte  liedergattung  aufbrachte,   s.  die  ausgäbe  von  Du  Bois  p.  13. 

Vautrer  fr.  (nur  reflexiv)  sich  wälzen;  in  den  Wörterbüchern  des 
16.  jh.  veautrer,  voutrer,  voitrer,  im  Ben.  II,  p.  124  voltrer  =  it.  volto- 
lare,  von  volvere. 

Veau  fr.  kalb,  alt  veel,  von  vitellus;  daher  v^lin  zartes  weißes 
pergament  von  kalbshaut,  veler  kalben. 

Veau s,  viaus,  viax  cet.  altfr.  partikd  für  lat.saltem:  doinst  veaus 
une  caritö  gewähre  wenigstens  eine  gnade  Parton.  II,  87;  dites  moi  viaus 
un  seul  pechiä  sagt  mir  wenigstens  ein  einziges  vergehen  FC.  I  218; 
dites  nous  viax  quex  hom  il  fu  IV,  41.  Das  alte  Älexiuslied  str.  90  hat 
die  einfachere  form  vels:  sed  a  mei  sole  vels  une  feiz  parlasses  hättest 
du  doch  nur  einmal  mit  mir  gesprochen.  Das  wort  ist  das  lat.  vel  in 
seiner  intensiven  bedeutung  (auch,  selbst),  mit  angefügtem  adverbialen  s. 
Es  verbindet  sich  mit  si,  altfr.  sivels  (siveals  LBs.  165),  pr.  sivals, 
sivaus  (entstellt  aus  sivels  wie  vas  aus  ves,  vers)  *wenn  wenigstens,  wenn 
auch  nur.     Vgl.  veruno  II.  a. 

Veiaire,  viere  altfr.  (m.),  pr.  veiaire,  auch  altspan.  (s.  Canc.  de 
Baena,  wo  vejaire  steht)  urtheil,  ansieht,  dsgl.  gesicht,  antlitz.  Überträgt 
man  es  ins  lateinische,  so  paßt  es  buchstäblich  nur  zu  vicarius,  das  im 
mittellatein  richter  bedeutete:  wie  aus  arbiter  arbitrium,  so  konnte  aus 
vicarius  ein  neutrum  vicarium  abgeleitet  werden,  und  une  arbitrium  i» 
pr.  albire  nicht  mehr  richterspruch,  sondern  meinung  heißt,  so  auch  veiaire, 
womit  zuletzt  auch  die  miene,  das  antlitz  benannt  ward;  unser  gesiebt 
ist  gleichfalls  ein  abstractum.  Die  deutung  mag  seltsam  scheinen,  aber 
veiaire  weist  gebieterisch  auf  lat.  Ursprung,  aus  videre  aber  konnte  es 
sich  nicht  gestalten.  Honnorat  kennt  ein  veraltetes  vigaire,  was  diese 
deutung  unterstützt,  vegaire  M.  168,  GAlb.  3400.  Genau  genommen 
steht  pr.  veiaire  für  veiairi  wie  albire  für  albiri.  Das  wort  hat  sich  er- 
halten im  wallon.  vir,  das  zu  viere  paßt  wie  pir  zu  pierre:  ä  la  vir  hei  fit 
aufs  gerathewohl  (auf  die  meinung,  ohne  Überlegung). 

Veit,  viet,  vieg  pr.  veretrum;  von  vectis,  das  die  L.  Angliorum 
in  demselben  sinne  anwendet.  Den  prov.  formen  entspricht  streng  die 
franz.,  man  stelle  z.  b.  lectus,  pr.  leit,  liet,  lieg,   fr.  lit  zur  verglekhung 


IL  c.   VELOURS-VERVE.  Ü97 

daneben.  Die  hcrleilung  aus  vltis  ist  mithin  verfehlt  und  darf  nicht  mehr 
vorgebracht  werden,  seitdem  man  die  prov.  Varianten  kennt,  deren  keine 
daraus  hervorgehen  konnte.  —  Von  ähnlichen  verblümten  ausdrücken  wür- 
den sich  manche  beispiele  anführen  lassen,  wie  virga  in  der  L.  Long.; 
sp.  pg.  porra  (keüle),  vgl.  gr.  $6/ialov  (dass.J.  Sollte  nicht  das  übliche 
span.  wort,  da  es  sich  mit  dem  fast  in  römische  zeit  hinaufsteigenden 
mlat.  caragius  nicht  wohl  einigen  läßt,  im  griech.  diminutiv  xaQ<x*i0V 
(kleiner  pfähl)  seinen  Ursprung  haben  ? 

Velours  fr.  (m.)  sammet.  Ohne  zweifei  ist  r  eingeschoben,  noch 
Nicot  schrieb  veloux,  velous,  das  nebst  villuse  bei  Matth.  Paris  entschie- 
den auf  lat.  villosus  führt.  Die  ital.  form  ist  velluto,  die  span.  veludo, 
eine  altfr.  velu-eau,  von  villutus,  daher  auch  das  nfr.  vb.  velouter, 
dessen  ou  aber  wieder  in  villosus  seinen  grund  haben  muß. 

Venaisoii  fr.,  venaiso  pr.  wild,  wildpret;  von  venatio. 

Vendange  fr.,  pr.  vendanha,  bret.  beödem  Weinlese;  von  vindemia. 

Vent  d'amont  Ostwind,  vent  d'aval  westwind;  sogenannt,  weil 
der  osten  Frankreichs  höher,  der  westen  tiefer  liegt.  Das  entlehnte  sp. 
pg.  vendaval  hat  die  bed.  südwestwind. 

Verglas  fr.  (m.)  glatt  eis;  von  verre  (m.)  und  glace  (f.),  wörtlich 
glas  von  eis,  das  getius  durch  den  hauptbegriff  bestimmt. 

V6ricle  fr.  (f.)  falsche  edehteine;  gleichsam  vitriculum,  plur.  vitri- 
cula,  von  vitrum,  also  glaschen,  glasstein. 

V  er  jus  fr.  soft  unreifer  trauben;  zsgs.  aus  vert  jus  grüne  brühe. 

Verne  fr.,  mundartl.  vergne,  alt  berne  Bog.,  pr.  verna,  vern,  in 
den  neueren  mundarten  vernho,  averno  u.  dgl.,  auch  piem.  verna,  crle, 
eller;  ein  kräutername  vernetus  befindet  sich  bei  Marcellus  Burd.  Von 
arbor  venia,  weil  dieser  bäum  mit  den  ersten  blüht,  wie  auch  die  birke 
nach  der  Jahreszeit  maie  heißt?  Aber  deutlicher  geht  das  wort  aus  dem 
celtischen  hervor.  Kymr.  gwern  {f.)  bedeutet  sumpf  (bei  W.  Richards, 
fehlt  bei  Th.  Richards),  coed  gwern  erlen  d.  i.  sumpf  bäume,  auch  schlecht- 
weg  gwern,  sing,  gwernen,  dsgl.  bret.  gwern,  ir.  feärn,  womit  in  letzterer 
spräche  auch  der  buchstabe  f  benannt  wird.  Man  sehe  Ducange  v.  alnum, 
Adelungs  Mithr.  II,  76,  Diefenbachs  Celt.  I,  47,  Orig.  europ.  p.  437.  Das 
celt.  wort  bedeutet  auch  den  mast  des  schiffes,  vgl.  altfr.  en  sum  ces  maz 
e  en  cez  altes  'vernes*  asez  i  ad  carbuncles  e  lanternes  Rol.  p.  101,  wo 
es  gleichfalls  mast  oder  etwa  segdstange  heißen  muß. 

V^ron  fr.  ein  kleiner  bunter  fisch,   elritze,   comask.  vairon;    von 

m 

varius  bunt. 

Verrat  fr.  pr.  eber;  von  verres,  altfr.  ver  Gl.  de  Lille  10  (24), 
aber  ferrat  {für  verrat)  schon  in  den  Cass.  glossen.  Andre  bildungen  sind 
verrou,  verau,  verrot,  norm,  v^rard,  sp.  verraco,  pg.  varrao. 

Verrou,  verrouil  fr.,  verrolh pr.  riegel;  von  veruculum  Kleiner  spieß. 
Prov.  ferrolh,  pg.  ferrolho,  sp.  herrojo,  tvallon.  fGrou  können  dagegen  von 
ferrum  abgeleitet  sein  oder  doch  den  anlaut  daher  entlehnt  haben. 

Verve  fr.  (f.)  laune,  eigensinn.    Auf  einer  lat.  inschrift  findet  sich 


698  IL  c.   VESCE-VIAS. 

verva  mit  der  bed.  widderkopf,  eigentl.  als  zierath  an  dcrikmälern  (Orelli 
Inscr.  lat.):  sollte  das  franz.  wort,  dessen  begri/fsentuncklung  das  it. 
Capriccio  aus  caper  erläutern  könnte,  dieses  Ursprunges  sein?  Jedesfatts 
indessen  legt  die  alte  spräche  dem  worte  einen  andern  sinn  bei,  etwa  wurf, 
schwang,  vgl.  Ruteb.  J,  93.  320,  und  dem  nähert  sich  die  neben  der  obigen 
vorhandene  bed.  in  verve  po&ique.  Man  darf  dabei  an  das  ndl.  werf 
oder  werve  actio  oder  besser  werp  =  worp  jactus  KU.  erinnern  und  elan 
von  lancer  vergleichen.  Seltsam  ist  die  bei  Zalli  vorkommende  piem.  form 
verver. 

Vesce  fr.  wiche;  für  vece,  von  vicia,  it.  veccia. 

Vötille  fr.  Meinigkeit,  bagatelle,  v&iller  sich  mit  unnützen  Metnig- 
keiten  beschäftigen;  auch  piem.  vetilia,  vb.  vetilie.  Man  leitet  v&iller  mit 
hülfe  einer  starken  syncope  wohl  von  vitilitigare  muthunllig  zanken.  Bessere 
ansprüche  hat  vielleicht  vitilia  geflochtene  sachen,  körbe  cet.  (sachen  von 
geringem  werthe),  vgl.  wegen  der  bedeutungen  lat.  gerrae  1)  geflochtene 
Sachen,  vitilia,  2)  possen,  vötilles  (wozu  Festus  eine  etymologische  sage 
mittheilt).  Scheler  erblickt  darin  ein  diminutiv  von  vetus,  alte  werthlose 
sachen. 

Veule  fr.  weich,  schwach.  Bei  den  Alten  hieß  es  eitel,  leer:  taut 
iert  fiers,  cointes  et  veules  Bog.  s.  v.,  und  cdlitteriert  gerne  mit  dem 
synonymen  vain:  veulz  et  vains  l.  c,  womit  lat.  inanes  übersetzt  toird; 
noch  jetzt  nennt  man  einen  allzu  leichten  boden  terre  veule.  Eine  aU fr.  form 
ist  vole,  bei  Butebeuf  II,  167  pens£e  vole;  ihm  ist  auch  der  ausdruck 
vain  ne  vole  sehr  geläufig.  Diese  form  muß  hier  den  weg  zeigen,  veule 
konnte  daraus  entstehen,  nicht  umgekehrt.  Vole  aber  ließe  sich  aus  fri- 
volus  erklären,  erlaubte  sich  die  franz.  spräche  so  starke  abkürzungen. 
Aber  herkunft  aus  dem  subst.  vola  (hohle  handj  ist  zulässig,  entweder  so, 
daß  man  das  hohle  für  das  leere  .nahm,  oder  daß  das  adjeetiv  aus  dem 
compos.  van-vole  nichtige  sacke  (vanavola)  Ben.  I,  147,  geschrieben  vent- 
vole  TCant.  p.  76,  herausgezogen  ivard,  indem  man  dies  in  vain  et  vole, 
vole  et  vain  zerlegte.  Dieser  deutung  ist  die  endung  e,  sofern  sie  lat.  a 
entspricht,  günstig. 

Viande  fr.  fleisch  zur  nährten g}  ursprüngl.  und  noch  in  den  Wörter- 
büchern des  16.  jh.  lebensmittel;  von  vivenda  in  unpassender  anwendung; 
pr.  vianda.  Ital.  vivanda,  zsgs.  provianda  proviant,  verrcUhen mit  der 
äbl.  and  offenbar  franz.  herkunft.  Fleisch  also  ward  als  das  eigentliche 
nahrungsmittel  betrachtet,  wozu  die  vergleichung  des  engl,  meat  aus  ags. 
mete  (speise)  sich  leicht  darbietet.  Dem  heutigen  viande  entspricht  in  der 
alten  spräche  carn  durchaus:  tut  te  durai  .  .  pain  e  carn  e  vin  alles 
will  ich  dir  geben,  brot,  fleisch  und  wein  Alexs.  45. 

Vias  altfr.,  pr.  viatz,  zuweilen  vivatz  geschr.,  adverb  für  lat.  cito; 
von  vivax,  oder  besser,  da  dies  den  accent  auf  der  ersten  silbe  hat,  vom 
comparativ  vivacius,  der  sich  dem  lat.  ocius,  dem  mlat.  citius  Gl.  Ker. 
u.  s.  w.  vergleicht,  eine  von  der  uralten  form  vivaziu  unterstützte  annähme, 
s.  Alirom.  glossare  p.  117.    Die  neuprov.  mundart  spricht  dafür  vivacer, 


11.  c.    V1DAME-V1S.  699 

viacer.  —  t>as  zweisilbige  vias  hätte  von  Orelli  nicht  mit  dem  einsilbigen 
viaus  (s.  oben  veaus)  verwechselt  werden  sotten;  beide  sind  ganz  ver- 
schiedenes Stammes. 

Vidame  fr.  stiftsamtmann;  von  vicedominus,  woher  auch  unser 
vizthum. 

Vide  fr.,  altfr.  cat.  vuid,  pic.  wide,  pr.  vuei,  voig,  wation.  vud, 
chw.  vid  leer,  von  viduus  mit  versetztem  ersten  u;  vb.  vider,  alt  vuidier, 
pr.  vuiar,  voidar,  cat.  vuydar  (buidar  J.  Febr.  164)  leeren,  von  viduare; 
zsgs.  d^vider  abhaspeln,  alt  desvuidier  NF.  Jub.  I,  174.  Vuit  reimt 
altfr.  auf  cuit  und  noch  P.  Ramus  cap.  6  enkennt  in  vuider  denselben 
diphthong  wie  in  puiser;  darum  ist  nicht  etwa  an  das  ahd.  wit  (vastus, 
vaeuus)  zu  erinnern  und  das  pic.  wide  dabei  anzuführen,  dessen  w  das 
alte  vu  vertritt.  Anders  gestaltete  sich  viduus,  vidua  in  veuf,  veuve, 
pr.  veuva,  vezoa,  sp.  viuda,  pg.  viuva,  iL  vedova,  wäl.  vedüve  (letzteres 
nach  MUdosich  slavischer  herhmft). 

Vidimer  fr.  eine  abschrift  beglaubigen;  von  vidimus  wir  haben  es 
gesehen. 

Vierge  fr.  Jungfrau;  unregelmäßige  bildung  für  verge,  das  mit 
verge  =  virga  zusammengetroffen  wäre,  altfr.  gewöhnlich  virge  in  ersterer, 
verge  in  letzterer  bedeutung.  Ganz  alterthümlich  ist  virgine  =  pr.  ver- 
gena  Jungfrau  Maria. 

Vignette  ursprüngl.  randverzierungen  eines  buches;  eigentl.  wein- 
stöckchen,  weil  sie  weinranken  vorzustellen  pflegten. 

Vignoble  fr.  (m.)  mit  reben  bepflanzter  landstrich.  Entstellt  aus 
vignole  (f.)  =  it.  vignuola  kleiner  Weinberg?  aber  dies  eingeschobene  b 
könnte  sich  nicht  einmal  mit  chasuble  rechtfertigen,  das  aus  it.  casupola 
entstand.  Nur  als  compositum  läßt  sich  das  wort  verstehen  und  als  solches 
paßt  es  buchstäblich  zu  vini  opulens  mit  weggeworfenen  endeonsonanten 
wie  in  serpe  von  serpens,  also  weinreich,  etwas  weinreiches,  Weingegend. 
Ist  die  deutung  richtig,  so  muß  die  entstehung  des  wortes  hoch  hinauf- 
gehen, da  opulens  kaum  romanisch  ist  (it.  opulente),  ein  mlat.  vinoblium 
reicht  nur  in  das  13.  jh.  hinauf,  vignoble  steht  z.  b.  Gaydon  p.  108. 
Schder  vermtUhet  in  dem  warte  eine  entstdlung  aus  vin-obre  eig.  ort  wo 
man  wein  macht,  obre  von  operari. 

Vi  guier  fr.  pr.  richter,  Schultheiß,  sp.  veguier;  von  vicarius  Stell- 
vertreter des  grafen  in  dörfern  und  kleineren  Städten. 

Vilebrequin  traubenbohrer ;  nach  Frisch  vom  ndd.  winboreken, 
vgl.  nhd.  windelbohrer  und  mndl.  wimpel-ktn  (engl,  wimble).  Dem  ent- 
sprich augenscheinlich  sp.  berbiqui,  pg.  berbequim,  pic.  biberquinu.s. w. 

Vimaire  fr.  (f.)  Sturmwind,  der  die  bäume  des  waldes  niederreißt, 
latinisiert  vimarium;  allgemein  mit  vis  major  erklärt. 

Viorne  fr.  (f.)  mehlbeerbaum;  von  viburnum,  it.  viburno. 

Vis  fr.  (f.)  schraube.  Man  zieht  es  aus  dem  rom.  vb.  virer  drehen, 
aber  daraus  entsprang  kein  feminin  dritter  decl.  vir  und  endlich  vis. 
Eher  wäre  man  berechtigt,  an  das  lat.  vis  (gewalt)  zu  denken,  da  das 


700  ILc.   V1TECOQ-WELKE. 

franz.  wort  zumal  die  schraube  an  der  presse,  den  zwang  oder  druck  der- 
selben  bedeutet.  Unbedenklich  aber  ist  folgende  herleitung.  Prov.  vitz, 
attfr.  vis  heißt  Wendeltreppe,  also  etwas  spiralförmiges,  offenbar  das  lat. 
vitis  ranke  der  reben  und  anderer  gewächse,  die  sich  spiralförmig  hinauf- 
winden, ital.  vite  ranke,  schraube,  altfr.  viz  LRs.  360,  auch  piem.  vis 
oder  vi  in  letzterer  bed. 

Vitecoq  altfr.  norm.  Schnepfe;  vom  gleichbed.  ags.  vudeoc,  engl. 
woodeock  d.  t.  waldhahn. 

Voeu  fr.  (m.)  gdubde;  von  votura,  pr.  vot;  daher  vb.  vouer^c- 
loben,  pr.  vodar.    Zsgs.  ist  divouer  widmen,  lat.  devotarc. 

Voire  und  voir  altfr.  pic.  adv.;  von  lat.  vere  wahrlich. 

Voison  altfr.?  lothr.  veho  (in  Metz  vechoü  Jacht  68),  waüon.  wiha 
u.  a.  formen  (Grandgagnage  Noms  d'anim.  p.  10)  iltis,  stinkthier,  mlat. 
veso:  pntosiorum  et  juxta  aliorum  linguam  vesonum  pellibos  utantur 
(12.  jh.),  auch  sp.  veso  (Seckendorf) ;  muthmaßlich  mit  vertauschtem  Suf- 
fix vom  ags.  vesle,  mhd.  wisel,  womit  ein  thier  desselben  geschlechtes  be- 
nannt wird.    Hieher  auch  norm,  veson  liederliches  weibsbüd? 

Voiture  fr.  wagen,  fuhrwerk;  von  vectura  das  fahren,  it.  vettura. 

Volpilh  pr.  feige,  verzagt,  das  gegentheil  von  arditz  Ghx.  111,256; 
adj.  am  dem  sbst.  vulpecula  füchschen,  das  sich  auf  auswege  verstehende, 
der  gefahr  ausweichende  thier,  in  der  L.  Sal.  ein  Schimpfwort  (si  quis 
alterum  vnlpiculam  clamaverit  etc.).  Die  cdtfr.  spräche  braucht  ihr  golpil 
nicht  in  diesem  sinne,  wohl  aber  das  vb.  goupiller  feige  handeln. 

Voyer  fr.  wegeaufseher;  von  viarius.  Aber  in  älterer  bedetäung 
trifft  es  zusammen  mit  vicarius  und  scheint  daraus  entstanden,  s.  Ducangc 
v.  viarius. 

Voyer  fr.  in  convoyer  geleiten,  envoyer  senden,  sbst.  convoi,  envoi; 
auch  den  schwesterprachen  bekannt,  doch  ist  das  it.  convojare  (neben  con- 
vogliare)  dem  franz.  nachgesprochen.  Das  einfache  lat.  viare  heißt  gehen, 
viam  facere;  anteviare  vorausgehen;  *conviare  würde  heißen  mit  einander 
gehen,  transit.  begleiten,  convoyer;  inviare  sollte  heißen  sich  auf  den  weg 
begeben,  transit.  senden,  envoyer,  es  findet  sich  aber  nur  einmal  bei  Sclin 
und  zwar  in  der  unromanischen  bed.  etwas  betreten.  Altfranz,  schrieb 
man  für  en-voyer  auch  ent-voyer,  also  mit  anwendung  der  raumpartikel 
inde,  s.  darüber  G.  Paris  im  Jahrb.  VI,  364,  Brächet  Gramm,  hist.  224. 

Vrai  fr.,  altfr.  pr.  verai  wahr;  nicht  von  verax,  es  setzt  vielmehr 
veracus  voraus,  wie  aus  ebrius  ebriaens,  pr.  ybriai  Ghx.  III,  169,  er- 
wuchs, vgl.  wegen  der  endung  Cambrai  aus  Cameracam,  Doaai  aus  Duacum. 

Vr6der  fr.  fvrlt.)  hin-  und  herlaufen;  von  veredus  postpferd,  vgl 
sp.  vereda  II.  b. 

Waggon  ein  fuhrwerk  (neues  wort);  aus  dem  engl,  waggon,  ags. 
väcen  =  dtsch.  wagen. 

Welke  altfr.  ein  schalthier,  seemuschd  MFr.  II,  p.  102;  vom  ags. 
veolc,  engl,  wilk,  mndl.  welk  dass.  Mlat.  ad  unum  ferculum  dantur 
cuilibet  domino  duo  velkones  Ephem.  mon.  S.  GaU.  DG. 


IL  e.   WERBLER— ZESTE.  701 

Werbler,  werbloier  dltfr.:  si  bei  werbloie,  si  bei  chante  FC. 
I,  299;  vom  dtschen  wirbeln  (mit  der  stimme),  ndl.  wervelen,  engl,  whirl. 

Wigre  altfr.  speer  Hol.;  vom  altn.  vigr  oder  ags.  vigar,  vigur  dass. 

Wilecome  eine  altfr.  begrüßung,  vb.  welcumier;  im  12.  jh.  ein- 
geführtes ivort,  ags.  vilcume,  vilcuiuian,  engl,  welcome,  dtsch.  willkommen, 
bewillkommnen.  Vilcom  hieß  auch  der  becher,  den  man  dem  gaste  zu- 
bringt, ungr.  billikoni,  itcd.  (nachRedi)  bellicone,  nfr.aber  vidrecome. 
S.  Frisch  II,  448b. 


Y. 

Ypröau  fr.  eine  art  der  idme,  aus  Ypern  nach  Frankreich  gekom- 
men, daher  der  name. 


z. 

Zeste  fr.  (m.)  der  sogenannte  ßattel  im  innern  der  nuß,  der  sie  in 
vier  (heile  spaltet.  Das  wort,  dessen  herkunft  noch  unermittelt »  scheint, 
entstand  aus  schistus  (oxiotog)  gespalten,  aber  in  activen  sinn  (etwas 
spaltendes)  übergetreten,  wenn  nicht  ursprüngl.  die  nußtheile  selbst  diesen 
namen  führten,  wie  in  der  comask.  mundart  ein  solches  theilchen  fis  (von 
fissus)  genannt  wird,  s.  Monti  suppl.  Das  franz.  z  vertritt  hier  seh,  wie 
das  nächstverwandte  c  in  cedule,  von  schedula,  diesen  lata  vertritt. 


ANHANG 


VON 


AUGUST  SOHELER. 


I. 


GEMEINROMANISCHE  WÖRTER. 


Abrigo.  Dem  etymon  apricus  redet  auch  Bugge  entschieden  das 
wort  (Born.  IV,  338).  Allerdings  heißt  apricus  „der  sonne  ausgesetzt", 
aber,  wie  Salmasius  ad  Solinum  bemerkt:  „apricus  vocatur  non  omnis  soli 
expositus  locus,  sed  is  demutn  qui  soli  tepido,  temper  ato,  non  torrentissimo 
patet".  So  gesellte  sich  zum  ausdruck  der  begriff  „vor  Mite  geschützt, 
müde11;  daher  apricissimus  dies  (Colum.),  apricum  tempus  (Ccdpurn.), 
apricus:  jocundus,  delectabilis,  proprie  autem  locus  sine  frigore  (Mai, 
Class.  auct  VIII,  62),  locus  temperatus  sine  vento  (Erfurter  glossen 
p.  270,  Nr.  302).  Auch  dem  vb.  apricare  hing  die  bedeutung  „schützen" 
an:  ventis  frigidioribus  altus  paries  resistat  qui  locum  possit  defensis 
sedibus  apricare  (Pdllad.  I,  38);  Martinianum  suscipit  fraternitas  rec- 
toque  apricat  et  cibo  (Paülinus  Nol.  Carmen  13  ad  Cytherium,  v.  311). 
Bugge  vergleicht  noch  das  scandin.  hlyr  gemäßigt,  müde,  hlya  fovere, 
schützen,  vom  stamme  h\6  schütz.  — •  Mich  bedünkt,  daß  die  einfache 
thatsache  eines  spätlat.  apricare  =  schützen,  decken  (protegere)  der  frage 
eine  vollkommen  genügende  lösung  gibt;  es  braucht  nur  das  subst.  als 
davon  abgeleitet  betrachtet  zu  werden,  und  die  controverse  verliert  ihren 
grund;  es  wird  niemand  jenem  apricare  ein  grundwort  apricus  abstreiten 
wollen. 

Acceggia.  Die  form  acceia  hat  Bönsch  schon  in  einem  sehr  alten 
Itala-codex  vorgefunden,  s.  Jhrb.  XIII,  184. 

Agina.  8.  Tobler  zum  Pariser  glossar  7692  (Jhrb.  XII,  205), 
wo  offenbar  agina  statt  aguia  und  wohl  auch  hatance  st.  hautesce  ge- 
lesen werden  muß;  Tobler  citirt  auch  das  prov.  Glossar  7667:  cochar, 
citare,  festinare,  aginare. 

Agio.  Auf  grund  des  volksüblich  lat.  asa  =  ansa,  in  fig.  sinn 
anhält,  leichtigkeit,  gelegenhext  (Plaut.  Persa  IV,  4, 121:  quaerere  ansam 
infectum  ut  faciat)  mag  eine  derivativform  *asium,  *asia  sich  gebildet 
haben,  wie  aus  praesepe,  occiput,  pupa,  concha  die  büdungen  praesepium, 
occipitium,  it.  poccia  (=  *pupia),  tose,  coccio,  coccia  entstanden  sind. 
Also  stellt  sich  Bugge  die  entstehung  des  rom.  wortes  agio  vor  (Rom. 
IV,  349).  Mit  der  von  Darmesteter  (Rom.  I,  167)  aus  dem  11.  jh.  nach- 
gewiesenen bedeutung  von  aise  „espace  vide  aux  cotes  de  qqn",  wolier  die 

45 


706  ANHANG  I.  AGUGLIA-ANCA. 

redensarten  cötre  aux  aises  de  qqn.,  Hre  ä  son  aise,  stellt  derselbe  gelehrte 
den  ausdruck  ansatus  incedit  bei  Plautus  (Persa  II,  5,  7)  zusammen, 
auf  einen  menschen  bezogen  =  'qui  subnixus  <üis  se  infert\ 

Aguglia.  Etwas  schaff  er  begründet  die  franz.  endung.  uille  Mussa- 
fia  Rom.  II,  478  anm.  unter  berücksichtigung  einer  ansieht  Ascoixs 
(Saggi  lad.  76  anm.). 

Ajuto.  Im  altfranz.  hatte  das  jetzige  verb  aider  zwei  gestattungen: 
vor  tonloser  endung  verblieb  das  volle  thema  des  lat.  wortes,  also 
adjüto,  fr.  ajue;  vor  betonter  silbe  wurde  ajut  zu  ajt,  aYd,  aid  syncopiert: 
also  ajutatis  =  fr.  aidiez,  ajutare  =  aidier;  vgl.  Dorntest  eter,  Rom.  Vy 
154.  Den  beiden  themen  entsprechen  die  altfr.  Verbalsubstantiven  ajue 
einer-  und  aide,  alte  andrerseits. 

Alb  ergo.  Genauere  unterschiede  zwischen  auberge  und  herbere 
hinsichtlich  des  alters  ihrer  resp.  etyma,  die  zeitlich  sehr  verschieden, 
stellt  d'Arbois  de  Jubainville  Rom.  I,  139  ins  licht. 

Almanacco.  Nach  Mahn  (Herrig' s  Ar  eh.  L  VI,  422)  von  Arabern 
und  Juden,  die  zuerst  holender  verfertigten,  gebadet  aus  nianachus,  dar. 
firjvaxog  mondkreis  an  der  Sonnenuhr,  teeü  der  holender  wie  dieser  auch 
monate,  zeichen  des  thierkreises  u.  dgl.  angab. 

Amaca  ist  ein  wort  der  Gruaranisprache,  und  findet  sich  schon  in 
einer  span.  schrifl  von  1525,  also  bevor  Holländer  oder  Deutsche  den 
neuen  erdtheil  besucht  haben;  s.  Littre  suppl. 

Amalgamare.  Devic  (Dict.)  scheint  die  etymologie  ttdhxyna  nicht 
zu  kennen  und  kommt  bei  seinem  versuche,  das  wort  aus  dem  arab.  zu 
erklären,  zu  keinem  sicheren  resuliat.  In  dem  bei  Ste.  Paiaye  aufgeführten 
algame  erkennt  er  arab.  al-djam'a  cotyunetio  oder  al-djima*  consummatio 
matrimonii. 

Ambasciata.  Unter  Zurückweisung  der  Zeuß9 sehen  ableitung  vom 
kymr.  amaeth  und  der  Qrimm'scJien  von  goth.  antbak  „im  rücken  stehen- 
der dienerli  erklärt  Mahn  (Hefrig's  Arch.  LV1,  422)  ambaetus  durch 
altcelt.  zmbi+armor.  aketuz  emsig,  fleißig,  von  aketi  fleißig  sein,  also  = 
aftcpinolog.  —  Für  das  lat.  ambaetus,  woher  es  auch  zu  holen  sein  mag, 
findet  sich  pr.  abah,  altfr.  abait  (II.  c). 

Amonestar.  Cornu  ist  der  ansieht,  dieses  seltsame  wort  möcJUe 
sich  einfacher  und  ebenso  correct  aus  molestare  herleiten  lassen;  der  Pro- 
venzale  habe  ja  noch  das  einfache  monestar;  grundbedeutung  wäre  also 
„einen  mit  Vorwurf en  behelligen,  zurechtweisen11 ;  allerdings  möge  admonere 
auf  die  bildung  des  wortes  eingewirkt  haben;  bemerkenswerth  sei,  dass  es 
dem  Itcdiener  fremd  geblieben.  Der  Urheber  dieser  etymologie  ist  durch 
das  in  Montbovon  (Haute-Gruyere)  übliche  monaxta  * einem  seinen  iibdn 
lebenswandel  vorwerfen  darauf  geführt  worden;  s.  Born.  Hl,  377.  Wir 
hätten  also  in  monestar  eine  doppel-  oder  scheideform  van  molestar,  fr. 
molester. 

An  ca.  Bugge  (Rom.  IH,  152)  trehnt  fr.  anebe  röhre  van  hauche 
—  it.  sp.  pg.  pr.  anca;  letzteres  sei  das  dtsche  hanke  hüfte,  schenket  beim 


ANHANG  I.   ANCHE-ASTUCCIO.  707 

pferde  (verschieden  von  -  ahd.  ancha  tibia,  crusj  und  gehöre  demnach  nach 
Kuhn  (Ztschr.  f.  v.  spr.  IV,  431)  zum  vb.  hinken ,  wie  Schenkel  zu 
einem  gleichbed.  *skinken. 

An  che.  Sachter  (Gröbers  Ztschr.  I,  432)  hält  pr.  ancanuech,  altfr. 
enqnennit t  für  zusammengesetzt  nicht  aus  anca+nuech,  enque+nuit,  son- 
dern aus  anc+anuech,  enc+annit.  Der  zweite  bestandtheil  ist  ihm  ein  dem 
lat.  ho-die  genau  entsprechendes  fem.  ha-nocte;  vgl.  wegen  des  tat.  ha 
die  ort.  gier  und  ore. 

Andare.  Zum  fr.  aler  gehört  das  merkwürdige  altfr.  sbst.  ale  Zu- 
lauf, s.  meine  Glanures  lexicographiques  Jahrb.  X,  246. 

Argano.  Storm  (Rom.  II,  328)  stellt  das  wort  zu  yegavog  (kranich 
und  krahn),  das  bei  den  Gelten  garanos  gelautet  zu  haben  scheint.  Aus 
garanos  wurde  argano  unter  einwirkung  von  organo,  von  dem  es  stets  in 
den  it.  mundarten  geschieden  ist.  —  8.  auch  Schneller,  Rom.  volksmund- 
arten  in  Südtirol  108.     Vgl.  auch  argue  II,  c. 

Arg  ine.  Bugge  (Rom.  II I,  161)  belegt  die  form  arger  durch 
Priscian  35  =  669  P.:  arger  quoque  dicebant  (antiqui)  pro  agger. 

Articiocco.  Devic  verwirft  entschieden  das  übrigens  nicht  ver- 
bürgte ardi  chauki  und  sieht  im  it.  und  fr.  worte  (ndat.  articoctus,  arti- 
coccus)  eine  entsteüung  des  gr.  xa  aQTvrixa  „tetes  d'artichaut"  (s.  Journ. 
asiat.  janv.  1862,  p.  83). 

Artigiano.  Eine  andere  ansieht  über  entstehung  des  sufßx  it. 
-igiano  u.  s.  w.  entwickelt  Flechia  Post.  etim.  13.  Ihm  zufolge  entspricht  es 
in  allen  fällen  einem  prototyp  -ensi-ano.  Auf  grund  von  lat.  laterculensis, 
flor.  laudesi  (lobsinger),  cors.  piatesi  (Sachwalter),  seien  formen  wie  ar- 
tenses,  turrenses,  partenses  nichts  weniger  als  unwahrscheinlich.  Übrigens 
würde  artitus  nicht  artit-i-anus  ergeben  können,  vgl.  Neapolit-anus,  ere- 
mitano,  sard.  turritanu  (=  torrigiano). 

Ascla.  Mussafia  (Beitrag  zur  künde  der  norditalienischen  mund- 
arten im  XV.  jahrh.  Wien  1873,  s.  110)  ist  der  ansieht,  daß  so  lange 
u  in  assuli  vorhanden  war,  ss  nicht  leicht  zu  st  geworden  wäre;  erst 
die  im  volksmunde  gewiß  sehr  frühzeitig  erfolgte  contraction  führte 
zu  stl.  Die  form  astula  ist  eine  spätere  restitution  des  u.  Er  ver- 
gleicht für  S8ul  S8l  stl  das  wort  pessulus  pesslus  pestlus  (pestulus  wie 
astula  zu  beurtheilen),  daraus  senesisch  pestio,  dann  auch  pesclus 
peschio.  Ferrari9 s  reihenfolge  scheint  also  richtiger:  assula  ass'la  astla 
astula  astella. 

Assai.  Lat.  satis  gab  dem  altfr.  das  subst.  s6s  genüge,  be friedi- 
gung, s.  Jahrb.  X,  267,  und  Grob.  Ztschr.  1,  168. 

Assettare,  sofern  es  einrichten,  ordnen  bedeutet,  ist  nicht  lat  as- 
seetare,  diesem  würde  nur  ein  prov.  aseitar  genügen,  sondern  =  asse- 
ditare;  Storm,  Born.  IV,  166. 

Astuccio.  In  altfr.  estuire  NFC.  247,  461  (Et  pren  de  la 
bnsche  en  l'estuire),  wenn  es  anders  die  weibliche  nebenform  von  estui 
behälter  ist,  erkennt  Tobler  dasselbe  eingeschobene  v,   dem  er  die  bildung 


708  ANHANG  I.   ATAUD-BIADO. 

von  mire,  grammaire  u.  a.  zuschreibt  Ebenso  findet  sich  für  olifr. 
estuide  =  Studium  im  Rom.  de  la  Rose  4073  die  form  estuire. 

Ataud.  Aach  Engelmann  (s.  65)  erkennt  im  aar  ob.  t&büt  den  Ur- 
sprung des  sp.  atahud;  Rom.  II,  91. 

A  v  a  n  i  a.  Die  bed.  kopfgdd  oder  wegsteuer  scheint  die  ursprüngliche 
zu  sein,  aber  über  die  quelle  des  worts  herrscht  noch  dunkel;  s.  Dem,  der 
wegen  der  nebenform  avaria,  averia  (in  genueser  Urkunden)  Verwandtschaft 
mit  lat.  angaria,  it.  angheria  vermuthet. 

Bagatella.  Schuchardt  (Zeitschr.  XXI,  451)  fragt  ob  dieses  wort, 
so  wie  bagattino,  nicht  zu  bacca  (baca)  zu  ziehen  sei;  er  vergleicht  we- 
gen der  bed.  von  bagattino,  it.  bajocco  römische  und  bajella,  toskanische 
Scheidemünze,  „die  eher  auf  it.  bajuca  Tdeinigkeit,  als  auf  ü.  bajo  braun 
hinweisen11.  —  Im  suppl.  fuhrt  Littre  aus  einer  lat.  schrifl  des  15.  jh. 
eine  stelle  an,  wo  bagatella  als  chirurgischer  ausdruck  gebraucht  ist  und 
'ring,  reif3  zu  bedeuten  scheint. 

Bajo.     Wegen  bajocco,  s.  oben  bagatella. 

Balicare,  s.  ballare. 

Ballare.  Gehort  nach  Schuchardt  zum  weit  verbreiteten,  schwingen, 
schwanken  ausdrückenden  stamm  bal,  zu  dem  auch  balicare,  fr.  ballant 
schlenkernd  und  ballotter  gehören.    S.  auch  Schder. 

Bando.  Wegen  arriere-ban  sehe  man  d' Arbais  de  JübainviUe 
Rom.  I,  141,  der  ahd.  hariban,  als  unbelegt,  nicht  anerkennt  und  auf  das 
fränkisch-lat.  [c]harebannus,  arribannus  (zeit  der  Merowinger),  hari- 
bannum  (zeit  der  Karolinger)  zurückgeht;  arbannum  datirt  van  1102. 

Barbacane.  Die  zss.  balah-kaneh  befriedigt  nicht;  das  van  Deck 
angerufene  arab.  barbakh  wasserröhre  stimmt  höchstens  zu  einer  der  von 
Littre  dem  warte  beigelegten  bedd.,   auch  nötigenfalls  zu  * Schießscharte'. 

Bargagno.  In  ital.  mundarten  findet  man  auch  bragagnar  tasten 
und  Mussafia  untersucht,  ob  es  ein  homonym  von  bargagnare  oder  gleiches 
Ursprungs  ist,  kommt  aber  zu  keinem  sichern  restdtate;  s.  Beitr.  37. 

Ben  na.  Die  form  banasta  (für  banastra)  ist,  wie  Storm  meint, 
eine  angleichung  an  das  verbreitetere  canasta  (für  canastra).  Wegen  aus- 
falls  des  r,  vgl.  sp.  madrasta,  orquesta,  pg.  rasto,  it.  trasto,  catasto. 

Berretta.  Neben  barrette  hat  der  Franzose  auch  die  masc.  formen 
berret,  b&et 

Berta.  Nach  Littre  ist  bertauder,  bretauder  aus  altfr.  bertonder 
entstellt  (ber  =  bis  +  tondere).  Damit  hängt  ohne  zweifei  zusammen  das 
mundartl.  it.  bertonar  die  haare  abschneiden,  dem  Mussafia  (Beitr.  33) 
mit  Galvani  dieselbe  Zusammensetzung  zuerkennt.  Dazu  stimmt  das  von 
Scheler  (nach  Oudin  und  Menage)  angeführte  altfr.  bertouser  (bis  +  ton- 
sare). 

B iad  o.  Neben  fr.  emblaver  verdiente  gleichfalls  das  entgegengesetzte 
altfr.  und  mdrtl.  döblaver  das  getreide  abräumen,  dann  abräumen  im  aüg-, 
jetzt  nur  noch  in  der  form  d^blayer  üblich,  sowie  r-emblayer,  sbst.  rem- 
blai,  eine  er  wähnung. 


ANHANG  I.   BIAVO— BRAVO.  7()9 

» 

Biavo.  Dem  d  in  biadetto,  sbiadato  (auch  sbiadito)  entspricht  das 
in  chiodo  (clavus),  s.  IL  a. 

Bicocca.  Mail.  com.  bicocca  heißt  hospd,  winde  (Monti  dachte 
an  dtsch.  wickeln);  vgl.  comask.  bicoche  hnäuel  (Mussafia,  Beitr.  46, 
anm.). 

Bigio.  Der  nordostwind  heißt  wohl  bise,  weil  sich  der  himmd 
dabei  verfinstert;  die  Schweizer  nennen  den  wirklichen  nordostwind  „bise 
noire?1;  in  Como  wird  biss  'finster'  vom  bedeckten  himmd  gebraucht]  s. 
Rom.  IV,  256. 

Bis.  Eine  belehrende  Untersuchung  über  diese  pejorativ-partikel  nach 
Ursprung  (lat.  bis)  und  begriffsentwicklung  hat  Darmesteter,  Mots  com- 
poses,  p.  108,  angestellt. 

Boca.  Statt  box  scheint  besser  die  in  vielen  hss.  des  Plinius  vor- 
findliche  form  boca  stehen  zu  müssen;  davon  kommt  fr.  bougui&re,  npr. 
bnguiero  ort  netz  {ursprünglich  zum  fangen  der  bogues),  welchem  it.  bo- 
gara,  sp.  boguera,  pg.  bogueiro  entsprechen. 

Bosco.  Ganello  sieht  im  mlat.  boscus  das  gr.  ß6o%og  weide  und 
beruft  sich  auf  die  Vermischung  der  begriffe  waid  und  weide  in  lat.  saltus, 
nemus,  silva;  auch  stimme  ßoo%og  besser  zum  offenen  o  von  bosco  als  das 
hypothetische  ahd.  buwtse;  Rivista  II,  111.  Auch  Storm  bezweifelt  das 
Grimmische  etymon  büwisc;  das  dtsche  busch  habe  niemals  bauholz  ge- 
heißen. Fr.  bois  lasse  sich  nicht  von  buisson  trennen  und  sei  also  =  lat. 
bnxus;  der  diphthong  ui  in  fr.  buis  sei,  wie  Havel  Rom.  III,  332  darge- 
than,  durch  exceptiondle  entwicklung  eingetreten  und  auch  das  sp.  bosque 
(nicht  buesque)  lasse  auf  ein  geschlossenes  o  des  vuigär-lat  wortes  schliessen. 
Der  name  der  species  sei  auf  das  genus  übertragen  worden,  wie  umgekehrt 
der  name  des  genus  in  ÖQvg  (ursprüngl.  =  bäum)  sich  zur  bezeichnung 
einer  einzelnen  art  verengt  habe.  Von  „bäum"  habe  sich  sodann  der  begriff 
zu  „baumgruppe"  erweitert.  Für  die  nähere  ausfuhrung  dieser  ansieht, 
mit  bezugnahme  auf  die  verschiedenen  derivaten  des  Stammes  bocs,  bosc, 
s.  Rom.  V,  169. 

Bosso.  B0880I0  leitet  Caix  (Stud.  etim.  I)  von  puxida,  wie  tres- 
polo  von  trespida ;  da  jedoch  dasselbe  wort,  wie  Diez  angibt,  auch  buche- 
bäum  bedeutet,  ist  nicht  abzusehen,  warum  für  beide  bedeutungen  ein  ver-, 
schiedenes  etymon  aufzusuchen  wäre;  s.  Rom.  V,  170.  Zu  bemerken  ist 
hier  noch,  daß  die  Italiener  die  pyxis  nautica  nicht  mit  bossolo  sondern 
mü  der  scheideform  bussola  bezeichnen.  —  Ein  fr.  bossette  büchse  ist  mir 
nicht  bekannt. 

Braca.    Abi.  altfr.  braier,  braiel,  braieul  leibgurt. 

B  ran  ca.  Daß  branca  schon  in  der  rustiken  latinität  gebräuchlich 
war,  erhellt  aus  den  römischen  agrimensoren  oder  gromatikern,  bei  denen 
wir  (Lachmann-Rudorffsche  Ausg.,  p.  309)  lesen:  si  branca  (so  anstatt 
des  acc.)  lnpi  habnerit  facta  . .  .  .  si  branca  nrsi  habuerit  .  .  .;  Rönsch, 
Jahrb.  XIV,  336. 

Bravo.    Storm  (Rom.  V,  170)  leitet  das  noch  unaufgeklärte  wort 


710  ANHANG  I.   BREZZA— BRIGA. 

von  rabidus  ab,  statt  dessen  schon  Menage  das  grundwort  rabns  vor- 
schlug.  Vorseteung  eines  b  ist,  wenn  nicht  häufig,  gerade  solchen  Wörtern 
eigen,  die  ein  schreien  oder  lärmen  ausdrücken  (so  bruire,  bruit,  braire). 
Brabidu8  ergab  (Mit.  braido  „uomo  lesto,  hello,  vispo"  (s.  Fanfani),  wor- 
aus einerseits  brado  ungezähmt,  wild  (bue  brado),  andrerseits  *bravio,  tf. 
bravo  (vgl.  rancio  =  rancidus,  torbo  =  turbidus),  sp.  bravio  (vgl.  rocio 
=  roscidus)  neben  bravo.  Die  ursprüngliche  bed.  ist,  wie  auch  Dies 
aussagt,  unbändig,  wild,  stürmisch,  vgl.  rabidum  Pelorum  (LueanJ,  rabidi 
canes  (LucrezJ;  daraus  fliessen  alle  weiteren  mit  dem  worte  verbundenen 
begriffe.  [Ich  möchte  hier  an  die  verschiedenen  bedd.  des  deutschen  wacker 
(eig.  aufgeweckt)  erinnern,  das  schwed.  sogar  „schön"  heißt]  —  Boehmers 
herleitung  von  bravo  aus  fru  in  defrutum  (Jahrb.  X,  196)  hängt  mit 
einer  phonetischen  lehre  zusammen,  auf  deren  Widerlegung  wir  hier  nicht 
eingehen  können. 

Brezza.  Auch  Schuehardt  vermuthet  identität  zwischen  brisa  und 
bisa,  Rom.  IV,  266. 

Bricco.  G.  Paris  zu  Alex.  54"  weist  für  altfr.  bricon  die  bed. 
scheint  entschieden  zurück  und  setzt  sich  hiemit  mit  allen  Wörterbüchern 
in  Widerspruch.  Es  sei  allerdings  mit  diesem  sinn  unverstandiger  weise 
bekleidet  worden  und  derselbe  mit  dem  worte  nach  Italien  (it.  briccone) 
übergesiedelt;  die  wahre  bed.  sei  „narr11,  die  auch  dem  sbst.  briconie  und 
vb.  abriconer  anhänge.  Diese  entdeckung  vernichtet  die  Dies* sehe  etymo- 
logie.  —  Vielleicht  ist  bricco  verwandt  mit  altfr.  bric,  briche,  brique 
„schlinge,  falle";  also  „der  sich  leicht  in  die  schlinge  locken  lässt11. 

Brida.  Zu  vergleichen  mit  it.  brettine  (brett'ne)  sind  die  dialect. 
von  Mussafia  (Beitr.  37)  verzeichneten  formen  brena  zäum,  veron.  sbrenä 
zügellos. 

Briga.  Storm  (Rom.  V,  171)  steht  nicht  an,  die  vbb.  pr.  cat.  bre- 
gar,  fr.  broyer  mit  dtsch.  brechen,  ndd.  breken,  engl,  break,  goth  brikan 
zu  identifizieren.  Die  kehltenuis  und  i  sind  noch  erhalten  im  lomb.  brica 
krume,  vgl.  pr.  briga  dass.,  vb.  esbrigd  zerbrökeln  (die  auch  Diez  IL  c,  s.  v. 
briser  mit  brechen  zusammenstellt).  Was  briga,  brega  =  lärm,  zank 
anbelangt,  so  ist  Storm  geneigt  auch  hier  auf  goth.  brikan  zurückzugehen, 
das  ja  auch  kämpfen  ä&Xeiv  bedeutet,  und  woraus  sich  die  vbb.  brigare, 
bregare  brechen,  lärmen,  zanken  entwickelten,  vgl.  lat.  fragor  lärm  von 
frangere.  Auch  alteat.  brecar  verringern  (mit  beibehaltener  tenuis)  mag 
dazu  gehören,  vgl.  die  ausdr.  altfr.  souffraite,  dtsch.  abbruch  leiden.  Ganz 
besonders  stimmt  nfr.  brigue  nach  seiner  bed.  zum  altn.  brek  Zudringlich- 
keit, intrigue,  vb.  breka  €zu  erlangen  streben  wozu  man  nicht  berechtigt 
ist\  It.  briga  heisst  vornemtich  „verdrießliche  Sache,  zwist,  lästige  Ver- 
handlung"; brigare  „ingegnarsi  d'ottenere  checchessia  per  mezzo  di  rag- 
girie  di  cabaleu  (Fanfani).  8.  auch  Mussafia  Born.  II,  120.  —  Das  fr. 
broyer  zerreiben,  zerschmettern  ist  wohl  schwerlich  vom  dtschen  brechen 
zu  sondern,  auch  wenn  die  Storm1  sehe  deutung  der  rom.  wortfamäie  brig 
angezweifelt  werden  sollte;  dagegen  ist  ein  anderes  altfr.  broier  handeln. 


ANHANG  I.   BRIO— BRUSCO.  711 

feilschen,  markten,  zögern  (von  Tebler  belegt  Gott.  gel.  Ans.  1874,  s.  1048, 
8.  auch  Förster  zu  Richars  li  b.  s.  4667,   wo  broie  =  bedenken  erwähnt 

m  m 

ist),  doch  wohl  als  alte  nebenform  von  briguer  zu  betrachten.  —  über  die 
auffässung  von  brigant  als  „bergbe wohner",  s.  Liebrecht  Jhrb.  XIII,  224. 

Brio.  Zu  beachten  ist  das  altfr.  adv.  a  brive  (im  reim  mit  rive) 
hastig,  eifrig,  Fergus  3,  28,  Perceval  Ms.  de  Montpellier  zu  9739. 

Bronco.  Förster  bestreitet  die  Verwandtschaft  des  fr.  broncher 
straucheln  mit  bronco  stamm;  es  sei  vielmehr  identisch  mit  altfr.  broncher 
senken,  neigen;  s.  Glossar  zu  Chev.  as  d.  esp.  Letzteres  müßte  also,  wenn 
Diez  für  das  glbed.  embronchier  (s.  embronc  IL  c)  das  richtige  etymon 
getroffen,  durch  pronicare  gedeutet  werden.  Allerdings  lassen  sich  zur 
noth  die  begriffe  vorwärts  beugen  und  straucheln  in  Zusammenhang  brin- 
gen, aber  es  ist  doch  viel  natürlicher  broncher  straucheln  von  altfr. 
bronche  ast  herzuleiten  nach  der  ancdogie  von  it.  cespicare,  altfr.  ehester 
(=  caespitare),  nfr.  chopper  von  altfr.  chope  baumklolz,  choquer  von  altfr. 
choque  dämm.  Im  Baud.  de  C.  1,  6  habe  ich  bronchier  mit  der  bed. 
hesiter,  stocken  angemerkt. 

Bronzo.  Das  venez.  bronza  leitet  Ascoli  (Zeitschr.  XVII,  269) 
von  prnn-ia;  s.  Mussafia,  Beitr.  37;  Storm  (Rom.  V,  173  anm.)  zöge  pru- 
nicia  vor. 

Broza.  Gar.  Michaelis  dürfte  wohl  für  ihre  gleichung  rebours  = 
tat.  revorsum  keinen  großen  anhang  gewinnen  (Stud.  z.  rom.  wortschöpf. 
26 1) ;  man  beachte,  daß  das  wort  ausschließlich  französisch  ist  und  sich 
in  dieser  spräche  kein  ähnlicher  fall  von  v  (zwischen  vocalen)  zu  b  er- 
mitteln lässt. 

Bruciare.  Storm  stellt  die  genesis  dieses  Wortes  also  dar:  Aus 
combu8tus  ward  eombnstulare  (vgl.  ustus  ustnlare)  und  durch  den  unter 
einwirkung  von  bustum  eingetretenen  Wegfall  von  com,  bnstulare.  Ferner 
wie  angustus  das  vb.  angustiare,  it.  angosciare  hervorrief,  so  entsprang 
auch  combustiare,  bustiare  aus  combnstus.  Epenthese  eines  r,  wozu  das 
dtsche  brunst  das  seinige  beigetragen  haben  mag  (vgl.  cat.  brnsca  aus 
busca,  sp.  brujula  aus  it.  bussola),  ergab  endlich  brnstnlare  =  fr.  brusler, 
und  brustiare  =  it.  brusciarfe;  s.  Rom.  V,  173.  Auch  nach  Boehmer 
(Jahrb.  X,  195)  „ist  bruciare  lat.  "brustare  =  *bustare,  vgl.  burere, 
bustum,  welche  letzteren  Corssen  mit  skr.  prus  zusammennimmt61 ;  er  lässt 
aber  die  endung  -ciare  aus  -stare  unbegründet.  Diez  erwähnt  freüich  Rom. 
Gramm.  I,  231  it.  arbuscello  aus  *arbustellum,  allein  Storm  bemerkt  mit 
recht,  daß  diesem  it.  wort  lat.  *arbuscella,  nebenform  von  arbuscula,  zu 
gründe  liegt.  —  Neben  altsp.  uslar,  pr.  usclar  verdient  hier  noch  altfr. 
urler  (=  usler,  vgl.  marle  =  masle)  erwähnt  zu  werden;  es  findet  sich 
im  Percival  le  Gallois  39840  Trestout  a  Piercheval  urlet  Et  le  sourcil 
et  le  grenon. 

•  Brusco.  Die  Urbedeutung  scheint  „rauh,  rohu  zu  seiny  daher  noch 
im  16.  jh.  diamant  brusque;  deßhalb  fragt  Bugge  (Rom.  IV,  352),  ob 
nicht  an  das  lat.  bruscum  „tuber  aceris  arboris  intorte  crispum"  (Plin.  H. 


712      ANHANG  I.  BUCHERAME-  CAMBELLOTTO. 

N.  XVI,  16,  27)  zu  denken  sei;  er  vergleicht  damit  das  deutsche  knolle 
bildlich  =  rauh,  plump,  grob.  —  [Das  von  Littre  citierte  beispiel  „diatnant 
brusquea  könnte  vielleicht  nur  auf  einer  willkürlichen  Verwechslung  mit 
brut  beruhen-]  —  Canello  Rivista  II,  111  sagt,  wie  ruscum  it.  brusco, 
bruscolo  geworden,  so  rusticus  {vermittelst  brust'co)  it.  brusco  herb.  Hat 
aber  rusticus  je  brusco  im  physischen  sinne  bedeutet? 

Bucheram e.  Hat  das  wort  keine  Verwandtschaft  mit  fr.  boucas- 
sin,  für  welches  Littre  orientalischen  Ursprung  vermuthet?  so  fragt  Mus- 
safia,  Beitr.  34. 

Bugna.    S.  Mussafia,  Beitr.  39. 

Bujo.  Zur  bekräftigung  der  Diez' sehen  deutung  dient  der  art. 
beretin  in  Mussafia  s  Beitr.  33. 

•  Busca.  8.  Mussafia,  Beitr.  39,  und  Rom.  V,  176,  wo  wegen  u 
statt  o  auf  buttare  neben  dibottare  hingewiesen  wird.  Bugge  denkt  an 
*buxica,  was  lautlich  und  begrifflich  anzunehmen,  aber,  wie  Storm  be- 
merkt, nicht  zur  altfr.  form  boisse  und  buisse  passen  würde,  welche  nur 
buxa  darstellen.  —  Von  altfr.  buisse  kommt  altfr.  abuissier  stolpern, 
straucheln  fs.  m.  anm.  zu  Baud.  Conde  s.  397). 

Gadaüuo.  Anders  erklärt  P.  Meyer  die  entstehung  dieses  com- 
positums :  für  ihn  ist  cada  nicht  ein  davon  abgelöstes,  sondern  ein  seihst- 
ständiges,  schon  dem  volkslatein  eigenes  wort.  Die  VulgcUa  bietet  cata 
mane  ,Jeden  morgen"  und  Ducange  bringt  mehrere  beispiele  von  cata  = 
seeundum.  Dieses  cata  ist  die  griech  praepos.  xaza,  die  im  neu-griech. 
ganz  dem  rom.  cadaüno  entsprechenden  xad-evag  vorliegt,  und  hat  sich 
noch  erhalten  in  süd- franz.  mundarten  unter  der  form  cha  (so  im  npr. 
a  cha  pauc  =  altprov.  cada  pauc  nach  und  nach,  in  Poitou  cha  deine 
zu  zweit,  je  zwei),  so  wie  in  der  Schweiz  in  der  gestalt  von  tsa.  S.  Rom. 
IV,  80—85u.  453;  an  letzterer  stelle  bringt  Cornu  einige  weitere  beispiele 
aus  dem  mittellatein,  z.  b.  aus  einem  ärztlichen  rezept:  cata  singulas  oras. 

Calafatare.  Genaueres  über  die  bed.  des  arab.  qallaf  'ferruminare 
bringt  Devic.  —  Galfeutrer  ist  eine  angleichung  an  feutre. 

Galdaja.  Mit  caldaria  wird  schon  in  der  Vulgata  (1.  Könige  2, 14) 
gr.  xakxüov  übersetzt,  Rönsch  Grob.  Ztschr.  I,  417. 

Galibro.    Devic  stimmt  für  qälib  modeil. 

Galzada.  Nach  Rönsch  (Grob.  Ztschr.  1,  417)  heißt  calciata  „die 
betreteneu  und  kommt  von  einer  form  calciare,  die  sich  auf  grund  des 
sbst.  calcia  =  Aa£,  calx  (glosse  des  nach  Oyrülus  benannten,  1600  von 
Vülcanius  herausgegebenen  alten  griech.-lat.  lexicons  p.  526,  16)  fuglich 
voraussetzen  lasse.  Diese  ansieht  ist  schon  bei  Ducange  vertreten,  wo 
calcia  sowohl  für  ferse  als  für  kalk  erwähnt  wird;  sie  wird  gleichfalls 
von  Littre  ausgesprochen. 

Cambellotto.  Rönsch  (Grob.  Ztschr.  J,  418)  sucht  darzuthun, 
daß  das  gr.  xafitjhtoTTj  auf  einer  umdeutung  von  (.ir^haTTj  ,j>aludamentum 
hirsutum  a  pelle  caprina  confectum11  beruhe;  diese  Umwandlung  sei  einge- 
treten, als  die  abstammung  von  fifjkov  (ovis  capra    der  Vergessenheit  an- 


ANHANG  I.  CARAGGA-  CASACCA.  713 

heimgefallen  war;  lat.  melote  wurde  zu  camelote  als  ob  y.afir^og  das 
grundwort  wäre.  Nach  G.  Paris  (Born.  VI,  628)  hat  das  wort  eben  so 
wenig  in  firjktorf,  als  in  camelus  seinen  Ursprung.  Nach  dem  Journal 
ofßciel  vom  12.  mai  1874  kommt  das  wort  von  seil  el  kemel,  dem  namen 
der  angorajsiege. 

Caracca.  Nach  Dozy  und  Defremery  vom  arab.  qorqour  großes 
kauffarteischiff,  plur.  qaräqir.  Devic  glaubt  dieses  selbst  sei  aus  dem  ma- 
layischen  kourakoura  meerschildkröte,  korakora  großes  schiff,  womit  die 
portug.  formen  coracora,  corocora,  sp.  caracoa  übereinstimmen. 

Caraffa.  Mohl  erwähnt  pers.  qarabah  gläserne  flasche  mit  weitem 
bauch,  in  der  man  den  wein  vierzig  tage  lang  ruhen  lässt,  s.  Littre,  suppl. 

Carcasso.  Carol.  Michaelis  (Jahrb.  XIII,  313)  scheidet  dieses 
wort  ausdrücklich  von  carcassa  gerippe  (woraus  fr.  carcasse  ur\d  das 
zweifelhafte  sp.  carcasa).  Die  deutung  des  letzteren  durch  car-cassa 
,fleischkasten"  ist  ihr  verdächtig,  doch  läßt  sie  dieselbe  vorläufig  dahin- 
gestellt; das  rom.  wort,  so  weit  es  köcher  bedeutet,  stellt  sie  unbedenklich 
zum  gr.  yuxqyJioiov,  das  auch  becher  bedeutete  (ngr.  xaQxaoiov  heißt  mast- 
korb und  köcher).  Sie  beruft  sich  hierbei  auf  die  alte  bed.  von  carquois 
„le  haut  bout  du  mast"  (17.  jh.,  s.  Littre),  sowie  auf  die  des  span.  carcaj 
,/täteral  in  dem  bei  processionen  das  crucifix  getragen  wirda.  —  Was 
aber  dltfr.  taiquois,  tarquais  (Psalt.  gall.  vet.  p.  268),  mhd.  tärkis,  ngr. 
zctQY.aoiov  betrifft,  das  Scheler,  Brächet  und  Müller  ohne  weiteres  als  aus 
carquois  entstanden  annehmen  und  das  auch  Ducange  schon  also  betrachtete, 
so  hält  sie  einen  Wechsel  von  c  zu  t  für  durchaus  ungerathen  und  leitet 
die  form  aus  dem  türk.  terkesch  (das  auch  Littre  erkannte);  dieses  nun 
sei  das  pers.  tarkasch  „pharetra11,  abgel.  von  tark  gl.  bed.,  dessen  Zusam- 
menhang mit  sanskrit  tarka  Spindel  (vgl.  gr.  ä-TQaxTog)  in  einleuchtßnder 
weise  dargelegt  wird.  Durch  anbildung  an  den  türkennamen  ward  tar- 
quois  zu  turquois  (s.  IL  c)  entstellt.  —  Förster  (Grob.  Ztschr.  156) 
kennt  nur*  eine  belegsteile  für  altfr.  turquois,  Coron.  Looys  636,  und  hält 
sie  für  unsicher;  sonst  lautet  das  wort  turcais,  wdat.  turcasia,  it.  turcasso, 
oder  besser  tarcais  (Rou  ed.  Pluquet  II,  s.  148  ist  st.  cuvrie  et  archais 
zu  lesen  cuivre  e  tarcais);  unser  wort  sei  also  vom  adj.  turquois  =  tur- 
censis  zu  trennen.  Ferner  bemerkt  Förster,  daß  weder  ein  carquois  noch 
ein  carquais  =  köcher  im  altfr anz.  existieren;  letzteres  bei  Ducange  s.  v. 
gambeso  ist  aus  tarquais  verlesen,  ersteres,  in  der  von  Diez  citierten  stelle 
aus  DMce.  wie  anderwärts,  heißt  bloß  rippenkasten. 

Carestia.  Das  prov.  adj.  carestios  Flam.  6238  übersetzt  P.  Meyer 
mit  lchiche,  avare. 

Carriera.  Ob  fr.  carrousel  mit  carrus  zusammenhängt,  bleibt 
problematisch.  Noch  unwahrscheinlicher  ist  LittrS's  deutung  durch  it. 
garoso  streitsüchtig.  Scheler  denkt  es  könnte  in  carr  der  lat.  stamm  quadr 
stecken  (vgl.  quadrille);  auch  engl,  carouse  'festlichkeit*  sei  zu  erwägen 
(s.  E.  Müller). 

Casacca.    Das  rom.  wort,  wenigstens  fr.  casaque  (imlö.jh.  reiter- 


714  ANHANG  I.  CASERMA— CHETO. 

tnantel),  soll  slavischen  Ursprungs  und  mit  cosaque  (kosdk)  identisch  sein 
(vgl.  cravate,  palatine  und  andere  benennungen  von  Kleidungsstücken),  s. 
Littre,  suppl. 

Gaserma.  Bei  Furetiere  liest  man:  „Cazernes,  ce  sont  de  petites 
chambres  bäties  sur  le  rempart  des  vüles  de  guerre  pour  loger  les  soldats 
de  la  garnison:  on  y  löge  ordinairement  six  soldats,  qui  montent  lagardc 
alternativement"  Es  mögen  wohl  ursprünglich  diese  räume  für  vier  mann 
bestimmt  gewesen  sein;  auf  dieser  annähme  beruht  die  etymdogie  prov. 
cafcerna  {zu  schließen  aus  dem  vb.  descazemar)  =  lat.  quaterna,  welche 
Gaston  Paris  in  den  Mim.  de  la  Soc.  de  lingu.,  I,  287  niedergelegt  hat. 

Gasipola.  Diezens  ableitung  des  sp.  casulla  aus  ndat.  casala 
widerstreitet  der  accent  (s.  baüle),  daher  vermuthet  Storm  folgenden  bil- 
dungsprozeß :  casüpola-casupla-casubla-casulla,  indem  er  auf  sp.  enjullo 
=  insubulum  hinweist.  Das  altfr.  casule  ist  nach  Bugge  dem  span.  ent- 
lehnt, oder  vielmehr,  meint  Storm,  da  es  schon  im  13.  jh.  erscheint,  ein 
latinismus.    S.  Bomania  V,  174. 

Cassa.  Ich  stelle  castone  (woraus  fr.  chaton)  lieber  eum  dtschen 
kästen,  das  dieselbe  bed.  hat.  Auch  scheint  mir  incastrare  nicht  hieher 
zu  gehören,  s.  mein  Biet.  v.  encastrer. 

Gataletto.  8.  über  das  wort  auch  Mussafia  Jahrb.  XII,  HO  (ge- 
legentlich einer  von  mir  berührten  franz.  form  carlit). 

Cavallo.  Lat.  equa  ist  im  altfr.  regelmäßig  vertreten  durch  (das 
von  Diez  unter  solive  angeführte)  ive,  vgl.  ivel  =  aequalis.  Das  im 
LR.  belegte  aigue  scheint  ein  masc.  zu  sein.  —  Unter  den  abll.  verdiente 
wohl  fr.  chevalet  gerüst,  bock,  folterbank  eine  er  wähnung,  vgl.  lat.  equuleus- 

Cicero.  Aus  den  formen  mit  n  ist  nicht  deutlich  zu  ersehen  ob 
blos  cicer  (r  zu  n)  oder  cic  +  suffix  Tnus  gemeint  ist,  wo  dann  in  c6cero 
n  zu  r  geworden  wäre,  wie  in  amassent  amassero.  Schuchardt  VcJcal. 
II,  265  ist  anderer  ansieht:  in  kyknus  schob  sich  epenthetisches  i  ein: 
kykinus  und  daraus  c6cino,  cäcero.  So  auch  Flechia  in  der  Rivista 
di  fil.  class.  Iy  399  und  Mussafia,  Beitr.  124. 

Celata.  Nach  Canello  (Rivista  II,  111)  nicht  von  caelare,  sondern 
ton  celare  hehlen,  bergen;  seine  argumente  sind  trev.  cel  Ina  und  die 
logische  ancUogie  der  deutschen  Wörter  heim  (von  hehlen)  und  hat  (von 
hüten),  lieber  die  endung  ata  wird  keine  reckenschaft  gegeben,  mhd. 
salier  durch  *celarium  erklärt. 

Gheto.  Während  cheto  etc.  sich  lautlich  durch  den  schwund  des 
tonlosen  T  von  quietus  vor  dem  betonten  e  (vgl.  partetem-parete-paroi)  er- 
klärt, ist  bei  quitus  ein  anderer  Vorgang  anzunehmen.  Es  dürfte  hier  das 
adjeetiv  aus  dem  vb.  sich  gebildet  haben,  und  fr.  quitier,  quitter  auf  dem 
aus  fall  des  tonlosen  e  vor  der  betonten  endsübe  beruhen;  qnietare  wurde 
zu  quitier  wie  pietatem  zu  pittä.  Dasselbe  thema  quit  macht  sich  geltend 
in  altfr.  enquitume  =  inquietudinem;  s.  Darmesteter  Rom.  V,  152.  — 
Die  existenz  eines  lat.  vb.  quietare  erweist  sich  aus  den  von  Rönsch  be- 
legten Substantiven  quietator  und  quietatio. 


ANHANG  I.   CIARLATANO-CONFORTARE.  715 

Giarlatano.  Das  glbd.  cerretano  leitet  Bönsch  (Jahrb.  XV,  200) 
vom  sinnverwandten  lat.  cerritus  wahnwitzig,  verrückt;  eine  bildung  cer- 
ritaneus  sei  ebenso  denkbar  als  conditaneus  von  conditus. 

Gi ca.  Wenn  die  jetzt  übliche  bed.  von  chicane  wirklich  vom  kolben- 
spiel  herrühren  sollte,  so  dürfte  dieses  wort  allerdings  orientalischen  Ur- 
sprungs sein,  etwa  pers.  tschaugan  Möpfel;  mgr.  zCvxaviov  heißt  maülc- 
spiel,  s.  Littre  u.  Devic. 

Cima.  Die  span.  adverbiale  zss.  encitna  (vgl.  cdtfr.  engon,  in  summo) 
stand  bisher  im  index,  fehlte  jedoch  im  texte  edler  ausgaben. 

Gobrar.  Gegen  die  Diez'sche  etyntologie  (re)-cuperare  ließe  sich, 
was  altfr.  coubrer  betrifft,  das  ungewöhnliche  b  statt  v  einwenden;  warum 
coubrer  neben  recouvrer?  Einfaches  couvrer  belegt  G.  Paris  aus  dem 
16.  Jh.  in  den  Chansons  du  15e  siecle,  p.  76.  —  Das  in  IL  c  behandelte 
altfr.  combrer,  gl.  bed.,  halte  ich  für  eine  rhinistische  form  von  cobrer, 
coubrer,  s.  m.  anm.  zu  Enfances  Ogier  2752. 

Cogliere.  Der  bed.  nach  verschieden  vom  sp.  escoger  ist  altfr. 
escueillir  loslassen,  fahren  lassen  (ein  pferd,  einen  pfeU),  sbst.  escoeil 
anlaufj  schwung. 

Coitare.  Ein  altfr.  ende  (von  cuidier)  ist,  wenn  es  wirklich  vor- 
kommt, jedenfalls  unregelmäßig;  der  diphthong  ui  ist  geboten. 

Coltrice.  Fr.  courte-pointe  bettdecke  ist  für  coute-pointe  = 
euleita  puneta. 

Combo.  Storm  bestreitet  ein  etymon  coneavus;  concVo  könne  cor- 
reet  nur  conquo,  niemals  combo  erzeugen.  Letzteres  wäre  höchstens  für 
ein  spät  eingeführtes  wort  denkbar,  indem  allerdings  die  sard.  mundart 
Wandlung  von  ngu  in  mb  zulasse  (z.  b.  sambene  aus  sanguinem).  Er 
befürwortet  daher  die  eilte  deutung  durch  cymba,  cumba;  wegen  des  be- 
griffsübergangs  citiert  er  scapha  kleines  schiff  und  scaphium  becken; 
schiff  und  theibecken  seien  nah  verwandte  begriffe;  auch  gr.  xvfußog  sei 
für  jede  Vertiefung  oder  höhlung  gebraucht  worden.  Es  sei  übrigens  auch 
ein  gallisches  cumba  (s.  Glück,  Celt.  namen  bei  Caesar,  s.  28)  in  erwägung 
zu  ziehen.  Bugge  unterstützt  cumba  durch  folg.  Zeugnisse:  Cumba,  locus 
imus  navis  Lsid.  Orig.  XIX,  2,  1;  cumba  locus  [imus]  navis,  Gloss. 
Plac.  ed  Duerling  XXU,  1.    S.  Rom.  V,  175. 

Gome.  Littre  bezweifelt  die  Zusammensetzung  quomodo-mente  (wo- 
raus comment),  weil  sich  nirgends  eine  form  commement  zeige;  allein 
ment  wurde  nicht  der  volleren  form  comme,  sondern  der  kürzeren  com 
angefügt.  Seine  auffassung  von  comment  als  quomodo-inde  scheint  daher 
abgewiesen  werden  zu  müssen. 

Cominciare.  8.  über  die  gestaltungen  dieses  Wortes  in  den  ital. 
mundarten  Mussafia  Beitrag  69  und  Flechia  Post.  et.  356.  Der  letztere 
bemerkt,  das  hier  erwähnte  sard.  ineumbenzai  sei  =  it.  ineumbenzare 
und  abgeleitet  von  ineumbenza  (von  ineumbere). 

Gonfortare.  G.  Paris  glaubt  mit  recht,  daß  die  bedd.  von  con- 
hortari  und  confortare   zuweilen  vermengt   worden  sind;  St.  Leger  20* 


710  ANHANG  I.   CONTRATA    CUPIDO. 

(Rom.  I,  310J.    Es  halt  übrigens  schwer  mit  Diez  im  pr.  conortar  aus- 
fall  des  f  anzunehmen;  bei  preon  (profundus)  ist  das  f  anders  gestellt. 

Gontrata.  Rönsch  belegt  aus  den  gromatikern  die  analogen  par~ 
ticipial-adj.  citratus  und  ultratus,  so  wie  die  sbst.  citratum,  ultratum; 
Jahrb.  XIV,  337. 

Corbacho.  It.  corbaccio,  titel  einer  prosaschrift  Boccaccio' s,  sonst 
nicht  weiter  vorkommend,  ist  dasselbe  wort,  wie  schon  Fr.  Schlegel  meinte; 
Schuchardt,  Jahrb.  XII,  114. 

Corruccio.  Das  etymon  cholera  ist  aus  mehreren  gründen  un- 
haltbar; it.  corrotto  trauer,  leidwesen,  altfr.  corropt  (St.  Leger  18c),  corrot 
(Renart  22511)  weisen  auf  corruptare,  dagegen  corruccio,  corrotz,  cour- 
roux  auf  corruptiare.  Wie  corrumpere  zu  dieser  bed.  kommen  konnte, 
lehrt  deutlich  die  analogie  des  fr.  älterer,  deutsch  ärgern,  eigenÜ.  ver- 
schlimmern; s.  auch  Littre  v.  courroux,  und  G.  Paris  zu  St.  Leger 
(Rom.  I,  309). 

Gortina.  Grundbegriff  des  classischen  Wortes  ist  rundung  und  hat 
wohl,  ineint  Storm,  nicht  in  chors,  sondern  im  gr.  xvQrog  rund  seinen 
Ursprung  (Fick,  s.  441).  Bugge  dagegen  behauptet,  xvQvog  hätte  curtina 
ergaben  (vgl.  curvus)  und  glaubt  cortina  sei  zsgz.  aus  covortina  (vgl. 
unibr.  covortus,  courtut);  es  seien  folglich  das  rom.  und  das  class.  cortina 
aus  einander  zu  .halten;  s.  Rom.  V,  176. 

Croccia.  Die  von  Diez  gegen  das  etym.  fr.  croc  (besser  hieße  es 
gegen  das  gemeinrom.  *croccuin)  erhobenen  bedenken  beseitigt  in  scharfer 
auseinander setzung  Förster  in  Grob.  Ztschr.  II,  88.  Wie  ich  gleichfalls 
im  Dict.  gethan,  äußert  sich  F.  zu  gunsten  eines  typus  *crocceus,  dem 
allein  das  offene  o  der  rom.  Wörter  genügt.  Auch  •  das  dtsche  krucka, 
krücke  verlange  ein  etym.  *croccum.  Dagegen  enthält  die  von  Diez  s.  v. 
croc  II.  c.  unbeanstandete  ableitung  von  crochu  und  crochet  aus  croc 
eine  Unregelmäßigkeit,  welche  F.  dadurch  aus  dem  wege  schafft,  daß  er 
letztere  direkt  aus  dem  fem.  croche  =  *crocca  (adj.  und  sbst.  s.  Littre) 
hervorgehen  läßt.  Daß  übrigens  für  nfr.  crochu  in  der  alten  spräche 
crocu  gebraucht  wurde  und  die  Schreibung  cro<ju  der  edüoren  als  eine 
willkürliche  zu  betrachten  ist,  weist  F.  mit  triftigen  gründen  nach. 

Cuccagna.  Beachtung  verdient  das  wort  in  folg.  anwendung: 
Qui  talent  ont  de  faire  ä  nos  engaigne  Et  qui  bien  cuident  trouv^e 
avoir  cokaigne  Adenet,  Enf.  Og.  5621;  es  entspricht  dem  sinn  „reiche 
beute". 

Cuccio.  Auch  das  altfr.  kennt  das  wort;  s.  Scheler  zu  Baud. 
Conde  161,  269,  wo  wohl  gous  st.  gons  zu  lesen,  und  Jean  Conde  II,  71, 
720;  75,  870,  wo  beidemale  besser  goueös  st.  gonces  stünde.  Im  patois 
d'Auch  heißt  gous  ein  großer  hund. 

Gupido.  Lot.  cupiditatem  ist  wiedergegeben  durch  altfr.  couvoitiö; 
Quenes  de  Bethune:  Plus  en  croisa  couvoitiös  que  creance,  s.  m.  Trau- 
vires  beiges  13,  30,  wo  ich  es  irrthümlich  als  ein  partieipiedsubst.  (wie 
pensä)  erklärt  habe.  —    Wenn  couvoittä  wirklich,   wie  Tobler  (Gott.  gd. 


ANHANG  I.  DESINARE-EBMO.  717 

anz.  1877,  s.  1618)  aufstellt,  lat.  cupiditatem  darstellt,  müssen  wohl 
auch  die  vbb.  cubitar,  cobeitar,  altfr.  covoitier  (nfr.  convoiter)  durch  cu- 
piditare  erklärt  werden.  Ist  dieß  unbedingt  anzunehmen?  Oder  liegt 
nickt  vielmehr  cupitare  eu  grund?  Die  Wandlung  von  id't  eu  eit,  oit 
scheint  mir  bedenklich. 

Desinare.  Der  ergründung  dieses  Wortes  haben  in  der  neuesten 
seit  wieder  mehrere  competente  romanisten  ihren  Scharfsinn  zugewendet, 
und  wir  haben  hier  drei  neue  etyma  einzuzeichnen.  1.  Storni  (Born.  V, 
177)  geht  aus  von  *discoenare,  einem  an  disjejunare  angelehnten  compo- 
situm; hieraus  zunächst  discenare,  dann  dissenare,  desinare  und  disinare, 
endlieh  disnare.  Die  möglichkeit  eines  s  aus  sc  in  der  nicht  syneopierten 
form  desinare  wird  hierbei  nicht  auf  pusigno  gestützt,  welches  regelmäßig 
pascigno  lauten  sollte,  sondern  auf  den  umstand,  daß  desinare  ein  speciett 
oberital.  wort  sei.  —  2.  Prof.  Suchier  (Gröbers  Ztschr.  I,  429)  befür- 
wortet eine  schon  im  17.  jh.  aufgetauchte  ansieht,  wornach  discus  tisch, 
mlat.  speziell  eßtisch,  discinare  und  die  übrigen  formen  hervorgerufen 
habe.  Es  wird  hierbei  auf  altfr.  faisner  aus  fascinare  hingewiesen,  aber 
Iceine  rücksicht  darauf  genommen,  daß  sich  bei  solcher  lautlichen  gestal- 
tung  im  altfranz.  die  form  disnier  (wie  faisnier)  vorfinden  müßte.  Man 
könnte  nun  freilich  annehmen,  daß  digner  diese  erweichte  form  vertrete, 
aber  gerade  in  diesem  gn  erkennt  Suchier  keine  mouillirung,  sondern  er- 
blickt in  g  einen  selbstständigen  laut  wie  d  (in  didner  LRs.  III,.  18,  41), 
welches  d  das  schon  im  12.  jh.  zur  verstummung  geneigte  s  zu  ersetzen 
bestimmt  war  (vgl.  adne,  maidn£e);  nur  wo  i  dem  s  vorausgeht,  sei  statt 
d  auch  g  eingesetzt  worden  (vgl.  maigniäe,  ignel).  Mir  scheint  im  gegen- 
theü  g  statt  d  nach  i  mouillirung  anzuzeigen,  was  dem  vorgeschlagenen 
etymon  discinare  tafeln,  speisen  zu  statten  käme.  —  3.  Eine  dritte  con- 
Jectur  wird  von  Rönsch  in  derselben  Ztschr.  (I,  418)  also  dargelegt:  es- 
care  zu  escinare  erweitert,  daraus  deescinare  (=  abfüttern),  descinare 
u.  s.  w.  Dieses  etymon  erkläre  vortrefflich,  meint  Rönsch,  die  construetionen 
il  est  mal  din6  (=  male  escatus  est),  disner  qqn.  de  qqch.,  und  den 
reflexivgebrauch  se  disner.  —  Sowohl  der  zweite  als  der  dritte  der  obigen 
deutungsversuche  leidet  an  dem  mangd,  daß  ein  verbalsuffix  inare  regel- 
widrig ist. 

Dirupare.  Eine  analoge  bildung  ist  it.  dirocciare,  altfr.  desrochier 
gl.  bed.  (s.  rocca). 

Diviso.  Man  vermißt  hier  nfr.  deviser  plaudern,  eine  interessante 
begriffsentwicklung  (s.  mein  Dict). 

Drappo.  Scheint  mir  zu  einem  dtschen  etymon  trappen  treten  sehr 
tßoht  zu  passen;  auch  lat.  fullo,  eig.  walker,  heißt  tuchbereiter. 

Du  ca.  Wie  altfr.  duchä  feminin  werden  konnte,  erklärt  Scheler 
im  Glossar  zu  Froissart  (s.  auch  Bueves  de  Comm.  glossar).  Die  älteste 
form  war  duchete  =  *ducitatem;  daraus  das  häufig  gebrauchte  dachet, 
zuletzt  dachte  und  duchä.    Durch  analogie  dann  auch  la  cointä. 

Erino.    Davon  abgel.  altfr.  enhermir  verwüsten. 


718  ANHANG  I.   ESCA-FEGATO. 

Es  ca.  Dem  sp.  enescar  entsprechend  findet  sich  auch  altfr.  enesser, 
anesser  (s.  m.  Trouveres  beiges,  s.  321). 

Escanciar.  Zum  hier  angeführten  cdtfr.  eschancier  sucht  Tobler 
(Mitth.  I,  262)  einen  beleg;  an  einer  stelle  seines  Aubery  findet  er  da- 
gegen ein  vb.  eschangier,  das  sich  mit  der  bed.  einschenken  wohl  verträgt. 

Escire.  Zu  erwähnen  war,  daß  altfr.  issir  noch  im  part.  issu  und 
sbst.  issue  fortlebt. 

Es  mar.  Schuchardt  (Jahrb.  XII,  114)  erblickt  in  azzimare  eine 
pberital.  form  von  acciniare,  das  in  Mittel-Italien  frisieren  heißt  und  von 
cima  gipfel,  höchstes  einer  sache,  köpf,  tuchleiste  (cimare  abstützen,  köpfen) 
abzuleiten  ist;  figürl.  cima  d'uomo  =  ein  prachtmensch.  —  Ist  auch 
pr.  sesmar  Flam.  7795  (ordnen,  befestigen)  hier  einzuordnen?  sesmar  von 
azesmar,  wie  sermar  von  azermar? 

Estribo.  Fr.  6trier  ist  nicht  aus  estrivier  zusammengezogen,  wo- 
ran Dies  selbst  anstoß  nimmt,  sondern  es  scheint  zu  den  fällen  zu  ge- 
hören, wo  eine  Wandlung  der  endung  ieu  in  ier  vorgegangen  ist:  estrieu 
wurde  estrier,  wie  Poitieus  Poitiers,  Angieus  Angiers,  nieus  (altfr.  = 
neffe)  niers ;  s.  G.  Paris  Rom.  V,  380,  Tobler,  Jahrb.  XV,  262,  Sudiier 
Grob.  Ztschr.  I,  430. 

Falavesca.  Auch  it.  mundarten  kennen  statt  falavesca  die  con- 
trafhirte  sp.pg.  form  fal[iv]isca;  so  friaul.  fallisce,  bellun.  folis'ce,  fulis'ce 
und  vielleicht  com.  firascola,  wo  fira  für  fari  und  dieses  für  fali  stünde; 
Mussafia,  Beitr.  54,  anm.;  s.  auch  Flechia  Post  et.  343. 

Falda.  lieber  ein  it.  vb.  afaldare  in  falten  legen,  s.  Mussafia, 
Beitrag  23. 

F  al  6.  Das  fr.  falot,  das  heute  noch  fackd  heißt,  ist  wohl  besser 
vom  altfr.  faille  =  lat.  facula  abzuleiten,  s.  Littre. 

Fardo.  Arab.  fard  heißt  einer  der  beiden  theile  eines  zwiegetheiUen 
gegenständes,  und  so  namentlich  einer  der  beiden  die  last  eines  kameds 
ausmachenden  packe  oder  ballen;  daraus  die  bed.  bündel,  last  des  roman. 
worts;  Devic,  Dictionn. 

Fascio.  Flechia  365  hält  fastello  für  zsgz.  nicht  aus  fascetello 
(bildungen  dieser  ort  seien  selten),  sondern  van  fasciatello  oder  fascitello; 
für  ersteres  spreche  das  ferrar.  fassadel  neben  fasdel. 

Fastidio.  Die  annähme  einer  ableitung  fasticare  ist  wohl  nicht 
nöthig;  das  sehluß-c  oder  g  in  fastig,  fastic  (woraus  vb.  fastigar,  fasti- 
car,  adj.  fastigos)  ist  analog  dem  g  in  pr.  meg  (medius),  dem  c  m  aloc 
(s.  alodio)  und  in  aspic  (das  ich  mit  donidwv  erkläre). 

Fägato.  Weder  pr.  fetge,  noch  fr.  foie  lassen  sich  auf  ffcatuni 
zurückführen;  ersteres  findet  seine  erklärung  in  einer  aus  figido  (bclan. 
feghet)  umgestellten  form  fidicum,  woraus  auch  piem.  fidich,  bergam. 
fidech,  lomb.  fidegh,  röm.  fedico.  Dasselbe  fidicum  ergab  ferner  einer- 
seits fr.  fie,  foie,  wie  medicus  mie;  andrerseits  altfr.  firie  (Ch.  Rol.  1278), 
wie  medicus  mirie.  S.  G.  Paris  Born.  VI,  132,  vgl.  mit  Tobler  Zeitschr. 
XXIII,  415  und  Mussafia  Beitr.  57. 


ANHANG  I.   PELLO-FRANCO.  71Ö 

Fello.  Wenn  sich  kein  ital.  fella  findet,  so  giebt  es  beispide  von 
alt  fr.  feie;  so  Baud.  Cond.  140 \  194;  daraus  auch  adv.  fellement 

Felpa.  Wenn  fr.  felpe,  feupe  eine  nebenform  von  ferpe  =  fripe 
und  dieses  wirklich  von  fibra  faser  herzuleiten  ist  (s.  unten  II,  c  friper), 
so  darf  auch  felpa  zu  fripe  gestellt  werden;  s.  Bugge  Rom.  HI,  148. 

Fi no.  Die  stelle  im  Gormond  ist  von  Oachet  ganz  falsch  ver- 
slanden worden:  en  dol  finä  heißt  €mit  schmerzen  geendigt*  (finer  sterben). 

Follare.  Toller  hat  in  scharfsinniger  weise  dargethan,  dass  ältfr. 
afoler  wegen  seines  stets  als  offen  behandelten  o  von  fouler  mit  geschlos- 
senem o  zu  trennen  ist,  Zeitschr.  XXIII,  419.  Das  wort  bedeute  übrigens 
nicht  sowohl  „beschädigen,  verderben11  im  allgemeinen,  sondern  „ein  leid, 
einen  schaden  am  leibe  anthun11  und  werde  nur  mit  persönlichem  objecte 
verbunden.  Zu  dieser  bedeutung  kommt  das  wort,  meint  Tobler,  von 
der  ursprünglichen  'zum  narren  machen,  in  der  weise,  daß  mit  „narr11 
derjenige  bezeichnet  wird,  der  im  kämpfe,  oder  einem  stärkeren  gegenüber 
auch  sonst,  sich  als  ohnmächtig,  nicht  widerstandsfähig  erwiesen  hat  (ähn- 
lich wird  mat  gebraucht).  Es  ist  also  im  gründe  gleichbedeutend  mit 
tenir  pour  fol  „einem  übel  mitspielen11,  wofür  mehrere  belegsteilen  geboten 
werden.  Tobler  stellt  auchprov.  afolar,  obgleich  es  eine  freiere  Verwendung 
erfahren,  zum  altfr.  afoler;  ebenso  altspan.  afollar.  Zur  erhärtung  dieser 
ansieht  hat  Schder  (Bastart  de  Buillon,  zu  v.  1058)  auch  auf  den  gebrauch 
des  subst.  folie  im  sinn  von  Schädigung,  verderben  aufmerksam  gemacht, 
so  wie  auf  folier  bei  Froissart  =  aler  ä  folie  'sich  ins  verderben  stürzen. 

Folie.  Im  altnord.  findet  man  das  wort  ölr  trunken  für  narr  ge- 
braucht; daraus  Schlüssen  einige,  das  roman.  wort  sei  das  deutsche  voll, 
goth.  fulls,  s.  Jhrb.  XIII,  225. 

Foro.  Einzutragen  wäre  hier  das  nfr.  für  (in  der  redensart  au  für 
et  ä  mesure),  das  sich  doch  nicht  anders  als  durch  altfr.  feur  taxe,  preis, 
verhältniß,  weise,  erklären  läßt.  Auch  die  fr.  redensart  ä  forfait  zu  festem 
preise,  in  bausch  und  bogen,  gehört  hieher. 

Fracassare.  Vgl.  Caix  Grob.  Ztschr.  I,  423,  der  eine  composition 
frac  +  quassare  vermuthet. 

Fragrare.  Im  nfr.  fleurer  glaubt  Suchier  (Ghrob.  Ztschr.  I,  431) 
mehr  als  eine  angleichung  an  fleur  erkennen  zu  müssen;  er  läßt  es  aus 
dem  von  Gachet  nachgewiesenen  altfr.  sbst.  fleur  geruch  hervorgehen  und 
stellt  letzteres,  für  dessen  zweisilbigkeit  er  belege  anführt,  zu  einem  lat. 
flatorem,  das  auch  it.  fiatore  (Rivista  di  f.  r.  II,  80)  erzeugt  hat.  — 
JOieses  vorausgesetzte  flätor  hat  auch  dem  engl,  fla-v-our  sein  entstehen 
gegeben,  mit  welchem  schon  Ascoli  Ztschr.  f.  v.  spr.  XVII,  310  unser 
fleur  in  Verbindung  brachte,  und  das  Littre  suppl.  irriger  weise  mit  lat. 
fragrorem  identißeiert. 

Fr  an  co.  Einen  interessanten  Sprößling  dieses  Wortes  hat  Diez  un- 
berührt gelassen,  nämlich  das  erst  im  16.  jh.  auftauchende  vb.  franchir 
überspringen,  übersteigen.  Es  ist  hierin  eine  naehahmung  des  glbd.  lat. 
ausdrucks  liberare  nicht  zu  verkennen. 


720  ANHANG!  FRANGIA -GARBUGLIO. 

Frangia.  In  einem  ital.-dtschen  glossar  des  15.  jh.  findet  sich 
franbe  „ein  willkommener  beleg  für  die  mittelform  stoischen  frimbia  (oder 
framea)  und  frangia",  Mussafia  Beitr.  59. 

Froncir.  Sbst.  fronce,  von  dem  auszugehen  ist,  könnte  sich  zu  dem 
vorhandenen  ronce  (=  disch.  runze)  verhalten,  wie  froncher  (II.  c)  m 
ronchier  (s.  roncar  IL  b).  Angleichung  an  front  ist  dabei  auch  denkbar. 
S.  auch  m.  anm.  au  Bast,  de  BuiU.  570. 

Gabbano.  Ist  das  nfr.  caban,  demLittre  arab.  Ursprung  zuweist, 
wirklich  dasselbe  wort?  'Aba  heißt  arab.  grobes  tuch  zu  mänteln,  dann 
mantel  (vorn  offen  und  ohne  ärmel) ;  andere  deutungen  sehe  man  bei  Devk. 

Gabbo.  Neben  gs^p  hat  das  attfrane.  ein  abgel.  gabois  (ois  =  stifjßx 
ensis),  wie  man  auch  bnfois  trifft. 

Gabe  Ha.  Das  argument  gegen  das  arab.  etymon  widerlegt  Bevit 
durch  berufung  auf  die  ital.  nebenform  caballa,  cabella;  übrigens  sei 
Wandlung  von  arab.  q  zu  g  nicht  so  gar  selten,  z.  b.  in  algodon  von  qoton. 

Gaglioffo.  Eine  andere,  aber,  bemerkt  Mussafia  (Beitr.  61),  wenig 
überzeugende  deutung  von  sp.  gallofa  gibt  GdLvani  (Glossario  modetiese), 

Gale  Wohlleben.  Dieses  ursprünglich  mit  w  anlautende  wort  bringt 
Suchier  (Grob.  Ztschr.  1,  431)  lieber  mit  engl,  weal,  oder,  mit  grösserer 
Wahrscheinlichkeit,  mit  mittel-nl.  wale  in  Verbindung. 

Galoscia.  Schder's  deutung  von  galoche  durch  calopodia  ca- 
lop'dia  pflichtet  G.  Paris  bei  (Rom.  III,  113),  indem  er  eine  mittelform 
calopia  voraussetzt;  s.  auch  Mussafia,  Beitr.  62. 

Gamba.  Die  Übersetzung  des  lat.  gamba  durch  ungula  erklärt 
Rönsch  (Jahrb.  XV,  174)  für  irrig;  er  weist  dagegen  die  bed.  fessel  nach, 
aus  welcher  erst  die  rom.  'der  theil  des  beins  über  dem  hufgelenke  her- 
vorging. — •  Das  fr.  gamache  soll  nach  Devic  aus  dem  attsp.  gnadamaci 
'ein  zuerst  in  Gadames  (Tripoli)  und  später  in  Spanien  bereitetes  leder 
herkommen;  daraus  ebenfalls  der  in  Südfrankreich  für  grosse  r eiterstief d 
gebrauchte  ausdruck  garamaches  (gorromatzos). 

Garbo.  Dem  nfr.  galbe,  das  gewöhnlich  mit  garbo  identificiert  wird 
(Littre,  Scheler,  Brächet),  weist  Diez  II.  c  einen  gesonderten  Ursprung  an. 

Garbnglio.  Caix  in  seiner  abhandlung  über  die  doppelstämmigen 
mischwörter  (Gröbers  Ztschr.  I,  424)  deutet  dies  wort  durch  groppo  + 
bnglio.  Er  stützt  sich  hierbei  namentlich  auf  it.  aggrovigliare  sich  ver- 
wickeln, zusammenschrumpfen,  das  auf  ein  therm  grob  hindeute,  woraus  grab-, 
garb-.  Das  zweite  dement  zeige  sich  in  snb-buglio,  scom-buglio  Ver- 
wirrung, guazza-bnglio ;  es  scheine  also  unser  compositum  von  Italien  aus- 
gegangen zu  sein.  —  Auch  Carolina  Michaelis  (Studien  zur  rom.  wart- 
schöpf.  51 — 54)  bespricht  garbuglio  in  ausführlicher  weise;  sie  bestreitet 
die  Diez'sche  deutung  (und  somit  auch  die  von  Caix),  „weil  eine  gemein- 
romanische  composition  dieser  art  nicht  ein  einziges  mal  vorkommt,  das 
span.-pg.  wort  aber,  wie  seine  zahlreichen  ableitungen  beweisen,  nicht  erst 
dem  italienischen  entlehnt  sein  kann.u  Auch  der  ausfdtl  eines  bindevocals 
(es  müßte  sp.  garribulle  heißen)  spreche  dagegen.    Dem  stamme  grab  garb 


ANHANG  I.   GARGATTA-GRAPPA.  721 

(greifen,  graben,  kritzeln  u.  s.  w.)  wurde  das  suffix  uglio  angefügt,  das 
im  italienischen  oft  benutzt  wurde,  wo  mischmasch  und  Wirrwarr  geschil- 
dert werden  sollte  (doch  gibt  die  Verfasserin  Zusammensetzung  zu  in  guaz- 
za-buglio).  Im  portugies.  hat  ulho  die  gleiche  bestimmung;  dagegen  ist 
span.  ullo,  ujo  in  den  meisten  fällen  bedeutungsloses  füHsuffix  und 
dient  nur  ausnahmsweise  diesem  zwecke.  Es  ist  der  Verfasserin  auch  die 
inconsequenz  Diezens  nicht  entgangen,  wonach  er  hier  gar-buglio  und 
Gramm.  II,  332  garb-uglio  abtheiU. 

Gargatt a.    Weiteres  über  diese  wortgruppe  bietet  Mussafia.  Beitr. 62. 

Garra.  Über  ein  wort  jarret  ,jpoisson  du  genre  des  spares11,  welches 
Littre  s.  v.  jarret  kniebug  verzeichnet,  das  aber  ganz  anderer  herkunft  ist 
(gerres  bei  Plinius),  verhandelt  eingehend  J.  Bauquier  Rom.  VI,  266. 

Gas.  Leo  Meyer  weist  aus  den  Schriften  Van  Helmont's  selbst  nach, 
daß  dieser  das  wort  gas  ganz  willkürlich,  nur  mit  anlehnung  an  das 
chaos  der  alten,  ersonnen  habe;  eine  etymologische  Untersuchung  darüber 
sei  daher  unstatthaft  (Zeitschr.  XX,  303). 

Gas  alba.  Das  vonRaynouard  (LR.  II,  182)  aufgeführte  guaralha 
ist  dasselbe  wort,  heißt  aber  nicht  streit,  sondern  geseüschaft,  Umgang;  P. 
Meyer,  Rom.  IV,  467.  —  Tobler  (Rom.  II,  238)  belegt  auch  vb.  gua- 
zalhar  und  agasalhar  aus  dem  provenz.  An  demselben  orte  verhandelt 
derselbe  gelehrte  über  ein  andres  prov.  gazal  =  mUxt.  gadalis  „meretriaf1, 
von  welchem  altfr.  gaalise,  jaelise  '  Unzucht*  abgeleitet  sind. 

Gazzetta.  Rönsch  erklärt  dieses  wort  als  eine  Umbildung  des  mlat. 
gazetnm  schatzbehäUer,  schatzkästlein  (Gloss.  Maii  VIII,  258)  unter  ein- 
Wirkung  von  gazza  dster;  s.  Jahrb.  XV,  199.  Ansprechend,  aber  un- 
wahrscheinlich. 

Giavelotto.  Tobler  erklärt  javelot  durch  *glavelot,  abl.  von 
glaive  „lanzeu  (Zeitschr.  XXIII,  418);  in  gavrelot  gaverlot  garlot  sei 
das  r  epenthetisch. 

Giga.  Scheler  vermuthet,  es  konnte  sowohl  dem  rom.  giga  geige  als 
dem  fr.  gigue  gigot  bein,  hammelskeule  (hieraus  gigotter  sich  hin  und 
her  bewegen)  als  gemeinschaftliche  quelle  ein  deutsches  verb  mit  der  bed. 
'tretnere^  motitare  zugewiesen  werden,  welchen  sinn  ahd.  geigan,  dem  altn. 
geiga  nach  zu  scMiessen,  wirklich  gehabt  haben  muss.  Vgl.  unten  tru- 
meau  IL  c. 

Gineta.  Nach  Cherbotmeau  (Journ.  asiat.  1849,  1.  sem.  p.  641) 
heißt  das  {hier  auf  arabisch  djerneit. 

Gracco.  Analoge  fälle  zu  gracco  aus  graculus  sind  it.  arbusco 
aus  arbuscula,  vinco  aus  vinculum,  nord-it.  bac  =  bacchio,  aus  bacu- 
lum;  s.  Storm  Rom.  V,  174. 

Gramo.  Neben  dem  transit.  vb.  gramoier  verdienen  auch  die  in- 
trans.  altfr.  a-,  engramir  er  grämen,  sich  ereifern  (s.  Tobler  Mittheil. 
I,  266)  erwähnt  zu  werden. 

Grappa.  Mussafia  (Beitr.  65)  macht  auch  auf  ital.  formen  mit  n 
oder  m  aufmerksam:  granfia,  aggrantiare;  grampa  aggrampare. 

46 


722  ANHANG  I.    GRATA- LANIERE. 

Grata.  Mussafia  (Beitr.  66)  hält  besser  mail.  grella  für  contrahirt 
aus  gradella.    Er  führt  auch  it.  graticella  an. 

Greve.  Littre's  deutung  von  fr.  rengräger  durch  das  alifr.  adj. 
greindre  (grandior)  ist  ein  bedauerliches  versehen. 

Gronda.  Daß  einfaches  grunda  auch  bei  den  Römern  im  gebrauch 
war,  schließt  Bönsch  aus  einer  ghsse  bei  Läbbaeus  I,  83:  grunda  oriyij 
%ai  xo  vniQ  tov  nvlewva  i£ixov  vnbaxsyov.  Das  compositum  findet  sich 
ebendaselbst  I,  177  als  subrunda  inoaxsyov,  p.  179  als  BUgrunda  mit 
den  bedd.  €x#€tj?s,  vnba%syov\  Jahrb.  XIV,  338  und  XV,  198. 

Guadagnare.  In  betreff  des  sp.  guadana  sichel  ist  Card.  Michaelis 
anderer  ansieht:  sie  knüpft  das  wort  an  den  stamm  guad,  guaz  'mit 
einem  scharfen  instrumente  bearbeiten  und  beschneiden ',  aus  welchem  auch 
desguazar  'ein  stück  nutzholz  mit  der  axt  grob  behauen  hervorgegangen, 
und  in  welchem  sie  die  dtsche  wurzeil  hvas  * scharf  (früher  hvat)  erkennt, 
die  sich  in  wetzen  erhalten  hat.  Suffix  aöa  haben  noch  andere  Wörter 
german.  Ursprungs  erhalten.  S.  Jahrb.  XIII,  204. 

G  n  ad  o.  Im  it.  guazzare,  diguazzare  das  ahd.  wazzar  zu  verkennen, 
findet  Caix  (Grob.  Ztschr.  I,  424)  wegen  des  doppelten  z  sehr  bedenklieh. 
—  Fr.  gächer  wird  wohl 'richtig  auf  dtsch.  waskan,  waschen  zurückge- 
führt,  und  ist  von  it.  guazzare  au  trennen,  das  dem  frone,  das  sbst. 
gouache  gegeben. 

Guardare.    Altfr.  esgarder  lebt  fort  im  sbst.  ägard. 

Gubia.  JBugge  halt  das  wort  für  celtisch;  altgall.  gilb  ,f Oratorium 
vd  rostrum",  gilbin  „acumine"  (Zeuß-Ebd  136),  altir.  gulpan  „aculeum" 
Zeuß  60  {für  gulban);  den  stamm  gulb  stellt  er  zum  gr.  yXwpto;  Rom. 
IV,  368. 

Guidare.  Bugge(Bom.  III,  150)  denkt  an  altnord.  vita  (=goth. 
vi  tan)  im  sinne  von  bedeuten,  vorbedeuten;  die  grundbedeutung  des  rom. 
Wortes  wäre  sonach  „die  richtung,  den  weg  zeigen".  Demgemäß  entspräche 
aUn.  viti  zeichen,  anzeichen  dem  fr.  guidon. 

Imbuto.  „Schwerlich  von  in  +  butis,  da  butis  überall  t,  tt  auf- 
weist; könnte  es  nicht  von  imbuere  sein,  mit  activer  bed.  des  pari,  pass.?" 
Mussafia,  Beitr.  89,  anm. 

Imprenta.  Ein  franz.  emprienter  fand  ich  in  Baud.  Cond.  292, 
702  („S'a  mon  euer  si  emprientö  Dou  saiel  de  la  grant  biaat6");  die 
form  erinnert  an  friente  aus  fremitus,  so  daß  ein  prototyp  impremitare 
nicht  schlechtweg  abzuweisen  ist. 

Lacayo.  Die  nach  Menage  aus  Froissart  angeführte  stelle  kann 
ich  nicht  finden.  —  Littre  zieht  das  wort  aus  dem  arabischen. 

Laniere.  LittrS  möcJde  auch  fr.  laniere  schmaler  riemen  flam- 
beau  de  cuir  dtchiri')  von  laniare  ableiten,  aber  dem  steht  die  active  bed. 
eines  typus  laniaria  von  vornherein  im  wege.  Übrigens  hat  er  recht,  wenn 
er  mein  etymon  lana  (laniere  wäre  zunächst  ein  wollener  riemen)  an- 
zweifelt; auch  habe  ich  meinen  irrthum  in  meinen  l  Fragments  d'un  roman 
sur  la  reine  SebOe*  (Bull,  de  VAc.  roy.  de  Belgique  2e  Serie  t.  XXXIX) 


ANHANG  I.   LASCIARE-MALVAGIO.  723 

bekannt  und  dort  laniäre,  ursprünglich  stets  lasniere  geschrieben,  auf  lat. 
lascinia  bezogen.  Wenige  monate  vor  mir  hatte  dies  schon  seinerseits 
Bugge  (Rom.  III,  154)  gethan.  In  den  Rom.  Studien  I,  437  findet  sich 
das  grundwort  lasne  {nebst  lasnete)  genannt 

Lasciare.  Identität  zwischen  fr.  laier,  lomb.  laga,  tose,  laggare 
lassen  und  largare  =  laxare  habenas,  fahren  lassen,  frei  lassen  sucht 
nachzuweisen  Caix,  Rivista  II,  1 74 ;  für  den  ausfaü  des  r,  der  jedenfalls 
bedenken  erregt,  citiert  er  das  vereinzelte  beispiel  spago  für  spargo  aus 
sparticus. 

Lazaro.  Bemerkenswert  ist  die  altfranz.  form  lazre  Trist.  2,  s.  24 
und  Besant  de  Dieu  1061. 

Lendine.  Die  cot.  form  Uemena  erklärt  Storni  (Rom.  V,  179) 
also:  "lendena,  lenena  (n  für  nd  ist  regelmäßig  im  cated),  durch  dissi- 
milation  *lemena. 

Lievito.  Flechia  Post.  etim.  24  spricht  für  levitare,  aus  dem 
lievito  hervorgehe  wie  invito  aus  invitare.  Ben  einumrf  des  span.  d 
statt  t  beseitigt  derselbe  durch  hinweis  auf  oblidar,  nudar,  dudar  u.  a. 
Ascoli  (Saggi  69)  erklärt  churw.  levont  durch  suffix  -amen  =  on  mit 
epithäischem  t;  s.  auch  Mussafia  Beitr.  74. 

Lonza.  Mit  Wackernagel  stimmt  E.  Forstemann  (Zeitschr.  XXIII, 
382)  über  ein. 

Lordo.  In  der  zss.  balordo  erkennt  Bugge  ad  vocem  falourde  Rom. 
IV,  365  das  pejorative  bis  (vgl.  it.  barlume,  bagliore);  sp.  palurdo  mag 
aus  dem  ital.  eingebracht  sein,  wie  auch  Brächet  für  das  fr.  balourd  (in 
Genf  palourd)  annimmt. 

Lo8a.  Bin  citat  zu  gunsten  einer  celtischen  etymologie  gibt  Lieb- 
recht  Jhrb.  XIII,  226. 

Malato.  Für  ein  etymon  male  habitus  sind  neuerdings  zwei 
gelehrte  aufgetreten,  zuerst  Cornu  (Rom.  III,  377),  dann  Rönsch  (Grob. 
Ztschr.  i,  419).  Ihre  verschiedenen  belege  für  das  classische  habitus 
im  sinne  von  „beschaffen,  gut  beschaffen"  sind  unabweisbar,  und  daß 
die  formet  male  habitus  dem  buchstaben  besser  genügt  als  das  in  seiner 
bed.  gezwungene  male  aptus  kann  nicht  gdäugnet  werden.  Bie  von 
Biet  angerufene  analogie  des  dtschen  unpässlich  ist,  wie  Rönsch  bemerkt, 
nickt  zutreffend,  da  hier  pass  nicht  zu  passen  gehört,  sondern  das  adj. 
bass  vertritt.  Ber  haupteinwurf  läge  im  it.  malato,  aber  Cornu  hält 
dafür,  daß  er  bei  dem  Vorhandensein  eines  doppelten  t  im  sbst.  malattia 
sein  gewicht  verliere.  Bie  form  malabde  in  der  Passion  116  kommt  jeden- 
falls der  neuen  ansieht  vorzüglich  zu  statten.  Auch  atifr.  ate  „wohl  aufge- 
legt, gesund11  hält  Cornu  für  eine  nebenform  von  ade,  vgl.  coude  neben  coute. 

Malvagio.  Bugge  (Rom.  IV,  362)  widerlegt  die  Biez'sche  an- 
sieht auf  grund  der  unzulässigkeit  einer  ahd.  form  balväsi;  er  gibt  daher 
einem  lat.  etymon  den  Vorzug  und  stellt  als  solches  *malvatius  auf  (unter 
vergleich  von  palatium  palais,  citfr.  belais  =  bellatius,  Sarmaise  = 
Sarmatia);    dieses  malvatius  zieht  er  aus  *malvatus,    sp.  malvado,  pr. 


724  ANHANG  I.    MANCO -MICIO. 

malvat,  dttfr.  malvä  (vgl.  it.  crojo  aus  crudus,  sp.  crasio  aus  crassus  u.  a.). 
Trotz  der  beispiele  von  lat.  erweiterung  von  us  zu  ius,  scheint  uns  doch 
ein  fall  wie  der  vorliegende  allzu  vereinzelt  zu  stehen.  Daß  suffix  -atus 
-ato  sich  zu  -atius  -agio  fr.  ais  gestalten  konnte,  müßte  genauer  belegt  werden. 

Man  co.  Statt  des  adj.  manc  hat  Rieh,  li  b.  3774  ein  partic.  es- 
mankiä. 

Mangiare.  „Manjuer  kann  eigentlich  aus  manducare  nicht  ent- 
stehen, sondern  die  formen  wo  duc  betont  ist  (mandüco,  as,  at,  ant)  wer- 
den dasselbe  als  da  (mandue  u.  dgl.)  gestaltet  und  nur  den  die  endung  be- 
tonenden formen  manducare,  -äbam,  -Assem  u.  s.  w.  zu  liebe  das  g  oder  j 
angenommen  haben.  Diese  erklärung  scheint  mir  annehmbarer  eis  die 
von  Diez  gegebeneu  (Tobler^  Bruchstück  aus  dem  Chev.  au  lion,  16).  Also 
ein  thema  manju  bei  unbetonter  flexionssilbey  mang  bei  betonter;  schließ- 
lich hat  letzteres  das  erstere  verdrängt,  ein  Vorgang,  der  sich  auch  bei 
empetrer  neben  empasturer,  bei  parier  neben  paroler  erweist  (s.  parola, 
pastoja).  Vgl.  Rom.  V,  155.  —  Einige  merkwürdige  starke  verbalformen 
des  vb.  manducare  aus  altfranz.  texten  bespricht  Förster,  Grob.  Ztschr. 
I,  562. 

Mare.  Unter  den  abll.  wären  noch  zu  beachten  sbst.  atifr.  marois, 
und  adj.  marage  (s.  m.  anmerkung  zu  Trouveres  beiges  212,  v.  220  Chardons, 
orties,  joins  marages),  -über  dessen  Ursprung  Darmesteter,  Mots  composes 
p.  27,  andrer  ansieht  ist.  —  In  marchais,  pic.  marquais  muß  ein  stamm 
marc  angenommen  werden;  es  scheint  mit  marcassin  (s.  II.  c)  verwandt 
zu  sein. 

-  Marrir.  Caroline  Michaelis  (Jahrb.  XIII,  206)  stellt  sp.  marcana 
Verwirrung,  so  wie  sieü.  ammaragnar  sich  verdunkeln,  it.  marame  aus- 
schuß,  piem.  maroca  brach,  unter  eine  würzet  mar,  welcher  die  grundidee 
der  dunkelheit,  wirre,  Unordnung  anhängt,  und  knüpft  die  genannten  Wör- 
ter an  das  gr.  fiavQog.  Sie  hält  es  für  sachgemäßer  dieselben  von  marrir 
=  goth.  marzjan  zu  trennen. 

Mas.  Altfr.  manant  wohlhabend  hat  sich  erhalten  mit  der  bed. 
c grober  mensch7;  s.  über  die  verschiedenen  dem  warte  beigelegten  bedd. 
Gachefs  Glossar. 

Menzogna.  In  cativonia  nimmt  Mussaßa  suff.  -oneus  an,  und  führt 
aus  den  ital.  mundarten  noch  andere  damit  gebildete  abstraeta  an,  als: 
piem.  ambriacogna  trunkenheit,  tisicogna  Schwindsucht;  Beitr.  74  s.  v. 
levrosonia  aussät z. 

Merluzzo.  Das  it.  u.  sp.  wort  sind  dem  franz.  entlehnt;  fr.  mer- 
luche,  merlus  ist  zsgs.  aus  mer  +  lus  (fem.  luce,  pic.  luche)  =  lucius. 
Vom  alten  sbst.  lus  (s.  Palsgrave  p.  241)  findet  sich  bei  Littre  das  von 
ihm  unerklärt  gelassene  dim.  luset  forelle.  S.  Darmesteter,  Mots  composes 
137  (wo  zweimal  luscius  st.  lucius  steht). 

Mezzo.  Der  Vf.  übergeht  hier  das  fr.  adj.  mi  in  mi-chemin,  mi- 
lieu,  mie-nuit  {jetzt  mi-nuit),  sowie  das  comp,  demi  =•  dimidius. 

Micio.    Fr.  matou  kann  aus  dem  veralteten  mitou  hervorgegangen 


ANHANG  I.   MIRABELLA^ORA.  725 

sein  wie  aronde  aus  hirundo,  oder  es  ist  das  a  unter  einwirkung  der 
synonymen  marcou,  marlou,  marou  (s.  mein  Biet.)  eingetreten. 

Mirabella.  Fr.  myrobalan  ist  wohl  die  richtige  form;  die  all- 
gemein übliche  jedoch  ist  myrobolan,  woraus  das  volh  sogar  ein  adj. 
mirobolant,  fem.  mirobolante  mit  der  bed.  wundervoll,  bezaubernd  sich 
geschaffen  hat. 

Mulino.  Das  hier  erwähnte  pr.  revolinar  erinnert  mich  an  ein 
altfr.  avoliner,  das  ich  in  einem  der  texte  der  von  mir  herausg.  Legende 
de  Ste  Marguerüe  s.  27,  v.  347  in  folg.  fassung  gefunden  habe  und  das 
mir  unklar  geblieben  ist :  Par  grant  aYr  le  va  requerre,  Par  lee  cheveus 
le  trait  ä  terre,  Le  chief  ä  terre  Tavoline  (im  kreise  herumziehen?). 
Förster  (briefl.  mittheilung)  glaubt  es  sei  zu  lesen:  Le  chief  aval  ä  terre 
cline;  dagegen  spricht  der  Zusammenhang. 

Munon.  Dem  bret.  mofi  entspricht  nach  laut  und  begriff  altfr. 
moing,  dem  ich  ein  einziges  mal  begegnet  bin:  Adenet  Buev.  d.  Com. 311 
Tel  coup  donne  an  paien  qne  del  bras  le  fait  moing.  —  Roquefort  gibt 
ohne  beleg  esmougnoner  verstümmeln;  meinerseits  habe  ich  mit  gleicher 
bed.  esmougonner  gefunden  (Jahrb.  X,  258),  aber  Mussafia  (ib.  XII,  111, 
und  Beitr.  107)  stellt  dieses  lieber  mit  einem  höchst  seltenen  altital. 
smogar  verrenken  in  Verbindung,  dessen  Ursprung  noch  unsicher  ist 

Nasturzio.  In  Belgien  wird  die  sonst  mit  capucine,  ätsch,  pfaffen- 
käppchen  bezeichnete  pflanze  mastouche  genannt,  welches  wort  Grand" 
gagnage  wohl  richtig  von  nasturtium  ableitet. 

Naverare.  Herleitung  dieses  rom.  wertes  aus  dem  ahd.  nabager 
ist  nach  buchstaben  und  bedeutung  unstatthaft.  So  urtheüt  richtig  G. 
Paris  (Rom.  I,  216),  indem  er  dafür  folgende  entstehung  conjiciert.  Aus 
dem  dtsehen  narbe  (a.  und  mhd.  narwa,  narwe,  dän.  narv,  schwed.  narf), 
dem  auch  die  bed.  „rauhe  seite  des  leders11  zukommt  (der  vermittelnde 
begriff  wäre  <rüz,  schramme'),  sproß  ein  rom.  subst.  navra,  nafra  (vgl. 
vbvqov  und  nervus),  aus  diesem  das  vb.  naverare,  das  noch  mundartl. 
„aufritzen,  die  innere  seite  der  haut  aufdecken,  beschädigen11  heißt.  Zur 
vollen  gewißheit  käme  diese  vermuthung,  wenn  sich  ein  rom.  nafra  im 
sinne  von  narbe  oder  innere  seite  der  haut  aufspüren  ließe. 

Navilio.  NachTobler  (Rom.  II,  242 J  ist  fr.  navire  von  navigium 
und  =  altfr.  navie  mit  eingeschobenem  r;  s.  mire  IL  c. 

Nu  ca.  Daß  nuque  rückenmark  bedeutete,  belegt  Littre  durch  mehrere 
beispiele;  die  arab.  herkunft  befürwortet  namentlich  Defremery  im  Journ. 
asiat.  aoüt  1867,  p.  182;  sie  möchte  wohl  auch  das  fehlen  des  Wortes  im 
walachischen  begreiflich  machen. 

Ola.  Zu  berücksichtigen  ist  noch  pg.  folla  da  mar.  Devic  möchte 
das  rom.  wort  aus  dem  arab.  ausdruck  baul  schrecken,  der  mit  meer  ver- 
bunden (also  „schrecken  des  meeres11)  stürmische  see  bedeutet. 

Ombelico.  Fr.  lombril  =  nombril  findet  sich  Bestiaire  de  Ger- 
vaise  306  (Rom.  J,  430). 

Ora.    Suchier,   der  auch  anderswo  (s.  oben  anche   und  gier  II.  c) 


726  ANHANG  I.   ORBO-PASTOJA. 

• 

die  existent  eines  archaischen  äblativs  ha  (entsprechend  dem  ho  in  hodie) 
vor  aussetzt ,  schlieft  aus  dem  stets  offenen  o  des  fr.  ore,  und  aus  dempr. 
ara  auf  ein  etymon  ha  hora.  Encore  sei  zsgs.  aus  enc  (=  anche)  und 
ore  (=  ha  hora);  lores  sei  =  illa  hora,  also  hier  auch  das  offene  o  aus 
a  +  o  entstanden ;  s.  Grob.  Ztschr.  I,  431. 

Orbo.  Vom  altfr.  orb  hat  sich  das  dim.  orvet  erhalten  mit  der  bed. 
blindschleiche.  —  Erwähnung  verdient  auch  noch  altfr.  essorber  blenden 
z.  b.  Jean  Conde  I,  153,  57. 

Orlo  rand.  Carol.  Michaelis  (Jahrb.  XI,  294)  glaubt  das  Hol. 
wort  sei  dem  frans,  (masc.  orle)  entnommen,  das  span.  orla  dagegen  un- 
abhängig vom  lat.  ora;  dieses  ora  könne  nur  der  form  orilla  (pg.  ourela) 
zu  gründe  liegen,  das  niemals  in  correcter  weise  im  sinne  von  fr.  ourlet 
gebraucht  werde.  Diese  Scheidung  der  strengen  bed.  zwischen  orla  und 
orilla  veranlaßt  sie  sp.  orla,  wie  it.  orlo,  auf  fr.  orle  zurückzuführen  und 
letzteres  mit  dem  ags.  orl  rand,  säum  zu  identifizieren,  das  seinerseits 
dem  walisisch' gaelischen  or,  oir  entstamme.  —  So  scharf  diese  ansieht 
auch  durchgeführt  ist,  sieht  man  nicht  ein  warum  orle  nicht  eben  so  gut 
von  orulus  oder  orula  herkommen  sollte  als  perle  von  pirala  und 
posterle  (n/V.  poterne)  von  posterula. 

Paese.  Die  franz.  spräche  kennt  auch  pays,  fem.  payse,  mit  der 
bed.  landsmann.  LittrS  irrt  sich,  wenn  er  für  pays  einen  typus  pagesius 
aufstellt 

Palandrano,  mail.  balandran;  daneben  bresc.  crem,  pelanda;  s. 
Mussafia,  Beitr.  86.  Schneller  (Romanische  mundarten  in  Südtirol  HO) 
leitet  das  wort  von  balandra  herumschweifende  person,  taugenichts,  eig. 
wandernd,  pilgernd,  und  vermuthet  es  habe  ursprünglich  einen  püger- 
mantd  bedeutet.  Sein  etymon  ist  ahd.  wallandaere  (Übergang  von  w  zu  b), 
indem  er  lat.  balatro  tagdieb  für  unzulässig  hält.  Über  die  Verwandt- 
schaft von  obigem  pelanda  mit  dem  noch  unaufgeklärten  fr.  houppelande, 
sp.  gopalanda,  pg.  opalanda,  so  wie  über  einen  versuch  zur  deutung  des 
letzteren  von  Bugge,  sehe  man  Mussafia  Beitr.  86  und  Rom.  III,  164. 

Palpebra.  Die  vielgestaltigkeit  der  roman.  formen  rührt  außer  der 
Schwankung  des  accents  von  der  gedoppeUheit  des  etymon;  mehrere  der 
formen  weisen  auf  palpetra,  der  bekannten  nebenform  von  palpebra;  so 
pr.  palpet,  crem.  ferr.  romagn.  palpedra,  neap.  parpetola,  piac.  parpella; 
s.  Ascoli  Ztschr.  XVI,  200  und  Mussafia  Beitr.  85. 

Parola.  Das  altfr.  vb.  paroler  betreffend,  so  ist  erwiesen  worden, 
daß  das  volle  thema  parol  nur  in  den  fällen  tonloser  endung  sich  zeigt 
(je  parol,  ils  parol eut);  ein  infin.  paroler  dagegen  ist  nicht  nachweisbar, 
muß  also  aus  den  Wörterbüchern  gestrichen  werden.  Das  mundartlich  ge- 
brauchte paroler  (pic.)  oder  pairolai  (bürg,  neben  palai)  hat  entweder  die 
begriffsschattierung  'worte  machen,  schwatzen  oder  ist  eine  entsteUung  von 
perorer.  Im  prov.  indessen  wird  sowohl  paraul  als  pari  in  sämrnüichen 
ftexionsformen  gebraucht,  s.  Cornu,  Rom.  IV,  457. 

Pastoja.    Das  von  altfr.  pasture   abgeleitete  verb  war  empestrer 


ANHANG  I.   PATTA-POLTRO.  727 

bei  Manier  endsübe,  empasturer  bei  unbetonter;  dasselbe  verhältniß  also 
,  wie  zwischen  parier  und  paroler  (s.  oben  parola).    S.  Rom.  V,  155. 

Patta.  Neben  sp.  patear  wäre  auch  altfr.  patoier  patschein  zu 
nennen,  Ren.  5866,  und  unier  den  im  folg.  art.  genannten,  zu  derselben 
famüie  und  bed.  gehörenden  verben  hätte  vorzüglich  das  so  übliche  fr. 
patanger  eine  erwähnung  verdient. 

Pelare.  Warum  sollte  denn  fr.  peler  schalen,  die  haut  abziehen, 
nicht  eben  so  gut  von  pellis  abgeleitet  werden,  als  pelisse  und  pr.  pellar? 

—  Von  altfr.  pelain  (Baud.  Conde  179,  100)  =  it.  pelame,  sp.  pelam- 
bre  kommt  wohl  fr.  plamer  ein  feil  aurfetten. 

Pellegrino.  Die  rom.  form  pelegrinus  erscheint  schon  auf  einer 
inschrifi  v.j.  860  (bei  Rossi  I,  p.  82,  nr.  144);  RSnsch  Jhrb.  XIV,  339. 

Perla.  Zu  beachten  sind  die  ital.  ausdrücke  peroli,  piroli  für 
birnenförmige  ohrengehänge,  knöpfchen;  Mussafia,  Beitr.  87. 

Pertugiare.  Die  deutung  von  fr.  percer  durch  pertnsier  ist  eine 
kühriheit  Menage9 8,  die  man  mit  befremden  bei  Diez  wiedertrifft;  schon 
die  picard.  form  perchier  spricht  dagegen.  Meine  frühere  annähme  per- 
cer möchte  aus  per  entstanden  sein,  wie  avancer  aus  abante,  obgleich  von 
Littre  befürwortet,  befriedigt  mich  ebensowenig.  Wohl  stimmte  pic.  per- 
chier, aber  nickt  fr.  percer,  zu  *perticare  'mit  einem  spitzen  steck  durch- 
bohren",  vgl.  empaler  spießen  von  pal;  vgl.  auch  die  form  perchant  Stoßwaffe 
(Bast,  de  Buillon  1710  u.  2778).  Sollte  nicht  auch  in  derselben  weise 
nüat.  traucare,  woraus  fr.  trouer,  in  *trabicare,  also  in  trabs,  seinen 
grund  haben? 

Piato.  Diese  ital.  form  des  lat.  placitum,  plac'tum  kann  nur, 
meint  Ascoli  (Saggi  lad.  81),  auf  grund  einer  zwischenform  piäito  ange- 
nommen werden,  vgl.  die  entsprechende  neap.  form  chiajeto. 

Piva.  It.  piuolo  muß  von  piva  getrennt  werden;  es  entspricht  viel- 
mehr einem  lat.  piriolum  (=  *pijuolo),  welches  letztere,  wie  ngr.  neiqiov 
schraube,  dem  vb.  neiqta  bohren  entstammt;  Flechia,  Post.  etim.  311—317. 

—  Franz.  pivot   leitet  Scheler,  mit    rücksicht   auf  das  begriffsverwandte 
piton,  vom  stamm  pit:  also  pitot,  pi-ot,  pi-v-ot. 

Poledro.  Nach  der  analogie  von'  porcetra  junge  sau  (GeUius 
XVIII,  6)  setzt  Storm  (Rom.  V,  181)  auch  die  existenz  von  pnlletra 
(woraus  pulletrus)  voraus.  Das  e  muß  in  beiden  Wörtern  kurz  und  ton- 
los  gewesen  sein,  wenn  auch  Freund  porcetra  schreibt;  dieses  e  konnte 
einerseits  zu  I  werden,  daher  püllitrus  (Ascoli,  Saggi  lad.  18),  anderer- 
seits  offen  und  betont,  wie  es  dem  in  tenebrae  (sp.  tinieblas)  ergangen, 
daher  it.  potedro,  sie.  puddftru. 

Polizza.  Das  etymon  pollex  erregt  manches  bedenken;  ich  möchte 
eher  das  von  Diez  in  den  zwei  ersten  ausgaben  aufgestellte  polyptichum 
wieder  aufnehmen;  eine  form  poliptium  würde  freilich  nicht  dem  accent, 
doch  dem  buchstoben  genügen;  das  wort  mag  zuerst  einen  registerauszug 
bezeichnet  haben. 

Poltro.     Über  fr.  pleutre  wagt  Bugge  (Rom.  IV,  364J  eine  andere 


728  ANHANG  I.   POTARE-RICAMARE. 

• 

deutung,  nämlich  durch  ahd.  plodar  „degener",  blöder  ,/ormidolosusu, 
altn.  blaudhr  ,}imbellis,  ignavus,  mollis". 

Potare.  Das  alt  fr.  potin  habe  ich  in  meiner  ausgäbe  des  Gormond 
durch  'pfau  erklärt;  die  von  Die*  hier  gegebene  Übersetzung  durch  fhippe*, 
die  ich  bei  abfassung  meiner  anmerkung  unfreiwillig  übergangen  hatte, 
scheint  mir  durchaus  unzutreffend. 

Pote.  Liebrecht  (Jhrb.  XIII,  227)  vergleicht  altn.  pottr  kessel, 
und  su  pot  lippe  engl,  poat  schmollen,  maulen. 

Pozione.    Dem  prov.  poizonar  entspricht  altfr.  puisnier. 

Pregno.  Den  rom.  verben  emprenhar/f.  entspricht  das  bei  Quicherat 
belegte  tat.  impraegnare.  Der  Franzose  hat  nur  noch  die  gelehrte  form 
imprägner;  die  alte  spräche  jedoch  hatte  empraigner,  und  zwar  auch  mit 
intransitiver  bed.}  so  les  voiles  enflent  et  empraignent  da  vent  Guill. 
de  Palerne  4692. 

Prigione.  Auch  alt  franz.  trifft  man  prison  im  sinne  von  er  grei- 
fung, angriff,  so  Baud.  Conde  310, 1231  (im  reime  mit  prison  gefängniß). 
Zu  bemerken  ist  noch,  daß  die  bed.  gefangener  im  ital.,  prov.  (preyo  LR.) 
und  altfr anz.  mit  genuswechsel  verbunden  ist 

Raggio.  Neben  rayer  sagte  das  altfr.  auch  röer;  daher  die  altfr. 
redensart  k  r6e  stromweise. 

Rallar.  Flechiafs  deutung  von  fr.  railler  durch  einen  typus  ragu- 
lare  {aus  ragire  =  bragire,  fr.  braire)  möchte  doch  bedenken  erregen 
(s.  Post.  et.  379  anm.);  der  begriff  kratzen  liegt  ja  auch  in  rampognare, 
vgl.  dtsch.  hecheln. 

Rangifero.  Lappisch-finnisches  raingo  ist  nicht  vorhanden  nach 
Beauvois  (Revue  crit.  1870,  nr.  6  p.  67). 

Rascar.  „Ascoli  (Studii  critici  II,  106)  bestreitet  rasehiare  von 
raöiculare  und  nimmt  ein  altes  rastlum  statt  rastrum  an:  aus  ersterem 
wurde  rasclum  und  rasclare.  Dagegen  scheint  sard.  rasigare  zu  sprechen, 
das  wohl  nur  ras-icare  entsprechen  kann.a    Mussaßa,  Beitr.  93  anm. 

Ratto.  Das  venez.  pantegan  leiten  auch  Mussaßa  und  Flechia, 
auf  grund  der  formen  mod.  pondegh,  mant.  pontga  u.  o.,  von  ponticus 
ab;  s.  Beitr.  69  und  Post.  et.  '370. 

Reame.  Verschieden  von  roiaume  ist  das  von  Diez  unerwähnt  ge- 
bliebene, sehr  häufige  altfr.  royon;  Schuchardt  Vok.  II,  226  weist  letz- 
terem ein  etymon  *regumen  zu,  aber  hätte  dieses  nicht  reün  ergeben  {vgl. 
altfr.  leün  von  legumen)?  Passender  scheint  mir  die  etymologie  regionem 
mit  annähme  eines  genuswechsds  (vgl.  soupgon). 

Regalare.  Zu  gunsten  meiner  ansieht,  wonach  das  vb.  von  gala, 
gale  Wohlleben  herzuleiten,  gibt  Suchier  (Grob.  Ztschr.  431)  den  umstand 
zu  beachten,   daß  im  nprov.  ein  einfaches  galä   mit  ders.  bed.  sich  findet. 

Reganar.  Bedenken  zu  der  Diez' sehen  deutung  der  hier  bespro- 
chenen verben,  namentlich  des  fr.  ricaner,  $.  bei  Littre  und  Schder. 

Ricamare.  Neben  arab.  raqama  stellt  Rönsch  das  ältere  hebr. 
rakam  „TtoiTuXXeiv"  (Exod.  26,  36);  Grob.  Ztschr.  I,  419. 


ANHANG  I.   RIFUSARE-  ROCCA.  729 

Rifusare.  Warum  das  so  nahe  liegende  lat.  ref andere  übergehen, 
das  auf  romanischem  gebiete  durch  refusare  vertreten  wurde,  wie  audere 
durch  ausare,  uti  durch  usare?  Die  bed.  zurücktreiben,  verstoßen  ist  für 
refundere  in  einzelnen  fällen  außer  zweifei  gestellt  S.  Andresen,  Jahrb. 
XII,  113  und  Schder's  Biet.  Andresen  betont  noch  den  umstand,  daß 
im  gründe  lat.  refusare  nur  als  eine  nebenform  von  refutare  gefaßt  wer- 
den kann.  Brächet  nahm  eu  einer  undenkbaren  form  refutiare  seine  Zuflucht. 

Rima.  Arrimer  schichten  (die  Schiffsladung  vertheilen)  ist  doch 
wohl  nicht  zu  trennen  von  dem  unter  rombo  besprochenen  (nicht  mefir  ge- 
bräuchlichen) arrumer  {zu  diesem  vgl.  deutsch  aufräumen). 

Risicare.  Devic  ist  geneigt  risco  gefahr  mit  arab.  rizq  'das  was 
einem  zufällt,  geschieh3  zusammenzustellen,  eine  ansieht,  die  ihm  durch 
sp.  arrisco  unterstützt  zu  werden  scheint.  Das  argument  aus  arrisco  ist 
nicht  glücklich,  denn  dies  sbst.  ist  wohl  vom  compositum  ar-riscar  ab- 
zuleiten. 

Ritorta.  Aus  dem  attfr.  roorte  reorte  hat  sich  das  nfr.  rouette 
gebildet,  das  Littre  fälschlich  als  ein  dim.  von  roue  betrachtet.  Es  ist 
aus  reote  (tilgung  des  r  vor  t)  umgestellt,  wie  moelle  aus  meole,  pg. 
joelho  aus  jeolho;  Tobler,  Zeitschr.  XXIII,  418. 

Rivellino.  Vielleicht  von  re-vallare,  woher  zunächst  *rivallo, 
und  daraus,  durch  anlehnung  an  rivella,  das  dim.  rivellino;  re  könnte 
auch  schon  dem  sbst.  vallo  vorgesetzt  worden  sein,  wie  in  ripiano  zweiter 
plan  (vgl.  Gramm.  II  430);  Storm,  Rom.  V,  182. 

Rivescio.  Auf  das  Diez' sehe  fragezeichen  hinsichtlich  der  Selb- 
ständigkeit des  fr.  revSche  antworten  Brächet  und  C.  Michaelis  (Studien 
z.  rom.  wortsch.  261)  im  sinne  italienischer  herkunft;  das  hohe  alter  des 
worts  läßt  daran  zweifeln,  während  andrerseits  die  form  revesche 
(:empeesche  Born,  de  la  Rose;  :flammesche  Grautier  de  Coinsy)  als  fremd- 
artig einiges  bedenken  erregt.  Ist  überhaupt  die  gleichung  rivescio  =^ 
reversus  gesichert  und  wäre  nicht  eher  entlehnung  des  ital.  Wortes  aus 
dem  franz.  denkbar?  Letzteres  stimmte  wohl  zu  *reversicus  (vgl.  pfeche 
von  persica),  aber  eine  solche  büdung  darf  kaum  vorausgesetzt  werden.  — 
Diez  stellt  hier  neben  revfeche  ein  altfr.  revois,  läßt  es  aber  unbelegt. 
Findet  sich  irgendwo  ein  fem.  revoise,  so  ist  die  existenz  dieses  Wortes 
(=  revefrjsus)  gesichert;  wo  nicht,  so  möchte  hier  eine  Verwechslung  ob- 
walten  mit  altfr.  revoit  =  revictus,  über  welches  ich  mich  (Berte  a:  gr. 
p.  770)  ausführlich  ausgesprochen  habe,  und  das  sich  zuweilen,  dem  reime 
zu  lieb  mit  ausl.  s  statt  t  vorfindet,  so  Gilles  de  Ghin  5113:  Ha  Cheva- 
lier couart  revois.  —  Zu  untersuchen  bliebe  noch,  ob  sp.  rebeco  mit  fr. 
reveche  (wie  G.  Michaelis  260  vermuthet),  oder  nicht  vielmehr  mit  it. 
rimbeccare,  rimbeeco,  fr.  se  reb6quer  zusammenhängt.  —  S.  auch  über 
revois,  revoit  und  revSche  Tobler,  Gott.  gel.  anz.  1874,  s.  1050. 

Rocca.  Den  von  Diez  vorgeschlagenen  lat.  formen  rüpea  rupja 
für  roccia  röche  widersteht  das  offene  o  der  rom.  formen;  auch  rupica 
für  rocca  ist  abzuweisen;   es  ist   also  von  rupes,   meint  Förster    (Grob. 


730  ANHANG  I.   ROTTA-SCALOGNO. 

Ztschr.  II,  86),  durchaus  abzusehen,  und  ein  typus  *roccum  anzunehmen. 
Diesem  typus  weist  auch  der  genannte  gelehrte  das  vielgedeutete  nfr.  rosser, 
pr.  a-rossar  (altfr.  roiscier  Guill.  d'Angl.  s.  87,  roissier  Gautier  de 
Coinsi  329,  89)  zu,  das  sich  zu  rocceare  verhalte  wie  rochier  (werfen)  zu 
roccare  (vgl.  crosser  =  crocceare  und  crochier  =  croccare).  —  Wie 
aber  läßt  sich  begrifflich  die  deutung  Förster's  für  rosser  behaupten,  und 
wo  ist  die  quelle  von  roccum  zu  suchen? 

Rotta.  Andere  bedd.  des  fr.  route  und  routier,  die  sich  der  des  walloti- 
rote  „rang,  ligne,  file"  anschließen,  habe  ich  im  glossar  zu  IVoiss.  Chran. 
v.  routier  2  und  in  dem  zu  Buev.  de  Comm.  v.  route  und  de  route  her- 
vorgehoben. —  Wenn  wirklich  brfs6e  altfr.  im  sinne  von  route  gebraucht 
worden  ist,  was  belegt  werden  müßte,  so  beruht  immerhin  der  fr.  ausdruck 
„marcher  sur  les  brisees  de  qqn.u  auf  einer  anderen  anschauung,  und  be- 
zieht sich  auf  die  durch  abgebrochene  zweige  bezeichnete  fahrte  des  wildes. 
Brisees  wird  demnach  synonym  von  traces,  errements. 

Sacco.  Ich  halte  sacco  ff.  für  eine  suffixlose  verbaiableitung  vom 
rom.  vb.  sacare  einsacken;  neben  sac  hat  das  franz.  auch  (mit  suffix)  sac- 
cage,  woher  erst  vb.  saccager,  das  nicht  dem  sp.  saquear  beigeardnä 
stehen  sollte.  Auch  escala  als  nomen  actionis  hängt  mit  scala  nur  mit- 
telbar durch  das  vb.  scalare  (altfr.  escheler)  zusammen.  Liäre  (v.  sac  2) 
schiebt  mir  irrthümlich  die  ansieht  unter,  daß  sac  plünderung  von  saquer 
Hirer  herzuleiten  sei;  ich  habe  das  wort  Hirer  ausdrücklich  vermieden 
und  dafür  'empocher  gesetzt,  da  ich  ja  (vielleicht  mit  unrecht)  sacher, 
saquer  einsacken  und  sacher  ziehen  aus  verschiedener  quelle  leite.  Auch 
unter  saccade  finde  ich  bei  LittrS  einen  für  mich  mißlichen  druckfehler, 
nämlich  Italien  scaccare'  (lies  staccare).  —  Meine  conjeetur  betreffend 
ahd.  scäh  gebe  ich  angesichts  des  häufigen  altfr.  eschec  beute,  plünde- 
rung (s.  scaeco)  gerne  dahin. 

Salma.  Ich  leite  it.  assommare,  das  nicht  überladen  bedeutet,  son- 
dern vollenden,  so  wie  fr.  assommer  todt  schlagen,  nicht  von  somme  last, 
sondern  von  summus  letzt;  dies  könnte  dem  etymon  totus  für  tutare 
(s.  unten)  einigen  Vorschub  leisten.  —  Was  die  form  des  sbst.  sommelier 
betrifft,  so  ist  Tobler  (Rom.  II,  244)  andrer  ansieht  als  Diez,  der  ein 
dim.  somella  zu  gründe  legt.  Es  sei  eine  directe  abl.  von  sommier  last- 
(hier  und  bezeichne  sowohl  den  aufseher  über  die  lastthiere  als  den  treiber 
derselben;  es  lautete  zuerst  somerier  (vgl.  sorcellerie  für  sorcererie,  con- 
tralier  für  contrarier);  man  findet  auch  t  statt  r  in  sommetier  Guiart  II, 
6571,  somettere  Livre  des  Mart.  383;  vgl.  papetier  neben  paperasse. 
[Auch  prov.  saumatier  GProv.  48] 

Sargia.  Schuchardt  (Zeitschr.  XX,  251)  stellt  gleichfalls  zu  serica 
das  span.  sarco  eine  art  wollenrock;  auch  alban.  särkfe,  altslav.  sraka  u.  a. 

Scalogno.  Beachtung  verdienen  die  altfr.  und  mundarü.  form 
escaloigne  (vgl.  meine  Lexicographie  lat.  du  12e  et  13*  s.,  p.  76,  und 
Gloss.  de  Lille  42a),  aus  welcher  Schalotte  durch  suffixvertauschung  her- 
vorgegangen ist. 


ANHANG  I.   SCANDELLA-SERA.  731 

Sc&ndella.  Schon  die  Römer  kannten  scandula  als  eine  art  körn, 
s.  Forcettini;  damit  fällt  jeder  zweifei  über  den  Ursprung  des  rom.  worts; 
s.  Flechia,  Post.  et.  352.  Schon  Rönsch  (Jahrb.  XIV,  340)  hatte  auf 
das  acht  römische  scandula  aufmerksam  gemacht  und  dabei  citiert  Edidum 
stratonicense  de  pretiis  rerum  vom  j.  316  n.  Chr.:  scandulae  sive  speltae; 
Isidorus  Origg.  XVII,  3,  11:  scandula  (dl.  scindula)  a  divisione  vocata, 
duplex  est  enim  scanditurque  (al.  scinditur),  id  est  dividitur. 

Scarpa.  Scheler  (Dict.  etym.)  fragt  beiläufig  ob  fr.  escarper, 
sp.  escarpar  sich  nicht  auf  lat.  scalpere  zurückführen  lassen  konnten  {vgl. 
it.  scarpello  =  scalpellum);  statt  dessen  sagt  Littre,  Seh.  halte  dafür 
scarpa  sei  eine  abl.  von  lat.  scalpellum  Kpetit  couteau.  Das  mißverstand- 
niß  ist  allzu  stark,  als  daß  ich  nicht  dagegen  protestieren  sollte.  Meine 
muthmaßung,  das  sp.  escarpar  möchte  mit  dem  dtschen  schrapen,  engl. 
scrape  zusammenhängen,  blieb  dagegen  unbeachtet;  ich  wiederhole  sie  hier, 
indem  ich  auch  an  schwed.  skräf  jäh,  dtsch.  schroff,  die  wahrscheinlich 
stammverwandt  sind,  erinnere.  —  Eine  arab.  deutung  von  scarpa  schuh 
u.  s.  w.  versucht  Devic,  aber  in  nichts  weniger  als  überzeugender  weise. 
—  Fr.  escarpin  ist  noch  sehr  im  gebrauch. 

Scartare.  Gegründete  bedenken  gegen  die  ableitung  von  carta 
werden  in  lAürSs  Suppl.  erhoben  auf  grund  eines  textes  aus  dem  13.  jh., 
worin  escarter  Tost  (sich  vom  läget  entfernen?)  vorkommt  und  wofür  die 
deutung  mettre  au  quart  =  ä  quartier,  ä  part  vorgeschlagen  wird*  Littre 
citiert  auch  aus  Ben.  Chron.  de  Norm.  9281:  Nul  autre  escard  n'i  sai 
tronver  (ausweg?). 

Schiantare.  Eine  andere  etymol.  erklärung  des  rom.  Stammes 
sciat  (sclant)  bietet  Ascoli  (Zeitschr.  XVI,  209);  er  erkennt  darin  ein 
altrom.  thema  sclap-it;  vom  primitiv  sclap  kommt  it.  schiappare  holz  Mein 
spalten;  s.  auch  Mussafia,  Beitr.  55. 

Schiena.  Einer  der  von  Mussafia  behandelten  ital.-deutschen  glossare 
(Beitr.  101)  hat  schena  ,jschinpeinu. 

Schifo.  Altfr.  esquiper  heißt  nicht  sowohl  sich  einschiffen,  als  vom 
ufer  fahren,  abschiffen,  s.  mein  gloss.  zu  Froissart. 

Scotta.    Neben  altfr.  escote  setze  nfr.  6coute. 

Sedio.  Abi.  prov.  setjar  setzen;  Quäl,  de  la  Barre  fol.  28d  La 
comtessa  vas  setiar,  wo  wohl  se  setjar  gelesen  werden  muß. 

Sentare.  Die  von  Diez  zum  beleg  eines  altfr.  assenter  'setzen 
angerufene  stelle  aus  Berte  ist  nicht  glücklich  gewählt;  s'assente  ist  dort 
der  präs.  conj.  von  assentir  zu  teilten  sein;  Toblcr  Qött.  gel.  anz.  1874, 
s.  1040  steüt  daher  das  Vorhandensein  des  aufgestellten  Wortes  in  abrede; 
ich  möchte  nicht  so  unbedingt  verfahren,  denn  in  demselben  gedieht  (v. 
1248 meiner  ausgj  liest  man:  „Ha  ermttes",  fait  ele,  „Dieu  Tarne  o  lui 
assente",  wo  die  bed.  setzen  sich  kaum  abweisen  läßt  und  es  sich  nur  um 
die  ztüässigkeit  der  conjunetivendung  handeln  könnte. 

Sera.  Sereno  u.  s.  w.  ist  einfach  das  lat.  serenus,  das  die  volks- 
etymologie  natürlicherweise  mit  sera  in  beziehung  setzte;  so  hat  sich  auch 


732  ANHANG  I.   SETTIMANA-STANCO. 

sp.  forensc,  it.  forese  von  foras  gebildet  unter  atdehnung  an  forensis  von 
forum;  Storm  Rom.  V,  182. 

Settimana.  Mit  dem  cot.  werte  doma  vgl.  das  von  Mussafia 
(Beitr.  52)  behandelte  glbd.  altiU  domada. 

Soldo.  Eine  franz.  abl.  mittelst  icare  gab  soudoyer,  in  sold  nehmen; 
verschieden  davon  ist  altfr.  soudoiant,  souduiant,  von  subducere  verführen, 
betrügen. 

Sorn.  Meine  im  Dict.  ausgesprochene  vermuthung  eines  etymon 
Saturnus  „der  finstere  gottu  wird  von  Storm  getheilt ;  nur  ist  ihm  Saturnus 
der  unheilbringende  planet  im  gegensatz  zum  Jupiter,  dem  bekanntlich  das 
<*dj-  jovial  sein  entstehen  verdankt.  Diese  auffassung  bestätigt  er  mit  fr. 
saturnien,  engl,  saturnine  'düster .  Die  bildung  von  sorne  aus  sadorne, 
*soorne  ist  der  reget  gemäß ;  nur  möchte  das  prov.  wort,  da  in  dieser 
spräche  ausfall  des  t  selten  ist,  dem  franz.  entnommen  sein.  Susornione 
paßt  freilich  nicht  zu  dieser  etymologie;  auch  hält  es  Storm  für  nah  ver- 
wandt mit  susurrare.  Sp.  sonia  nacht  und  altfr.  sorne  dämmerung,  sagt 
derselbe,  erinnern  an  das  im  Pariser  rothwälsch  übliche  und  von  Victor 
Hugo  in  den  Miserables  gebrauchte  wort  sorgue  =  nacht,  bei  welchem 
Bugge  einwirhmg  von  morgue  vermuthet;  s.  Rom.  V,  184,  und  über 
sorgue  sorgne,  Francisque  Michel,  Dict.  d'argot.  386.  Mit  sornette 
(II.  c)  scheint  unser  wort  nicht  verwandt  zu  sein;  doch  ließen  sich  die 
bedd.  unschwer  vereinigen  (s.  mein  Dict.  s.  v.). 

Sortire  ausgehen.  sDa  t  aus  d  unannehmbar,  ist  lÄttrSs  ansieht, 
sortir  sei  eine  doppelform  von  sourdre,  abzuweisen.  Auch  die  etyma  ex- 
ortus  (Rönsch,  Jahrb.  XIV,  175)  und  sevortere  ( Böhmer,  Jahrb.  X,  2U0) 
finden  mit  recht  keine  büligung  bei  Storm  (Rom.  V,  183),  welcher  das 
schon  bei  Fra  Guittone  vorkommende  it.  sortire  direct  aus  dem  bei  Festus 
(297,  ed.  Müller)  als  häufig  von  Livius  Andronicus  gebraucht  bezeichneten 
partieipium  sortus  /hervorgehen  läßt. 

Spada.  über  altfr.  inspieth  s.  G.  Paris  zu  St.  Leger  38f  (Rom. 
I,  316). 

Spinace.  Devic  weist  die  abl.  von  spina  unbedenklich  zurück;  das 
rom.  wort  komme  vielmehr  vom  glbd.  arabisch-pers.  isfinädj,  ißfanädj, 
aspanakh  (mgr.  onava%iov),  was  einleuchtend  dargethan  wird.  Die  roman. 
formen  mögen  freilich  unter  einfluß  von  spina  sich  gebadet  haben. 

St  an  co.  Der  versuch  Bauquiers  (Rom.  VI,  452),  die  verba  estan- 
car  ff.,  so  wie  tancar,  von  einem  prov.  *estanc  tanc  im  sinne  von  sperre 
und  =  dtsch.  stang  (npr.  tanco)  herzuleiten,  woraus  estanc  =  'abgesperr- 
ter räum,  teich\  sei  hier,  wo  nicht  befürwortet,  doch  erwähnt.  •—  Wichtiger 
ist  die  frage,  ob  altfr.  sanchier  hemmen,  stillen,  sättigen  (s.  Schder  Saud, 
de  Condi  p.  508,  Gloss.  des  poes.  et  des  chron.  de  Froissart,  Bast,  de 
Buill.  4079),  wie  Scheler  meint,  =  stancare  sei  (anl.  st  zu  s  erleichtert, 
wie,  nach  Seh.,  auch  in  saison,  saisir  u.  a.),  sonach  ein  doublet  von 
estanchier.  Abgesehen  vom  anlaut  erhebt  Tobler  gegen  dieses  etymon  zwei 
einwürfe:   erstens  sei  sanchier  nicht   zu   trennen  vom  glbd.  essanebier 


ANHANG  I.   STOFFA-TESTA.  733 

(Band.  Seb.,  H.  Cap.7  Aiol),  zu  dem  es  sich  verhalte  wie  saier  zu  essaier; 
zweitens  weise  der  umstand,  daß  das  vorzüglich  dem  norden  eigentümliche 
verb  im  auslaut  niemals  ein  k  oder  q  eintreten  läßt  und  sanche  mit  puis- 
sance  reimt,  auf  einen  Stammesauslaut  auf  ti  oder  ci  hin.  Biese  rücksichten 
beseitigen  allerdings  das  etymon  staneare;  ob  aber  das  von  ToUer  dafür 
conjicirte  *exemptiare  „der  Wirksamkeit  entheben,  außer  thätigkeit  setzen, 
befriedigen,  genüge  thun"  das  richtige  sei,  möchte  ich  nicht  geradezu  be- 
stätigen. Wenn  mein  s  für  st  geltung  finden  sollte  (vgl.  unten  IL  a.  stag- 
gire),  möchte  ich  lieber  stantiare  'zum  stehen  bringen  vorschlagen;  es- 
sanchier  konnte  übrigens  im  gründe  nur  ein  verstärktes  sanchier  sein.  8. 
Gott.  gel.  ans.  1877,  st.  61. 

Stoffa.  Hinsichtlich  des  it.  vb.  stoppare  zieht  es  Mussafia  vor, 
dasselbe  mit  jenem  weitverbreiteten  und  der  verschiedensten  bedeutungen 
fähigen  stamme  top  in  Zusammenhang  zu  setzen,  welcher  auch  dem  deut- 
schen s-topfen  zu  gründe  liegt  (s.  toppo):  s  wäre  also  präfix;  man  findet 
mit  ad-  sicil.  attupari;  s.  Beitr.  112. 

Stoppia.  Biese  it.  form  erklärt  sich  am  natürlichsten  mit  Mus- 
safia (Beitr.  57,  anm.)  durch  annähme  einer  durch  die  labialis  geförderten 
gegenseitigen  steUevertauschung  der  vocale;  also  stipula  stupila  stupla; 
vgl.  fibula,  piac.  fubbia.  —  Ein  rustik-lat.  stupula  findet  sich  schon,  be- 
merkt Rönsch  (Jahrb.  XIV,  340),  im  uralten  bauernkalender  bei  Gruter 
p.  138:  stupulae  incenduntfur  ?] ;  in  der  anderen  della  Valley  sehen  abschrift 
steht  die  syncopierte  form  stuplae. 

Stordire.  Die  roman.  formen  haben  geschlossenes  o;  deßhalb  weist 
Förster  das  et.  torpidus  zurück  und  nimmt  das  von  Diez  aufgegebene 
et.  turdus  als  vollkommen  passend  wieder  auf.  Span,  und  pg.  aturdir 
stimmt  zwar  nicht  zu  tordo,  aber  man  findet  auch  sp.  atordir,  und  neben 
pg.  corto  hat  sich  ja  auch  vb.  eneurtar  festgesetzt;  s.  Grob.  Ztschr.  II,  84. 

Strada.  Boman.  Ursprungs  ist  wohl  auch  engl,  stray  umherstreifen, 
irren,  s.  E.  Müller. 

Strega.  Bolopathos8668—'9  Lai  vinrent  malvais  esperit  Que  ces 
gens  apelent  estries. 

Stroppolo.  Über  die  Verwendungen  des  tat.  struppus  stroppns 
im  romanischen,  s.  Mussafia,  Beitr.  112. 

Stufa.  Ist  nach  Bugge  auf  roman.  boden  entstanden  (Rom.  IV, 
366):  vb.  stufare,  das  dem  subst.  vorausgieng,  ist  ==  ex-tufare,  ein 
vcilksthümliches  von  zwpog  dampf  (s.  tufo)  abgeleitetes  wort ;  präfix  ex  wie 
in  excalefacio.    Heute  noch  heißt  ätuver  dämpfen 

Targone.  Die  vorsübe  es  im  port.  estragäo  könnte  der  arab.  ar- 
tikel  el,  et  sein,  den  die  emphatische  ausspräche  des  t  entstellt  haben  mag ; 
s.  Devic  s.  v.  estragon. 

Tartaruga.    S.  auch  Mussafia,  Beitr.  34,  s.  v.  bissasendara. 

Tas so.  Rönsch  (Grob.  Ztschr.  I,  420)  halt  mlat.  taxns  für  hebräi- 
schen Ursprungs;  es  sei  wie  das  dtsche  dachs  dem  hehr,  vnq  nachgebildet. 

Testa.    Bas  erwähnte  dttfr.  tes  findet  sich  in  der  reget  nur  für 


734  ANHANG  I.   TIRARE-TUTARE. 

test-s  (so  os  für  ost-s);  sonst  test;  in  der  stelle  des  HBord.  195  muß  die 
var.  test  (oder  tiest)  vorgezogen  werden;  8.  auch  Toller  Mitth.  I,  269. 

Tirare.  Über  altfr.  tire  =  verdruß,  Unannehmlichkeit  s.  mein 
glossar  zu  den  Poesies  de  Froissart;  vgl.  auch  engl,  tired  müde,  überdrüssig. 

Torso.  Neben  tros  bestand  auch  mit  der  bed.  „abgebrochener  tanzen- 
schaftu  die  zss.  retros  (Brt.  3189,  12973;  Atre  perül.  4784  retrox  und 
4624  retrois  im  reim  mit  fois),  die  auch  im  Rou  ed.  Andresen  3897 
(st.  recors)  zu  lesen  ist;  s.  Förster,  Grob.  Ztschr.  I,  158. 

Toso.  Ich  halte  mit  Liebrecht  (der  auch  sicil.  carusti  knabe  tu 
carusari  stellt  Jhrb.  XIII,  225)  zum  etymon  tonsas,  als  synonym  von 
imberbis  gefaßt. 

Treccare.  Storm  (Rom.  V,  172)  bekennt  sich  zu  dem  von  Die2 
afjgewiesenen  etymon  trlcari;  letzteres  sei  trfccare  geworden,  wie  glüttas, 
cuppa  aus  glütus,  cüpa;  daraus  regelmäßig  it.  treccare,  fr.  trecher  und 
tricher. 

Tregg6a.  In  der  stelle  aus  Papias  ist,  meint  Liebrecht  (Jhrb. 
XIII,  228),  Graecos  statt  Hebraeos  zu  lesen ;  es  wird  auf  gr.  xolXvfia 
angespielt. 

Trinchetto.  Scheler  citiert  das  von  Müller  erwähnte  lat.  trique- 
trus,  das  auch  Storm  (Rom.  V,  186)  als  etymon  anerkennt.  —  Sp.  trinca 
ist  aus  *trlmca  entstanden  und  verhält  sich  zu  trinus  wie  unicus  zu  unus; 
liugge,  ibid.  anm. 

Tromba.  Nach  Tobler  (Gott.  gel.  ans.  1874,  s.  1044)  heißt  das 
fr.  tromper  eigentlich  posaunen,  dann  ausposaunen,  refl.  sich  ausposaunen 
(de  qqn.  mit  bezug  auf  einen,  über  den  man  sich  also  lustig  macht),  end- 
lich trans.  zum  narren  heilten,  foppen,  höhnen. 

Tropa.  Storm  (Rom.  I,  490)  stellt  mlat.  troppus  zum  german. 
thorp,  torp,  dessen  bed.  menge,  trupp,  heerde  aus  den  scandinav.  dialeäen 
nachgewiesen  wird;  auch  in  der  Schweiz  heiße  dorf  Zusammenkunft,  Ver- 
sammlung („einen  dorf  halten").  Obwohl  lat.  turba  mit  richtiger  lata- 
Verschiebung  zu  thorp  stimmt,  könne  es  doch  nicht  unmittelbar  eine  form 
troppus  erzeugt  haben. 

Truan.  Wenn  in  diesem  wort  ein  rom.  thema  truc  angenommen 
werden  darf,  wäre  hier  noch  fr.  trucher  betteln,  faulenzen  zu  erwähnen, 
das  übrigens  auch  mit  trut-icare  sich  verträgt. 

Trucco.  Es  bleibt  zu  untersuchen,  ob  das  hier  erwähnte  venee. 
strucare  auspressen  von  dem  unter  stringa  erwähnten  gleichbed.  stricar 
wirklich,  wie  Diez  meint,  zu  trennen  sei;  s.  Mussafia,  Beitr.  113. 

Tatare.  Die  von  IAttre  aufgestellte  etymologie  tuditare  oder  *tudare 
hat  sehr  geringe  Wahrscheinlichkeit;  wie  Mussafia  (Beitr.  52)  richtig  be- 
merkt, ließe  ersteres  keine  Schwächung  oder  elision  des  t  zu  und  vom  zweiten 
würden  sich  die  formen  mit  t  schwer  erklären.  Ascoli  (Saggi  ladini  36) 
stellt  in  längerer  sehr  beachtenswerther  ausführung  lat.  tötus  als  etymon 
der  roman.  wortgruppe  tutare  auf.  Von  tötus  oder  vielmehr  tutus  (it. 
tutto)  bildete  sich  tutare,  extutare  (dotier  stutare)  mit  den  bedd.  vollenden, 


ANHANG  I.   UGUANNO-VILUPPO.  735 

den  garaus  machen  (vgl.  terminare  und  exterminare).    Eine  weitere  ana-  , 
logie  bietet  assommer  von  summas.  Man  bedenke  auch  unser  deutsches  alle 
machen  =  töäten. 

Uguanno.  S.  weitere  mundartl.  formen  des  it.  worts  beiMussafia, 
Beür.  23. 

Uracano.  In  Central- America  heißt  oder  hieß  Hurakan  der  stürm- 
gott;  Liebrecht  Jhrb.  XIII,  238. 

Urlare.  Wegen  chiurlare  ist  nachzusehen  Schneller  164,  der  ein 
sbst.  chiurla  ende  voraussetzt,  und  diesem  eine  herkunft  vom  dtsch.  quirl  zu- 
weist,  weil  die  eule  beim  Vogelfang  auf  einen  pflock  gestellt  wird  und  auf 
einem  fuße  stehend  beim  anziehen  der  schnür  sich  dreht  (vgl.  it.  ciurlo, 
nebenform  von  chiurlo). 

Valigia.  Eine  andere  deutung  versucht  Ascoli  (Saggi  lad.  512 
anm.):  „Le  voligie  non  sarebbero  esse  i  vahri,  väle  a  dire  li  cose  di 
qualche  prezzo,  c?te  il  viaggiatore  porta  seco?'  —  Devic  erwähnt  arab. 
oualiha  '  Saccus  frumentarius,  cqphinus  magnus  undpers.  walitchä,  großer 
sack,  weiß  jedoch  nicht,  ob  diese  Wörter  in  diesen  sprachen  einheimisch  sind. 

Veglia.  Neben  pg.  vigia  war  auch  fr.  vigie  schiff  wache  zu  erwähnen. 

Verrina.  Das  etymon  veru  für  vrille  konnte  sich  nicht  mehr  be- 
haupten, nachdem  die  ältesten  formen  dieses  Wortes,  denen  das  r  fehlt,  zu 
tage  gefordert  waren.  Die  vonLittre  belegten  Wörter  viille,  veille  mußten 
bald  die  etymologie  viticula  hervorrufen,  welche  denn  auch  zuerst  von 
Bugge  (Born.  III,  160)  aufgestellt  und  dann  von  Tobler  (Zeitschr. 
XXIII,  414)  bestätigt  worden  ist.  Nur  gehen  die  beiden  forscher  hin- 
sichtlich  der  entstehung  des  r  auseinander.  Bugge,  dem  G.  Paris  (Born. 
VI,  133)  beipflichtet,  erblickt  darin  ein  einschiebsei  wie  in  fronde,  fanfre- 
luche,  fringalle,  gringalet ;  Tobler  dagegen,  dem  eine  beispiellose  epenthese 
von  r  hinter  anl.  v  nicht  zusagen  wül,  ist  der  ansieht,  daß  der  nach  til- 
gung  des  t  in  viticula  sich  ergebende  hiatus  durch  ein  r  gehoben  worden 
sei,  in  der  nämlichen  weise,  wie  von  ihm  für  mire,  remire,  navire,  gram- 
maire  und  für  hure  selbst  von  Bugge  angenommen  wird.  Was  die  be- 
griffliche seite  der  neuen  deutung  von  vrille  rebenranke  (daraus  die  bed. 
bohrer)  betrifft,  erinnert  Tobler  ah  das  it.  viticchio  und  viticcio,  so  wie 
an  awitichiarsi  sich  anranken.  —  Die  npr.  Wörter  birou,  birounieiro 
(vgl.  Ducange  s.  v.  bironerius)  gehören  zum  it.  pirone,  mdrtl.  birone  und 
somit  zum  gr.  neiQto  bohren,  Flechia,  Post  et.  317. 

Viluppo.  Möchte  sich  doch,  meint  Storm  (Born.  V,  187),  mit  dem 
begrifflich  so  nah  verwandten  volutare  einigen  lassen  und  zwar  durch 
eine  aus  sbst.  volutus  entspringende  verbalform  volutuare  (vgl.  fluetuare, 
aestuare,  flatuare).  Daraus  voluppare,  wie  pipita  aus  pituita  (vgl.  du 
dv  =  b  in  bis,  bellum).  „Kommt  diese  lautwandlung  sonst  noch  vor?1 
fragt  Storm,  „denn  unter  den  zahlreichen  von  Schneller  gegebenen  bei- 
spielen  befriedigt  mich  keines".  [Mir  fällt  hier  auf  deutschem  gebiete  das 
Schweiz,  öppes  =  etwas,  goppel  =  gott  will  ein.  —  Was  das  i  im  ital. 
tcorte  betrifft,  so  erscheint  es  gleichfalls  in  vilume.] 


736  ANHANG  H.a.   VIRARE -BACIO. 

Virare.  Kommt  van  vibrare  (vgl.  lira  van  libra);  so  spricht  sich 
Storni  (Rom.  V,  187)  aas;  wie  sich  die  begriffe  schwingen  und  drehen 
berühren,  erhellt  namentlich  aus  dem  engl,  to  Swing  a  ship  „es  drehen 
machen"  [vgl.  besonders  die  bedd.  des  dtschen  schwenken].  Eine  nasali- 
sierte  rom.  form  vimbrare  bohren  behandelt  Bugge  (Born.  III,  149)  an- 
läßlich des  fr.  gibelet  *  wickbohr  er.  —  Zum  it.  viera  bemerkt  Mussafia 
(Beitr.  119):  ie  wird  wohl  von  secundärem  e  herrühren,  vgl.  nTvis  neve 
nieve;  in  der  von  Diez  nicht  erwähnten  form  ghiera  wird  t  durch  g 
ersetzt  worden  sein,  entweder  an  und  für  sich,  wie  in  golpe  =  volpe, 
oder  möglicherweise  durch  die  doppelförmigkeit  von  viera  ghiera  pfeil" 
Mussafia  stellt  ebenfalls  zu  viria  das  aUfr.  verge  ring  im  Du  dou  vrai 
aniel,  ed.  Tobler  (13,  311). 

Visciola.  S.  gelegentlich  einer  it.  form  verla(/t<>  vesla),  Mussafia 
Beür.  120. 

Vizio.  Interessant  für  die  begriffliche  geschickte  des  rom.  Wortes 
ist  die  von  Mussafia  (Beitr.  53)  nachgewiesene  bedeutung  verzärteln  des 
compos.  enviciar,  piac.  inviziA,  eigentlich  mit  liebkosungen  {it.  vezzo) 
überhäufen. 

Zagaia.  Füge  hinzu  prov.  arssagaya  (s,  P.  Meyer,  Guill.  de  la 
Barre,  glossar). 

Zappa.  NachLittri  von  lat.  sappa,  das  beilsidor  vorkommt;  vgl 
die  von  Oehler  her  aus g.  Amplonian.  Glossen,  s.  372,  nr.  8:  rastrum, 
genus  [in]strumenti,  sappa.  Dieser  ableitung  steht  wohl  anlautendes  z  im 
it.  u.  sp.  wort  nicht  im  wege;  vgl.  Grob.  Ztschr.  I,  420. 

Z im  bell  o.  Die  bed.  anmaßung,  stolz  scheint  dem  fr.  chembiel  an- 
zuhaften im  Bast,  de  Buülon  1477  u.  1487  (s.  meine  anm.).  —  IAebrecM 
macht  auf  altn.  snmbl,  ags.  simbel  convivium  (Grimm  II,  555,  III,  128) 
aufmerksam. 


IL  a. 

ITALIENISCHES  GEBIET. 

Aggueffare.  Mussafia  (Beitr.  46,  anm.)  zieht  ebenfalls  zum  dtschen 
wifan  tose,  guaffile  vstrumento  da  fare  gueffe  a  matasse". 

An co na.  Mussafia,  der  zahlreiche  mundarü.  darstdlungen  des  worts 
vorführt  (Beitr.  26),  bemerkt,  es  bedeute  nicht  nur  büd,  sondern  auch 
altar,  kleine  kapeile  an  Straßenecken,  nische  zur  aufnähme  von  Standbildern. 

Bacfo.  Flechia,  Arch.  glottol.II,  3  (Postille  etimcl.),  bemerkt,  daß 
der  alte  Übersetzer  des  Pälladio  'opacis  locis  durch  a  bacio  wiedergibt. 


ANHANG  II.  a.   BACIOCCO-BRULLO.  737 

Baciocco.  NachCaix  eine  Verschmelzung  von  baccello  +  sciocco ; 
Grob.  Ztschr.  I;  425. 

Badalucco.  „Aus  badare  +  altit.  alloccare  spähen  (zum  deutschen 
luoken,  fr.  luquer  gehörig)",  Caix,  Gröber* s  Ztschr.  I,  427. 

Baleno.  Kommt  nicht  von  ßilsfxvov,  sondern  vom  rom.  stamm 
bal  schwingende  betoegung  bezeichnend;  Schuchardt,  Rom.  IV,  254.  Vgl. 
graubündtn.  baleina  Schaukel.  —■  Weitere  roman.  benennungen  des  regen- 
bogens  bAngt  Mussaßa,  Beitr.  29. 

Balza.  Altfr.  baugant  heißt  „schwarz  mit  weiß  gemischt"  und  hat 
mit  balza  nichts  zu  thun ;  es  stimmt  vollkommen,  meint  Devic,  mit  arab. 
balqä,  fem.  von  ablaq  'albo  nigroque  colore  variegatus,  'usque  ad  femora 
albis  pedibus  praediius  (equus/  Menimki  und  Freytag.  Devic  weist  nach 
faras  balqa  ,Jument  bausant".  Es  bliebe  nur  noch  das  z  oder  q,  s  der 
rom.  formen  zu  begründen. 

Berlasco.  Das  henneg.  warlouque  deute  ich  durch  war  (entstellt 
aus  ndl.  dwaers  obliquus)  und  wallon.  loukf  ansehen  (s.  Grandgagnage). 

Bettola.  Dimin.  des  gleicJtbed.  wälschtirol.  bait  hütte,  lomb.  baita 
(Schneller,  109),  wclcfies  Diez  vom  ahd.  baitön  (Rom.  Gramm.  I,  88)  ab- 
leitet; s.  Caix  Rivista  II,  176.  Bettola  heißt  also  zunächst  hüttchen, 
dann  wirthshaus,  schenke.  Freilich  sollte  aus  baitön,  beitön,  eher  it.  baitola 
oder  batola  erwartet  werden  (Rom.  gramm.  I,  309),  aber  zur  beschränkung 
der  regel  ahd.  ai,  ei  zu  ai,  a  und  Stützung  seiner  etymologie  führt  Caix 
iL  Enrico  {aus  ahd.  Heinrih)  an,  eine  jedenfalls  ältere  form  als  das  von 
Diez  genannte  Arrigo. 

Biasciare.  Daß  das  ital.  wort  auch  in  den  mundarten  stammeln 
bedeutet,  lehrt  Mussaßa,  Beitr.  33. 

Bilenco.  Schneller  (HO)  bejaht,  die  frage,  doch  erinnert  er  neben- 
bei an  dtsch.  lenken,  mlid.  lingen  gehen;  vgl.  wälschtir.  balengh  schlecht 
gehend,  fig.  unpassend,  nicht  stimmend. 

Bisbetico.  Rönsch  schlägt  vor  gr.  äfHpioßtjrixog  zwei  fei-  und 
streitsüchtig,  Jaivrb.  XIV,  341. 

Bizzocco.  Andere  ital.  formen  dieses  wortes  gibt  Mussaßa  (Beitr. 
87),  der  das  Diez'sche  etymon  nicht  beanstandet. 

Borchia.  Nach  Canello  (Rivista  II,  111)  =  *porcula,  vom  gr. 
iioQx*}  ffibtda\  woher  wohl  auch  brocca,  broeco.  Mir  ist  uoqxij  nicJU  be- 
kannt, wohl  aber  7ioqxt]q  ring,  reif. 

Bova.  Mussaßa  glaubt  dieses  wort  nicht  von  boja  (thl.  1) 
trennen  zu  müssen;  ,j  kann  ja  zwischen  vocalen  ausfallen  und  v  oder  g 
sind  zunächst  beruf  %en  den  entstandenen  hiatus  wieder  aufzuheben16  (Beitr.  34). 

Brina.  Äscoli  (Saggi  lad.  111  anm.)  hat  keinen  zweifei  am  etymon 
pruina,  aus  welchem  sowohl  chw.  purgina  geworden  ist,  als  mail.  prinna. 

Brullo.  Bugge  (Rom.  IV,  368)  erkennt  in  brollo  ein  dimin.  von 
*blotto  (iL  biotto)  durch  blot-lo,  blollo;  auf  ähnliche  weise  entstanden 
frollo  aus  fluidulus,  sollo  aus  sol(u)tulus,  strillo  aus  stridulus.  —  Was 
biotto  betrifft  (=  prov.  blos),  s.  Mussaßa  Beitr.  98  s.  v.  sbiotar. 

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738        ANHANG  H.a.  BUSSARE- COVONE. 

Bussare.  Altfr.  buissier,  buscher,  busquer  Hopfen  (kenne g.  bnquer) 
ist  wohl  mit  unserem  bussare  unverwandt,  und  gehört  zum  rom.  stamm 
busc  (busca,  stück  höh);  Grandgagnage  s.  v.  bouh!  (=  buschier)  denkt 
an  das  bair.  bauschen ;  meine  deutung  wird  du%ch  die  begriffliche  analogie 
von  choquer  stoßen  von  choque  klotz  (s.  ciocco)  unterstützt. 

Caleffare.  Das  von  Bugge  (Rom.  111,161)  vorgeschlagene  etymon 
ist  gr.  x^evaCsiv  mit  gl.  bed.;  wegen  %  =  c,  vgl.  it.  calare  =  zatyi 
cal  für  %l,  vgl.  calappio,  calabrone;  f  für  v,  vgl.  schifare  für  schivarc 
(ahd.  sciuhan),  altit.  dolfi  =  dolui,  biffera  =  bivira.  —  8.  auch  Mus- 
safia  Beitr.  41. 

Galpestare.  Das  vb.  pistare  erscheint  bei  Apulejus  und  Vegetius; 
Rönsch,  Grob.  Ztschr.  I,  420. 

Caluco.  Dieser  artikd  findet,  hinsichtlich  des  pr.  caluc,  weiter  unten 
s.  v.  caluc  II.  c.  seine  berichtigung. 

Cänova.  Rönsch  (Jahrb.  XIV,  176)  schlägt  vor  das  auf  insckrif- 
ten  vielfach  mit  der  bed.  Weinschenke,  cetta  promptuaria  vorkommende  lat. 
canaba;  Mussafia  dagegen  (Beitr.  42),  alÜat.  canipa  fruchtkorb. 

Gapocchia.    Daraus  fr.  caboche,  cabochon. 

Caratello.  Bei  Bonvesin  auch  carrera;  sard.  carrada,  s.  Mussafia, 
Rom.  II,  121. 

Cavelle.  Dieses  seltsame  wort  erklärt  Storm  (Rom.  11,328)  durch 
die  formet  'quid  velles',  was  du  auch  willst,  gleichbed.  mit  dem  classischen 
quidvis.  Daß  es  nicht  als  chevoglia,  cavoglia  erscheint,  rührt  wohl  da- 
her, daß  man  velles  nicht  mehr  verstand.  Zunächst  sagte  man  wohl  che- 
velle,  woraus  sowohl  cavelle  (a  für  tonloses  e),  al§  covelle  (o  für  e  wegen 
des  folgenden  lippcnlauts).  —  Denselben  Ursprung  weist  Suchier  (Grob. 
Ztschr.  I,  428)  dem  bisher  rätselhaften  (s.  Tobler,  Jahrb.  XII,  213) 
altfranz.  interjectiondlen  adverb  chaeles,  cheles  (auch  keles,  kieles)  zu; 
diese  deutung  läßt  sich  lautlich  annehmen  (cha  aus  qui  wie  in  chascun), 
ist  aber  der  sinn  'höre  doch3  oder  'hörst  du'  (die  alten  glossare  über- 
setzen mit  keles  das  lat.  sodes  oder  euge,  s.  Tobler)  mit  quid  velles  in 
einUang  zu  bringen?  Etwa  so:  was  möchtest  du?  =  möchtest  du  doch! 
=  bitte!    Neben  chaeles  liest  man  auch  chaieles,  Fergus  71,  2  7. 

Chiappare.  Flechia  vermuthet  *clapare  aus  caplare  =  capulare 
(capulus)  und  vergleicht  sard.  giobare  aus  copulare  (besser  mod.  ciopa, 
ven.  chiopa  =  it.  coppia,  lat.  copula). 

Cigolare.  Galvani  (Saggio  di  un  gloss.  modenese)  schlägt  nun- 
mehr lat.  cire  eiere  citare  *cicare  vor  und  vergleicht  lat.  cicada  „die 
schreiende". 

Cioncare.  Die  formen  s'ciancä  s'cincä  stellt  Mussafia  (Beitr.  65, 
anm.  3)  wohl  besser  zu  schiantare  (nt  zu  nc). 

Conciare.  Sbst.  contigia  scheint  mir  eher  dem  altfr.  cointise  Zier- 
lichkeit, anmuth  zu  entsprechen,  das  von  cointe  =  it.  conto  (s.  tU.  I) 
abgeleitet  ist. 

Covone.     Ableitung  von  cavus  hat  wegen  der  bed.  seine  schwierig- 


ANHANG  II.  a.   CUTRETTA- GHIERA.  739 

Jceit;  das  wort  scheint  eigentlich  häufen  zu  bedeuten;  daher  schlägt  Schnei- 
ler  135  als  etymon  ahd.  hufö  vor,  die  schwache  form  von  houf ;  deutsches 
h  eu  c  im  anlaut  ist,  in  den  wälschtirol.  dialekten  wenigstens,  nickt  un- 
gewöhnlich. 

Cutretta,  cigentl.  cudretta.  Nach  Fleehia  325  =  co[da]-trep'da 
(cauda-trepida) ;  so  auch  ratto  =  rapidus  (nicht  raptus).  Andere  benen- 
nungen  der  bachstehe  bringt  Mussafia,  Beitr.  110  anm.  Derselbe  bemerkt 
richtig,  daß  hoche-queae,  das  sich  offenbar  auf  die  zweite  eigenschaft 
(die  bewegung  des  schwankes)  bezieht,  von  Diez  am  unrechten  platz  er- 
wähnt worden;  es  müßte  also  hausse-queue  heißen. 

Ditello.  Dies  wort  mit  titillare  zusammenzustellen  ist  eben  so 
wenig  unstatthaft  als,  wie  Diez  selbst  s.  v.  solleticare  thut,  dileticare  für 
tileticare  anzunehmen;  die  Wandlung  des  t  zu  d  beruht  auf  dissimüation; 
Fleehia,  Post.  et.  319. 

Elsa.  Über  ein  in  der  bed.  abweichendes  altfr.  enheudir  zurathen, 
bestrichen,  s.  meine  anm.  zu  Enf.  Ogier  764. 

Fiappo.  Nach  Fleehia  344  von  flaecus  (der  lippenlaut  habe  Iceine 
Schwierigkeit);  nach  Ascoli  (Ar eh.  glott.  I,  s.  614  anm.)  von  *flavio  aus 
flavido  (vgl.  flavescere  welken),  p  =  vj  wie  im  oberit.  foppa  von  fövia 
fovea.  —  Das  wort  erinnert  vorzüglich  an  engl,  flabby  schlaff,  welk, 
worüber  Wedgwood  und  E.  Müller  nachzusehen. 

F ras  ca.  Wegen  des  Verhältnisses  des  worts  zum  dtschen  fratz, 
s.  Grimms  Wb.  IV,  68. 

Frignare.  Bezüglich  der  bed.  höhnen  schließt  Liebrecht  das  wort 
an  frigna  eunnus,  welches  letztere  gleichfalls  dem  lomb.  frigna  felsenöffnung 
seine  bed.  gegeben  haben  soll;  s.  Jahrb.  XIII,  229.  —  Bugge  (Rom.  IV, 
356)  leitet  lieber  fr.  refrogner  von  einem  dtschen  *frunjan,  entsprechend 
schwed.  fryna  das  gesteht  runzeln  als  zeichen  des  unmuths  (auch  vom 
pferd  gebraucht,  wie  altfr.  frogner),  norweg.  frayna  und  fryna.  Derselbe 
gelehrte  erkennt  in  den  germanischen  Wörtern,  aus  denen  frignare  abge- 
leitet wird,  auch  die  quelle  des  fr.  frime  grimasse,  Verstellung. 

Frusoo.  Nach  Gaix  ein  mischwort  aus  fronda  +  raaca.  Lot. 
ruscum  „ramus  cum  foliis"  findet  sich  außer  brasco  (thl.  I)  im  aret. 
ruschia  ruthef  peitsche;  Oröbers  Ztschr.  I,  423.  —  Mit  Rönsch  (Jahrb. 
XIV,  176)  herkunft  von  lat.  fnitex  anzunehmen  (fruticio,  frutcio,  frusco), 
wäre  gewagt. 

Gavigna.  Mit  jabot  verwandt,  meint  Rönsch  (Jahrb.  XIV,  176 J;  also 
eigentL  kröpfchen;  so  leite  Isidor  XI,  1,  57  toxillas  (tusillas  vulg.)  von  toles 
kröpf.  —  Statt  jabot  hätte  ich  lieber  gave  (s.  unter  II.  c)  vorgeschlagen. 

Ghiera.  Das  als  queUe  vorgeschlagene  deutsche  g§r  wird  von 
Mussafia  beanstandet,  erstens  wegen  der  nebenform  viera,  da  g  zu  v  doch 
kaum  angeht,  dann  wegen  der  abll.  veretta  (s.  rira),  verone,  die  sich 
nicht  von  viera  trennen  lassen  und  in  veru  ein  ganz  befriedigendes  etymon 
finden.  Daß  das  deutsche  gßr  den  correkten  wandet  in  ghiera  beeinflußt 
habe,  sei  übrigens  anzunehmen;  Beitr.  119. 


740  ANHANG  II.  a.    GIRE-LERCIO. 

Gire.  Dieses  ausschließlich  der  poetischen  spräche  ungehörige  wort 
stammt  aus  den  südital.  mundarten;  g  ist  eine  verstärkende  prosthesis  vor  i, 
wie  sich  auch  v  dafür  findet,  so  im  aret.  vire  für  ire;  Caix,  Rivista  H,  174. 

Gnocco.  Caix  erblickt  darin  lat.  nucleus,  woher  nocchio,  dann 
umgestellt  njocco  =  gnocco;  oder  auch  gnocco  durch  dissimilaren  von 
gnocchio  (vgl.  giogaia  für  gioghiaia  =  *jugularia),  und  gn  =  n  wie  in 
gnudo  u.  a.;  ö  aus  u  sei  regelrecht  vor  cc;  Rivista  II,  176. 

Grascia  möchte  Liebrecht  zu  derselben  wortgruppe  stellen,  der  gr. 
yQaoTtg,  dtsch.  gras,    oitfr.  grasse  futter  (Jean  cFOutremeuse)  angehören. 

Greggio.    Daraus  das  fr.  soie  grege  {auch  greze)  rohseide. 

G  r  e  p  p  o.  Die  form  grebano  vergleicht  Schuchardt  ("Ztschr.  XX,  245) 
mit  ngr.  yQajunavog,  welches  MiJdosich  vom  serb.  greben  herleitet.  Er  führt 
auch  einefriauh  form  clapp  an,  als  stütze  für  die  ableitung  vom  ahd.  kl£p. 

Greto.  Flechia  (Post  etim.  44):  „Höchst  wahrscheinlich  eine  syn- 
copierte  form  von  *ghiareto  =  *glaretum  (von  glarea,  wie  vinetum  von 
vinea)."  Dieser  gar  zu  künstlichen  etymologie  möchte  ich  um  so  weniger 
beistimmen,  da  auch  das  mit  grieß  begriffs-  und  stammverwandte  dtsche 
grütze  ähnliche  bed.  entwickelt  hat:  in  Deutschland  heißt  grütz  €ackerfdd 
mit  steinigem  boden,  vgl.  grodnerisch  gruzza,  grüzzena  ,Jdeines  anwesen 
auf  schlechtem  bodenu;  wälschtir.  grusa  „rauher  unfruchtbarer  boden"  (viel- 
leicht direct  vom  dtsch.  graus).    8.  Schneller,  160. 

Guana.    S.  hierüber  vermuthungen  bei  LiebrectU,  Jahrb.  XIII,  230. 

Gudazzo.     Vgl.  den  art.  guolo  bei  Mussafia,  Beitr.  66. 

Guitto.  Caroline  Michaelis  (Jahrb.  XIII,  210 J,  vergleicht  arag. 
und  catal.  guit,  guito  böse,  böswillig,  besonders  von  störrischen  maulthieren 
gebraucht  (s.  II,  b  guito);  dieses  weise  auf  das  acht  baskische  wort  gait 
gaitz  gaist  schlecht.  Mussafia  (Rom.  II,  479),  in  entgegnung  auf  Toblers 
ansieht  guitto  =  gretto  (ib.  p.  240),  denkt  an  das  lothring.  ouetine 
rordurc,  vilenie',  abzuleiten  von  einem  primitiv  ouet  =  guet. 

Innesto.  Ferrario,  dem  Flechia  354  beipflichtet,  erklärt  innestare 
auf  folgendem  wege :  *in-insitare,  inistare,  inestare,  vgl.  pinsitare,  *pin- 
stare,  pistare,  it.  pestare.  Eine  nebenform  ist  annestare,  i  zu  a  wie  in 
vielen  fällen  (aneudine,  anguinaglia). 

Intuzzare.  Nach  Ascoli  (Saggi  lad.  36)  von  *in-tuditiare  regel- 
recht abzuleiten;  tuditare  verhalt  sich  eu  tuditiare  wie  admortare  (it. 
ammortare)  zu  admortiare  (it.  ammorzare).  Auch  tozzo  stimmt  lautlich 
und  begrifflich  zu  tuzzare  —  tuditiare. 

Izza.  Anzumerken  ist  altfr.  hicier  fietzen  (Que  il  hice  son  chien 
la  ü  il  n'ose  aler  Elias  de  St.  GUI.  1691)  und  enhicier  anfeuern  Cluv. 
as  d.  esp.  9604,  wo  die  anm.  Förster's  nachzusehen. 

Las  ca.  „Ob  nicht  vielmehr  vom  deutschen  asch,  ahd.  asco,  ein 
forcllenartiger  fisch"?  Diez,  Handschr.  notiz. 

Lercio.  Nach  Caix  ist  gualercio  ein  Zusammenfluß  von  gnercio 
und  lercio,  wie  von  ihm  auch  tose,  valampa  =  it.  vampa  durch  vampa 
4-  lampa  erklärt  tvird;  Gröber9 s  Ztschr.  I,  427. 


ANHANG  IL  a.   LOJA-PIOTA.  741 

Loja.  Lieber  illuvies  {statt  alluvies)  }ysordes  non  lotete  in  corpore 
animedis"  (Forcellini) ;  Caix,  Rivista  U,  176. 

Maccherone.  Von  fiaxaQeg  c die  seligen  genannt,  weil  diese  speise 
bei  den  leichenessen  zu  ehren  des  verstorbenen  in  anwendung  kam,  welches 
essen  jetzt*  noch  ^axagia  heißt;  Liebrecht,  Jahrb.  XIII,  230. 

Magone.  Ausführlich  behandelt  das  wort  Mussafia,  Beitr.76.  Die 
daselbst  in  der  anm.  vorgebrachten  ausdrücke  parm.  maghett  gddbörse, 
geldhaufen,  ferr.  magalott  häufen,  Humpen  dürften  wohl  auch  zur  auf- 
Märung  des  über  dem  nfr.  magot  noch  schwebenden  dunkeis  angerufen 
werden. 

Mallo.  Ist  das  lat.  mallo,  -onis  schale,  hülse;  „quindiun  belVesem- 
pio  di  forma  nominativa11,  Canello,  Rivista  II,  111.  Ein  beleg  zum  lat. 
mallo  in  der  angegebenen  bed.  wird  leider  nicht  gegeben.  - 

Marza.  In  Grimm* s  Wb.  wird  der  Zusammenhang  zwischen  märz 
und  ausmärzen  verneint. 

Pazzo.  Grrimm  {Wb.)  leitet  dtsch.  batzig  von  batze  klumpen.  — 
Der  ansieht  Caix9  zufolge  ist  strapazzare  die  pejorative  form  von  strap- 
pare  (vgl.  svolazzare,  sgignazzare,  scorazzare)  und  heißt  also  eigentl. 
€strappare  ossia  tirare  in  qua  e  in  lä  senza  garbo,  dann  auch  „mißhan- 
deln, zerreißen";  Rivista  II,  175.  Diese  deutung  stimmt  zu  der  bei 
Scheler  s.  v.  estrapade  ausgesprochenen;  man  übersehe  nicht  daß  dem 
deutschen  lehnwort  strapazieren  der  begriff  „nicht  schonen",  und  zwar 
mehr  auf  Sachen  als  auf  personen  bezogen,  innewohnt. 

Pecora.     Vgl.  fr.  pöcore  thier  im  allgemeinen. 

Pevera.  Mussafia  (Beitr.  89)  erklärt  gleichfalls  das  wort  durch 
den  stamm  ple-,  einestheils  mit  suffix  -bro,  woraus  pevera  st.  pievera, 
anderntheils  mit  suffix  -tro  und  erweiterung  der  form  durch  Ya,  woraus 
pletria,  pedria,  pidria. 

Picciuolo.  über  das  verhältniß  der  formen  mit  gutturalem  c  zu 
den  andern  und  die  etymologie  beider  äußert  sich  Mussafia  folgendermaßen: 
„Schuchardt  II,  203  hat  die  verschiedenen  gestaüungen  des  Stammes  pit- 
(pet-)  erörtert.  So  wie  nach  ihm  aus  pit-i-olus  it.  picciolo  und  aus  pit- 
-ic-ulus  it.  piecolo,  so  läßt  sich  wieder  neben  dem  von  Schuchardt  ange- 
führten picciuolo  =  pit-i-ölus  auch  pfeeol  p6col  =  pit-ic-ulus,  dann 
peeöll  =  pit-ic-ullus  annehmen.  Die  bedeutung  „fuß11  des  berg.  friaul. 
wortes  spricht  nicht  dagegen:  auch  wal.  picior  =  petiolus  bedeutet  fuß; 
die  beiden  begriffe  fuß  und  stiel  werden,  wie  Schuck,  richtig  bemerkt,  oft 
vertcechselt"  {Beitr.  88).  Das  diese  beiden  bedeutungen  vereinigende  altfr. 
peeol  pecou  läßt  sowohl  Diez  als  Mussafia  unerwähnt. 

Piota.  Bugge  {Rom.  IV,  368)  erhärtet  das  etymon  plotus  durch 
die  iveitere  folge  des  citats  aus  Festus:  „Soleas  quoque  dimidiatas  quibus 
utebantur  invenando  quo  planius  pedem  ponerent,  semiplotia  appellabant" 
Diese  form  semiplotium  setzt,  wie  bereits  Schmidt  {Gesch.  des  indogerm. 
vocalismus  I,  179  ff.)  bemerkt,  ein  grundwort  plota  mit  der  bed.  des  iL 
piota  voraus. 


742  ANHANG  H.a.    RAGAZZO-SINO. 

Ragazzo.  Weitere  bemerJcungen  über  form  und  bed.  des  worts  bei 
Mussafia,  Beitr.  .93,  s.  v.  regazo. 

Randell o.  Mussafia  vermuthet,  das  synonyme  maü.  tarell  könnte 
=  ratello  sein  und  somit  hieher  gehören;  Beitr.  77,  anm.  3. 

Ratto.  Ist  nach  Flechia  (s.  oben  cutretta)  nicht  raptuä,  sondern 
rapidus.     Vgl.  ättfr.  rade. 

Refe.  Dieses  wort,  das  Caroline  Michaelis  im  Diez 'sehen  tob.  ver- 
mißt, obgleich  es  in  allen  ausgaben  steht  und  für  welches  zwei  etyma,  gr. 
(Hx<rr]  naht  und  ahd.  reif  strick  aufgeführt  werden,  leitet  die  genannte  for- 
scherin  vom  arab.  refi'  dünn;  doch  findet  sie  es  auffallend,  daß  das  wort 
dem  span.  und  port.  abgeht;  Jahrb.  XI,  293. 

Rezza.  Rönsch  macht  zur  Stützung  der  Dies' sehen  etymologie  auf 
das  häufige  vorkommen  der  form  retia,  -ae  in  der  Vulgata  aufmerksam; 
Grob.  Ztschr.  I,  420. 

Rombo.  In  frombola  erblickt  Caix  (Grob.  Ztschr.  I,  423)  ein- 
mischung  von  *fronda  (fionda). 

Rovello.  Zu  lat.  rubentem  scheinen  altfr.  rouvent  roth  und  dim. 
rouvelent  zu  gehören,  s.  m.  anm.  eu  Berte  3667. 

Scaffale.  Über  das  primitiv  scafa,  scaffa,  die  mannichfachen  be~ 
deutungen  des  Wortes  in  den  ital.  mundarten  und  den  deutungsversuch 
durch  lat.  scapha,  gr.  axacpTj,  s.  Mussafia,  Beitr.  98.  Grundbegriff  wäre 
das  hohle. 

Scialacquare.  Die  beiden  deutungen  sind  unzutreffend;  nach 
Caix  eine  „voce  nata  della  fusione  di  due  temi".  Die  senensische  form 
scialeguare  führt  ihn  auf  scialare  +  liquare;  die  urspr.  ausspräche  war 
durch  assimüation  getrübt  worden;  Grob.  Ztschr.  I,  420. 

Scornare.     Über  das  gleichbed.  engl,  scorn,  s.  Ed.  Müller. 

Scotolare.  „Ließe  sich  nicht  mit  hinweis  auf  neap.  scotolare  sco- 
tolejare,  sie.  scutulari  cutulari,  ebenfalls  'schütteln,  heftig  bewegen,  an 
excutere  denken?"    Mussafia,  Beitr.  109,  anm. 

S  er  qua.  Rönsch  (Jahrb.  XIV,  343)  schlägt  vor  siliqua,  woraus 
sirqua  serqua  (vgl.  felzare  ferzare,  scalmo  scarmo).  Dem  laute  nach 
genügend,  aber  siliqua  war  nur  ein  gewichtsmaß. 

Sgomentare.  Muß  zugleich  mit  dem  sinnverwandten  sgominare 
untersucht  werden;  letzteres  nun  weist  auf  lat.  comminari  durch  drohungen 
in  schrecken  setzen  (man  hatte  auch  ein  volksthündiches  comminare  vor- 
wärts treiben,  verjagen),  so  daß  sich  sgomentare  füglich  durch  commini- 
tare  erklären  läßt;  minitari  bestand  ja  schon  im  class.  latein;  Caix, 
Rivista  II,  175. 

Sino.  Bugge  kann  sich  zum  etymon  Signum  nicht  verstehen  (gn 
zu  n  sei  fürs  ital.  unzulässig)  und  sucht  die  möglichkeit  eines  wandeis 
von  fino  zu  sino  darzuthun.  Aus  den  rom.  sprachen  beruft  er  sich  auf 
einzelne  beispiele  wie  fr.  senegrä,  cot.  sinigrec  aus  foenum  graecum,  cot. 
sivella  =  lat.  fibula  (s.  Rom.  gramm.  I,  285);  umgekehrt  f  aus  s,  in 
pr.  sofanar,  sp.  sosanar  =  subsannare.    Derselbe   Übergang,  häufig  in 


ANHANG  IL  a.   SOLLETICARE— VOTO.  743 

den  aliital.  sprachen,  sei  noch  vielfach  in  den  jetzigen  mundarten  Italiens 
und  der  waschen  Schweiz  bemerkbar;  s.  Rom.  III ,  161. 

Sollet icare.  Flechia  320  erklärt  diese  büdung  folgendermaßen: 
tilliticare  (metathet.  form  von  titillicare)  wurde  durch  dissimilation  dile- 
t icare;  dieses,  fälschlich  für  ein  compositum  von  liticare  gehalten  (vgl. 
neap.  tellecare  für  tetellecare),  gab  mit  sab  verbunden  {vgl.  neap.  sotta- 
tilleco  achselhöhle)  das  vb.  solleticare. 

Staggire.  Storm  wäre  geneigt  als  quelle  dieses  verbs  ein  dem 
altn.  stedja  cstabilire  sistere  sta&uere  entsprechendes  ahd.  stadjan  anzu- 
nehmen. In  sagire  (s.  thl.  I)  sieht  derselbei  meiner  ansieht  beipflichtend, 
eine  bloße  erleichterung  von  staggire,  s.  Rom.  V,  167. 

Stamberga.  Bugge  (Rom.  III,  163)  stellt  das  wort  zum  altfr. 
estamperche  (stans  perca),  s.  DC.  $.  v.  etarehartea.  Die  ital.  behand- 
lung  des  worts  beruhe  vielleicht  auf  einunrkung  des  sinnverwandten  al- 
ber go;  was  die  bed.  betrifft,  so  sei  der  Übergang  von  stange  zu  hütte 
nichts  ungewöhnliches.  Auch  Littre  stelle  goberge  zu  6coperche.  —  Nach 
Caix  (Grob.  Ztschr.  I,  420)  ein  mischwort  =  stanza  -t-  albergo. 

Stentare.  Zu  bemerken  ist,  daß  it.  bistentare und  pr.  bistensar  vom 
atifr.  bestancier,  was  die  bedetäung  betrifft,  zu  trennen  sind;  letzteres 
schließt  sich  an  tancer  an  und  heißt  zuvörderst  zanken,  streiten. 

Strozza.     Vgl.  ndl.  strot  dass.,  Jahrb.  XIII,  231. 

Ticchio.  Wie  verhalt  sich  fr.  tic  zum  ital.  wort?  In  der  bed. 
laune  möchte  es  daraus  entlehnt  sein. 

Tozzo.    S.  oben  intuzzare. 

Trastullo.  Mit  diesem  ital.  wort  dürfte  auch  sp.  tertulia  €ein 
kleiner  kreis  von  freunden,  abendunterhaltung"  zusammenhängen',  mittel- 
glieder  wären  trastulia,  terstulia;  vgl.  it.  traliccio  =  sp.  terliz;  ausfall 
von  8  wie  in  it.  poltro  (von  bolstar);  Storm,  Rom.  V,  185. 

Ubbia.  Nach  Canello  dasselbe  wort  mit  fr.  lubie,  diso  lat.  lubido; 
abfall  von  anl.  1  wie  in  usignuolo ;  syncqpe  von  d  wie  in  biava  für  bia-a 
aus  ablata;  Rivista  II,  112.  G.  Paris  (Rom.  IV,  499)  widerspricht 
dieser  ansieht  und  hält  fr.  lubie  für  ein  dem  it.  ubbia  abgeborgtes  wort. 

Vasca.    Daraus  das  fr.  vasque. 

Voto.  Das  unbefriedigende  volto  sucht  Storm  (Rom.  II,  327)  da- 
durch zu  beseitigen,  daß  er  voto  von  votare  ableitete  (wie  porto  von  por- 
tare),  und  votare,  oder  vielmehr  die  alte*  form  voitare,  durch  vuid'tare 
=  viduitare  erklärte.  Aber  auch  diese  deutung  hat  ihre  phonetischen 
Schwierigkeiten.  Die  richtige  lösung  des  räthsels  scheint  Thomsen  getroffen 
zu  haben,  der  (Rom.  IV,  257—62)  sowohl  it.  voto,  als  das  altfr.  vuit, 
voit  einer  eingehenden  prvfung  unterzieht,  deren  ergebniß  folgendes  ist: 
altfr.  vuide  (nfr.  vide)  hat  mit  lat.  viduus,  das  übrigens  auch  dem  be- 
griff nach  abliegt,  nichts  zu  thun.  Man  muß  sich  nach  einem  andern 
etymon  umsehen,  und  dieses  bietet  die  erwiesene  nebenform  vocare  =  va- 
care  (s.  Schuchardtf  Vok.  I,  177)  an  die  hand.  Daraus  ein  partieip  vo- 
citus  (vgl.  rogitus),  voe'tus,  welches  allen  romanischen  gestaltungen   des 


744  ANHANG  IL  b.   ZOTICO-ASIR. 

Wortes  genüge  leistet:  it.  voito,  woraus  voto,  aUfr.  voit,  vuit,  vnide,  wo- 
raus nfr.  vide;  vgl.  aus  cogitare  it.  coitar,  cotar,  cdtfr.  cuidier.  Im 
wesentlichen  trifft  diese  deutung  mit  der  in  demselben  hefte  der  Born. 
s.  256  von  Schuchardt  ausgesprochenen  überein. 

Zotico.      Vom   ahd.   zota,    nhd.   zotte;    adj.  zoteht   sottig,   ratth; 
Liebrecht,  Jahrb.  XIII,  231. 


n.  b. 

SPANISCHES  GEBIET. 

Acibar.  Entsprich  dem  sicü.  zabbara  und  hängt  mit  arab.  qibär 
zusammen;  Gar 61.  MicJiadis,  Rom.  II,  91. 

Aguinaldo.  Nach  Schuchardt  (Rom. IV,  263)  von  calendae,  vgl. 
chalendes  in  den  frans,  mundarten  =  Weihnacht;  wegen  der  Versetzung 
der  consonanten  vgl.  guirnalda  =  guirlanda.  Liebrecht,  Jahrb.  XIII, 
231  stellt  unser  wort  zu  fr.  aguilaneuf,  welches  Vülcmarque,  Barsaz  Brek 
4.  ed.  I,  346  durch  den  ruf  eghinad  d'6  {entstellt  zu  eghina'  n'6)  =  ge- 
schenke  mir!  erklärt.  Schuchardt  erwähnt  noch  aus  Jaubert's  Glossaire 
du  Centre  guilanä,  neujahrs~almosen4  und  fragt  ob  dieses  dem  Span,  ent- 
nommen. —  Nach  Mahn  (Herrigs  Arch.  37,  *133)  vom  baskisch-iber. 
againdu  anbieten,  darbringen,  und  def  wortbildungsendung  aldi. 

Alazan.    Nach  Devic  vom  arab.  a'hlas,  fem.  'halsä  'spadix  cquns\ 

Alboroto.  Etwas  gewagt  ist  Storm1  s  vermuthung,  es  möchte  in 
diesem  worte  das  lat.  rutuba  'perturbatio'  (Varro  bei  Nonius)  stecken; 
die  Umstellung  *buruta  dürfe  im  span.  nicht  auffallen,  vgl.  zaherir  aus 
facerir;  s.  Rom.  V,  164.  In  al,  meint  Storm,  steckt  ad:  ad-rutubarc 
*arrotobar,  *aborotar  alborotar. 

Anafar.  Entspricht  dem  sp.  alifar  glätten,  poliren  (1  zu  n,  und  i 
zu  a  durch  assimilierung),  Bugge,  Rom.  III,  160.  Alifar  stellt  Bugge  tu 
lat.  allevare;  wegen  sp.  i  =  lat.  e,  vergleicht  er  consigo  =  secum; 
wegen  f  aus  v,  ältsp.  femencia  =  vehementia,  pg.  safo  =  salvus. 

Angurria.  Das  wort  ist  auch  in  Italien  verbreitet,  s.  Mussafia 
Beitr.  27;  hinsichtlieh  der  etymologie  bemerkt  letzterer:  „Diez  häÜ  dieses 
wort  für  ein  baskisches;  warum  nicht  mit  Galvani  vom  gr.  dyyovQiöv?11 
Siehe  auch  Miklosich,  Die  fremdworter  in  den  slav.  sprachen,  s.  v.  ugorek. 

Aro.  Vielleicht  das  lat.  anus  ring  Plaut.  Men.  I,  1,  9;  vgl.  pg. 
sarar  =  lat.  sanare.  [Der  Geiväfwsmann  dieser  deutung  ist  mir  entfallen.] 

Asear.  Vielleicht  wmassedare  als  causativ  von  sedere  verstanden; 
logisch  bietet  sich  iL  assettare  =  asseditare,  Storm,  Rom.  V,  165. 

Asir.    Storm  (Rom.  V,  166)  lehnt  das  etymon  apiscire  nach  form 


ANHANG  IL  b.   AZA—  CHARCO.  745 

und  bed.  ab,  ebenso  das  von  Böhmer  (Jahrb.  X,  183)  vorgeschlagene  ad- 
cio  (==  sp.  asgo  im  praes.).  Ihm  ist  asir,  azir  =  prov.  sazir,  fr.  saisir; 
die  form  habe  in  einer  falschen  auffassung  des  compositum^  dessazir  als 
des-asir  seinen  grund.   Praes.  asgo  sei  analog  dem  praes1.  salgo  von  salir. 

Aza.  über  die  Verbreitung  desselben  wortes  in  Italien  mit  der  be~ 
deutung  herikel,  oer,  wasche,  knopfloch,  $.  Mussafia,  Beitr.  30,  der  auch  das 
mundartl.  vb.  azolar  einheftein  (ib.  31)  darauf  zurückzuführen  geneigt  wäre. 

Ba lad  rar.  Nach  Caix  ein  volksthümliches  mischwort  aus  balar  + 
ladrar  gebildet;  Grob.  Ztschr.  1,  422. 

Barriga.  Eine  andere  deutung  von  parm.  boldriga  bietet  Mussafia, 
Beitr.  36,  anm. 

Barrueco.  Nach  Littre  von  dem  scholastischen  ausdruck  baroco 
(eine  besondere  art  des  Syllogismus);  unwahrscheinlich. 

Brincar.  Nach  Storm  (Rom.  V,  173)  verküret  aus  esbrincar 
(wie  pasmo  von  espasmo) ;  dieses  für  esprincar  (wie  esgrimir  für  escri- 
mir)  und  dieses  für  espringar  (wie  estrinque  für  estringue,  s.  stringa 
thl.  I);  also  dasselbe  wort  mit  it.  springare,  cdtfr.  espringuer,  ätsch. 
springen. 

Cafre.  Andere  deutungen  des  fr.  cafard,  theils  durch  xa&agög  als 
name  einer  religiösen  sekte,  theils  durch  cafard  'grülon,  findet  man  bei 
Littre,  Suppl. 

Ganasto.  Unmittelbar  vom  nüat.  canastra  =  </r.  xavaatga,  Storm, 
Rom.  V,  167. 

Carcomer,  carcoma.  Carol.  Michaelis  (Jahrb.  XIII,  209)  fügt 
diese  Wörter  unter  die  wurzel  carc,  corc,  welclier  sämmtliche  span.  port. 
cot.  und  arag.  bejseiclmungen  für  die  am  körne,  am  holze  oder  am  thier- 
körper  nagende  krebskrankheit  etitsprossen  sind  und  welche  vorliegt  im  gr. 
xaQTuvog,  lat.  corculio,  cnrculio,  und,  zu  canc  modifiziert,  in  Cancer.  Dem- 
nach sei  carcoma  wie  das  gleichlautende  port.  wort,  die  verkürzte  form 
von  Carcinoma,  gr.  xaQxivcoiua.  Diese  ansieht  werde  gestützt  durch  das 
bestehen  eines  cai.  corc  und  arag.  corca  *holz-  oder  kornwurm \ 

Genteno.  Der  roggen  hieß  schon  bei  den  Römern  im  gemeinen 
leben  centesimnm  (Edict  des  Diocletian  de  pretiis  vom  j.  301,  und  bei 
lsidorj;  Rönsch,  Grob.  Ztschr.  I,  420. 

Ghapuzar.  Da  die  entstehung  der  spem.  vorsilbe  za,  sa,  cha,  sa 
(verstärkt  zam,  cham)  aus  lat.  sub  keinem  zweifei  unterliegt,  ließe  sich 
vielleicht  chapuzar  durch  sup-putearc  erklären;  in  gleicher  weise  sind 
zafondar  (cdtsp.  sofondar),  pg.  chafundar  =  sub-fundare.  Vgl.  Rom.  II,  89. 
—  Ob  und  wie  die  glbd.  pr.  cabnssar  und  accabustar  (ersteres  ist  auch 
catal.)  damit  zu  verbinden  sind,  bleibe  dahin  gestellt;  ich  halte  sie  mit 
Raynouard  für  abll.  von  cap,   also  zunächst  €praecipitarey  bedeutend. 

Cha  reo.  Lautlich  stehen  zu  weit  ab  die  von  Liebrecht  erwähnten 
altn.  kjöiT,  schwed.  karr  (spr.  dschärr)  sumpf,  dän.  kjerr  lache,  pfütze, 
Jhrb.  XIII,  232.  —  Sollte  denn  das  deutsche  quark  koth  sich  nicht 
damit  einigen  lassen? 


746  ANHANG  IL  b.    CORI§CAR-ENCLENQUE. 

Coriscar.  Rönsch  (Jahrb.  XIV,  177)  belehrt  uns,  ein  rusttkes 
coriscus  erscheine  mehrmals  in  den  vorhieronymianischen  bibdübersetzun- 
gen.  Im  sicil.  surruscu  erkennt  derselbe  das  ebenfalls  erwiesene  sbst.  co- 
ru8CU8  (nach  dev  4.  decl.)  mU  prothetischem  s. 

Goto  via.  Eine  verschiedene,  sehr  problematische  deutung  (toppo 
schöpf,  topita,  tovia,  durch  reduplic.  totovia,  durch  dissimü.  cotovia)  gibt 
Rönsch,  Jahrb.  XIV,  343. 

Cr e ii c ha.  Die  ableüung  von  crena  gewinnt  an  glaubwürdigkeit 
durch  das  gleichbedeutende  cretnonesisdte  crena,  s.  Mussafia  fBeitr.  103), 
welcher  sard.  gringia  für  identisch  mit  dem  span.  crencha  erachtet. 

Crisuelo.  Gehört  zu  der  Wörtergruppe,  die  ich  in  meinem  Did. 
s.  v.  crenset  angeführt  und  mit  mhd.  krus,  nhd.  krause  zusammengestellt 
habe.  S.  Hüdebrand  in  Grimmas  Wb.  s.  v.  krause,  auch  LUtre  au  crenset, 
wo  mit  unrecht  mlat.  crucibulum  als  die  quelle  der  betreffenden  Wörter 
hingestellt  wird. 

Cutir.  Storm  (Rom.  V,  176)  halt  es  für  gerathener  cutir  als  ein 
aus  den  compos.  reentere,  coneutere  abgezogenes  primitiv  aufzufassen; 
das  wort  habe  gelehrten  anstrich  und  so  stehe  die  tenuis  dieser  erktärung 
nicht  entgegen;  man  sage  zwar  saendir  =  suecutere,  aber  auch  repercotir. 

Despedir,  wohin  auch  pg.  despir,  praes.  3.  sg.  d£spe.  Etwa  von 
despicere  (praes.  d^spicit,  woher  däspe?)  von  sich  thun  =  verachten,  weg- 
werfen?    Handschrifll.  notiz  des  Verfassers. 

Dexar.  Eine  sorgfältige  musterung  von  mehr  als  tausend  zwischen 
938  und  1164  abgefaßten  Urkunden,  der  sich  J  Taühan  (Born.  IV,  262) 
unterzogen,  hat  ergeben,  daß  das  vb.  dexar  weder  in  vulgärer,  noch  in 
latinisierter  form  darin  in  anwendung  kommt;  eben  so  wenig  ein  lat. 
desinere  mit  der  bed.  lassen  oder  verlassen;  die  ausdrücke  dafür  sind 
stets  relinquere,  derelinquere,  di  mitter e  und  laxare.  Das  vb.  dexar  muß 
also  nicht  vor  ende  des  12.  jh.  im  span.  aufgekommen  sein,  und  die  ety- 
mologie  desitare  verliert  zugleich  alle  historische  Wahrscheinlichkeit;  wie 
sollten  die  Spanier,  längst  im  besitz  von  laxar  und  lexar,  sich  aus  desinere, 
das  bei  ihnen  niemals  die  ihm  beigelegte  bedeutung  aufweist,  ein  neues 
synonymes  vb.  dexar  geschaffen  haben?  Es  ist  also  die  ansieht  Schuchardt's 
und  Coelho's  (s.  Questöes  da  lingua  portugueza  1.  thl.,  s.  292),  wonach 
lexar  und  dexar  identisch  sind,  die  stichhaltigere;  vgl.  Rofh.  II,  287. 
Audi  Carol.  Michaelis,  Wortschöpfung  s.  236,  führt  dejar  als  scheideform 
von  lejar  auf. 

Enclenque.  Auch  C.  Michaelis  (Studien  z.  rom.  Wortschöpfung 
s.  268  u.  286)  setzt  dieses  wort  als  das  vclksthünüiche  dem  gelehrten 
clinico  als  scheideform  entgegen.  Indessen  ist  die  etymölogie  clinicus 
nickt  unzweifelhaft  (warum  nicht  enclenge,  wie  canonge  ?).  So  hat  es  W. 
Förster  (Grob.  Ztschr.  I,  669)  vorgezogen,  das  ahd.  slinc,  dessen  bed. 
link  sehr  leicht  in  die  von  schwach,  kränklich  übergehen  konnte  (vgl.  Diez 
unter  stanco  u.  gauche)  herbeizuziehen.  Aus  slinc  wurde  esclenque,  dar- 
aus durch  die  einschiebung  eines  n  vor  dem  Sibilanten  (ein  lautlicher  wnr- 


ANHANG  II.  b.   ENLEAR-FESTO.  747 

gang,  den  Förster  durch  zahlreiche  beispiele  für  das  aUfranz.,  span.  und 
port.  belegt)  ensclenque  und,  mit  ausfall  des  8,  enclenque;  vgl.  enclusa 
aus  exclusa.  Altfr.  esclenc  habe  ich  in  Watr.de  Couvin4,  86  (ä  l'esclen 
lez)  angemerkt,  worauf  mich  F.  selbst  neuerdings  schriftlich  aufmerksam 
machte. 

Enlear.  Die  alt  fr.  form  enlaier  für  in-ligare  ist  nicht  annehmbar, 
wohl  aber  enleier. 

Entremes.  Die  etymologische  Verschiedenheit  zwischen  dem  span. 
worte  und  fr.  entremets  bedarf  eines  beweises;  letzteres  wurde  früher  oft 
im  sinne  von  Zwischenspiel  gebraucht,  s.  m.  Glossar  zu  Froissart. 

Escada.  Goelho  (Rom.  II,  287)  begreift  nicht  warum  das  d  einen 
andern  grund  haben  sollte  als  das  in  amydo  (amylum),  in  it.  sedano 
(aelivov),  u.  a.  (s.  Rom.  gramm.  I,  204). 

Escarapelarse.  Gehört  nach  C.  Michaelis  (Stud.  z.  rom.  wortsch. 
56  anm.)  nicht  zum  stamm  scalp,  sondern  unmittelbar  zum  deutschen 
skarp,  wenn  beide  auch  ursprünglich  eins  gewesen  sein  mögen.  Scalp 
hätte  span.  escop  gegeben,  wie  escoplo,  escopa  bezeugen,  denn  sp.  escal- 
pelo  oder  escarpelo  erweist  sich  nach  form  und  inhdlt  als  gelehrte  bildung. 

Es  carba.  Bugge,  Sche&er  beistimmend,  stellt  (Rom.  IV,  367)  das 
wort  in  beziehung  mit  fr.  äcarver,  dtsch.  Scharben,  engl,  scarf  „to  join 
timbers  with  a  slanting  Joint".  F  oder  b  ist  ein  seeundäres  dement  des 
Stammes  und  so  vergleicht  denn  Bugge  unser  wort  mit  isländ.  skara  fas- 
seres  reeiproce  coaptare.  —  [Die  hier  mir  angerechnete  etymologie  ist 
schwerlich  mein  verdienst;  meine  2.  ausgäbe  (1873)  ist  mit  benutzung  der 
Diez'schen  dritten  erschienen  und  in  letzterer  ist  nicht  nur  äcarver,  son- 
dern auch  sp.  escarba  im  sinne  Bugge9 s  erklärt  (s.  äcarver  IL  c).  Diez 
hat  leider  versäumt,  als  er  letzteren  artikel  seinem  werke  einschaltete, 
den  widerstreitenden  artikel  escarba  77.  b  zu  streichen  oder  zurückzunehmen.] 

Escoplo.  Dem  altfr.  eschalpre,  auch  escople,  entspricht  nfr. 
ächoppe  in  seiner  bed.  grabstichel.  Ich  irrte  mich,  als  ich  in  meinem 
Dict.  sp.  escoplo,  pg.  escopro  für  franz.  Ursprungs  erklärte.  Vom  ge- 
nannten escople  kommt  vb.  altfr.  escopeler  zerkratzen,  zerhauen  (Ne  se 
sont  fait  gaires  d'anui  Fors  que  d'escns  escopeler  Ch.  as  d.  esp.  10000—1); 
vgl.  it.  scarpellare. 

Espertar.  Auch  altfr.  despert  kühn,  grausam  gehört  hieher,  s. 
m.  anm.  Jean  de  Conde  I,  p.  395. 

Feligres.  Nach  Cäbrera  und  Carol.  Michaelis  (Jahrb.  XIII,  211) 
von  filius  ecclesiae. 

Festo.  In  einer  eingehenden  Untersuchung  über  das  unter  diesem 
altpg.  worte  behandelte  fr.  falte  (Rom.  I,  97)  hat  O.  Paris  den  beiden  bis 
jetzt  für  letzteres  vorgebrachten  etyma,  nämlich  fastigium  (Diez)  und  *fastum 
(Littre),  jede  berechtigung  abgesprochen  und  die  existenz  des  von  Diez 
ohne  beleg  angeführten  altfr.  faltete  in  Zweifel  gestellt.  Sein  etymon  ist 
das  dtsche  first  und  wird  von  ihm  auf  das  überzeugendste,  nach  laut  und 
begriff,  dargelegt.  Dem  masc.  first  entspricht  im  altfr.  fest,  altprov.  frest, 


748  ANHANG  IIb.   FRAIRE-MARFIL. 

dem  fem.  firste  die  einst  nicht  minder  üblichen  formen  feste  festre,  pr. 
fresta.  An  citaten  für  diese  verschiedenen  gestciltungen  des  Wortes  läßt 
es  G.  Paris  nicht  mangeln,  so  tvie  für  den  masc.  gebrauch  von  feste, 
welches  erst  spät  und  willkürlicher  weise  in  faiste  umgewandelt  ward. 
Abfall  des  r  vor  st  ist  analog  dem  in  astrent  =  arserunt,  und  dem 
vor  sc  in  pesche  =  persica.  Die  portug.  form  festo  läßt  der  Verfasser 
unberührt  (er  entschuldigt  sich  hierüber  Rom.  II,  378).  Daß  übrigens 
Diez  altfr.  freste,  pr.  frest  und  ihre  herkunfl  von  first  sehr  wohl  bekannt 
war,  erweist  sein  art.  freste  (11.  c),  der  von  Paris  ebenfalls  unberück- 
sichtigt gelassen  worden,  zur  genüge;  nur  deren  identität  mit  feite  ist  ihm 
wegen  des  trugbildes  fauste  nicht  in  den  sinn  gekommen. 

Fraire.  Wir  nehmen  hier  anlaß,  des  wal.  Wortes  fartat  gefährte 
erwähnung  zu  thun,  welches  Diez  Gramm.  I,  137  anm.  und  nach  ihm 
Cihac  durch  foederatus  erklären,  aber,  wie  Hasdeu  Columna  lui  Traian 
7.  Jhrg.  466—68  ausführt,  von  frate  herzuleiten  ist,  wie  surta  Schwester, 
gefährtin  von  sora. 

Garabato.  Gar.  Michaelis  (Wortschöpf  62)  erblickt  in  garab  den 
bekannten  fruchtbaren  stamm  garb  grab  greifen,  klammern. 

Goldre.  Die  hier  gegebene  etymologie  wird  von  Carol.  Michaelis 
gutgeheißen  und  ausführlich  nachgewiesen  in  einer  besonderen  Studie  über 
die  roman.  bezeichnungen  des  köchers  (Jahrb.  XIII,  212  ff.).  Die  Ver- 
fasserin irrt  sich  aber,  wenn  sie  Diez  die  Schreibung  corythus  beilegt  (s. 
214);  in  allen  ausgaben  steht  corytus.  Letzteres  ist  bekanntlieh  das  ho- 
merische yioQtrtog. 

Guito,  s.  oben  H.a.  guitto. 

Halagar.  Storm  (Rom.  V,  176)  weist  mehrere  falle  eines  span. 
suffix  ag  für  lat.  ic  oder  sp.  eg  nach  (so  encenagar  =  incoenicare);  es 
ließe  sich  daher  afalagar  durch  *af-flaticare  erklären;  zunächst  aflagar 
(vgl.  sosegar  aus  subsedicare),  dann  afalagar' (vgl.  filibote  für  flibote). 

Lleco.  Ist  entstellt  aus  *llueco  (vgl.  frente,  fleco,  estera,  brezo, 
serba,  wo  e  =  ue).  Llueco  ist  =  *flueco  =  *floco;  dieses  entspricht 
dem  bei  DC  s.  v.  fraustum  citierten  fr.  floc  ffriche\  welch  letzterem  froc, 
frou  (mlat.  frocus)  eterra  inculta  vorausging.  Die  adjeetivische  Verwen- 
dung des  jetzigen  span.  Wortes  ist  zu  vergleichen  mit  der  von  hondo  tief, 
puerco  schmutzig.   S.  Bugge,  Rom.  III,  163. 

Malvar.  Zur  stütze  der  deutung  von  malvado  durch  „übel  er- 
zogen,  ungezogen^  erwähnt  Bugge  (Rom.  IV,  362)  engl,  wanton  =  ags. 
wantigen  schlecht  erzogen.  [Ich  glaube  kaum,  daß  ags.  wantigen,  wenn 
es  bestehen  sollte,  engl,  wanton  erzeugen  konnte;  besser  also  ist  letzteres 
mit  Wedgwood  in  wan  (Verneinungspartikel)  +  towen,  itowen  (gesogen) 
zu  zerlegen.] 

Mafia.  Im  itaH.  manna,  sp.  mana  bündel  erkennt  Rönsch  (Jahrb. 
XIV,  178)  das  vulgär  Aat.  manua  'manipulus*.  Ist  jedoch  die  Wandlung 
nv  zu  nn,  n  durch  beispiele  oder  theoretisch  zu  erhärten? 

Marfil.    Die  etymologie  nab-al-fil  hat  Diez  in  der  3.  aufl.  aufge- 


ANHANG  IL  b.   MARIPOSA— REBENTAR.  749 

geben;  das  hatte  Devic  im  j.  1877  berücksichtigen  sotten,  aber  leider  scheint 
er  Diez  nur  aus  Littri  zu  kennen. 

Maripos a.  Kommt  von  Maria  posa  'Marie,  setze  dkh\  wie  pg. 
pousalousa  =  'setze  dich  auf  den  stein.  Storm  vergleicht  hierzu  den  nor- 
wegischen namen  des  sonnenkäfers  marja  marja  fly  fly,  den  franz.  bete 
är  bon  Dieu,  den  engl,  lady  bird,  und  verweist  auf  Mannhardt,  Germa- 
nische mythen,  s.  243  ff.;  s.  Rom.  V,  180. 

Morro,  vorspringende  lippe,  schnauze.  Mussafia  (Beitr.  50)  stellt 
zu  demselben  stamm  ven.  moragia,  mant.  moraecia,  fr.  morailles,  mo- 
raillon,  sämmtlich  zunächst  Werkzeuge  bedeutend,  welche  dazu  dienen,  den 
unbändigen  pf erden  die  obere  lippe  zu  fassen;  ebenso  prov.  moralha  visier, 
cot.  morallas  mautkorb,  morralet  ,jsacculus  cibandis  equis". 

Mouco.  Nach  Bugge  {Rom.  IV,  367)  etwa  von  einem  lat.  volks- 
ausdruck  *mucus  =  fivxog  'aqxovog'  (Hesych.);  heißt  ja  auch  das  dtsche 
dumm  sowohl  stumm  als  taub;  dieselben  begriffe  vereinigen  auch  gr. 
xcüfpog  und  goth.  bauths.  Den  buchstaben  betreffend  beruft  sich  Bugge 
auf  louco,  das  Diez  von  alücus,  ulücus  herleitet. 

Mozo.  Ein  weibl.fr.  mousse  mädchen  findet  sich  Chans.fr.  du 
15e  s.  p.  7. 

Pantorrilla.     Vgl.  ventrichi  „wadenu  bei  Mussafia,  Beitr.  118. 

Perol.  Nicht  von  patina,  sondern  wie  pr.  fr.  pairol,  it.  pajuolo, 
graubündtn.  (soprasilv.)  pariel,  priel,  durch  Vermittlung  eines  dim.  pario- 
lum,  vom  kymr.  pair,  cornw.  per  kessel;  Schuchardt,  Rom.  IV,  256. 

Pestillo.  Ist,  meint  Bugge  {Rom.  IV,  367),  das  volksübliche  lat. 
p  es  tu  1  um  für  pessulum  (s.  Caper  de  verbis  dubiis,  p.  2249  P);  dieselbe 
sufßx-vertauschung  wie  in  astilla  von  astula  =  assula  {s.  thl.  I,  ascla), 
und  in  mancilla  von  macula. 

Quejando,  quijando,  seltener  quejendo  pg.  adject.,  bed.  wie  be- 
schaffen, in  welchem  zustande;  nicht  selten  in  Urkunden,  aber  auch  bei 
alten  dichtem.  Etymologisch  unklar;  in  der  letzten  silbe  läßt  sich  die 
Partikel  que  'wie1  vermuthen,  in  jendo,  wenn  dies  die  reinste  form  ist, 
verbirgt  sich  vielleiclvt  genitus  d.  i.  geschaffen,  in  die  bed.  beschaffen 
übergehend;  nd  für  nt  wie  auch  sonst  (findo  =  finitus,  renda  =  sp.y 
renta).  Dieses  pg.  jendo  wäre  das  freilich  einen  andern  sinn  aus- 
drückende altsp.  gento.  [Handschriftlich  von  Diez.~]  —  Diese  deutung 
wird  wohl  kaum  beanstandet  werden  können;  quomodo  genitus  =  wie 
geartet  erinnert  an  altfr.  confait,  ndl.  hoedanig. 

Quilma.  Von  culeus  durch  ein  abgel.  culeamen,  wie  costuma  von 
consuetumen ;  Rönsch,  Jahrb.  XIV,  179.    Läßt  manche  einwendung  offen. 

Radio.     Vgl.  it.  (tose.)  andar  ratio;  s.  Mussafia,  Beitr.  92. 

Raudo.  Warum  nicht  eher  von  rapidus,  das  dem  buchstaben  eben 
so  gut  und  dem  begriff  besser  genügt?  vgl.  rapidum  flumen  bei  Caesar. 

Rebentar.  Nicht  etwa  eine  scheideform  von  crebantar,  quebrantar? 
Aehnlich  berühren  sich  rampa  und  crampa.  -Es  könnte  auch,  wie  Rönsch 
meint  (Jahrb.  XIV,  179),  angleichung  an  repente  obwalten. 


750        ANHANG  II.  b.  REDOR -TROPEZAR. 

Redor.  Nach  Stortn  (Rom.  V,  182)  von  *rotatorium;  das  natür- 
liche rodador  wurde  durch  syncope  *rodor  und  durch  dissimüation  redor 
(vgl.  redondo  =  rotundus,  reloj  =  horologium).  Rededor  (in  alrededor) 
hält  Morel- Fatio  (Rom.  IV,  39)  für  eine  metathese  von  de-redor;  Storm 
dagegen  meint,  daß,  wenn  es  sich  schon  in  der  alten  spräche  darbiete, 
es  eher  für  das  volle  rotatorium  anzusehen  sein  möchte. 

Remolacha.  Im  Hennegau  und  in  Lüttich  heißt  ramonasse  (auch 
remolas),  schwarzer  rettig. 

RilhaT.  Etwa  syncopiert  aus  *roilhar  (wie  fr.  räble  aus  roable 
=  rutabulum);  also  von  *rodic,lare,  dim.  von  rodere,  pg.  roer?  Bugge, 
Rom.  IV,  368. 

Roncar.  Ist  ein  gemeinromanisches  wort,  denn  es  findet  sich  auch 
altfr.  ronchier  (aber  auch  rouchier),  bresc.  comasc.  mail.  roncä,  s.  Mus- 
safia,  Jahrb.  XII,  111  u.  Beitr.  96.  Außerdem  besteht  rouker  Trouv. 
beiges  238,  384,  noch  jetzt  henneg.  roukler  (Sigart),  das  an  ndl.  rokelen, 
ätsch,  röcheln  sich  anschließt.  —  Mit  prothetischem  f  fronchier,   s.  II.  c. 

Salpicar.    Daher  fr.  saupiquet,  s.  Littre. 

Sancochar.  Wahrscheinlicher  von  semicoctus;  €dimidia  coctura 
ist  ein  bei  Apicius  oft  wiederkehrender  technischer  ausdruck;  Rönsch, 
Jahrb.  XIV,  344. 

Sosegar.  Entspricht  vollkommen  einem  tat.  subsedicare,  wenn  ein 
solches  als  causativ  von  subsidere  (engl,  subside  sich  legen)  angenommen 
werden  darf;  vgl.  vengar  aus  vindicare ;  auch  sosezgar,  wenn  es  je  existiert 
hat  (vgl.  juzgar  =  judicare),  mußte  nach  den  beiden  s  bald  sein  z  ab- 
geworfen haben;  Storm,  Rom.  V,  184. 

Tasajo.  Zu  gunsten  von  tassella  vergleicht  Liebrecht  gr.  xvßtov 
das  in  viereckige  Stückchen  eingesalzene  fleisch  des  7ir}foxiivg  (ort  thun- 
fisch),  Jahrb.  XIII,  232. 

Tocho,  s.  tosco.  Storm  glaubt,  bei  der  Unsicherheit  des  Ursprungs 
des  it.  tozzo,  sei  es  gerathener,  letzteres  etymologisch  von  tocho  zu  scheiden. 

Tosco.  Nach  Storm  (Rom.  V,  185)  aus  torsico  (von  tbyrsus, 
tursus);  zunäclhst  'verstümmelt,  stumpf,  dann  'grob*.  Die  form  findet 
in  it.  pesca  (persica),  sp.  masco  (von  mastico)  ihre  berechtigung.  Regel- 
recht wäre  tozgo  oder  tosgo,  aber  es  läßt  sich  vermuthen,  daß  torsico 
zuerst  sich  in  tosseco  verwandelte  (vgl.  ursus  *osso  oso)  und  daß  ss 
das  c  geschützt  hat  wie  st  in  masco.  Diez  behauptet  das  suffix 
icus  lasse,  mit  ausnähme  von  völkernamen  und  foresticus,  keine  neuen 
adjectivbildungen  zu;  Storm  weist  nach,  daß  dieser  säte  allzu  absolut  ge- 
sprochen sei.  Auch  tocho  (altsp.  tozo  Sanchez)  und  arag.  tozo,  welches 
letztere  Diez  durch  tnnsus  (dem  sinne  nach  =  obtunsus)  erklärt,  stellt 
Storm  zu  thyrsus,  torso,  womit  Diez  auch  it.  toso,  fr.  tosel  deutet.  Mit 
tocho,  tozo  ist  noch  zu  vergleichen  sp.  tosa  abgevierter  bedhe  (auch  tocho 
heißt  ein  gerundetes  stück  holz). 

Tozo,  s.  oben  tosco. 

Tropezar.    Mussafia  (Beitr.  112,  anm.)  fragt,  ob  diesem  werte 


ANHANG  II.  b.   URRACA— ZORRA.  751 

nicht  eher  der  stamm  top  „klotz"  zu  gründe  liege ;  das  eingeschobene  r 
mache  keine  Schwierigkeit,  und  die  begriffe  „Mofa  und  anstoßen,  stolpern" 
seien  verwandt  (vgl.  fr.  chope  und  chopper;  lat.  caespes  und  caespitare); 
Mussafia  vergleicht  noch  it.  intoppare  anstoßen  mit  bergam.  topicä  stolpern. 

Urraca.  Für  die  herleitung  des  frauennamens  aus  dem  der  elster, 
als  eines  in  der  alten  volksvorstellung  sehr  geachteten  vogels  bringt  beweise 
Liebrecht,  Jhrb.  XIII,  232.  Der  franz.  frauenname  Furaque  (G. 
Paris,  Hist.  poet.  de  Charlemagne}  p.  262)  scheint  ihm  der  nämliche  zu 
sein  wie  Urraca. 

Vag  tag o.  Vielleicht  vom  goth.  wahstus  wachsthutn;  der  mit  suffix 
ägo  gebildeten  roman.  Wörter  gibt  es  ja  viele  und  daß  germanische  stamme 
rom.  suffixe  zulassen,  davon  sind  die  beispiele  nicht  weniger  zahlreich 
(fr.  wambais,  it.  borino,  giuliuo,  guafme);  was  die  Wandlung  von  goth. 
v  =  w  zu  rom.  v  betrifft,  vgl.  vdguido;  Storm,  Born.  V,  187. 

Veta.  Mussafia  (Beitr.  120  anm.)  vergleicht  sicil.  vitta  9fstriscia 
di  pannou. 

Zabullir.  Der  gezwungenen  deutung  Covarruvias  stellt  Gar 61. 
Michaelis  (Rom.  II,  88)  folgende  entgegen:  Sepelir,  sebellir,  sebollir, 
sobollir  sind  lauter  belegbare  span.  formen  für  sepelire  begraben;  mit 
der  zeit  neigte  sobollir  zur  bedeutung  des  modernen  zabullir  (auch  zambullir) 
fsubmergere\  so  daß  in  letzterem,  dem  niemals  der  begriff  des  brudelns 
wirklich  anhängt,  eine  bloße  lautliche  angleichung  an  sub-buüire  vor- 
zuliegen scheint. 

Zaherir.  Aus  facerir  =  altsp.  faz-herir  'ins  gesteht  schlagen 
umgestellt;  auf  gleiche  weise  entstanden  garzo  aus  zarco,  gavasa  aus 
bagasa,  bazucar  aus  zabucar  (za  =  sub  +  buc,  s.  thl.  I,  v.  bueo).  Hin- 
sichtlich des  compositums  faz-herir  sind  zu  vergleichen  fe-mentir,  mani- 
atar,  perni-quebrar,  cap-girar  (catj;  Carol.  Michaelis,  Rom.  II,  86. 

Zar  an  da.  Das  gesuchte  etymon  ist  nach  Storm  (Rom.  V,  188 J 
lat.  cernenda;  der  ausfall  des  ersten  n  beruht  auf  dissimilierung;  en  zu 
an  auch  in  resplandecer,  milmandra  (milimendrum)  u.  a.;  a  vor  r  be- 
darf keiner  recht fertigung.  Cernenda  (sc.  grana)  mag  zunächst  das  zu 
siebende  körn  bedeutet  haben  (vgl.  sp.  molienda)  und  dann  auf  das  dazu 
dienende  Werkzeug  übertragen  worden  sein  (vgl.  eine  ähnliche  Übertragung 
auf  den  ort  in  it.  filanda).  Lat.  cernere  (woraus  bekanntlich  cribrum)  ist 
noch  mit  der  bed.  sieben  in  Spanien  gebräuchlich. 

Zorra.  Zur  bed.  scortum  vergleicht  Liebreckt  (Jhrb.  XIII,  232) 
sp.  pelleja.  —  Rönsch  (Grob.  Ztschr.  I,  420)  leitet  das  wort  unbedenklich 
vom  gr.  iptoQa  kratze,  räude  her. 


752  ANHANG  IL  c.    AATIR-ARGÜE. 


II.  o. 

FRANZÖSISCHES  GEBIET. 

Aatir.  Wie  verhält  sich  zu  diesem  von  Diez  aus  deutscher  quelle 
bezogenen  verb  das  prov.  adaptir  azaptir  'attaquer,  assaillir  (LR.  II,  24 
und  G.  des  Albig.  ed.  Meyer,  gloss.)?  Darf  man  letzteres  wie  begrifflich, 
so  auch  etymologisch  mit  ersterem  zusammenhalten?  In  diesem  fall  müs- 
sen sich  beide  auf  das  adj.  apte  ate  (s.  azaut,  s.  615)  =  lat.  aptus  eis 
grundwort  zurückführen  lassen.  Aus  ate  'wohl  aufgelegt"  (s.  G.  Paris, 
Mem.  de  la  S.  de  lingu.  I,  91)  geht  leicht  a-atir  in  eine  bestimmte  (vor- 
züglich gereizte)  Stimmung  versetzen,  also  reizen  hervor;  andererseits 
möchte  pr.  adaptir  angreifen  aus  der  redensart  s'adaptir  (=  fr.  s'aatir) 
ä  entstanden  sein,  wie  attaquer  aus  s'attaquer  ä;  besser  noch  läßt  sich 
vergleichen  mit  adaptir  aus  aptus  'gefügt'  das  fr.  aherdre  'angreifen  = 
adhaerere  verbunden  sein.  Auf  die  annähme  eines  Zusammenhangs  zwischen 
aptus  und  aatir  führt  mich  auch  noch  die  diesem  vb.  zukommende  bed. 
'in  vergleich  stellen,  auf  gleichen  rang  setzen  :  so  Cleomades  211  (Mais 
a  ces  deus  n'aatiroie  nului,  k'ä  envis  mentiroie),  vgl.  17640;  s.  auch 
Sainte-Palaye  I,  4. 

Abait.  Im  Guill.  de  Palerne  {her.  von  Michelant  1876),  v.900—3 
liest  man:  Bien  m'a  fortune  confondue,  Bien  m'a  mise  de  haut  en  bas, 
Quant  mon  sergant  et  mon  ampas  Ai  fait  signor  et  moi  ancele.  Wie 
sollte  ampas  anders  zu  erklären  sein  als  durch  ambactus,  oder  vielmehr 
goth.  andbahts  diaxovog,  ahd.  ampath  (s.  Grimm  Wb.)? 

Abom6.  Im  Pariser  gloss.  7692  wird  abominari  durch  escoinuio- 
voir  (ergreifen,  erregen),  übersetzt,  s.  Tobler  Jahrb.  XII,  205. 

Äff  übler.  Wegen  i  zu  u,  vgl.  auch  piac.  fubbia  =  it.  fibbia,  lat. 
fibula;  s.  Mussafia,  Beitrag  67  s.  v.  fiuba. 

Aglan.  Cornu  erkennt  im  prothetischen  a,  trotz  des  eingetretenen 
genuswechsels,  einen  rest  des  artikels  la,  vgl.  alemelle.  In  ähnlicher 
weise  sagt  man  in  der  franz.  Schweiz  alesson  (legon),  und  sogar  amaron 
(marron)  wahrsch  für  omaron  aus  lo  maron;  Rom.  VII,  108. 

Ais  iL    Man  trifft  auch  aisin,  ndl.  azijn. 

Allouer.  Heißt  eine  summe  für  einen  bestimmten  gegenständ  aus- 
setzen und  verwenden,  ist  also  ==  allocare,  wie  die  alte  form  aleuer  (oft- 
mals fälschlich  alever  geschrieben)  zur  genüge  darthut. 

Argot,  ergot.  Scheler  vermuthet  auf  einen  stamm  eric  (erice,  ericius). 

Argue.  Scheler  und  Littre  sehen  darin  das  mlat.  arganum  = 
oQyavov  toerkzeug;  wegen  a  vergleicht  der  erstere  (tos  volksübl.  arpftilleur 
für  orpailleur.    Es  ist  also  dasselbe  wort  mit  argano  (s.  thl.  I). 


ANHANG  IL  c.    ARMOIRE-BAUCHE.  753 

Armoire.  Armoirie  ist  für  armoierie  und  das  verbal-sbst.  von 
armoier  und  hat  seinerseits  ein  vb.  amorier  hervorgerufen. 

Arna.  Ist  =  tarna  =  tarma  (s.  thl.  I);  so  entstand  ebenfalls  durch 
abfall  des  anl.  t  prov.  arda,  arta,  altfr.  arte  aus  *tarmita,  erweiterung  von 
tarmes,  -itis ;  s.  Bugge,  Rom.  IV,  350.  Daselbst  wird  auch  für  fr.  ar- 
tison  (früher  artuson,  artuison,  artoison)  eine  ctymologie  arte-toison  pelz- 
motte  (vgl.  die  zss.  banlieue,  lad.  murmont,  altfr.  beeq-oiset)  fragend 
aufgestellt.  * 

Assen  er.  Scheler  erkennt  in  dem  nfr.  verb  lieber  altfr.  assener 
richten  (von  sen  richtung),  als  assener  =  assigner;  man  sagte  auch  ein- 
fach  assener  im  sinne  von  „attaquer,  frapper". 

Atelier.  Rönsch  (Jahrb.  XIV,  180)  empfiehlt  ein  etymon  *astu- 
larium  von  astula  assula  span,  splitter  (s.  I.  ascla),  also  der  ort  wo  ge- 
hauen, gespalten,  gemeißelt  wird,  'wo  es  splitter  gibf.  Daß  assula  auch 
abspdlt  von  stein  oder  marmor  bedeutete,  erhellt  aus  Vitruv  Archit.  7,  6. 
S.  andre  deutungen  bei  Scheler. 

Avachir.  „Vielleicht  vom spätlat.  vascus  d.i.vacuus,  s.  Quicherat". 
Dies,  handschrißl.  notiz. 

Avec.  Neben  poruec  war  auch  die  syncopierte  form  pruec  und 
prenkes  im  gebrauch.  Wie  avuec,  urspr.  ein  adverb,  zur  präposition 
geworden,  so  auch  poruec  und  pruec,  s.  G.  Paris,  Rom.  VI,  689,  der 
namentlich  die  merkwürdige  behandlung  des  Wortes  in  der  Verbindung 
aler  pruec  (=  aMer  querir)  bespricht;  auch  Tobler  (Jahrb.  XV,  263)  hat 
sich  damit  beschäftigt. 

Avel.  O.  Paris  [Chans,  du  16*  s.  p.  7)  bezweifelt  das  etymon 
lapillus;  aber  auchveWe  scheint  ihm  bedenklich,  da  das  wort  in  keiner  der 
schwestersprachen  vorhanden  ist. 

Babeurre.  Eigentlich  wohl  cunterbuttcr,  weil  sie  nach  dem  buttern 
zurückbleibt;  Liebreckt,  Jahrb.  XIII,  232.  Auch  Darmesteter,  Mots 
composes  p.  192,  stellt  die  deutung  bat-beurre  in  frage. 

Bäfre,  vb.  bäfrer.  Vielleicht  zum  mlat.  baffa  baffo  speck,  Speckseite 
gehörig  (alt.-ven.  bafa  speck,  Schinken);  s.  Mussafia,  Beitr.  31. 

BaYonnette.  Die  hier  gestellte  frage  scheint  nach  Larousse  negativ 
beantwortet  werden  zu  müssen.  Den  namen  der  waffe  gab  Bayonne  als 
fabrikort. 

Balevre.  Nach  Darmesteter,  Mots  composes  p.  110,  ist  ba  das 
pejorativ-präfix. 

Barioler.  Nach  Darmesteter,  p.  106  =  bis-regulare;  unzutref- 
fend, denn  reguläre  gab  rieuler  (zweisilbig),  aber  nicht  ri-o-ler. 

Bascule.  Der  gedanke  der  Zusammensetzung  liegt  wohl  in  dem 
umstand,  daß  beim  schaukelspiel  der  cul  des  einen  zur  erde  fällt  (bas- 
cul),  während  der  des  andern  in  die  höhe  fliegt;  die  kinder  mögen  zuerst 
gesagt  haben  jouer  ä  bas-cul.  Anders  erklärt  Littre  den  ausdruck 
(battre  +  cul). 

Bauche.    Als  grundwort  von  d6-  und  em-baucher   möchte  Scheler 

48 


754  ANHANG  IL  c.   BEGUE-BOUCHER. 

das  wort  zum  ältfr.  baue  =  ätsch,  balke  (s.  bau)  stellen,  aus  dem  sich 
ein  fem.  bauche  mit  der  bed.  hütte,  bude  gebildet  haben  kann.  Für 
bauche  tünchwerk,  aus  dem  6baucher  hervor gieng  .{wenn  es  nicht  aus 
altfr.  esbocher  =  it.  sbozzare  entstellt  ist),  sagt  man  heute  bauge,  s.  Littre. 

Begue.  Nach  Bugge  (Rom.  IV,  351)  verkürzt  aus  *baubegue, 
sp.  *bobegue,  abll.  von  balbus,  altfr.  baube,  sp.  bobo;  abfall  der  ersten 
silbe  wie  im  pr.  paver,  it.  baco  (bombaco),  fr.  basin,  bis  (bombyeius), 
cenelle;  was  das  suffix  betrifft,  vgl.  it.  mocceca,  apizzeca,  sp.  babieca, 
pg.  boneco,  faneco,  prov.  bavec,  manec,  ufec,  caveca,  s.  Rom.  Gramm. 
II,  306. 

Bele*  S.  auch  die  weitläufige  Untersuchung  über  die  ital.  benennungen 
der  wiesei  bei  Flechia,  Post,  etitn.  46—52. 

Bellezour.  Zum  Superlativ  belledissemo  hat  Mussafia,  Beitrag  33 
aus  oberital.  mundarten  die  Variante  beletissimo  belegt;  vgl.  auch  Rajna, 
Rom.  VII  49. 

Beter.  Von  beter  gerinneti  kommt  b6ton  erste  muttermilch  (s.  Littre). 
Doch  ist  auch  Herkunft  vom  deutschen  biest,  wie  sie  Bugge  als  vermuthung 
hinstellt  (Rom.  III,  145),  sehr  ansprechend;  die  ursprüngliche  form  wäre 
dann  beston. 

Beugler.  Altfr.  bügle  lebt  fort  als  name  eines  blasinstruments, 
s.  Littre. 

Bidon.  Dies  wort  hat  Diez  in  der  1.  ausg.  unter  bedon  gestellt, 
in  der  2.  und  3.  aber  unberührt  gelassen.  Bugge  (Rom.  III,  145)  ver- 
weist auf  isländ.  byda  cvas  superne  adstrictum  und  vergleicht  norm. 
bide  butterfaß  und  bidne  kanne. 

Blafard.  Tritt  erst  im  14.  jh.  auf,  also  zu  einer  zeit,  wo  sich 
germanischer  einfluß  nicht  mehr  geltend  machte;  daraus  schließt  Storm 
blafard  sei  =  blavard,  also  abzuleiten  von  pr.  blau,  blava ;  dem  stamm 
blau  kam  bekanntlich  auch  die  bed.  bleich  zu  (vgl.  besonders  it.  sbiadito) ; 
wegen  v  zu  f,  vgl.  toutefois  =  toutevoies,  it.  schifare  =  fr.  esquiver; 
s.  Rom.  V,  168.  —  Es  findet  sich  auch  einfaches  blafe,  was  die  ansieht 
Storm9 s  unterstützt. 

Bleme.  Zur  bestärkung  der  Diez' sehen  etymologie  zieht  Bugge 
(Rom.  III,  146)  auch  das  altn.  sbst.  blaman  heran,  das  einen  durch 
schlagen  hervorgerufenen  blauen  flecken  bedeutet  und  ein  vb.  bläma  blaue 
flecken  machen  voraussetzt. 

Bon  de  zapfen.  Im  comask.  heißt  bondon  kleine  dicke  frau  und 
boldon  zapfen.  Es  könnte  sonach  unser  wort  auch  zum  stamm  bod 
(s.  bouder)  gestellt,  und  eine  verwandtschaß  zwischen  bonde  zapfen  und 
bodne,  bonde,  borne  markstein  angenommen  werden.  S.  Mussafia,  Beitr. 
35  antn.j  so  wie  Littre. 

Bou.  Das  prov.  baue  findet  sich  in  der  that:  baue,  id  quod  poni- 
tur  supra  manica  cultelli,  Donat.  prov.  ed.  Stengel  43,  33  (Guess  43b). 

Bou  eher  zustopfen.  Littre  neigt  zu  einem  etymon  des  Stammes 
bosc,  nämlich  altfr.  bouche  garbe,  strohtoisch  (woher  bouchon  bierwisch), 


ANHANG  II.  c.  BOUDER— CAHIEß.  755 

und  beruft  sich  hierbei  auf  die  Schreibung  boschier.  Die  deutung  boucher 
=  fermer  la  bouche  hat  allerdings  etwas  verdächtiges. 

Boa  der.  S.  wegen  boudin  auch  den  art.  boldon  (blutwurst)  in 
Mussafia's  Beitr.  34;  der  stamm  bold  weist  auf  Versetzung  von  bot'  lus 
zu  bold  (vgl.  span.  rolde  von  rotulns).  —  Mussafia  gibt  anläßlich  des- 
selben  oberital.  Wortes  noch  eine  große  anzahl  zum  stamm  bod  gehöriger 
Wörter,  namentlich  Verbindungen  von  bod-  mit  inflare,  aus  ital.  und  franz. 
mundarten;  auch  zum  warte  boursonfler  bemerkenswerthe  erläuterungen. 
Vgl.  auch  Schneller  110. 

Bougre.  Nachzusehen  über  die  behandlung  des  Wortes,  nach  form 
und  begriff,  in  den  ital.  mundarten,  Mussafia,  Beitr.  39. 

Brague.  Zu  demselben  stamm  gehört  auch  wäUon.  bräkeler  groß- 
thun,  aufschneiden,  das  Grandgagnage  gleichfalls  auf  altn.  braka  zurück- 
führte.   S.  auch  Storm,  Rom.  V,  172. 

Bredouiller  heißt  nicht  gerade  stottern,  sondern  schnell  und  un- 
deutlich reden;  es  erinnert  daher,  wie  Scheler  bemerkt,  an  die  gleichbed. 
deutschen  ausdrücke  brodeln,  brudeln,  bradeln.  VielleicM  ist  das  wort 
verwandt  mit  pr.  bretz  Khomo  linguae  impedxtai ,  vb.  bretoneiar  cloqui  im- 
petuose  (l.  impedite),  Donatus  provincialis  (s.  Stengel,  die  beiden  ältesten 
prav.  grammatiken,  Marburg  1877,  ss.  28,  50  und  101,  und  G.  Paris, 
Rom.  I)  235).    Mundartliche  formen  sind  bredaler,  berdeler. 

Brette.  Vgl.  das  in  Wälschtirol  verbreitete  brittola Schnappmesser, 
Schneller  123. 

Briser.  Ven.  ver.  sbrega  heißt  scheu,  Splitter  und  hängt  gewiß, 
meint  Mussafia,  mit  dem  verbreiteten  vb.  sbregar  zerreißen  zusammen. 
Letzteres  nun  stellt  nach  Ascoli  (Ztschr.  f  vgl.  spr.  XVI,  125)  mit  briser 
ein  altes  w ortpaar,  sei  es  deutschen  oder  celti sehen  Ursprungs,  brica  bricea 
dar,  woraus  nach  ihm  einerseits  briga  brigar  sbregar,  andrerseits  bricia 
briciolo  briciare  brizar  briser  hervor giengen;  s.  Mussafia,  Beitr.  37. 

Brou  ir  scheint  etymologisch  von  bruir  geschieden  werden  zu  müssen. 

B aquer.    Eher  beuken  von  buquer;  s.  oben  bassare  11.  a. 

Bar.  Altfr.  buron  (auch  buiron)  findet  man  noch  bei  Chateaubriand, 
s.  Littre. 

Cabeliau.    Die  akademie  schreibt  cabliau  und  cabilland. 

Cadeau.  Brächet  (Doublets,  suppl.  p.  17)  hat  die  nichtigkeit  der 
etymologie  catellus  dargethan;  das  wort  ist  aus  capitellum  entstanden 
wie  cadastre  aus  capitastrum.  Der  ausdruck  „lettre  capitale"  bestätigt 
diese  erUärung  vollkommen. 

Cagot.  Die  neueste  ethnolog.  und  histor.  Untersuchung  über  die 
Cagots  von  V.  de  Rochas  (Les  Parias  de  France  et  d'Espagne,  Paris  1876) 
führt  deren  namen  auf  bret.  cacodd  aussätzig  zurück.  —  Die  jetzige  be- 
deutung  des  worts  mag  auf  begriffliche  angleichung  an  bigot  beruhen. 

Cahier.  Ein  etymon  codicarium  ist  schon  lautlich  unzulässig.  — 
Auf  quaternum,  caern  ist  auch  carnet  (für  caernet)  zurückzuführen, 
dessen  prov.  form  cazernet  im  seeausdruck  fr.  casernet  schiff sbuch  fortlebt. 


756  ANHANG  II.  c.   CALUC-CHOYER 

Caluc.  Darmesteter,  Mots  composes  p.  112,  führt  in  seinem  Ver- 
zeichnis der  mit  dem  pejorativ-präfix  cal,  cali,  ca  zusammengesetzten 
Wörter  folgende  schieläugig  oder  kurzsichtig  bedeutenden  (mdartl.)  aus- 
drücke auf:  calorgne,  caborgne,  caliborgne,  caloure,  calonche. 

Caquer.  Das  sbst.  caque  tonne  ist  vielleicht  unabhängig  von 
caquer;  s.  Scheler,  Biet. 

Carcan.  Bugge  (Rom.  III,  146)  denkt  an  das  cdtisl.  kverkbant 
kehl-  oder  kinnband,  so  daß  in  carcant  eine  entstellung  aus  carquebant 
vorläge.  Das  klingt  etwas  kühn;  man  darf  das  prov.  careol  halsband 
nicht  außer  beachtung  lassen;  die  endung  in  carcant  erinnert  an  die  von 
percant  (s.  perche). 

Chaire.  Bezüglich  der  form  cadrega  s.  Mussafia.  Mon.  ani.  s.  v. 
carega  u.  Beitr.'  42,  wo  Schnelleres  ableitung  von  craticula  zurückge- 
wiesen wird. 

Chaland  boot.  Dem  etymon  x&vdQog  kommt  zu  statten,  daß  in 
venezianischen  Chroniken  mit  derselben  bed.  auch  gagiandra  (=gajandra, 
s.  I,  s.  v.  tartaruga)  vorkommt;  s.  Mussafia,  Beitr.  60,  anm.  —  Unser 
wort  in  der  bed.  'künde  eines  Kaufmanns*  ist  nach  Scheler  das  partieip 
von  chaloir,  eig.  warm  sein,  fig.  sich  interessieren,  Umgang  pflegen.  Es 
wurde  früher  nicht  nur  vom  künden,  sondern  aucli  vom  beschützer,  gönner, 
namentlich  vom  buhlen  gebraucht  und  steht  imgegensatz  zum  nonchalant, 
d.  .h.  zum  gleichgültigen,  s.  hierüber  Tobler,  Grob.  Ztschr.  I,  22—23. 
Man  findet  auch  im  altfranz.  (und  noch  in  einigen  mundarten)  die  form 
chanlant,  s.  beispiele  bei  Tobler  l.  c.  und  Rom.  VII,  8.  Chalant  ist 
also  synonym  mit  altfr.  aeeointe,  das  mit  cognitus  zusammenhängt  wie 
dtsch.  künde  mit  kennen. 

Chapler.  Über  den  stamm  cap,  cop,  cip  —  schneiden,  zerliauen, 
s.  Scheler,  Revue  de  Vinstr.  publ.  en  Bdg.,  nov.  1863. 

Charivari.  Zusammengesetzt  aus  cali  ( der  pejoraliv-partikd)  + 
vari  Wirrwarr,  Darmesteter  p.  113. 

Gharpente.  Besser  als  abl.  von  charpenter  denn  als  darstellutig 
des  lat.  carpentum  zu  betrachten. 

Chatouiller.    Entspricht  genau,  wie  sie.  gattugghiari,   einem  lat. 
catueulare,  während  pr.  catilhar  lat.  caticnlare  darstellt.    Flechia  (Post, 
et.  322)  hat  zur  genüge   aus   zahlreiclien  mundartl.  formen,   sowohl   des 
rom.  als  des  germ.  gebiets,  den  Zusammenhang  zwisclien  catus  und  ckitzeln 
nachgewiesen. 

Chauve-souris.  Weitere  rom.  bezeichnungen  der  fledermausy  s. 
bei  Mussafia,  Beitr.  32  s.  v.  barbastrello. 

Chenille.  Flechia  fragt,  ob  lomb.  gatta  nicht  etwa  als  abgekürzt 
aus  bigatta  (s.  baco  IL  a)  zu  betrachten  sei,  Post.  etim.  41,  anm.  Schwer- 
lieh;  altfranz.  heißt  die  raupe  cate  pelue,  woraus  engl.  Caterpillar. 

Chiffe.  Andre  denken  an  arab.  chiff  Kvestis  tenuis  et  peUucida', 
s.  Devic. 

Choyer  /r.  zärtlich  belumddn,  verzärteln;  daher  it.  sojare,  dar  la 


ANHANG  IL  c.   CINGLER- CR  AINDRE.  757 

soja  spottend  schmeicheln;  auch  alt  fr.  chuer  RRose  (gloss.).  Müßte  lat. 
mit  ca-  anfangen,  nach  Scheler  etwa  von  cautus  [Die*,  hdschr.  notiz].  — 
Bugge  (Born.  III,  146)  nahm  suer  (bei  Littre  aus  dem  13.  jh.  belegt) 
für  die  urspr.  form  (wegen  ch  aus  s,  vgl.  chucre,  chufler,  chifler)  und 
erblichte  darin  goth.  süthjön  kitzeln  (vgl.  bru  =  goth.  bruths,  altfr. 
goi  =  goth.  guth  Rom.  Gramm.  I}  316);  als  jedoch  Havet  ib.  301  *cau- 
care  (für  *cavicare  aus  cavere,  das  schon  Menage  vorbrachte)  befürwor- 
tete, indem  er  jede  Verwandtschaft  mit  altfr.  suer,  it.  soiare  beseitigte, 
stimmte  ihm  auch  Bugge  bei  und  stützte  das  neue  etymon,  wenigstens  was 
cboyer  betrifft,  durch  das  waadtländ.  tschoue  in  acht  nehmen  (Rom.  IV,  363). 

Cingler.  Das  hier  angeführte  sillon  peitschenlitze  erinnert  mich 
an  den  ausdruch  de  cillanz  verges  eilige  (Leg.  de  Ste  Margu.  ed.  Scheler 
II,  130).  Sollte  dieses  ciller  etymologisch  mit  silier  furchen  (s.  d.  w.) 
zusammentreffen?  Aus  cingler  läßt  es  sich  nicht  abziehen;  auch  schwer- 
lich aus  *seculare  (secare).  Sbst.  eilande  peitsche  findet  man  Perceval 
2382  (ed.  Potvin),  wo  die  Varianten  cillant,  cillante,  cinglant  lauten. 

Ci viere.  Schneller  131  denkt  an  gleichen  Ursprung  mit  den  ober- 
ital.  und  tirol.  Wörtern  c6ver,  s£ber,  czuber',  welche  durch  ahd.  zuibar 
(zwi  +  baren)  erklärt  werden. 

Clique.  Die  bed.  coterie,  rotte  erklärt  sich  aus  der  bed.  bei  fall 
Tdatsclhen;  denselben  sinn  hat  auch  claqne  (vorzüglich  ein  theaterausdruck). 

Clop.  Neben  cloper,  clopiner  besteht  auch  altfr.  clopier  =  clo- 
picare  (Bastart  de  B.  3052). 

Combrer,  s.  oben  thl.  I  cobrar. 

Concierge.  Littre' s  etymon  conservire  hat  grammatische  wie 
logische  Schwierigkeit;  Scheler  (2.  ausg.)  sucht  das  von  Seiten  der  endung 
in  conservius  gegen  conservare  erhobene  bedenken  zu  heben. 

Gormoran.  Im  Pariser  gloss.  7692  findet  man  cormorage  für 
cormarage,  gleichsam  corvus  maratiens. 

Cornard.  Für  hahnrei  trifft  man  altfr.  wihot  (auch  huihot,  voi- 
hot),  s.  meine  anm.  Jean  de  Conde  I,  p.  410  u.  II,  379,  Trouv.  beiges 
313;  ich  sehe  bis  jetzt  darin  das  dtsche.  widhop,  Wiedehopf,  aber  auch 
die  form  willot  ist  zu  beachten.    Engl,  wittol  ist  wohl  unverwandt. 

Couire.  Dieses  wort  existiert  nicht  und  beruht  nur  auf  einem  lese- 
fehler  Pluquet's  in  der  angeführten  belegsteile;  die  richtigen  formen  des 
fraglichen  Wortes  sind  einestheils  cuevre,  quevre,  anderntheils  coivre, 
cuivre,  quivre.  Couire  muß  also  in  coivre  geändert  werden.  W.  Förster, 
dem  das  obige  entnommen  ist  (Grob.  Ztschr.  1, 166),  vergleicht  sehr  glück- 
lich wegen  des  v  aus  c  in  cokerum  (cueurum)  =  coivre,  altfr.  soivre, 
suivre  aws  söcerum.  —  Belehrende  bemerkungen  sowohl  über  das  ihr  noch 
unverdächtige  couire,  als  über  das  deutsche  köcher,  mlat.  cueurus  und 
dessen  zweifelhaften  Ursprung,  enthalten  die  artikel  von  Caroline  Michaelis 
im  Jahrb.  XIII,  308—11. 

Craindre.  Wegen  des  wandeis  von  anl.  tr  zu  er  ist  sp.  crema 
=  TQtjfia  zu  vergleichen  (Ztschr.  f.  vgl.  spr.  XX,  140). 


758  ANHANG  IL  c.   CRAPAUD-DUPE. 

Crapaud.  „Ich  vertnuthe  daß  crapaud,  dial.  auch  grapaud,  cot. 
gripau,  mit  sp.  galapago,  neucat.  calapat  identisch  ist  und  daß  es  zu 
dem  viel  vertretenen  stamme  grb  gehört,  der,  wenn  ich  nicht  irre,  auch 
ein  altfr.  vb.  craper  kriechen  aus  sich  abzweigte.  Ob  auch  das  it.  carpare 
hieher  eu  ziehen  ist?  Daß  kröten  und  kriechendes  gethier  aller  ort  vom 
sogenannten  krabbeln  (krabbe  selbst  kommt  freilich  von  carabus)  ihren 
namen  erhielten^  ist  sehr  natürlich  und  kommt  oft  vor.u  Car.  Michaelis, 
Studien,  s.  53,  anm. 

Cuire.  Littre,  dem  G.  Paris  zustimmt,  identificiert  sbst.  cuistre  mit 
coustre,  nilat.  custor  (=  custos),  dtsch.  küster;  sie  lassen  jedoch  den 
diphthong  ui  unerklärt.  Paris  sagt  zu  Alex.  36a  cocistro  habe  coistron 
gegeben;  das  schließt  aber  eine  nebenform  cuistre  nicht  aus;  was  ihn  vor- 
züglich  dieser  etymologie  abgeneigt  macht,  ist  die  bed.  von  cuistre,  die  eher 
die  idee  eines  küsters  ah  eines  kochs  hervorrufe. 

Gulbute.  Verbalsubst.  von  culbuter  =  buter  oder  bouter  le  cul 
en  Tair  (Scheler)  oder  =  buter  sur  le  cul  (Darmesteter). 

Daintiö.  Das  deintiet  der  Chanson  de  Roland  erklärt  Gautier 
gtrnz  unstatthaft  mit  dominitatem. 

D  and  in.  Heißt  zunächst  ein  haltloser  mensch,  und  gehört  nebst 
dem  gleichbed.  dadais  und  dem  kinderausdruck  dada  Schaukel-  oder  Stecken- 
pferd zu  einem  stamm  dad;  dandiner  sagt  dasselbe  wie  dodiner,  it.  don- 
dolare  (thl.  II.  a). 

Danger.  S.  über  dieses  vieldeutige  wort  auch  J.  Verdam  in  Tael-en 
Letterbode  III,  52-63. 

Däbit.  -Es  schwebt  mir  immer  vor,  als  ob  sich  d£biter  auch  mit- 
telst dehibitare  erklären  lassen  könnte:  man  nehme  debere  =  dehibere 
im  sinne  von  exhibere  zeigen,  zur  schau  stellen,  in  kauf  geben. 

Dia.  Dieser  artikel  beruht  auf  einem  irrigen  verständniß  der  frag- 
lichen steile,  welche  also  zu  übersetzen  ist:  „Niemals  (wörtl.  cnie  einen  tag') 
wird  er  mein  herr  sein,  noch  ich  der  seinige.il  Dia  hat  hier  seine  ge- 
wöhnliche bed.  'tag*.    S.  P.  Meyer,  Born.  V,  113. 

Disette.  Das  von  Littre  auf  grund  einer  alten  form  disgete  er- 
hobene bedanken  ist  nicht  stichhaltig;  die  form  disiete  (ie  für  e  ist  im 
norden  correct  vor  doppelconsonanz)  wurde  irrthümlich  disjete  gelesen 
und  so  auch  disgete  geschrieben. 

Dour.  Dieses  dor  wirft  mir  wohl  mit  recht  P.  Meyer  (Rom.  VII. 
341)  vor'  in  Leg.  de  Se.  Margu.  p.  83,  v.  328  verkannt  zu  haben,  wo 
ich  ,Jä  en  vos  deus  d'or  ne  crerraia  geschrieben  habe. 

Dräsche,  nfr.  dreche  malz.  Bugge  identificiert  das  wort  mit 
einem  dtschen  drastja,  drestja  =  ags.  daerste  (faex\  altengl.  drastes,  ahd. 
trester,  Schweiz,  träst,  träsch;  Rom.  III,  147. 

Duire.  Die  frage  ob  fr.  duit  als  ductus  oder  als  doctus  aufzu- 
fassen, behandelt  Förster,  Rom.  stud.  heft  10,  181  und  entscheidet  ßr 
letzteres.    So  auch  Havel,  Rom.  III,  326. 

Dupe.    S.  auch  Littre. 


ANHANG.    ILc.  ECHANTILLON— ENGRANT.  759 

Echantillon.  Am  etymon  cant  ist  nicht  zu  zweifeln,  aber  das 
wort  erheischt  noch  wegen  seiner  mannichfaUigen  anwendung  in  der  alten 
spräche  eine  nähere  Untersuchung. 

Embler.  Hätte  in  den  gemeinroman  theil  aufgenommen  werden 
können,  da  auch  der  Italiener  involare  und  der  Provenzale  envolar  in 
ders.  bed.  gebraucht.  Es  hält»  schwer  das  fr.  voler,  das  erst  gegen  ende 
des  16.  jh.  aufkommt,  als  ein  verkürztes  in-volare  aufzufassen ;  dbfoll  von 
in  (wie  etwa  in  plätre  aus  emplätre)  läßt  sich  für  die  neuere  spräche 
kaum  annehmen.  Es  liegt  daher  viel  naher  in  voler  rauben  nur  eine  be- 
griffserweiterung  von  dem  üblichen  jagdausdruck  'voler  le  gibier  zu  er- 
kennen. S.  Littre,  Scheler  und  G.  Paris  (Chansons  du  15.  siede,  p.  46). 
—  Die  ansieht,  wonach  das  lat.  involare  stehlen  als  „in  die  hand  (vole) 
practicieren"  aufgefaßt  wird,  scheint  sich  immer  mehr  zu  verbreiten;  s. 
hierüber  Rönsch,  Itala  und  Vulgata}  p.  372.  Involare  entspräche  somit 
ganz  dem  fr.  ausdruck  empoigner. 

Embronc.  Förster  (Chev.  as  d.  esp.  glossar)  bestreitet  die  bed.  ein- 
hüllen, bedecken  für  das  vb.  embroncher.  Es  findet  sich  neben  embron- 
cher  im  sinne  von  senken,  beugen  auch  das  einfache  broncher,  s.  Tobler, 
Mitth.  I  (glossar)  u.  Chev.  as  d.  esp.  146  (li  reis  aval  son  chief  broncha). 
S.  auch  oben  bronco  1. 

Enfrnm.  Mussafia  macht  mich  {brieflich)  aufmerksam  auf  lucches. 
infrunire  (desiderare  o  pretendere  di  conseguire  checchesia,  anclare  e  desi- 
derare  con  passione,  agognare,  struggersi  di  desiderio*  (Fanfani,  Vocab. 
delV  uso  toscano).  —  Ein  adj.  enfrum  findet  sich  auch  mit  der  bed.  finster, 
mürrisch  (chiere  enfrume  Baud.  Conde  102,  127;  471,  108);  es  könnte 
von  enfrogni6  abgezogen  sein  (s.  frignare  IL  a);  enfrigner,  enfrin,  en- 
frnm? Oder  hängt  es  mit  dem  eben  erwähnten  infrunire  'sich  abzehren 
zusammen? 

Enger.  Sofern  es  sich  vermehren  bedeutet  (auch  aengier  Baud.  de 
Conde  3, 64  Partout  voi  le  mal  aengier)  läßt  sich  das  wort  wohl  schwer- 
lich mit  enecare  erklären. 

Engrant.  Die  richtige  sowohl  begriffliche  als  etymologische  er- 
klärung  dieses  ausdrucks,  der  in  zwei  Wörtern  geschrieben  werden  sollte, 
hat  Tobler  gegeben  im  Dil  du  vrai  aniel  22.  Neben  der  häufigen  redens- 
art  tenir  oder  mettre  en  grant  (einem  zusetzen,  einen  drängen)  läuft 
parallel  estre  en  grant  (besorgt,  in  bedrängniß,  bemüht  sein).  Grant  ist 
also  ein  substantivisch  gefaßtes  weibliches  adjeetiv,  neben  welchem  ebenso 
wohl  die  singularform  grande,  als  die  pluralformen  granz  und  grandes 
(G.  Guiart  II,  9104)  gebraucht  werden;  mit  diesem  grant  =  große  be- 
drängniß, noth  vergleicht  Tobler  die  ausdrücke  la  voire,  la  pure  der  wahre 
thalbestand.  Schon  1866  hatte  Scheler  zu  Jean  de  Conde  I,  15,  482 
(Dont  je  sui  de  coeur  en  grant  sogne)  die  bemerkung  gemacht:  „Je  crois 
gue  c*est  cette  expression  cen  grant  sogne  qui  a  donne  Vadj.  (freilich  nur 
ein  scheinbares  adj.)  engrant,  dont  Vetymologie  n'a  point  encore  pu  etre 
fixee"    Der  unterschied  zwischen  Scheler' s  und  Tobler' sauffassung  liegt 


760  ANHANG  IL  c.   ENGRES— EPELER. 

darin,  daß  letzterer  im  neutralen  begriff,  der  mit  dem  weiblichen  adjectiv 
graut  grande  zu  verbinden  sei,  einen  grund  findet,  die  annähme  einer 
ellipse  des  Substantivs  abzulehnen.  Ihm  zufolge  sdieint  demnach  z.  b. 
im  Cleomades  die  redensart  engrant  14924  (Moult  furent  ses  serours 
engrant  .  .  d'aaisier  Clarmondine)  von  en  grant  soing  8624  (De  ce  ne 
sont  pas  en  grant  soing)  grammatisch  getrennt  werden  zu  müssen;  ebenso 
das  einfache  teile  (D'une  esp6e  ä  deux  mains  li  a  teile  donn6e,  Bast,  de 
Buill.  333)  von  teile  coläe  (An  premier  Sarrasin  donna  teile  col£e, 
ib.  4946). 

Engr&s.  Auch  ein  actives  vb.  engresser  findet  sich  im  sinne  von  drän- 
gen: Jean  Condö  I,  40, 1827  Tant  la  presse  et  l'engresse  la  maqnerielle; 
ib.  218,  1602.  Zu  diesem  vb.  würde  lat.  *ingressare  (ingredi)  anfahren, 
zu  leibe  gehen  wohl  passen,  aber  daraus  ein  adj.  engres  abzuziehen  ist 
kaum  zulässig.  Auch  das  adj.  engrös  durch  ingressus  (wie  confes  — 
confessus)  zu  erklären,  hat  seine  Schwierigkeit.  Sind  die  formen  engrais, 
engrois  nachweislich? 

En  tarn  er.  Zu  der  begriffsentwicklung  von  anfangen  zu  anschneiden, 
wie  sie  im  sp.  encentare  vorliegt,  bringt  Mussafia  (Beitr.69)  interessante 
belege  aus  itäl.  mundartlichen,  lat.  initiare  darstellenden  Wörtern  (inizar, 
nezzar,  inzä  u.  öl),  welche  anschneiden  und  einfach  schneiden  bedeuten. 

Enticher.  Nach  Littre  und  Scheler  (2.  ausg.)  =  altfr.  entechier 
beflecken,  anstecken.  Vielleicht  ist  nfr.  s'enticher  =  s'äprendre  dem  äo- 
mqnymen  entieier  anfeuern,  reizen  zur  seite  zu  stellen,  dessen  Ursprung 
nicht  sicher  ist  (titio  ergäbe  entiser).  Beide  vbb.  lauteten  entechier,  so 
Watriquet  140,  v.  86—87  Quant  gentils  hons  est  entechiez  d'oeuvre  ä 
vilain  fait  entechie  {erpicht  auf  ein  mit  gemeinhext  beflecktes  verfahren). 

Envis.  Die  redensart  ä  l'envi  betreffend,  habe  ich  schon  in  meinen 
anm.  zu  Baud.  de  Conde,  s.  426,  also  im  j.  1866,  geäußert,  daß  das 
subst.  envi  hier  als  das  suffixlose  derivat  des  vielverbreiteten  altfr.  vb. 
envier  einladen,  herausfordern  {pr.  sp.  envidar,  pr.  enviar,  nfr.  r-envier) 
zu  betrachten  ist,  also  herausf orderung,  wette  bedeutet  {daher  auch  auf- 
gebot  im  spiel).  Dieser  ansieht,  die  ich  denn  auch  1873  in  die  2.  ausg. 
meines  Dktionnaire  aufgenommen,  haben  O.  Paris  (Mem.  de  la  Soc.  de 
linguist.  t.  I,  1870  p.  289)  und  Tobler  {Mitth.  J,  262)  ihre  zusage  ge- 
geben, während  LittrS  dem  von  Dicz  mit  recht  abgewiesenen  invitus  treu 
geblieben  ist.  [Zu  meiner  bemerkung  im  Baud.  de  Conde  war  ich  durch 
das  sbst.  envial  herausforderung  (wofür  auch  fem.  enviaille  Parton.  38 
gebraucht  wird)  veranlaßt  worden^]  —  Envi  ist  also  identisch  mit  dem 
pr.  envit,  it.  invito,  sp.  envite,  nfr.  invite  (fem.).  Ein  dem  letzten  worte 
entsprechendes  altfr.  envie  erkenne  ich  in  folgender  stelle:  II  sembloit 
bien  que  par  envie  (=  ä  Venvi)  Li  nns  ponr  Tantre  s'efforchast)  Jean 
de  Conde  II,  2,  18. 

Envoüter.  Invotare  kann  nur  envouer  ergeben;  und  warum  das 
bekannte  afr.  vont  vultus  als  grundwort  abweisen? 

Epeler.     Wie  G.  Paris  richtig  bemerkt  {Alex.  70e),   altfr anz.  es- 


ANHANG  ILc.    EPIEU-EXPLOIT.  761 

pelt  espiant  weist  auf  einen  inf.  espelir,  der  im  edtfries,  spelljäü  seine 
begründung  finden  möchte.  Den  infin.  espelir  belegt  Förster  (Grob.  Zischr. 
L  148)  mit  Horae  Belg.  IX,  64.  41,  indem  er  auch  espeliroit  Sept  Soges 
3367  anführt. 

Epieu.  Die  ableitung  dieses  worts  von  splculum  setzt  lautübergänge 
voraus,  welche  sonst  nicht  vorkommen,  denn  axiculus,  fr.  essieu  hat  kurzes 
i.  Suchier  (Grob.  Ztschr.  I,  429)  nimmt  daher  prov.  espeut,  worin  er 
das  bürg,  oder  fränk.  speut  (die  älteste  form  des  nhd.  spieß)  erkennt, 
zum  etymol.  ausgangspunkt.  Daraus  zunächst  espieut,  wohl  die  älteste 
franz.  form,  wenn  auch  nur  im  prov.  nachweisbar;  dann  durch  abfäll  des 
t,  espieu.  Ferner,  durch  ersetzung  der  seltenen  endung  -ieu  mittelst  der 
häufigen  -ier  (ein  Vorgang,  der  hier  ausführlich  nachgewiesen  wird)  ent- 
stand attfr.  espier  (vgl.  estrieu-estrier).  Die  form  espiel,  meint  nun 
Suchier,  möchte  durch  den  nom.  espieus  hervorgerufen  worden  sein,  dem 
man  fälschlich  ein  thema  espiel  unterlegte  (hat  man  ja  auch  aus  vieus 
=  vilis  einen  accus,  viel  Aiol  986  sich  erlaubt)-,  espieil  verhält  sich  zu 
espieus  etwa  wie  yieil  zu  vieus.  Was  endlich  die  form  espiet,  espiä 
betrifft,  so  könne  ersteres  aus  deutschem  speut  oder  speot  entstanden  sein 
(vgl.  fief  von  feodum  feudum);  espie  hingegen  möge  entweder  auf  ersterem 
durch  vertust  des  t,  oder  auf  wandet  von  ieu  zu  \6  (vgl.  ältfr.  estrte  = 
estrieu)  beruhen.  —  Das  ältfr.  so  häufige  espoit  'stoß-  oder  schneide- 
waffe*  läßt  Suchier  unberührt;  mit  recht,  denn  es  läßt  sich  mit  den  übrigen 
nicht  vereinigen  und  hat  sein  eigenes  etymon,  währsch.  dasselbe  mit  nfr. 
6pois  (s.  thl.  I  spito). 

Eschiter.  Vgl.  Mussafia  (Beitr.  102),  der  ein  it.  sconchigarse 
(von  concacare)  vorführt. 

Espier.  Nach  Suchier  eine  Umformung  von  espieu  wie  Poitiers 
aus  Poiteus,  s.  oben  6pieu. 

Espiet,  s.  oben  £pieu. 

Estern.  Nicht  etwa  von  sternere,  wenn  nicht  im  sinne c  mit  steinen 
bestreuen  wie  bei  strada  (s.  thl.  1),  doch  in  dem  *mit  abgebrochenen  zweigen 
bestreuen  wie  bei  bris^es  (s.  oben  thl.  I  rotta)  ?" 

Estovoir.  Eine  eingehende  Studie  über  dieses  unpersönl.  verb  von 
Tobler  findet  sich  in  der  Ztschr.  f.  v.  spr.  XXIII,  421.  Sie  läuft  darauf 
hinaus,  daß  das  praes.  estuet  sich  aus  der  formet  est  ues  (est  opus)  in 
sehr  frülwr  zeit  entwickelt  und  daß  diesem  praesens  sich  weitere  formen 
nach  dem  vorgange  der  starken  conjugation  angeschlossen  haben.  Tobler 
fragt,  ob  nicht  auch  das  glbd.  it.  abbisogna  aus  ha  bisogno  hervorgegan- 
gen sei.  Bedenken  gegen  diese  etymolog.  deutung  von  estovoir  erhebt 
Behaeghel  (Grob.  Ztschr.  I,  468),  wobei  mit  Wackernagel  und  Neumann 
ahd.  stuen  empfohlen  wird. 

Estraguar.  Die  form  estrates  Cleofn.  8809  ist  wohl  =  estraiers 
(wie  vregies  =  vregiers)  und  bietet  kein  argument  gegen  die  Diez'sche 
annähme  eines  ausschließlich  adjectiven  gebrauchs  des  ältfr.  estraier. 

Exploit    Die  begriff sentwicklung  von  esploitier  ist  wohl  vielmehr 


762  ANHANG  IL  c.   FALOURDE-FRAYEUR. 

diese:  seine  kraft  entfalten,  sich  abmühen  (daher  s'esploitier  sich  be- 
eilen, eine  suche  rasch  abmachen),  arbeiten,  ausarbeiten,  ausnutzen,  aus- 
führen. 

Falourde,  bei  Froissart  velourde,  belourde.  Bugge  {Rom.  IV, 
355)  stellt  es  zu  sp.  vilordo  schwer;  be,  ve,  vi  sei  die  pejorative  partikcl 
bis;  vilordo  für  vislordo  wie  pr.  biluga  für  beslaga.  —  Mir  ist  belourde 
bei  Froissart  nicht  vorgekommen. 

Fat  ras.  Die  herleitung  aus  fartus  (farcire)  erschweren  die  altfr. 
formen  fastras,  fastroulle,  fastrasie,  s.  Littre,  Suppl. 

Filou.  S.  weiteres  bei  Littre  und  Schelcr.  —  Brächet  (Doublets, 
Spi>l.)  hält  filou  für  eine  nebenform  von  fileur  toie  gabelou  von  gabeleur. 
—  Das  populäre  vb.  flouer  ist  wohl  =  filouer,  doch  ist  auch  fraudare 
(so  von  Boucherie,  Revue  des  langues  romanes  IV)  vorgeschlagen  worden. 

Flasque.  Zusammenfluß  der  zwei  stamme  flac  und  lasque;  Caix 
in  Gröber9 s  Ztschr.  I,  '422. 

F latter.  Storm  deutet  das  wort  durch  flatitare  (vgl  IL  c  halagar); 
Scheler  führt  an  aus  den  Gloss.  Flac.  flatare  c auger e  et  amplum  reddere, 
aber  Bugge  glaubt  es  sei  da  elatare  zu  lesen;  auch  hätte,  meint  Storm, 
flatare  eher  flayer  oder  flöer  erzeugt;  begrifflich  bietet  sich  die  analogie 
von  altfr.  flavelle  Schmeichelei  (von  flabellum),  s.  Rom.  V,  179. 

Fleche.  Über  das  hier  beiläufig  erwähnte  altfr.  haste,  s.  Tobler 
Jahrb.  XU,  208,  der  es  für  unlateinisch  hält,  und  Rom.  IV,  360,  wo 
ihm  Bugge  zwar  herlcunft  von  lat.  hasta,  aber  unter  einwirkung  des  ahd. 
barst,  harste  (frixorium,  crates,  craticula)  zuerkennt.  Neuprov.  heißt 
astelier,  astier  feuerbock  und  ist  =  fr.  hastier;  vgl.  Diez  s.  v.  atelier. 

Fl^chir.  Es  findet  sich  auch  ein  altfr anz.  partic.  fleche  =  lat. 
flexus,  8.  Eloi  92b  genous  fleches,  enclin  le  chief. 

Foin.  Oi  aus  ae,  oe  ist  ganz  in  der  reget:  so  praeda  proie, 
poena,  altfr.  poine,  s.  Rom.  Gramm.  I,  169. 

Frais.  Die  etymologie  fredus  vertheidigt  d'Arbois  de  Jubainville 
(Rom.  1,  143)  gegen  fractum,  für  das  sich  Littre  ausgesprochen  hatte. 

F rap  p  er.  Welches  auch  der  Ursprung  des  Wortes  sein  möge  (hrappa 
befriedigt  nur  zur  noth),  es  muß  einst  ^laufen  geheißen  haben,  daher  der 
ausdruck  se  mettre  au  frapier  'davon  laufen  (s.  Scheler,  Enf.  Og.  954  und 
dessen  Glossar  zu  Bueves  de  Comm.).  Auch  frapaille  (worüber  man  sehe 
Scheler  Enf.  Og.  5402)   möchte  zunächst  'fahrendes  völky   bedeutet  haben. 

Frayeur.  Sein  etymon  frigidus  hat  Diez  im  Krit.  anh.  begrifflich 
sehr  gut  verfochten,  aber  es  bleiben  doch  noch  einige  bedenken.  Wie  läßt 
sich  die  bildung  des  sbst.  frayeur  begründen?  Doch  wohl  nicht  anders 
als  aus  dem  mlat  frigörem?  Altfr.  effroi  lärm,  geräusch  mag  sich  zum 
begriff  schaudern,  erschrecken  verhalten,  wie  aus  fremir  rauschen  die  bed. 
zittern  hervorgieng.  Jedenfalls  nöthigt  der  diphthong  ei  der  prov.  Wörter 
von  fragor  lärm  abzusehen.  —  Grimm  Wb.  II.  s.  v.  brög  sagt:  „Diez, 
der  beim  franz.  frayeur  an  lat.  frigus  denkt,  hätte  wol  auch  ahd.  bruogo 
terrqr,  ags.  bröga  erwägen  können."  Diez  hat  es  wohl  mit  bedacht  unterlassen. 


ANHANG  ILc.   FRINGUER-GLAISE.  763 

» 

Fringuer.  In  der  veralteten  bed.  reinigen,  spülen,  putzen  hält 
Bugge  (Rom.  IV,  356)  das  wort  für  eine  nasalisierte  form  des  sp.  fregar 
=  fricare,  also  eine  doppelform  fremden  Ursprungs  von  froier,  frayer. 
Dies  fringuer  ist  Übrigens  nicht  das  von  Die*  gemeinte  und  nur  beiläufig 
hier  erwähnt  —  Zur  erläuterung  der  it.  form  filunguello  sehe  man  Mus- 
safia,  Beitr.  54. 

Friper.  Bugge  (Rom.  III,  148)  weist  das  isländ.  etymon  als  der 
wirkl.  bed.  des  worts  nicht  entsprechend  zurück.  Das  vb.  friper  komme 
vielmehr  vom  sbst.  fripe  lumpen  (altfr.  frepe,  ferpe,  >  felpe,  feupe)  und 
dieses  von  lat.  fibra  durch  Umstellung  (vgl.  fimbria  frange)  und  Wandlung 
von  b^p  wie  in  ensouple  von  insubulum.  Bugge  stellt  ebenfalls  eu 
fripe  it.  esp.  pg.  felpa.  Ein  typus  firpa  fripa  aus  fibra  ist  freilich  kühn  und 
bedenklich,  aber  doch  nicht  mehr  als  trompa  aus  tuba.  —  Zu  felpe  = 
fripe  gehört  auch  altfr.  feupir,  nfr.  foupir  *  chiffonner' f  so  wie  das  von 
Die*  s.  v.  felpa  (thl.  1)  erwäJmte  feupier  =  fripier.  Wie  aber  ist  das 
im  Rieh,  li  b.  1907  vorkommende  defelipr£  (ses  robes  defeliprees)  „aus- 
gefasert, zerrissen11  eu  erklären?  Sollte  felipre  nicht  eine  erleichterte  form 
von  felpre,  felpe  sein;  in  tonloser  silbe  wäre  der  einschob  eines  i  viel- 
leicht wohl  annehmbar.  Oder  auch  so:  flipe,  flipre,  felipre  (etwa  wie 
im  span.  filibote  für  flibote)?  —  Noch  bliebe  eu  untersuchen  ob  friper 
„gierig  essen11  und  fripon  spitzbube  mit  fripe  zusammenhängen;  ich  glaube 
nicht.  Grundbegriff  ist  'rasch  thun,  stibitzen.  Ahd.  findet  man  hrifa 
rapere  und  hripä  prostituta,  und  wie  Diez  anführt,  isländ.  hripa  tumul- 
tuarie  agere. 

Froisser.  Eine  dritte  conjeetur  bietet  *frustiare  (frustum),  vgl. 
Otinel  p.  29  frusse  la  lance. 

Gaimenter.  Die  form  guermenter  könnte  aus  gramenter  versetzt 
und  dieses  von  lat.  gravamentum  abgeleitet  sein;  syncope  des  langen  a 
liegt  auch  in  serment  (von  sacramentum)  vor. 

Gale.  Die  bed.  schiviele  ist  nicht  zu  verkennen  Baud.  Gond.  166, 
393  A  tes  crons  mustiaus  as  soros  Et  ä  tes  plas  pi£s  plains  de  gales. 
Diese  bed.  ist  jetzt  noch  im  Hennegau  dem  werte  eigen. 

Gercer.  Mlat.  charaxare  (xagaooeiv)  ritzen,  kratzen,  das  von 
Littre  aufgestellte  etymon,  widerstreitet  dem  buchstaben. 

Gibier.  Bugge  führt  als  conjeetur  dieses  altfr.  verb  auf  ein  lat. 
*capicare,  abl.  von  mlat.  capus  falke  zurück.  Zur  bed.  stellt  er  die  des 
engl,  to  hawke,  und  wegen  gi  aus  ca  vergleicht  er  girofle  aus  caryo- 
phyllum  und  dägingander  =  mail.  scanchinä  (Rom.  III,  147);  s.  Rom. 
IV,  358. 

Gier.  Suchier  (Grob.  Ztschr.  I,  431)  versucht  eine  erUärung  von 
gierres  (Oxforder  Psalm.  72,  13)  auf  ein  lat.  de  ha  re  zu  gründen;  der 
cmlaut  g  wie  in  jour  und  vielleicht  in  gehni  =  de  hodie;  doch  stößt  er 
sich  an  der  zsgs.  form  regieres  Fantosme  1330. 

Glaise.  Die  altfr.  form  war  gloise  (Chev.  as  d.  esp.  7008  \  was 
kürze  des  stammvocals  andeutet. 


764  ANHANG  IL  c.   GOURMER-HANTER. 

Gourmer.  IMbrSs  erklärung  von  gourmet  —  es  heiße  zunächst  der 
diener  (s.  grumo  thl.  I)  eines  weinhändlers  —  wird  widerlegt  bei  Schcler. 

Grammair e.  Sowohl  masc.  als  fem.  kann  dies  wort  nicht  auf 
grammaticarius  zurückgeführt  werden,  sondern  es  kommt  von  grammaticns 
durch  denselben  lautlichen  proceß,  welcher  medicus  in  altfr.  mire  und 
artem  magicam  in  oitfr.  artimaire  verwandelt  hat  (s.  unten  mire).  So 
lautet  die  wohl  begründete  ansieht  Tobler9s  (Rom.  II,  244);  das  von  Diez 
nach  Raynouard  angeführte  pr.  gramäire  hält  Tobler,  ohne  es  anzweifeln 
zu  wollen,  für  eine  franz.  lehnform;  das  pr.  gramatge  entspricht  voll- 
kommen der  form  metge  von  medicus. 

Gravi  r.  Wenn  ramper  zu  rampa  kralle  gehört,  warum  sollte  nicht 
auch  graver  (dies  die  fotm  deren  sich  Rabelais  bediente  und  wohl  die 
ursprüngliche)  auf  grau  (altfr.  und  noch  mundartl.  =  kralle)  zurückge- 
führt werden? 

Greve.  Das  celtische  etymon  wird  vollends  unterstützt  durch  altfr. 
groe  sand,  kies  Berte  a.  gr.  p.  838  (Berte  gist  sor  la  terre,  qui  est  iure 
com  groe),  Baud.  Seb.  i,  p.  169  (au  champ  dessus  le  groe). 

Grigou.  Zu  diesen  Wörtern  auf  ou  ist  noch  gabelou  Zöllner  zu 
fügen;  cagou  ist  nicht  mehr  im  gebrauch.  Dazu  kommt  noch  der  jedem 
Franzosen  bekannte  volksausdruck  voyou,  worüber  man  sehe  Fr.  Michel, 
Dict.  d'argot,  und  Ch.  Nisard,  Curiosites,  p.  174  ff.  —  Grigou  vom 
dtschen  grind  abzuleiten,  darf  bei  Littre  wunder  nehmen. 

Grim.  Auch  altfr.  fem.  grime,  Trouv.  beiges  239,  422  ven6s  avant, 
ma  dame  grime. 

Grimoire.  Scheler  denkt  an  ein  volkstümliches  vb.  grimer  'grif- 
fonner\  dem  auch  grimaud  und  grimelin  schuljunge,  gleichsam  'papier- 
kratzer,  entsprossen  zu  sein  scheinen. 

Grive.  Nach  Scheler' s  conjeetur  zum  thema  grip  'rauben  gehörig, 
vgl.  oiseau  de  grip  und  vb.  griveler  stibitzen. 

Gueuse.    S.  weiteres  bei  Scheler. 

Gueux.  S.  auch  G.  Paris,  Chansons  du  15e  siede,  p.  129,  wo  die 
etymologie  coquus  entschieden  abgewiesen  wird. 

Hante.  Förster  (Grob.  Ztschr.  II,  84)  empfiehlt  das  etymon  hasta, 
erstens  weil  ames  seiner  bed.  nach  ( querholz)  mehr  abliegt,  zweitens  weil 
hasta  ein  gemeinrom.  wort,  und  drittens  weil  banste  die  ältere  form  ist 
{Psalter,  Roland  u.  s.  f.).  Die  einschiebung  des  n  vor  s  +  cons.  ist  ein  ge- 
wöhnliches factum;  zu  den  im  Chev.  as  d.  esp.  s.  L  und  Grröb.  Ztschr.  I,  560 
angeführten  beisp.,  fügt  Förster  noch  das  besonders  zutreffende  tanster 
(Hiob  338,  4;  346,  29)  neben  taster. 

Hanter.  Das  aspirierte  h  ist  nicht  stammhaft,  sondern  hinzugetreten 
wie  in  haut,  houlette,  h^risson,  hulotte,  huppe,  hurler;  die  beispiele  von 
reinem  a  sowohl  beim  verb  als  beim  subst.  antise  liegen  zahlreich  vor  (s. 
Scheler).  Ferner  ist  die  grundbedeutung  des  worts  nicht  sowohl  häufiger 
besuch  als  utngang,  verkehr,  bleibender  auf  enthalt;  es  ist  synonym  mit 
altfr.  converser,  lat.  conversari.    Diese   umstände   rechtfertigen    das  von 


ANHANG  IL  c.   HATEREL-HURE.  765 

mir  in  der  2.  ausg.  des  Dich  aufgestellte  etymon  *ambitare  umgehen. 
Gegen  laut  und  bed.  ist  nichts  einzuwenden;  daß  das  freqaentativ  von 
ambire  nicht  vorkommt,  macht  keine  schwierigheit,  sonst  müßte  man  die 
dllgemein  angenommenen  etyma  von  oser,  user,  refuser,  oublier,  profiter 
gleichfalls  in  zweifei  ziehen.  Daß  das  von  Dies  angerufene  altn.  heimta 
sich  nur  künstlich  mit  dem  sinn  von  hanter  einigen  läßt,  hat  wohl  man- 
eher  gefühlt;  zumal  bei  hanter  =  exercer,  pr atiquer,  wo  sich  dagegen 
der  gedanke  cmit  einer  sache  umgehen*  so  natürlich  aufdrängt.  Habitare, 
zu  dem  sich  Littre  bekennt,  genügt  lange  nicht  allen  Verwendungen  des 
worts.  Die  begriffliche  entwicklung,  die  ich  für  das  fr.  hanter  annehme: 
herumgehen,  begehen  (einen  weg),  umgehen,  verkehren,  sich  aufholten,  ein 
geschüft  betreiben,  ist  etwas  verschieden  von  der  im  Grimmschen  Wb. 
dem  dtschen  hantieren  beigelegte,  aber  dieses  lehnwort  hat  eben  seine  be- 
sondere geschickte. 

Haterel.  Bugge  (Rom.  IV,  360)  halt  mit  Grandgagnage  haterel 
für  identisch  mit  hätereau  Uranche  de  foie  de  porc,  poivree,  salee  et 
grillee\  das  zu  haste  =  dtsch.  harst  (s.  oben  fleche)  gehört,  indem  es 
auch  die  bed.  €col  de  veau  ou  de  porc"  besaß.  Zunächst  bezeichnete 
hätereau  einen  theil  des  geschlachteten  thieres  und  wurde  dann  auf  das 
lebende,  selbst  auf  den  menschen,  übertragen.  Altflämisch  hieß  herst  'spina 
porci,  dorsum  porci\  so  heißt  auch  haterel  Renart  I,  167  rückgrat;  wie 
die  bedd.  rücken,  rückgrat,  nacken,  hals  in  einander  spielen,  beweist  sp. 
cerro  und  lat.  tergum,  welch  letzteres  mit  gr.  TQaxrjlog  verwandt  ist 

Haut.  P.  Meyer  (Ecole  des  Ghartes  3.  s*e  IV,  in  der  recension  von 
Littre):  „Es  gibt  franz.  Wörter  mit  vorgesetztem  h  ohne  deutschen  einfluß: 
hieble,  heur,  huis,  huitre,  huit  So  auch  haut,  hurter,  heingre.  Die  ein- 
silbigen mit  anl.  vocal  (wozu  im  gründe  auch  huitre,  hieble,  heingre  ge- 
hören) haben  die  neigung  aspiration  anzunehmen;  sie  scheinen  damit 
einen  größeren  widerstand  zu  gewinnen  und  weniger  in  gefahr  zu  sein, 
mit  dem  vorhergehenden  worte  zusammenzufliessen.il 

Haver.  Davon  dim.  *ha voter  rauben,  plündern,  woraus  sbst.  altfr. 
havot  rauh,  plünderung,  engl,  havoc ;  s.  m.  anm.  Trouv.  beiges  s.  352. 

Herse.  Eine  weitere  analogie  für  harceler  peinigen  bieten  ital. 
mundartl.  ausdrücke,  welche  zugleich  hirpex  und  ineubus  (der  peiniger) 
bedeuten;  s.  Flechia,  11. 

Hide.    Nach  Schuchardt,   Vok.  11,  258  =  foeda,   sbst  von  foedus. 

Hie.  Ist  unmittelbar  abzuleiten  vom  altfr.  hier  keichen,  fig.  sich 
anstrengen,  ereifern,  Band.  Gond.  275,  130. 

Hotlille.  Eine  weitere  autorität  zu  gunsten  des  etymons  schölle, 
prof.  Bormans  in  Lüttich,  citiert  Scheler  (2.  ausg.). 

Houspiller.    Scheler  beanstandet  die  Littre9 sehe  deutung. 

Hure.  Bedeutete  ursprünglich  eine  Iwpfbedeckung ;  eine  Handschrift 
von  Jean  de  Garlandes  Dictionarius  übersetzt  pilea  durch  hures  und 
pileola  durch  hurez  (s.  Jahrb.  VI,  294—5);  auch  in  der  von  Diez  an- 
gezogenen stelle  des  TCant.  ist  la  hure  abati,  wie  der  lat.  text   lehrt,  zu 


766  ANHANG  IL  c.   ISART-MARAUD. 

verstehen  'pileum  dejectf;  vgl,  noch  altengl.  hure  =  galerus,  pileus  (s. 
Ducange).  Dies  veranlaßt  Bugge  (Rom.  IV,  362)  unser  wort  durch  altn. 
hufa  hui  oder  kappe,  besonders  eine  härene  oder  pdzmütze  =  dtsch.  haube 
zu  deuten;  die  syncope  des  f  ergab  hue,  die  einschdltung  von  r  (5.  mire) 
hure.  Die  bedd.  köpf,  haar,  struppiges  haar  sind  später  hinzugetreten; 
einen  ähnlichen  begriffsweehsd  zeigen  verschiedene  Wörter  für  hut  in  den 
scandinav.  sprachen.  Die  überlebende  bed.  des  worts  ist  köpf,  besonders 
wüdschweinskopf.  Altfr.  huve,  huvette  wären  sonach  dem  deutschen  hüba 
(haube),  hure  hingegen  dem  altnord.  entnommen.  —  Das  cps.  dehurä  Trouv. 
beiges,  237,  v.  373  scheint  kahlkopf  zu  bedeuten. 

Isart.    Deutungsversuche  bei  Littre. 

Larigot  Das  in  der  1.  ausg.  vermutungsweise  aufgestellte  etymon 
arinca  (roggenstengd)  hat  Diez  in  der  2.  stillschweigend  aufgegeben; 
wahrscheinlich  auf  grund  der  von  Diefenbach,  Orig.  europ.  p.  234,  ange- 
stellten Untersuchung  über  das  gallische  wort.  Wenn  aber  arinca  versagt, 
läßt  sich  vielleicht  eine  deutung  mittelst  alica  versuchen.  Der  kunstaus- 
druck  largo  befriedigt  kaum. 

Liart  Wenn,  wie  Liebrecht  behauptet,  liard  früher  eine  süber- 
münze  bezeichnete,  so  ist  es  unzweifelhaft  identisch  mit  Hart  weiß,  vgl. 
blanc,  sp.  blanca  (silbermünze);  Jahrb.  XIII,  234. 

Locman.  In  der  2.  ausg.  zieht  Scheler  altfr.  laman  {woher  *la- 
maner,  lamaneur)  aus  'l&d-man,  vom  ags.  lad  leiten.  Das  etymon  ndl. 
loadsman  für  fr.  locman  erachtet  er  für  unsicher. 

Lodier.    Ist  den  neueren  Wörterbüchern  fremd. 
#       Lop  in.    Anders  denken  Littre  und  Schder.    Zu  erwägen  ist  auch 
die  unter  Littre'' s  citaten  sich  darbietende  bed.  'schlag'. 

Lorgner.  Wie  ist  das  adj.  lorgne  zu  erklären  Perceval  2010: 
Ne  sui  8i  lorgnes  ne  si  lois  (=  luscus)  Que  vostre  fausetö  ne  voie? 
Die  patois  haben  auch  calorgne,  worüber  nacJizuschen  Darmesteter  p.  112 
(ca  ist  pejorativ-präfix).  Auch  findet  man  altfr.  lour,  s.  DG.  s.  v.  lus- 
cus.    Vgl.  oben  caluc. 

Lumignon.  Das  wort  wurde  bisher  allgemein  für  eine  ableitung 
von  lumen  angesehen;  daß  diese  ansieht  nicht  stichhaltig  ist,  habe  ich 
hoffentlich  zur  befriedigung  meiner  mitforscher  in  der  Rom.  IV,  460  be- 
wiesen) meine  argumente  zu  gunsten  des  mlat.  Kernen  habe  ich  zu  meiner 
genugthuung  in  Littre9 s  Supplement  abgedruckt  gesehen,  aber  mit  geringerem 
Wohlgefallen  fand  ich  daß  die  in  der  Born,  mit  meiner  Unterschrift  ver- 
sehenen worte  dort  herrn  Cornu  in  den  mund  gelegt  werden. 

Luquer.  Lomb.  lughera  ist,  wie  Flechia  342  meint,  abgeleitet  von 
demselben  luca,   von  welchem  bellugue,   beluga  u.  s.  w.,   also  =  lucaria. 

Manevir.  Das  gegentheil  von  amanevi  ist  esmanevi  'entfremde? 
(Brun  de  la  Mont.  2916). 

Mar  au  d.  Bugge,  von  der  bed.  armselig,  verlumpt  ausgehend,  sieht 
in  maraud  eine  rom.  ableitung  von  malus  (vgl.  die  büdungen  courtaud, 
richaud);   malaldo   wurde  zu  maraldo  wie  melancolie  zu  merancolie. 


C' 

ANHANG  II.  #   MARCASSIN-MEGUE.  767 

Wenn  im  deutschen  lehnwort  marode  der  sinn  *müdigkeit,  entkräftung 
vorwiegt,  so  erinnert  das  an  das  it.  malito,  sp.  maluco ;  s.  Rom.  III,  155. 
—  Diese  deutung  hat  viel  für  sich,  und  für  meinen  theil  wüßte  ich  nichts 
einzuwenden;  sie  ist  jedenfalls  zusagender  als  die  von  Rönsch  (Jahrb. 
XIV,  183),  welcher  das  hehr,  marud  caus  der  heimath  verstoßen,  umher- 
irrend, obdachlos'  für  das  etymon  ansieht.  Das  von  Littre  erwähnte  cors. 
marodi,  com.  marö  kränklich  spricht  gleichfalls  für  eyien  stamm  mar  =  mal. 

Marcassi  n.  Roülin  (bei  Littre,  Suppl.)  sieht  hierin  ein  ndl.  melk- 
swyn.  So  sehr  fr.  cochon  de  lait  diese  ansieht  zu  unterstützen  scheint, 
so  steht  ihr  doch  der  buchstabe  entgegen,  das  wort  müßte  ssuin  zur  endung 
haben  (vgl.  marsouin).  Ich  stelle  es  lieber  zu  marqnais  pfütze,  grübe, 
wovon  norm,  margas  eine  nebenform  sein  mag.  Das  wühlen  in  der  pfütze 
hat  ja  auch,  wie  es  scheint,  dem  gr.  yQ0fiq>ig  und  dem  lat.  scrofa  den 
namen  gegeben.  Woher  aber  marquais,  mlat.  marcasium?  Läßt  es  sich 
mit  mare  mariscus  in  Verbindung  bringen? 

Mar  eher.  In  der  2.  ausg.  erinnert  Schder  an  ein  ähnliches  be- 
griffliches verhältniß  zwisclien  walken  und  engl.  walk.  —  Im  fig.  sinne 
wird  altfr.  marchier  treten,  zertreten  zuweilen  mit  marchir  =  marcescere 
verwechselt,  so  sagt  Band.  Cond.  197,  8  pour  lor  orguel  marchier,  und 
200,  82  est  or  bien  li  orguex  inarchis. 

Mare.  Ein  langes  verzeichniß  von  ital.  ausdrücken  für  „ineubus" 
hat  Mussafia  zusammengestellt,  s.  v.  mazaruol  seines  Beitr.  78,  anrn., 
unter  denen,  wegen  cauche-mar,  die  mit  calcare  gebildeten  besonderes  in- 
teresse  verdienen.  Noch  weitere  findet  man  bei  Flechia,  Postille  etymo- 
logiche,  10—11. 

Massacre.  Wenig  zusagend  ist  Gaix9  deutung  massacrer  =  am- 
mazzare  +  sacrare  (Grob.  Ztschr.  I,  426).  Dem  worte,  das  nicht  über 
das  16.  jh.  hinauf  belegt  wird,  mag  allerdings  eine  anlehnung  an  sacrare 
die  jetzige  gestalt  aufgeprägt  haben,  aber  ursprünglich  war  das  thema 
macecr;  ich  habe  Enf.  Ogier  5685  ein  sbst.  maceclerie  metzelei  und  in 
meinen  Deux  red.  de  la  leg.  de  Ste  Marguerite  36,  566  masecrier  henker 
hervorgehoben. 

Matelot  Bugge  (Born.  III,  155)  empfiehlt  altn.  matunautr  (ent- 
sprechend mhd.  m&z-genöze)  tischgenosse,  ein  besonders  von  den  schiff- 
leuten  gebrauchter  ausdruck,  die  in  verschiedene  mötuneyti  oder  tisch- 
genossenschaften  eingethcilt  waren.  Matelot  verhalt  sich  zu  matenot  wie 
gonfalon  zu  gonfanon,  it.  temolo  zu  lat.  thyminus.  Diese  erUärung  be- 
günstigt die  von  G.  Paris  in  einer  der  handschriften  der  Passion  aufge- 
fundene form  mathenot. 

Mazette.  Gaston  Paris  (Rom.  III,  113)  fragt  ob  sich  dieses  wort 
nicht  mit  it.  mazeta  (bei  Mussafia,  Beitr.  78,  mit  ,ßtehkin"  Übersetzt), 
dem  dim.  von  mazza  stock,  identificieren  lasse;  vgl.  burdo  maülthier  und 
bourdon  stob,  sp.  muleta  maülthier  und  krückenstock. 

Megue.  Liebrecht  (Jahrb.  XIII,  234)  denkt  unter  anderem  an 
gr.  fiilxa,  saure  milch. 


768  ANHANG  IL  c.   MERIR— MIRE. 

Merir.  Der  conjunctiv  mire  =  mereat  ist  eben  so  wenig  anstößig 
als  empire  =  imperium. 

Micmac.    Besser  statt  * Spitzbüberei   setze  'maukdei. 

Mi  e  vre.  Die  gleichstellung  von  inievre  und  nievre  und  folglich  das 
etymon  nebulo  Hesse  sich  zur  noth  lautlich  rechtfertigen;  wandet  von  n 
su  m  liegt  auch  in  Mitouche  (für  Nitouche)  und  mastouche  (Tat.  nastur- 
tium,  s.  Schder)  vor.  . —  Das  wort  lautete  wohl  ursprünglich  mieuvre 
(mieure  wird  bei  Littre  belegt);  da  nun  pieuvre  {nebenform  von  poulpe, 
proü.  poupre  =  polypus,  polpus)  ein  thctna  popl  (umgestellt  aus  polp) 
andeutet,  Hesse  sich  auch  füglich  mieuvre  auf  lat.  mobilia  beweglich,  ruhrig 
zurückführen.  Diese  meine  im  Dict.  (2.  ausg.)  ausgesprochene  conjectur 
mag  vielleicht  mehr  gönner  finden  als  das  etymon  semiebrius,  dem  Rönsch 
(Jahrb.  XIV,  184)  sich  zuwendet.  Meuble,  meuvre,  mieuvre,  mieure, 
mievre  ist  eine,  scheint  mir,  correcte  entwicklung.  [Diese  deutung  wird 
auch  den  lescrn  des  Courrier  de  Vaugelas  (Jahrg.  VII,  p.  82)  mit  den- 
selben details  als  die  zutreffendste  geboten,  der  name  ihres  Urhebers  jedoch 
übergangen.] 

Mire.  Die  herleitung  aus  mediearius  bestreitet  Tobler  entschieden 
(Born.  II,  242);  syncope  der  silbc  ca  sei  unzulässig.  Er  geht  vielmehr 
von  medicus  aus,  welches  in  folgender  weise  eine  dreifache  behandlung  er- 
faJtren  habe.  1)  Medicus  ergab  regelrecht  zunächst  meide  (höchst  selten) 
und  daraus  meie  (Sermons  de  S.  Bern.  526,  628,  570,  vgl.  per  mei  = 
per  medium),  und  die  verbreitete  form  mie  (vgl.  -erium,  fr.  -ire  in  avou- 
tire,  empire  u.  ähnl.,  vgl.  besonders  mie-nuit  =  media  nocte).  —  2)  Das 
durch  syncope  des  c  sich  herausstellende  thetna  medie  wurde  gleichfalls 
in  gewohnter  weise  zu  med]'  und  so  entstand  das  bekannte  miege  (vgl. 
piege,  Jumieges  aus  pedica,  Gemeticum).  —  3)  Ein  dritter  verwand- 
lungsmodus  beruht  auf  der  von  Tobler  an  einer  ganzen  reihe  von  beispielen 
nachgewiesenen  einschiebung  eines  r  an  die  stelle  des  ausgefallenen  d: 
medie,  durch  attraction  midie,  durch  syncope  mi-ie,  wurde  mirie  (LR. 
304)  und  schließlich  mire;  nebenbei  auch  mere  und  miere  (vgl.  matire 
neben  matere  matiere).  Zur  form  mirie  gehören  die  abll.  mirgesse  weiblicher 
arzt  (Ruteb.  II,  179)  und  mirgie  medizin  (Ch.  au  lyon  649);  zu  mire: 
miresse,  meresse  (L.  des  Mest.  p.  LXXVIII  und  38).  In  analoger  weise  sind 
nach  Tobler  entstanden  aus  remedium  homicidium  navigium  grammatica 
artem  magicam  die  formen  remire  omecire  navire  grammaire  artumaire. 
Gegen  diese  tiieorie  des  eingeschobenen  r,  welche  Tobler  späterhin,  an- 
läßlich des  Wortes  vrille  %(s.  d.),  noch  an  weiteren  fällen  zu  bewähren 
suchte  (Ztschr.  XXIII.  414),  legte  G.  Paris  (Rom.  VI,  127)  einspruch; 
für  ihn  ist  in  den  meisten  der  angezogenen  fälle  das  fragliche  r  aus  ur- 
sprünglichem d  durch  ein  vermittelndes  1  entstanden  (vgl.  concilinm  con- 
cire,  nobilius  nobire).  So  ergebe  sich  für  unser  medicus  die  formenreihe 
midie  mfiie  mirie  mire,  vgl.  Aegidius  'Gfdie  Gilie  (woher  Gilles)  Gire. 
[In  entsprechendem  sinne  sprach  sich  auch,  vor  G.  Paris,  Mussaßa  aus, 
bezüglich  einer  im  Chevalier  as  deus  espees  2257  vorßndlichen  form  miles 


ANHANG  II.  c.   MOIRE-OTER.  769 

=  mires.]  —  Anders  denkt  sich  die  bildung  van  mire  L.  Havet  (Rom. 
VI,  266):  „Später  als  der  wandet  von  tund  d  in  d  (dh),  als  der  Schwund 
des  medialen  c,  als  der  fall  der  protonischen  vokale  und  epitonischen 
endlaute,  und  als  die  Schöpfung  einer  gewissen  anzahl  gelehrter  Wörter, 
hat  sich  die  consonanten-gruppe  di,  da  wo  sie  die  franz.  spräche  damals 
besaß,  in  die  gruppe  ri  verwandelt,  welche  dem  rhotacismus  von  d  bei  der 
berührung  mit  dem  consonanten  i  (jot)  direct  entspringt" 

Moire.  Das  arab.  wort  ist  mokhayyar,  zu  dem  auch  it.  mocajardo 
*una  sorta  di  tela  di  pelo   stimmt;  s.  Devic. 

Moite.  Scheler  schlägt  vor  mixtus,  das  sowohl  dem  buchstoben  (vgl. 
espois  von  spissus,  dois  von  discus)  als  dem  begriff  genügt  (moite  liegt 
zwischen  trocken  und  naß).  Ducange  s.  v.  mixtum  erwähnt  cble  moitangä'. 
Baudry  bei  Littre  stimmt  für  mucidus,  das  aber  nur  moisde  ergeben  konnte. 

Moquer.  Z/ur  erhärtung  meiner  auffassung,  die  von  Littre  geneh- 
migt wird,  bemerke  ich  noch,  daß  auch  unser  schneuzen  im  sinne  von 
prellen  gebraucht  wird,  s.  Sanders. 

Morgue.    Deutungsversuche  bei  Scheler. 

Nans.  Die  bildung  nantir  ist  gegen  alle  reget  (s.  Schieler).  Das 
alte  wort  bedarf  einer  näheren  auf  klär  ung. 

Orfraie.  Diesen  vogelnamen  trennt  Suchier  (Grob.  Ztschr.  I,  432) 
vom  altfr.  ospres  (Auguis,  Poetes  II,  140)  =  engl,  osprey.  Dieses  osprfcs, 
ursprünglich  wohl  osprais,  stelle  das  gr.-lat.  oripelargus  dar,  woraus 
*oriperagus  und  fr.  orprais;  die  gleichartigkeit  der  bedeutung  bewirkte 
vermengung  der  formen:  orprey  wurde  osprey  und  osfraie  wurde  orfraie. 
Uebrigens  könnte  auch  letzteres  oripelargus  zur  quelle  haben,  vgl.  fresaie 
aus  praesaga. 

Orfroi.  Liebrecht  (Jahrb.  XIII,  235)  verweist,  wegen  fresum  (in 
aurum  fresum),  auf  Uhland,  Schriften  I,.279  anm.  1. 

Orif lamme.  Ist,  meines  erachtens,  nicht  aus  auriflamma,  sondern 
letzteres  aus  dem  franz.  worte.  Wir  haben  hier  eine  verkürzte  form  von 
orie -flamme  des  Rolandslieds  3093  (vgl.  dimanche  für  diemanche, 
minuit  f.  mienuit).  Man  behauptet  freilich,  daß  in  der  erwähnten  stelle 
orie  zweisilbig  gelesen  werden  müsse  wie  v.  466  und  Alex.  117 a,  und  es 
haben  die  herausgeber  zu  diesem  behufe  eine  sübe  in  den  vers  eingefügt 
(i,  il,  lor);  aber  läßt  sich  denn  neben  orie  =  oire  =  aureus  golden 
nicht  auch  eine  form  ori,  orie  goldfarbig  anerkennen,  sei  es  =  *aurivus, 
oder  besser  =  *auritus  (vgl.  blanchi,  blesmi,  jauni)?  Ich  verkenne  das 
bedenkliche  dieser  annähme  nicht,  aber  es  scheint  mir  nicht  minder  ge- 
wagt, mit  Darmesteter,  Formation  des  mots  comp.  27,  ohne  beleg,  in  ori- 
flamrae,  ori  aus  orie  =  orje  werden  zu  lassen.  Vgl.pr.  auria-flor,  neben 
auriflour,  auriflan,  auriban  (s.  banda). 

Oter.  Scheler  2.  ausg.  verzichtet  auf  seine  conjectur  abstare  austar 
oster.  —  Den  deutungsversuch  Lücking's  (Die  ältesten  franz.  mundarten) 
durch  hospitare  bezeichnet  Neumann  mit  recht  als  geistreich  aber  zu  weit 
hergeholt  (Grob.  Ztschr.  II,  159)! 

49 


770  ANHANG  IL  c.    OUAICHE-PIETRE. 

Ouaiche.  Nach  der  Akademie  männlich,  nach  Littre  weiblich; 
wurde  früher  houache  houaiche  geschrieben.  In  meiner  ersten  ausg.  stellte 
ich  das  wort  zum  glbd.  engl,  wake ;  auch  Littre  hat  seitdem  dieses  etymon 
aufgestellt;  Ed.  Müller  jedoch  gibt  der  Die*?  sehen  deutung  den  vor  eng 
und  ihm  habe  ich  mich  in  meiner  zweiten  ausg.  angescJdossen. 

Paletot.    Anders  Littre,  den  Scheler  widerlegt. 

Pan.  Wie  pannus  zur  bed.  ( weggenommene  sache,  pfand*  hat  ge- 
langen können,  läßt  sich,  wie  mir  scheint,  nur  auf  folgende  weise  er- 
läutern. Es  muß  das  vb.  paner,  pr.  panar  zu  grund  gelegt  werden,  das 
wohl  zunächst  'der  kleider  berauben  hieß  und  dann  die  allg.  bed.  rauben, 
wegnehmen  entwickelte;  aus  diesem  das  suffixlose  sbst.  pan  genommene 
Sache,  pfand.  Dieses  pan  erzeugte  seinerseits  ein  hier  übergangenes  vb. 
panir  pfänden,  in  schaden  setzen;  von  diesem  kommt  hinwiederum  sbst. 
panie  p fändung,  beeinträcJUigung  (prendre  panie  sur  qn.  Baud.  Conde 
23,  163).  Mir  scheint  übrigens  ein  fr.  paner  in  der  bed.  von  nehmen 
etwas  verdächtig,  so  daß  sich  pan  pfand  kaum  daraus  ableiten  läßt  (dem 
Provenzalen  ist  pan  unbekannt  und  sein  verb  panar  muß  wahrscheinlich 
anders  gedeutet  werden).  Wenn  es  sich  bestätigen  sollte,  daß  tnlat.  pannus 
zunächst  'velum  quod  obsignatis  rebus  appenditur  bedeutete,  versehwände 
jede  Schwierigkeit. 

Pantois.  Daß  pantaisar  nicht  mit  Caix  (Grob.  Ztschr.  J,  428) 
durch  pant  +  *anxiare  (=  it.  ansare)  sich  erklären  lasse,  wird  man 
G.  Paris  gerne  zugeben,  aber  ob  das  etymon  phantasiare,  weiches  dieser 
befürwortet  (Rom.  VI,  629),  das  richtige  sei  und  ob  pantois  oder  pantais 
dem  lat.  phantasticus  entspreche,  bedarf  des  be weises;  Paris  sagt  nur 
pantaiser  habe  seit  dem  mittelalter  neben  seiner  bed.  athendos  sein  in  den 
südl.  provinzen  die  bed.  „rever",  irre  reden  (oder  träumen?),  und  der 
eigentliche  sinn  sei  „avoir  le  cauchemar".  Ist  anl.  p  aus  ph  so  ohne 
weiteres  zulässig? 

Parelle.  Das  von  Ducange  aus  dem  Pseudo-Macer  citierte  glbd. 
paratella  darf  als  eine  lat.  Umbildung  des  span.  Wortes  angesehen  werden. 
Immerhin  bleibt  das  etymon  pratum  zweifelhaft;  warum  sollte  der  Spanier 
paradela  neben  prado  gesagt  haben? 

Parrain.  Förster  (Ch.as  d.  esp.  10769)  weist  nach,  daß  die  form 
auf  ain  so  alt  ist  als  die  auf  in,  daher  neben  patrinas  auch  patranus 
vorausgesetzt  werden  müsse;  so  auch  für  marraine. 

Pier.  Das  hier  erwähnte  sp.  empinar  ist  nur  eine  specidle  Ver- 
wendung desselben  verbs  in  dessen  bed.  heben,  in  der  art  wie  der  fron- 
zose  'lever  le  coude  sagt.  So  meint  wohl  richtig  Liebrecht,  Jahrb. 
XIII,  236. 

Pietre.  Dieses  icort,  in  der  ersten  aufläge  von  Diez  durch  pedestris 
erklärt  und  dann  wegen  mangels  an  gelwriger  begründung  beseitigt,  neh- 
men wir  hier  wieder  auf,  indem  das  etymon  pedestris  durch  das  von 
Tobler  an  mehreren  stellen  des  Gautier  de  Goinsy  erwiesene  Vorhandensein 
eines  altfr.  peestre  in  der  bed.  des  nff*  pi6tre   vollkommen  gerechtfertigt 


ANHANG  IL  c.  PIROUETTE-RADOTER.  771 

ist ;  aus  peestre  ward  pYestre  (vgl.  pion,  Hon,  altfr.  crier  =  creare),  und 
daraus  das  zweisilbige  pietre  (vgl.  diable,  lien  u.  a.).  Brächet  hat  die 
Die*' sehe  etymologie  aufgenommen  ohne  der  Schwierigkeit  au  gedenken,  auf 
welche  Dies  hinwies;  s.  Ztschr.  XXIII,  418. 

Pirouette.  Für  Caix  (Grob.  Ztschr.  I,  423)  sind  die  beiden  bil- 
dungselemente  pir  4-  rouettc.  „Der  stamm  pir  bezeichnet  gegenstände 
die  sich  schraubenartig  um  sich  selbst  drehen;  er  findet  $ich  in  vielen 
composita  der  itcd.  mundarten,  so  wie  im  fr.  piron  'eine  art  thürangeV 
und  im  pr.  birou  bohr  er  \  Flechia  (Ar  eh.  glottol.  II,  316—7)  führt  ihn 
auf  gr.  neigiov  schraube,  7ceiQog  pflock  zurück.  Nach  analogie  von 
girouette  gebildet." 

Plais.  Altfr.  plaissier  =  lat.  plexare  findet  sich  im  sinne  von 
beugen,  zähmen:  la  char  fraindre  et  plaissier  Quenes  deBethune  (Trouv. 
beiges  12,  11). 

Posnäe.  Einen  bescheidenen  erJdärungsversuch  durch  potis,  *poti- 
nus  bietet  Schder  im  Gloss.  zu  Froissarfs  Chron. 

Poudre.  Andrer  ansieht  sind  Gachet  und  Littre  hinsichtlich  der 
bildung  von  poussiere.  Man  beachte  das  von  pols  abgeleitete  prov.  adj. 
polsos. 

Pouillä.  Ein  grundwort  polypticarium  läßt  sich  nur  mit  mühe 
rechtfertigen;  auch  gäbe  die  contraction  polptcarium  niemals  pouiller, 
auch  wenn  sich  letztere  form  finden  sollte.  Leider  hat  das  wort  keine 
geschickte;  mir  schwebt  vor  es  sei  eine  einfache  willkürliche  Verkürzung 
von  d6pouill6  *relev6,  verzeichniß ';  so  sagen  die  Wallonen  dicace  kirch- 
weih statt  dädicace. 

Prinsantier.    Nfr.  prime-sautier  ist  noch  in  vollem  gebrauch. 

Puirier.  Nach  Tobler  (Mitth.  I,  266)  von  procerare  von  proce- 
rus,  welches  sein  erstes  r  durch  dissimüation  verloren  hätte,  wie  span. 
postrar,  pr.  penre;  wie  ist  dies  aber  der  bed.  nach  zu  begründen?  Läßt 
sich  einefn  vb.  procerare  die  bed.  darreichen  unterlegen,  wie  dtsch.  langen 
von  lang?  Am  buchstaben  ist  nichts  auszusetzen;  p(r)oc7rare  aus  pro- 
cerare ist  nicht  weniger  correct  als  blasf  mare  aus  blasphemare.  Jeden- 
falls ist  porrigere  nic/d  passend  (zu  diesem  gehört  sp.  espurrir  ausstrecken). 
S.  auch  Jahrb.  X,  264  und  XI,  152. 

Pupitre.  Meine  erklärung  der  franz.  form  durch  vorrücken  des 
accents  und  Versetzung  der  liquida  (also  pupft'lum)  habe  ich  in  der  2. 
ausg.  meines  Dict.,  obgleich  von  Brächet  und  Littre  gutgeheißen,  aufge- 
geben; ich  halte  dafür"',  daß  pupitre  auf  einem  dim.  pulpitulum  beruht. 

Quenne  altfr.  kinnlade,  s.  Du  Meril,  Dict.  norm.;  daher  quenotte 
kleinkinderzahn;  Diez,  hdschr.  notlz;  s.  auch  LittrS. 

Quivrer.  Vgl.  meine  bemerkung  zum  vb.  cuvrier  im  Bastart  de 
Buälon,  v.  3082. 

Radoter.  Es  wäre  zu  untersuchen,  ob  redoter  nicht  als  ableitung 
des  altfr.  reder  delirare  zu  betrachten  sei;  s.  mein  Dict.  s.  v.  rever  und 
mein  gloss.  zu  Froissart  s.  v.  enrederie. 


772         ANHANG  II.  c.  RAME -REGRETTER. 

Rame.  Daß  ein  altfr.  rein  für  rame  wirklich  bestand  (Ben.  LI, 
54),  findet  man  bei  Littre,  aber  nirgends  begegnete  mir  eine  erwähnung 
des  bei  Froissart  und  nordfranz.  dichtem  vielfach  gebrauchten  rime,  vb. 
rimer  (s.  mein  glossar  zu  den  Chroniques);  dies  ist  doch  wohl  das  dtsche 
riemen,  ahd.  riemo  rüder?  —  Brächet,  Mem.  de  la  Soc.  de  ling.  I,  419, 
halt  rame  für  verderbt  aus  prov.  rem. 

Rate.  Das  gegentheil  von  d&ratä  scheint  altfr.  ratier  zu  bedeuten: 
mürrisch,  griesgrämisch,  daraus  geusig,  karg,  s.  Schder  eu  Froissart, 
Poesies  I,  162,  2653,  und  Förster  eu  Chev.  as  d.  esp.  21. 

.  Ravauder.  Ich  möchte  lidber  ravaut  zum  stamme  rav  von  ravasser 
(s.  rever)  stellen;  zunächst  einer  der  unsinn  redet;  daraus  vb.  ravauder 
und  von  diesem  sbst  ravaut,  unsinn,  aufschneiderei.  Das  wort  hat  mit 
ravauder  flicken  (der  alten  spräche,  wie  es  scheint,  fremd)  nichts  zu  thun. 

R6.  Das  hier  vorgeschlagene  etymon  rete  hat  regelrecht  roit,  roi 
gegeben;  langes  e  kann  nur  in  gelehrten  Wörtern  zu  fr.  6  werden.  Da- 
rum leitet  Förster  richtig  r6  von  lat.  ratem  floß  ab,  dessen  bed.  'zusam- 
mengefügte bälken  für  Scheiterhaufen  wohl  besser  paßt  als  'netz';  Ghrob. 
Ztschr.  I,  561. 

Reche.  Davon  (oder  direct  aus  dem  deutschen?)  enreski  harsch, 
brach;  s.  Jahrb.  X,  255.. 

Recru,  recrue.  Diese  beiden  Substantive  stimmen  vollkommen  zum 
etymon  recroltre,  sie  bedeuten  nachwuchs,  Zuwachs;  auch  recruter,  eine 
bildung  des  17.  Jahrhunderts,  wurde  bisher  ohne  Widerspruch  eis  directe 
abl.  vom  particip  recru  (vgl.  chu,  chute)  betrachtet.  Diese  herkömmliche 
ansieht  ist  jedoch  von  G.  Paris  (Jahrb.  XI,  157)  in  zweifei  gezogen 
worden.  Das  ächte  wort  sei  recluter  =  it.  reclutare,  sp.  reclutar,  dessen 
eigentl.  bed.  (ein  Meid)  flicken,  aufbessern,  figürlich  auf  die  Vervollstän- 
digung einer  truppenmannschaft  Übertragen  worden  sei;  „recruter  un 
regiment,  c'est  le  rapiecer,  lui  remettre  les  morceaux  qui  lui  manquentu; 
später  construierte  man  'recruter  des  hommes  pour  un  regiment\  Woher 
nun  aber  dieses  altfr.  recluter  aufflicken,  von  dem  Paris  die  belege  nicht 
schuldig  bleibt?  Fs  gehört  nebst  altfr.  clutet  (s.  Tobler  zum  Besamt  de 
Dieu  v.  260)  zum  altfr.  clut  (Pariser  Gloss.  7692,  nr.  410),  welches 
'frustum  stück,  stück  tuch,  fleck'  bedeutet,  und  von  dem  sich  noch  die 
abll.  cluterel  fetzen,  cluter,  mlat.  clustare  zerstückeln,  auch  clustrer,  clis- 
trer  kleine  Stückarbeit  ausführen  (daher  dtsch.  klütern,  klittern,  klitter- 
werk) vorfinden  (s.  Ducange  s.  v.  reclutare).  Dieses  clut  nun  stellt  Paris 
zum  altn.  klutr,  schwed.  dän.  klut  stück  tuch,  fetzen.  Er  spricht  sich 
aber  nicht  darüber  aus,  ob  er  recrue  als  das  verbal-subst.  von  recruter  = 
recluter  ansieht,  und  somit  reclue  für  die  normalform  hält,  denn  beide 
etymologisch  zu  trennen  erregt  doch  bedenken. 

Regretter.  S.  über  das  wort  G.  Paris  zu  Alex.  26e  und  Schder, 
Dict.  d'etym.;  beide  bekennen  sich  zum  etymon  goth.  gretan  weinen  (—  alt- 
nord.  grata),  das  auch  Diez  im  Krit.  anh.  25  empfahl,  aber  in  der  3.  ausg. 
(ob  absichtlich?)  nicht  wieder  erwähnt  hat. 


ANHANG  IL  c.   RELAYER-  SELON.  773 

Relayer.  Relais  kann  nur  als  suffixlose  ableitung  von  relaisser 
angesehen  werden,  also  engl,  release  entsprechend;  relayer  ergab  sbst. 
relay,  das  im  engl,  fortlebt. 

Renge.  Das  wort  bedeutet  nach  G.  Paris  (Alex.  p.  179)  die 
schnalle  zum  anstecken  des  Schwertes;  er  citiert  die  Beichenauer  glosse 
'fibulas,  hrincas  vel  fiblas\ 

Rez.  Neben  rez  läuft  noch  die  med.  form  ras  in  an  ras  de  l'eau, 
an  ras  de  terre.  Von  der  redensart  an  rez'  de  chanssäe  kommt  sbst. 
rez-de-chauss6e  erdgeschoß  (zu  ebener  erde). 

Rin.  Ich  hatte  dieses  wort  in  meinen  text  des  Bueves  de  Commar- 
chis  2360  aufgenommen,  aber  mit  einigem  zweifei,  ob  nicht  besser  rin  oder 
rni  zu  lesen  sei.  Seinerseits'  äußert  sich  Tobler  (Gott.  gel.  anz.  1874, 
s.  1043)  also  darüber:  Existiert  das  wort  rin  t  quelle  wirklich?  Mir 
ist  es  nirgends  begegnet  als  an  der  von  Diez  citierten  stelle  und  auch  da 
hat  es  vielleicht  dem  bekannten  rin  oder  rni  (rivus)  zu  weichen. 

Rincer.  Mit  prov.  recensar  ist  zusammenzustellen  altfr.  rechin- 
cier  auffrischen,  spülen  (noch  jetzt  heißt  rechinser  bei  den  tuchmaehern 
auswaschen),  worüber  ich  mich  in  meinem  glossar  zu  Froissart  ausge- 
sprochen; mein  muthmaßliches  etymon  recentiare,  das  ich  damals  mit 
übersehung  des  Diez* sehen  artikds  aufgestellt  hatte,  findet  durch  den  ort. 
recentar  in  Mussafias  Beitr.  94  volle  bestätigung.  Flechia  (Post.  etim.  28), 
der  sich  gelegentlich  des  moden.  arsinzer  lang  und  breit  mit  den  roman.  Ver- 
tretern des  nüat.  recentare  und  recentiare  abgibt,  macht  Diez  einen  Vor- 
wurf daraus,  daß  er  etymologisch  fr.  rincer  und  prov.  recensar  getrennt 
habe;  aber  um  dieselben  zu  vereinigen,  müßte  nicht  nur  die  zülässigkeit 
einer  syncope  des  palatalen  c  auf  franz.  gebiete,  sondern  auch  eine  form 
remeier,  so  wie  ein  picard.  rinchier  nachgewiesen  werden.  Jedenfalls 
ist  das  von  LittrS  für  rechinser  als  unzweifelhaft  aufgestellte  resincerare 
entschieden  abzuweisen. 

Ronce.  Ein  anderes  fr.  ronce  mit  der  bed.  runzel,  also  wohl 
deutsch,  findet  man  Rieh.  I.  b.  143. 

Rosser.    S.  oben  rocca  thl.  I. 

Rner.  Dieses  volksthümliche  hoch  hinauf  reichende  wort  kommt 
nicht  von  ruere,  das  altfr.  roer,  nfr.  roner  geben  müßte,  sondern  von 
dem  intensivum  dieses  verbs,  rütare,  wie  arguer  von  argütare  {nicht  ar- 
gnere);   nachgewiesen  von  Förster,  Grob.  Ztschr.  II,  87. 

Rnner.  Eine  weitere  bdegsteUe  ist  Priere  Theophilus  108,  3  in 
Grob.  Ztschr.  I,  257. 

Rüste.  Nfr.  rnstre  ist  offenbar  =  rnstiens  mit  dem  bekannten 
einschub  von  r  (vgl.  tristre  celestre);  abgd.  rnstaud. 

S,aule.  Von  sälicem  hat  auch  das  altfr  anz.  die  form  saus  (Are 
perül.)  überkommen;  dimin.  altfr.  sancel. 

Selon.  Man  trifft  auch  altfr.  soron  (Mont  S.  Mich.  1086),  und 
seront  (Jehan  de  Journi  603,  913),  worin  Tobler  (Ztschr.  XXIII,  415) 
das  r  als  an  die  stelle  des   ausgefallenen  c  von    seeundum   getreten  be- 


774  ANHANG  IL  c.    SEMILLANT-SERI. 

trachtet,  während  G.  Paris  (Rom.  VI,  13)  hierin  einfache  Wandlung  von 
1  in  r  erkennt.  Förster  (Grob.  Ztschr.  I,  564)  tritt  nicht  nur  der  Tob- 
ler'schen  ansieht  bei,  sondern  seines  erachtens  ist  selon  erst  aus  seron 
entstanden.  Wir  hätten  also  folgende  formenreihe:  segond,  seon  (ohne 
beleg),  se-r-on,  endlich  selon.  Die  Schreibung  selonc,  meint  Förster,  steht 
nicht  im  wege.  Wenn  diese  neue  darstellung  der  genesis  von  selon  zu 
allgeqieiner  geltung  gelangen  sollte,  wird  sie  natürlich  die  Scheler9schen 
argumente  zu  gunsten  von  feub  longo  hinwegschwemmen. 

Semillant.  Nach  Bugge  (Rom.  IV, 366)  von  *submiculare  (wegen 
u  zu  e,  vgl.  secourir,  säjourner,  semondre).  [Zu  beachten  ist  altfr.  seniille 
loser  streich  Rom.  de  la  Rose  (von  Roq.  citiert).] 

Seri,  auch  sieri  altfr.,  fem.  serie,  prov.  fehlt  (doch  hat  Honnorat 
luna  seria  'lune  sereine);  vm  Nicot,  der  es  noch  kennt,  mit  serenus  er- 
Märt,  von  andern  mit  serein,  doux  (Bartsch),  auch  mit  agreable,  melo- 
dieux  (Gachet);  beisp.  voix  basse'et  serie;  il  se  tint  coy  et  seri  (Nicot), 
issi  moult  coiement  et  moult  seri  NFC.  J,  210;  serie 1 6  stüle,  ruhe: 
Quant  tout  fu  en  grant  serietä,  il  encommen^a  ä  chanter  GNev.  (bei 
Roq.);  asserir  beruhigen  Roq.  ohne  beleg,  la  noit  est  aserie  'devenue 
epaisse  Michel  Hol.  LVI,  ib.  CCXCVI  'assombrie;  aserisier:  quant 
le  peuple  fust  asseriste,  'befriedigt*  Bartsch  Chrest.  414,  18  (das  vb.  ge- 
bildet wie  pr.  assuauzar,  it.  soavizzare).  Es  versteht  sich,  daß  hier  weder 
an  serenus,  noch  an  s&ius  gedacht  werden  darf;  wohl  aber  könnte  seri 
aus  asseri  abgekürzt  sein,  also  eigentl.  beruhigt,  ruhig,  still,  verwandt  mit 
der  bed.  von  serius.  Oder  ist  asserir  von  lat.  asserere  in  der  bed.  von 
inserere  einmischen?  Oder  ist  adj.  serus  'spät,  langsam'  im  spiel?  — 
So  weit  eine  handschriftliche  notiz  des  Verfassers.  Ich  stelle  ihr  folgende 
Untersuchung  von  Suchier  (Grob.  Ztschr.  I,  452)  an  die  seile:  „Das  wort 
hat  zwei  bedeutungen.  In  der  ersten  'sacht'  oder  €stffi  führt  Tobler 
dasselbe  auf  lat.  secretus  zurück  (Gott.  gel.  anz.  1874,  s.  1048).  Wie 
aber  läßt  sich  die  andere  bed.,  cklar,  die  vom  weiter  und  getrunken  aus- 
gesagt wird,  mit  jener  vereinigen?  Sie  bezeichnet  fast  den  gegensatz 
der  ersten.  Daher  ist  man  wohl  berechtigt,  für  die  bedeutung  klar  ein 
anderes  etymon  zu  suchen.  Nun  erscheint  seri  sehr  häufig  in  der  Ver- 
bindung mit  cler;  z.  b.  li  tens  ert  clers  et  seris  Durmart  3047,  ewe 
clere  e  serie  Modwenna  706b.  762*,  bon  vin  cler  e  seri,  ebd.  127  lb,  li 
oisel  chantent  cler  e  seri  Amis  538.  Dieselbe  Verbindung  aber  ist  auch 
im  prov.  beliebt:  era  dos  temps  clars  e  sere  Chrest.  263,  29,  vei  lo 
temps  clar  e  sere  Bernh.  v.  Ventadour  Quan  par.  Dieses  provenzedische 
wort  ist  unzweifelhaft  das  lat.  serenns,  von  welchem  das  fr.  seri  dtrect 
herzuleiten  die  lautgesetze  verbieten;  seri  muß  also  wohl  ein  provenzalisches 
lehnwort  sein  {wie  acesmer,  cadet,  caisse,  caserne).  Man  konnte  auch 
für  die  bed.  still  den  gleichen  Ursprung  vermuthen.  Vom  weiter  ausge- 
sagt erscheinen  die  begriffe  klar  und  still  als  nahe  verwandt.  Dennoch 
scheint  mir  eins  für  Tobler9 s  ansieht  zu  sprechen:  secretus  mußte  m  der 
mundart  von  Lille  und  Tournay  in  erster  silbe  ie  enthalten;  und  sieri 


ANHANG  IL  c.   SERVIETTE-SI.  775 

lautet  das  wort  im  Partim*  6321  (li  tans  est  soes  et  gierig),  wo  die  be- 
deutung  still  vorzuliegen  scheint.  In  mundarten,  welche  auslautendes  t 
erhalten,  mußte  das  wort  serit  lauten,  und  diese  form  erscheint  im  Char- 
lemagne  s.  15.  16  (suef  e  serit)  und  im  Meunier  d'Arleux  161  (en  serit 
ins  geheim,  im  reime  zu  lit).  Es  ist  sehr  wahrscheinlich,  daß  auch  diese 
mundarten  seri  klar  und  sieri  oder  serit  still  mit  der  zeit  durch  einander 
warfen,  doch  habe  ich  für  diese  Vermischung  kein  sicheres  beispid.  Neben 
seriz  (secretus  536)  steM  serains  {acht  franz.  für  serenus)  im  B.  du 
Mont  S.  Michel  723."  —  G.  Paris,  Rom.  III,  605,  bezweifelt  das  etymon 
secretus.  Zur  weiteren  erörterung  möchte  ich  hier  die  schon  in  meinem 
Gloss.  zu  Froiss.,  s.  4P  gemachte  bemerkung  wiederholen,  daß  neben 
aserisiö  clivre  au  repos  sich  bei  Ghastellain  die  formen  assegriset  Oeuvres 
ed.  Kervyn  I,  95  mit  gl.  bed.9  und  assegrir  'stillen  (einen  schmerz/  VI, 
115  vorkommen;  also  ein  stamm  segr,  wobei  unzweifelhaft  von  securus 
abgesehen  werden  muß.  Man  sehe  übrigens  auch  das  bei  Ste  Palaye 
s.  v.  asseri,  asserir,  asserisier  aufgehäufte  material. 

Serviette.  Die  endung  iette  ist  allerdings  befremdend,  aber  auch 
die  Diez'sche  erklärung  durch  itette  hat  ihr  bedenkliches;  das  glbed.  ital. 
salvietta,  vielleicht  eine  umdeutung  des  franz.  Wortes,  ist  nicht  minder 
auffallend.  Auch  das  adj.  serviable,  das  noch  höher  hinaufreicht  als  Ser- 
viette, ist  gegen  die  grammatik  gebildet;  die  henneg.  mundart  sagt  regel- 
recht servissape  (=  servigable)  'dienlich3,  und  im  Guillaume  de  Palerne 
551  lese  ich:  Et  soi6s  frans  et  debonaires  et  servigables  et  tempräs; 
765  servigables,  cortois  et  prous. 

Sevrer.  Altfr.  =  trennen,  scheiden;  se  sevrer  =  partir;  zsgs. 
desevrer  entscheiden  (Trouv.  beiges  ed.  Scheler,  s.  51,  v.  41). 

Si.  Einen  auslegungs-versuch  der  bed.  cbis*  gibt  Tobler  (Mitth.  I, 
237 J  in  folg.  fassung :  „Sollte  nicht  zur  erklärung  dieser  bed.  die  annähme 
einer  ellipse  genügen,  die  annähme  der  Unterdrückung  des  dem  [stets  vor- 
ausgehenden] negativen  satze  entgegengesetzten  pqsitiven  satzes,  so  daß  si 
etwa  mit  'ja  wenn  zu  übersetzen  wäre?  Für  lat.  si  ist  zwar  altfr.  se 
die  vorherrschende  form,  allein  das  bedeutendere  gewicht,  welches  durch 
die  ellipse  auf  die  conjunetion  fällt,  mag  die  bevorzugung  des  i  erklären, 
an  dessen  stelle  übrigens  bisweilen  auch  e  sich  findet.11  —  Verschiedene 
muthmaßungen  über  das  fragliche  factum  hat  in  lebendiger,  aber  weit- 
schweifiger  weise  Bormans  in  seinen  ' Observations  sur  le  texte  de  Cleo- 
mades  (Liege  1867)  s.  131 — 138  niedergelegt,  ist  aber,  trotz  des  massen- 
haft aufgespeicherten  materials,  zu  keinem  sicheren  resultate  gekommen.  — 
Mir  scheint,  daß  hier  der  umstand  besonders  zu  betonen  ist,  daß  das  si 
stets  das  verbum  anzieht,  folglich  das  adverbiale,  logiscJie  gleichung  aus- 
sprechende lat.  sie  sein  muß.  und  in  der  (hat,  der  negative  satz  ( jamais 
ne  mengerai')  und  der  durch  si  eingeleitete  (*si  seront  tuit  pendu')  stehen 
im  coordinationsverhältniß;  das  eine  negative  factum  wird  nicht  ohne  das 
andere  positive  gedacht;  es  handelt  sich  um  ein  entweder  oder:  'entweder 
muß  ich  verhungern  oder  die  andern  gehenkt  werden.    Diese  auffassung, 


776  ANHANG  IL  c.   S1LLER-TAR1ER. 

dünkt  mich,  hebt  alle  Schwierigkeit  und  liegt  im  wesen  einer  naturwüchsigen 
spräche.  Wir  sagen  ja  auch  'ich  lasse  dich  nicht  oder  du  segnest 
micti  (statt  'du  segnest  mich  denn),  wo  oder  das  gegenstück,  wie 
fr.  si  das  selten  stück  zum  inhalte  des  negativen  Satzes  zur  darsteUung 
bringt. 

Silier.  Scheler9  mit  beruf ung  auf  altfr.  geillon  und  mlat.  sica 
furche,  stimmt  für  ein  lat.  etymon  *seculare  (secare)  'einschnitte  machen. 

Sobriquet.  Die  erste  bed.  des  worts  war  Kcoup  sous  le  mentori, 
s.  Littre;  daraus  der  sinn  spott,  Spottname.  Mit  hinweis  auf  die  ent- 
sprechenden ausdrücke  fr.  sous-barbe,  sp.  so-papo  denkt  sich  Bugge  ein 
it.  sotto-becco,  dimin.  sottobecchetto,  daraus  fr.  soubzbequet  und  mittelst 
einschubs  von  r  {vgl.  fanfreluehe,  pimprenelle)  soubzbriquet,  sobriquet; 
s.  Rom.  III,  168. 

Soif.  Das  ausl.  f  ist,  meint  Ascoli  (Saggi  lad.  111),  das  resuüät 
einer  epenthese:  sitis,  se[d]e,  se-v-e.  —  Das  verschwinden  der  urspr.  form 
soi  soit  ist  um  so  befremdender  als  soif  mit  dem  sehr  üblichen  soif  saun 
(aus  seps  sepes)  zusammentraf.  —  Auch  sitic'lare  findet  sich  franz.,  ich 
bin  mehrmals  einem  altfr.  seeiller,  sel'llier  dürsten  begegnet,  so  Jean 
Cond.  II,  66,  566  Et  que  plus  boit,  est  seeillans  qni  tel  mal  a,  s.  auch 
Jahrb.  X,  267. 

Solive.  Die  deutung  durch  soli  equa,  die  P.  Meyer  (Rom.  III,  143) 
irriger  weise  Brinkmann  zuschreibt,  findet  der  pariser  gelehrte  „tropjolie", 
sie  ist  jedoch  nicht  mehr  ,jolie"  als  die  in  den  ausdrücken  chevalet,  che- 
valer  un  mur  und  poutre  vorliegenden  metaphern  (s.  Brinkmann,  Die 
Metaphern,  Bonn  1878,  s.  303—304). 

Sornette.  Dim.  von  sorne  (vgl.  sornfAZ.  I),  welches  Littre  aus  dem 
16.  jh.  belegt. 

Soubrette.  Vom  altfr.  soubret  (von  sobrius),  nüchtern,  besonnen, 
listig,  verschmitzt;  Mahn,  Herrig's  Arch.  37,  133. 

Souci.  Ist  offenbar  eine  suffixlose  abl.  von  soucier;  direct  vom 
lat.  sollfcitus  dagegen  kommt  altfr.  souloit  =  solic'tum,  Mir.  de  St.  EUn 
62*  Lors  fu  li  sains  en  grant  soulloit. 

Soudain.  Von  subitus  kommt  das  nicht  seltene  altfr.  adverb  so- 
dement,  soutement,  pr.  soptament. 

Sumsir.  S.  über  dies  vb.  und  das  sbst.  somsis  G.  Paris  (Rom. 
VI,  148),  welcher  altfr.  sousir  heranzieht,  das  sich  in  Chron.  d.  d.  de 
Norm.  26153  vorfindet  und  dieselbe  bedeutung  zu  haben  scheint;  Paris 
schlägt  als  etymon,  doch  mit  bedenken,  sorbere,  part.  sorpsus  vor,  und 
vertritt  es  nochmals  VI,  437  gegen  zwei  andere,  nämlich  subscindere, 
subscissus  und  *sumpsus  von  sumere  (s.  auch  Diez,  Altrom.  sprachd.  65). 

Sureau.  Nach  Tobtet  (Rom.  VI,  13 1)  ist  r  eingeschoben  nach 
ausfall  von  c;  also  seti-el,  dann  seti-r-el,  surel. 

Tabust.  Nach  Caix  ist  it.  tambussare  eine  Vermischung  von  tarn- 
burare  und  bussare  klopfen;  Grob.  Ztschr.  I,  424. 

Tarier.    Auch  enterier,  Psaut  d*  Oxford  V,  12   [für  lat.  irritare), 


ANHANG  II.  c.  TAUDIR-  TRUMEAU.  777 

IAvre  des  Psaunes  (im  2.  Lied  Mosis,  32)  p.  275,  entarierai  eis  =  irri- 
tabo  illos  (der  Index  schreibt  entarcherai). 

Tau  dir.  Der  Die*' sehen  vermuthung  kommt  zu  statten  nfr.  tand, 
taude  plane,  Schutzdach;  es  fragt  sich  aber,  wie  sich  unser  wort  und  sp. 
toldo  II.  b  gegenseitig  verhalten. 

Taxer.  Die  erJdärung  der  form  taux  durch  tails  ist  doch  sehr 
problematisch;  warum  nicht  die  nebenform  tauxer  tausser  =  taxer  (s.  m. 
Gloss.  zu  Froissart)  als  primitiv  von  taux  anerkennen?  Auch  phantasma 
wurde  zu  fantauma,  fantome. 

Tenser.  G.  Paris  bemerkt  sehr  richtig  (Rom.  IV,  480),  daß  attfr. 
tencer  niemals  vertheidigen,  schützen  heiße  und  diese  bed.  nur  der  form 
tenser  zukomme.  Das  eine  vertritt  tentiare  (aus  tentus  mittelst  abl.  i), 
das  andere  tensare  (aus  tensus). 

Terne.  Scheler  Dict.  conjeeturiert  ein  etymon  tetrraus  aus  teter; 
Bugge  (Rom.  IV,  366)  empfiehlt  diese  ansieht  und  vergleicht,  die  form 
betreffend,  galbinus  von  galbo,  und  hinsichtlich  des  Sinnes,  it.  tetro 
dunkel,  schwarz,  finster. 

Tiede.  Ältfr.  tieve,  entsprechend  dem  pr.  tebe.  Daneben  findet 
man  die  assimilierte  form  tedde  S.  Sag.  2930. 

Toivre.  Mussafia  (Jahrb.  VIII,  119)  glaubt  auch  pr.  sibra  (Flam. 
4297)  dürfte  mit  toivre  zusammenhängen.  • 

Tref.  Nach  Suchier  (Grob.  Ztschr.  1,  433),  nicht  von  trabs  (denn 
tref  bedeute  zeit,  nicht  etwa  hütte),  sondern  von  dem  altengl.  traf  zeit, 
welches  nebst  nord.  traf  ein  kopftuch  der  frauen  =  ahd.  trabo  (s.  drappo 
thl.  I)  auf  die  sanscritwurzel  drabh  winden  oder  aneinanderreihen  zurück- 
zuführen sei;  demprov.  trap,  it.  tr&bucca  könne  hochdeutsche  oder  gothische 
(traf,  gen.  trabis)  form  zu  gründe  liegen.  Dagegen  bemerkt  G.  Paris 
(Rom.  VI,  629)  engl,  traf  könnte  wohl  dem  lat.  trabs  entstammen,  wofern 
sich  die  bed.  zeit  schon  im  volkslatein  nachweisen  ließe;  jedenfalls  holte  es 
schwer,  angesichts  der  ausdrücke  atraver  und  destraver,  die  beiden  Wörter 
tref  balke  und  tref  zeit  zu  trennen;  letzteres  mag,  im  gegenscUz  zu  pa- 
pilio  dem  rund-  oder  kegelförmig  ausgespannten  zelte,  ein  über  ein  ge- 
bälke  aufgeschlagenes  zeit  bedeutet  haben.  —  Zu  bemerken  ist  atraver  in 
der  bed.  *  bebauen  Watriquet  244,  v.  530:  [Ge  pont]  richement  atravä 
de  maisons,  chastiaus  et  dongons. 

Tremper;  die  bed.  härten,  stählen  läßt  sich  für  temperare  schon 
aus  dem  4.  jh.  nachweisen;  s.  Jahrb.  XIV,  339. 

Treper.  Zum  deutschen  trippeln  stellt  Schneller  auch  das  tirol. 
tripolar  mit  den  fußen  auf  den  boden  stampfen,  maü.  tripillä,  com.  tripilä. 

Tregor.  Weitere  beispiele  aus  itdl.  mundarten  für  die  einmischung 
von  r,  s.  Mussafia,  Beitr.  116. 

Trieu.  Wegen  triege  vgl.  Förster  in  Grob.  Ztschr.  I,  149,  wo 
falsche  auffassungen  des  wortes  berührt  werden. 

Trume  an,  altfr.  auch  tremeau,  früher  bein,  jetzt  ochsehkeule,  möchte 
vielleicht  zum  lat.  tremere  sich  hin  und  herbewegen  (vgl.  giga  I)  zugehören. 


778  ANHANG  IL  c.   TURBOT-VILEBREQUIN. 

Es  könnte  auch  mit  trimer,   tndrtl.  trumer,   zusammenzustellen  sein.   — 
Abi.  altfr.  estrumelä  mit  langen  oder   ausgestreckten  leinen,    Band,  de 
Conde  169,  506;  s.  auch  Gachet  Gloss.  192". 

Turbot.  Im  Besant  de  Dien  trifft  man  mehrmals  (2255,  2427  u. 
2429)  das  fem.  sbst.  torbote  mit  der  bed.  wasserwirbel. 

Varech.  Unmittelbar,  meint  Liebrecht  (Jahrb.  XIII,  235),  vom 
altn.  vagrek  Strandgut. 

Varlope.    Scheler  setzt  statt  des  fictiven  weerloop  das  vorhandene 
,    ndl.  voor-loop  *  Vorlauf ;  also  eine  species  von  hobel,  etwa  der  dem  Schlicht- 
hobel vorarbeitende  scharf  hobel? 

Veiaire.  S.  Sclieler,  Gloss.  zu  Froiss.  s.  v.  viaire.  InPhiLMous- 
ket  10805  und  Trouv.  beiges  230,  161  begegnet  man  der  redensart  ce 
m'est  aviere  =  ce  m'est  avis;  daselemcnt  viere  (zweisilbig)  stimmt  nicht 
zum  dreisilbigen  veiaire,  viaire,  wohl  aber  zum  wallon.  vir  (i  =  ie). 

Veit.  Diez  übergeht  hier  die  franz.,  seine  ctymologie  bestätigende 
form  vit  (s.  Gloss.  de  Lille  14°). 

Velours.  Eine  ähnliche  einschiebung  von  r  erlitt  das  adj.  jalous 
(jaloux),  das,  zu  jalours  geworden,  das  heutige  ndl.  jaloersch  hinterließ. 
—  Das  im  16.  jh.  erst  aufkommende  vb.  velouter  möchte,  wenn  nicht 
direct  dem  it.  vellutare  nachgebildet,  wohl  willkürlich  aus  velous  erzeugt 
wordet*  sein,  wie  taluter  aus  talus. 

Verglas.  Vgl.  das  von  Mussafia  (Beitr.  38,  anm.)  erwähnte  par- 
mes.  vedergiazz.' 

Veule.  Was  vanvole  betrifft,  s.  auch  venvole  bei  Littre,  der  es 
mit  „qui  vole  au  gre  du  ventu  erklärt.  Eineti  andern  beleg  für  veule 
eitel  bietet  J.  de  Baisieux  (Trouv.  beiges  208,  96). 

Vi  de.  Die  etymölogie  viduus,  so  beglaubigt  sie  auch  scheinen  mag, 
ist  durch  Thomsen's  auseinandersetzung  (Rom.  IV,  257)  um  ihre  ansprüche 
gebracht  worden;  sie  leidet  an  lautliclien  wie  an  begrifflichen  mangeln, 
und  hat  also  nur  noch  für  it.  vedovo,  fr.  vedve,  veuf,  veuve  gdtung. 
8.  oben  voto  II,  a.  Das  altfr.  vb.  vuidier  wurde  sehr  häufig  intransü. 
in  der  bed.  'sich  entfernen  {vgl.  nfr.  vider  lefe  lieux)  gebraucht,  s.  Schel>er, 
Jean  de  Conde  I,  403,  429,  456,  Tobtet,  Vrai  aniel  25.  Über  ein  partic. 
voiant  =  leer  (das  die  etymölogie  vocans  =  vacans  besonders  begünstigt), 
s.  Tobler,  Grob.  Ztschr.  7,  22  u.  G.  Paris,  Rom.  II,  311. 

Vilebrequin.  Nach  Scheler  (2.  ausg.)  vom  fläm.  wielboorken 
'foret  ä  roue. 


NACHTRAG  ZU  I.  ASTORE— SALA.         779 


NACHTRAG  ZU  I. 

Astore.  Bezüglich  der  im  mittelalter  vermutheten  Verwandtschaft 
zwischen  accipere  und  accipiter  citiert  Förster  (Grob.  Ztschr.  II,  166 
anm.)  Greg.  Mor.  in  Tob.  XXXIII,  24:  accipere  namque  aliquando  di- 
cimus  auferre,  unde  et  aves  illae  quae  sunt  rapiendis  avibus  aptae 
accipitres  vocantur.  Ebendaselbst  wird  auch  die  prov.  form  austor  in 
schütz  genommen,  indem  au  sich  regelmäßig  aus  ak  entwickle  (vgl.  Ja- 
cobum  =  Jaume,  *caracta  =  charaude,  u.  a.  entsprechende  falle). 

Brando.  Nach  Förster  (Grob.  Ztschr.  II,  170)  ist  branler  direct 
aus  brander  (d  =  1)  als  scheideform  von  brander  brennen  entstanden. 

Fio.  Ganz  anders  erklärt  feudum,  neben  welchem  ja  auch  fedum, 
feidum,  fedium  sich  finden,  prof.  Kern  (Mem.  de  la  soc.  de  ling.  II, 
228  u.  ff.).  Feudum,  feodum  heißt  usus,  fruetus,  id  quo  quis  fruitur, 
usus  fruetus  und  ist  =  ahd.  *fehod  =  goth.  faheid-s,  fahed-s  nutznießung, 
gehört  also  zum  vb.  ahd.  fehon,  goth.  feihon  cuti,  frut.  Wahrscheinlich 
ist  fehod,  fehid  eds  fränkisches  wort  die  unmittelbare  quelle  des9  mlat. 
feodum,  feidum.  Fio,  meint  Kern*  ist  vielleicht  synonym  von  feudo,  in 
diesem  fall  aber  entspricht  es  goth.  faih  (neutr.)  ^nXeove&a. 

Piato.  In  gründlicher  weise  behandelt  die  geschickte  des  lat.  pla- 
citum,  und  zwar  abweichend  von  Ascoli,  V.  Thomsen  in  den  Mein,  de  la 
soc.  de  ling.  III,  120. 

Sala.  In  den  Mem.  de  la  soc.  de  ling.  II,  231  behauptet  Kern, 
das  rom.  wort  könne  direct  nur  dem  niederl.  oder  fränkischen  entnommen 
sein.    Die  übrigen  germ.  dialekte  kennen  kein  weibl.  sala. 


REGISTER. 


Anm.  Was  man  im  ersten  thcile  des  buches  nicht  findet,  suche  man  im  zweiten 
unter  der  betreffenden  spräche,  wobei  zu  merken,  daß  die  portugiesischen  Wörter  unter 
den  spanischen,  die  provenzalischen  unter  den  französischen  stehen.  Was  man  auch 
im  zweiten  theüe  nicht  findet,  suche  man  im  register.  Dieses  enthält  nur  solche  com- 
posita,  deren  aufnähme  nöthiger  schien.  Die  veralteten  Wörter  sind  als  solche  nicht 
bezeichnet.  Die  Wörter  ohne  beigefügte  zahl  weisen  auf  den  ersten  theil.  Die  wörter} 
welche  auch  im  anhange  vorkommen,  sind  mit  *  bezeichnet. 


aate  fr.  —  azaut  II.  c 
ab  pr.  —  appo 
aba  pg.  —  alabe  IL  b 
aba  8p.  —  evay  II.  b 
abalear  sp.  —  *balicare 
abandon  fr.  —  *bando 
abarcar  sp.  —  barcar  II.  b 
abbacare  it.  —  rabächer  II.  c 
abba^liare  it.  —  bagliore  II.  a 
abbajare  it.  —  bajare  II.  a 
abbandono  it.  —  *bando 
abbentare  it.  —  awentare  II.  8 
abbozzare  it.  —  bozza 
abbrivo  it.  —  *brio 
abbrusciare  it.  —  *bruciare 
abedul  sp.  —  betula 
abeille  fr.  —  ape 
abeja  sp.  —  ape 
abellucar  pr.  —  bellugue  II.  o 
abequer  fr.  —  becco 
abes  sp.  —  aveso  II.  b 
abetarda  pg.  —  ottarda 
abeter  fr.  —  *beter  II.  c 
abime  fr.  —  abisso 
abivas  sp.  —  vivole 
abobeda  pg.  —  volto 
abois  fr.  —  aboyer  II.  c 
abri  fr.  —  *abrigo 
abriaga  pr.  —  ebbriaco 
abricot  fr.  —  albercocco 
abrive  fr.  —  *brio 
abrolhar  pg.  —  broglio 
abrunho  pg.  —  brugna 
abnbilla  sp.  —  upupa 
abutre  pg.  —  avoltore 


abuzzago  it.  —  buse  II.  c 
acä  sp.  —  qua 
acabdar  sp.  —  aocattare 
acafroa  pg.  —  zafferano 
acamar  sp.  —  cama  II.  b  (1) 
acarar  sp.  —  cara 
acariatre  fr.  —  cara 
acatar  sp.  —  catar 
accabler  fr.  —  caable  II.  c 
acoarnare  it.  —  acharner  II.  c 
accasciare  it.  —  cass 
acchinea  it.  —  haca 
acciacoo  it.  —  achaque  II.  b 
accio  it.  —  avacciare  II.  a- 
accise  fr.  —  assises  II.  c 
accismare  it.  —  *esmar 
accointer  fr.  —  conto 
acoorgere  it.  —  corgere  II.  a 
accoutrer  fr.  —  cucire 
acee  fr.  —  *acceggia 
acener  fr.  —  cenno 
acero  sp.  —  acciajo 
acesmer  altfr.  —  *esmar 
aoetre  sp.  —  secchia 
acha  pg.  —  *ascla 
achat,  acheter  fr.  —  accattare 
achever  fr.  —  acabar 
acbier  fr.  —  ape    • 
aciago  sp.  —  auce  II.  b 
acier  fr.  —  acciajo 
aconchar  sp.  —  conciare  II.  a 
acontecer  sp.  —  contir  II.  b 
acotar  sp.  —  coto  II.  b 
acotar  sp.  —  quota 
agoute  pg.  —  azote  II.  b 
acudir  sp.  —  cudir  II.  b 
acullä  sp.  —  cola 


REGISTER. 


781 


adaga  pg.  —  daga 

adail  pg.  —  adalid  II.  b 

adala  8p.  —  dala 

adaptir  pr.  —  *aatir  II.  c 

adarga  sp.  —  targa 

adastiare  it.  —  astio  II.  a 

addietro  it.  —  retro 

aderredor  8p,  —  *redor  IL  b 

ades  fr.  —  eeso 

adesso  it.  —  esso 

adieu  fr.  —  dio 

adiman  pr.  —  diamante 

adivas  sp.  —  vivole 

adizzare  it.  —  *izza  II.  a 

admoneter  fr.  —  *amonestar 

adouber  fr.  —  addobbare 

adresser  fr,  —  rizzare 

aduana  sp.  —  dogana 

aduela  sp.  —  doga 

afa  it.  —  affanno 

afagar  pg.  —  *halagar  IL  b 

afeurer  fr.  —  *foro 

affaisser  fr.  —  *fascio 

afficher  fr.  —  ficcare 

affreux  fr.  —  afre  IL  c 

affrioler  fr.  —  frique  II.  c 

affüt  fr.  —  fusta 

aforar  8p.  —  *foro 

afouto  pg.  —  hoto  II.  b 

afrenta  sp.  —  affrontare 

afro  it.  —  afre  IL  c 

agace  fr.  —  gazza 

agacer  fr.  —  agazzare 

agachar  sp.  —  quatto 

agalla  sp.  —  *gale  IL  c 

agarrafar  sp.  -  graffio 

agasajar  sp.  —  *gasalha 

agastar  pg.  —  agazzare 

agencer  fr.  —  gente 

aggavignare  it.  —  *gavigna  IL  a 

aggecchire  it.  —  *gecchire 

agherbino  it.  —  garbino 

aglayo  sp.  —  ghiado 

agora  sp.  —  ora  (2) 

agraffe  fr.  —  graffio 

agras  pr.  —  agresto 

agreable,  agreer  fr.  —  grado 

agreer  fr.  —  agres  II.  c 

aguer  pr.  —  hagard  IL  c 

aguet  fr.  —  guatare 

aguijar  sp.  —  *aguglia 

aguilando  sp.  —  *aguinaldo  IL  b 

aguilen  pr.  —  aiglent  IL  c 

aguzzino  it.  —  alguacil  IL  b 

ahan  fr.  —  affanno 

ahi  8p.  —  ivi 

ahora  sp.  —  ora  (2)  * 

ahurir  fr.  —  *hure  IL  c 

aicel  pr.  —  quello 

aicest  pr.  —  questo 

aide,  aider  fr.  —  *ajuto 

aigrette  fr.  —  aghirone 

aigron  pr.  —  aghirone 

aiguille  fr.  —  *aguglia 


aillier  fr.  —  alerion  II.  c 
aimant  fr.  —  diamante 
aina  it.  —  *agina 
ainc  fr.  —  *anche 
aincpis  fr.  —  anzi 
ainda  pg.  —  inda  II.  b 
aine  fr.  —  inguine 
ains  fr.  —  anzi  u.  *anche 
ainsi  fr.  —  cosi 
air,  aire  fr.  —  aere 
airain  fr.  —  rame 
airamen  pr.  —  inchiostro 
aire  sp.  —  aere 
airon  sp.  —  aghirone 
ais,  aissa  pr.  —  ansia 
aise  fr.y  aisina  pr.  —  *agio 
aissa  pr.  —  accia 
aissi  pr.  —  qui 
aisso  pr.  —  ciö 
aizzare  it.  —  *izza  IL  a 
ajar  sp.  —  hallar  IL  b 
ajo  it.  —  ayo  II.  b 
ajouter  fr.  —  giusta 
ala  sp.  —  enola 
alacha  sp.  —  laocia 
alambic  fr.  —  lambicco 
alambre  sp.  —  rame 
alare  it.  —  lar 
alaton  sp.  —  ottone 
alaude  pg.  —  liuto 
alazor  sp.  —  zafferano 
albarda  sp.  —  barda 
alberchigo  sp.  —  persica 
albire  pr.  —  »albedrio  II.  b 
albran  sp.  —  halbran  IL  c 
albudieca  pg.  —  pateea  IL  b 
albur  sp.  —  able  II.  c 
alcachofa  sp.  —  *artioiocco 
alcaparra  sp.  —  cappero 
alcaravea  sp.  —  carvi . 
alcurnia  sp.  —  alcuüa  II.  b 
ale  fr.  —  *andare 
alece  sp.  —  laccia 
aleli  sp.  —  goivo  II.  b 
alem  pg.  —  allenda  IL  b 
alene  fr.  —  lesina 
alerte  fr.  —  erto  II.  a 
alerto  sp.  —  erto  IL  a 
alesna  sp.  —  lesina 
alezan  fr.  —  *alazan  II.  b. 
alfandega  pg.  —  fondaoo 
alfarda  sp.  —  *fardo 
alfarroba  pg.  —  carruba 
alfil  sp.  —  alfido 
alfinete  pg.  —  alfiler  II.  b 
alforria  pg.  —  horro  II.  b 
alforva  pg.  —  alholba  IL  b 
algarade  fr.  —  algara  IL  b 
algarrobo  sp.  —  carruba 
algodon  sp.  —  cotone 
alguien  sp.  —  quien  II.  b 
alhondiga  sp.  —  fondaoo 
alice  it.  —  laccia 
alicorno  it.  —  licorno 


782 


REGISTER. 


alifar  sp.  —  *anafar  II.  b 
aljuba  sp.  —  giubba 
alla  sp.  —  la 
alla  it.  —  halle  II.  c 
allazzare  it.  —  laisse  II.  c 
alleger  fr.  —  lieve 
alleggiare  it.  —  lieve 
aller  fr.  —  *andare 
alleu  fr.  —  allodio 
alli  sp.  —  li 
alraa  sp.  —  anima 
almacen  sp.  —  magazzino 
almadraque  sp.  —  materasso 
almafre  pg.  —  almafar  II.  b 
almear  sp.  —  meta 
almeja  sp.  —  niochio 
almendra  sp.  —  mandorla 
almete  sp.  —  elmo 
almidon  sp.  —  amido 
almizcle  sp.  —  musco 
almogarave  sp.  —  mugavero 
almoradux  sp.  —  majorana 
alooar  sp.  —  locco 
alocco  it.  —  locco 
aloi  fr.  —  lega  (2) 
alors  fr.  —  ora  (2) 
aloser  fr.  —  lusinga 
alosna  sp.  —  aluine  II.  c 
alouette  fr.  —  allodola 
alperche  pg.  —  persica 
alquirivia  pg.  —  chirivia  II.  b 
alquitran  sp.  —  catrame 
alredcdor  sp.  —  *redor  II.  b 
alrotar  pg.  —  arlotto 
alumelle  fr.  —  lama  (2) 
alvacao  pg.  —  albazano  II.  b 
alvacil  sp.  —  alguacil  II.  b 
alverja  sp.  —  ervo 
alvic,ara  pg.  —  albricia  II.  b 
amafil  pr.  —  afiafil  11.  b 
amagar  pr.  —  amago  II.  b 
amande  fr.  —  mandorla 
amanevir  fr.  —  *manevir  IL  c 
amargo  sp.  —  amaricare 
amarvir  pr.  —  *manevir  II.  c 
ambascia  it.  —  *ambasciata 
ambassade  fr.  —  *ambaBc!ata 
ambler  fr.  —  ambiare 
ame  fr.  —  anima 
amedano  it.  —  ontano  II.  a 
ameia  pg.  —  amena  U.  b 
amenaza  sp.  —  minaccia 
amiraglio  it.  —  almirante 
amiral  fr.  —  almirante 
ammannare  it.  —  *maüa  IL  b 
ammazzare  it.  —  mazza 
ammutinare  it.  —  meute  II.  c 
amo  sp.  —  ama  II.  b 
amparar  pr.  —  parare 
ampas  fr.  —  *abait  II.  c 
amusco  sp.  —  musco  IL  b 
amuser  fr.  —  muso 
anar  pr.  —  *andare 
anc  pr.  —  *anche 


anche  fr.  —  *anca 

anchoa  sp.  —  acciuga 

anchois  fr.  —  acciuga 

anciano  sp.  —  anzi 

ancien  fr.  —  anzi 

ancon  sp.  —  anco  IL  b 

ancora  it.  —  ora  (2) 

ancse  pr.  —  se  IL  c 

andado  sp.  —  alnado  IL  b 

andain  fr.  —  andana 

andamio  sp.  —  andana 

andorinha  pg.  —  rondine 

anegar  sp.  —  negare 

angiva  pr.  —  gengiva 

anguinaglia  it.  —  inguine 

annegare  it.  —  negare 

annitrire  it.  —  hennir 

anqui  fr.  —  qui 

ansare  it.  —  asma  IL  a 

ansi  sp.  —  cosi 

ansiar  sp.  —  asma  IL  a 

ansimare  it.  —  asma  II.  a 

anta,  antar  pr.  —  onire 

antenois  fr.  —  antaQo 

antes  sp.  —  anzi 

antorcha  sp.  —  torciare 

antruejo  sp.  —  entroido  IL  b 

antuviar  sp.  —  uviar  IL  b 

anzuelo  sp.  —  ancino 

apafiar  sp.  —  *pan  IL  c 

apcha  pr.  —  accia 

apenas  sp.  —  appena 

apertar  pg.  —  prieto  II.  b 

apesgar  sp.  —  peso 

apitar  sp.  —  pito 

apostille  fr.  —  postilla 

appareil  fr.  —  parecchio 

appat  fr.  —  pasta 

appetto  it.  —  rimpetto  IL  a 

appiccare,  apicciare  it.  —  pegar 

approcciare  it.  —  proche  II.  c 

approcher  fr.  —  proche  IL  c 

appui  fr.  —  poggio 

apres  fr.  —  presso 

apretar  sp.  —  prieto  IL  b 

aprisoo  sp.  —  apero  IL  b 

aquecer  pg.  —  calentar  II.  b 

aquel  sp.  —  quello 

aquem  pg.  —  aquende  IL  b 

aquentar  pg.  —  calentar  IL  b 

aqueste  sp.  —  questo 

aqui  sp.  —  qui 

aquo  pr.  —  cio 

ara  pr.  —  ora  (2) 

araire  pr.  —  aratro 

arambre  sp.  —  rame 

arban  fr.  —  *bando 

arbolar  sp.  —  alberare 

arborer  fr.  —  alberare 

arbousier  fr.  —  albedro  IL  b 

arcame  it.  —  *carcasso 

arce  sp.  —  acero 

arcea  sp.   —  *acceggia 

arcen  sp.   —  *argine 


REGISTER. 


783 


archal  fr.  —  oricalco 
archegaye  fr.  —  *zagaia 
arcigno  it.  —  reche  II.  c 
arcobaleno  it.  —  *baleno  II.  a 
arcon  fr.  —  arcione 
arda  pr.  —  *arna  II.  c 
ardalho  pr:  —  ardiglione 
ardid,  ardil  sp.  —  ardire 
arenga  sp.  —  aringo 
aresta  sp.  —  arista 
arestol  pr.  —  resta 
arete  fr.  —  arista 
arezzo  it.  —  aura 
arfil  sp.  -  -  alfido 
arganeau  fr.  —  *argano 
argousin  fr.  —  alguacil  II.  b 
argue  fr.  —  *argano 
aria  it.  —  aere 
arioso  it.  —  aere 
arlabecca  pr.  —  ribeba 
arma  pr.  —  anima 
armazem  pg.  —  magazzino 
armet  fr.  —  elmo 
arna  sp.t —  arnia 
arnequin  sp.  —  arlccchino 
arnione  it.  —  rognone 
arquebuse  fr.  —  arcobugio 
arrabbatare  it.  —  rabasta  II.  c 
arrabil  pg.  —  ribeba 
arraffare  it.  —  raffare 
arraial  pg.  —  real  IL  b  (2) 
arraigar  sp.  —  ranco 
arranger  fr.  —  rang  II.  c 
arrappare  it.  —  rappare 
arratel  pg.  —  arrel  II.  b 
arrecirse  sp.  —  recio  II.  b 
arredio  pg.  —  *radio  II.  b 
arredo  it.  —  redo 
arrelde  sp.  —  arrel  II.  b 
arreo  sp.  —  redo 
arriere  fr.  —  retro 
arriere-ban  fr.  —  *bando 
arriffare  it.  —  riffa 
arrimar  sp.  —  rima 
arrimer  fr.  —  rima 
arroi  fr.  —  redo 
arropea  sp.  —  ferropea  II.  b 
arroser  fr.  —  ros 
arrostire  it.  —  roatire 
arroz  sp.  —  riso 
arrufar  sp.  —  ruffa 
arruga  sp.  —  ruga 
arrumar  sp.  —  rombo 
arrumer  fr.  —  rombo 
artalejo  sp.  —  artoun  II.  c 
artesa  sp.  —  artoun  II.  c 
artillerie  fr.  —  artilha 
*artison  fr.  —  *arna  II.  c 
aruöar  sp.  —  arafiar  II.  b 
arveja  sp.  —  ervo 
arzon  sp.  —  arcione 
as  fr.  —  asso 
asayo  sp.  —  saggio  (2) 
aacia  it.  —  accia 


asciugare,  asciutto  it.  —  suco 
asedio  sp.  —  *sedio 
asermar,  asesmar  pr.  —  *esmar 
asestar  sp.  —  sesta 
asfiori  it.  —  zafferano 
asi  sp.  —  C08l 
asiento  sp.  —  *sentare 
asima  it.  —  asma  IL  a 
asolare  it.  —  scialare  IL  a 
asomar  sp,  —  sommo 
assaggio  it.  —  saggio  (2) 
assedio  it.  —  *sedio 
asseitar  pg.  —  acechar  IL  b 
assembler  fr.  —  sembrare 
assentare  it.  —  *sentare 
assez  fr.  —  *assai 
assiette  fr.  —  *assettare 
assisa  it.  —  assises  IL  c 
assommer  fr.  —  *salma 
assortir  fr.  —  sortire  (2) 
assoviar  pg.  —  soffiare 
astilla  sp.  —  *aecla 
astine  fr.  —  aatir  IL  c 
astiu  pr.  —  hate  IL  c 
astreindre  fr.  —  etreindre  IL  c 
astrico  it.  —  piastra 
atacar  sp.  —  tacco 
atal  sp.  —  cotale 
atambor  sp.  —  tamburo 
atancar  sp.  —  *stancare 
atanto  sp.  —  cotanto 
atarazana  sp.  —  arsenale 
atarjea  sp.  —  targa 
ate  pg.  —  te  II.  b 
ate  fr.  —  azaut  IL  c 
atear  sp.  —  tea  IL  b 
aterecer,  aterir  sp.  —  intero 
atinar  sp.  —  tino  IL  b 
atizar  sp.  —  tizzo 
atoar  sp.  —  touer  IL  c 
atorar  sp.  —  tuero  IL  b 
atorner  fr.  —  torno 
atour  fr.  —  torno 
atrasait  pr.  —  entresait  IL  c 
atravesar  sp.  —  travieso  IL  b 
atre  fr.  —  piastra 
atropellar  sp.  —  *tropa 
atrozar  sp.  —  torciare 
atta  it.  (mdartl.)  —  tata 
attacher,  attaquer  fr.  —  tacco 
atteler  fr.  —  teler  IL  c 
attelle  fr.  —  *ascla 
attifer  fr.  —  tifer  IL  c 
attiser  fr.  —  tizzo 
attizzare  it.  —  tizzo 
attutare  it.  —  *tutare 
atufar  sp.  —  tufo 
atun  sp.  —  tonno 
aturdir  sp.  —  *stordire 
aube  fr.  —  alba 
auberge  fr.  —  *albergo 
aubour  fr.  —  aubier  II.  c 
aubrelle  fr.  —  albaro  IL  a 
aubrier  fr.  —  alban 


784 


REGISTER. 


aucube  fr.  —  aloova 

aucun  fr.  —  alcuno 

auferrant  fr.  —  ferrant  II.  c 

aufin  fr.  —  alfido 

augel  pr.  —  uccello 

aujourd'hui  fr.  —  oggi 

aumone  fr.  —  limoeina 

aumusse  fr.  —  almussa 

aun  sp.  —  *anche 

aune  fr.  —  alna 

aunee  fr.  —  enola 

aunir  pr.  —  onire 

auques  fr.  —  algo 

anriban  pr.  —  banda 

autorgar  pr.  —  otriare 

autour  fr.  —  *astore 

autruche  fr.  —  struzzo 

avahar  sp.  —  bafo  II.  b 

avancer,  avant,  avantage  fr.  —  anzi 

avanti,  avanzare  it.  —  anzi 

averia  sp.  —  avaria 

avarie  fr.  —  avaria 

avestruz  sp.  —  struzzo 

aveu  fr.  —  avouer  II.  c 

aveugle  fr.  —  ävocolo 

avis,  aviser  fr.  —  viso 

avives  fr.  —  vivole 

avol  sp.  —  avol  II.  c 

avoliner  fr.  —  *mulino 

avutarda  sp.  —  ottarda 

avvenente  it.  —  avenant  II.  c 

avvezzare  it.  —  *vizio 

axedrea  sp.  —  satureja 

aye  fr.  —  ea 

ayer  sp.  —  ieri 

ayunar  sp.  —  giunare 

ayunque  sp.  —  inoude 

aza  sp.  —  haza  II.  b 

azada  sp.  —  accia 

azafran  sp.  —  zafferano 

azagaya  sp.  —  *zagaia 

azar  sp.  —  azzardo 

azemar  sp.  —  *esmar 

azesmar  pr.  —  *esmar 

azevinho  pg.  —  acebo  II.  b 

azevre  pg.  —  *acibar  II.  b 

azienda  it.  —  facoenda 

azinho  pg.  — elce 

azor  sp.  —  *astore 

azucar  sp.  —  zucchero 

azuela  sp.  —  accia 

azufre  sp.  —  solfo 

azza  it.  —  accia 

azzimare  it.  —  *esmar 


B. 


baba,  babieca,  baboaa  sp.  —  bava 
babbaccio,  babbuasso  it.  —  babbeo 
babine  fr.  —  babbuino 
babioles  fr.  —  babbeo 
bacalao  sp.  —  *cabeliau  II.  c 
bacharel  pg.  —  baccalare 


bacbele  fr.  —  bagascia 
bachelier  fr.  —  baccalare 
bachiller  sp.  —  baccalare 
bacioccolo  it.  —  bacino 
bacocco  it.  —  albercocco 
badaud,  badin  fr.  —  badare 
badea  sp.  —  pateca  II.  b 
baderla  it.  —  badare 
badigliare  it.  —  badare 
bafouer  fr.  —  boffa 
bagage  fr.  —  baga 
baguette  fr.  —  bacchetta 
babo  sp.  —  bafo  II.  b 
bahut  fr.  —  baule 
baie  fr.  —  baja  (1  u.  2) 
baie  fr.  —  bague  II.  c 
baigner  fr.  —  bagno 
bailar  sp.  —  *ballare 
baille  fr.  —  bac  IL  c 
bailler  fr.  —  bailo 
bailler  fr.  —  badare 
baillet  fr.  —  *bajo 
baillif  fr.  —  bailo 
bain  fr.  —  bagno 
baisele  fr.  —  bagascia 
baiser  fr.  —  bacio 
bajasse  fr.  —  bagascia 
bajocco  it.  —  *bajo 
bajuca  it.  —  baja  (2) 
balais  fr.  —  balascio 
balance  fr.  —  bilancia 
balandra  sp.  —  palandra 
balandran  sp.  fr.  —  *palandrano 
baiandre  fr.  —  palandra 
balanquin  sp.  —  baldacchino 
balanza  sp.  —  bilancia 
balcon  sp.  fr.  —  balco 
balde  (en),  sp.  —  baldo 
baldonar  sp.  —  baldo 
baldoria  it.  —  baldo 
balija  sp.  —  *valigia 
ballotta  it.  —  bellota  IL  b 
balocco  it.  —  *badalucco  IL  a 
baloier  fr.  —  *balicare 
balordo  it.  —  *lordo 
baloard  fr.  —  *lordo 
baltrasca  it.  —  bertesca 
balaardo  it.  —  boulevard  II.  c 
baluc  pr.  —  *badalucco  IL  a 
balustre  fr.  —  balaustro 
balzan  fr.  —  *balza  IL  a 
bamba  sp.  —  bambo 
bambagello  t*.  —  *bigio 
bambin,  bamboche  fr.  —  bambo 
bambino  etc.  it.  —  bambo 
ban  fr.  —  *bando 
banasta  sp.  —  *benna 
bände,  bander  fr.  —  benda 
bandola  sp.  —  pandura 
bandon  fr.  —  *bando 
bandurria  sp.  —  pandura 
banne  fr.  —  *benna 
banniere  fr.  —  banda 
bannir  fr.  —  *bando 


REGISTER. 


785 


banoyer  fr.  —  banda 

banque  fr.  —  banoo 

banse  fr,  —  *benna 

baquet  fr.  —  bac  II.  c 

baraja  sp.  —  baro 

baran  pr.  —  baro 

barato  sp.  —  baratto 

baratter  fr.  —  baratto 

barbaglio  it.  —  bagliore  II.  a 

barbajol  pr.  —  jusbarba 

barbassoro  it.  —  vassallo 

barbotar,  barbullar  sp.  —  borbogliare 

barda  pg.  —  barda 

bardeau  fr.  —  barda 

bardosso  it.  —  bisdosso  II.  a 

bardot  fr.  —  barda 

barguigner  fr.  —  *bargagno 

barigel  fr.  —  bargello 

baril  fr.  —  barra 

barile  it.  —  barra 

barlume  it.  —  *bis 

barnatge  pr.  —  barone 

barniz  sp.  —  vernice 

baroccio  it.  —  biroccio 

barocco  it.  —  baro 

baroque  fr.  —  *bamieco  II.  b 

barque  fr.  —  barca 

barrachel  sp.  —  bargello 

barral  sp.  —  barra 

barrena  sp.  —  *verrina 

barrette  fr.  —  *berretta 

barrica,  barril  sp.  —  barra 

barroca  pg,  —  *barrueco  IL  b 

barrocho  sp.  —  biroccio 

baruffa  it.  —  ruffa 

barullo  it.  —  baro 

barutel  pr.  —  bluter  II.  c 

bas  sbst.  fr.  —  basso 

basane  fr.  —  badana  II.  b 

basca  pr.  —  basca  II.  b 

basin  fr.  —  bambagio 

bassin  fr.  —  bacino 

bastar  sp.  —  basto 

bastare,  bastione  it.  —  basto 

bastear  sp.  —  basto 

bastille,  bat  fr.  —  basto 

bataille  fr.  —  battere 

batard  fr.  —  bastardo 

bateau  fr.  —  batto 

bätir,  bäton  fr.  —  basto 

baue  pr.  —  baule 

baucant  fr.  —  *balza  II    a 

baudequin  fr.  —  baldacchino 

bauge  fr.  —  "bauche  II.  c 

baus  fr.  —  balzare 

bausan  sp.  —  bugia  (1) 

bausia  pr.  —  bugia  (1) 

baut  pr.  atifr.  —  baldo 

baxel  sp.  —  vascello 

baxo  sp.  —  basso 

bayer  fr.  ■*-  badare 

bazo  sp.  —  *bigio 

becasse,  beche  fr.  —  beeco 

becquer,  becher  fr.  —  beeco 


bedaine  fr.  —  *bedon  II.  c 

bedeau  fr.  —  bidello 

bedel  sp.  pr.  —  bidello 

bedello  it.  —  betula 

beer  fr.  —  badare 

beffler  fr.  —  beffa 

beffroi  fr.  —  battifredo 

befo  sp.  —  beffa 

beignet  fr.  —  *bugna 

beira  pg.  —  riviera 

beldroega  pg.  —  portulaca 

belette  fr.  —  *bele  IL  o 

belitre  sp.  —  belitre  II.  c 

belfo  sp.  —  beffa 

bellaco  sp.  —  vigliacco 

bellico  it.  —  *ombelico 

bellicone  it.  —  wilecome  IL  c 

bellizcar  pg.  —  pellizcar  II.  b 

beort  pr.  —  bagordo 

bequille  fr.  —  beeco 

bera  pr.  —  bara 

berbiqui  sp.  —  vilebrequin  IL  c 

berca  pr.  —  breche  IL  c 

bercail  fr.  —  berbice 

bercilocchio  it.  —  bircio  IL  a 

berele  fr.  —  baro 

beret  fr.  —  *berretta 

bergamota  sp.  —  bergamotta 

bergamote  fr.  —  bergamotta 

bergan te  sp.  —  *briga 

berge  fr.  —  barca 

berge  fr.  —  barga 

berger  fr.  —  berbice 

berlanga  sp.  —  brelan  IL  c 

berlue  fr.  —  bellugue  IL  c 

berma  sp.  —  berme  IL  c 

bermejo  sp.  —  vermiglio 

berroviere  it.  —  berruier  IL  c 

berrueco  sp.  —  *barrueco  IL  b 

bersaglio  it.  —  bercer  IL  c  (1) 

berser  fr.  —  bercer  IL  c  (1) 

bertouser  fr.  —  *bis  u.  *berta 

bertuccio  it.  —  *berta 

berza  it.  —  verza 

berza  sp.  —  verza 

besace  fr.  —  bisaccia 

besaigu  fr.  —  bicciacuto  IL  a 

besant  fr.  —  bisante 

beslei  pr.  —  *bis 

beso  sp.  —  bacio 

besoin  fr.  —  sogna 

be8temmia  it.  —  biasimo 

bestordre,  bestors  fr.  —  tordre  IL  c 

beta  pg.  —  *veta  IL  b 

betarda  pg.  —  ottarda 

betoine  fr.  —  brettonica 

beton  fr.  —  *beter  IL  c 

bezan  pr.  —  bisante 

bezzicare  it.  —  beeco 

biadetto  it.  —  *biavo 

biais  fr.  —  biasciu 

biastemma  it.  —  biasimo 

biaza  sp.  —  bisaccia 

bibaro  sp.  —  bevero 

60 


786 


REGISTER. 


bicerra  sp.  —  becerro  II.  b 

bicha,  bicho  sp.  —  biscia  II.  a 

bidetto  it.  —  bidet  II.  c 

bidon  fr.  —  *bidon  II.  c 

bief  fr.  —  bied  II.  c 

biere  fr.  —  bara 

biöre  fr.  —  birra 

biövre  fr.  —  bevero 

biez  fr.  —  bied  II.  c 

biga  pr.  —  viga,  IL  b 

bigatto  it.  —  baco  IL  a 

bigione  it.  —  *bigio 

bigne  fr.  —  *bugna 

bigote  pr.  —  bigot  IL  c 

biucare,  bilico  it.  —  *ombelico 

billard,  bille  fr.  —  biglia 

billet  fr.  —  bolla 

billot  fr.  —  biglia 

biltre  pg.  —  belitre  II.  c 

bimbo  it.  —  barabo 

bindolo  it.  —  ghindare 

bique  fr.  —  becco  II.  a 

birar  sp.  —  *virar 

birba,  birbone  it.  —  bribe 

birracchio  it.  —  birro  IL  a 

birreta  sp.  —  *berretta 

bis  fr.  —  *bigio 

bisarma  sp.  —  giusarma 

biscanto  it.  —  canto 

biscuit  fr.  —  biscotto 

bise  fr.  —  *bigio 

biseau  fr.  —  *bis 

bisel  sp.  —  *bis 

biset  fr.  —  *bigio 

bislessare  it.  —  lessare  IL  a 

bislungo  it.  —  barlong  II.  c 

bismalva  it.  —  malvavischio 

bisogno  it.  —  sogua 

bissac  fr.  —  bisaccia 

bisse  fr.  —  biscia  IL  a 

bistensar  pr.  —  *stentare  IL  a 

bistento  it.  —  *stentare  II.  a 

bistondo  it.  —  tondo  II..  a 

bizerra  sp.  —  becerro  IL  b 

bizza  it.  —  bizzarro 

blame  fr.  —  biasimo 

blanc  fr.  —  bianco 

blandir  sp.  —  brando 

blastenh  pr.  —  biasimo 

blau  pr.  —  *biavo 

ble  fr.  —  *biado 

bledomora  sp.  —  bledo  IL  b 

bleu  fr.  —  *biavo 

blezo  pr.  —  blasone 

blezo  sp.  —  bercer  IL  c  (2) 

blinde  it.  —  blinder  IL  c 

blocus  fr.  —  bloc  IL  c 

bloi,  blond  fr.  —  biondo 

bioquer  fr.  —  bloc  IL  c 

blos  pr.  —  biotto 

blouque  fr.  —  boucle  IL  c 

blü  it.  —  *biavo 

bluette  fr.  —  bellugue  IL  c 

bobans  pr.  —  bomba  (1) 


bocage  fr.  —  *bosco 

boccia  it.  —  bozza 

bocel  sp.  —  buz  II.  b 

bocera  sp.  —  buz  IL  b 

bocha  sp.  —  bozza 

bodrio  sp.  —  brodo 

bofeton  sp.  —  buf 

boffice  it.  —  buf 

boga  sp.  —  *boca 

bogar  sp.  —  vogare 

bogia  pr.  —  bugia  (2) 

bogue  fr.  —  *boca 

bohena  sp.  —  bofe  IL  b 

bois  fr.  —  *bo8Co 

boisie,  boisdie  fr.  —  bugia  (1) 

boisseau,  boiter  fr.  —  boite  II.  c 

boldrie  pg.  —  baudre  IL  c 

boldrone  it.  —  *poltro 

bolegar  pr.  —  bouger  II.  c 

boleta  pg.  —  bellota  II.  b 

boleta  sp.  —  bolla 

bolota  pg.  —  bellota  IL  b 

boha  sp.  —  boraa 

bombaßin  fr.  —  "bambagio 

bombo,  bombola  it.  —  bobo  IL  a 

bonheur  fr.  —  augurio 

bonnet  fr.  —  bonete 

bor  fr.  —  ora  (1) 

borbotar  sp.  —  borbogliare 

borbottare  it.  —  borbogliare 

boroeffui  sp.  —  borzacchino 

bordel  fr.  —  borda 

bordello  it.  —  borda 

borgne  fr.  —  bornio 

borla  sp.  —  burla 

borraccia  it.  —  borra 

borracha  sp.  —  borra 

borraja  5p.  —  borraggine 

borrasca  sp.  —  burrasca 

borrego,  borro  sp.  —  borra 

borrero  sp.  —  bourreau  II.  c 

borrico  sp.  —  burro 

borroffler  fr.  —  *bouder  IL  c 

borron  sp.  —  borra 

bosar  sp.  —  versare 

bosquejar  sp.  —  bozza 

bosquet  fr.  —  *bosoo 

bosse  fr.  —  bozza 

bossette  fr.  —  *bosso 

bosso  pr.  —  bolzone 

bossolo  it.  —  *bo880 

bostezar  sp.  —  bocear  IL  b 

bot  fr.  —  botta 

boto  it.  —  boda  IL  b 

botro  it.  —  borro  II.  a 

boucassin  fr.  —  *bucherame 

boucbe  fr.  —  bocca 

boucber  sbst.  fr.  —  bouc  IL  c 

bouchon  fr.  —  *boucher  II.  c 

boudin,  boudine  fr.  —  *bouder  II.  c 

bouee  fr.  —  boja  (1) 

bouffer,  bouffon  fr.  —  buf 

bouge,  bougette  fr.  —  bolgia 

bougie  fr.  —  bugia  (2) 


REGISTER. 


787 


bougran  fr.  —  *bucherame 

bouguiere  fr.  —  *boca 

bouhourt  fr.  —  bagordo 

bouillir,  bouillon,  boule  fr.  —  bolla 

bouleau  fr.  —  betula 

bouler  fr.  —  bolla 

boulimie  fr.  —  bulimo  IL  a 

boulon  fr.  —  bolla 

boundel  fr.  —  benda 

bouquet  fr.  —  *bosco 

bouracan  fr.  —  baracane 

bourdon  fr.  —  bordone  (1  u.  2) 

bourg  fr.  —  borgo 

bournous  fr.  —  albornoz  IL  b 

bourrache  fr.  —  borra£gine 

bourras  fr.  —  borra 

bourrasque  fr.  —  burrasoa 

bourre  fr.  —  borra 

bourreler  fr.  —  bourreau  IL  c' 

bourrer  fr.  —  borra 

bourrique  fr.  —  burro 

bourse  fr.  —  borsa 

boursoufler  fr.  —  *bouder  IL  o 

boussole  fr.  —  *bosso 

bout  fr.  —  bottare 

boute,  bouteille  fr.  —  botte 

bouter,  bouton  fr.  —  bottare 

boutique  fr.  —  bottega 

boveda  sp.  —  volto 

box   Sp.    —    *b0880 

boya  sp.  —  boja  (1  u.  2) 

boyau  fr.  —  budello 

bozal  sp.  —  bocca 

bozzago  it.  —  buse  IL  c 

braconnier  fr.  —  bracoo 

bradar  pg.  —  braire  IL  c 

brado  it.  —  *bravo 

bradon  pr.  —  brandone 

brai  fr.  —  brago 

braidar  pr.  —  braire  IL  c 

braidif  fr.  —  braire  IL  c 

braie  fr.  —  *braca 

brailler  fr.  —  braire  IL  c 

braion  fr.  —  brandone 

braise  fr.  —  bragia 

bran  fr.  —  brenno 

brafia  sp.  —  brenno 

branche  fr.  —  *branca 

brandir,  brandon,  branler  fr.  —  brando 

brano  it.  —  brandone 

Twraque  fr.  —  bracoo 

brasa  sp.  —  bragia 

brasse  fr.  —  braza 

brasser  fr.  —  bras  IL  o 

brau  pr.  —  *bravo 

brea  sp.  —  brago 

brebis  fr.  —  berbice 

breccia  it.  —  breche  IL  c 

brecha  sp.  —  bröche  II.  c 

bredola  pr.  —  predella  IL  a 

breloqne  fr.  —  loque  IL  c 

bresche  fr.  —  bresca 

bresil  fr.  —  brasile 

bresiller  fr.  —  *briser  IL  c 


bressar  pr.  —  beroer  II.  c  (2) 

bretauder  fr.  —  *berta 

breteche  fr.  —  bertesca 

bretelle  fr.  —  brete 

brettine  it.  —  *brida 

breuil  fr.  —  broglio 

brezo  sp.  —  bercer  IL  c  (2) 

briaco  it.  —  abbriaco 

brial  sp.  —  bliaut 

bribar,  bribon  sp.  —  bribe 

bricca  it.  —  *bricco 

bricco  it.  —  burro 

briccola  it.  —  breche  IL  c 

bricia,  briciolo  it.  —  *briser  IL  c 

bricole  fr.  —  breche  IL  c 

brifaud  fr.  —  bribe 

briffalda  it.  —  bribe 

briga  pr.  —  *brisar  IL  c 

brigade  fr.  —  *briga 

brigand  fr.  —  *briga 

brigantino  it.  —  *briga 

briglia  it.  —  *brida 

brignole  fr.  —  brugna 

brigola  sp.  —  breche  IL  c 

brindar  sp.  —  brindisi  IL  a 

brinde  fr.  —  brindisi  IL  a 

brique  fr.  —  *bricco 

brisa  sp.  —  *brezza 

brise  fr.  —  *brezza 

brisee  fr.  —  *rotta 

brizar,  brizo  sp.  —  bercer  IL  c  (2) 

broc  fr.  —  brocco 

brocard,  broche,  brochef  fr.  —  brocco 

brocchiere  it.  —  boucle  IL  c 

brodequin  fr.  —  borzacchino 

broder  fr.  —  bordo 

broion  fr.  —  brete 

broissier  fr.  —  briscar  IL  b 

broisson  pr.  —  brocca 

brollo  it.  —  brullo  IL  a 

bronc  pr.  —  *bronco 

broncher  fr.  —  *bronoo 

brosder  fr.  (wall.)  —  bordo 

brosse  fr.  —  *broza 

broBtar  pr.  —  *broza 

brostia  pr.  —  boite  IL  c 

brouet  fr.  —  brodo 

brouette  fr.  —  biroccio 

brouillard  fr.  —  brouee  IL  c 

brouiller,  brouillon  fr.  —  broglio 

broussaille  fr.  —  *broza 

brout  fr.  —  brote 

brouter  fr.   —  *broza 

broyer  fr.   —  *briga 

brucare  it.   —  bruco 

bruces  sp.  —  buz  IL  b 

brucio  it.  —  bruco 

brugnon  fr.  —  brugna 

bruit  fr.  —  bruire 

bruizar  pr.  —  *bruciare 

brüler  fr.  —  *bruciare 

bruno  sbst.  sp.  —  brugna 

bruolo  it.  —  broglio 

brus  pr.  —  *broza 


788 


REGISTER 


brusca  cot.  —  *busca 

brustia  it.  —  *broza 

brustolare  iL  —  *bruciare 

bruxula  sp.  —  *bosso 

bruyere  fr.  —  bru  II.  c  (1) 

bruza  sp.  —  *broza 

bruzzaglia  it.  —  *broza 

bua,  buba  sp.  —  bubbone 

bubbola  it.  —  upupa  , 

bucha,  buchar,  buche  sp.  —  bozza 

buche  fr.  —  *busca 

budget  fr.  —  bolgia 

budriere  it.  —  baudre  II.  c 

buer  fr.  —  bucato 

buer  altfr.  —  ora  (1) 

bufFoi  fr.  —  buf 

bufo  pg.  —  buho  II.  b 

bugio  it.  —  bugia  (1) 

bügle  fr.  —  *beugler  II.  c 

buie  fr.  —  boja  (1) 

buire  fr.  —  bujo 

buis,  buisson  fr.  —  *tx>8so 

buitre,  buitron  sp.  —  avoltore 

bula  sp.  —  bolla 

bulicare  it.  —  bouger  IL  c 

bulla  it.  sp.  —  bolla 

bullaccio  it.  —  pula  II.  a 

bulletin  fr.  —  bolla 

bullir  sp.  —  bolla 

bufiuelo  sp.  —  *bugna 

burat,  bureau,  buret  fr.  —  bujo 

buratto  %t.  —  bujo 

burbero  it.  —  borbogliare 

burbuja  sp.  —  borbogliare 

burda  it.  —  buda  II.  a 

burella  it.  —  bujo 

burgo  sp.  —  borgo 

buriel  sp.  —  bujo 

buril  sp.  —  borino* 

burin  fr.  —  borino 

burjaca  sp.  —  bolgia 

burrone  it.  —  borro  IL  a 

busare  it.  —  bugia  (1) 

busart  fr.  —  buse  IL  c 

busecchio  it.  —  bozza 

buscione  it.  —  *bosso 

buso  it.  —  bugia  (1) 

busquer  fr.  —  buBcare 

but  fr.  —  bozza 

butin  fr.  —  bottino 

buttare  it.  —  bottare 

butte  fr.  —  bozza 

buxeta  sp.  —  *bosso 

buzio  pg.  —  *bigio 

buzzo  it.  —  bozza 


c. 

c,a  fr.  —  qua 
cabaöa  sp.  —  capanna 
vcabane,  cabinet  fr.  —  capanna 
cabdal  pr.  -  ■  caudal  IL  b 
cabeza,  cabezo  sp.  —  cavezza 


cable,  cabo  sp.  —  cappio 
cable  fr.  —  cappio 
caboral  sp.  —  caporale 
caboz  pg.  —  chabot  II.  c 
cabus  fr.  —  cappa 
cacapo  pg.  —  gazapo  II.  b 
cacha  sp.  —  cacho  IL  b 
cache,  cacher,  cachet,  cachot/r. — quatto 
cacho  sp.  —  quatto 
-  cachonda  sp.  —  cachorro  IL  b 
cacio  it.  —  cascio 
cadahalso  sp.  —  catafalco 
cadalecho  sp.  —  *cataletto 
cadalso  sp.  —  catafalco 
cadastre  fr.  —  cattstro 
cadenas  fr.  —  candado  IL  b 
cadre  fr.  —  quadro 
caea  pg.  —  cayo 
cafard  fr.  —  *cafre  II.  b 
cafura  it.  —  canfora 
cagado  pg.  —  galapago  II.  b 
cage  fr.  —  gabbia 
cagliare  t*.  —  quagliare 
cagnard  fr.  —  casnard  IL  c 
cagou  fr.  —  *grigou  IL  c 
caille  fr.  —  quaglia 
cailler  fr.  —  quagliare 
caim  pr.  —  cadimo  IL  b 
cairel  pr.  —  quadro 
cais  pr.  —  casso  (2) 
caisse  fr.  —  *cas8a 
cajoler  fr.  —  gabbia 
cajute  fr.  —  cahute  IL  c 
calabre  pr.  —  caable  II.  c 
calabrino  it.  —  carabina 
caladre  sp.  —  calandra 
calan  sp.  —  *chaland  IL  c 
calappip  it.  —  *chiappare  IL  a 
caleche  fr.  —  calesse 
calecon  fr.  —  calzo 
calfeutrer  fr.  —  *calafatare 
calhao  pg.  —  caillou  IL  c 
callar  sp.  —  calace 
calterire  it.  —  scalterire  IL  a 
camafeo  sp.  —  cammeo 
camaieu,  camee  fr.  —  cammeo 
camal  sp.  —  camaglio 
camard  fr.  —  camuso 
camba  pg.  —  *gamba 
cambro  pg.  —  calambre  II.  b 
camedrio  sp.  —  calamandrea 
camois  pr.  —  camuso 
camoissie  fr.  —  camuso 
camo8cio  it.  —  camuso 
campione  it.s  —  campo 
camuffare  it.  —  muffare 
canape  fr.  —  canope 
canard  fr.  —  oane  IL  c 
canastre  fr.  —  *canasto  II.  b 
canavaccio  it.  —  canape 
canevas  fr.  —  canape 
cangiare  it.  —  cambiare 
cangiräo  pg.  —  cangilon  IL  b 
cangrejo  sp.  —  granohio 


REGISTER. 


789 


canivete  sp.  —  oanif  II.  c 

canot  fr.  —  cane  II.  c 

cansar,  canso  sp.  —  cass 

cantel  sp.  —  cantiere 

cantillo  sp.  —  canto 

cantimplora  it.  —  chantepleure  II.  o 

caüamo  sp.  —  canape 

caparrosa  sp.  —  capparosa 

capazo  sp.  —  cappa 

capdel  pr.  —  oapitello 

capezzale  it.  —  cavezza 

capot  fr.  —  cappa 

cappella  it.  —  cappa 

cäpre  fr.  —  cappero 

captener  pr.  —  mantenere 

capuchon  fr.  —  cappa 

carajo  sp.  —  *veit  II.  c 

caramillo  sp.  —  chalumeau  II.  c 

carauz  sp.  —  trincare 

caravella  it.  —  caraba 

caravelle  fr.  —  caraba 

carcame  it.  —  *carcasso 

carciofo  it.  —  *articiocco 

carcol  pr.  —  "carcan  IL  c 

careme  fr.  —  quaresima 

caribe  sp.  —  cannibale 

carmin  sp.  —  carmesino 

carmin  fr.  —  carmesino 

carminio  it.  —  carmesino 

carnajo  it.  —  cimeterio 

carnasciale  it.  —  carnevale  II.  a 

carnaval  sp.  fr.  —  carnevale  II.  a 

carnel,  carneler  fr.  —  cran  IL  o 

carnet  fr.  —  *cahier  IL  c 

carnicol  sp.  —  carnero  II.  b 

carosello,  carrozza  it.  —  carriera 

caroube,  carouge  fr.  —  carruba 

carousse  fr.  —  trincare 

carquois  fr.  —  *carcasso 

carraca  sp.  —  *caracca 

carraque  fr.  —  *caracca 

carre,  carreau,  carrer  fr.  —  quadro 

carriere  fr.  —  *carriera  t*.  quadro 

carrignon  fr.  —  *cahier  II.  c 

carrosse  fr.  —  carriera 

carrousel  fr.  —  carriera 

carroza  sp.  —  carriera 

carrubo  it.  —  carruba    , 

carvallo  sp.  —  carrasca  IL  b 

casar  sp.   —  casa 

cascajo,  cascara,  casco  sp.  —  cascar  Il.b 

cascare,  cascata  it.   —  casco  IL  a 

casco  it.   —  cascar  IL  b 

casernet  fr.   —  *cahier  IL  c 

casque  fr.  —  cascar  IL  b 

casser  fr.  —  cass  v.  casso  (1) 

cassero  it.   —  alcazar  II.  b 

casserola  it.  —  cazza 

casserole  fr.   —  cazza 

caetone  it.   —  *cassa 

casulla  sp.  —  *casipola 

catacolto  it.  —  catar 

catir  fr.   —  quatto 

cau,  caucala  pr.   —  choe  II.  o 


cauchemar  fr.   —  *mare  II.  c 

caudillo  sp.  —  capitello 

causer  fr.  —  oosa 

cautivo  sp.  —  cattivo 

cavecon  fr.  —  cavezza 

caveira  pg.  —  calavera  IL  b 

caxa  sp.  —  *cassa 

cazar  sp.  —  cacciare 

cazo  sp.  —  cazza 

ce  fr.  —  ciö 

ceans  fr.  —  ens  IL  c 

cebellina  sp.  —  zibellino 

cecial  sp.  —  cers  II.  c 

cecina  sp.  —  cers  II.  c 

cedazo  sp.  —  staccio 

cedelar  pr.  — n  *soif  IL  c 

cederno  it.  —  cedro 

cedilla  sp.  —  zetiiglia 

cedille  fr.  —  zediglia 

cedo  sp.  pg.  —  oetto 

cel  fr.  —  quello 

celeri  fr.  —  sedano 

celosia  sp.  —  zelo 

celui  fr.  —  quello 

cembel  fr.  —  *zimbello 

cendal  sp.  —  zendale 

cenh  pr.  —  segno 

cennamella  it.  —  ceramella  II.  a 

cenoura  pg.  —  zanahoria  II.  b 

censal  fr.  —  Sensale 

centinela  sp.  —  sentinella 

cercelle  fr.  —  cerceta 

cerda  sp.  —  cerdo  II.  b 

cereza  sp.  —  ciriegia 

cerise  fr.  —  ciriegia 

cerne,  cerner  fr.  —  cercine 

ceroulas  pg.  —  zaragüelles*  II.  b 

cerrar  sp.   —  serrare 

cerre  fr.  —  cerro  II.  a 

cerretano  it.  —  *ciarlare 

cerveza  sp.  —  birra 

cesca  pr.  —  sescha  IL  c 

cespuglio  it.  —  cespo  IL  a 

cessal  pr.  —  Sensale 

cesto  \t.  —  cespo  IL  a 

cet  fr.  —  questo 

cetera,  cetra  it.  —  chitarra 

cezer  pr.  —  cece 

cha  it.  —  te 

chablis  fr.  —  caable  IL  c 

chaborra  sp.  —  chabasco  IL  b 

chachara  sp.  —  ciancia 

chacun  fr.  —  ciascuno 

chaeles  altfr.  —  *cavelle  II.  a 

chainae  fr.  —  camicia 

chalit  fr.  —  *cataletto 

chamar  pg.  —  chiamare 

chamarra  sp.  —  zamarro  IL  b 

chamarrer  fr.  —  zamarro  IL  b 

chamois  fr.  —  camozza 

champion  fr.  —  campo 

chanca  pg.,  chanclo  sp.  —  zanca 

chanceler  fr.  —  cancellare 

chancre  fr.  —  granchio 


790 


REGISTER. 


change,  changer  fr.  —  cambiare 

chanteau  fr.  —  canto 

chantier  fr,  —  cantiere 

chanvre  fr,  —  canape 

chanza  sp.  —  ciancia 

chaon  fr.  —  chignon  II.  o 

chape,  chapeau,  chapelle  fr,—  cappa 

chaperon  fr.  —  cappa 

chapitre  fr.  —  capitolo 

chardon  fr.  —  cardo 

charge,  charger  fr.  —  caricare 

charlatan  fr,  —  ciarlare 

charnierc  fr.  —  carne  II.  c 

charogne  fr.  —  carogna 

charpa  sp.  —  sciarpa 

charpente  fr.  —  carpentiere 

charroie  fr.  —  charme  IL  c  (1) 

charrna  pg,  —  aratro      • 

charme  fr.  —  aratro 

chasse,  chasser  fr.  —  cacciare 

chässe  fr.  —  *cassa 

chasuble  fr.  —  *casipola 

chat  fr.  —  gatto 

chata,  chato  sp.  —  piatto 

chat-huant  /r.,  chauana jw.  —  choe  II.  c 

chaton  fr.  —  *cassa 

chaudiere,  chaudron  fr.  —  *caldaja 

chaumiere  fr.  —  chaume  n.  c 

chausse  fr.  —  calzo 

chaussee  fr.  —  *calzada 

chebec  fr.  —  chaveco 

chep-ar  pg.  —  llegar  II.  b 

cheirar  pg.  —  *fragrare 

eherner  fr.  —  scemo 

chemin  fr.  —  cammino 

cheminee  fr.  —  caminata 

chemise  fr.  —  camicia 

cheppia  t*.  —  chieppa  II.  a 

chercher  fr,  —  oercare 

chere  fr,  —  cara 

chervis  fr,  —  chirivia  II.  b 

chetif  fr,  —  cattivo 

cheval,  chevaucher  fr.  —  *cavallo 

chevet  fr.  —  chef  II.  c 

cheville  fr.  —  cavicchia 

chevir  fr.  —  chef  II.  c 

chevrette  fr.  —  crevette  II.  c 

chi  it.  —  che 

chibo  sp.  —  zeba 

chicane,  chiche,  chicot  fr.  —  *cica 

chicchera  it,  —  xicara  IL  b 

chicharo  sp.  —  cece 

chicharra  sp.  —  cigala 

chiche  fr.  —  cece  t*.  *cica 

chico  sp.  —  *cica 

chier  fr.  —  *eschiter  IL  c 

chiffre  fr.  —  eifra 

chifla  pr.  —  ciufolo 

chifonie  fr.  —  sampogna 

chimica  it.  —  alchimia 

chimie  fr.  —  alchimia 

chinea  it.  —  haca 

chinela  sp.  —  chanela  IL  b 

chinquer  fr.  —  *escanciar 


chiotto  it.  —  *cheto 

chiourme  fr.  —  ciurma 

chiovo  it.  —  chiodo  II.  a 

chiquet  fr.  —  *cica 

chirlar  sp.  —  zirlare 

chitare  it.  —  *cheto 

chito  sp.  —  zitto 

chiurlare  it.  —  *urlare 

choc  fr.  —  cioeco 

chocha  sp.  —  chorcha  IL  b 

chocolat  fr.  —  cioocolata 

chommer  fr.  —  calma 

chopo  sp.  —  pioppo 

chopper  fr.  —  zoppo 

choque  sp.  —  cioeco 

choquer  fr.  —  cioeco 

chose  fr.  —  oosa 

chotar,  choto  sp.  —  ciocciare 

chou  fr.  —  cavolo 

chouan,  chouette  fr.  —  choe  IL  c 

choucas  fr.  —  choe  II.  c 

choupo  pg.  —  pioppo 

chousa  pg.  —  llosa  IL  b. 

chouvir  pg.  —  chiudere 

chova,  choya  sp.  —  choe  IL  c 

chubarba  sp,  —  jusbarba 

chuba8CO  sp.  —  pioggia 

chuchoter,  chut  fr,  —  zitto 

chufa  sp.  —  ciufolo 

chupa  sp.  —  giubba 

chupar  sp.  —  eopa 

chu8ma  sp.  —  ciurma 

chuva  pg.  —  pioggia 

ci  it.  —  qui 

ci  fr.  —  qui 

cia  it.  —  te 

eiampa  it.  —  tape  IL  c 

ciarpa  it.  —  sciarpa 

ciausire  it.  —  choisir  IL  c 

eibera  sp.  —  cebada  IL  b 

eidra,  eidro,  cidronela  sp.  —  cedrp 

eidre  fr.  —  sidro 

ciera  it.  —  cara 

cierzo  sp.  —  cers  Ü.  c 

cigarra  sp.  -*-  cigala 

cigna  it.  —  cinghia 

cigolo  it.  —  *cica 

cigurelja  pg.  —  satureja 

cilha  pg.  —  cinghia 

cilla  sp.  —  celda  IL  b 

oimbel  sp.  —  *zimbello 

eimbra,  eimbria  sp,  —  oentinare 

eimeterre  fr,  —  seimitarra 

eimitarra  sp,  —  seimitarra 

cincelle  fr,  —  zenzara 

cingler  fr,  —  singlar 

cingottare  it.  —  *cigolare  IL  a 

cinto  it.  —  cinghia 

cintre  fr.  —  centinare 

cinza  pg.  —  ceniza  II.  b 

cio  pg.  —  zelo 

cioppa  it,  —  giubba 

ciotola  it.  —  ciocciare 

ciottare  it.  —  azote  II.  b 


REGISTER. 


791 


ciovetta  it.  —  choe  IT.  c 

ciranda  pg.  —  *zaranda  II.  b 

cirzir  pg.  —  zurcir  II.  b 

cisale  it.  —  cesoje  IL  a 

ciscranna  it.  —  scranna  IL  a 

ciseau,  ciseler  fr.  —  cincel 

cisne  sp.  —  *cecero 

citano  sp.  —  zutano  IL  b 

citole  fr.  —  chitarra 

citron,  citronnelle,  citrouille  fr.  —  cedro 

ciu  fr.  —  avocolo 

civada  pr.  —  oebada  II.  b 

civanza  it.  —  chef  IL  c 

civeo  it.  —  *civiere  IL  c 

civetta  it.  —  choe  II.  c 

civette  fr.  —  zibetto 

civire  it.  —  chef  IL  c 

cizias  pr.  —  assises  IL  c 

cizza  it.  —  tetta 

clabaud  fr.  —  glapir  IL  c 

clairon,  clarinette  fr.  —  chiarina 

clapier  fr.  —  clapir  IL  c 

claque  fr.  —  *clique  IL  c 

darin  cct.  sp.  —  chiarina* 

clarinetto  it.  —  chiarina 

clas  pr.  —  chia880 

clatir  fr.  —  ghiaitire 

cieda  pr.  —  claie  IL  c 

clin  fr.  —  cligner  IL  c 

clocher  fr.  —  *clop  IL  c 

cloquear  sp.  —  chiocciare 

clore  fr.  —  chiudere 

clou  fr.  —  chiodo  II.  a 

clueca,  clueco  sp.  —  chiocciare 

coalho  pg.  —  quagliare 

coalla  sp.  —  quaglia 

cobarde  sp.  —  codardo 

cobe  pr.  —  *cupido 

cobir  pr.  —  *cupido 

cocagne  fr.  —  *cuccagna 

cocarde  fr.  —  coq  IL  c 

coccia,  coccio  it.  —  cocca  (2) 

cocear  sp.  —  coz  IL  b 

oochar  pr.  sp.  —  coitar 

coche  sp.  —  cocchio 

coche  fr.  —  cocca  (1) 

coche  fr.  —  cocchio 

Cochenille  fr.  —  cocciniglia 

cochinilla  sp.  —  cocciniglia 

cochino  sp.  —  coche  II.  c 

cociöre  it.  —  *cuire  IL  c 

cocon  fr.  —  cocca  (*2) 

cocu  fr.  —  cucco 

codaste  sp.  —  coda 

oodea  pg.t  codena  sp.  —  cotenna 

codicia  sp.  —  *cupido 

codillo,  codo  sp.  —  cubito 

codrione  it.  —  coda 

coelho  pg.  —  coniglio 

cofe  sp.  —  cofano 

coffa  %t.  —  cofano 

coffre  fr.  —  cofano 

cofia  sp.  —  cuffia 

coger  sp.  —  *cogliere 


cogolmar  sp.  —  colmo 

cogote  sp.  —  cocca  (2) 

cogotz,  cogul  pr.  —  cucco 

cogujon  sp.  —  cognjada  IL  b 

coi  fr.  —  *cheto 

coiffe  fr.  —  cuffia 

coing  fr.  —  cotogna 

oointe  fr.  —  conto 

coiser  fr.  —  *eheto 

coite  fr.  —  *coltrice 

cojon  sp.  —  coglione 

col  sp.  —  cavolo 

cola  sp.  —  coda 

colcha  sp.  —  *coltrice 

colchete  pg.  —  croc  II.  c 

coldre  pg.  —  *goldre  II.  b 

colgar  sp.  —  colcare 

coltra  pr.  —  *coltrice 

colui  it.  —  quello 

comble  fr.  —  colmo 

combleza  sp.  —  bercer  II.  c  (2) 

combro  pg.  —  colmo 

commencer  fr.  —  *cominciare 

comment  fr.  —  *come 

comoro  pg.  —  colmo 

comprar  «p.,  comprare  it.  —  parare 

compte,  compter  fr.  —  contare 

comte  fr.  —  conte 

oonde  sp.  —  conte 

confalon  sp.  —  gonfalone 

congedier  fr.  —  conge  IL  c 

congedo  it.  —  conge  IL  c 

congoxa  sp.  —  angoscia 

conhortar  sp.  —  *confortare 

coniller  fr.  —  coniglio 

connetable  fr.  —  contestabile 

connin  fr.  —  coniglio 

conortar  pr.  —  *confortare 

conquidere  it.  —  chiedere  II.  a 

conrear  sp.  —  redo 

conroi  fr.  —  redo 

contadino,  contado  it.  —  conte 

contigia  it.  —  conciare  ü.  a 

contraindre  fr.  —  §treindre  IL  c 

contrebande  fr.  —  *bando 

contrecarrer  fr.  —  cara 

contree  fr.  —  *contrata 

controle  fr.  —  rotolo 

convier  fr.  —  convitare 

convin,  convine  fr.  —  convegno 

convoiter  fr.  —  *cupido 

convojare  it.  —  voyer  IL  c 

convoyer  fr.  —  voyer  IL  c 

copete,  copo  sp.  —  coppa 

coque  fr.  —  cocca  (2) 

coquemar  fr.  —  cogoma  IL  a 

coquet  fr.  —  coq  H.  c 

coquille  fr.  —  cochiglia 

cor  (partikel)  fr.  —  ora  (2) 

corbata  sp.  —  cravatta 

corcare  it.  —  colcare 

corche  sp.  —  alcorque  II.  b 

corchete  sp.  —  croc  IL  c 

corcos  pg.  —  corcovar  IL  b 


792 


REGISTER. 


oorcusir  sp.  —  corcovar  II.  b 

cordonnier  fr.  —  cordovano 

corine  fr.  —  *corruccio 

oormano  sp.  —  hermano  II.  b 

oorral  sp.  —  oorro  II.  b 

oorrea  sp.  —  coreggia 

oorredo  it.  —  redo 

oorreo  sp.  —  redo 

corroyer  fr.  —  redo 

cortege  fr.  —  corte 

corteza  sp.  —  oorteccia 

cortir  pg.  —  *curtir  II.  b 

corveta  pg.  —  corbeta 

corvette  fr.  —  corbeta 

coBcar  sp.  —  cocar  II.  b 

oosensa  pr.  —  *cuire  II.  c 

coser  sp.  —  cucire 

cospel  fr.  —  copeau  II.  c 

cosquillas  sp.  —  cocar  II.  b 

cosser  fr.  —  cozzare 

cossi  pr.  —  *come 

costribo  sp.  —  *estribo 

costui  it.  —  questo 

oostura  it.  —  cucire 

cota  pr.  —  *coltrioe 

cota,  cotar,  ootejar  —  quota 

cote,  cote,  ooteau  fr.  —  costa 

cote,  coter,  coterie  fr.  —  quota 

cotica  it.  —  cotenna 

cotillon  fr.  —  cotta 

cotio  pg.  —  cote  II.  b 

cotovello  pg.  —  cubito 

oouard  fr.  —  codardo 

coubrer  fr.  —  *cobrar 

couchant  fr.  —  ponente 

cpucher  fr.  —  oolcare 

coucou  fr.  —  cucco 

coude  fr.  —  cubito 

coudre  fr.  —  cucire 

oouenne  fr.  —  cotenna 

couette  fr.  —  *coltrice 

oouillon  fr.  —  ooglione 

coulis,  coulisse  fr.  —  couler  II.  c 

ooup  fr.  —  colpo 

coupe,  coupeau  fr.  —  coppa 

couper  fr.  —  colpo 

couple,  couplet  fr.  —  coppia 

coupole  fr.  —  coppa 

cour  fr.  —  corte 

courage  fr.  —  coraggio 

courbette  fr.  —  corvetta 

courge  fr.  —  cucuzza 

courlis  fr.  —  corlieu  II.  c 

courroie  fr.  —  coreggia 

courroux  fr.  —  *corruccio 

courte-pointe  fr.  —  *coltrice 

courtier  fr.  —  cura 

courtine  fr.  —  *cortina 

courtisan,  courtois  fr.  —  corte 

COU8  fr.  —  cucco 

Cousin  fr.  —  cugino 

cousser  pr.  —  *coltrice 

coussin  fr.  —  *coltrice 

couto  pg.  —  coto  II.  b 


coutume  fr.  —  costuma 
couve  pg.  —  cavolo 
couver  fr.  —  covare 
covado  pg.  —  cubito 
covelle  ü.  —  cavelle  II.  a 
coxa  pg.  —  coscia 
coxin  sp.  —  *coltrice 
coxo  sp.  —  coscia 
coyon  fr.  —  coglione 
cracher  fr.  —  racher  II.  c 
cramoisi  fr.  —  carmesino 
crampe,  crampon  fr.  —  grampa 
cranc  pr.  —  granchio 
cranequin  fr.  —  crone  II.  c 
craquer  fr.  —  crac  II.  c 
#  crasse  fr.  —  grasso 
cravache  fr.  —  *corbacho 
cravanter  fr.  —  crebantar 
creche  fr.  —  greppia 
cremisi  it.  —  carmesino 
creneau  fr.  —  cran  II.  c 
crepon  fr.  —  groppo 
cresson  fr.  —  crescione 
crever  fr.  —  crepare 
crier  fr.  —  gridare 
crocciare  it.  —  chiocciare 
croche  fr.  —  *croccia 
crochet  fr.  —  croc  II.  c 
croi  pr.  —  crojo  IL  a 
croissir,  croistre  fr.  —  crosciare 
Crosse  fr.  —  *croccia 
crotorar  sp.  —  crocchiare  II.  a 
crouler  fr.  —  crollare 
Croupe,  croupion,  croupir  fr.  —  groppo 
cruccia  it.  —  *croccia 
crucciare  it.  —  *corruccio 
cruxir  sp.  —  crosciare 
cuajar  sp.  —  quagliare 
cuba  sp.  —  coppa 
cubilete  sp.  —  coppa 
cucar  sp.  —  cucco 
cuchara  sp.  —  cucchiajo 
cuculo  it.  —  cucco 
cuebano  sp.  —  cofano 
cueillir  fr.  —  *cogliere 
cuento  sp.  —  contare 
cueva  sp.  —  covare 
cueza  sp.  —  cocca  (2) 
cuidado,  cuidar  sp.  —  *coitare 
cuidier  fr.  —  *ooitare 
cuiller  fr.  —  cucchiajo 
cuirasse  fr.  —  corazzo 
cuisine  fr.  —  cucina 
cuisse  fr.  —  coscia 
cuietre  fr.  —  *cuire  II.  c 
cumbre  «p.,  cume  pg.  —  colmo 
curattiere  it.  —  cura 
curare  it.  —  cosa 
cuscino  it.  —  *ooltrioe 
cusir  sp.  —  cucire 
cussö  pr.  —  cozzone 
cuticagna  it.  —  cotenna 
cutio  sp.  —  cote  II.  b 
cuve  fr.  —  coppa 


REGISTER. 


793 


D 


da  it.  —  a 
dace  fr.  —  dazio 
daguet  fr.  —  guatare 
dail  fr.  —  dalle 
daino  it.  —  daim  II.  c 
dalle  fr.  —  dala  u.  adalid  II.  b 
dame  fr.  —  donno 
damigello  it.  —  donno 
dans  fr.  —  ens  II.  c 
darga  sp.  —  targa 
darre  pr.  —  redo 
darse  fr.  —  arsenale 
darsena  it.  —  arsenale 
datil  sp.  —  dattero 
datte  fr.  —  dattero 
daus  pr.  —  vas  II.  c 
davanti  it.  —  anzi 
de  fr.  —  dado 
debanar  pr.  —  dipanare 
debarrasser  fr.  —  barra 
debaucher  fr.  —  '"bauche  II.  c 
debicar  pg.  —  becco 
deblayer  fr.  —  *biado 
debonnaire  fr.  —  aere 
debout  fr.  —  bottare 
debris  fr.  —  *briser  II.  c 
debut  fr.  —  bozza 
decentar  sp.  —  encentar  II.  b 
dechat  pr.  —  dechado  II.  b 
dechirer  fr.  —  eschirer  II.  c 
dechouer  fr.  —  echouer  II.  c 
deci,  dessi  fr.  —  *si  II.  c 
decombres  fr.  —  colmo 
deTalquer  fr.  —  falcare 
defaut  fr.  —  faltare 
defelipre  fr.  —  *friper  II.  e 
defi,  defier  fr.  —  disfidare 
defiler  fr.  —  fila 
defois  fr.  —  dehesa  II.  b 
deTrayer  fr.  —  *frais  II.  c 
deguerpir  fr.  —  guerpir  II.  c 
deguiser  fr.  —  gnisa 
deitar  pg.  —  gettare 
deja  fr.  —  gib 
'dejeuner  fr.  —  giunare 
delabrer  fr.  —  lambeau  II.  c 
delante  ap.  —  anzi 
delayer  fr.  —  dileguare 
deleznar  sp.  —  liscio 
demain  fr.  —  mane 
demarrer  fr.  —  amarrar 
demas  sp.  —  mai 
dementare  it.  —  mentar 
dementiers  fr.  —  mentre 
demoiselle  fr.  —  donno 
denan  pr.  —  anzi 
dende  sp.  —  indi 
denier,  denree  fr.  —  denaro 
depecher  fr.  —  pacciare 
däpetrer  fr.  —  *pastoja 
depouille  fr.  —  spoglio 
depuis  fr.  —  poi 


deramer  fr.  —  derramar  II.  b 

derate  fr.  —  *rate  II.  c 

derecho  sp.  —  ritto 

dernier  fr.  —  retro 

derober  fr.  —  roba 

deroute  fr.  —  *rotta 

derrata  it.  —  denaro 

derrear  pg.  —  derrengar 

derriere  fr.  —  retro 

derrocar  sp.  —  *rooca 

derrubio,  derrumbar  sp.  —  *dirupare 

derver  fr.  —  desver  II.  c 

desafiar  sp.  —  disfidare 

descaptar  pr.  —  capüare  II.  a 

desde  sp.  —  des 

des6  pr.  —  se  II.  c 

deseo  sp.  —  disio 

desi  sp.  —  qui 

designare  it.  —  disegnare 

designer  fr.  —  disegnare 

deslegar  pr.  —  dileguare 

desleir  sp.  —  dileguare 

deslizar  sp.  —  liscio 

desman  sp.  —  ademan  II.  b 

desmayar  sp.  —  smagare 

desnot  pr.  —  denuesto  II.  b 

desormais  fr.  —  des 

despachar  sp.  —  pacciare 

desparpajar  sp.  —  parpaglionc 

despejar  sp.  —  specchio 

despertar  sp.  —  *espertar  II.  b 

despiojar  sp.  —  pidocchio 

despir  pg.  —  *despedir  IL  b 

despojo  sp.  —  spoglio 

despues  sp.  —  poi 

desrubant  fr.  —  *dirupare 

dessein,  dessin,  dessiner  fr.  —  disegnare 

dessert  fr.  —  *serviette  II.  c 

dessous  fr.  —  sotto 

deS8U8   frt  —   8U80 

destrozar  sp.  —  *torso 
detacher  fr.  —  tacco 
deteler  fr.  —  teler  II.  c 
detrancher  fr.  —  trinciare 
detraquer  fr.  —  trac  II.  c 
detras  sp.  —  tras 
detrier  fr.  —  tricare 
detroit  fr.  —  etroit  II.  c 
detta  it.  —  dicha  II.  b 
deuil  fr.  —  cordoglio 
devanar  sp.  —  dipanare 
devant  fr.  —  anzi 
devider  fr.  —  *vide  II.  c 
devire  pr.  —  *diviso 
devis  fr.  —  *diviso 
devouer  fr.  —  voeu  II.  c 
diane  fr.  —  diana  II.  a 
diante  pg.  —  anzi 
dianzi  it.  —  anzi 
dietro  it.  —  retro 
dieu  fr.  —  dio 
digiunare  it.  —  giunarc 
digrignare  it.  —  grinar 
dilajare  it.  —  delai  II.  c 


794 


REGISTER 


dilayer  fr.  —  delai  II.  c 

dileticare  it.  —  *solleticare  II.  a 

dilu8  pr.  —  lunedi 

dimanche  fr.  —  domenica 

dimenticare  it.  —  mentar 

dimercres  pr.  —  mercoledi 

diminuer  fr.  —  menovare 

dinanzi  it.  —  anzi 

diner  fr.  —  *desinare 

dinero  sp.  —  denaro 

dintel  sp.  —  linde  IL  b 

dirnar  pg.  —  *desinare 

disfrazar  sp.  —  farsa 

dita  pg.  —  dicha  Ht  b 

diva  fr.  —  da  IL  c 

dodiner  fr.  —  doridolare  IL  a 

dodu  fr.  —  dondon  IL  c 

doesto  pg.  —  denuesto  IL  b 

doge  it.  —  *duca 

domani  it.  —  mane 

dombo  sp.  —  duomo  IL  a 

dorne  fr.  —  duomo  IL  a 

domentre  pr.  —  mentre 

donc  fr.  —  dunque 

donde  sp.  —  onde 

donde  it.  —  onde 

donoier  fr.  —  donno 

donoso  sp.  —  donaire  II.  b 

dont  fr.  —  onde 

dopo  ü.  —  poi 

dornajo,  dornilla  sp.  —  dorna  IL  c 

dorp  pr.  —  *orbo 

dorssar  pr.  —  rosser  IL  c 

dosel  sp.  —  dais  II.  o 

dossiere  it.  —  dais  IL  c 

dotta  it.  —  ottall.  a 

douaire  fr.  —  douer  IL  c 

douane  fr.  —  dogana 

douche  fr.  —  docciare 

douillet  fr.  —  douille  II.  c  (1)    • 

dousil  fr.  —  douille  II.  c  (2) 

douve  fr.  —  doga 

dove  it.  —  ove 

dovela  sp.  —  doga 

dragee  fr.  —  *treggea 

dreche  fr.  —  *drasche  IL  o 

dresser  fr.  —  rizzare 

dritto  it.  —  ritto 

drizzare  it.  —  rizzare 

drogman  fr.  —  dragomanno 

droit  fr.  —  ritto 

drut  fr.  —  drudo 

ducado  sp.  —  *duca 

ducat  fr.  —  *duca 

ducato  it.  —  *duca 

ducha  sp.  —  docciare 

duela  sp.  —  doga 

duende  sp.   —  duendo  IL  b 

dusque  fr.   —  jusque  II.  o 

E. 

dbabir  fr.  —  baire 
ebaucher  fr.  —  *bauche  II.  c 


Sbranler  fr.  —  *brando 

ebrouer  fr.  —  *bravo 

eca  pg.  —  *herse  IL  c 

ecacher  fr.  —  quatto 

ecaille,  ecale  fr.  —  scaglia 

ecarlate  fr.  —  scarlatto 

ecarter  fr.  —  *scartare 

echafaud  fr.  —  catafalco 

ecbalotte  fr.  —  *scalogno 

echanson  fr.  —  *escanciar 

ccbapper  fr.  —  scappare 

echar  sp.  —  gettare 

echarde  fr.  —  cardo 

echarpe  fr.  —  sciarpa 

echars  fr.  —  scarso 

echauder  fr.  —  chauffer  IL  c 

echec  fr.  —  acacco 

echemer  fr.  —  sciame 

echevin  fr.  —  scabino 

ecbiue  fr.  —  *schiena 

echiquete,  ecbiquier  fr.  —  scacco 

echome  fr.  —  scalmo 

echoppe  fr.  —  *escoplo  IL  b 

eclater  fr.  —  *scbiantare 

eclisse  fr.  —  clisse  IL  c 

eclope  fr.  —  *clop  IL  c 

eclore  fr.  —  cbiudere 

ecluse  fr.  —  eBcluea 

ecorce,  ecorcer  fr.  —  scorza 

ecoroher  fr.  —  corteccia 

eco8se    fr.  —  cosse  IL  c 

ecot  fr.  —  sootto 

ecouer  fr.  —  coda 

ecour  fr.  fpic.)  —  scoroiare 

ecourgee  fr.  —  scuriada 

ecoute  (aitfr.  escote)  —  scotta 

ecouter  fr.  —  ascoltare 

ecueil  fr.  —  scoglio 

ecume  fr.  —  schiuma 

ecurer  fr.  —  sgurare 

ecureuil  fr.  —  scojattolo 

ecuseon,  ecuyer  fr.  —  $cu  IL  c 

effacer  fr.  —  faccia 

effondrer  fr.  —  fondo 

effort  fr.  —  forza 

effrayer,  efiFroi  fr.  —  *frayeur  II.  c 

effronte.  fr.  —  afiFrontare 

egarer  fr.  —  garer  IL  c 

eglantier  fr.  —  aiglent  IL  c 

egraffigner  fr.  —  greffe  IL  c  (1) 

egratigner  fr.  —  grattare 

egruger  fr.  —  gruger  IL  c 

eis  pg.  —  ecco 

eisaurar  pr.  —  sauro 

cissernir  pr.  —  scernere  IL  a 

el  fr.  —  al 

elan  fr.  —  lancia 

ele  sp.  —  ecco 

electuaire  fr.  —  lattovaro 

elever  fr.  —  allevare 

elingue  fr.  —  slinga 

ella  it.  sbst.  —  enola 

eloendro  sp.  —  oleandro 

email  fr.  —  smalto 


REGISTER. 


795 


embabacar  pr.  —  bava 
embair  sp.  —  baire 
embarazo  sp.  —  barra 
embarras  fr.  —  barra 
embastar  sp.  —  basto 
embaucar  sp,  —  bava 
embaucher  fr.  —  *bauche  II.  c 
embaxada  sp.  —  *ambasciata 
emberguer  altfr,  —  *abrigo 
embestir  sp,  —  investire  . 
embigo  pg,  —  *ombelico 
emblaver  fr.  —  *biado 
embora  pg.  —  ora  (1) 
emborcar  pg.  —  volcar  II.  b 
embraser  fr.  — -  bragia 
embudo  sp.  —  imbuto 
embu8quer  fr.  —  *bosco 
embuste  sp.  —  busto 
emeraude  fr.  —  smeraldo 
emeri  fr.  —  smeriglio 
emerillon  fr.  —  smerlo 
erneute  fr.  —  meute  IL  c 
emmitoufler,  fr.  —  pantofola 
emoi  fr.  —  smagare 
emouchet  fr.  —  moschetto 
emousser  fr.  —  mozzo 
empachar  sp.  —  pacciare 
empan  fr.  —  spanna 
emparar  sp.  —  parare 
emparer  fr.  —  parare 
empecher  fr.  —  pacciare 
empedegar  pr.  —  pacciare 
empeguntar  sp.  —  pegar 
empeine  sp,  —  pettine 
empero  sp.  —  pero 
empeser,  empois  fr,  —  pegar 
empetrer  fr,  —  *pastoja 
empezar  sp.  —  *cominciare 
empiffrer  fr.  —  *piva 
empinar  sp.  —  pino  II.  b  (2) 
emplasto  sp.  —  piastra 
emplätre  fr,  —  piastra 
emplear  sp.  —  piegare 
employer  fr.  —  piegare 
empreinte  fr,  —  *imprenta 
emprunter  fr,  ~  improntare 
en  pr.  (sbst.)  —  donno 
en  fr.  —  indi 
enan,  enantar  pr,  —  anzi 
encan  fr.  —  incanto 
encarnicar  pg,  —  acharner  IL  c 
encastrer  fr,  —  *cassa 
encausar  pr.  —  incalciare 
eneeinte  fr.  —  incinta 
eneeitar  pg.  —  encentar  IL  b 
enchässer  fr.  —  *cassa 
enchaucer  fr.  —  incalciare 
encher  pg.  —  henchir  II.  b 
enchova  pg,  —  acciuga 
encia  sp,  —  genjpva 
eneima  sp.  —  *cima 
encina  sp,  —  elce 
encluget  pr.  —  ineude 
enclume  fr.  —  ineude 


encombre  fr.  —  oolmo 
encore  fr.  —  ora  (2) 
encre  fr,  —  inchiostro 
eneui  fr,  —  *anche 
endec  pr.  —  dec  IL  c 
endecha  sp.  —  dec  IL  c 
enderezar  sp.  —  rizzare 
endever  fr.  —  desver  IL  c 
endilhar  pr.  —  hennir 
endro  pg,  —  eneldo  II.  b 
endroit  fr.  —  ritto 
enebro  sp.  —  ginepro 
enel  fr,  —  snello 
enfeitar  pg,  —  afeitar  IL  b 
enfiar  pg,  —  fila 
enfoncer  fr,  —  fondo 
enfreindre  fr,  —  fraindre  II.  c 
engafio  sp.  —  inganno 
engar  pg.  —  *enger  IL  c 
engarrafar  sp.  —  graffio 
engastar  sp.  —  *cassa 
engeance  fr.  —  *enger  IL  c 
engin  fr.  —  ingegno 
engle  sp.  —  inguine 
engloutir  fr.  —  ghiotto 
engo  pg.  —  ebbio 
engodar  pg.  —  goda  II.  c 
engouer  fr.  —  gave  II.  c 
engrimanco  pg.  —  grima  II.  b 
engrot  fr.  —  heingre  IL  c 
engrudo  sp.  — »  glu  IL  c 
enhaner  fr.  —  affanno 
enherdir  fr.  —  yerto  IL  b 
enheudir  fr.  —  *elsa  II.  a 
enhiesto  sp.  —  *festo  IL  b 
enilhar  pr.  —  hennir 
enjoler  fr.  —  gabbia 
enloier  fr.  —  *enlear  II.  b 
ennui  fr.  —  noja 
enquar  pr,  —  *cominciare 
enquenuit  fr,  —  *anche 
enqui  fr.  —  qui 
enojo  sp.  —  noja 
enristre  sp.  —  resta 
enrizar  sp.  —  riccio  (2) 
enrocar  pg,  —  rocchetto 
ensalzar  sp.  —  alzare 
ensanchar  sp.  —  ancho  IL  b 
ensayo  sp.  —  saggio  (2) 
einseigne  fr.  —  msegna 
enseigner  fr.  —  insegnare 
ensemble  fr.  —  insembre 
ensemble  sp.  —  insembre 
ensement  fr.  —  esso 
enseüa  sp.  —  insegnare 
ensouple  fr.  —  subbio 
enteado  pg.  —  alnado  II.  b 
entero  sp.   —  intero 
enterver  fr.  —  rover  IL  c 
entier  fr.  —  intero 
entraver,  entraves  fr.  —  travar 
entrudo  pg.  —  entroido  II.  b 
envelopper  fr.  —  *viluppo 
envi  fr,  —  envis  II.  c 


796 


REGISTER. 


environ  fr.  —  *virar 
envoieier  fr.  —  *vizio 
envoyer  fr.  —  voyer  II.  c 
enxada  pg.  —  accia 
enxalma  sp.  —  *salma 
enxambre  sp.  —  sciame 
enxarcia  pg.  —  sarte 
enxergar  pg.  —  cercare 
enxofre  pg.  —  eolfo 
enxoval  pg.  —  axuar  II.  b 
eivxugar  sp.  —  suco 
enxullo  sp.  —  subbio 
enxuto  sp.  —  buoo 
epaig  fr.  —  spesso 
epargner  fr.  —  sparagnare 
eparpiller  fr.  —  parpaglione 
eparvin  fr.  —  spavenio 
epaule  fr.  —  spalla 
epeautre  fr.  —  spelta 
epee  fr.  —  *spada 
eperlano  sp.  —  eperlan  IL  c 
eperbn  fr.  —  sperone 
epervier  fr.  —  sparaviere 
epice  fr.  —  spezie 
epier  fr.  —  spiare 
epinard  fr.  —  *spinace 
epinceler,  epincer  fr.  —  pizza 
epingle  fr.  —  spillo 
epitima  sp.  —  bizma  II.  b 
eplucher  fr.  —  piluccare 
epois  fr.  —  spito 
epouiller  fr.  —  pidocchio 
epouvanter  fr.  —  spaventare 
epoux  fr.  —  sposo 
epreindre  fr.  —  preindre  II.  c 
equerre  fr.  —  quadro 
equi  fr.  —  qui 
equiper  fr.  —  schifo 
er,  era  pr.  —  ora  (2) 
erable  fr.  —  acero 
ercer  sp.  —  erguir  II.  b 
ereinter  fr.  —  derrengar 
ergot  fr.  —  *argot  II.  c  (2) 
erizo  sp.  —  riccio  (1) 
erranment  fr.  —  erre  IL  c 
errement  fr.  —  inchiostro 
ers  fr.  —  ervo 
ervodo  pg.  —  albedro  II.  1) 
es  fr.  (sbst.)  —  ape 
es  fr.  —  ecco 

esbalauzir  pr.  —  eblouir  IL  c 
esbanoier'/r.  —  banda 
esbosar  pg.  —  bozza 
esbulhar  pg.  —  bolla 
escadre,  escadron  fr.  —  quadro 
eßcala  pr.  —  schiera 
escalavrar  pg.  —  *naverare 
escalin  sp.  —  scellino 
e8calmo  sp.  —  scalmo 
escalona  sp.  —  *scalogno 
escamotar  sp.  —  escamoter  IL  c 
escancarar  pg.  —  gangbero  II.  a 
eficandallo  sp.  —  scandaglio 
escandia  sp.  —  *8candella 


eecapar  sp.  —  scappare 
escarabajo  sp.  —  scarafaggio 
escaramuzo  sp.  —  ecaramuccia 
escaravelho  pg.  —  scarafaggio 
escarbot  fr.  —  scarafaggio 
escarcela  sp.  —  sciarpa 
eecarcelle  fr.  —  sciarpa 
escardar  sp.  —  cardo 
escarir  pr.  —  schiera 
escarlate  sp.  —  scarlatto 
e8carroouche  fr.  —  scaramuccia 
escarnio,  escarnir  sp.  —  scherno 
escarpa  pr.  —  carpa 
escarpa  sp.  —  *scarpa 
escarpe  fr.  —  *ecarpa 
escarpelo  sp.  —  escoplo  IL  b 
escarpin  fr.  —  scarpa 
escaso  sp.  —  scarso 
escharnir  fr.  —  scherno 
eschiele  fr.  —  schiera 
eschiele  fr.  —  equilla 
esclate  fr.  —  schiatta 
esclave  fr.  —  schiavo 
esclavin  sp.  —  scabino 
esciavo  sp.  —  schiavo 
eeclenc  fr.  —  *enclenque  IL  b 
esclet  pr.  —  schietto  IL  a 
escolh  pr.  —  *coglicre 
escollo  sp.  —  scoglio 
escolta  sp.  —  corgere  IL  a 
escopeta  sp.  —  schioppo  IL  a" 
cscopette  fr.  —  schioppo  IL  a 
escopir  fr.  —  escupir 
escorcer  fr.  —  scorciare 
escorchar  sp.  —  corteccia 
escorre  fr.  —  scuotere 
eecors  fr.  —  scorciare 
esconar  sp.  —  scorza 
escorte  fr.  —  corgere  II.  a 
esoorzar  sp.  —  scorciare 
escorzon  sp.  —  escuerzo  IL  b 
escota  sp.  —  scotta 
escote  sp.  —  scotto 
escouade  fr.  —  quadro 
escousse  fr.  —  scuotere 
escozar  sp.  —  *cuire  IL  c 
escrafe  fr.  —  escraper  II.  c 
escriraer  fr.  —  schermo 
escroc  fr.  —  scrocco 
escuchar  sp.  —  ascoltare 
escueil  fr.  —  *cogliere 
escuma  sp.  —  schiuma 
escurar  sp.  —  sgurare 
esdruxolo  sp.  —  sdrucciolo  II.  a 
ese  sp.  —  esso 
esfalfar  pg.  —  fofo  II.  b 
esfolar  pg.  —  desollar  II.  b 
esglay  pr.  —  ghiado 
esgrima,  esgrimir  sp.  —  schermo 
esguazo  sp.  —  guado 
esguince  sp.  —  sguancio  II.  a 
eslingua  sp.  —  slinga 
esmaier  fr.  —  smagarc 
esmair  sp.  —  smagare 


REGISTER. 


797 


esmalte  sp.  —  smalto 

esmeralda  sp.  —  smeraldo 

esmerar  sp,  —  smerare 

esmerer  fr.  —  smerare 

esmeril  sp.  —  smeriglio 

esmeril,  esmerejon  sp.  —  smerlo 

esmola  pg.  —  Limosina 

espaciar  sp.  —  spazzare 

espada  sp.  —  *spada 

espalancar  sp.  —  spalancare  II.  a 

espalda  sp.  —  spalla 

espalhar  pg.  —  paglia 

espalier  fr.  —  spalla 

espantar  sp.  —  spaventare 

esparavan  sp.  —  spavenio 

esparavel  sp.  —  sparaviere 

espasmo  sp.  —  spasimo 

especia  sp.  —  spezie 

espedo  sp.  —  spito 

espejo  sp.  —  specchio 

espelh  pr.  —  specchio 

espelta  sp.  —  spelta 

espeso  sp.  —  spesso 

espeto  sp.  —  spito 

espiar  sp.  —  spiare  , 

espiegle  fr.  —  specchio 

espinaca  sp.  —  *spinace 

espineta  sp.  —  spinetta 

espingarda  sp.  —  springare 

espion  fr.  —  spiare 

espita  sp.  —  spitamo 

espojo  sp.  —  spoglio 

espolin  sp.  —  spola 

espolon,  espuela  sp.  —  sperone 

esponton  sp.  —  spuntone 

esposo  sp.  —  sposo 

espreitar  pg.  —  *exploit  II.  c 

espringuer  fr.  —  springare 

esprit  fr.  —  spirito 

espurriar  sp.  —  esproher  IL  c 

esquadra  sp.  —  quadro 

esquela  sp.  —  cedola 

esqueleto  sp.  —  scheletro 

esquena  sp.  —  *schiena 

esquentar  pg.  —  calentar  II.  b 

esquero  sp.  —  *esca 

esquerro  sp.  —  izquierdo  II.  b 

esquicio  sp.  —  schizzo 

esquif  fr.  —  schifo 

esquife  sp.  —  schifo 

esquila  sp.  —  squilla 

esquilmo  sp.  —  *quilma  II.  b 

esquilo  sp.  —  scojattolo 

esquinela  sp.  —  *schiena 

esquintar  pr.  —  esquinzar  II.  b 

esquira  pr.  —  schiera 

esquisse  fr.  —  schizzo 

esquiu  pr.  —  schivare 

esquivar  sp.  —  schivare 

esquiver  fr.  —  schivare 

essai  fr.  —  saggio  (2) 

essaim  fr.  —  sciame 

essoigne  fr.  —  sogna 

essor,  essorer  fr.  —  sauro 


essuyer  fr.  —  suco 
estaca  sp.  —  stacca 
estache  fr.  —  stacca 
estacion  sp.  —  stagione 
estafette,  estafilade  fr.  —  staffa  IL 
estala  sp.  —  stallo 
estallar  sp.  —  *8chiantare 
estamena  sp.  —  stamigno 
estampar  sp.  —  stampare 
estanc  pr.  — >  *stancare 
estancar  sp.  —  *stancare 
estancia  sp.  —  stanza 
estandarte  sp.  —  stendardo 
estafio  sp.  —  stagno 
estarna  sp.  —  starna 
estay  sp.  —  etai  IL  c 
estera  sp.  —  stoja 
esteu  fr.  —  stovigli  IL  a 
estiere  fr.  —  esturman  IL  c 
estival  pr.  —  stivale 
estivar  sp.  —  stivare 
estoc  fr.  —  stocco 
estofa  sp.  —  *8toffa 
estoire  fr.  —  flotta  u.  stuolo 
estojo  pg.  —  *astaccio 
estol  sp.   —  stuolo 
estopa  sp.  —  stoppa 
estoque  sp.  —  stocco 
estor  fr.  —  stormo 
estrabot  fr.  —  *estribo 
estracar  pr.  —  straccare  II.  a 
estrada,  estrado  sp.  —  *strada 
estrade  fr.  —  *strada 
estragäo  pg.  —  *targone 
estragon  fr.  —  *targone 
estraier  fr.  —  *strada 
estralar  pg.  —  *schiantare 
estrambote  sp.  —  strambo 
estrafio  sp.  —  stranio 
estrapade  fr.  —  strappare  IL  a 
estrapazar  sp.  —  *pazzo  IL  a 
estrazar  sp.  —  stracciare 
estree  fr.  —  *strada 
estregar  sp.  —  fregare 
estreper  fr.  —  estraper  II.  c 
estriar  pg.  —  *strega 
estribord  sp.  —  stribord  II.  c 
estribot  fr.  —  estribo  u.  strambo 
estrillar  sp.  —  strecchia 
estringa  sp.  —  stringa 
estrinque  sp.  —  stringa 
estriver  fr.  —  *estribo 
estrope  fr.  —  *stroppolo 
estropear  sp.  —  stroppiare 
estropier  fr.  —   stroppiare 
estrovo  sp.  —  *stroppolo 
estrubar  pr.  —  *estribo 
estrajar  sp.  —  torchio 
estromele  fr.  —  *trumeau  IL  c 
estucho  sp.  —  *astuccio 
estufa  sp.  —  *stufa 
estuque  sp.  —  stucco 
esturar  sp.  —  torrar  II.  b 
esturgeon  fr.  —  storione 


a 


798 


REGISTER. 


esturion  sp*  —  storione 
etable  fr.  —  stallo 
etage  fr.  —  staggio 
etain  fr.  —  stagno 
etal,  etalon  fr.  —  stallo 
etamer  fr.  —  stagno 
etamine  fr.  —  stamigno 
etamper  fr.  —  stampare 
etance,  etancon  fr.  —  stanza 
etancher,  etang  fr.  —  *stancare 
etangues  fr.  —  stanga 
etau  fr.  —  stallo 
etele  sp.  —  ecoo 
etendard  fr.  —  stendardo 
eteule  fr.  —  *stoppia 
etoffe  fr.  —  *stoffa 
etouble  fr.  —  *stoppia 
etouffer  fr.  —  tufo  (1) 
etoupe,  etoupin  fr.  —  stoppa 
etourdir  fr.  —  *stordire 
etrange,  etranger  fr.  —  stranio 
etrape  fr.  —  estraper  IL  c 
etre  fr.  —  essere 
etrecir  fr.  —  etroit  II.  c 
etrier  fr.  —  *estribo 
etrille  fr.  —  stregghia 
etriquet  fr.  —  tricoter  IL  c 
etriviere  fr.  —  *estribo 
etron  fr.  —  stronzare  IL  a 
etrope  fr.  —  *stroppolo 
etui  fr.  —  *astuccio 
etuve  fr.  —  *stufa 
eventail  fr.  —  ventaglio 
6vier  fr.  —  eau  II.  c 
evol  pr.  —  ebbio 
exaucer  fr.  —  alzare 


F. 

fabuoo  sp.  —  faggio 
faca  pg.  —  haca 
facha  sp.  —  faccia 
facha  pg.  —  accia 
facher  fr.  —  *fastidio 
facistol  sp.  —  faldistorio 
fade  fr.  —  fat  II.  c 
fado  iL  —  fat  II.  c 
faille  fr.  —  fiaccola 
faillir  fr.  —  fallire 
faine  fr.  —  faggio 
faisca  pg.  —  *falavesca 
faisceau  fr.  —  *fascio 
faissa  pr.  —  haza  IL  b 
faite  fr.  —  *festo  IL  b 
falla,  fallo  sp.  —  fallire 
falla  pg.  —  favola 
fallar  sp.  —  hallar  IL  b 
falot  fr.  —  »falö 
faluca  sp.  —  feluoa 
fanal  sp.  fr.  —  *falö 
fanale  iL  —  *falö 
fanciullü  iL  —  fante  IL  a 
(anfano  iL  —  fanfa 


fanfare  fr.  —  fanfa 

fanfarron  sp.  —  fanfa 

fanfreluche  fr.  —  fanfaluca 

faquin  fr.  —  facchino 

farapo  pg.  —  arpa 

faraute  sp.  —  araldo 

farce  fr.  —  farsa 

fardaggio  iL  —  *fardo 

fardeau  fr.  —  *fardo 

farfante  sp.  —  fanfa 

farfouiller  fr.  —  fouger  IL  c 

farfullar  sp.  —  farfogliare 

farga  pr.  —  forgia 

farinella  pg.  —  flanella 

farpa,  farpSo,  farpar  sp.  —  arpa 

fascona  sp.  —  azcona  IL  b 

fastello  iL  —  *fuscio 

fata  sp.  —  te  IL  b 

fattucchiero  iL  —  fattizio 

faucon  fr.  —  faloone 

faute  fr.  —  faltare 

fauteuil  fr.  —  faldistorio 

fautre,  fautrer  fr.  —  feltro 

fauve  fr.  —  falbo 

faxo  sp.  —  *fa8cio 

fazaleja  sp.  —  fazzuolo  IL  a 

feble  sp.  —  fievole 

fee  fr.  —  fata 

feindre  fr.  —  faint  II.  c 

feira  pg.  —  fiera 

felon  fr.  —  *fello 

fenouil  fr.  —  finocchio 

ferrolh  pr.  —  verrou  IL  c 

fersa  pr.  —  fieroe  IL  c 

ferte  fr.  —  ferme  IL  c 

fetge  pr.  —  *fegato 

feu  fr.  —  fuooo 

feur  altfr.  —  *foro 

feudo  iL  —  *fio 

feurre  fr.  —  fodero 

feutre  fr.  —  feltro 

fia,  fiata  iL  —  via  (1) 

fiaba  iL  —  favola 

fiale  iL  —  fiavo  IL  a 

fiche  fr.  —  fitto 

ficher  fr.  —  ficcare 

fie,  fiee  fr.  —  via  (1) 

fief  fr.  —  *fio 

fifre  fr.  —  *piva 

filtrar  sp.  —  feltro 

filtrer  fr.  —  feltro 

filunguello  it.  —  *fringuer  II.  c 

fincar  pg.  —  ficcare 

fita  8p.  —  fetta 

fiutare  it.  —  flauto 

flaco  sp.  —  fiacco 

flacon  fr.  —  fiasco 

flageolet  fr.  —  flauto 

flairer  fr.  —  *fragrare 

flamme  fr.  —  fiama 

flan  fr.  —  fiadone 

flan  altfr.  —  *frignare  IL  a 

flanc  fr.  —  fianco 

flaon  sp.  —  fiadone 


REGISTER. 


799 


flasque  fr.  —  fiacco 

flatir  fr.  —  *flatter  II.  c 

flecha  sp.  —  freccia 

fleche  fr.  —  freccia 

flecme  pr.  —  fiama 

fleis  pr.  —  flechir  IL  c 

fleme  sp.  —  fiama 

flete  sp.  —  fret 

fleurer  fr.  —  *fragrare 

flibote  sp.  —  flibot  II.  c 

floc  pr.  —  froc  II.  c 

floc  fr.  —  folc  II.  c 

floresta  sp.  —  foresta 

florin  fr.  —  fiorino 

flot  fr.  —  fiotta 

flota  sp.  —  fiotta 

flotar  sp.  —  frettare 

flouer  fr.  —  *filou  II.  c 

floxo  sp.  —  floscio 

fluet  fr.  —  flou  II.  c 

flusso  it.  —  floscio 

flute  fr.  —  flauto 

focar  pg.  —  hoz  II.  b  (2) 

focile  it.  —  fuoco 

fogote  sp.  —  fagotto 

foible  fr.  —  fievole 

foie  fr.  —  *fegato 

foire  fr.  —  fiera 

fois  fr.  —  vece 

fola  it.  —  favola 

folata,  folla  it.  —  *follare 

folego  pg.  —  holgar  II.  b 

folgar  pg.  —  holgar  IL  b 

folla  pg.  —  *ola 

follon  sp.  —  *folle 

fome  pg.  —  hambre  IL  b 

foncer  fr.  —  fondo 

fontaine  fr.  —  fontana 

forain  fr.  —  fuora 

forastico  it.  —  foresta 

forban  fr.  —  *bando 

force  fr.  —  forza 

forceis  pr.  —  fuora 

forcene  fr.  —  senno 

forcier  fr.  —  forziere  IL  a 

forese  it.  —  *foro 

foret  fr.  —  foresta 

forfait  fr.  —  *foro 

forge  fr.  —  forgia 

forro  pg.  —  horro  IL  b 

forro  sp.  —  fodero 

fouasse  fr.  —  focaccia 

fouce  pg.  —  hoz  II.  b  (1) 

fougere  fr.  —  felce 

fougue  fr.  —  foga  IL  a 

foui Her  fr.  —  fouger  IL  c 

fouine  fr.  —  faina 

foule,  fouler,  foulon  fr.  —  *follare 

foupir  fr.  —  *friper  IL  c 

fourbe,  fourbir  fr.  —  forbire 

fourcele  fr.  —  forcatura 

fourrage,  fourreau,  fourrer  fr.  —  fodero 

fouteau  fr.  —  faggio 

fouto  pg.  —  hoto  II.  b 


fraco  pg.  —  fiacco 

fradicio  it.  —  fracido  IL  a 

fragata  it.  —  fregata 

fragello  it.  —  fleau  II.  c 

fragua  sp.  —  forgia 

frai  fr.  —  fregare 

fraile,  freile  sp.  —  *fraire  IL  b 

frais  fr.  —  fresco 

fraise,  fraiser  fr.  —  fregio 

fralda  pg.  —  falda 

franzir  sp.  —  *froncir 

frappa  it.  —  arpa 

frascar  pr.  —  *fracassare 

frasque  fr.  —  *frasca  IL  a 

frassugno  it.  —  fresange  IL  o 

fray  sp.  —  *fraire  IL  b 

frayer  fr.  —  fregare 

frazada  sp.  —  fregio 

fregola  it.  —  fregare 

frejol  sp.  —  frisol  II.  b 

freluquet  fr.  —  fanfaluca 

freso  sp.  —  fregio 

fressa  pr.  —  frizzare 

fretes  sp.  —  frette  IL  c 

fretta  it.  —  frettare 

frezada  sp.  —  fregio 

frezar  sp.  —  frizzare 

friand,    fricandeau,    fricasser   fr.  — 

frique  U.  c 
frime  fr.  —  *frignare  II.  a 
fripon  fr.  —  *friper  IL  c 
frisato  it.  —  fregio 
friso  sp.  —  fregio 
froler  fr.  —  frettare 
fromage  fr.  —  formaggio 
fromba,  frombo  it.  —  *rombo  II.  a 
fremde  fr.  —  fionda 
frotar  sp.  —  frettare 
frotta,  frottola  it.  —  fiotta 
frotter  fr.  —  frettare 
frouxo  pg.  —  floscio 
frusta  it.  —  fni8to  IL  a 
fucile  it.  —  fuoco 
fucia  sp.  —  fiueia  IL  b 
fuero  sp.  —  *foro 
fuerza  sp.  —  forza 
fuina  sp.  —  faina 
fuisca  sp.  —  *falavesca 
fula  pg.  —  *follare 
funcho  pg.  —  finocohio 
für  fr.  —  *foro 
furacSo  pg.  —  *uracano 
furbo  it.  —  forbire 
fureter  fr.  —  furon 
fusil  fr.  —  fuoco 
futaine  fr.  —  fustagno 


gabata  sp.  — 
gabbiano  it. 
gabinete  sp. 
gabinetto  it. 


e. 

—  gavetta 

—  gavia 

—  capanna 

—  capanna 


800 


REGISTER. 


gacho  sp.  —  quatto 
gadelha  pg.  —  vedija  II.  b 
gado  pg.  —  ganado  II.  b 
gafar  sp.  —  gafa 
gage  fr.  —  gaggio 
gaglio  it.  —  quagliare 
gagner  fr.  —  *guadagnare 
gago  pg.  —  ganguear  IL  b 
gai  fr.  —  gajo 
gaillard  fr.  —  gagliardo 
ga'in  fr.  —  guaime 
gaine  fr.  —  guaina 
gaiväo,  gai vota  pg.  —  gavia 
galabrun  fr.  —  isanbrun  II.  c 
galant  fr.  —  *gala 
galappio  it.  —  "chiappare  II.  a 
galardon  sp.  —  guiderdone 
galeffare  it.  —  *caleffare  II.  a 
galera  it.  —  galea 
gai  er  a  sp.  —  galea 
galere  fr.  —  galea 
galet  fr.  —  gai  II.  c 
galga  sp.  —  galgo  II.  b 
galgulo  sp.  —  galbero 
galla  it.  —  *gale  II.  c 
gallardo  sp.  —  gagliardo 
galleria  it.  —  galea 
gallofo  sp.  —  *gaglioffo 
gallone  it.  —  *gala 
galocha  sp.  —  *galoscia 
galoche  fr.  —  *galoscia 
galon  fr.  —  *gala 
galtera  sp.  —  gota 
gamache  fr.  —  *ganiba 
gambeson  fr.  —  gambais 
gambo  it.  —  *gamba 
gamuza  sp.  —  camozza 
ganache  fr.  —  *ganasoia 
ganar  sp.  —  *guadagnare 
gangar  pg.  —  *guadagnare 
gangola  it.  —  ganguear  II.  b 
gangröne  fr.  —  cangrena 
ganguil  pr.  —  ganghero  II.  a 
ganivet  fr.  —  canil  II.  c 
gannacha  pr.  —  guarnire 
ganren  pr.  —  rien  II.  c 
ganse  fr.  —  gancio 
ganso  sp.  —  ganta 
gant  fr.  —  guanto 
garabia  pg.  —  garbino 
garag  pr.  —  barbecho 
garanguejo  pg.  —  granchio 
garant  fr.  —  guarento 
garante  sp.  —  guarento 
garaüon  sp.  —  guaragno 
garba  sp.  —  gerbe  II.  c 
garba  pr.  —  gerbe  II.  c 
garbin  sp.  —  garbillo  II.  b 
garce,  garcon  fr.  —  garzone 
garde,  garder  fr.  —  *guardare 
gardingo  sp.  —  *guardare 
garfio  sp.  —  graffio 
garfo  pg.  —  greffe  II.  c 
gargagliare  it.  —  *gargatta 


gargamela  pr.  —  *gargatta 
garganello  it.  —  ceroeta 
garganta  sp.  —  *gargatta 
gargar  pr.  —  *gargatta 
gargola  sp.  —  *gargatta 
garingal  fr.  —  galanga 
garlopa  sp.  —  *varlope  II.  c 
garnache,  fr.  —  guarnire 
garnir,  garnison  fr.  —  guarnire 
garone  it.  —  gherone 
garosello  it.  —  carriera 
garou  fr.  —  lou$-garou  IL  c 
garrafa  sp.  —  *caraffa 
garrobo  sp.  —  carruba 
garrot  fr.  —  *garra 
garupa  pg.  —  groppo 
garza  it.  —  garzone 
garza  sp.  —  garzone 
gasa  sp.  —  gaze  II.  c 
gasajar  sp.  —  *gasalha 
gasarma  pr.  —  giusarma 
gäter  fr.  —  guastare 
gaucher  fr.  —  gualcare  IL  a 
gaude  pr.  —  gualda 
gaug  pr.  —  godere 
gavasa  sp.  —  bagascia 
gavia  sp.  —  gabbia 
gavina,  gaviota  sp.  —  gavia 
gavion  fr.  —  gave  IL  c 
gayo  sp.  —  gajo 
gayola  sp.  —  gabbia 
gazanhar  pr.  —  *guadagnare 
gazouiller  fr.  —  jaser  U.  c 
gazua  pg.  —  ganzua  II.  b 
gazzo  it.  —  garzo  IL  b 
geai  fr.  —  gajo 
gehir  fr.  —  gecchire 
geitar  pg.  —  gettare 
gelda  pr.  —  geldra 
geloso  it.  —  zelo 
gelsomino  it.  —  geamino 
gencive  fr.  —  gengiva 
genet  fr.  —  ginete  IL  b 
genette  fr.  —  *gineta 
gengibre  sp.  —  zenzovero 
gengiovo  it.  —  zenzovero 
genh  pr.,  genie  fr.  —  ingegno 
genievre  fr.  —  ginepro 
genou  fr.  —  ginocchio 
gent  (adj.)  fr.  —  gente 
geole  fr.  —  gabbia 
gequir  pr.  —  gecchire 
gerfaut  fr.  —  girfalco 
gerigonza  sp.  —  gergo 
germandree  fr.  —  calamandrea 
ge8  pr.  —  gens  II.  c 
geto  it.  —  gettare 
gheda  it.  —  *ghiera  II.  a 
gherniire  it.  —  gremire  II.  a 
ghiozzo  it.  —  ghiotto 
gialda  it.  —  geldra 
gianetto  it.  —  ginete  II.  b 
giarro  it.  —  giara 
gibeciere  fr.  —  *gibier  II.  c 


REGISTER. 


801 


gibet  fr.  —  giubbetto 
gieser  fr.  —  gese  IL  c 
giffer  fr.  —  *aggueffare  IL  a 
gigot  fr.  -  *giga 
gigotter  fr.  —  *giga 
gina  it.  —  *agina 
gingembre  fr.  —  zenzovero 
gioja,  giojello  it.  —  godere 
giolho  pg.  —  ginocchio 
giostrare  it.  —  giusta 
girandola  it.  —  giro 
girandolc  fr.  —  giro 
girandula  sp.  —  giro 
girofle  sp.  —  garofano 
girofle  fr.  —  garofano 
giron  sp.  —  gnerone 
giron  fr.  —  gherone 
girouette  fr.  —  giro 
gisarme  fr.  —  giusarma 
gite  fr.  —  gesir  IL  c 
giu  fr.  —  giuflo 
giullaro  it.  —  giocolaro 
glacis  fr.  —  glacier  IL  c 
glai  fr.  —  ghiattire 
glaieul  fr.  —  glaive  IL  c 
glas  fr.  —  chia88o 
glasto  sp.  —  guado 
glatir  fr.  —  ghiattire 
glave  it.  —  glaive  IL  c 
glay  pr.  —  ghiado 
glousser  fr.  —  chiocciare 
glouteron  fr.  —  gleton  IL  c 
glouton  fr.  —  ghiotto 
gnacchera  it.  —  nacchera 
'gobelet  fr.  —  ooppa 
gober  fr.  —  gobbe  IL  c 
gobin  fr.  —  gobbo 
gocciola  it.  —  gotta 
godailler,  godon  fr.  —  goda  II.  c 
godo  sp.  —  goda  IL  c 
gofon  pr.  —  gonzo 
goguenard  fr.  —  gogue  IL  c 
goinfre  pg.  —  goda  IL  c 
goiva  pg.  —  *gubia 
goivo  pg.-  —  godere 
golafre  sp.  —  goliart  II.  c 
golondrina  sp.  —  rondine 
golpe  sp.  —  oolpo 
gombito,  gomito  it.  —  cubito 
gond  fr.  —  gonzo 
gonfler  fr.  —  gonfiare 
gorbia  it.  —  *gubia 
göret  fr.  —  gorre  IL  c  (2) 
gorge  fr.  —  gorgo 
gorgia,  gorgogliare  it.  —  gorgo 
gorgomillera  sp.  —  *gargatta 
gormar  sp.  —  gourme  IL  c  (1) 
goro  pg.  —  huero  IL  b 
gorrin  sp.  —  gorre  II.  c  (2) 
gorupo  sp.  —  groppo 
gosier  fr.  —  *gueux  IL  c 
gosma  pg.  —  gourme  IL  c  (1) 
gouache  fr.  *guado 
goudron  fr.  —  catrame 


gouffre  fr.  —  golfo 
gonge  fr.  —  *gubia 
gouine  fr.  —  goda  II.  c 
goujat  fr.  —  gouge  II.  c 
gouliafre  fr.  —  goliart  IL  c 
goupil,  goupillon  fr.  —  golpe 
goupiller  fr.  —  volpilh  IL  c 
gour  fr.  —  gorgo 
gourd  fr.  —  gordo 
gourde  fr.  —  cucuzza 
gourmette  fr.  —  grumo 
gousse  fr.  —  guscio 
goutte  fr.  —  gotta 
goz  pr.  —  *cuccio 
gozne  sp.  —  gonzo 
gozque  sp.  —  *cuccio 
gozzoviglia  it.  —  gozzo  IL  a 
grabar  sp.  —  graver  IL  c 
grada  sp.  —  *grata 
gragea  sp.  —  *treggea 
grahusa  pr.  —  grabuge  II.  c 
graigne  fr.  —  gramo 
graille  fr.  —  *gracco 
graja  sp.  —  *graccho 
grajo  it.  —  blaireau  IL  c 
gramalla  sp.  —  camaglio 
gramallera  sp.  —  cremaillon  IL  c 
gramilla  sp.  —  grama 
grancire  it.  —  granchio 
grange  fr.  —  granja 
grangear  sp.  —  granja 
granguejo  pg.  —  granchio 
granter  fr.  —  creanter  IL  c 
granza  sp.  —  garance  II.  c 
grappe,  grappin  fr.  —  *grappa 
graspo  it.  —  raspare 
gratnser  fr.  —  grattare 
gravelle  fr.  —  greve  IL  c 
gravier,  gravois  fr.  —  greve  IL  c 
graznar  sp.  —  gracidare 
gre  fr.  —  grado 
greanter  fr.  —  creanter  IL  c 
gredin  fr.  —  gretto 
gröge  fr.  —  *greggio  IL  a 
grele,  greler  fr.  —  grÖB  IL  c 
grelo  pg.  —  grillo  IL  b 
grenon  fr.  —  grena 
gr68Ü  fr.  —  gros  II.  c 
grief  fr.  —  *greve 
grifaigne  fr.  —  grif  IL  c 
grifo  it.  —  grif  II.  c 
grigio  it.  —  griso 
grignoter  fr.  —  grignon  IL  c 
gril,  grille  fr.  —  *grata 
grimace  fr.  —  grima  IL  b 
grimpa  pg.  —  guimple  II.  c 
grimpola  sp.  —  guimple  IL  c 
grinalda  pg.  —  ghirlanda 
grinza  it.  —  grimo  IL  a 
gripo  sp.  —  gripper  IL  c 
grippo  it.  —  gripper  IL  o 
grisette  fr.  —  griso 
gritar  sp.  —  gridare 
grogner,  groin,  fr.  —  grugnire 

51 


802 


REGISTER 


grola  it.  —  grole  II.  c 

groncer,  gronder  fr.  —  grugnire 

grotesco  it.  —  grotta 

grotto  it.  —  agrotto  II.  a 

groupe  fr.  —  groppo 

gruccia  it.  —  *croccia  x 

grude  pg.  —  glu  II.  c 

grueso  sp.  —  grosso 

grumeler  fr.  —  grumo 

grupo  sp.  —  groppo 

gruta  8p.  —  grotta 

guacharo  sp.  —  *guado  (l) 

guadarella  it.  —  gualda 

guajo  it.  —  guai 

gualdo  sp.  —  gualda 

gualercio  it.  —  *lercio  II.  a 

guapo  sp.  —  guappo 

guardingo  it.  —  *guardare 

guarismo  sp.  —  alguarismo  II.  b 

guarnaccia,  guarnello  it.  —  guarnire 

guascotto  it.  —  biscotto 

guattera  it.  —  guetre  II.  c 

guazardon  pr.  —  guiderdone 

guazzo  t*.  —  *guado  (1) 

gue  fr.  —  *guado  (1) 

guede  fr.  —  guado  (2) 

guedeja  sp.  —  vedija  II.  b 

guenchir  fr.  —  ganchir  II.  c 

guer,  guerle  pr.  —  guercio 

gaercho  sp.  —  guercio 

guerdon  fr.  —  guiderdone 

guere  fr.  —  guari 

gueret  fr.  —  barbecho 

guerir,  guerite  fr.  —  guarire 

guermenter  fr.  —  *gaimenter  II.  c 

guet,  guetter  fr.  —  guatare 

gueude  fr.  —  geldra 

guever  fr.  —  gaif  II.  c 

guia  pr.  —  guisa 

guiar  sp.  —  *guidare 

guider,  guidon  fr.  —  *guidare 

guiggia  it.  —  guiche  II.  c 

guigne  fr.  —  "visciola 

guigner  fr.  —  ghignare 

guilha  pg.  —  guile  II.  c 

guimauve  fr.  —  malvavischio 

guinda  sp.  —  *visciola 

guindar  sp.  —  ghindare 

guinder  fr.  —  ghindare 

guiftar  sp.  —  ghignare 

guiren  pr.  —  guarento 

guirlande  fr.  —  ghirlanda 

guirnalda  sp.  —  ghirlanda 

guitarra  sp.  —  chitarra 

guitarre  fr.  —  chitarra 

guitran  fr.  —  catrarae 

guivre  fr.  —  givre  II.  c  (1) 

guizzo  it.  —  vizzo  II.  a 


H. 


c 
haca 


haberia  sp.  —  avaria 
habla,  hablar  sp.  —  favola 


habler  fr.  —  favola 

hacha  sp.  —  accia 

hacha  sp.  —  fiaccola 

hache  fr.  —  accia 

hacia  sp.  —  faccia 

hacienda  sp.  —  faccenda 

hacina  sp.  —  fascio 

hada  sp.  —  fata 

halbrene  fr.  —  halbran  IL  c 

halcon  sp.  —  falcone 

halda  sp.  —  *falda 

haleche  sp.  —  laccia 

haieine  fr:  —  alenare 

haier  fr.  —  hal&r 

hallebarde  fr.  —  alabarda 

haloza  sp.  —  *galoscia 

hamac  fr.  —  *amaca 

hamaca  sp.  —  *amaca 

hamecon  fr.  —  ancino 

hampa  sp.  —  vampo  II.  a 

hanap  fr.  —  anappo 

hanche  fr.   —  *anca 

haner  fr.  —  affanno 

hangar  fr.  —  angar  II.  c 

hansart  fr.  —  hansacs  II. 

haquenee,  haquet  fr.  —  hi 

haraldo  sp.  —  araldo 

haraler  fr.  —  harer  IL  c 

harangue  fr.  —  aringo 

harapo  sp.  —  arpa 

harceler  fr.  —  *herse  II.  c 

harcelle  fr.  —  hard  II.  c 

harda  pg.   —  arda  IL  b 

harde,  hardes  fr.  —  hard  IL  c 

hardi  fr.  —  ardire 

hareng  fr.  —  aringa 

harer  fr.  —  haro  IL  c 

harlot  fr.  —  arlotto 

harnacher,  harnois  fr.  —  arnese 

harouche  fr.  —  farouche  II.  c 

harpe,  harper,  harpon  fr.  —  arpa 

hasard  fr.  —  azzardo 

haschie  fr.  —  haschiere  II.  c 

hasple  fr.  —  aspo 

hastas  sp.  —  hasta  IL  b 

haatio  sp.  —  *fastidio 

haubert  fr.  —  usbergo 

hausser  fr.  —  alzare 

havet  fr.  —  *haver  IL  c 

haya  sp.  —  faggio 

haz  sp.  —  faccia  u.  *fascio 

heaume  fr.  —  elmo 

heberger  fr.  —  *albergo 

hechicero,  hechizo  sp.  —  fattizio 

hedo  sp.  —  feo  IL  b 

helas  fr.  —  lasso 

helecho  sp.  —  felce 

helt  fr.  —  *elsa  II.  a 

hendrija  sp.  —  rendija  IL  b 

heraut  fr.  —  araldo 

heri8ser,  herisson  fr.  —  riccio  (1) 

hermine  fr.  —  annellino 

heron  fr.  —  aghirone 

herren  sp.  —  ferrana 


REGISTER. 


803 


herrojo  sp.  —  verrou  IL  c 

herrumbre  sp.  —  herrin  II.  b 

heur,  heureux  fr.  —  augurio 

heurt,  heurter  fr.  —  urtare 

heux  fr.  —  *elsa  IL  a 

hicier  fr.  —  *izza  IL  a 

hieble  fr.  —  ebbio 

hienda  sp.  —  fiente  IL  c 

hier  fr.  —  ieri 

higado  sp.  —  *fegato 

hincar  ap.  —  ficcare 

hinojo  sp.  —  finocchio 

hinojo  sp.  —  ginocchio 

hirondelle  fr.  —  rondine 

hisser  fr.  —  issare 

hita,  hito  sp.  —  fitto 

hiver  fr.  —  inverno 

hobereau  fr.  —  hobin  IL  c 

hoche  fr.  —  hoc  IL  c 

hogaza  sp.  —  focaccia 

holgin  sp.  —  jorgina  II.  b 

hollar  sp.  —  *follare 

hombre,  homenage  sp.  —  uomo 

homme,  hommage  fr.  —  uomo 

hondo  sp.  —  fondo 

honnir,  honte  fr.  —  onire 

hopital  fr.  —  oste  (2) 

hopo  sp.  —  houppe  IL  c 

hoqueton  fr.  —  cotone 

horacar,  horadar  sp.  —  huraco  IL  b 

horde  fr.  —  orda 

hormis,  hors  fr.  —  fuora 

hose  fr.  —  uosa 

hote,  hotel  fr.  —  oste  (2) 

houle  fr.  —  *ola 

houppelande  fr.  —  *palandrano 

houseaux.  fr.  —  uosa 

houssine,  houssoir  fr.  —  houx  IL  c 

hoy  sp.  —  bggi  , 

hozar  sp.  —  hoz  IL  b  (1.  u.  2) 

hu  ata  sp.  —  ovata 

hucia  sp.  —  fiucia  IL  b 

hueca  sp.* —  hoc  IL  c 

huella  sp.  —  *follare 

huer  fr.  —  hu  IL  c 

huesped  sp.  —  oste  (2) 

hueste  sp.  —  oste  (1) 

huevos  sp.  —  uopo 

hui  fr.  —  oggi 

huis,  huissier  fr.  —  uscio 

huivar  pg.  —  *urlare 

hulla  sp.  —  *houille  IL  c 

hulotte  fr.  —  *urlare 

huna  sp.  —  hune  IL  c 

huppe  fr.  —  upupa 

liura  sp.  —  hure  IL  c 

huracan  sp.  —  *uracano 

hurafio  sp.  —  furo  IL  b 

hurepe  fr.  *—  herupe  IL  c 

hurgar  sp.  —  frugare 

hurler  fr.  —  *urlare 

husma  sp.  —  orma 

huta  sp.  —  hutte  IL  c 


i. 


ici  fr.  —  qui 

iddio  it.  —  dio 

if  fr.  —  iva 

ilhal  pg.  —  ijar  IL  b 

ilharga  pg.  ~  ijar  IL  b 

iman  sp.  —  diamante 

imbastare  it.  —  basto 

imbottatojo  it.  —  imbuto 

impacciare  it.  —  pacciare 

impeciare,  impegolare,  impiccare,  im- 

picciare  it.  —  pejar 
impla  sp.  —  guimple  IL  c 
impronta  it.  —  *imprenta 
improperar  sp.  —  improverare 
improperer  fr.  —  improverare 
inaffiare  it.  —  achar  IL  b 
mqa.r  pg.  —  *cnger  IL  c 
incastrare  it.  —  *cassa 
inchar  pg.  —  hinchar  IL  b 
inciampare  it.  —  tape  IL  c 
inde  fr.  —  indaco 
infingardo  it.  —  faint  IL  c 
infino  it.  —  fino  IL  a 
infrigno  it.  —  *frignare  IL  a 
ingenieur  fr.  —  ingegno 
ingombro  it.  —  colmo 
ingordo  it.  —  gordo 
ingremance  fr.  —  negromante 
inhilar  pg.  —  hennir 
innanzi  iL  —  anzi 
innaverare  it.  —  *naverare 
insetare  it.  —  *innesto  IL  a 
insieme  it.  —  insembre 
insino  it.  —  *sino  IL  a 
inteiricar  pg.  —  intero 
intirizzare  it.  —  intero 
intriguer  fr.  —  tricare  * 

intrincar  sp.  —  tricare 
introcque  it.  —  mentre 
iqui  fr.  —  qui 
irmSo  pg.  —  hermano  IL  b 
isnel  fr.  —  snello 
issa  it.  —  esso 
issi  fr.  —  cosi 
issir  fr.  —  *escire 
issue  fr.  —  *escire 
itant  fr.  —  cotanto 
itel  fr.  —  cotale 
ive  fr.  —  *cavallo 
ivoire  fr.  —  avorio 
ivraie  fr.  —  ebbriaco 


J. 

ja  fr.  —  gia 

jabalina  sp.  —  *giavelotto 
jaboter  fr.  —  jabot  IL  c 
jacerina  sp.  —  ghiazzerino 
jaco  sp.  —  giaco 
jadeau  fr.  —  gavetta 
jaelise  fr.  —  *gasalha 


804 


REGISTER. 


jal,  jau  pr.  —  coq  IL  c 
aide  «p.,  jalne  pg.  —  giallo 
alon  fr.  — -  j auger  II.  c 
aloux  fr.  —  zelo 
amba,  jamon  sp.  —  *gamba 
ambe,  jambon  fr.  —  *gamba 
anella  pg.  —  ventana  IL  b 
aque  fr.  —  giaco 
ardin  sp.  —  giardino 
ardin  fr.  —  giardino 
argon  fr.  —  gergo 
arra  sp.  —  giara 
arre  fr.  —  giara 
arret  fr.  —  *garra 
arrete  sp.  —  *garra 
a8min  fr.  —  gesmino 
asse  pr.  —  se  II.  c 
atte  fr.  —  gavetta 
aula  sp.  —  gabbia 
aune  fr.  —  giallo 
auzion,  jauzir  pr.  —  godere 
iaveline,  javelot  fr.  —  *giavelotto 
avelle  fr.  —  gavela 
azerant  fr.  —  ghiazzerino 
e  fr.  —  io 
eter  fr.  —  gettare 
eudi  fr.  —  giovedl 
eüne  fr.  —  giunare 
ocera  pg.  —  gioglio 
oelho  pg.  —  ginocchio 
oglar  sp.  —  giocolaro 
oie  fr.  —  godere 
oli  fr.  —  giulivo 
ongleur  fr.  —  giocolaro 
onquille  fr.  —  giunchiglia 
orro  pg.  —  chorro  IL  b 
oubarbe  fr.  —  jusbarba 
oue  fr.  —  gota 
ouir  fr.  — »  godere 
our  fr.  —  giorno 
oute,  jouter  fr.  —  giusta 
oya,  joyel  sp.  —  godere 
oyau  fr.  —  godere 
oyo  sp.  —  gioglio 
ubon  sp.  —  giubba 
ucher  fr.  —  juc  IL  c 
uelh  pr.  —  gioglio 
ueves  sp.  —  giovedl 
ujube  fr.  —  giuggiola 
iulep  fr.  —  giulebbe 
iulepe  sp.  —  giulebbe 
upe  fr.  —  giubba 
usarme  fr.  —  giusarma 
usquiame  fr.  —  giusquiamo 
ustar  sp.  —  giusta 


L. 

labarda  it.  —  alabarda 
labech  pr.  —  libeccio 
lacchetta  it.  —  racchetta 
lache,  lächer  fr.  —  *laseiare 
lacs  fr.  —  laccio 


ladino  it.  —  latino 

ladino  sp.  —  latino 

ladon  sp.  —  xara  II.  b 

ladre  fr.  —  *lazaro 

lagarto  sp.  —  lacerta 

lai  it.  —  lai  II.  c 

laiche  fr.  —  lisca 

la;denge  fr.  —  Iaido 

laier  fr.  —  *lasciare 

laisser  fr.  —  *lasciare 

laiton  fr.  —  ottone 

laja  sp.  —  lasca  IL  b 

lamaneur  fr.  —  *locman  IL  c 

lambel  sp.  —  lambeau  II.  c 

lambrequin  fr.  —  lambeau  II.  c 

lambris  fr.  —  lambre  IL  c 

lamproie  fr.  —  lampreda 

lance,  lancer  fr.  —  lancia 

lancha  sp.  —  lasca  II.  b 

landre  sp.  —  lande  IL  b 

landreux  fr.  —  lendore  II.  c 

lanza  sp.  —  lancia 

lanzo  it.  —  lanzichenecoo 

laüa  sp.  —  lama  (2) 

laquais  fr.  —  *lacayo 

laranja  pg.  —  arancio 

lascio  it.  —  laisse  IL  c 

lasco  it.  —  *lasciare 

lasquenete  sp.  —  lanzichenecco 

laste,  laste  fr.  —  lasso 

lastima  sp.  —  biasimo 

lastra  it.  —  lasto 

lastre  sp.  —  lasto 

lastrico  it.  —  piastra 

latir  sp.  —  ghiattire 

laton  sp.  —  ottone 

laud  sp.  —  liuto 

laudemio  it.  sp.  —  lusinga 

lausa  pr.  —  *losa 

lavange  fr.  —  avalange  II.  c 

lave  fr.  —  lava  II.  a 

lavello  it.  —  avello  II.  a 

lazo  sp.   —  laccio 

lazzarone  it.   —  *lazaro 

lazzeretto  it.  —  *lazaro 

le  fr.  —  il 

leans  fr.  —  ens  II.  c 

leardo  it.  —  *liart  II.  c 

lebeche  sp.  —  libeccio 

lebrel  sp.  —  levriere 

leccio,  leccete  sp.  —  elce 

leche  fr.  —  lisca 

lecher  fr.  —  leccare 

lechuzo  sp.  —  lechon  II.  b 

leger  fr.  —  lieve 

leggiero  it.  —  lieve 

legorizia  it.  —  regolizia 

legua  sp.  —  lega 

leixar  pg.  —  *lasciare 

lella  ü.  —  enola 

lembrar  pg.  —  membrare 

lendemäin  fr.  —  mane 

lente  fr.  —  *lendine 

Jepar  pr.  —  lappare 


REGISTER. 


805 


ero  it.  —  ervo 
lerdo  sp.  —  *lordo 
6sine  flr.  —  lesina 
eemä  pg.  —  lumaocia 
essive  flr.  —  lisciva 
lest  fr.  —  lasto 
eu  pr.  —  leve  IL  b  t*.  lieve 
eudo  sp.  —  *lievito 
eur  fr.  —  egli 
leurre  fr.  —  logoro 
evedo  pg.  —  *Uevito 
exia  sp.  —  lisciva 
ezard  fr.  —  lacerta 
libistico  it.  —  levistico 
iendre  8p.  —  *lendine 
ienzo  sp.  —  lenza 
ierre  fr.  —  edera 
ieue  fr.  —  lega 
igio  it.  —  lige  II.  c 
ilas  fr.  —  lilac 

imace,  limacon  fr.  —  lumaccia 
imaza  sp.  —  lumaccia 
imon  sp.  —  lerne  II.  b 
imon  fr.  —  lerne  II.  b 
in  fr.  —  linea 
inceul  fr.  —  lenza 
irio  sp.  —  giglio 
iron  sp.  —  ghiro 
is  fr.  —  giglio 
isera  sp.  —  lista 
isiere  fr.  —  lista 
iso  sp.  —  liscio 
isse  fr.  —  liscio 
isto  sp.  —  lesto 
itera  sp.  —  lettiera 
itiere  fr.  —  lettiera 
iveche  fr.  —  levistico 
livianos  sp.  —  leve  II.  b 
iza  sp.  —  liccia 
izne  sp.  —  liscio 
lamar  sp.  —  chiamare 
lares  sp.  —  lar 
lueco  sp.  —  chiocciare 
luvia  sp.  —  pioggia 
oco  sp.  —  locco 
odola  it.  —  allodola 
oendro  pg.  —  oleandro 
oge,  loger,  logis  fr.  —  loggia 
oir  fr.  —  ghiro 
ioire  pr.  —  logoro 
oiria  pr.  —  lontra 
olla  it.  —  loppa  II.  a 
omia  it.  —  limone 
lonja  sp.  —  loggia 
onja  sp.  —  longe  IL  c  (1) 
oquet  fr.  —  loc  II.  c 
oro  ü.  —  egli 
lors  fr.  —  ora  (2) 
oscnge  fr.  —  lusinga 
osna  pg.  —  aluine  II.  c 
ot  fr.  —  lotto 
oterie  fr.  —  lotto 
ouange  fr.  —  lusinga 
ouco  pg.  —  locco 


lourd  fr.  —  *lordo 
lousa  pg.  —  loura  II.  b 
loutre  fr.  —  lontra 
louvoyer  fr.  —  lof  II.  c 
loyer  fr.  —  louer  IL  c  (2) 
lubie  fr.  —  *ubbia  IL  a 
lucchetta  it.  —  loc  II.  c 
lucerta  it.  —  lacerta 
lucherä  it.  —  *luquer  IL  c 
luego  sp.  —  loco 
lues  fr.  —  loco 
lui  it.  —  egli 
lui  fr.  —  egli 

*lumignon  fr.^ —  *lumignon 
luneß  sp.  —  lunedi 
luseau  fr.  —  luoillo  II.  b 
luset  fr.  —  *merluzzo 
lusignuolo  it.  —  rosignuolo 
luth  fr.  —  liuto 
lutria  sp.  —  lontra 
luva  pg.  —  lua  IL  b 


M. 


ma  it.  —  mai 

maca  pg.  —  'ämaca 

maca  sp.  —  macco 

maoca  it.  —  macco 

machacar,  machucar,  sp.  —  macho  IL  b 

machar  sp.  —  macho  II.  b 

mächer  fr.  —  masticare 

mächurer  fr.  —  maschera 

macigno  it.  —  madna  IL  a 

madexa  sp.  —  matassa 

madiö  it.  —  dio 

madios  sp.  —  dio 

madraco  pg.  —  materasso 

maglia  it.  —  macchia 

magnano  it.  —  *mafia  II.  b 

magoa  pg.  —  macchia 

magot  fr.  —  *magone  IL  a 

maguer  pg.  —  macari  IL  a 

mahon  flr.  —  pavot  II.  c 

maidieu  fr.  —  dio 

mail  fr.  —  maglio 

maille  fr.  —  macchia 

maille  fr.  —  medaglia 

main  ((ulv.)  fr.  —  mane 

mainada  pr.  —  magione 

maintenant  fr.  —  immantinente 

maintenir  fr.  —  mantenere 

mais  fr.  —  mai 

maison  fr.  —  magione 

mait  fr.  —  madia  II.  a 

maitre  fr.  —  maestro 

majar  sp.  —  maglio 

mal  t*.  —  ora  (l) 

malade  fr.  —  *malato 

malaise  fr.  —  *agio 

malandrin  sp.  —  landra 

malandrino  it.  —  landra 

malavez  sp.  —  aves  II.  b 

malgre  fr.  —  grado 


806 


REGISTER. 


malheur  fr.  —  äugurio 
malina  sp.  —  bonaccia 
malingre  fr.  —  heingre  II.  c 
malle  fr.  —  mala 
malogro  «sp.  —  logro  II.  b 
malotru  fr.  —  astro 
malviz  sp.  —  mauvis  II.  c 
manada  sp.  —  mägione 
manant  fr.  —  *mas 
mancha,  mancilla  sp.  —  macchia 
manche  fr.  —  manico 
manchot  fr.  —  *manco 
mancip  pr.  —  mancebo  II.  b 
mandola  it.  —  pandura 
mandore  fr.  —  pandura 
mane8calc  fr.  —  mariecalco 
manga  sp.  —  manico 
manganilla  sp.  —  mangano 
manger  fr.  —  *mangiare 
mango  sp.  —  manico 
mangoneau  fr.  —  mangano 
mangra  pg.  —  mangla  II.  b 
manicordion  fr.  —  monocordo 
manier  fr.  —  menear  II.  b 
maniqui  sp.  —  mannequin  II.  c 
manlevar  sp.  —  mallevare 
manna  it.  —  *maÖa  II.  b 
mannequin  fr.  —  manne  II.  c 
mano  pg.  —  hermano  II.  b 
manoir  fr.  -—  *maB 
manovaldo  it.  —  mondualdo  IL  a 
manso  sp.  —  manso 
manto  it.  —  maint  II.  c 
manucare  it.  —  *mangiare 
manzo  it.  —  manso 
manana  sp.  —  mane 
mar  adv.  fr.  —  ora  (1) 
marage  fr.  —  *mare 
maraia,  marois  fr.  —  *mare 
marame  it.  —  *marrir 
marafia  sp.  —  *marrir 
marazzo  it.  —  *mare 
marcear  sp.  —  *marza  II.  a 
marchais  fr.  —  *mare 
marchand  fr.  —  marche  II.  c 
marchar  sp.  —  *marcher  II.  c 
marche  fr.  —  marca 
marchese  it.  —  marca 
marciare  it.  —  *marcher  II.  c 
marcone  it.  —  macho  II.  b 
mar corel la  it.  —  mercorella  II.  a 
marcotte  fr.  —  margotta 
mardi  fr.  —  martedi 
marecage  fr.  —  *mare 
marechal  fr.  —  mariscalco 
marese  it.  —  *mare 
margolato  it.  —  margotta 
margue  pr.  —  manico 
margulhao  pg.  —  marangone  II.  a 
marjolaine  fr.  —  majorana 
marmaglia  it.  —  merme 
marmelo  pg.  —  membrillo  II.  b 
maronier  fr.  —  maron  IL  c 
marotte  fr.  —  marionette  II.  c 


marque,  marquis  fr.  —  marca 

marques  sp.  —  marca 

marra  sp.  —  marron  IL  b 

marrano  it.  —  marrano  IL  b 

marrar  sp.  —  *marrir 

marritta  it.  —  ritto 

marron  fr.  —  marrone  IL  a 

marteau  fr.  —  martello 

martes  sp.  —  martedi 

martre  fr.  —  martora 

marves  pr.  —  *manevir  IL  c 

maß  sp.  —  mai 

masa  sp.  —  *mas 

mascar  sp.  —  masticare 

mascarra  pg.  —  maschera 

masnada  it.  —  magione 

masque  fr.  —  maschera 

massaro  it.  —  *mas 

masse,  massue  fr.  —  mazza 

massepain  fr.  —  marzapane 

mastin  sp.  —  magione 

mastin o  it.  —  magione 

mastouche  fr.  —  *nasturzio 

mastuerzo  sp.  —  *nasturzio 

mat  fr.  —  masto 

matalahua  sp.  —  batafalua  IL  b 

matar  sp.  —  matto 

matita  it.  —  amatita  IL  a 

matou  fr.  —  *micio 

matracca  it.  —  matraca  IL  b 

matelas  fr.  —  materasso 

matin  fr»  —  mane 

matin  fr.  —  magione 

mattino  it.  —  mane 

maussade  fr.  —  sade  IL  c 

mauvais  fr.  —  *malvagio 

mazapan  sp.  —  marzapane 

mazo  sp.  —  mazzo 

me-,  mes-  fr.  —  mis 

mec  pr.  —  mego  IL  b 

mecha  sp.  —  micciä 

meche  fr.  —  miccia 

mechef  fr.  —  menoscabo 

meda,  medano,  megano  sp.  —  ineta 

medecin  fr.  —  mege 

medeBimo  it.  —  medes 

mege  fr.  —  mege 

mehaing  fr.  —  magagna 

meia  pg.  —  media  II.  b 

meimandro  pg.  —  milmandro  IL  b 

meiminho  pg.  —  mimar  IL  b 

melange,  meler  fr.  —  mischiare 

melarancia  it.  —  arancio 

mella  pr.  —  mandorla 

melsa  sp.  —  milza 

meme  fr.  —  medes 

mena  it.  —  menare 

mena  sp.  —  menare 

menace  fr.  —  minaccia 

menester,  menestral  sp.  —  mestiero 

menetrier  fr.  —  mestiero 

menguar  sp.  —  menovare 

menino  sp.  —  mina  (2) 

mensonge  fr.  —  *menzogna 


REGISTER. 


807 


mentira  sp.  —  *menzogna 

mentoivre  fr.  —  mentar 

mentovare  it.  —  mentar 

menu,  menuet,  menuisier  fr.  —  minuto 

merci  fr.  —  merce 

mercredi  fr.  —  mercoledi 

merlon  fr.  —  raerlo 

merluche  fr.  —  *merluzzo 

merma  sp.  —  mcrme 

merveille  fr.  —  maraviglia 

me8quin  fr.  —  meschino 

metä  it.  —  *mezzo 

metail  fr.  —  medaglia 

metairie  fr.  —  *mezzo 

metayer  fr.  —  *mezzo 

mete,  mette  fr.  —  meta 

metier  fr.  —  niest iero 

metis  fr.  —  mestizzo 

metralla  sp.  —  mitraille  IL  c 

meugler  fr.  —  mugghiare 

meunier  fr.  —  mulino 

mezclar  sp.  —  mischiare 

mi  fr.  —  *mezzo 

miche  fr.  —  mica 

mie  fr.  —  mica 

mieg  pr.  —  *mezzo 

miercoles  sp.  —  mercoledi 

mignard  fr.  —  mignon  IL  c 

mignatia  it.  —  miniare 

mignone  it.  —  mignon  IL  c 

migraine  fr.  —  magrana 

migrafia  sp.  —  magrana 

mille  sbst.  fr.  —  miglio 

mimma  it.  —  mimar  IL  b 

mineral  fr.  —  mina  (1) 

mi  nette,  minon  fr.  —  mina  (2) 

mingherlino  it.  —  heingre  IL  c 

mingrana  sp.  —  milgrana  IL  b 

mintro  it.  —  mentre 

minuzzare  it.  —  minuto 

mirabolano  sp.  —  *mirabella 

miraglio  it.  —  miroir  IL  c 

misa  sp.  —  messa 

mismo  sp.  —  medes 

mistral  fr.  —  maestro 

mitad  sp.  —  *mezzo 

mitaine  fr.  —  *mezzo 

mite,  mitou  fr.  —  *micio 

moccolaja  sp.  —  moccio  IL  a 

moccolo  it.  —  moccio  II.  a 

mochin,  mocho  sp.  —  mozzo 

modele  fr.  —  modano 

mofletes  sp.  —  muffare 

mofo,  mofino  sp.  —  muffo 

mogio  it.  —  murrio  II.  b 

mogote  sp.  —  mogo  IL  b 

mono,  mohino  sp.  —  muffo 

moie  fr.  —  meta 

moie  fr.  —  meule  IL  c 

moignon  fr.  —  *mnfion 

moing  fr.  —  muöon 

mois  pr.  —  moscio 

moitie  fr.  —  *mezzo 

mojar,  moje  sp.  —  molla 


molde  sp.  —  modano 

molho  pg.  —  manojo  IL  b 

molino  sp.  —  *mulino 

molle  it.  —  molla 

molleja,  molleta  sp.  —  molla 

mollet  fr.  —  molla 

molondro  sp.  —  landra 

momio  sp.  —  mummia 

monco  it.  —  *manco 

monseigueur,  monsieur  fr.  —  signore 

morailles  fr.  —  *morro  IL  b 

moraine  fr.  —  mora 

morcego  pg.  —  murciego  IL  b 

morga  sp.  —  morchia 

morgeline  fr.  —  coq  IL  c 

morno  pg.  —  morne  II.  c 

moron  sp.  —  mora 

morre  pr.  —  *morro  IL  b 

mortier  fr.  —  mortajo        # 

morueco  sp.  —  marron  II.  b 

morve  fr.  —  mormo 

mosaique  fr.  —  musaico 

mostaza  sp.  —  in  ob  tarda 

motin  sp.  —  meute  IL  c 

moufette  fr.  —  muffo 

moufle,  moufler  fr.  —  muffare 

mouiller  fr.  —  molla 

moule  fr.  —  modano,  nicchio 

moulin  fr.  —  mulino 

mousquet  fr.  —  moschetto 

mousse  fr.  —  mozzo 

mous8c  fr.  —  *mozo  IL  b 

mou8seline  fr.  —  mussolo 

mousser,  mousseron  fr.  —  mousse  IL  c 

moustacbe  fr.  —  mostaccio 

moutarde  fr.  —  mos  tarda 

mouton  fr.  —  montone 

moyen  fr.  —  *mezzo 

moyo  sp.  —  moggio 

mozzetta  it.  —  almussa 

mozzo  it.  —  *mozo  IL  b 

muceta  sp.  —  almussa 

muci  it.  —  *micio 

mueca  sp.  —  *moquer  IL  c 

muelle  sp.  —  molla 

muelle  sp.  —  molo  • 

muermo  sp.  —  mormo 

muge  fr.  —  muggine 

mughetto  it.  —  mugue  IL  c 

mugnajo  it.  —  *mulino 

muid  fr.  —  moggio 

muir  sp.  —  mungere 

muire  fr.  —  moja 

muito  pg.  —  mucho  IL  b 

mujar  sp.  —  mugghiare 

mulätre  fr.  —  mulato  IL  b 

mulet  fr.  —  muggine 

muliaca  it.  —  meliaca  IL  a 

mulilla  sp.  —  mula 

mulon  fr.  —  meule  IL  c 

muneca  sp.  —  *  muöon 

munto  it.  —  mungere 

muradal  pg.  —  muladar  IL  b 

murecillo  sp.  —  mur 


808 


REGISTER. 


murganho  pg.9  musgafio  sp.  —  mur 

murria  sp.  —  moja 

mursa  pg.  —  almussa 

mu8eau,  muser  fr.  —  muso 

mustio  sp.  —  moscio 

mulin  fr.  —  meute  II.  c 

muy  sp.  —  mucho  II.  b 


N. 


na  pr.  sbst.  —  donno 
nabisso  it.  —  abisso 
nacar  sp.  —  nacchera 
nache  fr.  —  natica 
nacre  fr.  —  nacchera 
nagruere  fr.  —  guari 
naibi  it.  —  naipe  II.  b 
nalga  sp.  —  natica 
nantir  fr.  —  *nams  II.  c 
naranja  sp.  —  arancio 
narquois  fr.  —  narguer  II.  c 
nasitort  fr.  —  *nasturzio 
naepo  ü.  —  aspo 
nauclero  sp.  —  nocchiero 
navire  fr.  —  *navilio 
navrer  fr.  —  *naverare 
ne  it.  —  indi 

neanmoine,  neant  fr.  —  niente 
nedeo  pg.  —  netto 
neel  fr.  —  niello 
nefa  pr.  —  niffa 
nefle  fr.  —  nespola 
negaca  pg.  —  afiagaza  II.  b 
neguilla  sp.  —  niello 
nenhum  pg.  —  niunp 
nenni  sp.  —  ne  II.  c 
nespera  sp.  —  nespola 
nesto  it.  —  *innesto  II.  a 
niais  fr.  —  nido 
niche  fr.  —  nicchio 
niche  fr.  —  nique  II.  o 
nicho  sp.  —  nicchio 
nidio,  nidiace  it.  —  nido 
niego  sp.  —  nido 
nieule  fr.  —  nevula 
nigaud  fr.  —  nee  II.  c 
ninferno  it.  —  abisso 
ninguno  sp.  —  niuno 
ninho,  ninhego  pg.  —  nido 
nitrire  it.  —  hennir 
niveau,  niveler  fr.  —  libello 
nivel  sp.  —  libello 
nocher  fr.  —  nocchiero 
noer  fr.  —  notare 
nolis  fr.  —  nolo 
nombril  fr.  —  *ombelico 
nonada  sp.  —  nada  II.  b 
nonnain  fr.  —  nonno 
norabuena  sp.  —  ora  (1) 
novias  pr.  —  novio  II.  b 
noyer  fr.  —  negare 
nuance  fr.  —  nuer  II.  o 
nuque  fr.  —  *nuca 
nutria  sp.  —  lontra 


0. 

octroyer  fr.  —  otriare 

od  fr.  —  appo 

oes  fr.  —  uopo 

ogan  pr.  —  *uguanno 

ogre  fr.  —  orco 

ogro  sp.  —  orco 

oie  fr.  —  oca 

oille  fr.  —  olla  II.  b 

oiseau  fr.  —  uccello 

oison  fr.  —  oca 

olvidar  sp.  —  obblio 

olzina  pr.  —  elce 

omai  it.  —  oggi 

ommaggio  it.  —  nomo 

on  fr.  —  nomo 

onc,  onques  fr.  —  *anche 

once  fr.  —  *lonza 

onta  it.  —  onire 


onza  sp. 


'lonza 


ora,  oreggio,  orezzo  it.  —  anrä 

orage,  orear,  oreo  sp.  —  aura 

orage,  ore  fr.  —  aura 

orange  fr.  —  arancio 

oreille  fr.  —  orecchia 

orfövre  fr.  —  forgia 

orge  fr.  —  orzo 

orgue  fr.  —  organo 

orgueil  fr.  —  orgoglio 

orilla  sp.  —  *orlo 

orin  sp.  —  ruggine 

oripeau  fr.  —  orpello 

oropel  sp.  —  orpello 

orre,  orrezar  pr.  —  ordo 

orteil  fr.  —  artiglio 

oruga  sp.  —  ruca 

ospres  fr.  —  *orfraie  II.  c 

otage  fr.  —  ostaggio 

otogar  sp.  —  otriare 

ou  fr.  —  o 

oü  fr.  —  ove 

ouaie  fr.  —  guai 

ouan  fr.  —  *uguanno 

ouate  fr.  —  ovatä 

oublier  fr.  —  obblio 

oueo  pg.  —  hueco  II.  b 

ouragan  fr.  —  *uracano 

ouriep  pg.  —  riccio  (1) 

ourler  fr.  —  *orlo 

ouree  fr.  —  orza 

outarde  fr.  —  ottarda 

outorgar  pg.  —  otriare 

outreeuidanoe  fr.  —  *coitare 

ovvero  it.  —  o 

p. 

pabellon  sp.  —  padiglione 
paffuto  it.  —  papa 
paflon  sp.  —  pflafond  II.  c 
pa^e  fr.  —  paggio 
paüe  fr.  —  palio 


REGISTER 


809 


paillard,  paille  fr.  —  paglia 

pairol  fr.  —  *perol  II.  b 

paja  sp.  —  paglia 

palabra  sp.  —  *parola 

palanca  it.  sp.  —  pianca 

palco  it.  —  baloo 

palefroi  fr.  palafreno 

palizä  sp.  —  balisa 

palla  it.  —  balla 

palpet  pr.  —  *palpebra 

paltoquet  fr.  —  palletot  IL  c 

palurdo  sp.  —  *lordo 

pamer  fr.  —  spasimo 

päna  sp.  —  panne  II.  c 

panca  it.  —  banco 

panir  fr.  —  *pan  IL  o 

panoja  sp.  —  pannocchia 

pause  fr.  —  pancia 

panser  fr.  —  peso 

panteler  fr.  —  pantois  II.  c 

papel  sp.  —  papier  II.  c 

papelard  fr.  —  pappalardo 

papin  fr.   —  papa 

papoula  pg.  —  ababa  II.  b 

pappo  it.   —  papa 

papudo  sp.   —  papa 

päque  fr.   —  pasqua 

paquet  fr.   —  pacco 

paquete  sp.   —  pacco 

para  sp.  —  por 

parangon  fr.  —  paragone 

parapet,  parapluie,  parasol  fr. — parare 

pardal  sp.  —  pardo  II.  b 

pareil  fr.  —  pareochio 

parejo  sp.  —  parecchio 

paresse  fr.  —  pigrezza 

parlar  sp.  —  *parola 

parlare  it.  —  *parola 

parier  fr.  —  *parola 

panni  fr.  —  *mezzo 

paroisse  fr.  —  parrochia 

parpado  sp.  —  *palpebra 

parque  sp.  —  parco 

parquer  fr.  —  parco 

parvente  ü.  —  parven  II.  c 

pasear  sp.  —  passare 

pasmo  it.  —  spasimo 

pasmo  sp.  —  spasimo 

passeggiare  it.  —  passare 

passemeni  fr.  —  passamaoo 

patan  sp.  —  *patta 

pataud  fr.  —  *patta 

patauger  fr.  —  *patta    <. 

pate  fr.  —  pasta 

patear  sp.  —  *patta 

patin  fr.  —  *patta 

patrouille  fr.  —  pattuglia 

patruca  pg.  —  plie  II.  c 

patrulla  sp.  —  pattuglia 

pattino  it.  —  *patta 

päturon  fr.  —  *pastoja 

paul  pg.  —  padule  II.  a 

paumier  fr.  —  palmiere 

paupiere  fr.  —  *palpebra 


paura  it.  —  peur  IL  c 

pautonier  fr.  —  paltone  II.  a 

pavillon  fr.  —  padiglione 

pavio  pg.  —  pabilo 

pavois  fr.  —  pavese 

payen  fr.   —  pagano 

payer  fr.  —  pagare 

payla  sp.  —  poele  IL  o  (1) 

pays,  paysan  fr.  —  *paese 

peage  sp.  —  pedaggio 

peage  fr.  —  pedaggio 

pecchia  it.  —  ape 

pecchoro  it.  —  bicchiere 

pecego  pg.  —  persica 

peche  fr.  —  persica 

pecilgar  sp.  —  pellizcar  II.  b 

peconha  pg.  —  *pozione 

pecorea  sp.  —  picorer  IL  c 

pecoul  fr.  —  *picciuolo  II.  a 

pepo  pg.  —  pelago 

peigne  fr.  —  pettine 

peine  sp.  —  pettine 

pejo  pg.  —  piege  II.  c 

peleg  pr.  —  pelago 

pelerin  fr.  —  *pelleyrino 

pelisse  fr.  —  pelliccia 

pelitre  sp.  —  pilatro 

pella  pg.  —  poele  II.  c  (1) 

pelota  sp.  —  pillotta 

pelote  fr.  —  pillotta 

pelouse  fr.  —  peluche  II.  o 

pelpa  it.  —  *felpa 

peluca  sp.  —  piluccare 

penche  pr.  —  pettine 

pendeloque  fr.  —  loque  II.  c 

pendola,  pendon  sp.  —  pennone 

penil  fr.  —  pettine 

pensar  sp.   —  peso 

pensare  it.  —  peso 

penser  fr.  —  peso 

penzolo  it.  —  pentola  IL  a 

pefla  sp.  —  penna 

peon  sp.  —  pedone 

pepie  fr.  —  pipita 

pepita  sp.  —  pipita 

pequefio  sp.  —  piccolo 

percer  fr.  —  *pertugiare 

percha  sp.  —  perche  II.  c 

perdrix  fr.  —  perdice 

perexil  sp.  —  petrosellino 

pereza  sp.  —  pigrezza 

perfilar  sp.  —  profilare 

periquito  sp.  —  parocchetto 

pernice  it.  —  perdice 

pernio  sp.  —  perno 

perno,  pernio,  pernil  sp.  —  pierna  IL  b 

perola  pg.  —  *perla 

perpunte  sp.  —  ponrpoint  II.  c 

perroqnet  fr.  —  parocchetto 

perrnca  it.  —  piluccare 

perruque  fr.  —  piluccare 

persil  fr.  —  petrosellino 

perto  pg.  —  prieto  II.  b.  (1) 

pertuis  fr.  —  *pertugiare 


810 


REGISTER. 


pertuisane  fr.  —  partigiana 

pesca  iL  —  persica 

pesebre  pg.  —  greppia 

pesponto  pg.  —  pourpoint  II.  c 

pestafta  sp.  —  pestare 

petiller  fr.  —  petardo 

petit  fr.  —  pito 

petiscar  pg.  —  pito 

petrina  sp.  —  poitrine  II.  o 

petrosemolo  it.  —  petrosellino 

pezolh  pr.  —  pidocchio 

pezon  sp.  —  *picciuolo  IL  a 

piailler  fr.  —  piare 

picaro  sp.  —  picco 

picchio  it.  —  picco 

piccino  it.  —  piccolo 

picciolo  it.  —  piccolo 

pichel  sp.  —  bicchiere 

pichon  sp.  —  piccione 

piece  fr.  —  pezza 

pieton  fr.  —  pedone 

*pietre  fr.  —  *pietre 

pieza  sp.  —  pezza 

pifaro  sp.  —  *piva 

pifiFero  iL  —  *piva 

piffre  fr.  —  *piva 

pigeon  fr.  —  piccione 

pignon  fr.  —  penna 

pignone  it.  —  penna 

pigolare  it.  —  *piva 

pila  sp.  —  pella  II.  b 

pile  fr.  —  pella  II.  b 

piler,  piller  fr.  —  pigliare 

pillacchera  it.  —  zaccaro  II.  a 

pillar  sp.  —  pigliare 

piment  fr.  —  pimiento 

pimpa  pr.  —  *piva 

pincer  fr.  —  pizza 

pinchar,  pinzas  sp.  —  pizza 

pingue  sp.  —  pinque 

pintasirgo  pg.  —  pintacilgo  II.  b 

pinzo  iL  —  pizza 

pinzon  sp.  —  pincione 

pinata  sp.  —  pignatta  IL  a 

piojo  sp.  —  pidocchio 

piola  sp.  —  pihuala  IL  b 

pion,  pionnier  fr.  —  pedone 

piot  fr.  —  *pier  IL  c 

piovano  it.  —  pieve  IL  a 

pipa  sp.,  pipilar  pg.  —  *piva 

pipe  fr.  —  *piva 

pique  fr.  —  picco 

pisar  sp.  —  pestare 

piscar  pg.  —  pizza 

piser,  piste  fr.  —  pestare 

pisser  fr.  —  pisciare 

pistagna  iL  —  pestare 

pitance  fr.  —  pietanza 

pitar  pr.  —  pito 

pitorra  sp.  —  pito 

pittima  iL  —  bizma  IL  b 

piuolo  iL  —  *piva 

pivot  fr.  —  *piva 

pizca  sp.  —  pizza 


pizzico  iL  —  pizza 

placard  fr.  —  plaque  IL  c 

place  fr.  —  piazza 

plage  fr.  —  piaggia 

plaid,  plaider  fr.  —  *piato 

plamer  fr.  —  *pelare 

planche  fr.  —  pianca 

plasta  sp.  —  pasta 

plat  fr.  —  piatto 

plata  sp.   —  piatto 

platija  sp.  —  plie  IL  c 

plätre  fr.  —  piastra 

playa  sp.  —  piaggia 

plaza  sp.  —  piazza 

plegar  sp.  —  piegare 

pleige  fr.  —  plevir  IL  c 

pleito  sp.  —  *piato 

plessier  fr.  —  *plais  II.  c 

plier  fr.  —  piegare 

plonger  fr.  —  piombare 

ployer  fr.  —  piegare 

pluie  fr.  —  pioggia 

pobo  sp.  —  pioppo 

podar,  podon  sp.  —  *potare 

poge  fr.  —  poggia  IL  a 

poids  fr.  —  peso 

poignard  fr.  — .  pugnale 

poincpn  fr.  —  punzar 

point  fr.  —  punto 

poison  fr.  —  *pozione 

poissas  pr.  —  poi 

poisser  fr.  —  pegar 

polea  sp.  —  poulier  IL  c 

poleo  sp.  —  poleggio 

polgar  pr.  —  pollegar 

police  fr.  —  *polizza 

police  fr.  —  polizia 

polichinelle  fr.  —  pulcinello 

policia  sp.  —  *polizia 

poliza  sp.  —  *polizza 

polizon  sp.  —  polisson  II.  c 

poltron  fr.  —  "*poltro 

pompe  fr.  —  bomba  (2) 

ponzoBa  sp.  —  *pozione 

poppone  iL  —  pepin  II.c 

porcellana  it.  —  portulaoa 

porem  pg.  —  porende  II.  b 

poruec  fr.  —  perö  w.  *avec  IL  c 

po8  pr.  —  poi 

posar,  posada  sp.  —  pausare 

posare  iL  —  pausare 

poscia  it.  —  poi 

poser  fr.  —  pausare 

postierla  it.  —  poterne  II.  c 

postrar  sp.  —  prostrare 

potage  sp.  —  *pote 

potage  fr.  —  *pote 

pot-pourri  fr.  —  olla  IL  b 

potro  sp.  —  *poledro 

pottaggio  iL  — #*pote 

pou  fr.  —  pidocchio 

pouffer  fr.  —  buf 

pouliot  fr.  —  poleggio 

pouls  fr.  —  pulaar 


REGISTER. 


811 


poün  fr.  —  *|)otare 

poupa  pg.  —  upupa 

pour  fr.  —  por 

pourpier  fr.  —  portulaea 

pousalousa  pg.  —  *mariposa  II.  b 

pousse,  poussif  fr.  —  bolso  II.  a 

pousser  fr.  —  pulsar 

poussiere  fr.  —  *poudre  II    c 

poutre  fr.  —  *poledro 

pouvoir  fr.  —  potere 

poyo  sp.  —  poggio 

praia  pg.  —  piaggia 

preboste  sp.  —  prevosto 

predella  it.  —  *brida 

prego  pg.  —  priego  II.  b 

preguiya  pg.  —  pigrezza 

prele  fr.  —  esprelle  IL  o 

prenda  sp.  —  *nans  II.  c 

preon,  preonsar  pr.  —  fondo 

pres,  presque  fr.  —  presso 

presciutto  iL  —  suco 

preste  sp.  —  prete 

presunto  pg.  —  suco 

pret  fr.  —  presto 

preter  fr.  —  prestare 

pretina  sp.  —  poitrine  IL  c 

pretre  fr.  —  prete 

preux  fr.  —  pro 

preveire  pr.  —  prete 

prevot  fr.  —  prevosto 

prezzemolo  it.  —  petrosellino 

primavera  iL  —  ver 

primavera  sp.  —  ver 

printeraps  fr.  —  ver 

prioste  sp.  —  prevosto 

prisco  sp.  —  persica 

prision  sp.  —  *prigione 

prison  fr.  —  *prigione 

proa  sp.  —  prua 

proda  iL  —  prua 

profenda  iL  —  prebenda 

promener  fr.  —  menare 

prosciutto  iL  —  suco 

prou  fr.  —  pro 

proue  fr.  —  prua 

provano  iL  —  tema  IL  b 

proveceio  t*.  —  profitto 

provecho  sp.  —  profitto 

proveito  pg.  —  profitto 

provena  sp.  —  propaggine 

provende  fr.  —  prebenda 

provianda  iL  —  viande  IL  c 

provigner,  provin  fr.  —  propaggine 

provoire  fr.  —  prete 

pruir  pg.  —  prüdere 

puce  fr.  —  pulce 

pucelle  fr.  —  pulcella 

puchero  sp.  —  puches  IL  b 

pues  sp.  —  poi 

pui  fr.  —  poggio 

puis  fr.  —  poi 

puiser.  puits  fr.  —  pozzo 

pulga  sp.  —  pulce 

pulgar  sp.  —  pollegar 


pulizia  it.  —  policia 
punaise  fr.  —  punais  IL  o 
punchar  sp.  —  punzar 
punzellare  iL  —  punzar 
puput  fr.  —  upupa 
putain  fr.  —  putto  (1) 
putput  sp.  —  upupa 
puxar  sp.  —  pulsar 

quai  fr.  —  cayo 
quait  pr.  —  puatto 
quaresma  sp.  —  quaresima 
quartel,  quarto  sp.  —  quartiere 
que  sp.  —  che 
que  fr.  —  che 
quebrantar  sp.  —  crebantar 
quebrar  sp.  —  crepare 
quec  pr.  —  chaque  IL  c 
quedar,  quedo  sp.  —  *cheto 
queixo  pg.  —  casso  (2) 
queixo  pg.  —  cascio 
quelha  pg.  —  calha  IL  b 
quelque  fr.  —  qualche 
quenotte  fr.  —  *quenne  II.  c 
quenouille  fr.  —  conocchia 
queso  sp.  —  cascio 
queue  fr.  —  coda 
qui  fr.  —  che 
quichar  pr.  —  quatto 
quien  sp.  —  che 
quignon  fr.  —  coin  IL  c 
quilate  sp.  —  carato 
qui  IIa  sp.  —  chiglia 
quille  fr.  —  chiglia 
quimera  sp.  —  chimera 
quincaille  fr.  —  clinquant  II.  c 
quindi  iL  —  quinci  IL  a 
quiflon  sp.  —  coin  IL  c 
quitar,  quito  sp.  —  *cheto 
quitare  iL  —  *oheto 
quitte,  quitter  fr.  —  *cheto 
quivi  it.  —  quinci  IL  a 
quixada,  quixera  sp.  —  casso  (2) 
quixote  sp.  —  coscia 
quoi  fr.  —  che 
quora  pr.  —  ora  (2) 


raban  fr. 
rabeca  pg. 
rabel  sp.  — 
rabesco  iL 
rabrouer  fr 
race  fr.  — 
rachar  pg. 
räcler  fr.  — 
rade  fr.  — 
radis  fr.  — 
raffio  it.  — 


R. 

—  haubans  IL  c 

—  ribeba 
ribeba 

—  arabesco 
—  *bravo 

razza 

—  rajar  IL  b 

—  *rascar 
*raudo  IL  b 
raifort  II.  o 
raffare 


812 


REGISTER 


rafler  fr.  —  räffare 
raie  fr.  —  *raggio 
railler  fr.  —  *rallar 
raiponce  fr.  —  raperonzo 
ramadouer  fr.  —  amadoner  II.  c 
rame  fr.  —  risma 
ramentevoir  fr.  —  mentar 
ramero  sp.  —  ramingo 
rammaricare  it.  —  amaricare 
rammentare  it.  —  mentare 
rämpognare  it.  —  rampa 
ramponer  fr.  —  rampa 
ramponzolo  it.  —  raperonzo 
rancare  it.  —  ranco 
rancho  sp.  —  rang  II.  c 
rancio  it.  —  arancio 
rancune  fr.  —  rancore 
randola  pr.  —  qondine 
randoner  fr.  —  randa 
rangier  fr.  —  *rangifero 
rannicchiare  it.  —  nicchio 
ranoochia  it.  —  grenouille  II.  o 
rapar  sp.  —  rappare 
rapar  pr.  —  rampa 
raper  fr.  —  raspare 
rapetasser  fr.  —  pedazo  II.  b 
rappa  it.  —  rappare  • 

raquette  fr.  —  racchetta 
raschiare  iL  —  *rascar 
rascia  it.  —  raso 
rasente  it.  —  *rez  II.  c 
rasgar,  rasgufiar  sp.  —  *rascar 
rasilla  sp.  —  raso 
ras8ettare  it.  —  *assettare 
ratar  pg.  —  *ratto 
ratear  sp.  —  *ratto 
räteau  fr.  —  rastro 
räton  fr.  —  *rate  II.  c 
raudal  sp.  —  *raudo  II.  b 
raüser  fr.  —  rifusare 
ravacher  fr.  —  rabacher  II.  c 
ravelin  fr.  —  *rivellino 
rayer,  rayon  fr.  —  *raggio 
rayo  sp.  —  *raggio 
razzo  it.  —  arazzo  II.  a 
rebec  fr.  —  ribeba 
rebellin  sp.  —  *rivellino 
rebitar  pg.  —  river  II.  o 
rebosar  sp.  —  versare 
rebours,  rebrousser  fr.  —  *broza 
recado  sp.  —  reoaudar  II.  b 
recamare  sp.  —  *ricamare 
recamer  fr.  —  *ricamare 
recato  sp.  —  catar 
recear  pg.  —  zelo 
recensar  pr.  —  *rincer  II.  c 
reohef  fr.  —  chef  II.  o 
rechigner  fr.  —  röche  II.  c 
rechinar  sp.  —  reche  II.  c 
recif  fr.  —  arrecife  II.  b 
reciner  fr.  —  *desinare 
recluter  fr.  —  *recru  II.  o 
recodo  sp.  —  cubito 
recoi  fr.  —  *cheto 


recourre,  recousse  fr.  •—  scaoiere 
recreant  fr.  —  ricredersi 
recudir  sp.  —  cudir  II.  b 
recnlar  sp.  —  rinculare 
reculer  fr.  —  rinculare 
redea  pg.  —  redina 
redoute,  reduit  fr.  —  ridotto 
ree  fr.  —  *raggio 
refem  pg.  —  rehen  II.  b 
refrain  fr.  —  refran 
refriega  sp.  —  fregare 
refrogner  fr.  —  *frignare  II.  a 
refuser  fr.  —  rifusare 
regain  fr.  —  guaime 
regal  fr.  —  *regalare 
regaliz  sp.  —  regolizia 
regatar  pg.  —  accattäre 
regime  fr.  —  *reame 
reglisse  fr.  —  regolizia 
regna  pr.  —  redina 
regocijo  sp.  —  gozo  II.  b 
rehusar  sp.  —  rifusare 
reissidar  pr.  —  destare  II.  a 
reja  sp.  —  reih» 
rejo  sp.  —  rebbio  II.  a 
relampago  sp.  —  lampo 
relinchar  sp.  —  hennir 
relox  sp.  —  oriuolo 
reluquer  fr.  —  *luquer  IL  c 
remate  sp.  —  matar  II.  b 
remblayer  fr.  —  *biado 
remolcar  sp.  —  rimurcbiare 
remorquer  fr.  —  rimurchiare 
remous  fr.  —  *mulino 
rempart  fr.  —  parare 
remuer  fr.  —  muer  II.  o 
rencilla  sp.  —  reflir  II.  b 
renda  pg.  —  randa 
rene  fr.  —  redina 
renfrogner  fr.  —  *frignare  II.  a 
rengo  sp.  —  ranco 
rengreger  fr.  —  *greve 
renifler  fr.  —  niffa 
renne  fr.  —  *rangifero 
renta  sp.  —  rendere 
rente  pg.  —  *rez  II.  c 
reponche  fr.  —  raperonzo 
reposer  fr.  —  paueare 
represaille  fr.  —  ripresaglia 
reproche  sp.  —  reprocher  II.  c 
reprovier  fr.  —  reprocher  II.  c 
requebrar  sp.  —  crepare 
requiebro  sp.  —  crepare 
requinquer  fr.  —  clinquant  II.  c 
rescatar  sp.  —  accattäre 
resemblar  sp.  —  sembrare 
resgatar  pg.  —  accattäre 
reama  sp.  —  risma 
re8oflar  sp.  —  sollar  IL  b 
resquicio  sp.  —  quicio  IL  b 
ressembler  fr.  —  sembrare 
ressort  fr.  —  *sortire  (1  u.  2) 
resta  it.  —  arista 
restaüar  sp.  —  *8tancare 


REGISTER. 


813 


restreindre  fr.  —  etreindre  II.  c 

retar  sp.  —  reptar 

reter  fr.  —  reptar 

retif  fr.  —  restio 

retroB  fr.  —  *torso 

reüser  fr.  —  rifusaro 

reussir  fr.  —  *escire 

revanche  fr.  —  vengiare 

reveche  fr.  —  *rivescio 

reves  sp.  —  *rivesoio 

revoit  fr.  —  *rivescio 

revora  pg.  —  robra  II.  b 

rezaga  8p.  —  zaga  II.  b 

rezelar  sp.  —  zelo 

rezzo  it.  —  aura 

rhubarbe  fr.  —  rabarbaro 

ribadire  it.  —  river  II.  c 

ribaudequin  fr.  —  ribaldo 

ribeca  it.  —  ribeba 

ribera  sp.  —  riviera 

ribrezzo  it.  —  *brezza 

ricaner  fr.  —  *regafiar 

riche  fr.  —  ricco 

rico  sp.  —  ricco 

ricp  pg.  —  riccio  (2) 

rienda  sp.  —  redina 

riesgo  sp.  —  risicare 

rifar  sp.  —  riffa 

riffilo  it.  —  riffa 

riffler  fr.  —  riffa 

rifmtare  it.  —  rifusare 

rigoglio  it.  —  orgoglio 

rigogolo,  rigolet to  it.  —  galbero 

rigoletto  it.  —  riga  IL  a 

rigoro  it.  —  rigole  II.  c 

rigottato  it.  —  rigot  II.  c 

rimbombare  it.  —  bomba 

rime  fr.  —  *rame  II.  c  (1) 

rinchar  pg.  —  hennir 

rincontra  it.  —  rimpetto  IL  a 

rinfrignato   zu  infrignato  it.  —  *fri- 

gnare  IL  a 
ringavagnare  it.  —  *guadagnare 
ringhiera  it.  —  aringo 
rintuzzare  it.  —  *intuzzare  IL  a 
rifia  sp.  —  refiir  II.  b 
rifion  sp.  —  rognone 
rio  it.  —  reo  IL  a 
riorte  fr.  —  *ritorta 
riotta  it.  —  riote  IL  c 
riparo  it.  —  parare 
risca  pg.  —  risicare 
riscossa  it.  —  scuotere 
rispitto  it.  —  repit  II.  c 
risque  fr.  —  risicare 
ristra  sp.  —  resta  (1) 
ristre  sp.  —  resta  (2) 
riz  fr.  —  riso 
rizo  sp.  —  riccio  (2) 
robbio  it.  —  roggio 
robin  sp.  —  ruggine 
roble  sp.  —  rovere 
rocchetta  it.  —  *rocca  (2) 
röche,  rocher  fr.  —  *rocca  (1) 


röchet  fr.  —  rocchetto 

rociada,  rocio  sp.  —  ros 

rocin  sp.  —  rozza 

rodela,  rodilla  8p.  —  rotella 

roffia  it.  —  ruffa 

rognon  fr.  —  rognone 

roion  fr.  —  *reame 

roise  idtfr.  —  ronir  II.  c 

rojar  pg.  —  rozar  II.  b 

rolde,  rollo  sp.  —  rotolo 

role  fr.  —  rotolo 

roman  fr.  —  romanzo 

romarin  fr.  —  ramerino 

romero  it.  —  romeo 

romero  sp.  —  ramerino 

romo  sp.  —  rombo  II.  b 

ronchier  fr.  —  *roncar  IL  b 

ronchione  it.  —  rocchio  II.  a 

ronciglio  it.  —  *ronce  II.  c  m 

roncin  fr.  —  rozza  * 

rondon  sp.  —  randa 

ronsar  pr.  —  *ronce  II.  c 

ronzino  it.  —  rozza 

rofia  sp.  —  rogna 

roque  sp.  —  rocco 

roquete  sp.  —  rocchetto 

roquette  fr.  —  ruca 

rorro  pg.  ~  ro  IL  b 

roseau  fr.  —  raus  IL  c 

rosee  fr.  —  ros 

rosse  fr.  —  rozza 

rotir  fr.  —  rostire 

roture  fr.  —  *rotta 

ronche  fr.  —  ntche  IL  c 

rouette  fr.  —  *ritorta 

roti£e  fr.  —  roggio 

ronille  fr.  —  ruggine 

rouler  fr.  —  rotolo 

roussin  fr.  —  rozza 

route,  routine  fr.  —  *rotta 

rouvent,  rouvelent  fr.  —  *rovello  II.  a 

rouvre  fr.  —  rovere 

roux  fr.  —  rosso 

rovescio  it.  —  *rivescio 

roxo  sp.  —  roggio  u.  rosso 

royaume  fr.  —  *reame 

roznar  sp.  —  ronzare  IL  a 

rua  sp.  —  ruga 

rubaldo  it.  —  ribaldo 

rnbare  it.  —  roba 

rnbiglia  it.  —  ervo 

rubio  sp.  —  roggio 

rnbis  fr.  —  rubino 

rue  fr.  —  ruga 

meca  sp.  —  *rooca 

ruf  pr.  —  ruffa 

rufo  sp.  —  ruffa 

rugiada  it.  —  ros 

rupumare  it.  —  ronger  II.  c 

ruiponce  sp.  —  raperonzo 

ruiseflor  sp.  —  rosignuolo 

ruisseau  fr.  —  ru  II.  c 

ruivo  pg.  —  roggio 

rollo  it.  —  rotolo 


814 


REGISTER. 


rumb  fr.  —  rombo 
ruqueta  sp.  —  ruca 
ruscello  it.  —  ru  II.  c 
rase  fr.  —  rifusare 
rustre  fr.  —  rüste  II.  c 
ruzzolare  it.  —  rotolo 


s. 


sa  pr.  —  qua 

sabio  8p.  —  saggio  (1) 

sable  8p.  —  sciabla 

sable  fr.  —  zibellino 

sabre  fr.  —  sciabla 

sabueso  8p.  —  segugio 

saccade  fr.  —  sacar 

saccager  fr.  —  *sacco 

sacomano  sp.  —  *sacco 

sach"r  fr.  —  sacar 

sacre  fr.  —  sagro 

sacudir  sp.  —  cudir  II.  b 

sadreia  pr.  —  satureja 

safran  fr.  —  zafferano 

sage  fr.  —  saggio  (1) 

sagerida  sp.  —  satureja 

sagetta  it.  —  saja 

saie  fr.  —  saja 

sain-doux  fr.  —  saime 

sainete  sp.  —  saime 

8aisir  fr.  —  sagire 

saison  fr.  —  stagione  u.  saison  II.  c 

sajar  sp.  —  sarrafar  II.  b 

sala  it.  —  Barria  II.  b 

salade  fr.  *celata 

salamoja  it.  —  moja 

salchicha  sp.  —  salsa 

saldo  it.  —  soldo 

sale  fr.  —  salavo 

sallar  pr.  —  saja 

sallar  sp.  —  sacho  II.  b 

salle  fr.  —  *sala 

salmuera  sp.  —  moja 

salpare  it.  —  sarpare 

salvietta  it.  —  *serviette  II.  c 

samit  pr.  —  sciamito 

8anchier  fr.  —  *stanco 

sancir  fr.  —  *sumsir  IL  c 

sanco  sp.  —  zanco 

sangle  fr.  —  cinghia 

sanglier  fr.  —  cinghiare 

sanglot  fr.  —  singhiozzo 

sanna  it.  —  zanna  II.  a 

sans  fr.  —  senza 

santoreggia  it.  —  satureja 

sape  fr.  —  *zappa 

sarcelle  fr.   —  cerceta 

sarcia  sp.   —  sarte 

sarco  sp.   —  *sargia 

sargento  sp.   —  sergente 

sarjar  sp.   —  sarrafar  II.  b 

sarriette  fr.   —  satureja 

sarro  sp.   —  sarna  II.  b 

sartan  pr.  —  sarten  IL  b 


aas  fr.  —  staccio 

satin  fr.  —  seta 

sauce,  saucisse  fr.  —  salsa 

saumätre  fr.  —  salmastro 

saumure  fr.  —  moja 

saupiquet  fr.  —  *salpicar  IL  b 

saure  fr.  —  sauro 

saussaie  fr.  —  *saule  II.  c 

sauvage  fr.  —  salvaggio 

savate  fr.  —  ciabat ta 

savena  pr.  —  sabana 

savoir  fr.  —  sapere 

saya  sp.  —  saja 

sayette  fr.  —  saja 

sazon  sp.  —  stagione   u.  saison  IL  c 

sbaglio  it.  —  bagliore  IL  a 

sbalzo  it.  —  balzare 

sbarro  it.  —  barra 

sbavigliare  it.  —  badare 

sberleffe  it.  —  balafre  IL  c 

sbiadato  it.  —  *biavo 

sbieco  it.  —  bieco  IL  a 

sbiescio  it.  —  biasciu 

sbigottire  it.  —  bigot  IL  c 

sbirciare  it.  —  bircio  IL  a 

sbirro  it.  —  birro  II.  a 

sbranare  it.  —  brandone 

sbrattare  it.  —  bratta  IL  a 

sbricco  it.  —  *bricco 

sbrizzare  it.  —  sprazzare  IL  a 

sbrocco  it.  —  brocco 

sbulimo  it.  —  bulimo  IL  a 

scalabröne  it.  —  calabrone  IL  a 

scampare  it.  —  scappare 

scana  it.  —  zanna  IL  a 

scancia  it.  —  *escanciar 

scancio  it.  —  sguancio  IL  a 

scapitare  it.  —  capitare  IL  a 

scappino  it.  —  *scarpa 

scarabone  it.  —  scarafaggio 

scardo  it.  —  cardo 

scarpello  it.  — -  eacoplo  IL  b 

scarsella  it.  —  sciarpa 

scarzo  it.  —  scarso 

scavezzare  it.  —  cavezza 

schencire  it.  —  sguancio  IL  a 

scherano  it.  —  schiera 

schermugio  it.  —  scaramuccia 

schiabecco  it.  —  chaveco 

schiancio  it.  —  sguancio  IL  a 

schiappare  it.  —  schiantare 

scbiatta  it.   —  piatto 

schiattire  it.  —  ghiattire 

schiavino  it.  —  scabino 

schidone  it.  —  spito 

8chimbe8cio  it.  —  sghembo  II.  a 

schincio  it.  —  sguancio  II.  a 

sobiniera  it.  —  *schiena 

sciagura  it.  —  augurio 

scialuppa  it.  —  chaloupe  IL  c 

sciancato  it.  —  *anca 

sciatta  it.  —  piatto 

scion  fr.  —  scier  IL  c 

aciorinare  it.  —  sauro 


BEGISTER. 


815 


sciupare  it.  —  scipare  II.  a 

scivolare  it.  —  *cigolare  II.  a 

scodella  iL  —  ecuelle  II.  c 

scompigliare  it.  —  pigliare 

scoppiare  iL  —  coppia 

scoppio  iL  —  schioppo  II.  a 

scorreggia  iL  —  coreggia 

scorgere,  scorta  iL  —  corgere  II.  a 

scorticare  iL  —  corteccia 

scozzone  it.  —  cozzone 

screpolare  iL  —  crepare 

scuffia  iL  —  cuffia 

sdrucire  it.  —  cucire 

seau  fr.  —  secchia 

seche  fr.  —  seppia 

secouer,  secousse  fr.  —  scuotere 

seda  sp.  —  seta 

segnare  it.  —  salassare  II.  a 

sega  iL  —  scier  II.  c 

sego  it.  —  sevo 

segola  iL  —  segale 

segurelha  pg.  —  satureja 

seigle  fr.  —  segale 

seigneur  fr.  —  signore 

seille  fr.  —  secchia 

sei'ller  fr.  —  *soif  IL  c 

seira  pg.  —  sarria  IL  h 

sejour  fr.  —  giorno 

selga  pg.  —  acelga  IL  b 

sem  pg.  —  senza 

sem  pr.  —  scemo 

semaine  fr.  —  *settimana 

semana  sp.  —  *settimana 

sembeli  pr.  —  zibellino 

semblant,  sembler  fr.  —  sembrare 

semblar,  semejar  sp.  —  sembrare 

semonce  fr.  —  semondre  IL  c 

semoule  fr.  —  semola 

senau  fr.  —  semaque  IL  c 

sene  fr.  —  sena 

senechal  fr.  —  siniscalco 

senescal  sp.  —  siniscalco 

senopia  it.  —  sinople  IL  c 

sentier  fr.  —  senda 

sentiero  it.  —  senda 

seüa  sp.  —  insegna 

sefior  sp.  —  signore 

sepoule  fr.  —  spola 

ser  sp.  —  essere 

ser  pr.  —  cerro  IL  b 

sera  sp.  —  sarria  II.  b 

serail  fr.  —  serrare 

serge  fr.  —  *sargia 

sergozzone  it.  —  gozzo  IL  a 

serein  fr.  —  *sera 

seringue  fr.  —  sciringa 

sermar  pr.  —  *esmar 

serpa  sp.  —  serpe  II.  c 

serper  fr.  —  sarpare 

serpollo  iL  —  sermollino  IL  a 

serralha  pg.  —  sarraja  IL  b 

serventese  ü.  —  sirvente  IL  c 

serviable  fr.  —  *serviette  IL  c 

serzir  pg.  —  zurcir  IL  b 


ses  fr.  —  *assai 
sescalco  it.  —  siniscalco 
sesmar  pr.  —  *esmar 
setier  fr.  —  sestiere 
seton  fr.  —  seta 
seuil  fr.  —  suolo 
severonde  fr.  —  *gronda 
sferzare  iL  —  ferzare  II.  a 
sfidare  iL  —  disfidare 
sfrontato  iL  —  affrontare 
sgarrare  iL  —  garer  IL  c 
sghignare  iL  —  ghignare 
sgombrare  it.  —  colmo 
sgorbia  iL  —  *gubia 
sgretolare  it.  —  gretola  II.  a 
sgridare  it.  —  gridare 
sguizzare  it.  —  gaizzare  IL  a 
siege  fr.  —  sedio 
sien  fr.  —  mien  IL  c 
Sierra  sp.  —  serra 
sieur  fr.  —  signore 
siglaton  fr.  —  ciclaton 
sigle  fr.  —  singlar 
sim  pg.  —   sl 
simigliare  it.  —  sembrare 
sin  sp.  —  senza 
sino  pg.  —  segno 
sinople  pg.  —  sinople  IL  c 
sire  fr.  —  signore 
sirgo  sp.  —  sargia 
siroc  fr.  —  sirocco 
siso  pg.  —  8eso  IL  b 
sivels  fr.  —  veans  IL  c 
sizel  pg.  —  cincel 
slandra  iL  —  landra 
smaccare  iL  —  macco 
8maniglia  it.  —  maniglia 
smarrire  it.  —  *marrir 
smeriglione  iL  —  merlo 
smilzo  it.  —  milza 
smorfia  iL  —  morfire  IL  a 
smunto  iL  —  mungere 
smussare  it.  —  mozzo 
so  pr.  —  ciö 

soanar  pr.  —  sosanar  IL  b 
sobaco  sp.  —  barcar  IL  b 
sobajär  sp.  —  sobar  IL  b 
sobarcar  sp.  —  barcar  IL  b 
sobbissare  iL  —  abisso 
sobejo  pg.  —  soverchio 
sobrino  sp.  —  cugino 
socle  fr.  —  80c  II.  c 
sodo  it.  —  soldo 
sofanar  pr.  —  sosanar  IL  b 
sofracha  pr.  —  soffratta 
soglio  it.  —  suolo 
soie  fr.  —  seta 
soin  fr.  —  sogna 
soir  fr.  —  *sera 
solapar  sp.  —  lapo 
solar  sp.  — ■  snolo 
solare  it.  —  suolo 
sole  fr.  —  suolo 
solfege  fr.  —  solfa 


816 


REGISTER. 


sollastre  sp.  —  souil  II.  c 
sollozo  sp.  —  8inghiozzo 
sorna  it.  —  *salma 
sombre  fr.  —  sombra  II.  b  . 
somigliare  it.  —  sembrare 
somme,  sommelier  fr.  —  *salma 
sommer  fr.  —  semondre  II.  c 
sommet,  son  fr.  —  sommo 
soplar  sp.  —  soffiare 
soprar  pg.  —  soffiare 
soräre  it.  —  sauro 
sorgozzone  it.  —  gozzo  II.  a 
Borne,  sornette  fr.  —  *sorn 
sorra  sp.  —  zavorra 
Bosa  sp.  —  soda 
Bot  fr.  —  zote 
bou  fr.  —  *soldo 
souche  fr.  —  soc  II.  c 
Boude  fr.  —  soda 
souder  fr.  —  *soldo 
soudoier  fr.  —  *soldo 
Bouffier,  soufflet  fr.  —  soffiare 
souffreteux  fr.  —  soffratta 
soufre  fr.  —  solfo 
8ouhait  fr.  —  hait  II.  c 
souiller  fr.  —  souil  II.  c 
soulas  fr.  —  sollazzo 
soulier  fr.  —  suolo 
soupe  fr.  —  sopa 
Boupente  fr.  —  pente  II.  c 
souple  fr.  —  8offioe  II.  a 
8ouquenille  fr.  —  guenille  II.  c 
source  fr.  —  sourare  II.  c 
sourifl  fr.  —  sorce 
8ournoi8  fr.  —  sorn 
8ou8,  soutane  fr.  —  sotto 
souvent  fr.  —  sovente 
sozzo  it.  —  sucido 
spacciare  it.  —  paociare 
spantare  it.  —  epaventare 
Bparare  it.  —  parare 
sparmiare  it.  —  sparagnare 
sparpagliare  it.  —  parpaglione 
speciale  it.  —  oste  (2) 
spesa  it.  —  spendere  IL  a 
spiaggia  it.  —  piaggia 
spiccare  it.  —  pegar 
spicchio  it.  —  spigolo  II.  a 
spidocchiare  it.  —  pidocchio 
spiedo  it.  —  spito 
spingarda  it.  —  springare 
sprizzare  it.  —  sprazzare  II.  a 
Bprocco  it.  —  broccb 
8pruzzare  it.  —  sprazzare  II.  a 
spulciare  it.  —  pulce 
squadra  it.  —  quädro 
squelette  fr.  —  scheletro 
squillo  it.  —  spillo 
staccare  it.  —  tacco 
stajo  it.  —  sestiere 
stioppo  it.  —  schioppo  II.  a 
stizza,  stizzo  it.  —  tizzo 
störe  fr.  —  stoja 
storpiare  it.  —  stroppiare 


stramba  it.  —  strambo 
strämbasciare  it.  —  *ambasciata 
st r apasser  fr.  —  *pazzo  II.  a 
strapazzare  it.  —  *pazzo  IL  a 
strascinare  it.  —  trassinare  IL  a 
strato  it.  —  *strada 
strebbiare  it.  —  trebbia 
stroscio  it.  —  troscia  IL  a 
8tutare  it.  —  *tutare 

SU    it.    —    8USO 

suc  pr.  —  cucuzza 
succiare,  sugare  it.  —  suco 
suoer  fr.  —  suco 
sucio  sp.  —  sucido 
sucre  fr.  —  zucchero 
suela  sp.  —  buoIo 
sueldo  sp.  —  *soldo 
sugliardo  it.  —  souil  IL  c 
8uif  fr.  —  sevo 
suignante  fr.  —  sogna 
sujo  pg.  —  sucido 
sumac  fr.  —  somraaco 
sumir  sp.  —  *sumsir  IL  c 
super  fr.  —  sopa 
supercheria  sp.  —  soverchio 
'supercherie  fr.  —  soverchio 
surcot  fr.  —  cotta 
surdir  pg.  —  *sortire  (1) 
Burgeon  fr.  —  sourdre  IL  c 
surplis  fr.  —  pelliccia 
surtir  sp.  —  *sortire  (1) 
suscher  fr.  —  soupcon  IL  c 
sussiego  it.  —  *sosegar  IL  b 
8usto  sp.  —  sostare 
suzzare  it.  —  suco 
svanire  it.  —  evanouir  IL  c 
sverza  it.  —  verza 


T. 


taballo  it.  —  ataballo 

tabouret  fr.  —  tamburo 

tacafio  sp.  —  taccagno 

taccia  ♦*.  —  tacco 

tacha,  tacon  sp.  —  tacco 

tache  fr.  —  tacco 

tache,  tasque  fr.  —  tasca 

tahur  sp.  —  tafur 

taie  fr.  —  tata 

taille,  tailler  fr.  —  taglia 

tain  fr.  —  stagno 

taisson  fr.  —  *tasso 

taja,  tajar  sp.  —  taglia 

taladro  sp.  —  taraire 

talmasche  fr.  —  maschera 

talon  fr.  —  tallone 

tambussare  it.  —  'tabust  IL  c 

tamica  pg.  —  tomiza  IL  b 

tamis  fr.  —  tamigio 

tampa  pg.  —  tape 

tampon  fr.,  tampir  pr.  —  tape 

tancar  pr.  —  *stancare 

tancer  fr.  —  *tencer  IL  o 


REGISTER. 


817 


tanghero  it.  —  tangoner  IL  c 

tangre  fr.  —  tangoner  II.  o 

tanqae  pg.  —  *stancare 

taon  fr.  —  tafano 

tapino  it.  —  tapir  II.  c 

tapis  fr.  —  tappeto 

tapiz  sp.  —  tappeto 

taquin  fr.  —  taccagno 

tarabuster  fß.  —  *tabust  II.  c 

taracena  pg.  —  arsenale 

taradore  it.  —  taraire 

taragona  sp.  —  *targone 

taraud  fr.  —  taraire 

taraza  sp.  —  taraire 

tarazon  sp.  —  *torso 

taravel  pr.  —  taraire 

targuer  fr.  —  *targa 

tariere  fr.  —  taraire. 

tarlo  it.  —  tarma 

tarna  sp.  —  tarma 

tarte  fr.  —  torta 

tartufo  it.  —  truffe 

tasse  fr.  —  tazza 

tasseau  fr.  —  tassello 

tasugo  sp.  —  *tasso 

tataro  pg.  —  tartagliare 

täter  fr.  —  tastare 

tato  sp.  —  tata 

tato  sp.  —  tartagliare 

taut  fr.  —  *ataud 

taux  fr.  —  *taxer  II.  c 

tayon  fr.  —  tata 

tecca  it.  —  tacco 

techir  pr.  —  tacco 

teigne  fr.  —  tigna 

teixugo  pg.  —  *tasso 

tehir  fr.  —  tecchire  II.  a 

teja  sp.f  telha  pg.  —  tegola 

temblar  sp.  —  tremolare 

tenaille  fr.  —  tanaglia 

tenaza  sp.  —  tenaglia 

tendon  fr.  —  tenda 

tente  fr.  —  tenda 

tenza  it.  —  *tencer  II.  c 

terchio  it.  —  terco  II.  b 

tercena  pg.  —  arsenale 

terliz  sp.  —  traliccio 

terzeruolo  it.  —  terzuolo 

tertulia  sp.  —  *trastullo  II.  a 

teschio  it.  —  *testa 

tesoura  pg.  —  tesoira 

tesserandolo  it.  —  tisserand  II.  c 

tesson,  tet,  tete  fr.  —  *testa 

teste  it.  —  testeso  II.  a 

texon  sp.  —  *tasso 

the  fr.  —  te 

thon  fr.  —  tonno 

tic  fr.  —  ticchio  II.  a 

tien  fr.  —  mien  IL  c 

tiercelet  fr.  —  terzuolo 

tigella,  tijola  pg.  —  tegola 

til  pg.  —  tilde  IL  b 

timalo  sp.  —  temola 

timbal  sp.  —  ataballo 


timballo  it.  —  ataballo 

titnbro  sp.  —  timbre  II.  c 

tio  sp.  —  zio 

tique  fr.  —  zecca 

tiretaine  fr.  —  tiritaüo  IL  b 

tison  fr.  —  tizzo 

tixera  sp.  —  tesoira 

tiznar  sp.  —  tizzo 

toalla  sp.  —  tovaglia 

toba  sp.  —  tufo 

tocha  pg.  —  torciare 

tocon  sp.  —  tocca 

todavia  sp.  —  via  (1) 

toison  fr.  —  tosone 

tolda  pg.  —  toldo  II.  b 

tomare  it.  —  tombolare 

tomber,  tombereau  fr.  —  tombolare 

tomplina  pr.  —  tonfano  IL  a 

tondino  sp.  —  tondo  II.  a 

tonne  fr.  —  tona 

tonner  fr.  —  trono 

tonnere  fr.  —  trono 

topar,  tope  sp.  —  toppo. 

toque  fr.  —  tocca 

toquer  fr.  —  toccare 

torca  sp.  —  torciare 

torche,  torcher  fr.  —  torciare 

toriga  pr.  —  toura  II.  b 

torlo  it.  —  tuorlo  IL  a 

torsello  it.  —  torciare 

tortis  fr.  —  torciare 

tortue  fr.  —  tartaruga 

tortuga  sp.  —  tartaruga 

torzuelo  sp.  —  terzuelo 

tosoira  pr.  —  tesoira 

tot  fr.  —  tosto 

totovia  sp.  —  *cotovia  IL  b 

touaille  fr.  —  tovaglia 

toucher  fr.  —  toccare 

toupet,  toupie,  toupon  fr.  —  toppo 

tour  fr.  —  torno 

tourbe  fr.  —  torba 

tourner,  tournoi  fr.  —  torno 

tourte  fr.  —  torta 

toutefois  fr.  —  via  (1) 

trabacca  it.  —  *tref  II.  c 

trabajo  sp.  —  travaglio 

traboccare  it.  —  buco 

trac,a  pg.  —  taraire 

tracäo  pg.  —  *torso 

tracas  fr.  —  trac  IL  c 

traccheggiare  it.  —  trac  IL  c 

trace,  tracer  fr.  —  tracciare 

tracotanza  it.  —  *coitare 

trado  pg.  —  taraire 

trafagar  sp.  —  traffico 

tragin  sp.  —  traino 

trahir,  traitre  fr.  —  tradire 

trainer  fr.  —  traino 

trambasciare  it.  —  *ambasciata 

trambustare  it.  —  busto 

trampa  sp.  —  trappa 

tran^a  pg.  —  treccia 

trance  sp.  —  transito 

52 


818 


REGISTER. 


trancher  fr.  —  trinciare 

trangugiare  it.  —  gozzo  IL  a 

transe,  transir  fr.  —  transito 

trapano  it.  —  trepano 

trapo  sp.  —  *drappo 

trappe  fr.  —  trappa 

traquear  sp.  —  trac  IJ.  c 

traquet  fr.  —  trac  II.  c 

traquete  pg.  —  *trinchetto 

traripare  it.  —  derribar  II.  b 

trasfegar  sp.  —  trasegar  II.  b 

trassare  it.  —  tracciare 

traste  sp.  —  tastare 

travoella  pg.  —  taraire 

trazar  sp.  —  tracciare 

trebol  sp.  —  trifoglio 

trebucher  fr.  —  buco 

treco  pg.  —  terzuolo 

trefle  fr.  —  trifoglio 

treillis  fr.  —  traliccio 

trembler  fr.  —  tremolare 

tremie  fr.  —  tramoggia 

tremonha  pg.  —  tramoggia 

trencar  pr.  —  trinciare 

trenza  sp.  —  treccia 

treo  sp.  —  treu 

treou  fr.  —  treu 

trepeiller,  trepigner  fr.  —  *treper  II.  c 

tres  fr.  —  tras 

tresse  fr.  —  treccia 

tressi  fr.   —  si  II.  c 

treuil  fr.  —  torchio 

treve  fr.  —  tregua 

trevo  pg.  —  trifoglio 

tribolare  it.  —  trebbia 

tricher  fr.  —  treccare 

tricot  fr.  —  *tricoter  IL  c 

trigar  pr.  —  tricare 

trigaud  fr.  —  tricare 

trilla  sp.  —  triglia 

trillo  sp.  —  trebbia 

trinar  sp.  —  trillare 

trincar,  trinchar  sp.  —  trinciare 

trinquer  fr.  —  trincare 

trique  fr.  —  *tricoter  IL  c 

triquer  fr.  —  treccare 

triscar  sp.  —  trescare 

trivello  it.  —  taraire 

triza  sp.  —  trissar  IL  c 

troar  pg.  —  trono 

trobar  sp.  —  trovare 

trombe  fr.  —  *tromba 

trompe,  tromper  fr.  —  *tromba 

trompicar  sp.  —  *tropezar  II.  b 

tron  sp.  —  trono 

troncon  fr.  —  *torso 

tronzar  sp.  —  *torso 

trop  fr.  —  *tropa 

troquer  fr.  —  trocar 

tros,  trosar  pr.  —  *torso  » 

trosqu'a  fr.  —  jusque  II.  c 

trou  de  chou  fr.  —  *torso 

troupe  fr.  —  *tropa 

trousße  fr.  —  torciare 


trouver  fr.  —  trovare 
trovejar  sp.  —  trono 
trovisco  pg.  —  torvisco  II.  b 
troxa,  troza  sp.  —  torciare 
trozo  sp.  —  *torso 
trucha  sp.  —  trota 
trucheman  fr.  —  dragomanno 
trucher  fr.  —  *truan 
truhan  sp.  —  *truan 
truie  fr.  —  troja 
truite  fr.  —  trota 
trujaman  sp.  % —  dragomanno 
trumbo  sp.  —  truffe 
tueissec  pr.  —  tosco 
tuer  fr.  —  *tutare 
tuerca  sp.  —  torciare 
tuile  fr.  —  tegola 
tulipe  fr.  —  tulipano. 
tumba  sp.  —  tomba 
tumbaga  sp.  —  tombacco 
tumbar  sp.  —  tombolare 
tumer  fr.  —  tombolare 
tuono  it.  —  trono 
tupir  sp.  —  toppo 
turar  sp.  —  atturare 
turare  it.  —  atturare 
turbante  it.  —  tulipano 
turbote  fr.  —  *turbot  IL  c 
turcasso  it.  —  turquois  II.  c 
turchino  it.  —  turchese 
turcimanno  it.  —  dragomanno 
turga  pr.  —  toura  IL  b 
turma  sp.  —  truffe 
turrar  sp.  —  torrar  IL  b 
tuttavia  it.  —  via  (1) 
tuyau  fr.  —  tudel 
tuzar  pr.  —  *tutare 

u. 

ubbriaco  it.  —  ebbriaco 
ubino  it.  —  hobin  IL  c 
ufano  sp.  —  uffo 
ugola  it.  —  luette  II.  c 
umbigo  pr.  —  *ombelico 
umbrilh  pr.  —  *ombelico 
ümiliaoa  it.  —  meliaca  IL  a 
unguanno  it.  —  *uguanno 
uria  it.  —  augurio 
usatto  it.  —  uosa 
uscire  it.  —  *escire 
usclar  pr.  —  *bruciare 
usignuolo  it.  —  rosignuolo 
utlague  fr.  —  lague  IL  c 

v.  w. 

vado  sp.  —  *guado 
vaho  sp.  —  bafo  II.  b 
vaissa  pr.  —  avaissa  IL  c 
vaisseau  fr.  —  vascello 
valanga  ü.  —  avalange  n.  o 


REGISTER. 


819 


valcare  it.  —  varcare  II.  a 

valet  fr.  —  vassallo 

valetto  it.  —  vassallo 

valise  fr.  —  *valigia 

vanello  it.  —  vanno 

vanille  fr.  —  vainiglia 

vanneau  fr.  —  vanno 

vantaggio  it.  —  anzi 

vantail  fr.  —  ventaglio 

varenga  sp.  —  varangue  II.  c 

varenne  fr.  —  garenne  II.  c 

varon  sp.  —  barone 

varvassore  it.  —  vassallo 

vasa  pg.  —  gazon  II.  c 

vasca  pg.  —  basca  II.  b 

vase  fr.  —  gazon  II.  <j 

vautour  fr.  —  avoltore 

vavasseur  fr.  —  vassallo 

vaya  8p.  —  baja  (2) 

vec  pr.  —  ecco 

vedette  fr.  —  vedetta  II.  a 

vedro  sp.  —  vecchio 

vegada  sp.  —  vece 

vegada  pr.  —  vece 

veillaquerie  fr.  —  vigliacco 

veille,  veilles  fr.  —  *veglia 

vela  8p.  —  *veglia 

veletta  it.  —  *veglia 

velhaco  pg.  —  viffliacco 

velin  fr.  —  veau  II.  c 

venda  sp.  —  benda 

vendaval  sp.  —  vent  d'amont  IL  c 

vendredi  fr.  —  venerdi 

vengar  sp.  —  vengiare 

venres  pr.  —  venerdi 

ventaja  sp.  —  anzi 

vera  sp.  —  riviera 

verano  sp.  —  ver 

verdolaga  sp.  —  portulaca 

verduco  it.  —  verdugo  II.  b 

verge  altfr.  —  *virare 

vergel  sp.  —  verziere 

verger  fr.  —  verziere 

vergüenza  sp.  —  vergogna 

vermeil  fr.  —  vermiglio 

vermelho  pg.  —  vermiglio 

verno  it.  —  inverno 

veröle  fr.  —  vajuolo 

verretta  it.  —  vira 

verricello  it.  —  *verrina 

verruma  pg.  —  *verrina 

verveux  fr.  —  bertovello 

verzino  ü.  —  brasile 

vesgo  pg.  —  bizco  II.  b 

veuf  fr.  —  *vide  II.  c 

vezo,  vi co  pg.  —  *vizio 

vezzo  it.  —  *vizio 

VI  lt.    —   1V1 

viautre  fr.  —  veltro 
vidrecome  fr.  —  wilecome  II.  c 
vieil,  vieillard  fr.  —  vecchio 
viejo  sp,  —  vecchio 
viera  it.  —  virar 
vielle  fr.  —  viola 


viernes  sp.  —  venerdi 

vieux,  vies  fr.  —  vecchio 

viez  pg.  —  biasciu 

vigia  sp.  —  *veglia 

vigie  fr.  —  *veglia 

vigliulo  it.  —  vigliare  II.  a 

vihuela  sp.  —  viola 

vilain  fr.  —  villa 

vilandrier  pr.  —  landra 

vilordo  sp.  —  *lordo 

vindas  fr.  —  ghindare 

vipistrello  it.  —  pipietrello  II.  a 

virole  fr.  —  *virar 

viruela  sp.  —  vajuolo 

viseus  fr.  —  *viziö 

vislumbre  sp.  —  barlume  II.  a 

vispo  it.  —  visto 

vite  fr.  —  visto 

vivac  sp.  —  bivac  II.  c 

vocolo  it.  —  avocolo 

voisdie,  voisie  fr.  —  *vizio 

volc  fr.  —  *veule  II.  c 

voler  fr.  —  *embler  II.  c 

vore  fr.  —  *orlo 

vorma  pr.  —  mormo 

vouer  fr.  —  voeu  11.  c 

vouloir  fr.  —  volere 

voüte  fr.  —  volto 

voyage  fr.  —  viaggio 

vrille  fr.  —  *verrina 

vulto  sp.  —  bulto  II.  b 

warlouqne  fr.  —  *berlusco  II.  a 

wihot  fr.  —  *cornard  II.  c 

x. 


xabeque  sp. 
xadrez  sp.  • 
xalma  sp.  - 
xaloque  sp. 
xamete  sp. 
xaque  sp.  - 
xarcia  sp.  - 
xarope  sp. 
xauip  sp.  — 
xeme  sp.  — 
xerga  sp. 
xergon  spi 
xeringa  sp. 
xeve  sp.  — 
xibia  sp.  — 
xiroque  sp. 
xisca  sp.  — 
xugo  sp.  — 


—  chaveco 

—  axedrez  II.  b 

-  *salma 

—  scirocco 

—  sciamito 

—  scacco 

—  sarte 

—  siroppo 

—  augurio 
scemo 

—  gergo 

—  *sargia 

—  sciringa 
chef  II.  c 
seppia 

—  scirocco 
sescha  IL  c 

8UCO 


Y. 


y  fr.  —  ivi 

ya  sp.  —  giä 

yedgo,  yezgo  sp.  —  ebbio 

yegua  sp.  —  *cavallo 

yelmo  sp.  —  elmo 


820 


REGISTER. 


yermo  sp.  —  *ermo 
yero,  yervo  sp.  —  ervo 
yesca  sp.  —  *esca 
yeso  sp.  —  algez  II.  b 
yeuse  fr.  —  elce 
ynnque  sp.  —  incude 

z. 

zaffata,  zaffö  it.  —  tape  u.  ceffo  II.  a 

zaffrone  it.  —  zafferano 

zahareöo  sp.  —  safara  II.  b 

zahorra  sp.  —  zavorra 

zaina  sp.  —  zaino  II.  a 

zaino  it.  —  zaino  II.  b 

zampa  it.  —  tape  II.  c 

zampar  sp.  —  tape 

zampillo  it.  —  tape 

zampogna  it.  —  sampogna 

zampofia  sp.  —  sampogna 

zanefa  sp.  —  cenefa  II.  b 

zanzara  it.  —  zenzara 

zapata  sp.  —  ciabatta 

zapuzar  sp.  —  *chapuzar  II.  b 

zara  it.  —  azzardo 

zarpa,  zarpar  sp.  —  sarpare         • 


zarzaparilla 
zarzeta  sp. 
zebelina  sp. 
zeca  sp.  — 
zenzalo  sp. 
zerbo  pg.  - 
zevro  cätpg. 
zezzo  it.  — 
zezzolo  it.  - 
zigrino  it.  - 
zimarra  it. 
zimbro  pg. 
zinir  pg.  — 
zitta  it.  — 
zoccolo  it.  - 
zoira  pr.  — 
zolfo  it.  — 
zompo  sp.  - 
zouzo  sp.  — 
zucca  it.  — 
zufolo  it.  — 
zumaque  sp. 
zunir  pg.  — 
zuppa  it.  — 
zurriago  sp. 
zurro  it.  — 


sp.  —  salsapariglia 

—  cerceta 

—  zibellino 
zecca  II.  a 

—  zanzara 

—  zirbo  O.  a 

—  *toivre  IL  o 
sezzo  II.  a 

—  tetta 

—  obagrin  II.  c 

—  zamarro  II.  b 

—  ginepro 
zenzara 

tetta 

-   SOC   II.    0 

*zorra  II.  b 
eolfo 

—  zoppo 

—  soso  II.  b 


cucuzza 
ciufolo 

—  sommaco 
zenzara 

Bopa 

—  scuriada 
zurlo  II.  a 


BERICHTIGUNGEN. 


S.    60  s. 

m      67  „ 

n      83  » 

»     90  „ 

n  103  „ 

»  137  „ 

»  i«?o  „ 

n  **&  » 

.  177  „ 

n   194:  , 


77  77  77 

i,  ^05  „ 

.  313  , 

t»  229  n 

.  343  „ 

b  368  „ 

»  374  , 

.  384  , 

»  388  „ 

n  319  „ 

n  344  „ 


v.  borraggine,  z.  1  l.  zsgz.  st.  zsgs. 

„   brida,  z.  1  l.  predella 

campo,  z.  11  l.  altfr.  st.  fr. 
carruba,  z.  2  l.  carrubo  st.  carrobo 
coglione,  z.  1  l.  couillon  st.  coillon 


n 

n 
n 

7) 
7) 

n 
n 
ti 
n 
» 

» 
n 
n 
n 

7} 
7) 
7) 


escire,  z.  4  l.  ussir  st.  issir 
fata,  z.  3  l.  feien  st.  feinen 
forgia,  z.  2  l.  fragua  st.  fraga 
guaragno,  z.  1  l.  sp.  garafion 
lisca,  z.  3  l.  leche  st.  leche 

„      z.  7  füge  nach  anderes  das  wort  glossar 
lista,  z.  6  l.  lisera  st.  lisiera 

marrochino  l.  marrocchino  und  fr.  maroquin  (mit  einem  r). 
mezzo,  z.  4  setze  sp.  vor  mitad 
ostaggio,  z.  1  l.  otage  (ohne  circumflex) 
petardo,  z.  1  l.  petard 
reBta  (2),  z.  1  l.  enristre 
rognone,  z.  2  l.  rognon  st.  roignon 
scaramuccio,  z.  1  l.  sp.  pr.  escaramuza 
scotta,  z.  1  l.  altfr.  escote  st.  escota 
tesoira,  z.  1  setze,  vor  tixera,  sp.  st.  pg. 
vizio,  letzte  zeile  l.  zsgz.  st.  zsgs.  i< 


ünivonitätS'Buchdruckerei  von  Carl  Georg!  in  Bonn. 


j 


V 


1